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9. Oktober 2013

MANAGEMENT I N T E R V I E W IM INTERVIEW

Klaus Weinmann CEO CANCOM SE

CANCOM SE: „Müssten deutlich besser als Bechtle bewertet sein“ CANCOM SE wächst in eine neue Ertragskraft hinein. Das verdeutlicht auch die neueste Presseveröffentlichung des im TecDAX notierten IT-Systemhauses, die einige handfeste Details zum Cloud Business liefert. Mit einer EBITDA-Marge von 30 Prozent sorgt dieses Segment für einen Ertragskick. Im Interview mit financial.de erklärt Unternehmensgründer und CEO Klaus Weinmann, wie er den Eintritt in die neue Ertragsdimension beurteilt.

Interview CANCOM SE

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financial.de: Herr Weinmann, warum haben Sie die Meldung über die Ertragskraft des Cloud-Computing-Geschäfts gerade jetzt veröffentlicht? Klaus Weinmann: Unser Cloud Business hat in den vergangenen Monaten, insbesondere seit dem zweiten Quartal, an Dynamik gewonnen. Genauer gesagt, haben wir einige größere Projekte erfolgreich abgeschlossen und beim Kunden in Betrieb genommen. Zudem ist die Pipeline mittlerweile auf gut 70 interessierte Kunden angewachsen, die für unsere CANCOM AHP Private Cloud in Frage kommen. Alles in allem konnten die monatlich wiederkehrenden Umsätze aus langfristigen Kundenverträgen stark gesteigert werden, was uns nun auch in Bezug auf die Ertragsaussichten optimistisch stimmt.

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financial.de: CANCOM spricht nicht zum ersten Mal davon, dass das CloudComputing-Geschäft extrem skalierbar sei. Bedeutet dies, dass die derzeitige EBITDA-Marge von 30 Prozent bei einem weiterem Wachstum dieses Segments noch nicht das Ende der Fahnenstange ist? Weinmann: Die hohe Skalierbarkeit zeigt sich insbesondere bei den Managed Services, das heißt, wenn wir für unsere Kunden den IT-Betrieb ganz oder teilweise übernehmen. Das sind dann aufgrund der gestiegenen Anforderungen und Komplexität in der Regel höherwertige Dienstleistungen mit attraktiven Margen auch oberhalb von 30 Prozent. financial.de: Welche Großkunden haben sich denn zur Zusammenarbeit mit CANCOM im Bereich Cloud Computing entschlossen? Weinmann: Wir betreuen zum Beispiel bereits seit mehreren Jahren die Firmen MAHLE und AL-KO, außerdem die LfA Förderbank Bayern, den Langenscheidt Verlag und die FAZ. financial.de: Laufzeit, fixe Gebühr pro Monat etc. Was sind die wichtigsten Eckdaten eines Cloud-Computing-Vertrages? Weinmann: In der Regel schließen wir mit den Kunden Fünfjahresverträge mit einer monatlichen Rate über die gesamte Laufzeit, abgerechnet als Preis pro User bzw. per IT seat. Cloud Computing ermöglicht es den Unternehmen, die komplette IT als Service zu beziehen, und das fragen die Kunden vermehrt nach. Die Monatsrate beinhaltet unter anderem die Kosten für die Hard- und Software sowie die beauftragten Dienstleistungen für die Implementierung und den laufenden Betrieb.

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financial.de: Konnten Sie in der Zwischenzeit den Stamm der Mitarbeiter vergrößern, der die Cloud-Projekte bei den Kunden installiert? Weinmann: Wir kommen gut voran, unsere Kompetenzen in diesem Bereich zu verstärken. Das läuft sowohl über externe Neueinstellungen als auch mittels Weiterqualifizierung unter den Mitarbeitern. Gute, erfahrene Leute mit entsprechendem Know-how und Zertifizierungen können wir trotzdem immer gebrauchen. Denn wir haben - wie eingangs erwähnt - viele potenzielle Projekte in der Pipeline, was uns auch als Arbeitgeber bei den Top-Leuten entsprechend attraktiv macht. financial.de: Kommen wir zum Geschäftsverlauf – das erste Halbjahr ist ja überraschend gut gelaufen, vor allem der Juni war stark. Worauf ist das zurückzuführen? Weinmann: Wir hatten im Q2 vor allem eine gute Auslastung im High-End-Consulting-Geschäft und ein in der Breite wieder anziehendes Handelsgeschäft, so dass wir in der Folge beim Umsatz und noch stärker beim Ergebnis gegenüber dem Vorjahr wachsen konnten.

financial.de: Gerüchteweise vernimmt man, dass auch die Monate Juli und August – trotz Ferienzeit – überdurchschnittlich ausgefallen sind. Können Sie dies bestätigen? Weinmann: Natürlich haben wir momentan noch keine belastbaren Zahlen, aber wir sind, was den Juli angeht, sehr zufrieden, und auch der August war trotz der Sommerferien in Bayern und Baden-Württemberg gut.

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financial.de: Und wie wird das Q3 voraussichtlich insgesamt abschließen? Weinmann: Nachdem, was Stand heute absehbar ist, auch der September ganz gut war, dürfte das Q3 insgesamt beim Umsatz und Ergebnis über dem Vorjahr liegen. financial.de: Die Analysten gehen im Durchschnitt für das Gesamtjahr von einem EBITDA von fast 31 Millionen Euro aus. Zum Halbjahr hatten Sie 14,8 Millionen (Vorjahr 13,4 Mio.) Euro. Glauben Sie, dass in die Schätzungen schon die volle Ertragskraft aus dem Cloud Business eingerechnet wurde? Weinmann: Die Analystenschätzungen haben in den letzten Jahren unsere tatsächlichen Ergebnisse meist gut getroffen, aufgrund unseres Cloud-Geschäfts geht beispielsweise Hauck & Aufhäuser von einem kräftigen Ergebniswachstum aus, welches wir natürlich auch liefern wollen. Der bisherige Jahresverlauf sieht ganz gut aus, aber abrechnen können wir erst nach Ablauf des Jahres. financial.de: Nach dem Ausstieg der früheren Großaktionäre Dr. Vielberth und Schick ist der Kurs eine Zeitlang kräftig unter Druck gewesen, erholt sich jetzt aber wieder. Ist das Ihrer Meinung nach auf die Roadshow in den USA zurückzuführen? Weinmann: Das ist sicher die Folge unserer IR-Kommunikation insgesamt. Trotzdem hatten wir in der Tat sehr gute und interessante Gespräche mit amerikanischen Investoren, spüren aber auch ein erhöhtes Interesse bei Investoren zum Beispiel aus UK. financial.de: CANCOM ist derzeit nur im deutschsprachigen Raum unterwegs. Soll es dabei bleiben? Oder aus welchem Grund haben Sie ein Büro in Palo Alto, USA, gegründet? Weinmann: Die großen IT-Player kommen fast alle aus den USA. Wir möchten in erster Linie IT-Trends frühzeitig erkennen und uns damit neue Produkte und Lösungen erschließen. financial.de: Welche Erwartungen haben Sie für das Jahr 2014? Weinmann: Ich denke, dass die IT weiterhin ein maßgeblicher Wachstumstreiber für die Unternehmen und die Wirtschaft als Ganzes sein wird. Insofern wollen wir uns als CANCOM entsprechend aufstellen und unsere Kunden als CloudTransformation-Partner kompetent begleiten. Davon profitieren letztendlich beide Seiten.

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financial.de: Wie stark ist Ihrer Meinung nach CANCOM im Vergleich zu anderen europäischen IT-Systemhäusern unterbewertet? Weinmann: Unter Berücksichtigung der hohen Wachstums- und Ergebnisaussichten unseres Cloud-Geschäfts müssten wir eigentlich deutlich besser als beispielsweise Bechtle bewertet sein. Wir entwickeln uns immer weiter vom klassischen IT-Systemhaus in ein Managed-Services-Geschäft mit wiederkehrenden monatlichen Serviceerträgen. Der 1:1-Vergleich mit Systemhäusern, deren Geschäftsmodell vorwiegend auf Handelsbusiness ausgerichtet ist, ist auf Dauer für CANCOM nicht mehr der richtige. Wir sind davon überzeugt, dass der Kapitalmarkt das bald erkennen und einpreisen wird. financial.de: Herr Weinmann, besten Dank für das Gespräch.

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das Interview wurde von financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.

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CANCOM SE: "Müssten deutlich besser als Bechtle bewertet sein"