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www.weddix.de Kann man auf Hochzeitseinladungen um Geldgeschenke bitten? Also, das ist ja peinlich, oder? Da wird man zu einer Hochzeit eingeladen, und da schreiben die da, sie möchten um Geldgeschenke bitten und nicht um irgendwelche Sachen – weil man da ja dann immer alles doppelt und dreifach bekommt, und was macht man dann damit, das muss man ja dann wegschmeißen, oder eben in den Keller stellen für die nächsten fünfzig Jahre... also das schreiben die natürlich so nicht alles, aber so ist es gemeint – und wirklich, also ist das nicht der Gipfel der Geldgier und Geschmacklosigkeit? Ein Geschenk kommt doch von Herzen: eine Vase, ein Kaffeeservice, ein Gemälde – aber Geld? Wie kalt! Wie unromantisch sich das macht auf Hochzeitskarten... Na, aber andererseits haben die Leute ja irgendwie auch recht. Was sollen sie denn tun mit den ganzen Vasen, Vasen und Vasen? Oder mit dem dritten Sortiment eines, wenn auch edlen, Kaffeeservices? Wohin mit dem Zeug? Meine Eltern hatten da Glück. Ich erinnere mich. Die hatten ein paar Sachen, die sie wirklich geliebt haben. Aber früher war das eben vielleicht auch noch anders. Da haben sich die Schenkenden vielleicht noch mehr Mühe gegeben. Außerdem gab es so traditionelle Vorgaben, an die man sich halten konnte. Und vielleicht haben sich die Hochzeitsgäste auch abgesprochen. Jedenfalls hatten meine Eltern so ein paar wirklich schöne, geschmackvolle Einzelstücke – die standen unser Leben lang im Wohnzimmer.

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Da waren aber auch ein paar andere Teile – wie verwaist haben die in der Schublade ihr Leben gefristet. Schöne silberne Besteck-Stücke. Schön verziert, edel – aber kein Mensch hat das jemals gebraucht! Ich erinnere meine Mutter, die dann zu gewissen Anlässen sich erbarmt hat, und dann hat man die Zuckerklemme beim Kaffeetisch an Ostern mit auf den Tisch gelegt – und da lag sie dann, hübsch anzusehen, beeindruckend, edel, distinguiert – aber die Zuckerwürfel haben wir dann doch mit dem Löffel zur Tasse befördert. Einfach ungewohnt, so ein Ding. Da war dieser Korken, mit so einem Gebilde drauf – das war ein geschmackloses Ding, meine Güte! Das war so hässlich, das Ding, dass es sich vor Scham in der Schublade immer in die hinterste Ecke gedrückt hat. Der Schenker war ja eigentlich der Missetäter, aber was weiß denn schon der Kork darüber... So ist das eben: man kann ja den Leuten nicht seinen eigenen Geschmack übertragen! Jeder darf und soll und muss ja seinem eigenen Geschmack entsprechend handeln und eben das kaufen, oder basteln, häkeln, stricken, schreinern, was seinem oder ihrem Geschmack entspricht, und was er eben glaubt, was dem Brautpaar gut gefallen könnte. Und was sie brauchen... Nun, das ist ein kompliziertes Thema. Jetzt kann man natürlich mit den Hochzeitseinladungen eine Liste mitschicken, was man sich wünscht, was man noch braucht für den neu zu gründenden Haushalt – falls es einen gibt, das ist ja heute nun auch nicht mehr selbstverständlicher Teil einer Ehe. Und dann, dann wird es ganz verzwickt... Also, obwohl es ziemlich eindeutig wirklich äußerst unromantisch ist um Geldgeschenke zu bitten statt anderen Geschenken, scheint es dann doch fast die bessere Variante zu sein. Jedenfalls wenn man Angst hat, weil der Keller schon so voll gestellt ist mit anderem Zeug...

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Wie man auf Hochzeitseinladungen um Geldgeschenke bittet  

Wie man auf Hochzeitseinladungen um Geldgeschenke bittet