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25. September 2012

MANAGEMENT I N T E R V I E W IM INTERVIEW

Manfred Volz und Mario Windisch Vorstände der Kilian Kerner AG, Deutschland

Kilian Kerner auf dem Weg zum internationalen Fashion- und Lifestyle-Konzern „Ein Modelabel erobert die Welt.“ So oder so ähnlich könnte man die Entwicklung der Kilian Kerner AG (ISIN DE000A1H33L1) beschreiben, die seit Anfang Juli im Entry Standard der Deutschen Börse gelistet ist. Noch vor zwei Jahren war Kilian Kerner eine zwar sehr angesagte, aber doch eher regional bekannte Marke. Mittlerweile wird die Mode aus Berlin auch in Metropolen wie London und New York verkauft. Im Interview mit financial.de berichten Manfred Volz, Acting Chief Executive Officer, und Mario Windisch, Chief Operating Officer, über ihre Expansionspläne.

Interview Kilian Kerner AG

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financial.de: Herr Volz, seit wenigen Tagen ergänzen Sie das Führungsteam der Kilian Kerner AG. Sie verfügen über eine beeindruckende Vita im Fashionund Lizenzgeschäft. Warum jetzt dieser Schritt an die Spitze von Kilian Kerner? Manfred Volz: Die Kilian Kerner AG verfügt über eine herausragende Wachstumsstory. Zu Beginn dieser einzigartigen Erfolgsgeschichte stand die klare Vision von Kilian Kerner, Fashion und Emotionen in eine neuartige Verbindung

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zu bringen. Noch vor zwei Jahren war Kilian Kerner lediglich ein angesagtes Berliner Modelabel. Vor einem Jahr wurden dann die ersten Flagship-Stores in Deutschland eröffnet, und seit diesem Jahr begeistert Kilian Kerner mit seiner Mode eine exponentiell wachsende Anzahl von Kunden weltweit. Egal ob in London, New York, Jeddah oder Kyoto – die Mode von Kilian Kerner trifft auf eine überwältigende Nachfrage. Wir erleben den Aufstieg eines jungen Designers in den Fashion- und Lifestyle-Olymp. Ich glaube es ist daher verständlich, dass ich mich freue, diese Erfolgsgeschichte aktiv zu forcieren.

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financial.de: Schon Suzy Menkes, die als einflussreichste Modekritikerin der Welt gilt, hat Kilian Kerner als herausragendes Talent aus Deutschland geadelt. Die Kilian Kerner AG bündelt die unternehmerischen Aktivitäten. Wie schlägt sich der Erfolg in den Zahlen nieder? Mario Windisch: Mit der Kilian Kerner AG verfügen wir über eines der am schnellsten wachsenden Modelabels weltweit. Während Kilian Kerner in 2011 noch nicht einmal 300.000 Euro Umsatz machte, planen wir in diesem Jahr einen Umsatz von rund 3 Millionen Euro. Und obwohl dies bereits einer Verzehnfachung entspricht, haben wir gute Chancen, dieses Ziel noch deutlich zu übertreffen. Nach 7,6 Millionen Euro Umsatz im nächsten Jahr durchbrechen wir nach unserer Planung im Jahr darauf die 10 Millionen Euro-Umsatzmarke und bewegen uns danach schnell in den Bereich der hohen zweistelligen MillionenEuro-Umsätze. Das Ganze erfolgt mit einer sehr attraktiven Marge, wie sich an unserem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis erkennen lässt.

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financial.de: Einer der Wachstumstreiber bei Kilian Kerner ist die große internationale Nachfrage. Wie ist die Firma gegenwärtig international positioniert und wo geht hier die Reise hin? Manfred Volz: Kilian Kerner wird gegenwärtig in 12 Ländern der Welt verkauft, darunter so wichtige Märkte wie USA und Japan. Mit der Einführung jeder neuen Kollektion kommen weitere Länder dazu. Uns erreichen gegenwärtig praktisch täglich Erfolgsnachrichten aus allen Ecken der Erde. So ist die gerade erst im August nach Japan ausgelieferte Herbst-Winter Kollektion 2012/2013 bereits ausverkauft und wurde jetzt in der dreifachen Menge nachgeordert. Von unserer auf der letzten Fashion Week in Berlin vorgestellten Kollektion Frühjahr-Sommer 2013 ist der britische Department-Store-Riese „House of Fraser“ so überzeugt, dass wir einen sogenannten „Top-Store“ im Onlinestore von House of Fraser bekommen. Die so präsentierten Brands machen bei House of Fraser online im Schnitt 500.000 Pfund (rund 620.000 Euro) Umsatz pro Jahr. Neben dem zusätzlichen Umsatz ist das Ganze für uns wie eine gratis Onlinekampagne in Großbritannien, denn mit 1,5 Millionen Hits pro Woche hat der Store eine beachtliche Reichweite.

Den wesentlichen Treiber unseres Wachstums sehe ich aber in Asien und den USA. Uns ist bewusst, dass die Kollektionen von Kilian Kerner auf eine massive Nachfrage in Ländern wie China treffen. Hier gilt die Mode des Designers aus Berlin als extrem angesagt. Mit meiner über 25-jährigen Erfahrung im asiatischen Markt sehe ich es als eine meiner Kernaufgaben an, das strategische Wachstum in dieser Region mit höchster Priorität zu forcieren. Die Perspektiven der Kilian Kerner AG allein für den asiatischen Markt sind überwältigend. Wir arbeiten bereits an den ersten Projekten in China, und ich sehe, dass wir hier wahre Begeisterung wecken. Es wäre unseriös, schon heute zu sagen, wo genau dieser Weg hinführt. Kilian Kerner ist auf dem Sprung vom angesagten Modelabel hin zu einem internationalen Fashion- und Lifestyle-Konzern. Und gerade der asiatische Markt wird zu einem entscheidenden Faktor.

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financial.de: Der Markt für Fashion ist umkämpft, viele Designer streben nach dem Erfolg, den die Kilian Kerner AG gegenwärtig erfährt. Was sind Ihre Erfolgsgaranten? Manfred Volz: Mit klaren Kollektionsaussagen sprechen wir unsere Zielgruppen individuell an. Die Intuition, Vision und Entschlossenheit von Kilian als Designer, gepaart mit der langjährigen Erfahrung des Teams, bilden die perfekte Grundlage, um eigene Trends zu setzen und sich in einem wettbewerbsintensiven Markt deutlich von den Mittbewerbern abzuheben. Da wir unsere Kollektionen im Moment hauptsächlich in Europa produzieren, können wir das von unseren Kunden erwartete qualitativ höchste Niveau erreichen. Hinzu kommt der Umstand, dass die Mode von Kilian Kerner von einer immer weiter wachsenden Zahl von Prominenten getragen wird, die als Multiplikatoren das Label einer größeren Öffentlichkeit bekannt machen. Egal ob nationale Top-Stars wie Karoline Herfurth, Tim Bendzko und Eva Padberg oder internationale Stars wie Paris Hilton, Georgia Jagger und Karolina Kurkova – sie alle sorgen für zusätzliche Aufmerksamkeit, die sich letztendlich auch in steigenden Verkaufszahlen niederschlägt.

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financial.de: Vor wenigen Tagen haben Sie eine langfristige Industriekooperation mit Grundig bekanntgegeben. Wozu dienen derartige Kooperationen? Manfred Volz: Industriekooperationen eröffnen uns eine Reihe von Vorteilen. In erster Linie sind sie natürlich eine attraktive Einnahmequelle. Damit verbunden erhalten wir den Marktzugang zu Branchen und Industriebereichen, in denen die jeweiligen Partner bestens positioniert sind. Da es sich in der Regel um führende Konzerne wie Villeroy & Boch handelt, profitieren wir unmittelbar von deren direkten Zugang zu neuen und erweiterten Zielgruppen. So können wir unser bestehendes Geschäft durch Kooperationen hebeln. Wir sprechen gegenwärtig mit weiteren Partnern und erwarten hier schon in Kürze die entsprechenden Meldungen veröffentlichen zu können. financial.de: Seit Juni ist die Kilian Kerner AG an der Börse, fristet allerdings ein Schattendasein. Was waren die Gründe für den Börsengang? Mario Windisch: Als extrem schnell wachsendes Unternehmen sehen wir uns mit zwei Herausforderungen konfrontiert, denen wir mit dem Börsenlisting entgegentreten möchten. Dabei handelt es sich zum einen um die erhöhten Transparenzanforderungen unserer bestehenden und künftigen Investoren und zum anderen um die Attraktivität als Arbeitgeber für hochqualifiziertes Personal in einem kompetitiven Umfeld. Schon heute besteht der Aktionärskreis der Kilian Kerner AG neben Kilian Kerner aus unterschiedlichen institutionellen Investoren, die von uns als Unternehmen eine zielgerichtete, systematische und kontinuierliche Kommunikation über das vergangene, laufende und vor allem zukünftig erwartete Geschäft des Unternehmens verlangen. Darüber hinaus müssen wir uns im Zuge der internationalen Expansion und dem weiteren Personalaufbau als attraktiver Arbeitgeber für die bestmöglichen Kandidaten präsentieren. Hierzu implementieren wir auf Initiative unseres größten institutionellen Investors aktuell ein Aktienoptionsprogramm, um heutige und künftige Mitarbeiter zu inzentiveren und langfristig an das Unternehmen zu binden. Wir sehen durch das Listing im Entry Standard eine hervorragende Möglichkeit, um sowohl in Sachen Transparenz für unsere Investoren als auch als attraktiver Arbeitgeber aus der Masse der jüngeren deutschen Unternehmen im Bereich Fashion hervorzutreten. Unser klar definiertes mittelfristiges Ziel ist der Prime Standard mit seinen hohen Transparenzanforderung und dem anerkannten internationalen Niveau. Bis wir als Kilian Kerner AG die entsprechende Größe erreichen, sehen wir im Entry Standard einen guten und sinnvollen Einstieg, um uns gegenüber dem Wettbewerb im Sinne unserer Aktionäre und Mitarbeiter zu positionieren. Während wir uns in den Wochen nach dem Listing aufgrund des Wachstums vollständig auf das operative Geschäft konzentriert haben, wollen wir nun mit einer TransparenzInitiative unsere bestehenden und künftigen Investoren über unsere Gesellschaft umfassend informieren.

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Wie wird diese Transparenz-Initiative aussehen und wen wollen Sie erreichen? Manfred Volz: Es gibt eine Reihe von Maßnahmen mit der wir unser Profil im Kapitalmarkt deutlich schärfen werden. So planen wir aktuell eine Roadshow mit institutionellen Investoren, um ausgewählten Fondsmanagern die gute Substanz und das große Potenzial der Kilian Kerner AG zu verdeutlichen. Die Kilian Kerner AG war noch nie auf Roadshow und hat noch nie auf einer Investorenkonferenz präsentiert. Das bedeutet: Bisher hatte die Finanzcommunity noch gar nicht die Möglichkeit, das Unternehmen kennenzulernen. Das werden wir natürlich schnell ändern, bereits in den nächsten Tagen stehen die ersten Termine an. Daneben haben unabhängige Analysten bereits mit der Erstellung eines Analysten-Reports (Research-Coverage) begonnen. Dieser wird Investoren erstmals die Möglichkeit geben, sich über die Strategie sowie die Chancen und Risiken der Kilian Kerner AG in einer für den Kapitalmarkt analytisch sinnvoll aufbereiteten Form zu informieren. Daneben werden wir in den nächsten Wochen Hintergrundgespräche und Interviews mit Vertretern der Finanzpresse führen. Auch dies ist für unser junges Unternehmen noch Neuland. Mit diesen Maßnahmen wollen wir hauptsächlich institutionelle Investoren ansprechen. Aus unserer Sicht ist die Kilian Kerner AG eine hochattraktive Anlagemöglichkeit, die bislang am Kapitalmarkt noch völlig unbekannt ist. Mit welchen Argumenten glauben Sie, die Anleger überzeugen zu können? Manfred Volz: Wir verfügen über eine der spannendsten Wachstumsstorys in einem sehr aussichtsreichen Markt. Die Kilian Kerner AG ist bestens positioniert, um sich zu einer der globalen Erfolgsgeschichten im Bereich Fashion und Lifestyle der Gegenwart zu entwickeln. Zwar stehen wir noch ganz am Anfang, aber mit einem hochmotivierten und professionellen Team haben wir die besten Voraussetzungen, um die bereits begonnene operative Entwicklung in einen rasant und nachhaltig steigenden Wert für unsere Aktionäre zu verwandeln. Wir setzen im Bereich Fashion unter anderem auf den hochpreisigen Markt für Luxus, der gegenwärtig pro Jahr mit Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich wächst. Anleger haben mit der Kilian Kerner AG die einzigartige Möglichkeit, an diesem Erfolg von Anfang an zu partizipieren. Wie überzeugt wir von unseren Zukunftsaussichten als gelistetes Unternehmen sind, kann man auch daran erkennen, dass sich beispielweise unser Co-Vorstand und Gründer, Kilian Kerner, freiwillig verpflichtet hat, seine Aktienposition einer dreijährigen Veräußerungssperre (einem sogenanntem „Lock-up“) zu unterstellen. Ihm ist genau wie uns klar, wo die Reise hingehen kann: Vom kleinen Label zum internationalen Market-Player.

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Lassen Sie uns abschließend in die Zukunft blicken: Wo steht die Kilian Kerner AG in 5 Jahren? Mario Windisch: Als ein internationaler, börsennotierter Fashion- und LifestyleKonzern dürften wir zu diesem Zeitpunkt bereits eine führende Position einnehmen. Es gibt eine Reihe von großen Konzernen, die sich zu diesem Zeitpunkt sehr stark für uns interessieren könnte. Globale Player mit Milliardenumsätzen wie LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton oder die PVH Corporation besitzen ein diversifiziertes Portfolio und wachsen unter anderem durch den Zukauf von erfolgreichen Marken. Die Übernahme der Kilian Kerner AG durch einen dieser Player ist ein durchaus denkbares Szenario. Aber selbst wenn wir eigenständig bleiben, wie beispielsweise die Hugo Boss AG oder die Gerry Weber International AG, dürfte eines klar sein: Nach unserem Businessplan sollte in fünf Jahren kaum ein Weg an der Kilian Kerner AG vorbeiführen. Und der bis dahin erschaffene Unternehmenswert wird unseren Aktionären große Freude bereiten.

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Kilian Kerner auf dem Weg zum internationalen Fashion- und Lifestyle-Konzern