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I nfohef t Wint er 2 0 09

MITTENDRIN Aktuelle Leitbildentwicklung Aus neuen Visionen neue Motivation ziehen

Streitschlichter und Vertrauenskreis Zwei Projeke zur Fรถrderung der Kommunikation

Jedem Kind ein Instrument Gedanken zur kulturellen Bildungsinitiative


Drei Schritte tue nach innen, dann den nach auĂ&#x;en... (Rudolf Steiner)


Inhalt Winter 2009

Editorial

Der Blick über den Tellerrand

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Schulleben

Waldtage der jetzigen 4. Klasse

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Schulleben

Kartoffelernte mit der 4. Klasse

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Betrachtung

Die Oberuferer Weihnachtsspiele

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Vorstellung

Das Streitschlichterprojekt

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Schulleben

Neues vom Vertrauenskreis

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Personen

Hausmeisterwechsel

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Schulleben

Neues Leitbild unserer Schule

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Musik

Jedem sein Instrument

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Rezept

Grüsse aus der Küche

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Personen

Gedenken an Frau Veron

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Schulleben

Arbeiten der 3. Klasse zum Basar

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Kontakt

Namen, Telefonnummern, Arbeitskreise

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IMPRESSUM Für den Inhalt der Artikel sind die Autoren verantwortlich, sie geben nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wieder. “MITTENDRIN” ist die Schulzeitung der Rudolf Steiner Schule Hagen. Lob, Kritik und sonstige Rückmeldungen aller Art empfangen wir gerne auf der Internetseite der “MITTENDRIN” unter www.midri.de oder per e-mail an: midri@waldorfschule-hagen.de oder auf dem Postwege an: Rudolf Steiner Schule Hagen, Red. Mittendrin, Enneper Str. 30, 58135 Hagen.

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Rätsel Sollte jemandem noch ein Weihnachtsgeschenk fehlen, hier ein kleiner Tip:

Pfiffikus' Schelmennuss: 148 leichte und schwierige Rätsel von Erika Beltle # Gebundene Ausgabe: 164 Seiten # Verlag: Freies Geistesleben # ISBN-13: 978-3772507205 Ein herrliches „Ratebuch“ für die ganze Familie. Kostprobe gefällig?: Er ist kein Pferd und kein Motor, und dennoch zieht er ständig. Zum Himmel strebt er steil empor und ist doch schwarz inwendig. Ihn fürchteten in alter Zeit die frommen Christenscharen, weil oft ein Weib, vermaledeit, mit Schwefeldämpfen im Geleit, durch ihn hindurchgefahren.

Oder noch eines: Das Erste möchte jeder sein, nur nicht verliebte Leute. Das Zweite bringt der Sonne Schein, wie gestern so auch heute. Das Ganze ist im Gang der Zeit ein Merktag aller Christenheit, der immer sich erneute.

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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser der MITTENDRIN, ein Blick über unseren Tellerrand hinaus macht deutlich, die anderen Schulen (sagt man Regelschule oder normale Schule oder Staatsschule?) versuchen alles, um die Bildung attraktiv zu machen, die Kinder auf ein hohes Maß an schulischer Leistung zu bringen und im schulischen Vergleich der Bundesländer und auch Staaten untereinander gut bis besser abzuschneiden. Dazu werden mittlerweile Methoden angeboten die von uns, den Waldorfschulen, abgeschaut wurden oder kopiert werden wollen – Klassenverbände über die 4te Klasse hinaus, Klassenlehrerverbindung über mehr als 4 Schuljahre, das berühmte „Nichtsitzenbleiben“ und Erweiterung des künstlerisch handwerklichen Unterrichts, um nur einige Beispiele zu nennen. Es wird vorgegaukelt, dass das Ganze auch noch kostenlos sei, wenn wir mal die zu zahlenden Steuern außer Acht lassen und uns darauf einlassen Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Der Blick über den Tellerrand hinaus macht gerade auch deutlich: eine Kopie ist nie so gut wie das Original. Das von einer kreativen und engagierten Gruppe von Eltern und Lehrern unserer Schule ausgearbeitete Leitbild für unsere Schulzukunft wird in dieser Ausgabe näher vorgestellt. Ein wichtiger Baustein unserer Schulentwicklung nach einem Viertel Jahrhundert ist damit in das Gesamtgefüge RSS-Hagen eingefügt. Wir wünschen Ihnen eine spannende und kurzweilige Lektüre und ein Gesundes Neues 2010! für das Redaktionsteam Christoph Soester

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Schulleben „Waldtage“ der jetzigen 4. Klasse In den letzten Jahren wurde bei vielen Kollegen der Wunsch immer deutlicher, mehr Zeit mit den Kindern in der Natur verbringen zu können.

Dies soll den Kindern neben dem intensiven und innigen Naturerleben auch die Möglichkeit geben, Lernerfahrungen außerhalb des Klassenraums zu machen und selbst schaffend tätig zu werden.

Für die jetzige 4.Klasse ergab sich dazu eine wunderbare Möglichkeit. Unsere ehemalige (und zukünftige) Praktikantin Frau Carola Kraus, die am Institut in Witten-Annen sowohl das Klassenlehrerstudium, als auch das Gartenbaustudium absolviert, bot an,

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Schulleben gen und Entdeckungen machen. Wir haben Geschichten zu Pflanzen und Tieren gehört, ein Waldsofa für uns und einen Totholzhügel als Winterunterschlupf und Nistquartier für Bodenbrüter gebaut, Brombeeren gesammelt und in der Klasse Marmelade gekocht,

in regelmäßigen Abständen sogenannte „Waldtage“ mit uns zu gestalten. Dieses Angebot nahmen wir mit großer Freude an und so marschierten

Kräuter gesammelt und Kräutersuppe hergestellt und vieles mehr. Zweimal sind wir auch beim Forsthaus gewesen und haben dort mit Hilfe von Herrn Rauer viel Neues entdeckt und auch tüchtig gearbeitet. wir an insgesamt 14 Schultagen meist in Begleitung einiger Eltern in den Wald oberhalb der Hestert. Dort durften wir die verschiedensten Erfahrun-

Bei allen helfenden Eltern, Herrn Rauer und ganz besonders natürlich bei Frau Kraus möchte ich mich an dieser Stelle - auch im Namen der Klasse ganz herzlich bedanken! Heike Dinter Fotos: Karsten Hesse

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Kartoff

4. Kl

Fotos: Oliver Kleyer

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felernte

lasse

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Die Kartoffelernte mit der 4. Klasse toffeln in Eimern. Anschließend wurden die Kartoffeln in Säkke umgefüllt. Einige Zeit später waren auch schon etliche Säcke gefüllt, sodass es endlich eine verdiente Frühstückspause gab. Danach durften wir auf dem Nachbarfeld eine andere Kartoffelsorte ernten. Als auch hier fast jede Kartoffel eingesammelt war, ging es langsam auf den Rückweg. Zwischenzeitlich hatte sich natürlich jeder seine ganz besondere Kartoffel eingesteckt. Favorit war hierbei wohl eindeutig die Herzform! Um die Arbeit des Bauern etwas näher kennen zu lernen, beabsichtigte die 4. Klasse einen Vormittag auf dem Feld mit der Kartoffelernte zu verbringen. Heute war es dann soweit: Um 8 Uhr trafen wir uns an der Schule. Mit dem Bus ging es weiter zum Hof Sackern, wo wir nach etwa 15 Minuten eintrafen. Ein netter Mitarbeiter des Hofes begleitete uns dann zum nahe gelegenen Kartoffelfeld. Nach einer kurzen Einweisung begannen wir fleißig mit der Ernte der Kar-

Auf dem Schulhof angekommen wurde vorsorglich noch das Schuhwerk von "kleineren" Lehmresten gereinigt, bevor wir dann wieder in den Bus stiegen und unsere Heimreise antraten. Alles in Allem war es ein sehr gelungener, wenn auch nicht gerade Rückenschonender Tag. Oliver Kleyer

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Oberuferer Die Oberuferer Weihnachtsspiele sind eine Trilogie bestehend aus Paradeisspiel, Christgeburtspiel und Dreikönigsspiel. Den Anfang macht das Paradeisspiel, mit dem Verlust des Paradieses, dem Beginn der Absonderung des Menschen von der geistigen Welt. Im anschließenden Christgeburtspiel erleben wir als freudiges Ereignis Christi Geburt, der Beginn des Weges, uns wieder mit der geistigen Welt zu verbinden. Den Abschluss der drei Spiele bildet das Dreikönigsspiel zum Dreikönigstag mit der Anbetung durch die Könige und die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten. Die ersten beiden dieser Spiele werden – ebenso wie an fast allen Waldorfschulen – auch an unserer Schule jedes Jahr von Lehrern und Eltern aufgeführt, von Zeit zu Zeit ge-

lingt es uns auch noch das Dreikönigsspiel zur Darstellung zu bringen. Die Aufführungen sind gedacht als Geschenk an die Schulgemeinschaft und an alle Menschen, die sich durch die

besondere Atmosphäre dieser Spiele in eine wahrhaft weihnachtliche Stimmung versetzen lassen wollen. In ganz besonderer Weise hat sich in den Spielen ein Urbild der Schöpfungsgeschichte und der Christgeburt bewahrt, das jedes Jahr wieder in besinnlicher und zugleich fröhlicher Weise auf das Weihnachtsfest einstimmt, all dem heutigen Weihnachtstrubel der Umgebung zum Trotz. Ein auffälliges Merkmal dieser Oberuferer Spiele ist der besondere Dialekt, in dem sie in der Regel auch heute noch zur Aufführung gebracht werden und der im Zusammenhang mit der Herkunft der Spiele zu sehen ist. So reichen ihre

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Weihnachtsspiele Wurzeln weit zurück ins 13. und 14. Jahrhundert, wo arme Bauern aus den Gebieten um den Bodensee herum mit solchen Spielen zu Weihnachten die Christgeburt feierten. Von dort aus kamen die Spiele mit Siedlern nach Osten in das Dorf Oberufer (daher der Name der Spiele), das in der Nähe von Pressburg (Bratislawa) auf der Donauinsel Schütt lag. Die dort lebenden Bauern bewahrten die Spiele als Teil ihrer nationalen Identität und gaben sie mündlich von Generation zu Generation weiter, so dass sie durch Jahrhunderte hindurch unverfälscht erhalten blieben. Alljährlich wurden sie im Dorf und in der Umgebung aufgeführt, wobei auch die weiblichen Rollen mit Männern besetzt waren. Während der gesamten Probenzeit von etwa Ende Oktober bis Weihnachten mussten alle Mitspieler strenge Regeln befolgen und einen Lebenswandel führen, der dem Ernst der Sache angemessen war. „Ein jeder, der mitspielen will, darf 1. Nicht zu'n Dirnen gehen. 2. Keine Schelmlieder singen die ganze heilige Zeit über. 3. Muss er ein ehrsames Leben führen. 4. Muss er mir (dem Regisseur ) folgen. Für alles ist eine Geldstrafe, auch für jeden Gedächtnisfeh-

ler und dergleichen im Spiel“. In dieser Zeit lebte man in der ländlichen Umgebung intensiv mit dem Jahreskreislauf und war mit der inhaltlichen Bedeutung der Feste tief verbunden, und so wurden die Mitspieler während der vorweihnachtlichen Probenzeit von der frommen Stimmung erfasst, aus der heilige Kunst hervorgehen kann. Da vor dem Weihnachtstag (25. Dezember) der Adam-und-Eva-Tag (24. Dezember) ist, geht das Paradeisspiel dem Christgeburtspiel voran. Diese Oberuferer Weihnachtsspiele wurden in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts von dem Sprachforscher Karl Julius Schröer aus Wien „entdeckt“ und genau so aufgeschrieben, wie er sie von den Bauern hörte. Von diesen Aufführungen erzählte er Jahre später seinem Freund Rudolf Steiner so begeistert, dass dieser seinerseits 1910 in Berlin eine Aufführung organisierte und schließlich 1921 in der ersten Waldorfschule in Stuttgart die

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wohl Kinder als auch Eltern im Laufe der Jahre zu dem schönen Erlebnis kommen, dass es erst wenn man die Weihnachtsspiele gesehen hat, wirklich richtig Weihnachten werden kann!

noch heute lebendige Tradition begründete. Die heute gespielte Musik entspricht nicht mehr dem Original, sie wurde auf Bitten Rudolf Steiners durch Leopold von der Pals um etwa 1910 herum neu komponiert. Inzwischen sind die Spiele in den Waldorfschulen eine wertvolle Tradition geworden und ermöglichen der gesamten Schulgemeinschaft in jedem Jahr wieder ein ganz besonders stimmungsvolles Weihnachtserlebnis, wobei gerade der Dialekt das Gemüthafte und Bäuerliche der Spiele in besonderer Weise zum Ausdruck zu bringen und uns aus der Alltagsgeschehen ganz herauszulösen vermag. Da zu beobachten war, dass in den doch oft hektischen Vorweihnachtstagen immer weniger Kinder nachmittags mit den Eltern die Spiele besuchen konnten, gibt es seit einigen Jahren wieder eine Schüleraufführung für die unteren Klassen, während die älteren Schüler und die Eltern die Möglichkeit haben, am Abend in Ruhe die Spiele anzuschauen. So können so-

In diesem Sinne laden wir Sie ganz herzlich zu den Aufführungen ein und wünschen allen eine schöne und besinnliche weitere Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Herzliche Grüße Heike Dinter Quellen: Rudolf Steiner, Karl Julius Schröer: Von den Oberuferer Weihnachtsspielen und ihrem geistigen Hintergrund; Rudolf Steiner Verlag Dornach Bruckmann, Walter: „Was hat das 'Paradeisspiel' mit dem Paradies zu tun? Die Tradition der Oberuferer Weihnachtsspiele“ Heigl, M. I.: Die Oberuferer Weihnachtsspiele (www.widar.de/mih/oberufer.htm) Internetsite der Waldorfschule Trier

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Streitschlichterprojekt Wir gucken nicht weg! - Wir helfen! Ende des sechsten Schuljahres haben wir erfahren, dass es an unserer Schule ein Streitschlichterprojekt geben soll. Wir fanden es sehr interessant und wollten unbedingt mitmachen! Überraschenderweise fiel die Wahl auf unsere Klasse. Nur eine Sache war noch zu klären: Wer aus der Klasse durfte „Streitschlichter“ werden? Da nur zwölf Kinder ausgebildet werden konnten. entschied Frau Duschek, unsere KIassenlehrerin, wer diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen sollte. Da es einige Schwierigkeiten gab, verzögerte sich der Beginn des Projektes um mehrere Monate. Im neuen Schuljahr begann dann die Schulung. An drei Montagen trafen wir uns mit einer Pädagogin die uns vermittelte, wie wir mit Streit und Konflikten umgehen sollen. Nach dieser gelungenen Schulung gingen wir in die Unterstufenklassen und stellten uns vor. Dann teilte Frau Duschek die zwölf Streitschlichter in Zweiergruppen auf. Das heißt wir gehen in den Pausen zu zweit und wechseln uns ab. Wir laufen mit einer gelben Schärpe über den Schulhof und gucken, ob es vielleicht irgendwo Streit gibt. Sieht ein Kind traurig aus? Beschimpfen sich Kinder? Wird randaliert? Wenn beide Parteien mit einem Gespräch einverstanden sind, versuchen wir ihnen zu helfen. Unsere Aufgabe ist es, Konflikte so zu lösen, dass es am Ende keinen „Verlierer" gibt. Wir fragen zum Beispiel, was passiert ist, welche Lösungen sie selber vorschla-

gen, oder ob wir einen Vorschlag machen sollen. Wir sind nicht parteiisch. Und wir haben eine sogenannte Schweigepflicht. Diese wird eigentlich immer eingehalten, nur wenn der Fall zu heftig für uns wird, und wir diese Last nicht tragen wollen und können. Das Ziel ist es, einen Streit zu lösen, ohne Lehrer einschalten zu müssen. Die abgemachte Lösung wird dann in einem Vertrag festgehalten, den beide Parteien unterschreiben, wenn sie einverstanden sind. So wird nichts vergessen. Diesen Vertrag können wir auch wieder hervorholen, wenn der Konflikt erneut auftaucht. Es ist auch so, dass jeder Schüler zu uns kommen kann, wenn ihm etwas auf dem Herzen liegt. Streitschlichter sind keine Richter, die klären müssen, wer welche Schuld auf sich geladen hat oder welches Verhalten richtig und welches falsch war. Wir versuchen einfach nur uns für ein gutes Miteinander in der Schule einzusetzen. Helen Ledermann

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Neues vom Vertrauenskreis Egal, welcher Art zwischenmenschliche Probleme sind: Die Folgen sind in der Regel Störungen der Kommunikation bei der die Beziehung Schaden nehmen kann. Der Vertrauenskreis der Rudolf-Steiner Schule Hagen möchte Ansprechpartner bei Problemen zwischen Lehrern, Eltern und /oder Schülern sein. Unser Angebot ist ein für alle Seiten freiwilliges. Wir wollen Kommunikation wieder in Gang setzten, die von den Betroffenen als hilfreich erlebt wird. Wir lösen keine Probleme, sondern wollen zwischen den Betroffenen vermitteln. Die Erfahrungen zeigen, je früher sich die Menschen an uns wenden, desto einfacher und wirksamer erleben sie die Begleitung. Der Vertrauenskreis besteht aus Eltern und Lehrern, die alle zwei Jahre in der ordentlichen Mitgliederversammlung gewählt werden. Eltern und Lehrer dieses Kreises unterliegen selbstverständlich der Schweigepflicht; ein Versprechen legt jedes Mitglied schriftlich ab. Praktisch sieht eine Begleitung so aus: Die Unterstützung suchende Partei kann telefonisch, per Mail oder persönlich mit ihrer Frage an den Vertrauenskeis treten. Die Adressen der Mitglieder sind im Schulbüro hinterlegt. Ebenso sind die Kontaktdaten im Roten Faden, im Infoblatt und in Kürze auf der Homepage nachzulesen. Es reicht natürlich, ein Mitglied des Vertrauenskreises anzusprechen, Die Kontaktperson nimmt die Fragestellung

und die jeweiligen Umstände stichpunktartig auf und informiert die Mitglieder über den Eingang. Der Kreis schaut sich die Eingangsfrage und die Hintergründe an. Wir überlegen zunächst, ob wir die Anfrage annehmen können, denn manchmal gehört ein Thema in andere Hände. Art und Weise des Vorgehens, Grenzen und Möglichkeiten werden im reflektierenden Gespräch vorbereitet. Dabei lenkt uns die anthroposophische Sicht auf den Menschen. Auch fühlen wir uns durch unsere Berufs- und Lebenserfahrungen in der Lage, Begebenheiten distanziert und reflektiert aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Danach wird entschieden, wer die Begleitung übernimmt, ausdrückliche Gesprächspartnerwünsche der Parteien werden so weit wie möglich berücksichtigt. In der Regel findet ein Treffen mit den beiden Mitgliedern des Kreises und der anfragenden Partei statt. In einem nötigen Folgetermin treffen sie sich mit der zweiten betroffenen Partei. Möglicherweise kommt es dann zu einem dritten und gemeinsamen Gespräch. In einigen Fällen ist ein ausführliches Gespräch am Telefon ausreichend. Dies richtet sich auch nach den Wünschen und Möglichkeiten der anfragenden Menschen. Die zuständigen Vertrauenskreismitglieder verfassen stichwortartig und auf Wunsch anonymisiert eine Protokollnotiz und geben diese an ein vorher bestimmtes Vertrauenskreismit-

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glied, welches für den Datenschutz sorgt. Hinweise bezüglich Verabredungen, Treffen, Beginn und Abschluss einer Gesprächsreihe werden festgehalten, der eigentliche Konflikt in seinen Einzelheiten nicht. Über den Abschluss einer Konflikt-Begleitung wird der Vertrauenskreis spätestens bei seinem nächsten Treffen berichtet. Wesentlich sind auch hier nicht Details, sondern ob ein Prozess der Kommunikation stattgefunden hat und ob dieser von den Parteien als hilfreich empfunden wurde.

Mitglieder des Vertrauenskreises Stand November 2009 Lehrer: Frau Bungarten, Frau Reinhold, Frau Jankowski, Herr Buchner, Herr Grineisen. Eltern: Frau Vormann, Frau Schwanke, Frau Glasmacher, Frau und Herr Eilert, Frau Hauschildt-Scheutzow

Hausmeisterwechsel Die Veränderung eines Menschen mit dem Wegfall seiner Aufgaben ist manchmal sehr augenscheinlich. In einem Fall an unserer Schule war es mehr als auffällig: Da saß ein Mann am Basartag im Waldcafé und strahlte über das ganze Gesicht. Das Strahlen konnte man sehen, es blieb nicht verborgen. Der Bart ist ab! Dabei wurde ihm auf der September-Monatsfeier doch nur ein Zipfelchen abgeschnitten, quasi symbolisch. Die Rede ist von unserem langlangjährigen Hausmeister „Böni“, wie ihn seine (!) Kinder liebevoll nannten. Nun im verdienten Ruhestand, besucht er seine Schule doch ab und an in Zivil und nicht im obligatorischen Graukittel. Es gehe ihm gut und das Saxophonspielen bereite ihm Spaß und er mache Fortschritte, sagte er mir. Nun denn, das Ehemaligen-Orchester kann gegründet werden und „Böni“ wäre dabei. Die Schulgemeinschaft dankte schon im September für seine langjährigen

wertvollen Dienste. Seinen Kindern ist er natürlich immer noch im Gedächtnis, konnte man doch seine liegen oder hängen gelassenen Klamotten und Frühstücksdosen und Trinkflaschen und Malstifte und Kreideblöckchen aus dem Keller und den großen Säcken herauskramen und wieder mit nach Hause nehmen – fast nichts ging verloren. Die Schulgemeinschaft freut sch aber jetzt auch auf Herrn Neugebauer, den neuen „Böni“ (offizielles Kürzel ist noch nicht bekannt). Den ersten großen Auftritt hat er am Basartag schon gehabt und er selbst war im Ergebnis ganz zufrieden und überrascht, wie gut doch alles funktionierte und harmonisch sich zusammenfügte. „Seine Kinder“ haben schon schnell herausgefunden: Das ist aber auch ein ganz Netter!

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Christoph Soester


Neues Leitbild Wir gestalten gesunde Beziehungen. Jeden Menschen achten wir in seiner ganz persönlichen Einzigartigkeit und Vielfalt. Die verlässlichen Beziehungen und liebevolle Begleitung unserer Schüler bilden die Grundlage für erfolgreiches Lernen. Es ist uns ein Anliegen, dass Eltern, Lehrer und insbesondere unsere Schüler gerne und mit Freude zur Schule kommen. Unsere Beziehungen gestalten wir klar, verbindlich und respektvoll. Im Begegnungsraum unserer Schule lernen wir Konflikte konstruktiv zu lösen und eine anregende Dialog- und Feedbackkultur zu fördern. Im Unterricht und Kollegium wenden wir Elemente und Methoden der Selbstschulung und Selbsterziehung an. In der pädagogischen Arbeit unterstützen wir uns im Kollegium gegenseitig.

Wir erkennen individuelle Veranlagungen und ermöglichen deren Entfaltung. Wir nehmen jeden Schüler in seiner Einzigartigkeit wahr und begleiten unterstützend die Entfaltung seiner besonderen Fähigkeiten und Begabungen. Unseren Unterricht gestalten wir auf der Grundlage der pädagogischen Impulse Rudolf Steiners und der anthroposophischen Menschenkunde. Wichtig ist uns, unsere Schüler durch die künstlerische Gestaltung jedes Un-

terrichts und ein breites Fächerspektrum geistig, seelisch und körperlich in ihrer Vielfalt anzusprechen. Persönliche, soziale, fachliche und methodische Fähigkeiten entwickeln wir ausgewogen. Die von uns angebotenen Schulabschlüsse spiegeln die vielfältigen Fähigkeiten unserer Schüler wider und geben ihnen die individuell möglichen Qualifikationen für den weiteren Lebensweg mit. Den ganzheitlich angelegten Waldorf-Abschluss ergänzen wir durch die spezialisierten staatlich anerkannten Abschlüsse.

Wir befähigen zum selbstverantwortlichen Lernen. Wir geben unseren Schülern im Unterricht einen Rahmen, der ihnen ermöglicht im Laufe der Schulzeit zunehmend selbstverantwortlich zu lernen und ihre eigenen Interessen zu entwickeln. Auf diesem Weg gestalten wir die Lernbedingungen altersgerecht und geben Orientierung, legen methodische Fähigkeiten an und gestalten mit den Schülern immer mehr selbstverantwortete Freiräume zum Lernen. Prüfungen gestalten wir so, dass sie helfen sich der eigenen Fähigkeiten bewusst zu werden und Selbstbewusstsein zu stärken. In den jungen Menschen wecken und stärken wir die Kräfte, die ihnen später helfen selbstbestimmt und frei zu handeln und eine „Selbsterziehung in Freiheit“ ermöglichen.

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Entwurf vom 23. November 2009 Wir sind Gesprächspartner für pädagogische Fragen und machen unsere Schule öffentlich sichtbar.

Getragen von individueller Initiative und strukturierter Verantwortung führen und verwalten wir unsere Schule selbst. Wir schaffen klare, transparente, verbindliche Strukturen zur Unterstützung unseres Unterrichts. Unsere Schule entwickeln wir zur „Lernenden Organisation“, die in der Lage ist die Initiativen ihrer Mitglieder zu koordinieren, Schwierigkeiten zügig zu lösen und neue pädagogische Impulse zu verwirklichen. Die Qualität unserer Arbeit prüfen, sichern und entwickeln wir regelmäßig. Systematisch bilden wir uns in unseren Aufgabenfeldern weiter.

Wir treten für die freie und gesunde Entwicklung des Kindes im Gespräch mit Kollegen, Eltern, Behörden und der Gesellschaft ein. An der öffentlichen und schulinternen Diskussion zu aktuellen pädagogischen Fragen beteiligen wir uns aktiv. Mit Menschen und Organisationen, die ähnliche Fragen in ähnlichen Tätigkeitsfeldern verfolgen, knüpfen und pflegen wir partnerschaftliche Beziehungen, Arbeits- und Lerngemeinschaften.

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Gemeinsam organisieren wir unseren Schulbetrieb transparent, effektiv und nachhaltig.

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Fragen und Antworten Das neue Leitbild der Schule wurde auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der Schulgemeinschaft vorgestellt. Die Leitbildgruppe hat ein paar wesentliche Fragen und Antworten zum Leitbild aufgeschrieben. Warum benötigt die Schule ein Leitbild? Wir möchten diese Frage mit einem Zitat von Erich Fromm beantworten, der ein bedeutender Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe war: „Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man sich sehnt, die man verwirklichen möchte, dann gibt es auch kein Motiv, sich anzustrengen.“ Wo viele Menschen tätig sind, ist es sinnvoll, dass man klärt, wohin die Reise gehen soll. Da wir sehr viele Projekte gleichzeitig verfolgen, hat sich ein Großteil der Beteiligten dafür ausgesprochen, dass wir das Fundament unserer Schule wieder neu definieren. Die Schule hat schon seit 1999 ein Leitbild und dieses leider nicht mehr „gelebt“. Das wollen wir nun ändern. Welche Botschaft und welche Ziele enthält das neue Leitbild? Das Leitbild besteht aus fünf Kapiteln. Diese enthalten Aussagen zur Beziehungspflege, zum Erkennen und Entwickeln individueller Veranlagungen, zum selbstverantwortlichen Lernen, zur Organisation des Schulbetriebes und zur Öffentlichkeitsarbeit. Auf der Klausurtagung am 3. Oktober ist die Klärung dieser Punkte ins Zentrum gerückt worden. Wir haben auf der Grundlage des zuvor erarbeiteten Wesensbildes der Schule die Ziele formuliert.

Frage: Wesensbild? Was ist das? Antwort: Das Wesensbild beschreibt die Schule, wie sie im Moment erfahren wird. Es setzt sich zusammen aus der Biografie der Schule, dem Fremdbild, also wie sehen uns die Anderen, dem Erscheinungsbild und dem Selbstbild. Zusammengenommen sind das vier Sonden, mit deren Hilfe wir uns dem in der Vergangenheit wirksamen Leitbild = Wesensbild genähert haben. Dieses bildet dann die Grundlage für den nächsten Arbeitsschritt, die zukunftsorientierte Weiterentwicklung. Die Arbeit am Leitbild war also zweigeteilt? So kann man es auch sagen. Wir haben in einem „pulsierenden Prozess“, in zwei Phasen zunächst das Wesensbild niedergeschrieben und im zweiten Schritt das Leitbild. Wir haben es deshalb „pulsierend“ genannt, weil wir den ständigen Austausch gesucht haben. Wir sind in allen Konferenzen gewesen und haben immer wieder die Fortschritte präsentiert, offene Fragen diskutiert und Anregungen mitgenommen. So konnten wir sicherstellen, dass eine große Anzahl Menschen an der Entstehung beteiligt werden konnte. Wir haben u.a. auch mit dem Vorstand der Kindergärten gesprochen, die ebenfalls am Leitbild arbeiteten.

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Zum Leitbild Wie wollen Sie sicherstellen, dass das neue Leitbild nicht wieder in einer Schublade verschwindet? Das ist eine ganz essentielle Frage. Wir haben zwar gesagt, dass die Arbeit der Leitbildgruppe zunächst beendet ist, jedoch sind noch einige Anstrengungen nötig, damit das Leitbild zu einem Bestandteil des Alltages wird und handlungsorientierende Kraft gewinnt.

gen stoßen, die wir in der Form bislang nie ausgesprochen haben. Uns ist klar, dass die Ziele unter Umständen nicht zu 100% erreicht werden können, aber das ist nicht schlimm. Es ist uns wichtig, dass niemand verzweifelt oder faule Kompromisse sucht, um die Ziele zu erreichen. Wir wollen diese kreative Spannung als Chance verstanden wissen, die zu neuen Einsichten führt.

Wie sehen diese Anstrengungen genau aus? Zunächst wurde das Leitbild allen ausgehändigt. Wir werden das kommende Jahr als Probejahr nutzen und Erfahrungen sammeln. In allen Konferenzen und Arbeitskreisen wird man sich die Frage stellen: „Wo handeln wir schon im Sinne des Leitbildes und was müssen wir an unseren Arbeitsweisen, Methoden, Beschlüssen, Umgangsweisen usw. ändern?“ Dadurch wird deutlich, dass es jetzt nicht mehr nur allein die Aufgabe der Leitbildgruppe ist das Thema voranzutreiben. Wir hoffen auf die Kreativität aller und fördern den Dialog.

Hintergrundinformationen: Die Leitbildgruppe besteht aus folgenden Mitgliedern: Heike Dinter, Horst Grineisen, Jaromir Junne, Robin Müller, Dirk Münter, Silvia Reinhold, Stefanie Tischer. Wir begrüßen das vom Bund der Waldorfschulen erstellte allgemeine Leitbild für Waldorfschulen als Grundlage unserer Überlegungen. Bei der Entwicklung wurde der von der Münchener Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung GbR (GAB) erstellte Leitfaden zum Leitbild in abgewandelter Form eingesetzt. Anstöße zur Leitbildentwicklung finden sich außerdem in einem Aufsatz von James Collins und Jerry Porras „Building your Company‘s Vision“ von 1996.

Was antworten sie den Kritikern, die behaupten, dass dieses Leitbild in der Kaffeepause geschrieben wurde oder denjenigen, die zweifeln, dass es Ziele enthält, die erreicht werden können? Das Leitbild soll kein Konzept sein, wie wir die Waldorfschule von morgen gestalten wollen. Wer es sich genau durchliest, der wird schon bei den ersten Sätzen auf fundamentale Aussa-

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Dirk Münter


Jedem Kind sein Instrument ? Der Name ist inzwischen Programm: Bis zum Jahr 2010 soll jedem Grundschulkind des Ruhrgebietes die Möglichkeit offen stehen, ein Musikinstrument zu erlernen, das es sich selbst ausgesucht hat. Die kulturelle Bildungsinitiative ist ein Beitrag zum Programm der Kulturhauptstadt Europas und wurde von der Kulturstiftung des Bundes, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Zukunftsstiftung Bildung in der GLS Treuhand e.V. entwickelt. Über 10 Millionen Euro wurden von der Bundesregierung zur Verfügung gestellt und man erwartet von diesem Programm „ neue Impulse für die ästhetische Erziehung auch weit über den musikalischen Bereich hinaus…“. Die Bundesländer Saarland und Hamburg haben nun nachgezogen!

einen nahezu flächendeckenden „Rund-um-die-Uhr-Konsum“ erzeugt. Sobald es die Verhältnisse erlauben, werden die Ohrenstecker angelegt und der iPod hält tausende Musiktitel für die Jugendlichen bereit. Musikprojekte finden, wenn überhaupt, dann nur noch außerhalb des regulären Unterrichts statt und die privaten Ambitionen, ein Musikinstrument zu erlernen, versanden bei den Heranwachsenden all zu schnell, spätestens in der Pubertät.

Noch vor wenigen Jahren pflegte das Fach Musik (insbesondere das praktische, aktive Musizieren) an den öffentlichen Schulen in zunehmender Weise ein ausgesprochen stiefmütterliches Dasein! Musik wurde immer mehr in die Ecke des „netten Zeitvertreibes“, „zur Verschönerung von Festen“ oder als „Erholungsstunde“ neben den anstrengenden, prüfungsrelevanten Zentralfächern gestellt. Musik hatte den Status eines Mangelfaches und aus der Not heraus wurden auch fachfremd unterrichtende Lehrer geduldet und mit einer amtlichen Unterrichtsgenehmigung ausgestattet.

Seit den Forschungsergebnissen von Professor Hans Günther Bastian vom Institut für Musikpädagogik der Goethe-Universität Frankfurt ist bekannt, dass engagierte Musikerziehung (d.h. aktives Musizieren!) sich positiv auf logisches Denkvermögen, Kreativität, Sensibilität, Stärkung sozialer Fähigkeiten, ergebnisorientiertes Lernen und das Selbstbewusstsein auswirkt. (Und zwar sowohl bei Lehrenden als auch Schülern). Auch von neurobiologischer Seite wird in zahlreichen populären Veröffentlichungen von Prof. Dr. Gerald Hüther und Prof. Dr. Manfred Spitzer auf die Bedeutung des aktiven Musizierens hingewiesen! Diese Forschungsergebnisse ließen das Kultusministerium aufhorchen und veranlasste schließlich auch unsere Politiker, für das oben erwähnte Projekt „Jedem Kind sein Instrument“ Gelder zur Verfügung zu stellen.

Der Vormarsch der gigantischen Musikindustrie hat allerdings inzwischen

Rudolf Steiner hat verschiedentlich darauf hingewiesen, dass die Musik in

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Zukunft eine „soziale Mission“ zu erfüllen habe. Schon mit gesundem Menschenverstand kann man auch ohne wissenschaftlicher Forschungsergebnisse erahnen, dass beim Musizieren den Qualitäten wie: Gegenseitiges Zuhören, in Einklang bringen, Rücksichtnehmen etc. eine ganz besondere Rolle zukommt. Beim Singen und Musizieren zeigt man noch viel deutlicher als beim Sprechen seine eigene Innerlichkeit, seine Gefühlswelt. Und wer zeigt diese schon gerne? Man singt eben nicht gerne öffentlich, denn man muss sich beim Singen viel mehr als beim Sprechen überwinden. Bei der musikalischen Kommunikation zeigt man nicht nur seine eigenen Gefühle in besonderer Weise, sondern man muss auch sehr sensibel auf die Gefühle bzw. musikalische Artikulation, der Intonation und der Rhythmik der Mitmusizierenden eingehen, sonst kommt kein Zusammenklang, keine Harmonie, kein Gesamtkunstwerk zustande. Musik ist also ein „Beziehungsübfeld“ der ganz besonderen Art! Und dass sich regelmäßiges Musizieren vielleicht auf das Sozialverhalten auswirken könnte, kann man sich denken und ist zumindest nicht überrascht von den oben erwähnten Forschungsergebnissen.

In der Musik kommt ein für die Waldorfpädagogik ganz wesentlicher Grundgedanke zum tragen: Jeder Unterricht sollte mit Gefühlen, mit Erlebnissen verbunden werden! Denn nur dann, wenn wir beim Lernen auch mit unseren Emotionen beteiligt waren, ist es von bleibendem Wert. Wir erinnern uns an diejenigen Dinge wirklich gut, bei denen wir emotional beteiligt waren, die mit Erlebnissen „durchtränkt“ waren. Beim Musizieren sind wir, oder sollten wir zumindest immer emotional beteiligt sein, denn welcher Zuhörer könnte sich schon für emotionslose Musik erwärmen? Und es kann noch erweitert werden: Der ganze Mensch, d.h. Kopf, Herz und Hand sind gleichsam beim Musizieren beteiligt und gleichzeitig in Aktion: Kopf: Der Intellekt erfasst die musikalischen Strukturen über das Notenbild oder über das Gedächtnis. Herz: Das Gefühl ist bei der musikalischen Artikulation permanent anwesend. Hand: Die Motorik ist beim Greifen, Zupfen, Streichen etc. in besonderem Maße herausgefordert.

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Auch in unserer Schule gibt es immer weniger Schüler, bei denen das regelmäßige Üben an einem Musikinstrument in der Oberstufe noch eine wesentliche Rolle spielt. Viele Schülerinnen und Schüler geben ihr Instrument in der Mittelstufe auf und nur wenige Instrumentalisten sind in der Oberstufe in der Lage, anspruchsvolle Musikliteratur in einer Ensemblearbeit zu meistern. Liegt es an der falschen Auswahl des Instrumentes? Mangelt es an guten Musiklehrern, die motivierend und einfühlsam den musikalischen Werdegang ihrer Schüler begleiten? Fehlt den Schülern die Willenskraft und das „Stehvermögen“ um die „Durststrecke“ in der Mittelstufe zu überstehen? Fehlen in den Elternhäusern die Tagesstrukturen, die ein tägliches, regelmäßiges Üben selbstverständlich einrichten und begleiten? Oder müssen wir uns als Schule auch fragen, ob es richtig war, die instrumentale Arbeit inzwischen auch außerhalb -wenn überhaupt- des regulären Unterrichtes stattfinden zu lassen.

stufenschülern ehrfürchtig aufschauen –ein sehr kostbares und beflügelndes Element in einer Schulgemeinschaft! Die Jugendlichen wären auch in den prüfungsrelevanten Kernfächern wesentlich leistungsstärker, wenn eine regelmäßige aktive und „blühende“ musikalische Arbeit in ihrem Schulleben stattfände. Oder sind wir davon nicht mehr überzeugt? Viele Regelschulen haben die so positiven „Nebenwirkungen“ aktiven Musizierens nicht nur erkannt, sondern in ihren Lernplänen fest verankert und berichten von ihren so positiven Erfahrungen. Eine Waldorfschule ist nicht gut beraten, wenn sie die Elemente, die sie bisher auch von Regelschulen unterschieden hat, in ihren tatsächlichen Unterrichtsverhältnissen vernachlässigt oder aus ihrem Fächerkanon komplett verbannt -vielleicht sogar ungewollt und unbemerkt. Thomas Buchner

Zu einer Schule gehören meines Erachtens aber eine kontinuierliche Chor- und Orchesterarbeit. Die jüngeren Schüler brauchen auch das Vorbild der älteren Schüler, denen sie nacheifern wollen. Die zahlreichen Orchesterfahrten haben uns immer sehr eindrücklich gezeigt, wie sehr die unteren Klassen zu den musizierenden Ober-

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Gruß aus der Küche Sind Sie, liebe Leserin und lieber Leser auch im „Hildegard-Fieber“? Nein, nicht die Knef ist gemeint sondern die von Bingen. Den Kult der gesunden Kost nach Hildegard von Bingen gibt es schon länger. Doch die Jahreszeit mit allen stimmungsvollen aber auch nervenaufreibenden Facetten hat mich auf etwas gebracht, regelmäßig in unserem Haushalt vorzuhalten: NERVENKEKSE ! Aus 1 kg Dinkelfeinmehl, 400 gr. Butter, 220 bis 250 g feinen Rohrzucker, 200 gr. gemahlenen Mandeln, 1 Prise Salz, 4 Eiern, 100 ml Milch und 3 EL Gewürzpulver aus der Hildegard von Bingen-Küche wird rasch ein eher feuchter Mürbeteig geknetet. Den Teigkloß über Nacht im Kühlschrank stehen lassen und dann portionsweise ausrollen, Kekse in beliebiger Form ausstechen und bei 180 Grad ca. 15 Minuten backen. Wer das Gewürzpulver nicht bekommt oder es sich selbst zusammenstellen möchte, es enthält Nelke, Zimt und Muskat (z.B. Verhältnis 10/45/45). Die Zusammensetzung ist aber ins Belieben gestellt. Das Mischungsverhältnis sollte ein jeder mit seiner Nase erkunden. Ich backe üblicherweise ca. 180 bis 200 kleine Kekse daraus und das eben nicht nur zur Weihnachtszeit! Zum Tee oder Kaffee sind die NERVENKEKSE einfach ein Genuß und Sie spüren selbst, wie viele Ihnen wohl tun. Einen herzhaften Gruß von Christoph Soester


Gedenken an Frau Veron Über einen langen Zeitraum gehörte Frau Veron zum Kollegium unserer Schule. Sie war verantwortlich für den Förderbereich und war deshalb für uns Lehrer, aber auch für sehr viele Kinder und deren Eltern eine ganz besonders wichtige Persönlichkeit. Wenn ich nun an die ersten Jahre ihrer Tätigkeit zurückdenke, so sehe ich zunächst den Raum vor mir, den sie beim Aufbau des Förderbereiches eingerichtet hatte. Matten und Decken zum Ausruhen, eine Hängematte zum Schaukeln und einen großen Korb, in den man sich legen konnte - der jedoch nicht mit Kissen und Decken gefüllt war, sondern mit Massen von Kastanien, die man dann so richtig durch die Kleidung spüren konnte und jeden Herbst wurden erneut Kastanien gesammelt, getrocknet…. Ich erinnere mich, dass manche Kinder erst ein warmes, duftendes Fußbad bekamen, bevor andere Tätigkeiten begonnen wurden. Diesem Raum hatte Frau Veron einen Namen gegeben, sie nannte ihn das ,,Häusle" - ein ungewohnter Klang zunächst für unsere westfälischen Ohren, doch schließlich gewöhnten wir uns daran. Ein ,,Häusle" ist ein kleines Haus, es gibt Unterschlupf und Schutz, dazu auch Wärme und Geborgenheit, vermittelt Sicherheit, macht Mut. So vorbereitet kann man sich jeder Herausforderung stellen und diese dann bewältigen. Mit diesem zweisilbigen Wort umriss Frau Veron kurz und prägnant einen wesentlichen Aspekt ihres Förderprogramms. Darüber hinaus verfasste sie viele ausruhrliche Texte zur Begrün-

dung ihrer Arbeit, die dann an die Kollegen verteilt und in unserer Schulzeitung veröffentlicht wurden .. Das Wort Häusle verriet uns aber auch, dass Frau Veron nicht hier aus Hagen stammte, sondern ein gutes Stück südlich von hier ihre Heimat hatte. Zur Welt kam sie in Frankfurt, am 15. Dezember 1953. Sie wuchs in Bad Vilbel und später in Seligenstadt bei Offenburg auf und studierte in Mainz, zunächst Publizistik und vergleichende Literaturwissenschaft, und verbrachte ein Jahr an einer Universität in Frankreich. Schon während des Studiums lernte sie ihren Mann Karlheinz Veron kennen. Sie arbeiteten gemeinsam in einem sozialen Arbeitskreis der Hochschulgemeinde und betreuten Kinder von Obdachlosen. Aus diesem Engagement entstand der Wunsch, Sozialpädagogik zu studieren und nach einer erfolgreichen Bewerbung konnten beide in den neuen Studiengang wechseln. Nach bestandenem Examen wurde geheiratet, 1979 und 1988 wurden die Töchter Maria und Ruth geboren. Im Laufe des Jahres 1990 zog die Familie nach Hagen auf den Marienhof. Die ältere Tochter Maria kam nach den Sommerferien in die 5. Klasse unserer Schule und ich war ihre Klassenlehrerin. Bei einem Elternbesuch im Herbst machten wir einen Spaziergang und sprachen über unsere Berufe. So erfuhr ich, dass Frau Veron Sozialpädagogin war und zuletzt in der Schülerhilfe gearbeitet hatte. Eine einzige Frage nur von mir und schon war die Mitarbeiterin gefunden, die wir so dringend für den Aufbau des Förder-

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bereiches gesucht hatten, liebevoll und kompetent, selbständig und ideenreich, voll Humor und Engagement. So begann Connie Veron mit ihrer Tätigkeit an unserer Schule. Sie hospitierte in den Klassen, führte viele Gespräche mit Lehrern und Eltern und arbeitete mit den Kindern, teils einzeln, teils in Kleingruppen und orientierte sich jeweils an den individuellen Bedürfnissen. Da sie neben Französisch auch die holländische Sprache gut beherrschte, übersetzte sie die ,,Zweitklass-Untersuchung" aus dem Holländischen ins Deutsche und integrierte diese in ihre Arbeit. Später ließ sie sich für ein Jahr beurlauben und machte in Dortmund eine Ausbildung in Motopädie. Frau Veron unterstützte von Anfang an sehr viele Schülerinnen und Schüler beim Schreiben-, Lesen- und Rechnen-Lernen. Das tat sie immer auf sehr individuelle und phantasievolle Weise. Ihr klarer Blick und ihre konkreten Ratschläge waren für uns Lehrer wichtig und stets sehr hilfreich. Über das Üben und Lernen hinaus brachte Frau Veron eine Vielzahl anderer Impulse mit in unsere Schule. So möchte ich ihr Spinnrad erwähnen, welches sie in den Unterricht mancher Unterstufenklassen mitnahm. Auch möchte ich an ihre große Begeisterung für das Färben von Wolle mit Pflanzenfarben erinnern. Es entstanden jedes Jahr neu die wunderschönsten Farbklänge für die Kinder der ersten Klasse und noch in diesem Monat entdeckte ich einen großen Korb mit selbst gefärbter Wolle für die Klasse von Frau Müller. Die älteren Kinder sollten zu Hause einmal nachschauen, ob noch ein ,,Zwergenmantel" oder ei-

ne kleine Tasche aus dieser besonderen Wolle zu finden ist! Einige werden sich auch an das Filzen und besonders an die vielen Hüte für ein Klassenspiel erinnern. Als sich Frau Veron wegen ihrer Erkrankung und den Folgen der Chemotherapien sehr schwach fühlte, überlegte sie manchmal, dass es ihr Freude machen würde ein eigenes Wollgeschäft zu eröffnen. Dann aber fand sie für sich ein ganz neues Tätigkeitsgebiet, das zugleich an altes anknüpfte: das Schreiben von Geschichten und Gedichten. Vor ungefähr 2 Jahren wurde Frau Veron Mitglied in einer Autorengruppe mit dem Namen "Tintenfass". Oft hat sie mir von dieser Arbeit erzählt und mir auch immer mal wieder eine ihrer Geschichten vorgelesen. So lernte ich meine Kollegin ganz neu kennen durch wunderschöne Erinnerungen aus ihrer Kinderzeit, aber auch durch Geschichten aus ihrem Erwachsenenleben. Aus den Erzählungen kommen mir ihre wache Beobachtungsgabe, ihre Herzlichkeit und ihr nie versiegender Humor immer wieder neu entgegen, meine Erinnerungen an diesen besonderen Menschen können dadurch sehr lebendig bleiben.

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Monatsfeier Dezember 2009 Fotos: Karsten Hesse

Mittendrin 2009 / 2  

Schulzeitung der Waldorfschule Hagern

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