Page 1

Mo

Ment

Eine MoMentaufnahme start COUNTING SINCE FRIDAY, MARCH 13, 2020

7 00 00 02 16 Tage

Stunden

Minuten

Sekunden

Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Sommer 2020 / € 4,00


Mo

UNTERSTUFE

>

momentaufnahme

>

W OODLE

...

Ment

editorial

Zeitschrift von und für Eltern, FreundInnen, LehrerInnen und SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer im 29. Jahr, Heft Nr. 200

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Schulzeitung MoMent, diese Jubiläumsausgabe [1] ist eine MoMentaufnahme in

Diese Momentaufnahmen mögen Diskussionen anstoßen [3], uns nach-

vielerlei Hinsicht.

denken und schmunzeln lassen und uns Kraft und Sicherheit darin ge-

Aus möglichst vielen Blickwinkeln unserer Schulgemeinschaft

ben, dass es sich lohnt, an unserer Schulgemeinschaft stetig zu arbeiten

haben wir Eindrücke, Erlebnisse und Empfindungen zusam-

und für die Kinder und Jugendlichen, die PädagogInnen und Eltern die-

mengetragen. Manche Beiträge sind – um bei einer der zwei

ses Umfeld aktiv zu gestalten.

Interpretationsmöglichkeiten des Wortes „Momentaufnahme“

Einen schönen Sommer und erholsame Ferien wünscht

[2] zu bleiben – Schnappschüsse. Andere sind gut ausgeleuch-

im Namen der ganzen Redaktion Nadja Berke

tete, ge“finke“lte und kunstvoll ge“schuster“te Werke. Wieder andere sind sehr persönliche Einsichten in Erlebtes, Vollbrach-

Postskript zur Jubiläumsausgabe

tes, Erarbeitetes.

Da wir dieses Mal neben den vielen Textbeiträgen auch so unglaub-

Dem Moment entsprechend, haben wir diesmal – auch als

lich viele wunderbare Bilder, Fotos, Hefteinträge und Zeichnungen

Ausdruck unserer Anerkennung – das vorliegende Layout für

bekommen haben, konnten wir trotz dieser besonders umfangreichen

das MoMent gewählt: Diese Form ist unser Dankeschön an die

Ausgabe des MoMents nicht alle abdrucken. Weiters ist es nicht mög-

SchafferInnen von Woodle: Alexander Stadelmann, Rebecca

lich, alle FotografInnen hier zu nennen. Wir haben uns sehr bemüht,

Langfelder, Matthias Freiberger-Geistberger und Gerhard

eine möglichst bunte und vielfältige Auswahl zu treffen und hoffen

Rumetshofer sowie an alle, die die Seite mit Inhalten befüllten.

diesbezüglich auf Ihr Verständnis.

Ebenso muss hier einmal mehr erwähnt werden, wie wunderbar es ist, dass sich von Ausgabe zu Ausgabe Menschen aus

[1] Sie halten die 200. Ausgabe in Händen!

unserer Gemeinschaft finden – dieses Mal sogar ungewöhnlich

[2] Als Momentaufnahme bezeichnet man allgemein das Festhalten

viele, da ja das gemeinsame Erleben nur in sehr kleinen „Ein-

einer kurzen Zeitspanne, eines Augenblicks oder eines (besonderen)

heiten“ möglich war – die unser MoMent befüllen, die Beiträ-

Moments...

ge schreiben und dadurch Perspektiven eröffnen, über die es

In der Fotografie ist die Momentaufnahme ein historischer Begriff für

sich lohnt nachzudenken. So finden wir hier Fixsterne, Stern-

kurze Belichtungszeiten.

schnuppen und Glanzlichter.

[3] Diskussionen beleben Gemeinschaften, auch die der MoMent-Redak-

Gerade jetzt – nach bzw. in – dieser ungewöhnlichen Zeit ist es

tionsmitglieder, die sich nicht immer einig – und natürlich auch nicht

gut zu sehen, wie jedeR Einzelne mit den Herausforderungen

immer derselben Meinungen wie ihre AutorInnen – sind.

umging und -geht!

Impressum: Medieninhaber, Verleger, Herausgeber: Verein zur Förderung der Waldorf-Gemeinschaft (VFWG), Obmann Josef Prüller / DVR NR.: 7864 9742 Absender: moment@waldorf-mauer.at; 1230 Wien, Endresstraße 100 Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 13Z039641 M MitarbeiterInnen: N. Berke E: schreib@nadjaberke.at / R. David-Freihsl E: roman.freihsl@gmx.at / B. Födinger E: moment@waldorf-mauer.at /

Termine und Kleinanzeigen: Seite 68 M. Goss E: moment@waldorf-mauer.at / K. Hruza E: karl.hruza@ waldorf-mauer.at / U. Dotzler, B. Schwenk, S. Trierenberg Kontoverbindung lautend auf: Redaktion Schulzeitung IBAN: AT44 2011 1822 2175 1000 / BIC: GIBAATWWXXX Druck: Donau-Forum-Druck, 1230 Wien, aus umweltfreundlicher Druckproduktion


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

3

Epidemisches:

Über die Angst und gegen Fanatismus In unserer Zeit gibt es bekanntlich eine Furcht, die sich ganz sinnge-

Wenn die Verhältnisse so liegen, wie zum Beispiel in unserer Gegend,

mäß vergleichen lässt mit der mittelalterlichen Furcht vor Gespens-

wo die Einwirkung durch die Erziehung und so weiter sehr schwierig ist,

tern. Das ist die heutige Furcht vor Bazillen. Die beiden Furchtzu-

wie soll man sich da verhalten?

stände sind sachlich ganz dasselbe. Sie sind auch insofern ganz

Da muss man eben impfen. Es bleibt nichts anderes übrig. Denn

dasselbe, als ein jedes der beiden Zeitalter, das Mittelalter und die

das fanatische Sichstellen gegen diese Dinge ist dasjenige, was ich,

Neuzeit, sich so verhalten, wie es sich für sie schickt. Das Mittelalter

nicht aus medizinischen, aber aus allgemein anthroposophischen

hat einen gewissen Glauben an die geistige Welt; es fürchtet sich

Gründen, ganz und gar nicht empfehlen würde. Die fanatische Stel-

selbstverständlich dann vor geistigen Wesenheiten. Die neuere Zeit

lungnahme gegen diese Dinge ist nicht das, was wir anstreben, son-

hat diesen Glauben an die geistige Welt verloren, sie glaubt an das

dern wir wollen durch Einsicht die Dinge im Großen anders machen.

Materielle, sie fürchtet sich also vor materiellen Wesenheiten, wenn

Ich habe das immer, wenn ich mit Ärzten befreundet war, als et-

diese auch noch so klein sind.

was zu Bekämpfendes angesehen, zum Beispiel auch bei Dr. Asch,

Rudolf Steiner, Vortrag Basel, 5. Mai 1914, GA 154

der absolut nicht geimpft hat. Ich habe das immer bekämpft. Denn wenn er nicht impft, so impft eben ein anderer. Es ist ein völliges Unding, so im Einzelnen fanatisch vorzugehen. Rudolf Steiner, Vortrag Dornach, 22. April 1924, GA 314

Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefasst. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muss man andererseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Rudolf Steiner, Vortrag Hamburg, 25. Mai 1910, GA 120 Ausgewählt von Roman David-Freihsl


UNTERSTUFE

>

momentaufnahme

>

W OODLE

Warum wir WOODLE gebraucht haben von Alexander Stadelmann

W

ir erinnern uns: Alles kam sehr plötzlich. Dass ab Montag,

nach Klasse und Unterrichtsfach. Diesbezüglich gebührt unser

den 16. März 2020, alle Schulen geschlossen würden, er-

Dank auch den „guten Geistern“ im Hintergrund: Neben Rebecca

fuhren wir am Freitag, den 13. März, um 14 Uhr. Was nun?

und Matthias war das allen voran Gerhard Rumetshofer, der

Was tun?

durch seinen täglichen Einsatz alles bereinigte, was versehent-

„Den Unterricht digitalisieren!“, hieß es. Aber wie? Waldorfpädago-

lich an der falschen Stelle gelandet oder gar keiner Kategorie

gik, die ja auf Echtheit, Natürlichkeit und vor allem: direkter mensch-

zugeordnet worden war.

licher Begegnung basiert, nun plötzlich via Bildschirm?

Das ganze Geschehen war sehr erstaunlich und sorgte gleich zu

Wenn das nun für kurze Zeit so sein müsse, dann aber wenigstens zu

Beginn für eine positive Stimmung über die eingesetzte Ver-

unseren Bedingungen, lautete der spontane Beschluss einer Notkon-

mittlungsplattform. Der Unterricht konnte so binnen kürzester

ferenz mit Eltern. Also: Nicht über kommerzielle Plattformen sollte

Zeit vom Kollegium unterbrechungsfrei zur Verfügung gestellt

der Unterricht laufen, und auch nicht über nicht-kommerzielle Platt-

werden.

formen, die jeden Klick überwachen und jede Bewegung auswerten.

Dazu ergaben sich schöne Nebeneffekte:

Aus „moodle“, das in vielen anderen Schulen eingesetzt wird, wurde also „WOODLE“: unsere ganz eigene, schulinterne Waldorf-Plattform. Nur für unsere Schulgemeinschaft! Als leere Leinwand, als leere Tafel, als leerer Raum für jede Klasse und jede/n PädagogIn. Ins Leben gerufen haben unseren WOODLE-Lernraum: Rebecca Langfelder, Matthias Freiberger-Geistberger, Gerhard Rumetshofer und Alexander Stadelmann. Genutzt wurde dafür die frei verfügbare Software WordPress, installiert auf dem Serverplatz der Schule. Die Seite sollte optisch klar und insgesamt leicht bedienbar sein. Dass uns das gleich gelungen war, bewies der Umstand, dass der angebo-

• eine selten dagewesene, natürliche Offenheit und Transparenz. Alle konnten sehen und mitverfolgen, wie der Unterricht in der Schule insgesamt gestaltet wurde und womit sich welche Klasse gerade beschäftigte. Eine digitale Schulfeier quasi, aber in Echtzeit! • eine neue Wertschätzung für die Arbeit der PädagogInnen an unserer Schule. Zuhause schlüpften ja viele Eltern notgedrungen in die Rolle der LehrerInnen und merkten alsbald, welch große Aufgabe das ist.

tene Einführungs-Workshop kaum in Anspruch genommen wurde – es lief auch so. Schnell waren alle PädagogInnen eingearbeitet. Wer Fragen hatte, wurde vom WOODLE-Team in den ersten Tagen be-

Heute:

treut und gecoacht. Aber schon bald lief alles von ganz allein. Auch

Gestern:

wurde schnell deutlich, dass nicht nur die Mitglieder des Kollegiums

Die letzten 7 Tage:

Zugang zu WOODLE haben sollten, sondern auch die SchülerInnen

Letzte 30 Tage:

und natürlich alle Eltern.

Die letzten 365 Tage:

Und das alles genau in jener Zeit, die wir eigentlich zur „digita-

Gesamt:

len Fastenzeit“ in unserer Schule erklärt hatten … Welch Ironie des Schicksals! (Der Versuch, für den Austausch von Unterrichtsmaterialien auch eine „analoge“ Möglichkeit zur Verfügung zu stellen, scheiterte übrigens – an mangelnder Nachfrage…)

Besucher

Aufrufe

59

1.575

46 444 2.811 10.915 10.915

986 11.478 113.219 441.080 441.080

Quelle: WOODLE (Statistik ab 16.3.2020 mit Stand vom 8.6.2020)

WOODLE war also ein Erfolg. Das hat uns alle gefreut, wir haben dank der eigenen Online-Plattform die Zwangspause gut gemeistert. Und nun ist es an der Zeit, sich von WOODLE wieder zu

WOODLE erwies sich schon bald als kleines Wunder der Kreativität.

verabschieden. Denn der digitale Unterricht darf nicht zur Ge-

Texte, Bilder und Videos füllten die leeren Seiten, alles wohlgeordnet

wohnheit werden.


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

5

– und es jetzt wieder lassen sollten Schon vor Corona haben die meisten von uns zu viel Zeit vor

Die Logik des Virus lässt scheinbar nur einen Weg offen: den Weg

Bildschirmen verbracht. Während der Zwangspause sind diese

in eine virtuelle Welt von Home-Office, Video-Besprechungen und

Zeiten noch weiter gestiegen. Das ist nicht gesund. Vielleicht hat

virtuellen Versammlungen. Hinter diesen Scheinbegegnungen droht

Corona auch diesen Umstand deutlich gemacht.

der kollektive Weg in eine ‚autistische Gesellschaft‘. Ist das die ‚neue

Nachgebessert musste von Seiten der Schule auch dort werden,

Normalität‘, die uns nach dem Abklingen des pandemischen Schocks

wo einzelne SchülerInnen im Elternhaus nicht die digitale Aus-

erwarten wird?“ [2]

stattung zur Verfügung hatten, die gebraucht wurde, um dem

„Besonders scheinen Kinder unter den Maßnahmen zur sozialen Distanz

Unterricht zu folgen. Zum Glück gab es in der Schule durch den

zu leiden. Eltern, Ärzte und Psychologen vermelden Verhaltensauffäl-

Informatikunterricht einige Schullaptops, die umgehend zur

ligkeiten: erhöhte Konzentrationsprobleme, größere Zappeligkeit und

Verfügung gestellt werden konnten. Auch dies ist nicht selbstverständlich und ein Punkt, der reflektiert werden sollte. „Der ‚Shutdown‘ stellt für Bildung und soziales Lernen eine prekäre Situation dar: den Verlust der Bildungsgerechtigkeit. Gerade diejenigen, die sowieso bereits sozial benachteiligt sind, Kinder und Jugendliche aus sozialen Randgruppen und mit Migrationshintergrund, sind die Leidtragenden. Trotz aller Bemühungen besteht die Gefahr, dass deutschlandweit bis zu etwa einem Drittel der Schülerschaft während des ‚Shutdowns‘ ‚verloren‘ ging.“ [1] Es konnte leider auch nicht jedes Bedürfnis durch WOODLE er-

eine besorgniserregende Zunahme von Angstzuständen, Zwängen und Depressionen. Eltern berichten, dass ihre Kinder ‚nervöser, streitlustiger, unselbständiger – und sorgenvoller‘ seien.“ [3] Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich WOODLE wieder von ganz allein überflüssig macht. Durch gute Waldorfpädagogik. Durch persönliche Begegnung und Fürsorge. Durch echte Gemeinschaft und den Mut zur Wahrheit. Auch wenn vieles gelungen ist in dieser schwierigen Zeit, so wurden auch die großen Herausforderungen sichtbar. So stand zum Beispiel die

füllt werden, etwa jenes, sich direkt auszutauschen. Es muss-

Arbeit an einem umfassenden Medienkonzept für alle Altersstufen in

te auf Software für Online-Treffen zurückgegriffen werden, die

Kindergarten und Schule gerade am Start. Nun sollte diese Arbeit kei-

eigentlich nicht den oben genannten Ansprüchen genügten

neswegs als überflüssig, sondern als noch dringlicher angesehen wer-

(Datensicherheit, Datenautonomie etc.). Wenn Software beginnt,

den. Auch eine Auswertung des (digitalen) Geschehens der letzten Mo-

die Freiheiten der Menschen zu bestimmen oder sogar konkret

nate wäre in dieser Hinsicht sehr wichtig – und dazu lade ich herzlich ein.

einzuschränken, ist dies problematisch. Diesbezüglich werden

Mit vereinten Kräften der Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen werden

wir für ähnlich gelagerte Fälle Vorsorge für die Zukunft treffen.

wir eine waldorfgemäße Antwort auf die digitalen Herausforderungen

Viele Fragen, die schon vor Corona drängend waren, sind es nun

finden. Im Vertrauen auf das gemeinsame Ziel, freie Menschen auf ih-

umso mehr. Wie sehr sollen digitale Systemvorgaben unser Le-

rem Weg ins Leben zu begleiten, sehe ich dieser entscheidenden Zeit in

ben bestimmen? Wie sehr sollen im Namen der Bequemlichkeit

der Menschheitsentwicklung zuversichtlich entgegen.

die Möglichkeiten digitaler Überwachung in Kauf genommen werden? Wie stark wollen wir uns in unserer Schule für Alternativen einsetzen und damit auch auf der anderen Seite der Schultore einen Beitrag leisten? Der Notfallpädagoge und Waldorflehrer Bernd Ruf dazu: „Wir wer-

Bitte melden Sie sich also, wenn Sie bei der Gestaltung des Medienkonzepts mitmachen möchten! Wie facettenreich und all-umfassend dieses Thema ist, haben die letzten Wochen gezeigt. Beginnen wir es mutig! Alexander Stadelmann ist Informatiklehrer.

den von unserer Verbindung zum Mitmenschen und zur Welt ge-

[1], [2], [3]: Zitate von Bernd Ruf aus: «Denn wenn ihr nicht Nein sagt

trennt, ohne die wir aber in Wirklichkeit nicht existieren können.

…», Das Goetheanum, 29.5.2020


UNTERSTUFE

>

momentaufnahme

>

W OODLE

Gedanken zu (pädagogischen) Begegnungsmögl

„A

lles Wirkliche wird phantomhaft, alles Fiktive wirklich.“[1]

gogInnen, die sich doch besonders um eine authentische Bezie-

So beurteilte der österreichische Philosoph Günther

hung zu ihren SchülerInnen bemühen… und darin liegt vielleicht

Anders vor über 60 Jahren die Konsequenzen der Ent-

auch begründet, warum Jugendliche für einen solchen Unterricht

wicklung des Fernsehens. Das Medium Fernsehen veränderte, so

meist offen sind. Gerade Jugendliche wünschen sich authentische

könnte man im Anschluss an Anders sagen, das Verständnis der

Begegnungen.

Menschen davon, was „Sein“ und was „Schein“ ist. Im TV kann eine fiktive Geschichte derartig „real“ wirken, dass sie für uns als

Allerdings können wir uns natürlich auch die Frage stellen, wie

Zuseher zumindest temporär den Charakter des Fiktiven verliert

„wirklich“ die per Zoom und Co. vermittelte Authentizität tat-

und damit „wirklich“ wird. Doch das Fernsehen kann, so war An-

sächlich ist. Ja, wir zeigen etwas aus unserem Privaten öffent-

ders überzeugt, auch ein reales Ereignis durch die Übertragung

lich, doch ist nicht auch diese „Wirklichkeit“, mit Günther Anders

in unsere Wohnzimmer zum „Phantom“ machen; zu etwas, das

gesprochen, letztlich stark „phantomhaft“? Was befindet sich

für uns zwar „wirklich“ ist, auf das wir als Zuschauer aber doch

eigentlich neben dem Bücherregal, vor das wir uns für die Video-

entscheidend anders reagieren, als wir es täten, wenn wir an dem

konferenz gesetzt haben, und stehen Bügelbrett und Wäsche-

Ereignis in Echt teilnähmen. Jedes Mal, wenn wir etwa Berichte

korb tatsächlich zufällig neben unserem Schreibtisch? Egal, wie

aus Kriegsgebieten in den Nachrichten sehen, kann – und soll-

wir uns dabei präsentieren, ob „seriös“ mit Krawatte und Sakko

te – uns dieser Aspekt des „Phantomhaften“ deutlich werden. Die

oder „relaxed“ mit Schlabberpulli, die „Wirklichkeit“, die wir den

„Wirklichkeit“ des TV-Ereignisses wirkt auf uns immer anders als

anderen zeigen, ist immer auch eine inszenierte – und sie muss

jene des realen Ereignisses. Nun kann man natürlich sagen, dass

nicht einmal sehr umfangreich inszeniert sein. Hemd und Kra-

dies jedes Medium tut. Jedes Medium vermittelt etwas, dass

watte lassen sich bekanntlich auch zu einer – für die anderen

doch nicht real anwesend ist. Die Möglichkeit zur Verbindung be-

unsichtbaren – Jogginghose tragen… Kurz gesagt, Zoom und

wegter optischer Abbildungen mit entsprechender akustischer

Co. eröffnen ein neues Feld für ein Spiel mit Rollen, mit Erschei-

Unterstützung gab dem Fernsehen nach Ansicht von Günther

nungsbildern, letztlich mit Identitäten – und auch das macht

Anders diesbezüglich aber eine Sonderrolle.

diese Form der Kommunikation vielleicht gerade für Jugendliche reizvoll, die vielfältige Begegnungsmöglichkeiten suchen.

Was hätte Anders wohl angesichts der derzeit so präsenten „Videokonferenzen“ gesagt? Kreieren diese nicht möglicherweise

Nach Ansicht Rudolf Steiners leben menschliche Beziehungen von

eine besondere neue Form von „Wirklichkeit“? Was geschieht

der Begegnung zwischen „Ichen“, und deswegen weist er die künf-

denn, wenn in der Arbeitsbesprechung oder im Unterrichts-

tigen Waldorflehrerinnen und Waldorflehrer in deren Vorberei-

gespräch mittels Zoom, Skype o. Ä. plötzlich jeder im eigenen

tungskurs [2] nachdrücklich auf diese Tatsache hin. Einen besonde-

Wohnzimmer sitzt? Wenn wir uns nicht am Besprechungstisch

ren Stellenwert hat hierbei der 8. Vortrag dieses Kurses, in dem die

in der Firma oder im Klassenzimmer „begegnen“, sondern auf

Bedeutung der Sinne zu einer umfassenden und gesunden Welt-,

unseren Sofas, über unsere Küchentische hinweg, vor unseren

Selbst- und Sozialbegegnung ausgeführt wird. Damit wird auch

Betten oder auf unseren Balkonen? Wenn wir uns gegenseitig

deutlich, dass Steiner diese neue Pädagogik als eine zutiefst sinn-

Einblick in unser Privatleben geben, dieses „öffentlich“ machen,

liche anlegt und so verstanden wissen will. Jegliche Begegnung

ist das nicht die Chance, uns gegenseitig auch neu und authen-

findet über die Sinne statt. Steiner beginnt dann seine Sinnes-

tisch zu begegnen? So ist es wohl – und darin liegt vielleicht das

Darstellung mit einem Sinn, der ganz sicher für die künftigen Pä-

Spannende eines solchen Unterrichts, gerade für Waldorfpäda-

dagoginnen und Pädagogen von enormer Bedeutung ist: mit dem


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

7

glichkeiten in „virtuellen Zeiten“ von Tobias Richter und Leonhard Weiss

Sinn für die Wahrnehmung des anderen Ich, dem Ich-Sinn. Dessen

Erkenntnis des anderen Menschen aus „der Nacht“ zu schenken.

Organ dafür sei „in feiner Substantialität über den ganzen Men-

Von dort kommen uns seine Intentionen zu, wissen wir um seine

schen ausgebreitet“, was auch an eine Verbindung mit dem Tast-

Potenziale, erahnen wir seine latenten Fragen – und genau dar-

sinn denken lässt. Den Vorgang dieses „Ichens“, wenn man einem

um bemühen sich Waldorf-Pädagoginnen und -Pädagogen.

Menschen leibhaftig gegenübersteht, schildert Steiner eindrücklich als sinnliches Ereignis: Für einen Augenblick nehmen wir den

Die Autoren sind Mitarbeiter am Zentrum für Kultur und Pädagogik

anderen in seiner Erscheinung und seinen Äußerungen mit einer

in Wien und Dozenten des Masterstudiums Waldorfpädagogik an

Vielzahl unserer Sinne und wohl auch unter Mitwirkung unserer

der Donau-Universität Krems.

Erfahrungen in uns auf. Kaum sind wir jedoch dieser Hingabe innegeworden, fühlen wir sie als Attacke gegenüber unserer eigenen Individualität; wir wehren uns, werden innerlich aggressiv und

[1] Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen Bd. 1.

nehmen eine Haltung der Abwehr ein. Dieser Vorgang wiederhole

Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revoluti-

sich in rascher, oszillierender Folge und wird im weiteren Verlauf

on. München: C.H. Beck, 2002, S. 142.

der Darstellung des Ich-Sinnes mit Schlafen und Wachen verglichen: In der Hingabe schlafen wir quasi in den anderen Menschen hinein, im Sich-Distanzieren wachen wir auf und kommen zur Erkenntnis: „Das ist ein sehr kurz dauerndes Abwechseln zwischen Wachen und Schlafen in den Vibrationen, wenn wir dem anderen Menschen gegenüberstehen.“ [3]

[2] Rudolf Steiner, Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik, Methodisch-Didaktisches und Seminare vom 20. August - 6. September 1919 in Stuttgart [3] Rudolf Steiner, Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik, Dornach [4] Marcus Schneider, Leben in der Wendezeit, Das Goetheanum, Heft 18, 1. Mai 2020, Dornach S. 11

Was sich in dieser Dunkelzone ereignet bzw. sich daraus als Erkenntnis gebiert, ist vielleicht auch als Frucht der Inspiration zu sehen, insofern diese einen schöpferischen Einfall, einen entscheidenden Gedanken, eine erhellende Idee oder eben Erkenntnis meint. Der Musiker und einstige Klassenlehrer Marcus Schneider formuliert es so: „Ich halte das Gewinnen von Tagesfrüchten aus dem Schlaf heraus für eine der größten Gaben, die der gegenwärtige Mensch hat. Die Zeit ist vorbei, wo Sie alles, was Sie beschäftigt, aus Büchern ziehen müssen. Sie ziehen es aus dem Schlaf. ... Die eine Hälfte des Kernsatzes heißt: der Tag ernährt die Nacht. Die andere Hälfte heißt: die Nacht ernährt den Tag“ [4]. Zurück zum Begegnungsfeld der Iche. Damit dieses „bespielbar“ wird, braucht es, das sollte gezeigt werden, die volle und uneingeschränkte wirkliche Anwesenheit des anderen Menschen, seine „Tagesseite“. Nur so scheint das Ich-Wahrnehmungsorgan in seiner Vibration zwischen Schlafen und Wachen uns dann eine


>

momentaufnahme

UNTERSTUFE

Corona Short Cut von Micha Schuster-Szabo

J

a, Haare lassen mussten wir ab nun zuhause – buchstäblich…

dieser distanzlosen Überschreitung alsbald Einhalt geboten. Doch

und auch metaphorisch. Schritt für Schritt – Countdown in

das Erlebnis trifft hart; den Schwung wiederzufinden, bedarf eines

Slow Motion… und dann waren die Schulen – schließlich auch

seelischen Kraftaktes!

unsere Wirkungsstätte – geschlossen.

Entlang und auf der emotionalen Achterbahn geht es weiter… Die

Zuerst nur angezählt, bangten wir um unsere Zuschauerzahlen für

weiteren Reaktionen sind überwältigend positiv, die Schüler und

Poetry and Performances der 10. Klasse; dann verließen wir die Ku-

Schülerinnen mailen ihre Hausübungen, und ein weiterer sehr

lisse, gingen komplett k.o.! Gleichsam im Dornröschenschlaf blie-

lohnender, doch allenthalben unglaublich intensiver Schritt, zeit-

ben die vorbereiteten Utensilien verlassen stehen.

lich wie pädagogisch-didaktisch, beginnt. Die Mails mit den Haus-

Hastig galt es, den Rückzug zu ordnen, Materialien analog und

übungen langen Tag und Nacht – je nach jeweiligem Arbeitsrhyth-

digital neu zu konzipieren, um nahtlos in das sogenannte Distance

mus – bei mir ein, und ich beantworte umgehend individuell, korri-

Learning zu wechseln. Mit großer Euphorie und dank fachkundiger

giere, merke an, ermutige und forsche nach. Diese Art der direkten

Unterstützung von Alexander Stadelmann, Rebecca Langfelder

elektronischen Kommunikation eröffnet (mir) die Möglichkeit,

und Matthias Freiberger-Geistberger stürzten wir uns bereitwillig

jeden und jede nach Fähigkeiten und persönlichen Möglichkeiten

in das Abenteuer Woodle, die Lernplattform abseits gefilzter und

zu betreuen, die Lehr- und Lernsituation jeweils entsprechend zu

getanzter Klischees. Dieser Anfall von kreativer Courage holte uns

adaptieren und auf alle – fast alle, jedenfalls die meisten – via Bin-

realiter alsbald auf den Boden interessanter, aber auch überaus

nendifferenzierung einzugehen.

aufwändiger Tatsachen, indem unser bewährter Unterricht natür-

Der familiäre Rückhalt, die Unterstützung zuhause, nicht zuletzt

lich komplett neu konzipiert und vorbereitet werden musste.

bezüglich des technischen Equipments, waren schließlich aus-

Aus Spaß wurde Ernst: Die Kamera wurde ausgepackt, das Sta-

schlaggebend; das Konzept unserer Gesamtschule von Klasse 1 bis

tiv platziert, die Rede geschwungen. Gesagt getan: Video­tutorials,

12 wurde plausibel evident. Die Jugendlichen ließen sich auf das

Lehrmittelvideos mussten her… Zwanzig Minuten als Ergebnis

Experiment dankbar und motiviert ein und brachten dies auch im

on air bedeuteten schließlich jeweils etwa drei Stunden Arbeit…

Fragebogen nach der Epoche wertschätzend zum Ausdruck. Hier

Manchmal dauerte es wohl durchaus länger (darüber schweigt die

und dort konnte die Schule unterstützend technische Tools bereit-

Chronik), wenn uns die Technik gelegentlich einen Streich spielte:

stellen; aber auch handgeschriebene, mit dem Smartphone foto-

Aufnahme, Überspielen auf den Computer, Schnitt respektive Cut

grafierte Hausübungen fanden ihren Weg zu mir. Ich hatte nicht

und Hochladen auf Woodle.

immer einen Scanner zu Verfügung, musste auch kreative Umwe-

Unterrichten war plötzlich in modifizierter Form möglich und üb-

ge gehen, doch immer waren Wille und Werk in eins zu bringen…

lich, ohne von Fragen der Schüler und Schülerinnen unterbrochen

Und die Fernlehre gelang, nahm ihren Lauf und wir erfüllten alle

zu werden. Zwar fordert keineR mehr per Zwischenruf die kalku-

mit Freude und Verantwortung unseren Lehrauftrag. Dazwischen

lierte Flucht aufs Klo ein, aber es mangelt auch an konstruktiv wei-

noch die eine oder andere Konferenz – Teilnahme per MS Teams –

terführenden Fragen, um die Epoche damit zu befeuern, zu inspi-

und es ging damit weiter, fleißig zu korrigieren, Kontakt zu halten

rieren… Alles läuft one way und ohne unmittelbare Resonanz!

und Textzeugnisse zu konzipieren.

Ich zeige mich, was zunächst neben regem Zuspruch und vielen

Auf der Couch saßen und sitzen wir im Kollegium wohl kaum, so-

Aufrufen der Unterrichtseinheit – so viele Jugendliche sitzen doch

dass die Anmutung sogenannter Corona-Ferien als absolut kontra-

gar nicht in den besagten Klassen – auch einige, Gott sei Dank

indiziert gelten darf. Freilich sparen wir Benzin, das jetzt so günstig

ganz wenige, leider als sexistisch zu bezeichnende Kommentare

gehandelt würde, und vermeiden öffentliche Wege, frühstücken

auf den Plan ruft. Mutige und direkte Unterstützung seitens eini-

sonnig am Balkon und wünschen uns insgeheim mehr Muße, uns

ger Schüler, einiger Burschen, und unter technischer Assistenz ist

dieser surreal anmutenden Situation bewusster, wacher zu stellen.

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

9

[…] Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach’ dann noch ’nen zweiten Plan Geh’n tun sie beide nicht. […] Bert Brecht Die Dreigroschenoper Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens

Arbeit hilft immer und lenkt ab, doch die Grenzen der psychischen

cherweise weit von jeglichem Kriegsmodus entfernt. Die Situation

Belastbarkeit gestehen wir uns nur selten ein. Die mentale Heraus-

geflüchteter Menschen an der griechisch-türkischen Grenze etwa

forderung, die diese Krise mit sich bringt, trifft uns alle, trifft uns

ist wesentlich brisanter; am Fluss Evros ist jegliche Menschlichkeit

mit voller Wucht: Kinder, Jugendliche, Eltern, Kollegium! Die sozi-

ans Ende gekommen; dem tatsächlichen Krieg entronnen, geht an

ale Isolation, vor allem der jungen Menschen, ökonomische Un-

dieser Stelle der Kampf, diesmal gegen das Virus Corona, unerbitt-

gewissheit in den Haushalten, im Schulverein, für jeden und jede:

lich weiter. Auch für Kinder!

Die Folgen insgesamt lassen sich noch nicht in voller Tragweite

Kriegerische Metaphorik verkommt – nicht nur in Europa, an den

realistisch abschätzen. Konsequenzen gibt es auf vielen, auf allen

Grenzen und in Übersee – mittlerweile zu geläufiger politischer

Ebenen.

Rhetorik. Wenn zudem eine Beschädigung unserer Demokratie als

Was bisher im Kontext Climate Change noch undenkbar schien,

sogenannter „Kollateralschaden“ vermeintlich billigend in Kauf zu

wurde im Lockdown zur erzwungenen Gewissheit – mit allen Licht-

nehmen sein sollte, verweise ich auf den Corona Short Cut als har-

und Schattenseiten. Eigene konstitutionelle Grenzen wurden uns

ten Schnitt, den ich als Motto und Titel für meine Ausführungen

vielleicht bewusst; die Kapitulation, den Atem der Zeit und die

gewählt habe. Vermeintlich präventive Maßnahmen im Dienste

eigene Puste in Deckung zu bringen, manifestierte sich ein wenig

der Gesundheit verkommen allzu willfährig zu Sabotage unserer

markanter als üblich. Rückzug, Hygienevorschriften und dann wie-

demokratischen Gesellschaftsordnung; ein Alibi für Apps, die tief in

der genuine Begegnung im Wechsel zu aktivieren, erfordert Fle-

unsere Persönlichkeitsrechte einschneiden, erscheint mir durchaus

xibilität, die emotional und mental sowie gesundheitlich achtsam

als zweifelhaft. Die alarmierenden Affinitäten und Kontinuitäten

nur schwer zu integrieren ist.

sehe ich in Ankündigungen und Intentionen „am Rande des demo-

Unsere Schule, die Waldorfpädagogik und unser Konzept verste-

kratischen Modells“, wie sie dieser Tage zitiert werden.

hen sich als ganzheitlich; es liegt in unserer Verantwortung, nicht

An dieser Stelle wird die Koinzidenz von COVID-19 Krise und

in jedem Kontext – quasi trotzdem – nur business as usual zu sug-

Kriegsgedenken insofern markant, dass in der jüngeren Zeitge-

gerieren. Wir dürfen und müssen uns mit Fragen, auch in medi-

schichte, derer wir heuer gedenken, ein absolut verbrecherisches

tativer Praxis sowie mit kritischer Vernunft all dem stellen, was in

und menschenverachtendes System demokratische Errungen-

Politik und Wirtschaft, in der Gesellschaft und im Leben jedes und

schaften systematisch unter Auslotung demokratischer Mittel ab-

jeder Einzelnen gerade PASSIERT. Was uns da geschieht und wie

wählte, abschaffte und für obsolet befand. Gefährliche Tendenzen

wir damit umgehen, wird für künftige Weichenstellungen von es-

brechen sich wiederum Bahn, etablieren sich sukzessive, indem

sentieller Bedeutung sein; die conditio humana sehe ich dringend

Menschen-, Kinder- und Flüchtlingskonventionen sowie persönli-

auf dem Prüfstand!

che Grund- und Freiheitsrechte – mehr oder weniger schleichend –

Fünfundsiebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs

unterlaufen und missachtet werden.

finden die Gedenkfeiern unter den COVID-19 geschuldeten Hy-

#wirschaffendas als Parole verkommt zur bloßen Worthülse, wenn

giene- und Abstandsregeln statt. So wird auch an die Befreiung

wir uns nicht auf Werte wie Humanität und Spiritualität besinnen

des Konzentrationslagers Mauthausens am 5. Mai 1945 bloß mit

und vermeintliche Gewissheiten aktuell kritisch überprüfen. Den

Aktionen im virtuellen Raum erinnert. Der Vergleich unserer ak-

Idealen der sozialen Dreigliederung Raum zu geben und Errun-

tuellen Situation mit dem Zweiten Weltkrieg, mit Krieg generell

genschaften der Aufklärung – in Freiheit, Gleichheit und Brüder-

scheint mir indes unzulässig. Obwohl wir mit einer absolut neuen

lichkeit respektive Solidarität mündig mündend – dienen uns seit

und existenziell in vielen Facetten kritischen Situation konfrontiert

jeher als Wegmarke und Leitstern. Bleiben wir dabei, wir Pioniere

werden, sind wir hinsichtlich unserer Grundbedürfnisse (wie Woh-

der gelebten Utopien!

nen, Ernährung, medizinische und sanitäre Versorgung) glückli-


UNTERSTUFE

Parzival uploaded von Ursula Kaufmann

A

lles ist gerade anders, ich fühle mich in einem völlig surre-

man sie auch versteht. Da habe ich viel dazugelernt – Eigenstän-

alen Film gefangen, wer hat bitte die Fernbedienung und

digkeit im Denken fördere ich im Unterricht vor der Klasse durch

kann jemand umschalten? Ich gehöre auch zu den Masken-

mein oft schnelles Eingreifen oder Antworten weniger als über dis-

nähverweigerern, weil ich mich in diesen Zustand nicht fügen will.

tance learning (eines meiner persönlichen Unworte!). Eine Erkennt-

Und so etwas Absurdes wie eine Parzivalepoche online ist mir ja

nis, die ich mitnehmen werde.

überhaupt noch nie untergekommen! Mach’ ich SICHER NICHT!

Auch die Schülerinnen und Schüler haben den Austausch sicht-

Oder halt dann doch. Weil ich die 11. Klasse schlecht hängen las-

lich vermisst – es ist so viel leichter, durch Anmerkungen, Fra-

sen kann. Weil ich als Lehrerin Vorbildfunktion habe, auch oder

gen, kleine Beiträge von anderen zu einem Thema inspiriert zu

gerade in Krisensituationen. Weil es bestimmt auch nicht scha-

werden, als alleine vor dem Bildschirm. Unfassbar, dass mir die

det, all diese digitalen Werkzeuge zu beherrschen, zumindest die

kleinen Unterbrechungen und „Dummheiten“ tatsächlich gefehlt

Grundausstattung.

haben! Lehrerin sein heißt auch Schauspielerin sein, und mir ist

Videos erstellen, in haarstäubender Bildqualität, der natürliche

die Interaktion mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Unter-

Weichzeichner macht es für die Schülerinnen und Schüler viel-

richtsgeschehen (oder manchmal einfach auch nur Publikum)

leicht erträglicher, als sie sähen jedes Detail, das Ganze hochladen

wahnsinnig abgegangen.

auf YouTube – natürlich nicht gelistet, so öffentlich unterrichte ich

Umso erfüllter war ich beim Lesen der Texte. Zu sehen, wie sich

dann doch nicht. Am Anfang dauert das für zwanzig Minuten Ma-

die meisten hineinfinden, in wirklich toller, weil immer höherer

terial dreieinhalb Stunden, mit ein wenig Routine dann nicht länger

Qualität schreiben, sich innerlich sichtlich einlassen, das war eine

als eine normale Unterrichtsvorbereitung. Ganz anders ist es mit

unglaubliche Freude. Das stundenlange Sitzen vor dem Laptop,

den schriftlich formulierten Aufgaben – die bleiben zeitaufwendig.

weil die Verbesserungen ja auch nur so erfolgen konnten, wur-

Denn überall da, wo in der Klasse das einfache Wahrnehmen der

de durch die Inhalte und die überaus persönlichen, obwohl nur

Reaktionen genügt, um etwas noch nachzubessern, klarzustellen,

schriftlichen Kontakte wettgemacht. Besonders war es außer-

bedeutet digital Mailverkehr mit Zeitaufwand. Und es wird evident:

dem, wenn Eltern reagiert haben, dass sie mithören – so wird

Es fällt gar nicht so leicht, eine Angabe sich so zu erschließen, dass

der Unterricht einmal auch für sie wahrnehmbar. Oder die mir nicht bewusste Teilnahme von einem ehemaligen Schüler, die zur ebenfalls ungeahnten Zusammenarbeit seiner jetzigen Deutschlehrerin, seiner Freundin in der Klasse und mir führte. Wäre ohne digitalen Unterrichtens so nie passiert! Es war die bestimmt besonderste Parzivalepoche, die ich je gegeben habe, und ich möchte sie nie wieder auf diese Weise halten müssen. Ich liebe den Kontakt zu den jungen Menschen, ich weiß genau, warum ich es für unerlässlich halte, dass wir einander echt begegnen. Dennoch bin ich zutiefst dankbar, dass wir gemeinsam das so gut geschafft haben, bin wahnsinnig stolz auf die Klasse und freue mich, sie sehr sehr bald wieder direkt vor mir haben zu können!

>

momentaufnahme

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

11

Sofonisba und die Kunst des Abstand-Nehmens

I

von Holger Finke

n einem der letzten Jahre des vorigen Jahrtausends lernte ich

Eines der vermutlich ungewöhnlichsten Selbstbildnisse überhaupt ist das

Sofonisba auf Capodimonte [1] in Neapel kennen.

Bild rechts. Sofonisba, inzwischen 28 Jahre alt, vergrößerte noch ein-

Sie war eine außergewöhnliche Frau, Malerin, geboren in Cremo-

mal den Abstand und malte sich, als würde sie von ihrem ehemaligen

na, das später für seine Geigen berühmt wurde, gestorben in Pa-

Lehrer Bernardino Campi gemalt. Das heißt, sie schob in dieser Vision zu

lermo, wo van Dyck sie kurz vor ihrem Tod besuchte. Auch Rubens

dem üblichen Abstand, den jedes Selbstbildnis erfordert, noch eine Ebe-

besuchte sie, nachdem er mehrere ihrer Werke kopiert hatte. Zwi-

ne zwischen sich und die Wahrnehmung ihrer selbst. Mir scheint dieses

schendurch war sie in Spanien, wo sie Philipp II. porträtierte.

doppelte Abstand-Nehmen eine brillante Idee und eine Kunst an sich.

Sofonisba war geschätzt für ihr Einfühlungsvermögen, welches in

Die letzten Monate verbrachten wir unter uns völlig fremden Bedin-

ihre Porträts floss, und für ihre originellen Bilderfindungen.

gungen. Wir waren doch immer wieder so damit beschäftigt, uns neu

Ebenso wie Dürer vor und Rembrandt nach ihr porträtierte sie sich

einzustellen, dass wir oft wenig Abstand zu uns selber fanden. In eini-

oft selbst. Das Selbstporträt ist ein ganz spezielles Sujet, weil es

gen Jahren – vielleicht sogar schon deutlich früher – sehen wir viel-

voraussetzt, Abstand zu sich selbst nehmen zu können. Links ein

leicht Aspekte, die wir jetzt noch nicht erkennen. Aus der Distanz wer-

frühes Selbstporträt, das sie als Dreiundzwanzigjährige zeigt.

den wir die momentane Situation umfassender, auch in ihren Potentia-

In der Mitte sehen wir sie im Alter von 26 Jahren, malend vor der

len, erfassen können.

Staffelei. Für dieses Bild wählte sie einen größeren Abstand zu sich

Noch eine weitere Brechung erfährt unser Beobachten, wenn wir uns

selbst. Jetzt erst bemerkt man, wie nah sie sich beim ersten Bild

vorstellen, uns nicht nur selbst zu betrachten, sondern mit den Augen

war. Der größere Abstand führt zu einem größeren Bildausschnitt,

eines anderen, so wie Sofonisba Anguissola (1531 – 1625) [2] es in ihrem

es treten mehr Dinge in das Blickfeld.

dritten Selbstbildnis getan hat.

[1] Museo Nazionale di Capodimonte [2] Sofonisba wurde von der Kunstgeschichte totgeschwiegen, offenbar

schichte, Giorgio Vasari, erwähnt sie in seinen Le Vite (Mitte des 16. Jahrhun-

weil eine Frau, noch dazu eine so begabte, nicht in eine von Män-

derts). Erst in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, also gerade einmal

nern beherrschte Domäne passte. Nur der Begründer der Kunstge-

vor knapp 50 Jahren, wurde sie wieder- bzw. erstmalig entdeckt.


UNTERSTUFE

Corona eine Übung in Solidarität 

A

von Rita Welte

m Freitag, den 14. März wollten wir uns im Kollegium eigent-

ten der vielen Verordnungen und Empfehlungen der Schulbehörde

lich mit Fragen der Qualitätssicherung in der Selbstverwal-

war und ist in höherem Maße gefordert – welche davon müssen

tung beschäftigen. Stattdessen mussten wir diesen Nach-

wir auch als Waldorfschule erfüllen, und was können wir autonom

mittag zur Planung des häuslichen Lernens beziehungsweise zum

als Statutenschule entscheiden? (Wir verwendeten zum Beispiel

Erstellen eines Journaldienstes zur Betreuung von SchülerInnen,

von Anfang an keine Masken im Unterstufenbereich auf 113, aber

deren Eltern in systemerhaltenden Berufen arbeiten, verwenden.

in den Gängen auf 98/100.)

Das neue Coronavirus hatte sich endgültig zur Pandemie entwi-

Die unbestreitbar sinnvollen Präventionsmaßnahmen des Hände-

ckelt und die bisher gelebte Normalität auf den Kopf gestellt. Hat-

waschens, häufigen Lüftens und des Maskentragens für gefähr-

ten wir uns vor Ostern noch eine „Online-Fastenzeit“ verordnet, so

dete Menschen werden uns in der Schule sicher auch im Herbst

wurden nun innerhalb von nur drei Tagen unsere Online-Plattform

begleiten, bis ein Impfstoff und wirksame Medikamente auf dem

Woodle geschaffen, Einführungstutorials gehalten, und die Zeit

Markt sind. Des Weiteren brauchen wir natürlich auch einen über-

vor den Bildschirmen vervielfachte sich für SchülerInnen, Lehr-

arbeiteten Aktionsplan für den Fall einer Covid-19-Erkrankung an

kräfte und Eltern. Die Qualitäten des e-learnings gilt es nun, zehn

unserer Schule. Nach Durchsicht der neuesten Fachartikel kann ich

Wochen später, in der schrittweisen Schulöffnung genau zu be-

mir vorstellen, dass es in Zukunft beim Eintreten eines Falles in der

trachten und zu evaluieren.

Schule möglich sein wird, nur die betreffende Klasse in eine einwö-

Aber das soll hier nicht Thema sein. Meine erste Erfahrung in mei-

chige Quarantäne zu schicken. Wir werden sehen…

ner Funktion als Direktorin nach außen war, dass die kollektive

Was mir neben allen Merkwürdigkeiten, Sorgen und pädagogi-

Angst, welche viele Menschen in ganz Österreich an diesem Frei-

schen Herausforderungen aus den vergangenen Wochen bleibt,

tag zu irrationalen Hamsterkäufen veranlasste, auch nicht ganz

ist der Aufruf, auf unsere Mitmenschen zu schauen wie auf uns

an mir vorübergegangen war, als ich kurz vor sechs Uhr abends

selbst. Das Virus fordert ein solidarisches Handeln. Im Gesund-

im Geschäft vor leergefegten Regalen stand. War den Nachrichten

heitsbereich ist das gelungen. Dass es im Wirtschafts- und Kul-

nicht zu trauen, dass die Grundversorgung gesichert war? Natür-

turbereich gelingt, ist zu hoffen. An unserer Schule ist es dank der

lich war sie es, aber die innere Ruhe musste auch ich mir in den fol-

Anstrengungen von Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen bisher

genden Wochen immer wieder von neuem erarbeiten: durch viel-

gut gelungen!

seitige Information über das Virus aus überprüfbaren Quellen, in Gesprächen mit FreundInnen und KollegInnen und im Sich-Finden in einer neuen Lebensrealität. Ich hatte den Vorteil, als Direktorin oft in der Schule und in direktem Austausch mit einigen SchulleitungskollegInnen und insbesondere auch mit Susanne Genswein sein zu können. In den ersten vier Wochen fanden mehrmals wöchentlich ein telefonischer und täglich ein Mail-Austausch mit der Bildungsdirektion Wien statt, in denen die Covid-Bestimmungen für die Schulen ausgegeben und kontrolliert wurden – die direkten Gespräche erfreulicherweise alle in einem sehr amikalen Rahmen. Das leidige Ausfüllen vieler Statistiken – herzlichsten Dank nochmals an Susanne – blieb auch uns nicht erspart, und klare Aussagen zu unseren pädagogischen Fragen zu erhalten, war oft mühsam. Das ruhige, bedachte Auslo-

Rita Welte ist Lehrerin für Englisch und fungiert als „Direktorin nach außen“.

>

momentaufnahme

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

Liebe alle! von Marion Giannelos

E

ure E-Mails les‘ ich gerne,

Die oft gehörten ruhigen Stunden

wenn auch leider nur von Ferne...

haben die Lehrer wohl noch nicht gefunden.

Deshalb kriegt Ihr hier

auch eine von mir!

Ihr kennt mich ja und wisst so eh, wie sehr ich auf Gesellschaft steh’.

Zwei Drittel hätten wir geschafft,

Ich bin ja gerne mal allein,

und das sogar ganz fabelhaft!

dann aber doch in Gesellschaft sein.

Seit zwei Wochen, auf einmal

Das Witzeln, das Plaudern im Lehrerzimmer,

lernen alle digital!

das Plauschen in Pausen, das mag ich ja immer.

Denn eigentlich fast über Nacht

Manchmal sitz’ ich am Balkon

hat Mauer eine Website gemacht.

und träume einfach nur davon,

Aus diesem Grunde möchte ich

wie schön es wär’, in die Schule zu gehen

aus allertiefstem Herzen mich

und alle im Alltag wieder zu sehen.

mit einem RIESENDANKE melden

Und ich denk’ mir: das wird heiter,

für Rebecca, Matthias, Alexander – unsere Helden!

geht das lange noch so weiter!

Gut, die Arbeit – ihr wisst, was ich meine –

Der langen Rede kurzer Sinn:

macht sich jetzt trotzdem nicht von alleine.

Wir kriegen das trotzdem fantastisch hin!

Den ganzen Tag wild am Computer klicken,

Und wenn‘s vorbei ist (gebt ihr mir Recht?),

Aufgaben schreiben, verbessern, verschicken,

haben wir uns richtig was verdient – aber echt!

die Kinder alle bei Laune halten,

So, meine Pause ist jetzt aus,

Eltern beruhigen, Listen verwalten,

es grüßt Euch Marion von Zuhaus’!

die eigenen Kinder beim Tun begleiten, einkaufen, kochen, wieder vorbereiten, dazwischen auch mal die Wohnung pflegen, saugen, putzen, Pflanzen hegen, Wäsche machen, damit man dann wieder von vorne beginnen kann.

13


>

momentaufnahme

UNTERSTUFE

>

W OODLE

Vorstand und Verwaltung im Ausnahmezustand 

N

ach dem Sondertreffen am Freitag, den 13.03.2020 mit

aber wer arbeitet angesichts der Herausforderungen im Online-

Kollegium und Vorstand ist auch für unsere Schule nichts

Betrieb denn kürzer? Zudem ist bekannt, dass ein Betrieb nur ma-

mehr so, wie wir es gewohnt waren. Die Stimmung ist ge-

ximal so viel Unterstützung erhält, wie er auch Umsatzeinbußen

drückt, und die Sorgen und Fragen in den Gesichtern der meisten

hat. Die Schulbeiträge sollten ja weiterbezahlt werden, das Unter-

erscheinen größer als die Antworten.

richtsangebot ist in allen irgendwie möglichen Bereichen sicherge-

Zum Glück haben einige LehrerInnen aber schon in den Tagen

stellt. Aber gibt es sonstige Ausfälle – oder müssen Eltern trotz-

davor Pläne geschmiedet und Konzepte entwickelt, und so kann

dem ihren Beitrag reduzieren oder stunden?

doch schnell zu einer lösungsorientierten Arbeit gefunden wer-

Klar war, dass die Küche keine Erträge erwirtschaften würde, die

den, was die Stimmung wieder etwas aufhellt. Onlineschooling

Beiträge vom Hort reduziert wurden, keine Veranstaltungen statt-

wird besprochen, Listen für die Journaldienste eingeteilt, die

finden konnten (Sommerfest) etc. Klar war auch bald, dass nicht

Kommunikation zu den Eltern besprochen und festgelegt, wer in

alle Fächer im selben Ausmaß von zu Hause unterrichtet werden

der Schule anwesend sein muss.

könnten (Sport, Musik, Eurythmie, u. ä.)… Also erschien eine Re-

Für den Vorstand – insbesondere für unseren Obmann und

duktion der Arbeitszeit durchaus sinnvoll.

Geschäftsführer Engelbert Sperl und unseren Kassier Martin

So fand zum ersten Mal eine Vorstandssitzung online statt, um

Kaufmann – kämen herausfordernde Zeiten, das wurde sofort klar.

diese Fragen zu entscheiden. Trotz einiger technischer bzw. über-

Die Schulführung und Verwaltung musste auch in der Zeit des

tragungstechnischer Probleme konnte gemeinsam mit dem SLK

Lockdown in der Schule anwesend sein, und es gab auch genug

ein Konsens gefunden und die weitere Umsetzung an eine kleinere

zu tun. Nachdem der Online-Unterricht durch LehrerInnen-Hand

Gruppe übertragen werden, die sich trotz aller Maßnahmen auch

so schnell und professionell organisiert worden war – Stichwort

persönlich treffen durfte.

Woodle, an dieser Stelle ein riesen Dankeschön an Alexander

So wurden in den folgenden Tagen die Richtlinien für die Kurzar-

Stadelmann und das Woodle-Team! – galt es für die Verwaltung

beit studiert, um die Anträge auch korrekt einreichen zu können.

alle anderen Themen abseits von Unterricht und Betreuung in die-

Dies gelang schlussendlich auch dank der hervoragenden Arbeit

ser Krise gut zu managen.

von Frau Nedved, die diese Aufgabe wie immer souverän löste,

Jeden Tag kamen neue Richtlinien und „Weisungen“ aus dem Bil-

obwohl bekannt ist, dass auch manche Steuerberater an den For-

dungsministerium (Bund/ÖVP) und der Bildungsdirektion (Stadt

mularen scheiterten. Unser Antrag wurde auch akzeptiert, und so

Wien/SPÖ) mit zum Teil unterschiedlichen Angaben. Zudem muss-

werden wir später wie vorgesehen im Nachhinein die tatsächlich

ten wir als privat geführte Bildungseinrichtung schnell klären, ob

entgangenen Einnahmen sowie die tatsächlich weniger geleisteten

wir als Betrieb in irgendeiner Form Förderungen und/oder Unter-

Stunden korrekt abrechnen können.

stützungen bekommen könnten. Staatliche Schulen hatten nicht

Wichtig war in diesem Zusammenhang auch die große und solida-

die Möglichkeit, ihre MitarbeiterInnen in Kurzarbeit zu schicken,

rische Zustimmung zu einer möglichen Kurzarbeit aller KollegIn-

da diese ja sowieso vom Staat bezahlt werden, aber wie wäre das

nen. Weiters wurde ein Solitaritätsfond eingerichtet, der vor allem

im Bereich jener Schulen, die zum Großteil durch Eltern finanziert

für jene MitarbeiterInnen gedacht ist, die mit einem reduzierten

werden? Natürlich arbeiteten hier auch die Dachorganisationen –

Gehalt nicht durchkommen, sowie für die noch zu erwartenden

allen voran der Waldorfbund – intensiv daran mit, eine rasche Klä-

wirtschaftlichen Spätfolgen für die Schule, die vielleicht zu einem

rung dieser Frage zu finden, so mussten auch diese Informationen

späteren Zeitpunkt – nach Auslaufen aller Hilfsgelder – eintreten

mit in die Überlegungen einbezogen werden.

könnten.

Und dann stand fest: Wir können, sofern es die Umstände recht-

In dieser Zeit erreichte uns dann auch noch die schlechte Nachricht

fertigen, auch Kurzarbeit in Anspruch nehmen! So weit so gut,

zu unserem Neubauvorhaben: Der Verwaltungsgerichtshof hat die


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

15

Was ist sonst noch zu tun, wenn die Schule nur mehr virtuell stattfindet?

Für den Vorstand Lothar Trierenberg und Martin Kaufmann

Entscheidung des Wiener Verwaltungsgerichts bestätigt und den Baubescheid nun in letzter Instanz aufgehoben (!) – eine schwere Nachricht in schwierigen Zeiten. Damit wurde auch beschlossen, den Kindergarten wieder in seine alten Räume auf 113 zu übersiedeln, was Wolfgang Seyringer, der auch immer anwesend war, sofort umsetzte. Bei einer Begehung des Hauses auf 113 mit dem Architekten und Karl Hruza wurden die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten festgelegt, die voraussichtlich in den Sommerferien umgesetzt werden, damit der Betrieb bis zum Neubau noch gut weitergehen kann. Auch die anderen Sommerarbeiten wurden festgelegt. Neben den üblichen Verbesserungsarbeiten an Wänden und Fenstern werden das Eingangstor und die Glastüren im Foyer beim Eingang 100 renoviert und in Stand gesetzt. Die Arbeit an der Aufteilung der Unterrichtsstunden für das kommende Schuljahr lief trotz Corona-Sperre ebenfalls im Hintergrund weiter. Einstellungsgespräche fanden bereits statt, und so können wir davon ausgehen, dass im Herbst – hoffentlich unter mehr oder weniger normalen Bedingungen – die Schule weiterhin gut funktioniert. Danke soll hier von Seiten des Vorstandes noch einmal gesagt werden an alle Menschen, die in dieser Zeit am Steuerruder der Schule standen und den Betrieb sicher weiterführten: Engelbert Sperl als Geschäftsführer, Martin Kaufmann als Kassier, Rita Welte als Direktorin nach außen, Stefan Albrecht als Vertreter der Schulleitung, Eva Sindelek für die gesamte Verwaltung im Kindergarten, Ulrike Nedved für die Buchhaltung und Lohnverrechnung, Susanne Genswein im Sekretariat, Wolfgang Seyringer für das ganze Haus und Karl Hruza für das neue Licht im Eingangsbereich.

Nicht nur Abstand halten, sondern auch zusammenhalten

Um die finanziellen Folgen der Corona-Krise innerhalb unserer Gemeinschaft möglichst gering zu halten, hat der Vorstand beschlossen, einen Solidaritätsfonds einzurichten. Damit soll eine Möglichkeit geschaffen werden, sowohl MitarbeiterInnen als auch Eltern, die durch die Covid-19-Krise in finanzielle Bedrängnis geraten sind, zu unterstützen – zum Beispiel durch die Ermöglichung einer Beitragsreduktion. Es werden daher alle Eltern aufgerufen, ihre heurige Jahresausgleichszahlung in Höhe von einem Monatsbeitrag unter dem Titel „Solidarbeitrag 19/20“ auf das Konto des Solidaritätsfonds einzuzahlen. Da sich schon oft gezeigt hat, dass Solidarität besonders in unserer Gemeinschaft sehr intensiv gelebt wird, hoffen wir auch auf zusätzliche Spenden, um krisenbedingte finanzielle Probleme lindern zu können! Das Konto des Solidaritätsfonds hat die Nummer AT25 1500 0041 1105 7735 (BIC OBKLAT2L), lautend auf „Rudolf Steiner-Schulverein Wien-Mauer“.


UNTERSTUFE

Elternreaktionen Liebes Lehrerkollegium!

E

s ist nun der Beginn der zweiten Woche, „lernen am Esstisch“ im

Lächeln macht uns natürlich auch, dass das Thema Internet, Han-

Kreis der Familie und – wie bei uns – mit beiden Eltern.

dys und Kommunikationsplattformen doch in der 6. Klasse ein

Eigentlich hatten wir schon die Intention, uns letzte Woche an Sie

zentrales ist und wir aktuell auch an die positiven Seiten dieser

alle zu wenden, aber es nimmt ja recht viel Zeit in Anspruch, das

erinnert werden. Es wird nun für uns alle spürbar, wie wir selber

„homeschooling“, und dieses in eine gute Form zu bringen.

damit umgehen, wofür wir die Vorteile nützen, Zeit zu haben und

Wir waren sehr, sehr beeindruckt von der Schnelligkeit, der Effekti-

womit wir uns auch ablenken wollen.

vität und auch der Qualität, in der Sie alle diese Plattform geschaf-

Es ist ja nicht so, dass wir unsere Kinder nicht kennen, aber es

fen haben. Sie ist übersichtlich, leicht zu bedienen (für uns Eltern)

ist doch eine besondere Herausforderung, nebst all dem Witz

und zeigt auf, was die Qualität unserer Schule ist. Zusammenar-

und Charme, den Kinder versprühen, auch die anderen Seiten so

beit, Austausch und besonders viel Engagement der Menschen,

hautnah spüren zu dürfen. Wie lange die Konzentrationsfähigkeit

denen wir unsere Kinder anvertraut haben.

anhält, welche Ablenkungen gekonnt eingesetzt werden, um ein

Wie können in diesem Fall nur für unsere Klasse sprechen und wie

Nichtbeherrschen des Stoffes ins Lustige zu lenken.

liebevoll sich unsere Lehrerin Frau Bolleter und auch Frau

Wir danken also den Lehrern, die diese Aufgaben an unseren Ner-

van Gijzen und Frau Sobol an unsere Kinder wenden. Mit Briefen,

ven im Allgemeinen vorbei lenken.

Geburtstagswünschen und aufmunternden Worten. Wir Eltern

Wir hoffen es geht Ihnen zu Hause gut und sie können wie wir auch

freuen uns mindestens so sehr wie die Kinder über diese Verbin-

die schönen Seiten etwas genießen, länger schlafen, lesen, spielen

dung und Nachrichten am Tages- oder Wochenbeginn.

und in die Natur gehen.

Nachdem wir in unserer erweiterten Familie doch einige Lehrer

In diesem Sinne herzlichst Familie Langfelder-Decleva

haben, erzählen wir wirklich stolz, wie unsere Schule mit dieser besonderen Zeit und Herausforderung zurechtkommt.

Lieber Alexander, Liebes Woodle Team, liebe Lehrer!

W

er hätte das gedacht? Mitten in den intensiven Überlegun-

Haben alle Lehrer mitgemacht? Naja, ausreichend viele haben her-

gen, ein Medienkonzept für die Schule zu erstellen, bringt

vorragend mitgemacht. Diese haben es geschafft, auf humorvolle

dieses Virus alles zum Erliegen. Erliegen? Nein, stimmt nicht! In-

und ideenreiche Art ihre Unterrichtsinhalte sogar für die Jüngsten

nerhalb von zwei Tagen wird von euch Woodle ins Leben geru-

an der Schule auf beeindruckende Art und Weise zu übermitteln.

fen! Das Design ansprechend, man fühlt sich zu Hause – die Glie-

Wir sind begeistert, beeindruckt, stolz und zuversichtlich, dass es

derung für jeden durchschaubar, man findet ausreichend Heraus-

gemeinsam klappt – wie lange es auch noch dauern wird. Vielen

forderungen für die eigenen Kinder und hat auch die Möglichkeit,

herzlichen Dank!

in andere Klassen hinein zu schnuppern. Arbeitsblätter runterla-

Liebe Grüße und bleibt gesund!

den, ausfüllen, wieder hochladen – alles ist möglich.

Ursula Khol-Haidenthaler mit Familie

>

momentaufnahme

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

17

Liebes Lehrer-Kollegium

I

ch möchte mich auf diesem Wege einfach einmal kurz bei Ihnen

nikation mit Ihnen bestimmt nicht an die üblichen Schulzeiten

bedanken. Ich war völlig überrascht, wie zügig Sie den Unterricht

halten...

nach Hause verlegen konnten. Dass unsere Schule technisch so

Vielen herzlichen Dank, dass Sie trotz der schwierigen Umstände

versiert ist, finde ich großartig. Da steckt viel persönliches Enga-

für unsere Kinder da sind!!!

gement und technisches Wissen dahinter. Soweit ich es überblicke,

Bitte bleiben Sie zuversichtlich und vor allem gesund!

ist auch das Ausmaß der Aufgaben gut bemessen. Julian hat doch immer etwas zu tun, ist aber anscheinend nicht überfordert. Ich

Ganz liebe Grüße Gabi Tesch

stelle mir vor, dass Sie alle viel mehr Aufwand haben, da unsere lieben Jugendlichen ja sehr nachtaktiv sind und sich bei der Kommu-

Herzlichen Dank, liebe Frau Welte und liebe Frau Schuster!

D

ie regelmäßige klare Information durch Sie und das Schullei-

Wir genießen die „verordnete“ Familienzeit sehr! Rückzug ins Pri-

tungsteam wie den Vorstand ist Balsam! (Sie steht in krassem

vate, Entschleunigung, Konzentration auf Weniges, Wichtiges. Für

Gegensatz zur Handhabung an der öffentlichen Schule, die un-

mich ein Traum!

ser Sohn besucht.) Sie ist wohltuend menschlich, positiv und auch

Bei Mia beobachte ich, dass es ihr sehr guttut, ihr Tempo und ih-

höchst professionell!

ren Tagesrhythmus leben zu können. Mit der Zurückgezogenheit

Ich bin dafür sehr dankbar!

kommt sie auch gut zurecht. Jetzt wo die Ferien begonnen haben,

Woodle ist großartig, funktionell und wunderschön! – und was an

tut sie ganz selbstverständlich Dinge, die sie gern tut: malen, sch-

Mia durch ihre LehrerInnen herangetragen wurde an Aufgaben-

reiben, backen…

stellungen wie an Rückmeldungen, war wunderbar: klar, struktu-

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Ihnen die Ferien Erholung

riert, zeitnah, persönlich. Vor allem das zeitnahe persönliche Feed-

bringen und auch Sie diese Ausnahmezeit mit Optimismus und Hu-

back ist sehr, sehr motivierend!! (Dieses fehlt meinem Sohn von

mor (in der Tat essentielle Zutaten!) glückvoll erleben können!

Lehrerseite komplett!)

Herzlichst,

Dankbar kann ich auch nur für unsere persönliche Situation sein:

Monika Scholz, Schülerinnenmutter 10. Klasse


>

momentaufnahme

UNTERSTUFE

EfE – Eltern-für-Eltern* Eine digitale Plattform für Eltern im und aus dem Waldorf-Umfeld

K

von Brigitte Födinger

urz zur Vorgeschichte: Schon in den ersten Tagen des Lock-

aber nach Möglichkeit sollen sich ALLE eintragen, die einen Ser-

down bemerkte ich auf diversen Social Media-Kanälen eine

vice oder Produkt jedwelcher Art anbieten können. Eingetragen

Welle der Solidarität mit Einzelunternehmen, die völlig uner-

sollen auch jene sein, die sich vorstellen können, über solch eine

wartet ihre Ware nicht mehr ausliefern konnten. Sie suchten nach

Plattform nach Lösungen im näheren Umfeld zu suchen.

Mitteln und Wegen, den Schaden möglichst begrenzt zu halten. So

Gleichzeitig können hier auch Jobs gesucht werden, beispielswei-

ließen wir uns Frühlingsblumen direkt an die Haustüre liefern, be-

se Ferialpraktika, Kinderbetreuung, Nachhilfe und vieles mehr. Auf

kamen ein großes Osterhasenpaket, denn das Schokoladengeschäft

diese Weise können nicht nur berufliche gemeinsame Interessen

hatte die Ware so kurz vor Ostern natürlich schon längst vorrätig,

gefunden werden, sondern auch unsere Kinder und SchülerInnen

und aßen drei Tage hintereinander die köstlichen Empanadas einer

von diesem Netzwerk profitieren.

befreundeten Familie. Doch ich wusste nicht, welche Eltern unserer

Schlussendlich wird hier der soziale Aspekt der Waldorfpädagogik

Schule von diesen Schließungen betroffen waren.

gelebt und weitergetragen.

Eltern können sich an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer un-

Die IT-Experten Alexander Stadelmann und Seweryn Habdank-

terschiedlich betätigen und zusammenfinden. So gibt es Klassen-

Wojewódzki, die ich wegen technischer Umsetzung

aufgaben, wo Eltern zusammenarbeiten, Chorprojekte, diverse

kontaktierte,bestärkten mich von Beginn an, dieses Projekt an die

Gremien wie z. B. den Elternrat, die Elternbeitragsgruppe und an-

Schulgemeinschaft weiterzutragen, ebenso wie die Schülermut-

dere. Es gibt auch die Food-Cooperative „Dynamo Bio“, von Eltern

ter Tina Schwab, die von der Idee für unsere Schule begeistert war

organisiert und durchgeführt, und „WAM – Waldorf Alumni Mau-

und mich anspornte, hier tätig zu werden.

er“, eine Ehemaligen-Initiative. Doch die Krise der jüngsten Zeit hat gezeigt, dass Eltern unserer Schulgemeinschaft keine Möglich-

In einer ersten Umfrage zeigten rund 60 Eltern Interesse an dieser

keit haben, einander klassenübergreifend zu unterstützen, da die

Idee. Nun soll im Rahmen einer kleinen Projektgruppe im Juni an der

Expertise und Ressourcen anderer Eltern zumeist unbekannt sind.

konkreten Umsetzung einer digitalen Plattform gearbeitet werden.

Wer kann was anbieten? Wer steht wofür?

Ziel ist es, das offensichtliche Angebot an Dienstleistungen, Services

Was tun, wenn für manche Elternteile die Einnahmequelle von ei-

und Produkten im Waldorf-Umfeld mit einer ebenfalls im Waldorf-

nem Moment auf den anderen versiegt? – Menschen, die mit an-

Umfeld vorhandenen Nachfrage zu verknüpfen. Denn: warum in der

deren Menschen z. B. therapeutisch arbeiten oder eine besondere

Ferne suchen, wenn das Gute liegt so nah’?

Dienstleistung und Service anbieten: Restaurantbesitzer, Floristin-

Rückmeldungen und Kommentare gerne an Brigitte Födinger.

nen, Künstler u. v. a.

Email: brigitte.foedinger@aon.at.

Meine Idee ist es, über diese Pandemie-Krise hinweg – für gute und schlechte Zeiten – ein digitales Waldorf-Eltern-„Netzwerk“ zu

*(Der Name der Plattform ist frei gewählt und kann sich noch än-

schaffen, welches Interessierten die Möglichkeit bietet, ihre Diens-

dern. Stand: 7.6.2020)

te, Kenntnisse oder auch Waren allen Eltern der Schulgemeinschaft anzubieten. Der Eintrag auf der Netzwerk-Plattform ist freiwillig,

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

19

Corona-Zeit von Andreas Amann

8.

Klasse, 12. Klasse – zwei Schuljahre am Übergang. Zäsuren

eindruckt, wie engagiert die Lehrenden sie in allem unterstützen,

auf dem Lebensweg. Einmal auf dem Weg in die Oberstufe,

und wie steil deren digitale Lernkurve ist. Leider sind wir an der

einmal auf dem Weg aus dem 12jährigen Schulnest heraus in

vierstimmigen Albrecht’schen Challenge gescheitert. Wer kommt

die Offenheit eines guten Abschlusses.

schon als musikalisch Spätberufene/r wirklich an das Niveau und

Und dann Corona. Alles anders. Plötzlich sind die beiden ohne di-

die Erwartungen seiner orchestertrainierten Kids heran?

rekten Kontakt mit den Ihrigen. Zuerst aufregend und wie eine ge-

Viel Zeit für die VWA und die 8.-Klassarbeit. Minimalismus und Ärz-

schenkte Zeit. Lang ausschlafen können, Dinge machen, die man

te ohne Grenzen. Schreiben und Erleben kommen zusammen. Coro-

schon lange vor sich hergeschoben hat. Digitale Entdeckungsrei-

na als globales „minimalistisches Experiment“.

se, wie man virenfrei in Kontakt bleiben kann. Spannend, was alles

Wer hätte vor Corona gedacht, dass der Kapitalismus nicht alter-

doch möglich ist. Das Handy als Medium zur Welt.

nativlos ist?

Langsam kommt die Trauer, dass so viel wegfällt, was diese Über-

Wie es aussieht, wird es bald wieder so etwas wie Normalität ge-

gänge feiert und spürbar macht. Eines der besonderen Geschen-

ben. Und doch waren die letzten Wochen ein intellektueller Crash-

ke der Waldorf-Schule, das berührende Feiern von Übergängen,

kurs in systemischem Denken. Warum war es in Italien schlimmer

fällt aus. Zum Glück hat es den Abschlussball schon gegeben, zum

als in Österreich? War der schwedische Weg besser als der deut-

Glück den Tanzkurs. Einmal sitzen die Amanns am Tisch und uns

sche? Wie konnte es in Amerika so weit kommen? Wie bändigt man

kommen die Tränen, dass die beiden – und wir mit – über ihre

exponentielle Prozesse? Wieviel Lockdown verkraftet die Wirt-

Schwellen größtenteils alleine gehen müssen. Einsamkeit, manch-

schaft? Was hat das alles mit den staatlichen Ausgaben für den

mal Zorn, dass man gegen die unsichtbare Bedrohung so macht-

Gesundheitsbereich zu tun?

los ist. Und dass der einzige Weg heraus der Rückzug ist. Lange

Wenn unsere Kids an der Schule lernen, wie vernetzt unsere Welt

digitale Housepartys, Skype- und Microsoft Teams-Sitzungen helfen

ist und dass sie nur versteht, wer in Wechselwirkungen zu denken

etwas. Und TikTok-Orgien voll komplexer moves – selbst die Alten

lernt, dann haben wir wirklich mit Corona gelernt… denn frei nach

werden eingebaut, aber eher als lächerliche Belege, dass sie wirk-

Churchill: Never let a crisis go to waste.

lich nicht tanzen können. Wir sind schwer stolz auf unsere beiden, wie diszipliniert sie ihr Lerngeschäft durchziehen, wie ehrlich sie ihre Prüfungen machen. Man bescheißt nicht, wen wollte man betrügen? Und wir sind be-

Andreas Amann ist Schülerinnenvater in der 8. und 12. Klasse.


UNTERSTUFE

Kennst du das Land, wo die Neurosen blühn? von Nadja Berke

Ganz klar und deutlich muss festgestellt werden, dass wir Österreicher es – trotz aller Raunzereien, die nun mal auch zu unserem Selbstverständnis gehören – im Vergleich zu anderen Ländern dieser Erde gut haben… und wir leben – noch – in einem Sozialstaat. Trotzdem muss man wach bleiben und kritisieren dürfen, was nicht ganz so toll läuft in diesem Land:

Kennst du das Land, wo die Neurosen blühn?

Die Weltverschwörungstheorien boomen

Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen.

– Freud hätte wahrlich seine Freude nun!

Dort bleibt zuhause jeder „stolz und kühn“

Wir sprechen miteinander nicht, wir zoomen –

und fürchtet sich – verordnet – vor Externen.

in diesem Land, wo die Neurosen blühn.

Durch Fenster sieht man dort nicht nur auf Straßen,

Im Land der Künste steht nun still die Kunst,

vom Schreibtisch aus sieht man die ganze Welt.

und in der Schule wird nicht mehr gesungen.

Statistische Realität in Maßen,

Abhängig von der öffentlichen Gunst

wie manch einer sie kaum für möglich hält.

erfinderisch wird man jetzt notgedrungen.

Angst schürend statt vernunftbegabt regiert,

Auch Geist und Güte gibt’s in diesem Land!

wird angeordnet, was sonst niemals möglich.

Und wahres Heldentum! Doch! Immer wieder!

Manch Grundrechten enthoben ungeniert,

Manch einer reicht – trotz des Verbots – die Hand:

ein jeder Bürger blickt besorgt auf sich.

Dank an Kollegiumsmitglieder!

Ja, jeder ist sich wieder selbst der Nächste. Nach Griechenland zu reisen wäre schön! Doch Lesbos hilfreich eine Hand zu reichen? In Ohren der Regierung klingt’s obszön. Verhältnismäßigkeiten lassen wundern, was Steuergeld nun möglich machen kann. In der „neuen Normalität“ verwundert „Koste es, was es wolle“ Frau und Mann. Trotz dieser lauten Töne und Versprechen bleiben die Schwächsten wieder auf der Strecke. Versprechen sind ja da, um sie zu brechen. Wahrhaftigkeit hockt hungernd in der Ecke. Ein Schelm muss sein, wer denkt: „Warum war nie auch nur ein kleiner Teil des Füllhorns möglich, wenn doch – vergleichbar einer Pandemie – es ging um uns’rer Erde Klima täglich?“

Frei nach Erich Kästner „Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?“

>

momentaufnahme

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

21

Jetzt ist schon wieder was passiert... von Matthias Berke

Jetzt sei schon wieder etwas passiert, erfuhr ich Mitte Juni und

Also bitte: Holt die Gläser aus dem Kasten, lasst die Korken knal-

kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe. Dabei ist ja schon so

len und gratuliert! Es geht in die Verlängerung. Und wie ich auch

viel passiert. Wie dem auch sei, darüber schreiben andere hier und

erfuhr, werden die MoMente bereits gesammelt und ganze Jahr-

dort. Bleibe ich beim MoMent. In Zahlen liest es sich hier flott und

gänge gesucht!!

gerundet wie folgt: 28; 200; 7,143; 8000 und 3. Oder mit einem Wort: JUBILÄUM! Wir können schon wieder ein solches feiern. Und das können wir ja gut – zuletzt sogar ein Jahr lang. Konkret geht es um ganz besondere MoMente. Und wie ich aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, sind es deren 200. Nicht alle heuer, sondern gut dosiert über fast drei Dekaden. Von wegen Moment. Klingt für mich eher nach Kontinuum – oder Dauerbrenner.

Und ja, da wäre ja noch der „Herr MoMent“, besser bekannt als Karl, Karli oder „der Hruza“. Dir, Karl, ein großes Kompliment für das Formen, Umbauen, Setzen und Kreieren von wahrscheinlich viel mehr als 8000 Seiten. In Zentimetern entspricht dies einem Papierstapel von rund 60 cm Höhe!! ! Das macht dir so schnell keiner nach!

Wie dem auch sei: Überschlage ich Zahlen, dann komme ich auf

PS: Die bescheidene Zahl 3 entspricht der Anzahl der Veröffentli-

mehr oder weniger 7,143 Ausgaben pro Jahr, und ziehe ich die Feri-

chungen dieser meiner kleinen, unregelmäßigen Kolumne.

enwochen ab, so erschien das MoMent in Hochzeiten als Monatsmag azin. (Kein Kopfrechnungsfehler eines Waldorfschülers!) Inzwischen und in die Jahre gekommen, sprengt das MoMent mit 48 (Ausnahme), 56 (Standard) oder gar 64 Seiten dreimal im Jahr das Fassungsvermögen der Heftklammern und das der Versandtaschen in viele Städte und Länder (und Ranzen natürlich auch).


>

momentaufnahme

Blick aus meinem Fenster! 

„Blick aus meinem Fenster!“ Kunstprojekt von Frida Fanninger Was kommt zu kurz, wenn dein Tag nur aus online-schooling oder Computerarbeit besteht? Die Kunst. Nicht nur das Malen und Zeichnen, sondern auch das künstlerische Schreiben. Deshalb dachte ich mir nach einem Monat Quarantäne, dass ich ein Kunstprojekt ins Leben rufen könnte. Ich denke, dass etwas, was uns alle verbindet, der Blick aus dem eigenen Fenster ist, weil wir alle – unfreiwilligerweise – viel Zeit zuhause verbracht haben. Diese strengen Maßnahmen sind jetzt vorbei – was bleibt, sind die tollen Arbeiten, die im Rahmen des Projekts entstanden sind! Ein paar werden hier zu sehen sein. Alle Bilder, Zeichnungen, Collagen und Basteleien sind auf der Seite blickausmeinemfenster.wordpress.com gesammelt – und es kommen immer noch jeden Tag drei weitere Beiträge hinzu! Ich bin überrascht, wie viele wunderschöne und kreative Einsendungen ich bekommen habe. Dank aller TeilnehmerInnen wurde das Projekt zu dem, was es ist! Link: https://blickausmeinemfenster.wordpress.com/ Instagram: @blickausmeinemfenster

UNTERSTUFE

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

23

oder Was man von hier aus sieht

„Was man von hier aus sieht“ – Schreibprojekt von Angela Szivatz Als Frida mich fragte, ob ich ein Bild für ihr Kunstprojekt machen will, wollte ich mich drücken. Zeichnen und malen, da bin ich einfach unbegabt. „Darf ich auch einen kleinen Text beitragen?“, fragte ich sie also. „Nein, Angela, es geht um die Geste“, antwortete meine liebe Freundin streng :-) Dann fragte sie, ob ich nicht ein Parallelprojekt mit Schreiben anbieten wollte. Der Gedanke gefiel mir sehr gut. Also flugs eine Einladung geschrieben und über diverse Kanäle verbreitet: Viele von uns sind immer noch viel zu Hause, schauen von ihren Fenstern oder ihren Balkonen nach draußen, bleiben meist daheim in dieser ungewöhnlichen Zeit. Welche Gedanken, Gefühle, Wünsche, Kummer, was bewegt uns beim Blick hinaus? Schreib einen kurzen Text, ein Essay, ein Gedicht, ein Haiku, einen Rap, was auch immer du magst, worauf du Lust hast. Jede/r konnte mitmachen – gerade wenn man nicht oft oder nie künstlerisch etwas gemacht hat, war das doch der richtige Zeitpunkt, um es mal auszuprobieren! Am Anfang – große Freude! – kam fast jeden Tag ein Text, der in einer eigenen Galerie auf meiner Website veröffentlicht wurde. SUPER Texte, SchreiberInnen zwischen 7 und 79 Jahren – vielen Dank an alle fürs Mitmachen! Besonders gefreut habe ich mich über Rückmeldungen wie: „Hat mir richtig Spaß gemacht, mein erstes Mal!“ Leider war es Mitte Mai dann vorbei. Man merkte, dass die Maßnahmen deutlich gelockert worden waren, die Geschäfte wieder öffneten und offenbar nicht mehr genug Zeit fürs Schreiben übrigblieb. Danke, Frida und Beate-Maria, dass ihr mich ermutigt habt. PS: Frida hat schließlich doch ein Bildchen von mir bekommen ;-) https://www.angelaszivatz.at/was-man-von-hier-aus-sieht/ Frida Fanninger und Angela Szivatz sind Schülerinnen der 12. Klasse.


>

momentaufnahme

UNTERSTUFE

>

W OODLE

Die Freie Musikschule zu Coro ein Rückblick in Zitaten 13. März 2020. Die Musikschule muss geschlossen werden. Eine Um-

Ich bin erstaunt und sehr erfreut, dass alle mitmachen und auch

stellung vom analogen zum Onlineunterricht muss rasch ermöglicht

sehr fleißig sind! Ich habe ihnen auch gesagt, dass sie mir jederzeit

werden. Nicht jede/r LehrerIn ist dafür bereits gerüstet. Schnell noch

Aufnahmen/Videos schicken können. Hab’ da schon einiges be-

vor Schließung der Geschäfte das IT-System aufrüsten, Programme

kommen (Wohnzimmerkonzerte, 18:00-Fensterkonzerte, Aufnah-

herunterladen, neue Termine vereinbaren. Rasch hat sich aber alles

men von Stücken, die sie gerade üben, Tonleitern usw.). Ich schau’

gut eingependelt, und fast alle SchülerInnen nehmen Skype-, Face-

auch, dass ich meinen Sprösslingen jede Woche ein Mail mit den

Time-, WhatsApp-, Zoom-, oder Microsoft Teams-Instrumentalstun-

neuen Aufgaben (Notenrätsel, Aufnahmen von 2. Stimmen von

den. Die übrigen schicken Videos und werden mit Feedback, Noten,

Duetten, zu denen sie dazu spielen können, play-alongs usw.) zu-

Aufnahmen und Videos per Mail versorgt.

kommen lasse. Mit dem Bläserquintett versuche ich gerade ein

Es folgen zunächst ein paar gekürzte

Video zu erstellen. Jeder spielt seine Stimme zu einer bestimmten Aufnahme, die er dazu über Kopfhörer hört... filmt sich dabei

Rückmeldungen unserer Musikschul-LehrerInnen aus dieser Zeit.

und schickt mir dann das Video. Wir versuchen dann die einzelnen Videos übereinander zu legen und eine Ensemble-Aufnahme zu basteln. Mal schauen, ob das klappt.

Ich hätte nie gedacht, wie klein eine 100 m2-Wohnung ist... zwei

Simon Pibal

Musiker, zwei Kinder, 4 Musikschulen… Unser Wald und die ‚Corona-Wiese‘ sind leider 20 Auto-Minuten entfernt, aber zumindest

Mir selbst geht die Situation sehr nahe; ich merke, dass der per-

jeden zweiten Tag geht’s raus.

sönliche Kontakt durch nichts zu ersetzen ist. Am Anfang bin ich Wolfgang Ender

Die Übertragungen haben auch bei mir unterschiedliche Qualität, ich habe schon unterrichtet ohne Bild oder ohne, dass das Kind mich sah, aber man wird ja flexibel... Bei den Großen geht es sehr gut; je kleiner sie sind, umso schwieriger wird es... „Links! Die linke Hand! Nein die andere linke Hand! Auf dem C... das ist das A, zwei Töne hinauf! Nach rechts!“ Aber alle sind auch sehr dankbar. Ich finde es sehr spannend und aufschlussreich, die Instrumente zu erleben und

automatisch sehr nah zum Bildschirm gerückt, um „näher am Kind zu sein“, bis ich gemerkt habe, dass dieser Reflex gar nix bringt, da sie von mir dann nur noch das Gesicht riesengroß sehen, die Armen ... Auch habe ich mir angewöhnt, die Position immer wieder zu ändern, manchmal Stehen und Sitzen abzuwechseln, da ich nach 3 Stunden vor dem Computer körperliche Beschwerden bekomme, die ich vom Normalunterricht nicht kenne! Roswitha Dokalik

die Sitzpositionen zu sehen. Die meisten sitzen zu tief, eine hat dann gewechselt auf eine Kinderrutsche... schaut lustig aus, hat aber genau die richtige Höhe! Und sehr nett ist, dass man so nebenbei auch die kleinen Geschwister, die Oma und die Katzen kennenlernt. Ursula Bosch

Bei mir hat sich der Unterricht auch erstaunlich gut in den Cyberspace verlagert. Die Schüler (und vor allem auch Eltern) sind sehr gut organisiert und freuen sich über unser wöchentliches Musizieren über Skype und Facetime. Eine Mutter hat mir heute gesagt,

Einige Schülerinnen hatten ziemlich verstimmte Instrumente. Um

wie wichtig es für sie ist, dass es ein paar Fixpunkte pro Woche

es den Eltern einfacher zu machen, habe ich YouTube-Links ver-

gibt, damit man nicht vollkommen die Orientierung (welcher Tag

schickt, wo das Stimmen mit den Wirbeln erklärt wird, nur leider

ist heute?) verliert.

haben sie sich das vor der Skypestunde nicht angeschaut. Wir hatten deshalb recht turbulente Situationen. Anastasia Piehslinger

Thomas List


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

25

ona-Zeiten zusammengetragen von Christine Trattner

Der Unterricht ging wider Erwarten bei allen Schülerinnen und

Liebe Freie Musikschule Wien,

Schülern mit Skype und Co sehr gut. Oft waren die Eltern dabei,

in einer für alle schweren Zeit ist Kunst Balsam für die Seele. Eine

was besonders für die Jüngeren eine große Hilfe war. Auch war es

Medizin, die von der Politik zu wenig erkannt und geschätzt wird.

für die Eltern – so glaube ich – interessant, wie so ein Unterricht

Welche Lebewesen sind wir ohne Musik, ohne Bildnerischem Ge-

abläuft, und sie begleiteten die Kinder dann auch beim Üben. Das

stalten, ohne Theater?

zeigte sich an den Fortschritten. Überhaupt haben alle sehr viel

Wie arm wird unser Leben. ... Darum danke ich der Freien Musik-

geübt – da dafür mehr Zeit war. Das war eine große Freude. Aber

schule, dass meine Tochter weiter vom Unterricht profitieren kann,

das Unterrichten war extrem anstrengend. Ich habe immer viel zu

dass ihre Seele gestärkt wird mit lieben Worten, mit Fachwissen,

laut gesprochen, und die Zeitverzögerung und die häufig schlechte

und natürlich mit der von ihr geliebten Musik.

Bild- und Tonqualität waren weitere Minuspunkte.

V. T.

Angela Schindler Liebes Musikschulteam! Ich finde auch, dass der Aufwand für den Fernunterricht erheb-

Bei allen drei Kindern hat regelmäßig Skypeunterricht stattge-

lich größer ist und ich habe das Gefühl, noch mehr zu arbeiten als

funden, sogar einmal in den Ferien. Vor allem für Livia und Miriam

sonst. Aber die SchülerInnen und Eltern sind sehr dankbar dafür,

funktioniert das eigentlich sehr gut, Oskar bräuchte vor allem auf-

und ich habe den Eindruck, dass die neue Unterrichtssituation für

grund seines Alters bald wieder physischen Unterricht, je jünger,

die meisten als sehr spannend und positiv aufregend erlebt wird

desto mehr brauchen die Kinder offenbar physischen Kontakt.

und nicht als schwierig oder gar belastend. Als Lehrerin bin ich ei-

C. M.

gentlich auch ganz dankbar dafür, dass ich neue Dinge ausprobieren muss, die ich vielleicht unter „normalen“ Umständen so nicht

Es war schön das wir geskypet haben deine Lini

gemacht hätte. Also ich denke fast, dass ich bei dem ganzen Pro-

Lina, 8 Jahre

zess mehr lerne als die SchülerInnen. Julia Diaba

Liebes Musikschul-Team! Ich lerne seit eineinhalb Jahren Klavier bei Ryan Langer und hatte

Wie ging es den Eltern mit dem Onlineunterricht?

nun schon mehrere Skype-Stunden mit ihm. Es funktioniert super und macht mir viel Spaß – danke dafür!

Liebes Musikschul-Team,

Benjamin, 10 Jahre

Adam lernt bei Thomas List Blockflöte. Wir sind sehr glücklich darüber und Adam liebt seine Stunden. Der online Unterricht mit Tho-

Liebes Team von der Musikschule!

mas bedeutet ihm in dieser Zeit besonders viel, Adam freut sich

Ich hätte mir nie gedacht, dass das mit dem Onlineunterricht so

auf jede Stunde!

gut funktioniert. Wir sind wirklich begeistert. Auch habe ich den

Wir sind sehr dankbar, dass die Stunden in diese Form weiterge-

Eindruck, dass diese Musikstunde, die immer zur gleichen Zeit

führt werden!

stattfindet, der ganzen Woche mehr Struktur gibt. Der SchulunterMit musikalischen Grüßen, S. H.

richt folgt ja keinem fixen Stundenplan (zumindest bei uns nicht) und so ist diese wöchentliche Klavierstunde der Fixstern der Woche. Ganz herzlichen Dank dem Team und natürlich Olga, die Elsas Klavierlehrerin ist. F. F.


>

momentaufnahme

UNTERSTUFE

Kinder, COVID-19 und...

W

ir haben – gut? – geschlafen und sind nun aufgeschreckt

Lernen. Die Gleichaltrigen, Freunde und Freundinnen fehlen.

durch eine Krise.

Welche Auswirkungen Schulschließungen auf die Eindämmung der COVID-19-Pandemie haben, ist noch nicht geklärt, wird aber

Eine unserer Sorgen ist: Welche Auswirkungen hat sie für unsere

in Studien erhoben. [4] Gleichzeitig werden wir auch erforschen,

Kinder? Sie sind die Zukunft. Die gute Nachricht: SARS-CoV-2 ist

wie sich die „Social Distancing“-Maßnahmen auf unsere Kinder

keine Bedrohung für Kinder, keine gesundheitliche, keine körperli-

auswirken. Sind – ähnlich wie bei Erwachsenen – wichtige andere

che, keine unmittelbar für den Körper bedrohliche. Anders als bei

gesundheitliche Probleme übersehen worden? [5] Und was macht

älteren Erwachsenen reagiert das Immunsystem bei Kindern und

die Isolierung mit unseren Kindern? Es gibt Kinder, die wegen der

Jugendlichen angemessener auf das Eindringen des Virus in die

Angst ihrer Eltern auch nach Wiedereröffnung noch nicht in die

Zelle. Und sie scheinen auch eine geringe Rolle bei der Ausbreitung

Schule gehen, die ihre Freunde und Freundinnen noch nicht ge-

des Virus zu haben. [1] [2]

troffen, ihre Großeltern noch nicht umarmt haben.

Die Staaten reagieren auf die Pandemie mit „Social Distancing“.

Die „Corona-Krise“ ist eine Krise! Wie auch immer sie

Das betrifft auch die Kinder. Am 12. März erklärt die WHO die

zu einer Krise wurde.

Corona-Viruserkrankung COVID-19 zur Pandemie. [3] Am 18. März

Wir haben gut geschlafen und sind nun aufgeschreckt durch sie.

sind laut UNESCO bereits in 107 Ländern die Schulen geschlossen

Aber sind wir auch wach? Sind wir uns unserer Verletzlichkeit – als

und geschätzte 862 Millionen SchülerInnen von diesen Schließun-

Individuum und als Gesellschaft – vielleicht jetzt mehr bewusst?

gen betroffen. Der Kontakt zu den Großeltern wird unterbrochen,

Weil es uns selbst betrifft?

ebenso zu Verwandten und Freunden, Spielen mit Freunden und Freundinnen untersagt, Spielplätze werden geschlossen.

Laut der Welternährungsorganisation FAO hungern 820 Millionen

In unserer Gesellschaft ist die Kleinfamilie auf sich selbst zurück-

Menschen auf der Welt. Nach Jahren mit langsamem Rückgang

geworfen. Für manche Kinder ist das erst einmal Grund zur Freude.

stagniert die Zahl jetzt oder steigt sogar wieder an. [6] Betroffen

Der Vater ist zu Hause, hat neben dem Homeoffice Zeit. Man kann

sind besonders Kinder. Pro Jahr sterben weltweit mehr als 3 Milli-

in den Wald gehen, zusammen Rad fahren – auch während der

onen Kinder an Hunger, nicht mitgerechnet die 200 Millionen, die

Woche. Für andere Familien ist es von Beginn an eine große He-

durch Unterernährung krank oder entwicklungsgehemmt sind.

rausforderung – kleine, enge Wohnung, kein Garten, kein Wald in

Auch die aktuelle Krise wird wieder die Ärmsten treffen. Die

der Nähe, Homeoffice ohne Rückzugsmöglichkeit, Kurzarbeit oder

UNICEF macht darauf aufmerksam, dass überall – sowohl in den In-

Verlust des Arbeitsplatzes, Sorgen, Konflikte in der Familie...

dustrie- und Schwellenländern, noch mehr aber in den von Armut und Krieg betroffenen Ländern – die Lebenssituation der ärmsten

Allmählich wird es eng – auch für die privilegierten Kinder. Für die

Familien durch COVID-19 und seine Folgen noch stärker bedroht

anderen erst recht. Auch für die Eltern wird es eng.

sein wird. [7] [8] In ihrem Jahresbericht 2019 berichtet die WHO von

Das spüren die Kinder.

272.000 Kindern unter fünf Jahren, die 2018 an Malaria verstorben

Für die Kinder gibt es keinen Auslauf. Der Computer soll die Schule

sind. [9] Man könnte noch die Folgen von Kriegen, Naturkatastro-

ersetzen – so man einen hat. Die Größeren tun sich leichter, aber

phen, ökologischen Zerstörungen... dazu aufzählen, unter denen

nicht alle. Es fehlt die Begegnung mit dem Lehrer, der Lehrerin; das

Kinder zu leiden haben.

gilt noch mehr für die Kleineren. Viele Kinder haben überhaupt keinen Kontakt zu ihrer Schule. Die Lehrerin kann sie nicht erreichen.

Und doch hat ob all dieser bekannten Tatsachen bisher keine Regie-

Kinder und Jugendliche, die es vorher schon schwer hatten, wer-

rung den Notstand erklärt oder uns aufgefordert, unsere Lebensge-

den es nachher noch schwerer haben – seelisch, sozial, mit dem

wohnheiten radikal zu verändern, um diese Kinder zu retten.

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE

>



SEITE

27

von Dr. Elisabeth Frank, Kinderärztin

Wir schlafen gerne. Jetzt sind wir aufgeschreckt. Werden wir wach bleiben? Wir sind wach, um unsere Kinder zu schützen. Wir versuchen, ihre

[1] P. Brodin, “Why is COVID-19 so mild in children?,” Acta Paediatr. Int. J. Paediatr., vol. 2019, pp. 1082–1083, 2020. [2] N. I. for P. Health, and the Environment, and W. and S. Ministry of

Resilienz zu stärken, die Kompetenz, mit Belastungen angemessen

Health, “Children and COVID-19 | RIVM,” 2020. [Online]. Available:

umzugehen und gestärkt aus diesen hervorzugehen. Resilienz ist

https://www.rivm.nl/en/novel-coronavirus-covid-19/children-and-

nicht angeboren, sondern wird in einem lebenslangen Lernprozess

covid-19. [Accessed: 02-Jun-2020].

erübt. Für die Kinder sind die Erwachsenen, besonders die Eltern,

[3] T. Adhanom Ghebreyesus, “WHO Director-General’s opening re-

das Vorbild. An ihnen erfahren sie, wie man mit Fähigkeiten und

marks at the media briefing on COVID-19,” World Health Organiza-

Stärken auftretenden Belastungen begegnen kann.

tion, 2020. [Online]. Available: https://www.who.int/dg/speeches/

Was sind Möglichkeiten für einen solchen Lernprozess? Angst überwinden, auch wenn sie von außen zugetragen wird, selbst denken, kreativ handeln, Verantwortung übernehmen; hei-

detail/who-director-general-s-opening-remarks-at-the-missionbriefing-on-covid-19. [Accessed: 02-Jun-2020]. [4] R. M. Viner et al., “School closure and management practices during

lende Impulse setzen für uns selbst, unsere Mitmenschen und

coronavirus outbreaks including COVID-19: a rapid systematic re-

auch für die Welt; teilen, uns mitteilen, uns vernetzen, Freunde

view,” Lancet Child Adolesc. Heal., vol. 4, no. 5, pp. 397–404, 2020.

haben, uns engagieren... Das erzeugt Vertrauen und stärkt uns und unsere Kinder. Wie schnell können Entscheidungen getroffen werden, wenn eine Bedrohung als solche wahrgenommen wird und die Gesellschaft am gleichen Strang zieht. Vor wenigen Monaten noch wäre eine

[5] T. Roberton et al., “Early estimates of the indirect effects of the COVID-19 pandemic on maternal and child mortality in low-income and middle-income countries: a modelling study,” Lancet Glob. Heal., no. 20, pp. 1–8, 2020. [6] “The State of Food Security and Nutrition in the World 2019. Safe-

weltweite Unterbrechung des Flugverkehrs undenkbar gewesen.

guarding against economic slowdowns and downturns,” 2019. [On-

Keine ökologische Bedrohung – bereits sichtbar oder auf uns zu-

line]. Available: www.fao.org/3/ca5162en/ca5162en.pdf.

kommend – hat bisher eine ähnlich schnelle Einigung und Bereit-

[7] “Children in monetary poor households and COVID-19 - UNICEF

schaft zum Handeln gebracht. Wie würden wohl die Ergebnisse der

DATA.” [Online]. Available: https://data.unicef.org/resources/child-

Weltklimakonferenzen aussehen, würde die Klimakrise so ernst

ren-in-monetary-poor-households-and-covid-19/. [Accessed:

genommen werden wie die COVID-19-Krise?

02-Jun-2020].

Wir erleben, dass Probleme lösbar sind, wenn sie uns wichtig ge-

[8] “UNICEF Österreich: COVID-19 treibt Kinder in die Armut: Bis zu 86

nug sind, wenn wir wollen. Was könnte so ein gemeinsamer Wille

Millionen zusätzliche Kinder könnten Ende 2020 in Armut leben.”

nicht alles erreichen in unserer Welt?!

[Online]. Available: https://unicef.at/news/einzelansicht/covid-

Es lohnt sich, dafür wach zu bleiben. Elisabeth Frank ist Kinderärztin und ehemalige Schulärztin

19-treibt-kinder-in-die-armut-bis-zu-86-millionen-zusaetzlichekinder-koennten-ende-2020-in-arm/. [Accessed: 02-Jun-2020]. [9] World Health Organisation, World malaria report 2019. Geneva, 2019.


Kindergarten

UNTERSTUFE

>

W OODLE

WENN PLÖTZLICH ALLES ANDERS IST Corona-Impressionen aus dem Kindergarten Was es ist

Tochter für alternative Nachmittagsbeschäftigungen begeistern.

Ich habe Mona in den ersten Wochen des Lockdown öfter mal ge-

Wir gehen in den Wald, sammeln Müll an der Liesing oder gehen Rad

fragt, ob sie den Kindergarten schon vermissen würde. Sie antwor-

fahren. Nach circa eineinhalb Wochen ist der Wurm drin. Der fehlen-

tete stets mit einem gelassenen „Nein, eigentlich nicht!“ Das hat

de Kontakt mit anderen Erwachsenen, die größer werdenden Zu-

mich anfangs überrascht, aber dann wurde mir bewusst, dass ihr

kunftssorgen und Existenzängste, das absolut Keine-Zeit-für-mich-

Virusferien-Ersatzprogramm ja auch nicht so übel war – mit vielen

Haben, das ständige Spielen mit meiner Tochter – dazu Hausarbeit

Stunden AcroYoga, Bastel- und Nähstube, Brot backen und Tier-

und Kochen. Ich kann nicht mehr konsequent „Nein“ sagen, sondern

forschungen im Wald. Ich habe sie in gewisser Weise dafür bewun-

lasse mich nach langen Diskussionen zu Dingen überreden, die ich

dert, wie sie einfach annehmen konnte, was ist. Als Sonnenkind

nicht gut finde. Wir pendeln uns ein in ein ungemütliches, frustrier-

meinte sie sogar einmal: „Am liebsten würde ich nach den Virusfe-

tes Miteinander und streiten mehrmals täglich. Ich bin genervt, und

rien gleich in die Schule gehen und gar nicht mehr in den Kinder-

meine Tochter wird immer anhänglicher.

garten!“ Stillheimlich hat sie eines Nachmittags alle ihre Filzelfen

Dann: Flucht ins Waldviertel, wo wir bei Verwandten und ihren Kin-

und Wichtel um sich versammelt und sie alle mit selbstgebastelten

dern die nächsten zwei Wochen verbringen dürfen. Erstaunlicher-

und selbstgenähten Schultaschen ausgestattet. Das hat mich sehr

weise überwindet meine Tochter nach einigen Tagen ihre panische

berührt! Als sie dann nach wochenlanger Pause wieder in den Kin-

Angst vor Hunden, geht mit ihnen an der Leine spazieren und gibt

dergarten gehen durfte, war sie damit wieder genauso zufrieden

ihnen – statt mir – Kommandos. Am Nachbarhof gibt es Pferde, die

wie davor. Sie hat einfach wieder angenommen, was ist!

wir striegeln und ausführen dürfen, und sie hat SpielgefährtInnen!

Petra Pfann, Mutter von Mona, Gruppe Nina

Zurück in Wien erreicht uns die Empfehlung, wieder in den Kindergarten zu kommen (da letztes Kindergartenjahr), recht plötzlich

Alleinerziehend – eine andere Perspektive

und überraschend. Wir haben mittlerweile einen komplett anderen

Mitte März sitze ich bei einem Arbeitstreffen in der Werkstatt mei-

Rhythmus! Der Satz „Wir lassen niemanden zurück!“ macht mich

ner Schwester, die als Visual Artist in der Veranstaltungsbranche

wütend. Arbeit und Einkommen habe ich voraussichtlich erst wie-

arbeitet. Wir besprechen Details zur bevorstehenden Performance

der ab Herbst. Ohne Unterstützung meiner Familie würden wir es

unseres zeitgenössischen Zirkuskollektivs, als sie am Handy ihren

nicht schaffen.

Mail-Eingang öffnet und es lautstark aus ihr herausbricht: „Ich habe

Johanna König, Gruppe Eva

keine Arbeit mehr!“ Den Ernst der Lage begreife ich erst ein paar Tage später, als auch bei mir sämtliche Theaterproduktionen und pä-

Bindung in Zeiten der Krise

dagogischen Programme in Schulen abgesagt oder auf unbestimmte

Elternabend wenige Tage vor dem Lockdown – sollen wir uns

Zeit verschoben werden. Ich realisiere, dass auch ich als freischaf-

noch die Hände schütteln? Dann ein echter Freitag der 13. (März):

fende Künstlerin, Theater- und Tanzpädagogin plötzlich keine Arbeit

Der rhythmisierte Alltag bricht abrupt ab. Am Montag bleibt die

mehr und somit keinen Verdienst habe. Null. Dabei wären März, April

Gruppe leer, die vorbereitete Jause essen wir Erwachsene in der

und Mai meine einkommensstärksten Monate gewesen.

Sonderkonferenz.

Eine weitere Maßnahme, die mich trifft: kein Kindergarten mehr.

Wechselnde Phasen und Gefühle in der folgenden Zeit: Schock,

Alleinerzieherin mit einem Kind – sollte doch gehen, jetzt, da ich so-

Akzeptanz, Entspannung, Reflexion, Dankbarkeit für den Beruf

wieso viel Zeit habe. Anfangs genießen wir die Entschleunigung sehr,

und die wunderschöne Frühlingsnatur, neuer Tätigkeitsdrang – die

das In-den-Tag-hinein-Leben, das lange Schlafen, die ausgiebigen

Seele braucht Zeit, um das Leben in einer Parallelwelt zu ergreifen,

Vorlesestunden nach dem Aufwachen und die Ruhe am Morgen.

denn die Lebenskräfte verlangen nach dem Jahresrhythmus – was

Gesperrte Spielplätze – was für ein Segen! Endlich lässt sich meine

wäre heute dran? – und werden täglich davon abgeschnitten und


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE



SEITE

29

… WAS NEHMEN WIR DARAUS MIT? zusammengetragen von Ursula Dotzler

auf sich selbst verwiesen. Meine tiefe Verbundenheit mit den Kin-

Verunsicherung und Sorgen auftraten. An Planung war eigentlich

dern und Eltern tritt dann besonders beim Versenden der Oster-

nicht zu denken, da kein Tag wie der andere lief und neue Regeln

grüße mit jedem einzelnen Namen wieder hervor.

spät am Tag und unangekündigt eingingen oder auch kurzfristig

Zum Neubeginn im Mai kommen alle Kinder sehr freudig und sau-

wieder geändert wurden. Die Medien waren teilweise der direkten

gen geradezu alles auf, besonders Sprüche und Lieder. Im Freispiel

Information an uns voraus, Nachfragen bezüglich der Umsetzung

müssen sie sich erst wieder neu finden, eine „Leere“ an Spiel­-

konnten mangels eingeführter Praxis von den Behörden oft nicht

ideen ist spürbar, sie schließen sich deutlich mehr an uns Erwach-

beantwortet werden. Die überschaubar vorbereitete Weitergabe

sene an, so wie eben davor zu Hause. Nur durch viel grobmoto-

an die Eltern wurde von neuen Informationen überholt.

rische Bewegung wie Herumbalgen und Nachlaufen kommen sie

Schön war es hingegen, die Zeichen von Solidarität unter Kolle-

wieder miteinander ins Spiel, das erst nach vielen Tagen wieder

gInnen – wie z.B. gegenseitige Arbeitsunterstützung – und Eltern

nährend, lebendig freilassend, wärmend und bildhaft auslebend im

– wie z.B. das Angebot zu persönlicher Hilfe beim Kindergartenbei-

Bauen und Gestalten wird. Mir wurde so wieder sehr deutlich, was

trag – zu erleben! Claudia Tiedge, Kindergartenbüro

im Kindergarten an Rahmen und Umgebung für das Spiel laufend aufgebaut wird, damit die Wohlfühl-Wohnzimmeratmosphäre entstehen kann – es passiert nicht von alleine!

Kurzarbeit schafft Mehrarbeit

Jetzt zu Pfingsten lebt wieder Gemeinsamkeit, Vertrautheit und

Für die Verwaltung von Kindergarten und Schule bedeutete die

frohe Stimmung, Elisabeth und ich können nun auch den Eltern – in

Zeit des Lockdown und danach einen erheblichen Mehraufwand

Gartengesprächen – wieder begegnen.

und „Bereitschaft“ rund um die Uhr. Haben die Kurzarbeitsrege-

Nina Chab, Pädagogin in der Marktgemeindegasse

lungen uns auch einen finanziellen Ausgleich ermöglicht, so erforderten sie doch eine akribische Datenverarbeitung, die nur durch

Drehscheibe Büro

laufendes Hand-in-Hand-Arbeiten mit der Schulverwaltung zu

Im Haus nur eine Handvoll Kinder und doch mit allen Eltern und

bewältigen war, was letztendlich aber den Teamgeist in der über-

KollegInnen in Verbindung bleiben war nicht einfach, zumal ja auch

greifenden Verwaltung sehr gestärkt hat. Überdies konnten wir den Informationsfluss an die Eltern zeitnah am Laufen halten und ihnen pädagogische Anregungen und Ermutigung für den Alltag übermitteln. Für allen persönlichen Einsatz ein ganz herzliches Dankeschön an Ulrike Nedved in der Buchhaltung, Susanne Genswein im Schulbüro, Claudia Tiedge und Ursula Dotzler im Kindergartenbüro und an Engelbert Sperl für seine stete Präsenz! Eva Sindelek für den Verwaltungskreis / Kindergarten

An dieser Stelle möchten wir als Kindergartenkollegium allen unseren Eltern noch einmal herzlich für das deutlich gewordene Vertrauen und die Kooperationsbereitschaft danken! Es hat sich gezeigt, wie viel Gemeinschaftsgeist im Kindergarten lebt, der dann durch Zeiten wie diese auch tragfähig ist und uns wacher für wirklich Wesentliches werden lässt.


W OODLE

>

STARTSEITE

UNTERSTUFE 1. KLASSE 2. KLASSE 3. KLASSE

Hans im Glück

4. Klasse

von Natascha Hermann, Klassenlehrerin der 1. Klasse

Der Erzählstoff der ersten Klasse sind die Märchen aus dem jeweiligen Kulturkreis einer jeden einzelnen Waldorfschule. In unserem Fall sind dies überwiegend die Märchen der Gebrüder Grimm. Viele bekannte wie weniger bekannte Grimm-Märchen habe ich im Laufe des ersten Schuljahres zum Ende des Hauptunterrichts erzählt. Von meiner Mentorin Christine Bolleter durfte ich die schöne Idee übernehmen, dass wir in der Schreibepoche ein Buch zu einem Märchen gestalten, mit Text und Zeichnungen. Im Mai waren wir soweit: unsere dritte Schreibepoche, in der noch die allerletzten Buchstaben des Alphabets gelernt wurden. Bei der Auswahl war es mir wichtig, ein Märchen mit einer optimistischen Grundhaltung zu finden, das in seiner Bescheidenheit ein Stück weit unsere Ressourcen und die Resilienz stärkt – jetzt in dieser besonderen Zeit, aber ebenso, wenn man es später im Leben durchblättert. Für mich hat „Hans im Glück“ das verkörpert. Hans kehrt von seinen Lehrjahren heim zur Mutter und verliert auf diesem Weg in einer Verkettung von Tauschgeschäften den Lohn, den er für sieben Jahre erhalten hat, nämlich einen Klumpen Gold, so groß wie sein Kopf. Das Wunderbare an dieser Geschichte ist allerdings, dass Hans am Ende zwar alles Materielle verloren hat, sich allerdings in keinster Weise darüber ärgert. Ganz im Gegenteil: Er zeigt mit seiner Haltung, dass Glück auch Einstellungssache ist und Zufriedenheit wahre Freiheit bedeutet. Denn als auch noch der letzte Stein in den Brunnen fällt, ruft Hans aus: „So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE



SEITE

31

OnlineunterrichtsErfahrungen einer Klassenlehrerin:

die Bienenepoche

von Christina Bauer, Klassenlehrerin der 2. Klasse

Klassenlehrerin zu sein bedeutet für mich, in Beziehung zu sein,

Wie konnte ich die „Bienenkinder“ aber nun in dieser Zeit unter-

wahrzunehmen, aufzugreifen und weiterzuspinnen, Neues anzu-

stützen, untereinander in sozialen Austausch zu treten? Trotz, aber

regen und auch anzunehmen, was da ist. Der Unterricht lebt vom

auch dank unserer technischen Möglichkeiten. So konnten Rück-

Unterrichtsgespräch, von den Erfahrungen, die die Kinder mitbrin-

meldungen geteilt werden: mithilfe von Foto-Galerien, kleinen Er-

gen, von den Stimmungen in der Klasse, der Motivation Einzel-

wähnungen von individuellen Erlebnissen auf unserer Onlineplatt-

ner und unserer Freude am Zusammensein. Jedes Familiensystem

form oder von Eltern initiierten Klassen-Videokonferenzen. Und

ist jedoch anders, und jedes Kind kommt mit seinen individuellen

wir blieben ganz gut verbunden.

Bedürfnissen in die Klasse. Und hier kann Reibung stattfinden und

Wie die Bienen mit ihren unterschiedlichen Aufgaben gab es auch

Konfliktfähigkeit geübt werden für ein wachsendes soziales Mitei-

bei uns eine große Bandbreite an Ideen, die zuhause umgesetzt

nander der Klasse.

wurden: Da wurden Bienenerzählungen als Einschlafgeschichten

Als die Nachricht kam, dass die Schulen für eine Weile nur im Not-

gehört, Bienenlieder in der Familie gesungen, Wildbienenwoh-

betrieb offen sein würden, war das für mich erst einmal ein Schock.

nungen gebaut, Imkerbesuche trotz Masken gewagt, Honig ge-

Was würde das mit unserer Klassengemeinschaft machen? Dann

schleckt, Bilder gemalt, Bienen gebastelt, Blumen erforscht und

kam Neugierde, wie wir den Herausforderungen begegnen könn-

Obst & Gemüse mit neuen Augen gesehen.

ten. Denn: Eine Klasse zu führen heißt für mich auch, „spirits high“ zu halten, also mit Optimismus in die Zukunft zu schauen. Und als

Jetzt hat die Schule wieder begonnen. Anders als vorher, in ver-

dann meine Erkenntnis da war, dass es doch länger dauern würde

kleinerten Klassen. Und ich bin froh, das Klassengeschehen wieder

als erwartet, ließ ich mich auf das Experiment ein, eine Epoche mit

real stattfinden zu sehen. Das Gemeinschaftsgefühl konnte über-

allem Drum und Dran „online zu liefern“ – die Bienenepoche:

dauern, doch das soziale Miteinander muss nun wieder wachsen.

Die Bienen mit ihrem ganz außergewöhnlichen Organismus waren,

Dies ist nun unsere Aufgabenstellung.

wie sich herausstellte, besonders passend für eine Zeit, in der wir

Die neue Generation von Kindern wird in dieser sich ständig ver-

trotz großer räumlicher Distanz als Klasse Zusammenhalt spüren

ändernden Welt mit ihren ständig neuen Herausforderungen

wollten. Alle Kinder waren nun auch während der Unterrichtszeit in

leben und gestalten. Daher: Nehmen wir die Herausforderung an

ihren individuellen Familiensystemen. Sich in Zeiten der Unsicher-

und lernen wir, gerade in einer digitalisierten Welt physisch in

heit tragen lassen zu können von der Gemeinschaft, war sicher ein

Beziehung zu bleiben.

großes Bedürfnis, und die Bienen halfen uns dabei! Unsere Bienensprache war „Woodle“, unser neues Onlineportal, dank dessen die Kinder täglich Geschichten von Konrad und den Bienen hören konnten, eifrig in ihren Epochenheften arbeiteten, fleißig die Bienenlieder flöteten und sangen und dank des großen Einsatzes der neuen Waldorflehrer, nämlich ihrer Eltern, ganz in die honigsüßen Inhalte eintauchten. Die vielen entzückenden Rückmeldungen, die ich bekam, zeigten mir, dass trotz der räumlichen Distanz unsere gemeinsame Epoche Früchte trug, denn es wurde geforscht, weitergesponnen und kreativ entwickelt. Als Lehrerin sehe ich, wie schön es für die Kinder ist, beim Lernen Gemeinschaft zu erleben und in der Vielfalt der Persönlichkeiten und Fähigkeiten einer Klassengemeinschaft genährt zu werden.


STARTSEITE

>

W OODLE

UNTERSTUFE 1. KLASSE 2. KLASSE 3. KLASSE

Bienensummen im Wohnzimmer

4. Klasse

Die 2. Klasse war gerade gut an- und dank Frau Bauer endlich zur

summbienen gebastelt (und durch die Luft geschwungen). Ein paar

Ruhe gekommen – und mitten in den Vorbereitungen zum Fran-

Kinder konnten in dieser Zeit sogar zu Imkern gehen, und sicher

ziskusspiel, als die Coronazeit hereinbrach. Über Woodle wurde

wurden auch viele Honigbrote gegessen: aber mit einer neuen

noch die laufende Epoche abgeschlossen, und dann ging es – Fran-

Achtsamkeit, Dankbarkeit und Hochachtung davor, wieviel Arbeit

ziskus hätte seine Freude gehabt – mitten hinein in die Welt der

es von so vielen, kleinen, fleißigen Bienenwesen dafür braucht.

Bienen (in der Schreibepoche).

Und dieselbe Dankbarkeit und Hochachtung empfinden wir nicht

Frau Bauer hat Woodle nicht nur mit liebevoll aufbereitetem Ma-

nur gegenüber den vielen Haupt- und FachlehrerInnen, die unsere

terial gefüllt, sie war auch über Rätsel, Bilder, Audios, vorgelesene

Kinder über diese Zeit so fein begleitet haben, sondern auch ge-

Geschichten & Zoomflötenspiel mit Wärme und Humor den Kin-

genüber den vielen „guten Geistern“ der Schule (Sekretariat, SLK,

dern präsent. Und so kam es, dass sich nicht nur den Kindern, son-

Vorstand, Haustechnik, Förderkreis usw.) die ALLES am Laufen ge-

dern auch uns Eltern die Welt der Bienen auf wundersame Weise

halten haben. Sie mussten sich mit sich täglich ändernden Verord-

eröffnet hat.

nungen und deren Realisierungen herumschlagen und haben die

Es wurden Bienen gemalt, es wurde über sie geschrieben, es wurde

Kommunikation an alle Eltern aufrechterhalten. DANKE!

über sie gelesen, gesungen & geflötet, es wurden Bienenschwarm-


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE



von Katharina Schaller, Schülerinmutter in der 2. Klasse.

SEITE

33


W OODLE

>

STARTSEITE

UNTERSTUFE 1. KLASSE 2. KLASSE

„Homeschooling“ mit WOW-Effekt

3. KLASSE 4. Klasse

von Eltern der 3. Klasse

Homeschooling in der dritten Klasse zeigte sich als Staunen, Er-

Homeschooling hat uns sehr gut gefallen! Dank der gut vorberei-

kennen und Freude am eigenen Kind. Von wow, die können das ja

teten Materialien, die uns Frau Svoboda wöchentlich zugeschickt

schon bis ojemine, wir haben Bedarf war alles dabei.

hat, konnten wir ohne den gewohnten täglichen Stress ganz nach

Pünktlich Sonntagabend vor 20 Uhr kamen die Unterlagen für die

unserem eigenen Biorhythmus den Tag gestalten.

ganze Woche von Brigitta Svoboda. Handschriftliche Briefe an die

Ich als voll berufstätige Mama konnte viel tieferen Einblick in So-

Kinder, liebevoll aufbereitete Arbeitsunterlagen, Rätsel, Witze und

phies Wissensstand gewinnen und habe die Zeit sehr genossen.

ausreichend Lesestoff für die ganze Familie – immer berücksichti-

Sophies Kater hat ihre täglichen Schulstunden immer sehr interes-

gend, dass die Kinder freie Zeit haben sollen. Manche begannen zu

siert verfolgt.

handwerken, backen, kochen, zeichnen, basteln, und Bücherwürmer schlüpften. Es fand kein Kontrollieren der Arbeiten der Kinder statt; die Eltern übernahmen diese Rolle in eigenem Ermessen. Für Fragen und Hilfe war Brigitta Svoboda immer erreichbar. Am Ende hatten die Kinder eine prall gefüllte Mappe mit ihren Werken. Keine vergleichbar, alle einzigartig – jede ein leicht bis schwer erarbeiteter Schatz. Aber alle unglaublich stolz… Ursula Khol-Haidenthaler

Alexandra Bodingbauer


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE



SEITE

ERZÄHL MIR WAS von Nina Juritsch, Schülermutter 3. Klasse

Das Foto zeigt eine alte Audiokassette mit Erzählungen und einem Heft dazu. Diese haben mein Bruder und ich Ende der 80er-Jahre gesammelt und heiß geliebt. Vielleicht kennt sie ja auch jemand von den großen LeserInnen... Jedenfalls habe ich mich in der Coronazeit wieder daran erinnert, sie vom Dachboden geholt und sorgsam geordnet und entstaubt. Immerhin gibt es davon an die 50 Stück! Die Kinder bekamen jede Woche nach erfolgreicher Lernepoche zwei bis drei davon ausgehändigt als „Belohnung“. Und wenn ich ehrlich bin, lausche ich selbst mit Begeisterung den unzähligen Geschichten und vertrauten Stimmen, welche meine Kindheit prägten. Die Kassetten sind damit kleine, unvergessliche Highlights einer ganz speziellen Zeit geworden...

35


UNTERSTUFE

>

STARTSEITE

>

W OODLE

1. KLASSE 2. KLASSE

#tooltime #homeschooling 

3. KLASSE 4. Klasse


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE



SEITE

Wer will fleißige Handwerker seh’n, der muss in die Dritte geh’n! Holz auf Holz, Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein!

HandwerkskönigInnen in der 3. Klasse

von Eltern der 3. Klasse

Auch die Hausbauepoche hatte das Virus erwischt; dafür wurde mit umso größerer Begeisterung die Osteraufgabe erfüllt und zu Hause und in der Natur kleine Eigenheime gebaut! Da wurde gesägt, bemalt, geklebt, die Finger verbrannt, Möbel geschnitzt, Holz auf Holz oder Stein auf Stein oder einfach zuckersüß – unzählige Varianten entstanden, viele Ideen waren geboren! – Und wenn alles gut geht, können die Kinder im Herbst gemeinsam ihre „richtige“ Hausbauepoche starten. 

37


>

STARTSEITE

UNTERSTUFE

>

W OODLE

1. KLASSE 2. KLASSE

Heimatkunde von daheim mit Bildern von Kindern der 4. Klasse. Text von Sabine Trierenberg

Unserer Lehrerin Frau Rumetshofer ist es trotz der ganzen Widrigkeiten gelungen, eine sehr schöne und informative Heimatkundeepoche für ihre 4. Klasse zu gestalten. Auch für uns Eltern eine schöne Zeit des gemeinsamen Lernens der Stadtgeschichte – viel spannender und unterhaltsamer, als hätten wir mit unserem Kind „nur“ Rechnen oder Deutsch machen „müssen“. Außerdem hatten wir gute Gründe, das Haus zu verlassen und mal den Bezirk Liesing, die Aulandschaft, die Stadtberge und den ersten Bezirk mit all seinen spannenden, geschichtsund sagenträchtigen Namen zu erkunden: Marc-Aurel-Straße, Jasomirgottstraße, den Tiefen Graben uvm… Und von den Ausflügen dann auch ein paar Fotos und kleine Sprachnachrichten verschicken zu können – was für ein Glück, auch in solch einer Zeit mit der Lehrerin Kontakt halten zu dürfen! Natürlich hoffen wir alle, dass die 4. Klasse diese schönen Stadtbesuche noch gemeinsam nachholen kann. Zur „Heimat“ gehört auch unsere Schule. Dürfen wir allerdings plötzlich nicht mehr hinein, so holen wir sie uns einfach nach Hause oder – noch besser – malen sie gleich ab. Eine der durchaus sinnvollen „homeschooling“-Aufgaben lautete daher: „Male bitte die Schule (das mitgeschickte Foto) ab“. Um auch das Soziale nicht zu kurz kommen zu lassen, regte Frau Rumetshofer nebenbei auch eine Art Brieffreundschaft innerhalb der Klasse an. Die Kinder erhielten also Aufträge wie „Erzählt von eurer Zeit zu Hause: Wie habt ihr in dieser ungewöhnlichen Zeit Ostern gefeiert? Was habt ihr Schönes erlebt, was habt ihr vermisst? Auf was freut ihr euch, wenn die Schule wieder beginnen darf…?“ Daraufhin entstand ein reger Briefwechsel, der die Kinder täglich neugierig in den Postkasten schauen ließ: Einer nahen Freundin, aber auch einem Schulkameraden, mit dem man vielleicht nicht so viel Kontakt hat, einen Brief zu schreiben, war ebenso eine kontakthaltende, schöne „homeschooling“Aufgabe, wie das Lesen derartiger Botschaften auf jeden Fall die Herzen erwärmen konnte.

3. KLASSE 4. Klasse


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE



SEITE

39

„Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.“ (Christian Morgenstern)

63 TAGE HOME-SCHOOLING

von Christoph Schmid

16. März 2020. Lockdown! Home-Office, Home-Schooling, Home-Kindergardening und Social Distancing definieren den neuen Alltag. Weder wir Eltern noch unsere Kinder hatten eine Vorstellung davon, was uns erwartete und vor allem nicht, wie lange. Als die ersten Unterlagen auf „Woodle“ zur Verfügung gestellt wurden, war die Überraschung groß – unsere Schule hat die digitale Transformation der Lehrinhalte erfolgreich über Nacht durchgeführt. An dieser Stelle mein Dank an alle Beteiligten für diese bemerkenswerte Arbeit. In der 7. Klasse hat die Klassenlehrerin Frau Giannelos auch eine eigene, sehr persönliche „Signal“-Gruppe für die direkte Ansprache und Unterstützung der Klassengemeinschaft eingerichtet – eine wundervolle Idee, um das „Social Distancing“ aufzubrechen und es auf ein „Spatial Distancing“ (Danke an Bardia Monshi für diese Begrifflichkeit) zu reduzieren. Das erste Raunzen über die Menge der Inhalte wurde rasch von unverhohlener Neugier, gesundem Ehrgeiz und geschwisterlichem Sportsgeist abgelöst. In der Früh wurden die Anweisungen heruntergeladen, gemeinsam besprochen, und dann ging es mit großem Eifer, viel Eigeninitiative und unerwarteter Selbständigkeit an die Arbeit. Und am Abend wurden die Lösungen an die Klassenlehrer zurückgeschickt. Selbst die wöchentliche Geigenstunde wurde via Skype abgehalten, und die Teilnahme am Flashmob war ein Muss. Nach den ersten Wochen haben wir das Home-Schooling dann auch in den Garten verlegt, einfach um die Anspannung und die Strapazen durch den selbstauferlegten, strengen Tagesrhythmus herauszunehmen. Gemeinsame „Forschungsausflüge“ und Radtouren in die Wälder Wiens lockerten den Tagesablauf positiv auf. Die anfängliche Begeisterung, alles von zu Hause machen zu können, wich immer mehr dem Wunsch und dem Bedürfnis, das „normale“ Leben wieder aufzunehmen. Auch wenn uns Eltern die 63 Tage digitalen Fernunterrichts tiefere Einblicke in die Lerninhalte gegeben, neue Perspektiven zur Mediennutzung aufgezeigt und den Umgang in derartigen Ausnahmesituationen gelehrt haben, so vermissen vor allem unsere Kinder den Kontakt zu ihren Freunden, den persönlichen Unterricht, das Zusammenspiel der Fächer und die sozialen Aktivitäten, die unsere Schule so auszeichnen. Nichtsdestotrotz werde ich die Zeit vermissen, in der ich meine Kinder so bewusst 24 Stunden durchgehend erleben durfte. Christoph Schmid ist Schülervater in der 4. und 7. Klasse.


>

STARTSEITE

It’s Corona time von Alexa und Justin Hikade

„It’s Corona time“ war täglich im Kindermund. Anfangs waren wir verunsichert, wie es weitergehen soll. Das Lernen via Woodle war zunächst eine Herausforderung; bald hatten sich die Kinder arrangiert. Schnell hatten sie Vorteile „heraußen“ wie etwa, spät schlafen zu gehen und spät aufzustehen oder bis spätabends Aufgaben zu erledigen – mit allerlei vermeintlich unauffällig Hineingeschummeltem nebenher (Handy). Vor allem Zugang zu Medien war notwendig! Als Elternteil war das schwierig, einen Rhythmus und auch das richtige Maß hineinzubringen. Lernen mit den Medien haben die Kinder rasch begriffen. Ablenkungsgelegenheiten waren zahlreich, und Spaß hat es obendrein nicht gemacht. Fad war es sowieso, ohne die anderen Schulkollegen alleine zu büffeln. Lehrerin und Kollegen weit, weit weg und mühsam zu erreichen; keine Möglichkeit, um ein kleines auflockerndes Späßchen mit dem Nachbarn zu treiben. Die lange Isolation brachte eine Entfremdung, und als die Schule wieder anfing, war es dann doch auch noch enttäuschend, dass nicht alle da sind… doch genoss der eine oder die andere die ungewohnte Ruhe im Klassenzimmer. Obendrein gab es traurige Nachrichten zu erfahren und dann zu verkraften: „Herr Hofer geht“. Adieu! Alexa und Justin Hikade sind SchülerInneneltern in der 5. und 7. Klasse.

UNTERSTUFE

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE



SEITE

41

5. KLASSE 6. KLASSE 7. KLASSE 8. Klasse

Reise in das Mittelalter quer über den Schreibtisch von Ursula Khol-Haidenthaler

Die sechste Klasse wurde kurz vor dem Mittelalter während einer ak-

Erledigte Arbeiten wurden geschickt, telefonisch besprochen

tiven Mediendiskussion vom Virus erwischt. Frau Bolleter stellte daher

oder von den Eltern begutachtet – am Ende wurde eine ge-

– um die Bildschirmzeit der Kinder kurz zu halten – mit viel Mühe eine

sammelte Mappe abgegeben. Wahre Kunstwerke entstanden!

tolle Textsammlung rund um das Mittelalter zusammen. Diese wurde

Ein Highlight war der Geburtstag von Frau Bolleter! Ein paar

per Post oder direkt vor die Haustüre geliefert!

Eltern und Kinder brachten ihr als Überraschung im gehörigen

Die detaillierten Arbeitsaufträge umfassten täglich etwas zu hören, zu

Abstand über den Zaun ein Ständchen dar und überreichten

lesen, zu schreiben und zu zeichnen. So konnten die Kinder gleich zu

Geschenk, Blumen und Torte! Fast alle Kinder der Klasse film-

Beginn wieder in einen gewohnten Rhythmus finden. Der Arbeitsauf-

ten sich selbst bei einem Ständchen oder einem Geburtstags-

wand umfasste täglich zwei Stunden Hauptunterricht, eine halbe Stun-

gruß. Diese Filme wurden von Michi Miksche dankenswerter-

de Englisch und eine halbe Stunde Russisch. Dass Frau Bolleter immer

weise zusammengeschnitten und so ein tolles Glückwunschvi-

im Austausch mit den Fachlehrern stand, zeigte sich im abgestimmten

deo von allen Kindern der Klasse überreicht!

Arbeitsaufwand, sodass es nicht zu viel – aber auch nie zu wenig war.

Nach sechs Jahren gemeinsam wissen wir sehr wohl, wie sehr

Die sechste Klasse ging auf Völkerwanderung, erlebte die Krönung Karl

Frau Bolleter den Unterricht mit ihren Kindern liebt. Den täg-

des Großen, reiste zur Hagia Sophia, lebte auf einer Burg und segelte

lichen Austausch, die Diskussionen, die Nachbesprechungen,

mit einer Hansekogge – und das alles von zu Hause aus!

die gesamte Bandbreite der waldorfpädagogischen Schatzkis-

Zudem konnten die Kinder ein Projekt selbst wählen, das sie auf ei-

te der Unterrichtsvermittlung. Sie hat diese Herausforderung

gene Faust umsetzen durften. So gibt es nun tolle Rezeptsammlun-

wunderbar gemeistert. Vielen Dank!

gen, Bücherbeschreibungen, Diabolo Challenges und eine Galerie von

PS: Ein großes Dankeschön sagen wir auch Veronika Konas, die

Backkunstwerken!

unsere Samira in dieser Zeit so gut begleitet hat!


>

STARTSEITE

UNTERSTUFE

Wir schreiben Geschichte... von Christine Bolleter

...und das im doppelten, ja sogar dreifachen Sinn. Aber wie sollte ich Geschichte unterrichten, ohne den Schülerin-

der 6. Klasse einen Einblick in die Zeit des Mittelalters zu geben

nen und Schülern lebendig davon erzählen zu können? Ohne mit

bzw. die Bedeutung kulturgeschichtlicher Entwicklungen und Er-

ihnen ins persönliche Gespräch zu kommen? Ohne ihre Fragen,

eignisse für Europa herauszuarbeiten.

ohne das gemeinsame Nachsinnen über unsere Vergangenheit

Jedenfalls bin ich noch immer ganz beglückt, wie zuverlässig

und ohne ihnen übermäßige Bildschirmzeit zu verordnen?

und energievoll alle Schülerinnen und Schüler auf diese neue

Vor solche, ganz neue Herausforderungen hat auch mich

Arbeitsweise eingestiegen sind und was sie – jede und jeder

COVID-19 gestellt! Mein Versuch war es, durch einen möglichst

für sich – daraus gemacht bzw. gewonnen haben. Da wurde

rhythmischen Ablauf von Schreiben, Hören, Lesen und Zeichnen

doch wahrlich „Geschichte“ geschrieben... alte Geschichte, aber

den Schülerinnen und Schülern Mut und Vertrauen in ihr eigenes

auch ganz aktuelle, gemeinsam-gesellschaftliche als auch ganz

Handeln und Lernen zu geben, auf welches sie so plötzlich ver-

individuell-persönliche.

wiesen waren. Denn auf Rhythmus, das Urelement der Waldorf-

Lassen Sie sich selbst davon überzeugen.

pädagogik, wollte ich auch in Zeiten wie diesen nicht verzichten. Wie sagt der Volksmund? „Rhythmus ersetzt Kraft!“ Und diese brauchen die Jugendlichen (und wir!) jetzt mehr denn je. So hoffe ich, dass es trotz Fernunterricht gelungen ist, den Jugendlichen

Christine Bolleter ist Klassenlehrerin in der 6. Klasse.

>

W OODLE


5. KLASSE 6. KLASSE 7. KLASSE 8. Klasse

OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE



SEITE

43


UNTERSTUFE

SkispaSS am Hochkeil Als von „Homeschooling“ noch keine Rede war 

>

STARTSEITE

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE



SEITE

45

5. KLASSE 6. KLASSE 7. KLASSE 8. Klasse

von Elisabeth Fleischmann

Am 6. März kamen wir, eine Schar lustiger, mun-

plaudern, ausruhen… Immer begleitet von „Hey Leute!“

terer, erholter Kinder und BegleiterInnen, vom

Es war eine wunderschöne Woche, und ich habe es sehr genossen,

Skikurs am Hochkeil zurück!

alle Eure Kinder etwas näher kennen zu lernen, zu beobachten und

Es scheint wie eine Reise in einer anderen Zeit ge-

ab und zu zu unterstützen.

wesen zu sein. Zwar gab es bei unserer Abfahrt die

Ganz herzlich möchte ich mich bei Marion Giannelos bedanken, die

ersten Corona-Fälle in Österreich, und doch dach-

immer ein offenes Ohr und Verständnis für alle Kinder hatte, jeg-

te keiner daran, dass wenige Tage nach unserer

lichen Streit, sollte einer aufgetreten sein, ausdiskutieren ließ und

Rückkehr schon eine Schulschließung beschlossen

so für eine sehr entspannte und fröhliche Stimmung sorgte.

würde. Keiner war beunruhigt, verunsichert oder

Ebenfalls ein großes Danke an alle anderen LehrerInnen, die mit

hatte auch nur im Geringsten mit so schnellen und

ihrer unkomplizierten und offenen Art so eine freie Woche er-

drastischen Maßnahmen gerechnet. Gerade weil

möglicht und damit auch zum Gelingen dieses Skikurses beige-

sich danach unser aller Leben so massiv verändert

tragen haben!

hat, scheint diese Woche rückblickend noch idyl-

SCHÖN WARS!

lischer, fröhlicher und freier gewesen zu sein, und ich freue mich sehr für unsere 7. Klasse, dass sie das so unbeschwert erleben konnten. Am Anreisetag erreichten wir etwas verspätet die Mitterbergalm (in Wien musste der Bus noch einmal ausgetauscht werden, da der erste viel zu klein war – welch Erstaunen, dass für eine Fahrt zu einer Selbstversorgerhütte mit 35 Leuten zum Skikurs doch einiges an Gepäck zusammenkommt – sogar Ski und Stöcke!) und erst gegen 16 Uhr unsere Hütte. Sofort wurde sie gestürmt, und ein „Hey Leute“ erschallte aus allen Zimmern und Winkeln. Schnell waren die Zimmer bezogen, und die erste Aufregung legte sich. Nach einem kleinen Spaziergang in die Umgebung genossen wir das erste Abendessen (ein herzliches Dankeschön für das herrliche Sugo!), und dann durfte die erste Abwaschgruppe ihren Dienst antreten. Die Skitage begannen mit einem herrlichen Frühstück, und schon um 9 Uhr waren alle draußen auf der Piste. Je nach Lust und Laune war eine mehr oder weniger große Gruppe im „großen“ Skigebiet (Hochkönig) unterwegs; die anderen blieben im Gebiet um unsere Hütte (Hochkeil, Arthurhaus) und genossen dort den herrlichen Schnee. Gegen vier oder halb fünf kehrten auch die letzten wieder in die Hütte zurück, und dann begann der gemütliche Abend: spielen,

Elisabeth Fleischmann ist Schülerinnenmutter in der 7., 9. und 12. Klasse und sorgte beim Schikurs für das leibliche Wohl der „Leute“.


>

STARTSEITE

UNTERSTUFE

BEST OF FRAU GIANNI von Magdalena Khol

,,Ping“! Jeden Morgen, wenn das E-Mail eintraf, machte sich ein erwartungsvolles Gefühl in mir breit. Jeden Tag wurden wir mit einem „Guten Morgen, liebste 7. Klasse“ begrüßt, das war ein Teil von der normalen Schulzeit, der einen Platz in unserem Homeschooling gefunden hatte. Es gab uns ein gutes Gefühl, und mit lauter netten Worten ging es auch weiter. Die E-Mails und Signal-Nachrichten in unserer Klassengruppe mit Frau Gianni machten stets gute Laune. Jeden Tag war eine Aufgabe zu bewältigen, mit oder ohne Familie, bevor es ans Lernen ging. Von Jonglieren über Stifttürme bis Rhythmusklatschen war alles dabei. Wir hatten Aufgaben in Deutsch, Mathematik und Kunst von Frau Gianni. Mathematik war stets ausführlich erklärt, und es gab immer Beispiele; in Kunst gab es täglich ein Thema, zu dem wir uns etwas einfallen lassen konnten – zeichnen, basteln oder kochen, alles war erlaubt. Auch die Kunst, mit Fluchtpunkten zu zeichnen, hat uns Frau Gianni über Woodle nähergebracht. Jedoch stand Frau Gianni auch rund um die Uhr in einer Signal-Gruppe zur Hilfe bereit und beantwortete Fragen zu allen möglichen Fächern und Themen. Das gab uns ein Gefühl von Sicherheit und Positivität. Wenn wir mal einen schlechten Tag hatten, hellten uns Frau Giannis nette Nachrichten immer auf, die zuletzt auch täglich einen Witz für uns angehängt hatten. Hier drei Witze als Beispiel: 1. „Frau Gianni, ich finde meine Mathematiksachen nicht mehr!“, ruft ein Kind, darauf Frau Gianni: „Wie lange vermisst du sie denn schon?“ Antwortet das Kind: „Sehe ich aus, als würde ich sie vermissen?“ 2. Auf einem Garderobenhaken steht: „für Frau Gianni“, darunter klebt ein Schild: „aber Mäntel kann man darauf auch aufhängen!“ 3. Frau Gianni hustet. Ihr Mann fragt: „Hast du dich verschluckt?“ „Nein, ich bin noch da!“

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE



SEITE

47

5. KLASSE 6. KLASSE 7. KLASSE 8. Klasse

Einmal haben wir sogar Bingo gespielt, und eines von Frau Giannis Projekten war, dass jedes Kind sich ein Wort aussuchen durfte und sie dann alle Wörter in ihre nächsten E-Mails eingebaut hat. Natürlich haben wir uns darauf bemüht, uns möglichst schwierige Wörter einfallen zu lassen. Aber für Frau Gianni war selbst das kein Problem, und wir haben unsere Wörter in den EMails wiedergefunden. Wir haben es uns auch nicht nehmen lassen, unserer Lehrerin einen Aprilscherz zu spielen. Wir haben so getan, als würde Woodle nicht funktionieren und wir die Aufgaben nicht machen können; heimlich haben wir sie natürlich trotzdem gemacht. Unser kleiner Scherz hat zu viel Gelächter geführt, wenn auch an 31 verschiedenen Orten, aber uns hat etwas verbunden. Abschließend kann ich nur schreiben, dass die HomeschoolingZeit dank unserer wunderbaren Frau Gianni super funktioniert hat und wir alle Aufgaben mit einem Lächeln im Gesicht gut erledigen konnten. An ihrem Geburtstag erhielt sie dann auch viele Briefe und andere Überraschungen von uns, über die sie

Liebe Eltern, meine liebste 7. Klasse!

sich riesig freute. Als Anhang hab’ ich noch ein Suchbild angehängt: Jenes ha-

Tausend und noch mehr Dank für diese Geburtstagsüberraschung!

ben wir zu Ostern von Frau Gianni bekommen. Na, wer findet

Ich habe mich so unglaublich über Eure Karten gefreut und bin im-

das Osterei?

mer noch tief berührt von diesen vielen lieben, schönen, einfach nur Magdalena Khol ist Schülerin der 7. Klasse.

wunderbaren Worten, Bildern und Ideen, die Ihr alle mir geschenkt habt!

PS: Ein herzliches Dankeschön

Das ist für mich eine wirkliche Geburtstagsüberraschung gewesen

wollen wir auch Welmoed

und gerade jetzt eine so unglaublich besondere noch dazu.

Kollewijn aussprechen: Trotz

In so einer Nachricht kann ich meinen Dank und meine Freude gar

„Homeschooling“ hat auch sie

nicht richtig zum Ausdruck bringen...

uns einen Beitrag aus ihrem

Trotzdem noch einmal: VIELEN, VIELEN, DANK, EIN RIESENGROßES

Unterrichtsfach geschickt und

DANKESCHÖN!!!

damit gezeigt, dass auch et-

Ich freue mich schon so sehr, Euch alle endlich wieder sehen zu kön-

was wie Eurythmie(unterricht)

nen :) Und ich freue mich auch sehr, liebe Eltern, mit meinen Lieben

durchaus online gelingen kann.

eine wunderbare Zeit im Gasthaus Stafler verbringen zu dürfen!!! Viele, viele liebe Grüße, Frau Gianni/Giannelos


>

STARTSEITE

UNTERSTUFE

Lichtblicke nach Wochen der Abschottung Nach dem Corona-Modus kann die 8. Klasse doch noch gemeinsam Abschied feiern – und Christiane Dostal danken! von Roman David-Freihsl

Beginn des Lockdowns. Alle daheim, draußen menschenleere

Trotzdem haben die Kinder zum größten Teil sehr gut mitgear-

Straßen, Schule nur noch via Internet – und keine Perspektive.

beitet – die Sachen seien gut zurückgekommen, berichtet Chris-

Eine Absage nach der anderen: Die Klassenreise nach Holland mit

tiane Dostal. Jetzt, wo sie wieder in die Schule kommen dürfen,

Segelturn – wird nichts. Klassenspiel – keine Chance. 8.-Klass-Re-

beobachtet die Lehrerin, wie liebevoll sie in der Klasse miteinan-

ferate – wie soll das gehen?

der umgehen, wie sie sich wahrnehmen, Anteil nehmen, wie es

Nein, so einen Abschluss hat sich diese Klassengemeinschaft

den anderen ergangen ist.

nicht verdient, hatten wir bereits verbittert festgestellt. Diese so

So hat diese triste Zeit im Nachhinein doch noch einen positiven

besondere Gruppe junger Menschen und Christiane Dostal, diese

Effekt: dass die Klassen- und Elterngemeinschaft nach den acht

wunderbare Klassenlehrerin, die mit so viel Kraft und stets liebe-

Jahren der Unter- und Mittelstufe das Beisammen-sein noch ein-

voller Hingabe acht Jahre lang begleitet, geführt, reflektiert und

mal ganz besonders schätzt und das Abschied-Nehmen zu einem

gefördert hat. Und jetzt das? Das soll’s schon gewesen sein?

sehr intensiven, viel bewussteren Erlebnis wird.

Dann, nach den Wochen der Abschottung, doch wieder Lichtbli-

Und ein riesengroßes Dankeschön an Christiane Dostal auch an

cke: Erst ist zumindest Gruppenunterricht möglich. „Das war am

dieser Stelle, dass sie die Kinder, aber auch die Elternschaft acht

Anfang für beide Gruppen schon sonderbar – aber es ist wichtig,

Jahre lang und vor allem auch noch in dieser völlig unerwarteten,

dass sie sich wiederhaben und gemeinsam arbeiten können“, be-

belastenden und bizarren Schlussphase so treu, empathisch und

richtet Christiane Dostal. „Sie sind freudig und fröhlich, wieder da

umsichtig begleitet hat!

sein zu dürfen.“ Dann zeigte sich in der ersten Juni-Woche, dass die Klasse die Abschluss-Referate doch noch gemeinsam hören kann. „Das war ihnen sehr wichtig“, betont Christane Dostal, „denn einige waren extrem unglücklich und hatten großen Kummer, dass sie einander vielleicht nicht mehr sehen werden.“ Vor allem aber: „Am letzten Tag werden alle gemeinsam die Zeugnisse entgegen und Abschied nehmen können. Auch das war ihnen ganz besonders wichtig.“ So ist es möglich, diese acht besonderen Jahre doch noch in der Gemeinschaft abrunden zu können. Und Christiane Dostal kämpft über ihre Tutorenschaft sogar noch über den eigentlichen Abschluss hinaus, fädelt ein und organisiert, dass das Klassenspiel „Momo“ im Herbst doch noch aufgeführt werden kann. Die strengste Corona-Zeit war zweifelsohne für alle eine Belastung und hat viele an ihre Grenzen und darüber hinaus geführt. Alleinerziehende, die gleichzeitig den Haushalt, Homeoffice und dann auch noch „home-schooling“ schupfen mussten. Jene, die einen Garten haben, wussten es besonders zu schätzen, dass sie nicht in einer Wohnung sitzen mussten, wo ihnen von Woche zu Woche die Decke ein wenig mehr „entgegen“ käme.

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

MITTELSTUFE



SEITE

49

5. KLASSE 6. KLASSE 7. KLASSE 8. Klasse

Corona Break

Unsere Corona-Zeit

Zu Beginn der Corona-Pause war ich mir teilweise schon recht unsicher, wie

Am Anfang war die Quarantäne schwer,

es mit uns weitergehen solle. Für mich war das Online-Lernen aber nicht

irgendwann wollten wir gar nicht mehr.

schwierig, und ich fand es toll, mir die Tage selbst einzuteilen und mir einen

Niemanden durften wir sehen,

Lernplan zu erarbeiten. Meine Eltern sind auch Lehrer und konnten mir so

nicht einmal nach draußen gehen!

gut helfen. Mein kleiner Bruder freute sich zunächst nicht so über das Lernen

Das hat uns sehr gestört –

mit den Eltern, aber zum Ende der Zeit war er dann richtig traurig über die

wir waren sehr empört!

Schul-Wieder-Öffnung! Meine Eltern erfanden unseren Garten neu, und mein Vater arbeitete viel für sein Reisebüro. Während der Quarantäne kam mein großer Bruder zu uns, was ich sehr schön fand. Wir genossen die Zeit sehr, doch natürlich gab es auch hin und wieder Streitereien. Da wir sehr nahe am Wald leben, machten wir täglich kleine Spaziergänge. Jeder von uns musste einmal pro Woche kochen, manchmal auch zweimal.

Zwischendurch war es auch ganz nett, da lagen wir einfach nur im Bett, haben Serien und andere Filme geschaut, manchmal auch unsere Geschwister gehaut. Wir haben auch sehr viel gegessen und öfter unsere Aufgaben vergessen.

Wir haben eigentlich nie so richtig über die Situation geredet. Natürlich fan-

Trotzdem haben wir viele Übungen gemacht,

den wir alle die Regelungen etwas übertrieben, doch ich fand sie eher span-

dabei sehr viel nachgedacht

nend. Und die Schul-Wieder-Öffnung, die fand meine Mutter gar nicht prak-

und auch zwischendurch gelacht.

tisch – 14 Tage später würde sie ja für die Ferien sowieso wieder geschlossen!

Wir haben gebacken und gekocht –

Insgesamt genossen wir die Zeit als einmaliges Familienerlebnis, und ich fin-

das haben unsere Familien sehr gemocht!

de, es hätte ruhig noch ein paar Wochen so weitergehen können. Ich hat-

Mit den Eltern haben wir zeitweise auch gestritten,

te Zeit, Dinge zu tun, für die ich vorher keine Zeit hatte. Ich denke, nur die Normalität war das Problem, denn sonst wäre das alles nie passiert! Also müssen wir unseren normalen Alltag ändern, um uns und unseren Planeten zu schützen! Emma Bohun ist Schülerin der 8. Klasse.

wodurch wir alle manchmal litten. Unsere Freunde sahen wir nur über Skype, das war wirklich der volle Hype. Und dann endlich durften wir alle wiedersehen, freudig zu ihnen hinübergehen, und sie fest in die Arme schließen, um die Tage mit ihnen aufs Neue zu genießen! Mia Langthaler und Larissa Giannelos sind Schülerinnen der 8. Klasse.


UNTERSTUFE

>

STARTSEITE

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE

woooom

SEITE

51


UNTERSTUFE

Kunstgeschichte-Galerie Von der Höhlenmalerei bis zur römischen Antike

Bilder von: Alida Hartmann Emilio Schallmayer Rafael Weingartner Theo Berke

>

STARTSEITE

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE

9. KLASSE 10. KLASSE 11. KLASSE 12. Klasse



SEITE

53


UNTERSTUFE

Eindrücke aus der 10. Klasse ausgewählt von Micha Schuster-Szabo

Poetry and Performances von Anna Vogt In der ersten Stunde unserer Metrik- und Poetikepoche bekamen

Woodle hat es auf mich abgesehen oder Wahnsinnig wichtig… Woodle works von Carolyn Caemmerer

wir unsere von Frau Kaufmann und Frau Schuster gekürzten Tex-

In der ersten Coronaferien-Woche war ich sehr motiviert, alle

te und waren in den ersten Tagen vorwiegend damit beschäftigt,

Aufgaben zu erledigen, und obwohl ich das noch immer bin, gäbe

diese auf unpassende Zusammenhänge zu prüfen. Fast gleichzei-

es schon Momente zu nennen, als ich daran gezweifelt habe. Erst

tig stellte uns Frau Schuster in einer Fachstunde Emanuel Fellmer

setzte ich mich mit der Lernplattform Woodle auseinander und als

vor, der mit uns im weiteren Verlauf übte, wie wir unsere selbst-

ich dachte, ich würde mich bei dieser Webseite auskennen, nutzte

geschriebenen Texte gut performen und das, was wir mit unserem

Woodle meine Naivität sofort aus!

Text erzählen/sagen wollen, zum Ausdruck bringen könnten.

Mittlerweile war unsere Deutsch-Epoche vorüber, und ich woll-

Nach und nach nahmen wir dann die Besetzungen vor und began-

te sicherheitshalber nachschauen, ob es noch Deutschaufgaben

nen zu proben. Alles kam ab diesem Zeitpunkt erst so richtig ins

zu erledigen gäbe. Ich bemerkte eine Leiste auf der rechten Seite,

Rollen. Die meisten lernten ihre Texte, einige Jungs begannen die

wo drei verschiedene Abgabetermine standen, doch was ich nicht

Kulisse zu gestalten, die Requisiten wurden gesucht, und ein paar

merkte, war, dass diese Links nicht nur Aufgaben für meine Klasse

Schülerinnen nahmen sich der Aufgabe an, die Kostüme zu ver-

waren: Englisch und Russisch schon, aber Deutsch nicht.

walten und auszusuchen. Alle waren dabei, ihren Anteil an dem

Das fiel mir natürlich erst auf, nachdem ich alles erledigt hatte. Ich

Stück zu übernehmen. Nach nicht allzu langer Zeit waren auch die

wollte allerdings die restlichen Hausübungen noch machen, also

Gedichte, die von uns Schülern und Schülerinnen geschrieben wor-

ging ich nochmal auf Woodle, doch die Webseite hatte schon auf

den waren, alle in den Gesamtzusammenhang gebracht.

mich gewartet, sie wollte mich – oups – vera****en!

Es hatte jeder immer etwas zu tun, jeder half überall mit, wo es

Anschließend begann ich mehrere Deutsch-Übungsblätter auszu-

ging. Nach und nach formte sich alles zu einem Ganzen, und nach

füllen, die im Endeffekt genauso nicht für die 10. Klasse bestimmt

und nach bildeten sich auch die Übergänge von Besetzung zu

waren. Ich wunderte mich, weswegen wir erneut alte Übungsblätter

Besetzung. Alle waren motiviert und bei der Arbeit, doch dann

aufbekamen und wieso die Sachen nichts mit unserem Unterrichts-

kamen schon die ersten Gerüchte auf, dass die Schulen geschlos-

stoff zu tun hatten, doch ich dachte nicht weiter darüber nach.

sen werden sollten. Zuerst hieß es, dass nur Veranstaltungen ab

Ich übernehme natürlich nicht die Verantwortung dafür, da Woodle

hundert Personen nicht stattfinden dürften, und wir hatten dafür

es auf mich abgesehen hat! Jetzt kenne ich jedoch Woodles Tricks

bereits mehr oder weniger eine Lösung.

und kann ihnen gekonnt ausweichen.

Als schließlich wirklich bekannt gegeben wurde, dass die Schulen

Nachts höre ich aber noch immer Woodles zynisches Geläch-

geschlossen würden, überraschte uns das alle doch ein wenig. Nach

ter, und ich plane einen Cyberangriff, wenn die Coronaferien nicht

dieser Information merkte man bei allen, dass die Motivation ge-

bald ein Ende nehmen. Woodle kann mich mal, was soll ich mit

sunken war. Es machte sich eine gewisse Enttäuschung bei allen

dem verschwendetem Papier machen? Wenigstens konnte ich die

breit, dass eine Woche vor der Aufführung die Schulen behördlich

meisten Hausübungen trotz Woodles offensichtlichem Mangel an

geschlossen wurden und somit unsere Aufführung nicht stattfinden

Teamarbeit erledigen.

konnte. An unserem letzten Schultag spielten wir dann unser ganzes Stück zum ersten Mal durch und besprachen, dass wir weiterma-

Corona statt Schule von Xaver Fürth

chen würden, sobald ein Schulbetrieb wieder zugelassen wäre. Der-

[...] Natürlich vermisse ich auch meine Freunde und finde es auch

zeit sitzen jetzt alle von uns brav zuhause und üben brav ihre Texte

sehr schade, dass ich sie nicht treffen kann. Zuerst meinte ich, froh

und hoffen, dass wir die Proben bald wieder aufnehmen können und

zu sein, dass die Schule ausfällt. Doch jetzt vermisse ich sie schon

unser Stück trotz dieser unliebsamen Unterbrechung gut wird.

sehr und möchte eigentlich, dass wieder Alltag wie früher einkehrt,

>

STARTSEITE

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE



SEITE

55

9. KLASSE 10. KLASSE 11. KLASSE 12. Klasse

damit ich meine Freunde wieder regelmäßig treffe. Ich finde aber,

Die erzwungene Isolation von Valerie Födinger

dass die Lehrer und Lehrerinnen eine sehr gute Arbeit machen und

Hätte man uns SchülerInnen vor einem Jahr gesagt, dass ein ge-

sich so viel Zeit nehmen für uns und unseren Unterricht, damit wir

fährliches Virus uns zur Isolation zwingen würde, ich glaube, nie-

etwas lernen. Letzte Woche war ich noch sehr emotional bei der

mand hätte es ernst genommen. Auch jetzt, wo wir schon über

Sache. Mir ist es sehr schwer gefallen, nicht mit anderen Freunden

zwei Wochen in Quarantäne verbringen, fühlt es sich unwirklich an.

oder Familienmitgliedern in Kontakt zu kommen. Doch Gott sei

Ich frage mich, ob man sich irgendwann daran gewöhnen könnte,

Dank ist die Technik so fortgeschritten, dass es ein paar Apps gibt,

in Isolation zu leben.

mit denen man FaceTime nutzen kann. Eins ist mir nur aufgefallen,

Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir zum ersten Mal von dem

dass wesentlich mehr Menschen sportlich unterwegs sind. Manch-

Coronavirus gehört haben. Keiner hat es wirklich ernst genom-

mal bin ich auch sehr traurig..., da wir in der Familie mehrere Prob-

men, ganz im Gegenteil: Wir haben Witze darüber gemacht und

leme zu dem Vorfall haben und uns damit sehr schwer tun. […]

uns über diejenigen lustig gemacht, die Hamstereinkäufe machten. Doch es dauerte gar nicht zu lange, da erfuhr ich, dass meine

Corona von Mia Scholz

Mama auch welche gemacht hatte. Auf einmal ging es von null auf

[...] Meine Familie kommt auch mit der neuen Situation zurecht,

hundert: alle Schulen geschlossen, Quarantäne, Ausgangsperre,

und das Familienleben tritt stärker zu Tage. Nur mein Bruder leidet

Isolation. Das Einzige, worüber ich in diesem Moment nachgedacht

sehr darunter, dass er seine Freunde nicht treffen darf. Meine Fa-

habe, war, dass wir nun unser hart erprobtes Stück nicht aufführen

milie und ich, wir genießen die gemeinsamen Aktivitäten sehr: mal

konnten.

ein Tischtennismatch oder ein Gesellschaftsspiel.

Ich habe mich von meinen meisten FreundInnen nur flüchtig ver-

Für die Schule gibt es halt doch etwas zu tun, deswegen ist es nicht

abschiedet, wie man es über ein Wochenende tut. Jetzt bereue

wirklich wie Ferien. Aber trotzdem ist die Zeit entspannter, man kann

ich das, da ich, so wie es jetzt aussieht, sie für Monate nicht sehen

länger schlafen und ist somit fit und zufrieden. Auch längere Fahr-

werde.

wege zur Schule fallen weg. Außerdem kann man sich die Zeit für

Ich glaube, ich verdränge auch durchgehend den Grund, warum ich

die Schulaufgaben selber einteilen, was aber nicht jedem so leicht

den ganzen Tag zuhause verbringe. In solchen Zeiten bin ich froh,

fällt. Somit lernt man das auch und das führt zur Selbstständigkeit.

dass ich jetzt meine Schwestern habe, die eigentlich wie Freun-

Trotzdem ist es schwer ohne Kontakt zu Freunden, Verwandten oder

dinnen für mich sind. Ich habe das Gefühl, dass solche Situationen

Mitschülern. Auch wenn man nicht mit allen befreundet ist, ist es ein

Familien mehr zusammenbringen.

vertrautes Gefühl, mit ihnen die Schulzeit zu verbringen.

Anfangs habe ich diese Ausgangssperre noch als eine Art von Fe-

Es stimmt zwar, dass der Corona-Virus auch sein Gutes hat, wie

rien gesehen, da ich ein Mensch bin, der immer sehr viel zu tun hat

zum Beispiel geringere Luftverschmutzung. Man wird sich einfach

und sich deswegen immer auf ein bisschen ruhige Zeit zuhause

mancher Dinge bewusst, die man vorher nicht in Augenschein ge-

freut. Aber durch den Berg Hausaufgaben, den wir sofort beka-

nommen hat.

men, wurde daraus eher nichts. Trotzdem bin ich froh, dass wir et-

Ich hoffe, dass viele Menschen aus diesen ungewöhnlichen Situati-

was zu tun haben und fürchte mich deshalb vor den Osterferien.

onen, mit denen sie jetzt umzugehen lernen müssen, neue, wich-

Irgendwie kann ich nicht fassen, dass wir jetzt gerade erleben, was

tige und tolle Erfahrungen sammeln können und sich nach dieser

später wahrscheinlich im Geschichtsunterricht vorgetragen wird.

schwierigen, ereignisreichen Phase noch immer Zeit für wirklich

Doch wie heißt es so schön: „Die Zeit heilt alle Wunden“.

wichtige Sachen nehmen. Das Leben ist ein Geschenk, und wir sollten es mit offenen Armen entgegennehmen.


UNTERSTUFE

Schüleraustausch dieserzeit Samuel Wetter (10. Klasse) berichtet aus Neuseeland

Meine Ankunft war recht angenehm. Ich kam an einem Sams-

späteren Starts am Morgen und der längeren Pausen. Allerdings

tagmorgen an, während meine innere Uhr noch zwölf Stunden

ist die Schule recht abgelegen, was bedeutet, dass wir jeden Tag

hinterher war. Auf dem Weg vom Flughafen wurde mir gesagt,

zwanzig Minuten zur Schule fahren. Die Schule ist relativ klein.

dass das Wetter binnen fünf Minuten komplett umschlagen kann

Zwar sind die unteren Klassen gut gefüllt, aber die Oberstufe

und es Tage gibt, wo es sechsundreißig Stunden am Stück regnet.

ist spärlich besetzt: Die neunte Klasse hat fünfzehn Schüler, die

Als ob das Wetter mir beweisen wollte, dass man damit falsch lag,

zehnte ist die größte mit zwanzig Schülern, die elfte Klasse gibt

regnete es für die ersten drei Wochen überhaupt nicht. Zusam-

es gar nicht, und die Zwölftklässler sind zu siebt.

men mit den 30 vorhergegangenen regenlosen Tagen war das die

Als Neuseeland die Schulen schloss, dachte ich, wir wären gut im

längste Zeit ohne Regen seit Anfang der Aufzeichnungen.

Schnitt mit dem Timing. Ich las später, dass es ungewöhnlich war,

Die Familie ist wundervoll trotz der beiden frechen Söhne (7 und

das Land zu schließen, bevor überhaupt jemand an COVID-19 ge-

10 Jahre alt). Wir hatten eigentlich geplant, uns Neuseeland in

storben war. Der „Lockdown“ dauerte sieben Wochen. Am Ende

den Osterferien anzuschauen, aber „entschieden“ uns, zu Hause

gab es von den 1400 Fällen nur noch 60, und die täglichen neuen

zu bleiben.

Fälle gab es kaum noch.

In Neuseeland ist die Schule sehr viel angenehmer, nicht nur we-

Jetzt beim Verfassen dieses Textes (16. Mai) habe ich nur noch

gen des Fehlens von Fremdsprachen, sondern auch wegen des

heute und morgen frei, bevor ich zurück in die Schule muss.

>

STARTSEITE

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE



SEITE

9. KLASSE 10. KLASSE 11. KLASSE 12. Klasse

Eine neue Welt Die Menschenmassen, sie treiben dahin. Ein Husten - alle sind fort. Plötzlich ein Gesetz, eng fühlt sich noch enger an: Die Armen zuhaus. Keine Schule mehr, neue Situationen, zuhause lernen. Delfine springen. Venedig liegt so still da. Ruh’- allseits leise. Bäume die blühen, die Bienen summen herum, Natur atmet auf. Seht dort am Himmel: Vögel statt Flugmaschinen. Gedanken fliegen. Sehnsucht nach Menschen, allein oder nicht allein, gemeinsam einsam. Eine Haiku-Reihe von Paul Berke

57


UNTERSTUFE

Fluch und Segen des Online-Unterrichts von Angelika Kellner

Als alleinerziehende Mutter von vier schulpflichtigen Kindern und

Schülerinnensicht

als Pädagogin habe ich die Auswirkungen des „Shut down“ seit Tag Eins in voller Wucht miterlebt. Heute kann ich gut reflektiert über

Zwei Monate sind jetzt schon vergangen, seitdem ich zuletzt

die Chancen und Herausforderungen dieser neuen Unterrichtsart

in der Schule gesessen bin. Zwei Monate sitzen wir jetzt schon

berichten.

zu Hause und haben online Unterricht. Die Zeit ist viel schnel-

Beruflich gesehen war das Fordernde, eine Homepage zu erstellen

ler vergangen, als ich es mir gedacht habe, und ich komme in-

und sich zu überlegen, welche Inhalte überhaupt Sinn machen, den

zwischen schon viel besser mit allem zurecht.

Schülerinnen und Schülern über dieses Medium näher zu brin-

Die ersten paar Wochen waren am schwierigsten. In der Zeit

gen. Wie erreiche ich meine Schüler? Wie schaffe ich Stabilität und

konnte man ja wirklich niemanden sehen, und es war alles

Zuversicht als Tutorin in dieser Zeit? Wieviel Kommunikation ist

noch sehr unsicher und unklar.

notwendig, um auch Eltern Sicherheit und Motivation zukommen

Wir, die elfte Klasse, hatten in den ersten drei Wochen Parzi-

zu lassen?

val-Epoche mit Frau Kaufmann. Sie hat uns jeden Tag ein Vi-

Als Mutter musste ich erkennen, dass Homeoffice und Kinderbe-

deo geschickt, in dem sie uns zu dem Buch erzählt hat. Zu dem

treuung einen fast nicht machbaren Spagat darstellen. Dennoch ist

Inhalt haben wir dann Aufgaben bekommen, die bis zu dem

alles machbar, mit der Zeit spielt sich alles ein. Struktur und positi-

nächsten Tag zu erfüllen waren.

ve Gedanken, Humor und Geduld helfen.

Mir persönlich hat die Epoche sehr gut gefallen. Es tat gut, je-

Selbst eine ganze Hauptunterrichtsepoche – die vorgezogene

den Tag mal in eine ganz andere Welt zu tauchen, und es hat

Wirtschaftsgeografie in der 11. Klasse – mit Videokonferenzen zu

mir geholfen, die Quarantäne für eine Zeit zu vergessen.

unterrichten, ist machbar, sicherlich für SchülerInnen und Leh-

Wir sind inzwischen schon am Ende der Wirtschaftsgeogra-

rende eine ganz neue Erfahrung. Anfangs mussten sich auch die

phie-Epoche mit Frau Kellner. Die Hälfte der Klasse hatte jeden

SchülerInnen an das neue Arbeitssystem gewöhnen; bis Ostern

Tag eine Videokonferenz, in der wir Neues über die Wirtschaft

lief alles sehr gut. Danach merkte ich, dass einige mehr Unterstüt-

gelernt haben, und der Unterricht hat immer sehr gut ge-

zung benötigten und vor allem Motivation. Jetzt ist es an der Zeit,

klappt. Ich habe in dieser Epoche sehr viel Interessantes aus

sich wieder in der Schule persönlich zu begegnen: Die SchülerIn-

ganz neuen Welten gelernt, mit denen ich mich davor noch nie

nen sind müde, und es fehlt ihnen die Motivation ob der fehlenden

beschäftigt hatte.

sozialen Kontakte. Gut, dass die Schultüren wieder – wenn auch

Das online teaching und die Quarantäne nähern sich ja nun

anders – offen sind.

dem Ende. Wenn ich jetzt so darauf zurückschaue, kann ich

Die Chancen dieser Zeit? Schülerinnen und Schüler können sehr

definitiv sagen, dass ich aus der ganzen Situation etwas lernen

wohl auch digital gut unterrichtet werden, werden selbständiger

konnte, und ich habe auch schöne Erinnerungen an diese Zeit.

und lernen, sich Informationen abzuholen. Die Herausforderung für

Mir hat glaube ich am meisten geholfen, die Lage einfach so

Eltern? Alles unter einen Hut zu bringen und die Nacht nicht zum

anzunehmen, wie sie ist und zu akzeptieren, dass ich nichts

Tag werden zu lassen. Aber ist es nicht ohnedies die Aufgabe, sich

daran ändern kann. Ich habe mir gesagt, dass ich das Beste

selbst treu zu bleiben und das vorzuleben, was man von anderen

aus der Situation machen werde und dass es eine gute Chan-

erwartet? Soziale Kontakte fehlen uns allen. Vieles wird nicht mehr

ce für mich ist, Flexibilität zu üben. Man weiß im Leben ja

als selbstverständlich vorausgesetzt, Wertschätzung und Dank-

schließlich nie, was auf einen zukommt.

barkeit dürfen wieder einen höheren Stellenwert einnehmen. Das

Ich habe erkannt, dass ich außerdem nicht zu streng zu mir

Glas ist immer halb voll – mit dieser Einstellung schaffen wir so

sein muss. Anfangs bin ich noch jeden Tag um 7 Uhr aufge-

viel… behalten wir uns das doch bei!

standen, aber ich habe gemerkt, dass das nichts bringt. Inzwi-

>

STARTSEITE

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE



SEITE

59

9. KLASSE 10. KLASSE 11. KLASSE 12. Klasse

schen genieße ich es sehr, einen gemütlichen Start in den Tag zu haben. Außerdem hatte ich Zeit für Tätigkeiten, für die ich sonst keine Zeit habe; dazu gehörte auch, einfach mal auf dem Sofa zu liegen und nichts zu tun. Ich habe probiert, mich dem zu widmen, was man gut machen konnte, anstatt darüber zu jammern, was man alles verpasst (das ist mir definitiv nicht immer gelungen). Der Gedanke, dass wir alle in derselben Situation stecken, war auch sehr tröstend für mich. Diese Zeit hatte auf jeden Fall ihre Höhen und Tiefen für mich,

Es wurden auch einige interessante Themen mit Bezug zur Ge-

aber ich konnte auch viel daraus lernen.

genwart besprochen, wie zum Beispiel die Weltfinanzkrise 2008

Magdalena Fischer, 11. Klasse

und wie es dazu kam. Ich bin der Meinung, dass die Epoche sehr gut über die Online-Videocalls funktioniert hat. Es gab zwar zwischendurch immer wieder kleinere Problemchen wie etwa, dass bei einzelnen ab und zu die Verbindung oder das Internet nicht

Wirtschaftsgeographie-Epoche

mitspielten, allerdings konnten diese meistens schnell behoben werden.

Die schon während des Englischunterrichts von Frau Kellner an-

Diese Art des Unterrichts ist für uns alle neu und eine Herausfor-

gekündigte Wirtschaftsgeographie-Epoche startete gleich an ei-

derung. Ich bin der Meinung, dass es in manchen Fächern sicher

nem Montag mit einem Zoom Videocall. Die Klasse wurde in zwei

eine gute Lösung ist: Wirtschaftsgeographie ist dafür ein gutes

Gruppen geteilt, um die Zoom-Kapazitäten nicht zu überlasten.

Beispiel. Allerdings gibt es auch Fächer wie Mathe, wo diese Art

Der Unterricht fand unter der Woche täglich um 10 und um 11

des Unterrichts nicht funktioniert. Hier sieht man ganz klar die

Uhr jeweils eine Stunde statt: eine Gruppe um 10, die andere um

Nachteile gegenüber dem Frontalunterricht in der Schule. Erklä-

11. In diesen Unterrichtseinheiten wurden uns dann verschiedene

rungen und das Verständnis sind online manchmal schwer mög-

wirtschaftliche Themen nahegebracht. Von der Begriffserklärung

lich oder gar nicht aufbringbar.

von Wirtschaft und der Definition über die verschiedenen Wirt-

Unsere Privatleben sind durch diese Ausnahmesituation sicher-

schaftssektoren bis hin zur Börse und dem Aktienhandel/-markt

lich sehr eingeschränkt und oft auch schwierig. Das Umgewöhnen

war alles, was das wirtschaftliche Herz begehrt, dabei.

an diese Situation war sicherlich nicht einfach, aber möglich. Ich

Es wurde von Frau Kellner ein Thema angeschnitten beziehungs-

bin sicher, wir freuen uns alle schon wieder sehr auf ein Stückchen

weise vorgestellt – dies geschah manchmal mit einer eigenen De-

mehr Normalität. Diese rückt auch – langsam aber doch – näher

finition oder einem kurzen Diktat. Dann resultierte daraus meis-

und näher. Jetzt heißt es für uns alle weiterhin durchhalten.

tens eine freie Diskussion oder ein Gespräch, bei dem noch ein-

Ich finde, dass die Kommunikation in diesem Moment eines der

mal mehr ins Detail gegangen wurde. Zum Abschluss der Stunden

wichtigsten Dinge ist. Ich bin froh, dass wir mit unserer Tutorin

gab es dann meistens die Aufgabe, bis zum nächsten Tag zu eini-

Frau Kellner in einem guten Kommunikationsverhältnis stehen

gen Begriffen zu recherchieren. Diese wurden dann in der nächs-

und blicke mit Zuversicht nach vorne.

ten Stunde noch einmal besprochen.

Andreas Koch, 11. Klasse


UNTERSTUFE

>

STARTSEITE

>

W OODLE

MoMentaufnahme aus der 12. Kl Ursula Kaufmann, Tutorin der 12. Klasse und Emilia Wess, Schülerin der 12. Klasse haben uns einen Einblick in einen Mailwechsel zu Verfügung gestellt. Ein Zeitzeugnis, zu dem die Redaktion den Gebrauch von Taschentüchern empfiehlt! Die drei Punkte zeigen Auslassungen an, die praktische Punkte enthielten, wie es mit dem Unterricht, den nicht stattfindenden Höhepunkten und den Jahresarbeiten während der “Coronazeit” weitergehen sollte. Meine Lieben! Das ist ungewöhnlich bei mir, aber es ist so – es fällt mir enorm schwer, Euch so zu schreiben… …Ihr fehlt mir unsäglich, und obwohl ich Euch immer ein Vorbild in

Liebe Frau Kaufmann, das Ende der zwölften Klasse ist für mich so viel mehr als ein gewöhnlicher Schulabschluss, als eine Maturaprüfung. Ich habe mich mindestens seit Anfang dieses Schuljahres auf diese letzten beiden Schulmonate gefreut. All das, was wir eigentlich jetzt vorgehabt hätten, ist wie die Krönung all dessen, was man in zwölf Jahren Waldorfschule aufbaut. Die großen Referate, die zwar viel Stress und Nervosität bedeuten und vielen wahrscheinlich Angst und Albträume bescheren, gehören für mich doch fix dazu. Das 12.-Klass-Spiel ist das finale Theaterereignis in der Laufbahn einer Klasse, das, wozu ich jahrelang aufgeschaut habe, woran ich oft gedacht habe, auch wenn ich für frühere Klassenspiele auf der Bühne stand. Und die

positiver Einstellung und ein Halt sein will, bin ich selber so ent-

Reise sollte unsere Möglichkeit sein, mit einem großartigen, letzten

täuscht, dass ich Euch nicht so begleiten kann, wie ich mir das so

gemeinsamen Abenteuer Abschied von einander und diesem Ab-

unbedingt gewünscht habe. Ich sage mir, dass ich ja sowieso leich-

schnitt unseres Lebens zu nehmen.

ten Herzens losgelassen hätte am Ende des Jahres, weil ich weiß,

Aber ich trauere nicht einmal nur um diese großen Projekte und Er-

dass Ihr als wunderbare, starke und hoffnungstragende Menschen

lebnisse. Ich vermisse jede normale Unterrichtsstunde, die ich jetzt

in die Welt geht. Davor aber wollte ich mit Euch noch all das erle-

nicht mit diesem verrückten Haufen von einer Klasse verbringen

ben, worauf wir uns alle gefreut, hingearbeitet haben.

kann. Zeit, die wir so nie wieder gemeinsam haben werden. All die

Und fiele mir nicht diese furchtbare Isolation so schwer, weil ich

letzten Male, die uns noch bevorgestanden hätten.

mich in Kontakt mit anderen Menschen erst ganz fühle, dann ge-

Das ganze Jahr war mir bewusst, dass das unser letztes Jahr ist, und

länge mir das viel besser, Euch von zu Hause aus zu begleiten, auf-

manchmal war ich traurig darüber, manchmal auch einigermaßen

zufangen, wo nötig, gute Ideen zu entwickeln. Aber: Jammern hat

froh und erleichtert, dass das alles zu Ende geht. Aber ich war jeden-

noch nie genützt, also los! …

falls noch nicht bereit. Ich wusste, es geht zu Ende, aber ich wusste

Seid also von Herzen gegrüßt, ich freu mich, Euch alle am Freitag

immer, wie viele Monate mir noch bleiben, welche Dinge mir noch

zu sehen, wie immer, Eure UK

bevorstehen. Und jetzt, plötzlich, steht all das auf der Kippe. Von


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE



SEITE

61

9. KLASSE 10. KLASSE 11. KLASSE

lasse

12. Klasse

einem Tag auf den anderen wird manches ganz abgesagt und über

Ich kann eigentlich auf niemanden persönlich sauer sein. Ich kann

allem anderen hängt eine quälende Ungewissheit. Wir hatten nicht

nur ein für mich unsichtbares Virus verfluchen und mich verzweifelt

die Chance, uns von allem zu verabschieden und uns wirklich ab-

und selbstbezogen fragen, warum das alles ausgerechnet jetzt pas-

schließend mit dem Gedanken anzufreunden, dass sich ab nächstem

sieren muss, warum ausgerechnet, wenn ich vor dem Ende meiner

Jahr alles für uns ändert und wir von nun an nicht mehr jeden Tag in

zwölften Klasse stehe.

diese Schule gehen werden, in der wir so viel Zeit verbracht und so

Ich weiß auch, dass wir das beste daraus machen werden. Ich weiß,

viele Dinge erlebt haben.

dass vieles noch nicht endgültig beschlossen ist und noch die Hoff-

Ich weiß von meinen Geschwistern, wie schön, lustig und aufregend

nung besteht, dass wir uns ganz normal zum Unterricht wiederse-

diese letzten Wochen der zwölften Klasse sein sollten. Meine Mut-

hen. Und selbst wenn nicht, das hier bedeutet nicht das Ende der

ter hat mir schon vor Jahren, wenn ich in schwierigen Zeiten an der

Welt, auch nicht unserer eigenen kleinen Welt. Ich weiß, dass ich

Schule und unserer Klasse gezweifelt habe, immer gesagt, dass es

irgendwann in der Lage sein werde, auf diese Zeit zurückzublicken

nur besser werden wird und die zwölfte Klasse die allerbeste ist, dass

und nicht nur traurig zu sein und nur Verluste zu sehen. Wir wer-

sich dafür alles vorher lohnt. Ich habe mitbekommen, wie das letz-

den unsere eigene Version einer zwölften Klasse hieraus machen.

te Semester in unserer Schule zwar auch anstrengend und stressig

Aber im Moment fühle ich eben hauptsächlich diese Traurigkeit

sein kann, aber dass es einen würdigen Abschluss darstellt und einen

und Wut...

irgendwie darauf vorbereitet, hinaus in die Welt zu gehen. Im Großen

Ich weiß, dass das alles sehr dramatisch klingt und vielleicht über-

und Ganzen sollte es eine glückliche Zeit sein. Aber für mich (wahr-

trieben ist im Vergleich zu all dem Leid und den größeren, fatale-

scheinlich für uns alle) fühlt es sich gerade nicht wirklich so an.

ren Katastrophen, die dieses Virus für viele Menschen bringt. Aber

All das scheint uns innerhalb weniger Wochen weggenommen zu

so fühlt es sich gerade für mich an, und irgendwo muss ich das jetzt

werden. Von heute auf morgen heißt es, dass wir vielleicht nie wieder

loswerden. Also danke, dass Sie das hier lesen, auch wenn es viel-

als Schülerinnen und Schüler Unterricht in diesem Schulhaus haben

leicht nicht die Meldung ist, die Sie von uns hören wollen…

werden. Ich habe das Gefühl (auch wenn das übertrieben und falsch

Also ich schätze mal, jetzt heißt es Kopf hoch und auf die Zeit da-

sein mag), nicht auf eine vollwertige Schulzeit zurückblicken zu kön-

nach freuen und hinarbeiten. Auch wenn es schwer ist...

nen, wenn es das jetzt für uns war. Ich fühle mich wie ein Musikstück,

Danke für alles und ich freu mich darauf, wenn wir uns

dass vor dem letzten, auflösenden Akkord abgewürgt wird. Ich fühle

wiedersehen!

mich so bestohlen. Ich glaube, wir alle fühlen uns gerade so. Ich weiß, niemand kann etwas dafür, das macht es ja umso härter.

Ganz liebe Grüße, Mimi


METATRON APOTHEKE Homöopathie, Spagyrik, Blüten u.a. Wir wünschen Ihnen einen schönen und erholsamen Sommer.

Nach einem Schulsemester, welches Lehrer/innen und Schüler/innen in besonderer Weise gefordert hat, stehen die Ferien endlich vor der Tür. Welch Glück, dass auch die Anticoronavirusmaßnahmen soweit gelockert werden konnten, dass wir – wenn auch eingeschränkt – unsere Reisetätigkeit wieder aufnehmen können. Gerne beraten wir Sie in der Apotheke in Bezug auf Ihre Reiseapotheke, damit Sie für Ihren Urlaub bestens gerüstet sind. Hier noch ein paar „Helferchen“, die in Ihrem Koffer nicht fehlen sollten:

im Dienste der Ganzheitsmedizin Rhinodoron Nasentropfen zum Befeuchten der Nasenschleimhäute im Flugzeug oder in klimatisierten Räumen

Combudoron Gel juckreizstillend und heilungsfördernd nach Insektenstichen oder bei Sonnenbrand

Metatron Insektenschutz mit ätherischen Ölen - damit Sie die Abende im Freien ungestört genießen können

Euphrasia Augentropfen bei Entzündungen und Reizungen der Augen verursacht durch Wind, Wasser oder Sonne

Homöopathische Reiseapotheke um die wichtigsten Homöopathika auch im Urlaub schnell parat zu haben

Besuchen Sie auch unseren Webshop www.metatron-apo.at und nutzen Sie unseren Versandservice.

Öffnungszeiten: Mo-Fr 8: 00 -18: 00 und Sa 8: 00 -12: 00

METATRON APOTHEKE Te l : + 4 3 ( 0 ) 1 8 0 2 0 2 8 0 of fice@metatron-apo.at

A-1120 Wien, Oswaldgasse 65 Fax: +43 (0)1 802 02 80 80 www.metatron-apo.at


UNTERSTUFE

>

STARTSEITE

>

W OODLE

ein Mailinterview mit Karin Peterseil Liebe Karin, kannst Du unseren LeserInnen beschreiben, wie Du dazu

Wenn es dazu kommen sollte, dass es noch einmal notwendig

gekommen bist, Teil des Konfliktbearbeitungskreises an unserer

wird, eine Zeit lang Schule nur über die Distanz leben zu kön-

Schule zu werden und Dich kurz vorstellen?

nen, hast Du Tipps an die Eltern, wie es gelingen kann, dass die

Mit dem ehemaligen KBK war ich bereits im Austausch, als er noch

Kinder und vor allem die Jugendlichen nicht „in ein Loch fallen“?

aktiv war. Als sich dieser verabschiedete, wurde ich gefragt, ob ich

Nicht nur noch vor dem Computer hocken – egal, ob Lernen

Interesse hätte, beim neuen Team dabei zu sein. Da der Aufgabenbe-

oder Freizeit angesagt ist? Wie man frühzeitig Signale erkennen

reich des Konfliktbearbeitungskreises einen Teil meines beruflichen

kann, die sich zu Depressionen auswachsen könnten?

Repertoires umfasst, war es naheliegend, mich auf diese Weise in die

Nach beinahe dreimonatiger Erprobtheit in Homeoffice und

Schule einzubringen. Ich arbeite seit vielen Jahren mit und am Men-

Homeschooling ist es sinnvoll, unsere eigene Haltung zur ge-

schen und seit 2012 in eigener Praxis.

genwärtigen Zeit zu reflektieren, denn diese hat unmittelbar

Zum Teil noch während meines Jusstudiums absolvierte ich aufgrund

Einfluss auf unser System Familie. Resilienz zu entwickeln für

meines Interesses für Komplementärmedizin diverse Ausbildun-

etwaige Krisenfälle kann nur von Nutzen sein. Für viele bedeutet

gen in östlicher und westlicher Körper- und Energiearbeit. Dabei ist

das Schließen der Schule eine dramatische Krise. Andere hinge-

die cranio-sacrale Biodynamik verbunden mit Traumaarbeit ne-

gen entdecken für sich gerade die ideale Form im Homeschoo-

ben der psychosomatischen Kinesiologie mit Bezug zur TCM mein

ling und Online-Learning. In unserer Schule, wo soziales Ler-

Steckenpferd.

nen und künstlerisch-handwerkliches Schaffen eine große Rolle

Mein Interesse an übergreifenden sozialen Systemen führte mich

spielen, entsteht durch derart lange Absenzen ein beträchtli-

weiter zu den Ausbildungen für Konfliktmanagement und Gewalt-

ches Defizit. Dennoch kann Lernen auch anders stattfinden und

prävention, Mentaltraining, Coaching und einem zweijährigen Uni-

ist aufgrund der alternativlosen Gegebenheit eine Notwendig-

lehrgang für Mediation und Konfliktregelung. Mein jüngstes Spezi-

keit, die auch Kreativitätspotential birgt.

algebiet ist die gerichtsnahe Mediation, die den Bogen zu meinem

Achtsames Wahrnehmen des Verlusts bisher (vor)gegebe-

ursprünglichen Studium spannt und meiner Vorstellung einer zu-

ner Strukturen kann bereits ein allererster Schritt aus Halt und

kunftsweisenden Konfliktlösung gänzlich entspricht.

Orientierungslosigkeit sein, der uns befähigt, in unsere eigene „Melodie“ einzuschwingen. Welcher Rahmen sonst würde uns

Die vergangenen Monate waren sehr fordernde, ungewöhnliche und

das derart erleichtern?... auch wenn das vielleicht vordergrün-

für viele, egal ob PädagogInnen, Eltern oder SchülerInnen, vor allem

dig etwas provokant klingt. Den Kontakt mit den eigenen See-

eine anstrengende Zeit. Auch wenn der eine oder andere von Ent-

lenimpulsen zuzulassen und zu stärken sowie eine beflissentli-

schleunigung sprach, konnten das wohl die wenigsten „genießen“.

che Gedankenhygiene können für uns Erwachsene verlässliche

Gab es in dieser Zeit Anfragen an Euch? Konntet Ihr helfen?

Wegweiser sein in dieser krisengebeutelten Zeit, wodurch wir

In den letzten drei brisanten Monaten hatten wir verhältnismäßig we-

unseren Kindern und Jugendlichen trotz Krise Halt sein können.

nig Anfragen. Virusunabhängig sind noch einige Agenden am Lau-

Ich glaube, dass wir, wenn wir uns auf diesen Prozess einlassen,

fen gewesen, deren Dringlichkeit sich aber angesichts der drastischen

dem Lebensquell – einer feinsinnigen Lebensfreude – weit näher

politischen Maßnahmen relativierten und ähnlich dem schlafenden

sind als der entgegengesetzten Stoßrichtung, der Depression.

Dornröschenschloss fürs erste „einschliefen“. Ich führe die Zurückhal-

Letztlich wird es auch diese Kraft sein, die unseren individuel-

tung an Anfragen vor allem darauf zurück, dass all die emsigen Bienen

len Thinktank speist, wenn es darum geht, aus der für viele von

unserer Schule, sprich LehrerInnen und Schulleitung sehr kompetent

uns wirtschaftlichen oder anderen Bedrohung herauszufinden

mit dieser völlig neuen Situation als auch mit unseren SchülerInnen

und unseren eigenen Standpunkt zu entwickeln inmitten des

umgegangen sind. An dieser Stelle ein großes Danke!

Coronawahnsinns.


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE

WEITER

SEITE

65

Der Konfliktbearbeitungskreis stellt sich vor (Teil 3)

geführt von Nadja Berke

Natürlich brauchen Kinder und vor allem Jugendliche ihresgleichen.

denke ich, sehen auch die letzten Kritiker so. Kontakt mit Freunden

Aber zum Glück sind sie nicht gezwungen, als Eremiten zu leben.

und Unterricht konnten so stattfinden, wenngleich in stark reduzier-

Obwohl sie deren Peergroup im Makrokosmos Schule und außerhalb

ter Form. Letztlich ist nicht vordergründig, wieviel Stunden genau

uns Erwachsenen bei weitem vorziehen, kann der Mikrokosmos Fa-

ein Teenager vor dem PC verbringt, oder besser gesagt hängen-

milie interimistisch ähnliche Strukturen übernehmen. Kinderreiche

bleibt, denn die richtige Dosierung bedarf eines längeren Reifungs-

Familien haben es da leichter.

prozesses, nicht nur im Jugendalter. Stattdessen den Blick darauf zu

Als Eltern sind wir gefordert, durch Rituale jedweder Art den Tag

richten, wo es den jungen Menschen hinzieht und sich dessen innere

zu strukturieren. Das beginnt schon bei Kleinigkeiten wie Alltags-

Impulse entfalten, spart unnötigen Ärger und führt diesen zu sich

kleidung statt Pyjamaparty im häuslichen Coronaalltag vor allem

selbst, also zum zentralen Thema dieses Alters. Sei es, dass „Omas“

für Jugendliche, bei denen sich ohnehin schnell ein verschobener

alte Nähmaschine vom Staub befreit und nun losgeschneidert wird

Tag-Nachtrhythmus einschleicht. Jugendliche brauchen ebenso

oder der Duft einer Kuchenbackorgie das ganze Haus durchströmt

elterliche Präsenz und Klarheit. Zugegeben bedarf dies bei Jugend-

oder den eigenen vier Wänden ein neues Gesicht verliehen wird usw.

lichen oft eines beinahe undurchführbaren Balanceaktes zwischen

Entscheidend ist, dass die oftmals nach innen gerichteten Kräfte

elterlicher Präsenz und Sich-gleichzeitig-in-Luft-Auflösen. Also jene

bei Jugendlichen einen äußeren Raum bekommen, sich auszudrü-

Drahtseilakte, die uns auch in pandemiefreien Zeiten fordern. Eine

cken. Dabei geht es um den Prozess des Tuns, um mit sich selbst in

tüchtige Portion Humor kann da oft erste Hilfe leisten.

Verbindung zu kommen und nicht so sehr um das Ergebnis. Ganz im

So gemütlich es für Jugendliche scheint, vorm Computer kauernd im

Vorbeigehen eignen sie sich dabei Kompetenzen wie Selbständigkeit

eigenen Zimmer irgendetwas Essbares hineinzuschlingen, so erdend

und Zeiteinteilung an.

und nährend wirkt das gemeinsame Essen im Kreis der Familie. Das

Selbst wenn manch Jugendliche/r vorwiegend in die berüchtigte

ist altbekannt, dennoch gebührt diesem Ritual ein erhöhter Stellen-

Weltschmerzphase abtaucht, mag es für Eltern durchaus tröstlich

wert in diesen Zeiten, um das seelische Gleichgewicht zu wahren. So

sein, diese/n nicht komplett aus den Augen zu verlieren, wie das

gibt es gesicherte, gemeinsam erlebte Zeit und Raum für gegensei-

vielleicht ansonsten der Fall wäre. Oftmals reicht die Änderung des

tigen Austausch und Spaß. Coronabedingtes Zuhausesein wäre auch

Blickwinkels, um neue Wege zu finden.

eine wunderbare Gelegenheit, Slowfood zu entdecken für diejeni-

Ich will keineswegs die Herausforderungen schmälern, mit denen wir

gen, die es noch nicht haben. Wenn wir als Erwachsene konsequent

uns in ungewohnter Weise konfrontiert sehen. Aber es erscheint mir

vorausgehen, färbt das selbst auf unsere Jugendlichen noch ab. Und

wichtig, auf das vorhandene Potential dieser Zeit hinzuweisen.

nachdem diese experimentierfreudig sind, stünde einem gemein-

Bei länger anhaltendem, auffallenden Rückzug auch aus der Familie,

samen oder abwechselnden Kochen nichts mehr im Weg. Dabei

bei totalem Desinteresse an bisher nachgegangenen Hobbies oder

werden alle fünf Sinne angesprochen, wodurch unsere Kinder wieder

Gefühlsschwankungen, die auffallend über das Ausmaß der hinläng-

stärker mit ihrer eigenen Körperlichkeit verbunden werden.

lich bekannten Gefühlsschere bei Teenagern hinausgehen, bedarf es

Für eine balancierte Gehirn- und Hormonsteuerung braucht es Be-

erhöhter Wachsamkeit. Unaufdringliche Gesprächsangebote vonsei-

wegung im Freien, insbesondere für Jugendliche. Nebstbei wird da-

ten der Eltern, Telefonate mit FreundInnen und Verwandten, mit de-

bei das Immunsystem trainiert. Das propagierte Drinnenbleiben, das

nen die/der Jugendliche guten Kontakt hat, können wieder Halt und

in den Monaten März und April den Ton angab, kann nicht ernst-

Orientierung geben. Wenn das nicht fruchtet bzw verweigert wird, ist

haft eine Antwort auf ein wie immer geartetes Virus sein. Oder soll

externe Hilfe ratsam, die nunmehr auch online angeboten wird.

die Hoffnung in einem heruntergefahrenen Immunsystem versus

Wie bei allen Theorien ist auch bei diesem heiklen Thema die The-

(Zwangs)Impfung liegen?!

orie nur die Landkarte der abzubildenden Landschaft.

Der PC hat die letzten Monate wirklich gute Dienste geleistet; das,

>


lehrerin aus Eurem Dreiergespann ausscheiden, oder bleibt sie dem KBK erhalten? Es wird sich erst herauskristallisieren, wieviel Kapazität Julia als Begleitlehrerin noch zur Verfügung stehen wird, und ob eine Kombination möglich ist. Ob unser gut eingespieltes Team ab Herbst 2020 in dieser Konstellation von Bestand bleiben wird, hängt noch von einigen Faktoren ab, nicht zuletzt auch vom Ausnahmemodus Corona. Sinnvoll wäre es, den KBK um weitere Mitglieder aus Lehrerschaft und Elternschaft mit einschlägigem beruflichen Hintergrund zu erweitern, um aus einem größeren Pool schöpfen zu können. Bei Interesse bitte gerne melden! Möchtest Du unseren LeserInnen noch etwas zum KBK erzählen, das durch die Antworten auf die gestellten Fragen nicht abgedeckt ist? Ja, ich möchte mich gerne für das uns bis dato entgegengebrachte Vertrauen bedanken, dass wir bisher im lebendigen Prozess Schule mitwirken konnten. Schön ist, dass unsere etablierte wöchentliche Sprechstunde am Montag kontinuierlich mehr Anklang gefunden hat und sowohl von SchülerInnen und Eltern als auch von PädagogInnen in Anspruch genommen worden ist. Damit ist das Konzept aufgegangen, ein niederschwelliges Angebot zur Verfügung zu stellen, das einen schnellen direkten Draht ermöglicht und tunlichst hemmschwellenbefreit ist. Sie sollte daher selbstverständlicher Teil unserer Schulkultur werden. Ich möchte auch auf die Schulpsychologinnen-Sprechstunde hinweisen; gegebenenfalls gibt es hier eine Zusammenarbeit zwischen beiden Anlaufstellen. Gerne sind wir auch via E-Mail und Telefon für Euch erreichbar. Kontakt KBK: Mail: konflikt@waldorf-mauer.at Karin Peterseil +43 699 11 36 74 69 Julia Röhsler +43 664 99 00 220 Birgit Scheiner +43 699 151 831 37

UNTERSTUFE

>

Wird Julia Röhsler wegen ihres Wechsels ins Kollegium als Begleit-

STARTSEITE

>

W OODLE


OBERSTUFE

>

>

MITTELSTUFE

WEITER

SEITE

67

Aus der Arbeit des Förderkreises von Monika Kossdorff, Heileurythmistin  

Auch der Förderkreis stand in der Corona-Zeit unterstützend, indivi-

Weiters versuchen wir mit Hilfe einer Rhythmus-Übung, die Rudolf

duell zur Seite.

Steiner entwickelt hat, „mein Ich und mein Du“ zu stärken, um so

Dieser Brief hat die Eltern der 3. Klasse seitens der Heileurythmistin

zu einem „leuchtenden Wir“ zu werden.

Momo Kossdorff vor wenigen Wochen erreicht; das darin Beschrie-

Rudolf Steiner beschreibt die Seelensituation des Kindes in der

bene wurde noch vor Schulschluss umgesetzt. Ersten Rückmeldungen

3. Klasse als im Umbruch. Das Kind blickt sein Gegenüber durch

zufolge waren die Einheiten sehr nährend, die Kinder tauchten in ein

neue Augen an. Was zuvor Einheit war, wird jetzt Zweiheit. Es lernt,

Wechselbad zwischen kraftvoll-mutigen bis zart-zaubernden Bewe-

sich richtig zu unterscheiden von der Umgebung. Es kann sein,

gungen ein. Der Zeitpunkt war perfekt, die Stimmung ebenso.

dass es sich leichter überfordert fühlt; gegebenenfalls kommt es vermehrt zu Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Passivität bis hin

Liebe Eltern der 3. Klasse! Ich hoffe, Sie haben diese besonderen Wochen so gut wie möglich verbracht! Das Turnen und Singen ist uns ja noch untersagt; wie schön, dass die Eurythmie ja gerne auch als seelisches Turnen bezeichnet wird, und das dürfen wir ja und tut jetzt auch besonders gut. Daher beginnen wir morgen in der 3. Klasse mit der heileurythmischen Begleitung im Sinne des Rubikons. Unsere Seelenstimmung drückt sich unter anderem durch die Sprache und hier insbesondere in den Vokalen aus. So werden die Laute A/E’ im musikalischen Gefüge mit den MollKlängen verbunden. Diese können sich wohlig mollig anfühlen, aber auch bis hin zur tiefen Traurigkeit, Schwermut führen. Im Sprechen bilden wir den Klang dieser Vokale am hinteren Gaumen; in der Gestalt wird er der Ferse, dem Schulterblatt, dem Hinterhaupt zugeordnet. Das Bewusstsein wird durch geführte Bewegungen in die rückseitige Gestalt gelenkt, in den Raum, der nur unbewusst am Tag wahrgenommen wird. Verbinden wir uns tagsüber mit diesem hinteren Bereich, entspannt sich unser Nervensystem und erfrischt. Die O/U’-Laute entsprechen musikalisch der Dur-Stimmung. Dies kann sich in Heiterkeit, im Lachen, bis hin zur Hysterie äußern. Völlig außer sich sein. O,U-Dur-Laute bilden wir im vorderen Gaumenraum; man benötigt Lippenspannung, ebenso Körperspannung, Aufrichten; der gesamte Muskeltonus wird erhöht. Wir baden in der Eurythmie nun in beidem durch geführte Bewegungen der Vokalgebärden und modulieren durch diese Stimmungen, um die Seele geschmeidig zu machen und auch körperlich fein bewegbar zu reagieren.

zu apathischem, abwesendem Verhalten. Mutlosigkeit, Unentschlossenheit kann das mit sich bringen. Zweifel und Kritik an der Erwachsenenwelt tauchen auf, Autoritäten werden in Frage gestellt. Es bekommt größere Distanz zu Mitmenschen, wird kritischer und hinterfragt vermehrt. Es kann sein, dass es sich missverstanden und alleine fühlt. Viele Kinder sind öfter wütend und revoltieren. Der ganz individuelle Atemrhythmus zwischen Atem und Puls 1:4 stellt sich ein, und der Gang bekommt mehr Schwere. Dies alles können Anzeichen dafür sein, dass Ihr Kind sich in dem nächsten spannenden Entwicklungsschritt befindet und ihn auch richtig auskosten mag! Denn selbstverständlich stärkt unser gemeinsames Tun auch die harmonisch zufriedenen und unbekümmerten Kinder. Wir starten in den jeweiligen Gruppen gemeinsam in der Klasse oder im Garten, und Fr. Svoboda und ich werden im Tun entscheiden, in welcher Intensität und Rhythmus wir es weiterführen. Es hat sich bisher in allen Klassen gezeigt, dass je nach Klasse und Situation individuell abgestimmte Abläufe am wirksamsten waren. Bei Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung. Voller Vorfreude, Momo Kossdorff


Absender: R. Steiner-Schule Wien-Mauer, 1230 Wien, Endresstr. 100 Verlagspostamt, 1230 Wien, Zulassungsnummer: 13Z039641 M Impressum Seite 2 FIN?, FrIday, JuNI 5, 2020, 14:02, 2020 COUNTING SINCE FRIDAY, MARCH 13, 2020

84 00 02 06 Tage

Stunden

Minuten

Sekunden

Kleinanzeige und Termine 23. Bezirk – Mauer Wohnung (ca. 104 m2), verteilt auf 1. Stock und Dachmansarde in Einfamilienhaus. Große Südwest-Terrasse plus Ostbalkon, sehr sonnige Grünund Ruhelage, ab Juni 2020 zu vermieten. Bei Interesse melden Sie sich bitte telefonisch bei: 0699/884 63 042 oder vormittags: 0676/537 05 42

Die nächste Ausgabe von MoMent erscheint voraussichtlich um den 27.11.2020, Redaktionsschluss 28.10.2020

Mal Dich gesund! Kurse, Workshops im Sinne der Salutogenese im Bereich Malerei und Keramik sowie Kunsttherapien finden ab September 2020 wieder im Atelier – 5 Minuten Fußweg von der Schule entfernt – statt. Kursprogramm anfordern unter platz@inode.at, www.beatemariaplatz.de

Malerin Keramikerin Kunsttherapeutin Lebens- und Sozialberaterin Arbeit am Tonfeld®

BÜCHERSTUBE der Goetheanistischen Studienstätte

Buch & Spiel

Termine der Schule unter

1230 Wien, Speisinger Straße 258 Tel u. Fax: 01/ 889 26 93 email: buecherstube1230@gmx.at

https://www.waldorf-mauer.at/termine Termine der Musikschule unter

Bestellungen werden gerne jederzeit entgegengenommen Zustellung durch Postversand

https://www.freiemusikschule.at/unsere-konzerte zkp_az_moment_2020.qxp_Layout 1 17.02.20 17:39 Seite 3

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9:00 -­ 18:00

Zeit für neue Perspektiven.

Info-Abend am 23. Sept. 2020, 19 Uhr Studienstart im Oktober 2020

www.waldorflehrerwerden.at

Profile for Karl Hruza

MoMent Sommer 2020  

MoMent Sommer 2020  

Advertisement

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded