Page 44

Der Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit - inside Seit gut zwei Jahren gibt es ihn nun an unserer Schule – den Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit. Aber was genau macht er und wozu ist dieser Kreis eigentlich gut? Unter „Öffentlichkeitsarbeit“ kann sich ja eigentlich jeder etwas vorstellen - aber vermutlich stellen sich auch verschiedene Menschen verschiedene Sachen vor. Die einen meinen, hier gehe es um die Platzierung schöner Artikel über die Schule in der Tagespresse, andere denken eher an Werbung und ein Dritter denkt vielleicht, dass es darum gehe, Plakate schön zu gestalteten und an möglichst vielen Stellen zu verteilen. Nun, all das ist Teil der Arbeit eines Kreises für Öffentlichkeitsarbeit, aber insgesamt geht es beim Thema „Öffentlichkeitsarbeit“ noch um mehr. Das Wesen der Öffentlichkeitsarbeit erschließt sich über die Betrachtung von Kommunikation. Menschen stehen in ihrer sozialen Umwelt dauernd im Kontakt mit anderen und kommunizieren miteinander. Auch wenn man sich „nichts zu sagen hat“ so passiert doch schon durch die gegenseitige Wahrnehmung eine ganze Menge „Kommunikation“. Man kann eben „nicht nicht kommunizieren“ wie Paul Watzlawick * feststellte (und in ähnlicher Form auch schon andere vor ihm). Kommunikation ist also mehr als reden – es ist wahrnehmen, interagieren und (manchmal) auch schweigen. Kennt Ihr das? Da sind neue Eltern in der Klasse und stellen sich beim Elternabend vor. Sie haben vielleicht nicht viel gesagt, aber man weiß (oder glaubt zu wissen) schon eine ganze Menge von ihnen. Aussehen, Kleidung, Stimme, Tonlage, Sprache, Dialekt, Diktion, Betonung (um nur ein paar Aspekte zu nennen) werden mehr oder weniger bewusst von uns wahrgenommen und interpretiert und „sprechen“ zu uns. Kommunikationsprozesse sind Vorgänge zwischen einem „Sender“ und einem „Empfänger“. Zunächst vereinfacht gesagt: Irgendjemand hat eine Botschaft für einen anderen, diese wird wahrgenommen, interpretiert, irgendwann ist sie angekommen. Dann gibt es meistens wieder eine Botschaft, die den umgekehrten Weg geht (Empfänger wird zu Sender und umgekehrt) und so weiter. Berücksichtigt man alles, was dabei eine Rolle spielt, von der Beziehung der Kommunizierenden zueinander über die Art und Weise der Botschaft bis hin zum Kontext, wird das Ganze eine ziemlich komplizierte Angelegenheit (und manchmal auch schwierig – das kennen wir ja alle, insbesondere aus dem Umgang mit unseren heranwachsenden Kindern...). So wie es den Menschen geht, geht es im Prinzip auch Institutionen und Organisationen. Auch sie stehen in einem Umfeld und dort sozusagen „in Kommunikation“ mit

anderen. Genauso wie eine Einzelperson kann eine Schule einen „Ruf“ haben (oder ein „Image“, wie man das in der Werbung nennt). Unsere Schule steht als Institution in vielen verschiedenen Beziehungen zu anderen Institutionen, zu Eltern, zu Behörden usw. Alle diese Beziehungen kann man unter dem Aspekt der Kommunikation betrachten. Manche dieser Kommunikationsvorgänge sind bewusst, andere nicht. Aufgabe einer institutionalisierten Öffentlichkeitsarbeit wie einem Arbeitskreis ist es nun, diese Kommunikation anzuschauen und sie, wenn möglich, im Sinne dessen, was die Schule wirklich zu sagen hat, zu steuern. Das hört sich jetzt erst einmal etwas manipulativ an, dieses Wort „steuern“. Sicher haben wir alle das auch schon oft genug erlebt, die manipulative Kommunikation: Da wird etwas versprochen, um uns zu beeinflussen und dann nicht gehalten. Oder wir werden überredet und tun etwas, hinter dem wir nicht stehen. „Steuern“ kann aber auch bedeuten: Man versucht das, was man zu sagen hat, in Einklang zu bringen mit dem, was man ist, was man wirklich meint, es in die richtigen Kanäle zu leiten und in den richtigen Zusammenhang zu bringen. So versteht sich die Arbeit unseres Arbeitskreises für Öffentlichkeitsarbeit, des „AKÖ“. Wir möchten die Kommunikation unserer Schule, verstanden als Schulgemeinschaft, mit ihrem Umfeld und allen an ihr Interessierten bewusst anschauen und steuern – um Vorurteile abzubauen, um Menschen für uns zu interessieren und um die richtigen Informationen zu verbreiten. Schauen wir unsere Schule an, so haben wir da gleich mehrere Öffentlichkeiten, an die man sich richten muss, es gibt also mehrere „Baustellen“ an denen gearbeitet wird. Dazu kommen mehrere Kanäle, über die gesendet wird, angefangen von der persönlichen Kommunikation mit allen Lehrern, Angestellten, Eltern und Schülern über die Gestaltung von Broschüren und Plakaten bis hin zu Website und Facebook. Um diese Arbeit möglichst wahrhaftig, einheitlich und koordiniert zu gestalten, haben wir im letzten Jahr eine Kommunikationsstrategie erarbeitet und gemeinsam mit dem Ressort Schulentwicklung weiterentwickelt. Eine Kommunikationsstrategie legt in groben Zügen fest, welche Arten von Botschaften man mit welchen Absichten gezielt vermitteln will, also kurz „Wer sind wir, was wollen wir und wie wollen wir gesehen werden?“ Anfang Juni haben wir dieses Konzept der Schulgemeinschaft vorgestellt und es gemeinsam diskutiert. Es wird nun weiter überarbeitet und steht am Beginn eines dynamischen Prozesses der Kommunikation mit allen unseren „Emp-

* Bekannter österr.-amerik. Kommunikationswissenschaftler (1921-2007)

44

Profile for Udo Wortmann

Midri/Triangel Sommer 2014  

Zeitschrift zur Waldorfpädagogik in Hagen

Midri/Triangel Sommer 2014  

Zeitschrift zur Waldorfpädagogik in Hagen

Advertisement