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17.08.2010

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Gründerstory | Glückskeks-Manufaktur

Glücklicher Glücksbote innere Wunsch herauskristallisiert, anderen eine Freude zu bereiten und Gutes dabei tun zu können mit dem Ziel, dass alle davon profitieren.

Glückskekse im XL-Format

Aus einer beruflichen Auszeit heraus entstand im oberpfälzischen Neumarkt die Idee für den Glückskeks der besonderen Art: handgefertigt, lecker, groß und individualisierbar. Hier die Erfolgsstory von Stephan Preiß’„Keksgabel“.

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egonnen hat alles mit einer selbstgewählten kleinen Auszeit, nachdem Stephan Preiß für seinen Arbeitgeber eine Tochterfirma entwickelt und aufgebaut hatte. „Es

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war jetzt ganz einfach an der Zeit, noch einmal etwas Richtiges und Sinnvolles zu starten“, erklärt der 42-Jährige seine Motivation zu gründen. Preiß hatte als Prokurist und Geschäftsführer zum einen viel Erfahrung gesammelt und zum anderen noch viel Energie für die Umsetzung neuer, eigener Ideen. Diese wurden während der sechsmonatigen Auszeit entwickelt. Fragen, die sich Preiß in dieser Findungsphase stellte, waren unter anderem: „Soll ich mein Wissen als Coach und Berater weitergeben?“ oder „Soll ich ein Internetgeschäftsmodell ohne physische Produkte aufbauen?“ Schnell wurde ihm bewusst: Keines von beiden hat aktuell Priorität. Vielmehr hat sich der

So ist es dann zu der Entscheidung kommen, etwas Reales zu erschaffen, etwas, das man anderen in die Hand geben kann und an dem sie Freude haben. Die Lösung waren hoch personalisierte Glückskekse im XL-Format. Klassische Glückskekse kennt man aus China-Restaurants. Über den Spruch im Inneren und den Geschmack lässt sich vorzüglich diskutieren. Nach intensiver Recherche wurde Preiß klar, dass es zwar Anbieter gibt, die den Zettel im Keks anpassen, aber keinen, der an der Größe und am Geschmack ansetzt. Mit über zehn Zentimetern ist der von Preiß kreierte Glückskeks viel größer als bisherige Modelle. Und damit der Geschmack zum Erlebnis wird, wird alles in Handarbeit produziert. In der Handarbeit liegt auch die Chance für die Personalisierung des Produktes. Denn wenn jedes Teil einzeln produziert wird, kann auch jedes davon einzeln und ohne Mehraufwand personalisiert werden. Das gilt sowohl für die Verpackung als auch für den Inhalt des Kekses. „Es gab sogar schon Kunden, die Geld, Gutscheine und Verlobungsringe haben einarbeiten lassen“, so Stephan Preiß, Gründer der Keksgabel UG (haftungsbeschränkt) im oberpfälzischen Neumarkt.

Haftungsbeschränkt und eigenfinanziert Dass es eine UG (haftungsbeschränkt) werden sollte, war Preiß nach einigen Überlegungen und Gesprächen mit dem Steuerberater und weiteren Fachleuten klar. Der Grund: Seine Firma soll getrennt von privaten Themen aufgebaut und die Haftung aus dem Privatbereich weitestgehend herausgehalten werden. So gut dieser Entschuss war, verursachte er im weiteren Verlauf doch einige Turbulenzen. „Das Haupt-


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problem bei der UG-Gründung ist die Bank, falls hier ein Anschubdarlehen benötigt wird“, sagt Preiß rückblickend. Die Gespräche mit den Banken waren sehr aufschlussreich. „Den Businessplan und das Konzept fanden diese super und sehr tragfähig“, so der Gründer. Zumindest so lange, bis Preiß erklärte, dass sein Haus und andere Wertobjekte nicht als Sicherheit für das Unternehmen zur Verfügung stünden. „Denn sonst hätte es ja auch keine UG gebraucht“, betont Preiß. Spätestens von diesem Zeitpunkt an war das Interesse an der Zusammenarbeit in Richtung null tendierend. Da dies von vorneherein eingeplant war und Risikokapital in größerem Umfang in der ersten Phase kein Thema sein sollte, war klar, dass Preiß den Aufbau und das Wachstum aus eigenen Mitteln und aus den laufenden Einnahmen leisten würde.

Lang ersehnt: 210/130/20092 Fast hätte dann das Unternehmen an einer ganz unerwarteten Stelle einen Fehlstart hingelegt. Rund zwei Monate hat es gedauert, bis vom zuständigen Finanzamt die Steuernummer zugeteilt wurde. Ohne Steuernummer war jedoch kein Verkauf möglich und auch kein Online-Shop. Aus purer Verzweiflung heraus führte der Gründer in dieser frühen Phase bereits Sondierungsgespräche mit dem Steuerberater, um die UG gleich wieder zu schließen, da ohne Verkauf die Insolvenz ansteht. Die Reaktion seines Steuerberaters: „Ohne Steuernummer können wir keine Insolvenz anmelden. Die muss in dem Formular angegeben werden.“ Also hieß es: Augen zu und durch. „Auf solche Momente und Situationen kann man sich nicht wirklich vorbereiten“, meint Stephan Preiß. Es gilt, die Situation zu akzeptieren und die Zeit sinnvoll zu nutzen. Und letztlich hat auch die Keksgabel ihre Steuernummer bekommen. Eine Zahl mit Bedeutung: 210/130/20092.

Startschuss und Super-GAU Bereits drei Monate von dem Start wurden die Glückskekse an Familie, Freunden und Bekannten intensiv getestet. „Die Ergebnisse und Feedbacks waren

durchweg positiv – alles hat geklappt“, so Preiß. Dementsprechend wurde ordentlich die Werbetrommel gerührt, und am ersten produktiven Wochenende sind auch gleich die ersten Bestellungen eingegangen. „Das sind so richtige Glückserlebnisse auf dem Weg zum eigenen Unternehmen“, weiß Preiß. Folglich ging es ran ans Werk. Und weil das Produkt noch besser werden sollte, als es schon war, wurden noch teurere Rohstoffe eingekauft. Leider waren diese jedoch der Qualität abträglich, wie sich herausgestellte. Denn ausnahmslos alle der damit produzierten Lieferungen kamen als Bruch bei den Kunden an, keine Verpackung hatte überlebt. Schneller als geplant – eigentlich sogar in der Planung vergessen – wurde das Reklamationsmanagement ins Leben gerufen. Preiß: „Soweit noch möglich und sinnvoll, haben die Kunden Ersatz bekommen, und es haben sich daraus einige spannende Gespräche und Kontakte entwickelt.“

Wespentaillen-Strategie Die Fähigkeit und die Chance, schnell und flexibel zu reagieren, nutzt die Keksgabel auch bei der Definition der Zielgruppe. Hier kommt die sog. Wespentaillen-Strategie zum Einsatz, die Herr Preiß auch gern in Coachings weitergibt. Basis der Strategie war Preiß’ erste Entscheidung, dass die Keksgabel nur ein Produkt anbietet, um einen ersten Fokus zu haben. Im zweiten Schritt wurden alle möglichen Zielgruppen festgelegt. Anstelle aufwendiger Marktforschung, die auch Zeit und Geld kostet, wurden potenzielle Zielgruppen parallel angegangen. „Der große Vorteil ist, dass das Ergebnis keine Theorie, sondern echter Markt ist“, erläutert Preiß seine Strategie. Die Zielgruppen, die als erstes positiv reagieren, kommen in die zweite Runde. Jetzt wird geprüft, welche davon mittel- und langfristig die erfolgreichste Zusammenarbeit versprechen. Diese werden dann in Stufe drei ganz gezielt betreut. Wenn hier eine erste Sättigung zu erkennen ist, geht die Wespentaille wieder auseinander und es kommen neue Zielgruppen hinzu, um die Basis zu erweitern.

Jeder Glückskeks ist Handarbeit. Individuell gestaltet werden kann die darin gebackene Botschaft – auch ein Verlobungsring passt rein

Mehrwert für alle Wie eingangs erwähnt, will Preiß, dass alle Beteiligten einen Vorteil haben. So wurde bereits kurz nach dem Start die Aktion „Charity für KlinikClowns“ ins Leben gerufen. Zum einen wird für jeden Klick auf www.keksgabel.de/ klinikclowns ein Cent an den Verein gespendet, der Kinder und alte Menschen in Krankenhäusern betreut und etwas Freude schenkt. Zum anderen gibt es eine Sonderedition der Glückskekse. Für jeden verkauften Keks dieser Serie, der auch individualisiert werden kann, werden zusätzlich 10 Cent gespendet. „Klar ist das auf der einen Seite eine tolle Werbeaktion, aber es ist auch mein persönliches Anliegen, den Menschen etwas von der Freude und dem Glück zurückzugeben“, sagt Preiß.

Zukunftsmusik Die ersten Hürden sind genommen, die Zielgruppe definiert sich immer mehr, die ersten Anfragen sind da und die Auslieferung läuft stabil. Jetzt geht es Preiß darum, die Auslastung auf ein ordentliches Niveau zu bringen. Wenn dies geschafft ist, sollen neue Büros angemietet und die ersten Mitarbeiter beschäftigt werden. „Und wer weiß, vielleicht wird dann doch auch noch was aus der Idee, Business-Coaching für Firmen anzubieten, die mit neuen Ideen auf dem Markt bestehen wollen“, sinniert Stephan Preiß.

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