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16. August 2012

MANAGEMENT I N T E R V I E W IM INTERVIEW

Dr. Wolfgang Trier CEO, Softing AG, Deutschland

Softing AG: „Wir wollen die Analystenschätzungen toppen“ Im ersten Halbjahr hat Softing, der Hersteller von Hard- und Software für die industrielle Automatisierung und Fahrzeugelektronik, den Wachstumskurs sogar noch beschleunigt. Bei einem Umsatzwachstum von 34 Prozent legte das EBIT um 20 Prozent auf 2,4 Millionen Euro zu, das EPS stieg von 27 auf 30 Cent. Warburg Research hebt nach der Bekanntgabe dieser Zahlen den fairen Wert der Softing-Aktie von 6,50 Euro auf 8 Euro an. financial.de spricht mit Großaktionär und CEO Dr. Wolfgang Trier über die Hintergründe für das schnelle Wachstum und ist dabei auf ganz erstaunliche Erkenntnisse gestoßen.

Interview Softing AG Herr Dr. Trier, Sie haben schon vor Jahren angekündigt, dass Sie ?? financial.de: den Umsatz der Softing Holding auf 100 Millionen Euro steigern wollen. Die Steigerung des Auftragseingangs um 34 Prozent im ersten Halbjahr unterstützt Sie bei Ihren Bemühungen. Können Sie das Wachstum mit dieser Geschwindigkeit noch in geregelten Bahnen abwickeln?

➥➥ Dr. Wolfgang Trier: Ja, die ersten sechs Monate des laufenden Jahres und auch der erwartete Verlauf des zweiten Halbjahrs bestätigt unsere Erwartungen,

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Pkw, Lkw und Nutzfahrzeuge stehen bei Messsystemen im Branchenfokus der Softing AG. uns an die 50 Millionen Euro Umsatz in 2012 heranarbeiten zu können. Das Ziel ist das Überschreiten der 100 Millionen Euro Grenze, wenngleich dies auf einen Zeitraum von 4-6 Jahren bemessen ist. Wenn man weiter davon ausgeht, dass in diesem Zeitraum zum organischen Wachstum ohne weiteres noch 10-20 Millionen Euro Umsatz aus zugekauften Unternehmen hinzukommen kann, wird jedem klar, dass sowohl der Zeitraum als auch das Ziel nicht überzogen sind. Warum ist bei einem Umsatzwachstum im ersten Halbjahr von 18,1 ?? financial.de: Millionen auf 24,2 Millionen Euro das EBIT nur unterproportional von 2 Millionen auf 2,4 Millionen Euro gestiegen? Eigentlich hätten die Erträge doch schneller zulegen müssen. ➥➥ Dr. Wolfgang Trier: Wir haben das EBIT um 20 Prozent gesteigert, das ist für sich schon einmal ein schöner Wert. Allerdings haben wir keinen Einfluss auf den Produktmix zwischen Software- und Hardware-Verkäufen, die naturgemäß drastische Unterschiede im EBIT bewirken. Dass das Betriebsergebnis schwächer als der Umsatz gestiegen ist, lag zum einen an den durch erhaltene große Projektvorauszahlungen nötig gewordenen Kosten für Aval-Absicherungen, zum anderen spielen einmalige Steuerzahlungen und eine rechnerische Bewertung von Pensionszusagen eine Rolle. Werden Sie es in 2012 schaffen, das Ergebnis je Aktie bei ca. 60 ?? financial.de: Cent einschwingen zu lassen?

➥➥ Dr. Wolfgang Trier: Wir arbeiten daran, und die Chancen stehen beileibe nicht

schlecht. Das wäre nicht nur eine Verbesserung zum ohnehin schon guten Wert von 58 Cent pro Aktie, sondern aufgrund der immerhin 14%-igen Kapitalerhöhung ein weiterer riesiger Schritt nach vorne.

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Welche Maßnahmen müssen Sie ergreifen, damit Softing im kom?? financial.de: menden Jahr den schönen Trend fortsetzen kann, denn um auf dem Wachstumspfad zu bleiben, müssen Sie organisch in den kommenden Jahren im Schnitt über 10 Prozent zulegen?

➥➥ Dr. Wolfgang Trier: Wir müssen nicht jetzt Maßnahmen ergreifen, wir haben dies schon längst getan. Bei fast allen Produkten haben wir einen Vorlauf von 12-24 Monaten. Was heute nicht in der Entwicklung ist, wird in 2013 keinen Cent zum Geschäft beitragen. Der Schlüssel zum Erfolg ist eine entsprechend gestaffelte Pipeline von Produkten für den Markt, wobei wir zunehmend nicht nur technische Produkte, sondern auch neue Vermarktungsformen für bestehende Technologien in unser Geschäft aufnehmen und erfolgreich umsetzen.

„TestCUBE 2“ von Softing wird zur Entwicklung und Simulation von Steuergeräten bei Lkws eingesetzt

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In wie viele Ländern der Welt sind Sie in der Zwischenzeit mit den ?? financial.de: Werkstattadaptern bei VW schon etabliert?

➥➥ Dr. Wolfgang Trier: Die Länder kann ich nicht zählen, aber es sollte nur wenige geben, in denen Volkswagen keine Werkstätten hat. Insgesamt sind sicher deutlich mehr als 40.000 dieser Adapter im Einsatz, mit denen sich die Werkstatt an die Elektronik der Kundenfahrzeuge anschließt. Hinzu kommen alle weltweit bei Porsche in den Werkstätten genutzten Adapter, die ebenfalls aus dem Softing Konzern stammen. Interessanter noch: diese Adapter oder wie wir sagen VCIs (Vehicle Communication Interfaces) benötigt man nicht nur in der Werkstatt, sondern auch in der Fertigung. Dort werden am Band die leeren Speicher der Steuergeräte mit der passenden Software versehen oder „bedatet“, wie man sagt. Gerade vor einigen Wochen haben wir unser neuestes VCI bei einem deutschen Premium-Hersteller in der laufenden Produktion erfolgreich installiert. Der Kunde ist vom Gerät begeistert und spart zu den bisher verbreiteten Methoden zur Bedatung am Band deutlich Zeit und damit viel Geld. Von dieser Neuentwicklung sollten wir in den nächsten Jahren viele Tausend VCIs am Markt platzieren. Dies ist eine unserer Wachstumschancen, da wir bisher in der Fertigung noch gar nicht vertreten waren. Ähnlich gelagerte Firmen schaffen es, mit den Ersatzteilen für ihr ?? financial.de: Equipment mehr Ertrag zu kreieren als mit dem Basisequipment selbst. Warum folgen Sie diesem Beispiel nicht?

➥➥ Dr. Wolfgang Trier: Das ist etwas, was man gemeinhin als „Razor-Blade Business“ bezeichnet. Rasierer werden nahezu verschenkt, die einzig passenden Austauschklingen jedoch werden mit deutlich höheren Margen angeboten. . Dies ist eine klassische Strategie, wenn man mit privaten Konsumenten arbeitet und glaubt, den Markt zu beherrschen. Beides trifft auf Softing nicht zu. Unsere Kunden sind ganz überwiegend große Konzerne. Dort toleriert man eine starke Position seiner Lieferanten, wenn diese in hohem Maße Kompetenz einbringen und sich als Partner verhalten. Wenn man den Bogen etwa mit erkennbar überteuerten Ersatzteilen überspannen würde, dann wären alle diese Kunden in der Lage und willens, binnen einiger Jahre einen Wettbewerber aufzubauen und den bisherigen Lieferanten zu isolieren. In einem Markt wie der Automobilbranche wäre dies unser Ende. Daher lautet das Motto für Softing, wie auch mein persönliches: „Ehrgeizig immer, gierig nie“.

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Warburg Research schätzt für das laufende Jahr ein EPS von 54 ?? financial.de: Cent und für das nächste Jahr eines von 58 Cent. Sind diese Schätzungen aus Ihrer Sicht realistisch?

➥➥ Dr. Wolfgang Trier: Wie bereits auf Ihre eingangs gestellte Frage gesagt, ist das Erreichen bzw. Übertreffen dieser Performance ambitioniert, aber durchaus zu schaffen. Es ist unser klares Ziel, diese Werte sogar noch zu toppen. Wir wollen damit dem Kapitalmarkt zeigen, dass wir auf nächstes Jahr bezogen dann vier Jahre in Folge nicht nur überproportionales Wachstum, sondern auch überproportionale Renditen erwirtschaften können. Die zeigt, dass unser Geschäftsmodell langfristig trägt und damit die Marktbewertung der Softing noch viel Luft nach oben hat. Welches persönliche Kursziel haben Sie sich - als wichtigster Akti?? financial.de: onär von Softing – für Ende dieses Jahres vorgenommen?

➥➥ Dr. Wolfgang Trier: Das Ausbleiben größerer Crash-Szenarien auf den Kapitalmärkten vorausgesetzt, wäre ich enttäuscht, wenn Softing zum Ende des Jahres bei knapp 5 Millionen Euro EBIT nicht an die 7 Euro pro Aktie herankommen oder diese übertreffen sollte. Das entspricht einer Market-Cap von rund 45 Millionen Euro. Es gibt sowohl im SDAX wie auch im TecDAX reichlich Werte, die höher bewertet sind, obwohl sie im Gegensatz zur Softing in den letzten drei Jahren weit weniger verdient haben und auch keine rund 5%ige Dividendenrendite vorweisen können. Und wo soll Softing Ende 2015 Ihrer ?? financial.de: Meinung nach stehen?

➥➥ Dr. Wolfgang Trier: In vier bis sechs Jahren will ich die 100 Millionen Euro Umsatz bei guten Margen sehen. 2015 wären wir etwa auf dem halben Weg dahin, was einem Umsatz zwischen 70 und 80 Millionen Euro entspräche. Bis dahin gibt es keinen Grund, bei uns den Druck im Kessel abzusenken. Das muss und kann die Organisation aushalten. Herr Dr. Trier, besten Dank für das ?? financial.de: Gespräch. Für Maschinensteuerungen liefert Softing Hardund Software

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Softing AG: "Wir wollen die Analystenschätzungen toppen"