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27. März 2013

MANAGEMENT I n t e r v i e w IM INTERVIEW

Dr. Wolfgang Trier CEO, Softing AG, Deutschland

Softing AG: „Ich will den Börsenwert verdoppeln“ Obwohl Softing im vergangenen Jahr die Anzahl der Aktien um 14 Prozent erhöht hat, lassen die Münchener ihre Dividende auf dem Niveau des Vorjahres. Dies kostet den Hersteller von hochwertigen Software- und Hardware-Teilen für die Maschinensteuerung und Fahrzeuginbetriebnahme 477.000 Euro mehr Dividende. financial.de hat Großaktionär und CEO Dr. Wolfgang Trier gefragt, warum er zu den Anteileignern so großzügig ist, obwohl er doch eigentlich eine größere Akquisition geplant hat und daher die Kriegskasse nicht angreifen sollte.

Interview Softing AG Herr Dr. Trier, Sie haben in 2012 wieder ein neues Spitzenergebnis ?? financial.de: hingelegt, obwohl die konjunkturellen Perspektiven durchwachsen waren. Worauf ist das zurückzuführen?

➥➥ Dr. Wolfgang Trier: Wir haben nur umgesetzt, was bereits seit ein, zwei Jahren vorbereitet wurde. Die für 2012 geplanten Hard- und Softwareprodukte haben unsere Kunden in 2011 überzeugt und wurden dann deutlich stärker geordert. Aber auch die Akquisitionen aus 2011 und den Vorjahren sind mittlerweile so gut integriert, dass sie sehr ordentliche Beiträge abliefern.

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?? financial.de: Welcher Erfolg hat Sie im vergangenen Jahr am meisten gefreut? ➥➥ Dr. Trier: Vermutlich die Produktfreigabe des HSC, dem Automotive Diagnosemodul der dritten Generation von unserer Tochter samtec. Mittlerweile wird die gesamte Produktion eines süddeutschen Premium-Herstellers mit unserem HSC „bedatet“ – weit schneller und effizienter als je zuvor. Die Schwestergesellschaften dieses Herstellers schauen sich das gerade genau an. Das ist für mich ein sehr gutes Zeichen für 2014 und die folgenden Jahre. Gerüchteweise stehen Sie wieder vor einem Großauftrag eines ?? financial.de: Herstellers von Oberklasse-Fahrzeugen. Was können Sie tun, um diese Order dingfest zu machen?

➥➥ Dr. Trier: Wir sind bei mehreren umfassenden Themen in Ausschreibungen sehr gut positioniert. Auch wenn hierzu noch keine Einkaufsabschlüsse vorliegen, sind wir sehr zuversichtlich, bei mindestens einigen davon zu punkten. Der Kundennutzen spricht für unsere Lösung, wenngleich der Wettbewerb auch nicht schläft. Wettbewerb macht uns aber keine Angst, sondern hält uns fit. Halten Sie es für möglich, dass Sie künftig die EBIT-Marge nachhal?? financial.de: tig über die Zehn-Prozent-Marke schieben?

➥➥ Dr. Trier: Was heißt künftig? Wir haben seit zwei Jahren schon unser Ziel zweistelliger EBIT-Margen erreicht, wenn auch noch nicht wesentlich überschritten. Aber bitte bedenken Sie, dass wir bei den Innovationen in den letzten drei Jahren sehr aktiv waren Es steht außer Frage, dass wir dies erhalten bzw. ausbauen wollen. Das werden wir auch schaffen. Softing AG im Vergleich zum SDAX

Softing hat in den letzten 3 Monaten den SDAX deutlich outperformt

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financial.de: Weshalb ist Softing bei den Zulieferungen für die Öl- und ?? Gasindustrie relativ stark vertreten?

➥➥ Dr. Trier: Das liegt an dem Kommunikationsstandard, genannt Foundation Fieldbus (FF), der diesen Teil der Prozessindustrie dominiert. Für große Projekte wird von den Sensor- und Antriebsherstellern vorausgesetzt, dass die Geräte mit einem FF-Netzwerk Daten austauschen können. Wer dies nicht kann, kommt beim Endkunden nicht zum Zug. Da Softing für diese Hersteller faktisch die einzige Adresse für anspruchsvolle FF-Anschaltungen ist, arbeiten weit über 50 Prozent aller weltweit für FF zugelassenen Geräte mit „Softing inside“ Könnte sich Softing nicht mit dem so genannten Explosionsschutz ?? financial.de: ein größeres neues Geschäftsfeld erschließen, um lang- oder mittelfristig das Wachstum für den dreistelligen Millionenbereich beim Umsatz abzusichern?

➥➥ Dr. Trier: Wir sind hier bereits gut positioniert und werden weiter in dieses margenstarke Segment vordringen. So werden wir im laufenden Jahr ein technologisch führendes Neuprodukt für die Öl- und Gas-Exploration zertifizieren lassen. Allein von diesem Gerät erwarten wir in den nächsten zwei, drei Jahren knapp 6 bis 8 Millionen Euro Umsatz. Dazu kommen Varianten dieser neuen Technologie, die bereits mit Kunden besprochen werden. Die asiatischen Premium-Hersteller in der Automobil-Industrie ?? financial.de: wären doch bei der Messtechnik auch ein idealer Kunde für Softing. Welche Anstrengungen haben Sie in diesem Bereich schon unternommen?

➥➥ Dr. Trier: Das ist grundsätzlich richtig, allerdings sind die technischen Anforderungen an die Messtechnik zur Fahrerprobung und bei Motorprüfständen bei den deutschen Herstellern noch am höchsten. Daher entwickeln wir den Markt für unsere High-end-Technik zuerst von dieser Seite. Auch tun wir uns bei diesen sehr beratungsintensiven Themen in Deutschland schlicht leichter. In einem späteren Schritt wird aber sicher auch Asien angegangen.

Soft- und Hardwareprodukte von Softing spielen bei der Inbetriebnahme und Weiterentwicklung von Premiumfahrzeugen eine bedeutende Rolle

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Kommen wir zum laufenden Jahr: Ein Großteil des Erfolges ist ?? financial.de: auf die Neuentwicklung von Produkten zurückzuführen. Können Sie zwei, drei Beispiele nennen, wo Sie den Wettbewerb mit Innovationen wieder abgehängt haben?

➥➥ Dr. Trier: Nun ja, das Jahr hat gerade erst begonnen. Außerdem geht mein Blick immer mindestens ein Jahr voraus. Heute muss die Geschäftsleitung die Türen für die Produkte öffnen, mit denen wir in 2014 Geld verdienen. Das heutige Tagesgeschäft liegt beim Vertrieb und beim Support. Großes Potenzial hat sicher das bereits genannte HSC für den Datenzugriff auf Steuergeräte in der Automotive Industrie. Interessant ist aber auch eine komplett neue Generation von FF-Gateways für die Prozessindustrie, mit denen Sensordaten gesammelt und gebündelt an die Steuerung weitergeleitet werden. Ab Herbst werden Muster an Großkunden gehen. Hier bieten wir bei halber Baugröße die etwa dreifache Leistung des Vorgängermodells. Darüber hinaus wird diese Hardware als Plattform konzipiert und erlaubt somit durch einfache Ergänzungen eine schrittweise Ausweitung der Anwendungsfälle.

?? financial.de: Wie hoch lag der Auftragsbestand zum Jahreswechsel? ➥➥ Dr. Trier: Kerngröße ist bei uns immer der Auftragseingang. Daraus leiten wir die Umsatzdynamik der Folgequartale ab. Der Auftragseingang lag in 2012 mit über 51 Millionen Euro rund 2 Millionen Euro über dem Umsatz. Das weist auf eine noch zunehmende Umsatzdynamik hin. Auch für das erste Quartal des laufenden Jahres erwarten wir einen Auftragseingang über dem Vorjahresquartal. Wie hoch war die Netto-Cash-Position zum Jahresanfang und wie ?? financial.de: viel liegt dieser Wert über dem Cash-Bestand vor der Kapitalerhöhung?

➥➥ Dr. Trier: Die Cash-Position erhöhte sich auf 11,5 Millionen Euro nach 7,3 Millionen Euro im Vorjahr. Das sind 1,79 Euro pro Aktie. Cash und Netto-Cash sind bei Softing nahezu identisch, da wir keine relevanten Bankverbindlichkeiten haben. Die Kapitalerhöhung hat dazu rund 3,5 Millionen Euro beigetragen, während die Rückzahlung des einzigen – bereits rückgezahlten – Darlehens 1,2 Millionen und die Dividende 1,4 Millionen Euro gekostet haben. Die Aktie von Softing befindet sich charttechnisch in einer sehr ?? financial.de: interessanten Situation und schickt sich an, die 8-Euro-Hürde wieder zu überspringen. Bleiben Sie bei Ihrer Aussage, dass Sie unter 10 Euro kein Stück Ihres Bestandes aus der Hand geben?

➥➥ Dr. Trier: Ganz klar. Bei einer Road-Show vor Investoren in der Londoner City habe ich einen bemerkenswerten Spruch gelesen, den J.P. Morgan vor mehr als 100 Jahren formuliert hat. „It takes three things to make a fortune: the vision to see, the courage to buy and the patience to hold.“ Ich habe bis heute keine

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einzige Aktie verkauft und denke angesichts der Perspektiven auch jenseits der 10 Euro noch lange nicht daran. Wir werden Softing in den nächsten 3 bis 5 Jahren mit einer Mischung aus organischem und nicht-organischem Wachstum auf über 100 Millionen Euro rentablen Umsatz bringen. Damit sollte sich auch der Unternehmenswert verdoppeln. Da ich keine andere Anlage kenne, die mir diese Wertsteigerung bieten kann, konzentriere ich mich auf die letzte Aussage aus der Empfehlung von J.P. Morgan. financial.de: Können Sie einen Überblick über Ihre Bemühungen im akquisitori?? schen Sektor geben, die seit gut einem Jahr laufen?

➥➥ Dr. Trier: Wir haben den Markt nach passenden Unternehmen abgesucht und abgestufte Suchlisten generiert. Darauf folgte eine Reihe von Gesprächen, die bis heute andauern. Dies ist nicht ungewöhnlich. Schon in der Vergangenheit haben wir uns 6 bis 12 Monate gegeben, um Zukäufe zu realisieren. Ich rechne fest damit, in diesem Jahr das eine oder andere umsetzen zu können. Wie stark ist das Interesse der institutionellen Investoren an Ihrem ?? financial.de: Unternehmen und was tun Sie im Bereich der IR-Arbeit, um die Weiterentwicklung der Aktie zu fördern?

➥➥ Dr. Trier: Ich glaube, dass wir mit unserer IR-Arbeit gut unterwegs sind. Meine Sekretärin hat für das vergangene Jahr mehr als 60 Artikel über uns in den aktionärsaffinen Medien gezählt. Wir haben die Aktie auf fünf Konferenzen präsentiert. Wir stehen kurz davor, die MarketCap von 60 Millionen Euro nachhaltig zu überschreiten. Und eines ist klar erkennbar: Wir haben starke Käufer im Markt, die wie ich langfristig orientiert sind und die Wertsteigerung der Softing miterleben wollen. Sehen Sie nicht die Chancen, die internen Einsparungspotenziale ?? financial.de: noch besser zu nutzen?

➥➥ Dr. Trier: Wir sind in einer Expansionsphase, in der man Geld ausgeben muss, wenn es für die richtigen Dinge verwendet wird. Bei uns sind dies in erster Linie neue Produkte und die Erschließung neuer Märkte. Ein stets sparsames Wirtschaften im Sinne höchster Effizienz ist für mich selbstverständlich. Sparprogramme würde ich erst dann auflegen, wenn klare Indikatoren für eine wirtschaftliche Kontraktion vorliegen. Dies ist derzeit nicht der Fall. Warburg Research erwartet für das laufende Jahr ein EPS von ?? financial.de: 63 Cent und sieht das Kursziel bei 10 Euro. Halten Sie diese Gewinnschätzungen nicht für etwas zu sportlich, besonders vor dem Hintergrund, dass Sie bereits seit 2009 einen außerordentlich guten Wachstumskurs beschreiten?

➥➥ Dr. Trier: Klar, das ist ehrgeizig, aber unsere Ambitionen sind nicht minder ehrgeizig. Wir haben alle Voraussetzungen für ein gesundes weiteres Wachstum

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geschaffen. Schlussendlich wird es daran liegen, ob das gesamtwirtschaftliche Umfeld dies zul채sst. Das kann ich nach weniger als drei Monaten im neuen Jahr noch nicht einsch채tzen. Ich sehe bisher aber auch keine Indikationen, vom Optimismus der letzten Jahre abzuweichen.

?? financial.de: Besten Dank f체r das Interview.

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