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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Gegenwart Editionen Geschichte Kulturwissenschaften Wissenschaftsgeschichte Über Literatur


Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Inhalt

Gegenwart

Kulturwissenschaften

3 Adolf Muschg  Vergessen wir Europa? 4 Trude Simonsohn  Noch ein Glück 6 Alfred Bodenheimer  Haut ab! 7 Schwarzbuch Rassismus 8 Vademekum der Inspirationsmittel 9 Luise F. Pusch  Die dominante Kuh

Editionen

10 Horst Bienek Workuta 12 Joseph Breitbach  Das blaue Bidet oder Das eigentliche Leben 13 Ludwig Greve  Autobiographische Schriften und Briefe 14 Federico García Lorca Prosa 15 Hedwig Pringsheim Tagebücher 16 Hedwig Pringsheim  Mein Nachrichtendienst 18 Max Brod Jüdinnen 19 Max Brod  Arnold Beer 20 Eduard Berend und Heinrich Meyer Briefwechsel 21 Hugo und Gerty von Hofmannsthal – Hermann Bahr Briefwechsel 1891 –1934 22 Stefan George / Stéphane Mallarmé  Briefwechsel und Übertragungen 23 Jean Paul  Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch 24 »Es schläft ein Lied in allen Dingen …« 25 Adolph Freiherr Knigge und seine Tochter Philippine 26 Barthold Heinrich Brockes  Irdisches Vergnügen in Gott 27 »Der gefesselte Wald«

Geschichte 28 Michel Fliecx  Vom Vergehen der Hoffnung 29 Sowjetische Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz 1941 – 1945 30 Gerrit Hohendorf  Der Tod als Erlösung vom Leiden 31 Andrea Wiegeshoff  »Wir müssen alle etwas umlernen« 32 Thomas Tetzner  Der kollektive Gott 33 Gerhard Paul BilderMACHT 34 Fotografien im 20. Jahrhundert 35 Andreas Kötzing  Kultur- und Filmpolitik im Kalten Krieg 36 Generation und Erwartung 37 Lu Seegers  »Vati blieb im Krieg« 38 Ute Frevert  Vergängliche Gefühle 39 Luca Giuliani  Possenspiel mit tragischem Helden 40 Stefanie Fischer  Ökonomisches Vertrauen und anti­ semitische Gewalt 41 Heiko Morisse  Ausgrenzung und Verfolgung der Hamburger jüdischen Juristen im Nationalsozialismus 42 Sport als Element des Kulturtransfers 43 Daniel Stahl Nazi-Jagd 44 Ulrike Schulz  Simson 45 Christian Marx  Paul Reusch und die Gutehoffnungshütte 46 Freilegungen 47 Deutsche(s) in Palästina und Israel 48 Harold James  Finanzmarkt macht Geschichte 49 Lothar Graf zu Dohna  Die Dohnas und ihre Häuser

50 Dagmar Herzog  Paradoxien der sexuellen Liberalisierung 51 Andreas Kraß  »Meine erste Geliebte« 52 Epoche und Projekt 53 Rousseau und die Moderne 54 Salomon Heine in Hamburg – Geschäft und Gemeinsinn 55 Unter dem roten Wunderschirm 56 »Thue ein Häferl Wein …« – Das Kochbuch der Eva König 57 Prophet des Neuen Stil 58 Album 60 Kollektiver Rechtsbruch – Gefahr für unsere Freiheit

Wissenschaftsgeschichte 61 Christian Holtorf  Der erste Draht zur Neuen Welt 62 Tradition – Autonomie – Innovation 63 Michael Eckert  Arnold Sommerfeld 64 Sandra Janßen Phantasmen

Über Literatur 65 Inseln des Eigensinns 66 Thorsten Carstensen  Romanisches Erzählen 67 Roland Berbig  Am Rande der Welt 68 Caroline Pross Dekadenz 69 Britta Korkowsky  Selbstverortung ohne Ort 70 Jan Stottmeister  Der George-Kreis und die Theosophie 71 Gerd Eversberg  Das Marionettenspiel vom Doktor Faust 72 Sven-Aage Jørgensen  Querdenker der Aufklärung 73 Literaturarchiv – Literarisches Archiv 74 Gattungs-Wissen 75 Günther Rüther  Literatur und Politik

Periodica 76 Das achtzehnte Jahrhundert 76 Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 2012 76 Jahrbuch der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 2012 77 Bayerische Akademie der Schönen Künste 77 Havi Dreifuss  Changing Perspectives on PolishJewish Relations During the Holocaust 77 Der Provinzlärm und Die Aufgabe, Flügel zu schaffen

Ausgezeichnete Literatur 78 Kurt-Wolff-Preis 2013 – Kurt-Wolff-Paket 79 Autoren des Kurt Wolff Verlags bei Wallstein Rückschau 78 Erfolgreiche Titel aus dem Herbstprogramm 2012

Die angegebenen österreichischen Euro­preise sind die Letztverkaufs­ mindest­preise der österreichischen Auslieferung.


Gegenwart

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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Adolf Muschg Vergessen wir Europa? Eine Gegenrede Ist der EU durch den Friedensnobelpreis noch zu helfen? Der Schweizer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler blickt auf die Wurzeln der Demokratie.

adolf Muschg Vergessen wir Europa? Eine Gegenrede

Adolf Muschg Vergessen wir Europa? Eine Gegenrede Göttinger Sudelblätter. Begründet von Heinz Ludwig Arnold. Herausgegeben von Thorsten Ahrend und Thedel v. Wallmoden 40 S., engl. brosch. € 9,90 (D); € 10,20 (A) ISBN 978-3-8353-1269-2 Januar   WG 1118

Wa llst ei n

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 3. Oktober 2012 forderte Adolf Muschg in Hinblick auf die europäische Finanz- und Schuldenkrise eine gemeinsame europäische Politik. Der Schweizer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler kritisiert Geiz und Gier als die Grundlagen des aktuellen globalisierten Marktes und wünscht sich »eine Wende wie 1989«. Mit funkelnder Rhetorik verurteilt Muschg blindes Wirtschaftswachstum als »Vorspiel apokalyptischer Verteilungskämpfe« und mahnt, dass Europa mehr auf das Kapital seiner Geschichte zurückgreifen müsste: die Entstehung der Demokratie im klassischen Griechenland. Unter Rückgriff auf das Neue Testament und auf Jacob Burckardts politische Ideen plädiert Adolf Muschg für eine Europäische Idee, bei der die Partner über radikal-ökonomisches Denken hinaus füreinander einstehen. Kurz nach seiner Rede wurde der Europäischen Union der Friedensnobelpreis zugesprochen, und so gewinnt Muschgs vielbeachtete Rede, die hier in leicht aktualisierter Form erscheint, weitere Bedeutung.

Der Autor Adolf Muschg, geb. 1934, war bis 1999 Professor für deutsche Sprache und Literatur an der ETH Zürich und ist einer der bedeutendsten Schrift­steller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Präsident der Akademie der Künste Berlin (2003 – 2005); Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Im Wallstein Verlag erschienen Freiheit, ach Freiheit … Vereintes Europa – geteiltes Gedächtnis, hg. von Zsuzsa Breier und Adolf Muschg (2011)

auch als E-Book erhältlich


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Gegenwart

Die Erinnerungen der ›Über­ lebenden‹, heute 90-jährigen Trude Simonsohn. Rückschau, Bilanz und Blick nach vorn.

Trude Simonsohn Noch ein Glück Erinnerungen

Trude Simonsohn geb. 1921 im mährischen Olmütz, besuchte die tschechische Grundschule und das deutsche Gymnasium. 1942 Verhaftung, Ghetto Theresienstadt, Deportation nach Auschwitz, 1945 Befreiung aus einem Außenlager des Konzentrationslagers Groß-Rosen. Seit 1955 lebt Trude Simonsohn in Frankfurt. 1993 erhielt sie die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt, 1996 die Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen; 2010 wurde sie mit dem Ignaz-Bubis-Preis für Verständigung gewürdigt. Elisabeth Abendroth geb. 1947, lebt seit 1978 in Frankfurt. Als Sozialwissenschaftlerin arbeitete sie u. a. im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt in der HistorikerKoordination. Forschungsschwerpunkt: Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

auch als E-Book erhältlich

Seit Jahrzehnten erzählt die in Frankfurt lebende Trude Simonsohn in Schulen, Institutionen und kulturellen Vereinen aus ihrem Leben, das sie zu einer Zeugin der großen politischen Verwerfungen im zwanzigsten Jahrhundert werden ließ. 1921 in Olmütz geboren, wuchs sie zweisprachig auf, besuchte das deutsche Gymnasium, durfte aber nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht und der Annexion der Tschechoslowakei als Jüdin keine Berufsausbildung absolvieren. Sie verlor ihren Vater im KZ Dachau, ihre Mutter in Auschwitz. Sie selbst engagierte sich in der jüdischen Jugendarbeit und Vorbereitung der Auswanderung deutscher und tschechischer Juden nach Palästina. 1942 wurde sie nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich des Hochverrats angeklagt, in Einzelhaft genommen, später in verschiedene Konzentrations­ lager verschleppt, bevor sie schließlich im Mai 1945 aus dem KZ Merzdorf bei Groß-Rosen befreit wurde. Nach 1945 arbeitete sie für die jüdische Flüchtlingshilfe in der Schweiz, machte eine Ausbildung zur Krankenpflegerin, kümmerte sich um tuberku­ losekranke und traumatisierte Kinder, die durch den Holocaust zu Waisen geworden waren. 1955 ging sie nach Frankfurt am Main, wo sie in der jüdischen Gemeinde die Stelle für Sozialarbeit und Erziehungsberatung übernahm, 1989–1992 den Gemeindevorsitz. Die Erinnerungen an ihr ereignisreiches Leben schrieb die 90-Jährige zusammen mit der Frankfurter Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Abendroth auf.


Gegenwart

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Trude Simonsohn mit Elisabeth Abendroth Noch ein Glück Erinnerungen ca. 160 S., geb., Schutzumschlag ca. € 14,90 (D); € 15,40 (A) ISBN 978-3-8353-1187-9 März   WG 1971


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Gegenwart

Alfred Bodenheimer Haut ab! Die Juden in der Beschneidungsdebatte Eine Schrift gegen die Bedenkenlosigkeit der Beschneidungsgegner und gegen die Sprachlosigkeit der Juden.

Alfred Bodenheimer Haut ab! Die Juden in der Beschneidungsdebatte 64 S., brosch. € 12,90 (D); € 13,30 (A) ISBN 978-3-8353-1244-9 Sofort lieferbar  WG 1559

Der Autor Alfred Bodenheimer, geb. 1965, Professor für Religionsgeschichte und Literatur des Judentums an der Universität Basel, daneben bis 2008 Professor für Hebräische und Jüdische Literatur an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg und von 2005 – 2008 deren Rektor. Veröffentlichungen u. a.: In den Himmel gebissen. Aufsätze zur europäischjüdischen Literatur (2011). Im Wallstein Verlag erschienen Ungebrochen gebrochen. Über jüdische Narrative und Tradi­tionsbildung (2012); Wandernde Schatten. Ahasver, Moses und die Authentizität der jüdischen Moderne (2002)

auch als E-Book erhältlich

Das »Kölner Urteil«, das im Frühjahr 2012 die religiöse Beschneidung eines Knaben als strafbaren Akt wertete, hat in Deutschland und anderen Staaten eine hitzige Debatte zu diesem Thema ausgelöst. Für die europäische Gesellschaft steht damit auch der Friede mit ihren religiösen Minderheiten auf dem Spiel. Bodenheimer untersucht die Mechanismen und die Problematik dieser Debatte mit Blick auf das Verhältnis der deutschen Gesellschaft zu den Juden. Zugleich begründet er die Unabdingbarkeit der Beschneidung für die jüdische Identität.


Gegenwart

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Schwarzbuch Rassismus

Eine literarisch-essayistische Anthologie, ein aufklärendes, mitunter komisches, illustriertes Lesebuch, ein Antidot gegen Dummheit, Vorurteile und Diskriminierung.

Schwarzbuch Rassismus Herausgegeben von Walter Gerlach und Jürgen Roth 328 S., 36, z.T. farbige Abb., brosch. € 14,– (D); € 14,40 (A) ISBN 978-3-8353-1252-4 Sofort lieferbar   WG 1973

»Am Sonntag fällt ein kleines Wort im Dom, / Am Montag rollt es wachsend durch die Gasse, / Am Dienstag sprich man schon vom Rassenhasse, / Am Mittwoch rauscht und raschelt es: Pogrom!« schrieb der Dichter Klabund in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Achtzig Jahre später, 2008, konstatiert der Vorsitzende des Vereins »Gesicht zeigen«, Uwe-Karsten Heye: »Jedes Jahr steigen hierzulande die Zahlen rechter Gewalttaten, und jedes Jahr spielen sie in der öffentlichen Auseinandersetzung eine geringere Rolle.« Wenig hat sich seither geändert. Dieser Band versammelt Originalbeiträge und Nachdrucke von bereits bekannten Texten zum Thema: Satirisches und Wissenschaftliches sowie Cartoons von Greser & Lenz, Teresa Habild, Hauck & Bauer und Janssen & Mayer. Mit Texten von: Matthias Altenburg, James Baldwin, Walter Bauer, F.W. Bernstein, Otto A. Böhmer, Thomas Brasch, Silke Burmester, Philippe Cantraine, Peter O. Chotjewitz, Detlev Claussen, Teodoro Cordeiro, Eva Demski, Jörg Dreyer, Bob Dylan, Matthias Egersdörfer, Eugen Egner, Frantz Fanon, Stefan Gärtner, Wilhelm Genazino, Severin Groebner, Thomas Gsella, Heinrich Heine, Eckhard Henscheid, Jess Jochimsen, Mascha Kaléko, Ruth Klüger, Günther Koch, Karl Kraus, Primo Levi, Christian Maintz, Philipp Mosetter, Sheila Mysorekar, Ulrike Obermayr, Gerhard Polt, Michael Ringel, Jörg Schneider, Georg Seeßlen, Sitting Bull, Ralf Sotscheck, Kurt Tucholsky, Mark Twain, Peter Weiss, Hans Well, Rayk Wieland, Ror Wolf, Jenni Zylka u. a.

Die Herausgeber Walter Gerlach, geb. 1943, lebt als Autor und Journalist in Frankfurt am Main. Jürgen Roth, geb. 1968, lebt als Schriftsteller in Frankfurt am Main. Jüngste Veröffentlichung: »Mich können Sie nicht stoppen, ich bin da!« – Franz Josef Strauß – Ein Porträt in Originaltönen (München 2012).


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Gegenwart

Vademekum der Inspirationsmittel

Künstler und Wissenschaftler lüften ihr Geheimnis: Sie schreiben über die Quellen ihrer Produktivität. Vorabdruck in der ZEIT

Vademekum der Inspirationsmittel Herausgegeben von Christoph Markschies und Ernst Osterkamp im Auftrag der BerlinBrandenburgischen Akademie der Wissenschaften 136 S., geb., Schutzumschlag € 14,90 (D); € 15,40 (A) ISBN 978-3-8353-1231-9 Sofort lieferbar   WG 1118

Die Herausgeber Christoph Markschies, geb. 1962, ist Ordinarius für Histo­ rische Theologie an der HU Berlin und Vizepräsident sowie Ordentliches Mitglied der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Ernst Osterkamp, geb. 1950, ist Professor für Neuere Deutsche Literatur an der HU Berlin. Er ist Ordentliches Mitglied der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Die Idee zu diesem Band entstammt einer inspirationslosen Stunde: Wenn einem selbst wenig einfällt, fragt man sich um so neidischer nach den Gründen, weshalb den brillanten Kollegen unentwegt so viel einfällt. Und plötzlich war die Idee da, die Mitglieder der Berliner Akademie der Künste und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften nach den Inspira­ tionsmitteln zu fragen, denen sich ihre wissenschaftliche oder künstlerische Produktivität verdankt. Viele Mitglieder waren bereit, das Geheimnis ihres Inspirationsmittels mit der Öffentlichkeit zu teilen. So bietet der Band in knapp fünfzig kleinen Texten, die sämtlich Selbstportraits ihrer Autoren sind, knapp fünfzig Inspirationsmittel zur gefälligen Nutzung. Mit Beiträgen u. a. von: Horst Bredekamp, Gerd Gigerenzer, Inge Keller, Matthias Kleiner, Sibylle Lewitscharoff, Peter von Matt, Julian Nida-Rümelin, Hermann Parziner, Klaus Staeck, Anton Zeilinger


Gegenwart

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Luise F. Pusch Die dominante Kuh Neue Glossen Mit Biss und Humor entlarvt Luise F. Pusch die blinden Flecken in männlicher Sprache und Gesellschaft.

Luise F. Pusch Die dominante Kuh Neue Glossen ca. 144 S., ca. 10 Abb., brosch. ca. € 9,90 (D); € 10,20 (A) ISBN 978-3-8353-1223-4 März   WG 1118

Wenn der Damenstudent zum Tanz gebeten wird, die Caprese mit Büffelmilch-Mozzarella zubereitet wird oder auf Facebook aus zwei Freundinnen »Freunde« werden, ist die feministische Linguistik und Gesellschaftskritik gefordert. Ob das Genus von »Single« oder eine Erklärung dafür verlangt wird, wie das männliche Pendent zu »Entjungferung« lautet, Luise Pusch antwortet mit Ironie und analytischer Schärfe.

Die Autorin Luise F. Pusch, geb. 1944, Professorin für Sprachwissenschaft und freie Publizistin. Veröffentlichungen u. a.: Die Frau ist nicht der Rede wert (1999), Alle Menschen werden Schwestern (1990), Das Deutsche als Männersprache (1984), Mitherausgeberin u. a. von Berühmte Frauenpaare (2004), WahnsinnsFrauen (3 Bde., 1992 –1999), Berühmte Frauen: 300 Porträts (2 Bde., 1999 und 2001). Im Wallstein Verlag erschienen Luise F. Pusch: Deutsch auf Vorderfrau (2011); Frauengeschichten, hg. von Joey Horsley und Luise F. Pusch (2010); Luise F. Pusch: Der Kaiser sagt Ja (2009); Luise F. Pusch: Die Eier des Staatsoberhaupts (2008)

auch als E-Book erhältlich


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Sprache gewordene Lebens­ erfahrung – eine literarische Entdeckung.

Der Autor Horst Bienek (1930 – 1990) war Schriftsteller, Künstler und Filmemacher. In den 1960er-Jahren arbeitete er u. a. beim Hessischen Rundfunk und als Lektor bei dtv, ehe er ab 1968 als freier Schriftsteller in München lebte. Bis 1990 leitete er die Literaturabteilung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Neben zahl­ reichen anderen Preisen erhielt er den Wilhelm-Raabe-Preis und den Jean-Paul-Preis. Der Herausgeber Michael Krüger, geb. 1943, ist Geschäftsführer des Münchner Carl Hanser Verlages und Autor von Lyrik und Prosa, die mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet wurden. Er gibt die Literaturzeitschrift »Akzente« heraus und verantwortet die renommierte »Edition Akzente«. Michael Krüger war lange Jahre Horst Bieneks Lektor und ist bis heute sein Ver­leger. Im Wallstein Verlag erschienen Horst Bienek – Ein Schriftsteller in den Extremen des 20. Jahrhunderts, hg. von Reinhard Laube und Verena Nolte (2012)

auch als E-Book erhältlich

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Editionen

Horst Bienek Workuta

1951 wurde der junge Schriftsteller Horst Bienek in Ostberlin verhaftet und wegen angeblicher Tätigkeit für den amerikanischen Geheimdienst zu 20 Jahren Arbeitslager verurteilt. Etwa drei Jahre verbrachte er in Workuta, nördlich des Polarkreises, bis er 1955 nach Westdeutschland entlassen wurde. Schon sehr früh verarbeitete er diese existenzielle Erfahrung in seinen Werken, etwa in »Traumbuch eines Gefangenen« (1957) oder im Roman »Die Zelle« (1968). Bereits von der AIDS-Krankheit gezeichnet, hat Bienek kurz vor seinem Tod seine Erinnerungen an Workuta in szenischen Rückblicken aufgezeichnet. Darin beschreibt er die lange Untersuchungshaft mit unzähligen Verhören und seine Verurteilung. Ebenso schildert er die lange Reise in den Ural und vor allem die unmenschlichen Verhältnisse im Arbeitslager. Bienek starb 1990, ohne seine Aufzeichnungen abgeschlossen zu haben. */»(…) Es war still im Saal. Keiner wagte weiter zu sprechen. Nun stand der Mann doch auf. Er sagte: Sie haben viele Bücher geschrieben, haben wir gehört. Warum haben Sie nicht über Workuta geschrieben? Ich schwieg. Ich wußte nicht zu antworten. Diese Frage hatte mir auch noch keiner gestellt. Ich habe in vielen Städten, auch im Ausland, aus der Zelle gelesen, und die Zuhörer sagten manchmal, wie schrecklich, wo haben Sie diese Zelle erlebt, und wie haben Sie das überstanden. Aber nach Workuta hat bisher keiner gefragt. Ich bin nach Haus gefahren. Ich habe mich an den Schreibtisch gesetzt. Es waren 35 Jahre seitdem vergangen. Und seit 35 Jahren war mir das nicht mehr so nahe gewesen. Ja, jetzt war es vor mir, als sei es erst gestern geschehen. Ich wußte, jetzt muß ich darüber schreiben.«


Editionen

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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Horst Bienek Workuta Herausgegeben und mit einem Nachwort von Michael Krüger ca. 80 S., geb., Schutzumschlag ca. € 14,90 (D); € 15,40 (A) ISBN 978-3-8353-1230-2 Februar   WG 1112


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Editionen

Joseph Breitbach Das blaue Bidet oder Das eigentliche Leben Roman Zum Abschluss der »Werke in Einzelausgaben« von Joseph Breitbach: Ein brillanter Schelmenroman.

Joseph Breitbach Das blaue Bidet oder Das eigentliche Leben Roman Herausgegeben von Alexandra Pletten­berg-Serban und Wolfgang Mettmann

Joseph Breitbach (1903 –1980), im Rheinland geboren, lebte seit 1929 in Frankreich. Anfang der dreißiger Jahre lernte er in Paris Jean Schlumberger, André Gide und den Kreis um die »Nouvelle Revue Française« kennen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er von Freunden in Frankreich versteckt. Nach 1945 engagierte er sich für die französisch-deutsche Annäherung.

Joseph Breitbach – Werke in Einzelausgaben. Mainzer Reihe. Neue Folge, Bd. 12. Herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz ca. 400 S., ca. 14 Abb., Leinen, Schutzumschlag ca. € 18,– (D); € 18,50 (A) ISBN 978-3-8353-1218-0 März   WG 1112

Die Herausgeber Wolfgang Mettmann hat von 1970 bis 1980 für Joseph Breitbach gearbeitet und verwaltet den literarischen Nachlass. Alexandra Plettenberg-Serban lebt als freie Übersetzerin in New York und Frankreich. Sie war eine der engsten Vertrauten Joseph Breitbachs in den letzten Jahren seines Lebens. In gleicher Ausstattung erschienen Bericht über Bruno. Roman (2009); Rot gegen Rot. Die Erzählungen (2008); Die Wandlung der Susanne Dasseldorf. Roman. / »Ich muß das Buch schreiben«. Briefe und Dokumente zu Joseph Breitbachs Roman. (2 Bde. in Schmuck– hülse, 2006)

Jean Barbe hat sich vom Arbeiter zum größten Knopffabrikanten Europas emporgearbeitet. Mit 60 will er ausbrechen ins eigentliche Leben. Ohne Gepäck, mit prall gefüllter Brieftasche bricht er mit allen Abhängigkeiten – wird aber Opfer seiner Gewohnheiten. Der Weg in die Freiheit gerät zu einer Odyssee, die an den Verhältnissen und menschlichen Abgründen scheitert. Wie überall in Breitbachs Werk geht es auch in diesem Roman aus dem Jahr 1978 um die Grundfragen individueller und kollektiver Existenz. Erzählerische Meisterschaft und stilistische Brillanz machen das Spiel mit den Perspektiven und der doppelten Dimension des Helden Jean Barbe zu einem tiefsinnigen Meisterwerk über menschliche Fragwürdigkeit. Voller Skepsis berichtet der Autor über sich selbst, treibt sein heiteres Spiel mit Erzähltechniken und scheut sich nicht, sich mit einem Kritiker anzulegen. In einem Nachwort berichten die Herausgeber über Entstehung und Wirkung des letzten großen Erzählwerks von Joseph Breitbach, mit dem die Reihe der »Werke in Einzelausgaben« abgeschlossen ist. Joseph Breitbach Werke in vier Bänden Herausgegeben von Alexandra Pletten­berg-Serban und Wolfgang Mettmann zus. ca. 1500 S., ca. € 80,– (D); € 83,– (A) ISBN 978-3-8353-0855-8 März   WG 1110


Editionen

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Ludwig Greve Autobiographische Schriften und Briefe Mit einem Essay von Ingo Schulze Ludwig Greve Autobiographische Schriften und Briefe Mit einem Essay von Ingo Schulze Herausgegeben von Friedrich Pfäfflin und Eva Dambacher Eine gemeinsame Veröffentlichung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Wüstenrot Stiftung ca. 1120 S., ca. 20 Abb., 3 Bde. in Schmuckhülse, Leinen, Lesebändchen ca. € 49,– (D); € 50,40 (A) ISBN 978-3-8353-1216-6 März   WG 1117

»Was denn? Eine so tief persönliche Sache wie das, was Sie erleben mußten?! Wartet denn die Welt nicht auf ein Prosawerk, in dem einer, das, was schon viele gesagt haben, noch einmal sagt: zum ersten Mal?!«, so Werner Kraft aus Jerusalem, einer von vielen, mit denen Ludwig Greve regelmäßig Briefe wechselte. Der Schrifsteller korrespondierte u. a. mit Ludwig von Ficker, Wilhelm Lehmann, Hannah Arendt oder Helmut Heißenbüttel: Sie alle ließen es nicht an Aufforderungen und Ermutigungen fehlen, seine Lebensgeschichte zu erzählen, »zum ersten Mal«! Die vorliegende Edition versammelt die verstreut erschienenen Teile dieser Geschichte: Sie dokumentiert die in den frühen Fünfzigerjahren aufgezeichneten Fluchtberichte aus Deutschland und zeigt die Gründe für Greves Rückkehr nach Deutschland und sein »Festhalten an der Sprache als der eigentlichen Identität« in über 400 Briefen aus den Jahren 1944 bis 1991.

Buchpräsentationen: Leipzig, Haus des Buches am 15. März 2013; Mainz, Akademie der Wissenschaften am 15. April 2013; Stuttgart, Literaturhaus.

Eine ergreifende Lebens­ geschichte in Selbstzeugnissen und Briefen des Dichters und Holocaust-Überlebenden.

Ludwig Greve (1924 –1991), als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Berlin geboren, emigrierte 1939 mit seiner Familie nach Frankreich und Italien. 1944 wurden Vater und Schwester in Italien verhaftet und nach Auschwitz deportiert; seine Mutter und er konnten sich retten und wanderten 1945 nach Pa­lästina aus. 1950 kehrte Greve nach Deutschland zurück. Er wurde 1957 Mitarbeiter des Deutschen Literaturarchivs, 1968 bis 1988 Leiter der dortigen Bibliothek. Im Sommer 1991 ertrank er vor Amrum. Der Dichter wurde 1988 mit dem Stuttgarter Literaturpreis ausgezeichnet, 1992 für sein Gesamtwerk mit dem Peter Huchel-Preis. Die Herausgeber Friedrich Pfäfflin, geb. 1935, langjähriger Leiter der Mu– seumsabteilung des SchillerNationalmuseums in Marbach. Als Autor, Herausgeber und Ausstellungsmacher beschäftigte er sich u. a. mit Else Lasker-Schüler, Kurt Wolff, Werner Kraft und Karl Kraus. Eva Dambacher, geb. 1949, war von 1973-2011 als Diplombiblio­ thekarin im Deutschen Literaturarchiv Marbach tätig; sie hat viele Jahre mit Ludwig Greve zusammengearbeitet. Sie publizierte 1996 eine Dokumentation über Literatur- und Kulturpreise. Im Wallstein Verlag erschienen Ludwig Greve: Die Gedichte. Hg. von Reinhardt Tgahrt in Zusammenarbeit mit Waltraud Pfäfflin. Mit einem Nachwort von Harald Hartung (2006)


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Editionen

Federico García Lorca Prosa

García Lorcas Prosaschriften als Schlüsseltexte zu seinem lyrischen und dramatischen Werk.

Federico García Lorca Prosa Aus dem Spanischen von Enrique Beck Herausgegeben von Marco Kunz im Auftrag der Heinrich Enrique Beck-Stiftung, Basel ca. 500 S., geb., Schutzumschlag ca. € 34,– (D); € 35,– (A) ISBN 978-3-89244-963-8 Mai   WG 1110 Federico García Lorca geb. 1898 in Fuente Vaqueros (Granada), ist der bedeutendste spanische Lyriker und Drama­ tiker des 20. Jahrhunderts. Er wurde kurz nach Ausbruch des Bürgerkrieges 1936 von Franco-Anhängern erschossen und hinterließ ein Werk von faszinierender Vielseitigkeit. Der Herausgeber Marco Kunz, geb. 1964, Studium der Iberoromanischen und Französischen Philologie an der Universität Basel. Von 2005 bis 2009 war er Professor für romanistische Literaturwissenschaft/Hispanistik in Bamberg, seit Herbst 2009 ist er Inhaber des Lehrstuhls für spanische Literatur an der Universität Lausanne. Veröffentlichungen vor allem zur spanischen und lateinamerikanischen Gegenwartsliteratur. In gleicher Ausstattung erschienen Federico García Lorca: Stücke (2011); Federico García Lorca: Die Gedichte. Spanisch – Deutsch (2 Bde., 2008).

Weltbekannt ist Federico García Lorca durch seine Theaterstücke und seine Lyrik geworden. Aber Prosa? Auch wenn es sich nur bei einem kleinen Teil um genuin literarische Texte handelt, sind Lorcas Vorträge, Ansprachen und Interviews oft durch einen ausgesprochen poetischen Charakter der Sprache gekennzeichnet. Diese Texte eröffnen uns Zugänge zum Verständnis seines dramatischen und lyrischen Werkes. Wertvolle Informationen über sein Leben liefert darüber hinaus Lorcas Korrespondenz: In Briefen schrieb er gern über seine Projekte und erbat Beiträge für seine ehrgeizige, aber kurzlebige Literaturzeitschrift »Gallo«. Seinen Freunden schickte er Manuskripte – oft in Versionen, die von den publizierten Fassungen abweichen –, und erwähnte auch zahlreiche nie veröffentlichte, vielleicht verschollene oder gar nie geschriebene Texte. In diesem Sinne steht die in diesem Band enthaltene Auswahl aus Lorcas Prosaschriften im Dienst seiner Lyrik und seines Theaters und rundet die Neuauflage von Lorcas Werken in Enrique Becks Übersetzung ab.


Editionen

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Hedwig Pringsheim Tagebücher 1885 – 1891 / 1892 – 1897

Hedwig Pringsheim Tagebücher

Ein großbürgerliches Leben in Kunst und Gesellschaft im Münchner fin de siècle.

Herausgegeben von Cristina Herbst je Band ca. 752 S. geb., Schutzumschlag ca. € 49,90 (D); € 51,30 (A) Band 1: 1885 –1891 ISBN 978-3-8353-0995-1 März   WG 1117

Band 2: 1892 –1897 ISBN 978-3-8353-1267-8 April   WG 1117

Hedwig Pringsheim, Tochter der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm, Ehefrau des Mathematikers Alfred Pringsheim, Mutter von Katia und Schwiegermutter von Thomas Mann, notierte und beurteilte in Tagebüchern, was sie im Laufe von 56 Jahren erlebte. Zwischen 1885 und 1941 geführt, umfassen die Tagebücher die Zeit vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus und dem Schweizer Exil. Vor dem Hintergrund der großen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen spielte sich das großbürgerliche Leben der jüdischemanzipierten Pringsheim- und bald auch der Mann-Familie ab. Die Tage­ bücher verzeichnen ihren Alltag, Lektüre, Reisen, Ausstellungs-, Konzert- und Theaterbesuche sowie Begegnungen mit Persönlichkeiten der gehobenen Münchner und Berliner Gesellschaft, werfen vor allem aber ein authentisches und zuweilen überraschend neues Licht auf Thomas Mann und seine Familie. Die nun vorliegenden ersten beiden Bände der achtbändigen Edition umfassen die Zeit der Etablierung im Arcisstraßen-Palais (Band 1: 1885 – 1891) und des Gesellschaftsskandals um den Roman ihrer Mutter »Sibilla Dalmar« (Band 2: 1892 – 1897). Erschlossen werden die einzelnen Bände durch eine den jeweiligen Zeitraum erläuternde Einleitung und diverse Register, darunter ein detailliertes Personenregister.

Die Autorin Hedwig Pringsheim (1855 –1942) war Schauspielerin und Salo­nière in München, ab 1905 Schwiegermutter von Thomas Mann. 1939 Emigration in die Schweiz. Die Herausgeberin Cristina Herbst, geb. 1946, war als Lektorin zuerst im Ver‑ lag Vittorio Klostermann, dann bei S. Fischer intensiv mit Thomas Mann und seinem Umfeld beschäftigt und maßgeblich für die Planung und Realisierung der Großen Kommentierten Frankfurter Ausgabe der Werke von Thomas Mann zuständig. Seit 1999 ist sie ausschließlich mit der Edition der Tagebücher von Hedwig Pringsheim befasst.

auch als E-Book erhältlich


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Thomas Manns Schwieger­ mutter liefert ein einzigartiges Zeugnis über die Zerstörung des jüdischen Großbürgertums im nationalsozialistischen München.

16

Editionen

Hedwig Pringsheim Mein Nachrichtendienst Briefe an Katia Mann 1933 – 1941

Vorabdruck in der Literarischen Welt geplant.

Hedwig Pringsheim (1855 –1942), Tochter der bekannten Frauenrechtlerin Hedwig Dohm, Ehefrau des Mathematikprofessors und Kunstmäzens Alfred Pringsheim und Mutter der seit 1905 mit Thomas Mann verheirateten Katia Mann (1883 –1980). Der Herausgeber Dirk Heißerer, geb. 1957, ist Literaturwissenschaftler und Sachbuchautor und lebt in München. Der Vorsitzende des Thomas-Mann-Forums München e. V. wurde 2009 mit der Thomas-Mann-Medaille ausgezeichnet. Im Wallstein Verlag erschienen Dirk Heißerer: Die wieder­ gefundene Pracht. Franz von Lenbach, die Familie Pringsheim und Thomas Mann (2009)

Die einstmals gesellschaftlich, kulturell und auch materiell herausragende Münchener Familie Pringsheim war 1933 den nationalsozialistischen Repressionen ausgeliefert. In den 375 Briefen an ihre Tochter Katia, die bereits 1933 mit Thomas Mann Deutschland verlassen hatte, trotzte Hedwig Pringsheim dem sie umgebenden und sie selbst betreffenden Unrecht mit Verschlüsselungen sowie zahlreichen literarischen, musikalischen und historischen Anspielungen. Bei aller witzigen Offenheit sind ihre Briefe daher buchstäblich versiegelt. Der in seiner Art beispiellose mütterliche »Nachrichtendienst« (15.10.1934) der Hedwig Pringsheim erlaubt einzigartige Einblicke in das Münchener Leben während der ersten Jahre der NS-Diktatur. Der Verlust der Gegenbriefe Katia Manns lässt sich durch die Tagebücher Thomas Manns inhaltlich weitgehend kompensieren. Bei der Dechiffrierung und ausführlichen Kommentierung dieses einzigartigen document humain halfen Informationen aus den Tagebüchern Hedwig Pringsheims ebenso wie neu aufgefundene Briefe von und an Thomas, Katia und Erika Mann sowie Klaus und Peter Pringsheim.


Editionen

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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Buchpräsentation am 15. April 2013 im Literaturhaus München.

Hedwig Pringsheim Mein Nachrichtendienst Briefe an Katia Mann 1933 –1941 Herausgegeben und kommentiert von Dirk Heißerer 2 Bde., ca. 1600 S., ca. 30 Abb.; Leinen, Lesebändchen, Schutzumschlag, Schmuckschuber ca. € 78,– (D); € 80,20 (A) ISBN 978-3-8353-0253-2 April   WG 1117


Wallstein Verlag Frühjahr 2013

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Editionen

Max Brod Jüdinnen Roman Max Brod zeigt sich in diesem frühen Roman als psycho­logischer Realist erster Klasse.

Max Brod Jüdinnen Roman Mit einem Vorwort von Irina Liebmann Max Brod – Ausgewählte Werke. Herausgegeben von Hans-Gerd Koch und Hans Dieter Zimmermann in Zusammenarbeit mit Barbora Šrámková und Norbert Miller ca. 380 S., geb., Schutzumschlag ca. € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1193-0 März   WG 1111

Der Autor Max Brod (1884 –1968) war vor und nach dem Ersten Weltkrieg einer der bekanntesten Ver­ treter der Prager deutsch­ sprachigen Literatur, heute ist er vor allem als Heraus­geber der Werke seines Freundes Franz Kafka berühmt. Die Reihe »Max Brod – Ausgewählte Werke« soll ein Œuvre, das heute im Buchhandel nicht mehr und in Biblio­theken kaum zu finden ist, wieder einem Lesepublikum zugänglich machen. Die Aus­ gabe ist auf zehn Bände angelegt.

Im Badeort Teplitz/Teplice treffen sich die wohlhabenden jüdischen Familien Böhmens. Liebesbeziehungen und Eheversprechen sind die einzigen Verwicklungen, die Bewegung in diese friedliche Welt vor 1914 bringen: Es gilt, für die hübsche Irene einen respektablen Mann zu finden. Das gelingt ihrer Mutter auch nach mancherlei Komplikationen. Das Buch steht in der Tradition des »Bade-Romans«, den Jane Austen erfand, und erinnert in der Schilderung der Ausflüge der Kurgäste auch an Theodor Fontane. Keine schlechte Nachbarschaft für einen damals gerade 27 Jahre alten Schriftsteller, der heute immer nur im Schatten Franz Kafkas steht. In der Schilderung der Frauen­charaktere sind Brod jedenfalls psychologische Meisterstücke gelungen. Weiterhin enthält der Band die frühe Erzählung »Indifferentismus« aus dem kleinen Novellenband »Tod den Toten«, mit dem der Zweiundzwanzigjährige 1906 bei der Berliner Kritik Aufsehen erregte, sowie eine kleine »Gespenstergeschichte« aus dem Jahr 1917, »Die erste Stunde nach dem Tode«, die geprägt ist von einer kaum verhüllten Kritik an der Politik, die in den Ersten Weltkrieg führte.


Editionen

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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Max Brod Arnold Beer Das Schicksal eines Juden Roman Max Brod Arnold Beer Das Schicksal eines Juden Roman Mit einem Vorwort von Peter Demetz

Die Welt des Prager deutschen Judentums vor dem Ersten Weltkrieg – in den Romanen von Max Brod wird sie wieder lebendig.

Max Brod – Ausgewählte Werke. Herausgegeben von Hans-Gerd Koch und Hans Dieter Zimmermann in Zusammenarbeit mit Barbora Šrámková und Norbert Miller ca. 380 S., geb., Schutzumschlag ca. € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1268-5 März   WG 1111

Arnold Beer ist ein junger Mann, der nach dem Vorbild der Flugschau von Brescia, die Brod und Kafka gemeinsam besucht hatten, eine Flugschau in Prag veranstalten möchte. Er sammelt Geld und baut Bretterbuden. Die unscheinbare Lina, ein böhmendeutsches christliches Mädchen, das ihm als Sekretärin zur Seite steht, verliebt sich in ihn. Er weist sie zurück, kann aber auf ihre Hilfe nicht verzichten. Schließlich kommt, was kommen muss: sie verführt ihn – eine schöne Variante in den an Verführungsgeschichten reichen Liebesromanen Brods. Am Schluss des Romans besucht Arnold seine Großmutter auf dem Lande: eine wunderliche und wunderbare Frau, die den Enkel – in ihrem böhmischen Deutsch mit starken jiddischen Einsprengseln – kaum zu Wort kommen lässt. Die Welt des Prager deutschen Judentums, die manche Leser bei Kafka suchen, können sie bei Max Brod finden. Der Band enthält außerdem den kleinen Roman »Ein tschechisches Dienstmädchen« (1909) sowie die Novelle »Weiberwirtschaft« (1913).

Die Herausgeber Hans-Gerd Koch, geb. 1954, war Redaktor der Kritischen Kafka-Ausgabe und ist u. a. Heraus­geber des Kafka-Briefwechsels. Hans Dieter Zimmermann, geb. 1940, war bis 2008 Pro­ fessor am Institut für Literaturwissenschaft der TU Berlin, er war Geschäftsführender Herausgeber der Tschechischen Bibliothek in deutscher Sprache (33 Bände).


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Editionen

Eduard Berend und Heinrich Meyer Briefwechsel 1938 – 1972

Die Korrespondenz des großen Jean Paul-Herausgebers Eduard Berend mit seinem Kollegen Heinrich Meyer.

Eduard Berend und Heinrich Meyer Briefwechsel 1938 –1972 Die Autoren Eduard Berend (1883 –1973) war von 1927 bis 1938 im Auftrag der Preußischen Akademie der Wissenschaften Heraus­ geber der historisch-kritischen Ausgabe von Jean Pauls Sämt­ lichen Werken. 1938 Kündigung und Internierung im KZ Sachsenhausen. 1939 Emigration in die Schweiz. Ab 1946/47 im Auftrag der Deutschen Akademie der Wissenschaften Berlin (DDR) Weiterführung der Jean Paul-Ausgabe. 1957 Rückkehr nach Deutschland und Übersiedlung nach Marbach a. N. Heinrich Meyer (1904 –1976) zunächst Lehrer auf Juist, ab 1930 Übersiedlung in die USA und bis 1943 Instructor of German am Rice Institute in Houston. 1943 Aberkennung der 1935 erworbenen amerikanischen Staatsbürgerschaft und Internierung. 1944 Aufhebung des Urteils. 1945 – 1947 Zeitschriftenherausgeber, ab 1947 Professor of German am Muhlenberg College in Allentown und ab 1963 an der Vanderbilt University in Nashville. Die Herausgeberin Meike G. Werner, Associate Professor of German and European Studies an der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee. Veröffentlichungen zur deutschen Literatur und Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts. Im Wallstein Verlag erschienen Meike G. Werner: Moderne in der Provinz. Kulturelle Experimente im Fin de Siècle Jena (2003)

Herausgegeben von Meike G. Werner marbacher schriften. neue folge, Bd. 10. Herausgegeben von Ulrich Raulff, Ulrich von Bülow und Marcel Lepper ca. 240 S., brosch. ca. € 19,90 (D); € 20,50 (A) ISBN 978-3-8353-1222-7 März   WG 1117

Fast 40 Jahre korrespondierte der deutsche Jude und Gelehrte Eduard Berend mit dem national gesinnten Germanisten Heinrich Meyer. Es ist eine ungewöhnliche, eine befremdliche Konstellation: Meyer war bereits 1930 in die USA ausgewandert, wo ihm allerdings 1943 seine amerikanische Staatsbürgerschaft vorübergehend aberkannt und er als »dangerous alien« interniert wurde – Berend gelang 1939 die Flucht vor den Nationalsozialisten in die Schweiz. Berends Briefe dokumentieren – zunächst unter den Bedingungen der Zensur – die lebensbedrohliche Dringlichkeit seiner Emigration. Sie berichten über die ständige Verschlechterung der Ausreisebedingungen, die eigene Flucht, das Leben als Emigrant in Genf, die Vorbehalte gegen die Rückkehr nach Deutschland und immer wieder von der Arbeit an seinem Lebenswerk, der historisch-kritischen Ausgabe von Jean Pauls Werken und Briefen. Heinrich Meyer schreibt mit erstaunlicher Offenheit über den (akademischen) Antisemitismus, die Deutschenfeindlichkeit in den USA seit Kriegsbeginn, die eigenen und die Ressentiments der Kollegen, über deutsche und amerikanische Politik, über die amerikanischen Hochschulen, den Nationalsozialismus, Hitler und Roosevelt, dann wieder über Literatur, Jean Paul, die eigenen Arbeiten zu Leibniz, Spinoza und Goethe.


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Hugo und Gerty von Hofmannsthal – Hermann Bahr Briefwechsel 1891 – 1934 Ein wichtiges Zeugnis der Mentalitäts- und Kulturgeschichte österreichischer Intellektueller und Künstler zwischen 1890 und 1930.

Hugo und Gerty von Hofmannsthal – Hermann Bahr Briefwechsel 1891 – 1934

Zum 150. Geburtstag von Hermann Bahr am 19. Juli 2013.

Herausgegeben und kommentiert von Elsbeth Dangel-Pelloquin 2 Bde. im Schuber, ca. 928 S., ca. 40 Abb., Leinen, Schutzumschlag ca. € 58,– (D); € 59,70 (A) ISBN 978-3-8353-1217-3 Juni   WG 1117

Hugo von Hofmannsthal

Der Briefwechsel zwischen Hermann Bahr und Hugo von Hofmannsthal ist ein herausragendes Dokument der Wiener Moderne. Er liefert die Stichworte, verhandelt die Parolen und Lektüren und kreiert den Gründungsmythos des ›Jungen Wien‹. Bahr setzt als Kritiker in den Feuilletons Maßstäbe, die auch heute noch gültig sind; beide Autoren sind in Reformprojekte des Theaters involviert, zu denen Hofmannsthal die Dramentexte liefert. Ihre Briefe sind ein Fundus für die Entstehung der Werke, für die zeitgenössische Literaturund Theaterkritik und für die Geschichte des Theaters. Sie enthüllen ein riesiges Netzwerk an Beziehungen, Verstrickungen und Verwerfungen, in dem viele maßgebende Zeitgenossen versammelt sind. Durch die Integration des gleichzeitigen Briefwechsels Bahrs mit Gerty von Hofmannsthal wird das Männerduo zum Trio mit weiblicher Stimme, in dem das – platonische – (Liebes-)Verhältnis zwischen Bahr und Gerty von Hofmannsthal sichtbar wird.

(1874 –1929), einer der wichtigsten Vertreter der literarischen Moderne, trat schon 16-jährig mit Gedichten und lyrischen Dramen an die Öffentlichkeit. Gerty von Hofmannsthal (1880 –1959), geb. Schlesinger, Tochter eines Wiener Bankiers, war seit 1901 mit Hugo von Hofmannsthal ver­heiratet. Hermann Bahr (1863  – 1934), Schriftsteller, Essayist und Kritiker, unermüdlicher Anreger und Förderer der Strömungen der Moderne, Wortführer der österreich­ischen Literatur der Jahrhundertwende (das »Junge Wien«). Die Herausgeberin Elsbeth Dangel-Pelloquin ist apl. Professorin an der Uni­ versität Basel und Vorstandsmitglied der HofmannsthalGesellschaft. Veröffentlichung u. a.: Hugo von Hofmannsthal. Neue Wege der Forschung (Hg., 2007).


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Stefan George / Stéphane Mallarmé Briefwechsel und Übertragungen

Die erste kritische Edition sämtlicher Zeugnisse der zentralen deutsch-französischen Dichterfreundschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Stefan George / Stéphane Mallarmé Briefwechsel und Übertragungen Herausgegeben und ein­ge­ leitet von Enrico De Angelis Mit einem Nachwort von Ute Oelmann Castrum Peregrini. Neue Folge, Bd. 5. Herausgegeben von Wolfgang Braungart, Ute Oelmann und Ernst Osterkamp

Stefan George (1868 –1933), einer der bedeutendsten und einflussreichsten Lyriker deutscher Sprache. Er übersetzte die großen europäischen Autoren und öffnete die deutsche Lyrik der euro­ päischen Moderne.

158 S., 16, z.T. farbige Abb., geb., Schutzumschlag € 19,90 (D); € 20,50 (A) ISBN 978-3-8353-1016-2 Januar   WG 1117

Stéphane Mallarmé (1842 –1898), war ein bedeutender französischer Schriftsteller und einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen Lyrik. Seine Gedichte gelten als Hauptwerke des Symbolismus. Der Herausgeber Enrico De Angelis, geb. 1938, emeritierter Professor für Germanistik an der Universität Pisa. Forschungen u. a. zu Hölderlin, Büchner, Musil und dem europäischen Symbolismus. Veröffentlichungen u. a.: Woyzeck. Faksimile, Transkription, Emendation und Lesetext (2003). In der Reihe zuletzt erschienen Clotilde Schlayer: Minusio. Chronik aus den letzten Lebensjahren Stefan Georges, hg. und mit Erläuterungen versehen von Maik Bozza und Ute Oelmann (2010) auch als E-Book erhältlich

Die Begegnung mit Stéphane Mallarmé war für den jungen Stefan George die Initiation in die Poesie. Georges Leben war entschieden: Wie kein anderer entsprach der junge Deutsche Mallarmés Anforderungen an den Dichter – und dieser Linie blieb George zeit seines Lebens und über sein gesamtes Werk hin treu. Aus Mallarmés Werk übersetzte George unter anderem die Dichtung »Herodiade«. Ihr verlieh er gemeinsam mit dem Maler und Buchkünstler Melchior Lechter eine ebenso erlesene Gestalt wie dies Mallarmé zuvor zusammen mit Édouard Manet für die Publikation von Mallarmés Langgedicht »L’après-midi d’un faune« getan hatte. Georges Prachtausgabe, in nur sieben Exemplaren hergestellt, wird hier verkleinert reproduziert, und damit zum ersten Mal allgemein zugänglich gemacht. Der Briefwechsel, den George und Mallarmé führten und der hier geschlossen gedruckt wird, spiegelt Georges Hingabe an den »maître« ebenso wie Mallarmés Wertschätzung des deutschen Mitstreiters. Anders als George zeigte der deutsche Literaturbetrieb lange Zeit kein Verständnis für den Symbolismus: eine Zeitschrift druckte früh und in rein verhöhnender Absicht einen Artikel Mallarmés in Übersetzung. George protestierte dagegen, wie ein jetzt aufgefundener und hier zum ersten Mal veröffentlichter Briefentwurf belegt. Mit diesem Engagement und seinem dichterischen Vermögen trug George so wesentlich zum Verständnis der »nouvelle poesie« bei. Sein eigenes Dichten schulte und verfeinerte er durch die Orientierung an Mallarmé. Der deutschen Dichtung eröffnete er damit neue Wege.


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Jean Paul Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch

Jean Paul Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch Mit einem Nachwort von Norbert Miller Herausgegeben, gestaltet und mit einer Nachbemerkung versehen von Klaus Detjen

Ein Reise­bericht von hinund mitreißender Erzählund Fabulierkunst. Zu Jean Pauls 250. Geburtstag am 21. März 2013.

Typographische Bibliothek, Bd. 10 96 S., 18 × 27 cm, z.T. zwei­farbig, Leinen, Schutzumschlag ca. € 29,– (D); € 29,90 (A) ISBN 978-3-8353-1198-5 März   WG 1111

Der Autor

Jean Paul nimmt uns mit auf seine wundersamen, phantastischen LuftschiffsAusflüge, die über verschiedenste deutsche Landschaften und Städte bis zu den Schweizer Bergen führen. Dabei lässt er die Welt Revue passieren, und überzieht seine Landsleute mit allerlei Kritik, Hohn und Spott. Seinen zu vierzehn Fahrten gebündelten Reisebericht betitelt er mit »Matrosen-Almanach« oder »Luftschiffs-Journal«. Im Mittelpunkt steht sein Akteur Giannozzo, der zahlreichen skurrilen Begegnungen und grotesken Abenteuern ausgesetzt ist und ständig mit seinem Ballon gegen die schwer kalkulierbaren Elemente kämpft. In einem Brief vom 23. Januar 1801 gesteht Jean Paul: »Ich bin […] wilder als sonst. Ich lege viele meiner Urteile einem über ganz Deutschland (in der Montgolfiere) wegschiffenden Giannozzo, einem wilden Menschenverächter, in den Mund, der bloß in seinem Namen spricht«. Mit der zweispaltig angelegten Typographie des Textteils und darin wechselnden Höhen der Schriftblöcke, die den Raum der Seiten ständig ausmessen, zeichnet Klaus Detjen die Wolkenformationen der Himmels-Erlebnisse des Giannozzo nach. In einer besonderen, zweifarbig angelegten, über dreißig Seiten reichenden graphisch-typographischen Suite werden vierzehn Momente der Fahrten des Giannozzo aufgerufen, die als Illustrationen das visuelle Zentrum des Buches markieren.

Jean Paul (Johann Paul Friedrich Richter), geb. am 21. März 1763 in Wunsiedel im Fichtel­ gebirge, gest. am 14. November 1825 in Bayreuth. Einer der größten, auch eigenwilligsten deutschsprachigen Schrift­ steller des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Bekannte Werke: Die unsichtbare Loge, Hesperus, Siebenkäs, Flegeljahre, Titan, Vorschule der Ästhetik, Der Komet. Der Herausgeber Klaus Detjen, geb. 1943 in Breslau, Typograph, Buch­ gestalter, lebt in der Nähe von Hamburg. Bis 2009 Professor für Typographie und Gestaltung an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Auszeichnungen und Preise zur Buchgestaltung und Typographie. In der Reihe bisher erschienen Franz Kafka: In der Strafkolonie (2012); Heinrich von Kleist: Über das Marionettentheater (2011); Edgar Allan Poe: Im Malstrom (2011)


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»Es schläft ein Lied in allen Dingen …« Unbekannte Gedichthandschriften von Joseph von Eichendorff. Faksimile Eine Faksimile-Edition mit Gedichtentwürfen, die es erlauben, Eichendorff beim Dichten über die Schulter zu schauen.

Zum 225. Geburtstag Joseph von Eichendorffs am 10. März 2013.

»Es schläft ein Lied in allen Dingen …« Unbekannte Gedichthandschriften von Joseph von Eichendorff. Faksimile Im Auftrag des Freien Deutschen Hochstifts herausgegeben von Renate Moering 3 farbige GroßfolioFaksimileseiten (28 × 42 cm), Transkription und 40 Seiten Beiheft, in Schmuckhülse ca. € 19,90 (D); € 20,50 (A) ISBN 978-3-8353-1253-1 Februar   WG 1150

Joseph von Eichendorff (1788 –1857) war ein bedeutender Lyriker und Schriftsteller der Romantik. Er zählt zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern. Neben seinen Gedichten ist auch seine Prosa (Aus dem Leben eines Taugenichts) von bleibender Bedeutung. Die Herausgeberin Renate Moering, geb. 1943, Studium der Germanistik und Romanistik; Promotion 1976 über Achim von Arnim. Gesangsstudium in Wiesbaden. Seit 1976 im Freien Deutschen Hochstift: 1976 –1989 Frank­ furter Brentano-Ausgabe, 1990 – 1997 HofmannsthalArchiv, 1997 – 2008 Leiterin der Handschriften-Abteilung. Mit­ herausgeberin der Weimarer Arnim-Ausgabe. Forschungsschwerpunkte: Achim und Bettine von Arnim, Clemens Brentano, Joseph von Eichendorff, Brüder Grimm, Hugo von Hofmannsthal. Musik der frühen Romantik: Louise Reichardt und Bettine Brentano.

»Es schläft ein Lied in allen Dingen«. – Lautet die Zeile nicht: »Schläft ein Lied in allen Dingen«? So ist sie jedenfalls bekannt. Und doch notierte Eichendorff den Vers bei seiner ersten Niederschrift in dieser alltäglichen Form. Das Freie Deutsche Hochstift in Frankfurt erwarb 2009 drei großformatige Blätter mit Autographen Joseph von Eichendorffs, die jahrzehntelang verschollen waren. Unter anderem findet sich auf einem von ihnen eine Vorstufe dieses bekannten Gedichts. 1923 wurden die Blätter im Rahmen der ersten historisch-kritischen Ausgabe zwar schon erwähnt, aber nicht publiziert. Das damalige Interesse galt eher dem fertigen Werk. In neuerer Zeit fasziniert hingegen besonders die Entstehung von Dichtung. Um diese verdeutlichen zu können, werden Handschriften genetisch wiedergegeben. Für eine solche Herangehensweise sind die drei Autographen eine Trouvaille. Die Blätter sind in Originalgröße faksimiliert und als Einzelblätter zusammen mit den räumlich exakten Transkriptionen in einer Mappe beigegeben. Eine beschreibende Darstellung der Gedichte, ihrer Entstehung und ihres his­ torischen Kontextes sowie Einzelerläuterungen erschließen die Texte nicht nur für Wissenschaftler.


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Adolph Freiherr Knigge und seine Tochter Philippine Briefe und Schriften Der berühmte Moralphilosoph als Privatmann und Familien­ vater: Ein Zeugnis von der praktischen Umsetzung seiner theoretischen pädagogischen Grundsätze.

Adolph Freiherr Knigge und seine Tochter Philippine Briefe und Schriften Herausgegeben von Manfred Grätz ca. 288 S., ca. 5 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 24,90 (D); € 25,60 (A) ISBN 978-3-8353-1260-9 April   WG 1117

Adolph Freiherr Knigge

Im Sommer 1789 gab Adolph Freiherr Knigge, Verfasser des berühmten »Umgangs mit Menschen«, seine vierzehnjährige Tochter Philippine (1775 – 1841) nach Detmold in Pension. Vater und Tochter blieben in ständigem brieflichen Kontakt. In seinen Briefen an Philippine erleben wir den Moralphilosophen als Privatmann, als besorgten, oftmals ungeduldigen, manchmal auch ungerechten Vater, und nebenbei auch als Ehemann in der Midlife-Crisis. Die Differenzen zwischen seinen öffentlich geäußerten pädagogischen Maximen und deren praktischer Umsetzung bringen uns Knigge nicht nur menschlich näher: Sie zeigen den Schriftsteller und seine kleine Familie im Spannungsfeld zwischen spätabsolutistischer und frühbürgerlicher Gesellschaft – dies alles vor dem Hintergrund der von Knigge aufrichtig begrüßten Französischen Revolution. Philippines Antworten sind nicht erhalten, doch kommt auch sie in diesem Band zu Wort – in zwei von ihr verfassten Schriften, die einen persönlichen Bezug zu ihrem Vater aufweisen: im »Versuch einer Logic für Frauenzimmer«, den sie als Vierzehnjährige verfasste, und in der vierzig Jahre später entstande­ nen »Kurze Biographie des Freiherrn Knigge«.

(1752 –1796), Romancier, Sati­ riker, Rezensent und Verfasser von moralphilosophischen Schriften und Reisebeschreibungen. Philippine von Reden, geb. Freiin Knigge (1775 –1841), war die einzige Tochter Knigges. Der Herausgeber Manfred Grätz, geb. 1950, Erzählforscher und Germanist, als Bibliothekar in Göttingen, Köln, Paderborn, Bamberg und Gera tätig; Veröffentlichungen zu Knigge und der Pädagogik seiner Zeit. Im Wallstein Verlag erschienen Adolf Freiherr Knigge: Werke, 4 Bde. (2010); Adolf Freiherr Knigge, Gustav Friedrich Großmann: Briefwechsel 1779 –1795 (2010); Adolf Freiherr Knigge, Friedrich Nicolai: Briefwechsel 1779 –1795 (2004) auch als E-Book erhältlich


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Barthold Heinrich Brockes Irdisches Vergnügen in Gott Erster und zweiter Teil Das opus magnum des großen Sprachartisten Barthold Heinrich Brockes.

Barthold Heinrich Brockes Irdisches Vergnügen in Gott Erster und zweiter Teil Werke, Bd. 2 Herausgegeben und kommentiert von Jürgen Rathje ca. 1216 S., ca. 5 Abb., Leinen, Schutzumschlag ca. € 98,– (D); € 100,80 (A) Subskriptionspreis bei Abnahme der Reihe zur Fortsetzung ca. € 89,– (D); € 91,50 (A) ISBN 978-3-8353-1192-3 Mai   WG 1111

Barthold Heinrich Brockes (1680 –1747), Lyriker und Übersetzer, war Ratsherr in Hamburg und hat besonders die Naturbeschreibung im Gedicht durch sein Hauptwerk nach­ haltig geprägt. Der Herausgeber Jürgen Rathje, geb. 1932, lehrte bis 1997 als Akademischer Direktor und Romanist am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz in Germersheim. Veröffentlichungen zu Hamburgs geistigem Leben im frühen 18. Jahrhundert. Bisher erschienen Barthold Heinrich Brockes: Werke, Band 1: Selbstbiographie – Verdeutschter Bethlehemitischer Kinder-Mord (2012)

auch als E-Book erhältlich

Selten wurde ein deutscher Dichter zu seinen Lebzeiten so gefeiert wie Barthold Heinrich Brockes. Sein Hauptwerk sind die Gedichte des neunteiligen »Irdischen Vergnügens in Gott«, dessen erster und zweiter Teil mit diesem Band vorgelegt wird. Er stellte erstmalig im deutschen Sprachraum die Natur in den Mittelpunkt großer Poesie – in Lehrgedichten, öfter noch Beschreibungen von Landschaften und Gärten. Brockes’ malende Dichtung verbindet Wissen, Darstellungen und Spekulationen naturgeschichtlicher Materialsammlungen mit poetischen Motiven des klassischen Altertums und biblischer Psalmendichtung. Brockes ist ein rhetorischer Dichter. Seine Poesie steht in der Tradition der großen europäischen Schöpfungsdichtungen seit dem Altertum. Sie will erfreuen, rühren, belehren. Sie will in der Vielfalt und Schönheit der Natur die Liebe, Unendlichkeit und Allmacht ihres Schöpfers ehren. Natur gilt Brockes lediglich als Abbild eines himmlischen Paradieses. Ach möchte dieses Buch euch doch zu zeigen taugen, Ihr Menschen, wie so leicht der schöne Bau der Erden, Den ihr anitzt durch Geitz, durch Neid, durch Stoltz und Pracht Euch leyder! selbst zur Hölle macht; Euch allen könn' ein Himmel werden!


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»Der gefesselte Wald« Gedichte aus Buchenwald

»Der gefesselte Wald« Gedichte aus Buchenwald

Gedichte aus Buchenwald – erstmals aus dem Französischen für diese zwei­sprachige Ausgabe übersetzt.

Deutsch-Französisch Herausgegeben von Wulf Kirsten und Annette Seemann nach der französischen Originalausgabe von André Verdet Mainzer Reihe. Neue Folge, Bd. 11. Herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz ca. 250 S., geb., Schutzumschlag ca. € 19,90 (D); € 20,50 (A) ISBN 978-3-8353-1220-3 März   WG 1150

Bereits im August 1945 hatte André Verdet diese Gedichtanthologie zusammengestellt. Alle 25 Beiträger haben die Gedichte im Konzentrationslager Buchenwald verfasst – unter schwierigsten Bedingungen, denn schon der Besitz von Schreibmaterial war strengstens verboten. Die französische Originalausgabe erschien 1946, eine Neuauflage 1995. In Deutschland jedoch blieben die Gedichte bis heute völlig unbeachtet. Jorge Semprún Uralter Traum Die Morgendämmerung jedoch ist höllischer Stein schwanger mit Elend, Reifung des Lachens, unausdeutbar, gleichwohl vertraut, ist angeschlagenes Land, glänzt in mineralischem Warten. Die Morgendämmerung ist Tiefe heiseren Abschieds. Wer erinnert sich dran, junges trockenes Mädchen bar des Lächelns, oh Einsamkeit, und deine grauen Augen, an das reizende Spiel von einst? Bleiben die Lumpen, buntbemalt, mit denen wir unsere Majestäten drapierten. Und die Sorge. Bleiben das Nichts, das Lachen, der uralte Traum, bleibt jener tägliche Entwurf: Zu leben trotzdem … Angst ist ein Banner, zerzaust von ewigem Wind.

Die Herausgeber André Verdet (1913 – 2004), französischer Künstler, der sich 1940 der Résistance anschloss und 1944 nach Auschwitz deportiert wurde. Wulf Kirsten, geb. 1934, freischaffender Schriftsteller, zahlreiche Literaturpreise, 2006 Träger des Joseph-BreitbachPreises. Veröffentlichungen (Auswahl): Fliehende Ansicht: Gedichte (2012); Beständig ist das leicht Verletzliche: Gedichte in deutscher Sprache von Nietzsche bis Celan (Hg.) (2010); Die Prinzessinnen im Kraut­garten (2000) Annette Seemann, geb. 1959, lebt als freie Autorin und Übersetzerin in Weimar. Sie ist Vorsitzende des Fördervereins zugunsten der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Jüngste Veröffentlichung: Weimar: Eine Kulturgeschichte (2012).


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Geschichte

Michel Fliecx Vom Vergehen der Hoffnung Zwei Jahre in Buchenwald, Peenemünde, Dora, Belsen Einer der umfangreichsten und frühesten Berichte über das »Häftlingslager« im KZ Bergen-Belsen.

Michel Fliecx Vom Vergehen der Hoffnung Zwei Jahre in Buchenwald, Peenemünde, Dora, Belsen Mit einer Einleitung von Thomas Rahe Aus dem Französischen übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Monika Gödecke Bergen-Belsen – Berichte und Zeugnisse, Bd. 3 ca. 320 S., geb., Schutzumschlag ca. € 19,90 (D); € 20,50 (A) ISBN 978-3-8353-1246-3 Mai   WG 1971

Der Autor Michel Fliecx, geb. 1924 in Metz, schloss sich 1941 in Evreux (Normandie) der Widerstandsgruppe Vengeance (Rache) an. Nach der Befreiung kehrte Fliecx nach Frankreich zurück. Er war Offizier der Ehrenlegion und Träger des Ordens Croix de guerre avec palmes et étoile d‘argent. Am 8. März 2007 verstarb Michel Fliecx in Nizza. In der Reihe bisher erschienen Francine Christophe: Nicht mehr Eure Welt. Ein Kind in Gefängnissen und Lagern 1942 –1945 (2012); Arieh Koretz: Bergen-Belsen – Tagebuch eines Jugendlichen 11.7.1944 –  30.3.1945 (2011)

auch als E-Book erhältlich

Der Franzose Michel Fliecx, geboren 1924, schildert zwei Jahre in deutscher Gefangenschaft. Nach seiner Festnahme im April 1943 in Südfrankreich wegen Tätigkeit im Widerstand war er als politischer Häftling im Konzentrationslager Buchenwald, im Arbeitskommando Peenemünde und in der Raketenproduk­ tion im Konzentrationslager Mittelbau-Dora. Im März 1944 kam Fliecx mit einem Transport von 1000 kranken Häftlingen aus Mittelbau-Dora nach Bergen-Belsen. Er war dort im »Häftlingslager«, einem Männerlager für kranke Häftlinge untergebracht, wo er am 15. April 1945 die Befreiung erlebte. Fliecx schildert eindrucksvoll, wie sich die Lebensbedingungen im »Häftlingslager« nach und nach verschlechterten. Er war Augenzeuge der Mordserie des Krankenpflegers Karl Rothe und entging selbst nur knapp einer tödlichen Injektion. Mit den in Frankreich bereits 1947 veröffentlichten Erinnerungen Michel Fliecx’ liegt erstmals einer der umfangreichsten und frühesten Berichte zum »Häftlingslager« Bergen-Belsen auf Deutsch vor.


Geschichte

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Sowjetische Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz 1941 – 1945 Dokumente zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen in Norddeutschland

Sowjetische Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz 1941 – 1945 Dokumente zu den Lebensund Arbeitsbedingungen in Norddeutschland

Eine umfassende Dokumen­­ta­tion zum Arbeitseinsatz und Lebensalltag der sowjetischen Kriegsgefangenen in Nieder­ sachsen 1941 – 1945.

Herausgegeben von Rolf Keller und Silke Petry Schriftenreihe der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Bd. 2 ca. 288 S., ca. 10 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1227-2 April   WG 1556

Während des Zweiten Weltkriegs gab es in fast jedem Ort in Deutschland Arbeitskommandos mit Kriegsgefangenen, vor allem in der Land- und Forstwirtschaft, bei Bauvorhaben und in Industriebetrieben. Der Einsatz der sowjetischen Kriegsgefangenen erfolgte unter Missachtung der Bestimmungen der Internationalen Genfer Konvention und war durch brutale Behandlung, Unterversorgung, schlechte Arbeitsbedingungen und eine hohe Todesrate gekennzeichnet. Mit der vorliegenden Edition wird der Arbeitseinsatz der sowjetischen Kriegsgefangenen in seiner ganzen Breite dokumentiert. Die ausgewählten Quellen vermitteln einen umfassenden Eindruck von den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Gefangenen und dem Handeln von Wehrmacht, Zivilverwaltung und Arbeitgebern. Die Auswahl basiert auf der Auswertung umfangreicher Quellenbestände in einschlägigen Archiven und bezieht sich geographisch auf den Bereich des Landesarbeitsamtes Niedersachsen, der weitgehend identisch mit dem heutigen Bundesland ist. In diesem Gebiet waren bis zu 65.000 sowjetische Kriegsgefangene gleichzeitig im Einsatz. Die Dokumentation wird durch eine ausführliche wissenschaftliche Darstellung und kommentierende Einführungen ergänzt.

Die Herausgeber Rolf Keller: geb. 1956, 1999–2004 Vertreter des Landes Niedersachsen im deutsch­ russischen Forschungsprojekt »Sowjetische Kriegsgefangene«; 2000–2008 Leiter des Recherche- und Ausstellungsprojektes »Kriegsgefangenenlager« im Rahmen der Neukonzeption der Gedenkstätte Bergen-Belsen; seit 2004 Abteilungsleiter in der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Celle. Silke Petry, geb. 1963, 2004–2009 Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten im Projekt »Neugestaltung der Gedenkstätte Bergen-Belsen«; seit 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Dokumen­ tationstelle Widerstand und Verfolgung 1933–1945 auf dem Gebiet des Landes Niedersachsen der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Celle. In der Reihe bisher erschienen Rolf Keller: Sowjetische Kriegsgefangene im Deutschen Reich 1941/42. Behandlung und Arbeitseinsatz zwischen Vernichtungspolitik und kriegswirtschaftlichen Zwängen (2011) auch als E-Book erhältlich


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Geschichte

Gerrit Hohendorf Der Tod als Erlösung vom Leiden Geschichte und Ethik der Sterbehilfe seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Die Debatte um die Euthanasie seit dem 19. Jahrhundert und ihre Bedeutung für die aktuelle Diskussion um die Sterbehilfe.

Gerrit Hohendorf Der Tod als Erlösung vom Leiden Geschichte und Ethik der Sterbehilfe seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Der Autor Gerrit Hohendorf, geb. 1963, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinhisto­ riker und Medizinethiker. Seit 2009 Privatdozent. Veröffentlichungen u. a.: Die nationalsozialistische ›Euthanasie‹-Aktion T4 und ihre Opfer (als Mithg., 2010); Psychiatrische Forschung und NS»Euthanasie« (hg. mit Maike Rotzoll und Christoph Mundt, 2001); Von der Heilkunde zur Massentötung (als Hg., 1990) Im Wallstein Verlag erschienen »Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst«. Lebensgeschichten von Opfern der nationalsozialistischen »Euthanasie«, hg. von Petra Fuchs, Maike Rotzoll, Ulrich Müller, Paul Richter und Gerrit Hohendorf (2007).

auch als E-Book erhältlich

ca. 224 S., ca. 10, z. T. farbige Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 24,90 (D); € 25,60 (A) ISBN 978-3-8353-1172-5 März   WG 1559

Ethische Fragen der Sterbehilfe und der Sterbebegleitung sind hochaktuell, aber nicht neu. Spätestens seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird über die Euthanasie, über einen durch den Arzt herbeigeführten guten und leichten Tod, diskutiert. Gerrit Hohendorf zeichnet die historische Debatte um die Euthanasie, ihre Verknüpfung mit dem Gedanken des »lebensunwerten Lebens« nach und verweist auf die Folgen, die diese Idee in der Zeit des National­ sozialismus hatte: 300.000 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen wurden unter dem Deckmantel des »Gnadentodes« ermordet. Der Autor plädiert jenseits einer rhetorischen NS-Analogie für ein behutsames Lernen aus der Geschichte: Die Debatte um die Euthanasie steht immer in der Gefahr, menschliches Leben als nicht mehr lebenswert zu beurteilen.


Geschichte

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Andrea Wiegeshoff »Wir müssen alle etwas umlernen« Zur Internationalisierung des Auswärtigen Dienstes der Bundesrepublik Deutschland (1945/51 – 1969) Das Auswärtige Amt und seine Diplomaten in der jungen Bundesrepublik: über Traditionen, Anpassung und Umdenken.

Andrea Wiegeshoff »Wir müssen alle etwas umlernen« Zur Internationalisierung des Auswärtigen Dienstes der Bundesrepublik Deutschland (1945/51 –1969) ca. 512 S., geb., Schutzumschlag ca. € 42,– (D); € 43,20 (A) ISBN 978-3-8353-1257-9 April   WG 1557

Als das Auswärtige Amt 1951 offiziell wiedergegründet wurde, stand es nicht nur dem Namen nach, sondern auch institutionell und personell in der Tradition des alten Außenministeriums der Berliner Wilhelmstraße. Wie bei keiner anderen Behörde zeigten sich hier Kontinuitätslinien, die aus dem Kaiserreich über die NS-Zeit bis in die Bundesrepublik reichten. Dennoch entwickelte sich ein Auswärtiger Dienst, der bald für eine neue deutsche Diplomatie stand und sich einer Außenpolitik verpflichtete, die konsequent mit der Vergangenheit brach. Andrea Wiegeshoff fragt, wie der Aufbau eines neuen Amts überhaupt gelingen konnte und nimmt dabei besonders die Diplomaten der jungen Bundesrepublik in den Blick. Die Autorin spürt anhand von 30 ausgewählten Akteuren des Diplomatischen Dienstes den Wandlungs- und Anpassungs­ prozessen im Bonner Amt der 50er und 60er Jahre nach. Sie erzählt keine Erfolgsgeschichte, sondern legt ambivalente und komplexe, individuelle wie institutionelle Entwicklungen frei, beschreibt das Zusammenspiel von aufrichtigem Umdenken, opportunistischer Anpassung und dem unbeeindruckten Festhalten an traditionellen Annahmen und Gewohnheiten. Es wurde um­ gelernt im Bonner Amt, allerdings nur »etwas«.

Die Autorin Andrea Wiegeshoff, geb. 1979, studierte Geschichte in Marburg und Paris. Tätigkeit als Koordinatorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Unabhängigen Historikerkommission zur Geschichte des Auswärtigen Amtes. Seit 2012 Referentin für den deutschen Wissenschaftsrat.

auch als E-Book erhältlich


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Geschichte

Thomas Tetzner Der kollektive Gott Zur Ideengeschichte des ›Neuen Menschen‹ in Russland Eine revolutionäre Idee und ihre religiösen Wurzeln werden erstmals umfassend entschlüsselt.

Thomas Tetzner Der kollektive Gott Zur Ideengeschichte des ›Neuen Menschen‹ in Russland ca. 432 S., geb., Schutzumschlag ca. € 39,90 (D); € 41,10 (A) ISBN 978-3-8353-1238-8 März   WG 1733

Der Autor Thomas Tetzner, geb. 1979, Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Philo­ sophie in Chemnitz; Promotion in Hannover. Im Wallstein Verlag erschienen Margarete Vöhringer: Avant­ garde und Psychotechnik. Wissenschaft, Kunst und Technik der Wahrnehmungs­ experimente in der frühen Sowjetunion (2007)

auch als E-Book erhältlich

Die russische Revolution richtete sich nicht nur gegen überkommene Eigentums- und Machtverhältnisse. Auch der bisherige Typ Mensch sollte überwunden werden, um einer neuen, höheren Existenzform Platz zu machen – dem ›Neuen Menschen‹. So träumte man etwa vom Beherrschen des Unter­ bewusstseins, der genetischen Veränderung des Körpers, seiner Verschmelzung mit der Maschine oder vom Aufheben der Grenzen zwischen den Geschlechtern und Individuen. Thomas Tetzner zeigt anhand zahlreicher Quellen, dass es sich bei der Idee vom ›Neuen Menschen‹ um das ursprünglich religiöse Motiv einer ›korporativen Vergöttlichung‹ handelte. Demnach konnten ›göttliche‹ Eigenschaften wie Unsterblichkeit oder Schöpferkraft durch den Zusammenschluss zu einer größeren, ›allmenschlichen‹ Einheit erlangt werden. Der Autor rekonstruiert die entsprechenden Vorstellungen des frühen Christentums und legt die geistesgeschichtliche Entwicklung jener Idee bis ins Russland des 19. und frühen 20. Jahrhunderts offen. Erstmals wird hier eine zentrale utopische Hoffnung der russischen Revolution ideengeschichtlich entschlüsselt und erklärt.


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Gerhard Paul BilderMACHT Studien zur Visual History des 20. und 21. Jahrhunderts Zwischen der ›electrischen Fee‹ der Jahrhundertwende, der Vision von Hoffnung und Zukunft, und dem ›Kapuzenmann‹, der Unterdrückung und Folter symbolisiert, liegt ein Jahrhundert, in dem die Bilder Geschichte machten.

Gerhard Paul BilderMACHT Studien zur Visual History des 20. und 21. Jahrhunderts ca. 680 S., ca. 260, über­ wiegend farbige Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 39,90 (D); € 41,10 (A) ISBN 978-3-8353-1212-8 März   WG 1559

Bilder haben eine aktive bzw. generative Kraft und dienen als Waffe in politischen und militärischen Auseinandersetzungen. Gerhard Paul untersucht ihre wandelnde Bedeutung und ihre viel behauptete Macht am Beispiel von ausgewählten Einzelbildern, Bildsujets und Bildstrategien unterschiedlicher medialer Träger wie Plakat, Fotografie, Film und Internet. Die reich illustrierten Kapitel beschäftigen sich u. a. mit Medienikonen wie dem Mao-Porträt und der Fotografie des ›Napalmmädchens‹, dem Bild des ›Big Brother‹ als zentraler Chiffre des totalitären wie posttotalitären Zeitalters, den Bildakten vom Judenpogrom in Lemberg/Lviv 1941 und dem Bildterror im US-Gefängnis vom Abu Ghraib. Die exemplarischen Analysen gehen der Frage nach, wie diese Bilder Beziehungen zu ihren Betrachtern aufnehmen und synchron deren Sichtweisen bzw. diachron deren Verständnis von Geschichte prägen. Nachgezeichnet werden die Wege, wie einzelne Bilder im globalen cultural flow zu Ikonen aufsteigen, sich dabei von ihrem Entstehungskontext entfernen, auf andere Bildträger überspringen und in unterschiedlichsten Kontexten für jeweils eigene Zwecke nutzbar werden. Gerhard Paul betont, dass sich mit den optischen Reproduktionstechniken seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine zweite mediale Bildrealität herausgebildet hat, in der Menschen agieren und Entscheidungen treffen.

Der Autor Gerhard Paul, geb. 1951, ist seit 1994 Professor für Geschichte und ihre Didaktik an der Universität Flensburg. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte des 20. Jahrhunderts sowie zur Visualität der Geschichte. Im Wallstein Verlag erschienen Öffentliche Erinnerung und Medialisierung des National­ sozialismus. Eine Bilanz der letzten dreißig Jahre, hg. von Gerhard Paul und Bernhard Schoßig (2010); Der Bilderkrieg. Inszenierungen, Bilder und Perspektiven der »Operation Irakische Freiheit« (2005)


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Geschichte

Fotografien im 20. Jahrhundert Vermittlung und Verbreitung

Zur Ordnung fotografischer Sichtbarkeit – Herstellungsbedingungen, Selektionsverfahren und Präsentationsformen.

Fotografien im 20. Jahrhundert Vermittlung und Verbreitung Herausgegeben von Annelie Ramsbrock, Annette Vowinckel und Malte Zierenberg Geschichte der Gegenwart, Bd. 6. Herausgegeben von Frank Bösch und Martin Sabrow

Die Herausgeber Malte Zierenberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts an der HU Berlin. Forschungen zur Stadt-, Wirtschafts- und Medien­ geschichte. Veröffentlichungen u. a.: Vermessungen der Medien­gesellschaft im 20. Jahrhundert (zus. mit Christiane Reinecke, 2011). Annelie Ramsbrock, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Forschungen zur Kultur-, Wissens- und Körpergeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Annette Vowinckel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und Privatdozentin am Institut für Kulturwissenschaft der HU Berlin. Veröffentlichungen u. a.: Das relationale Zeitalter. Individualität, Normalität und Mittelmaß in der Kultur der Renaissance (2011). Im Wallstein Verlag erschienen Annette Vowinckel: Flugzeugentführungen. Eine Kulturgeschichte (2011); Annelie Ramsbrock: Korrigierte Körper. Eine Geschichte künstlicher Schönheit in der Moderne (2011)

ca. 272 S., ca. 60 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1195-4 Mai   WG 1559

Aus dem Inhalt: Annelie Ramsbrock, Annette Vowinckel, Malte Zierenberg: Bildagenten und Bildformate. Zur Ordnung fotografischer Sichtbarkeit Malte Zierenberg: Fotolager. Infrastrukturen und Sichtbarkeit in der modernen Bildwirtschaft 1900 – 1935 Jens Jäger: Die Deutsche Kolonialgesellschaft als Bildagentur Jürgen Danyel: Dub`cek ´ im Freibad. Bildpolitik während des Prager Frühling 1968 Annette Vowinckel: Der Bildredakteur: Genese eines modernen Berufsbilds Marline Otte: Amateurfotografen Monika Domann: Privatheit, Öffentlichkeit und Fotografie Annelie Ramsbrock: Verwundete Gesichter, verhindertes Sehen. Medizinische Fotografien des Ersten Weltkriegs Ulrich Keller: Fotografie und Begehren. Der Triumph der Bildreportage im Medienwettbewerb der Zwischenkriegszeit Linda Conze, Ulrich Prehn, Michael Wildt: Fotografische Repräsentationen von »Alltäglichem« und »Unalltäglichem« im Nationalsozialismus Kathrin Fahlenbrach: Medienikonen und Schlüsselbilder der Revolte um 1968 Rolf Sachsse: Die Bonner Republik im Bild (1949 – 1970) Christian Geulen: »Omaha Beach«. Eine Bildergeschichte


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Andreas Kötzing Kultur- und Filmpolitik im Kalten Krieg Die Filmfestivals von Leipzig und Oberhausen in gesamtdeutscher Perspektive 1954 – 1972 Wie wirkte sich der Kalte Krieg auf die Kultur- und Filmpolitik beider deutscher Staaten aus?

Andreas Kötzing Kultur- und Filmpolitik im Kalten Krieg Die Filmfestivals von Leipzig und Oberhausen in gesamtdeutscher Perspektive 1954 –1972 ca. 480 S., ca. 10 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 39,90 (D); € 41,10 (A) ISBN 978-3-8353-1264-7 Mai   WG 1557

Die Filmfestivals von Leipzig und Oberhausen zählen zu den renommiertesten Filmfestivals weltweit. Beide Filmwochen wurden Mitte der 1950er Jahre gegründet und entwickelten sich schnell zu zentralen Kulturveranstaltungen in der Bundesrepublik bzw. in der DDR. Andreas Kötzing untersucht am Beispiel der Westdeutschen Kurzfilmtage und der Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche, wie sich der Ost-WestKonflikt auf die deutsch-deutsche Kultur- und Filmpolitik auswirkte. Verflechtungen sowie Anknüpfungs- und Abgrenzungspunkte zwischen beiden deutschen Staaten stehen dabei besonders im Mittelpunkt. Unter welchen Umständen konnten sich ost- und westdeutsche Filmemacher an den Festivals beteiligen? Welche Filme wurden gezeigt und welche Konflikte riefen sie hervor? Welchen kulturpolitischen Einfluss übten die Festivals aus? Welche persönlichen Kontakte ergaben sich im Rahmen der Filmwochen?

Der Autor Andreas Kötzing, geb. 1978, Historiker und Freier Journalist. Forschungen zur deutschen Filmgeschichte und zu den deutsch-deutschen Beziehungen im Kalten Krieg. Veröffentlichungen u. a.: Keine einfachen Wahrheiten. Die Leipziger Dokumentarfilmwoche und der Fall »IM Walter« (2012). Im Wallstein Verlag erschienen Jürgen Kniep: »Keine Jugendfreigabe!«. Filmzensur in Westdeutschland 1949 – 1990 (2010)

auch als E-Book erhältlich


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Geschichte

Generation und Erwartung Konstruktionen zwischen Vergangenheit und Zukunft

Generationen als Sehnsuchtsund Gemeinschaftsorte und die Rolle der Zeitdimension.

Generation und Erwartung Konstruktionen zwischen Vergangenheit und Zukunft Herausgegeben von Kirsten Gerland, Benjamin Möckel und Daniel Ristau Göttinger Studien zur Generationsforschung, Bd. 12. Herausgegeben von Dirk Schumann ca. 320 S., geb., Schutzumschlag ca. € 32,– (D); € 32,90 (A) ISBN 978-3-8353-1156-5 Mai   WG 1551

Die Herausgeber Kirsten Gerland, geb. 1982, studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Politik- sowie Medien- und Kommunikationswissenschaft in Göttingen und Toruń (Polen). Sie promoviert über den Umbruch von 1989/90 in der DDR und in Polen aus generationengeschichtlicher Perspektive. Benjamin Möckel, geb. 1983, studierte Philosophie und Neuere/Neueste Geschichte in Göttingen. Er promoviert am DFG-Graduiertenkolleg »Generationengeschichte« in Göttingen über die Genera­ tion der »45er« in den beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften. Daniel Ristau, geb. 1980, studierte Neuere/Neueste Geschichte und Politikwissenschaft an der TU Dresden. Er promoviert zu Vernetzungs- und Entflechtungsprozessen der Mitglieder der jüdischen Familie Bondi im 19. Jahrhundert. auch als E-Book erhältlich

Während die Forschung bisher vor allem die Bedeutung von Generationen als Erinnerungsgemeinschaften betont hat, wird hier der Frage nachgegangen, inwiefern sie sich auch als spezifische »Erwartungsgemeinschaften« analysieren lassen, die durch ein besonderes Verhältnis zu einer imaginierten Zukunft charakterisiert sind. Historiker, Soziologen, Literatur- und Erziehungswissenschaftler gehen dieser besonderen Verschränktheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für die Zeit ab dem 19. Jahrhundert nach, die sich sowohl in der Konstruktion von Generationen als auch von Generationsbeziehungen niederschlägt. Aus dem Inhalt: Ulrike Jureit: Generation und Erwartung – Überlegungen zur Interdependenz von Erfahrung und Prognose Guilia Frontoni: Söhne als Generationshelden – ›Hass‹ und politische Erwartung bei Frauen um 1848 Daniel Ristau: Die »Regeneration« der jüdischen Jugend – Die Debatten um die zukünftige Stellung und Modernisierung des Judentums im 19. Jahrhundert Sehra Duran: Schnittstelle zweier Parallelen – Familiale Migrationsgeschichte in Zeit und Raum


Geschichte

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Lu Seegers »Vati blieb im Krieg« Vaterlosigkeit als generationelle Erfahrung im 20. Jahrhundert – Deutschland und Polen Vaterlosigkeit im Nachkriegsdeutschland und -polen als gemeinsame generationelle Erfahrung?

Lu Seegers »Vati blieb im Krieg« Vaterlosigkeit als gene­ rationelle Erfahrung im 20. Jahrhundert – Deutschland und Polen Göttinger Studien zur Generationsforschung, Bd. 13. Herausgegeben von Dirk Schumann ca. 640 S., geb., Schutzumschlag ca. € 49,90 (D); € 51,30 (A) ISBN 978-3-8353-1251-7 Juni   WG 1551

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte allein in Deutschland ein Viertel aller Kinder den Vater verloren, weil er nachweislich an der Front gefallen war oder als vermisst galt. Doch erst seit wenigen Jahren wird das Thema in einer breiteren Öffentlichkeit im Kontext der Debatte um die »Generation der Kriegskinder« diskutiert. Dabei sind es jedoch vorwiegend die Erfahrungen westdeutscher, akademisch geprägter und zumeist männlicher Akteure, die Eingang fanden in die mediale Erinnerungskultur. Lu Seegers überwindet diese thematische Einschränkung, indem sie multi­ perspektivisch und facettenreich die Geschichte der kriegsbedingten Vater­ losigkeit im 20. Jahrhundert darstellt und nach der Generationalität der Betroffenen fragt. Mit der detaillierten Analyse von 30 Lebensgeschichten west- und ostdeutscher Männer und Frauen und einem Vergleich mit den Narrativen zehn polnischer Interviewpartner und -partnerinnen betritt die Studie methodisches wie inhaltliches Neuland.

Die Autorin Lu Seegers, geb. 1968, Historikerin, 2003-2008 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der JLU Gießen, z. Zt. wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hannover. Veröffentlichungen u. a.: Die »Generation der Kriegskinder«. Historische Hintergründe und Deutungen« (Mithg., 2008). In der Reihe zuletzt erschienen Kai Sina: Sühnewerk und Opferleben – Kunstreligion bei Walter Kempowski (2012)

auch als E-Book erhältlich


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Ute Frevert Vergängliche Gefühle

Zur Vergänglichkeit und Wandelbarkeit von Emotionen.

Ute Frevert Vergängliche Gefühle Historische Geistes­ wissenschaften. Frankfurter Vorträge, Bd. 4. Herausgegeben von Bernhard Jussen und Susanne Scholz ca. 80 S., ca. 10 Abb., brosch. ca. € 9,90 (D); € 10,20 (A) ISBN 978-3-8353-1160-2 März   WG 1559

Die Autorin Ute Frevert, geb. 1954, Histo­ rikerin; Direktorin des MaxPlanck-Instituts für Bildungs­ forschung, Berlin; Professuren an der Yale University sowie an den Universitäten Bielefeld, Konstanz und Berlin. Veröffentlichungen u. a.: Emotions in History – Lost and Found (2011); Die kasernierte Nation. Militärdienst und Zivilgesellschaft in Deutschland (2011); »Mann und Weib, und Weib und Mann«. GeschlechterDifferenzen in der Moderne (1995). Im Wallstein Verlag erschienen Gefühlspolitik. Friedrich II. als Herr über die Herzen? (2012)

auch als E-Book erhältlich

Gefühle sind nicht nur per se vergänglich, sie sind es auch in der historischen Zeit. Es gibt Gefühle – zum Beispiel Ehre –, die uns fremd geworden sind, die aber unseren Groß- und Urgroßeltern noch vertraut waren. Umgekehrt finden heute Empfindungen großen Anklang – wie Empathie und Mitleid –, um die sich vormoderne Gesellschaften kaum scherten. Ute Frevert geht in ihrem Essay der Frage nach, wie sich solche emotionalen Konjunkturen erklären lassen, und zeigt damit, wie sich Emotionen in der und durch die Geschichte wandeln.


Geschichte

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Luca Giuliani Possenspiel mit tragischem Helden Mechanismen der Komik im antiken Theater Über das selbstreflexive Potential der griechischen Komödie und griechischer Possenbilder.

Luca Giuliani Possenspiel mit tragischem Helden Mechanismen der Komik im antiken Theater Historische Geisteswissenschaften. Frankfurter Vorträge, Bd. 5. Herausgegeben von Bernhard Jussen und Susanne Scholz ca. 80 S., ca. 15. Abb., brosch. ca. € 9,90 (D); € 10,20 (A) ISBN 978-3-8353-1266-1 März   WG 1559

Ausgehend von der Interpretation eines Vasenbildes wirft Luca Giuliani ein neues Licht auf die Ikonographie insgesamt, auf die Gattung der Komödie und die Poetik des Aristoteles. Griechisch-unteritalische Vasen des 4. Jahrhunderts v. Chr. führen dem Betrachter oft Possenbilder vor Augen. Mit welchen Mitteln wird in diesen Bildern eine komische Wirkung erzeugt, und worin unterscheiden sie sich strukturell von ernsten mythologischen Bildern? Der Unterschied zwischen den zwei ikonographischen Gattungen findet eine unmittelbare Entsprechung im realen Theater, in der Differenz zwischen Komödie und Tragödie. Dabei besteht ein Charakteristikum der Komödie darin, dass sie auch sich selbst bzw. das Theater im allgemeinen zu thematisieren in der Lage ist; infolge dieser Selbstreferentialität besitzt sie – obwohl sie in der aristotelischen Theorie ausdrücklich als eine mindere Gattung gilt – ein ganz anderes reflexives Potential als die Tragödie, der jede Form von Selbstreferentialität untersagt ist. Ein ähnliches Potential kommt auch in manchen Possenbildern zum Zuge. Ihrer Komik kann mitunter eine unerwartet anspruchsvolle Theorie der Gattungen zugrunde liegen, die gar nicht so weit entfernt ist von dem, was man darüber in der aristotelischen Poetik lesen kann.

Der Autor Luca Giuliani, geb. 1950, Rektor des Wissenschafts­ kollegs zu Berlin und Professor für Klassische Archäologie an der HU Berlin; ausgezeichnet mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaft­liche Prosa (2010). Veröffentlichungen u.  a.: Ein Geschenk für den Kaiser. Das Geheimnis des Großen Kameo (zus. mit Gerhard Schmidt, 2010); Bild und Mythos. Geschichte der Bilderzählung in der griechischen Kunst (2003). In der Reihe bisher erschienen Helmut Lethen: Suche nach dem Handorakel. Ein Bericht (2012); Quentin Skinner: Die drei Körper des Staates (2012); Lyndal Roper: Der feiste Doktor. Luther, sein Körper und seine Biographen (2012).

auch als E-Book erhältlich


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Geschichte

Stefanie Fischer Ökonomisches Vertrauen und antisemitische Gewalt Jüdische Viehhändler in Mittelfranken 1919 – 1939 Über ein sensibles Verhältnis: Eine Wirtschafts- und Gewaltgeschichte der deutschen Provinz.

Ausgezeichnet mit dem

Ernst Fraenkel Prize in Contemporary History

der Wiener Library 2012.

Stefanie Fischer Ökonomisches Vertrauen und antisemitische Gewalt Jüdische Viehhändler in Mittelfranken 1919–1939 Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden, Bd. 42 ca. 368 S., ca. 10 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 34,90 (D); € 35,90 (A) ISBN 978-3-8353-1239-5 Mai   WG 1786

Die Autorin Stefanie Fischer, geb. 1977, war von 2002 bis 2005 als Museums­ ­pädagogin maßgeblich an der wissenschaftlichen Konzeption des Orts der Information am Denkmal für die ermordeten Juden Europas beteiligt. Stipendien und Auszeichnungen u. a. von der Fulbright-Kommission und der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Seit 2012 am Zentrum Jüdische Studien in Berlin.

auch als E-Book erhältlich

Die Nationalsozialisten stießen beim Versuch, Juden aus dem Viehhandel zu verdrängen an die Grenzen ihrer rassistischen Wirtschaftspolitik. Trotz antisemitischer Propaganda hielten viele Bauern an ihren vertrauten Handelspartnern, den jüdischen Viehhändlern, fest. Tatsächlich zählt der Viehhandel zu den ältesten Tätigkeitsfeldern von Juden in Mitteleuropa. Als Viehein- und -verkäufer, aber auch als Kreditgeber und Güterhändler, agierten sie an einer sensiblen Stelle in der Agrargesellschaft. Stefanie Fischer untersucht erstmals die Bedeutung der jüdischen Viehhändler für den ländlichen Raum. Sie beleuchtet, wie sich das Vertrauens­ verhältnis zwischen Viehhändlern und Bauern aufbaute und wie lange die wirtschaftlichen Beziehungen unter dem Druck antisemitischer Gewalt und Propaganda Bestand hatten. Als Untersuchungsregion dient die bayerische Region Mittelfranken. Dort lebte noch bis 1933 eine der größten jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich. Gleichzeitig nahm im Gau von Julius Streicher die anti­semitische Gewalt ein besonders scharfes Ausmaß an.


Geschichte

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Heiko Morisse Ausgrenzung und Verfolgung der Hamburger jüdischen Juristen im Nationalsozialismus Heiko Morisse Ausgrenzung und Ver­folgung der Hamburger jüdischen Juristen im Nationalsozialismus

Eine geschlossene Darstellung der Verfolgung der Hamburger jüdischen Juristen in der NS-Zeit.

Band 1: Rechtsanwälte ca. 224 S., ca. 135 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 29,90 (D); ca. € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1272-2 April    WG 1556

Band 2: Beamtete Juristen ca. 240 S., ca. 250 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 29,90 (D); ca. € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1225-8 April   WG 1556

Unmittelbar nach der Machtübernahme begannen die Nationalsozialisten ihr Programm zu verwirklichen, die Juden aus dem politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben »auszuschalten«. Den Auftakt bildete die Verdrängung der jüdischen Juristen aus ihren Berufen. Wie dieser Prozess in Hamburg verlaufen ist, beschreibt Heiko Morisse in seiner zweibändigen Untersuchung. Band 1, eine aktualisierte und erweiterte Neuauflage seines 2003 erschienenen Buchs »Jüdische Rechtsanwälte in Hamburg«, behandelt die Ausgrenzung und Verfolgung der Hamburger jüdischen Rechtsanwälte, Band 2 die berufliche Verdrängung der beamteten Juristen in Hamburg, insbesondere der Richter, Staatsanwälte und Verwaltungsjuristen. Um die Auswirkungen der nationalsozialistischen Ausgrenzungspolitik auf die Betroffenen erfahrbar werden zu lassen, werden neben den konkreten Umständen der beruflichen »Ausschaltung« auch die weiteren Verfolgungsetappen von der Vertreibung über Deportation bis hin zur Ermordung beschrieben. Beide Bände enthalten einen ausführlichen biografischen Teil, in dem das Schicksal von insgesamt über 360 Juristen in Einzelbiografien skizziert wird.

Der Autor Heiko Morisse, geb. 1944, Vorsitzender Richter am Han­ seatischen Oberlandesgericht Hamburg a. D.; Veröffentlichungen zum Themenbereich Justiz und Nationalsozialismus und zur jüdischen Geschichte Hamburgs. Im Wallstein Verlag erschienen Kurt F. Rosenberg: »Einer, der nicht mehr dazugehört«. Tagebücher 1933–1937 (2012)

auch als E-Book erhältlich


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Geschichte

Sport als Element des Kulturtransfers Jüdische Sportler zwischen NS-Deutschland und Palästina Die Rolle des Sports als ein Element des Kulturtransfers zwischen Deutschland und Palästina.

Sport als Element des Kulturtransfers Jüdische Sportler zwischen NS-Deutschland und Palästina Herausgegeben von Lorenz Peiffer und Moshe Zimmermann Die Herausgeber Lorenz Peiffer, geb. 1947, Stu­ dium der Geschichte, Sport und Erziehungswissenschaft an der Universität Göttingen; Professor für Sportpädagogik an der Leibniz Universität Hannover. Veröffentlichungen u. a.: Sport im Nationalsozialismus. Zum aktuellen Stand der sporthistorischen Forschung. Eine kommentierte Bibliografie (2009); Hakenkreuz und rundes Leder. Fußball im National­ sozialismus (Hg. mit Dietrich Schulze-Marmeling, 2008). Moshe Zimmermann, geb. 1943, Historiker, seit 1986 Leiter des R. Koebner-Zentrums für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem; für seine Forschungen erhielt er u. a. den Lessing-Preis für Kritik (2006). Veröffentlichungen u. a.: Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik (Mithg, 2010); Die Angst vor dem Frieden: Das israelische Dilemma (2010). Im Wallstein Verlag erschienen Lorenz Peiffer und Henry Wahlig: Juden im Sport während des Nationalsozialismus. Ein historisches Handbuch für Niedersachsen und Bremen (2012) auch als E-Book erhältlich

ca. 224 S., ca. 20 Abb., brosch. ca. € 24,90 (D); € 25,60 (A) ISBN 978-3-8353-1234-0 Juni   WG 1556

Neuere Forschungen betonen die zentrale Rolle des Sports bei der Ausformung nationaler Identitäten. Inwiefern dies auch für den Zionismus gilt, wird in diesem Band gezeigt. Insbesondere die deutsch-jüdischen Immigranten propagierten und förderten den Sport als wesentliches Element der zionistischen Identität in Palästina. Vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen der 1930er und 1940er Jahre werfen die sportlichen Begegnungen zwischen jüdischen Mannschaften aus Nazi-Deutschland und Erez Israel interessante Fragen über die Hintergründe, Motive und Austauschprozesse auf, denen die Autorinnen und Autoren nachgehen. Aus dem Inhalt: Ofer Ashkenazi: Sport und Identität. Der Beitrag der deutschen jüdischen Immigranten Henry Wahlig: Die Beteiligung jüdischer Sportler aus Deutschland auf der II. Makkabiah 1935 in Tel Aviv Eyal Gertmann / Lorenz Peiffer: Im Schatten antisemitischer Diskriminierung und Verfolgung. Sportliche Begegnungen zwischen jüdischen Mannschaften aus Nazi-Deutschland und Erez Israel im Jahre 1937


Geschichte

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Daniel Stahl Nazi-Jagd Südamerikas Diktaturen und die Ahndung von NS-Verbrechen Die Suche nach NS-Verbrechern und Kollaborateuren im politischen Kontext südamerikanischer Diktaturen.

Daniel Stahl Nazi-Jagd Südamerikas Diktaturen und die Ahndung von NS-Verbrechen

Berichterstattung im SPIEGEL geplant.

Beiträge zur Geschichte des 20. Jahrhunderts, Bd. 15. Herausgegeben von Norbert Frei ca. 432 S., geb., Schutzumschlag ca. € 34,90 (D); € 35,90 (A) ISBN 978-3-8353-1112-1 Februar   WG 1557

Südamerika wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Fluchtpunkt zahlreicher NS-Verbrecher und Kollaborateure. Es gab jedoch bald vielseitige Bemühungen, die Justizflüchtigen aufzuspüren und sie vor Gericht zu bringen. Daniel Stahl nimmt die Akteure dieser »Nazi-Jagd« – Privatpersonen, nichtstaatliche und staatliche Institutionen – in den Blick. Er zeigt, dass die Nazi-Jagd nicht allein als Nachgeschichte des Nationalsozialismus zu verstehen ist, die den Wandel im Umgang mit NS-Verbrechen widerspiegelte und gleichzeitig vorantrieb. Sie wurde auch zum Bestandteil der Auseinandersetzung mit der Repression durch autoritäre Regime in Südamerika: Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten gingen davon aus, dass die justizflüchtigen NS-Täter und Kollaborateure auch nach 1945 im Dienste südamerikanischer Diktatoren an staatlichen Gewaltverbrechen beteiligt waren, und unterstützten die Bemühungen zu ihrer Ergreifung. Die Nazi-Jagd wird deshalb als eine Geschichte von Wechselwirkungen zwischen der Ahndung von NS-Verbrechen und dem Umgang mit der Repression durch südamerikanische Regime erzählt: als Teil transnational verflochtener Auseinandersetzungen mit staatlich veranlassten Gewaltverbrechen.

Der Autor Daniel Stahl, geb. 1981, studierte Neuere Geschichte in Asun­ción und Jena und ist wissenschaft­ licher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der FriedrichSchiller-Universität Jena. In der Reihe zuletzt erschienen Die Geburt des Zeitzeugen nach 1945, hg. von Martin Sabrow und Norbert Frei (2012); Henning Tümmers: Anerkennungs­ kämpfe. Die Nach­geschichte der natio­nalsozialistischen Zwangssterilisationen in der Bundesrepublik (2011).

auch als E-Book erhältlich


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Geschichte

Ulrike Schulz Simson Vom unwahrscheinlichen Überleben eines Unternehmens 1856 – 1993 Von der Waffenfabrik zum »Schwalben«-Hersteller. Eine deutsche Unternehmensgeschichte.

Ausgezeichnet mit dem Preis für Unternehmensgeschichte 2012.

Ulrike Schulz Simson Vom unwahrscheinlichen Überleben eines Unternehmens 1856 – 1993 ca. 400 S., ca. 25 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 34,90 (D); € 35,90 (A) ISBN 978-3-8353-1256-2 März   WG 1786

Die Autorin Ulrike Schulz, geb. 1976, Studium in Berlin und Jerusalem, Promotion in Geschichte an der Universität Bielefeld; derzeit Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld. Veröffentlichungen u. a. zur Wirtschafts- und Unter­ nehmensgeschichte.

auch als E-Book erhältlich

Die Waffen- und Fahrzeugfabrik »Simson« im thüringischen Suhl überdauerte fünf politische Systemwechsel. Vom Kaiserreich bis nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 entwickelte sich das Unternehmen mit jedem politischen Umbruch organisatorisch und technisch fort. In seinem betrieblichen Kern blieb es aber zugleich unverändert. Achtzig Jahre lang lagen die Geschicke der »Simsonwerke« in den Händen der jüdischen Kaufmannsfamilie Simson. 1935 wurde die Familie entschädigungslos enteignet und die Firma unter die Führung der NSDAP gestellt. Die sowjetischen Besatzer bauten das Werk zum Motorradhersteller um. In der DDR wurde dort rund dreißig Jahre lang das bis heute berühmte Moped »Schwalbe« produziert. Die Transformation in die soziale Marktwirtschaft nach 1989 unter der Verantwortung der TreuhandManager überlebte die Firma »Simson« nicht. Dabei sind die Gründe für den endgültigen Niedergang nicht weniger aufschlussreich als diejenigen für das Überleben. Die Geschichte der Firma »Simson« erweist sich als ein außergewöhnliches wie prototypisches Beispiel für die Beständigkeit von Unternehmen in wechselnden ökonomischen, rechtlichen und politischen Arrangements.


Geschichte

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Christian Marx Paul Reusch und die Gutehoffnungshütte Leitung eines deutschen Großunternehmens

Christian Marx Paul Reusch und die Gutehoffnungshütte Leitung eines deutschen Großunternehmens

Die Expansion des Groß­ unternehmens »Gutehoffnungshütte« unter Paul Reusch zu einem bedeutenden Montanund Maschinenbaukonzern.

Moderne Zeit. Neue Forschungen zur Gesellschafts- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Bd. 25. Herausgegeben von Ulrich Herbert und Lutz Raphael ca. 695 S., ca. 25 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 74,– (D); € 76,10 (A) ISBN 978-3-8353-1119-0 Januar   WG 1786

Paul Reusch war ein wirtschaftlich erfolgreicher und politisch prominenter Unternehmer des 20. Jahrhunderts. Von 1909 bis 1942 führte er das in Oberhausen ansässige Großunternehmen »Gutehoffnungshütte« (GHH) als Vorstandsvorsitzender. Die von ihm eingeführte Produkt- und Profitstrategie beinhaltete den Aufbau eines vertikal integrierten Konzerns und basierte im Unterschied zu anderen Firmen vor allem auf Zukäufen fremder Unternehmen durch Eigenmittel. Christian Marx untersucht im Kontext der neueren Corporate-Governance-Forschung systematisch die internen und externen Kontrollund Führungsmechanismen. Dabei macht er Netzwerkverbindungen und Informationsflüsse sichtbar, die eine über einen langen Zeitraum stabile Führung des Konzerns garantierten. Obwohl Reusch die GHH bereitwillig an der nationalsozialistischen Aufrüstung beteiligte, führten Konflikte innerhalb des Konzerns sowie mit verschiedenen Parteistellen der NSDAP schließlich zu seinem erzwungenen Rücktritt während des Zweiten Weltkriegs.

Der Autor Christian Marx, geb. 1977, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsverbund »Nachdem-Boom« an der Universität Trier sowie am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozial­ geschichte an der Universität des Saarlandes. Forschungsschwerpunkte: Wirtschaftsund Unternehmensgeschichte, Geschichte des 20. Jahr­ hunderts, Wirtschafts- und Organisationssoziologie. Im Wallstein Verlag erschienen Detlev Humann: »Arbeitsschlacht«. Arbeits­beschaffung und Propaganda in der NS-Zeit 1933 –1939 (2011); Kim Christian Priemel: Flick. Eine Konzern­ geschichte vom Kaiserreich bis zur Bundes­republik (2007)

auch als E-Book erhältlich


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Geschichte

Freilegungen Überlebende – Erinnerungen – Transformationen

Frühe Zeugnisse von Überlebenden des Holocaust.

Freilegungen Überlebende – Erinnerungen – Transformationen Herausgegeben von Rebecca Boehling, Susanne Urban und René Bienert Jahrbuch des International Tracing Service, Bd. 2. Herausgegeben i. A. des International Tracing Service ca. 400 S., ca. 25 Abb., brosch. ca. € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1213-5 Juni   WG 1550

Der Herausgeber Rebecca Boehling ist Pro­ fessorin für Neuere deutsche Geschichte, Jüdische Studien und Geschlechterstudien an der University of Maryland und seit 2013 Direktorin des ITS Bad Arolsen. Susanne Urban ist seit 2009 Leiterin des Bereichs Forschung im ITS Bad Arolsen. Zuvor Mitarbeiterin in Yad Vashem in Jerusalem und am Jüdischen Museum in Frankfurt am Main. René Bienert studierte Sozio­ logie, Kulturgeschichte und Volkskunde an der Universität in Jena; seit 2012 stellvertretender Leiter des Bereichs Forschung und Bildung im ITS Bad Arolsen. In der Reihe bisher erschienen Freilegungen – Auf den Spuren der Todesmärsche, hg. von Jean-Luc Blondel, Susanne Urban und Sebastian Schönemann (2012) auch als E-Book erhältlich

Das vorliegende Jahrbuch beschäftigt sich mit frühen Zeugnissen Überlebender und der Veränderung von Erinnerung. Auch im International Tracing Service (ITS) finden sich solche Zeugnisse, z. B. als Interviewsplitter in alliierten Formularen oder als dem ITS überlassene mehrseitige Texte. Sie alle beweisen, dass die Überlebenden in den ersten Jahren nach der Befreiung eben nicht schwiegen, sondern bereits eine Auseinandersetzung mit dem Erlittenen einsetzte. Die Autorinnen und Autoren greifen in ihren Beiträgen sowohl auf die Dokumente des ITS als auch auf andere Archive zurück. Aus dem Inhalt: Sebastian Schönemann: Die ersten Aufklärer: Überlebende als Angestellte der Suchdienste Stefan Hördler: Tatort Prettin: Interviews- und Zeugenaussagen von Zuschauern, Tätern und Opfern Sascha Feuchert: Frühe Zeugnisse Überlebender Nava Semel: Remembrance and its layers within the generations Olesya Orlenko: Early testimonies on the liberation of concentration camps through the Red Army Natan Kellerman: »What’s in a name?« Survivors’ self-identities


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Deutsche(s) in Palästina und Israel Alltag, Kultur, Politik

Deutsches, Jüdisches und Israelisches – neue Perspek­ tiven auf nur scheinbar wohl­ bekannte Beziehungen.

Deutsche(s) in Palästina und Israel Alltag, Kultur, Politik Herausgegeben von José Brunner Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte, Bd. 41. Herausgegeben von José Brunner i. A. des Minerva Instituts für deutsche Geschichte ca. 350 S., ca. 6 Abb., brosch. ca. € 38,– (D); € 39,10 (A) ISBN 978-3-8353-1214-2 April   WG 1559

Auf Basis jüngster Forschungen untersucht das neue Tel Aviver Jahrbuch die Kontexte und Beweggründe, die unterschiedliche Gruppen von Deutschen zu verschiedenen Zeiten nach Palästina und Israel brachten. Die Autoren analysieren zu diesem Zweck die vielfältigen Wege, durch die deutsches Kulturgut in die hebräische Kultur aufgenommen wurde: von den Kochbüchern für Jeckes bis hin zu ihren religiösen Ritualen. Zudem wird das gegenwärtige Deutschlandbild der Israelis mit dem Israelbild der Deutschen verglichen. Aus dem Inhalt: Moshe Zimmermann: Facelift – Das Image der Deutschen in Israel seit der Wiedervereinigung Robin Streppelhoff: »Zur Verbesserung der Beziehungen« – Deutsche Sportler in Israel 1966 – 1971 Simone Evelyn Heil: Der Beitrag des Jugendaustauschs zu den deutschisraelischen Beziehungen – Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung Nitsa Ben-Ari: Hebrew Translations of German Classics – The Ups and the Downs Viola Rautenberg: Schlagsahne oder »Shemen«-Öl? Deutsch-jüdische Hausfrauen und ihre Küche in Palästina (1936 – 1940)

Der Herausgeber José Brunner, geb. 1954, Professor an der Buchmann Fakultät für Rechtswissenschaft und dem Cohn Institut für Wissenschaftsgeschichte und -philosophie der Universität Tel Aviv; Direktor des Minerva Instituts für deutsche Geschichte. In der Reihe zuletzt erschienen »Die Deutschen« als die anderen – Deutschland in der Imagination seiner Nachbarn, hg. von José Brunner und Iris Nachum (2012)

auch als E-Book erhältlich


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Geschichte

Harold James Finanzmarkt macht Geschichte Lehren aus den Wirtschaftskrisen Wirtschaftskrisen in Vergangenheit und Gegenwart.

Harold James Finanzmarkt macht Geschichte Lehren aus den Wirtschaftskrisen Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts. Vorträge und Kolloquien, Bd. 13. ca. 224 S., franz. brosch. ca. € 15,– (D); € 15,50 (A) ISBN 978-3-8353-1118-3 April   WG 1976

Der Autor Harold James, geboren 1956 in Bedford/England, ist Pro­ fessor für Geschichte und Internationale Politik an der Princeton University. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zur deutschen Geschichte, u. a.: Making the European Monetary Union (2012); Krupp. Deutsche Legende und globales Unternehmen (2011); Die Deutsche Bank im Dritten Reich (2003). Für seine Publikationen wurde James u. a. mit dem LudwigErhard-Preis für Wirtschaftspublizistik aus­gezeichnet.

auch als E-Book erhältlich

Die internationale Finanzkrise der letzten Jahre hat auch in der Wirtschaft Aufmerksamkeit für die Bedeutung historischer Erfahrungen geweckt. Harold James begrüßt dies ausdrücklich – und warnt zugleich vor einer naiven Anwendung historischer Lehren. Falsche Analogien verursachten mehr Probleme, als dass sie Einsicht schafften. Auch liefere die Geschichte keine Patentrezepte, sondern nur die Möglichkeit, gebräuchliche Hypothesen zu über­ prüfen. Aus dieser Perspektive analysiert der renommierte Wirtschaftshisto­ riker nicht nur die mit der Finanzkrise verbundenen Herausforderungen und Entwicklungen, sondern blickt auch auf den raschen Aufstieg der Wirtschaftsmacht China, mit dem große ökonomische Hoffnungen, aber auch politische Ängste verbunden sind.


Geschichte

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Lothar Graf zu Dohna Die Dohnas und ihre Häuser Profil einer europäischen Adelsfamilie

Lothar Graf zu Dohna Die Dohnas und ihre Häuser Profil einer europäischen Adelsfamilie

Eine illustrative (kunst-) historische Dokumentation des 850-jährigen Wirkens der Adelsfamilie Dohna im preußischen und euro­päischen Raum.

Unter Mitwirkung von Alexander Fürst zu Dohna (†) und mit einem Beitrag von Ursula Gräfin zu Dohna 2 Bde., zus. ca. 992 S., ca. 315, z. T. farbige Abb., geb., Schutzumschlag, Schuber ca. € 89,– (D); € 91,50 (A) ISBN 978-3-8353-1237-1 März   WG 1558

Die Geschichte eines adligen Geschlechts ist auch immer die Geschichte seiner Häuser. Das weitverzweigte Adelsgeschlecht der Dohnas, in der Mitte des 12. Jahrhunderts von der Burggrafschaft Dohna (bei Dresden) ausgehend, wirkte in der Periode der Burgen und Schlösser insbesondere in Böhmen und Preußen. Diese Einzelstudie zur Sozial- und Kulturgeschichte des Adels eröffnet neue Perspektiven auf die allgemeine Geschichte Preußens und Ostpreußens. In zahlreichen Abbildungen stellt diese (kunst-)historische Dokumentation die an­nähernd 30 Schlösser und Herrenhäuser der Adelsfamilie Dohna mit einem umfangreichen, bisher meist unveröffentlichten gewachsenen Bestand an historischen Kunstwerken vor. Gleichzeitig wird das politische, gesellschaftliche und kulturelle Wirken der Familie Dohna in den Blick genommen: die Regierung ihres Territoriums, der mittelalterlichen Burggrafschaft Dohna, ihre bedeutende Rolle im Werden des preußischen Staates bis zu ihrem Verhalten im Dritten Reich zwischen Kollaboration und Widerstand. Der räumliche Einflussbereich reicht von Böhmen nach Schweden, von Südfrankreich und Holland bis in die Weite Ostmitteleuropas.

Die Autoren Lothar Graf zu Dohna, geb. 1924, emeritierter Professor der Geschichte der TU Darmstadt und zugleich Honorarprofessor der Kirchengeschichte der Universität Frankfurt a. M. Veröffentlichungen u. a.: Ostpreußen: ein verlorenes Paradies (1993). Alexander Fürst zu Dohna, 1899–1997, Kunstexperte und letzter Besitzer von Schlobitten. Veröffentlichungen u. a.: Erinnerungen eines alten Ostpreußens (2006). Ursula Gräfin zu Dohna, geb. 1922, langjährige Dozentin der Gartenkunst an der FH Weihenstephan. Veröffentlichungen u. a.: Gärten und Parke in Ost­ preußen (1993).


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Kulturwissenschaften

Dagmar Herzog Paradoxien der sexuellen Liberalisierung

Neue Reihe: Was ist Normalität? Interdisziplinäre Forschungen im Feld der Queer-Studies. Die neue Vortrags- und Schriften-Reihe »HirschfeldLectures« versteht sich als Impulsgeberin für die Dar­ stellung geschichtlicher Zu­sammenhänge und aktueller Fragestellungen hinsichtlich der Verfolgung, der Diskriminierung und des Alltags von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Trans- und Intersexuellen (LGBT).

Dagmar Herzog Paradoxien der sexuellen Liberalisierung

Dagmar Herzog Paradoxien der sexuellen Liberalisierung Hirschfeld-Lectures, Bd. 1. Herausgegeben von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

Die Reihenherausgeberin

48 S., Klappenbroschur € 9,90 (D); € 10,20 (A) ISBN 978-3-8353-1262-3 Januar   WG 1726

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld unterstützt seit 2011 interdisziplinäre Forschung und Bildungsförderung im Sinne ihres Namensgebers. Wallstein

Die Autorin Dagmar Herzog, geb. 1961, Distinguished Professor of History an der City University of New York. Veröffentlichungen u. a.: Sexuality in Europe: A Twentieth-Century History (2011); Brutality and Desire: War and Sexuality in Europe’s Twentieth Century (Hg. 2009); Sex in Crisis: The New Sexual Revolution and the Future of American Politics (2008); Die Politisierung der Lust. Sexualität in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts (2005).

auch als E-Book erhältlich

Was können, was müssen wir heute von dem komplizierten Vermächtnis der Sexualrechtsaktivisten Magnus Hirschfeld und Johanna Elberskirchen lernen? Was haben die Nationalsozialisten sich von den jüdischen, linken, und feministischen Sexualreformern der Weimarer Zeit angeeignet und was abgewehrt und aggressiv verschmäht? Wie hat sich die Homophobie im Laufe des Dritten Reichs verändert und was wurde an die Nachkriegszeit weitergegeben? Dagmar Herzog geht den Paradoxien der sexuellen Liberalisierung im 20. Jahrhundert nach und analysiert Verstrickungen und Ambivalenzen, die uns noch heute zu schaffen machen.


Kulturwissenschaften

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Andreas Kraß »Meine erste Geliebte« Magnus Hirschfeld und sein Verhältnis zur schönen Literatur Magnus Hirschfeld

Andreas Kraß »Meine erste Geliebte« Magnus Hirschfeld und sein Verhältnis zur schönen Literatur

Andreas Kraß »Meine erste Geliebte« Magnus Hirschfeld und sein Verhältnis zur schönen Literatur Hirschfeld-Lectures, Bd. 2. Herausgegeben von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

(1868-1935) jüdischer Arzt, Sexualreformer und Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellen-Bewegung WhK (Wissenschaftlich-humanitäres Komitee). Er war 1918 Mitbegründer des Instituts für Sexualwissenschaften in Berlin zur Förderung wissenschaftlicher Forschung. Das Institut wurde 1933 von den Nationalsozialisten zerschlagen.

ca. 64 S., Klappenbroschur € 9,90 (D); € 10,20 (A) ISBN 978-3-8353-1263-0 Mai   WG 1270

Wallstein

In seinem Essay »Mein Verhältnis zur schönen Literatur« (1928) bekannte Magnus Hirschfeld, dass die Dichtung seine »erste Geliebte« gewesen sei, bevor er sich der Sexualwissenschaft zuwandte. Bereits in seinem Standardwerk »Die Homosexualität des Mannes und des Weibes« (1914) führte er Goethe und Schiller als Vorläufer des sexuellen Befreiungskampfes an und widmete literarischen Darstellungen gleichgeschlechtlicher Liebe ein umfangreiches Kapitel. Im »Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen«, das Hirschfeld von 1899 bis 1923 herausgab, erschienen Porträts homosexueller Dichter wie Hans Christian Andersen. Hirschfelds renommiertes Institut für Sexualwissenschaft war ein kultureller Treffpunkt Berlins. Bei literarischen Soiréen trat Hirschfeld sogar selbst als Dichter hervor. Ebenso wurde er literarisch verewigt, etwa in Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« (1929) und wurde in literaturwissenschaftlichen Unter­suchungen wie Hans Dietrich Hellbachs Dissertation »Die Freundesliebe in der deutschen Literatur« (1931) als moderner Theoretiker seiner Zeit rezipiert.

Der Autor Andreas Kraß, geb. 1963, Professor für deutsche Literatur des Mittelalters an der HU Berlin. Veröffentlichungen u. a.: Meerjungfrauen: Geschichten einer unmöglichen Liebe (2010); Queer Studies in Deutschland: Interdisziplinäre Beiträge zur kritischen Heteronormativitätsforschung (2009); Tinte und Blut: Politik, Erotik und Poetik des Martyriums (2008); Geschriebene Kleider: Höfische Identität als literarisches Spiel (2006); Queer denken: Gegen die Ordnung der Sexualität (2003); Bündnis und Begehren: Ein Symposium über die Liebe (2002).

auch als E-Book erhältlich


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Kulturwissenschaften

Epoche und Projekt Perspektiven der Aufklärungsforschung

Interdisziplinäre Studien zum Stand der aktuellen Aufklärungsforschung.

Epoche und Projekt Perspektiven der Aufklärungsforschung Herausgegeben von Stefanie Stockhorst Das achtzehnte Jahrhundert – Supplementa, Bd. 17. Herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts ca. 272 S., ca. 5 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 29,– (D); € 29,90 (A) ISBN 978-3-8353-1122-0 April   WG 1510

Die Herausgeberin Stefanie Stockhorst, geb. 1974, ist Professorin für Neuere Deutsche Literatur/Frühe Neuzeit an der Universität Potsdam. Veröffentlichungen u. a.: Einführung in das Werk Gotthold Ephraim Lessings (2011); Cultural Transfer through Translation. The Circulation of Enlightened Thought in Europe by Means of Translation (2010); Reformpoetik. Kodifizierte Genustheorie des Barock und alternative Normenbildung in poetologischen Paratexten (2008). In der Reihe zuletzt erschienen Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger im Netzwerk der europäischen Aufklärung, hg. von Anett Lütteken und Barbara MahlmannBauer (2009)

Nimmt man Kants vielzitierte Antwort auf die Frage »Was ist Aufklärung?« beim Wort, so erscheint die Epoche in erster Linie getragen zu sein von Vernunft, Freiheit und einer kritischen Öffentlichkeit, was zu ideen- und institutionengeschichtlicher Forschung anregt. Dagegen bot in den 1990er Jahren vor allem der anthropologische Leitgedanke des ›ganzen Menschen‹ wichtige Anregungen für die Erforschung des 18. Jahrhunderts. Welche Aufgaben, Gegen­stände und Methoden können sich zukünftig als leistungsfähig erweisen? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fächern, die sich mit Gegenständen des 18. Jahrhunderts befassen, ziehen jeweils eine Bilanz aus dem Problemhorizont ihres eigenen Arbeitsgebietes, um vor diesem Hintergrund aktuelle Fragen und ergiebige Anknüpfungspunkte aufzuzeigen. Mit Beiträgen von: Elena Agazzi, Hans Blom, Daniel Fulda, Roland Kanz, Hans-Jürgen Lüsebrink, Laurenz Lütteken, Monika Neugebauer-Wölk, Gerhard Sauder, Wolfgang Schmale, Hans-Jürgen Schrader, Stefanie Stockhorst, Barbara Stollberg-Rilinger und Carsten Zelle


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Rousseau und die Moderne Eine kleine Enzyklopädie

International renommierte Expertinnen und Experten stellen ausgewählte Schlüsselkategorien der Moderne im Anschluss an Rousseau vor.

Rousseau und die Moderne Eine kleine Enzyklopädie Herausgegeben von Iwan-Michelangelo D’Aprile und Stefanie Stockhorst ca. 416 S., geb., Schutzumschlag ca. € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1255-5 Juni   WG 1524

Jean-Jacques Rousseau

Kein Autor des 18. Jahrhunderts hat die Ambivalenzen der Moderne so weitgefächert vorgedacht wie Jean-Jacques Rousseau. Dabei zeigt sich nicht nur die enorme, sinnstiftende Anschlussfähigkeit bestimmter Begriffe, die Rousseau als notorischer Querdenker seiner Epoche entwickelte; es kommen darüber hinaus auch Brüche und Widersprüchlichkeiten der Aufklärung zum Vorschein, die sich ebenfalls bis heute fortschreiben. Der Band sammelt Kurzessays von international renommierten Expertinnen und Experten, die ausgewählte Schlüsselkategorien im Anschluss an Rousseau behandeln. In alphabethischer Reihenfolge angeordnet formen sie eine kleine Enzyklopädie der Moderne. Mit Beiträgen u. a. von: Tristan Coignard, Elisabeth Décultot, Avi Lifschitz, Hans-Jürgen Lüsebrink, Joseph Vogl, Liliane Weissberg

(1712 –1778), als Pädagoge und Philosoph Vordenker der Französischen Revolution. Vor 250 Jahren erschien sein wichtigstes Werk zur Erziehung: Émile. Die Herausgeber Iwan-Michelangelo D’Aprile, geb. 1968, ist Juniorprofessor für Europäische Aufklärung an der Universität Potsdam. Veröffentlichungen u. a.: Die Erfindung der Zeitgeschichte. Geschichtsschreibung und Journalismus zwischen Auf­ klärung und Vormärz (2013); Aufklärung – Evolution – Globalgeschichte (2010); Das 18. Jahrhundert. Zeitalter der Aufklärung (2008). Stephanie Stockhorst siehe gegen­überliegende Seite Im Wallstein Verlag erschienen

Zeitkonzepte. Zur Pluralisierung des Zeitdiskurses im langen 18. Jahrhundert, hg. von Carsten Zelle. Zusammengestellt von Stefanie Stockhorst (2006) auch als E-Book erhältlich


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Kulturwissenschaften

Salomon Heine in Hamburg – Geschäft und Gemeinsinn

Nicht nur der reiche Onkel eines berühmten Dichters: Salomon Heine als Hamburgs Retter und Mäzen.

Salomon Heine in Hamburg – Geschäft und Gemeinsinn Herausgegeben von Beate Borowka-Clausberg 256 S., 79 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 19,90 (D); € 20,50 (A) ISBN 978-3-8353-1199-2 April   WG 1555 Salomon Heine (1767 –1844), bekannt als Onkel und Gönner des Dichters Heinrich Heine (1797 –1856), entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Hannover. Mit 17 Jahren kam er nach Hamburg und avancierte dort zum Bankier und Mäzen. In der großen Brandkatastrophe von 1842 erwies er sich als Retter Hamburgs: Er ließ sein Stadthaus sprengen, um die Flammen aufzuhalten, sorgte für günstige Wiederaufbaukredite und verhinderte so den finan­ ziellen Zusammenbruch der Hansestadt, die ihm jedoch keine Bürgerrechte gewährte. Die Herausgeberin Beate Borowka-Clausberg, geb. 1960, Studium der Germanistik und Philosophie in Düsseldorf, Promotion über Frühneuzeit­ liche Reiseberichte in Kassel, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Heine-Haus in Hamburg. Veröffentlichungen u. a.: Damals in Marienbad … (2009); Unterwegs zum Orient. Ida Gräfin Hahn-Hahns Schlesienfahrt 1843 (2007). auch als E-Book erhältlich

Inhalt: Joseph A. Kruse: Himmel und Hölle – Heinrich Heines Hamburg Arno Herzig: Salomon Heines Testament und der Jurist Gabriel Riesser Ute Haug: Therese Halle und Carl Heine – Zwei Kinder Betty und Salomon Heines und die Hamburger Kunsthalle Christian Liedtke: »Setzen Sie dem Salomon zu!« Julius Campe und die Familie Heine Gideon Reuveni: Geldverleiher, Unternehmer und Angestellte. Jüdische Bankiers Klaus Weber: Salomon Heine und der Aufstieg der deutsch-jüdischen Kaufleute und Finanziers im Hamburg des 19. Jahrhunderts Franklin Kopitzsch: Salomon Heines erster Biograph – Der Hamburger Schriftsteller Joseph Mendelssohn Alk Arwed Friedrichsen: Salomon Heines Wohnhäuser. Oder: Leben zwischen Hamburger Großbank und dänischem Landsitz Hargen Thomsen: Das Hamburger Stadttheater in der Ära Friedrich Ludwig Schmidts, 1815 – 1841 Jan-Peter Wiborg: Aufsteiger aus dem Weserbergland – Familie Heine in Rinteln, Bückeburg und Hannover Werner H. Preuß: Die Heines in Lüneburg Sylvia Steckmest: Von Lust und Leid des Erbens. Salomon Heines Tochter Fanny Schröder und ihre Nachkommen


Kulturwissenschaften

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Unter dem roten Wunderschirm Lesarten klassischer Kinder- und Jugendliteratur

Von Comenius’ »Orbis sensua­ lium pictus« bis zu Rowlings »Harry Potter«: Ein Streifzug durch die Kinder- und Jugend­ literatur.

Unter dem roten Wunderschirm Lesarten klassischer Kinder- und Jugendliteratur Herausgegeben von Christoph Bräuer und Wolfgang Wangerin ca. 384 S., ca. 50, z.T. farbige Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1245-6 März   WG 1559

26 bedeutende Werke der Kinder- und Jugendliteratur in geisteswissenschaftlicher Lesart: »Die Schatzinsel«, »Pippi Langstrumpf«, »Pinocchio«, »Gullivers Reisen«, »Struwwelpeter«, »Jim Knopf«, »Sams«, »Trotzkopf«, »Harry Potter« und »Die wilden Kerle« offenbaren die sozialisatorische, kulturelle und literarische Bedeutung von Kinderbüchern. Die Autoren geben eine spannende und zugleich gut verständliche Einführung in klassische Werke der Kinder- und Jugendliteratur. Mit Beiträgen von: Regina Bendix, Barbara Buchenau, Heinrich Detering, Ute Dettmar, Bernd Dolle-Weinkauff, Hans-Heino Ewers, Susanne Friede, Brigitte Glaser, Dagmar Grenz, Karin Hoff, Julia Hoffmann, Torsten Hoffmann, Frank Kelleter, Tom Kindt, Lotta König, Gerhard Lauer, Doris Lemmermöhle, Carola Pohlmann, Frauke Reitemeier, Lutz Rühling, Barbara Schaff, Dirk Schumann, Kai Sina, Kaspar H. Spinner, Carola Surkamp, Ingrid Tomkowiak, Wolfgang Wangerin.

Die Herausgeber Christoph Bräuer, geb. 1973, ist Professor für Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur an der Universität Göttingen und Leiter der Sammlung historischer Kinder- und Jugend­literatur. Veröffentlichungen u. a.: Literaturkritik: Von der profes­ sionellen Rezension zur eigenen Kritik (2012); Literarische Gespräche im Deutschunter­richt: Über Literatur sprechen (lernen) (2011); Könnerschaft und Kompetenz in der Lese­ ausbildung (2010). Wolfgang Wangerin, geb. 1944, hat seit 1975 Fachdidaktik Deutsch an der Universität Göttingen gelehrt. Veröffentlichungen u. a.: Musik und Bildende Kunst im Deutschunterricht (2006); Nützliches Vergnügen. Kinderbücher der Aufklärungszeit (zus. mit Elmar Mittler; 2004; Ausstellungskatalog).

auch als E-Book erhältlich


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»Thue ein Häferl Wein …« – Das Kochbuch der Eva König Rezepte von Lessings Frau Ein ungewöhnliches Dokument der frühen Kochbuchkultur.

»Thue ein Häferl Wein …« – Das Kochbuch der Eva König Rezepte von Lessings Frau Herausgegeben von Elke Bauer und Helmut Berthold Kleine Schriften zur Aufklärung, Bd. 17. Herausgegeben von der Lessing-Akademie Wolfenbüttel 80 S., 6 Abb., brosch. € 19,80 (D); € 20,40 (A) ISBN 978-3-8353-1241-8 Januar   WG 1560 Eva König (1736 –1778) war in zweiter Ehe mit Gotthold Ephraim Lessing verheiratet. Bedeutend wurde ihr Briefwechsel mit dem Aufklärer. Die Herausgeber Elke Bauer, geb. 1965, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Herder-Instituts für histo­rische Ostmitteleuropa­forschung in Marburg. Helmut Berthold, geb. 1955, Mitarbeiter der Moses Mendelssohn-Jubiläumsausgabe an der Herzog August Bibliothek in Wolfen­büttel; seit 1999 Geschäfts­führer der LessingAkademie Wolfenbüttel. In der Reihe zuletzt erschienen

Martin Keßler: »Dieses Buch von einem protestantischen Frauenzimmer«. Eine unbekannte Quelle von Lessings »Erziehung des Menschengeschlechts«? (2009); Ingrid Strohschneider-Kohrs: Historische Wahrheit der Religion. Hinweise zu Lessings Erziehungsschrift (2009) auch als E-Book erhältlich

»Ein Koch von Kapaunen«, gesülztes Spanferkel, eingeweckte Pomeranzenblüten oder gekochter Klatschmohnsaft – diese Gerichte klingen für heutige Ohren sicher ungewöhnlich. Dabei waren es durchaus gebräuchliche Rezepte des süddeutschen und niederösterreichischen Raumes, die die seit 1771 mit Gotthold Ephraim Lessing verlobte Eva König auf ihren beiden Wienreisen zwischen 1770 und 1775 notiert hat. Unter den annähernd siebzig Rezepten findet sich übrigens auch Lessings Lieblingsgericht, die Linsensuppe. Die erstmals edierte Rezeptsammlung ergänzt nicht nur die bereits im Rahmen der Edition der »Briefe aus der Brautzeit 1770 – 1776« publizierten Reisenotizen Eva Königs, sie ist zugleich ein ungewöhnlich frühes Dokument der eben aufkommenden Kochbuchliteratur. Erschlossen werden die Rezepte durch ein Glossar, das Auskunft über Herkunft und Gebrauch der wichtigsten Begriffe gibt. Ergänzt wird die Publikation durch ein Lebensbild der Eva König sowie eine Einführung »Kochen im 18. Jahrhundert«, in der Elke Bauer erläutert, welche häusliche Umgebung das Kochen jener Zeit ausmachte, und typische Gerichte, Zubereitungsformen und Gerätschaften beschreibt.


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Prophet des Neuen Stil Der Architekt und Designer Henry van de Velde

Prophet des Neuen Stil Der Architekt und Designer Henry van de Velde Herausgegeben von Hellmut Th. Seemann und Thorsten Valk

Das Jahrbuch der Klassik Stiftung Weimar ist dem Architekten, Designer und »Alleskünstler« Henry van de Velde anlässlich seines 150. Geburtstags am 3. April gewidmet.

Van-de-Velde-Jahr 2013 in Thüringen und Sachsen

Klassik Stiftung Weimar, Jahrbuch 2013. Herausgegeben von Hellmut Th. Seemann ca. 400 S., ca. 100, z. T. farbige Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 25,– (D); € 25,70 (A) ISBN 978-3-8353-1229-6 März   WG 1584

Am 3. April 1863 wurde in Antwerpen einer der bedeutendsten Architekten und Designer des 20. Jahrhunderts geboren: Henry van de Velde. Mit seinen kühnen Entwürfen überwand er nicht nur die Kunst des Historismus, sondern zunehmend auch die ornamentale Formensprache des Jugendstils. Inspiriert durch Nietzsches Schriften, stilisierte sich van de Velde zum Propheten einer neuen Epoche. Er ignorierte die traditionellen Grenzen zwischen Kunst und Kunsthandwerk, um sich mit seinen Architekturentwürfen und Gestaltungs­ ideen allen Lebensbereichen des modernen Menschen zuzuwenden. Mu­ seumsbauten und großbürgerliche Villen interessierten ihn ebenso wie Brief­ öffner und Salzstreuer. Wenngleich van de Velde das europäische Kunstgewerbe des frühen 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt hat, ist er von den großen historiographischen Erzählungen der ästhetischen Moderne nicht selten ignoriert worden. Im Jahr 2013 widmet die Klassik Stiftung Weimar dem Universalkünstler Henry van de Velde anlässlich seines 150. Geburtstages ihr wissenschaftliches Jahrbuch. Reich bebilderte Beiträge beleuchten sowohl die gestalterischen Ideen und architektonischen Entwürfe des Belgiers als auch seine kunsttheoretischen Schriften. Ein besonderes Augenmerk gilt jener Lebens- und Schaffensphase, die van de Velde zwischen 1902 und 1917 in Weimar verbracht hat.

Die Herausgeber Hellmut Th. Seemann, geb. 1953, ist seit 2001 Präsident der Klassik Stiftung Weimar. Zuvor war er in Frankfurt am Main u. a. als Verwaltungsdirektor der Kulturgesellschaft sowie als deren Geschäftsführer und Direktor der Schirn Kunsthalle tätig. Thorsten Valk, geb. 1972, leitet seit 2007 das Referat Forschung und Bildung der Klassik Stiftung Weimar und lehrt als Privat­ dozent Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Jena.


Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Wie ein Museum verfügt das Album über die Fähigkeit, räumlich und zeitlich von einander getrennte Objekte einander begegen zu lassen.

Die Herausgeberinnen Anke Kramer, geb. 1973, studierte Germanistik und Romanistik in Tübingen und Aix-en-Provence, war Redakteurin am Lexikon Mythen­ rezeption (Der Neue Pauly, Supplement V), Research Associate an der Newcastle Uni­ versity und Fellow am IFK Wien. Sie ist wissenschaftliche Assistentin am Institut für Germanistik der Universität Wien. Annegret Pelz, geb. 1953, ist Professorin für Neuere deutsche Literatur am Institut für Germanistik der Universität Wien. Veröffentlichungen u. a.: Subversion der Linie. Arbeiten am Prosagefüge nach 1945, in: Gegen den Strich. Das Subversive in der deutschsprachigen Literatur nach 1945 (2012); Lose Vereinigung. Mappenwerk, in: verschiedene sätze treten auf. Intermedien der Wiener Gruppe (2008); Von Album bis Zettelkasten. Museums-Effekte im Text, in: Sammeln – Aus­ stellen – Wegwerfen (2001). Im Wallstein Verlag erschienen Ricarda Dick: Peter Altenbergs Bildwelt. Zwei Ansichtskartenalben aus seiner Sammlung (2009)

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Kulturwissenschaften

Album Organisationsform narrativer Kohärenz

Die Idee des Albums wandert in vielfältigen Ausprägungen in die gegen­ wärtige künstlerische und wissenschaftliche Praxis ein. Scrapbooks, soziale Netzwerk-Plattformen, und Kunstprojekte schaffen neue Formen von Alben. In exemplarischen Lektüren und in übergreifenden Beiträgen werden hier die historischen Wandlungen und kulturellen Einflüsse beschrieben, die aus dem Album ein Netzwerkmedium von besonderem kultur- und medien­ wissenschaftlichem Interesse machen. Dabei erweist sich das Album als künstlerisches Objekt und Darstellungsformat, das alle anderen medialen und kulturellen Formen integrieren, repräsentieren und symbolisch verarbeiten kann. Mit Beiträgen von: Matthias Bickenbach, Stephanie Bung, Georges Didi-Huberman, Birgit R. Erdle, Franz M. Eybl, Heike Gfrereis, Marianne Hirsch, Ute Holl, Ute Jung-Kaiser, Peter Keicher, Leo A. Lensing, Helmut Lethen, Vivian Liska, Kurt Mühlberger, Annegret Pelz, Ute Pott, Eva Raffel, Alexander von Reiswitz, Werner Wilhelm Schnabel, Monika Seidl, Gisela Steinlechner, Anja Tippner, Ulrike Vedder, Margarete Zimmermann


Kulturwissenschaften

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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Album Organisationsform narrativer Kohärenz Herausgegeben von Anke Kramer und Annegret Pelz 352 S., 54, z.T. farbige Abb., Klappenbroschur € 34,90 (D); € 35,90 (A) ISBN 978-3-8353-1174-9 Januar   WG 1562


Wallstein Verlag Frühjahr 2012

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Kulturwissenschaften

Kollektiver Rechtsbruch – Gefahr für unsere Freiheit

Zwischen Sollen und Sein – Betrachtungen zum kollektiven Rechtsbruch in Europa.

Kollektiver Rechtsbruch – Gefahr für unsere Freiheit Herausgegeben von Corinne Michaela Flick Convoco! Edition ca. 304 S., geb., Schutzumschlag ca. € 24,90 (D); € 25,60 (A) ISBN 978-3-8353-1274-6 März   WG 1559

Die Herausgeberin Corinne Michaela Flick, Rechtsanwältin und promo­ vierte Literaturwissenschaft­ lerin, ist Gründerin und Vorstand der Convoco Stiftung. Veröffentlichungen u. a.: Wem gehört das Wissen der Welt (Hg., 2011); Staats- und Wirtschaftsfinanzierung am Scheideweg (Hg., 2010); Das demographische Problem als Gefahr für Rechtskultur und Wirtschaft (Hg., 2009). Convoco ist eine gemeinnützige Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, gesellschaftliche Chancen und Risiken zu erörtern und durch Debatten und Diskussionen gesellschaftliche Werte zu festigen, zu erhalten und zu schaffen. Sie bietet heraus­ragenden Denkern ein Forum, um über künftiges Miteinander in einer immer stärker vernetzten Welt zu diskutieren. Die Convoco Edition spiegelt die Gedanken und Ergebnisse.

Die Autoren beschäftigen sich mit der Frage, in welchem Maß sich unsere Gesellschaft an Recht und Gesetz hält. Dabei wird sowohl kollektives Indi­ vidualverhalten als auch kollektives staatliches Handeln genauer betrachtet. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krise der europäischen Wirtschaftsund Währungsunion untersuchen die Autoren Rechtsbrüche, die die Gesellschaft im Kollektiv begeht. In dem interdisziplinären Band stehen neben juristischen wirtschaftliche und philosophische Fragen und Aspekte im Blickpunkt. Aus dem Inhalt: Roland Berger: Wachstum durch privat finanzierte Infrastruktur-Investitionen zur Rettung von Euro und EU Bazon Brock: Kein legaler Rechtsbruch ohne die Anwälte des Rechts! Juristen als concilieri Peter M. Huber: Markt vs. Recht Paul Kirchhof: Kollektives Unrecht – Ein Weg zurück zum Recht. Christoph Paulus: Gedanken über das Recht in Anbetracht kollektiver Rechtsbrüche Ingolf Pernice: Die Finanzkrise als Folge – oder Gegenstand – eines kollektiven Rechtsbruchs Jürgen Stark: Quo vadis Europa? Pirmin Stekeler-Weithofer: Anerkennungsprobleme positiven Rechts und dessen prekäres Verhältnis zur Freiheit


Wissenschaftsgeschichte

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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Christian Holtorf Der erste Draht zur Neuen Welt Die Verlegung des transatlantischen Telegrafenkabels Das erste Transatlantikkabel – die kurzfristige Überwindung von Raum und Zeit.

Christian Holtorf Der erste Draht zur Neuen Welt Die Verlegung des transatlantischen Telegrafenkabels ca. 408 S., ca. 35 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 39,90 (D); € 41,10 (A) ISBN 978-3-8353-1242-5 April   WG 1681

Im Sommer 1858 wurde das erste elektrische Telegrafenkabel zwischen Eu­ ropa und Amerika verlegt. Die spektakuläre Unterwasserverbindung sollte Raum und Zeit überwinden – ein Projekt, das größten technischen Aufwand und erhebliches finanzielles Engagement zu rechtfertigen schien. Es gilt als Geburtsstunde der virtuellen Kommunikation. Christian Holtorf zeigt allerdings mit der ersten Wissensgeschichte des Atlantikkabels, dass es sich bei diesem Unternehmen vielmehr zunächst um einen Fehlschlag handelte. Die Kabelverbindung funktionierte nur knapp vier Wochen. Seine Recherchen in britischen, kanadischen und US-ameri­k anischen Archiven haben ergeben, dass Missverständnisse, Irrtümer und Fehlverhalten die technische Entwicklung bestimmten: Die Visionäre täuschten sich, die Ingenieure ruinierten die Technik, und die Investoren verloren ihr Geld. Erst kulturelle Veränderungen in der Gesellschaft und die Entstehung neuer wissenschaftlicher Disziplinen wie der Ozeanographie und der Elektrophysik brachten später die gewünschten Erfolge. Die Bedeutung des Kabels lag also weitaus weniger in Globalisierung und Beschleunigung der Kommunikation als vielmehr in Beobachtung und Erklärung von bis dahin unbekannten Naturphänomenen. Raum und Zeit gewannen eine neue Gestalt, doch ihre Überwindung fand (noch) nicht statt.

Der Autor Christian Holtorf, geb. 1968, ist Professor für Wissenschaftsforschung und Wissenschaftskommunikation an der Hochschule Coburg. Der Historiker und Kulturwissenschaftler arbeitete zuvor im Deutschen Bundestag und als Abteilungsleiter im Deutschen HygieneMuseum Dresden. 2010 Fellow der Smithsonian Institution in Washington D.C. Veröffentlichungen u. a.: Escape! Computerspiele als Kulturtechnik (Hg. mit Claus Pias, 2007); Tiere. Eine andere Anthropologie (Hg. mit Hartmut Böhme, Thomas Macho u. a., 2004).

auch als E-Book erhältlich


Wallstein Verlag Frühjahr 2013

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Wissenschaftsgeschichte

Tradition – Autonomie – Innovation Göttinger Debatten zu universitären Standortbestimmungen Zum 275. Jubiläum der Göttinger Universität: historische Rückschau und Blick in die Zukunft.

Die Herausgeber Gerd Lüer, geb. 1938, emeritierter Professor für Psychologie an der Univer­sität Göttingen. Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Academia Europaea, London. Arbeitsschwer­punkte: Experimentalpsycho­logische Untersuchungen von kognitiven Prozessen des Denkens und Problemlösens, der Gedächt­ nistätigkeit und der visuelle Wahrnehmung; Geschichte der Psychologie. Horst Kern, geb 1940, emeritierter Professor für Sozial­ wissenschaften, insbesondere der international vergleichenden, an der Universität Göttingen. Von 1998 bis 2004 Präsident der Univer­sität Göttingen. Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Arbeitsschwerpunkte: Vergleichende Politische Ökonomie, Wissenschafts­soziologie, ins­ besondere Pro­bleme wissenschaftlicher Kreativität. Im Wallstein Verlag erschienen Wissenschaftliche Politik­ beratung, hg. von Margret Kraul und Peter-Tobias Stoll (2011); Der Weg an die Univer­ sität. Höhere Frauenstudien vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert, hg. von Trude Maurer (2010); Wissenswelten – Bildungswelten, hg. von Norbert Elsner und Nicolaas A. Rupke (2009); Albrecht von Haller im Göttingen der Aufklärung, hg. von Norbert Elsner und Nicolaas A. Rupke (2009) auch als E-Book erhältlich

Tradition – Autonomie – Innovation Göttinger Debatten zu universitären Standortbestimmungen Herausgegeben von Gerd Lüer und Horst Kern ca. 352 S., ca. 40 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 19,90 (D); € 20,50 (A) ISBN 978-3-8353-1224-1 Mai   WG 1572

In Auseinandersetzung mit den sich wandelnden historischen Gegebenheiten konnte sich die Universität Göttingen seit ihrer Gründung einen bedeutenden Platz in der Welt der Wissenschaften erobern – eine Position, auf die sie bis heute mit einigem Stolz blicken kann und die sie auch künftig einnehmen möchte. Die historisch ausgerichteten Beiträge des Bandes nehmen Ziele, Motive und zeitgeschichtliche Bedingungen in den Blick, die zur Gründung und Weiterentwicklung der Georgia Augusta geführt haben. Mit den gegenwärtigen und zukünftigen Aufgaben beschäftigen sich Autoren sowohl aus dem Bereich der Geistes- als auch der Naturwissenschaften. Aus dem Inhalt: Frank Rexroth: Horte der Freiheit oder der Rückständigkeit? Die europäischen Universitäten der Vormoderne Rebekka Habermas: Universität und Protest im Vormärz Habbo Knoch: Wissenschaft und Führerprinzip Horst Kern: Die blockierte Universität Heinrich Detering: Die Zukunft der Literaturwissenschaft Florian Wörgötter: Roboter mit kognitiven Eigenschaften: Möglich? Sinnvoll? Gewünscht? Andreas Paulus: Rechtswissenschaft in der globalisierten Welt


Wissenschaftsgeschichte

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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Michael Eckert Arnold Sommerfeld Atomphysiker und Kulturbote 1868  – 1951. Eine Biografie Die spannende Biografie eines Mitbegründers der modernen theoretischen Physik.

Michael Eckert Arnold Sommerfeld Atomphysiker und Kulturbote 1868 –1951. Eine Biografie Deutsches Museum. Abhandlungen und Berichte – Neue Folge, Bd. 29 ca. 600 S., ca. 30 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 39,90 (D); € 41,10 (A) ISBN 978-3-8353-1206-7 April   WG 1981

Arnold Sommerfeld zählt neben Albert Einstein, Niels Bohr und Max Planck zu den Begründern der modernen theoretischen Physik. Seine Karriere begann in den 1890er Jahren an der Universität Göttingen. 1906 wurde er auf den Lehrstuhl für Theoretische Physik der Universität München berufen, von wo aus er eine der bedeutendsten Wissenschaftsschulen seines Gebietes schuf. Zu seinen Schülern zählen neben den Nobelpreisträgern Werner Heisenberg und Wolfgang Pauli zahlreiche andere namhafte Theoretiker des Atomzeit­ alters. In Verbindung mit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit reiste Sommerfeld in viele Länder, um vor allem in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg für das Ansehen Deutschlands als Kulturnation zu werben. Der Nationalsozialismus bedeutete das Ende für sein Institut. Sein Nachfolger, ein fanatischer Antisemit und Nationalsozialist, verwehrte ihm den Zutritt zu der Wirkungsstätte, an der er mehr als drei Jahrzehnte lang gelehrt und geforscht hatte. Sommerfeld wurde als »Hauptpropagandist jüdischer Theorien« beschimpft. Eine wesentliche Grundlage der Biografie ist Sommerfelds umfangreiche Korrespondenz. Seine Briefe bieten, neben der Geschichte einer Wissenschaft im Stadium ihres Entstehens, auch tiefe Einblicke in das Privatleben des Forschers.

Der Autor Michael Eckert, geb. 1949, stu­ dierte Physik und ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut des Deutschen Museums. Zahlreiche Veröffentlichungen besonders zur neueren Physikgeschichte. Zu seinen Schwerpunktthemen zählen Wissenschaftlerbiografien und die Geschichte der Atom- und Quantenphysik. In der Reihe zuletzt erschienen Nikolaus Pevsner u. a.: Geheim­ report Deutsches Design. Deutsche Konsumgüter im Visier des britischen Council of Industrial Design (1946), hg. von Anne Sudrow (2012); Das Deutsche Museum in der Zeit des Nationalsozialismus, hg. von Elisabeth Vaupel und Stefan L. Wolff (2010); Atombilder. Ikonografie des Atoms in Wissenschaft und Öffentlichkeit des 20. Jahrhunderts, hg. von Charlotte Bigg und Jochen Hennig (2009)


Wallstein Verlag Frühjahr 2013

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Wissenschaftsgeschichte

Sandra Janßen Phantasmen Imagination in Psychologie und Literatur 1840 – 1930. `´ Flaubert – Cechov – Musil Eine Wissensgeschichte der Imagination zwischen Psycho­ logie und Literatur.

Sandra Janßen Phantasmen Imagination in Psychologie und Literatur 1840 –1930. Flaubert – Čechov – Musil Wissenschaftsgeschichte. Herausgegeben von Michael Hagner und Hans-Jörg Rheinberger ca. 560 S., brosch. ca. € 39,90 (D); € 41,10 (A) ISBN 978-3-8353-1254-8 Juni   WG 1562

Die Autorin Sandra Janßen, geb. 1973, studierte Literaturwissenschaft an der FU Berlin, in Paris wurde sie promoviert. Seit 2009 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Peter-Szondi-Insitut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der FU Berlin. Sie ist Mitheraus­ geberin der Tage­bücher Einar Schleefs.

auch als E-Book erhältlich

Um die Einbildungskraft als schöpferisches Vermögen ist es im Zuge der Verwissenschaftlichung des menschlichen Geistes immer schlechter bestellt. Seit dem 19. Jahrhundert ist für die Frage, wie man zu den Bildern kommt, die das innere Auge sieht, nicht mehr die Philosophie zuständig, sondern die Psychologie, wenn nicht die Psychiatrie. Seit dieser Zeit wird das Vorstellungsver­ mögen von seinen unwillkürlichen Erscheinungen her gedacht, wie Halluzina­ tionen, Träumen, Reminiszenzen oder Wunschphantasien; das Imaginieren wird zu einem Symptom des Nichtverfügens über sich selbst. Sandra Janßen geht der Frage nach, was dies für die Literatur bedeutet, und zeigt, dass gerade den phantasmatischen Formen des Imaginierens in der Moderne eine poetologische Funktion zukommt, wenn Erzählstile Bewusstseinszustände nachbilden. Dass solche ›Psycho-Poetiken‹ aber auf das engste mit einem sich wandelnden psychologischen Wissensstand korrelieren, beweist sie auf der Grundlage einer breit angelegten, Verschiebungen und Brüche nachzeichnenden Psychologiegeschichte der Imagination.


Über Literatur

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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Inseln des Eigensinns Beiträge zum Werk Annette Pehnts

Einblicke in das Werk einer der wichtigsten und eigenwilligsten Autorin der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Inseln des Eigensinns Beiträge zum Werk Annette Pehnts Herausgegeben von Friedhelm Marx unter Mitarbeit von Marie Gunreben Poiesis, Bd. 9. Herausgegeben von Friedhelm Marx ca. 188 S., 2 Abb., brosch. ca. € 18,– (D); € 18,50 (A) ISBN 978-3-8353-1202-9 Februar   WG 1563

Im Zentrum von Annette Pehnts literarischem Werk stehen Figuren, die sich am Rande des Gewöhnlichen und gesellschaftlich Etablierten bewegen: So erzählt der Roman »Insel 34« von einer eigenwilligen jungen Frau, die vor der elterlichen Fürsorge auf immer entlegenere und unwirklichere Inseln flieht. In den Romanen »Haus der Schildkröten« und »Mobbing« werden mit dem Seniorenheim und modernen Arbeitsverhältnissen jeweils soziale ›Inseln‹ in den Blick genommen, wobei in der lakonischen Beschreibung gesellschaftlicher Phänomene immer wieder surreale Momente aufscheinen. Literaturwissenschaftler aus dem In- und Ausland, Literaturkritiker und Schriftsteller gehen dieser narrativen Mehrdimensionalität im Werk Annette Pehnts nach und widmen sich seinen eigentümlichen Außenseiterfiguren ebenso wie der facettenreichen Auseinandersetzung mit den sozialen Herausforderungen der Zeit. Annette Pehnt leitet den Band mit ihrem Essay »Metapher und Gebet« ein und diskutiert in einem abschließenden Gespräch mit der Schriftstellerin Katja Lange-Müller zentrale Aspekte des Schreibens. Mit Beiträgen von: Ulf Abraham, Andrea Bartl, Viviana Chilese, Iris Hermann, Friedemann Holder, Katja Lange-Müller, Friedhelm Marx, Annemarie Matthies, Annette Pehnt, Alexandra Pontzen und Wolfgang Schneider

Annette Pehnt geb. 1967 in Köln, lebt als freie Schriftstellerin in Freiburg. Nach ihrem Studium, das Aufenthalte in Irland, Schottland und den USA einschloss, hat sie zahlreiche Romane, Erzählungen und Essays publiziert. Ihr literarisches Werk wurde u. a. mit dem Italo-Svevo-Preis (2009) aus­gezeichnet. Im Jahr 2011 hatte sie die Bamberger Poetikprofessur inne. Der Herausgeber Friedhelm Marx, geb. 1963, ist Lehrstuhlinhaber für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Bamberg, Koordinator der Bamberger Poetikprofessur und Heraus­ geber der Reihe »Poiesis, Standpunkte zur Gegenwarts­ literatur«. In der Reihe zuletzt erschienen Fährmann sein. Robert Schindels Poetik des Übersetzen (2012); Verstehensanfänge. Das literarische Werk Wilhelm Genazinos (2011); Familien Erzählen. Das literarische Werk John von Düffels (2010); Ins Fremde schreiben. Gegenwartsliteratur auf den Spuren historischer und fantastischer Entdeckungsreisen (2009) auch als E-Book erhältlich


Wallstein Verlag Frühjahr 2013

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Über Literatur

Thorsten Carstensen Romanisches Erzählen Peter Handke und die epische Tradition Die romanische Architektur des Mittelalters als Vorbild für eine neue epische Erzählweise bei Handke.

Thorsten Carstensen Romanisches Erzählen Peter Handke und die epische Tradition Manhattan Manuscripts, Bd. 8. Herausgegeben von Eckart Goebel, Paul Fleming und John T. Hamilton

Der Autor Thorsten Carstensen, geb. 1979, bis 2012 Lehrbeauftragter am Department of German der New York University, seit 2012 Assistant Professor of German an der Indiana University. Wissenschaftliche Publikationen zu Peter Handke, Hermann Broch, J. M. Coetzee und Wes Anderson. Zus. mit Nicholas Jacobs Herausgeber der ersten ungekürzten englischen Übersetzung von Hans Falladas Roman »Wolf unter Wölfen« (Wolf Among Wolves, 2010). In der Reihe bisher erschienen Avital Ronell: Schriften zur Literatur. Essays von Goethe bis Kafka (2012); Vivian Liska: Fremde Gemeinschaft. Deutsch-jüdische Literatur der Moderne (2011); John T. Hamilton: Musik, Wahnsinn und das Außerkraftsetzen der Sprache (2011); Thomas Stachel: Der Ring der Notwendigkeit. Friedrich Schiller nach der Natur (2010); Peter Fenves: Der späte Kant. Für ein anderes Gesetz der Erde (2010); Eckart Goebel und Elisabeth Bronfen (Hg.): Narziss und Eros. Bild oder Text? (2009); Eberhard Lämmert: Respekt vor den Poeten. Studien zum Status des freien Schriftstellers (2009) auch als E-Book erhältlich

ca. 352 S., geb., Schutzumschlag ca. € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1108-4 Mai   WG 1563

Stets hat Peter Handke sein Schreiben auch als archäologische Auseinandersetzung mit einer ästhetischen Tradition begriffen, zu der neben Goethe und Stifter die moderne Landschaftsmalerei und das Kino John Fords gehören. Einen für Handke und die Narratologie gleichermaßen bedeutenden Aspekt hat die Forschung bislang nicht beachtet: die romanische Architektur des Mittelalters als Vorbild für eine neue epische Erzählweise. Thorsten Carstensen zeigt, wie Handke in den großen Reiseerzählungen seines Spätwerks (»Die Wiederholung«, »Mein Jahr in der Niemandsbucht«, »In einer dunklen Nacht«, »Der Bildverlust«, »Don Juan«) mythische Urbilder des Daseins variiert, die er in den Skulpturen der Romanik aufbewahrt sieht. Anmut und Hingabe, Gelassenheit und Enthusiasmus – Gesten und Mimik romanischer Skulpturen verweisen für Handke auf ein ungebrochenes Verhältnis zur Welt, die er in seinen Texten beharrlich zu rekonstruieren versucht. Zugleich begegnet seine romanische Epik der exzessiven Beschleunigung des Lebens in der Spätmoderne mit Phantasien der longue durée, in der Gegenwart und Erinnerung zu einer heilsamen Zeiterfahrung zusammenfließen.


Über Literatur

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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Roland Berbig Am Rande der Welt Günter Eich in Geisenhausen 1944 – 1954 Das entscheidende Lebens­ kapitel Günter Eichs erstmalig aus den Quellen erzählt.

Roland Berbig Am Rande der Welt Günter Eich in Geisenhausen 1944 –1954 ca. 528 S., ca. 60 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 34,90 (D); € 35,90 (A) ISBN 978-3-8353-1259-3 Mai   WG 1563

Eine Biographie von Günter Eich, dessen Hörspiele und Gedichte die Nachkriegsliteratur auf einzigartige Weise geprägt haben, fehlt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbrachte Eich einige Jahre im niederbayerischen Geisenhausen, wohin es ihn 1944 als Soldat verschlagen hatte und er als entlassener Kriegsgefangener 1945 zurückkehrt war. Roland Berbig erzählt von diesem vielleicht entscheidenden Lebenskapitel des Dichters aus weitgehend unbekannten Quellen. Im Hause der regional und religiös tief verwurzelten Familie Schmid fand Eich aus seiner persönlichen und literarischen Existenzkrise heraus. Er lernte wieder leben – und wurde mit allen Folgen, die der Krieg und das NS-Regime verursacht hatten, konfrontiert: mit den Vorschriften der Besatzer, den Flüchtlingsströmen, mit entlassenen KZ-Häftlingen. Scheinbar vom Rande der Welt blickte er in deren verstörende Mitte und fand die poetische Sprache, dies zu beschreiben. Beinahe alle Hörtexte, die in Geisenhausen entstanden, tragen Spuren dieser Welt in sich (etwa »Die Andere und ich« und die legendären »Träume«). »Geisenhausen«, so Ilse Aichinger, seit 1953 Eichs Frau, »ist für mich eine der eigentlichen Begründungen meiner Existenz.«

Günter Eich (1907 – 1972) gilt als Schöpfer des poetischen Hörspiels. Seine Gedichte und Hörspiele prägten einzigartig die deutsche Nachkriegsliteratur. Zu Eichs bekanntesten Werken zählen die Gedichte »Inventur« und »Latrine«, das Hörspiel »Träume« sowie die Prosasammlung »Maulwürfe«. Der Autor Roland Berbig, geb. 1954, Pro­fessor für Neuere deutsche Literatur an der HU Berlin; stellvertretender Vorsitzender der Theodor Fontane Gesellschaft; Mitherausgeber der Zeitschrift »Berliner Hefte zur Geschichte des literarischen Lebens«. Veröffentlichungen u. a.: Margret Boveri und Ernst Jünger. Briefwechsel aus den Jahren 1946 bis 1973 (Mithg., 2008); Ilse Aichinger. TEXT + KRITIK (Gastredaktion, 2007).


Wallstein Verlag Frühjahr 2012

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Über Literatur

Caroline Pross Dekadenz Studien zu einer großen Erzählung der frühen Moderne Die Autorin stellt die Dekadenz als einen wirkungsmächtigen Topos der kulturellen Selbst­ thematisierung dar, der speziell um die Jahrhundertwende eine herausragende Rolle einnimmt.

Caroline Pross Dekadenz Studien zu einer großen Erzählung der frühen Moderne 436 S., geb., Schutzumschlag € 34,90 (D); € 35,90 (A) ISBN 978-3-8353-1201-2 Februar   WG 1562

Die Autorin Caroline Pross, geb. 1971, studierte Germanistik und Romanistik in München, lehrte an den Universitäten Frankfurt a. M., St. Gallen und hatte zuletzt eine Vertretungsprofessur in München inne. Sie starb unerwartet im April 2011. Veröffentlichungen u. a.: Neurasthenie. Die Krankheit der Moderne und die moderne Literatur (Mithg. 2010); Clemens Brentano: Sämtliche Werke und Briefe 13/1 und 15/4 (Hg. 2007/2008); Kunstfeste. Drama, Politik und Öffentlichkeit in der Romantik (2001); Falschnamenmünzer. Zur Figuration von Autorschaft und Textualität im Bildfeld der Ökonomie bei Jean Paul (1997).

auch als E-Book erhältlich

Die Studie versteht Dekadenz als eine ›große Erzählung‹ der Moderne, die in der europäischen und insbesondere auch in der deutschsprachigen Literatur des fin de siècle einen herausragenden Stellenwert einnimmt. Mit komparatistischen Ausblicken in die europäische – vor allem die französische, aber auch die skandinavische und russische – Literatur rekonstruiert Caroline Pross die wissenschaftlichen (insbesondere psychiatriegeschichtlichen) Grundlagen dieses wirkungsmächtigen Topos. Dabei legt die Autorin den Fokus auf Rezeption und Vermittlung der Dekadenz-Theoreme im gesellschaftlichen Diskurs und im literarischen Schreiben. Die literarische »Arbeit am Schema« der Dekadenz wird in einlässlichen Textlektüren dargestellt, dabei werden Romane von Emile Zola, Max Nordau, Gerard Ouckama Knoop, Eduard von Keyserling und Thoman Mann neu erschlossen.


Über Literatur

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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Britta Korkowsky Selbstverortung ohne Ort Russisch-jüdische Exilliteratur aus dem Berlin der Zwanziger Jahre Russisch-jüdische Exilanten und ihr Blick auf das Berlin der zwanziger Jahre im Spiegel ihres literarischen Schaffens.

Britta Korkowsky Selbstverortung ohne Ort Russisch-jüdische Exil­ literatur aus dem Berlin der Zwanziger Jahre Charlottengrad und Scheunenviertel, Bd. 5. Herausgegeben von Gertrud Pickhan und Verena Dohrn ca. 368 S., geb., Schutzumschlag ca. € 34,90 (D); € 35,90 (A) ISBN 978-3-8353-1250-0 Juni   WG 1562

Das Erleben von Exil hinterlässt einen Bruch im Lebenslauf, den Betroffene immer wieder mithilfe von narrativen Identitätskonstruktionen, autobio­ graphisch oder fiktional, zu überwinden suchen. Die Auseinandersetzung mit einem neuen Umfeld, fremden Spracheindrücken und empfundene Fremdheit zwingt Exilanten zu einer neuen Selbstverortung. Für die russischen Juden im Berlin der zwanziger Jahre war dieses Fremdheitsgefühl paradoxerweise ein vertrauter Zustand: Auch im zaristischen Russland hatten sie als Fremde im eigenen Land gegolten. Britta Korkowsky untersucht exilliterarische Texte, vorwiegend der Autoren Viktor Schklowski, Lev Lunc und Ilja Ehrenburg. Der Prozess der Selbstverortung äußert sich in der Perspektive auf die Stadt Berlin, die als kalt und lebensfeindlich wahrgenommen wird. Eindrücke werden immer wieder von Erinnerungen aus der Heimat überlagert, sodass die Stadt stets durch diese Folie aus vergangenen Bildern aufscheint. Die Autoren zeigen eine deutliche Hinwendung zur jüdischen Kulturtradition, die anhand von Intertextverweisen zur Hebräischen Bibel und zum Midrasch offenbar wird. Die gewahrte Distanz der Protagonisten zu ihrer Umwelt lässt sich eindrucksvoll anhand der narrativen Struktur ihrer Texte ablesen.

Die Autorin Britta Korkowsky, geb. 1978, war wissenschaftliche Mit­ arbeiterin im DFG-Projekt »Charlottengrad und Scheunenviertel – osteuropäisch-jüdische Migranten im Berlin der 20er und 30er Jahre«. Veröffentlichungen u. a.: »The Narrator that walks by himself«: Schklowskis Erzähler, Kiplings Kater und das Freiheitsparadoxon in Berlin, in: Transit und Transformation, hg. von Verena Dohrn und Gertrud Pickhan (2010). In der Reihe zuletzt erschienen Anne-Christin Saß, Berliner Luftmenschen – Osteuropäischjüdische Migranten in der Weimarer Republik (2012)

auch als E-Book erhältlich


Wallstein Verlag Frühjahr 2013

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Über Literatur

Jan Stottmeister Der George-Kreis und die Theosophie

Eine wichtige Studie zum George-Kreis, der in einem bislang unbekanntem Ausmaß von der Theosophie geprägt wurde.

Stefan George (1868 –1933), einer der bedeutendsten und einflußreichsten Lyriker deutscher Sprache. Er übersetzte die großen europäischen Autoren und öffnete die deutsche Lyrik der euro­ päischen Moderne. Der Wille, eine »Kunst für die Kunst« zu begründen und mit Werk und Leben dafür einzutreten, machte ihn bald zum Zentrum eines »Kreises« von Freunden, die mit ihm die deutsche Lyrik erneuern wollten. Der Autor Jan Stottmeister, geb. 1971, studierte Germanistik, Kunst­ geschichte und Anglistik, war mehrere Jahre in einer Agentur für Kulturmanagement tätig und ist zur Zeit Doktorand am Institut für Neuere deutsche Literatur der Humboldt-Uni­ versität Berlin. Veröffentlichungen: Kulturjournalistische Beiträge zu literarischen, bildkünstlerischen und historischen Themen und wissenschaftliche Aufsätze zum George-Kreis. In der Reihe zuletzt erschienen Clotilde Schlayer: Minusio. Chronik aus den letzten Lebensjahren Stefan Georges, hg. und mit Erläuterungen ­versehen von Maik Bozza und Ute Oelmann (2010) auch als E-Book erhältlich

Jan Stottmeister Der George-Kreis und die Theosophie Mit einem Anhang zur Swastika bei Helena Blavatksky, Alfred Schuler und Stefan George Castrum Peregrini. Neue Folge, Bd. 6. Herausgegeben von Wolfgang Braungart, Ute Oelmann und Ernst Osterkamp ca. 336 S., ca. 15 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 35,– (D); € 36,– (A) ISBN 978-3-8353-1197-8 Mai   WG 1563

Die Theosophische Gesellschaft war die kulturgeschichtlich einflussreichste esoterische Institution des frühen 20. Jahrhunderts. Ihre Lehren vermengten Elemente indischer Religionen und des europäischen Okkultismus zu einer religiös grundierten Weltanschauung, die vor allem bei Künstlern, Intellek­ tuellen und sozialen Eliten Anklang fand. Die Wirkungsgeschichte der Theosophie prägt auch die Geschichte des Kreises um den Dichter Stefan George. Sie ist nachweisbar in der Symbolik, mit der Georges Buchgestalter Melchior Lechter die Publikationen des Kreises versah, und im Mitgliedsregister der Theosophischen Gesellschaft, das neben Lechter auch Karl Wolfskehl und andere George-Anhänger verzeichnet. Während Zeitgenossen wie Ernst Bloch versuchten, George mit der Theosophie zu vereinbaren, begann George selbst die weltanschauliche Identität seines Kreises ab 1910 durch programmatische Abgrenzungen von der Theosophie zu konturieren. Ein Motiv dieser Abgrenzungen ist die Konkurrenz, die seine poetische Messiasfigur Maximin durch die theosophische Messiasfigur Krishnamurti erhielt. Den George-Kreis und die Theosophische Gesellschaft verbindet auch die Verwendung der Swastika als Erkennungsmarke. Im Anhang des Bandes wird dieser Zusammenhang im Kontext der westlichen Deutungsgeschichte des Zeichens, das heute nur noch als NSDAP-Hakenkreuz wahrnehmbar ist, untersucht.


Über Literatur

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Wallstein Verlag Frühjahr 2013

Gerd Eversberg Das Marionettenspiel vom Doktor Faust Georg Geißelbrecht und seine Faust-Version um 1800 Das Puppenspiel vom »Doktor Faust« von Georg Geißelbrecht: das älteste vollständig auf­ geschriebene Faust-Spiel in deutscher Sprache.

GER D EV ERSBERG

Das

Marionettenspiel vom Doktor Faust

Gerd Eversberg Das Marionettenspiel vom Doktor Faust Georg Geißelbrecht und seine Faust-Version um 1800 144 S., geb., Schutzumschlag € 16,90 (D); € 17,40 (A) ISBN 978-3-8353-1215-9 Sofort lieferbar  WG 1563

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Georg Geißelbrecht

Vor dem Siegeszug von Kino und Fernsehen hat kein anderes Medium so viele Menschen erreicht wie das Marionettentheater. Im 18. Jahrhundert wanderten mehr als hundert Puppenbühnen im deutschsprachigen Raum von Stadt zu Stadt und von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. Neben der Unterhaltung vermittelten sie literarische, mythologische und historische Stoffe an ein nicht lesekundiges Publikum. Zwischen 1790 und 1826 bereiste Georg Geißelbrecht mit seinem Marionettentheater fast den gesamten deutschen Sprachraum. Das Puppenspiel vom »Doktor Faust« war dabei sein Publikumsmagnet; es ist das älteste vollständig auf­geschriebene Faust-Spiel in deutscher Sprache. Auch Goethe, der gerne die Belustigungen der Jahrmärkte aufsuchte, sah 1804 in Weimar Geißelbrechts »Doktor Faust«. Gerd Eversberg präsentiert den Text und gibt Einblicke in die Welt des Marionettentheaters und der Wanderbühnen. Er beleuchtet zeitgeschichtliche Zusammenhänge, erörtert die Geschichte des Faust-Stoffes und geht auf Geißelbrechts problematische Rolle in der Geschichte des Antisemitismus ein.

(1762 –1826), Puppenspieler Puppentheaterbetreiber und Mechanikus war zu seiner Zeit einer der bekanntesten und berühmtesten Vertreter seiner Kunst. Theodor Storm wurde durch ihn zu seiner Novelle »Pole Poppenspäler« inspiriert. Der Autor Gerd Eversberg, geb. 1947, ist Honorarprofessor am Seminar für Deutsche Philo­ logie in Göttingen. Promoviert wurde er 1986 in Köln mit einer Arbeit über die dramatische Gestaltung der Faustsage von Marlowes »Doctor Faustus« bis zum Puppenspiel. Von 1989 bis 2011 war er Sekretär der Theodor-Storm-Gesellschaft und Direktor des TheodorStorm-Zentrums in Husum. Neben Arbeiten zur Fach- und Museumsdidaktik hat er zahlreiche Studien zu Theodor Storm und Editionen seiner Werke vorgelegt.


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Über Literatur

Sven-Aage Jørgensen Querdenker der Aufklärung Studien zu Johann Georg Hamann Einer der anerkanntesten Hamann-Forscher zeigt diesen als aufgeklärten Metakritiker der Aufklärung.

Sven-Aage Jørgensen Querdenker der Aufklärung Studien zu Johann Georg Hamann ca. 224 S., ca. 4 Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 34,90 (D); € 35,90 (A) ISBN 978-3-8353-1232-6 Februar   WG 1563

Johann Georg Hamann (1730–1788), deutscher Philosoph und Schriftsteller, gilt als Wegbereiter des ›Sturm und Drang‹. Goethe nannte ihn einen der hellsten Köpfe seiner Zeit. Der Autor Sven-Aage Jørgensen (geb. 1929), 1968–1999 Professor für deutsche Philologie an der Universität Kopenhagen, Gastprofessuren in Deutschland und Australien, Forschungsaufenthalte in Wolfenbüttel, Biberach und Göttingen. Arbeiten u. a. zu J. G. Hamann, C. M. Wieland, Th. Fontane, Utopieforschung und deutsch-dänischen Lite­ raturbeziehungen.

auch als E-Book erhältlich

Johann Georg Hamann wurde in der älteren literaturgeschichtlichen Forschung vielfach als bloßer Vorläufer Herders betrachtet, dessen literarischer Spürsinn und irrationaler Glaube ihren Ausdruck in orakelnden Aphorismen fanden und deswegen von der jüngeren Generation als krauses Originalgenie verehrt wurde. Die völlig disparate theologisch-philosophische Forschung untersuchte das Denken des unorthodoxen Lutheraners und seine Wirkung auf die deutschen Erweckungsbewegungen im 19. Jahrhundert und Kierke­ gaard. Jørgensen sieht Hamann hingegen im Kontext seiner Zeit und erblickt in ihm den aufgeklärten Metakritiker der Aufklärung, der mit führenden Gelehrten wie dem Orientalisten J. D. Michaëlis und Kant diskutierte und vehement polemisierte. Er stammelte nicht, war vielmehr rhetorisch versiert, die anspielungssreiche Dunkelheit seines Stils war angriffslustige Strategie. Er stilisierte sich als einen subversiven Sokrates und, sehr doppeldeutig, als »kreuzziehenden Philologen« und des preußischen Königs Zöllner, aber auch als eine (im Sinne der Zeit) ›komische‹ Mischung von einem christlichen Don Quixote und Sancho Pansa.


Über Literatur

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Literaturarchiv – Literarisches Archiv Zur Poetik literarischer Archive

Literaturarchiv – Literarisches Archiv Zur Poetik literarischer Archive

Archivare und Wissenschaftler erklären die Beziehung zwischen literarischem Archiv, Autor und Öffentlichkeit.

Herausgegeben von Stéphanie Cudré-Mauroux und Irmgard M. Wirtz Beide Seiten. Autoren und Wissenschaftler im Gespräch, Bd. 3. Herausgegeben vom Schweizerischen Literaturarchiv ca. 120 S., ca. 20, z. T. farbige Abb., brosch. ca. € 14,90 (D); € 15,40 (A) ISBN 978-3-8353-1133-6 Mai   WG 1559

Literarische Archive werden in diesem Band verhandelt als öffentliche Institution und privates Vermächtnis. Der Fokus liegt auf dem spannungsreichen Tauschverhältnis zwischen dem Literaturarchiv, dem literarischen Nachlass und dem literarischen Nachleben. Literarische Archive sind zunächst privat, sie gelangen als Vorlass, testamentarische Schenkung oder Verkauf an die Institution Literaturarchiv. Das übergebene literarische Archiv ist demnach nicht zuletzt ein Konstrukt des Autors, das Leben und Werk umschließt und einen Selbstentwurf realisiert, der wie ein Kunstwerk auch eine Poetik enthält. Ein weiterer Aspekt ist die Problematik von literarischen Nachlässen im digitalen Zeitalter. Beiträger des Bandes sind u. a. Ulrich Raulff, Leiter des Literaturarchivs in Deutschland, Bernhard Fetz, Leiter des Literaturarchivs in Österreich und Irmgard Wirtz, Leiterin des Literaturarchivs in der Schweiz. Die Beiträge erscheinen zum Teil in französischer Sprache.

Die Herausgeberinnen Irmgard Wirtz, geb. 1960, Leiterin des Schweizerischen Literaturarchivs. Privatdozentin am Institut für Germanistik, Universität Bern. Stéphanie Cudré-Mauroux lehrt an der Universität Fribourg und betreut im Schweizerischen Literatur­ archiv den Nachlass u. a. von S. Corinna Bille, Patricia High­ smith und Georges Poulet sowie den Bestand von Roland Jaccard. Sie leitet den Cercle d’études Jean Starobinski, dessen Jahresbericht sie herausgibt. In der Reihe bisher erschienen Schreiben und Streichen (2011); Kafka verschrieben (2010)


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Über Literatur

Gattungs-Wissen Wissenspoetologie und literarische Form

Konstellationen von Wissen und literarischer Form werden als »Gattungs-Wissen« beleuchtet.

Gattungs-Wissen Wissenspoetologie und literarische Form Die Herausgeber Michael Bies, geb. 1979, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover. Michael Gamper, geb. 1967, Professor für Deutsche Lite­ ratur mit dem Schwerpunkt Kultur- und Wissensgeschichte am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover.

Herausgegeben von Michael Bies, Michael Gamper und Ingrid Kleeberg ca. 400 S., ca. 10 Abb., brosch. ca. € 34,90 (D); € 35,90 (A) ISBN 978-3-8353-1194-7 April   WG 1562

Ingrid Kleeberg, geb. 1976, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover. Im Wallstein Verlag erschienen Michael Bies: Im Grunde ein Bild. Die Darstellung der Naturforschung bei Kant, Goethe und Alexander von Humboldt (2012); »Es ist ein Laboratorium, ein Laboratorium für Worte«. Experiment und Literatur III 1890 – 2010, hg. von Michael Bies und Michael Gamper (2011); Experiment und Literatur. Themen, Methoden, Theorien (2010); »Wir sind Experimente: wollen wir es auch sein!« Ex­periment und Literatur II 1790 – 1890, hg. von Michael Gamper, Martina Wernli und Jörg Zimmer (2010); »Es ist nun einmal zum Versuch gekommen«. Experiment und Literatur I 1580 – 1790, hg. von Michael Gamper, Martina Wernli und Jörg Zimmer (2009); Michael Gamper: Elektropoetologie. Fiktionen der Elektrizität 1740 – 1870 (2009) auch als E-Book erhältlich

Literatur konstituiert Wirklichkeit und Wissen wesentlich über die Ausstellung und Thematisierung sprachlicher Formgebung. Auf diese Weise reflektiert sie die Bedingungen der Möglichkeit von Wissen und ist so immer auch, qua formaler Gestaltung, Wissen vom Wissen. Ausgehend von grundlegenden epistemologischen Überlegungen zum Verhältnis von Wissen und literarischer Form untersuchen Beiträger die Funktion, die literarische Gattungszugehörigkeiten für die Hervorbringung, Verarbeitung und Darstellung von Wissen einnehmen. Aus dem Inhalt: Werner Michler: Biopoetik der Gattungen im 18. Jahrhundert Alexander Košenina: Kriminalanekdote. Literarisiertes Rechtswissen bei Kleist, Meißner und Müchler Rüdiger Zymner: Das ›Wissen‹ der Lyrik Michael Gamper: Das Neue schreiben. Boses Lehrgedicht, Lichtenbergs Aphorismen, Hardenbergs Märchen Ingrid Kleeberg: Zur Epistemologie und Poetik des frühromantischen Fragments Michael Bies: Naturgemälde von Humboldt, Wilbrand, Ritgen und Martius Jutta Müller-Tamm: Prosa, Lyrik, Lebensbild Peter Schnyder: Gattungen der Urweltdarstellung um 1860 Ethel Matala de Mazza: Maximen, Sprüche und andere Gemeinplätze Christine Weder: Die Erotisierung des Fragments bei Roland Barthes Eckhard Schumacher: Gattungsexperimente um 1968


Über Literatur

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Günther Rüther Literatur und Politik Ein deutsches Verhängnis? Die Studie beschreibt und deutet das Verhältnis von Literatur und Politik in Deutschland.

Günther Rüther Literatur und Politik Ein deutsches Verhängnis? 352 S., geb., Schutzumschlag € 24,90 (D); € 25,60 (A) ISBN 978-3-8353-1233-3 Januar   WG 1563

Das Verhältnis von Geist und Macht war in Deutschland von vielen wechselseitigen Missverständnissen und falschen Erwartungen bestimmt. Die politische Macht versuchte oft, Einfluss auf die Künste zu nehmen, insbesondere auf die Literatur. Die Schriftsteller näherten sich häufig der Macht an, da sie sich Vorteile davon versprachen. Nur wenige Autoren aber setzten sich in der Diktatur kritisch mit der Macht auseinander, und auch in der Demokratie standen Schriftsteller lange Zeit abseits des politischen Diskurses. Günther Rüthers Leitfrage ist daher: Wurde das Verhältnis von Geist und Macht den Deutschen zum Verhängnis? Im ersten Teil der Untersuchung wird Thomas Mann behandelt, der gleichermaßen in der wilhelminischen Kaiserzeit, in der Weimarer Republik, während des Nationalsozialismus im Exil wie auch während der jungen Bundes­ republik geschrieben hat. Der zweite Teil konzentriert sich auf das Schreiben in der Diktatur, der dritte analysiert die unterschiedlichen Situationen im geteilten Deutschland.

Der Autor Günther Rüther, geb. 1948, leitet die Abteilung ›Begabtenförderung und Kultur‹ der KonradAdenauer-Stiftung. Er lehrt als Honorarprofessor am Seminar für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Verhältnis von Geist und Macht im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Veröffentlichungen u. a.: Warum die Geisteswissenschaften Zukunft haben! (2007); Literatur in der Diktatur. Schreiben im Nationalsozialismus und DDR-Sozialismus (1997); Politische Kultur und innere Einheit (1995); »Greif zur Feder, Kumpel«. Schriftsteller, Literatur und Politik in der DDR (1991); Kulturbetrieb und Literatur in der DDR (1987)

auch als E-Book erhältlich


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Periodica

Das achtzehnte Jahrhundert Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts 37/1. Herausgegeben von Carsten Zelle ca. 144 S., brosch. ca. € 17,– € (D); € 17,50 (A) ISBN 978-3-8353-1205-0 ISSN 0722-740-x Juni   WG 1560

Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 2012

Jahrbuch der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 2012

Herausgegeben von Anne Bohnenkamp

Herausgegeben von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

»Das achtzehnte Jahrhundert« wurde 1977 als Mitteilungsblatt der »Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts« gegründet und seit 1987 zur wissenschaftlichen Zeitschrift der deutschen Dixhuitièmisten ausgebaut.

Das »Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts« ist ein literatur- und kunstwissenschaftliches Periodikum zur deutschsprachigen Literatur und zu den Wechselbeziehungen zwischen Dichtung und Kunst. Die Schwerpunkte liegen in der Goethezeit, der Romantik und der frühen Moderne bis zur Gegenwart. Begründet im Jahr 1902 und herausgegeben vom Direktor des Hochstifts ist das Jahrbuch seit langem ein Forum internatio­ naler Forschung. Neben Abhandlungen erscheinen in ihm kleinere Editionen und Berichte, in denen bedeutendere Neuzugänge oder zu Unrecht unbekannt gebliebene Bestände der Sammlungen erschlossen werden.

ca. 320 S., ca. 20, z.T. farb. Abb., geb., Schutzumschlag ca. € 39,– (D); € 40,10 (A) ISBN 978-3-8353-1228-9 April   WG 1563

ca. 240 S., engl. brosch. ca. € 15,– (D); € 15,50 (A) ISBN 978-3-8353-1203-6 Mai   WG 1563

Enthält u. a. die Rede der Büchnerpreisträgerin Felicitas Hoppe und die Laudatio von Hubert Spiegel.


Periodica

Bayerische Akademie der Schönen Künste Jahrbuch 26/2012 Herausgegeben vom Präsidenten und dem Direktorium der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München

Havi Dreifuss Changing Perspectives on Polish-Jewish Relations During the Holocaust Search and Research. Lectures and Papers, Bd. 18. English edition with an abstract in Hebrew. Edited by Dan Michman

ca. 280 S., ca. 20 Abb., brosch. ca. € 16,– (D); € 16,50 (A) ISBN 978-3-8353-1200-5 Mai   WG 1559

114 S., brosch. € 5,– (D); € 5,20 (A) ISBN 978-3-8353-1166-4 Sofort lieferbar   WG 1556

Mit Beiträgen von: Anita Albus, Jan Assmann, Dieter Borchmeyer, Reinhard J. Brembeck, Karl Dedecius, Dieter Dorn, Helmut Färber, Jens Malte Fischer, Manfred F. Fischer, Fritz Göttler, Gert Heidenreich, Paul Kirchhof, Thomas Koebner, Michael Krüger, Christa Lichtenstern, Hans Maier, Ulrich Mosch, Karl Prümm, Peter Ruzicka, Hartmut Schick, Klaus Schönitzer, Rena Wander-Hoefer, Sigrid Weigel, Jochen Winter, Barbara von Wulffen, Andreas Zielcke

In der Reihe »Search and Research« werden Vorträge, Forschungsberichte und Symposien veröffentlicht, die im Rahmen des »Yad Vashem International Institute for Holocaust Research« entstanden sind. Darüber hinaus gibt die Reihe den im Umfeld des Instituts agierenden Wissenschaftlern eine Plattform, innovative Forschungsansätze und erste Ergebnisse zu veröffentlichen.

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Der Provinzlärm und Die Aufgabe, Flügel zu schaffen Wilhelm Lehmann als Pädagoge Herausgegeben von Uwe Pörksen Sichtbare Zeit. Journal der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft. Herausgegeben von der WilhelmLehmann-Gesellschaft in Zusammen­ arbeit mit der Akademie der Wissen­ schaften und der Literatur, Mainz, 5/2013 ca. 120 S., engl. brosch. ca. € 10,– (D); € 10,30 (A) ISBN 978-3-8353-1243-2 März 2013   WG 1563

Mit Beiträgen von: Jürgen Bauer, Nico Bleutge, Jan Decker, Ulrich Grober, Jutta Johannsen, Jochen Jung, Knut Kammholz, Peter Nicolaisen, Claus Müller, Uwe Pörksen, Albert von Schirnding, Hanns Zischler


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Kurt-Wolff-Preis 2013 – Kurt-Wolf-Paket

Wir freuen uns über den Kurt-Wolff-Preis für unabhängige Verlage 2013 Stellen Sie sich Ihr individuelles Kurt-Wolff-Paket zusammen und bestellen Sie mit 45 % Rabatt und vollem RR

»Wir müssen so offen sein für das Heutige, wie wir offen bleiben sollten für das Gestrige.« Kurt Wolff

Zu Ihrem Kurt-Wolff-Paket erhalten Sie: • Kurt Wolff-Postkarten in gewünschter Anzahl (auch einzeln bestellbar: Bestellnr. 19095002) • Kurt Wolff-Plakat (A3) in gewünschter Anzahl (auch einzeln bestellbar: Bestellnr. 19095001) • Bestellungen bitte an unsere Vertreter, an Prolit oder an info@wallstein-verlag.de

»Wir müssen so offen sein für das Heutige, wie wir offen bleiben sollten für das Gestrige.«

Wallstein Verlag

Kurt Wolff

Ausgezeichnet mit dem Preis der Kurt-Wolff-Stiftung 2013 www.wallstein-verlag.de

Erfolgreiche Titel aus dem Herbstprogramm 2012

Christine Lavant Das Wechselbälgchen Erzählung

Franz Kafka In der Strafkolonie Eine Erzählung

Herausgegeben von Klaus Amann 104 S., geb., Schutzumschlag € 16,90 (D); € 17,40 (A) ISBN 978-3-8353-1147-3

Mit einem Essay von Peter-André Alt Herausgegeben, gestaltet und mit einer Nachbemerkung versehen von Klaus Detjen Typographische Bibliothek, Bd. 9 96 S., 16,0 x 24,0 cm, z.T. zweifarbig, Leinen, Schutzumschlag € 29,– (D); € 29,90 (A) ISBN 978-3-8353-0979-1

Louis-Sébastien Mercier Bücher, Literaten und Leser am Vorabend der Revolution Auszüge aus dem »Tableau de Paris« Ausgewählt und übersetzt von Wulf D. v. Lucius 237 S., 11 Abb., geb., Schutzumschlag € 22,90 (D); € 23,60 (A) ISBN 978-3-8353-0918-0

Helmut Lethen Suche nach dem Handorakel Ein Bericht Historische Geisteswissenschaften. Frankfurter Vorträge, Bd. 1. Herausgegeben von Bernhard Jussen und Susanne Scholz 128 S., brosch. € 9,90 (D); € 10,20 (A) ISBN 978-3-8353-1159-6

Wiebke-Marie Stock Denkumsturz Hugo Ball. Eine intellektuelle Biographie 242 S., geb., Schutzumschlag € 24,90 (D); € 25,60 (A) ISBN 978-3-8353-1184-8


Autoren des Kurt Wolff Verlags bei Wallstein

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Die Titel für das Kurt-Wolff-Paket Karl Kraus / Kurt Wolff Zwischen Jüngstem Tag und Weltgericht Karl Kraus und Kurt Wolff. Briefwechsel 1912–1921 Hg. von Friedrich Pfäfflin Bibliothek Janowitz (Hg. von Friedrich Pfäfflin), Bd. 14 335 S., 39 Abb., geb., Schutzumschlag € 24,– (D); € 24,70 (A) ISBN 978-3-8353-0225-9 Karl Kraus – Franz Werfel Eine Dokumentation Zusammengestellt und dokumentiert von Christian Wagenknecht und Eva Willms Bibliothek Janowitz (Hg. von Friedrich Pfäfflin), Bd. 18 340 S., 10 Abb., geb., Schutzumschlag € 24,90 (D); € 25,60 (A) ISBN 978-3-8353-0983-8 Max Brod Jüdinnen Roman Brod Werke (Hg. von Hans-Gerd Koch und Hans Dieter Zimmermann in Zusammenarbeit mit Barbora Šramkova und Norbert Miller) ca. 380 S., geb., Schutzumschlag € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1193-0 Max Brod Arnold Beer. Das Schicksal eines Juden Roman Brod Werke (Hg. wie oben) ca. 380 S., geb., Schutzumschlag € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1268-5

Joseph Roth Heimweh nach Prag Feuilletons – Glossen – Reportagen für das »Prager Tagblatt« Herausgegeben von Helmuth Nürnberger 640 S., Leinen, Schutzumschlag € 39,90 (D); € 41,10 (A) ISBN 978-3-8353-1168-8

Ich war nie Expressionist Kurt Hiller im Briefwechsel mit Paul Raabe. 1959 –1968 Hg. von Ricarda Dick. Mit einem Nachwort von Paul Raabe 308 S., 5 Abb., geb., Schutzumschlag € 29,– (D); € 29,90 (A) ISBN 978-3-8353-0785-8 Albert Ehrenstein Werke in 5 Bänden Hg. und mit einem Vorwort versehen von Hanni Mittelmann 3624 S., Leinen, Schutzumschlag, Lesebändchen € 98,– (D); € 100,80 (A) ISBN 978-3-89244-720-7 Bände auch einzeln erhältlich Yvan und Claire Goll »Ich liege mit deinen Träumen« Liebesgedichte Hg. und mit einem Nachwort ver­sehen von Barbara Glauert-Hesse 168 S., geb., Schutzumschlag € 19,80 (D); € 20,40 (A) ISBN 978-3-8353-0045-3 Yvan Goll Die Lyrik Hg. von Barbara Glauert-Hesse 4 Bde. zus. 2006 S., geb., Schutzumschlag, im Schuber € 49,– (D); € 50,40 (A) ISBN 978-3-89244-398-8 Yvan Goll 100 Gedichte Ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Barbara Glauert-Hesse 176 S., Leinen, Prägung € 18,– (D); € 18,50 (A) ISBN 978-3-89244-630-9

Joseph Roth Heimweh nach Prag Feuilletons – Glossen – Reportagen für das »Prager Tagblatt« Hg. und kommentiert von Helmuth Nürnberger 640 S., Leinen, Schutzumschlag € 39,90 (D); € 41,10 (A) ISBN 978-3-8353-1168-8 Joseph Roth und Stefan Zweig »Jede Freundschaft mit mir ist verderblich« Joseph Roth und Stefan Zweig. Briefwechsel 1927–1938 Hg. von Madeleine Rietra und Rainer-Joachim Siegel. Mit einem Nachwort von Heinz Lunzer 624 S., 6 Abb., Leinen, Schutzumschlag € 39,90 (D); € 41,10 (A) ISBN 978-3-8353-0842-8 Joseph Roth »Ich zeichne das Gesicht der Zeit« Essays – Reportagen – Feuilletons Hg. und kommentiert von Helmuth Nürnberger 544 S., Leinen, Schutzumschlag 39,90 (D); 41,10 (A) ISBN 978-3-8353-0585-4 Karl Wolfskehl Späte Dichtungen Hg. von Friedrich Voit Castrum Peregrini. Neue Folge (Hg. von Wolfgang Braungart, Ute Oelmann und Ernst Osterkamp), Bd. 2 180 S., geb., Schutzumschlag € 19,– (D); € 19,60 (A) ISBN 978-3-8353-0454-3

Karl Wolfskehl »Du bist allein, entrückt, gemieden ...« Briefwechsel aus Neuseeland 1938 –1948 Hg. von Cornelia Blasberg. Mit einem Vorwort von Paul Hoffmann Veröffentlichungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt, Bd. 61 2 Bde., zus. 1335 S., 41 Abb., Leinen mit Schutzumschlag € 39,– (D); € 40,10 (A) ISBN 978-3-89244-100-7 Gottfried Benn Hernach Gottfried Benns Briefe an Ursula Ziebarth. Mit Nachschriften zu diesen Briefen von Ursula Ziebarth und einem Kommentar von Jochen Meyer 504 S., 30 Abb., Leinen, Schutzumschlag € 19,90 (D); € 20,50 (A) ISBN 978-3-89244-488-6 Gottfried Benn – Thea Sternheim Briefwechsel und Aufzeichnungen. Mit Briefen und Tagebuchauszügen Mopsa Sternheims Hg. von Thomas Ehrsam 520 S., 35 Abb., Leinen, Schutzumschlag € 19,90 (D); € 20,50 (A) ISBN 978-3-89244-714-6

Thea Sternheim Tagebücher 1903 –1971 Mit Gesamttext auf CD-ROM Hg. und ausgewählt von Thomas Ehrsam und Regula Wyss i. A. der Heinrich Enrique Beck-Stiftung 5 Bde., zus. 3699 S., 80 Abb., geb., Schutzumschlag, im Schuber, Mit Gesamttext auf CD-ROM € 128,– (D); € 131,60 (A) ISBN 978-3-8353-0748-3 Johann Heinrich Merck Gesammelte Schriften 1776 –1777 Hg. von Ulrike Leuschner unter Mitarbeit von Amélie Krebs Gesammelte Schriften. Kritische, kommentierte Ausgabe (Hg. von Ulrike Leuschner), Bd. 3 463 S., 11 Abb., Leinen, Schutzumschlag € 34,90 (D); € 35,90 (A) ISBN 978-3-8353-1013-1 Johann Heinrich Merck Briefwechsel Hg. von Ulrike Leuschner in Verbindung mit Julia Bohnengel, Yvonne Hoffmann und Amélie Krebs 5 Bde., zus. 3306 S., 94, z.T. farb. Abb., geb., Schutzumschlag, Schuber € 148,– (D); € 152,20 (A) ISBN 978-3-8353-0105-4

»Wir müssen so offen sein für das Heutige, wie wir offen bleiben sollten für das Gestrige.« Kurt Wolff

Rainer Maria Rilke Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge Das Manuskript des »Berner Taschenbuchs«. Faksimile und Textgenetische Edition Herausgegeben von Thomas Richter und Franziska Kolp. Mit einem Nachwort von Irmgard M. Wirtz 492 S., 216 farb. Faksimiles, 2 Bde., geb. im Schuber € 39,90 (D); € 41,10 (A) ISBN 978-3-8353-1125-1

Peter Reichel Glanz und Elend deutscher Selbstdarstellung Nationalsymbole in Reich und Republik

Katharina Mommsen »Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen« Goethe und die Weltkulturen

381 S., 56 Abb., geb., Schutzumschlag € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1163-3

Schriften der Goethe-Gesellschaft, Bd. 75. Herausgegeben von Jochen Golz 478 S., 32 Abb., geb., Schutzumschlag € 28,– (D); € 28,80 (A) ISBN 978-3-8353-1000-1

Armin T. Wegner Der Knabe Hüssein und andere Erzählungen Herausgegeben von Volker Weidermann Ausgewählte Werke in drei Bänden, Bd. 1. Herausgegeben von Ulrich Klan im Auftrag der Armin T. Wegner Gesellschaft 311 S., geb., Schutzumschlag € 29,90 (D); € 30,80 (A) ISBN 978-3-8353-1104-6


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Vorschau auf das Wallstein-Frühjahrsprogramm 2013