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27. August 2012

MANAGEMENT I N T E R V I E W IM INTERVIEW

Michael Negel Vorstand, HPI AG, Deutschland

HPI AG profitiert von Outsourcing-Trend: „Bereits 20 Mio. Euro stille Reserven“ Die aktuelle Analyse von GBC Research zeigt das Potenzial der Münchner HPI AG auf. Der Einkaufs- und Logistikdienstleister hat sich frühzeitig in den Wachstumsmärkten Cloud Computing und Outsourcing positioniert. Allein die Kooperation mit dem Cloud-Spezialisten Kemp Technologies verspricht einen zusätzlichen Umsatzbeitrag von zehn Millionen Euro. Hinzu kommen hohe stille Reserven im Überbestandsgeschäft. GBC sieht den fairen Wert der HPI-Aktie bei 2,30 Euro und damit mehr als 60 Prozent über dem aktuellen Kurs. financial.de sprach mit HPI-Vorstandschef Michael Negel über die jüngsten Vertriebserfolge, die neue Konzernstrategie und die nächsten „Business-Meilensteine“.

Interview HPI AG Herr Negel, HPI positioniert sich im IT-Sektor verstärkt in den ?? financial.de: Bereichen Cloud Computing und Netzwerksicherheit. Wie wichtig sind diese Wachstumsfelder für Ihr Geschäft?

➥➥ Michael Negel: Gemäß Branchenverband BITKOM sind „IT-Netzwerksicherheit“ und „Cloud Computing“ die zentralen Themen der Zukunft im Bereich der Informationstechnologie. Im Bereich der Netzwerksicherheit sind wir mit Produkten der weltweit führenden Hersteller Hewlett Packard, Cisco, Enterasys u. a. schon

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viele Jahre erfolgreich am Markt. Systemhäuser, große Industriekunden und der öffentliche Dienst haben von uns maßgeschneiderte Konzepte für mehrere 10.000 Arbeitsplätze erhalten. Die von uns konzipierten IT-Netzwerke bringen maximale Leistung, höchste Geschwindigkeit, größte Netzwerksicherheit zum optimierten Preis. Die HPI AG sieht sich als Outsourcing- Partner der Industrie, somit war „Cloud Computing“ für uns schon vor Jahren der nächste logische Schritt.

?? financial.de: Wie sieht dieser „nächste logische Schritt“ im Detail aus? ➥➥ Michael Negel: Immer mehr Unternehmen verlagern ihre IT-Infrastruktur in die „Cloud“. Damit wird klassisches Outsourcing gefordert, für das HPI über unsere IT-Tochterfirma 3KV der ideale Partner ist. Wir sparen den Unternehmen nicht nur hohe Investitionskosten, sondern steigern gleichzeitig ihre Flexibilität. Unsere Dienste werden kurzfristig und beliebig skalierbar an den Bedarf angepasst. Wir bieten unseren Kunden maßgeschneiderte Produkte und Dienstleistungen, die homogen und wirtschaftlich in ihre bestehende Infrastruktur eingebunden werden können. Teil Ihrer Cloud-Offensive ist auch die kürzlich abgeschlossene ?? financial.de: Vertriebspartnerschaft der HPI-Tochter 3KV mit dem Cloud-Infrastrukturhersteller Kemp Technologies. Was versprechen Sie sich von dieser Kooperation?

➥➥ Michael Negel: Kemp Technologies ist unser Wunschpartner, denn dieses weltweit operierende Unternehmen bietet führende Lösungen an für geschäftskritische Anwendungen, die Terminalserver, E-Commerce und andere netzbasierte Bereiche mit 24/7-Lösungen versehen. Und dies hochverfügbar, ausfallsicher bei verbesserter Leistungsfähigkeit sowie höherer Skalierbarkeit und Sicherheit. Kemp Technologies expandiert seit seiner Gründung im Jahre 2000 überdurchschnittlich erfolgreich und baut auf regionale Partner, wie es unsere 3KV ideal darstellt. Mit 1.800 Kunden, die unsere 3KV seit vielen Jahren betreut und die alle für Kemp Technologies in Frage kommen, ist das eine perfekte, vielversprechende Zusammenarbeit.

Über 150 Jahre Industriegeschichte und 36 Jahre Elektronikgeschichte resultieren in der HPI AG...

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Welchen Umsatzbeitrag erwarten Sie aus der Kooperation mit ?? financial.de: Kemp Technologies?

➥➥ Michael Negel: Wir erwarten, dass diese Zusammenarbeit bereits im Jahre 2012 mit ca. 5 Mio. Euro und im Jahr 2013 mit ca. 10 Mio. Euro bei 3KV zu Buche schlagen wird. Unabhängig vom Umsatz geht es der HPI AG und der 3KV immer um den Aufbau von nachhaltigen Geschäftsmodellen, die für die Kunden nachhaltig, technologisch und preislich von Vorteil sind und somit auch nachhaltig für Kemp Technologies sind. HPI hat jüngst beim Folienhersteller Kuraray Europe einen weite?? financial.de: ren Großauftrag gewonnen. Welche Bedeutung hat dieser Vertragsabschluss für die Gesellschaft?

➥➥ Michael Negel: Kuraray Europe ist eine 100%-Tochtergesellschaft der Kuraray Co. Ltd., einem japanischen Spezialchemie-Unternehmen mit über 3,4 Mrd. Euro Jahresumsatz. HPI diversifiziert mit diesem Vertragsabschluss weiter bei den Großindustrie-Kunden im Zentraleinkaufsbereich. Neben Chemie- und Pharmaherstellern haben wir eine immer breitere Basis von Großindustrie-Unternehmen in anderen anspruchsvollen Segmenten. Kuraray Europe beispielsweise ist der europaweit führende Anbieter von PVB-Folien zur Herstellung von Verbundsicherheitsglas für die Automobilindustrie. Somit ist der Automotive-Anteil in unserem Zentraleinkauf gewachsen. Was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass die HPI AG diesen ?? financial.de: Auftrag erhalten hat?

➥➥ Michael Negel: HPI ist langjähriger Partner der Kuraray Europe GmbH und hat große Expertise im Bereich von Einkaufsdienstleistungen für die Erstellung neuer Fertigungsanlagen oder sogar kompletter Fabriken. Als ehemaliges Zentraleinkaufsunternehmen der Hoechst AG hat HPI für Aventis, Celanese, Infraserve Hoechst u. a. anspruchsvolle Fabrikationsaus- und neubauprojekte im Einkauf durchgeführt. Diese Referenzen waren ausschlaggebend für den Zuschlag.

Kundenreferenzen: Auch DAX-Konzernen verhilft HPI zu deutlichen Kosteneinsparungen im Einkauf.

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Auf der Hauptversammlung am 28. Juni haben Sie angekündigt, ?? financial.de: die Aufstellung der beiden Sparten Industrial und Electronics zu optimieren und

sich in diesem Rahmen von kleineren Beteiligungen zu trennen. Wie weit sind diese Maßnahmen fortgeschritten und welche Vorteile erwarten Sie durch diese Maßnahme?

➥➥ Michael Negel: Diese Maßnahmen sind bereits weit fortgeschritten. Wir hatten im Geschäftsjahr 2011 gesellschaftsrechtlich 24 Unternehmen in der Konzernstruktur der HPI AG. Darunter waren sehr viele kleinere Gesellschaften und zum Teil auch, aus der Historie übernommene, inaktive Unternehmen. 2012 steht für HPI im Zeichen der Optimierung der Konzernstruktur und des Wachstums. Zum einen wurden diverse Gesellschaften mit anderen Gesellschaften unserer Gruppe verschmolzen. Des Weiteren haben wir die HPI Distribution verkauft, nicht bevor wir aber die wesentlichen Umsatzbereiche auf unsere 100%-Tochter 3KV verlegt haben. Wir haben ferner 51% der VCE Virtual Chip Exchange im Rahmen eines MBOs an den Firmengründer und CEO Mike Wood veräußert, so dass die VCE 2012 nicht mehr konsolidiert wird.

?? financial.de: Welche weiteren Schritte sind geplant? ➥➥ Michael Negel: Aktuell arbeiten wir an einem Joint-Venture bezüglich unserer Tochtergesellschaft ce Global Sourcing GmbH. Bei der ce Global Sourcing sind die Chipumsätze naturgemäß Schwankungen unterworfen. Ende 2012 wollen wir stabile, nachhaltig wachsende Unternehmen in unserer Konsolidierungsstruktur haben. In volatilen Bereichen kann deshalb die Reduktion auf Minderheitsbeteiligungen im Rahmen von Joint-Venture sinnvoll sein.

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Apropos volatile Bereiche: Besonders der Halbleiterbereich ist für ?? financial.de: seine zyklischen Schwankungen bekannt. Wie konjunkturanfällig ist Ihr Geschäft insgesamt?

➥➥ Michael Negel: Unsere Strategie sieht vor, sich aus zyklischen Bereichen teilweise zurückzuziehen. Wenn ein Marktbereich extremen Schwankungen unterworfen ist, ist es uns strategisch lieber, mit einem Mehrheitsgesellschafter zusammenzuarbeiten, der dann auch die Ergebnisse konsolidiert. Strategisch werden wir im Halbleiterbereich langfristig immer aktiv sein, denn das Chipgeschäft ist ein wesentliches Element unserer Historie. Der Rest unseres Geschäftes ist dagegen nur wenig konjunkturabhängig. Wir haben einen gewissen Umsatzanteil in der Stahlindustrie, der bei ca. 23% des Konzernumsatzes liegt. Es ist uns in den vergangen zwei Jahren jedoch gut gelungen, diese Abhängigkeit durch Hinzugewinnung von Kunden aus anderen Branchen zu stabilisieren. Auch im Bereich Zentraleinkauf für Chemie, Pharma und Maschinenbau haben wir uns durch Kunden in der Gas- und Mineralölindustrie sowie Automobilindustrie weiter festigen können. Im Gegenzug wollen Sie das Überbestandsgeschäft mit elektro?? financial.de: nischen Bauteilen weiter ausbauen. Welche Fortschritte haben Sie in diesem Bereich gemacht?

➥➥ Michael Negel: Das Überbestandsgeschäft mit elektronischen Bauelementen

läuft sehr gut. Wir haben dieses Jahr über 400 Lagerüberbestandspakete angeboten bekommen und davon bereits 150 Lagerbestände übernommen. Somit haben wir aktuell über 20.000 Artikel physisch auf Lager. Da ein Großteil der Bestände als Kommissionsware übernommen wurde, haben wir circa 20 Mio. Euro stille Reserven auf Lager. Die HPI-Tochter „Azego Components“ übernimmt Lager, Logistik, Qualitätswesen, Vertrieb, Marketing der Lagerbestände und erhält dafür 50 Prozent der Umsatzerlöse als Rohertrag. In diesem Bereich streben wir ganz klar die Marktführung in Europa an und planen mit neuen Standorten auch außerhalb von Europa aktiv zu werden.

Kommen wir auf den aktuellen Geschäftsverlauf zu sprechen. Wie ?? financial.de: zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Jahresverlauf?

➥➥ Michael Negel: Wir sind operativ weiterhin im Plan. Ausgehend von einer sich nicht wesentlich verschlechternden Marktsituation, die derzeit vorwiegend politischen Einflüssen unterworfen ist, bestätigen wir unsere Prognosen. Zudem blicken wir optimistisch auf 2013: Mit einem neuen Logistikzentrum bei unserer Tochtergesellschaft Mannesmannröhren Logistic GmbH in Ratingen haben wir eine der modernsten Anlagen zur Lagerung und Kommissionierung von B- und C-Teilen installiert, was im kommenden Jahr neue Wachstumsimpulse geben wird. Erste neue große Kunden sind bereits akquiriert worden.

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Die HPI-Aktie hat in den letzten Monaten an Wert eingebüßt. Welche ?? financial: Gründe sehen Sie für die jüngste Kursschwäche, nachdem es operativ weiterhin nach Plan läuft?

➥➥ Michael Negel: Ein Hauptgrund für die Kursschwäche der letzten Monate war das mangelnde Interesse vieler Investoren an Small-Cap-Unternehmen, also an Unternehmen unterhalb einer Marktkapitalisierung von 50 Mio. Euro. Die Verunsicherung durch die Euro-Schuldenkrise und die Südeuropa-Thematik hat bei vielen Unternehmen, die sich wie wir im Entry Standard oder m:access befinden, für erhebliche Kurseinbrüche gesorgt. Hierfür gibt es aber keine wirtschaftliche Begründung. Die Hauptaktionäre halten ihre erheblichen Aktienpositionen an der HPI AG bzw. bauen sie eher noch aus. Wenn die wichtigen Entscheidungen am 12.09. vom BGH kommen sowie eine weitere Beruhigung durch die EZB und Griechenland-Troika erfolgt, sollten die Aktienmärkte im positiven Fall doch wieder deutlich zulegen. Dass die HPI-Aktie deutlich mehr wert ist, als es der derzeitige Aktienkurs vermuten lässt, zeigt auch die aktuelle Analystenstudie von GBC-Research, die den fairen Wert bei 2,30 Euro sieht. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie dem Kursverfall entgegen?? financial.de: steuern?

➥➥ Michael Negel: Wir können nur unsere Arbeit tun. Die Zusammenarbeit mit Kemp Technologies und Kuraray Europe waren wichtige Meilensteine für unser Unternehmen. Da wir kundenseitig einige große Projekte abgeschlossen haben und auch die „Pipeline“ prall gefüllt ist, gehen wir von weiteren „Business-Meilensteinen“ aus. Der Outsourcing-Trend der Industrie ist stark ansteigend. Die Industrie will gerade im Bereich Einkauf, Lager und Logistik die Kosten durch Outsourcing reduzieren. Welchen Newsflow dürfen HPI-Aktionäre in den nächsten Monaten ?? financial.de: erwarten?

➥➥ Michael Negel: Unsere Halbjahreszahlen, die wir am 28.09.2012 veröffentlichen, werden unser geschäftliches Konzept weiter untermauern. Im November erfolgt eine Zwischenmeldung mit den Neun-Monatszahlen und im Dezember ist die Münchener Kapitalmarktkonferenz, auf der sich die HPI AG präsentiert. Außerdem befinden wir uns derzeit in aussichtsreichen Verhandlungen mit mehreren Akquisitionsprojekten, allesamt gewinnstarke Gesellschaften, die unser Portfolio verstärken und ergänzen würden. Wir sind zuversichtlich, dass zumindest eine davon noch im laufenden Jahr finalisiert und 2012 in die Konsolidierung einbezogen wird.

?? financial.de: Herr Negel, besten Dank für das Gespräch. 6


HPI AG profitiert von Outsourcing-Trend: "20 Mio. Euro stilleReserven"