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Wenn auch Andreas Neider live ganz interessant ist, KANN man aber alternativ auch das eine oder andere Buch lesen! - Johannes Greiner MUSS man sehen! Wenn also jemals wieder die Gelegenheit kommt: Unbedingt hingehen! Das hat mehrere Gründe. Zu Johannes Greiner gibt es so gut wie keine Bücher. Ich habe jedenfalls keines gefunden. Er sagte mir, dass er wenig schreibt, vielleicht mal einen Beitrag in einer Zeitschrift. Ansonsten ist er wohl mit Leib und Seele Lehrer. Der kann alles: Musik, Eurythmie, Philosophie, Geschichte. Und ebenso viele Perspektiven kann er auch bespielen. Das hilft ihm interessant zu sein. Uns hilft es, dass wir alle sehr gespannt zuhören. Johannes Greiner spricht Menschen sowohl auf der Ebene des Verstandes, als auch auf emotionaler Ebene an. Er erreicht mich. Offenbar hat er auch die Schüler sehr gut erreicht, wie mir zugetragen wurde. Greiner geht mit dem Laptop ins Bett. Er verbringt Stunde um Stunde damit bis weit nach Mitternacht, weil er sich im Internet verliert. Hört, hört. Das macht ihn authentisch und stellt sicher, dass er, obwohl er es besser wissen müsste, genauso undiszipliniert Medien konsumiert wie wahrscheinlich einige von uns Eltern, Lehrern oder Schü-

lern. Aber er scheint die potentiellen Gefahren deuten zu können. Er ist Jahrgang 1975 – habe ich gegoogelt. Er hat also eine internetfreie Kindheit erlebt. Für die Anthroposophen gibt es ja diese sieben Jahresabschnitte. Er wird also drei von diesen Abschnitten ohne Internet erlebt haben. Das trifft auf uns Eltern, Lehrer in etwa ähnlicher Weise zu. Nicht auf unsere Kinder. Unsere Kinder wachsen im Internetzeitalter auf und sind damit einer ganz anderen Prägung ausgesetzt. Einer realen Gefährdung? Er sagt ja. Sein Denkbild geht davon aus, dass wir durch die Nutzung intelligenter Technik viele Teile unseres Körpers nicht mehr brauchen (werden). Wir verkümmern. In seinem Bild verlieren wir Arme, Beine den Kopf, das Gehirn, also das Denken (Ich verzichte der Einfachheit halber in diesem Zusammenhang darauf, dass das Denken dezentral funktioniert. Siehe Neider oder Horst Grineisen sprach ebenfalls schon darüber). Fast alles wird durch Technik und Logistik ersetzt. Praktisch brauchen wir das Haus nicht mehr zu verlassen. Wie auch? Ohne Arme, Beine und Kopf. Das Herz verlieren wir ebenfalls über soziale Netzwerke, wie Facebook. Freunde, die real keine sind. Anerkennung, die wir real vielleicht nicht erhalten, holen wir uns dort – aber auch nur scheinbar. Eine ganz interessante These, die seine Ausführungen stützt: Er sagt heute ist die Information breit und tief verfügbar. Jeder kann einfach alles an Information heranschaffen, was das Internet hergibt. Es braucht nur ein Smartphone. Die nächste Stufe wäre das Wissen, nach meiner Interpretation eine intelligente Verknüpfung von Informationen und eigenen (!) Erfahrungen. Darüber die Weisheit, wieder frei interpretiert die Schaffung neuen Wissens und Informationen. Alles in allem ein Reifeprozess der mitunter Jahre dauern muss. Wissen und vor allem Weisheit sind Greiners Ansicht nach heute immer weniger Menschen verfügbar. Vor allem deshalb, weil alle glauben, was sie im Internet finden sei absolut wahr, sich aber vor allem nicht mehr in ausreichender Tiefe mit Themen beschäftigen, um dann echtes Expertenwissen oder gar Weisheit zu erlangen, um wirklich zwischen Wahr oder Falsch unterscheiden zu können. Und dafür brauchen wir eben den ganzen Körper mit dem gesamten Spektrum seiner Fähigkeiten. Nicht nur den Kopf und einen Finger, der ein Smartphone streichelt. Spätestens jetzt dürfte allen klar sein, warum sowohl Andreas Neider als auch Johannes Greiner sich mit Recht dieser Entwicklung entgegenstellen wollen. Beide haben verschiedene Grundgedanken als Gegengewicht zu Internet, Social Media, Smartphone & Co. Es ist immer irgendetwas dazwischen, immer ein einerseits-andererseits. Und

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Profile for Udo Wortmann

Midri/Triangel Sommer 2014  

Zeitschrift zur Waldorfpädagogik in Hagen

Midri/Triangel Sommer 2014  

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