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SCHWERPUNKT BILDREPRODUKTION

Hardy Schulz hat für den kompletten Workflow hohe Qualitätsmaßstäbe definiert.

Kunstkopie.de

Faszination der Farbe Die Preise für Drucker, Plotter und Scanner sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Für viele Kunsthändler ist dadurch die Versuchung größer geworden, sich selbst an der Vervielfältigung von Gemälden zu versuchen. Die hochwertige Reproduktion von Bildern ist jedoch ein komplexer, komplizierter und teuerer Prozess, wie Geschäftsführer Hardy Schulz von Kunstkopie.de aus Hamburg weiß. Sein Unternehmen verfügt über die technische Ausstattung und das Know-how, absolute Qualitätsprodukte in diesem Bereich anzubieten.

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it Akribie und Ausdauer arbeitet Kunstkopie. de daran, möglichst perfekte Reproduktionen herzustellen. Die Domäne des Unternehmens sind Kopien alter Meister und berühmter Werke der klassischen Moderne. Kunstkopie.de verwendet grundsätzlich Dias als Vorlage, weil sie die beste Auflösung und den größten Kontrastumfang haben. Die Dias bekommt das Unternehmen zur Digitalisierung von Museen und Kunsthäusern. Hardy Schulz: „Wir

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legen großen Wert darauf, dass wir die Vorlagen selbst scannen. Wir arbeiten also nie mit Daten, die uns bereits in digitaler Form zur Verfügung gestellt werden.“ Der Grund liegt auf der Hand. Beim Scan kann man viel falsch machen. Schulz: „Es ist nicht damit getan, sich einen 1 000-EuroScanner zu kaufen. Man kann zum Beispiel die falschen ICCProfile (International Colour Consortium) oder den falschen Farbraum verwenden. Wenn ein Galerist das selbst machen

möchte, dann braucht er ein Wissen, für das andere eine dreijährige Ausbildung absolvieren.“ Neben hochwertigen und teuren Geräten - Kunstkopie.de scannt mit 1 500 dpi Hasselblad-Technik - ist also auch ein entsprechendes Know-how erforderlich, um noch das letzte Quäntchen Qualität herauszukitzeln.

Kalibrierung mit Testchart Die größte Herausforderung ist es, die Farben des Originals möglichst korrekt zu reproduzieren. Dazu müssen alle beteiligten Maschinen, Scanner, Monitore und Drucker perfekt aufeinander abgestimmt und kalibriert sein. Zunächst wird ein genormtes Testchart gescannt. Das ist ein Dia, auf dem die Farben absolut unverfälscht sind. Per Software wird dem Computer dadurch vorgegeben, was ein perfektes Rot oder Blau oder auch Schwarz ist. Damit die Mediengestalter bei Kunstkopie.de die gescannten Bilder vernünftig bearbeiten können, müssen natürlich sämtliche


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Monitore an den Bildschirmarbeitsplätzen nach dem gleichen Farbprofil wie die Scanner kalibriert werden. Dies geschieht mit Hilfe eines Densiometers. Die Arbeitsplätze befinden sich in einem abgedunkelten Raum, damit nicht der unterschiedliche Einfall von Tageslicht die Ergebnisse beeinträchtigt. Hardy Schulz: „Das Licht hier muss möglichst neutral sein. Die richtige Lichttemperatur kann man mit einem Spezialgerät messen.“

Zwei Stunden für ein Bild Bei der Bildbearbeitung werden nochmal Scan, Andruck und Bildschirmdarstellung miteinander verglichen, die Farben angepasst, Schärfe und Kontraste optimiert und Störungen entfernt. Bis zu zwei Stunden kann dieser Vorgang für ein Bild dauern, weil die Mitarbeiter nicht mit automatischen Filtern arbeiten, sondern die Korrekturen manuell vornehmen, um die Bildstruktur nicht zu zerstören. Annähernd 10 000 Bilder sind in den vergangenen fünf Jahren nach diesem aufwändigen Verfahren digitalisiert worden. Insgesamt verfügt Kunstkopie.de sogar noch über einen größeren Bestand. Zu guter Letzt müssen auch die Drucker regelmäßig kalibriert werden. Kunstkopie.de arbeitet mit vier verschiedenen Großformatdruckern in der Produktion, die alle für bestimmte Anforderungen ideal sind. Zur Kalibrierung kommt ein Testausdruck

mit 9 000 Farben unter einen Spezialscanner und so lässt sich überprüfen, ob die gedruckten Farben mit den definierten Farbprofilen übereinstimmen. Aber ist so ein Aufwand wirklich notwendig? Auf jeden Fall, so ist Kunstkopie.de-Inhaber Schulz überzeugt: „Bei uns bestellen die Kunden in erster Linie große Formate. Dafür sind wir Spezialisten. Wenn wir nicht mit so teurer Ausrüstung und so viel technischem Wissen und Erfahrung arbeiten würden, dann würde man zum Beispiel bei den großen Bildern unschönes Farbrauschen erkennen. Bei einem A4-Ausdruck sieht man das noch nicht.“ Schulz geht sogar noch weiter und besucht mit seinem Team Museen und Kunsthallen, um die Originalgemälde mit den Andrucken zu vergleichen und noch feinste Korrekturen vorzunehmen. Es kann ja zum Beispiel vorkommen, dass ein Dia einen Farbstich hat, weil es falsch gelagert wurde oder beim Abfotografieren ein Fehler gemacht wurde.

auf hochwertiges HahnemühlePapier oder auf Leinwand aus 100 Prozent Baumwolle. Damit das alles betriebswirtschaftlich interessant bleibt, hat das Unternehmen auch in die Produktionsabläufe investiert. Kunstkopie.de hat eine sogenannte Druckstraße. Anders als beim normalen Druck werden die Druckjobs gesammelt, sodass Rechner, Software und Maschinen nicht blockiert sind und abends en bloc abgeschickt. Hardy Schulz: „Ich kenne einige Kunden, die haben einen eigenen Drucker, aber sie bestellen trotzdem lieber bei uns.“ K■ ha

Der Präzisionsscanner digitalisiert die Dias (links). Bei der Bildbearbeitung werden letzte Korrekturen vorgenommen (rechts).

Ein Spezialscanner hilft bei der Druckerkalibrierung.

Hochwertige Medien Diese hohen Qualitätsstandards lohnen sich natürlich nur dann, wenn sie auch an die Kunden weitergegeben werden. Deshalb geht Schulz auch beim Druck keine Kompromisse ein: „Die Geräte hier kosten teilweise 50 000 Euro, nur der reine Drucker.“ An Tinten verwendet Kunstkopie.de nur Originalware von den Druckerherstellern. Gedruckt wird

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