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Als mein Freund im Hochzeitsshop online verloren ging… Mein Freund, mein Zukünftiger, der wollte einfach nur mal bummeln gehen. Und ist dabei total untergetaucht. Nicht mehr aufgetaucht. Stundenlang! Wer hätte das gedacht?! Niemals hätte ich das gedacht! Never ever! Der Mann ist schließlich ein Mann. Was interessieren den die Brautsträuße und Giveaways und Menüvorschläge, die Serviettenfarbe und die Vorschläge zur Hochzeitsmusik. All das, dachte ich, wäre ihm total egal. Fehlt noch, dass ihm egal ist, wen er eigentlich heiratet… aber so weit geht das Desinteresse nicht. Nee. Zum Glück. Aber dass er sich da interessiert für diese ganzen Details, die man da organisiert und kauft und plant und bedenkt für die Hochzeit, auch wenn’s die eigene ist, also das hätte keiner gedacht. Nicht mal er selber. Ich hab ihm nur kurz die Website zeigen wollen, wo ich die Karten bestellen will - und da ist er stundenlang nicht mehr aufgetaucht, aus dem Online-Hochzeitsshop. Was machst Du denn da, hab ich ihn gefragt, nachdem er eine halbe Stunde wortlos und vollkommen absorbiert da hineingestiert hatte. So absorbiert war ja nicht mal ich! Was machst Du da?! Ich schau was, sagte er. Ja, was denn?, frag ich ihn. Karten. Aha: Karten! Jetzt krieg ich aber Angst! Ich wollte doch die Karten aussuchen. Da war ich ja ehrlich gesagt ganz froh, dass er so desinteressiert ist – da war ich ganz dankbar. Nee, ich hab zwar so getan, als ob ich das nur toleriere, © 2011 www.weddix.de


diesen Mangel an Aktionsfreudigkeit – aber in Wirklichkeit ist das ja das allerbeste, für jemanden wie mich, dass ich alles ganz alleine entscheiden kann. Und da hab ich dann schon mal die Farbe ausgesucht, und das Design – eine kleine Kutsche mit Brautleuten, und der Schleier hängt so ganz in echt von der Karte runter – also und die Papierform, etwas rauheres, weißes, grobes Papier – das finde ich toll. Und weiß muss es sein, und ein Hauch von Rosa und Blassgrün habe ich mir ausgesucht, das faded so weg in die Ecken. Naja. Schön hab ich mir das ausgedacht. Aber dann kam er! Dann kam er, und wider aller Erwartung interessiert ihn das dann plötzlich. Und, wer hätte das gedacht: die Karten sehen bei ihm natürlich vollkommen anders aus! Aber ganz, ganz anders! Schwarz-weiß will er sie haben! Oh mein Gott! Das geht aber gar nicht! Hab schon überlegt, ob ich die Internetverbindung kappen kann. Dann ist’s aus mit der Kreativität, der missgeleiteten. Krieche zum Telefon, tue dabei so, als würde ich was suchen, und, hups…, da bin ich doch aus Versehen an das Modem gekommen, na so was, und leider ist das Kabel dabei rausgerutscht. Das tut mir jetzt aber leid. Die Verbindung stürzt ab. Oh! Na, das macht doch nichts, sage ich zu ihm, dann machen wir eben morgen weiter. Ich verkneife mir ein hämisches Grinsen. Er hat nämlich morgen mit Sicherheit überhaupt gar keine Zeit. Aber, wer hätte das gedacht: er ist schlauer als ich dachte! Er hat meinen Plan sofort durchschaut. Ich möchte gerne in die Entscheidung über die Hochzeitseinladungskarten mit einbezogen werden, sagt er, in klaren, deutlichen, leider unmissverständlichen Worten. Manno! Verdammt! Also gut. Ich gebe nach. Ich gebe auf. Ich stecke das dämliche Modem wieder ein. Dann geh ich staubsaugen. Staubsaugen hilft zu vergessen. Der Lärm betäubt die aufgewühlten Sinne. Die Katze klemmt sich in die Ecke und faucht, als ich in ihre Nähe komme. Nun greif Du mich auch noch an, denke ich! Alle sind gegen mich! Was wird jetzt aus meinen brautschleierwerfenden, rosa-blassgrünen Einladungskarten?! Futsch! Und das alles nur, weil es den Hochzeitsshop jetzt online gibt! Wo jeder dahergelaufene Mann sich in weibliches Terrain ungehindert einschleichen kann…

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Als mein Freund im Hochzeitsshop online verloren ging  

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