Page 1

Alle Seiten als PDF-Datei unter www.channelpartner.de/recht

15/08

Recht & Betriebsführung

Auswirkungen auf die Finanzierung

Bankenkrise im Mittelstand angekommen Die internationale Bankenkrise bekommt jetzt auch der deutsche Mittelstand zu spüren. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Der Zugang zu Finanzmitteln ist schwieriger geworden. Von Marzena Fiok

D

ie mittelständische Wirtschaft in Deutschland spürt die Auswirkungen der internationalen Finanzmarktkrise. Eine aktuelle Befragung der Creditreform Wirtschaftsforschung unter mehr als 4.000 kleinen und mittleren Unternehmen zeigt: Die Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen werden durch die Bankenkrise beeinträchtigt. Ein Drittel (32,5 Prozent) der von Creditreform befragten Unternehmen gibt an, dass der Zugang zu Finanzmitteln seit dem vergangenen Herbst schwieriger oder sogar deutlich schwieriger geworden ist. Betroffen sind hiervon insbesondere Betriebe, die über eine schwache Eigenkapitalausstattung verfügen, sowie Kleinunternehmen mit maximal zehn Mitarbeitern. Bis zu 42 Prozent dieser Unternehmen haben infolge der Finanzkrise Probleme bei der Un-

ternehmensfinanzierung. Bei nicht wenigen dieser Mittelständler ist das Tor zur Kreditfinanzierung vorerst zugeschlagen.

Höhere Zinsen und mehr Sicherheiten Es sind vor allem zwei Punkte, die den kleinen Unternehmen Bauchschmerzen bereiten: Zum einen spüren die Betriebe ein Anziehen der Kreditzinsen, zum anderen verlangen die Banken höhere Sicherheiten für die Gewährung eines Darlehens. 23 Prozent der Unternehmen berichten, dass ihr Kreditinstitut mittlerweile höhere Zinsen in Rechnung stellt. Nicht zuletzt dürfte dabei eine Rolle spielen, dass die Banken ihre Kunden verstärkt auf die Bonität hin abklopfen und für höhere Risiken höhere Kreditzinsen fällig werden. Die verstärkten Anforderungen bei der Bestellung von Sicherheiten werden für rund 16 Prozent der kleinen und mittleren

Das Geld fließt langsamer Zum Heraustrennen und Sammeln!

41

Wie haben sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen seit Herbst 2007 verändert? Zugang zu Finanzmitteln ist deutlich schwieriger geworden

13,1 %

Zugang zu Finanzmitteln ist schwieriger geworden Zugang zu Finanzmitteln ist einfacher geworden

19,4 %

"

Angaben in Prozent; Quelle: Creditreform

Betriebe befürchten härtere Finanzierungsbedingungen Auf die mittelständischen Betriebe kommen in den nächsten Monaten weitere Verschärfungen zu. 23,6 Prozent der Unternehmen planen innerhalb der kommenden sechs Monate die Aufnahme von Fremdkapital. Fast zwei Drittel von ihnen (63 Prozent) rechnen dabei mit ernsthaften Schwierigkeiten. Jeder dritte Betrieb erwartet anziehende Zinsen. Vier von zehn Unternehmen gehen davon aus, dass die Banken den Darlehenswunsch intensiver prüfen als früher und auch höhere Sicherheiten für die Bereitstellung des Kredits verlangen. Wenn aber die Banken ihre Kreditengagements einschränken, trifft das letztlich die Investitionsabsichten und Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen – hier vor allem der kleinen und mittleren Betriebe. Ganze 21 Prozent der Firmeninhaber gehen davon aus, dass sie ihren Kreditwunsch nicht oder zumindest nicht in der angeforderten Höhe erfüllt bekommen.

Droht uns eine Kreditklemme? 7,4 %

keine Veränderungen keine Angabe

Betriebe zunehmend zur Belastungsprobe, um überhaupt einen Kredit zu erhalten.

53,9% 6,2%

Einige Finanzmarktexperten unken bereits, dass die aktuellen Schwierigkeiten an den Finanzmärkten, die damit verteuerte Refinanzierung und der Abschreibungsbedarf der Banken zu einer generellen Verknappung des Kreditangebots führen könnten. Dadurch würden die Investitionen der Unterneh- 3 ChannelPartner 15/08

CP15_s41_42.indd 41

04.04.2008 15:31:17 Uhr


42

Recht & Betriebsführung @

men – und der private Verbrauch – gebremst. Im Extremfall drohe sogar eine Abwärtsspirale: Über das auf diese Weise gedämpfte Wirtschaftswachstum würden die Kreditausfallraten weiter steigen, was in einer zusätzlichen Verschärfung der Kreditkonditionen der Banken münden könnte. Warnungen vor einer „Kreditklemme“ hält Prof. Dr. Manfred Weber, Geschäftsführender Vorstand des Bankenverbandes, dennoch für unbegründet: „Die Bonität der Kreditkunden hat sich durch die Restrukturierung ihrer Bilanzen in den vergangenen Jahren und die positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung deutlich verbessert. Außerdem erwarte ich eher einen noch intensiveren Wettbewerb zwischen den Banken im Kre-

3

Eigenkapitalanteil sinkt Wie hoch liegt die Eigenkapitalquote im Verhältnis zur Bilanzsumme? 31,6

30,3

28,4 25,0

25,0 18,4

bis 10 % bis 20 % 2007 2008

23,9

17,4

bis 30 %

Angaben in Prozent; Quelle: Creditreform

über 30 %

Finanzthemen Weitere Infos zu rtner.de/finanzen www.channelpa

ditgeschäft als eine Einschränkung der Kreditvergabe. Das nutzt den Kreditkunden. Für eine Kreditklemme gibt es keinerlei Anhaltspunkte.“ Ins gleiche Horn bläst auch Dr. Kurt Demmer, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbandes deutscher Banken: „Aus unserer Sicht sind diese Befürchtungen unbegründet. Die Entwicklung des Kreditvolumens ist bis zuletzt deutlich aufwärtsgerichtet.“ In Deutschland seien die Kreditbestände zwischen 2001 und 2005 zurückgegangen, im vergangenen Jahr wurden die Kredite an Unternehmen und Selbstständige jedoch wieder um 6,3 Prozent ausgeweitet. „Die jüngsten Zahlen für Januar zeigen eine weitere Beschleunigung an“, so Demmer. Zudem hätten sich im Euro-Raum die Renditen von Unternehmen mit schwächerer Bonität deutlich erhöht. „Bei den Zinsen für Bankkredite in Deutschland zeigt sich das aber nicht. Etwas ungünstiger sind lediglich die Zinsen für Kredite mit variabler Verzinsung geworden. Das ist die unmittelbare Folge der Verspannungen am Geldmarkt.“ Für Festzinskredite an nicht finanzielle Unternehmen hätten sich die Zinsen seit Mitte 2007 nur wenig erhöht, zum Teil seien sie sogar gesunken. Demmer räumt allerdings auch ein, dass die Kreditvergabestandards für Deutschland „etwas angezogen“ wurden: „Dies ist aber erstens vor dem Hin-

Ratenkredite

tergrund der vorangegangenen über dreijährigen Lockerung zu sehen. Zweitens ist die leichte Verschärfung erkennbar schwächer ausgefallen als im gesamten Euro-Raum, und drittens betrifft sie nicht den Mittelstand, sondern überwiegend Investoren mit großvolumigen Krediten.“ Theoretische Aussagen, die im krassen Gegensatz zur Realität der Firmeninhaber und Kreditinteressenten stehen.

Eigenkapitalquote schrumpft Die Situation der Unternehmer wird noch durch eine weitere negative Entwicklung verschärft. Selbst im Boomjahr 2007 gelang es dem Mittelstand in Deutschland nicht, ausreichend Eigenkapital aufzubauen. Aktuell weisen die Angaben sogar auf weitere Verschlechterungen hin. So verfügt ein knappes Drittel (30,3 Prozent; Vorjahr: 31,6 Prozent) der befragten Unternehmen über weniger als zehn Prozent haftendes Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme und ist damit unterkapitalisiert. Über eine ausreichende Kapitaldecke von mehr als 30 Prozent verfügen gerade einmal 23,9 Prozent der Firmen. Das sind 1,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Wie wichtig eine solide Eigenkapitaldecke ist, verdeutlichen folgende Zahlen: Während lediglich 22,4 Prozent der Unternehmen, die über mehr als 30 Prozent Eigenkapital verfügen, angaben, Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzmitteln gehabt zu haben, sind es bei Betrieben, die mit weniger als zehn Prozent Eigenkapital ausgestattet sind, fast doppelt so viele, nämlich 41,8 Prozent. Den Kommentar dazu lesen Sie auf Seite 3.

Beteiligungsgesellschaften

Vorzeitiger Ausstieg ist teuer Mehr Venture Capital tungsgebühren, die bei der Kreditauszahlung kassiert worden sind, nicht zeitanteilig zurückerstattet und verteuern damit nachträglich den Kredit, warnen die Experten der ING-DiBa-Bank. Überdies verlangen einige Kreditinstitute hohe Gebühren für das Bearbeiten der Kündigung. Wer im Fall einer vorzeitigen Rückzahlung nicht in die Kostenfalle tappen will, sollte daher einen Ratenkredit wählen, der ohne Bearbeitungsgebühr ausgezahlt wird und jederzeit kostenlos abgelöst werden kann. Isabelle Rupprecht

Die in Deutschland aktiven Beteiligungsgesellschaften haben 2007 4,1 Milliarden Euro in 1.078 Unternehmen investiert. Das sind 13 Prozent mehr als im Vorjahr, so die Jahresstatistik 2007 vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Eine Zurückhaltung bei Venture-Capital-Investitionen zeigt die Studie des BVK. Diese besagt, dass Risikokapitalbeteiligungen von rund einer Milliarde Euro im Jahr 2006 auf 840 Millionen Euro im Jahr 2007 geschrumpft sind. Diesem Volumenrückgang steht allerdings eine deutlich gestiegene

Zahl der mit Venture Capital finanzierten Unternehmen gegenüber. Groß im Kommen sind vor allem die Investitionen in Buyouts, also der Unternehmensübernahme durch Eigenkapitalinvestoren und Management. Auf dieses Segment entfielen 79,6 Prozent des Investitionsvolumens nach 71,5 Prozent im Vorjahr. Bei den Kapitalgebern stellten Versicherungen fast ein Viertel der Mittel zur Verfügung, es folgen Fonds mit einem Anteil von 15 Prozent, Kreditinstitute mit 12,1 Prozent und öffentliche Quellen mit 11,5 Prozent. Marzena Fiok

ChannelPartner 15/08

CP15_s41_42.indd 42

04.04.2008 15:31:39 Uhr

"

Wer für die Finanzierung einer größeren Anschaffung einen Ratenkredit aufgenommen hat, freut sich über ungeplante Geldeingänge. Im Gegensatz zum Baukredit kann nämlich ein Ratenkredit auch während der regulären Laufzeit gekündigt werden. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass der Kreditnehmer nach einer Mindestlaufzeit von sechs Monaten den Ratenkredit jederzeit mit dreimonatiger Kündigungsfrist ablösen kann. Allerdings kann bei manchen Banken der vorzeitige Ausstieg teuer werden. So werden Bearbei-


Alle Seiten als PDF-Datei unter www.channelpartner.de/recht

Recht & Betriebsführung Investitionskapital für den Mittelstand

Wachstumschancen durch Private Equity Die Finanzierung über Beteiligungskapital wird allmählich auch für den Mittelstand interessant. Dr. Jürgen Diegruber äußert sich gegenüber CP-Chefreporterin Marzena Fiok zu den Vorteilen und dem deutschen Private-Equity-Markt.

H

Zum Heraustrennen und Sammeln!

43

"

err Dr. Diegruber, wie ist es um den Markt für Beteiligungskapital in Deutschland bestellt? Dr. Jürgen Diegruber: Private Equity ist in Deutschland erst seit Mitte der 1990er-Jahre ein Thema und damit hierzulande noch relativ jung. Es gibt nur wenige deutsche Firmen, die sich auf diesem Feld betätigen. Viele internationale Private-Equity-Gesellschaften haben inzwischen den deutschen Mittelstand als interessanten Markt entdeckt, und Investitionskapital steht dementsprechend bereit. Den meisten internationalen Private-Equity-Häusern fehlt oftmals jedoch das Verständnis für die mittelständische Kultur in Deutschland. Weil sie zudem meist aus dem Ausland agieren, sehen sie sich mit einem gewissen Misstrauen von Eigentümern und Unternehmern konfrontiert. Deswegen wandert der Großteil des Beteiligungskapitals in Deals mit einem Volumen von 500 Millionen Euro oder mehr, wo sich relativer Managementaufwand und Investitionsvolumen eher die Waage halten – und damit am deutschen Mittelstand vorbei. Dadurch entgeht dem Mittelstand nicht nur der Zugang zu frischem Kapital, sondern auch zu Experten, die ManagementKnow-how mitbringen und wichtige Impulse für das jeweilige Unternehmen liefern könnten. Durch die Herausforderungen der Globalisierung und die Veränderung der Kreditwirtschaft in Deutschland wird sich der deutsche Mittelstand weiter für Pri-

vate-Equity-Finanzierungen öffnen, davon bin ich überzeugt! Die Private-Equity-Gesellschaften, die vor diesem Hintergrund in Deutschland erfolgreich sein wollen, müssen verstärkt Know-how ausbilden, das auch auf mittelständische deutsche Unternehmen ausgerichtet ist. Welche Gründe gibt es für Unternehmen, auf Private-Equity-Kapital zu setzen? Diegruber: Das kann zum Beispiel ein konkreter Finanzierungsbedarf sein, etwa wenn ein Unternehmen einen Bankkredit ablösen oder einen AltgesellschafAnzeige

JETZT NEU + + + Kunterbuntu – Ubuntu und seine Derivate

flexiblen Strukturen zur Finanzierung zur Verfügung stellen, begleiten wir das jeweilige Unternehmen aktiv auf seinem Weg. Gemeinsam definieren wir die künftige Strategie und helfen Unternehmern bei der Auswahl und Entwicklung des Managements. Durch unseren persönlichen Hintergrund – ich komme von der Unternehmerseite, mein Partner Armin Weiland von der Finanzierungs- und Transaktionsseite – sind wir bei GermanCapital mit

Zur Person Dr. Jürgen Diegruber ist Managing Partner und Geschäftsführer der GermanCapital GmbH. Er arbeitet seit 1995 im Beteiligungs- und Investmentgeschäft und ist einer der Gründer der Gi Ventures AG, einer Private-Equity-Gesellschaft mit Investitionsschwerpunkt auf mittelständischen Unternehmen. Diegruber hat ein Studium der Wirtschaftswissenschaften absolviert und an der Universität St. Gallen promoviert. Kontakt und Infos: www.germancapital.com

Webcode 1751788

+ + + Hot Spare Memory – hochverfügbarer Speicher im Test Webcode 1750494 + + + Linux: Bis zu 50 Prozent schneller mit Preload Webcode 1751188

MEHR UNTER 쑽 쑽

www.TecChannel.de ter auszahlen muss. Häufig entsteht Kapitalbedarf auch bei der strategischen Entwicklung des Unternehmens, sei es zur Finanzierung von Restrukturierungsmaßnahmen oder für die Umsetzung einer Internationalisierungsstrategie. Der wesentliche Grund, sich als Unternehmen für einen Private-

Equity-Investor zu entscheiden, sollte aber immer der strategische Mehrwert sein, den der PrivateEquity-Partner in einer bestimmten Situation einbringen kann. Gerade bei Themen wie Wachstum, Erschließung neuer Märkte und – wenn es sein muss – Restrukturierung sind die Erfahrung, das Wissen und der Grad der Zielorientierung von PrivateEquity-Experten oft entscheidend, um ein Unternehmen wirklich weiterzubringen. Wie werden Sie dann tätig? Diegruber: Neben dem Eigenund Mezzaninkapital, das wir in

den jeweiligen Bedürfnissen von Unternehmen – gerade im Mittelstand – sehr vertraut und können mit unserem Know-how zu einer erfolgreichen Geschäftsentwicklung beitragen. Welche Einstellung haben deutsche Unternehmer gegenüber Beteiligungskapitalgebern? Diegruber: In Gesprächen mit deutschen Mittelständlern erleben wir immer noch eine gewisse Skepsis gegenüber Private Equity. Natürlich ist das ein Stück weit nachvollziehbar; die Unternehmer müssen einen Teil der Verantwortung und ihres Mit- 3 ChannelPartner 15/08

CP15_43_44.indd 43

07.04.2008 11:51:20 Uhr


44

Recht & Betriebsführung spracherechts an den Eigenkapitalgeber abgeben. Gerade im traditionell fremdfinanzierten deutschen Mittelstand erfordert das sicher eine gewisse Überwindung. Jedoch sollte sich der Unternehmer fragen, ob er lieber ein großes Stück von einem kleinen Kuchen haben will oder ein kleineres Stück von einem möglicherweise deutlich größeren Kuchen. Wir beobachten auf dem Markt, dass immer mehr Unternehmer diese Chance erkennen und sich dem Markt für Beteiligungskapital öffnen. Diejenigen, die mit uns zusammenarbeiten, haben dabei den tatsächlichen Mehrwert, den ein Private-Equity-Haus dem Unternehmen bringt, schnell erkannt: Die Erfahrung und das Knowhow der einzelnen Personen er-

3

weisen sich als entscheidend bei Fragen zur künftigen Unternehmensstrategie und deren konsequenter Umsetzung. Dafür sind viele Unternehmer gern bereit, einen Teil der Mitsprache und Verantwortung abzugeben. Unerlässlich ist der gelebte partnerschaftliche Ansatz. Gegen den Willen des Unternehmers und der wesentlichen Stakeholder im Unternehmen zu arbeiten ist nach unserem Verständnis kein gangbarer Weg. Welche Tipps haben Sie für Unternehmen, die auf der Suche nach Beteiligungskapital sind? Diegruber: Wichtig ist vor allem, sich rechtzeitig nach einem passenden Partner umzusehen. Rechtzeitig heißt: nicht erst dann, wenn das Unternehmen in Schwierigkeiten geraten ist, son-

dern bereits zu einem Zeitpunkt, bei dem ein künftig erhöhter Kapitalbedarf absehbar wird. Somit ist der Unternehmer in einer besseren Verhandlungsposition und hat darüber hinaus die nötige Zeit,

„Mehr und mehr Unternehmen erkennen ihre Chance und öffnen sich dem Markt.“

verschiedene mögliche Partner miteinander zu vergleichen. Hierbei sollten insbesondere die verschiedenen Strategien der PrivateEquity-Häuser und die Personen, die dahinterstehen, in Ruhe und sorgfältig betrachtet werden.

Auch empfiehlt es sich, verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten miteinander zu vergleichen sowie Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Schließlich soll die Finanzierung ja passen. Da es sich bei der Beteiligungsfinanzierung um eine Partnerschaft auf Zeit handelt, sollte bereits im Vorfeld gemeinsam festgelegt werden, wie lang diese Partnerschaft laufen soll. Auch über Strategie und Ziele der Beteiligung sollte gesprochen werden: Wollen die Partner gemeinsam eine Wertsteigerung herbeiführen, bei der der Unternehmer am Ende die Anteile wieder zurückkauft, oder sollen die Anteile des Unternehmens anschließend gemeinsam am Markt verkauft werden? Wer diese Fragen im Vorfeld klärt, erspart sich womöglich später viel Ärger.

Umfrage offenbart geringen Kenntnisstand

Alternativen zum Bankkredit Nur langsam erkennen Firmeninhaber die Notwendigkeit, neue Alternativen der Kapitalbeschaffung zu erschließen. Von Marzena Fiok

D

ie Rating Services AG München ließ an der Universität Augsburg eine Umfrage zum Thema Kapitalbeschaffung durchführen. „Der Stand der Kenntnisse zu den Alternativen von Bankkrediten ist in den Führungsetagen mittelständischer Unternehmen nach wie vor erschreckend niedrig“, kommentiert Vorstand Hans J. Loges das Ergebnis der Umfrage. Für mehr als 40 Prozent der befragten 2.000 Unternehmen ist der Bankkredit das wichtigste Instrument der Finanzierung. Etwa 90 Prozent setzen ihn zumindest teilweise ein. Beliebt sind daneben Gesellschafterdarlehen, die zu rund 35 Prozent genutzt werden. Für Leasing entscheiden sich 20 Prozent und für den Lieferantenkredit etwas mehr als 25 Prozent. Fast 80 Prozent arbeiten mit einer Hausbank zusammen, mit der sie den größten Teil ihrer Finanzierungsgeschäfte durchführen. Steiner: „Es wurde deutlich, dass im Mittelstand noch sehr viel Aufklärungsbedarf über

komplementäre Finanzierungen besteht, wie beispielsweise Mezzanine-Finanzierungen, bei denen mithilfe von Genussrechten, atypisch stillen Beteiligungen, Options- und Wandelanleihen sowie Going-Public-Anleihen das Eigenkapital in den Firmen gestärkt und die Bonität erhöht werden können.“ Zu den komplementären Finanzierungen zählen auch Venture Capital, Private Equity, Nachrangdarlehen, Factoring, Schuldscheindarlehen und Sales & Lease Back. Rund drei Viertel der befragten Unternehmen waren der Meinung, dass bei komple-

mentären Finanzierungen die Anbieter eher an größeren Unternehmen interessiert seien. Als häufigsten Grund gegen die Nutzung dieser Art von Finanzierungen nannten 65 Prozent der Firmen „kein Bedarf“, knapp 30 Prozent die Antwort „zu starke Einflussnahme“, etwa 25 Prozent waren der Meinung: „keine adäquaten Angebote“ verfügbar, 20 Prozent hielten die Kosten für zu hoch, und für etwas mehr als 10 Prozent war der „Exit unbefriedigend gelöst. „Obgleich die Mehrheit der befragten Unternehmen sich gegenüber komplementären Finanzierungen zurückhält, erkennen wir, dass eine steigende Nachfrage nach dieser Art von Kapitalbeschaffung einsetzt“, so Steiner. Am ehesten greifen Firmen mit rund acht Prozent bei den komplementären Finanzierungen auf das Mittel Factoring zurück, bei dem Forderungen gegen Geld abgetreten werden. Die Ausnahme bleiben Beteiligungskapital von Dritten, Genussrechtskapital, stille Beteiligungen, Nachrang-, Verkäufer- und Schuldscheindarlehen sowie Sale & Lease Back.

ChannelPartner 15/08

CP15_43_44.indd 44

07.04.2008 11:46:27 Uhr

Bankenkrise im Mittelstand angekommen  
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you