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Raku - ein hochprozentiges Getränk..., eine fernöstliche Kampfsportart..., ein japanisches Versmaß...? Nein, nichts von alledem ist richtig, außer der geografischen Richtung. Raku ist eine japanische Brenntechnik, in der die Schalen für die Teezeremonie gebrannt werden und die die Kunstkeramik des Westens in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts für sich entdeckt hat. Ich habe Raku während meiner Ausbildung zur Keramikerin vor etwa zwanzig Jahren kennengelernt und solange begleitet und fasziniert es mich schon. Ein Rakuofen kostet viel Geld. Man kann ihn selbst bauen, aber das macht ihn nur unerheblich günstiger. Und er braucht Platz, etwas womit die Hagener Schule nicht unbedingt gesegnet ist. Vor etwa 13 Jahren hatte ich mir schon einmal ein selbstgebautes Exemplar ausgeliehen und mit der damaligen Klasse 9 einen Brand gemacht. Ein solcher dauert in der Regel annähernd drei Stunden und wird befeuert von zwei Gasflaschen. Eigentlich nicht ängstlich, beschlich mich bei der Kombination von Flaschen und Schülern zwischendurch ein mulmiges Gefühl. Und so blieb der Rakubrand über die Jahre in meinem Hinterkopf, nahm dort Raum ein, schlich sich ab und zu ins Tagesbewußtsein. Vor etwa einem Jahr hörte ich von einem Schweizer Keramiker, der in Seminaren zeigt, wie man einen kleinen Rakuofen aus einem Ikea-Mülleimer baut. Es passen drei bis vier Stücke in den Ofen und ein Brand dauert etwa 20 Minuten. Befeuert wird er mit Anmachholz.

Klein-Engelen entstand ein zweiter. Schon wenig später, in der Projektwoche zum Basar bot sich die Möglichkeit, beide Öfen einzuweihen. Mit einer Anzahl von Schülern aus den Klassen 6, 7 und 8 fertigten wir allerlei schöne Dinge aus einem grobschamottierten Ton, die dann in unserem Elektroofen vorgebrannt, geschrüht wurden. Mit einer speziellen Glasur wurden sie glasiert, wobei ein Teil des jeweiligen Stückes frei von Glasur blieb. Nun konnte das kleine Abenteuer beginnen. Die Öfen wurden gefüllt, und das Anmachholz in der kleinen Kammer angezündet. Zwischendurch immer wieder der gespannte kurze Blick in den Ofen. Nach etwa einer halben Stunde war die Glasur geschmolzen und unsere Öfen hatten die stolzen 1000 Grad erreicht, die dafür nötig sind. Der Deckel wurde geöffnet und mit einer Zange das erste noch glühende Stück herausgeholt und zügig aber ruhig in einen weiteren Metalleimer, der mit Sägespänen bereits gefüllt war, gelegt. Flinke Hände deckten das Gefäß mit Säge-

Sie ahnen vielleicht meine Gedanken. Wenn ich jemals etwas gehört habe, das für Kinder im handwerklichen Bereich gut geeignet ist, dann das. Ich meldete mich sofort zu einem dieser Seminare im Westerwald an und ergatterte einen der 12 sehr begehrten Plätze. Anfang Oktober baute ich dann den Ofen, brachte den Prototypen mit nach Hagen und unter Mithilfe von Herrn

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Profile for Udo Wortmann

Midri/Triangel Sommer 2014  

Zeitschrift zur Waldorfpädagogik in Hagen

Midri/Triangel Sommer 2014  

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