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THS Newsletter Informationen der Theodor-Heuss-Schule für Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Ausbildungsbetriebe

Foto: A. Hermsdorf | pixelio.de

Dezember 2012 • Ausgabe 18

Wir wünschen allen Lesern einen guten Start ins neue Jahr, Gesundheit, Glück und Erfolg.

In diesem Heft: Im neuen Erweiterungsbau auf dem Buchhügel gibt es noch einige Nüsse zu knacken

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1884 - 2009 JAHRE

Theodor-Heuss-Schule

Schutzgebühr: Schüler 1,00 Euro, Lehrkräfte 2,00 Euro

Berufliche Schulen der Stadt Offenbach für Wirtschaft und Gesundheit


Inhalt/Editorial

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Editorial

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Engagement und Empathie

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Live-Coaching an der THS

3

Plädoyer für Toleranz

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Partnerschulen aus Frankreich und Polen besuchen die THS

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Keine Angst vor Professoren

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Übergänge ermöglichen und Zukunft gestalten

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»Toleranz ist wichtig«

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Junge Wirtschaftsexperten haken nach

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Mit Sicherheit mehr Daten 10 Mängel im Neubau beheben

Literatur lebensnah

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Heiße Rhythmen aus Lateinamerika, Aerobic und Sport

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Abschied vom ›Lehrer fürs Leben‹

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Neue Kollegen stellen sich vor

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THS Newsletter18

sponsored by

»Der Idealismus wächst mit dem Abstand zum Problem« und nimmt mit dem Auftreten von Problemen oder der Konfrontation mit der Realität stetig ab. Dieses Zitat von John Galsworthy und die Ergänzung erscheint mir geeignet zu sein, um das auszudrücken, was viele Kolleginnen und Kollegen manchmal empfinden, wenn sie an den Erweiterungsbau denken. Wir sind nun zu Beginn dieses Schuljahres endlich eingezogen – damit wurde eine mehr als 30-jährige Wartezeit beendet. Nach der Freude über den Wegfall der Dependancen und den vielfältigen Möglichkeiten, die uns zum Beispiel das ›offene Raumkonzept‹ ermöglicht, sind seit August dieses Jahres aber auch viele Probleme entstanden, mit denen wir uns beschäftigten mussten und weiterhin müssen. Einige dieser Probleme werden in verschiedenen Beiträgen dieser Ausgabe aufgegriffen. Wir hoffen, wenn die Baumaßnahmen im nächsten Sommer abgeschlossen sind, dass die Übergangsprobleme nicht zu dauerhaften Problemen werden, die den Unterrichtsalltag erschweren. Deshalb halte ich es für unbedingt notwendig, dass zum Beispiel ein/e Koordinator/in zukünftig die Kommunikationswege zwischen Schulleitung, der Stadt Offenbach und Hochtief koordinieren sollte, auch wenn das in dem ÖPP-Verfahren nicht schriftlich fixiert ist.

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Ein Ort, an dem Existenzen 12 zugrunde gehen können!

Dezember 2012

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Außerunterrichtliches Engagement Ansonsten kommt es nun darauf an, dass wir die uns zur Verfügung gestellten Rahmenbedingungen so nutzen, dass Lernende und Lehrkräfte unsere Schule als eine Bildungsstätte wahrnehmen, in der man sich respektvoll und freundlich begegnet, in der zugehört, gefördert und gefordert wird. Jede Schülerin und jeder Schüler soll an unserer Schule die Lernbedingungen vorfinden, um den bestmöglichen Schulabschluss erlangen zu können. Ich nehme jeden Tag wahr, mit welchem Einsatz unsere Kolleginnen und Kollegen diese Ziele umsetzen, auch in ihren Freistunden und nach ihren Unterrichtsverpflichtungen mit Schülern sprechen, sie dabei mit ihren Sorgen und Befürchtungen ernst nehmen und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen suchen. Auch werden die Pausen zunehmend dazu verwendet, den Bedürfnissen der Lernenden gerecht zu werden, um ihre Lernausgangsbedingungen zu verbessern. Über den Unterricht hinaus zeugen der ›Info- und Kulturabend‹ (Seite 4), der Aufbau und die Koordination von Partnerschaften mit Schulen aus Frankreich und Polen (Seite 5), das Schul- und Sportfest (Seite 14), Autorenlesungen und lebendige Podiumsdiskussionen zu aktuellen politischen Themen von der fruchtbaren Zusammenarbeit unserer Lehrkräfte mit unseren Schülern. Ich bedanke mich bei allen Kolleginnen und Kollegen für ihr Engagement und bin mir darüber bewusst, dass ich diese Zeilen hätte nicht schreiben können, wenn Sie/Ihr das mit Ihrem/Eurem Einsatz nicht realisiert hättet/en, was in dieser Ausgabe zu lesen ist. In diesem Sinne soll auch diese Ausgabe Ihnen/Euch einen Einblick in die unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Aktivitäten unserer Schule ermöglichen. Ihr/Euer Stefan Falcione (Personalratsvorsitzender)

Impressum: ›THS Newsletter‹ erscheint 2 x pro Jahr und ist der aktuelle Newsletter der Theodor-Heuss-Schule für Schüler, Eltern, Ausbildungsbetriebe und Lehrkräfte. Konzeption: Helmut Müssemann. Verantwortlich für den Inhalt: Stefan Falcione, Helmut Müssemann. Redaktionsteam: Gudrun Bayer, Stefan Falcione, Helmut Müssemann. Gesamtverantwortung: H. Kößler, Schulleiter. Gestaltung: arcus design & verlag, 56814 Fankel/ Mosel. www.arcusdesigns.de Herausgeber: Theodor-Heuss-Schule, Buchhügelallee 86, D-63071 Offenbach, Tel. 069 - 8065 2435, Fax 8065 3192. www.ths.schulenoffenbach.de


Projekte & Events

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DER PERSONALRAT INFORMIERT

Engagement und Empathie

Live-Coaching an der THS

Unser Engagement findet in der Öffentlichkeit zu wenig Beachtung

Kolleginnen und Kollegen werden professionelle Beratung anbieten

Ein Kommentar von Stefan Falcione

Es gibt immer wieder Anlässe, bei denen ich nachdenklich werde und es bedauere, wie wenig die Hingabe vieler Kolleginnen und Kollegen zu ihrem Beruf des Lehrers in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Es müssen von den Lehrkräften immer mehr Aufgaben übernommen werden, ohne dass dieses gewürdigt wird. Zu diesen Aufgaben zähle ich auch die Zwischenlernstandskonferenzen, auch ›Halbzeitkonferenzen‹ genannt, die sich an unserer Schule etabliert haben. In diesen kommunizieren wir im Lehrerteam über jeden einzelne/n Schüler/in und versuchen gemeinsam mit den Lernenden angemessene, auf den Einzelfall bezogene, Lern- und Lebenshilfen zu finden. Dieses Engagement, jeder Schülerin und jedem Schüler individuell gerecht werden zu wollen, über den oft anstrengenden Unterrichtsalltag hinaus, erfordert viel Energie und Kompetenzen. Aber offenbar ist unser Berufsbild in der Öffentlichkeit noch immer von vielen Klischees geprägt, die das Gegenteil von dem postulieren, was ich tagtäglich wahrnehme. Dieses verzerrte Bild der Realität anzunähern liegt meiner Auffassung nach im Aufgabenbereich der Bildungsgewerkschaften und sollte eines ihrer zentralen Ziele für die Zukunft sein. Ich bin fest davon überzeugt, dass das Engagement vieler Kolleginnen und Kollegen im Zusammenspiel mit dem vielfältigen Angebot an Projekten und Kooperationen in Ergänzung zum Unterricht unseren Schülern die bestmögliche Basis für eine solide Ausbildung bietet. Schließlich ist es Ziel unserer Schulgemeinde dazu beizutragen, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler in der größtmöglichen Zahl auch das größtmögliche Glück in der Gegenwart und Zukunft erreichen können. Das Kollegium nimmt die oft äußerst schwierigen sozialen Bedingungen unserer Schülerinnen und Schüler als Herausforderung an und arbeitet mit vorbildlichem Engagement und Empathie. Das bewundere ich sehr. Deshalb bin ich stolz darauf, an dieser Schule arbeiten zu können. Im Bewusstsein über den eingeschränkten Wirkungskreis unseres Newsletters hege ich trotzdem die Hoffnung, dass wir auch mit dieser Ausgabe ein wenig dazu beitragen, unser Berufsbild bei dem einen oder anderen Menschen verändern zu können.

Am 14. November 2012 traf sich das Team ›Kollegiale Beratung‹ zu einem ganztägigen Workshop. Die Teammitglieder wurden von der freiberuflichen Trainerin für Kommunikation und Beratung (Coaching) Heike Tiersch beim Einüben von unterschiedlichen ›Live-Coaching-Situationen‹ unterstützt. Frau Tiersch ist seit vielen Jahren freiberuflich tätig. Schwerpunkte ihrer Beratungspraxis sind Kommunikationstraining und Live-Coaching. Wunschberatungsteam kann gewählt werden Das Team ›Kollegiale Beratung‹ der THS wird allen Kolleginnen und Kollegen professionelle Unterstützung in Konfliktfällen anbieten, die sich aus unserer Arbeit mit Kolleginnen/Kollegen, Schülerinnen/Schülern sowie mit der Schulleitung ergeben können. Wir werden bezogen auf Ihren/ Euren individuellen Wunsch und unter der Maßgabe der Dringlichkeit und des Zeitbedarfes auf Ihre/Eure Beratungswünsche eingehen. Das bedeutet, dass wir ein Beratungsteam aus unserer Gruppe nach Ihrem/Eurem Wunsch zusammenstellen, dem sie vertrauen.

Sie können zwei oder drei Personen Ihres/Eures Vertrauens auswählen, die dann die Beratung durchführen. Wenn es gewünscht wird, kann auch eine größere Anzahl an Beratungspersonen anwesend sein. Das Beratungsteam umfasst maximal neun Personen. In diesem Fall erhalten Sie/Du dann wahrscheinlich größere Handlungsvorschläge für Ihr/ Dein jeweiliges Anliegen. In jedem Fall arbeiten wir absolut diskret. Sprechen Sie uns an, wenn Sie sich von Kolleginnen und Kollegen professionelle Hilfe versprechen. In unserem Team sind folgende Kolleginnen und Kollegen: Monika Dietz, Eva Maria Dill, Jörg Eckert, Stefan Falcione, Süleyman Güleryüz Wilhelm Guth, Manfred Jakobi, Stefanie Vietor, Gudrun Wolf.

THS Newsletter18 Dezember 2012


Events

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Plädoyer für Toleranz Information und Kultur lassen sich unterschiedlich auf die Bühne bringen. Theodor-Heuss-Schüler wählten ihre ganz eigenen Ausdrucksformen und betteten sie in einen Abend aus ›Pop und Politik‹. Von Harald H. Richter (›Offenbach Post‹, 8. 10. 2012)

Die sechste Auflage dieser Veranstaltungsreihe freut Schulleiter Heinrich Kößler besonders, findet sie doch im Erweiterungsbau statt – obendrein vor reichlich Publikum. So interkulturell das Programm an diesem Abend, so international auch die Gäste. Die Beruflichen Schulen für Wirtschaft und Gesundheit am Buchhügel wollen eine Partnerschaft mit einer vergleichbaren Einrichtung in Polen eingehen. Kößler begrüßt dazu eine kleine Delegation mit Anna Matysiak an der Spitze. Sie ist Leiterin der beruflichen Schule Zespol Szkol Ponadgimnazjalnych aus der Nähe von Posen. Auch aus der französischen Partnerschule Sant-Yves de Baine de Bretagne sind Gäste im Publikum. Gespannt und erwartungsvoll blicken besonders die Mitschüler den vorgesehenen Darbietungen entgegen, denn diese müssen einem laitischen Juryurteil standhalten. Acht Beiträge gehen in die Bewertung ein, drei Auftritte bleiben außer Konkurrenz. Am Ende siegt ›Beautiful‹ der Klasse BG3; mit jeweils gleicher Punktzahl auf Platz zwei folgen ›Hinter der Maske‹ (BGlc) sowie ›Buffalo Soldier und Rocky Horror Picture Show‹ (BGla). Etwa zwei Drittel der Schüler an der THS haben einen Migra-

THS Newsletter18 Dezember 2012

Schülerinnen der Klasse BG1d erklären die brasilianische Kampftanzkunst Capoeira. • Foto: Georg

tionshintergrund. Nicht wenige von ihnen sind mit den Klängen von Hirtenflöten, Lauten, Trommeln und ähnlichen Instrumenten vertraut und vielleicht gerade deshalb interessiert daran, sich der Musik anderer Kultur als der ihren zu nähern. So stehen fünf Schüler als Capoeira-Gruppe auf der Bühne und bieten einen Diskurs über Hintergründe und Ausübung der brasilianischen Kampftanzkunst, bei der es weniger um Sieg und Niederlage geht, als um Respekt voreinander. Denn der vermeintlich martialische Kampf wird als Spiel zelebriert.

In einer Zeit um sich greifender Diskriminierung von Minderheiten in der Gesellschaft prägt die Botschaft für Toleranz und gegenseitige Achtung auch die weiteren Darbietungen. So präsentieren Anna Ratzke und Elaem Celik ihre mit Mitschülern und Lehrer Stefan Falcione erarbeitete Interpretation der vor Jahren in ein Musikvideo gekleideten Popballade ›Beautiful‹, die zu Christina Aguileras größtem Hit wurde. Die Bildsequenzen führen vor Augen, wie es um die Lebenswirklichkeit benachteiligter Menschen überall auf der

Welt bestellt ist. Millionenfach werden Menschen ausgegrenzt und gemobbt, weil sie anders sind oder wegen ihrer sexuellen Orientierung gar mit dem Tode bedroht. Die jungen Leute regen mit ihrer popmusikalisch untermalten Bildfolge zu laitischer Reflexion eigener Verhaltensmuster an. Die Unterdrückung Andersdenkender thematisiert eine weitere Schülergruppe des Beruflichen Gymnasiums mit ihrer Auslegung eines Songs von Michael Jackson. Der sechste von acht Wettbewerbsauftritten mahnt zu ›Augen auf‹ und beherztem Eintreten gegen Benachteiligung. Nachhaltige Wirkung hinterlassen sieben Schüler ›Hinter der Maske‹ mit einem eigenkomponierten und getexteten RapSong über Voreingenommenheit. In hämmerndem Sprechgesang bringt Frontmann Stefanos Sfetsiaris die Botschaft für mehr Toleranz und Offenheit ans Publikum. So sehr sich die Darbietungen unterscheiden, so deckungsgleich ist die Intention der Akteure auf der Bühne. Sie wollen inspirieren, provozieren, zum Nachdenken anregen und natürlich unterhalten.


Projekte & Events

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Partnerschulen aus Polen und Frankreich besuchen die THS Grundlagen für ein neues Projekt im Rahmen von ›Comenius‹ gelegt

Von Gudrun Bayer

Vom 3. bis 6. Oktober 2012 besuchten die polnische Schulleiterin Anna Matysiak der Partnerschule aus Grodzisk Wielkopolski und die Lehrkräfte Bozena, Aldona Starosta sowie Kolleginnen aus der französischen Partnerschule Saint Yves de Bain de Bretagne Melanie und Julie Bécel die THS. Sie erlebten abwechslungsreiche Tage. Neben kulinarischen Erlebnissen wie die hessische Küche, norddeutsche Küche im Hause Bayer und internationale Küche am ›Interkulturellen Abend‹ in der THS lag der Schwerpunkt des Treffens im Kennenlernen und Vorbereiten einer gemeinsamen Kooperation. Unsere Gäste waren schon beim Rundgang durch unser neues Schulgebäude von der Innenausstattung und den vielen Gestaltungsmöglichkeiten begeistert, die uns für den Unterricht und Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Sie hospitierten auch in einigen Unterrichtsstunden und diskutierten mit den Schülern über die Unterrichtsinhalte. Höhepunkt des Besuches war die Teilnahme am ›Interkulturellen Abend‹ der THS am 5. Oktober. Die Schulleiterin aus Polen und eine Lehrkraft waren in der Jury vertreten, um die besten Vorträge zu prämieren (siehe Seite 4).

Comenius-Programm In vier Doppelstunden besprachen und entwickelten wir ein gemeinsames Projekt im Rahmen des ›Comenius-Programms‹. Das seit 1995 eingerichtete Programm der Europäischen Union hat das Ziel, die Zusammenarbeit von Schulen innerhalb der EU sowie die Mobilität von Lernenden und Lehrkräften zu fördern. Es ist seit 2007 Teil des Programms für lebenslanges Lernen, mit dem bis 2013 die europäische Zusammenarbeit im Bildungsbereich gefördert wird. Zum Programm für lebenslanges Lernen gehört auch ›Comenius‹ für Schulen. Namensgeber war der Pädagoge Johann Amos Comenius. Wir verständigten uns auf das Thema: ›Europa – offen für alle? Kann jeder in Europa Karriere machen?‹ Wir haben vereinbart, dass die THS das Projekt koordinieren wird. Deshalb wird sie den Antrag auf Kooperation mit den Schulen aus Frankreich und Polen bis zum 1. Februar 2013 beim ›Pädagogischen Austauschdienst Deutschland‹ (PAD) stellen. Wir hoffen nach der Genehmigung auf eine zweijährige Kooperation mit diesen Schulen. Dieses Projekt wird von der EU mit 22.000 Euro unterstützt. Die Arbeitssprache wird Englisch sein. So kommen sich Schüler, Lehrkräfte und Eltern europa-

Die drei Kollegen aus der beruflichen Schule in der Nähe von Posen, die die THS besuchten, waren so von unserer Schule beeindruckt, dass die Polnischlehrerin nach ihrer Rückkehr einen Artikel über den Besuch für die Lokalpresse schrieb, der auch veröffentlicht wurde. Hierin waren unter anderem Sätze zu lesen wie:

weit näher, diskutieren und suchen Lösungsmöglichkeiten zu aktuellen Wirtschaftsthemen. Ifel-Institut für europäische Lehrerfortbildung Hilfreich war dazu eine Fortbildung des Instituts für europäische Lehrerfortbildung (Ifel) zum Thema ›Projektmanagement für interkulturelle Austauschprojekte in Europa‹, an dem ich vom 6. bis zum 13. Oktober 2012 teilnahm. Hier erhielt ich Tipps für genehmigungswirksame Formulierungen für den ›ComeniusAntrag‹. Das Ifel-Institut (Institut für europäische Lehrerfortbildung) mit Sitz in Hamburg bildet alle europäischen Partner für die Antragsstellung und Finanzierung von Schülerprogrammen aus. Das Institut veranstaltet interkulturelle Projektmanagementseminare für Lehrer und pädagogische Fachkräfte aus Ländern, die am Programm für lebenslanges Lernen teilnehmen. Das sind die 27 Länder aus der EU sowie die Schweiz, Türkei, Kroatien, Norwegen, Island, Liechtenstein und Mazedonien. Ich lernte dort Kolleginnen und Kollegen aus weiteren potenziellen Partnerschulen kennen. Die Kollegen aus Österreich und der Slowakei haben mittlerweile zugesagt.

» … die über 2.000 Schülerinnen und Schüler und sowie ihre Lehrer können begeistern«, »Bei jedem Schritt wird die freundschaftliche und durch Toleranz geprägte Beziehung unter den Schülern selbst und unter den Schülern und Lehrern sichtbar« oder »Das Modell der Erziehung zu Toleranz und Respekt gegenüber jedem Menschen war sehr beeindruckend«. Da an der Schule in Polen kaum Migranten anzutreffen sind, waren die polnischen Kollegen überrascht, als sie an der THS das gute Miteinander der verschiedenen Nationalitäten beobachteten. Sie hatten an einer Schule, an der Schülerinnen und Schüler aus über 40 verschiedenen Heimatländern gemeinsam lernen, viele Konflikte und gegenseitiges Unverständnis erwartet. Diese Bedenken wurden jedoch schon am ersten Tag ausgeräumt.

THS Newsletter18 Dezember 2012


Projekte & Events

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Keine Angst vor Professoren Das FH-Projekt ›Chancen bilden‹ führt Schüler aus nichtakademischen Familien an das Studium heran

Von Marek Fritzen (›Frankfurter Rundschau‹, 7. 11. 2012)

Jura? Nein. Medizin vielleicht? Auch nicht. BWL? Auf gar keinen Fall. Für Isabel Masingue steht fest: »Diese drei Fächer werde ich definitiv nicht studieren. Die sind einfach nichts für mich.« Masingue ist 19 Jahre alt. Derzeit besucht sie die 13. Klasse der Bettinaschule im Frankfurter Westend. Im kommenden Frühjahr macht sie ihr Abitur. »Im Moment kann ich nur sagen, was ich nicht studieren will.« Ein favorisiertes Studienfach hat sie noch nicht. »Eventuell Biologie, aber sicher bin ich mir wirklich noch nicht.« Oftmals schlechtere Chancen Aus diesem Grund nahm die Schülerin am Modellprojekt ›Chancen bilden – Fit fürs Studium‹ der Fachhochschule Frankfurt teil, das am 5. November 2012 nach 2010 und 2011 zum dritten Mal begonnen hat. Gefördert vom Land und der Europäischen Union werden 60 Frankfurter Jugendliche aus nichtakademischen Elternhäusern im letzten Schuljahr vor dem Abitur oder Fachabitur auf ein mögliches Studium vorbereitet. »Schüler aus nichtakademischen Familien haben trotz Abitur oftmals schlechte Chancen ein Stu-

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Isabel Masingue (rechts) im Gespräch mit den Mentoren Severine Sabow (links) und Constantin Bredl (Mitte). • Boeckheler

dium zu beginnen«, sagt Projektleiter Frank Weyel. Gemeinsam mit Projektentwicklerin Sabrina Müller und neun studentischen Mentoren der FH leitet er das Projekt. Weyel arbeitet in der Studienberatung der Fachhochschule und berichtet: »Ich werde täglich mit diesem Problem konfrontiert – das Thema für das Projekt lag daher auf dem Tisch.« Durch ›Chancen bilden‹ soll den Schülern der Einstieg in ein erfolgreiches Studium ermöglicht werden. »Oft haben Schüler, in deren Familie bisher niemand studiert hat, Zweifel, ob sie für ein Studium geeignet sind. In ihren Familien fehlt es an Ansprechpartnern, die ihnen bei ihren Fragen und Ängsten helfen könnten. Hier unterstützten wir gezielt«, sagt FH-Vizepräsidentin Eva-Maria Ulmer.

Die Unterstützung erfolgt in Form von fünf Workshops mit Themen wie: ›Was studieren?‹ oder ›Meine Stärken‹. Los ging es am Montag mit dem StartWorkshop ›Warum studieren?‹ Jeder Mentor betreut dabei eine Gruppe von bis zu zehn Schülern. Hüseyin Yildiz ist einer der Mentoren. »Ich bin als Arbeiterkind aufgewachsen.« Heute studiert er Ingenieur-Informatik an der FH. »Als ich mit meinem Studium begann, hatte ich eine Hemmschwelle gegenüber Professoren. Mit dem Projekt wollen wir versuchen, genau diese Hemmschwelle abzubauen. Wir wollen unsere eigenen Erfahrungen an die Schüler weitergeben«, sagt Yildiz. Wie er berichtet, planen in seiner Workshop-Gruppe nahezu

alle Schüler ein Studium. Die ersten Fragen drehten sich daher rund um die FH und um mögliche Studiengänge. »Einer der Schüler plant etwas Handwerkliches in Verbindung mit einem Studium. Ihm konnte ich sagen, dass das an der FH in verschiedenen Fachbereichen möglich ist«, berichtet Yildiz. Auch für David Mohr steht fest, dass er studieren wird. »Ich interessiere mich für WirtschaftsInformatik«, sagt der 23-Jährige. Er hat bereits eine Ausbildung absolviert. Nun macht er sein Fachabitur an der THS in Offenbach. »Ich will es mir mit dem Studium noch einmal selbst beweisen, auch wenn es sicher stressig wird.« Das vermutet auch Isabel Masingue. Daher will sie nach dem Abitur erst einmal auf Weltreise gehen. »Wenn ich zurückkomme, fange ich mit dem Studium an.« Bis dahin werde sie sich für das richtige Studienfach entschieden haben. Vielleicht auch mit Hilfe des FH-Projekts.

Wer sich für das Projekt interessiert, kann sich an seine/n Klassenlehrer/in oder Herrn Ott wenden oder direkt mit der Fachhochschule Kontakt aufnehmen: Kontakt: FH FFM, Projekt ›Chancen bilden‹, Zentrale Studienberatung, Frank H. Weyel, Telefon: 069/1533-3883, E-Mail: weyel@abt-sb.fh-frankfurt.de


Projekte & Events

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Übergänge ermöglichen und Zukunft gestalten Fachoberschulklassen besuchen die Fachhochschule in Frankfurt

Am 26. November besuchten zwei Fachoberschulklassen der Jahrgangsstufen 11 und 12 sowie weitere interessierte Schüler mit ihrem Lehrer Stefan Falcione die Fachhochschule (FH) in Frankfurt.

schaftsinformatik. Er wies darauf hin, dass im Studiengang Betriebswirtschaft gegenwärtig ein Numerus clausus von 1,7 existiert. Dieser würde jedes Jahr aus den Abiturnoten der angenommenen Bewerber berechnet und deshalb variieren. Laut Prof. Schabel haben sich im vergangenen Semester auf 80 Studienplätze in Betriebswirtschaft über 4.000 Personen beworben. Er verwies aber auch darauf, dass unter diesen Bewerbern viele Mehrfachbewerber sind, die sich an verschiedenen Fachhochschulen bewerben. Deshalb vergab die FH vor Beginn des Wintersemesters zunächst 350 Zulassungen, weil sich ein Teil der Bewerber für ein Studium in einer anderen Stadt entschieden hatte. Im Idealfall werden so alle Plätze belegt.

Dieser Besuch ist ein Element der Kooperationsvereinbarung der THS mit der FH Frankfurt. Ein weiterer Baustein ist das Projekt mit dem Titel ›Chancen bilden – Fit fürs Studium‹, wo die Teilnehmer von einer Diplom-Pädagogin und Studierenden der FH betreut und auf das Studium vorbereitet werden. Dieses Projekt soll dazu beitragen, die Quote der Studienabbrecher zu reduzieren. Guter Betreuungsschlüssel Gegenüber dem Studienberater der Fachhochschule, Frank Weyel, gaben viele Schüler zu Beginn der Informationsveranstaltung an, dass sie nach der Schule ein Studium an der FH machen wollen. Frank Weyel stellte die allgemeinen Voraussetzungen für einen Studiengang vor und erörterte die Vorteile eines Studiums an der FH. Im Unterschied zu Universitäten sei ein Studiengang an einer Fachhochschule praxisorientierter, da viele Studierende

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Harte Bedingungen während des Studiums ein Praktikum machen müssen. Des Weiteren würde im Vergleich zu einer Universität in kleineren Gruppen gelernt. Formal ist die Fachhochschule in vier Fachbereiche gegliedert. Nach der Einführung konnten sich die Schüler in den Fachbereich 2 oder 3 einwählen. Exemplarisch für den Fachbereich 2 Informatik und Ingenieurswissenschaften erläuterte Christopher Scholz, Student im 3. Semester, welche Anforderungen

in seinem Studiengang gestellt werden und gab einen Einblick in die Studieninhalte. Bestenauslese Parallel zu dieser Vorstellung erläuterte Professor Dr. Matthias Schabel für den Fachbereich 3 Wirtschaft und Recht den Aufbau des Studienganges Betriebswirtschaft. Prof. Schabel lehrt seit 2006 an der FH und hat seinen Schwerpunkt im Bereich Rechnungswesen und Wirt-

Die Regelstudienzeit für einen Bachelorstudiengang beträgt sechs bzw. sieben Semester. Nach diesem berufsqualifizierten Studiengang kann man zunächst in dem erlernten Beruf arbeiten oder direkt im Anschluss einen Masterstudiengang belegen. Diese Möglichkeit ist aber an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Für die Zulassung zu einem Masterstudium muss man eine Durchschnittsnote von min-


Projekte & Events

destens 2,5 beim Bachelorabschluss erreicht haben. Prof. Schabel gab deshalb den Tipp, immer mit Blick auf die Klausuren zu lernen, da alle Modulnoten die abschließende Endnote wesentlich bestimmen. Die Abschlussnote auf dem Bachelor of Arts ist damit die relevante Orientierung für Personalchefs.

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»Toleranz ist wichtig« Gonca Aydin spricht im Interview über die Ansprüche, muslimische und christliche Kinder zu unterrichten. Ursula Rüssmann führte das Interview, ›Frankfurter Rundschau‹ vom 24. November 2012

Resümee Für einige Schüler hat sich ihr Studien- oder Berufswunsch nach diesem Tag konkretisiert, andere sind noch immer unentschlossen. Die Tatsache, dass es Zulassungsbeschränkungen gibt, wird viele dazu veranlassen, die schulischen Möglichkeiten intensiver auszuschöpfen als bisher. In jedem Fall können die Schüler ihre Zukunftspläne nun realistischer einschätzen. Weitere Informationen zu diesem Themenkreis: http://www.fh-frankfurt.de Infos dazu auch auf unserer Homepage unter ›Chancen bilden – Fit fürs Studium!‹

Am 21. und 22. Januar 2013 stehen die Tore der FH Frankfurt wieder offen. Alle, die sich für ein Studium interessieren, können sich informieren. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Auch Lehrkräfte sind herzlich willkommen. Nähere Informationen: www.infotage-frankfurt.de

THS Newsletter18 Dezember 2012

Gonca Aydin hat in Izmir islamische Theologie und in Frankfurt Religionswissenschaften studiert. An der THS erprobt sie mit katholischen und evangelischen Kollegen interreligiösen Religionsunterricht. Für die Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) wird Aydin die Lehrer auswählen, die eine Lehrbefugnis für islamische Religion wollen. Frau Aydin, nach welchen Kriterien wird die Berufungskommission die Lehrer für den islamischen Religionsunterricht auswählen? Wir haben Auswahlkriterien entwickelt, über die das Kultusministerium noch entscheiden muss. Auf jeden Fall müssen die Bewerber ein Lehramtsstudium abgeschlossen haben. Solange es keine Kandidaten mit einem Abschluss in islamischer Theologie gibt, wäre es hilfreich, wenn sie islamwissenschaftliche Kenntnisse haben. Wir sind jedenfalls gespannt, wer sich bewirbt. Sie sind ausgebildete islamische Theologin. Was sollen Kinder in der Schule über den Islam lernen? In der Grundschule geht es um das Grundlegende, um das, was alle Muslime verbindet.

Was ist denn das Grundlegende des Islams? Es gibt ein gemeinsames Curriculum für den Religionsunterricht, das sagt, was gelehrt werden soll. Da geht es um Fragen wie: Was ist Gott, welche Eigenschaften hat er, und was heißt das für das Handeln des Menschen? Barmherzigkeit, gegenseitiger Respekt, friedliches Zusammenleben sind wichtige Ziele. Die Kinder sollen natürlich den Koran kennenlernen und die Sunna, das Leben und Handeln des Propheten. Und sie sollen Toleranz gegenüber anderen Religionen üben und lernen, dass die großen Religionen eng verwandt sind: Islam, Christentum und Judentum stammen ja alle von Abraham ab. An der THS machen Sie mit der Verwandtschaft Ernst und geben zusammen mit christlichen Kollegen Religionsunterricht. Was ist das Ziel? Wir wollen, dass die Schüler von- und miteinander lernen statt getrennt. Wir bieten das in der 11. Klasse an, da haben die Schüler ihre eigene Religion schon kennengelernt. Um was geht es im Unterricht? Wir behandeln zunächst die Zeit des Al-Andalus, der islamischen Hochkultur auf der spanischen Halbinsel im Mittelalter, als es

einen produktiven Austausch zwischen den Religionen gab. Auf die Gegenwart bezogen spielt das Thema Toleranz eine große Rolle. Wir lesen philosophische Texte zum Beispiel von Rainer Forst und machen Biografiearbeit: Die Schüler sollen sich gegenseitig erzählen, was ihnen wichtig ist in ihrem Leben. … und die Religion? Die Religionen kommen dann erst: der Monotheismus, welche Rolle Frieden und Gerechtigkeit spielen, etc. Und wir besuchen die verschiedenen Gebetshäuser. Was löst der Unterricht aus? Sicher mehr Verständnis, gegenseitig, aber auch für die eigene Tradition. Muslimische Schüler zum Beispiel wissen oft nicht, dass es die Blütezeit des Al-Andalus gab. Atheistische Schüler kommen in Kontakt mit religiösen Weltanschauungen. Wenn das so gut klappt, könnte man doch gleich ab der ersten Klasse interreligiösen Religionsunterricht geben? Nein, da sind die Kinder noch zu jung. Erst mal müssen sie ihre eigene Religion erfassen und da ihre Identität finden, sonst geht von Anfang an alles durcheinander. Aber mit neun oder zehn Jahren ist so ein Unterricht wünschenswert.


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Junge Wirtschaftsexperten haken nach Schüler der Theodor-Heuss-Schule diskutieren mit Podiumsgästen fachkundig über die Eurokrise

Von Marie-Sophie Adeoso (›Frankfurter Rundschau‹, 17./18. November 2012)

Austeritätspolitik. Markt-Deregulierung. Spread. Je mehr wirtschaftliche Fachbegriffe Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management in der TheodorHeuss-Schule benutzt, desto unruhiger wurde Moderator Nico Barthel. »Was bedeutet die Krise für mich und meine griechischen Mitschüler hier in Offenbach?«, fragt der Zwölftklässler schließlich und bittet um Erläuterung des Ökonomie-Vokabulars. Zumindest des Letzteren hätte es aber gar nicht bedurft: Das Publikum der Podiumsdiskussion zum Thema ›Wege aus der Wirtschaftskrise‹ ist ohnehin bestens informiert. Die Lehrer der Fachgruppe Politik und Wirtschaft haben die Gymnasiasten der 12. und 13. Jahrgangsstufe auf die Veranstaltung vorbereitet, und die haken nun bei den Podiumsgästen nach. Neben Steffens sind die Landtagsabgeordnete Janine Wissler (Linkspartei) und der FAZ-Redakteur Philipp Krohn dabei. Ob es bei der Bankenrettung nicht Interessenkonflikte gegeben habe, weil ehemalige Goldman-Sachs-Banker in der Politik arbeiteten? Warum die Banken denn Kredite an Bürger vergeben hätten, von denen sie hätten wissen müssen, dass die

Schüler Kadir Ayhanci befragt die Podiumsgäste. • Monika Müller

Ist bereits Licht am Ende des Tunnels zu sehen oder droht eine soziale Katastrophe?

das Geld nicht zurückzahlen können? Und warum, will ein Junge von Janine Wissler wissen, sollte eine Bank Geld zu günstigeren Zinssätzen an Griechenland verleihen und so freiwillig auf Gewinn verzichten?

Wissler entgegnete, die Politik müsse klare Regeln für die Banken aufstellen, die bereits erfolgte Erhöhung der Eigenkapitalquote reiche da bei Weitem nicht aus. Anders als Krohn und Steffens, die bereits wieder ›Licht am Ende des Tunnels‹ sehen, was die Bewältigung der europäischen Schuldenkrise anbelangt, fürchtet Wissler, Europa könne in eine ›soziale Katastro-

phe‹ rutschen. In Griechenland seien Armut und Verelendung bereits ›massiv‹. Ein Punkt, den keiner der Anwesenden bestreitet. Uneins sind die Gäste lediglich darüber, wie man das Problem lösen sollte. Hochschulprofessor Udo Steffens hält die von Wissler geforderte Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums für den falschen Weg, stattdessen müssten Chancen geschaffen werden, um »die Leute zur Selbstständigkeit zu motivieren«. Bevor der Staat einspringe, sei die Familie zur Unterstützung in sozialen Notlagen gefragt. Philipp Krohn mahnt, die Menschen in Griechenland, wie auch in Deutschland müssten sich »klarmachen, dass bestimmte Wohlstandslevels vielleicht nicht mehr erreichbar sind«. Und Janine Wissler appelliert zum Abschluss an die ›europäische Solidarität‹: »Es geht uns eine ganze Menge an, was in Griechenland passiert. Die Exportüberschüsse des einen sind das Leistungsbilanzdefizit der anderen.«

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THS intern

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Mit Sicherheit mehr Daten Personalrat der Theodor-Heuss-Schule in Offenbach sorgt sich um den Datenschutz Von Fabian El Cheikh (›Offenbach Post‹, 26. September 2012)

Die elektronische Schließanlage an der THS sorgt für Ärger. Sie könne Bewegungsprofile der Lehrer speichern, kritisiert der Personalrat und sieht sich übergangen. Auch der hessische Datenschutzbeauftragte äußert Bedenken. Die Schulleitung ist erfreut, der Personalrat verärgert, der hessische Datenschutzbeauftragte alarmiert, bei der Stadt schüttelt man nur den Kopf. Von einem Skandal will keiner reden, aber ›dubios‹ ist die Angelegenheit schon. Grund für die Aufregung ist eine neue elektronische Schließanlage, die der Betreiber der Theodor-Heuss-Schule – das Unternehmen Hochtief – in den Sommerferien im Erweiterungsbau der beruflichen Schule hat installieren lassen. Sie registriert mit persönlich bezogenen Transpondern, wann welcher Lehrer bestimmte Räume betritt, und speichert diese Daten. Niemand weiß, wer Zugriff hat Welche Daten genau gesammelt und für wie lange sie an welchem Ort gespeichert werden – das wissen weder die Lehrer noch Schulleiter Heinrich Kößler oder Personalratsvorsitzender Stefan Falcione. Unbekannt ist darüber hinaus, welche Personen

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Zugriff auf diese Daten haben. »Rechtlich äußerst bedenklich«, urteilt der Personalrat der Schule und fordert Aufklärung: »Wir haben herausgefunden, dass mit diesem System die Erfassung von Bewegungsdaten der Lehrkräfte technisch gegeben ist, sodass für bestimmte Lehrergruppen ein genaues Bewegungsprofil erstellbar ist.« Da die Transponder einzelnen Lehrkräften zugeordnet wurden, die dafür einen programmierbaren Chip am Schlüsselbund tragen, seien die Namen im Aufsichtsbereich von Hochtief gespeichert. »Mir gegenüber wurde bestätigt, dass die Daten bis zu einem Jahr und länger gespeichert werden können, und das halten wir für völlig inakzeptabel.« Die Verunsicherung im Kollegium sei groß. Der Personalratsvorsitzende, selbst Lehrer für Deutsch, Politik und Geschichte, kritisiert darüber hinaus, dass die Lehrer in dieser Sache übergangen worden seien. »Die Schulleitung konnte uns keine Auskunft geben, niemand weiß, wer Zugriff auf die Daten hat.« Er werde den Verdacht nicht los, dass die Stadt als Träger und das Unternehmen Hochtief als Betreiber der Schule die eigentlichen Nutzer nur einbezögen, wenn es »unbedingt notwendig« sei. »Gerade mit dem Bauträger haben wir sehr ambivalente Erfahrungen gemacht. Wir freuen uns

sehr über den Neubau, aber bei vielen kleineren Problemen wird uns gegenüber nicht viel Entgegenkommen signalisiert.« Das Transpondersystem habe sprichwörtlich das Fass zum Überlaufen gebracht. In der Sache sind sich Schulleitung und Personalrat einig: Das neue Schließsystem sei sinnvoll, um Diebstähle und Einbrüche der Vergangenheit einzudämmen. »Wir sind nun in der Lage, nach einer erstellten Matrix nur bestimmten Lehrergruppen Zutritt zum naturwissenschaftlichen Trakt, zur Sporthalle, Server- und Verwaltungsräumen zu gewähren«, freut sich Schulleiter Kößler. Vor allem an teure Geräte, gefährliche Chemikalien und sensible Schülerdaten solle fortan nicht mehr jeder gelangen können, der die Schule betritt. »Das wird so auch in anderen Schulen gehandhabt«, betont Kößler. Auch der Datenschutzbeauftragte des Landes empfiehlt entsprechende Zugangsbeschränkungen. Ulrike Müller, Pressesprecherin des hessischen Datenschutzbeauftragten, zufolge könne sich ein Personalrat modernen Systemen nicht verwehren. Allerdings müssten die Rahmenbedingungen stimmen. Und dazu gehöre Transparenz: »Es muss klargestellt werden, wer wann in welchem Umfang Zutritt zu den Daten hat.«

Unverhältnismäßig sei eine Datenspeicherung über einen längeren Zeitraum, gar über ein Jahr hinaus. »Das ist auf jeden Fall zu lange, da stellt sich die Frage, ob das erforderlich ist.« Stadt zeigt kein Verständnis Müller fordert von allen Beteiligten »schnelle Aufklärung«. Man beobachte die Angelegenheit, die kein Einzelfall sei. »Wir haben ähnliche Probleme auch schon von anderen hessischen Schulen gemeldet bekommen.« Bei der Aufklärung geben sich die Beteiligten in Offenbach bislang jedoch äußerst bedeckt. Hochtief, das in einer öffentlichprivaten Partnerschaft die Schule unterhält, verweist auf bestehende Verträge mit der Stadt Offenbach, die wiederum keinerlei Verständnis für die Kritik aufbringt. So wies Stadt-Pressesprecher Matthias Müller darauf hin, dass dasselbe System in allen sanierten Offenbacher Schulen im Konsens mit der Schulgemeinde eingerichtet worden sei, ohne dass es zu Ärger gekommen sei. »Wir benutzen es auch im Rathaus, weil es den Betrieb eines Gebäudes wirtschaftlicher macht.« So müsse man etwa bei Verlust von Schlüsseln nicht mehr ganze Sicherheitsschlösser austauschen, sondern könne ähnlich wie bei Magnetkarten in


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THS intern

Mängel im Neubau beheben Resolution der Personalversammlung fordert schnelles Handeln

Hotels die Zutrittsberechtigung des verlorenen Schlüssels elektronisch sperren. Wie lange aber gespeichert wird, darauf bleibt Müller eine Antwort schuldig. Und wer hat Zugriff auf die Daten? »Die Stadt jedenfalls nicht«, sagt er und rät »bei allem Verständnis für den Datenschutz« dazu, die Kirche im Dorf zu lassen. Hochtief könne zwar die Daten einsehen, diese würden aber nicht zentral gespeichert. »Was sollten die mit den Daten auch schon machen?« Wenn der Personalrat eine Vereinbarung treffen wolle, müsse er sich an seinen Dienstherrn, das Land Hessen, wenden. »Die Lehrer sind nicht unsere Vertragspartner.«

Nach der Veröffentlichung dieses Artikels stellte Schulleiter Kößler in einer gemeinsamen Sitzung mit der Schulleitung und dem Personalrat einen Antrag und bat um Zustimmung des Personalrates zur elektronischen Schließanlage. Da Herr Kößler aber über keine Informationen verfügte, die das Verfahren bezüglich der Schließanlage regelt, formulierten wir unsere Bedingungen in Form einer Resolution, in der wir zu weiteren Nachbesserungen aufforderten (siehe Kasten). Diese ist auf der THS-Webpage unter ›News‹ zu finden.

In einer Resolution der Personalversammlung der THS wurden die Stadt Offenbach und HochTief aufgefordert, Licht in die Affäre um die Transponder zu bringen und neben Nachbesserungen bei der Temperaturregelung für mehr Schallschutz in den Treppenhäusern zu sorgen sowie die Reinigungszyklen für Klassen- und Mehrzweckräume zu erhöhen. Ultimatum an die Stadt Die Lehrer der beruflich orientierten Theodor‐ Heuss‐Schule fühlen sich überwacht und frieren. Die Pädagogen stören sich an einer Schließanlage, deren Schlüssel mit Transpondern ausgestattet sind und theoretisch ein Bewegungsprofil ihrer Eigentümer gestatten. Am 29. November 2012 hat der Personalrat der Stadt ein Ultimatum gestellt: »Wenn uns die Stadt als zuständiger Schulträger nicht bis zum 7. Dezember ein Verfahrensverzeichnis vorlegt, müssen die Schlösser ausgetauscht und die Transponder entfernt werden.« Auf diese Weise reagiert die Lehrerschaft auf die bislang offenbar nur zögerliche Reaktion des Schulträgers auf die datenschutzrechtlichen Bedenken der Lehrer. Diese fühlen sich, wie bereits berichtet, überwacht und nicht ausreichend informiert. So sei bislang noch immer nicht geklärt, welche Daten wo und wie lange gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat. »Der hessische Datenschutzbeauftragte hat uns schriftlich bestätigt, dass das Verhalten des Schulträgers rechtswidrig ist«, sagte der Personalratsvorsitzende Stefan Falcione gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Verfahrensverzeichnis soll Antworten auf die offenen Fragen der Pädagogen geben. Nur unzulängliche Antworten Der Personalrat wirft der Stadt und der Firma Hochtief, die die Schule betreibt, vor, Mitbestimmungsrechte beim Einbau der in Betrieb befind-

lichen Schließanlage missachtet zu haben. »Wir haben bereits vor vier Wochen ein Verfahrensverzeichnis angefordert und bis heute nur eine unzulängliche Antwort erhalten«, klagt Falcione. Doch es herrscht noch mehr Ärger an der Schule, die mittels einer öffentlich‐privaten Partnerschaft zu Beginn des laufenden Schuljahrs den lange ersehnten Erweiterungsbau in Passivbauweise durchaus dankbar in Betrieb genommen hat. So sei es in einigen Teilen des Gebäudes, unter anderem in mehreren Unterrichtsräumen, zu kalt, klagen die Lehrer. Unter der 20‐Grad‐Marke »Die Temperatur unterschreitet nach eigenen Messungen in manchen Räumen die 20‐Grad‐ Marke«, bestätigt Schulleiter Heinrich Kößler. »Meine Kollegen berichten mir, dass sie sich Decken über die Beine legen müssten, manche muss ich heimschicken, wenn ihnen zu kalt ist.« So sei auch der Krankenstand gestiegen. Es soll sich dabei um Unterleibserkrankungen wie Blasenentzündungen handeln. »Hochtief akzeptiert unsere Messungen aber nicht, weil die benutzten Thermometer nicht geeicht seien«, sagt Kößler. »deren eigene Messungen hätten immer 20 Grad ergeben.« Das Problem sei die zentral gesteuerte Gebäudebelüftung, die an Bewegungsmeldern gekoppelt sei. »Ungenutzte Räume sollen sich dadurch auf 18 Grad herunterkühlen und erst wieder warm werden, wenn sich Personen darin aufhalten.« Das könne laut Aussagen des Betreibers aber »15 bis 30 Minuten« dauern. Auch bei diesem Problem fordert der Personalrat schnellstens Nachbesserungen. Die Temperaturen müssten generell erhöht werden. Der Beitrag ›Ultimatum an die Stadt‹ von Fabian El Cheikh erschien am 1. Dezember in der ›Offenbach Post‹.

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FRiSCH-Projekt

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Ein Ort, an dem Existenzen zugrunde gehen können! Warum Spielsucht so gefährlich ist und was man dagegen tun kann.

Von Cem Meler (BG 13, LK Deutsch)

Das Projekt »FRiSCH« (›Frankfurter Rundschau‹ in der Schule) fand als Initiative der Tageszeitung ›Frankfurter Rundschau‹ (FR) jährlich statt. Während der dreimonatigen Projektzeit erhielten die beteiligten Schülerinnen und Schüler jeden Tag – auch in den Ferien – kostenfrei eine aktuelle Ausgabe der Zeitung. Vor dem Projektstart suchten sich die beteiligten Schülerinnen und Schüler ein aktuelles Thema im Bereich Politik und Wirtschaft aus, um im Verlaufe von zwölf Wochen einen Fachartikel zu verfassen. Sie mussten zu diesem Zweck Informationen recherchieren, die Zeitungen studieren und neueste Artikel zu ihrem Thema in einer Pressemappe sammeln. Diese Materialien flossen punktuell auch in die Artikel der Schülerinnen und Schüler ein. Die Arbeiten mussten vor Weihnachten beim Fachlehrer abgegeben werden, wurden von ihr/ihm redigiert und benotet. Die besten Artikel wurden an die ›Frankfurter Rundschau‹ gesendet und veröffentlicht. In diesem Jahr nahmen wieder einige Klassen an dem Projekt teil, das von den Lehrkräften Thorsten Braun und Stefan Falcione betreut wurde. Leider wissen wir aufgrund der Ereignisse um die ›Frankfurter Rundschau‹, dass das Projekt nicht fortgesetzt wird. Hier würdigen wir jedoch einen in der FR publizierten Artikel und stellen ihn auf der THS-Webpage unter News ein.

THS Newsletter18 Dezember 2012

Viele Menschen gehen tagtäglich in eine Spielothek oder in ein Wettbüro, um zu spielen. Ich bin auch ein Spieler, spiele zwar nicht an Automaten, aber in Wettbüros wette ich des Öfteren. Der Grund dafür ist oft Langeweile, der Nervenkitzel nach einem Spannungshöhepunkt oder die Hoffnung, das Geld zu vervielfachen. Das Problem ist, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Viele Spieler sind überzeugt, dass ihr System funktioniert und sie nicht spielsüchtig werden. Mit meinen 21 Jahren spreche ich schon aus Erfahrung und weiß, dass das Spielen für viele nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern ein unverzichtbarer Teil des Lebens geworden ist. Mangelnde Einsicht führt zur Sucht Diese Sucht ist deshalb so schwer zu behandeln, weil wenige sie zugeben. Schon mit 14 Jahren habe ich mich in Berlin, damals wohnte ich dort, regelmäßig in Wettbüros aufgehalten. Einen großen Teil meiner Jugend verbrachte ich damit, Wettquoten zu vergleichen, Strategien zu entwickeln, zu spielen und meistens zu verlieren. Dann musste ich wieder

Geld sparen, um einen neuen Wettschein ausfüllen zu können. Das war meine traurige Realität. Inzwischen ist es nicht mehr so einfach, als Minderjähriger in einem Wettbüro zu wetten, aber es gibt noch immer Mittel und Wege, sein Geld zu verzocken. Auch im Internet. Ich denke, dass sich viele Menschen, unabhängig vom Alter, nicht darüber im Klaren sind, wie gefährlich es ist, nicht einsehen zu wollen, inwieweit man schon in einem Teufelskreis versunken ist. Der Gedanke, sein Geld wieder zurückgewinnen zu können oder der Gedanke »dieses Mal wird es klappen«, ist der Einstieg in die Sucht. Suchtpotenzial steigt Die Anzahl der Wettbüros in Offenbach hat sich in den letzten fünf Jahren vervierfacht: ein Indiz dafür, dass immer mehr Menschen diese aufsuchen. Das ist traurig, das Schweigen der Spieler ist traurig, aber auch das Schweigen des Staates ist erschreckend. Warum übernehmen sie keine Verantwortung? 2011 planten die Bundesländer, den ›Glücksspielvertrag‹ zu ändern, um Spielotheken zu schließen oder sie aus den Großstädten zu verbannen. Die Auflagen sollten deutlich strenger werden, Gewinne und Verluste an Automaten begrenzt werden. Das

sollte besonders Jugendliche vor der Spielsucht schützen. Die Reform wurde bis heute nicht umgesetzt. Vielleicht auch deshalb, weil Wettbüros und Spielhallen ca. 1,5 Mrd. Euro Steuergelder einbringen. Vielleicht ist das ein Grund, warum die Reform des Glückspielvertrags so schleppend voran geht. Zudem startete Schleswig-Holstein einen Alleingang. Sie eröffnen in diesem Jahr einen Online-Markt für private Sportwetten. Schleswig-Holstein erhofft sich mit dieser neuen Regelung Steuereinnahmen in Höhe ca. 60 Mio. Euro. Eine neue Dimension hat auch das ›Onlinewetten‹ angenommen. Zahllose Internetanbieter bieten Wetten jeglicher Art an. Man muss nur noch ein paar Klicks durchführen und eine Wette ist gesetzt. Der Spieler muss nicht mehr vor die Tür gehen, um eine Wette zu platzieren. Damit könnte auch das Gefühl für den Verlust des baren Geldes, was man in einem Wettbüro noch unmittelbar empfindet, verloren gehen. Das erhöht die Gefahr des Kontrollverlusts noch weiter. Das Spielen kann auch die Psyche der Person verändern. Im Extremfall isoliert sie sich, verschwindet in ihrer Welt. In einer Welt, wo er endlich den großen Gewinn macht und ihn von den


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Sorgen befreit, die er sich durch das Spielen erst zugefügt hat. Wenn man öfter in einem Wettbüro/Casino war, wird man feststellen, wie traurig dieser Ort in Wirklichkeit ist. Ein Ort, wo Leben zugrunde gehen und ganze Familien in den Ruin getrieben werden. Menschen, die oft emotionslos stundenlang an Spielautomaten oder vor Ergebnistafeln sitzen und ihre Existenz aufs Spiel setzen. Was man tun kann Prävention erscheint mir deshalb sehr sinnvoll, um zu verhindern, dass besonders Jugendliche schon früh spielsüchtig werden. Sinnvoll wäre es, die Jugend an Schulen über Suchtgefahren aufzuklären, darüber dass die Spielsucht eine ernst zu nehmende Krankheit ist und sie schreckliche Folgen haben kann. Ehemalige Spielsüchtige sollten in Spielotheken und in Schulen auf junge Menschen zugehen und ihre Lebensgeschichte darstellen. Auch wäre es sinnvoll, die Anzahl der Wettbüros in Grenzen zu halten. Das sind nur einige Vorschläge. Um der Sucht zu widerstehen, habe ich für mich prinzipielle Regeln aufgestellt, an die ich mich strikt halte. Ich spiele zum Beispiel niemals online. Zudem verlasse ich nach meinem Tipp das Wettbüro und schaue mir das Spiel dort nicht an, um der Versuchung zu entgehen, kurz vor dem Verlust meiner Wette noch eine ›Rettungswette‹ zu platzieren. Im Zockerjargon heißt das ›absichern‹. Oft sichert man das aber nicht wirklich ab, sondern verliert noch mehr Geld. Wenn man doch mal Glück hat, sollte man aufhören. Das machen meiner Erfahrung nach aber nur sehr wenige. Ich habe den Gedanken, mit

Glücksspielen Geld zu verdienen, längst aufgegeben. Eine Illusion, die mehr zerstört als man denkt. Entscheidend ist, dass man den Kampf gegen sein eigenes Verlangen in seinen Gedanken nicht verliert. Die Sucht zu verhindern oder sie zu bekämpfen, beginnt im Kopf. Wichtig ist, dass man Spaß am Spielen hat. Das geht aber nur, wenn man sich kontrollieren kann. Das können Jugendliche noch viel schwerer als Erwachsene und deshalb sollte man zumindest als Jugendlicher überhaupt nicht zocken. Der folgende Link bietet noch mehr Möglichkeiten und Hilfestellungen an, damit man sich nicht alleine mit der Sucht fühlen muss. http://www.casinoschule.com/art ikel.php?item=31 Quellen: 1,5 Milliarden Steuereinnahmen durch Glücksspiele http://www.derwesten.de/wp/ges etz-bedroht-tausende-spielhallen-id4608614.html Schleswig-Holstein beginnt einen Alleingang http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/gluecksspielschleswig-holstein-startetalleingang_aid_665468.html

Projekte & Events

Literatur lebensnah Bernd Köstering liest in der Theodor-Heuss-Schule aus seinem neuen Roman Von Stefan Falcione

Am 21. November 2012 las der Schriftsteller Bernd Köstering aus seiner ›GoethekrimiTrilogie‹ in der Theodor-HeussSchule. Die Schüler aus dem beruflichen Gymnasium der Jahrgangsstufe 11 und des Grundkurses der Jahrgangsstufe 12 bearbeiteten den ersten Roman des Autors ›Goetheruh‹ zuvor im Deutschunterricht. Sie entwickelten zu den literarischen Figuren Charakterisierungen und zu den Kapiteln des Kriminalromans eine Fotostory, welche die Bühne in der neuen Mediathek der Schule umrahmte. Der Autor freute sich über die Exponate und nahm das zum Anlass, die Schüler zum Lesen und Schreiben zu motivieren. Er forderte sie dazu auf, mehr zu lesen und das aufzuschreiben, was sie als wichtig empfinden. Dieses sollten sie an ihn persönlich senden, er würde sie dann auch individuell beraten. Im Anschluss las er eine kurze Szene aus dem zweiten Buch der Trilogie ›Goetheglut‹ und eine längere Passage aus seinem aktuellen dritten Buch ›Goethesturm‹ vor. Nach der Lesung wollten die Schüler in Erfahrung bringen, was den Autor zum Schreiben inspiriere. Er verwies dabei auf seine Geburtsstadt Weimar, in welchem auch das ›Goethehaus‹

Großes Interesse an der Lesung.

steht. Der Autor ist in Weimar geboren und lebt gegenwärtig aber schon lange in Offenbach, was auch ein Grund ist, warum die Deutschlehrerinnen Gudrun Bayer und Dörte Löffert diesen Autor für diese Lesung einluden. Viele Schüler waren von der Lesung und von dem Autor begeistert, besonders darüber, dass er sich ihnen so offen präsentierte, alle Fragen ausführlich und teilweise sehr persönlich beantwortete und damit vielleicht dazu beigetragen hat, dass der eine oder andere Schriftsteller an diesem Tag in der TheodorHeuss-Schule geboren wurde.

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Projekte & Events

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Heiße Rhythmen aus Lateinamerika, Aerobic und Sport Das THS-Schul- und Sportfest stand in diesem Jahr im Zeichen von Tanz, Gesundheit und Sport

Von Stefan Falcione

Das Wetter zeigte sich am 11. Oktober 2012 auf dem Gelände der Sportgemeinde Tempelsee von seiner freundlichen Seite, es war zwar schon etwas herbstlich kühl, aber die meiste Zeit schien für die Schulgemeinde der TheodorHeuss-Schule die Sonne. Dass es niemandem zu kalt wurde, lag aber nicht nur am Wetter und dem traditionellen Fußballund Volleyballturnier, sondern auch an Frau Döbele. Sie forderte wiederholt interessierte Schülerinnen und Schüler zum ›Zumba Tanzen‹ auf. Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert, tanzten zwischen dem Fußball- und Volleyballturnier auf dem Gelände der Sportgemeinde Tempelsee nach Anleitung der Sport- und Englisch-

lehrerin zu heißen lateinamerikanischen Rhythmen, während die Sportbegeisterten um Ruhm und Ehre spielten.

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Zumba ist ein Tanz-Fitness-Programm, das von lateinamerikanischen Tänzen inspiriert ist. Es wurde vom Tänzer und Choreografen Alberto ›Beto‹ Perez in Kolumbien in den 1990er Jahren kreiert und ist heute ein weltweit registriertes Warenzeichen der ›Zumba Fitness‹. Zumba enthält Tanz- und Aerobicelemente. Für Tänze untypisch arbeitet Zumba nicht mit dem Zählen von Takten, sondern dem Folgen der Musik, mit sich wiederholenden Bewegungen. Die Zumba-Choreografie verbindet Hip-Hop, Samba, Salsa, Merengue, Mambo, Kampfkunst und einige Bollywood- und Bauchtanzbewegungen. Klassische Gruppenfitness-Elemente wie Kniebeugen und der Ausfallschritt werden auch durchgeführt. Das Zumbaprogramm ist

von der ›Aerobics and Fitness Association of America, IDEA Hea‹ anerkannt. Spielen statt Grätschen Große Resonanz erzeugte auch wieder das Fußballturnier. Daran beteiligten sich 24 Mannschaften. Die Teams spielten mit Leidenschaft und großer Disziplin, waren jederzeit fair und zeigten im Erfolg große Freude und bei Niederlagen Respekt für den Gegner. Es wurde deutlich, dass das Miteinander und der Spaß im Vordergrund standen. Dazu trug auch die Regel bei, dass das Grätschen nach dem Ball beziehungsweise Gegenspieler als Foulspiel gewertet wurde. Als großer Erfolg erwies sich auch in diesem Jahr, dass jede Fußballmannschaft mindestens

eine Schülerin in jede Mannschaft integrieren musste. Da ein von einer Schülerin erzieltes Tor dreifach gewertet wurde, führte das dazu, dass bei allen Mannschaften – unter anderem auch im Lehrerteam- die Spielerinnen als Mittelstürmer agierten. So häufig wurden die weiblichen Spielerinnen vor dem Tor von ihren männlichen Mitspielern wohl noch nie angespielt. Für die Versorgung der Sportler sorgten die Schülerinnen und Schüler aus dem beruflichen Gymnasium der Jahrgangsstufe 13. Mit den Einnahmen werden sie im Mai des nächsten Jahres ihren ›Abiball‹ finanzieren. Wir möchten uns beim Fachbereich Sport für ihr Engagement und die gute Organisation sowie bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern bedanken.

Das Schul- und Sportfest war auch dieses Mal wieder ein großer Erfolg und wir hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder mindestens genauso ereignisreich sein wird.


Steckbriefe

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Abschied vom ›Lehrer fürs Leben‹ An der Theodor-Heuss-Schule ist er eine Institution: Günter Hensel vermittelte seinen Schülern Werte wie Respekt, Liebe und Menschlichkeit. Nach fast 50 Jahren geht er nun in den Ruhestand. Von Veronika Szeherova

Als das neue Schuljahr an der THS begann, war etwas anders. Es ist das erste Schuljahr ohne Günter Hensel – nach fast einem halben Jahrhundert. In dieser langen Zeit ist der Lehrer zu einer Institution der Schule geworden. Während viele Vertreter seines Berufs sich vorzeitig in den Ruhestand verabschieden, hat er noch zehn Jahre draufgepackt. Der Umgang mit jungen Leuten schien auch ihn jung zu halten: Wer Hensel begegnet, kann nur staunen, dass der schlanke, charmante und Witze reißende Mann schon auf 75 Jahre zugeht. Doch nun hat auch er sich entschieden, die Schule zu verlassen. »Die Zeit dafür ist jetzt richtig.«

Er öffnete vielen Schülern die Türen zu einem positiveren Menschenbild: Günter Hensel. • Foto: vs

er in der Jugendarbeit aktiv. Dabei entdeckte er seine Gabe, Menschen ein Gefühl der Anerkennung und Geborgenheit zu geben. So reifte sein Entschluss, Religion fürs Lehramt zu studieren. Gleich nach dem Studienabschluss im Jahr 1963 verschlug es den Frankfurter nach Offenbach. »Das lag am Lehrermangel hier, für mich war Offenbach damals so weit weg wie Australien«, schmunzelt Hensel. Doch er fühlte sich wohl in der Stadt und der Theodor-HeussSchule, die damals noch in der Innenstadt lag, bis sie 1972 an den Buchhügel zog. Hensel heiratete seine Frau Elfriede im selben Jahr, in dem er an die Schule kam. 16 Jahre wohnten sie in Offenbach, bis sie nach Hainburg zogen, wo sie bis heute leben.

Pädagoge aus Leidenschaft Schon 2003 ist er offiziell verabschiedet worden, mit 65. Doch der Pädagoge aus Leidenschaft brachte es noch nicht übers Herz, zu gehen – er wurde noch gebraucht. Für sein ›Baby‹, das Fach Soziales Lernen, gab es keinen Nachfolger. »Einen fachlich so hoch kompetenten Menschen konnten wir nicht einfach verschwinden lassen«, sagt die

stellvertretende Schulleiterin Ute Steinmeyer. Daran hat sich bis heute nichts geändert: »Wir werden ihn sehr vermissen.« In der Jugendarbeit aktiv Als junger Mann lernte Hensel zunächst im Einzelhandel. In der Berufsschule war der Religionsunterricht eine prägende Erfahrung: »Die Lehrerin hat es verstanden, biblische Stoffe in einer tiefenpsychologischen Bedeutungsebene zu erklären, das hat mich fasziniert.« Nebenbei war

Menschlichkeit als Ziel Hensel unterrichtete jahrelang evangelische Religion, später auch Ethik. Doch der Bedarf an der Schule änderte sich mit der Zeit. 1995 war für ihn ein Jahr des Umbruchs: »Wir hatten sehr viele Schüler aus Ländern wie Marokko, Pakistan und der Türkei, bis zu 17 Nationen in einer Klasse. Darunter waren Jungs, die keine Frauen als Lehrerin akzeptierten.« Das führte dazu, dass sich Lehrerinnen weigerten, in diesen Klassen zu unterrich-

ten. Ein Problem, dessen sich Hensel annahm. Seit den 70erJahren beschäftigte er sich mit Gruppendynamik. Dieses Wissen erwies sich als nützlich für sein neues Projekt – das Fach Soziales Lernen. Gemeinsam mit Kollegin Brigitte Bockshorn feilte er an dem Konzept. Zu zweit brachten er und Bockshorn fortan vor den Schülern nichts Geringeres bei als Wertschätzung, Empathie, Regeln für ein gutes Miteinander. »Menschlichkeit«, komprimiert Hensel das Unterrichtsziel. »Anfangs gab es in den Stunden oft Halligalli«, erzählt er. »Man muss die Klasse erst mental ankommen lassen, eine Atmosphäre schaffen, in der Unterricht überhaupt stattfinden kann.« Nicht allen Kollegen habe seine Herangehensweise gefallen. Gemeinschaftliche Aktionen statt Frontalunterricht lautete das Credo. So bekamen die Schüler etwa die Aufgabe, in der Gruppe mit Blättern, Schere und Klebestift einen Turm zu bauen – ohne zu sprechen. »Das sieht spielerisch aus, bedarf aber viel Vorbereitung«, sagt Hensel. »Manchmal sind die Stunden daneben gegangen«, räumt er ein. Dann hätten er und seine Kollegin sich gefragt, was falsch gelaufen ist: »Wir hatten auch kein Problem, uns vor die Klasse zu stellen und uns zu entschul-

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Steckbriefe

digen. Das hat ihnen imponiert.« Ein Stück weit wurde in den Stunden philosophiert. »Junge Menschen suchen nach Orientierung und nach Sinn«, weiß der 74-Jährige. Feste Regeln Wichtig war ihm, dass die Schüler verstehen, dass jeder selbst für sein Leben verantwortlich ist. Hensel: »Wenn sie sich über Lehrer beschwerten, auf die Schule schimpften, dann fragte ich: Was trägst du dazu bei, dass es besser gelingt? Das brachte sie oft in Verlegenheit.« Selbstwertgefühl war in seinen Stunden ein wichtiges Stichwort. »Nur wer sich selbst akzeptiert, kann das auf andere übertragen«. Das zeige sich im Umgang mit Freunden und Mitschülern. »So steht es auch in der Bibel – Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, sagt Hensel. Wenn Kritik fällig war, dann äußerte er sie im Vier-AugenGespräch, niemals vor der ganzen Klasse. »Stelle dich dem Schwierigen, solange es noch leicht ist«, lautet sein Motto. Unabdingbar: feste Regeln.

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»Nichts in der Welt funktioniert ohne Regeln.« Doch einiges Althergebrachtes würde er gern ändern: „Schule müsste später anfangen, unausgeschlafene Schüler sind eine Katastrophe. Und sie sollte individueller auf Bedürfnisse und Begabungen eingehen, Schüler müssten nicht alle Fächer lernen.« 18 Jahre lang war er Beratungslehrer, stand den Schülern bei Problemen zur Seite. »Die Arbeit hat er mental oft mit nach Hause genommen«, sagt Ehefrau Elfriede. Sie freut sich, dass sie künftig mehr Zeit füreinander haben. Ganz endgültig ist der Schulabschied aber nicht. »Wir werden sicher auch künftig auf seine Hilfe zurückgreifen, etwa zur Unterstützung neuer Kollegen«, sagt Steinmeyer. Hensels Fach wird fortgeführt, »aber er wird sich nicht ersetzen lassen. Seine Art, sein offenes Ohr, sein Herzblut sind einmalig«. Und was ist für ihn in all den Jahren das schönste Kompliment? »Als ich nach Jahren eine Schülerin traf und sie sagte: Herr Hensel, bei Ihnen habe ich fürs Leben gelernt.«

Sie peitschen beim Drachenbootrennen im Sommer 2012 die Wellen des Stroms: Angetrieben von ihren Trommlern legten sich Mannschaften auf der 250 Meter langen Strecke ins Zeug (ganz oben). Sie holten den SparkassenPokal: die ›Strom-Drachen‹ aus Mainhausen (oben links). Silber: Als einzige Schulmannschaft waren die ›THS-Flitzer‹ dabei. • Fotos: Georg

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Neue Kollegen stellen sich vor Hallo, mein Name ist Annika Eymer, ich bin 31 Jahre alt und unterrichte seit Beginn dieses Schuljahres an der THS. Meine Unterrichtsfächer sind Wirtschaft und Verwaltung sowie Sport und Mathematik. Ich komme aus Northeim in der Nähe von Göttingen (Niedersachsen). Nach meinem Wirtschaftsabitur habe ich an der Fachhochschule in Flensburg Betriebswirtschaftslehre (BWL) studiert und im Anschluss zwei Jahre in München gearbeitet. Danach entschied ich mich für das Studium der Wirtschaftspädagogik in Göttingen. Schon während meiner Schulzeit habe ich viele Trainer- und Nachhilfestunden gegeben, dennoch interessierte mich die freie Wirtschaft zunächst mehr. Mein Referendariat habe ich in Hannover an der berufsbildenden Schule 14 in verschiedenen Schulformen absolviert und in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen. Ich freue mich sehr, dass ich an dieser Schule so freundlich und offen aufgenommen wurde. Schon die ersten Begegnungen mit meinen neuen Kollegen haben mir gezeigt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, Niedersachsen zu verlassen. Genauso erging es mir mit meinen Klassen. Es macht mir großen Spaß die Schüler zu unterrichten. Auch das große Freizeitangebot hier in der Umgebung hat dazu beigetragen, dass ich mich hier sehr wohl fühle. In meiner Freizeit tauche ich gerne, spiele Beachvolleyball, fahre Ski und mache das gerne, was man draußen machen kann. Mein Name ist Benjamin Poschmann und ich unterrichte seit August 2012 an der THS die Fächer Wirtschaftslehre und Deutsch. Die ersten Jahre meines Lebens habe ich in Nordhessen verbracht und unter anderem auch ein Studium der Wirtschaftspädagogik erfolgreich absolviert. Die Entscheidung Lehrer zu werden ist während meiner Zeit als Fußballtrainer im Jugendbereich meines Heimatvereins TSV Zierenberg und einer kurzen Zeit beim KSV Hessen Kassel gereift. Nach meinem abgeschlossenem Studium habe ich mich dazu entschlossen, Nordhessen zu verlassen und mein Referendariat an dem Studienseminar für Berufliche Schulen in Frankfurt aufzunehmen. Währenddessen habe ich an der Bethmannschule im Frankfurter Ostend unterrichtet. Zum Ende meiner Zeit als Lehrkraft im Vorbereitungsdienst habe ich mich, nach guten Gesprächen mit der Schulleitung, für einen Wechsel an die THS entschieden. Meine Freizeit versuche ich möglichst sportlich zu gestalten und nachdem ich mit Nordhessen auch dem Mannschaftssport Fußball den Rücken gekehrt habe und zunächst dem Laufsport nachgegangen bin, habe ich seit Beginn des Schuljahres den Boxsport für mich entdeckt, dem ich mehrmals die Woche nachgehe. Der freundliche und aufgeschlossene Empfang seitens der Kollegen sowie Schülerinnen und Schüler hat mir einen sehr positiven Eindruck von der Schule vermittelt und ich freue mich, Teil der THS zu sein.


Der neue THS Newsletter ist da! Ab 17. Dezember 2012 ist der THS Newsletter Nr. 18 als gedruck...