__MAIN_TEXT__

Page 1

Mo

Ment

50 Jahre Mauer, 100 Jahre Waldorf Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Sommer 2019 / € 4,00


Mo

...

Ment

Zeitschrift von und für Eltern, FreundInnen, LehrerInnen und SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer im 27. Jahr, Heft Nr. 197

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Schulzeitung MoMent!

Liebe externe MoMent-AbonnentInnen

Alleingänge sind meist eine ausgesprochen bewundernswerte Sa-

Der Druck der Ihnen vorliegenden Ausgabe kostet

che. Als Rudolf Steiner und Emil Mold 1919 die erste Waldorfschu-

ca. € 2.650,- bzw. inkl. Versand € 3.120,-.

le für die Kinder der Waldorf-Astoria-Arbeiterinnen und Arbeiter

Wenn Sie hinkünftig auf eine per Post zugeschickte

gründeten, war das solch ein bildungspolitischer Alleingang. Dass es Widerstände geben würde, wusste Steiner – aber auch, welch Potenzial in dieser solitären Initiative steckte. Heute, 100 Jahre später, hat es sich voll entfaltet und zeigt sich in den unterschiedlichsten Folgeinitiativen, die mit ihrem WaldorfNetzwerk die ganze Welt umspannen. Diesem runden Geburtstag ist der Schwerpunkt dieser MoMent-Ausgabe gewidmet – mit Blitzlichtern pädagogischer Randnotizen und Berichten zu den vielen Waldorf 100-Projekten und -Veranstaltungen.

Druckversion verzichten und mit der Online-Version (https://www.waldorf-mauer.at/moment) Vorlieb nehmen wollen, dann ersuchen wir um ein kurzes Email an: moment@waldorf-mauer.at. Gerne senden wir Ihnen weiterhin drei Mal im Jahr Ihr persönliches Exemplar zu und ersuchen Sie, die dafür anfallenden Kosten von € 12,-/Jahr auf das MoMent-Konto zu überweisen. Kontoverbindung: siehe Impressum

Leider konnte das Programm unserer Schule zur „Langen Nacht der Waldorfschulen“ am 19. September noch nicht aufgenommen werden, da es erst im Sommer erarbeitet wird – wir werden dies in unserem Jahresheft nachholen und vor allem auch auf unsere Homepage www.waldorf-mauer.at aufnehmen. Ein Alleingang war allerdings auch die Erstellung dieser Ausgabe, die Nadja Berke gemeinsam mit Karl Hruza schupfte. Ihnen, Brigitte Födinger und Margarete Goss sowie all den vielen Auto-

Impressum: Medieninhaber, Verleger, Herausgeber: Verein zur Förderung der Waldorf-Gemeinschaft (VFWG), Obmann Josef Prüller / DVR NR.: 7864 9742 Absender: moment@waldorf-mauer.at 1230 Wien, Endresstraße 100

rInnen und FotografInnen gilt unsere Bewunderung und ein ganz

Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 13Z039641 M

besonderes Dankeschön!

MitarbeiterInnen: B. Födinger E: moment@waldorf-mauer.at / R. David-Freihsl E: roman.freihsl@gmx.at / M. Goss E: moment@

Mit herzlichen Grüßen für das Redaktionsteam Roman David-Freihsl

waldorf-mauer.at / K. Hruza E: karl.hruza@waldorf-mauer.at / E. & A. Amann, N., P. & Th. Berke, U. Dotzler, E. Frank, A. Haensel, M. Hofer, M. Khol, U. Khol-Heidenthaler, A. Kohlhofer, W. Kollewijn, Kinder und Eltern der 1., 2. & 9. Klasse, D. Muchna, B. Pázmandy, K. Reiner-Friedl, T. Richter, J. Röhsler, A. Schindler, M. SchusterSzabo, Chr. Trattner, L. & S. Trierenberg, L. Weiss, R. Welte,

Termine: Seite 33, Kleinanzeigen: Seite 60 Die Fotos in dieser Ausgabe stellten zur Verfügung: N. & M. Berke, U. Dotzler, Eltern 1., 8. Klasse, S. Habdank, J. Heidinger,

M. Wetter, S. Wolf, U. Wöhlert Kontoverbindung lautend auf: Redaktion Schulzeitung IBAN: AT44 2011 1822 2175 1000 / BIC: GIBAATWWXXX

M. Hofer, K. Hruza, U. Khol-Haidenthaler, W. Kollewijn, V. Monshi,

Druck: Donau-Forum-Druck, 1230 Wien,

Freie Musikschule, M. Peters, L. & S. Trierenberg, S. Wolf

aus umweltfreundlicher Druckproduktion

2 _ MoMent Sommer 2019


Pädagogik, die in den Lebensforderungen der Gegenwart wurzelt „Die Art, wie sich die moderne Industrie in die Entwickelung des

Begründung einer solchen Anstalt in Betracht kommen, wie die

menschlichen Gesellschaftsstrebens hineingestellt hat, gibt der

Waldorfschule eine sein soll. In ihrem pädagogischen und metho-

Praxis der neueren sozialen Bewegung ihr Gepräge. Die Eltern, die

dischen Geiste muss Idealismus wirken; aber ein Idealismus, der die

ihre Kinder dieser Schule anvertrauen werden, können nicht anders

Macht hat, in dem aufwachsenden Menschen die Kräfte und Fähig-

als erwarten, dass diese Kinder in dem Sinne zu Lebenstüchtig-

keiten zu erwecken, die er im weiteren Lebensverlauf braucht, um

keit erzogen und unterrichtet werden, der dieser Bewegung volle

für die gegenwärtige Menschengemeinschaft Arbeitstüchtigkeit

Rechnung trägt. Das macht notwendig, dass bei der Begründung

und für sich einen ihn stützenden Lebenshalt zu haben.“

der Schule von pädagogischen Prinzipien ausgegangen wird, die in

Aus: Rudolf Steiner, „Die pädagogische Grundlage der Waldorf-

den Lebensforderungen der Gegenwart wurzeln. Die Kinder sollen

schule“, Aufsatz 1919

zu Menschen erzogen und für ein Leben unterrichtet werden, die

Ausgewählt von Roman David-Freihsl

den Anforderungen entsprechen, für die jeder Mensch, gleichgültig aus welcher der herkömmlichen Gesellschaftsklassen er stammt, sich einsetzen kann. Was die Praxis des Gegenwartslebens von dem Menschen verlangt, es muss in den Einrichtungen dieser Schule sich widerspiegeln. Was als beherrschender Geist in diesem Leben wirken soll, es muss durch Erziehung und Unterricht in den Kindern angeregt werden. Verhängnisvoll müsste es werden, wenn in den pädagogischen Grundanschauungen, auf denen die Waldorfschule aufgebaut werden soll, ein lebensfremder Geist waltete. Ein solcher tritt heute nur allzu leicht dort hervor, wo man ein Gefühl dafür entwickelt, welchen Anteil an der Zerrüttung der Zivilisation das Aufgehen in einer materialistischen Lebenshaltung und Gesinnung während der letzten Jahrzehnte hat. Man möchte, durch dieses Gefühl veranlasst, in die Verwaltung des öffentlichen Lebens eine idealistische Gesinnung hineintragen. Und wer seine Aufmerksamkeit der Entwickelung des Erziehungs- und Unterrichtswesens zuwendet, der wird diese Gesinnung vor allem anderen da verwirklicht sehen. In einer solchen Vorstellungsart gibt sich viel guter Wille Kund. Dass dieser anerkannt werden soll, ist selbstverständlich. Er wird, wenn er sich in der rechten Art betätigt, wertvolle Dienste leisten können, wenn es sich darum handelt, menschliche Kräfte für ein soziales Unternehmen zu sammeln, für das neue Voraussetzungen geschaffen werden müssen. – Dennoch ist gerade in einem solchen Falle nötig, darauf hinzuweisen, wie der beste Wille versagen muss, wenn er an die Verwirklichung von Absichten geht, ohne die auf Sach-Einsicht begründeten Voraussetzungen in vollem Maße zu berücksichtigen. Damit ist eine der Forderungen gekennzeichnet, die heute bei der

MoMent Sommer 2019 _ 3


BILDUNG BRAUCHT: ZEIT Pädagogische Randnotiz zum Tag der offenen Tür am Samstag, 19. Jänner 2019

Waldorfpädagogik möchte Schülerinnen und Schü-

erst viel später in Haltungen oder Handlungen zei-

ler dabei unterstützen, zu selbständigen und ur-

gen. Waldorfschulen sind auch deswegen als (in der

teilsfähigen jungen Menschen zu werden; zu Men-

Regel 12-jährige) Gesamtschulen angelegt, weil sie

schen, die in der Lage sind, auch über den „eigenen

Heranwachsenden diese Zeit für ihre Entwicklung

Tellerrand“ hinaus zu sehen. Wer eine solche Ent-

geben wollen und weil dafür manchmal auch gewis-

wicklung fördern möchte, muss sich selbst um eine

se „Wieder-Holungen“ nötig sind. So erscheinen The-

weite Perspektive bemühen. Waldorfpädagogik ver-

men und Motive im Laufe der Jahre in verschiedenen

sucht daher, SchülerInnen nicht auf in einzelnen Un-

Fächern und Klassenstufen immer wieder, doch in

terrichtsfächern erbrachte „Leistungen“ zu redu-

bewusst veränderter methodischer Form und inhalt-

zieren, sondern über Fächer und Schuljahre hinweg

licher Gewichtung. Wenn etwa in der 2. Klasse über

die persönliche Entwicklung der Heranwachsenden

das Leben des Heiligen Franziskus und sein Verhält-

wahrzunehmen.

nis zu den Tieren erzählt wird und in der 4. Klasse in

Denn Bildung ist immer ein Prozess; ein Prozess, der

der ersten Tierkunde-Epoche versucht wird, ein sinn-

Zeit braucht – und dessen „Ergebnisse“ daher auch

reiches Bild des Tintenfisches in seinem Lebensraum

nicht punktuell „überprüfbar“ sind, sondern sich oft

zu zeichnen – geht es dabei nicht auch um Fragen


nach dem Wesen des Menschen und seines Verhält-

her zu empfehlen, sich Zeit zu nehmen und möglichst

nisses zur Natur, genauso wie, in veränderter Form,

viele unterschiedliche Klassen zu besuchen. Viel-

im Biologieunterricht der Oberstufe? Und wenn in

leicht kann so die eine oder andere „Querverbindung“

einer 12. Klasse im Philosophieunterricht über „gut“

zwischen Fächern und Schulstufen erlebt werden.

und „böse“ diskutiert wird, tauchen dann nicht Fra-

Raum und Zeit zu geben für solche Verbindungen

gen wieder auf, die den SchülerInnen bereits in den

und Bezüge, darum bemüht sich Waldorfpädagogik – 

in der 1. Klasse erzählten Märchen als Bilder implizit

und das seit 100 Jahren.

begegnet sind? In diesem Sinn kann wohl so manches, was am 19. Jän-

Eine Randnotiz von Leonhard Weiss, Schülervater und

ner durch die geöffnete Tür einer Oberstufenklasse zu

Lehrer an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer sowie

beobachten ist, auch eine „Fortsetzung“, eine „Wei-

Juniorprofessor für Bildungsphilosophie und Pädago-

terentwicklung“ eines Unterrichts der Unterstufe dar-

gische Anthropologie am Zentrum für Kultur und Pä-

stellen, und manches, was in einer der unteren Schul-

dagogik. An-Institut der Alanus Hochschule für Kunst

stufen zu erleben ist, die Grundlage für Späteres sein.

und Gesellschaft, Tilgnerstr. 3, 1040 Wien

BesucherInnen dieses „Tages der offenen Tür“ ist da-

MoMent Sommer 2019 _ 5


Die 10. Klasse: Wir sind… WALDORF, aber nicht nur

hen die Aufführungen am 22. und am 23. Januar 2019

auf der Bühne, nicht nur an zwei Abenden!

am Ende eines kompakten kreativen Prozesses. Mö-

Erzählen, Dichten, Darstellen: Das sind die literari-

gen die Theaterabende wohl anregen und unterhal-

schen Genres Epik, Lyrik und Dramatik, die wir zum

ten, so steht dennoch die Entwicklung, nicht das Er-

hundertjährigen Jubiläum auf die Bretterbühne brin-

gebnis allein im Vordergrund. Theaterpädagogik ver-

gen. Neuerlich haben wir dem Keller(theater) abge-

mag so vieles, das weit über den flüchtigen Moment

schworen, dessen Bestand nicht zuletzt in Erwartung

der Vorstellung hinausgeht. Wir casten keine Schau-

von Bau und Baggern fraglich schien. Mit einem maß-

spieler und Schauspielerinnen, wenn auch schon be-

geschneiderten Konzept für die 10. Klasse und mit Fo-

kannte Größen aus der Schule im Maurer Schlössl her-

kus auf den horizontalen, alle Unterrichtsgegenstän-

vorgegangen sein mögen: Jeder und jede soll die ei-

de umfassenden Lehrplan starteten wir in den Schaf-

genen Fähigkeiten auf der Indoor-Pawlatschenbühne

fensprozess, der vor allem den Formaspekt, aber auch

erproben können und sich selbst dabei ein wenig tiefer

Gestaltungskraft und Sprachregister auslotet. So ste-

entdecken, den seelischen Innenraum entfalten.


BILDUNG BRAUCHT: PROBEN

Pädagogische Randnotiz zu den Theaterabenden der 10. Klasse am Dienstag, 22. und Mittwoch, 23. Jänner 2019

Die Schülerinnen und Schüler entschieden sich,

In der kurzen Probenzeit von einer Woche entstand

nachdem sie im Brainstorming viele Aspekte ein-

eine dichte und produktive Atmosphäre, in der wir

gebracht hatten, in einem Auswahlverfahren für die

uns auch ein schlüssiges Raumkonzept erarbeiteten.

Themen „Digitale Überwachung“, „Vorurteile und

Es wurde geprobt, gefilmt, geschrieben, kaum ge-

Rassismus“ sowie „Drogen und Süchte.“ Sehr viele

stritten, gestaltet, gedichtet und gelacht.

schöne und gelungene Texte wurden von den Ju-

Auf dass die Metrik- und Poetikepoche kein Schat-

gendlichen in kürzester Zeit selbst verfasst; ergänzt

tendasein mehr fristen möge; mit seinen Lyrics re-

wurde das Programm mit ausgewählten Gedichten

üssierte schließlich auch Bob Dylan, und Poetry Slam

und Sketches sowie Songs, die ihre Wahrnehmung

ist in aller Munde: Auf die Bühne bringen wir unsere

der Welt wiedergeben. Eine gewisse Schwere und

Kunst allemal! Es gibt noch viel zu sagen.

der – im Sinne Peter Pans nur notdürftig angenähte – Schatten sind in diesem Kontext Chiffren für den

Eine Randnotiz von Mag.a Micha Schuster-Szabo,

Gefühlhaushalt der Heranwachsenden...

Lehrerin an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

MoMent Sommer 2019 _ 7


BILDUNG BRAUCHT: FESTE Pädagogische Randnotiz zum Schulball der 12. Klasse am Samstag, 26. Jänner 2019

„Eine Schule soll in erster Linie ein Ort des Lernens

Potentiale entfalten, können wir tatsächlich von

sein.“ Kaum jemand wird dieser Behauptung wohl

Bildung sprechen. Daher erfordern Bildungspro-

widersprechen. Doch (Waldorf)Schulen wollen noch

zesse viel mehr als nur eine gute „Lernumgebung“:

mehr sein. Nicht nur „Orte des Lernens“, sondern

vielfältige praktische Erfahrungen, soziale Um-

auch „Orte der Bildung“. Und Bildung ist immer mehr

gangsformen, gemeinsame Arbeit, geteilte künst-

als Lernen.

lerische und kulturelle Erlebnisse – also auch ge-

Wir lernen, wenn wir neue Erfahrungen machen,

meinsam gefeierte Feste. Denn hier überall kommt

neue Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, uns

es zu Begegnungen zwischen Menschen, und die-

neues Wissen aneignen. Doch nur dort, wo Men-

se sind das eigentliche Fundament jeder Bildung.

schen ihr Selbst- und Weltverständnis verändern,

Bildung braucht auch Feste, ebenso, wie ja auch Fes-

wo sie ihre Persönlichkeit entwickeln, ihre eigenen

te Bildung brauchen, damit sie tatsächlich Zeiten ge-


meinsam geteilter Freude sein können.

um die Pflege einer „Festeskultur“ bemühen –

Waldorfschulen versuchen daher, der Gestaltung

und das seit 100 Jahren.

von Festen und Feiern besondere Bedeutung zu geben. Sei es eine klassenübergreifende Michaelifei-

Eine Randnotiz von Leonhard Weiss, Schülervater und

er, ein Fest zum Abschluss eines „Bauprojektes“ in

Lehrer an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer sowie

der 3. Klasse, der Abschluss eines Tanzkurses in der

Juniorprofessor für Bildungsphilosophie und Pädago-

8. Klasse oder der von SchülerInnen der 12. Klasse

gische Anthropologie am Zentrum für Kultur und Pä-

organisierte Schulball. Jede einzelne Waldorfschule

dagogik. An-Institut der Alanus Hochschule für Kunst

hat so im Laufe der Jahre ihre eigenen Traditionen

und Gesellschaft, Tilgnerstr. 3, 1040 Wien

entwickelt und diese immer wieder auch verändert. Gemeinsam ist allen Waldorfschulen, dass sie sich

MoMent Sommer 2019 _ 9


Als die Waldorfschule 1919 in Stuttgart gegründet

Besondere des jeweiligen Monats, den Monatsinhalt.

wurde, war in Baden-Württemberg jeweils der erste

Schulgesetze ändern sich – das Anliegen, sich ge-

Montag im Monat schulfrei. Steiner machte aus dem

genseitig wahrzunehmen und Gelerntes lebendig

freien Tag, den er später auf den Donnerstag als den

vorzutragen, ist das gleiche geblieben. Es gibt kei-

geeigneteren Wochentag legte („Montag ist ein Phi-

ne verordneten schulfreien Montage mehr – statt-

listertag“…), ein Schulfest – eben eine Monatsfeier.

dessen meist schulfreie Samstage. An solchen, doch

Am 3. November vor 100 Jahren fand die erste Mo-

nicht monatlich, sondern deutlich seltener, finden öf-

natsfeier statt. Der Inhalt dieses Festes sollte einer-

fentliche Monatsfeiern, die ehrlichkeitshalber inzwi-

seits ganz aus dem pädagogischen Leben der Schu-

schen Schulfeiern heißen, statt. Geblieben ist aber

le herauswachsen, indem die Kinder zeigten, was sie

der Donnerstag als Tag der internen Schulfeiern, die

im Unterricht gearbeitet hatten und andererseits die

jeweils den öffentlichen vorangehen.

Möglichkeit bieten, Gedanken zu sammeln über das

Und dort kann man erleben, was diese Feste für die


BILDUNG BRAUCHT: ANTEILNAHME UND WERTSCHÄTZUNG Pädagogische Randnotiz zur öffentlichen Schulfeier am Samstag, 23. Februar 2019

„Schulfamilie“ bedeuten. Staunend werden die „Gro-

schend neu erscheint.

ßen“ als Vorbilder von den jüngeren SchülerInnen

Keine Leistungsschau, sondern eine besondere Ge-

wahrgenommen (vor allem, wenn es sich um die Pa-

legenheit, bei der das Lernen, das Arbeiten und Kön-

tenklassen handelt): „Machen wir das auch?“ Und um-

nen gefeiert werden – und das seit 100 Jahren.

gekehrt: Verwunderung bei den „Großen“ über das, was die „Kleinen“ können.

Eine Randnotiz von Tobias Richter, 1972 - 1991 Klassen-

Natürlich werden auch die Lehrerinnen und Lehrer

lehrer, Fachlehrer (Musik und Puppenspiel) und Ober-

wahrgenommen, und es wird wertgeschätzt, was sie

stufenlehrer an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer.

mit einer Klasse erarbeitet haben, neu und einzigar-

Seit 1980 tätig in der Waldorflehrerausbildung in Öster-

tig. Und wie erstaunlich, wenn sogar Altbekanntes

reich (Zentrum für Kultur und Pädagogik. An-Institut der

allein dadurch, dass es von einer anderen Klasse auf

Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft), Deutsch-

die Bühne gebracht wird, völlig anders und überra-

land und Kroatien.

MoMent Sommer 2019 _ 11


BILDUNG BRAUCHT: ÜBER SICH HINAUSWACHSEN Pädagogische Randnotiz zum Spiel der 8. Klasse „Elend und Revolution“ nach Victor Hugo am Samstag, 6. und Sonntag, 7. April 2019


„Elend und Revolution“ – nach dem Roman „Die Elenden“ von Victor Hugo – wird dieses Jahr als Spiel meiner 8. Klasse dargeboten. Warum dieses Stück? Warum dieser Stoff? Drei Motive lagen mir für meine Klasse besonders am Herzen: 1. Es ist nie zu spät, sich selbst und Zustände zu ändern, denn es gibt immer Hoffnung. 2. Das Vorbild eines Menschen, der immer auf dem Weg des Guten bleibt, egal wie schwer das für ihn ist 3. Alles kann verziehen werden. Darüber hinaus beinhaltet die Geschichte jede Menge großer Gefühle, Liebe, Begeisterung wie auch Verzweiflung. Genau das Richtige für Jugendliche dieses Alters, die von ihren Gefühlen hin- und hergerissen sind. Auch ergibt sich aus der Erarbeitung des Stückes viel Gesprächsstoff und Bedarf an praktischem Zupacken und Tun für alle Beteiligten. Theaterspielen fördert den Teamgeist und stärkt das soziale Gefüge. Einmal jemand ganz anderer sein! Sich darin auszuprobieren, zu erproben und dadurch das innere Erleben erweitern sowie neue Erfahrungen sammeln. Verborgene Talente werden an sich selbst und an anderen entdeckt. Die Herausforderung wird gemeinsam gemeistert. Jede/r gibt einen Beitrag nach eigenen Fähigkeiten, eingebettet in das große Ganze. Liberté, Egalité, Fraternité – der Geschichtestoff der 8. Klasse als Unterricht der anderen Art. Maßgeschneidert für meine Klasse, erfuhr das Stück noch eine Steigerung in Form ganz persönlicher Anpassungen der Texte für einzelne SchülerInnen durch Maria Leutzendorff und Elmar Dick, die auch die Regie übernahmen. Dafür ein riesen Dankeschön! „Vorhang auf“ für meine 8. Klasse! Eine Randnotiz von Barbara Pázmandy, Klassenlehrerin an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

MoMent Sommer 2019 _ 13


Seit vielen Jahren können wir die Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse in verschiedenen Singspielen auf der Bühne erleben. Doch warum ein Singspiel in der 6. Klasse? Die Stimme ist das Instrument, das uns seit unserer Geburt begleitet. Sie entwickelt sich, von der Kinderstimme bis zum Stimmbruch, und sie verändert sich weiter, ein Leben lang. Im Alter unserer SechstklässlerInnen hat die Kinderstimme ihre höchste Blüte erreicht, bevor sich dann der Stimmbruch allmählich einschleicht. Das gilt für die Mädchenstimmen genau so wie für die Knabenstimmen. 


BILDUNG BRAUCHT: KLANG Pädagogische Randnotiz zum Singspiel „Peronnik“ der 6. Klasse von Dienstag, 9. bis Donnerstag, 11. April 2019

Da zu dieser Zeit im Lehrplan des Musikunterrichtes

für Kinder“ genommen.

auch so besondere Werke wie Mozarts Zauberflöte

Im April konnten wir nun wunderschöne Aufführun-

auftauchen, bietet es sich an, dieses oder auch an-

gen sehen und hören. Mit Marion Gianellos (Klassen-

dere Singspiele mit den SchülerInnen zu erarbeiten

lehrerin und Regisseurin) und Vivian Stürzenhofecker

und auf die Bühne zu bringen. Dabei geht es nicht um

(Musiklehrerin) haben die Kinder der 6. Klasse ein be-

solistischen Gesang, sondern um das Erleben dieser

rührendes und musikalisch höchst gelungenes Sing-

Werke im gemeinschaftlichen Singen.

spiel auf die Bühne des kleinen Festsaals gebracht.

Die Suche nach anderen musikalisch anspruchsvol-

Herzliche Gratulation!

len und altersgerechten Werken ist nicht einfach. In diesem Jahr fiel die Wahl auf „Peronnik“. Der Schwei-

Eine Randnotiz von Angelika Schindler, bis 2018 Musik-

zer Komponist Heinz Bähler (geb. 1954) hat das bre-

lehrerin an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

tonische Märchen als Grundlage für sein „Singspiel

MoMent Sommer 2019 _ 15


BILDUNG BRAUCHT: REIFE Pädagogische Randnotiz zur Referatswoche der 12. Klasse von Montag, 6. bis Freitag, 10. Mai 2019

Dezentrale Reifeprüfung. Der Mount Kailash in Tibet

jedem einzelnen von uns. Nicht eine übergeordnete

gilt sowohl für Hindus als auch für Buddhisten und

Autorität entscheidet über Gut und Böse, über den

die Bön-Religion als heiliger Berg und wird von ihnen

Wert unserer Gedanken und Handlungen – es ist viel-

als Zentrum der Welt angesehen.

mehr unsere moralische Intuition, unser ethischer

Als Werner Herzog für seine Dokumentation „Rad

Individualismus gefordert.

der Zeit“ über die buddhistische Kalachakra-Initi-

Die Intention einer Erziehung zur Freiheit ist es,

ation den Dalai Lama interviewte, fragte er ihn, ob

Menschen bei der Entwicklung einer Individualität zu

er den Kailash auch für das Zentrum der Welt halte.

fördern, die in der Lage ist, sich gestaltend in die Welt

Nach kurzem Nachdenken antwortete dieser: “The

zu stellen. Nicht die angepasste Person, die unhin-

center of the world is, where you are and where I am.”

terfragt gesellschaftliche Bedingungen hinnimmt,

Damit bewies der Dalai Lama ein hohes Maß an Zeit-

ist das Ziel, sondern Menschen, die in der Lage sind,

genossenschaft. Denn heute, in einer Zeit hoch ent-

ihre starke Individualität aus eben diesem ethi-

wickelter Individualität ist das Zentrum in jeder und

schen Individualismus heraus zum Wohle des Gan-


zen einzubringen.

in der Lage, diese Ansprüche zu erfüllen – darüber

In diesem Sinne ist der Abschluss einer zwölfjährigen

hinaus haben sie aber auch eine Erziehung genossen,

Waldorflaufbahn als individuelle, dezentrale Reife-

die sie im besten Fall in ihren ganz individuellen Fä-

prüfung zu sehen.

higkeiten gefördert hat und damit zu aktiv Gestal-

Daneben steht das, wohin sich die allgemeine, ge-

tenden macht.

sellschaftlich und staatlich anerkannte Bildungs-

In dieser Woche wird die 12. Klasse die Ergebnisse ih-

praxis immer deutlicher bewegt: eine überprüfbare,

rer Jahresarbeiten präsentieren – ein Fest der Indivi-

vergleichbare Allgemeinbildung, die zwangsläufig zu

dualität, und das seit fast 100 Jahren!

standardisierten Fragestellungen, zu einer Zentralmatura führen muss.

Eine Randnotiz von Alfred Kohlhofer, Kunstlehrer

Unsere WaldorfschülerInnen, die sich zum Großteil

und Tutor der 12. Klasse an der Rudolf Steiner-Schule

auch dieser Überprüfung stellen und die Matura ma-

Wien-Mauer

chen werden, sind – wie die Erfahrung zeigt – auch

MoMent Sommer 2019 _ 17


BILDUNG BRAUCHT: SEELENFARBEN Pädagogische Randnotiz zum Singabend der 11. Klasse am Freitag, 17. und Samstag, 18. Mai 2019

Die 11. Klasse singt – und das nicht, wie gewohnt, als Gesamtheit, in einem Chor, sondern jede Schülerin und jeder Schüler einzeln ein selbst gewähltes Lied. Es gilt, solistisch die eigene Stimme zu finden. Das erfasst den gesamten Menschen – das Zusammenspiel von Körperspannung, Atem, Stimme und seelischem Ausdruck. Das erfordert Mut, Überwindung, Selbstreflexion, Elastizität und nicht zuletzt Übung. In der 10. Klasse bereitet die Auseinandersetzung mit den Gesetzmäßigkeiten, dem „Skelett“ der Dinge und Phänomene, das diese hält und ihnen Struktur gibt, den Boden für die bewusste Entfaltung der eige-


nen Persönlichkeit, die in der 11. Klasse einsetzt – es

Daher ist die Pflege des Sologesangs, wie ihn auch

leuchtet das als Stern auf, was jede/r Einzelne als indi-

Rudolf Steiner gerade für dieses Alter angeregt hat,

viduelle Färbung in diese Welt bringen möchte. Zwi-

so enorm wichtig. Jetzt sind die Jugendlichen das

schen dem Apollinischen, der formgebenden Ästhe-

erste Mal reif dafür, sich dieser Herausforderung zu

tik, und dem Dionysischen, der schöpferischen Lei-

stellen.

denschaftlichkeit, wollen der eigene Standpunkt und

Der 11.-Klass-Singabend zählt wohl zu den abso-

Weg gefunden werden, im allgemeinen Rauschen al-

luten Höhepunkten des Schuljahres, ist an unserer

ler Stimmen die eigene – nicht nur im Gesang, son-

Schule ein Spezifikum, das hoch geschätzt wird und

dern in allen Lebensbereichen. In der Gemeinschaft,

auf das Schülerinnen und Schüler schon lange, be-

im Zusammenspiel die Strahlkraft des Individuums

vor sie selber auf der Bühne ihre Stimme zum Klin-

leuchten lassen – das lässt sich an diesen Abenden

gen bringen, hinschauen. Und mit ihnen die gesamte

erleben.

Schulgemeinschaft.

MoMent Sommer 2019 _ 19


Circus Divertissimo am 23. und 24. Mai im groSSen Festsaal der Steinerschule von Andrea Haensel (Lehrerin für Biologie und Sport)

Geboren wurde die Idee eines inklusiven Zirkusprojektes im

Schulen mündeten in einem ersten Zusammentreffen

März dieses Jahres an der Karl-Schubert-Schule im Rah-

der über 70 AkteurInnen an einem Dienstagvormittag

men der Aktivitäten zu Waldorf 100. Aus den ersten vagen

zu einer Durchlaufprobe. Es entstand durch den ge-

Ideen wurde bald eine lebendige und freundliche Zusam-

meinsamen Auftakt aller Kinder und Jugendlichen ein

menarbeit der Koordinatoren beider Schulen.

zarter Beginn des Wahrnehmens, des Achtens und auch

Im Hintergrund liefen die Proben jeweils an den verschie-

gemeinsamen Handelns und voneinander Lernens. Die

denen Schulen: Kinder der Karl-Schubert-Schule sowie die

Vielfalt der Darbietungen war bemerkenswert; die Kin-

Karl-Schubert-Bande, Kinder der 3. Klasse aus der Waldorf-

der und Jugendlichen achteten sich untereinander und

schule Pötzleinsdorf, zahlreiche Kinder der Waldschule aus

staunten über die Vielfalt.

dem 13. Bezirk sowie fünf Jugendliche der Rudolf Steiner-

Es entwickelte sich aus den Einzeldarbietungen der Kin-

Schule Wien-Mauer. Daniel Torron Mack als erfahrener

der und Jugendlichen aus den Bereichen Jonglage und

Zirkuspädagoge war an der Waldschule, der Karl-Schubert-

Flowersticks, Clownerie, Zauberei, Boden- und Luft-

Schule sowie auch in Pötzleinsdorf im Einsatz.

akrobatik, Seiltanz und Stelzenlauf unter der Regie von

Die Arbeit, das intensive Training und das koordinierte Ein-

Kirsten Wiebers allmählich eine kleine Geschichte. Diese

studieren der Choreographien und Nummern der einzelnen

konnten alle bei einem zweiten langen Probenvormittag mit der Musik der Karl-Schubert-Bande am Mittwoch verfolgen. In konzentrierter und aufmerksamer Weise folgte ein Auftritt reibungslos gereiht dem nächsten. Respektvoll war der Umgang der Kinder von der ersten bis zur letzten Minute. Am Donnerstagmorgen dann war es so weit. Beim ersten Aufführungstermin nahm jeweils eine Klasse der beteiligten Schulen an der Aufführung unter dem Motto „Gemeinsam Träume wahr machen“ teil. Am Freitag um 16 Uhr folgte der große Moment. Eltern und Geschwister waren geladen, um sich von den Talenten, den Fähigkeiten, der Vielfalt und den künstlerischen Darbietungen der Kinder und Jugendlichen verzaubern zu lassen. Kurzweilig, frisch und fesselnd waren die Auftritte. Das Publikum bejubelte ein fantasievoll gestaltetes und berührendes Programm. Strahlende und stolze Kinder verneigten sich zum tosenden Applaus des Publikums und verließen gereiht als gleichwertige ArtistInnen, Clowns, AkrobatInnen, Jongleure und DarstellerInnen die „Manege“.


Training für das Zirkusprojekt von Muriel Wetter (Schülerin der 12. Klasse)

Bei diesem Projekt waren wir zu viert: Matilda aus der Achten, Estrella und Muriel (ich) aus der Zwölften und Andrea aus der Fraktion der LehrerInnen. Matilda und ich waren, soweit ich weiß, sofort von der Idee begeistert, bei dem Zirkusprojekt eine Vertikaltuchnummer aufzuführen, als uns Andrea davon erzählte. Estrella haben wir auch irgendwie mit ins Boot geholt. In der Schule hatten wir schon länger einen Vertikaltuchkurs veranstaltet, der aber in diesem Jahr aufgrund des Platzmangels in der Schule ausgesetzt werden musste. Genau wegen dieses Platzmangels fingen wir auch in der wirklich niedrigen Halle der Karl-Schubert-Schule an zu trainieren. Ab Ostern konnten wir dann in den großen Festsaal zurückkehren. Dann kamen die Proben mit allen anderen, die an diesem Zirkusprojekt teilnahmen. Die erste Probe war für mich wirklich anstrengend. Alle waren dort, alle saßen im großen Festsaal und niemand wusste genau, wann und wie sie/er auftreten sollte und was zu tun sei. Nach dieser Probe war ich wirklich müde. Die zweite Probe war schon sehr viel geordneter; alle wussten schon, wann sie wo zu sein hatten (ich bin wirklich dankbar für diese großartige Organisation). Ob die Aufführungen noch besser waren, kann ich nicht sagen. Wir als die „Großen“ waren etwas distanziert, denn wir wussten immer genau, wann wir wo sein sollten und kamen deshalb mit den Leuten nicht so viel in Berührung. Wir kamen pünktlich zu unserem Auftritt und gingen wieder ab, wofür uns Simone, die alle zu ihren jeweiligen Auftritten geholt hatte, sehr dankbar war. Es hat mir wirklich Spaß gemacht, für das Zirkusprojekt zu trainieren. Die Aufführungen waren auch schön. Man hat zwar nicht so viel Gelegenheit, wirklich etwas zu erüben, was der eigentliche Spaß daran wäre, aber man hat den Applaus, der einen anspornt.

MoMent Sommer 2019 _ 21


Gedanken aus dem Reisekoffer “The ones that are crazy enough to think they can change the world

In Edinburgh fand die alljährliche Frühsommerkonferenz des In-

are the ones that do.“

ternationalen Kreises statt. In diesem Kreis, der die Fortsetzung

„Diejenigen, die verrückt genug sind zu denken, dass sie die Welt

des 1971 gegründeten Haager Kreises bildet, arbeiten die Leiter

verändern können, sind diejenigen, die es tun.“

der Pädagogischen Sektion, Mitarbeitende der Kindergartenvereinigung IASWECE, VertreterInnen der Freunde der Erzie-

Nicht wahr? Es ist ja schon schwierig genug, sich selbst zu ändern –

hungskunst und über 40 VertreterInnen von Schulen aus über

da muss man schon verrückt sein, um sich anzumaßen, eine Wir-

30 Ländern als Wahrnehmungsorgan und Initiativträger für die

kung auf die Welt ausüben zu können. Solche Ver-rückte, die ange-

Weltschulbewegung. Der Kreis wirkt auch als Verantwortungs-

sichts von Herausforderungen oder Bedrohungen, die sie im Kleinen

träger für die Markenrechte der Waldorfschulen.

wie im Großen erleben und erkennen, aktiv handeln und eine Verän-

Als ich 2015 in den Kreis gebeten wurde, war gerade das The-

derung in Gang setzen, sehen wir jedoch – und zum Glück – immer

ma „Wie wollen wir auf 100 Jahre Waldorfpädagogik blicken?“

wieder, momentan etwa in der Fridays For Future-Bewegung von Ju-

im Gespräch. Feiern wir uns nur selbst, oder sprechen wir in der

gendlichen, die ein Klima rettendes, globales Handeln fordern.

Gestaltung von Waldorf 100 auch das Herausfordernde, das Zu-

Wir sehen sie auch in der Waldorf-Bewegung: Waldorf 100 - Learn to

künftige an, suchen wir Verbindung dazu?

change the world. Lernen, um die Welt zu verändern, ist unser Motto,

Viel hat sich seither bewegt und entwickelt:

um auf 100 Jahre Waldorfpädagogik zurückzublicken, aber auch, um

Es wurde intensiv zur inhaltlichen Erarbeitung der Menschen-

in die Zukunft zu schauen.

kunde geforscht und publiziert. Die Vorträge des Lehrerkurses

Es war durchaus etwas Verrücktes – im Sinne von Zurecht-Rücken

liegen nun als Studienmaterial chronologisch vor, die Konferen-

– für die damalige Zeit, als Rudolf Steiner 1919 postulierte, dass die

zen mit den Lehrern der ersten Waldorfschule sind vollständig

Schule die Aufgabe habe, den schlummernden Impulsen der Kinder

überarbeitet, und es gibt mehrere wunderbare Publikationen zur

zur Entfaltung zu verhelfen und nicht die Aufgabe, die bestehenden

Geschichte der Waldorfschulen und ihrer Menschen weltweit.

gesellschaftlichen Verhältnisse zu legitimieren.

Im Bereich der Ausbildung werden internationale Verbindungen

Letztes Wochenende habe ich den eingangs zitierten Spruch auf

zu gemeinsamen Fortbildungskonferenzen genutzt, zum Bei-

dem Flug nach Edinburgh wieder gefunden. Er findet sich auf der

spiel die Oberstufentagung in Buenos Aires in Zusammenarbeit

Website von Waldorf 100 unter einigen wirklich originellen und wit-

mit dem Oberstufenseminar Kassel oder eine Mittelstufenta-

zigen Werbeideen.

gung in Bangkok mit Hilfe der Freunde der Erziehungskunst.

22 _ MoMent Sommer 2019


zu Waldorf 100 Es wird in vielen Kollegien die innere Wesensbegegnung mit den

von Rita Welte

einer namhaften Jury ausgezeichneten Stücke sind:

SchülerInnen in den sogenannten Kinderbesprechungen oder

• Projekt Arche Noah

Entwicklungsdialogen geübt und gepflegt, und die Zusammen-

• Ohne uns könnten wir auch wegbleiben

arbeit mit den Eltern gewinnt – jedenfalls für mein Empfinden

• Deine blauen Augen (übrigens ein österreichisches Theaterstück)

– eine tiefere Dimension, zusätzlich zum Brötchenbacken und

Die Stücke werden für Schulen allgemein verfügbar gemacht (und

vielen anderen so wichtigen Dingen, die sie für die Schule tun.

übersetzt werden).

Es sind zwei Kurzfilme zum Thema “Learn to change the world“

Es gab auch eine Ausschreibung für ein Orchesterstück:

entstanden, die zeigen, wie Menschen weltweit waldorfpä-

Metamorphosen

dagogisch arbeiten und mit Herausforderungen unserer Zeit

Zwei chinesische Stücke wurden prämiert und werden auch aufge-

umgehen. Der dritte Film – “Becoming“ – legt den Fokus auf

führt werden.

die ersten Jahre der Kindheit und die Bedeutung von Sinne-

Als Kulmination wird am 19. September 2019 im Berliner Tempo-

serfahrungen und Beziehungen zu Menschen für die weitere

drom ein Fest stattfinden, das – digital vernetzt – alle Länder si-

Entwicklung.

multan erreichen und damit verbinden wird.

Es gibt viele Projekte, die im praktischen Handeln die Möglich-

Das Programm ist auf der Website von Waldorf 100 ersichtlich.

keit zur Veränderung ansprechen:

Die genannten Projekte entstammen alle aus dem eigens dafür

Waldorfintern wurde letztes Jahr eine weltweite Postkartenak-

geschaffenen Verein Waldorf.100, dem sich viele Landesvereini-

tion gestartet, durch welche einander die WaldorfschülerInnen

gungen – auch Österreich – angeschlossen haben. Den Großteil der

gegenseitig über einen Kartengruß wahrnehmen können. Die

Kosten trägt dabei der deutsche Bund und damit die deutschen

erhaltenen Postkarten werden in den Schulen auf einer Welt-

Waldorfschulen. Ohne sie könnten wir Waldorf 100 nicht so gestal-

karte sichtbar gemacht.

ten, wie wir es tun. Danke!

Das Projekt “Bees and Trees“ zielt ganz direkt auf einen Beitrag zur Heilung der Erde, indem Bäume und Wildblumen gepflanzt oder/und Bienenvölker auf dem Schulgelände angesiedelt werden und die Bienenhaltung Teil des Lehrplanes wird. Im künstlerischen Bereich gab es eine Ausschreibung für ein Theaterprojekt zum Thema „Wo ist der Mensch“. Die drei von

Daneben gibt es natürlich viele andere landesspezifische Projekte, wie zum Beispiel: • Ein Staffellauf als Lauf um die Welt, gestartet in Deutschland, von Schule zu Schule, von dem fast jeden Tag irgendwo in den Lokalberichten in Zeitung und Fernsehen ganz positiv berichtet wird. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg würdigt die Waldorfbewegung, besucht die Hochschule in Stuttgart und fragt sie nach ihren Zukunftsvisionen. • Die Schweiz veranstaltete anlässlich Waldorf 100 Olympische Spiele für alle 5. Klassen in der Schweiz. • In Finnland gibt es ein großes Sibelius-Projekt, wo Musik, Theater und Malerei zusammenklingen werden. Bei einem Treffen des Internationalen Kreises mit dem European Council wurden alle Mitglieder um einen kurzen Beitrag in einem Satz gebeten: Was ist Waldorf 100 für dich? Ich erinnere mich wieder an meine Antwort: „Ein Beitrag zur globalen Erwärmung der Herzen für die Idee der Waldorfpädagogik.“ Fotos: www.waldorf-100.org

MoMent Sommer 2019 _ 23


Staffel-lauf zum Jubiläum Waldorf 100 Staffel-Start und -Ziel in Klagenfurt Weltweit feiern wir dieses Jahr 100 Jahre Waldorfpädagogik.

nächsten Schule und den regionalen Gegebenheiten gibt es Spielraum

Aus Anlass des Jubiläums wurde vom Waldorfbund Österreich

für die Gestaltung, denn es geht vor allem darum, dabei zu sein.

ein landesweiter Staffellauf initiiert, der am 8. April um 8.45 Uhr

Auf welchem Weg das Staffelholz von einer Schule zur anderen trans-

in der Waldorfschule in Klagenfurt startete.

portiert wird und welche grandiosen Ideen dabei mit einfließen, hätten

Der Staffellauf zieht sich wie ein roter Faden durch ganz Ös-

wir uns im Vorfeld kaum träumen lassen. Auf unserer Waldorfbund-

terreich. Beginnend in Klagenfurt, verbindet er eine Waldorf-

Webseite ist alles nachzulesen, nachzusehen und nachzuerleben: http://

schule nach der anderen, bis nach Neusiedl oder Götzis. Das Ziel

www.waldorf.at/waldorf100/zeitplan-und-eindruecke-vom-staffellauf

des Laufes ist, das Staffelholz möglichst kreativ von Schule zu

Am 19.9.2019 kommt das Staffelholz wieder zurück in die Waldorfschu-

Schule zu transportieren und die Übergabe einfallsreich in Sze-

le Klagenfurt – zum Ausgangspunkt des Staffellaufes. Dieses Holz, das

ne zu setzen.

von einem Schüler der Klagenfurter Schule geschnitzt wurde, ist dann

„Müssen wir laufen?“ – Das ist die am häufigsten gestellte Frage,

hoffentlich mit vielen schönen Inschriften versehen.

und wir können sie ganz klar beantworten mit: „Wenn ihr möch-

Gemeinsam werden wir am 19.9.2019 um 15 Uhr das Jubiläum begehen.

tet.“ Beim Staffellauf geht es um ein sportliches und verbinden-

Wir feiern 100 Jahre Waldorfpädagogik mit der Ankunft der Staffel, aber

des Erlebnis für alle Waldorfenthusiasten in Österreich. Wie das

auch das 40-jährige Bestehen der Waldorfschule Klagenfurt. Ein ab-

Staffelholz transportiert wird, ist ganz egal. Es gibt vielfältige

wechslungsreiches und interessantes Geburtstagsfest erwartet uns.

Möglichkeiten, dies zu tun. Abhängig von der Entfernung zur

Ulrike Wöhlert

Waldorf 100 Österreich Staffellauf zum Jubiläum 19.09.2019

5. Ankunft 15.05.19

Rudolf Steiner Schule Wien-Mauer

4. Ankunft 15.05.19

Karl Schubert Schule Wien

3. Ankunft 15.05.19

Rudolf Steiner Schule Pötzleinsdorf

2. Ankunft 14.05.19

Stand: 11. Juni 2019

Waldorf Campus Wien

1. Ankunft 11.05.2019

Weitere Information: www.waldorf.at/waldorf100

Freie Waldorfschule Wien West

3. Ankunft 30.05.19

Rudolf Steiner Schule Salzburg

Wien

2. Ankunft 28.05.19

Waldorfschule Tiere hautnah

Linz

1. Ankunft 24.05.19

Kufstein

Ankunft (07.06.19)

Neusiedl

Ankunft 18.05.19

Paracelsus Schule Salzburg

Freie Waldorfschule Linz

Salzburg

Ankunft 09.05.2019

Schönau Ankunft 10.05.2019

Freie Waldorfschule Kufstein

Landschule Schönau

Waldorfschule Panonia

Eisenstadt Ankunft 07.05.2019 Sonnenlandschule

Innsbruck Ankunft ( )

Freie Waldorfschule Innsbruck

Graz

Götzis

1. Ankunft 09.04.2019

Ankunft ( )

Familienschule Rheintal

Villach

Freie Waldorfschule Graz

Waldorfschule Villach

Waldorfschule Karl Schubert Graz

2. Ankunft 06.05.2019

Ankunft ( )

Klagenfurt Start 08.04.2019

Freie Waldorfschule Klagenfurt

Ankunft 19.09.2019

24 Organisation _ MoMent/ Kontakt: Sommer 2019 Waldorfbund Österreich / Mattias Sereinig +43 660 20 20 20 9

Freie Waldorfschule Klagenfurt


Staffellauf-Etappe Wien-Mauer nach Linz Unsere Schule erhielt das Staffelholz im Rahmen des Zirkusfestes am 15.5. von der Karl Schubert Schule und überbrachte es am 18.5., pünktlich zur dortigen Schulfeier, der Linzer Schule. Dank an Klaus Kalauszek, Schülerinnen-Vater, der sich auf die knappe Anfrage hin sofort bereit erklärt hat, diesen Teil der Staffel zu übernehmen, an seinen Begleiter Paul Berke, 9. Klasse, sowie an Mateusz Habdank-Wojewódzki, ebenfalls 9. Klasse, der aus dem bei der Fahrt entstandenen Filmmaterial ein kleines Video geschnitten hat. Bei Redaktionsschluss war die Staffel schon über die drei Salzburger Schulen hinweg, auf dem Weg nach Kufstein! Nadja Berke

Termine und Infos zur Aufführung Am letzten Ferienwochenende treffen wir uns im Großen Festsaal der Schule. Alle mitwirkenden SängerInnen werden da sein und bereits Teile des Orchesters. Ich wünsche mir sehr, dass trotz Ferien möglichst alle SchülerInnen zu den Proben kommen. 30. August von 18:30 bis 21:00 Uhr und am 31. August von 9:30 bis 12:30 Uhr und nach einer Mittagspause von 13:30 bis 16:00 Uhr In der ersten Schulwoche probe ich dann intensiv mit den SchülerInnen von 2. Sept. bis 6. Sept. täglich von 11:20 bis ca. 13:10 Uhr. Nun zur Aufführungswoche: Alle folgenden Termine finden im Odeon, Taborstraße 10, 1020 Wien, statt. Mo. 9. September 17:45 bis 21:00 Uhr (Aufstellung, Einsingen, Probe) Di. 10. September 17:45 bis 21:00 Uhr (Einsingen, Hauptprobe) Mi. 11. September Treffpunkt 17:30 Uhr, öffentliche Generalprobe 18:30 Uhr Do. 12. September Treffpunkt 18:30 Uhr, Aufführung 19:30 Uhr Fr. 13. September Treffpunkt 18:30 Uhr, Aufführung 19:30 Uhr Kartenreservierungen laufen über das Schulbüro. Kartenpreise: öffentl. Generalprobe: Erwachsene: 15 Euro, Schüler/Studenten: 8 Euro, Förderkarte: 50 Euro Aufführungen: Erwachsene: 25 Euro, Schüler/Studenten: 15 Euro, Förderkarte: 50 Euro Bitte die Karten spätestens eine halbe Stunde vor Beginn abholen. Euer Stefan Albrecht


Vom Sprüchlein zum Zeugnisspruch von Dr. Elisabeth Frank Schon bevor Kinder selbst zu sprechen beginnen, lieben sie

Im Sommer, während der Ferienmonate, sagt das Kind den

rhythmische Sprüche. Unsere acht Monate alte Enkeltochter

Spruch im Beisein seiner Eltern und nimmt ihn mit in den

strahlt über das ganze Gesicht, wenn ein Elternteil mit einem

Schlaf. Die Eltern hören ruhig und andächtig zu. Wenn er dem

Sprüchlein beginnt. Die Rhythmik des gesprochenen Wortes

Kind zu schwierig ist, können sie (oder die Geschwister) ihn

lässt sie aufmerksamst lauschen. Kinder erkennen bald, wenn

mit dem Kind sprechen. Wie immer gehen die Eltern den Weg

ein Spruch wiederholt wird und freuen sich darüber. Wenn sie es

gemeinsam mit ihrem Kind, bis sie es dann im Herzen beglei-

dann formulieren können, fordern sie dieselben Sprüche immer

ten, während das Kind allein seinen Weg weiter geht.

wieder ein und begeben sich mit ihrem ganzen Körper und ihrer

Jede Woche wird das Kind im nächsten Schuljahr seinen in-

ganzen Aufmerksamkeit in den Rhythmus.

dividuellen Spruch vor der Klasse und der Lehrerin sprechen.

Auch im Kindergarten werden Sprüche gepflegt. Sie erschaffen

Sie wird dem Kind helfen, wenn es die Worte noch nicht findet,

innere Bilder, die in Reigen, Bewegungen und Spiele umgesetzt

wenn es zu leise spricht, die Konsonanten oder Vokale noch

werden. Kinder brauchen die Sprüche nicht aktiv zu üben; durch

nicht klar artikulieren kann, oder der Rhythmus stolpert. Sie

deren Wiederkehr und die kindliche Nachahmung prägen sich

arbeitet mit dem Kind ein ganzes Jahr an seinem Spruch. Allei-

diese in ihnen ein. Sprüche sind ein Teil des Rhythmus, der das

ne vor der Klasse zu stehen und seinen Spruch aufzusagen, ist

Kleinkind seinen Körper und die Bildekräfte entwickeln lässt.

eine große Herausforderung für das kleine Menschenwesen. Es

Wenn das Kind in die Schule kommt, wird die Lehrerin die Pflege

ist Aufgabe der Lehrerin, dass das Kind trotz Unsicherheit und

der Sprüche weiterführen. Neben dem rein spielerischen Element

Angst den Mut entwickelt, sich mit seinem Spruch zu zeigen.

im Kindergarten wird nun auch der erwachte Wille mit eingebun-

Dies geschieht mit Leichtigkeit, Liebe und auch Humor. Na-

den. Gut zu beobachten ist in der ersten Klasse dabei die Ent-

türlich hilft es, dass jedes Kind der Klasse einmal pro Woche

wicklung des einzelnen Kindes, wie es sich in diese Rhythmik hin-

vorne steht. Auch lernen die anderen Kinder die Sprüche ihrer

einbegibt (oder sich schwer damit tut), aber auch, wie die Klasse

Mitschüler von Woche zu Woche besser kennen, sprechen sie

beim gemeinsamen Sprechen zu einem Ganzen wird.

innerlich schon mit und helfen gerne aus.

Während eines ganzen Schuljahres, erstmals in der ersten Klas-

Jedes Jahr- vom Ende der 1. bis zur 7. Klasse- bekommt das

se, dann jedes Jahr, erlebt der Lehrer seine Klasse und die ein-

Kind nun gemeinsam mit seinem Zeugnis einen Spruch, der

zelnen Kinder. Es entsteht ein Bild in ihm von jedem Kind, von

vom Lehrer einfühlsam ausgesucht wurde. Die Motive dieser

seinen Talenten, seinen Schätzen, die es mitgebracht hat, von

Sprüche sind jeweils den Altersstufen angepasst, manchmal

den Steinen, die dem Kind am Weg liegen, von seinem Denken,

sind es Sprüche oder Gedichte, die es schon gibt, manchmal

Fühlen und Wollen und seinem Temperament. Ausgehend von

schreibt der Lehrer sie selbst. In der Mittelstufe kann es ange-

diesem Bild, sucht der Lehrer nun einen Spruch für jedes Kind

bracht sein, den Spruch auch einmal ruhen zu lassen, nach-

aus und schenkt ihm diesen für das kommende Schuljahr. Es ist

dem das Kind ihn sich zu eigen gemacht hat.

sein persönliches Geschenk für dieses individuelle Kind auf dem

Am Jahresende nimmt der junge Mensch dann nicht nur sei-

Weg durch ein neues Schuljahr. Nicht mehr die Klasse wird den

nen eigenen Spruch mit, sondern auch alle anderen. So wirken

Spruch gemeinsam sprechen, sondern jedes Kind seinen eige-

alle Sprüche bei allen Kindern mit ihrer Kraft zur Verwandlung.

nen, der es beschreibt und begleitet. Der Spruch hat das Bild des Kindes zum Inhalt; er hat aber auch Laute und Rhythmen.

Lehrerinnen und Lehrer wurden abwechselnd erwähnt. Immer

Jedes dieser Elemente hat seine Bedeutung und spezifische pä-

ist aber auch das andere Geschlecht gemeint

dagogische Wirkung.

(Anmerkung der Autorin).


Tagung:

„Sinn-Bildung durch Welt-Begegnung. Waldorfpädagogik im Gespräch“ von Leonhard Weiss

Seit ihrer Gründung vor 100 Jahren versteht sich die Waldorfpädagogik

14 Uhr weiter, zunächst mit einer Präsentation der ersten

als „Pädagogik ihrer Zeit“ – als Versuch, auf aktuelle gesellschaftliche

Ergebnisse der derzeit laufenden Waldorf-Ehemaligen-

Fragen und Herausforderungen pädagogisch zu antworten. Das der-

Befragung. Dirk Randoll und Jürgen Peters von der Alanus

zeitige Jubiläumsjahr ist daher auch eine gute Gelegenheit, zu schauen

Hochschule werden ausführen, wie österreichische Waldor-

und zu zeigen, wo und wie Waldorfpädagogik sich heute positioniert,

fabsolventInnen auf ihre Schulzeit zurückblicken, was für

welche zentralen pädagogischen Ideen, Ansätze und Erfahrungen sie

die Ehemaligen das Prägendste ihrer Schulzeit war, etc. Ein

beitragen kann zu einer humanen Gesellschaft. Im Mittelpunkt der am

spannender Einblick in die Erfahrungen und Einschätzun-

17. und 18. Oktober in der Diplomatischen Akademie Wien stattfinden-

gen ehemaliger WaldorfschülerInnen erwartet uns. Daran

den Tagung „Sinn-Bildung durch Welt-Begegnung“ sollen daher v. a.

anschließend, wird in Arbeitsgruppen den oben skizzierten

zwei zentrale gesellschaftliche Herausforderungen und die sich daran

aktuellen Themen und Fragen nachgegangen. PädagogIn-

anschließenden pädagogischen Fragen stehen:

nen und ErziehungswissenschaftlerInnen aus dem Bereich

Wie kann es gelingen, Heranwachsende in einer Zeit zunehmender

der Waldorfpädagogik, aber auch von anderen Hochschu-

Virtualisierung und Medialisierung zu einem verantwortungsvollen

len und Universitäten, werden dabei in Kurzvorträgen ihre

Umgang mit Technik und mit Natur zu verhelfen, und wie ist auf die

Überlegungen vor- und vor allem zur Diskussion stellen; im

zunehmende soziale, kulturelle und religiöse Pluralisierung unserer Ge-

Sinne des oben genannten gemeinsamen Gesprächs.

sellschaft pädagogisch zu antworten?

Wir freuen uns auf eine spannende und anregende Veran-

Aus waldorfpädagogischer Perspektive spielen bei beiden Fragen zwi-

staltung im Zeichen des Dialogs.

schenmenschliche Beziehungen eine entscheidende Rolle. Auch dies soll daher bei der Tagung besprochen werden.

„Sinn-Bildung durch Welt-Begegnung. Waldorfpädagogik

Veranstaltet wird das Symposion im Auftrag des Österreichischen Wal-

im Gespräch“

dorfbundes vom Zentrum für Kultur und Pädagogik in Kooperation mit

17. - 18. Oktober 2019

der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems. Bewusst wur-

Diplomatische Akademie Wien

de dabei diese Form einer gemeinsamen Veranstaltung gewählt, um

Favoritenstraße 15a,

Waldorfpädagogik auch im Rahmen der Tagung ins Gespräch zu brin-

1040 Wien

gen mit anderen pädagogischen Konzepten und Ideen. PS: An der oben erwähnten Ehemaligen-Befragung können Festvortrag, Podiumsdiskussion, Ehemaligen-Befragung und viel

alle ehemaligen österreichischen Waldorfschülerinnen und

Dialog…

-schüler noch bis zum 30. Juni teilnehmen. Wer das noch

Eröffnet wird die Tagung am Abend des 17. Oktobers mit einem Fest-

nicht getan hat, bekommt über das Schulbüro gerne den Link

vortrag des langjährigen Waldorflehrers und Lehrerbildners Walter

zur Onlinebefragung zugeschickt…

Riethmüller sowie einer daran anschließenden Podiumsdiskussion über Herausforderungen einer modernen Pädagogik des 21. Jahrhunderts. Der Vormittag des darauffolgenden Freitags, 18. Oktober, gehört denjenigen, die im Mittelpunkt aller waldorfpädagogischen Überlegungen stehen: den Schülerinnen und Schülern, die im Rahmen von Schulfeiern an mehreren Waldorfschulen im Wiener Raum Waldorfpädagogik erlebbar machen. In der Diplomatischen Akademie geht es dann um

MoMent Sommer 2019 _ 27


3. MAUER WALDORF LAUF

(Jubiläumslauf anlässlich 100 Jahre Waldorfschule) 8. September 2019, 9:00 Ein tolles Gemeinschaftsprojekt für unsere Schule!!!

Paten koordinieren die Aufgaben der jeweiligen Klasse, helfen bei

Unser Waldorflauf geht nunmehr in die dritte Runde und ist heuer

der Suche von Sponsoren und sind generell AnsprechpartnerInnen

gleichzeitig ein Jubiläumslauf anlässlich 100 Jahre Waldorfschule. Ein

für Fragen der jeweiligen Klasse. Wichtig ist jedoch auch der Kon-

guter Grund zum Feiern und Mitmachen!

takt zu anderen Schulen (insbesondere über die Lehrerschaft) und

Was als Konzept zweier sehr motivierter Organisatoren, großen Dank

Vereinen.

an dieser Stelle an Holger und Momo Kossdorff, startete, sollte im heurigen Herbst wirklich zu einem Gemeinschaftsprojekt unserer Schulgemeinschaft werden. Dazu gibt es ab heuer ein neues Konzept: Die Waldorflauf-Patenschaft

Ganz wichtig: Sie motivieren FreundInnen, Eltern und SchülerInnen, am Lauf teilzunehmen und verbreiten gute Stimmung für den Lauf!!! So wie es für den Weihnachtsbazar bereits üblich ist, wird es in Zu-

Was ist die Waldorflauf-Patenschaft?

kunft auch für den Waldorflauf mit den Eltern abgestimmte Klas-

Waldorflauf-Paten sind Lehrer und Lehrerinnen oder Eltern, die sich

senaufgaben geben, die von Jahr zu Jahr weitergegeben werden.

bereit erklärt haben, bei der Organisation des Laufes aktiv mitzuarbei-

Insbesondere haben wir dabei den aktuellen Arbeitsumfang der

ten. Sie sind das Bindeglied zwischen den Organisatoren einerseits und

Eltern und SchülerInnen berücksichtigt und bereits vorhandene

den Lehrern, Lehrerinnen und Eltern andererseits. Die Waldorflauf-

„Expertisen“ einbezogen J (z. B. Lotsen und Buffet).

28 _ MoMent Sommer 2019


Mauer Waldorf Lauf www.mauer-waldorflauf.at Die Aufteilung der Aufgaben für das Schuljahr 2019/20 sieht

6. Klasse Müll einsammeln nach dem Lauf

vorläufig wie folgt aus:

7. Klasse Frühlingsfest/Sommerfest/Weihnachtsbasar

Klasse Aufgabe 1. Klasse Verpflegungsstation / Motivationsstation 10km Lauf 2. Klasse Buffet 3. Klasse Informieren anderer Schulen 4. Klasse Informieren parkender Autos (Anrainer) 5. Klasse Flyer verteilen bei Veranstaltungen

und Anmeldung zum Lauf

8. Klasse Frühlingsfest/Sommerfest/Weihnachtsbasar

und Anmeldung zum Lauf

9. Klasse Schilder abnehmen 10. Klasse Plakatieren Indoor/Outdoor 11. Klasse Einladen anderer Waldorfschulen Vielen Dank an die Waldorflauf-Paten, Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen, die diesen Lauf so großartig unterstützen und damit sicherstellen, dass der Mauer Waldorf Lauf über die Schulgrenzen zu einem Fixpunkt wird, was letztlich zum positiven Image unserer Schule und finanziellen Erfolg der Veranstaltung beitragen wird. Sämtliche Einnahmen kommen der Schule zugute, sodass der Lauf (neben dem Weihnachtsbasar) eine wichtige Einnahme für unsere Schule darstellt. Wir freuen uns daher, Euch alle am 8. September 2019 zu sehen – entweder als LäuferInnen, Walker, Lotsen, beim Auf- und Abbau oder am Buffet. Bitte lasst Euch diese großartige Gelegenheit, unsere Schule in der Öffentlichkeit zu präsentieren, nicht entgehen. Julia Röhsler & Daniela Muchna (Koordination der Waldorflauf-Paten, www.mauer-waldorflauf.at)

MoMent Sommer 2019 _ 29


Ein neuer Weg zum Anfang Zur Welterziehertagung in Dornach von Ursula Dotzler

Vom 15. - 19. April 2019 fand in Dornach die Welterziehertagung

Dialogfähigkeit als soziale Grundlage

statt – als erste der großen Waldorf-100-Tagungen, die in Bangkok,

Die in Dialogform gestalteten Vorträge gaben Beispiele des Zu-

Nairobi, Buenos Aires, Stuttgart und Dornach noch folgen werden.

sammenwirkens im Sozialen: Jeweils eine Frau und ein Mann

Waldorf feiert weltweit – so auch die Kindergärten, die genau ge-

– eine Kindergartenpädagogin bzw. eine Ärztin und ein anderer

nommen die 100-jährige Gründung des ersten Waldorfkindergar-

Experte (Lehrer, Sozialwissenschaftler, Therapeut) – bewegten

tens 1926 erst in sieben Jahren zu feiern haben.

gemeinsam das Thema Beziehung und soziale Kunst rund um

400.000 Kinder kommen täglich auf die Welt, wie sie bis jetzt ge-

die Pädagogik in der frühen Kindheit:

worden ist, und mit jedem Kind kommt ein Stück reine Zukunft

Stephanie Allon (Waldorfpädagogin, Israel) und Claus-Peter

mit. PädagogInnen stehen so vermittelnd im Spannungsfeld von

Röh (Pädagogische Sektion), Clara Aerts (IASWECE) und Christof

menschheitlich Gewordenem und individuell Zukünftigem.

Wiechert (Internationale Konferenz), Gerald Häfner (Sozialwis-

Menschlichkeit, Herzensbildung und ein gewissenhafter Umgang

senschaftliche Sektion) und Sabine Häfner (Waldorfpädagogin),

mit den Kindeskräften sollen Kindern helfen, ihre mitgebrachten

Silvia Jensen (IASWECE, Brasilien) und Florian Oswald (Pädago-

Impulse sozial kompetent zu verwirklichen. Was brauchen wir, um

gische Sektion), Lakshmi Prasanna (Anthroposophische Ärztin,

ihnen hierbei Vorbild zu sein, der Verantwortung gerecht zu werden

Indien) und Michael Kokinos (Physiotherapeut, Australien). Sie

und Einrichtungen in allen Teilen der Welt führen und verwalten zu

alle kamen in ihren Aussagen zu einer Reihe von Schwerpunk-

können?

ten. Im Folgenden sei dazu ein Überblick gegeben:

Innere Freiheit – soziale Verantwortung: Wege finden in eine menschliche Zukunft Das Thema – vorbereitet von der Pädagogischen Sektion am Goetheanum und der IASWECE (International Association for Steiner/Waldorf Early Childhood Education) – hat offenbar weltweit gestellte aktuelle Fragen auf den Punkt gebracht: Die Tagung war bereits Mitte November ausgebucht, und letztendlich kamen 1.100 TeilnehmerInnen aus 59 Ländern, viele hätten noch kommen wollen. Wie geht es heute den vielen Menschen, die in ALLEN Teilen der Welt auf unterschiedlichen Wegen die Menschenkunde Rudolf Steiners aufgegriffen haben und in rund 2.000 Kindergärten darin immer neue Inspiration für die tägliche Erziehungspraxis finden? Wie arbeiten wir an der Organisation sozialer Zusammenhänge, die nicht auf Hierarchie, sondern auf Motivation des Einzelnen und auf gegenseitigem Interesse und Wertschätzung beruht – an einer Organisation, die dem Einzelnen Freiraum für die eigene Entwicklung und die Möglichkeit bietet, mit dem Blick auf das Ganze selbstverantwortlich daran mitzuwirken?

Jeder Mensch ist auf Beziehungen angewiesen, und wo Menschen zusammenkommen, muss im Kreis gedacht werden. Jede Erneuerung führt auch wieder an den Anfang zurück (Stephanie Allon). Wir erkennen das Gefühl des anderen Menschen, wenn wir in unserer Haltung musikalisch, d. h. immer in Bewegung bleiben (Claus-Peter Röh). Um das Soziale zur Kunst erheben zu können, muss die Kunst der eigenen Lebensführung und Lebenshaltung in Selbsterziehung und -reflexion erübt werden (Christof Wiechert). Die daraus wachsende Fähigkeit, ungeteilt präsent zu sein, ermöglicht die besondere Stimmung der Zeitlosigkeit und Geschlossenheit, die Kinder in den ersten Jahren brauchen (Clara Aerts). Die Erziehung setzt fort, was in der geistigen Welt begonnen wurde; das Kindergartenalter ist eine Zeit der Samen- und Wurzelpflege, nicht der Blüte (Silvia Jensen). Der Bogen der Erziehung ist dann bis zur Oberstufe gespannt, wo erst alles bis dahin Gelernte noch einmal umgebaut wird, um dann in die Fähigkeit zum eigenen Tun zu münden (Florian Oswald).


Ein Kindergarten „gehört“ niemandem; alle Beteiligten sind mitge-

Den anderen Menschen zur Erscheinung bringen

staltend in der Selbstverwaltung einbezogen (Gerald Häfner). Der

Wir schaffen kein gemeinsames Werk – die soziale Kunst versteht

Atem mit der Außenwelt und der stetige Wechsel der Perspektiven

sich als gemeinsames, bewegliches Werken und Gestalten: als SPIEL

– auch auf anderen Erfahrungsfeldern – machen das soziale Gefü-

(von althochdeutsch spil für „Tanzbewegung“) in seiner musikali-

ge erst zur Kunst. Jeder begleitet den anderen in seinem Werden

schen Qualität. Sind die Kinder dabei füreinander Spielgefährten,

(Sabine Häfner).

werden wir als Erwachsene füreinander zum Mittler – um dasjenige

Wer sind wir in diesem Leben, und was haben wir miteinander zu

zur Erscheinung zu bringen, was der andere selbst nicht zur Erschei-

tun? Wir werden wach für das Urbild des anderen und die Begeg-

nung bringen kann. Um der eigenen Persönlichkeit auf die Spur zu

nung mit seinem inneren Wesen. Dazu müssen wir vom Lernen

kommen, braucht man die Begegnung von ICH zu ICH. Wir gestalten

zum „Verlernen“ und Umdenken übergehen (Lakshmi Prasanna).

diese Begegnung bereits in der Art, wie wir übereinander sprechen und

Sensible Kinder mit ihren besonderen Veranlagungen bis hin zu

denken. (Gerald Häfner).

Autismus fordern uns unumgänglich heraus, mit allen unseren Sinnen Wege der Kommunikation mit ihnen zu finden, ihre Gestimmtheit zu erfühlen und sie in ihrem Wesen zu erkennen. Den Schlüssel zueinander zu finden, wird letztendlich zur Aufgabe in JEDER Beziehung (Michael Kokinos).

Nach 100 Jahren: Erwachen für die Innenseite des Lebens Die Stimmung der Tagung hatte etwas vom Zauber der Kindheit. Freude am Spiel hatte überall Platz: In den Vorträgen, den 35 Gesprächsgruppen und über 70 Arbeitsgruppen wurden die Aufgaben der Zeit und die Möglichkeiten in den eigenen Lebensgege-

Im Spiel verbindet sich die Lebensintention des Kindes mit

benheiten bewegt, ausgetauscht und in Beziehung gebracht. Wege

seinem irdischen Wesen

der Verständigung durch das zunehmend vielfältige Sprachenge-

Es wurde deutlich, dass soziale Kunst im Sinne des freien Spiels

misch wurden gefunden und führten zusätzlich zur Empfindung:

immer in Bewegung ist und diese Bewegung in ihrer Wandel-

Die Begegnung entwickelt sich anders als erwartet, braucht mehr

barkeit eine musikalische Qualität hat. Vertrauen, dass etwas neu

Zeit, aber es fühlt sich neu und frisch an! Das konkrete Erlebnis, Teil

werden kann, wenn man etwas zurücklässt, ist dabei unerlässlich.

eines weltweiten Zusammenhangs zu sein, wirkte stärkend und

(Claus-Peter Röh).

impulsgebend.

Die Kindergartenzeit fließt noch „zeitlos“, das freie Spiel ist ab-

Ein derart offenes aufeinander Zugehen und Wahrnehmen und Ar-

sichtslos, abenteuerlich, kreativ, nichts muss sein. Sich spielend

beiten auf allen Wegen und über den ganzen Tag – solche sozialen

am Leben erziehen – nicht durch Einwirkung von außen – legt

Gesten können Kinder nachahmen; sie können sich ihnen in ihrer

Grund für innerseelisches Miteinander, die Fähigkeit, die Pers-

inneren und äußeren Bewegung anschließen.

pektive zu wechseln, für freie Initiative und soziale Kompetenz.

Ist nach 100 Jahren Waldorfpädagogik etwas erwacht? Wege zum

Jede Erwartung, äußeren Erwartungen zu entsprechen, lähmt

aneinander Erwachen und Wachsen und zum Finden in die Gemein-

diese Entwicklung.

schaft führen nach innen – und sie entstehen im Gehen!

Kind sein und Mensch sein haben einen ursächlichen

So wird das Weltenziel erreicht,

Zusammenhang

Wenn jeder in sich selber ruht,

Kleinkindpädagogik und soziale Zukunft weben ineinander. Der

Und jeder jedem gibt,

Mensch als Werdender wird auf neuen Wegen Kind im Sinne der

Was keiner fordern will.

Offenheit im Hier und Jetzt. Zunehmende staatliche Vorgaben wirken einschränkend auf die Grundlagen des Kindseins. Spielprogramme, enge Hygiene-

Rudolf Steiner Zur weiteren Information siehe: https://www.iaswece.org

vorschriften, Ansprüche aus gesteigertem Bedürfnis an Absi-

Anlässlich 100 Jahre Waldorferziehung wurde auf Initiative der IAS-

cherung unter dem Blickpunkt der künftigen „Employability“ im

WECE der Film BECOMING über die frühe Kindheit im Spiegel ver-

wirtschaftlichen Kontext erfordern, dass das „Nichtlernen“ im

schiedener Kulturen produziert. S. d.

Vorschulalter zunehmend häufig und nachdrücklich gerechtfer-

Die IASWECE initiiert und betreut weltweit Projekte zur Entwicklung

tigt werden muss.

und Förderung der Waldorferziehung – jede Spende zur Unterstüt-

Wie lernen Kinder jedoch, sich als soziales Wesen zu empfinden,

zung ist willkommen! S. d.

wenn diese Art der „Optimierung“ immer im Vordergrund steht? Waldorfkindergärten schaffen einen selbstlosen pädagogischen Raum für Kinder; sie pflegen eine Kultur der Würde, die erlangt wird, wenn man aus eigenen Impulsen lernen darf.

MoMent Sommer 2019 _ 31


Rückblick auf das ErstklassRückblick der BegleiterInnen und Begleiter auf das Erstklasswochenende

Sechs von uns 9.-KlässlerInnen sind zum Erstklasswochenende mitgefahren: Paul K., Raphael, Anna, Lara, Caro(lyn) und ich (Mia). Wir sind jeweils bei den Eltern unserer Patenkinder mitgefahren. Nur Caro ist bei Annas Patenkind mitgefahren, weil ihres inzwischen leider die Schule verlassen hat. Wir sind am Freitag, den 10. Mai 2019 losgefahren und alle nachmittags und teils am Abend angekommen. Erst am nächsten Tag haben wir begonnen, auf die Kinder aufzupassen. Ab ca. 9:00 Uhr haben wir die Kinder betreut. Wir waren anfangs in sechs Gruppen aufgeteilt, aber haben dann zu zweit zwei Gruppen betreut. Zum Aufwärmen haben wir „Versteinern“ gespielt – das hat einen großen Spaß gemacht. Es gab dort auch eine Tellerbahn „Flying Fox“ für kleine Kinder. Eigentlich wollten fast alle damit fahren. Wir haben auch Frisbee und Ball gespielt. Ein paar Kinder wollten dann nicht mehr. Caro, Lara und ich sind mit ihnen nach drinnen gegangen und haben für Muttertag Karten und Blumen gebastelt. Nach dem Mittagessen hatten wir ein bisschen Freizeit. Inzwischen wurden aber Perlen, Bänder, etc. aufgelegt. Später sind dann die Kinder nach und nach gekommen, und wir haben Schlüsselanhänger geknüpft und Lesezeichen bemalt, Armbänder oder Ketten gemacht. Caro hat dann später begonnen, die Kinder zu schminken. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, auf die Kinder aufzupassen. Ich vermisse mein Patenkind jetzt schon. Ich bin mir sicher, dass jeder von uns gerne noch geblieben wäre. Es war eine sehr tolle Zeit. Mia Scholz Die Arbeit am Erstklass-Wochenende war nicht sonderlich anstrengend, aber es war doch etwas ganz Neues, sich um Kinder kümmern zu dürfen, die nicht ein kleines Geschwisterchen sind. Gerade für mich, da ich selbst keine jüngeren Geschwister habe. Am Anfang kamen in mir doch gewisse Selbstzweifel hoch, ob das Ganze so klappen würde, wie ich mir es vorgestellt hatte. Aber nach den ersten zehn bis fünfzehn Minuten waren diese Zweifel weg, und im Endeffekt lief es genauso gut, wenn nicht noch besser, als erhofft, da die Kinder direkt und komplett vertrauensvoll mit uns gespielt und sich uns anvertraut haben. Alles in allem war es vor allem wahnsinnig lustig, mit den Kleinen zu spielen, und schön zu sehen, dass man ihnen damit eine Freude bereitet hat. Paul Kaufmann


-Wochenende bei Mariazell von Kindern und Eltern der 1. Klasse

Für uns Eltern war es super, bisher nicht so gut bekannte Eltern näher

Ein super organisiertes Wochenende, welches – obwohl kühl und

kennenzulernen und den jeweiligen Kindern zuordnen zu können. Mit

regnerisch – für Kinder und Eltern sehr bereichernd war. Wäh-

den Namen aller Eltern dauert es jedoch vielleicht noch etwas… Das

rend die Kinder hervorragend durch fünf 9.-KlässlerInnen be-

Seminar war sehr gut; es hat zum Nachdenken angeregt und gab ei-

treut und gut unterhalten wurden, konnten die Eltern ein Semi-

nen positiven Ausblick aufs zweite Schuljahr.

nar zum Thema „Kennenlernen, Gemeinschaftsbildung, Zusam-

Für unsere Tochter ist es klar: „Die zwei besten Dinge beim 1.-Klass-

menarbeit, Verantwortung und Verpflichtung“ erleben.

Wochenende waren das Schwimmen und das Übernachten mit zwei

Durch verschiedene Übungen und Arbeit in Kleingruppen wurde

Freundinnen.“ Das Ständchen der drei Kinder zum Muttertag hätte

zu unterschiedlichen Themen gearbeitet und präsentiert. Dabei

jedoch gerne auch nach 5:30 morgens stattfinden können!

wurde unter anderem auch eine Verbesserung in der WillkomK. D.

menskultur für die jeweils neue 1. Klasse erarbeitet. Diese soll

die neuen Erstklass-Eltern unterstützen, um sich im Schullalltag

„Manchmal waren wir draußen und haben mit den 9.-Klässlern Fan-

schneller gut zurechtzufinden.

gen und Frisbee gespielt.

Auf jeden Fall kennen wir einander jetzt alle viel besser!

Einmal hatten wir ein buntes Tuch, und das hatten Kinder und

Die Kinder waren begeistert beim Spielen und fanden das Hal-

9.-Klässler in der Hand. Und die restlichen Kinder sind dann unten

lenbad besonders toll. Leo fragte, warum wir nicht alle eine

durchgelaufen. Und einmal hat es stark geregnet, wir hatten aber Re-

ganze Woche bleiben können…

genjacken mit.

Danke an Frau Bosch und an Kathi Schaller für die ganze

Wir waren auch drinnen, da gab es ein Schwimmbad. Da sind wir ge-

Organisation.

sprungen und getaucht.“

L. F. Timo

Termine Lernen, um die Welt zu verändern 100 Jahre Waldorf-Schulen Ö1 - Radiokolleg 19. - 22. Aug. 2019 jeweils ab 9.30 Uhr

Sinn-Bildung durch Welt-Begegnung. Waldorfpädagogik im Gespräch (s. Seite 27) Do, 17. – Fr, 18. Okt. Diplomatische Akademie Wien, Favoritenstr. 15a, 1040 Wien

3. Mauer Waldorf Lauf (s. Seite 28/29) So, 08. Sept., 8 Uhr TP Sternwarte, 9 Uhr Start

Schulfeier Sa, 19. Okt. 9 Uhr

Orchester- und Chorkonzert (s. Seite 25) Karl Jenkins: „The Armed Man: A mass for peace“ Mi, 11. Sept., 18.30 – öffentliche GP Do, 12. u. Fr, 13. Sept., je 19.30 Uhr – Aufführung Odeon, Taborstraße 10, 1020 Wien

Adventbasar der RSS Wien-Mauer Fr, 29. – Sa, 30. Nov.

Lange Nacht der Waldorfschulen (österreichweit) 100 Jahre Waldorfpädagogik Do, 19. Sept. Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer, Endresstraße 100 Tag der Wiener Schulen Mi, 09. Okt. offener Unterricht

Schulfreie Tage im Schuljahr 2019/20 Erster Schultag SJ 2019/20 Mo, 02. Sept. 2019 Herbstferien Sa, 26. Okt. – So, 03. Okt. 2019 Weihnachtsferien Sa, 21. Dez. – Mo, 06. Jän. 2020

Die nächste Ausgabe von MoMent erscheint voraussichtlich Mitte November 2019 Redaktionsschluss: 25. Okt. 2019 Wir wünschen schöne Ferien! MoMent Sommer 2019 _ 33


Die 3. Klasse zu Besuch bei Handwerksbetrieben in und um Wien von Sabine Trierenberg (sie durfte die meisten Ausflüge begleiten)

Die dritte Klasse in einer Waldorfschule ist wohl etwas ganz Besonderes: Der Weg in die Welt wird in vielen Bereichen sichtbar. Die Besuche alter Handwerksbetriebe sind ein ganz wesentliches Beispiel dafür. Die dritte Klasse mit ihrer engagierten Lehrerin Frau Rumetshofer hatte in diesem Frühling besonders viel Glück. Danke auch an die 4. Klasse, die mit uns ihre guten Erfahrungen und Adressen geteilt hat. Viele Menschen öffneten für uns ihre Werkstätten, und wir durften reich beschenkt zurück in die Klasse kommen. Unsere „Schatztruhen“ füllten sich zunächst mit einem Schneidebrett und einem selbst gebogenen Stahl-Ring aus der Tischlerund Schlosserwerkstatt WerK von Katja und Werner Nussbaumer (einem ehemaligen Schüler unserer Schule), und auch Hobelspäne aus der Schlafstätte des Pumuckl durften wir mitnehmen. Ein selbst mit Stoff überzogener Knopf (es gibt noch alte, händisch zu bedienende Knopfmaschinen) aus der Tapeziererwerkstatt Kohlmaier kam an diesem Tag ebenfalls dazu. Der Geigenbaumeister Cai von Stietencron beschenkte uns mit Klängen seiner selbstgebauten Instrumente in der wunderschönen Werkstatt im Heiligenkreuzerhof. Sandsteine und Marmor durften wir aus der Dombauhütte im Stephansdom mitnehmen, wo wir tatsächlich selbst Hand anlegen konnten. Unsere Schatzkiste füllte sich weiter mit Rosshaaren, einem Geschenk der traditionellen Herrnmaßschneiderei Kastner & Dronia (in einem handgenähten Herrenanzug wird ein Vlies aus Rosshaar eingearbeitet, damit der Anzug seine Form behält und die Elastizität nicht verliert), sowie mit Seidenstoffresten aus der wunderbaren CoutureWerkstatt in der Hietzinger Altgasse. Herr Moser, der nette Goldschmied am Maurer Hauptplatz 11, hat für und mit der Klasse einen Anhänger und einen Ring angefertigt – der Ring wandert jetzt bei den Zeugnissprüchen von Hand zu Hand, von Finger zu Finger. Arte Aurelia, die Vergolderwerkstatt im vierten Bezirk, zauberte Gold-, Silber- und Kupferblättchen in unsere Schatzkiste. Traditionellerweise hat auch diese dritte Klasse den Köhler be-

34 _ MoMent Sommer 2019


sucht: Um eine große Erfahrung reicher kamen die Kinder mit einem großen Sack Kohle nach Hause, zu groß für die Schatztruhe. Nicht nur für die Buben gab es einen spannenden Besuch in der Messerschmiede Nagl in Hietzing. Jetzt wissen wir, wo man seine Messer und Scheren schleifen lassen und neue, handgefertigte Messer kaufen kann. In die Schatzkiste kamen weiters kleine Geschenke vom Puppendoktor aus der Innenstadt; die kleinen Büchlein und Malplatten verkürzten netterweise die U-Bahnfahrten erheblich. Wir durften außerdem in die Welt von Landtmann’s feiner Patisserie eintauchen. In der Führung inkludiert war nicht nur eine Torte für unser Geburtstagskind, sondern natürlich auch herrliche Kostproben für uns alle. Der Weg durch das Kühlhaus war fast so spannend wie eine Geisterbahnfahrt im Prater. Von der Hutmanufaktur Mühlbauer durften wir schönen Filz für diverse Hüte zukünftiger Handpuppen in unsere Schatztruhe legen. Diese wunderschöne und alte Werkstatt hat uns alle besonders fasziniert, und die heißen Öfen haben uns ganz schön ins Schwitzen gebracht. Und wenn man schon am Schwedenplatz umsteigen muss, dann liegt ein Besuch im Eissalon am Schwedenplatz sehr nahe. Auch dort durften wir netterweise einen Blick in die Eisproduktion werfen, die „Schokoladepipeline“ bewundern und selbstverständlich auch köstliches Eis essen. Der Besuch beim altehrwürdigen k. u. k. Hof-Schuhmacher Rudolf Scheer & Söhne war ein Erlebnis für sich – die traditionsreiche Werkstatt hat uns in eine andere Welt gezaubert. In den Räumlichkeiten oberhalb des Geschäfts wird gearbeitet wie vor 150 Jahren. Klavierbaumeister Bernhard Balas spielte in seiner großen Werkstatt voller Klaviere auf seinen historischen Instrumenten für uns. In den kommenden Wochen werden wir neben der Hausbauepoche noch folgende HandwerkerInnen besuchen: Die Buchbinderin Ira Laber ist unserer Schule schon seit einigen Jahren sehr zugetan; auch diesmal wird jedes Kind mit einem selbst gebundenen Buch nach Hause gehen dürfen. Den krönenden Abschluss werden der Imker Doogie Spät und der Pecher Robert Rendl machen, und im Herbst, passend zum geernteten Korn, wird die Klasse noch eine Bäckerei besuchen. Was für eine schöne Zeit – so viele Erlebnisse und Erfahrungen. Die Hinterhöfe dieser Stadt sind voller handwerklicher Überraschungen… Schade, dass die 3. Klasse jetzt bald vorbei ist. Ein Schüler meinte: „Ich möchte nur mehr Ausflüge machen, das ist so schön“; die Antwort eines anderen Schülers folgte: „Ja, dann haben wir ganz viele Erfahrungen von der Welt.“

MoMent Sommer 2019 _ 35


Kurse, Prüfungen und Bewegung Die freiwillige Fahrradprüfung und der Schwimmkurs in der 4. Klasse von Manfred Hofer, Klassenlehrer der 4. Klasse Das Fahrradfahren Beim Fahrrad handelt es sich in der Regel um das erste Trans-

anlagen oder auf Waldwegen dahinzubrausen. Und dieses Gefühl

portmittel, mit dem Kinder selbstständig und teilweise über lange

den Kindern in der 4. Klasse zu ermöglichen, ist es wert, die Orga-

Strecken am Straßenverkehr teilnehmen. Dabei stellt das „Radl“ an

nisation und Durchführung der freiwilligen Fahrradprüfung auf sich

seine jungen FahrerInnen hohe Anforderungen in Bezug auf Moto-

zu nehmen. Also rauf auf den Drahtesel und ab die Post!

rik und Konzentrationsfähigkeit. Für die meisten WaldorfschülerInnen ein Klacks! Sagen auch die BeamtInnen, die die Kinder während der Übungsfahrten genau im Auge haben. Man erkennt, dass die

Das Schwimmen

Schule viel bewegt arbeitet.

Der Leib wird leicht im Wasser. Wenn der Arm

Bei der Theorie sieht es ein wenig anders aus. Selbstständige Mit-

Leicht aus dem Wasser in den Himmel fällt

arbeit, rege Anteilnahme und Ideenreichtum sind nicht so sehr

Wiegt ihn der kleine Wind vergessen

gefragt. Stattdessen werden „gut Zuhören” und das Anwenden der

Weil er ihn wohl für braunes Astwerk hält.

Verkehrsregeln verlangt. Gut so. Solange es keine Waldorfhighways

Bertold Brecht

gibt, sollte man sich dem einfach unterordnen. Das führt auch dazu, dass die Kinder merken und schätzen lernen, wie bei uns in den Klassenzimmern mit ihnen umgegangen wird und wie Verkehrserziehende agieren müssen, um Ersteren in kurzer Zeit die wichtigsten Regeln nahezubringen. Die Jobausschreibung für WaldorfverkehrserziehungsexpertInnen, verknüpft mit Verkehrs- und Städ-

Es gibt doch nichts Schöneres, als im Sommer ins kühle Wasser zu hüpfen und sich rundum pudelwohl zu fühlen. Dazu muss man natürlich schwimmen können. Gut gelernt und gut geübt, sorgt das richtige Schwimmen für viele Stunden Freude und Erregung – und die Kinder schlafen abends rasch ein!

teplanung sowie inklusive sozialer Dreigliederung ist naheliegend,

Im Einklang zu sein mit jenem Element, aus dem wir alle stammen,

aber wahrscheinlich erst in ferner Zukunft angesiedelt.

ist etwas Wunderbares. Der schwebende Zustand, den man dank

Den Kindern macht es Spaß zu radeln, und die Möglichkeit, mit

der Gliedmaßen, die man im Menschenkundeunterricht bewusst

dem Fahrtwind im Gesicht zur Schule zu fahren, erinnert mich

kennen gelernt hat, bewusst verlassen kann, um sich „fliegend“

an meine Kindheit. Es gab nichts Schöneres, als vor und nach der

fortzubewegen, ist grandios. Die Möglichkeit, im wahrsten Sinne

Schule mit den Freunden am Fahrrad durch die städtischen Park-

des Wortes einzutauchen in eine Welt, die uns so nahe ist und doch

36 _ MoMent Sommer 2019


auch fern, ist das pure Abenteuer. Also machen wir den Schwimmkurs im nahegelegenen Hietzinger Bad. Dem fehlt allerdings das abenteuerhafte Flair, dessetwegen er eigentlich absolviert wird, weshalb er eher als Training betrachtet wird. Ein Junge aus der Klasse formuliert es treffend: „Der Mann muss nicht freundlich sein; er muss wie ein guter Fußballtrainer gute Trainings machen.“ Also trainieren wir und heben uns das Abenteuer für später auf. So soll es sein. Je besser wir schwimmen können, desto mehr Spaß werden wir haben. Und wir wollen eine Menge Spaß! Schon wieder ein guter Grund, den Schwimmkurs in der 4. Klasse durchzuführen. Sowohl im Fahrradfahren als auch im Schwimmen steckt ein lebendiges Bewegungselement, das die Kinder in der Regel magnetisch anzieht. „Ich will das können! Ich kann das!“ Es ist eine Erweiterung der bisherigen Fähigkeiten. Dabei ist es egal, wann man damit beginnt. Die Mitwelt wird in der 4. Klasse mehr und mehr zur Umwelt, und die Gelegenheit, sich mit Hilfe eines Fahrrads oder den charakteristischen Schwimmbewegungen in der Umwelt fortzubewegen, ist Teil dieser Entwicklungsstufe. Die Kinder fühlen sich herausgefordert und haben Spaß an der Sache. Um Bestätigungen und Abzeichen soll es dabei nicht gehen. Vielmehr geht es um das Gewahrwerden seiner selbst und um den Umgang mit dem Gerät beziehungsweise dem Element. Und so geht es auf zu neuen Ufern…

MoMent Sommer 2019 _ 37


Die olympischen Spiele 2019

Schnell, hoch und stark sind wir nur gemeinsam! von Ursula Khol-Haidenthaler und den Kindern der 5. Klasse

Nach Trainingsstunden in der Schule, Laufrunden im Maurer Wald, Packlistenbesprechungen, Zelteinteilungsdiskussionen und freudvollen Erzählungen darüber, was alles sein wird und sein könnte, bricht die fünfte Klasse auf zu den Olympischen Spielen nach Schönau. Das Olympische Feuer wird entzündet. Die Kinder werden herausgefordert, angespornt und triumphieren. Ob Marathon, Ringen, Hochsprung, Diskuswerfen, Wagenrennen, Speerwurf und Staffellauf – alles wird freudvoll und harmonisch gemeistert. Bunte Gruppen mit Kindern aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Sprachen, im kunstvoll genähten Chitons. Eine Augenweide für Körper, Geist und Seele. Ein großes Dankeschön an die Klassenlehrerin Frau Bolleter, die das ganze Abenteuer mit so viel Freude und Gelassenheit begleitet hat, und an die einfach grandiose Organisation durch die Waldorfschule Schönau! Es war nie langweilig, und es gab ganz viele nette Menschen. Ich fand es auch sehr lustig, dass wir zelten durften. Und der Volleyballplatz war cool. Julie

38 _ MoMent Sommer 2019


Die Olympischen Spiele waren sehr schön, weil man viele Kinder kennengelernt hat. Und das gemeinsame Zelten war auch sehr schön. Zusätzlich gab es auch einen coolen Volleyballplatz, und alle hatten viel Spaß! Laurenz Ich fand den Hochsprung sehr toll, aber auch das Wagenrennen war sehr spannend, weil es immer so knapp war. Ich fand es auch super, dass wir in den Zelten geschlafen haben. Keanu Ich fand, dass das Ringen und der Speerwurf sehr lustige Disziplinen waren. Am griechischen Abend war unser Beitrag der letzte. Als wir den Tanz aufführten, stockte die CD, aber das fand ich nicht schlimm, denn so war die letzte Aufführung die lustigste! Maya Beim Wagenrennen sitzt einer im Wagen, und zwei andere ziehen den Wagen. Die Kinder, die den Wagen zogen, mussten um einen Speer und dann wieder zurücklaufen. Ich war in der Polis Troja, und wir haben sehr oft gewonnen. Ilias Ich fand unsere Aufführung am griechischen Abend sehr lustig, aber am besten hat mir doch das Speerwerfen gefallen. Ich würde es gerne öfters machen. Zoe Es war richtig lustig, mit der ganzen Klasse zu zelten. Wir mussten schon um 5.50 Uhr aufstehen. Ich habe das erste Mal im Zelt geschlafen, und es war toll. Krzysztof Mir hat der griechische Abend sehr gut gefallen. Das Wagenrennen hat mir gut gefallen, weil ich gezogen habe. Emma

Die Olympischen Spiele haben mir sehr viel Spaß gemacht. Der Speerwurf hat mir gut gefallen. Alex Als wir am Donnerstag angekommen sind, haben wir die Zelte aufgebaut. Die 8. Klasse, besser gesagt, zwei Buben aus der 8. Klasse holten uns beim Bahnhof ab. Ich hatte viel Spaß bei den Olympischen Spielen. Das Wagenrennen war neu. Levinia

MoMent Sommer 2019 _ 39


WSD – WIR STÄRKEN DICH! Persönlichkeits- und Sicherheitstraining in der 1. und 2. Klasse der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

In einem vierwöchigen WSD-Kidskurs wurde mit den Kindern der

Der WSD-Kurs hat unserer Valerie sehr gut gefallen. Wir hatten

Unterstufe besprochen und praktisch geübt, wer eine Vertrauens-

auch den Eindruck, dass es ihr sehr gut getan hat und hier wichtige

person ist, wie man sich richtig in kritischen Situationen verhält

Themen klar und kindgerecht erarbeitet wurden.

und ihnen in vielen praktischen Beispielen bewusst gemacht, dass es ihr Recht ist, auch Nein zu sagen. Mit einer Urkunde im Rucksack und einer gehörigen Portion Mehr an Selbstbewusstsein wurde das Training zufriedenstellend für alle

„Mir hat es sehr gut gefallen; der Hans Heidinger war sehr nett! Besonders cool war es beim letzten Mal, wo wir den Kindern geholfen haben, die geärgert wurden.“ Valerie Neu & Eltern, 2. Klasse

beendet.

„Es war sehr cool. Hans ist sehr lustig und hat eine laute Stimme.

„Mir hat besonders gut gefallen, dass… ... man seine Energie an einem Schlagpolster auslassen konnte.

Schade, dass es schon aus ist!“

... der Lehrer immer so gut aufgelegt und lustig war.

So die Worte unseres Sohnes über die vier Stunden Persönlich-

... ich gelernt habe, dass ich nicht alles machen muss

keitstraining mit Johann Heidinger.

und ich nein sagen kann!

Wir begrüßen es sehr, dass es an der Schule derartige Gelegenhei-

... wir geübt haben, Blickkontakt zu halten. „

ten gibt, unsere Kinder im Selbständigwerden zu stärken. Jakob Kiffe, 2. Klasse

40 _ MoMent Sommer 2019

Nina Juritsch, Mutter von Nils Juritsch, 2. Klasse


Die Klassenreise der 6. Klasse ins Ferienschloss Wetzlas (Waldviertel)

von Magdalena Khol (Schülerin der 6. Klasse)

Mit dem Bus fuhren wir am Montag, den 13. Mai nach Maissau

tief über unseren Köpfen, sodass wir uns ducken mussten. Ein Geier

in die Amethyst Welt. Nachdem wir eine Führung besucht und

pickte vor unseren Füßen sein Fleisch auf, da wichen die meisten Kinder

Amethyste ausgegraben hatten, fuhren wir weiter ins Ferien-

zurück. In einem Gasthaus gab es Mittagessen, danach sind wir nach

schloss. Als wir dort angekommen waren und die Zimmer einge-

Wien gefahren. Leider hatten wir Verspätung, aber dann wurden wir

richtet hatten, gab es Mittagessen, und wir hatten den Rest des

herzlichst begrüßt und in Empfang genommen.

Nachmittages Freizeit. Es wurde auf hohen Schaukeln geschau-

Diese Reise wird uns noch lange in Erinnerung bleiben, und wir bedau-

kelt, Volleyball, Ball-über-die-Schnur und fünf Stunden Fußball

ern die Kinder, die leider nicht teilnehmen konnten. Umso mehr steigert

gespielt. Nach dem Abendessen machten wir eine Laternen-

das unsere Vorfreude auf die Skiwoche nächstes Schuljahr, und Fotos,

wanderung zu einer Burgruine und lernten dabei einiges, zum

die unser Klassenzimmer jetzt schmücken, erwecken ein gutes Gefühl

Beispiel: „Fichte sticht, Tanne nicht.“

in uns. Wir sind auf dieser Klassenreise zu einer guten Gemeinschaft ge-

Jeden Abend musste Tagebuch geschrieben sowie ein Bild ge-

worden, die uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

zeichnet werden, das haben alle mit viel Eifer getan. Am Dienstag waren wir in der Früh in einer Unterwasserwelt und sahen eine Otterfütterung. Anschließend waren wir bei den Wackelsteinen, dort aßen wir dann ein Lunchpaket. Bei einem Glasbläser durfte jeder seine eigene Glaskugel blasen, die alle sehr schön geworden sind. Am Abend gab es eine Disco mit den Songs, die wir uns zuvor gewünscht hatten. Das war sehr lustig und ein unvergesslicher Abend für viele von uns. Am Mittwochvormittag machten wir eine Wanderung im Wald. Leider war es da sehr kalt, aber die unterschiedlichen Gruppen machten ein Bäume-Rätselspiel oder ein Lagerfeuer, und so wurde es trotz der Kälte sehr lustig. Am Nachmittag hatten wir Freizeit. Es wurde Ringerl beim Tischtennis gespielt, am Tischfußball angefeuert und am Kamin gelacht. Am Abend gab es ein Kabarett mit einer anderen Schulklasse, und dabei wurde viel Blödsinn gemacht. Am Donnerstag besichtigten wir ein Schloss und spielten dort ein Hohes Gericht nach. Anschließend machten wir ein Rätselspiel über das Schloss. Am Nachmittag unternahmen wir von Schloss Wetzlas aus eine Wanderung zu einer Höhle namens „Frauenlucke“, wo sich in einem Krieg Frauen versteckt hatten. Dort fanden wir eine Geocaching-Schachtel und verewigten uns auf einem Block, der darin lag, mit Worten. Am Abend grillten wir Marshmallows über dem Lagerfeuer und genossen den letzten Sonnenuntergang. Leider mussten wir am Freitag schon die Rückreise antreten. Zuerst besichtigten wir allerdings noch Greifvögel und besuchten eine Vorstellung. Dabei flogen ein paar Vögel erschreckend

MoMent Sommer 2019 _ 41


“The Golden Bird” von Welmoed Kollewijn

Hierbei bietet es sich an, eine Geschichte mit Figuren zu wählen, die ganz klare Charakterzüge haben. Das Buch “The Golden Bird”, ein Märchen von Edith Brill, konnte dieser Anforderung gerecht werden. Diese Geschichte so umzuschreiben, dass sie als Theaterstück aufgeIn der Mittelstufe stehen die Seelengesten als Thema im Lehrplan für

führt werden kann, war für mich persönlich eine tolle Lernerfahrung!

den Eurythmieunterricht. So wie jeder Unterrichtsinhalt wirft auch

Um den Lernprozess auf der Ebene von Gesten und Körpersprache zu

dieses Thema verschiedene methodische und didaktische Fragen auf

unterstützen, haben wir beschlossen, für jede Figur eine darstellen-

und stellt Lehrende dadurch vor neue Aufgaben: Was soll den Schü-

de sowie eine Sprechrolle zu vergeben und die jungen Darstellenden

lerinnen und Schülern mitgegeben werden, wenn wir uns mit diesem

nicht selber sprechen zu lassen. Dadurch konnten sich letztere noch

Thema beschäftigen? Was ist der Kern der Sache, was das Wesent-

besser darauf einlassen, sich mit ihrer Körpersprache zu verbinden.

liche daran? Und warum ist dieses Thema jetzt überhaupt in dieser

Eine Sprechrolle wiederum – also für eine andere Person zu sprechen

Klassenstufe dran? Sind diese Fragen beantwortet, kann man anfan-

– setzt große Aufmerksamkeit und viel Einfühlungsvermögen voraus,

gen, darüber nachzudenken, wie diese Inhalte am besten vermitteln

damit Bewegung und Sprache auch zusammen wirken können.

werden können.

Da “The Golden Bird” in englischer Sprache verfasst ist, war es nahe-

Bei den Seelengesten geht es um Emotionen, Stimmungen oder inne-

liegend, das Stück ebenfalls auf Englisch aufzuführen. Dies verlangte

re Haltungen, die in Armbewegungen und in der ganzen Körperhal-

von den Schülerinnen und Schülern, sich intensiv mit dem Text ausei-

tung zum Ausdruck kommen. Im Schattentheater müssen Bewegung

nanderzusetzen, um so die sprachlichen Hürden zu überwinden. Um

und Körperhaltung verstärkt dargestellt werden, um sie deutlich auf

für das Stück frei und deutlich sprechen zu können, mussten die Texte

der zweidimensionalen Fläche sichtbar zu machen. Die Körperspra-

dann freilich auch gut auswendig gelernt werden. Damit Gefühlsaus-

che muss dabei verlangsamt werden, um zu einer klaren Aussage zu

druck in Stimme und Geste gelegt werden konnte, musste der Inhalt

kommen; die Gefühlsebene kann sich dadurch intensiv mit dem physi-

genau verstanden werden. Die Schülerinnen und Schüler haben dafür

schen Körper verbinden.

mit Frau Welte im Englischunterricht an ihrer Aussprache gearbeitet

LEBENS- UND SOZIALBERATUNG SUPERVISION 0676 453 50 03 | beratung@julia-roehsler.at

42 _ MoMent Sommer 2019


Das Schattentheater der 7. Klasse und dabei auch ihren Wortschatz beträchtlich erweitert. Gerade im Schattentheater gibt es auf bühnentechnischer Ebene viele spannende Herausforderungen und Aufgaben wie etwa den Umgang mit primären und sekundären Lichtquellen. Wenn Bühnenbild und Ausstattung fast nur aus Licht und Schatten bestehen, wird es zur besonderen Herausforderung, geeignete Kostüme, Objekte und Vorlagen zur Projektion der Szenen zu gestalten. Die Aufführungen waren ein wunderschönes Beispiel von erfolgreichem Teamwork. In und hinter jeder Szene waren so viele Personen gleichzeitig im Einsatz: sprechend, spielend, beim Projizieren der Bühnenbilder, bei der Bereitstellung von Requisiten, beim Spielen der Vogel-Puppen oder beim Umziehen für die nächste Szene. Eine ganz tolle gemeinschaftliche Leistung! So ein Projekt schafft man aber nicht alleine! Vielen Dank für Eure Unterstützung, Rita Welte, Stefanie Czellari, Wolfgang Seyringer und Daniel Themessl-Kollewijn. Vor allem geht dieser Dank aber an die 7. Klasse, die sich mit mir auf dieses

Eine Auswahl an Aussagen der 7. Klasse im Rückblick auf das Schattentheater:

Abenteuer eingelassen und so ein schönes Resultat hervorgebracht hat! So

Was habe ich gelernt?

kann aus einem Unterrichtsthema eine ganz neue Welt entstehen...

Mir hat gefallen, dass man hinter einem Tuch spielt und die Zuschauer nur den Schatten sehen. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, weil ich Theaterspielen sehr gerne mag! Ich habe Englisch gelernt. Ich habe ein bisschen Schauspielen gelernt. Ich habe gelernt, dass man beim Schattentheater mehr im Profil spielen muss. Ich habe gelernt, große Bewegungen hinter dem Tuch zu machen, weil man die Bewegungen sonst nicht so genau sieht. Was ist mir schwer gefallen? Es war schwer, Sprechen und Spielen zu koordinieren. Die Geschichte war kompliziert und dadurch unübersichtlich. Das Spielen fand ich schwer. Langweilig war das Warten, wenn ich nicht dran war. Am Ende war es stressig, weil wir zu wenig Zeit hatten und Frau Kollewijn ungeduldig wurde. Wenn manche unkonzentriert waren und abgelenkt haben, war das anstrengend.

MoMent Sommer 2019 _ 43


Elend und Revolution Das Klassenspiel der 8. Klasse

ÜBER SICH HINAUSWACHSEN ist der Untertitel der pädagogischen Randnotiz zum Spiel der 8. Klasse im vorderen Teil dieses Heftes. Über sich hinausgewachsen sind sie, die Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse. Ein ernstes Stück haben sie zur Aufführung gebracht. Großen Themen haben sie sich damit gewidmet. Sie sind daran gewachsen. Selbstbewusste, klare Worte waren auch von einigen zu hören, deren Stärke das bislang nicht zu sein schien. Sie haben einander hinter der Bühne geholfen, sind füreinander auch eingesprungen, haben die Umbauten auf offener Bühne gemeistert und haben das Publikum auf vielerlei Weise zum Staunen gebracht. Der Einsatz jeder und jedes Einzelnen war ein gleich wichtiger Baustein zu einem Ganzen, das entstanden ist. Der Mut der Schülerinnen und Schüler kommt dem der Klassenlehrerin Barbara Pazmandy gleich, ein solches Stück für eine 8. Klasse vorzuschlagen, und dem Mut der Regieführenden, Maria Leutzendorff und Elmar Dick, sich dieses Stückes anzunehmen und es mit den Schülerinnen und Schülern umzusetzen. Die Eltern staunten über die eigenen Kinder so wie über die MitschülerInnen und wohl auch darüber, dass trotz der ernsten Thematiken gelacht werden konnte. Und zwar genau deshalb, weil es so ernste Themen waren, die so ernsthaft behandelt wurden, dass einem dann das Herz aufging, als... ...der verliebte Marius das Mädchen Cosette anlächelte, sodass man wusste, dass die Liebe siegen würde ...man mit ansah, dass die alte Revolutionärin, die schon so viel erlebt hatte, den jungen Revolutionären Leid ersparen wollte, indem sie von ihren Erfahrungen berichtete und dabei genau wusste, sie würde damit nichts ausrichten… ... man genau wusste, dass die „bösen“, ausgefuchsten Gauner immer Gauner bleiben, egal was ihnen passiert, aber dass auch das „Böse“ das Gute in sich trägt – in diesem Falle ihre Kinder Gavroche und Eponine ... man wusste, dass auch das „Gute“ – in diesem Falle die Gesetzestreue – manches Mal das Gegenteil bedeutet ... man wusste, dass der gute Mensch Jean Valjean standhaft und gut bleiben würde – egal, wie sehr ihm das Schicksal auch Steine in den Weg legen würde. Ein bewegendes Spiel. Danke dafür an alle Beteiligten.


nach Victor Hugos Les MisĂŠrables von Nadja Berke


Unsere Klassenreise nach Ungarn Wir haben uns am Montag, den 6.5., beim Maurer Friedhof getroffen

An einem Tag spielten wir ein Fußballmatch gegen eine Schu-

und sind von dort mit dem Bus bis Verpelét gefahren. Verpelét ist ein

le des Ortes, die uns herausgefordert hatte. Das Match ging 1:1

kleines Dorf in Ungarn. Dort waren wir, die 8. Klasse und die Begleiter,

aus, also waren alle zufrieden. Danach besuchten wir ein Roma-

in einem Kindergarten untergebracht. Als Gegenleistung haben wir

Dorf und brachten Geschenke mit. Die Roma leben dort in sehr

für den Kindergarten einen Sinneslehrpfad gebaut und im Kindergar-

heruntergekommen Häusern, zum Teil ohne Strom und fließen-

ten geholfen: nach dem täglichen viel zu frühen Aufstehen um 5:30.

dem Wasser.

(Wir mussten so früh aufstehen, weil der Kindergarten um 6:00 geöff-

Am sechsten Tag waren wir in Eger. Dort verbrachten wir den

net wurde und die Mädchen, die in einem anderen Raum als wir Buben

Tag damit, uns die Stadt anzusehen. Eger ist eine kleine, aber

schliefen, ihre Sachen noch in den Jungs-Raum bringen mussten.)

schöne Stadt. Viele alte Gebäude aus der Kaiserzeit sind gut

Wir haben uns jeden Morgen in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Grup-

erhalten, und das Wahrzeichen der Stadt ist die Burg. Auch ein

pe half im Kindergarten, auf die Kinder aufzupassen, die zweite nähte für

Minarett gibt es dort, auf dem einige von uns oben waren. Am

die Kinder Bälle, Kronen und weitere Spielzeuge, die dritte baute am Sin-

Abend fuhren wir wieder zurück nach Verpelét.

neslehrpfad. Am Abend aßen wir in einem Lokal namens Villa Rigo. Um

Wir verbrachten noch zwei Tage im Kindergarten, bevor wir

22:00 war Schlafenszeit. So war der Tagesablauf für die ersten fünf Tage.

mit dem Bus nach Budapest fuhren. In Budapest angekommen, suchten wir erst einmal unser Hostel auf und verstauten das Gepäck. Danach gingen wir in ein Café mittagessen. Das Essen schmeckte sehr gut. Eine schöne Abwechslung zum Essen in der Villa Rigo. Danach gingen wir zurück ins Hostel und konnten unsere Zimmer beziehen. In Budapest haben wir uns den Burg-Berg, die Stadt und eine Synagoge angesehen. Es war entspannter als in Verpelét, vielleicht gewohnter, weil Budapest Wien doch sehr ähnelt. An einem Tag sind wir auch mit einem Amphibienfahrzeug gefahren – naja, es war wie ein Bus, der auch auf dem Wasser die Donau entlang fahren konnte. Während der Fahrt wurde vieles erzählt: z. B., wann die zu sehenden Gebäude erbaut wurden und in welchen Gebäuden berühmte Künstler gelebt haben. Das interessanteste Erlebnis in Budapest war für mich der Besuch in der Synagoge, weil ich davor noch nie in einer Synagoge war und so die jüdische Religion ein wenig kennenlernte. Der letzte Tag war ein bisschen fad, weil wir gleich nach dem Frühstück die Rückreise angetreten haben. Für mich war es lustig, zwei Wochen gemeinsam mit der Klasse zu sein. Es hat Spaß gemacht! Auf jeden Fall möchte ich mich bei den Lehrern und Eltern bedanken, die mitgefahren sind, und wünsche der nächsten 8. Klasse eine schöne Klassenreise. Theo Berke

46 _ MoMent Sommer 2019


Erster Benefizabend des Club of Pi

π

Die meisten LeserInnen sollten mittlerweile wissen, was der Club of Pi ist. Für

Beiträge. Das Mitwirken der ersten Klasse war eine liebens-

die, welche es nicht wissen: Der Club of Pi ist eine von der 9. Klasse gegrün-

werte Bereicherung. Der Vortrag von Herrn Finke war sehr

dete Organisation, die Gelder sammelt und an die Notfallpädagogik sowie

aufschlussreich über die Zahl Pi.

Schulen ärmerer Länder spendet.

Ich war nachher sehr stolz auf unsere Klasse, dass wir die

Der Benefizabend am 10.04.2019 war die erste Veranstaltung, die der Club

Veranstaltung so gut gemeistert haben. Auch die Einnahmen

of Pi organisiert hat. Das meiste wurde von einer kleinen Gruppe vorbereitet,

können sich sehen lassen, wobei ich diese hier nicht veröf-

die aus Paul Kaufmann, Julian Tesch, Mateusz Habdank-Wojewodski, Samuel

fentlichen möchte. Ich hoffe, dass der Club of Pi bald wieder

Wetter, Benjamin Czech, Herrn Finke und mir, Paul Berke, bestand. Ich fand

eine Veranstaltung organisieren kann.

diese Vorbereitungen lustig wie auch anstrengend.

Eine Zeit lang dachten wir, wir würden es nicht schaffen. Wir gründeten ei-

nen „Rat“, in dem wir den ganzen Abend planten. Plakate, ein Programm und Produkte zum Verkauf wurden gemacht.

Die Veranstaltung lief dann meiner Meinung nach sehr gut. Es war ein tolles Erlebnis. Die vielen Menschen hörten unsere Reden und die musikalischen

Paul Berke

Am Anfang, wo es hieß, dass wir den Club of Pi gründen wollen, war ich persönlich nicht sehr überzeugt von der Idee.

Doch mit dem Benefizkonzert lösten sich meine Zweifel in

Luft auf. Ich dachte, dass niemand dort hinkommen würde,

und dass wir uns für Nichts die Mühe machten. Doch es war

ein voller Erfolg. Die Reden unserer Klassenkameraden Mateusz, Paul B., Paul K., Julian und Samuel waren für eine

9. Klasse meiner Meinung nach sehr professionell gehalten. Es kamen auch viel mehr Menschen, als ich erwartet hatte. Das Buffet war wunderbar und am Ende des Abends auch leer. Es waren auch alle unsere Produkte ausverkauft.

Sina Leser

Mich haben alle aus unserer Klasse überrascht, wie musi-

kalisch sie sind! Der ganze Abend war ein voller Erfolg, und ich hätte nichts dagegen, noch einmal ein Benefizkonzert

zu machen. Von vielen Erwachsenen kam die Rückmeldung, dass sie sehr begeistert waren und gerne wieder kommen würden. Es war ein wunderbarer Abend mit vielen neuen Erfahrungen.

Philomena Goss

Wer Lust hat, mehr über das Crowdfunding-Projekt der

9. Klasse zu erfahren oder spenden möchte, sei hier auf die

Webpage des Club of Pi verwiesen, die ebenfalls von Schülern der 9. Klasse eingerichtet wurde. (Anm. der Red.) https://club-of-pi.org

Besonderen Dank auch allen Eltern der 9. Klasse und anderen fleißigen Helferinnen für die wunderbaren und sehr einfallsreichen Buffetkreationen, zumeist in Pi-Form, allen voran Marianne Lawatsch und Jacqueline Auwärter.

MoMent Sommer 2019 _ 47


Der Singabend von Emelie Amann (Schülerin der 11. Klasse)

Erstmal vorab: „Wow, jetzt gehört dieser Teil meiner Schulkarriere ebenso der Vergangenheit an… Gibt es einen Zeitstoppknopf?“ Back to the topic. „11.-Klass-Singabend“ – wenn ich dieses Wort, ob in der 10. Klasse oder auch schon in der 8., gehört habe, ist sofort Aufregung pur in mir aufgestiegen. Nie hätte ich mir vorstellen können, den Mut aufzubringen, mich dort oben auf die Bühne zu stellen und ein Lied zu singen, mich vor so viele Leute zu stellen und bereit zu sein, meine Seele ein Stück weit zu öffnen, nie… Als wir Anfang des Schuljahres begonnen haben, uns mit dem Singabend zu beschäftigen und jeder langsam sein Lied fand, hatte ich ehrlich gesagt jedes Mal Angst vor den Musikstunden, denn nur der bloße Gedanke, vor der ganzen Klasse zu singen, löste ein Fluchtgefühl in mir aus. Unvorstellbar war es für mich, ganz alleine vor meinen Freunden singen zu müssen. Aber auch dieser Tag kam und wurde überwunden, mit zittriger Stimme und heißem Gesicht. Nach und nach wurde das Singen leichter, und Sicherheit schlich sich ins Gefühlschaos ein. Natürlich waren da auch oft Tage, wo sich die Zweifel überschlugen: Werden wir das in der verbleibenden Zeit schaffen? Wie wird das mit dem Bühnenbild klappen? Waren andere Klassen schneller oder besser… Kann ich überhaupt singen?! Doch langsam fingen Ideen an, zu Taten zu werden und schiefe Töne zu einer Melodie. Als wir dann das ganze Wochenende vor dem Singabend nützten, um das Bühnenbild von einer vagen Zeichnung zu dem zu machen, was es im Endeffekt wurde und jede/r das erste Mal die Chance hatte, auf der Bühne zu singen, verflogen schnell die Zweifel und wurden allmählich zur Vorfreude. Uns blieb noch eine Woche: fünf Tage vollgestopft mit Proben, die wir ausnützten, bis das erste Mal das Wort „überprobt“ fiel. Am Donnerstag ergriff uns dann jedoch noch einmal der volle Ehrgeiz, und wir perfektionierten bis spät am Abend das Bühnenbild, bis es unserer Ansicht nach bereit zum Vorführen war! Und so standen wir am Freitagabend, den 17. Mai, noch ein wenig ungläubig auf der Bühne und genossen den tranceartigen Zustand von Aufregung und Bewunderung. So, und eines möchte ich jetzt noch an die folgenden Klassen weitergeben: Egal, wie sehr dieser Abend und vor allem auch Herr Albrecht an Euren Nerven zerren können – es ist eine der krassesten Erfahrungen in Eurer Waldorfschulzeit. Genießt jede noch so nervenaufreibende Minute davon!!! weitere Fotos: https://www.waldorf-mauer.at/eindruecke/galerie-2018-19


der 11. Klasse von Astrid Amann (Schülerinnenmutter)

Seit Jahren bin ich – und ich glaube, da kann ich für viele aus unserer Schulgemeinschaft sprechen – ein großer Fan, sozusagen ein Groupie des Singabends der 11. Klasse. Ein Musikprojekt mit Tiefgang. Die Vorbereitungen beginnen zart und leise am Anfang des Schuljahres. Sensibel, konsequent und mit viel Freiraum von Stefan Albrecht begleitet und geführt. Viele können sich da noch nicht vorstellen, vor einem großen Publikum zu stehen und zu singen, ihr Lied, das sie erst noch finden müssen… Der Prozess beginnt… Zwei Wochen vor dem Termin – die Plakate sind gedruckt, es gibt kein Zurück mehr J – beginnt eine intensive Zeit für die 11. Klasse. Das Wochenende davor wird in der Schule verbracht: Die Lieder werden auf der Bühne geprobt, das Bühnenbild, in der Fantasie der Klassengemeinschaft entstanden, wird umgesetzt, mit großem Einsatz der SchülerInnen und ihrer großartigen HelferInnen. Das Ergebnis ist beeindruckend: ein weißer Raum, eine weiße Tür, darüber eine große Wolke aus Luftballons, von der Lichtregie in viele Farben getaucht. Ganz dem Motto des Abends entsprechend: „Colours“! Die Spannung, die Aufregung, die erwartungsvolle Vorfreude sind schon Tage zuvor im ganzen Schulhaus zu spüren. Und endlich ist es so weit: Der Vorhang geht auf, die Vorstellung beginnt. Das Publikum tobt. Es folgt nun eine Aneinanderreihung von magischen Momenten: Ein junger Mensch nach dem anderen betritt die Bühne – alleine – und beginnt zu singen. Es ist unglaublich berührend, bewunderns- und auch beneidenswert. Was für eine Mutprobe, was für eine Selbsterfahrung, was für ein Geschenk! In meinen Augen ist dieses Projekt, das den SchülerInnen ermöglicht, diese Erfahrung in diesem Alter machen zu dürfen, ein pädagogisches Meisterwerk unserer Schule. Dafür bedanke ich mich von Herzen.


Theaterabende der 12. Klasse Pharao aus Zagreb ist tot, Mysteriรถser Mord in der Ilica StraรŸe

weitere Fotos: https://www.waldorf-mauer.at/ eindruecke/galerie-2018-19


Klimastreik mit Greta von Susanne Wolf (freie Journalistin und Schülerinnenmutter, 9. Klasse)

Es war eine intensive Woche für KlimaaktivistInnen; innerhalb

„What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!“,

weniger Tage fanden drei Veranstaltungen statt. Das Besondere

skandieren die SchülerInnen der 9. Klasse unermüdlich. Zum Ab-

daran: Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg kam extra

schluss übergeben die OrganisatorInnen eine Resolution an Vertre-

dafür nach Wien.

terInnen der SPÖ und der Grünen Wien, in der gefordert wird, den Klimanotstand auszurufen. Diese Maßnahme würde der Eindäm-

Am 24. Mai, kurz vor der EU-Wahl, gingen zum zweiten weltweiten

mung der Klimakrise höchste Priorität einräumen; Städte wie Basel,

Klimastreik wieder Tausende von Menschen auf die Straße. Ös-

Konstanz oder Bochum haben sie bereits umgesetzt.

terreichweit wurde die Zahl der Teilnehmer auf 25.000 geschätzt;

Einige Tage später fiebern hunderte Menschen auf dem Wiener

neben Wien fanden auch in zahlreichen anderen Städten Veran-

Heldenplatz einem großen Moment entgegen: Erstmals wird Gre-

staltungen statt. In Wien waren wieder SchülerInnen der Rudolf

ta Thunberg, die Initiatorin der weltweit wachsenden Fridays for

Steiner-Schule Wien-Mauer mit dabei.

Future-Bewegung, eine Rede in Österreich halten. Der Climate Kir-

Gasthaus Stafler südtiroler & trentiner Küche Wir verwöhnen Sie mit hausgemachten Köstlichkeiten aus der Südtiroler und

Trentiner Küche wie Schlutzkrapfen, Knödelvariationen, Carne salada,... Weine aus dem familieneigenen Weingut in Südtirol & Biobier aus Weitra.

Gerne organisieren wir auch ihre Familienfeiern & sonstige Anlässe.

Öffnungszeiten: Di - Sa von 10-15 Uhr & 17:30 -23 Uhr (Warme Küche: 12- 14 & 18-21:30 Uhr) 52 _ MoMent Sommer 2019

Ehrenfelsgasse 4, 1120 Wien, Fon: 01.8156235, E-mail: gasthaus@stafler.at, www.stafler.at


tag findet im Anschluss an den Austrian World Summit statt, einem von Arnold Schwarzenegger organisierten Klimagipfel. Nach einer musikalischen Einleitung wird die 16-jährige Klimaaktivistin von der Moderatorin angekündigt und mit Jubelschreien empfangen. So-

zug, und alle halten Ausschau nach Greta. Wie sich später heraus-

bald sie zu reden beginnt, ist klar, woher die große Wirkung dieser

stellt, ist diese still und heimlich in die Gruppe an der Spitze des

kleinen und zarten Person kommt: Sie spricht besonnen und mit

Zuges eingeschleust worden und führt nun die Demonstration an.

aller Deutlichkeit Dinge aus, die andere verschweigen. „Das ist ein

Über den Ring geht es Richtung Schwarzenbergplatz vorbei an der

Notfall, doch die Verantwortlichen handeln nicht entsprechend“,

Oper, an deren Fassade Transparente mit den Worten „Act now“

kritisiert sie die Untätigkeit der Politik hinsichtlich der Klimakrise.

montiert wurden. Was auffällt: Unter die SchülerInnen und Stu-

„Politiker denken immer nur bis zur nächsten Wahl.“ Auch Arnold

dentInnen haben sich diesmal viele Erwachsene gemischt. Viel-

Schwarzenegger, der danach die Bühne betritt, betont die Notwen-

leicht folgen sie dem Aufruf von Friday for Future-AktivistInnen,

digkeit, endlich zu handeln.

der zeitgleich in mehreren Medien erschienen war: „Wir haben das Gefühl, dass viele Erwachsene noch nicht ganz verstanden haben,

„Eine Aufgabe für die gesamte Menschheit“

dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht alleine aufhalten kön-

Mittlerweile steht fest, dass Greta Thunberg am darauf folgen-

nen... Aber das ist keine Aufgabe für eine einzelne Generation. Das

den wöchentlichen Klimastreik in Wien teilnehmen wird. Innerhalb

ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit. Wir bitten Sie, sich

kürzester Zeit werden tausende Menschen mobilisiert, und am 31.

uns anzuschließen.“

Mai finden sich bei strahlendem Sonnenschein Teilnehmende aus

Auf der Bühne am Schwarzenbergplatz ergreift Greta Thunberg

ganz Österreich am Heldenplatz ein; auch SchülerInnen der Rudolf

unter großem Jubel erneut das Wort: „Die größte Lösung ist genau

Steiner-Schule Wien-Mauer sind unter ihnen. Mit dabei sind Ver-

vor euren Augen – es sind wir Menschen. Lasst uns keine Zeit mehr

treterInnen der Scientists for Future – WissenschafterInnen, die

verlieren, lasst uns jetzt handeln.“

die Friday for Future-Bewegung unterstützen – sowie die Artists for Future. Nach einigen Reden formiert sich ein Demonstrations-

MoMent Sommer 2019 _ 53


Der Klimawandel ist wirklich zum Heulen ... Der Klimawandel ist wirklich zum Heulen... Unser umfangreiches Druckangebot orientiert sich an den umweltschonendsten Standards und besticht durch Qualität und persĂśnliche Beratung. Ăœberzeugen Sie sich selbst – bei einem kĂśstlichen FrĂźhstĂźck in unserem Haus. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

(8(FRODEHO$7

785

PEFC/06-39-364/117 3()&

Donau Forum Druck Ges.m.b.H. Donau Forum Druck Ges.m.b.H. Walter-Jurmann-Gasse9,9,1230 1230Wien Wien Walter-Jurmann-Gasse Tel.: +43 (0)1 804 52 55, office@dfd.co.at Tel.: +43 (0)1 804 52 55, office@dfd.co.at www.dfd.co.at www.dfd.co.at

...daher sind wir um LĂśsungen bemĂźht


Frühlingsfest 2019 – Ein Fest der Begegnung von Konstanze Reiner-Friedl

Bei strahlendem Sonnenschein konnte unser diesjähriges Früh-

maschinen streikten an diesem Tag, und wir mussten improvisieren.

lingsfest wieder im Schulgarten auf 113 stattfinden. Zur Er-

Auch das beliebte Würstelgrillen am offenen Feuer durfte nicht feh-

öffnung gab es einen beherzten SchülerInnen-Chor unter der

len: Es ist immer der krönende Abschluss des Festes.

Leitung von Stefan Albrecht. Traditionellerweise hat auch heuer

Der Förderkreis als neuer „Frühlingsfestkreis“ bedankt sich bei allen

wieder Sabine Trierenberg mit der dritten und vierten Klasse

ganz herzlich, die mitgeholfen haben. Ein großer Dank gebührt be-

fröhliche Tänze einstudiert und dargeboten. Es war eine Freude,

sonders Michaela Eberharter, die unser neues, unerfahrenes Organi-

die Kinder in ihrer schönsten Trachtenkleidung tanzen zu se-

sationsteam sehr unterstützt hat. Alles in allem ein gelungenes Fest!

hen. Musikalisch wurden sie von Herrn Albrecht am Piano und Herrn Hofer am Kontrabass begleitet. Ein vielfältiges Programm mit Puppenspiel, Mitmach-Zaubershow, Bastelstationen, Kinderschminken, Töpfern an der Drehscheibe und Verkaufsständen sorgte für einen festlichen Rahmen. Das von Eltern liebevoll gemachte und betreute Buffet sorgte für das leibliche Wohl aller. Einzig und allein die Kaffee-

MoMent Sommer 2019 _ 55


KURZMELDUNG zum NEUBAU auf 113 Diesmal gibt es nur eine Kurzmeldung zum Stand der Dinge auf 113 – unser Neubauprojekt. Dafür ist diese Meldung eine positive, wenn auch noch lange nicht die erhoffte Freigabe der Baugenehmigung. Wir haben ja, wie zuletzt berichtet, nach dem negativen Entscheid des Wiener Verwaltungsgerichts eine außerordentliche Revision beim Verwaltungsgerichtshof eingebracht: als letzten möglichen Schritt, unsere ursprüngliche Baugenehmigung wieder zur Gültigkeit zu bringen. Entgegen vieler Einschätzungen hat uns der VwGH vor ein paar Wochen mitgeteilt, dass die Revision angenommen wurde und alle am Verfahren Beteiligten dazu eingeladen wurden, Stellungnahmen abzugeben. Das heißt, unser Fall wird vom Höchstgericht noch einmal geprüft! Dies ist zumindest ein Signal dafür, dass die Entscheidung der Wiener Richterin nicht so eindeutig war. Wann diese Überprüfung nun stattfindet und wie die Entscheidung darüber ausfällt, ist natürlich offen, aber es gibt zumindest ein wenig Hoffnung. Das zugleich betriebene Ansuchen um Änderung der Flächenwidmung läuft davon ungestört natürlich weiter und wird von den zuständigen Stellen der Stadt auch positiv bewertet. Allerdings wird dieses Verfahren sicher bis nach der Wien-Wahl dauern, und diese ist erst für 2020 geplant... Wir halten Sie/Euch auf dem Laufenden! Für den Vorstand Lothar Trierenberg


Das Gartenfest der Musikschule

von Christine Trattner

Nach einem unvergesslichen Eröffnungsfest im letzten Sommer

Hochzeitsgesellschaft samt Blasmusik in der Nachbarschaft vor

wurden die Weichen für ein alljährliches Gartenfest der Musik-

eine akustische Herausforderung gestellt, der sich die Band bei ih-

schule gestellt.

rem großen Auftritt vor dem Pavillon auf der Gartenbühne bravourös

Am Samstag, den 25. Mai war es soweit; der Garten war ab

entgegenstellte.

15 Uhr für alle geöffnet. Lehrende, Schülerinnen und Schüler

Zu guter Letzt saß man noch gemütlich um die Bühne versammelt und

sorgten im Musikhaus und im Garten für feinste musikalische

lauschte dem LehrerInnenkonzert.

Kostproben.

Alles in allem war es ein gemütliches Fest, und eines ist sicher: Es gibt

Bei einem herrlichen Kuchenbuffet konnten sich die Gäste in

eine Wiederholung im kommenden Jahr.

der Wiese zugleich den akustischen und leiblichen Genüssen hingeben. Aus dem Stiegenhaus erklang ein Duett von Johann Sebastian Bach. Im Konzertsaal folgte ein buntes SchülerInnenprogramm mit Blockflöte, Gesang, Querflöte, Violoncello und Klavier. Der zweite musikalische Teil im Garten wurde durch eine

MoMent Sommer 2019 _ 57


U

m kaum eine andere Pflanze ragen sich so viele Mythen wie um die Mistel. Alleine die Ernte bei zunehmendem Mond mit einer gol­ denen Sichel, der keltische Druidenpriester dabei in weißes Gewand gehüllt und die Mistel selbst in weißen Tüchern aufgefangen, sodass sie die Erde nicht berührt, stellt eine mächtige Inszenierung dar. Hexennest, Dru­ denfuß oder Donarbesen sind Synonyme für die Mistel, die den Riten der Kelten und den Mythen germanischer Sagen entspringen. Ihr Wachstum hoch oben in den Bäumen ließ vermuten die, Götter selbst hätten die Samen in die Baumwipfel gestreut. Heute weiß man, dass die Verbreitung durch Vögel er­ folgt. Entweder die ganze Beere wird gefressen und die keimfähigen Samen ausgeschieden oder sie fressen nur die Beerenhaut und der Samen mit dem eigenen Schleim haftet an der Wirtspflanze. Bis zu einem Jahr kann es nun dauern, bis der Samen ein Hypokotyl aus­ bildet und keilartig den Wirt infiltriert. Als Halbschma­ rotzer in den Wipfeln von weichholzigen Laubbäumen (Apfel, selten Eiche) oder Nadelbäumen (Kiefer, Tanne), bedient sie sich über Tracheen am Wasser und Mineral­ stoffhaushalt ihrer Wirtspflanze, wohingegen sie zur Photosynthese und zur Energiegewinnung selbst in der Lage ist. Jede Verzweigung repräsentiert ein Lebensjahr. Sogar bis zu 70 Jahre kann sie alt werden und dabei bis einen Meter Durchmesser erreichen.

APOTHEKE ZUR KAISERKRONE

Diese Dualität findet sich wieder bei den Wirkstoffen: Viscotoxin und Mistellektin. Viscetoxin unterstützt die Pflanze in ihrer Ausbreitung indem sie schnell wirkend Zellmembranen auflöst. Man findet sie vor allem im Stängel und in den Blättern. Mistellektin hingegen dringt langsam in den Zellstoffwechsel ein und hemmt diesen. Man findet es vor allem in den nur im Winter wachsenden Beeren. Dies führt zu einer zweimal jährli­ chen Ernte: im Juni und im Dezember. Ihre Wirkung entfaltet die Mistel sowohl bei Bluthoch­ druck, Kopfschmerzen, Arthrose und Schwindelanfällen als auch in der Krebstherapie. Hier spielt der Wirtsbaum eine wichtige Rolle. Auch in die Kosmetik körper­ straffender Ölmischungen hat die Mistel Einzug gefun­ den. Häufig werden Kruzifixe aus dem Holz der Mistel geschnitzt. Der gute alte Brauch des Kusses unter einem Mistelzweig, geht wiederrum auf die Briten zurück. So könnten noch viele weitere sagenumwobene Verwen­ dungen der Mistel genannt werden, begonnen bei den alten Griechen durch das ganze Mittelalter hindurch bis zur Neuzeit…

Mariahilfer Straße 110 · A-1070 Wien

Tel. +43 (0) 1 526 26 46 · apo@kaiserkrone.at · www.kaiserkrone.at


Ulrich Hofbauer dipl. psych. Spirituell erweiterte Psychologie Persönliche Entwicklungsbegleitung Krisen- und Konfliktarbeit Seminararbeit Gruppenarbeit

Anzeige_2016_2.qxp_MOEB_visit0701 23:10 Seite 1 Gesslgasse 8 a, 1230 Wien, Tel. 01 /07.10.16 887 26 74, buch@wetter.co.at Mo–Fr 9:00 bis 18:00 Uhr, Sa 9:00 bis 13:00 Uhr www.BuchhandlunginMauer.at

Wetter_Anzeige.indd 1

Praxis: 1140 Wien, Meiselstrasse 65/13 T: 0664 44 184 17 E office@sozialkompetenz.at Termine nach Absprache

18.10.13 15:38

> das cafe > das geschäft

www.dasmoebel.at

BÜCHERSTUBE der Goetheanistischen Studienstätte

Buch & Spiel 1230 Wien, Speisinger Straße 258 Tel u. Fax: 01/ 889 26 93 email: buecherstube1230@gmx.at Bestellungen werden gerne jederzeit entgegengenommen Zustellung durch Postversand

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9:00 -­ 18:00


Absender: R. Steiner-Schule Wien-Mauer, 123 Wien, Endresstr. 100 Verlagspostamt, 1230 Wien, Zulassungsnummer: 13Z039641 M Impressum Seite 2

Österreichische Post AG, Info Mail, Entgelt bezahlt

, Bar freigemacht/Postage paid

Kleinanzeigen Haus mit Garten in Schulnähe zu vermieten 165 m2 Wohnfläche, ruhige Lage. Nähere Informationen unter 0699 12606839 oder ohrensessel@utanet.at zkp_az_moment_2019.qxp_Layout 1 02.05.19 12:37 Seite 4

Jetzt auch in Wien! Symbolfoto

In Wien 12 entsteht derzeit eine der exklusivsten Garagen Europas. Einzigartiges Sicherheits- & Servicekonzept. Maßgeschneiderte Mietverträge. Modern & stylish. Club-Atmosphäre.

STANDORTE D/A/CH

Darmstadt Wien

für automobile, sammler & enthusiasten l Sichern Sie sich rechtzeitig Stellplätze! l classic-depot-wien.at | checkin@classic-depot-wien.at l classic-depot.de | info@classic-depot.de

.................... in Betrieb .................... in Umsetzung .................... in Projektierung

Profile for Karl Hruza

MoMent Sommer 2019  

MoMent Sommer 2019  

Advertisement