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10. April 2013

MANAGEMENT I N T E R V I E W IM INTERVIEW

Prof. Hoda Tawfik (COO), Christian von Volkmann (CFO) MagForce AG

MagForce AG: „Phoenix aus der Asche“ Die MagForce AG meldete Ende März den erfolgreichen Abschluss einer Kapitaler­höhung gegen Bar- und Sacheinlagen mit Bezugsrecht in einem Gesamtvolumen von rund 33,5 Millionen Euro. Die MagForce AG ist ein auf dem Gebiet der Nanotechnologie führendes Medizintechnik-Unternehmen mit Fokus auf Onkologie und ist das erste Unternehmen weltweit, das die europäische Zulassung für ein Medizinprodukt mit Nanopartikeln für die Behandlung einer Krebserkrankung erhalten hat. Die Grundlage des Therapieverfahrens bilden die eisenoxidhaltigen, supramagnetischen Nanopartikel, die zu Therapiebeginn direkt in den Tumor eingebracht werden. Der Patient wird anschließend in den Magnetfeldapplikator gelegt, welcher ein für den Menschen ungefährliches Magnetwechselfeld erzeugt. Die Nanopartikel werden durch dieses hochfrequente Magnetfeld in Schwingung versetzt, wodurch Wärme direkt im Tumorgewebe entsteht. Dadurch werden die Tumorzellen in Abhängigkeit von der erreichten Temperatur und der Behandlungsdauer entweder direkt zerstört oder für eine begleitende Strahlen- oder Chemotherapie sensibilisiert. Insgesamt wurden bei der Kapitalerhöhung 18,6 Millionen neue auf den Inhaber lautende Stückaktien gezeichnet. Davon wurden 9,7 Millionen neue Aktien gegen Barmittel und 8,5 Millionen neue Aktien gegen Sachkapital gezeichnet, wobei 15,9 Millionen Euro Gesellschafterdarlehen in Eigenkapital gewandelt wurden. Nach Jahren der Verschuldung meldete MagForce: „Wir sind schuldenfrei.“ Die Barmittel belaufen sich nach Unternehmensangaben auf 17,6 Millionen Euro. Im Interview mit financial.de geben die beiden Vorstände, Prof. Hoda Tawfik (COO & Chief Medical Officer) und Christian von Volkmann (CFO), die letztes Jahr zum Unternehmen gestoßen sind und das bisherige Management ersetzt haben, Auskunft über die Pläne der Gesellschaft.

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Interview MagForce AG Herr von Volkmann, Frau Tawfik, zu kaum einem anderen Unter?? financial.de: nehmen am deutschen Kapitalmarkt passt die Redewendung „wie Phoenix aus

der Asche“ derzeit besser als zu MagForce. Das Unternehmen wurde als Pleitekandidat gehandelt. Nach der Kapitalerhöhung ist es jetzt schuldenfrei und mit einem komfortablen Liquiditätspolster ausgestattet. Wie konnten Sie auf einmal neue Investoren anziehen, und was hat sich im Vergleich zu den Problemzeiten verändert?

➥➥ von Volkmann: Wir waren in der Lage, in der neuen Aufstellung potenziellen Investoren zu kommunizieren, was MagForce wirklich ist: Ein einzigartiges Medizintechnik-Unternehmen, das bereits einen Meilenstein erreicht hat, der bei anderen Unternehmen oft noch in ungewisser Ferne liegt, nämlich die Zulassung unseres Medizinproduktes für den Einsatz in der Therapie von Gehirntumoren in allen 27 Staaten der EU. Damit hat MagForce kein regulatorisches Risiko mehr, sondern es geht nur noch um den kommerziellen Roll-Out. Aber wieso konnte dann der Karren, verzeihen Sie uns den Aus?? financial.de: druck, vorher so tief in den Dreck gefahren werden?

➥➥ von Volkmann: Das war eine Verquickung negativer Umstände, die über die Jahre zusammen kamen: Verschiedene Managementfehler, Missachtung der führenden Meinungsbildner der medizinischen Fachkreise, eine kommerzielle Roll-Out Strategie, die nicht aufging, Arroganz gegenüber wichtigen Partnern bereits lange vor der Erteilung der Zulassung, um nur einige zu nennen. Das mündete in einem Teufelskreis, aus dem die Firma sich ohne eine solche massive bilanzielle und operative Neustrukturierung, wie wir sie gerade durchgeführt haben, nicht hätte befreien können. Wir haben nun in einem Schritt aus einer Firma mit einer Marktkapitalisierung von 10 Millionen Euro und Schulden in Höhe von ca. 16 Millionen Euro eine Firma gemacht, die gerade mit rund 70 Millionen Euro bewertet wird – schuldenfrei ist und 17,6 Millionen Euro Cash auf dem Konto hat. Was macht Sie so sicher, dass die Fehler der Vergangenheit nicht ?? financial.de: wiederholt werden?

➥➥ Prof. Tawfik: Zum einen sind uns die Fehler der Vergangenheit bewusst, zum anderen gehen mein Kollege Christian von Volkmann und ich mit deutlich mehr Demut an die ganze Sache heran: Wir wissen, dass wir eine neue, schonende Therapie mit großem Potenzial zur Bekämpfung von Krebs in der Hand haben. Wir wissen aber auch, dass wir für eine erfolgreiche Einführung der Therapie viele starke Partner benötigen. Die neue Interaktion, die ich letztes Jahr mit den führenden medizinischen Fachkreisen und führenden Meinungsbildnern der Onkologie initiiert habe, werden wir weiter ausbauen. Das ist der wichtigste Grundstein für die langfristige, erfolgreiche Etablierung unserer Technologie im Markt.

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?? financial.de: Der Markt fragt sich natürlich: Wer sind die Investoren? ➥➥ von Volkmann: Sie werden hoffentlich Verständnis dafür haben, dass die Investoren volle Diskretion erwarten. Daher möchten wir von unserer Seite aus keine Details preisgeben. Ich kann allerdings sagen, dass fast die komplette Kapitalerhöhung von sehr renommierten, internationalen Investoren, insbesondere von Family Offices und anderen langfristig orientierten Investoren, gezeichnet wurde. Ich bin mir sicher, dass diese Investoren uns dauerhaft mit Kapital und auch mit Kontakten unterstützen werden.

?? financial.de: Was sind die nächsten Schritte? ➥➥ Prof. Tawfik: Für 2013 haben wir drei klare Prioritäten. Erstens, die Initiierung einer so genannten Post-Marketing-Studie als Basis für den europäischen Roll-Out der NanoTherm-Therapie zur Behandlung von Gehirntumoren. Auf Basis dieser Post-Marketing-Studie planen wir zweitens die Einreichung eines Zulassungsantrages für die Therapie bei der Food and Drug Administration, FDA, der Arzneimittelzulassungsbehörde der Vereinigten Staaten, um uns den amerikanischen Markt zu erschließen. Und drittens wollen wir die klinische Entwicklung und die Therapiezulassung für weitere Krebsarten beginnen, beziehungsweise weiterführen und vorantreiben, insbesondere für Prostatakrebs.

?? financial.de: Warum steht das Thema Prostata so hoch oben auf der Agenda? ➥➥ Prof. Tawfik: Das Prostatakarzinom ist mit ca. 900.000 neuen Erkrankungen pro Jahr weltweit der zweithäufigste Krebs bei Männern und der fünfthäufigste Krebs generell. Da es ein so genannter Alterskrebs ist, steigt die Zahl der Patienten sowohl in der westlichen Welt als auch in den Emerging Markets kontinuierlich an. In einer Phase-I-Studie mit 30 Prostatakrebs-Patienten konnten wir unter Anwendung der NanoTherm-Therapie in Kombination mit der herkömmlichen Brachytherapie erste signifikante Hinweise auf eine hohe Wirksamkeit beobach-

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ten. Bisher ist ein operatives Entfernen des Tumors ab einem bestimmten Krebsstadium unumgänglich und mit schweren Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz verbunden, welche die Lebensqualität stark einschränken können. Mit der Weiterführung der klinischen Entwicklung unserer Technologie und der Durchführung einer zulassungsrelevanten Studie in der Indikation Prostatakrebs wollen wir die Wirksamkeit nun signifikant belegen. Damit würde den Patienten eine wirksame, organ- und Lebensqualität erhaltende Therapie zur Verfügung stehen. Darüber hinaus könnte die Therapie, welche in einem frühen bis intermediären Stadium angewandt würde, zu einer deutlichen Kostenentlastung der Gesundheitssysteme beitragen. Die MagForce-Aktie war im Hoch 2007 schon mal bei 65,50 Euro. ?? financial.de: Die Kapitalerhöhung fand bei 1,80 Euro statt, aktuell notiert die MagForce-Aktie um die 3 Euro. Ihre Kursprognose?

➥➥ von Volkmann: Es ist nicht Aufgabe des Managements, Kursprognosen abzugeben, sondern operative und strategische Ziele zu erreichen. Wenn wir aber unsere für 2013 gesteckten Ziele aktiv angehen und erfolgreich umsetzen, wovon ich natürlich ausgehe, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir nicht nur operativ, sondern auch auf einer bewertungsrelevanten Ebene zu alten Höhen zurückfinden können. Selbst wenn man die damalige Marktkapitalisierung auf die heutige Aktienanzahl umrechnet, sind wir noch im zweistelligen Kursbereich. Und bedenken Sie, dass wir 2007 noch keine Zulassung hatten, heute hingegen schon. Schauen Sie einfach mal nach Amerika: Wenn man sich dort die MedTech- und Biotechfirmen anschaut, die Krebstherapeutika entwickeln, und die oftmals noch weit von einer Zulassung ihrer Therapie entfernt sind – MagForce somit diesbezüglich einen deutlichen Vorsprung hat –, dann haben viele dieser Firmen eine Marktbewertung im deutlich dreistelligen Millionen-USD-Bereich. Wir sehen keinen Grund, warum dies bei MagForce anders sein sollte.

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MagForce AG: "Phoenix aus der Asche"