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Top: Zum Zeitpunkt seiner Gründung vor 16 Jahren war Yahoo der Favorit unter den Suchmaschinen

Unternehmen: Yahoo

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c 01/2011

Flop: Eine Werbekampagne für rund 100 Mio. Dollar brachte Yahoo nur wenige neue Nutzer

sätzlich 1 Mrd. Dollar an Yahoo über­ weisen. Schön wär’s gewesen. Mehr als ein Jahr nach Bekanntgabe der Partnerschaft fühlen sich Skeptiker bestätigt. Finanziell hat sich der Pakt für die Beteiligten kaum ausgezahlt, Google ist stark wie eh und je. Ein paar Prozent Marktanteil konnte Yahoo dem Rivalen abluchsen. Doch Google unter 65 Prozent zu drücken scheint derzeit aussichtslos. In Europa ist der Marktführer mit einer Quote von mehr als 90 Prozent praktisch konkurrenzlos. Weitaus größere Sorgen dürfte Bartz eine andere Entwicklung bereiten. Sowohl Google als auch Facebook drängen in die Vermarktung von Display-Anzeigen. Nach Umsatz ist Yahoo noch Marktführer, aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Rivalen aufschließen. Bereits heute zeigt Facebook seinen Nutzern viermal so viel Bannerwerbung wie Yahoo, Microsoft, Fox Interactive und Google zusammen. „Wir werden die Marktführerschaft im Display-Geschäft nicht so leicht abgeben“, hält Bartz kämpferisch dagegen.

Zu wenig Personalisierung Facebook und Google legen ein enormes Tempo vor. Fast im Monatsrhythmus präsentieren die Firmen neue Produkte. Zugleich treiben sie die Preise für die klügsten Köpfe der Branche hoch. 6 Mio. Dollar bot Google kürzlich einem Ingenieur, damit der nicht zu Facebook überläuft. Ein möglicher Börsengang des sozialen Netzwerks mit entsprechenden Aktien­ optionen für Mitarbeiter würde die Lage am Markt für Webexperten noch verschärfen. Und was hat Yahoo zu bieten? „Faszinierende Jobs“, sagt Bartz lapidar – und wenig glaubwürdig. Längst sind neue Pläne für Stellenstreichungen nach außen gedrungen. Und das in einer Zeit, in der es darum geht, das Angebot ständig weiterzuentwickeln, um es für die Nutzer attraktiv zu halten. Yahoo liege mittlerweile völlig zurück, wenn es darum gehe, das Internet so individuell wie möglich zu gestalten, sagt Caterina Fake. 2005 verkaufte die heute 41-Jährige die von ihr mitgegründete Fototauschseite Flickr an Yahoo. „Das Unternehmen hat eine Gelegen∂ heit nach der anderen verpasst, mit

AdVision(3); AP/Mark Lennihan

Immerhin gelang es Bartz kürzlich, für 100 Mio. Dollar das Unternehmen Associated Content zu kaufen – eine Plattform, auf der Texte von mehr als 300 000 Nutzern veröffentlicht werden. Und es fällt ihr inzwischen leichter zu erklären, was Yahoo ausmacht. Während sie sich im Gespräch mit Blogger Arrington noch verhaspelte und schließlich alles aufzählte, was ihr gerade durch den Kopf schoss, klappte es im November schon besser. Selbstironisch merkte sie auf der Internetkonferenz Web 2.0 an: „Vielleicht hat es zwei Jahre gedauert, bis ich es ­verstanden habe, aber jetzt weiß ich es.“ Yahoo stehe für Inhalte, Kommunikation, Medien und Innovation. Wer das Unternehmen immer noch als Suchmaschinenbetreiber sehe, der liege daneben. Tatsächlich hat sich Yahoo von seinem ursprünglichen Kerngeschäft weit entfernt. Abfragen stehen zwar weiter im Zentrum der Website, sie laufen jedoch in den USA neuerdings über Microsofts Suchmaschine Bing. Mit Konzernchef Steve Ballmer ist Bartz eine zehnjährige Partnerschaft eingegangen, die vor allem gegen Google gerichtet ist: Yahoo kümmert sich um die Vermarktung sogenannter Display-Werbung, also großformatiger Anzeigen. Im Gegenzug erhält das Unternehmen 88 Prozent der Umsätze, die Microsoft mit Bing über YahooSeiten erlöst. Der Deal soll dem Juniorpartner zusätzlich 500 Mio. Dollar operativen Gewinn einbringen. Die Anleger teilten die Begeisterung von Bartz und Ballmer nicht. Als das Abkommen bekannt wurde, sackte der Kurs der Yahoo-Aktie zunächst um mehr als­ zwölf Prozent ab. Die Aktionäre hatten darauf spekuliert, Microsoft würde zu-

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