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27. Mai 2013

MANAGEMENT I N T E R V I E W IM INTERVIEW

Ralf Zastrau CEO, Nanogate AG, Deutschland

Nanogate: Großaufträge Schlag auf Schlag Die Nanogate AG, ein führender Anbieter von Hochleistungsoberflächen für Industriekonzerne, hat ihre Aktionäre vor kurzem mit der Ankündigung einer Dividende von 10 Cent überrascht. Auch sonst läuft es für das saarländische Unternehmen derzeit gut: Zu Jahresbeginn hatte Nanogate die Firma Plastic-Design GmbH in Bad Salzuflen mehrheitlich übernommen und damit den Markt für die Glazing Produkte – also Kunststoffe mit glasähnlichen Eigenschaften – erschlossen. Daraus resultiert der größte Auftrag der Firmengeschichte. Überdies startete eine Kooperation mit der internationalen Sportartikelmarke FILA. Vor wenigen Tagen meldete Nanogate den zweiten Kunden für das strategische Wachstumsfeld Energieeffizienz. financial.de hat CEO Ralf Zastrau, zugleich Mitgründer des Unternehmens, gefragt, welche Erwartungen er für das laufende und kommende Jahr hat.

Interview Nanogate AG

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financial.de: Herr Zastrau, Nanogate hat angekündigt, erstmals eine Dividende zu zahlen. Woher resultiert der starke Ergebniszuwachs im abgelaufenen Geschäftsjahr? Ralf Zastrau: Wir blicken erneut auf einen Rekordumsatz zurück, der 2012 um rund 15 Prozent gestiegen ist. Viel wichtiger für uns: Die Profitabilität hat sich erheblich stärker verbessert, so dass sich unser EBITDA um gut 60 Prozent erhöht hat. Der Ergebniszuwachs resultiert aus einem optimierten Produkt- und

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Auftragsmix sowie der Fixkostendegression. Auch der gestiegene operative Cashflow bestätigt die gute Entwicklung. Operativ, finanziell und strategisch war Nanogate noch nie so gut aufgestellt wie heute.

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financial.de: Für ein Wachstums- und Technologieunternehmen wie Nanogate kommt der Dividendenvorschlag dennoch überraschend? Ralf Zastrau: Nanogate möchte erstmals die Aktionäre am Unternehmenserfolg beteiligen und ihnen für ihr Vertrauen danken. Daher möchten wir einen kleinen Betrag des Jahresergebnisses der Nanogate AG an die Anleger ausschütten. Der Vorschlag für eine Dividendenzahlung erfolgt aufgrund der guten operativen Entwicklung der Gesellschaften im Nanogate-Konzern, des Beteiligungsergebnisses der Nanogate AG, also dem HGB-Einzelabschluss, und der guten Geschäftsaussichten. Mit dieser vorsichtigen Dividendenpolitik gewährleisten wir, dass die Finanzkraft gewahrt wird, um den geplanten Wachstumskurs zu finanzieren – und wir dennoch Aktionäre am Gewinn beteiligen können. financial.de: Sie haben im März den größten Auftrag der Firmengeschichte gemeldet. Wie läuft die Umsetzung? Und wie hoch ist das Auftragsvolumen genau? Ralf Zastrau: Ja, es ist alles so eingetroffen, wie wir es erwartet haben: Wir konnten Anfang März 2013 die Umsetzung des größten Auftrages in der Firmengeschichte von Nanogate mit einem Volumen im zweistelligen Millionenbereich melden. Und wir sind zuversichtlich, dass wir allein 2013 Bauteile für einen siebenstelligen Betrage ausliefern können. Außerdem haben wir das hohe technische Anforderungsprofil mit der „Klavierlackoptik“ schnell im Griff gehabt. Die hohe Qualität der gelieferten Teile für einen führenden Autohersteller aus der Premiumklasse bestätigt damit auch unseren Wettbewerbsvorsprung. Unsere Technologie steht dafür, dass Kunststoffbauteile jahrelang gegen Kratzer und Umwelteinflüsse geschützt sind. financial.de: Der Auftrag stammt ja aus ihrem strategischen Wachstumsfeld innovative Kunststoffe/Glazing. Sind weitere Aufträge absehbar? Ralf Zastrau: Kunststoff-Oberflächen mit glasähnlichen Eigenschaften sind gerade bei Automobilherstellern stark nachgefragt. Es geht sowohl um neue Designs als auch um Gewichtsersparnis. Wir stehen derzeit mit zahlreichen Herstellern

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und Zulieferern in Kontakt. Mit unserem Kompetenzzentrum für Entwicklung, Produktion und Veredelung, das derzeit errichtet wird, sind wir optimal aufgestellt, um erheblich von der erwarteten Nachfrage zu profitieren.

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financial.de: Neben dem Bereich innovative Kunststoffe setzen Sie verstärkt auf Energieeffizienz-Systeme. Bitte geben Sie uns einen Einblick, wie Sie vorankommen? Ralf Zastrau: Wir haben Mitte Mai gemeldet, dass mit dem Heizungsspezialisten August Brötje künftig ein weiterer namhafter und weltweit agierender Hersteller auf unsere Technologie setzt. Bereits im März hatte ein wichtiger Kunde auf der Branchenleitmesse ISH in Frankfurt/Main eine neue Generation von Wärmetauschern vorgestellt, die mit Know-how von Nanogate veredelt sind. Unsere Technologie bietet zahlreichen Vorteile: Sie sorgt dafür, dass der Wirkungsgrad des von uns veredelten Wärmetauschers über lange Zeit konstant bleibt und dass sich die Lebensdauer deutlich verlängert. Die Beschichtung verhindert, dass in herkömmlichen Systemen Abgaskondensate die Heizungsanlage verschmutzen. Dies ist jetzt der zweite Auftrag dieser Art und unterstreicht unsere führende Bedeutung in diesem Produktsegment. Der Energieverbrauch für Wärme und Warmwasser gerät zunehmend in den Fokus, und wir sind überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren deutlich steigende Stückzahlen liefern werden.

In der Syntheseanlage werden Beschichtungsmaterialien für unterschiedliche Anwendungszwecke hergestellt

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financial.de: Nanogate hatte schon vor geraumer Zeit angekündigt, gerade auch international wachsen zu wollen. Wann kommt der erste Standort außerhalb von Mitteleuropa? Ralf Zastrau: Der Konzern erwirtschaftet heute bereits nahezu die Hälfte des Umsatzes im Ausland. Und mit unserer niederländischen 100-Prozent-Beteiligung Eurogard haben wir ein erstes Standbein außerhalb Deutschlands. Abhängig von der Nachfrage unserer Kunden werden wir prüfen, wann eine Produktion in Asien oder Nordamerika Sinn macht. financial.de: Sie haben für 2013 ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich prognostiziert. Was genau können Anleger erwarten? Ralf Zastrau: Dank der guten Nachfrage und einer wachsenden Auftragsbasis sowie der Erstkonsolidierung der Plastic-Design GmbH erwartet Nanogate im laufenden Jahr einen erneuten Umsatzanstieg im zweistelligen Prozentbereich. Für die Umsetzung der geplanten Wachstumsstrategie und der eingegangenen Aufträge sind jedoch weitere erhebliche Investitionen nötig, beispielsweise für den Aufbau des Kompetenzzentrums für den neuen Anwendungsbereich Glazing samt der dazugehörigen Markterschließungskosten sowie Integrationskosten. Trotz dieser Belastungen erwartet Nanogate ein nahezu stabiles operatives Ergebnis (EBITDA). financial.de: Sie haben in den vergangenen Jahren jeweils ein Unternehmen erworben. Wann folgt die nächste Übernahme? Ralf Zastrau: Aktuell integrieren wir Plastic-Design in den Konzern. Das Unternehmen passt hervorragend zu Nanogate. Wir ergänzen uns bei Technologieund Anwendungsportfolio sowie Kundenstruktur ideal. Nanogate ist bereits im Glazing-Markt mit Beschichtungen aktiv – jetzt verfügen wir auch über eigene Kompetenzen und Kapazitäten für die integrierte Kunststoffverarbeitung. Wie der Erfolg der Beteiligungen GfO und Eurogard bei Produkten und Technologien als auch bei der wirtschaftlichen Entwicklung zeigen, kann Nanogate pro Jahr eine neue Beteiligung gut managen. Unser Kompass für externes Wachstum ist unverändert gültig: Die vier Kriterien Preis, Rendite, Marktstellung und Integrationszeit müssen uns überzeugen. Nur dann werden wir neue Beteiligungen oder Joint-Ventures eingehen.

Die Abgasrückführventile werden mit einer Antihaftschicht gegen klebrige Abgaskondensate beschichtet, um die Funktionsfähigkeit des Ventils zu gewährleisten und zu einer optimalen Leistung des Motors beizutragen

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financial.de: Der Aktienkurs notiert nach dem starken Anstieg um knapp 50 Prozent innerhalb der letzten 12 Monate bei rund 25 Euro. Warum soll ein Anleger jetzt noch einsteigen? Ralf Zastrau: Die Bewertung der Nanogate AG erfolgt durch den Kapitalmarkt. Mein Fokus liegt darin, unsere geplante Strategie umzusetzen, die Kundenund Kooperationsbasis auszubauen und mit unseren Lösungen einen Mehrwert für die Produkte unserer Kunden zu generieren. Ich bin optimistisch, dass wir die anstehenden Aufgaben erfolgreich meistern. Das Unternehmen dürfte dann im Vergleich zur Branche eine gute Entwicklung nehmen. Wir decken die gesamte Wertschöpfungskette von der Veredelung von Hochleistungsoberflächen ab: von der Werkstoffentwicklung über die Prozessintegration bis zur Serienproduktion. Unser Ergebnis im Jahr 2012 mit exzellenten operativen Resultaten bestätigt dies. Nanogate erzielt ein positives Ergebnis, möchte eine Dividende ausschütten, will weiter zweistellig wachsen und hat mehrere hundert Anwendungen in der Serienproduktion umgesetzt. Zugleich liegt die Auftragsbasis konzernweit im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Aktuell empfehlen drei Analysten die Nanogate-Aktie zum Kauf, mit Kurszielen von 29 bis 32 Euro. financial.de: Besten Dank für das Interview.

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das Interview wurde von financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.

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