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MISSION [IM]POSSIBLE DAS FUTURE EVOLUTION HOUSE DER FAMILIE HORX-STRATHERN IN WIEN, A ARCHITEKT HANS PETER WÖRNDL, WIEN


36 IM GESPRÄCH MIT DEM TREND- UND ZUKUNFTSFORSCHER MATTHIAS HORX:

ES IST AN DER ZEIT... Von Friedrich H. Dassler

Matthias Horx Trend- und Zukunftsforscher (www.zukunftsinstitut.de) Foto: Klaus Vyhnalek

Matthias Horx ist Reisender in Sachen Trend- und Zukunftsforschung, ein angesagter dazu, mit Basislagern in Wien und Kelkheim im Taunus. Unter Zukunft stellt sich jedermann etwas vor, allgemein das, was jeden Moment anfängt, nach vorne offen und mehr oder weniger ungesichert scheint. Komplizierter liegen die Dinge beim Trend – im Trend und man fragt sich, ob sie tatsächlich gemacht werden – die Trends oder ob sie mit Fingerspitzengefühl und statistischen Methoden aus dem herausgelesen werden, was schon da, beziehungsweise gerade im Entstehen ist. Für den Trendprofi Matthias Horx ist klar, dass heute beides stattfindet und zwar gleichzeitig. Trends werden gesucht, gelesen, aufgespürt, auch gemacht und es wird ihnen nachgelaufen. Aus seiner Sicht hat der englische Begriff „Trend“, der wohl über den Sprachgebrauch an den Finanzmärkten auf das allgemeine Wirtschaftsleben übergesprungen ist, eine Art semantische Karriere durchlebt. Dabei nennt er ihn heute einen „Lümmel“ unter den Begriffen, weil man so ziemlich alles in einen Trend hineinprojizieren kann. Zudem sei der Begriff Trend, wie wir ihn heute gebrauchen, in einem wissenschaftlichen Sinne wenig belastbar. Im Kontext seiner Zukunftsforschung hält er den Trend aber für unverzichtbar. Denn wenn man „nur“ als Zukunftsforscher unterwegs sei, gelte man leicht als reiner Utopist. Die Kenntnisse über die Trends der Zukunft schaffen den unmittelbaren Bezug zur Wirtschaft und damit erst ein Geschäftsmodell. Der Punkt ist, dass sich die Gesellschaft und natürlich auch die Industrie dafür interessieren, was sich aktuell verändert, was zu erwarten ist, vor allem welches Käuferverhalten. Demzufolge ist die Fragestellung an eine komplexe Trendwissenschaft die der Einordnung. Man will wissen: Was geht? Welche Trends gibt es in welchen Bereichen? Und wie kann man von diesem Wissen profitieren? So definierte Trends werden dann auch gern phänomenologisch verstärkt, zum Beispiel in der Mode. Mit seinem Zukunftsinstitut geht Matthias Horx noch weiter. Es gibt tiefer liegende Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Politik, der Systeme, die man forschend als Trends definieren kann. Mit denen beschäftigen sich der Zukunftsforscher und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bevorzugt. Aber er hütet sich davor, den Begriff Trend, so wichtig er ist, ganz nach vorne zu stellen, denn man kommt damit leicht „in Teufels Küche“. Was man schon daran sehen mag, dass wir diese Klärungen ganz an den Anfang gestellt haben. Die Mission des Matthias Horx besteht darin, die Handlungsspielräume von Unternehmen und Institutionen auszurichten und zwar an den zu erwartenden Realitäten. Wobei er betont, dass genau das eigentlich das Wesen von Management darstelle, denn Management müsse ja antizipieren, was auf ein Unternehmen zukommt. Das Gleiche gelte übrigens für eine Familie, wenn sie beispielsweise ein Haus bauen will. Daraus resultiert die Frage, wo hier ein Geschäftsfeld für einen professionellen Consultant auszumachen ist. Das ist nicht leicht zu beantworten, so Horx. Er nennt es etwas umständlich: „Die Schärfung der sensorischen Wahrnehmung komplexer Prozesse vornehmen zu lassen.“ Dafür hinreichend viele Abnehmer zu finden, ist sicherlich das ungelöste Berufsproblem eines Trend- und Zukunftsforschers. Aber, wie wir wissen, gibt es heute auch jede Menge ungelöster Berufsprobleme bei Architekten und Ingenieuren. Vor diesem Hintergrund hat sich Familie Horx am Rande Wiens das Wohn- und Arbeitshaus planen und errichten lassen, was eigentlich

zwei Häuser sind, die aber eine ideelle Einheit darstellen. Der Architekt ist Hans Peter Wörndl, das implizierte Lebens- und Arbeitskonzept der Bewohner made by Familie Horx-Strathern, denn auch Frau Oona wirkt als Trend Consultant und Autorin. Sie nennen es ‚Future Evolution House‘, was natürlich längst eine geschützte Bezeichnung ist. Die Presse, vor allem die am Trend-Ambiente interessierte, war schnell dabei, ein Zukunftshaus oder Smarthome zu verorten. Die Bauherren nennen es aber ‚Future Evolution House‘, weil sie in ihm die prozesshaften Entwicklungen von Lebenskonzepten und Technologien über einen längeren Zeitraum erforschen und zeigen wollen. Das war allerdings nicht von Anbeginn so beabsichtigt, ging man als interessierte Laien des Bauwesens, was ja die meisten Bauherren sind, davon aus, dass die werbliche Verheißung „Nichts ist unmöglich!“ in der Haustechnik längst Wirklichkeit geworden sei. Matthias Horx sagt es mittlerweile salopp: „Wir sehen bis heute keine Chance, das, was wir erwarten und das, was wir konzeptionell vertreten, tatsächlich realisieren zu können. Das hat strukturelle Gründe, weil sich diese Komplexität für einen ‚privaten Bauunternehmer‘ nicht in Technik auflösen lässt und, weil wir keine Millionäre sind.“ Nun muss man als Bauherr kein Zukunftsforscher sein, um sich bei der Frage danach, was man eigentlich will mit seinem Haus, mit der Zukunft zu beschäftigen. Häuser werden persè für die Zukunft gebaut, gestalten diese positiv mit oder belasten sie nachhaltig. Darum geht es beim Bauen immer, nämlich um die nächsten 25 und mehr Jahre. Wer sich darum ernsthaft kümmert, wie Matthias Horx, der denkt technologisch ein paar Jahre voraus und stellt voller Schrecken fest, dass die Technik fürs Haus in Bezug auf das Jetzt schon zwei, drei Jahre hinterherhinkt. Wir verfügen über ein iPad der zweiten Generation, die verfügbare Technik fürs Wohnhaus hat schon einige Jahre auf dem Buckel.

„ Wir sehen bis heute keine Chance, das, was wir erwarten und das, was wir konzeptionell vertreten, tatsächlich realisieren zu können...“ Er verweist auf Elektromobilität, was derzeit durchaus ein großes Thema ist. Er selbst fährt neuerdings ein Elektroauto aus Skandinavien, dessen starke Batterie demnächst auch als Pupperbatterie für das Haus dienen soll - Anfang des „Energy Grid“, bei dem Häuser als Energieproduzenten dienen. All das kann man nur „provisorisch“ zeigen, denn die Realisierung eines solchen Netzes müsste mindestens den ganzen Stadtteil erfassen. Horx hat erkannt, dass diese Differenz zwischen Wollen und Können auch dazu führt, dass sich das Haus und seine Bewohner ständig „umbauen“ werden. Lachend erklärt er, dahinter stehe wohl letztendlich die indianische Idee, dass man erst fertig sei, wenn man wieder auszieht. Der Mensch steht in Kontexten zu seiner ästhetischen und faktischen Umgebung. Ein Haus lebt, wenn es dauernd bearbeitet und verändert wird, eben evolutionär. Unter dieser Prämisse wurde das Haus der Familie Horx schließlich gebaut. Stand der Technik ist noch immer, dass Technologiefirmen den Nutzern von Gebäuden Funktionalitäten anbieten, zwischen denen diese, je nach Geldbeutel, aussuchen können. Smart wäre aber, wenn der Nutzer am Anfang definiert, was er von seinem Haus erwartet und die Technik das dann kann und zwar in der Bedienung völlig unkompliziert und finanziell erschwinglich. Familie Horx ist überzeugt, dass es in diesem Sinne ein Totalversagen der für den Wohnbereich zuständigen Elektroindustrie zu beklagen gäbe. „Wir haben einfach diese Erfahrung gemacht. Haben smarte Technik angefragt, aber nichts von dem, was uns angeboten wurde, war smart. Smarte Technologie soll intuitiv erlernbar, sinnlich, habituell – quasi in menschliche Gewohnheiten integrierte Technologie – sein. Wenn Sie mit einem i-Phone umgehen können, können sie jede Art von App nutzen. Die Technologie soll uns auch im Haus die Technik für den Finger aufbereiten. Es geht um einen technologischen Begriff, wie ihn Apple versucht zu definieren. Wir wollten ein Haus an der Nutzerfrage


Grundriss Wohnhaus Erdgeschoss

Längsschnitt Wohnhaus

Grundriss Wohnhaus Untergeschoss

Das E-Mobil an der hauseigenen „Tankstelle“


38 entlang entwickeln, auch an den sinnlichen Bedürfnissen des Menschen, nicht an technischen Vorgaben. Und da sind wir einfach nicht fündig geworden.“ Klar ist, die Firmen wollen verkaufen, was sie gerade können und im Angebot haben. Dazu erfinden sie sich einen potenziellen Käufer, den sie den Kunden dann in der Werbung zur Identifikation anbieten. Matthias Horx sagt: „Diese Typen sind wir aber nicht. Wer glaubt, an diesem Geschäfts- und Marketingmodell festhalten zu können, wird zukünftig nicht mehr sehr viel verkaufen.“ Was man uns vorgeführt hat, basierte letztlich auf einer reduzierten Vorstellung männlicher Kontrolle. Häuser werden von den Anbietern wie elektrische Eisenbahnen konstruiert, die der Hausherr lächelnd fernsteuert. Frauen halten das zu Recht normalerweise für völligen Unsinn: maximal viele Schalter sind gut und maximal viele Funktionen müssen bezahlt werden. Der Gipfel ist dann schon erreicht, wenn all diese vielen Funktionen von einem Pannel aus bedient werden können. Aber wer braucht das? Wenn ich gerade im Garten bin und ein Beet umgrabe, brauche ich dann 150 Funktionen, die ich aus der Ferne im Haus betätigen kann? Was da bei den Menschen aufgebaut und ausgenutzt wird, sind Versagensängste: Habe ich den Herd abgeschaltet? – das Bügeleisen ausgemacht? – die Jalousie heruntergefahren? – das Garagentor zu gemacht? Dieses Versagen kann man via Internet von unterwegs aus korrigieren. Aber sind das wirklich die Fragestellungen, auf denen unser Dasein aufsetzen sollte?“ Damit wirft Matthias Horx die grundlegende Frage auf, ob Technologie primär dazu da sei, bereits bestehende Probleme – womöglich durch das Vorhandensein von Technologie erst erzeugte – zu lösen, also rückwärts gerichtet ist oder ob Technologie nicht vielmehr geeignet sein sollte, die Menschen bei der Bewältigung ihrer persönlichen Zukunft aktiv zu unterstützen.

„ Was man uns vorgeführt hat, basierte letztlich auf einer reduzierten Vorstellung männlicher Kontrolle. Häuser werden von den Anbietern wie elektrische Eisenbahnen konstruiert,... Er wünscht sich, dass hier die ausgetretenen Pfade des Bauwesens verlassen werden. Er will Technologie nicht spüren und nicht zum Bediener seines Hauses degradiert werden. Er fordert, dass Technologie verschwindet und Raum schafft für humane Tätigkeiten, die ganz oft nicht digital sondern anlog sind. Im Grunde ist es der große Kampf um die Menschlichkeit oder Menschengerechtigkeit von Technologie. Technologie sei bisher für den Nutzer nicht mehr als das, was er erlernen muss, um das Betriebssystem bedienen zu können. Jetzt sei es an der Zeit, dass die Technologie lernt, uns zu (be-)dienen. Dabei malt er sich aus, wie er im Alter auf den Bildschirm an der Wand starrt, die Schrift kaum mehr erkennen kann und sich vor allem nicht erinnert, wie und warum er zwei Jahre zuvor die Sauna so oder so programmiert hat. Jeder kennt diesen Effekt, bezogen auf Funktionen, die eher selten verändert werden, beim Fernseher, bei der Telefonanlage, bei der Heizung. Am Beispiel der Sauna malt er die „kleinen Katastrophen“ der Zukunft an die Wand. Das erste Problem auf das man bei der Planung stößt, ist, dass es einen gewaltigen Mangel an Integratoren im Zwischenfeld von Funktionalität, Elektronik, Ästhetik und Design gibt. Es gibt jede Menge digitale Elektroniker, die aber eine ganz eigene Sprache sprechen. Wenn man denen zu vermitteln sucht, dass man das, was man sieht, in einer gewissen Ästhetik haben möchte, gucken die einen völlig verständnislos an. Umgekehrt ist das Verständnis der Designer für Technologie zwar größer, aber im Grunde genommen kennen sie sich nicht aus, beziehungsweise haben die gleichen Verständigungsprobleme mit der Technologie wie jeder normale Mensch auch. Die Architekten haben es besonders schwer. Irgendwie erwartet der Bauherr von ihnen, dass sie sich mit allem auskennen, immer auf dem neusten Stand sind und

dabei noch vorausdenken, was aber ehrlich betrachtet, gar nicht der Fall sein kann. Und Fakt ist, dass Elektrofachplanung für Wohngebäude – falls sie überhaupt abgerufen wird – und Kommunikations- beziehungsweise Unterhaltungselektronik zwei völlig verschiedene Welten darstellen. Das bezieht sich auf die Beratungskompetenzen genau so, wie auf die Herstellerseite. Um mit diesem Problem fertig zu werden, sah man sich im Hause Horx veranlasst zu prototypen und hat aus der Not eine Tugend gemacht. Heute nimmt man sich dort in jedem Jahr ein solches Projekt vor, in dem versucht wird, etwas zu realisieren, was eigentlich zu teuer ist. So wurde zum Beispiel mit der Tiroler „Lifestyle Foundation“ eine lasergesteuerte Raumregelung entwickelt, die auf sehr reduzierten Symbolen basiert, die sich an alle Wände projizieren lassen und die sich mit einem i-Pod-ähnlichen Gerät bedienen lässt. Man nutzt das neue Haus als eine Art Bühne, auf der versucht wird, Themen aus der Trend- und Zukunftsforschung ideell zu übertragen und praktisch zu realisieren. Das geht nur mit Partnern aus der Industrie, die aber schwer zu finden sind, was zunächst logisch erscheint, denn hier werden über Jahrzehnte liebgewonnene Strukturen radikal in Frage gestellt. In der Regel sind Manager gezwungen, so zu tun, als hätten sie die Zukunft fest im Griff und sind an solche Formen kooperativer Zusammenarbeit nicht gewöhnt. In den meisten Fällen gehe es ihnen heute immer noch darum: „...uns ihren längst überholten Schrott zu verkaufen“, so die Erfahrungen des Bauherrn Matthias Horx. Der Konflikt zwischen Entwicklungslabor und Gerätegeneration-xy, die aus den Regalen abverkauft werden muss, ist schwer zu lösen. Einige Anbieter hatten sich sogar allen Ernstes vorgestellt, mit dem neuen Horx-Haus Werbung für ihre „Altlasten“ machen zu können. Das Ergebnis lautete aber: geprüft und als ungenügend empfunden. Beispiel Energieverbrauch: Wie viel Strom, Gas, Erdöl wir verbrauchen, vermitteln uns Zahlen und hohe Rechnungen und zwar nachträglich. Die Vorabberechnungen der Planer beinhalten Maßeinheiten, mit denen der Laie nichts anzufangen vermag, wobei erschwerend hinzu kommt, dass theoretische Ermittlungen von zu erwartenden Energieverbräuchen blanke Theorie sind und weder die gebaute Realität noch das Nutzerverhalten authentisch beinhalten. Matthias Horx sagt, in Bezug auf den Energieverbrauch fehle uns ein „Sättigungsgefühl“, ein Gefühl, das vielen Menschen sogar in Bezug auf ihre Nahrungsaufnahme fehle. Wir haben keine Sensorik dafür, ob wir gerade viel oder wenig Energie verbrauchen. Andererseits wollen wir uns nicht in Felle hüllen, weil es im Haus kalt ist. Und was man im Jahre 2011 als ein seinem Wesen nach großzügiger Mensch auch nicht will, ist, das Energiesparen zum Lebensprinzip erheben. Demnach wäre es also spannend, seitens des Hauses eine Art von Rückkopplung zu erhalten, was den aktuellen Energieverbrauch angeht. Da experimentiert die Familie mit Farben in Form von LEDLeuchtbändern, die abends aussagen, wie der Energiezustand des Hauses ist. Die Bewohner können daran nachvollziehen, ob das Haus mehr Energie verbraucht hat, als tagsüber gewonnen wurde. Das heißt, wenn sehr viel Energie verbraucht wurde, fängt das etwas erhöht liegende Arbeitshaus an, rot zu glühen. Da das mit dem Licht nur abends funktioniert, sucht man gerade nach Lösungen für den Tag. Der Ansatz auch hier, Energietechnik von Zahlengrößen und Einheiten zu befreien und sinnlich erlebbar zu machen. Wer kennt schon wirklich die Bedeutung einer Kilowattstunde pro Jahr, wenn er nicht Techniker ist. Und selbst denen bleibt so etwas oft abstrakt. Das Projekt: Wie kommuniziert ein Haus seine Energiezustände? – ist nur eines von vielen. Dabei sind die Bewohner des Future Evolution House eine ganz normale Familie. Es gibt zwei halbwüchsige Söhne, die alles andrehen und es dann vergessen (sagt der Hausherr). Natürlich könnte man an jeder Steckdose so ein „Shut-down-Ding“ anbringen, also Technik einsetzen zur Automatisierung und Kontrolle. Das Ergebnis wären dauernd angenervte Bewohner, die sich im Kleinkrieg mit der Haustechnik befänden. Das ist nicht smart! Technik soll unterstützen, aber nicht bevormunden. Technologie soll


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Tragwerk Stahl- (unten) und Holzfachwerk (oben) bilden für das Wohngebäude eine sehr leichte, effiziente und in höchstem Maße variable Baukonstruktion.

Längsschnitt Arbeitshaus


40 uns auch etwas zeigen, aber auf einer Ebene, die wir quasi aus den Augenwinkeln wahrnehmen können, wobei wir keinen kognitiven Aufwand betreiben müssen. Matthias Horx sagt: „Die zentrale Fragestellung an die Technologie des 21. Jahrhunderts ist Konzentration, also die Abwesenheit von Störung.“ Ungestörtheit sei eine knappe Ressource. Das neue Haus ist das Arbeits-/Lebenshaus der Familie und dabei wollen die Bewohner nicht gestört werden. Horx sagt: „Ich will arbeiten können und wir brauchen Zeit für unser Privatleben. Wenn Sie das heute in einem normalen technoiden Umfeld versuchen, werden sie ununterbrochen aufgehalten und gestört. Das ist der Preis der sogenannten Kommunikationsgesellschaft. Sie werden zum Technikbediener im Berufs- wie im Privatleben. Wo Sie stehen und gehen werden Sie online mit Nachrichten, Anrufen, Mails, per SMS und was es sonst noch alles gibt, bombardiert.“ Im Grunde gehe es um den geschickten Verzicht von Technologie, also die Synchronisation von realen Bedürfnissen und technischen Angeboten. Lächelnd führt Horx das Thema Automobil an: Beim Auto sähen wir heute eine wundersame Synthese von Mensch und Maschine. Gerade Männer lieben es besonders, in ihr Auto geradezu „hineinzuschmelzen“. Sie werden dabei zu Symbionten, zu Würmern, die in ihrem technoiden Gehäuse aufgehen, wie das der Film Matrix auf geniale Weise zeigt. Der wache, autonome Geist brauche aber etwas anderes. Autofahren über weite Strecken mache auch müde, träge und selbstgefällig und deshalb sei es so beliebt. Zum Beispiel gibt es in dem neuen Haus keinen Fernseher, denn wozu braucht man in einer vom Internet bestimmten, medialen Welt dieses schwarze Loch im Raum, wenn kein Programm läuft. Niemand braucht diese Diskussionen darüber welcher Kanal angeschaut werden sollwirklich. Niemand braucht eine fremdbestimmte Programmvorgabe, die einem den Tagesablauf strukturiert. Moderner Medienkonsum ist individuell, zeitversetzt und download-orientiert. Dazu nutzt Familie Horx i-Pads. Auf die lassen sich inzwischen bereits Spielfilme und Fernsehprogramme herunterstreamen.

„ Wenn sie einen klassischen Wohnraumgrundriss sehen, wissen sie, wo der Fernseher zu stehen hat. Aber genau das ist zuerst in Frage zu stellen.“ Wenn man einen App-Entwickler zu Home-Funktionen befragt, sagt der: „Ok, für 150.000 Euro mache ich Ihnen etwas.“ Das mag natürlich kein Privatmann aus der eigenen Tasche bezahlen. Dazu müssten sich die Entwickler von Elektroniklösungen und die Haustechnik-Branche schon zusammen tun. Letztendlich wird es sich dennoch kaum vermeiden lassen, dass die Elektrofachplanung und die mittelständische Elektroindustrie den gesamten Sektor Home-Automation/-steuerung an die global aufgestellten Elektronikanbieter verlieren werden. Nur, im Moment verdienen die ihr Geld woanders leichter. Die ganz großen Umsätze werden noch mit ständig neuen Handy-Generationen, Flachbildschirmen und Rechnern verdient. Erst wenn da Sättigung erreicht ist, weil einmal mehr das Ende einer Bedarfs-Fahnenstange erreicht wurde, wird man dort ernsthaft überlegen, sich im Gebäude gezielter zu etablieren. Für viel Geld bekommt man auch heute schon sehr viel geboten, wenn vielleicht auch nicht das, was man sich wünschte, hätte man die Zeit und die Möglichkeiten, darüber qualifizierter nachzudenken. Matthias Horx und seine Partnerin nehmen sich die Zeit und haben die Möglichkeiten dazu. Dabei konzentrieren sie sich auf Dinge, die für einen normalen Haushalt realisierbar sind. Und sie wollen weg von der Idee, ständig eine Schaltvorrichtung in der Hand oder vor Augen zu haben, die jeden Lichtschalter kontrolliert. Das Ziel sind im Prinzip additiv einsetzbare Home-Apps. Dafür bietet das neue Haus das ideale Experimentierfeld. Das Experiment fing beim Entwurf des Hauses an, obwohl die Thematik den Beteiligten nicht von Anfang an so klar vor Augen stand. Da war einerseits der Architekt gefordert, nicht zuletzt auch das moderierende

Talent und der persönliche Einsatz einzelner Mitarbeiter, andererseits wurden Bauherrin und Bauherr gelegentlich bis an der Rand des Erträglichen getrieben. Matthias Horx weiß heute: „Wenn sie einen klassischen Wohnraumgrundriss sehen, wissen sie, wo der Fernseher zu stehen hat. Aber genau das ist zuerst in Frage zu stellen. Und dann geht es immer weiter mit den Infragestellungen. Am Ende haben wir einige wenige subtile, aber entscheidende Irritationen eingebaut, die im fertigen Haus auf den ersten Blick kaum wahrnehmbar sind.“ Wenn wir einen Blick auf die gegenwärtige Architekturdiskussion werfen, stellen wir fest, dass das Wohnen in einem urbanen Kontext als Thema aktuell ist. Allerdings liegen hier die Schwerpunkte eher hinter den Stichworten Verstädterung, Megastädte, Verdichtung, Planbarkeit von Urbanität, Mobilität, soziale Schere/Gegensätze ethnischer Art, Integration/Separation. Im Falle des Wohn-/Arbeitshauses der Familie Horx scheint sich dieser, die Allgemeinheit betreffende Problempool, auf den ersten Blick auf die Frage nach einer geeigneten Sicherungsund Alarmanlage zu reduzieren. Denn wer mitten in einem 4500 Quadratmeter Parkgrundstück am Rande Wiens wohnen darf, für den steht beispielsweise die Frage nach der Verdichtung von Wohnraum nicht an erster Stelle auf seiner Roadmap. Doch Matthias Horx wäre nicht der erfolgreiche Trend- und Zukunftsforscher, wäre er nicht in der Lage, auch aus seiner extraordinären Situation Substanzielles abzuleiten. Er behauptet, die „Gene“ seines Hauses – seine prinzipielle „Denkweise“ – liessen sich auch auf den modernen Siedlungsbau übertragen: „Ich kann mir unsere ‚mentale Architektur‘ auch in grossen, verdichteten Ensembles vorstellen“, sagt er. Es gehe nicht nur um einen Baukörper, es gehe um eine Bau-Philosophie.

Einfachheit Die rationale Architektur von Hans Peter Wörndl erinnert ganz unmittelbar an die Architektur der Case Study Häuser in den USA (Raphael Soriano, Neutra, Charles und Ray Eames). Die Amerikaner haben in den 40ern, bis in die 60er Jahre hinein, in Kalifornien ähnliche Häuser erdacht und gebaut. Man wollte dort mit einfachen Mitteln hohe Individualität und Freiheit im Raumkonzept erreichen, obwohl der konkrete Anlass für das politische Programm eigentlich die Wohnraumnot nach dem 2. Weltkrieg war. Gewonnen hat damals in Amerika leider die Bauindustrie mit der Optimierung des möglichst immer Gleichen und das in klar definierten Komfortstufen, je nach Einkommen der Bewohner. Der kompakte Stahl-/Holzbau von Architekt Wörndl setzt an diesen Beispielen der Klassischen Moderne an und versucht von dort den Sprung hin zu heutigen Technologien und zu einer ebenso rationalen wie zeitgemäßen Typologie. Wer die ideellen Vorläufer kennt, merkt sofort, dass man heute an vielen Punkten weiter ist, dass man Dinge realisieren kann, die früher nicht möglich waren. Beispiel an der Gebäudehülle ist der Umgang mit Energie, was für die Amerikaner damals allerdings kein Thema war. Obwohl das Haus sehr transparent und offen dasteht, wurde kein abgesperrtes „Plastikhaus“ errichtet. Es gibt keine Fenster. Es gibt nur offene und geschlossene Wandfelder, die visuelle Verbindung zwischen innen und außen, Wohnen in der Natur ist das Thema. Das funktioniert heute mit sehr ausgereiften und energetisch sinnvollen Lösungen und Details. Matthias Horx verweist hier gern auf die Eames-Konzepthäuser, die sich zwar bevorzugt mit der Normierung von Bauelementen und mit Verdichtung beschäftigten, aber auch damit, angenehmes Wohn- und Freizeithaus zu sein. Da findet man zum Beispiel das Konzept des Ferienhauses in schönen Landschaften. Horx sagt: „Unser Haus ist ein HUB.“ (Places for meeting, working, learning, innovating and connecting dedicated to inspiring and supporting enterprising initiatives for a better world. /the-hub.net.) „Wir haben uns gefragt, was ist das Charakteristikum von Familienstruktur? Deshalb ist es ein Familien-Wohn-Arbeitshaus geworden. Das heißt, die Produktivität ist an den Wohnort gekoppelt, wie bei einem Bauernhof. Und darauf mussten wir Antworten finden.“ So wurde bei-


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Technische Beschreibung des Architekten Bisher arbeiten Energiesparhäuser meist rein passiv, zum Beispiel durch „Versiegelung“ der Häuser mit hohem Materialaufwand. Das von uns entwickelte neuartige Haus unterscheidet sich davon deutlich: Die zunächst angenommene Stahlkonstruktion in Leichtbauweise wurde abgespeckt und auf ein Minimum reduziert. Im statischen Kontext wird sie durch eine Holzkonstruktion ersetzt bzw. ergänzt. Das Fachwerk ist ein „verstecktes Fachwerk“. So ist grosse Variabilität im Wandaufbau gegeben und die angestrebte Austauschbarkeit gegen zukünftig neuartige Fassadenmaterialien möglich. Weiterhin berücksichtigt die modulartige Bauweise gegebenenfalls spätere Zu- bzw. Umbauten in Bezug auf technische Neuerungen und veränderte Anforderungen an die Fassade. Zur Zeit wird die Außenhaut durch bedrucktes ethernit aurea gebildet, das innerhalb der Fibonacci-Sequenzen zugescnitten wurde. Der erstmalige Einsatz eines Blockheizkraftwerkes, z.B. Brennstoffzelle 1,2 kw (vergl. heliocentris), im urbanen Bereich des Stadtgebietes von Wien ist in Vorbereitung. Damit kann im Einfamilienhaus bzw. in Kleinhäusersiedlungen ein Teil der Haushalte mit Energie versorgt werden. Die Logistik für dezentrale Energietechniken, Wiedereinspeisung von Strom in das netzgebundene Versorgungssystem der Stadt Wien, saisonale Speicherung, Wasserstoff-Tanklagerung, etc. haben die schrittweise Erhöhung des Autarkiegrades als Ziel. Sichtbare Indikatoren in der Architektur sind angestrebt, das heißt z.B. kein Verstecken der Energiezentrale im Einfamlienhausbereich wie bisher. Die Strukturierung der Anlage in Quellen, Speicher und Senken ermöglicht eine zielgerichtete Erweiterbarkeit. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung farb-psychologischer Wahrnehmungskonzepte und selbsterklärende Klarheit für Energieverbrauchsanzeigen. Die schwarzen PV-Dünnschichtzellen (sulfurcell) werden an der Fassade skulptural in das Gebäudekonzept integriert. Mit dem hier gewonnenen Strom werden das Elektroauto sowie die saisonalen Speicherungssysteme, wie z.B. der Batteriepuffer, unterstützt. Klammernentwicklung Für die schwarzen, rahmenlosen PV-Module wurden speziele Klammern entwickelt, mit dem Ziel, mehr brandschutztechnische Sicherheit und Simplizität im Aufbau zu erhalten.

Warmwasserkollektoren wurden in die Dachsituation integriert. Das Brennwertheizgerät (Vaillant) verfügt über eine direkte online Störungsmeldung. Die Räume werden über eine Bodenheizung mit Wärme versorgt. HPW Podpod Design zur Lichttechnik Lichtwirkung aussen: Die Fassade des Hauses selbst wird nicht dezidiert angestrahlt. Das Erscheinungsbild bei Nacht setzt sich aus zwei Elementen zusammen: zum einen aus den Licht emittierenden Öffnungen im Baukörper, zum anderen durch die Kommunikation der energetischen Performance durch einen Sockel aus farbigem Licht, auf dem die baulichen Volumina ruhen. Lichtwirkung innen: Den hohen Ansprüchen der Bauherren an die Wohnqualität und den visuellen Komfort wird durch die Betonung der vertikalen Beleuchtung und die Verwendung von optimal ausgeblendeten und in flexiblen Lichtszenen programmierten Leuchten mit warmer Lichtfarbe und maximaler Farbwiedergabe Rechnung getragen. Als wesentliches Element neben der direkten Beleuchtung der Wände und der einrichtungsbezogenen Lichtakzente markiert die in die Architektur integrierte Perimeterbeleuchtung die Grenze zwischen Innen- und Aussenraum und löst sie zugleich auf. Lichtechnik: Die Vouten sind mit indirekt strahlenden T5-Leuchtstofflampen in warmweißer Lichtfarbe bestückt. Dazu kommen in den verglasten Gebäudeteilen im Untergeschoß direkt strahlende farbsteuerbare LED-Bänder. Die restliche Akzent- sowie die Funktionsbeleuchtung in den Wohn- und Arbeitsräumen erfolgt in erster Linie durch mit langlebigen Xenon-Halogenlampen bestückte Richtstrahler, weich strahlenden T5-Leuchten und linearen Hochleistungs-LED-Leuchten in den Nassräumen. Der Stiegenabgang wird durch stufenbegleitende, lineare, warmweiße LED-Uplights beleuchtet. Sämtliche Leuchten sind in das hauseigene Bus-System eingebunden und können in vorprogrammierten Lichtszenen geschaltet werden. Ausblick: Das Future Evolution House ist als dynamisches, sich ständig weiterentwickelndes System konzipiert und kann auch in Zukunft erweitert und auf den jeweiligen Stand der Technik gebracht werden.

Süd- (oben) und Nordansicht des Wohntraktes

Der Treppenabgang wird durch die Stufen begleitende lineare, warmweiße LED-Uplights beleuchtet.


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Aktivität Familie Horx versteht Wohnen als bewusste Ergänzung und als Ausgleich zur Profession. Automation wird da akzeptiert, wo sie lästige Handlungen und Kontrolle erledigt, nicht da, wo sie sinnvolle Aktivität ersetzen könnte. Das hört sich absolut nicht nach heimkommen, Sofa und Fernsehen an. Matthias Horx sieht es als eine natürliche Herausforderung für heutige Menschen an, die viel sitzen und viel denken, älter zu werden, ohne dabei zwangsläufig übergewichtig zu werden. Herkömmlichen Automatisierungsphantasien beruhen mehrheitlich auf

Automation wird da akzeptiert, wo sie lästige Handlungen und Kontrolle erledigt, nicht da, wo sie sinnvolle Aktivität ersetzen könnte. Das heißt, es geht beim Wohnen auch dringlich darum, eine selbstverständliche Körperlichkeit sicher zu stellen. Er sagt, nach dem Umzug in das neue Heim habe er sein Rudergerät und sein Laufband abgeschafft. Er hält solche Geräte für furchtbare Prothesen, auf die man mancherorts leider nicht verzichten könne, weil der Lebensalltag weitgehend bewegungsfeindlich geworden sei. Trotzdem hat er keine Lust, zum Land- oder Ackermann zu mutieren. Das kann und will er nicht. Er habe immer mit Garten gelebt, auch einmal in einer Landkommune und weiß, was das heißt und er weiß auch, wie man darin „versacken“ kann. Urban-Garden ist das Konzept, das mit dem Future Evolution House praktiziert wird. Das heißt auch, modern und praktikabel zu wirtschaften, nicht rückwärtsgewandt, aber ernst zu nehmen, was man sich seit den 60er Jahren an Alternativkultur erarbeitet hat. Es geht um den Geschmack und darum, etwas wachsen sehen. Das sei für die Seele ungeheuer wichtig. Diesen Dingen wird der technologischen Ansatz konsequent untergeordnet. In Technologie übersetzt heißt das, dass man in der Familie Horx absolut stur ist: „Wir kaufen kein elektronisches Gerät, wenn es nicht gelingt, dafür eine Fernbedienung abzuschaffen. Da es das aber kaum noch gibt, gibt es bei uns kaum elektronische Geräte. Ein Tisch auf dem mehr als drei solche ‚elektronischen Schweinchen’ liegen, würde mich zum sofortigen Auszug zwingen!“, so der Hausherr. Das alles ist für viele Menschen mit ihren Vorstellungen von Lifestyle nicht zu vereinbaren und hat für die meisten absolut nichts mit Architektur zu tun. Bei den Konsumdiktatoren geht noch immer die Vorstellung um, dass in einem perfekt geplanten Haus, perfekte versorgte Menschen, in Sesseln vor ihren multimedialen Endgeräten sitzen und vor sich hin degenerieren. Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx sieht diese Menschen gerade aufwachen: Das sei ein Megatrend, das werde die Industrie zu spüren bekommen. Politiker spüren es schon – überall auf der Welt.

www.zukunftshaus.at www.nextroom.at/actor. php?id=4220 www.podpod.at

Flexibilität Flexibilität ist ein geschundenes Wort in der Architektur. Was uns in den vergangenen Jahren alles im Zeichen der Flexibilität verkauft worden ist, spottet jeglicher Beschreibung. Hier galt es, bauliche Flexibilität in den humanen Lebensablauf einzubauen. Dieses Haus versucht, eine individuelle Familienarchitektur abzubilden und die entwickelt sich unaufhörlich weiter. Matthias Horx bezeichnet deshalb das Haus gern als „Raumschiff“. Es gibt einen langgestreckten Baukörper, der aus einer Reihung von drei Kuben besteht, die man jeweils voneinander regelrecht abschotten kann. „Man kann die Schotten dicht machen.“ Die Türen reichen bis zur Decke und sind sehr massiv, so dass bei den Jungs der Punk abgehen kann, ohne dass die Eltern in ihrem Tun gestört werden (und umgekehrt). Trennungen wie Zusammenkünfte sind frei moderierbar. Individualität entsteht durch Entflechtung, hier zunächst durch die Reihung der Zimmer, durch effiziente Größen, durch an die Lebensumstände der Familie angepasste Raumangebote, einen hohen Außenbezug und die Teilung in zwei Gebäude. Dieses smarte Haus hat keinesfalls nur mit Technik zu tun oder wäre in Bezug auf verfügbare technische Möglichkeiten hin ausgelegt. Sondern es ist von den sozio-ökonomischen Entwicklungslinien her konzipiert. Und da ist Individualität für Matthias Horx ein ganz wichtiger Faktor: „So etwas wie, dass niemand mehr das selbe Fernsehprogramm ansehen will oder muss. Die Kinder streamen, wir streamen. Dafür muss man einen Ausgleich schaffen. Deswegen haben wir im Zentrum des Hauses einen klassischen Kaminraum eingerichtet, den wir HUB oder Lounge nennen. Von da aus kommt man auch schnell in die Garage hinunter. Wir reisen sehr viel. Und in welcher Art Räume halten wir uns am meisten auf? – in Lounges, bei Starbucks zum Beispiel, in Hotels oder in Flughäfen. Dort arbeiten wir an Laptops, haben Meetings und ernähren uns. Diesen Lifestile haben wir quasi domestiziert. Es gibt eine Küchensituation, in der man hoch sitzt. Wir sind kreative Menschen, wir kochen keine zig-Gänge-Menues. Das halten wir für dekadent. Deshalb leben wir eher eine Snacking- und Grazing-Situation. Und die reicht über die Grenzen der Küche hinaus. Wir haben draußen große Stahlrost-Container mit Kompost gefüllt, in denen wir unser Gemüse ziehen.“

der Idee, den Körper still zu legen. Die Fernbedienung ist seiner Ansicht nach das beste Mittel, die heutigen Volkskrankheiten ins Unendliche zu treiben. „Wir haben versucht,“ sagt der Zukunftsforscher, „unser Haus so zu bauen, dass wir im positiven Sinne in Bewegung bleiben. Das heißt auch, dass wir uns im Zweifelsfall zwangsläufig bewegen müssen. Der Trick ist, dass es eine Form von Bewegung sein sollte, die der Geist als positiv und nicht als lästig bewertet. Holz zu hacken – und selbst das Schleppen – ist für unsereins eigentlich keine unangenehme oder schlechte Tätigkeit. Schließlich haben wir das Glück in der Natur zu leben. Auch deshalb haben wir uns bemüht, das, was einen dort glücklich und froh machen kann, wieder in den Alltag einzubeziehen.“ Er erzählt weiter, dass die Familie zuvor den Teil eines Barockschlosses an der tschechischen Grenze als Ferienhaus bewohnt hat. Da gab es lange Flure und Wege und man habe am Ende des Wochenendes bemerkt, wie erschöpft, aber auch wie fit man war. In sizilianischen Bergdörfern, werden die Leute uralt, locker an die 100 Jahre, weil man an steilen Hängen wohnt, wo die Leute jeden Tag vom Haus in die Gärten und wieder zurück gehen müssen. Das ist ein durch die natürlichen Lebensumstände bedingtes kardiovaskuläres Training.

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spielsweise deutlich, dass die Zusammenlegung der Funktionen auch neue Formen der Trennung bedingt, denn auch im Inneren entsteht Störung. Mit dem Architekten wurde die Massenverteilung im Gebäude neu definiert. Der Wohnraum wurde zu Gunsten des Naturraums und anderer Funktionen, die wichtiger erschienen, verknappt. Da boten die Mitbewohner Anlass zur Sozialforschung. Der Gegenentwurf zu dem, was man hier suchte, war in Wien auch nicht weit entfernt zu finden. Auf der anderen Seite des Hügels wohnen die sogenannten „Wiener Witwen“ in wunderschönen, alten Villen. Das sind betuchte Frauen, deren Männer oft schon vor vielen Jahren gestorben sind und die seit dem in 18 Zimmern wohnen. Hier dachten jetzt Zukunftsforscher über ihre eigene Zukunft nach und skalierten ihr Haus so, dass es an veränderliche Situationen anpassbar bleibt und zwar ohne Abstriche an seiner Leistungsfähigkeit. So ist das separate Arbeitshaus persé vereinzelbar und als eigenständige Wohneinheit nutzbar.


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Architekten Hans-Peter Wörndl, Wien, Mitarbeiter: W. Härtig, M. Gangler, A. Karaivanov, W. Oster, C. Osborne, A. Jascques le Seigneur, E. Semmler Statik Dipl.-Ing. Margarete Salzer, Wien Baustellenkoordination P&B Ing. C.A. Eisler, Wien Bauführer: Baumeister Ing. Josef Frantsits, Wien Interior Design YMMD/Yarah David, London Beleuchtungskonzept podpod design, Wien, Gartengestaltung stalzer lutz gärten Weidling Bioteich „MR-Service” NÖ. Maschinenring-Service Gen.m.b.H., Horn Typografische Fassadengestaltung Dipl.-Ing. Nadine Zastrow Fotos, Baustellenfotos, Animationen Buero Wörndl und Bauherrschaft Fotos (groß) Klaus Vyhnalek, Wien

Building Performance Der Bauherr wünscht sich eine intuitiv verständlichen Technik im Haus. Piktogramme sollen eindeutig sein und technische Produkte müssen einem hohen Design-Anspruch genügen. Abbildungen links: Elemente der lasergesteuerten Raumregelung, entwickelt mit der Lifestyle-Foundation, Kufstein.


Future Evolution House  

Mission impossible Das Future Evolution House der Familie Horx-Strathern in Wien. Architekt: Hans Peter Wörndl, Wien

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