Page 28

Was macht die Kamera denn da? Ein Filmprojekt an unserer Schule

Am Ende des Schuljahres 2012/13 hatte ich die Möglichkeit, mit der damaligen elften Klasse und Herrn Cengiz ein Filmprojekt durchzuführen, in dem die Schülerinnen und Schüler ihre Schule vorstellten. Das Schulvideo, welches nach minimaler Anleitung selbstständig von der Klasse über vier Wochen erstellt wurde, war auf der EurythmieMonatsfeier zu bewundern und hatte dort großen Anklang gefunden. Momentan laufen noch die letzten Vorbereitungen, um das Video veröffentlichen zu können. Besonders beeindruckend fand ich, wie wenig sich die Waldis von der harten Realität des Filmemachens haben abschrecken lassen. Denn einen Film zu produzieren, das sieht erst einmal sehr einfach aus, ist aber nicht nur anstrengend, sondern streckenweise unglaublich monoton und frustrierend. Und auch wenn das bestimmt kein motivierender Einstieg für einen Leser ist, will ich in diesem Artikel die Entstehung des Schulvideos als Beispiel für die Arbeit einer Schulfilmgruppe skizzieren. Zunächst einmal kann man nicht einfach mit der Kamera los rennen und Zeug filmen, solange man nicht ein ausgesprochenes Naturtalent ist und eine Horde williger Mitläufer im Schlepptau hat. Zuerst müssen die rechtlichen Grundlagen gelernt werden. Die Schüler haben in dem Projekt beispielsweise an alle Schüler Briefe für die Eltern verteilen müssen, in denen um eine Drehgenehmigung gebeten wurde, ohne die das Kind sonst nicht im Video erscheinen kann. Bis zur Fertigstellung des Videos lagen schon viele, jedoch bei Weitem nicht alle Briefe unterschrieben vor. Bis heute fehlen immer noch zahlreiche Rückmeldungen. Und Musik ist da auch ein sehr heikles

Thema. Letztlich entschieden sich die Schüler, für das Projekt die Musik ganz selbst zu komponieren. Man weiß ja nie, was so ein Anwalt in einen verdächtigen Akkord interpretieren kann. In der Planungsphase muss sich das Team über die Inhalte des Films einigen. Es fängt schon bei einer grundlegenden Diskussion an. Die Vorgabe ist zum Beispiel, ein Video über die Schule zu machen, aber was soll gezeigt werden? Was macht unsere Schule aus? Wie wollen wir das überhaupt darstellen? Soll es ein witziger Film werden? Eine sachliche Dokumentation vielleicht? Ein Stummfilm? Sollen wir auch kritische Punkte einbringen, oder lieber ganz kräftig der Schule den Bauch pinseln? Die Überlebenden dieser ersten Phase müssen sich dann einig werden, wer welche Rolle übernimmt. Die erste wichtige Gruppe sind die Scripter, also die Schüler, die ein so genanntes Storyboard erstellen, auf dem wie in einem Cartoon verschiedene Szenarien aufgemalt sind. Daneben steht dann eine Liste mit Filmdetails. Kamerawinkel, Entfernung, Bewegung, Sprechspur, also was von wem wie wann gesagt werden soll, Effekte, Musik und so weiter. Das Schwierigste daran ist, dass am Ende alles stimmig sein muss und dass der Inhalt mit den Vereinbarungen der Gruppe übereinstimmt. Mit dem Script können sich dann auch die Kameraleute in Bewegung setzen. Das klingt nach Spaß, aber wer etwa dreißig Mal ein Schulgebäude aus verschiedenen Winkeln mit einer Vielzahl von Distanzeinstellungen gefilmt hat, oder wer auf einen Schulausflug mitfährt und den ganzen

28

Profile for Udo Wortmann

Midri/Triangel Sommer 2014  

Zeitschrift zur Waldorfpädagogik in Hagen

Midri/Triangel Sommer 2014  

Zeitschrift zur Waldorfpädagogik in Hagen

Advertisement