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Neue Medien, Smartphone, Internet und Co. Eine praktische Beschäftigungsalternative für Kinder oder Räuber der Lebenskraft? Reflexion, Kommentar und Handreichung zu den Gastvorträgen von Andreas Neider & Johannes Greiner „Zwischen Mediensucht und Medienflucht“ Im März des Jubiläumsjahres 2014 durften wir gleich zwei hochkarätige Anthroposophen bei uns an der Rudolf-Steiner-Schule Hagen begrüßen. Die Gastvorträge wurden im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe im Jubiläumsjahr gehalten. Beide im Wesentlichen zum Thema NEUE MEDIEN, Smartphone, Internet, Facebook & Co. Inkarnation und andere anthroposophische Themen sind mir (noch) fremd. Ich bin auch kein Philosoph oder in diese Richtung ausgebildet. Ich denke, dass sind die wenigsten Eltern an dieser Schule. Ich glaube auch nicht an Homöopathie und dennoch hilft sie mir (meistens). Wer heilt hat Recht. Was ich damit sagen will ist: Impulse für das eigene Leben erhalten wir oft durch Themen oder Dinge, von denen wir vielleicht erst einmal denken würden, dass wir mit ihnen überhaupt nichts anfangen können. Die wichtigste Eigenschaft, die man dafür braucht, ist Neugier. Von Natur aus neugierig, bin ich dann auch völlig unvoreingenommen in die Gastvorträge von Andreas Neider und Johannes Greiner gegangen. Und es hat sich gelohnt. Was ich bekam waren sehr gut formulierte Perspektivwechsel, aus der Sicht von Anthroposophen. Andreas Neider hat unter anderem die Bücher „Aufmerksamkeitsdefizite“ und „Der Mensch zwischen Über- und

Unternatur“ veröffentlicht. In seinem Gastvortrag bezieht er sich auch mehr oder weniger auf essentielle Inhalte der o.g. Bücher. Er beschäftigt sich im Kern mit der Frage, welche Einflüsse die neuen Medien, allen voran Smartphone und Internet, auf uns, aber vor allem auf unsere Kinder und damit die Gesellschaft haben. Und das es auf jeden Fall schädlich ist. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber Neider erreicht mich in seinem Vortrag zwar auf der Vernunftebene, nicht jedoch emotional. Alles sehr theoretisch. Ich habe allein schon für diesen Artikel, den ich hier schreibe, einige von Neiders Büchern gelesen, um mich ernsthaft genug mit dem Thema zu beschäftigten. Ich wage also einen Versuch, um zu verstehen worum es so wichtigen Impulsgebern (für die Anthroposophie), wie Andreas Neider einer ist, eigentlich geht. Eine kleine Exkursion: In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre eroberte ein kleines Ei-förmiges Elektronikspielzeug aus Asien den europäischen Markt. Tamagotchi. Sinn war es dieses Elektro-Ei lieb zu haben, es zu füttern, es „am Leben“ zu halten. Tat man das nicht „starb“ das Ei. Ein Riesenerfolg damals. Was hat eigentlich die Anthroposophie dazu gesagt? Aber das ist ein anderes Thema. Heute gibt es Smartphones. Das sind „intelligente“ Telefone mit denen man sehr viele Geräte in einem hat. Smartphones sind so gestaltet, dass man sie z.B. streicheln muss, um mit ihnen zu interagieren. Wenn man das nicht tut, sterben sie natürlich nicht. Aber das ist schon ziemlich gut gemacht. Und perfide zu gleich. Streicheln würde man ja definitiv in einem anderen Kontext erwarten, nämlich in zwischenmenschlichen Beziehungen und nicht, um elektronische Geräte zu bedienen. Vor allem wenn solche Technik auf Kinder und Jugendliche trifft, bekommen diese Geräte durch die Streicheleinheiten einen ungerechtfertigt hohen Stellenwert. Emotion plus Technik. Hier kann ich Andreas Neider sehr gut folgen. Das ganze Internet, die Games (Elektronische Spiele) – alles ist so verführerisch, dass wir in den Bann gezogen werden. Auch und gerade weil die Freunde spielen, wollen wir es auch. Das Internet, Spiele und Social Media raubt

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Profile for Udo Wortmann

Midri/Triangel Sommer 2014  

Zeitschrift zur Waldorfpädagogik in Hagen

Midri/Triangel Sommer 2014  

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