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Waldorf in Österreich Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Sommer 2018 / € 4,00


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Zeitschrift von und für Eltern, FreundInnen, LehrerInnen und SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer im 26. Jahr, Heft Nr. 195

... – jetzt mit großem „I“ Auch diesmal bieten wir in unserer Schulzeitung wieder ein buntes Blumenbeet mit prachtvollen Blüten, die unser Schulleben hervorbringt. Im Schwerpunkt zu Beginn dieser Ausgabe sind wir diesmal aber auf einen Baum hinaufgekraxelt, um einen Blick auf das zu werfen, was sich rundum in der österreichischen Waldorfbewegung tut. Auch um das Bewusstsein zu stärken, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind. Vor allem aber gibt es mit diesem Heft eine grundlegende Neuerung. Aufmerksame LeserInnen werden es gleich bemerken – ja, genau in diesem Satz ist es auch schon, das große „Binnen-I“. Bisher hatten wir es so gehalten, dass wir hin und wieder ein kleines Kästchen im MoMent unterbrachten, dass das jeweils andere Geschlecht mitgedacht sei. Aber erstens hatten wir das Kasterl allzu oft vergessen, zweitens war es doch ein bisserl hatschert, und drittens stellten wir fest: „Also, nicht zu gendern, geht heutzutage eigentlich gar nicht mehr!“ Viele werden das Binnen-I ohnehin schon gewohnt sein. Und wenn nicht: Aus eigener beruflicher Erfahrung weiß ich: Die Gewöhnungsphase ist eine relativ kurze. Es ist auch eine Frage des Respekts – ein Thema, dem wir uns in unserer nächsten Ausgabe, dem Jahresheft unserer Schule, widmen werden.

Liebe externe MoMent-AbonnentInnen Jeder Druck, der Ihnen vorliegenden Ausgabe, kostet ca. € 2.650,- inkl. Versand € 3.120,-. Wenn Sie hinkünftig auf eine per Post zugeschickte Druckversion verzichten und mit der Online-Version (http://www.waldorf-mauer.at/moment) Vorlieb nehmen wollen, dann ersuchen wir um ein kurzes Email an: moment@waldorf-mauer.at. Gerne senden wir Ihnen weiterhin drei Mal im Jahr Ihr persönliches Exemplar zu und ersuchen Sie, die dafür anfallenden Kosten von € 12,-/Jahr auf das MoMent Konto zu überweisen. Kontoverbindung: siehe Impressum

Impressum: Medieninhaber, Verleger, Herausgeber: Verein zur Förderung der Waldorf-Gemeinschaft (VFWG), Obmann Josef Prüller / DVR NR.: 7864 9742

In diesem Sinne wünsche ich stellvertretend für unser Redaktionsteam ein nun geschlechtsneutrales Lesevergnügen! Roman David-Freihsl

Absender: moment@waldorf-mauer.at 1230 Wien, Endresstraße 100 Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 13Z039641 M MitarbeiterInnen: Brigitte Födinger E: moment@waldorfmauer.at / Roman David-Freihsl E: roman.freihsl@gmx.at Karl Hruza E: karl.hruza@waldorf-mauer.at / Matthias Berke / Nadja Berke / Ursula Dotzler / Peter Gluchi / Margarete Goss /

Termine: Seite 23 Die Fotos in dieser Ausgabe stellten zur Verfügung:

Bettina Schwenk / Sabine Trierenberg / Susanne Wolf Kontoverbindung lautend auf: Redaktion Schulzeitung

B. Födinger, N. & M. Berke, K. Hruza, S. & L. Trierenberg,

IBAN: AT44 2011 1822 2175 1000 / BIC: GIBAATWWXXX

A. Kohlhofer, S. Habdank, M. Peters, T. Schwab, C. Steinbach,

Druck: Donau-Forum-Druck, 1230 Wien,

M. Hofer, M. Köck, C. Goldmann

aus umweltfreundlicher Druckproduktion

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Waldorf in Österreich

Dann wird das andere schon kommen“

Rudolf Steiner über die Ausbreitung der Waldorfschulen „Diese Pädagogik und Didaktik war es nun, die in England interessiert hat, die den Kursus in Dornach hervorgerufen hat und so weiter. Es ist ein spezifisch pädagogischer Gedanke, der sich durch die Waldorfschule realisiert, und das ist auch dasjenige, was ich im Laufe der letzten Zeit immer mehr und mehr betonen musste. Also die siebenhundert Schüler und überhaupt die Vergrößerung der Waldorfschule hat die in der Waldorfschule gepflegte Pädagogik und Didaktik gebracht. Und Bestrebungen, die heute oftmals zutage treten, Schulen zu begründen nach dem Muster der Waldorfschule beweisen das auch. … Nun ist das Interesse durch die verschiedenen Kurse ganz entschieden bei den Lehrern, bei Pädagogen bewiesen, aber ich möchte sagen, es ist auch bewiesen in den Sehnsuchten der Eltern. Sehen Sie, vorgestern kamen gleich wieder eine Anzahl von Eltern in Berlin zu mir uns sagten mir: Ja, wie machen wir das, jetzt haben wir kleine Schulgruppen gebildet, Unterricht gegeben, und versuchen dabei, Waldorfschul-Prinzipien anzuwenden. Aber nun kommt die Regierung und lässt das nicht zu; wir müssen nun unsere Kinder in die Grundschule hineingeben. Könnte man nicht vielleicht dadurch ein Auskunftsmittel schaffen, dass hier eine Filiale der Waldorfschule gegründet würde? – Die Leute dachten, weil in der Waldorfschule das noch immer geht, dass die Regierung nicht kommt, dass da noch liberalere Handhabung vorhanden ist, so ginge es auch vielleicht in Berlin, wenn man eine Filiale der Waldorfschule errichtete. Ich sagte: Das geht natürlich nicht, und man muss an diesem Beispiel sehen, dass überhaupt die Durchführung des WaldorfschulGedankens nicht möglich ist ohne ein im weitesten Kreise Umsichgreifen des Gedankens, ein Anerkennen desjenigen, was eigentlich im Grunde genommen Tausende und Abertausende, ja viel mehr als

Tausende und Abertausende unbewusst wollen. Die Leute wollen ja im Grunde genommen dasjenige, was hier gewollt wird, und getrauen es sich nur nicht zu gestehen, dass sie es wollen. Und ich halte noch immer fest, dass es richtig war, dass ich die Forderung nach einem Weltschulverein gestellt habe, nachdem ein Muster da ist: dass es nicht die Aufgabe ist, alle möglichen anderen Versuche zu machen, die eigentlich überall so auftauchen wie, ich möchte sagen, auf dem Gebiete der Medizin die Kurpfuscherei … ; dass es wichtiger ist, als diese Sache zu machen, immer weiter und weiter das Verständnis, das wirkliche reale Verständnis für die Waldorfschul-Pädagogik zu verbreiten. Immer weiter und weiter muss es verbreitet werden. Dann wird das andere schon kommen.“ Aus: Rudolf Steiner in der Waldorfschule, Ansprache bei der dritten

ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins „Freie Waldorfschule“, am 25. Mai 1923. Anmerkung: Auch unsere Rudolf-Steiner-Schule begann in der Zweiten Republik mit häuslichem Unterricht. Allerdings mit dem klaren Ziel, damit eine Waldorfschule nach den Prinzipien der Waldorfpädagogik zu begründen. Also genau aus der Sehnsucht heraus, die Rudolf Steiner in dieser Ansprache erwähnte. Auch waren die Gründungseltern teilweise selbst bereits ehemalige WaldorfschülerInnen. Ausgewählt von Roman David-Freihsl

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Dacharbeiten

Tobias Richter

Kürzlich hatte ich einen Anruf aus Spanien erhalten, von einem dort seit vielen Jahren lebenden Österreicher. Er fragte nach einem internationalen Waldorflehrplan wegen einer Schulgründungsinitiative, schilderte seine Pläne und bat mich um meine Einschätzung. Dann erklärte er mir, warum er sich gerne in Österreich Rat holt: Während seiner Zeit in Graz hatte er erlebt, dass, wenn in der Waldorf-Community Probleme anstanden und eine Situation aussichtslos erschien, man sich auf gegenseitige Hilfe und Unterstützung verlassen konnte, die oft sehr einfallsreich und unkonventionell war. Dem wollte ich nicht widersprechen, und es fiel mir sogar ein konkretes Beispiel dazu ein aus der Anfangszeit des österreichischen Bundes der Waldorfschulen zum Ende der 80er-Jahre. Dieser Bund war ein Glied der Österreichischen Vereinigung freier Bildungsstätten auf Anthroposophischer Grundlage. Er hatte unter anderem die Aufgabe, die ihm vom Ministerium zugesprochene sogenannte „Bundesmillion“ – in Schillingwährung! – an die damals 6, dann 7 Waldorfschulen zu verteilen. Und das ging so: Die Vertreter der Schulen stellten in einer Bundsitzung ihr Budget und geplante Bau- bzw. Entwicklungsprojekte vor und begründeten diese. Danach berieten die Schulvertreter regional getrennt, welcher Schule sie alles Geld oder Teilbeträge zusprechen würden. Hierbei hielt man sich streng an die Verabredung: Für die eigene Schule durfte nicht votiert werden! Vielleicht ist es die zeitliche Distanz, die alles verklärt, doch meiner Erinnerung nach hatten sich die so getroffenen Entscheidungen stets als richtig – beglückend richtig – erwiesen… Ein soziales Übungsfeld par excellence – wie das auch Elisabeth Gergely oftmals und gerne beschrieben hat. Sie gehörte selbstverständlich auch der Gruppe an, die mit Nora Zimmermann, Georg Friedrich Schulz, Raoul Kneucker und mir das ideelle Bild eines Zusammenschlusses der Waldorfschulen entwarf. Nach dreijähriger Vorbereitungszeit war es dann soweit, dass 1981 die Österreichische Vereinigung freier Bildungsstätten auf Anthroposophischer Grundlage gegründet werden konnte. Diese umfasste neben den Waldorfschulen auch die heilpädagogischen Einrichtungen, Waldorfkindergärten, die Euryth-

mieschule und die Goetheanistische Studienstätte mit der Künstler- und Lehrerausbildung. Kolleginnen und Kollegen aus diesen Bildungseinrichtungen gehörten gemeinsam mit Initiativträgern der verschiedenen Waldorfschulen aus Salzburg, Linz, Graz und Wien dem Vorstand an. Dessen zentrale Aufgabe war es, die genannten Einrichtungen in wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen zu beraten und vor allem gegenüber den österreichischen Behörden zu vertreten. So veranlasste der Vorstand zum Beispiel eine ausführliche Lehrplanausarbeitung und zwei umfangreiche Lehrplanvergleiche, die in mehreren Etappen zur Genehmigung des Lehrplanes, des Organisationsstatutes und schließlich zur Verleihung des Öffentlichkeitsrechtes auf Dauer führten. Gerade dies wäre ohne den kompetenten Einsatz Raoul Kneuckers niemals zu schaffen gewesen. Weiters wurde ein beharrlicher Kampf um die Erhöhung der eingangs erwähnten Bundesmillion geführt, der in den 90er-Jahren tatsächlich recht erfolgreich ausging… (Leider hat sich diese Steigerung der Subventionen nicht fortgesetzt, sondern wurde im Lauf der Zeit schleichend ins Gegenteil verkehrt… Aber ich sollte ja aus einer Zeit berichten, wo es echte „Erreichnisse“ für die Waldorfbewegung gab.) Neben der Wahrnehmung dieser Aufgabenbereiche im Auftrag der österreichischen Waldorfbildungseinrichtungen kam es dem Vorstand ebenfalls zu, auch Verantwortung in der internationalen waldorfpädagogischen Bewegung zu übernehmen. Aus diesem Grund arbeitete die Österreichische Vereinigung mit dem Haager Kreis (heute Internationale Konferenz der Wal-

Leonhard Weiss, Carlo Willmann (Hg.) Sinnorientiert lernen. Zieloffen gestalten Zum Leistungsverständnis der Waldorfpädagogik Reihe: Waldorfpädagogik: Positionen_Praxis_Perspektiven Bd. 2, 276 S., 34.90 EUR, 34.90 CHF, br., ISBN 978-3-643-50838-6

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dorfpädagogischen Bewegung), der medizinischen Sektion am Goetheanum, der internationalen Kindergärtnerinnenbewegung, dem European Council of Rudolf Steiner Schools, dem Europäischen Forum für Freiheit im Bildungswesen (EFFE), der European Cooperation for Curative Education und der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation zusammen. 1985 eröffnete die Österreichische Vereinigung mit „Wagnis Erziehung“ (herausgegeben von H. Ganser, E. Gergely und T. Richter) eine im Böhlau-Verlag erschienene Buchreihe mit dem Titel „Waldorfpädagogik – Beiträge zur Bildungserneuerung“, der zugleich auch Programm war: Zu aktuellen Entwicklungen im Schul- und Bildungswesen wurden Seminare und Symposien mit erstrangigen Wissenschaftlern veranstaltet, worüber dann Publikationen erschienen, so etwa 1988 „Mensch – Computer – Erziehung“ (herausgegeben von E. Gergely und H. Goldmann). Zehn Jahre später erschien im Auftrag der Internationalen Konferenz der Waldorfpädagogischen Bewegung die erste Auflage des sogenannten „Richter-Lehrplanes“ („Pädagogischer Auftrag und Unterrichtsziele – vom Lehrplan der Waldorfschule“), welcher die vom österreichischen Bund veranlasste Lehrplanarbeit zur Grundlage hatte (und wozu R. Kneucker anmerkte: „Diese inzwischen in 4. Auflage erschienene Publikation hat uns damals europäisch emanzipiert“).

Waldorf in Österreich

den. Durch den Anstieg der Institutionen im Bereich der Erwachsenenbildung und Sozialtherapie wurde es im Jahr 2003 notwendig, diese in einem eigenen Dachverband, der Akademie anthroposophische Erwachsenenbildung zusammenzufassen. Und schließlich wurde 2009 die Österreichische Vereinigung freier Bildungsstätten auf Anthroposophischer Grundlage umbenannt in Waldorfbund Österreich. PS: Nur wenige Namen sind hier genannt worden, doch gilt es, in dieser kurzen Darstellung der Anfangsjahre der Österreichischen Vereinigung auch an diejenigen zu erinnern, die als sogenannte Sekretärinnen die vielfältige Administrationsarbeit zu bewältigen hatten, und das in vorbildlicher Weise: Ulrike Wenninger, Traude Moravansky und Karla Seyringer. Tobias Richter Vorstandmitglied der Österreichischen Vereinigung freier Bildungsstätten auf Anthroposophischer Grundlage von 1981 - 1990

Zurück zu 1981: Von der Wiener Rudolf Steiner-Schule war der Impuls ausgegangen, einen Dachverband für alle auf Grundlage der Anthroposophie arbeitenden Bildungseinrichtungen zu grün-

Wir leben heute in einer „Leistungsgesellschaft“. Dies zeigt sich auch – und gerade – im Bereich der (Schul) Pädagogik. Doch während einerseits die pädagogische Bedeutung des „Leistungsprinzips“ betont wird, suchen anderseits immer mehr Eltern für ihre Kinder nach Alternativen. So macht etwa der an Waldorfschulen praktizierte Verzicht auf Noten und „Sitzenbleiben“, generell auf Leistungsselektion, diese für viele Eltern interessant. Doch spielt das Thema „Leistung“ an Waldorfschulen tatsächlich keine Rolle? Ausgehend von grundlegenden bildungstheoretischen Überlegungen, werden in diesem Band wesentliche Dimensionen und Aspekte eines waldorfpädagogischen Leistungsverständnisses dargestellt sowie u. a. den an Waldorfschulen entwickelten Formen alternativer Leistungsfeststellung nachgegangen. Siehe auch: Buchbesprechung Seite 53 MoMent Sommer 2018 _ 5


Waldorfbund

Angelika Lütkenhorst

Waldorfpädagogik in Österreich Im Jahr 2018 besuchen rund 2.750 SchülerInnen die 18 österreichischen Waldorfschulen, die im „Waldorfbund Österreich“ eine enge Zusammenarbeit durch regelmäßige Arbeitstreffen im sogenannten Mitarbeiterkreis pflegen. Darüber hinaus sind über 30 Waldorfkindergärten in Österreich tätig, die ebenfalls in einem eigenen Mitarbeiterkreis vernetzt sind. Der Bund vertritt die Interessen der Waldorfschulen und Waldorfkindergärten gegenüber allen überregionalen Institutionen. Leitbild Durch die Zusammenarbeit wird die in der einzelnen Schule vorhandene Kreativität und geleistete innovative Arbeit für das Ganze nutzbar gemacht. Unsere Beratungs- und Serviceangebote bringen der einzelnen Schule fördernde Hilfe und Entlastung. Wir vertreten die Interessen der Waldorfschulen und Waldorfkindergärten gegenüber allen überregionalen gesellschaftspolitischen Institutionen. Die selbst verantwortete Gestaltung der einzelnen Institution durch LehrerInnen, KindergärtnerInnen und Eltern ist die zentrale Voraussetzung zur Erziehung freier Menschen. Wir treten daher aktiv für die pädagogische, wirtschaftliche und rechtliche Autonomie ein. Wir fördern und koordinieren Forschung und Weiterbildung im Bereich der Pädagogik und der Selbstverwaltung. Wir stehen im Dialog mit VertreterInnen anderer pädagogischer Konzepte und wollen impulsierend in der öffentlichen Bildungsdiskussion wirken. Schließlich fördern wir mit wachem Interesse für das Zeitgeschehen und in lebendigem Umgang mit der Anthroposophie die Entwicklung der Waldorfpädagogik. Zweck und Ziele der Tätigkeit des Waldorfbundes Österreich Aufgaben des Waldorfbundes sind das Schaffen von Planungs-, Organisations- und Rechtsgrundlagen für ein freies Bildungswesen auf anthroposophischer Grundlage in Österreich sowie dessen Ab­stimmung mit den Rechtsformen des europäischen Schul- und Bildungswesens. In Erfüllung dieser Aufgabe tritt der Waldorfbund durch wissenschaftliche und künstlerische Veranstaltungen, Forschungsarbeiten und Publikationen an die Öffentlichkeit, um die Grundlagen der in ihm zusammengeschlossenen Bildungseinrichtungen zu erarbeiten und darzustel-

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len. Er koordiniert ferner die Tätigkeiten der ihm angehörenden Bildungsstätten sowie neu entstehender Initiativen innerhalb des rechtlichen Bereiches und berät und unterstützt deren Träger in allen Fragen des Rechtslebens. Der Waldorfbund strebt die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen oder Gruppen im In- und Ausland an, die für ein freies Bildungswesen eintreten. Zur Entwicklung der Waldorfschulen in Österreich Schon 1927 wurde die erste Rudolf Steiner Schule in Wien gegründet, deren gewaltsame Schließung 1938 erfolgte. Erst 1955 öffnete ein Waldorfkindergarten wieder die Pforte zur Waldorfpädagogik in Österreich. Daraus erwuchs 1963 ein häuslicher Unterricht für eine Schülergruppe. Dies gilt als Geburtsstunde der Rudolf Steiner Schule Wien-Mauer, die im Schuljahr 1966/67 mit 4 Klassen als Schule gegründet wurde. 2007 wurde das 40jährige Bestehen unter dem Motto „40 Jahre Waldorfschule in Österreich“ gebührend gefeiert. Erst ab Ende der 70er Jahre kam es zu weiteren Schulgründungen in Linz, Klagenfurt, Graz, Salzburg, Wien-Pötzleinsdorf, Innsbruck, Schönau (vormals Mödling), Wien West, Familienschule Götzis und Kufstein (in dieser Reihenfolge). 1972 wurde die erste heilpädagogische Schule in Wien eröffnet, es folgten Schulen in Graz und Salzburg. In den letzten Jahren wurden zwei weitere Schulen im Burgenland sowie eine Schule in Kärnten gegründet. Seit dem ersten Abschlussjahrgang im Schuljahr 1974/75 haben rund 3.800 SchülerInnen in Österreich den Waldorfabschluss absolviert. Jedes Jahr kommen 150 weitere hinzu. Rund 80% der WaldorfschülerInnen legen nach ihrer Waldorfschulzeit die Matura ab – und dies mit überdurchschnittlich guten Ergebnissen. Pisa ist eine Stadt – Waldorf ein pädagogisches Konzept! Mit diesem Slogan hat eine der österreichischen Waldorfschulen für ihren Tag der Offenen Tür geworben. Auch wenn wir wissen, dass in unseren Schulen seit mehr als 50 Jahren wertvolle und erfolgreiche pädagogische Arbeit geleistet wird, hat es uns gefreut, dass unsere Teilnahme an den PISA-Studien sehr gute Ergebnisse erbracht hat.


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Waldorf in Österreich

Die Waldorfpädagogik polarisiert nicht in gute und schlechte Schülerinnen und Schüler. Sie geht davon aus, dass jeder Mensch auf jeweils verschiedenen Gebieten Stärken und Schwächen aufweist. Durch das vielfältige Angebot an praktischen und künstlerischen Fächern sowie mehrere Praktika in der Oberstufe können einseitig begabte SchülerInnen auch im schulischen Rahmen ihre Fähigkeiten ausbilden. Gleichzeitig kann die Zusammenarbeit in der Klassengemeinschaft ausgleichend auf die Stärken und Schwächen der/ des Einzelnen wirken. So werden soziale Kompetenz und Teamfähigkeit gefördert. Die Klasseneinteilung in den Waldorfschulen basiert auf dem gleichen Prinzip: Es gibt kein Wiederholen einer Klasse aufgrund von Lernschwächen. Durch die PISA-Studie werden gerade die Fähigkeiten und Kompetenzen, die an den Waldorfschulen besonders gefördert werden – wie soziale Kompetenz, Kreativität, Selbständigkeit, – nicht getestet. Nun ist durch die Teilnahme an der PISA-Studie deutlich geworden, dass sich die Waldorfschulen mit ihrem eigenen pädagogischen Ansatz durchaus dem internationalen Wettbewerb der verschiedenen Schulsysteme stellen können.

Wie zu erwarten, zeigen WaldorfschülerInnen eine hohe durchschnittliche Präferenz für kooperative Lernformen und eine sehr geringe für konkurrierende Lernsituationen. Zusammenarbeit hat in den Waldorfschulen einen hohen Stellenwert und wird auch von den SchülerInnen so gesehen. Im Bereich Problemlösen liegen die WaldorfschülerInnen über dem österreichischen Mittelwert. In Mathematik liegen die SchülerInnen der Waldorfschule 10 Testpunkte über dem OECD-Mittelwert von 500 und damit auch im Bereich des österreichischen Mittelwerts von 506. Erfolgreiches Lernen und damit auch der Erwerb bestimmter Kompetenzen werden von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Gerade der im Vergleich zur Regelschule andere pädagogische und didaktische Zugang der Waldorfschule ergibt Unterschiede bei emotionalen und motivationsbezogenen Faktoren. • Interesse und Freude an Mathematik sind höher • Angst vor Mathematik ist geringer • Selbstkonzept (das Vertrauen in eigene mathematische Fähigkeiten) ist deutlich höher. >

Unsere Schulen – Standorte Wien # Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer: waldorf-mauer.at # Rudolf Steiner-Schule Wien-Pötzleinsdorf: waldorfschule-poetzleinsdorf.at # Freie Waldorfschule Wien-West: waldorf-wien-west.at # Karl-Schubert-Schule Wien, Bildungsstätte für seelenpflege-bedürftige Kinder und Jugendliche: karl-schubert-schule.at Niederösterreich # Rudolf Steiner Landschule Schönau: waldorf-schoenau.at Burgenland # Sonnenland Schule: sonnenlandschule.at # Waldorfschule Pannonia: waldorf-pannonia.org Steiermark # Freie Waldorfschule Graz: waldorf-graz.at # Waldorfschule Karl Schubert Graz / Freie Waldorfschule mit Integration: kss-graz.at

Kärnten # Waldorfschule Klagenfurt: waldorfschule-klagenfurt.at # Waldorfschule Villach: waldorf-villach.at Öberösterreich # Freie Waldorfschule Linz: fwsl.at Salzburg # Rudolf Steiner-Schule Salzburg: waldorf-salzburg.info # Paracelsus Schule Salzburg / Bildungsstätte für seelenpflege-bedürftige Kinder und Jugendliche: paracelsusschule.at # Privatschule Tiere hautnah – Schule für das Leben: privatschule-tiere-hautnah.at Tirol # Freie Waldorfschule Innsbruck: waldorf-innsbruck.at # Michaelischule Kufstein: waldorf-kufstein.at Vorarlberg # Familienschule Rheintal: familienschule.eu

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Waldorfbund

Angelika Lütkenhorst

Die Naturwissenschafts-Kompetenz wurde in PISA 2000 im selben Umfang mit 27 völlig identen Testaufgaben getestet wie 2003. Somit können die Ergebnisse gut im Längsschnitt verglichen werden. Die Naturwissenschafts-Kompetenz der österreichischen SchülerInnen hat sich signifikant verschlechtert, die WaldorfschülerInnen haben sich aber – völlig gegenteilig zur starken österreichischen Leistungsabnahme! – um durchschnittlich 37 Testpunkte verbessert! Somit liegen sie bei PISA 2003 deutlich über dem Gesamtmittelwert von Österreich, aber auch über dem OECD-Schnitt. Die WaldorfschülerInnen liegen im Bereich Lesen mit 526 Punkten deutlich über dem Gesamtmittelwert von Österreich (491), aber auch über dem OECD Schnitt. Hier wird die größere Nähe der Waldorfschulen zu den höheren Schulen deutlicher erkennbar. Das Waldorf-Wunder Dass Waldorfschulen in Österreich seit über 50 Jahren existieren, grenzt an ein Wunder, denn Waldorfschulen finanzieren sich großteils über Elternbeiträge. Sie genießen Öffentlichkeitsrecht, werden jedoch von Land und Bund im Gegensatz zu konfessionellen Privatschulen nur bescheiden unterstützt. Der Waldorfbund Österreich will mit den anderen österreichischen Schulen in freier Trägerschaft im Rahmen von EFFE (Europäisches Forum für Freiheit im Bildungswesen) hier eine substantielle Änderung erreichen, damit Österreich nicht in dieser Angelegenheit ein europäisches Schlusslicht bleibt! 15:16 Seite 1 kunstraum #2.qxp_Layout 1 04.06.18

Jetzt – im 21. Jahrhundert – wäre es höchst an der Zeit, das gesetzlich garantierte Elternrecht auf freie Wahl der Bildungseinrichtung auch in Österreich zu unterstützen. Die Zeichen dafür stehen gut! Autorin Angelika Lütkenhorst, geb. 1954, Duisburg; Studium der Sonderpädagogik in Köln; 1984 Übersiedlung nach Wien; 1985-1991 ehrenamtliche Mitarbeit bei amnesty international (Leitung der Koordinationsgruppe Bulgarien und Leitung des Mitgliederreferats); ab 1988 Mitarbeit an der Gründung einer Waldorfschule in Mödling (heute: Rudolf Steiner Landschule Schönau); 1992-1995 Ausbildung zur Waldorflehrerin an der Goetheanistischen Studienstätte in Wien-Mauer; seit 1995 Lehrerin und geschäftsführende Mitarbeiterin des Vorstandes an der Rudolf Steiner Landschule Schönau; langjährige Mitarbeit im Vorstand des Waldorfbundes Österreich Kontakt Waldorfbund Österreich Dachverband der Waldorfschulen und Waldorfkindergärten Endresstraße 100, A-1230 Wien Tel.: 01 / 888 74 61 bund@waldorf.at, www.waldorf.at

www.wirbauenaufkunst.at Bis auf weiteres: Julian Khol, Karl Korab, Marija Mandic, TOMAK, Michael Wegerer

Externes Klassenzimmer Maurer Lange Gasse Kontakt: Engelbert Sperl +43 676 521 82 12 Besichtigungen nach Vereinbarung


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Waldorf in Österreich

Meine Zeit im Arbeitskreis-Eltern im Österreichischen Waldorfbund Elisabeth Mac Nulty Der Waldorfbund ist der Zusammenschluss der österreichischen Waldorfschulen und Waldorfkindergärten und gliedert sich in verschiedene Arbeitskreise, u.a. auch den Arbeitskreis (AK) „Eltern“. Hier treffen sich die delegierten Eltern (1 - 2 pro Schule) im Rahmen der Bundtagung, die 4x im Jahr an verschiedenen Schulen stattfindet. Wichtige Ziele des AK „Eltern“ sind die Vernetzung der Eltern der verschiedenen Schulen, die Intensivierung der gemeinsamen Trägerschaft der LehrerInnen und Elternschaft, die Unterstützung bei der Strukturierung der Elternräte an den Schulen und die Unterstützung der Lobbyarbeit des Waldorfbundes. Ich war von 2012 bis 2017 Delegierte unseres Elternrates im Waldorfbund und erlebte diese Zeit als wertvolle Möglichkeit, über den Tellerrand der eigenen Schule zu schauen. Herzstück der vierteljährlichen Treffen sind die Berichte aus den verschiedenen Schulen, in denen man sich sowohl über persönliche Erfahrungen und Entwicklungen in der eigenen Schulgemeinschaft als auch über schulübergreifende Themen (wie z.B. Beitragsmodelle, Konfliktmanagement, Feedbackkultur) austauscht. Manchmal werden die Probleme an der eigenen Schule relativiert, wenn man erfährt, mit welchen Herausforderungen andere Schulen zu kämpfen haben. Ich konnte viel über die Elternarbeit bzw. die Zusammenarbeit zwischen Eltern und LehrerInnen an anderen Schulen erfahren, einige Impulse aus unserer Schule mitgeben und einige auch mitneh-

men! Da die Treffen immer an einer anderen Schule stattfinden, war meine Zeit als Delegierte auch eine Reise durch fast alle Waldorfschulen Österreichs, und die Vielfalt der Schulen zu sehen, war sehr spannend. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit im AK „Eltern“ der letzten Jahre war auch die Vernetzung mit dem AK „Pädagogik“. Ganz im Sinne einer guten Eltern-LehrerInnen-Zusammenarbeit gab es auch Treffen zwischen den zwei Arbeitskreisen, in denen man sich über spannende Themen wie z.B. Medienerziehung und Erziehungspartnerschaft offen und wertschätzend austauschte und sie diskutierte. Ein besonderes Highlight meiner Zeit im Waldorfbund war das Mitorganisieren und die Teilnahme an der ENSWaP-Konferenz (European Network of Steiner Waldorf Parents), die 2014 an unserer Schule in Mauer mit TeilnehmerInnen aus 12 Ländern (von Großbritannien bis Russland) stattfand. Hier konnte ich nicht nur über den Tellerrand unserer Schule, sondern über den Tellerrand der österreichischen Waldorfschulen schauen!

Vertreter*innen unserer Schule im Bund Gerhard Rumetshofer: AK Eltern (Leitung) Andreas Lernpeiss: AK Eltern Rita Welte: AK Pädagogik Engelbert Sperl: AK Wirtschaft Martin Kaufmann: AK Wirtschaft (Leitung) Ursula Dotzler: AK Kindergarten Lena Kames: AK Hort Nadja Berke: AK PR

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Waldorfkindergartenlandschaft

Ursula Dotzler

Viele Türen, viele Geschichten und ihre Gemeinsamkeit Die Waldorfkindergartenlandschaft in Österreich So verschieden die Eingangstüren zu den Waldorfkindergärten in Österreich aussehen – als Beispiel mögen die Türen der Einrichtungen in Graz dienen –, wenn man sie öffnet, haben sie etwas gemeinsam: Dahinter kommt dem Eintretenden eine unverwechselbare Atmosphäre von Ruhe und Geborgenheit entgegen – immer gleich und doch immer wieder anders. Dasselbe gilt auch für die Entstehungsgeschichten: Es gab und gibt immer eine Gruppe von Menschen – Eltern, Erziehende, Mitglieder von Arbeitskreisen –, die gemeinsam für kleine Kinder einen altersgemäßen Raum schaffen, ihre Kräfte dafür einsetzen und ihr Leben danach ausrichten wollen. Letztendlich entwickeln die Kindergärten ihren eigenen Charakter oder auch eine besondere Orientierung. In allen Bundesländern findet man heute Waldorfkindergärten. Ein kurzer zeitlicher und örtlicher Überblick kann hier nur einige Aspekte ihrer Vielfalt verdeutlichen.

dort auch eine erste heilpädagogische Kindergartengruppe ins Leben gerufen. Im heutigen Gebäude in der Kanitzgasse gibt es zwei heilpädagogische Gruppen, nachdem eine Integrationsgruppe ab 2003 nicht aufrechterhalten werden konnte. Es folgten Gründungen in Pötzleinsdorf 1982 mit heute vier Gruppen; 2011 kam in diesem Teil Wiens eine Kleinkindgruppe in Döbling dazu. 1993 entstand mit der Schule in Wien-West auch ein Kindergarten mit heute 3 Gruppen und zwei Kleinkindgruppen. Erst 2010 gelang mit einer altersgemischten Gruppe in Wien-Ost der Schritt über die Donau in ein multikulturelles Umfeld. Ab diesem Zeitraum entstanden auch Kindergruppen, so die Kindergruppe Atzgersdorf.

Den Beginn machten 1927 die anthroposophischen Pioniere in Wien mit wechselnden Standorten in der Wiener Innenstadt. Namen wie Ilse Bode und Bronja Zahlingen sind u.a. damit verbunden. Letztere war es dann auch, die nach 1945 erst 1955 den Impuls wieder aufgreifen konnte und nach weiteren Umzügen schließlich in der Reisnerstraße im 3. Bezirk den Waldorfkindergarten führte, bis 1972 auf ihre Initiative mit viel Elternunterstützung in Wien-Mauer der erste Kindergartenbau nahe der Maurer Schule in Angriff genommen wurde. Heute beherbergt er zwei Kleinkind- und vier Familiengruppen, eine davon im Schulgebäude in der Endresstraße. Bronja Zahlingen nahm lange am Kindergarten- und Schulleben teil und wirkte auch beim Aufbau der Internationalen Kindervereinigung mit, wo sie bis 1990 im Vorstand war. Der Kindergarten in der Reisnerstraße übersiedelte 2003 mit Helga Freihsl und Eltern in das Haus der Anthroposophie in der Tilgnerstraße, wo es heute eine Kleinkind- und zwei Familiengruppen gibt. 1972 wurde im Rahmen der Gründung der Karl-Schubert-Schule in Mauer durch Eltern von Kindern mit besonderen Bedürfnissen

In Kärnten gab es 1975 die erste Elterninitiative zu einem Kindergarten in Klagenfurt, 1995 gefolgt von Viktring. Heute haben beide Standorte auch Kleinkindgruppen. 2012 entstand in Villach aus einer Spielgruppe der dortige Waldorfkindergarten; 2016 wurde ein weiterer in Landskron eröffnet. In St. Veit a.d. Glan besteht seit 2003 ein Waldorfbegegnungskindergarten am Wurzerhof, dem ältesten Demeterhof in Österreich (gegr. 1927). Hier besteht auch eine sozialtherapeutische Arbeits-

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In der Steiermark wurden ab 1977 Kindergärten gegründet. Heute gibt es fünf Standorte in Graz, darunter sind an die dortige Karl-Schubert-Schule zwei altersgemischte Inklusionsgruppen angegliedert.

Kindergarten

Kindergarten

Riesstraße, Graz

Messendorf, Graz

Kindergarten

Kindergarten

Stiftingtal, Graz

Mandellstraße, Graz


Waldorf in Österreich

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gemeinschaft. Die Kinder erleben den Jahreslauf und die Tierhaltung auf dem Bauernhof sowie die authentische und produktive Arbeit der Erwachsenen.

Waldorfpädagogik arbeiten, wie das Familienbundzentrum Reiser oder die Naturkindergruppe Engerwitzdorf. Hier können Kinder den Alltag auf dem Bauernhof aktiv miterleben.

Salzburg hatte mit Gertha Knirr eine Künstlerin und Kunsttherapeutin als Gründungspionierin. Gerlinde Halm nahm den Impuls 1975 auf. Auch diese Initiative musste viele Ortswechsel in Kauf nehmen. Um 1995 wurde eine große Nachfrage nach Betreuungsplätzen für unter Dreijährige deutlich – so entstand dort die erste Krippe, die bald auf das Konzept einer alterserweiterten Gruppe für Kinder zwischen ein und zehn Jahren überging. In Salzburg-Aigen werden nach wie vor auch Kinder im Volksschulalter betreut. 2013 kam in Langwied auf dem Gelände der Waldorfschule ein Kindergarten neu dazu. 2005 wurde in Mattsee der Verein für lebendige und individuelle Pädagogik mit einer alterserweiterten Gruppe eröffnet.

In Tirol gab es eine erste Initiative 1980 in Hall, die jedoch wieder geschlossen wurde. Der Schule in Innsbruck wurden zwischen 1980 und 1983 drei Kindergärten angegliedert, gefolgt von zwei Kinderkrippen. Kufstein und Schwaz kamen als weitere Standorte nach 1990 hinzu.

In Oberösterreich fand in Linz nach einer heilpädagogischen Gruppe und einer Spielgruppe ab 1978 auch ein Waldorfkindergarten seine Heimat in einem im Stadtteil Urfahr gelegenen Vierkanthof. In der dortigen Knechtekammer war ein Bild der „Sixtinischen Madonna“ an der Wand entdeckt worden. Heute gibt es in Linz Nord vier Gruppen, in denen auch Kinder mit besonderen Bedürfnissen inklusiv betreut werden, sowie eine Kleinkindgruppe. Ab 1988 nahm der neu gegründete Kindergarten in Linz Süd die Kinder aus diesem Einzugsgebiet auf. In den 1990er Jahren kamen Kindergärten in Wels und Steyr dazu, zuletzt eine Kindergruppe in Walding. Außerdem gibt es Kindergruppen, die den Oberöstereichischen Familienbund zum Träger haben, jedoch nach den Grundsätzen der

Mit Bregenz (1986) und Götzis (1995, heute in Koblach) war auch Vorarlberg im Reigen der Kindergärten mit dabei. Im Burgenland entstand 2012 in Pamhagen ein zweisprachiger deutsch-ungarischer Kindergarten mit der Idee der Schaffung eines gemeinsamen pannonischen Lebens- und Kulturraumes im Hintergrund. 2016 übersiedelte der Kindergarten nach Neusiedl. In Niederösterreich kam 1986 in Bad Vöslau die Gründungsinitiative aus einer anthroposophischen Studiengruppe. 1989 wurde der erste Waldorfkindergarten in Mödling eröffnet, der sich 1996 an die in Schönau gegründete Schule anschloss. In Mödling gibt es nach wie vor einen Kindergarten. Netzwerk Waldorfbund Als Dachverband für die österreichischen Waldorfkindergärten fungiert der seit 1981 bestehende Waldorfbund Österreich. Der Trägerverein eines Kindergartens kann dem Bund nach bestimmten Kriterien beitreten. Jedes Bundesland entsendet zwei LandesvertreterInnen in den Mitarbeiterkreis (MAK) Kindergarten, der sich in der Regel dreimal pro Jahr jeweils in einer Waldorfschule im Rahmen des Treffens aller Mit-

Kindergarten Körösistraße, Graz

Kinderkrippe

Kinderstube

Messendorf, Graz

Stiftingtal, Graz MoMent Sommer 2018 _ 11


Waldorfkindergartenlandschaft

Ursula Dotzler

Wohin geht jedoch der künftige Weg in der Erziehung? Waldorfpädagogik hat ausdrücklich die altersgemäße Entwicklung des Kindes zum Thema, die auf Weiterentwicklung und Verwandlung des Vorhergehenden beruht. Das freie Spiel, reale Sinneserfahrungen, vielfältige Bewegungsmöglichkeiten, rhythmisch wiederkehrende Abläufe und das menschliche Vorbild bilden dazu Grundlagen in der frühen Kindheit. Diese sind heute bei der zunehmenden Schnelllebigkeit und dem Vormarsch der Digitalisierung bedeutsamer denn je und müssen im Sinne einer gesunden Lebensgrundlage für die Kinder lebendig gepflegt werden. Werden ihnen die Türen zur ureigenen Selbsterfahrung offen gehalten, sind sie auch auf das Leben in einer digitalen Welt vorbereitet. Der Mensch ist und bleibt DAS Medium für das wirkliche Leben. Wird es mit kleinen KinAusbildung als gemeinschaftliche Basis dern „echt“ gelebt, werden ihnen kontinuierlich allmähliche ÜberDas 1990 von Brigitte Goldmann ins Leben gerufene, berufsgänge in ihrer Entwicklung zu ermöglicht. Um Kindheit als solche begleitende Waldorfkindergartenseminar in Wien hat die gemeinerleben und später erinnern zu können, kommt real vor virtuell, schaftliche Basis sehr gestärkt. Die KindergärtnerInnen kennen sich analog vor digital und der Mensch vor der Maschine. Die Veranuntereinander; die bis vor kurzem jährlich stattfindenden gesamtöslagung menschlicher Fähigkeiten wie Empathie, Staunen, Erinneterreichischen Tagungen galten als Treffpunkt zur Fortbildung. rung, Ehrfurcht bildet die Grundlage der Menschlichkeit und die Seit 2002 bietet Waldorf Salzburg eine Ausbildung zum Teil überMöglichkeit, gemeinsam Kultur in freier Initiative auch unter heute greifend für angehende WaldorferzieherInnen und Waldorf‑­ noch nicht absehbaren Bedingungen zu schaffen. lehrerInnen an. Erste kleine Schritte einer Annäherung der AusbilQuelle zu Daten und Details der Kindergartengründungen: Dr. dungen gab es auch zwischen dem Waldorfkindergartenseminar und der Waldorflehrerausbildung im Zentrum für Kultur und Pädagogik. Ingrid Amatschek „Die Geschichte des Waldorfkindergartens und Zurzeit fehlt ein Lehrgang für Kleinkindpädagogik. Der letzte fand seine Entwicklung im Wandel der Zeit“, Abschlussarbeit des Wal2014/15 statt. Der Lehrgang wurde ursprünglich von Eva Fuchs dorfkindergartenseminars, Wien 2015. Mit freundlicher Genehmiinitiiert, die auch 2001 in Wien-Mauer die erste Kleinkindgruppe gung der Verfasserin. gründete. arbeiterkreise des Bundes trifft. Die Treffen dienen dem aktuellen Austausch und der Arbeit am überregionalen Zusammenhang sowie der Unterstützung bei Fragen und Problemen. Der Waldorfbund als solcher ist als österreichische Landesvereinigung Mitglied in der weltweiten Waldorfassoziation für das kleine Kind, der International Association For Steiner/Waldorf Early Childhood Education (IASWECE). Derzeit sind 27 Waldorfkindergartenvereine mit 39 Kindergartenstandorten, die derzeit knapp über 1330 Kinder betreuen, im Waldorfbund zusammengeschlossen. Zehn weitere Kindergarteneinrichtungen gelten als „waldorfverwandt“, da sie z.B. einen anderen Trägerverein haben.

Ausblick Was sind die aktuellen Herausforderungen, was wurde bisher erreicht, was will in Zukunft werden? Nach über 90 Jahren sind solide Grundlagen aufgebaut worden, und es gibt ausreichend Erfahrung, die alle Beteiligten überzeugt von der heilsamen Wirkung der Walddorfpädagogik arbeiten lassen. Ohne Zweifel hat die Elternarbeit zugenommen; Beratung wird dringend vor allem von jungen Eltern gebraucht. Die zunehmenden öffentlichen Vorschriften in der Verwaltung fordern immer größeren Arbeitseinsatz.

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Die Autorin Ursula Dotzler ist langjährige Mitarbeiterin im Waldorfkindergarten Wien-Mauer, tätig im Waldorfbund seit 2011 und vertritt Österreich in der Internationalen Assoziation für Waldorferziehung (IASWECE, http://www.iaswece.org/start-seite/) seit 2013.


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Waldorf in Österreich

Auch die SchülerInnen sind österreichweit vernetzt. Peter Gluchi Seit 2016 sind im Österreichischen Waldorfbund auch die SchülerInnen vernetzt und dort mit einem eigenen Arbeitskreis vertreten. Dieser hat bereits in den beiden letzten Jahren ein österreichweites Waldorftreffen der SchülerInnen eigenständig vorbereitet und abgehalten. Für die Waldorftagung 2018 haben zwei Schülerinnen aus unserer zehnten Klasse die Initiative ergriffen und gemeinsam mit den Grazerinnen das diesjährige Kennenlernen, Vernetzen und gemeinsame Erleben von 25.5. bis 27.5. organisiert. Keine leichte Aufgabe, wie das dreiseitige Anmeldeformular mit fein ausformulierten Details zeigte: Eine Absicherung durch die Unterschrift eines Erziehungsberechtigten brauchte es da sowie eine Einverständniserklärung zum allgemeinen Mitwirken der SchülerInnen, um die Tagung „schön, erfolgreich und angenehm zu gestalten“ (das hieß u.a., auf den Konsum von Alkohol zu verzichten und für Jugendliche ab 16 Jahren, wenn es denn sein muss, nur außerhalb des Schulgeländes zu rauchen). Zusätzlich beinhaltete das Vorbereitungspapier diverse To-Dos, eine Packliste und ein detailliertes Programm für Freitag (v. a. Speed dating und Kennenlernen am Lagerfeuer), Samstag (Vortrag von Prof. Christian Kreiß über „Wege in eine menschliche Wirtschaft“) und Sonntag (Workshops und gemeinsames Tun beim Batiken, Bogenschießen oder Fotografieren). Die beiden Mitorganisatorinnen Frida und Emilia haben uns vom diesjährigen Treffen gerade noch rechtzeitig vor Redaktionsschluss Fotos und einen kurzen Erlebnisbericht zur Verfügung gestellt:

Vor zwei Jahren fand zum ersten Mal eine von SchülernInnen organisierte österreichweite Waldorf-Tagung für OberstufenschülerInnen statt. Dieses Jahr übernahmen wir gemeinsam mit einer Zwölftklässlerin aus Graz die Organisation. Wir trafen uns mehrmals in Wien und Graz, sammelten Ideen, planten und verschickten Einladungen an alle Waldorfschulen in Österreich. Nach Salzburg und Pötzleinsdorf in den letzten Jahren fand die diesjährige Waldorf-Tagung in Graz statt. Da wir ein kleines Organisationsteam waren, fiel die Tagung im Vergleich zu den letzten Jahren auch recht klein aus. Dabei waren SchülerInnen aus Graz, Linz und Wien. Wir übernachteten in der Freien Waldorfschule Graz, und tagsüber fanden verschiedene Workshops – Bogenschießen, Lettering, Batiken und Fotografie – und Aktivitäten in Graz statt. Abends saßen wir gemeinsam am Lagerfeuer, unterhielten uns und sangen. Das Essen und auch alles andere organisierten wir SchülerInnen selbständig. Trotz der überschaubaren Teilnehmerzahl verbrachten wir ein interessantes und lustiges Wochenende zusammen. Wir hoffen, dass diese Tradition auch in den nächsten Jahren weitergeführt wird. Frida und Emilia, 10. Klasse

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Waldorflehrerbildung

Tobias Richter und Leonhard Weiss

Ziele und Wege der Waldorflehrerbildung in Österreich Für Rudolf Steiner war im Grunde immer klar, dass die von ihm angedachte neue Pädagogik auch eine neue Form der Lehrerbildung verlangte. Im Rahmen einer solchen sollte, so Steiner etwa in einem 1919 gehaltenen Vortrag, die Beziehungsfähigkeit der angehenden PädagogInnen im Mittelpunkt stehen. Zu achten wäre daher vor allem darauf, „ob der Mensch, der es zu tun hat mit der Erziehung und dem Unterricht werdender Menschen, ob der eine persönlich aktive, für den werdenden Menschen ersprießliche Beziehung zu diesen werdenden Menschen herstellen kann“. Gelänge dies, dann würde der Pädagoge „nicht Leselehrer, Rechenlehrer, Zeichenlehrer und so weiter sein, sondern dann wird er der wirkliche Bildner der werdenden Menschen sein können“ (vgl. GA 192, S. 92). Waldorfpädagogik ist eine Pädagogik der Beziehungen und des Dialogs, in deren Mittelpunkt der sich in Beziehungen zu anderen entwickelnde Mensch steht. Eine Lehrerbildung zu ermöglichen, die diesem grundlegenden Ziel verbunden ist, darum bemühten und bemühen sich die österreichischen Ausbildungsstätten für Waldorfpädagogik, deren Anliegen und Entwicklungen im Folgenden nachgezeichnet werden sollen. Alle dabei vorgestellten Ausbildungen berechtigen zum Unterrichten an Waldorfschulen im Inund Ausland unter Berücksichtigung der jeweiligen Gesetzeslage. Goetheanistische Studienstätte: die erste Waldorfausbildung Österreichs Als 1963 in Wien von Neuem der Keim zu einer Waldorfschule gelegt wurde, mussten die Lehrer, die von da an in der Rudolf Steiner-Schule unterrichten sollten, außerhalb Österreichs gesucht werden. Eine österreichische Waldorflehrerausbildung gab es nicht. 1979 war es dann soweit, dass in Wien das erste dreijährige, berufsbegleitende Seminar für Waldorfpädagogik beginnen konnte. Die dort unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer der „ersten Stunde“ (welche bereits an der Rudolf Steiner-Schule praktizierten) waren, um nur einige zu nennen, Georg Friedrich Schulz, Nora Zimmermann, Heide Reisser-Schad, Christian Hitsch, Tobias Richter, Hannes Reisser... Die Zahl der Studierenden war groß: Ca. 45 an Waldorfpädagogik Interessierte kamen zusammen – keineswegs nur aus Wien, sondern auch eine Grup-

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pe aus der Steiermark, welche die Gründung der Grazer WaldorfSchule vorbereitete. Nach dem Abschluss dieses Lehrgangs, welcher z.B. von Eva Becker, Elmar Dick, Herta Hans, Karl Hruza, Gisela Kratky, Anita Kux, Gottfried Pühringer oder Ina Schwaiger besucht worden war, wurde 1983 die Goetheanistische Studienstätte gegründet. Sie war aus einer Initiative Christian Hitschs – dem Werk- und Kunstlehrer an der Maurer Schule – und seines Schwiegervaters Wilhelm Reichert, der in Wuppertal den goetheanistischen Arbeitskreis ins Leben gerufen hatte, entstanden. An dieser Kunstschule – und das war das Besondere – wurde nun neben einer berufsbegleitenden auch eine dreijährige Vollzeitlehrerausbildung angeboten. Der Dialog zwischen Pädagogik und Kunst konnte so auf eindrucksvolle Art intensiv gepflegt werden. (Tragischerweise verstarb Wilhelm Reichert unmittelbar vor der Gründung völlig unerwartet. Dessen Sohn Mathias, ebenfalls Künstler und Kunsttherapeut, erklärte sich dann zur Mitarbeit bereit, sodass tatsächlich die Arbeit beginnen konnte.) In der pädagogischen Abteilung der Studienstätte arbeiteten zunächst vor allem diejenigen Kollegen, die auch den berufsbegleitenden Kurs geführt hatten, unterstützt von den beiden Oberstufenlehrer Michael Holdredge und Helmut Wagner. Bis zur Jahrtausendwende gab es diese Ausbildung, die zu Recht den Titel „Erziehungskunst“ tragen durfte. Zunächst schien nicht sicher, ob dieses Konzept auch ins neue Jahrtausend hinüberreichen würde. Als schließlich auch die Studentenzahlen deutlich zurückgingen, stand fest, daß diese grundständige Waldorflehrerausbildung in ihrer damaligen Form nicht fortgeführt werden konnte. Waldorf-Seminar für Erziehungskunst Wien Das Waldorf-Seminar für Erziehungskunst Wien wurde 1990 als Seminar Pötzleinsdorf gegründet. Nach dem Leitbild „Waldorfpädagogik ist die Chance, die ständig zu erarbeitende Vision vom Menschen im Klassenzimmer künstlerisch zu realisieren und sich dabei über unerwartete Momente zu freuen.“ bietet das Curriculum: • eine grundlegende pädagogische Ausbildung, die sich an der anthroposophischen Menschenkunde und Entwicklungspsychologie orientiert • Schulung der Erlebnis- und Beobachtungsfähigkeit


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durch intensive Begegnung mit der bildenden, der darstellenden und der sozialen Kunst • Kurse zur Entwicklung der „Lehrerpersönlichkeit“ sowie für „soziales Lernen“ Besonderes Augenmerk liegt auf dem erlebnis- und erfahrungsorientierten Charakter der Ausbildung. Der Kurs „Führen mit Pferden“ ist dabei ein Highlight bei den Studierenden. Die 2-jährige Ausbildung findet in Form von einem – für kontinuierliches Üben wesentlichen – Kursabend pro Woche, Wochenendkursen sowie Intensivseminaren statt. Waldorf Seminar Salzburg: Gemeinsame Ausbildung von Kindergarten- und SchulpädagogInnen In Salzburg startete 1998 ein erster Fortbildungs-Durchgang für Interessenten und angehende Pädagogen in Salzburg und im angrenzenden bayerischen Raum. Seit 2005 besteht das Waldorf Seminar Salzburg in der aktuellen Form, wobei das Besondere daran liegt, dass hier Seminaristen der Ausbildungsrichtung Kindergartenpädagogik wie auch der Ausbildungsrichtung Schulpädagogik gemeinsam studieren. Zu Beginn war das Seminar im Waldorfkindergarten im Zentrum Salzburgs beheimatet. Seit 2015 finden die Veranstaltungen monatlich am Areal des Waldorfbildungscampus Salzburg statt, wo die räumliche Nähe zu Kindergarten und Schule ein bereicherndes Element für die Ausbildung darstellt, da das Kindergartenwesen und das Schulleben überall spürbar und erlebbar sind. Die Lernwege am Waldorf Seminars Salzburg basieren auf den Bereichen Kunst, Theorie und Praxis. Da das Wirken des Erziehers aus der lebendigen Erkenntnis des heranwachsenden Menschen sich immer wieder neu zu gestalten hat, liegt ein wesentlicher Schwerpunkt im Ausbildungsgang auf der Persönlichkeitsbildung der Studierenden vor

Waldorf in Österreich

allem im künstlerischen Tun und durch Selbstreflexion. So ist das Motto „Erziehung ist letztlich Selbsterziehung“ ein bedeutsames Ziel der Ausbildung. Zentrum für Kultur und Pädagogik: Masterstudium Waldorfpädagogik Waldorflehrerbildung im Dialog – diesem Ziel fühlte sich das 2001 als Nachfolger der Ausbildung an der Studienstätte gegründete Zentrum für Kultur und Pädagogik in Wien von Anfang an verbunden. Denn eine Lehrerbildung, in deren Mittelpunkt die anfangs erwähnte Beziehungsfähigkeit steht, muss, so sind wir überzeugt, auch selbst im Gespräch sein – mit anderen pädagogischen Ansätzen, wissenschaftlichen Zugängen, aber auch mit Kunst, Religion und Wirtschaft. Nachdem zunächst für einige Jahre Lehrveranstaltungen des Zentrums gemeinsam mit dem Institut für Erziehungswissenschaft der Uni Wien abgehalten wurden, gelang 2007 schließlich eine Kooperationsvereinbarung mit der Donau-Universität Krems über die Errichtung und Durchführung eines dreijährigen, berufsbegleitend konzipierten Masterstudiums Waldorfpädagogik. Schwerpunkte des Studiums sind Fragen der Anthropologie, Entwicklungspsychologie sowie Methodik und Didaktik der Waldorfpädagogik. Und weil Beziehungsfähigkeit nicht nur gelernt, sondern vor allem auch gelebt werden muss, ist selbstverständlich auch eine solide schulpraktische Ausbildung Teil des Waldorfpädagogikstudiums, ebenso wie zahlreiche künstlerische Workshops. Musik, Malen, Plastizieren, Steinhauen, Eurythmie, Segeln,… eröffnen dabei Möglichkeiten,

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Waldorflehrerbildung sich selbst im Dialog mit Musik, Farbe, Stein, Wasser und anderen Menschen besser kennen zu lernen und sich so auf eine pädagogische Tätigkeit vorzubereiten, die in erster Linie eine Beziehungskunst ist. Den Einstieg in diese Tätigkeit erleichtern möchte das Zentrum u.a. auch durch ein spezielles Unterstützungs- und Mentorierungsprogramm („Waldorf-Referendariat“) für AbsolventInnen, die als neue LehrerInnen an eine Schule gehen. Fort- und Weiterbildung für WaldorflehrerInnen Neben der Lehrerausbildung bietet das Zentrum für Kultur und Pädagogik auch zahlreiche Veranstaltungen zur Fort- und Weiterbildung bereits tätiger WaldorflehrerInnen sowie Vorträge für Eltern und Interessierte an, um so auch diese Form des Dialoges zu pflegen. Immer zu Beginn der Sommerferien findet die vom Zentrum veranstaltete Schuljahresvorbereitungswoche statt, bei der sich KlassenlehrerInnen, HortnerInnen und seit letztem Jahr auch OberstufenlehrerInnen gemeinsam auf das nächste Schuljahr vorbereiten, Erfahrungen austauschen und sich Anregungen holen können. Waldorf im wissenschaftlichen Diskurs Die mit dem Masterstudium an der Donau-Universität Krems in Österreich erstmals erreichte Etablierung der Waldorfpädagogik im universitären Rahmen ist Teil einer inzwischen in vielen Staaten wahrnehmbaren Akademisierung waldorfpädagogischer Lehrerbildung. Auf Initiative des Zentrums entstand daher vor einigen Jahren das „European Network for Academic Steiner Teacher Education“ (ENASTE), welchem – inzwischen zum1internationazkp_az_moment_2018.qxp_Layout 1 07.05.18 11:42 Seite

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Tobias Richter und Leonhard Weiss

len Netzwerk INASTE gewandelt – derzeit 13 Ausbildungsstätten angehören. Ziel des Netzwerkes ist es, die Kooperation zwischen den einzelnen Instituten zu fördern und den Dialog und Austausch zwischen Waldorfpädagogik und Erziehungswissenschaft zu unterstützen. Seit 2009 ist das Zentrum ein An-Institut der in Alfter bei Bonn beheimateten Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Als Hochschulinstitut verbindet das Zentrum daher Forschung und Lehre. Auch dabei ist es unser Ziel, Waldorfpädagogik einen Platz im akademisch-wissenschaftlichen Diskurs zu schaffen, sei es durch Veranstaltungen wie Tagungen und Kongresse oder durch Publikationen zu Aspekten und Perspektiven der Waldorfpädagogik wie etwa dem vor wenigen Wochen erschienenen Band zum Leistungsverständnis der Waldorfpädagogik (siehe Buchbesprechung in diesem Heft). Die Autoren danken Elisabeth Schlicker und Walter Appl für die Mitarbeit am Beitrag. Tobias Richter und Leonhard Weiss sind Mitarbeiter am Zentrum für Kultur und Pädagogik in Wien und Dozenten des Masterstudiums Waldorfpädagogik an der Donau-Universität Krems. Links: www.waldorf-salzburg-seminar.at www.waldorf-seminar.at www.waldorflehrerwerden.at www.kulturundpaedagogik.at www.enaste.com


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Waldorf in Österreich

Und die Schulzeitungen? Peter Gluchi Gemäß dem Schwerpunkt dieser Ausgabe des MoMent – Waldorf in Österreich – haben auch wir unsere Fühler ausgestreckt, um mit den Schulzeitungen in den anderen Waldorfschulen Kontakt aufzunehmen und diese vorerst einmal vorzustellen. Es gibt leider nur deren zwei. Die „Waldorfinfo“ der Salzburger Schule befindet sich zudem gerade in einem Wellental, weil die bisherige PR-Frau nicht mehr an der Schule ist. Es wird aber laut dem Geschäftsführer (Herrn Etzer) ab kommendem Jahr eine Online-Version der „Waldorfinfo“ geben und ein bis zwei Printausgaben mit den besten Artikel davon. In Schönau ist die Russisch-Lehrerin Frau Hanauska aufgrund ihrer PR-Vorkenntnisse die treibende Kraft hinter der wunderschön gestalteten Zeitung „Das Lindenblatt“. In beiden Zeitungen sind neben den internen Berichten, die auch wir im MoMent in den Vordergrund stellen, immer wieder anregende Artikel zu pädagogischen und gesellschaftlich interessanten Themen, die sich auf den jeweiligen Webseiten nachlesen lassen.

Schöner Zufall, dass die Waldorftagungen von 2016 in Salzburg und 2017 in Pötzleinsdorf jeweils in einer dieser Zeitungen nachbesprochen wurden. Ungeachtet dessen, dass das MoMent natürlich damals über beide SchülerInnen-Tagungen berichtet hatte, ist die Sichtweise aus den anderen Schulen eine tolle Ergänzung zu dem diesjährigen Bericht auf Seite 13. Viel Vergnügen beim Nach-Lesen! Hier die Links: http://www.waldorf-schoenau.at/Zeitung/Johanni_2016_HP.pdf Seite 45 http://www.waldorf-salzburg.info/konzept/waldorf-info/ waldorfinfo-sommer-2017/view Seite 44 http://www.waldorf-salzburg.info/konzept/waldorf-info/ waldorfinfo-herbst-2017/view Seite 42

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Sisyphos in Austria

Edgar Hernegger

Über den Kampf um die finanzielle Gleichstellung der Waldorfschulen in Österreich Gut kann ich mich noch an meine Blauäugigkeit als junger Waldorf-Vater vor 18 Jahren erinnern. Die Diskriminierung von Schulen in freier Trägerschaft sah ich als Relikt des 20. Jahrhunderts an, das zu beseitigen einfach nur vergessen worden war. Bestätigt sah ich mich durch die fast einhellige Meinung aller Bildungsexperten und Politiker, dass hier Handlungsbedarf bestehen und das Privatschulgesetz von 1962 nicht mehr der Wissensgesellschaft des 3. Jahrtausends entsprechen würde. Es ist paradox, dass bei diesem Thema die Zustimmung so groß und breit ist, die Umsetzung durch Reformen aber gegen Null geht. Was haben wir nicht alles versucht: unzählige Gespräche mit Politikern aller Couleurs, Bürgerinitiativen mit zigtausend Unterschriften, Verhandlungen mit dem Bildungsministerium, Teilnahme an Parlamentsenqueten und vieles mehr. Und das Ergebnis? Die Förderung von Waldorfschulen ist nach einem kurzen Zwischenhoch im Jahr 2008 auf beschämende 726,-- Euro pro SchülerIn/Jahr gesunken. Nur zum Vergleich: Für eine/n SchülerIn einer NMS wendet unser lieber Vater Staat ca. das Fünfzehnfache (!!!) des für eine/n WaldorfschülerIn bereitgestellten Betrages auf. Und wer hier mit dem Argument der esoterischen, weltfremden Alternativschulen kommen will, den verweise ich auf die jüngste PISA-Studie und die Waldorf-Matura-Quote von etwa 70 %. Unsere Waldorfschulen zeigen eindeutig vergleichbare Leistungen um’s halbe Geld – eigentlich eine Ohrfeige für das staatliche Bildungssystem. Inzwischen sind unsere Forderungen wieder „gerichtsanhängig“. Es läuft eine Klage vor dem VfGH, die momentan eine „Schleife“ über den BVG nimmt, dann aber hoffentlich bald wieder vor dem VfGH verhandelt wird. Unsere Bürgerinitiative „FreieSchulwahl 2.0“ ist irgendwie in die neue Legislaturperiode „gerutscht“ und wird am 5. Juni im Unterrichtsausschuss des Parlaments behandelt, zugleich mit einem Antrag der NEOS auf Gleichstellung unserer Schulen. Apropos Unterrichtsausschuss: Bezeichnend für die Realität in der Bildungspolitik und ein Beispiel für vieles ist die Stellungnahme der jetzigen SP-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid im Unterrichtsausschuss vom März 2018: Sie hält die Gleichstellung aller 18 _ MoMent Sommer 2018

Privatschulen bei der öffentlichen Finanzierung für berechtigt. Gerade die Schulen in freier Trägerschaft hätten stets wichtige Anstöße zu neuen pädagogischen Modellen geliefert. In ihrer Amtszeit als Unterrichtsministerin war es trotz dringender Bitten und Anfragen unmöglich, auch nur einen Gesprächstermin bei ihr zu bekommen… Die Gründe für diese Reformresistenz sind schwer durchschaubar und werden nur selten offen ausgesprochen. Aus meiner Sicht und langen Erfahrung sehe ich zwei Hauptwiderstände gegen die Gleichstellung unserer Schulen: Einerseits die Angst der Lehrergewerkschaften vor einer Systemöffnung, Autonomie, Vergleichbarkeit und Konkurrenz. Jahrzehnte der Blockade haben ihre Spuren hinterlassen; die Furcht vor Veränderungen verstellt den Blick auf das große Potential einer echten Schulautonomie, die mehr Handlungsfreiheit und Engagement für alle PädagogInnen bringen würde, welche jetzt von den Fesseln der überbordenden Schulbürokratie gehemmt werden. Andererseits die Angst politischer Organe und Behörden, von ihrer großen Macht in Schulen loszulassen und Eigenverantwortung zu ermöglichen. Autonome Schulen werden Fehler machen und hoffentlich daraus lernen, aber wesentlich größer ist der Mehrwert an Innovation, Bürgernähe und Demokratie, der durch Freiheit und Selbstverantwortung am Schulstandort entsteht. Es gibt aktuell Gespräche mit PolitikerInnen aller Parteien, vor allem zu dem Thema, wie die neue Regierung ihre im Regierungsprogramm verankerte Forderung „Subventionsvergabe an nichtkonfessionelle Privatschulen nach objektiven und nachvollziehbaren Kriterien“ umsetzen will. Momentan überwiegt hier der Tenor, dass man die Sache wohlwollend betrachtet, es aber leider an freien Budgetmitteln fehlt. Vielleicht erinnert man sich daran, dass auch wir Waldorf-Eltern Steuermittel für das staatliche Bildungssystem nebst unserem hohen Schulgeld leisten. Es geht um ca. 30-40 Mio Euro jährlich (bei einem Bildungsbudget von 8 Mrd.), falls man alle 6.000 SchülerInnen an Schulen in freier Trägerschaft voll finanzieren würde.


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Übrigens haben wir Waldorf-Schuleltern dem Staat seit Bestehen unserer Schulen mit grob geschätzten 500 Mio Euro ausgeholfen, für eine eigentlich von ihm zu erfüllende Staatsaufgabe… Oft werde ich gefragt, warum ich nach 18 Jahren immer noch für die Gleichbehandlung unserer Schulen kämpfe. Drei Gründe geben mir immer noch Mut und Kraft, das Mögliche zu versuchen. 1. Ein persönlicher Grund: Ich glaube noch immer an die Umsetzbarkeit der Menschenrechts-Charta, welche Eltern die freie Wahl der Schule aus erzieherischen Gründen garantiert. Bei allem Respekt vor dem Recht des Staates als Geldgeber, Rahmenbedingungen für Schulen zu erlassen – in erster Linie liegt es in der Freiheit und Verantwortung von uns Eltern, die passende Schule für unsere Kinder auszuwählen! 2. Ein wirtschaftlicher Grund: Als Unternehmer denke ich, dass sich Österreich nicht auf Dauer ein Bildungssystem leisten kann, das im OECD-Schnitt gesehen so teuer und nur von durchschnittlicher Qualität ist. Unbestritten ist Geld für Bildung nie schlecht angelegt; dies schließt aber Effizienz nicht aus. Schulautonomie ist nach allen Studien ein Hauptkriterium für Fortschritte im Bildungssystem. 3. Ein pädagogischer Grund: Ich bin von der Qualität unserer Pädagogik überzeugt, trotz aller Fehler, die auch bei uns passieren. Für nicht wenige SchülerInnen sind unsere alternativen Modelle jene Schulen, in denen sie am besten gedeihen können. Und gerade in Zeiten der überbordenden Systematik, Standardisierungen, Prüfungsvereinheitlichungen etc. sind Schulen mit unseren Schwerpunkten notwendiger denn je.

Waldorf in Österreich

Trotz aller Frustration werden wir nicht locker lassen, im Gegenteil: Im kommenden Jubiläumsjahr „100 Jahre Waldorf“ werden wir unsere Bemühungen intensivieren und zählen dabei auf die Mithilfe alles Mitglieder unserer Waldorfgemeinschaft. Wir hoffen auf zahlreiche Beteiligungen und Eigeninitiativen im Jubiläumsjahr, auf einen erfolgreichen Verlauf unserer Fundraising-Kampagne „10 Euro für Waldorf 100“ und auf einen Erfolg unserer VfGH-Klage. Und vor allem hoffen wir immer noch auf die Vernunft in der Schulpolitik, die ja stark auf das Thema „Schulautonomie“ setzt. Auf die Einsicht, dass Schulautonomie sich nicht verordnen lässt, sondern dass dafür Freiheit gegeben werden muss. Unsere Schulen leben diese Autonomie und könnten Beispiele für alle anderen Schulen geben. Wie sich Schulautonomie in Österreich umsetzen ließe und welche Argumente dafür sprächen, habe ich in meinem Abstract „Schulautonomie für Österreich“ vor einigen Jahren zusammengefasst - der Text ist aktueller denn je: http://www.freieschulwahl.at/pdf/4.Schulautonomie_fuer_ OEsterreich.pdf Edgar Hernegger Bundeselternsprecher der österreichischen Waldorfschulen

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Erstklass-Wochenende 25. - 27. Mai 2018 „M

ama, wann geht’s denn los?“ – „Mama, können wir nicht jetzt

welche abends dann erschöpfter scheinen als die Zwerge… Wir

gleich fahren?“ – Tagelang haben wir kaum andere Fragen von

Erwachsenen lauschen einem staunenswerten Vortrag von Herrn

unserem Großen zu beantworten, aber am Freitag um 17 Uhr ist es end-

Richter und nach der Mittagspause der famosen Frau Bolleter, die

lich soweit: Nach einer verregneten, kurvenreichen Zweistunden-Fahrt

uns einen Crashkurs im Formenzeichnen der Unter- und Mittelstu-

erreichen wir das JUFA-Hotel Mariazell-Sigmundsberg; die Sonne lässt

fe gibt.

sich erahnen, die Kinder strömen sofort aus. Es wird gerutscht, ge-

Die folgenden Stunden werden durch gemeinsames Spielen auf der

schaukelt, Fußball gespielt und gefühlte 1000 mal mit dem Flying Fox

Wiese oder im Schwimmbad und mit vielen, vielen schönen Ge-

durch die Luft gesaust. Für das Abendessen kriegen wir die ganze Ban-

sprächen verbracht. Eine Gutenachtgeschichte, gelesen von Jana,

de zumindest kurz an die Tische. Danach treffen wir einander am Wald-

und gemeinsames Singen beenden einen eindrucksvollen und

rand, wo erprobte Naturburschen der Nässe zum Trotz ein herrliches

sportlichen Tag.

Lagerfeuer entfachen. Die Nacht wird für alle kürzer als gewöhnlich.

Am Sonntagmorgen heißt es leider Kofferpacken! Doch zum Glück

Am nächsten Morgen kommen auch Frau Bolleter und Herr Richter,

gibt es noch abschließendes Programm: Welmoed und die Kinder

die ZwölftklässlerInnen Camillo, Julia, Leon, Rachel und Valentin sowie

zeigen uns zwei Tänze, die sie geübt haben, und lassen uns ordent-

die langersehnte Frau Svoboda mit ihrer Tochter Jana an. Die Lehrerin

lich über das Gras hopsen und wirbeln. Danach begegnen wir noch-

herzt jedes einzelne Kind der ersten Klasse; auch die Geschwisterkin-

mals Herrn Richter im Rahmen einer Gruppenarbeit. Mittags verab-

der werden liebevoll umarmt. Dabei strahlt Frau Svoboda derart viel

schieden wir uns alle herzlich voneinander und treten die Heimreise

Wärme und Kraft aus, wie es am Ende eines Schuljahres nicht mehr

an – müde, aber wunschlos glücklich und dankbar!

selbstverständlich ist.

„Mama, können wir morgen wieder Erstklasswochenende fahren?“.

Nach einem allgemeinen Willkommen dürfen die Kinder wieder toben,

Diesmal kommt die Frage von unserer Kleinen.

spielen und basteln – betreut und angeleitet von den Jugendlichen,

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Nina Juritsch


„Werden wollen – Waldorfpädagogik als Mäeutik“ Eine Begegnung mit Tobias Richter Brigitte Födinger

E

in rätselhafter Titel ist auf die Wand projiziert, doch schnell wer-

„Kindheit zeichnet aus, dass ICH etwas wissen will, unterwegs sein

den wir erhellt: Mäeutik ist die Hebammenkunst, ein Begriff, der

will“, sagt Herr Richter und stellt an die Anwesenden die Frage, was

auf Sokrates zurückgeht, dessen Mutter Hebamme war. Darin sieht

denn Waldorfpädagogik sei? Er selbst sieht darin eine Bewegungs-

Tobias Richter das Hauptmotiv der Waldorfpädagogik. „Das Kind soll

pädagogik: „Wer sich nicht bewegt, wird bewegt“ und versteht sie

sich gebären; das ICH will zum Ausdruck kommen“.

weiters als „Geburtshelferin“. „Neugierde leben dürfen“ ist von den

In der Person von Tobias Richter begegnet uns Eltern und anwesen-

Eltern und PädagogInnen zu hören, „Resonanz“, „seine Aufgabe fin-

den PädagogInnen ein erfahrener Waldorfpädagoge, der in den Jah-

den“, „individuelles Fordern“ „genügend Angebot geben“, „den an-

ren 1972 - 91 selbst an unserer Schule tätig war. Nach einem histo-

deren sehen“ , „gesehen werden“, „Raum und Zeit geben – abwarten

rischen Rückblick auf die Anfangszeit der Waldorfpädagogik – 1919

können“. Dazu Herr Richter: „Waldorfpädagogik ist keine Pädagogik,

prägte Rudolf Steiner diesen Begriff – kommt Herr Richter auf den

sondern eine Veranstaltung, um das Aufwachen einzuleiten!“

Willen zu sprechen. „Wo kann man von einem hellen, wo von einem dunklen Willen reden?“, Wofür brauchen unsere Schülerinnen und Schüler Willen?“, fragt er in die Runde. „Beim ersten Schultag – die

Vielen Dank, Herr Richter, für diese eineinhalb Stunden. Alle Anwesenden waren sehr wach und präsent und die Zeit verflog im Nu.

ersten Schritte durch das Blumentor: schnell, in großen Schritten,

Am nächsten Tag treffen wir nochmals auf Herrn Richter. „Begeg-

zögerlich, doch nicht… / täglich – beim Aufstehen – immer wieder…“.

nung“ ist das Thema des heutigen Tages: Welche Bedingungen müs-

An Beispielen mangelt es uns Eltern nicht.

sen geschaffen werden, damit Begegnung stattfinden kann, und was

„Entscheidend bei allem sei die Freiwilligkeit, sozusagen der unbewuss-

wären die Konsequenzen daraus?

te Wille, es aus eigenem Antrieb zu tun. Die Entscheidung soll dabei im-

In Kleingruppen zu fünft bis sechst begegnen wir einander – mit

mer vom Kind ausgehen; für Steiner die 2. Geburt.“

manchen Eltern hatte man tatsächlich noch nie zuvor gesprochen

Im 1. Schuljahr der Waldorfpädagogik – immerhin befinden wir uns

– und überlegen: „Grenzen spüren“, „Achtsamkeit“, „Offenheit“ und

auf einem Erstklasswochenende – gehe es um die „Beheimatung“:

„Leere“ werden in meiner Gruppe als Vorbedingung erarbeitet. In

„Schule ist dann erfüllt, wenn es mit mir zu tun hat, und wenn es zu

der Konsequenz merken wir, dass es sehr stark um den einzelnen

Hause weitergeht – ich möchte mich beheimaten“.

Menschen geht, also „eigene Bedürfnisse wichtig nehmen“, „durch-

Doch Herrn Richter zeichnet nicht nur eine umfassende Kenntnis

atmen – bei mir selbst bleiben“.

des Steinerschen Oeuvres aus, sondern er besitzt auch die Fähigkeit,

Einen wertvollen Beitrag zum Tagesthema lieferte Frau Bolleter, die

Querverweise zu Komplementärliteratur bzw. -film herzustellen, wie

während eines Spazierganges im Mariazeller Wald eine Tafel zum

etwa zu „Auf dem Weg zur Schule“ (Dokumentarfilm, 2013), „Wenn

Thema PILGERN fand:

ich wieder klein bin: Und andere Geschichten von Kindern“ (Janus

PILGERN

Korczak und Ilka Boll) oder „Gegen die Verschmutzung des Ich“

Unterwegs sein heißt, persönliche, geistige und physische Gren-

(Jacques Lusseyran).

zen zu überschreiten. Pilgern bedeutet, sich auf einen Ortswechsel einzulassen, sich auf Gott und sich selbst zu besinnen und eine Neuorientierung für die Anforderungen im Leben zu bekommen. Pilgern schafft Begegnung.

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Ein Wochenende mit Spuren Eine große Zahl von Lehrerinnen, Lehrern, Eltern und Kindern der zweiten Klasse haben sich im April aufgemacht, um zwei Tage gemeinsam zu verbringen. Wir haben an diesem Wochenende viel Gelegenheit gehabt

W

ir hatten die Ehre, Tobias Richter in unserem Kreis zu haben, der uns berührend und weise von seinen Erfahrungen in der

Schule und der anthroposophischen Sicht auf die Entwicklungsstu-

und genutzt, uns besser kennenzulernen, voneinander zu lernen und –

fe, in der sich unsere Kinder gerade entfalten, berichtete:

am wichtigsten – miteinander zu sein. Alle, Kinder, Lehrkräfte und Eltern

Die magische Sicht auf die Welt wird im jetzigen Alter unserer

konnten mal abseits des Klassenzimmers und des oft hektischen (Schul-)

Kinder mehr und mehr durch den sich entfaltenden Geist in Frage

Alltags in einer wunderschönen Umgebung diese Klassengemeinschaft

gestellt. Was gestern noch bereitwillig geglaubt wurde, wird heute

geniessen und beleben.

hinterfragt und oft genug falsifiziert.  Die Kinder beginnen, ihren

Weg selbst zu wählen, und wenn es gut geht, dürfen sie das auch. Welche Rahmenbedingungen können wir als Klassengemeinschaft (nicht der Lehrkräfte allein!) erschaffen, damit diese vielblättrige Blume – unsere Kinder – sich jeden Tag entfalten kann? Jedes lebendige System und so auch die Gemeinschaft der zweiten Klasse entwickelt und verändert sich. (In mir formte sich das Bild von davongaloppierenden Kindern und uns Eltern und LehrerInnen, die diesem Entwicklungslauf manchmal keuchend hinterherlaufen in der irrigen Annahme, die Zügel in unseren Händen könnten die Klassenkutsche nennenswert bremsen.) Jede Veränderung erzeugt Reibung, und diese ist bei uns aktuell stark zu spüren. Reibung ist in unserem Fall jedoch auch Wärme – und davon war an diesem Wochenende ebenfalls viel zu spüren.  Klassengemeinschaft braucht regen Austausch, die Teilnahme aller bei der Aufgabe, eine freudvolle, gelassene Umgebung zu schaffen und zu fördern und der, auf die Bedürfnisse des Einzelnen einzugehen. Unser Wochenendtreffen war ein schönes Beispiel für diesen Anspruch.

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Waldorfpädagogik und die zweite Klasse

Vielen Dank Dir, Tobias Richter, für die vielen weisen Impulse, die

Als es dann dunkel wurde, haben wir dank vieler helfender Kinderhän-

sicher bei den meisten von uns stark nachwirken und uns in einen

de ein großes Feuer entzündet und tanzten, sangen und lachten einige

neuen konstruktiven Dialog treten lassen. Danke auch für die vielen

Stunden um dieses Feuer und unter dem Sternenzelt. Eine so freund-

persönlichen Gespräche, die wir mit Dir führen konnten!

schaftlich verbundene Klassengemeinschaft ist ein Geschenk für uns

Während wir Älteren uns diesen Dingen widmeten, konnten un-

alle und motiviert mich und sicher viele andere Eltern, sich aktiver in

sere Kinder dank unserer KinderhüterInnen aus der 9. bzw. 10.

das Schulgeschehen und die Veränderungsprozesse der Klasse ein-

Klasse (Maris Filipic, Alma Schadl, Melina Trierenberg, Leon Il-

zubringen. Die Schule bietet ein weites Feld an Möglichkeiten, sich zu

lichmann) zwei Tage lang ihre ganze Energie beim Fussball- und

beteiligen, das Gespräch zu suchen und Lösungen zu finden, die von

Basketballspielen, am Spielplatz, im Streichelzoo und auf vielen

allen getragen werden wollen und können – die Tat unterscheidet das

Wiesen rundherum ausleben… Danke Euch für diesen schönen

Ziel vom Traum!

Dienst an unserer Klasse!

Lieber Herr Wohlmacher, ich hoffe, dass wir uns noch viele Male in

solch einer entspannten Umgebung miteinander austauschen können.

Dank unserer wundervollen Kami(la) (Kamila Rudnicka, Euryth-

Zuzuhören und lernen, wie wir uns auf dem langen Weg dieser Klasse

mielehrerin) konnten auch mal wir Eltern ein wenig in die Euryth-

gegenseitig unterstützen können. Es war wertvoll und schön, dass Sie

mie eintauchen. Ich wusste nicht, dass das so lustig werden kann.

bei uns waren in diesen Tagen. Manfred Czujan

Lieber Leser, lass dich mal in einen Kreis vieler Frauen stellen und

Schülerinnenvater, 2. Klasse

versuche, ihnen gegen ihren Willen zu entkommen. 

Termine Schule

Termine Musikschule

23.06.

Schulfeier u. Sommerfest

Eltern-Kind Musikgruppe (neu)

29.06.

Letzter Schultag 2017/2018

für Kinder von 1 bis 3 Jahren

03.09.

Erster Schultag 2018/2019

mit Katharina Kronowetter, Beginn Di., 2.10., um 10:45 Uhr

09.09

2. Mauer Waldorf Lauf

mit Christiane Pliem, Beginn Fr., 5.10., um 11:00 Uhr

www.mauer-waldorflauf.at

Spielmusik

13.09.

„Eltern für Eltern“ - Informationstreffen

Musikalische Früherziehung für Kinder von 4 bis 6 Jahren

siehe MoMent-Frühling 2018 Seite 13

mit Christiane Pliem, Beginn Fr., 5.10., um 14:30 Uhr

30.11.-01.12. Adventbasar Wien-Mauer

Instrumentenkarussell Mit 8 Instrumenten durchs Jahr

Die nächste Ausgabe von MoMent erscheint

Anmeldeschl. am 30.06., Beginn Oktober 2018, Di. oder Mi., um 16 Uhr

voraussichtlich am 28.11.

Kinderchor

Redaktionsschluss ist der 04.11.

mit Christiane Pliem, Beginn Fr., 5.10. für Kinder der 1. u. 2. Klasse, um 12:30 Uhr

Anmeldung für Kurse der Freien Musikschule

für Kinder der 3. u. 4. Klasse, um 13:30 Uhr

mobil: +43(0)664 460 9125

Blasebalg & Sägewerk

e-mail: info@freiemusikschule.at

Erster Einstieg ins Orchester

website: www.freiemusikschule.at

mit Anna Dekan und Roman Anzengruber, Beginn Mo., 01.10, um 16 Uhr

MoMent Sommer 2018 _ 23


Beim Köhler Mein Leben spielt fern von den Menschen sich ab, tief drinnen, im schattigen Tann…

A

n einem wunderbaren Sonnentag fuhren wir im Konvoi zur Köhlerei Hochecker. Schon beim Eintreffen konnte man rechts

von der Straße den Rauch des Meilers wahrnehmen. Die Köhlerfamilie, aktuell in vier Generationen aktiv, betreibt, besser: „lebt“ mit geradezu ansteckender Leidenschaft, Kreativität und Überzeugung das alte Gewerbe. Meine Arbeit ist einsam und rußig und schwer, und doch tu ich sie gern, und ich wünsch’ mir nichts mehr, als dass ich lang sie noch ausüben kann. Die Chefköhlerin, Frau Hochecker, erklärte beim „Gabelfrühstück“ die Struktur eines Kohlemeilers an einem selbst gebauten Modell. Dem folgte ein Film, der den ganzen Prozess vom Baum bis zur Kohle und die Arbeit im Jahresverlauf veranschaulichte. Auf viele Fragen folgten sehr informative und geduldige Antworten. Dann hieß es „Gummistiefel anziehen“ und ab in den Tann: Mit dem Jungköhler inspizierte eine Gruppe mit geeigneter Gerätschaft die Meiler, lernte zu prüfen, ob die Kohle schon fertig ist. Dazwischen wurde ein Meiler mit Wasser gekühlt, damit der Prozess gemächlich vonstatten gehen kann und die Arbeit nicht durch Brand zunichte gemacht wird. Eine andere Gruppe durfte währenddessen ihre eigene Kohle für zu Hause klauben und in Säcke packen, die sodann von Frau Hochecker sorgsam verschlossen wurden. Andere lernten von der Jungköhlerin, Bäume zu erkennen und zu

Die Kunst des Buchbindens

A

ufgeregt ist die dritte Klasse den Fußmarsch zur Buchbinderin Ira

Laber angetreten. In zwei Gruppen

lesen und erfuhren so manches über die verschiedenen Holzarten.

aufgeteilt, konnte sich jedes Kind ein

Dann war es auch schon Mittagszeit, und wir grillten das von Frau

Papier seiner Wahl aussuchen und

Hochecker vorbereitete Stockbrot auf großen Spießen und unser

ein Stück Leinen für den Buchrücken.

mitgebrachtes Grillgut in der Glut der hausgemachten Holzkoh-

Nach liebevoller Anleitung haben die

le. Im Anschluss ging es noch auf den Familienbauernhof, wo wir

Kinder ihre Bücher in dem künstleri-

die Kälbchen laben und Kühe, Katzen, Hund und Go-Kart herzen

schen Studio gebunden und durften

durften. Letzte Fragen zur Milchproduktion, Weidehaltung und

ihre Kunstwerke mit nach Hause nehmen, um sie dort noch fertig zu

dem Köhlerleben im Großen und Ganzen wurden gestellt und be-

pressen.

antwortet. Als die ersten Regentropfen fielen, machte sich unser

Die Freude war sehr groß. Manch ein Kind stand sogar mitten in der

Tross gut geräuchert, mit vielen neuen Eindrücken gespeist, müde

Nacht auf, um sich zu vergewissern, dass das Buch auch wirklich gut

und glücklich auf den Heimweg.

gepresst wird. Gabi Schöfbeck

24 _ MoMent Sommer 2018

Tina Schwab


Aus der Handwerksepoche der 3. Klasse Zu Besuch in der Vollholztischlerei Karl Simek GmbH

K

urz nach Verstummen der Schulglocke wurde

nen Tischler-Zeugnisspruch vor. Groß waren die Freude und das Staunen darüber

zum Aufbruch gerufen. Zu Fuß legten die Kin-

seitens der anwesenden Mitarbeiter.

der die Wegstrecke in die Tischlerei zurück, wo sie

In Gruppen geteilt, besichtigte danach ein Teil der Kinder die Werkstätten, wäh-

nach pünktlichem Eintreffen im Schauraum die Jause

rend die zweite Gruppe bereits handwerklich tätig wurde. Spannend war es zu

einnahmen. Lange Fußmärsche machen bekannt-

verfolgen, welchen Arbeitsweg frisch eingetroffenes Rohholz zurücklegt, bis es

lich hungrig, und mit leerem Magen lässt sich schwer

als Werkstück die Tischlerei wieder verlässt. Mitarbeiter führten den Kindern die

arbeiten.

großen Maschinen in der Werkshalle vor. Sie zeigten, wie das Holz gesägt und ge-

Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Tischler-

schnitten wird, wie es gefräst und gehobelt wird, bis schließlich aus dem Rohholz

meister erfuhren die Kinder Neues zu den ihnen be-

ein Vollholzbrett entsteht. Erst dann kann es zu einem in der Tischlerei entworfe-

kannten Holzarten. Zu jedem ausgestellten Werkstück

nen Möbelstück weiterverarbeitet werden. Geölt und gewachst wartet das Einzel-

fand sich ein passendes Holzmuster und gesellte sich

stück dann im Schauraum, bis es dem neuen Besitzer viel Freude bereiten darf.

zum Holzbegriff, sodass Qualität und Farbe des Holzes

Die zweite Gruppe arbeitete fleißig an einem Holzkerzenhalter. Ein vorbereitetes

besser begreifbar wurden. Weiters erfuhren die Kin-

Holzstück musste zuerst geschliffen werden; dann konnte jedes Kind unter fach-

der, dass das Bühnenportal des Festsaals in der hiesi-

männischer Anleitung den Holzfräser betätigen, um damit die Vertiefung für das

gen Werkstätte gefertigt worden war und dass Maria,

Teelicht in seinen Kerzenhalter einzubohren. Erst zum Schluss pinselten die Kinder

die Tochter des Tischlermeisters, selbst Schülerin der

je nach Vorliebe das Werkstück noch mit einem feinen Öl ein oder packten den

Rudolf Steiner-Schule in Mauer gewesen war und die

Kerzenhalter unbehandelt in ihre Tasche, um ihn mit nach Hause zu nehmen. Der

Firma erst vor wenigen Jahren übernommen hatte.

wohlriechende Duft des gesägten, geschliffenen und geölten Holzes breitete sich

Zum Dank für die Einladung trug ein Schüler sei-

über die eifrig arbeitenden Kinder aus. Zum Abschluss wurde der Tischlerspruch nochmals rezitiert. Damit bedankte sich die 3. Klasse für die Möglichkeit, einen Blick in die Werkstatt des Tischlers zu werfen. Roswitha Hitsch

Bee Human…

U

nter diesem Motto arbeitet Wolfgang „Doogie“ Spät mit seinen Bienen in Wien am Wolfersberg. Unser Ausflug zu seinen fleißigen FreundInnen war

für die 3. Klasse bereichernd und lehrreich. Die pelzigen Tierchen durften auch auf so manchen Kinderarmen herumspazieren und ließen alte Ängste wie im Flug verschwinden. Die vielen guten Honigbrote haben unseren Besuch noch köstlich abgerundet. Tina Schwab

MoMent Sommer 2018 _ 25


Die Schnecke…. …ziert das Wappen des Klavierbauers… …weil die großen Flügel nur langsam transportiert werden können, weil eine Wendeltreppe seine Werkstatt schmückt, weil der Meister so langsam arbeitet...???

J

a, Zeit ist dem lieben Klavierbaumeister Bernhard Balas aus Rudolfsheim-Fünfhaus ein wahrlich Wichtig. Gut Ding und

in diesem Fall gutes Klavier braucht bekanntlich Weile, aber in diesem Fall auch ein gutes Gehör... und das symbolisiert die Schnecke auf dem Wappen – die Schnecke des Innenohrs. Entspannt hat „der Klavier-Bernhard“ die 26 Kinder und Begleitpersonen durch seine reich bestückte Werkstatt geführt, hat uns zerlegte Klaviere sowie seine selbstgebauten Meisterstücke wie das Giraffenklavier, das Cembalo und weitere Schmuckstücke gezeigt und diese auch erklingen lassen. Beeindruckte Kinder und auch Erwachsene standen um den in Motorradjacke gekleideten Virtuosen, der zauberhafte Elemente nicht nur in die Musik- sondern auch in seine Werkstücke einbaut. Beschenkt mit neuen Erfahrungen, Eindrücken und… einem

Die Kunst des Golschmiedens

G

leich zweimal durften die Kinder in Gruppen den Goldschmied besuchen. Nur fünf Gehminuten von unserer Schule entfernt,

führte sie Dennis Moser in die Kunst der Silberbearbeitung ein.

Klavierhämmerchen haben sich die Kinder wieder auf den

Mit nahezu allen Sinnen durften die jungen Menschen die Werk-

Rückweg zur Schule gemacht.

stätte eines Goldschmiedes be-greifen: Ein Silberstück wurde Tina Schwab

mit einer Handwalze so lange bearbeitet, bis es gut zu biegen war. Jedes Kind bediente die Kurbel. Danach wurde einmal ein Ring in Schichten geformt – ein zartes Hämmern hier, ein sanftes Biegen, rot züngelte die Flamme wohldosiert aus dem mundbetriebenen Lötkolben – das andere Mal war es ein Anhänger. Auch ein Muster sollte sein, wurde geschnitten und gefräst. Oft hab’ ich vorher schon ein Bild von einem schönen Ring, doch schmiede ich, spricht auch das Material und schenkt sein Eigenleben jedem Ding. Mit großer Geduld beantwortete Herr Moser alle Fragen und widmete sich zwischenzeitlich seinen Kunden: nahm Aufträge entgegen, reparierte eine Uhr. Interessant war es über wie unter dem Werktisch des Meisters: Eifrige Gold- und Silbersuchende „tauchten“ immer wieder nach abgesplittertem, edlem Metall für ihre Schatztruhen. Danach wurde geschliffen und poliert. Groß und Klein staunte, wie vieler Schritte und Zeit es doch bedarf, bis aus dick dünn, aus eckig rund, aus rauh glatt und aus schwarz silber wird. Stolz nahmen die Kinder die gefertigten Werkstücke in die Klasse mit, wo sie Herr Hofer treuhändig verwahrt. Gabi Schöfbeck

26 _ MoMent Sommer 2018


Bei Herrn Bodem und seinen Pfeifen – Besuch beim Orgelbauer in Leopoldsdorf nd wieder einmal geht es hinaus in die große Welt der ver-

U

einzelnen Klänge werden Register bezeichnet. Große Orgeln haben 20

schiedenen Berufe.

und mehr Register. Eine kleine Standorgel vor Ort hat 6 Register: ein

Unser Klassenlehrer Manfred Hofer pfeift an. Alle stehen in Zweier-

Holzkasten, ca. 120 cm hoch, 130 cm breit und 75 cm tief.

reihe. Los geht’s mit Bus, U-Bahn, Bus. Sechs Erwachsene beglei-

Wir staunen über die vielfältigen Klangfarben, Höhen und Tiefen. Eini-

ten die Kinder und achten darauf, dass nichts und niemand verloren

ge Kinder dürfen der Orgel einen Flohwalzer entlocken. Eine Musik, die

geht. Die Buben sind besonders damit beschäftigt, ihre Ninjago-

auf dieser Kirchenorgel bisher wohl selten erklang.

Karten von Lego stolz zu präsentieren oder geschickt zu tauschen.

Herr Bodem stimmt und repariert viele Orgeln vor Ort, weil die Pfeifen

Zur Unterhaltung der Beine steigen wir schon am Ortseingang aus

manchmal weit über 2 Meter lang sind und dann viel zu viel Materi-

und wandern zu einem kleinen alten Landhaus mitten im Ort.

al transportiert werden müsste. Die Holztastatur kann er gut in seine

Meister Bodem persönlich mit seiner Frau lassen uns ein. Eine

Werkstatt mitnehmen.

kleine Drehorgel steht im Hof bereit für Kräftige und Ausdauern-

Die Zeit schritt voran. Schneller Abschied und Dank. Überstürzt zum

de. Zum Glück ist die Klasse so groß, da hört die Musik nicht so

davonfahrenden Bus. Schlussendlich alle im Bus. Pünktlich in der Schu-

schnell auf zu erklingen! Wenn Unterarme und Schultern schmer-

le zurück. Nix vergessen, keiner zu weit gefahren.

zen und die Musik schon zu „eiern“ beginnt, springt schon der oder

Und wieder haben wir ein neues Stückchen der unendlichen Welt ken-

die nächste Wackere an die Kurbel und dreht aus Leibeskräften.

nen gelernt.

Gar nicht so leicht und einfach, wie man meinen könnte. Schon er-

Martin David

staunlich, wieviel Klang man mit 24 Pfeifen erzeugen kann. Die Kurbel bewegt Lochkarten. Kann Luft durch ein Loch, erklingt die Pfeife an der richtigen Stelle im Takt. Herr Bodem stellt solche Rollen (Lochkarten) nicht her. Er macht vor allem Holzarbeiten mit

Hof(er) - Gespräche

seinem übersichtlich und penibel aufgeräumten Werkzeug. Und er

In der ersten Klasse wurden viele Kinder von ihren El-

zeigt uns, wie man Pfeifen stimmt. Man verschiebt entweder einen

tern um 12:10 abgeholt, und im Hof entstand ein reger

„Stoppel“ oder dreht eine Rolle.

Gedankenaustausch.

Auch die Pfeifen stellt er nicht selber her. Sie sind aus Zinn und

In der zweiten Klasse waren unsere Kinder schon ein Jahr äl-

werden woanders erzeugt. Durch ihre unterschiedliche Form und

ter und reifer – manche fuhren alleine nach Hause, gingen in

Größe machen sie sehr viele unterschiedliche Klänge möglich. Bald

den Hort… und die Eltern kamen nicht mehr, um die kleinen

klingt es nach Geige, dann nach Flöte, Posaune oder Trompete. Die

Zwerglein um 12:10 abzuholen. Daher kam in einem Kreis der Elternschaft der Wunsch auf, die nicht mehr vorhandenen HofGespräche wieder aufleben zu lassen. Kurzum – es wurden die „Hof(er)-Gespräche“ ins Leben gerufen. Eingeladen waren dazu alle Eltern der 2. Klasse und Herr Hofer… beim Weingut „Hofer“. Somit konnten die Hof-Gespräche des Vorjahres in gemütlichem Rahmen fortgesetzt und abseits von Elternabenden und Schulveranstaltungen der Austausch unter den Eltern wieder belebt werden. Auch in der 3. Klasse haben wir diesen Raum der Begegnung wieder aufleben lassen. Nachahmen erlaubt 

Christina Schwab

MoMent Sommer 2018 _ 27


Das Kasperl-Theater der 4. Klasse

LEBENS- UND SOZIALBERATUNG SUPERVISION 0676 453 50 03 | beratung@julia-roehsler.at

28 _ MoMent Sommer 2018


– auch heuer gab’s es wieder! Dieses Mal unter dem Titel: „Der Hexenzauber“

W

ir hatten ein ganz schönes Kasperl-Theater, viele schöne

auch. Die Hexe ist entschlafen, dazu noch im Kerker, und darum kön-

Puppen und sehr viele zusätzliche Sachen. Zum Beispiel:

nen jetzt alle feiern.

Ball, Schlafesblasen, Licht, Fahrrad (mit Fahrradlicht) und noch viele andere Dinge. Das Kasperl-Theater hat 35 Minuten gedauert, und die Geschichte ging so: Einmal lebte ein König in einem wun-

derschönen Palast. Mit ihm lebten seine drei schönen Töchter. Prinzessin Cantare hatte einen wunderschönen Gesang. Prinzessin Presto konnte sich gut bewegen. Und Prinzessin Allegre konn-

Erst war’s aufregend, und dann war’s gar nicht mehr aufregend. Die Proben waren lustig. Wir haben geprobt – vier Wochen lang, quasi ein Monat – und dann kamen die Aufführungen. Das erste Mal war’s schön, das zweite Mal war’s für mich nicht so gut und das dritte Mal war jeder gut!

te immer freundlich sein. Doch einmal flog ihnen der Ball genau in

Am besten hat mir die Zusammenarbeit gefallen. Aber ich fand auch

den Hexenort. Der Mond warnte sie, doch seine Stimme hört man

schön, dass wir mal statt Hauptunterricht für ein schönes Projekt so

am Tag nicht. Und es war

viel üben konnten, um den anderen Kindern und vor allem uns eine

schon zu spät, es geschah!

große Freude zu machen. Es war auch schön, dass wir unsere Hand-

Die Hexe verzauberte die

puppen selber gemacht haben.

drei Prinzessinnen: die Bewegliche in die Lahme, die Freudige in die Trau-

Wir hatten viel Spaß, und gute Zuschauer hatten wir auch. Die Zuschauer haben viel gelacht. Und am Schluss wurde viel geklatscht. Ich habe mich gefreut und mir wurde gesagt, dass ich gut gespielt habe.

rige und Prinzessin Cantare in die Stumme. Aber ihr wisst ja, es geht in den meisten Kasperl-Theatern

Und alle hatten eine deutliche Stimme. Und ein paar Eltern haben meine Stimme erkannt. Christine Bolleter mit Schülerinnen und Schülern der 4. Klasse

gut aus. Und in unserem

Die 5. Klasse putzt utzdienst, Tafeldienst, Pflanzen gießen, Stühle hochstel-

P

Wir finden gut, dass alle Schüler mitarbeiten und dass alle Schüler sich

len – all das sind Aufgaben, die in jeder Klasse mal gerne,

gegenseitig helfen.

unserem Schulalltag dazugehören.

Wir haben schon zwei Mal die Klasse geputzt, und es macht uns

Respektvoll miteinander umgehen und aufeinander achtge-

sehr viel Spaß.

(Arthur, Peter)

öfter auch mal nicht so gerne täglich erledigt werden und zu

(Alina, Fanni)

ben – das sind Themen, mit denen wir uns als Schulgemeinschaft in diesem Schuljahr ganz besonders beschäftigen.

Ich finde es toll, dass wir so nette Putzfrauen haben und es ist arg,

Nun haben wir begonnen, diese beiden Bereiche zu verbin-

dass so viele Menschen das Schulhaus verschmutzen.

den, indem wir klassenweise die Arbeiten auf das Schulhaus

(Gloria)

ausweiten, auch mit dem Schulhaus respektvoll und acht-

Wir finden das Putzen gut, weil es Spaß machen kann und dann schön

sam umgehen wollen.

ausschaut. Man hat auch weniger Unterricht :)

Die fünfte Klasse hat bereits zwei Putzaktionen gemacht. In

(Julius, Gabriel)

kleinen Gruppen haben die Kinder im ganzen Haus wie kleine

Es ist notwendig zu putzen, denn es ist an manchen Orten richtig eklig.

Heinzelmännchen gekehrt, geschlichtet, weggeräumt, ge-

Und indem wir putzen, merken wir, wie schmutzig es dann wirklich ist.

putzt und dann die Aufgabe an die nächste Klasse weiterge-

P.S.: Das betrifft auch die Lehrerküche.

geben. Wir hatten Freude daran, uns gemeinsam um unsere

(Emilia, Miriam)

Schule zu kümmern und hoffen, dass es den nächsten Hein-

Ich finde es sehr gut, dass wir alle das Schulhaus putzen. Es ist zwar so, dass,

zelmännchen auch so ergeht.

wenn wir putzen, alles nachher wieder schmutzig wird, aber das ist normal. Marion Giannelos

(Camilla)

MoMent Sommer 2018 _ 29


Dies Singspiel ist Mozarts Zauberflöte –

E

s ist das erste große Theaterprojekt vor großem Publikum: das traditionelle Singspiel der 6. Klasse. Hier sprechen die Schü-

lerinnen und Schüler bereits ihre Rollen alleine – gesungen wird noch gemeinsam im Chor. Wer aber in direkter zeitlicher Nähe auch den Singabend der 11. Klasse besuchte, der weiß, wo diese Reise hingeht – und wie genial die Aufführungs-Kompetenz dieser jungen Menschen an unserer Schule aufgebaut wird. Sie stehen bereits ab der 2. Klasse regelmäßig bei Schulfeiern auf der Bühne, feiern den ersten Höhepunkt dann beim Singspiel in der 6. Klasse, dann noch der Kabarett-Abend in der 10. Klasse – bis sie dann in der 11. Klasse ganz alleine vorne stehen und solo singen. Das Theaterstück in der 12. Klasse ist dann noch der letzte, krönende Höhepunkt. Jetzt aber ist Halbzeit im Schulleben, und diese 6. Klasse hatte sich Mozarts Zauberflöte vorgenommen. Monatelang wurde einstudiert, wochenlang geprobt – bis schließlich alles saß. Das Ergebnis – war schlicht und ergreifend grandios! Dieser perfekte Ablauf; dass jede und jeder immer wusste, was als nächstes kommt, dass es keine Aussetzer gab, ja, dass sie einander sogar hinter der Bühne gegenseitig selbständig schminkten – das alles war nur die Basis. Die Sprech-Passagen waren nicht nur souverän dargebracht; sie wurden auch meist schon richtig schauspielerisch und, wenn es angebracht war, ausgesprochen komödiantisch vorgetragen. Und die Arien waren auf bereits beeindruckendem Niveau. Allen voran jene der Königin der Nacht. Im Solo eine große Herausforderung für jede Koloratur-Sopranistin – und hier im Chor unglaublich glockenhell

30 _ MoMent Sommer 2018


bezaubernd schön… dargeboten von den Schülerinnen und Schülern der 6. Klasse

und fantastisch sauber! Das macht schon große Vorfreude darauf, was diese Jugendlichen in fünf Jahren dann wohl beim Singabend darbieten werden. Einer der berührendsten Momente war es übrigens, als einer der Hohepriester als Hohepriesterin mit Kopftuch auftrat. Warum auch nicht? Und dass unser Flüchtlingskind in dieser Rolle auch noch deutlicher sprach als vielleicht der eine oder die andere „hiesige“ SchülerIn, das zeigte nicht nur, dass hier Integration gelingt. Hier wird offensichtlich auch in der Klasse der Geist der Zauberflöte mit Nächstenliebe und Toleranz wie selbstverständlich gelebt. Nach der letzten Vorstellung wurde dann noch groß gefeiert. Denn während die Kinder in der Schule unermüdlich geprobt hatten, bereiteten die Eltern still und heimlich ein Überraschungsfest vor. Passend zur schauspielerischen Qualität, hatten sie eine Vielzahl wunderbarer kulinarischer Köstlichkeiten vorbereitet. Zuerst wurde noch jede Schülerin und jeder Schuler einzeln für seine und ihre Leistung bedankt – bevor es sich alle genüsslich und erleichtert schmecken ließen. Roman David-Freihsl

MoMent Sommer 2018 _ 31


Schikurs der 7. Klasse in Mühlbach am Hochkönig

Sonntagmorgen war sehr kalt,

Wir haben den Tiefschnee ausprobiert, es fühlte sich an, als würde man

und wir fuhren mit dem Bus zu Berg und Wald …

schweben … kurzgefasst: Es war richtig „nice“!

Dienstag war sehr interessant,

(Luka)

denn wir haben viele Unterschriften der 8. Klasse erkannt … Mittwoch war Museumstag,

Wir sind mit dem Bus zu unserer Selbstversorgerhütte gefahren. Eva Schmidt ist fürs Kochen mitgefahren. Es war sehr gut, sie hat supertoll

im Film der „Peter“ lustig sprach. Herr Stadelmann fand das sehr witzig

gekocht! Wir haben von unserem Fenster aus direkt auf den Hochkönig gesehen, es war eine traumhafte Aussicht.

und lachte in die Fernsehkiste. Donnertag war auch sehr nett, und niemand lag im Krankenbett. Freitag war der „Bunte Abend“ mit vielen lustigen Nummern … Spät am Abend gingen wir dann schlummern … (Luna und Uma)

(Rafael) … was ich schreiben möchte, ist, dass es ein strenges Handyverbot gab und sich alle an diese Regeln gehalten haben. Mit persönlich ist das Handy in keiner Sekunde abgegangen. Ich hatte trotzdem Spaß, vielleicht sogar mehr Spaß, als wenn alle ihr Handy mitgehabt hätten. (M.F.) Am ersten Tag ist die Anfängergruppe nur auf der Babypiste gefahren … Am letzten Tag sind wir dann alle Pisten gefahren, also alle roten und schwarzen Pisten! (Michael G.) …am Freitag sind wir in die „Schiwelt Amade“ gefahren, dort waren die Pisten teils sehr vereist.Wir sind die Königstour hin und zurückgefahren und bei einer Hütte eingekehrt. Dort haben wir mittaggegessen… (Laura) Am Dienstag habe ich mit Frau Pazmandy ein großes Abenteuer erlebt. Erst habe ich mich nicht getraut, die Piste hinunterzufahren, dann aber hat uns eine Frau geholfen. Später sind wir in eine Bäckerei gefahren und haben einen Bienenstich gegessen. (Valide) Ich muss sagen, dass ich nicht so gut im Snowboarden war, wie ich dachte. Doch mit der Zeit bin ich dann besser geworden und hatte dementsprechend mehr Spaß. Das Essen war eigentlich sehr gut und sättigend. Also ein guter Energiespender. Ich habe sehr viel dazugelernt, und nach meiner Erfahrung kann ich Herrn Stadelmann als Snowboardlehrer empfehlen. Ich persönlich würde ihn auch sehr gerne als Tutor haben. (Noel)

32 _ MoMent Sommer 2018


Die 7. Klasse war auf Tagesausflug in Afrika I

hre Geographie-Epoche führte die 7. Klasse heuer nach Afrika. Da wollten wir die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, uns aus „erster Hand“ über eine der

großen afrikanischen Landschaften, der Savanne, und ihre Tieren erzählen zu lassen. Lothar Trierenberg besuchte uns und brachte herrliche Aufnahmen von einer Safari in Südafrika mit. So konnten die Kinder einen ganz besonderen, weil mit persönlichen Erlebnissen verbundenen – und recht hautnahen! – Blick auf all die großen Tiere Afrikas tun. Dafür vielen Dank! Andrea Reichtomann, Begleitlehrerin in der 7. Klasse

Nachfolgend einige Berichte der Kinder über ihre Eindrücke: Wir haben Bilder gesehen von Tieren in Afrika, denn eine Gruppe von Menschen ist mit einem Jeep in einem Nationalpark herumgefahren. Sie haben Giraffen gesehen, Elefanten und Büffel und noch andere Tiere. Auf den Büffeln und Nashörnern saßen viele kleine Vögel, die haben das Fell oder die Haut geputzt. Hyänen haben ein Tier gejagt und wollten es dann essen, aber sie haben bemerkt, wie ein Löwe sich angeschlichen hat. Der hat sich dann die Beute geschnappt und gegessen. Die Hyänen sind weggerannt. Die Elefanten leben nur in Gruppen und gehen einfach geradeaus durch Büsche, Wege und Bäume. Sie fressen einfach alles, was ihnen in den Weg kommt. Die Löwen jagen meistens nicht selbst, sondern nehmen sich einfach das, was die anderen Tiere jagen, denn alle haben Angst vor dem Löwen. Geparden können sehr schnell laufen, aber dafür nicht so lange. Die Huftiere können nicht so schnell laufen, dafür länger. (Letizia) Auf einer Safari kann man mit Glück viele Tiere beobachten… Mit einem Jeep und einem erfahrenen Führer fährt man durch die Savanne und kann ohne Gefahr die Tiere anschauen. Wenn man nicht vom Jeep hinunter steigt, ist man für die Raubkatzen nicht im Beuteschema. (Nico)

Text zu den Bildern links: Die Hyänen bewachen den Baum mit der Beute des Leoparden, weil sie das Essen für sich haben wollen. (Weil der Leopard verletzt war, konnte er die Beute nicht verteidigen.) (Text: Luka; Bild: Uma)

MoMent Sommer 2018 _ 33


„My Fair Lady“  

W

war sehr alt, recht unübersichtlich, und jedenfalls war es unmöglich,

kommt auf… und dann hat Christine Rumetshofer mich gefragt, ob ich

es noch einmal in lesbarer Qualität zu kopieren. Es war die Version

mir vorstellen könnte, das Klassenspiel mit ihrer Klasse nächstes Jahr

aus der Volksoper, die wienerische… und doch, es spielt in London…

zu machen.

also begann ich, das Stück für unser Unterfangen zu adaptieren,

ie das unter uns Lehrern so läuft: „Hast du einmal kurz Zeit für mich, ich möchte dich etwas fragen.“ „Ja, klar…“ Neugierde

Viele Gespräche und Überlegungen später: Ja, ja, das würde ich wirk-

Das Text- und Notenheft, das ich von Angela Schindler bekam,

Rollen einzufügen und Szenen dazu zu schreiben. Christine Rumets-

lich sehr gerne machen! Ich kannte diese Klasse ein wenig vom 6-Klass-

hofer schrieb dann das ganze Stück neu, und es entstand ein wun-

Singspiel her und hatte sie sehr ins Herz geschlossen.

derbares Textbuch.

Schon im Sommer (2017, Anm. der Red.) habe ich angefangen, Stü-

Der Notenteil blieb schwer leserlich und verlangte dadurch Ste-

cke zu lesen; Ursula Kaufmann hat Listen von 8.-Klass-Spielen anderer

fan Albrecht viel ab, ganz zu schweigen von Angela Schindler, die

Waldorfschulen aufgetrieben, und ich habe sie durchgeackert: zu kind-

uns zugesagt hatte, den Klavierpart zu übernehmen. „Ich muss echt

lich, die Sprache nicht schön, die Sprache zu altmodisch, fad, zu wenige

üben, denn das ist gar nicht so einfach“, sagte sie. „Aber das tut mir

Rollen, zu wenige Frauenrollen, na, ja vielleicht… Oh Gott, wie finden wir

eh gut.“

das passende Stück?

„Wie toll, My fair Lady machst du, das muss aber eine begabte

Am 30. August eine Nachricht von Angela Schindler: Sie habe über

Theatertruppe sein!“, hörte ich von Freunden oft. „ Ja, sie sind toll!

das Klassenspiel nachgedacht. Man stelle sich vor: Gerade in Pension

Aber keine Theatergruppe, sondern einfach die ganze 8. Schulstu-

gegangen, denkt sie im August an das Klassenspiel der 8. Klasse! Sie

fe.“ Wer unsere Schule nicht kennt, kann das fast nicht glauben. Ja,

habe noch alle Unterlagen von „My fair lady“; ich möge mir das doch

jeder Schüler und jede Schülerin spielt mit, alle haben eine Sprech-

einmal anschauen; musikalisch würde sie uns unterstützen. Ich hatte

rolle, größere und kleinere, aber alle Schüler und Schülerinnen die-

sofort das Gefühl, das ist es.

ser Klasse. Und ja, sie singen, auch Soli, und die Chorstücke kommen

Dann ging es Schlag auf Schlag: Christine Rumetshofer, mit der ich in ständigem Austausch war, konnte sich das auch sehr gut vorstellen,

von der ganzen Klasse. War das eine Freude, mit dieser Klasse zu proben – und war das

und Stefan Albrecht sagte ohne zu zögern seine Unterstützung zu – das

anstrengend!! Ich habe sie im Laufe des Jahres so richtig lieb ge-

Wichtigste überhaupt! Wir waren begeistert! Die 8. Klasse im ersten

wonnen, jede einzelne, jeden einzelnen.

Moment nicht so sehr. Manche hätten gerne eine Auswahl gehabt, mit-

Eine der größten Herausforderungen war die Sprache. Nur weni-

entschieden. Verständlich… aber es blieb bei „My fair lady“. Jetzt muss-

gen aus der Klasse war das Wienerische vertraut, aber viele hatten

ten sie sich erst damit vertraut machen.

es so irgendwie im Bauchgefühl, wenn sie sich endlich trauten, los-

34 _ MoMent Sommer 2018


Maria Leutzendorff über die Entstehung des heurigen Theaterstückes der 8. Klasse zulassen. Manche Ausdrücke waren den Schülern und Schülerinnen

den Texten, das geht sich aus, aber Bühnenbild, Kostüme, Requisiten,

völlig unbekannt, die für mich beinahe zum Alltagsvokabular gehö-

wie soll denn das gehen…? Natürlich!! Die Eltern!! Ich muss darauf hof-

ren. Aber da war noch eine andere Sprachbarriere: Wien um 1900,

fen, dass sie mir ein bisschen etwas abnehmen. Ich schrieb ein Mail…

da geht es aber gar nicht, dass jemand mit deutsch-Deutschem

…und dann kam diese unglaubliche Überraschung: Ruck-zuck, da war

Akzent spricht; da braucht es echtes Österreichisch. Aber durch

eine Bühnenbildbesprechung, eine Mutter, die sich das Bühnenbild aus-

die deutsch-Deutsche Synchronisation so vieler Serien und auch

gedacht hatte, eine Gruppe von Vätern, die es gerne bauen wollte, ein

der Werbung ist das für viele 8.-Klässler zu ihrer normalen Sprache

Vater, der unseren Prospekt malte, eine Gruppe, die sich um die Requi-

geworden. Es fällt ihnen gar nicht auf. „Pfannekuchen“ wurde zu

siten kümmern würde, Mütter, die voll Elan die Kostümkammer in Besitz

unserem Codewort, um uns gegenseitig aufmerksam zu machen. Es

nahmen und auf meine Vorstellungen mit Freuden eingingen. Bei den

begann ein schönes, aber auch hartes Arbeiten an den feinen Nuan-

Aufführungen dann jeden Tag kam genug mütterliche Unterstützung

cen der Sprache.

für Frisuren, Schminken, Umziehen, Unterstützung von allen Seiten…

Im Laufe des Schuljahres wurden die Probenzeiten immer inten-

Ich fühlte mich so getragen und verwöhnt. Sogar das Buffet in der Pau-

siver. Es war wirklich ein Geschenk, die Schülerinnen und Schüler

se bei den Aufführungen wurde gestaltet, so liebevoll und ansprechend.

so intensiv und nahe erleben zu dürfen und sie immer weiter anzu-

Unfassbar! Ich konnte wieder schlafen…DANKE!

spornen, die Rolle so ganz zu ergreifen. Aber es war auch unglaub-

Und dann möchte ich noch zwei Pensionisten erwähnen, die uns ohne

lich kräftezehrend. Ich habe Schokolade tonnenweise gegessen…

Zögern auf meine Bitte hin unterstützt haben. Elmar Dick, mein großer

Sie waren einfach 8.-Klässler, jeder und jede mit den Besonderhei-

Mentor, von dem ich eigentlich alles gelernt habe, der immer wieder

ten, die eine Gemeinschaft bunt und spannend machen, jeder und

kam, soweit es seine Epochen, die er zu diesem Zeitpunkt in Schönau

jede mit dem berechtigten Anspruch, gesehen, wertgeschätzt und

gab, zuließen, um mich bei der Probenarbeit zu unterstützen, und Karl

verstanden zu werden, gerade in einem Setting wie den Theater-

Hruza: Zwei Burschen aus der Klasse hatten sich bereit erklärt, das Licht

proben, in dem auf sehr persönlicher Ebene, fast möchte ich sagen

zu machen. Aber konnten sie das wirklich alleine? Ich konnte sie doch

intim, miteinander gearbeitet wird.

nicht allein auf den hohen Leitern herumkraxeln lassen, um die Schein-

Wäre Christine Rumetshofer nicht gewesen, ich weiß nicht, ob

werfer einzustellen! Karl war zur Stelle, hat sie unterstützt, wo sie es

meine Kräfte ausgereicht hätten. Sie hat mich unglaublich unter-

gebraucht haben und ihnen die Freiheit gelassen, soviel selbst zu ma-

stützt: Probenpläne gemacht, die Eltern informiert, die privaten

chen, wie sie konnten. Und das war viel; sie waren großartig.

Termine der Schüler mit den schulischen akkordiert, die Kollegen

Ich habe eine große Dankbarkeit im Herzen dafür, in so einer Schule

am Laufenden gehalten, erste, für gutes Proben notwendige Requi-

tätig sein zu dürfen. In einer Schule, in der alle ihre Kräfte bündeln, um

siten hergezaubert, und, und, und…

solche Projekte möglich zu machen. Projekte, bei denen die Jugendli-

Parallel zu den Theaterproben liefen die musikalischen Proben

chen im Mittelpunkt stehen, bei denen jeder Seines dazu beiträgt, um

mit Stefan Albrecht. Ganz abgesehen von den wunderbaren Ge-

sie zu außergewöhnlichen Erlebnissen und Leistungen zu bringen, die

sangsnummern, die er mit den Schülern und Schülerinnen erarbei-

ihr Erwachsenwerden begleiten und bereichern und in Freiheit möglich

tete, gab er auch durch seine Freude, seine mitreißende Art immer

machen. Die Vorbilder sind es, an die sie sich erinnern werden.

wieder neuen Pepp, wenn die Kräfte gerade drohten zu versiegen.

Hier, scheint mir, ist uns im Kleinen gelungen, was die Gesellschaft

Seine Kreativität und sein Einfallsreichtum machten das Stück erst

der Zukunft tragen könnte: Jeder und jede bringt sich ein, so gut er oder

zu dem, was es letztlich geworden ist.

sie kann, zum Wohle des Großen, des Ganzen, ohne zu fragen, welchen

An irgendeinem Punkt wurde mir in einer schlaflosen Nacht klar,

Vorteil man davon hat.

dass ich das alles nicht schaffen würde: Die Arbeit an den Rollen, Weitere Fotos unter: https://www.waldorf-mauer.at/eindruecke/galerie-2017-2018

MoMent Sommer 2018 _ 35


Handyfrei macht Schule!

Entspannter Schulalltag und gemeinsamer Spaß in der Pause – auch ohne Handy

B

ereits im Oktober kam der ORF durch Zufall an unsere Schule und

– neue Tischtennisschläger werden benötigt, um die Pausenzeit ge-

befrage uns zum Thema Handy – beziehungsweise Handy-frei.

meinsam sportlich zu erleben.

Jetzt durfte es wieder so weit sein. Denn: Der ORF wollte wissen, wie

Auch Eltern und Lehrkräfte meinten: Das Projekt färbt ab; der Um-

das Pilotprojekt in der 9. Klasse verlaufen war und ob es eine Wei-

gang mit dem Smartphone wird nun bewusst anders gesehen… Es

terentwicklung gäbe. Stolz konnte berichtet werden, dass die Rudolf

tut einfach gut, nicht immer erreichbar zu sein, nicht immer alles

Steiner-Schule Wien-Mauer seit 1.5.2018 handyfrei ist.

sofort zu lesen und zu beantworten und den Flugmodus öfter am

Eltern, SchülerInnen und die Tutorinnen der 9. Klasse wurden zum In-

Smartphone zu aktivieren.

terview gebeten. Kurz zusammengefasst, ist der Grundtenor bei allen

Aus dem Nähkästchen: Auch Schulen wie das Kollegium Kalksburg

drei Gruppen der gleiche: Es ist gut, dass wir es gemeinsam geschafft

beginnen, umzudenken und Handyregelungen für – im ersten Schritt

haben. Zwar gaben die SchülerInnen zu, dass sie anfangs nicht wirklich

– die Unterstufe verpflichtend zu vereinbaren. Seien wir stolz auf uns,

begeistert gewesen waren und als Versuchsklasse fanden, einen Nach-

dass wir den Schritt zuerst gemacht und gemeinsam erkannt haben,

teil oder eine Schlechterstellung gegenüber den anderen SchülerInnen

dass eine handyfreie Schule richtig und stimmig im 21. Jahrhundert ist.

zu haben, doch mit der Zeit wurde allen klar: Der Tag ist entspannter,

Angelika Kellner, Tutorin der 9. Klasse im SJ 2017/2018

das soziale Miteinander rückt in den Vordergrund und – ganz wichtig

…und die 8. Klasse tanzt weiter Da der Tanzkurs vielen Schülerinnen und Schülern sehr gut gefallen hat, hatte jemand die Idee, weiter in einen (externen) Tanzkurs zu gehen. So entschlossen sich elf Schülerinnen und Schüler, in Liesing die Tanzschule Pokorny zu besuchen. Am Anfang war uns vieles bekannt, aber mit der Zeit lernten wir viel Neues dazu. Wir wurden eingeladen, auf einen „Abend in Glanz“ zu gehen und jeder der Zeit hatte, hat mit Freude daran teilgenommen. Jeden Montag treffen wir einander, und bald erwartet uns ein neuer Ball. Wir werden die nächsten Jahre weiterhin die Tanzschule besuchen und können sie nur herzlichst empfehlen. Philomena, Lina & Valerie, 8. Klasse

Tanzschule Pokorny Liesinger Platz 3 1230 Wien T 0664 258 8000

facebook.com/ts.pokorny tanzschule-pokorny.at


Привет Russisch-Unterricht an unserer Schule

W

eil es immer wieder zu Fragen kommt, wie das mit dem Rus-

richt oder dem Besuch einer anderen Unterrichtsstunde gefüllt; von

sisch-Abschluss aussieht, das Schreckensgespenst der „Rus-

OberstufenschülerInnen werden diese Freistunden eigenständig

sischmatura“ herumgeistert, und weil wir eine der wenigen Schulen

sinnvoll gestaltet (z.B. mit dem Erledigen von Hausaufgaben und

sind, die Russisch grundständig lehren, was regelmäßig zu Fragen

Lernen für andere Fächer).

des „Warum“ führt, vor allem bei jenen, deren Kinder zeitweilig ein

2) Es fehlt mit dem Wegfallen von Russisch die verpflichtende zwei-

Russischtief durchlaufen, hier ein Versuch, kurz und prägnant die

te lebende Fremdsprache neben Englisch. Diese zweite lebende

Fakten darzulegen.

Fremdsprache muss in der letzten Klasse einer AHS (auch der ad-

Russisch ist eine Sprache, die durch ihre andersartige Schrift und

äquaten Stufe des Abendgymnasiums) positiv abgeschlossen wer-

Systematik ganz andere Fähigkeiten anspricht als zum Beispiel ro-

den, um zur Matura antreten zu können. Man muss in der zweiten

manische Sprachen, eine ganz andere Kultur in sich trägt und somit einen wunderbaren Gegensatz zu all den anderen Fächern bietet,

lebenden Fremdsprache aber NICHT maturieren.

Dieses Manko kann durch den Besuch der dritten lebenden Fremd-

was insgesamt in den Kindern eine breite und vor allem den ge-

sprache abgefedert werden, die ab der 10.Klasse an unserer Schule

samten Menschen ergreifende Bildung fördert.

angeboten wird. Dies ist zumeist eine romanische Sprache und wird

Soweit, so gut.

in zwei Wochenstunden (im Gegensatz zu drei Wochenstunden bei

Jetzt finden aber auch QuereinsteigerInnen zu uns, die noch nie

der zweiten lebenden Fremdsprache) angeboten. QuereinsteigerIn-

Russisch hatten. Kommen diese in unteren Klassen dazu, erhalten

nen nehmen unentgeltlich daran teil; diejenigen, die das Angebot

sie verpflichtende und kostenpflichtige Nachhilfe, um in den Un-

als dritte Sprache zusätzlich nutzen, zahlen einen kleinen Beitrag.

terricht einsteigen zu können. Das wird im Kennenlerngespräch

3) Die dritte lebende Fremdsprache kann allein schon durch die gerin-

erklärt, bei tatsächlichem Schuleintritt vereinbart und dann so

gere Stundenanzahl sowie die kürzere Unterrichtsdauer in Jahren

durchgeführt. Wie schnell die Kinder nachlernen, hängt von Wil-

(vier Jahre bei der zweiten lebenden Fremdsprache gegenüber drei

len, Fleiß und Geschick ebenso ab wie von der Zahl der versäumten

bei der dritten) nicht auf das erforderliche Niveau der letzten AHS-

Jahre – aber es ist mit Unterstützung gut möglich.

Klasse gebracht werden. Insofern ist eigenständiger Einsatz wie zum

Dann gibt es die Fälle, wo evident wird: Es wurde einfach schon zu

Beispiel ein Auslandsaufenthalt mit Sprachkurs nach der 12.Klasse

viel versäumt, um es nachzulernen, und das kann Quereinsteige-

erforderlich. Wenn die dritte Fremdsprache an der im 13. Schuljahr

rInnen ebenso betreffen wie SchülerInnen unserer Schule, die – aus

besuchten Schule angeboten wird, kann man dort in die Stunden

welchen Gründen auch immer – nach Absprache mit den Eltern

einsteigen (je nach Schule mit oder ohne Feststellungsprüfung) und

dem Russischunterricht nicht mehr beiwohnen, um ihre Kräfte für

bei positivem Abschluss zur Matura antreten, oder es ist eine Ex-

all die anderen Anforderungen frei zu haben. Daraus ergeben sich

ternistenprüfung wie in Russisch zu absolvieren, wenn die Sprache

natürlich Konsequenzen, die es zu kennen gilt:

nicht angeboten wird.

1) Die/der Betreffende hat Freistunden in der Zeit, wo die Klasse Russisch hat. Diese werden in der Mittelstufe mit Förderunter-

Zum Abschluss in Russisch kommt man an der Abendschule mittlerweile ohne Probleme mit Vorbereitung durch dortige Lehrkräfte, die auch die Externistenprüfung abnehmen können. Besucht man ein Gymnasium, das Russisch nicht anbietet, dann wird die klassische Externistenprüfung durch die Prüfungsstelle des Stadtschulrates schlagend. Die Entscheidung, weiterhin Russisch zu unterrichten, steht zur Zeit nicht in Frage. Katja Chebova und Ursula Kaufmann

MoMent Sommer 2018 _ 37


1618 Beginn des 30-jährigen Krieges /  1818 Geburtsjahr von Karl Marx /  1848 Märzrevolution /  1918 Ende des ersten Weltkriegs, Gründung der ersten Republik und Einführung des Frauenwahlrechts /  1938 „Anschluss“ an Hitlerdeutschland /  1948 Erklärung der allgemeinen Menschenrechte /  1968 „68-er“-Bewegung und Ende des Prager Frühlings /  1978 Volksabstimmung über das Atomkraftwerk Zwentendorf /  2008 Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise –

„Dass keiner uns zu früh da triumphiert –

liches fremd war, schienen aktiv, fruchtbringend und beherzt auf

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Herausforderungen und Probleme der Gegenwart gerichtet. Mit

D

diesem Impetus gelang es ihr, die Lehren aus der kollektiven Ge-

iese oft zitierten Zeilen, die aus dem Epilog des Stücks „Der auf-

schichte, in ihrer individuellen Biografie verdichtet, in einem ent-

haltsame Aufstieg des Arturo Ui“ (1941) von Bertolt Brecht stam-

sprechenden Appell an die Jugendlichen zu richten. Ihre Haltung

men, will ich den folgenden Ausführungen als Motto voranstellen.

und ihr Engagement gelten nunmehr der gegenwärtigen Situation,

In einer Parabel werden die Machtergreifung und der Machtausbau

in der geflüchtete Menschen auf Ressentiments und Ablehnung

Hitlers in die Gangsterwelt transferiert und deren Mechanismen und

stoßen, in der heutzutage eine zynische unmenschliche Politik die

Strategien aufgezeigt.

gängige sogenannte „Abschiebepraxis“ zu legitimieren versucht.

Die neunte Klasse in diesem Jahrgang 2017/18 widmete sich inten-

Ihr auf die Welt gerichteter Blick ohne Bitterkeit, mit versöhnlichem

siv einer Auseinandersetzung mit der jüngsten Zeitgeschichte; wir

Gestus, aber durchaus wach und kritisch vermochte uns alle zu be-

verbrachten zwei Theaterabende, in denen sich erneut die besonde-

eindrucken und zu bewegen.

re Bedeutung der Kunst in der Auseinandersetzung mit Geschichte und Politik erwies. Nicht nur Literaten, nein Künstler im Allgemeinen ahnten und antizipierten – damals wie heute – mit ihrem besonderen Sensorium stets im Keim, was sich später weltwirksam zu manifestieren drohte. Am 5. Mai 2018 formulierte Michael Köhlmeier anlässlich des NS-Gedenkens im Parlament in diesem Zusammenhang mutig historische Wahrheiten von brennender Aktualität: Krieg(e), Tyrannei,

Im Folgenden soll eine Collage aus Stellungnahmen der 9. Klasse kenntlich machen, welche Lernaufgabe jede und jeder Einzelne heute ergreifen darf, wie wir einschlägigem Sprachgebrauch, der an DAMALS gemahnt und rückwärtsgewandter Politik achtsam und hellhörig begegnen, um dieses NIE WIEDER glaubwürdig zu postulieren!

Diskriminierung, Terror, Folter stehen auf der Tagesordnung, Asyl und

Juliane von Gässler:

Flucht hingegen in der Diskussion. Errungenschaften der Demokra-

Als Frau Dr. Feldner-Busztin unsere Klasse betrat, hatte ich ein mul-

tie, Menschenrechte und Menschenwürde stehen allerdings für uns

miges Gefühl bei der Vorstellung, wie knapp sie in jungen Jahren

nicht zur Disposition; diese Verantwortlichkeit gilt es in allen Lebens-

dem gewaltsamen Tode entronnen war. Gleichzeitig empfand ich

zusammenhängen wahrzunehmen! Das ist kein Feld eines bestimmten

tiefsten Respekt, dass sie es trotz dieser schrecklichen Erfahrung

Unterrichtsfaches oder der in Regelschulen schmerzlich vermissten

geschafft hatte, danach ein ziemlich normales und gelungenes Le-

politischen Bildung, sondern kann nur authentisch – unabhängig vom

ben zu führen und sogar über diese Erlebnisse zu berichten.

fachlichen Kontext – jeweils (vom Kollegium, von den Eltern, von der

Wir hatten im Unterricht schon ein Interview mit ihr gelesen, aber

Zivilgesellschaft) vorgelebt und vermittelt werden…

dass sie bei uns saß, sich mit uns unterhielt und direkt auf unsere

In einer Zeit, in der Erinnern und Gedenken – vermeintlich bloß durch

Fragen einging, war etwas ganz Besonderes. Normalerweise sind wir

Jahrestage lanciert – verstärkt in das kollektive Bewusstsein rücken,

eine recht lebhafte Klasse, doch an diesem Tag waren alle still, um

folgten wir der Chronologie und den Anforderungen unseres Unterrichts

kein Wort zu verpassen.

und luden bereits am 30. November 2017 von 10 bis 13 Uhr zur Begegnung mit Dr. Helga Feldner-Busztin. Als eine der letzten Shoa-Überle-

Foto: 03.06.2018 20:46, milena österreicher

benden steht sie trotz ihres hohen Alters und auch in Anbetracht ihrer

https://derstandard.at/2000072389831/erhalten-Ute-

Gehörbeeinträchtigung, die sie stets selbstironisch schmunzelnd ins Treffen führt, noch regelmäßig für Besuche in Schulen zur Verfügung. Es war ein Tag mit Schneeregen und im Verkehrschaos, als ich die Wagentüre ihres Taxis aufhielt und ihr den Arm bot, um sie auf dem Weg in das Klassenzimmer zu geleiten. Bereits in diesen wenigen Minuten, als wir uns kurz über Waldorfschule, Rudolf Steiner und deren historischideologische Verortung austauschten, berührte mich ihr Gestus, wie sie biografisch Erfahrenes ohne Bitterkeit zu reflektieren vermochte. Ihre Erkenntnisse, aus Erfahrungen gespeist, denen nichts (Un-)Mensch-

38 _ MoMent Sommer 2018

Bock-Preis-an-Rudolf-Gelbard-und-Helga-Feldner


2018 Reflexionen von Micha Schuster-Szabó Catarina David zum Besuch von Helga Feldner:

Alma Schadl zum Besuch von Helga Feldner:

(…) Ich lauschte ihrem Bericht mit gemischten Gefühlen: Ich ver-

(…) Sie erzählte uns, was sie erlebt hatte: wie die Zimmer in Theresien-

suchte, mich in ihre Situation zu versetzen, was mir nicht wirklich

stadt waren, welches Essen sie bekamen und wie sie behandelt wurden…

gelingen wollte. Vor allem kamen sehr viel Wut und Verständnislo-

Sie erzählte uns von dem Schmerz, den sie empfunden hatte, innerlich

sigkeit in mir hoch, wenn ich an die Menschen dachte, die damals in

und äußerlich, sie erzählte uns von Frostbeulen, die sie sich zuzog, als

KZs arbeiteten, Menschen quälten und ermordeten. (…)

sie in Eiseskälte Kartoffeln ernten musste. Sie berichtete uns, wie immer

Catarina David zu den Theaterstücken: Wir sahen uns (…) zwei Theaterstücke an: Zunächst besuchten wir das Theater in der Josefstadt, um das Stück „Der Engel mit der Posaune“ anzusehen; die Handlung begann vor dem ersten Weltkrieg und erstreckte sich über mehrere Generationen einer Familie bis

wieder Freunde von ihr verschwanden und nie mehr zurückkamen. (…) Diese Frau tritt dem Leben entgegen und nimmt das Leben an, so wie es ist. Sie ist mit einer Leichtigkeit und Zufriedenheit an uns herangetreten, die ich so nicht erwartet hätte. Es war eine wahnsinnig spannende und inspirierende Erfahrung, einen so starken Mensch zu treffen.

zur Zeit des Nationalsozialismus. Das andere Stück (…) widmete sich

Melina Trierenberg zum Besuch von Helga Feldner:

dem Schicksal der Geschwister Scholl; das Drama „Die weiße Rose“

(…) Es war eine Stimmung voll von Wissbegier, Mitgefühl und Respekt.

entfaltete deren Widerstandsbewegung im Theater im Zentrum.

Sie erzählte uns ihre gesamte Lebensgeschichte, mit Mut und Überzeu-

Das erste Stück fesselte mich so sehr, dass ich gar nicht bemerk-

gung. Sie war offen für all unsere Fragen, die sie uns auf eine sehr ehr-

te, wie drei Stunden an mir vorbeizogen. (…) Das zweite Stück fing

liche und klare Art beantwortete. Durch diese Begegnung bekamen wir

mitten in der Handlung an, und erst nach und nach wurde die Vor-

die Möglichkeit, einen persönlichen Zugang zu dieser Zeit zu finden.

geschichte erzählt. (…) Mir gefielen Schauspiel und Darstellung des zuerst genannten Stücks besser, aber beide Abende waren sehr interessant und aufschlussreich.

Melina Trierenberg zu den Theaterabenden: (…) Die Geschichte der Geschwister Scholl ist wohl eine der bekanntesten aus dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus. (…) Ich war

Anna Sophie Poremba:

von der Inszenierung begeistert, da ich durch das Stück gut nachvoll-

(…) Ich finde es wegen ihres hohen Alters bemerkenswert, dass sie

ziehen konnte, wie schwierig es war, diesen Kampf zu führen, - immer in

noch so viele Klassen besucht und über ihre schwere Vergangenheit

dem Wissen, dafür auch mit dem eigenen Leben bezahlen zu müssen.

spricht. (…) Während sie erzählte, entwich ihr manchmal trotzdem

Mit so einer starken Überzeugung und ungebrochenem Willen für eine

ein Lächeln, manchmal war ihr Ausdruck auch besonders trau-

Sache einzutreten, hat mich sehr begeistert. Das ist heute leider selten

rig und schwer. Genauso wechselte auch ihre Sprache einige Male.

zu finden. (…)

Da kamen dann englische Sätze aus ihr herausgesprudelt, was uns wiederum zum Schmunzeln brachte und das Gespräch ein wenig auflockerte. (…)

Iris Baumgartner: Wir beschäftigten uns in der gesamten ersten Geschichtsepoche mit Ursachen, Verlauf und Folgen des zweiten Weltkriegs. Am vorletzten

Andreas Koch:

Tag der Epoche hatten wir das Glück, dass Helga Feldner uns besuchen

Als Helga Feldner zu uns in die Klasse kam, strahlte sie eine ziemli-

und über ihr Leben erzählen konnte. (…) Ich bin sehr froh, diese Erfah-

che Ruhe und Gelassenheit aus. (…)

rung gemacht zu haben.

Sie erzählte, dass sie 1929 zur Welt kam und anfangs in Wien wohnte. (...) Sie hörte als kleines Kind die „Gott schütze Österreich - Rede“

Raphaela Moser:

Schuschniggs im Radio. Da fingen alle Erwachsenen zu weinen an,

(…) Nach der Befreiung (…) studierte Helga Feldner nach ihrem nach-

und sie weinte mit, ohne wirklich zu verstehen warum. Später (…)

geholten Schulabschluss Medizin. Sie gründete eine Familie und arbei-

wurde sie wegen ihrer Herkunft von der Schule geworfen. (…) nach

tete als Internistin. Hierbei betonte sie noch ausdrücklich, dass sie es

ihrem 14. Geburtstag wurde sie nach Theresienstadt geschickt;

damals als verheiratete Frau und Jüdin in der Nachkriegsgesellschaft in

Mutter und Schwester begleiteten sie freiwillig. (…) 1944 entkam sie

ihrer Berufslaufbahn und im Privatleben nicht immer ganz leicht hatte.

den Transporten nach Auschwitz nur (…) durch Zufall. Ihr Vater kam

Außerdem deutete sie die Problematik eines ideologisch gespaltenen

aber leider nach Auschwitz. Von 200 Männern, die mit ihm gemein-

Landes nach dem zweiten Weltkrieg an. (…) Ich bin auf jeden Fall dank-

sam dorthin verbracht worden waren, kamen nur zwei mit dem Le-

bar, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen. (…)

ben davon; einer davon war ihr Vater. Er wurde 1945 befreit!

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1618 Beginn des 30-jährigen Krieges /  1818 Geburtsjahr von Karl Marx /  1848 Märzrevolution /  1918 Ende des ersten Weltkriegs, Gründung der ersten Republik und Einführung des Frauenwahlrechts /  1938 „Anschluss“ an Hitlerdeutschland /  1948 Erklärung der allgemeinen Menschenrechte /  1968 „68-er“-Bewegung und Ende des Prager Frühlings / 1978 Volksabstimmung über das Atomkraftwerk Zwentendorf /  2008 Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise –

2018 Reflexionen von Micha Schuster-Szabó

Julian Tirnanic:

erzählen, wurden wir alle langsam entspannter. (…) Wenn ich zu-

Als die Zeitzeugin den Raum betrat, bemerkte und bewunderte ich

rückblicke, bin ich sehr froh, dass Frau Schuster uns ermöglicht

sofort, wie sehr sie doch strahlte. Ich hatte unheimlich Respekt vor

hat, Geschichte nicht nur nach Jahreszahlen, sondern aus einer

dieser Frau; der Gedanke, was sie erlebt hatte, machte mich sprachlos.

menschlichen, emotionalen Sicht zu erfahren. Danke, Frau Schus-

(…) Ich finde es interessant, dass sie ihren damaligen Judenstern noch

ter. Und vielen Dank, Frau Feldner.

behalten hat; ich hätte jegliches Andenken an diese Zeit wohl sofort vernichtet. Alma Schadl zum Stück „Die weiße Rose“: (…) Die Geschichte der Geschwister Scholl setzt angesichts dieser grauenvollen Zeit einen winzigen Lichtblick, da man weiß, dass es auch Menschen gab, die gegen diese System gekämpft und sogar ihr Leben dafür aufs Spiel gesetzt haben. Alina Giannelos: (…) Wir sollten uns drei Fragen überlegen, die wir der Zeitzeugin stellen durften. Das war für mich emotional nicht einfach, da ich nicht wusste, wie unser Gast auf heiklere Fragen reagieren würde. Als es dann soweit war, merkte ich, dass die Stimmung in der ganzen Klasse sehr angespannt war. Als Helga Feldner dann begann, uns ihre Geschichte zu

Livia Machowetz-Müllner: (…) Jede Geschichte einer Flucht oder von Konzentrationslagern hat andere Einzelheiten und persönliche Details des oder der Betroffenen, aber man erkennt die gleichen Schwierigkeiten und grausamen Merkmale dieser Zeit wieder. (…) Fabian Lernpeiss: Der Besuch der Zeitzeugin war eines der prägendsten Ereignisse des ganzen Schuljahres. (…) Seit dem Besuch denke ich immer, wenn mir kalt ist: Ist es wirklich so kalt, da ich ja nicht mit Frostbeulen arbeiten muss, um zu überleben. (…) Ich halte sie für eine starke Frau, die einen langen Weg hinter sich hat, und weiß, wo sie hingehen möchte. (…)


Eine Reise nach Ravenna „W

ir fahren nach Ravenna“, sagten uns unsere Lehrer mit einem breiten Lächeln. Wir, die diesjährige 11. Klasse, began-

nen lautstark und unüberhörbar zu jubeln. „Mit dem Bus“, setzten die Lehrer ein wenig leiser fort. Wir hielten inne. Dies erfreute uns weniger. Schließlich sind es einige Stunden Fahrt nach Ravenna. Doch die Vorfreude war zu groß, um noch weitere Gedanken an eine schlaflose Nacht im Bus zu verschenken. Am 28. April um 21 Uhr begann unsere Kulturreise. Wir stiegen in den Bus ein, den wir zu Anfang noch skeptisch betrachteten. Doch als sich herausstellte, dass er WLAN anbietet, schlossen wir ihn alle sehr schnell in unser Herz. Die vorhergesagte schlaflose Nacht ging vorüber, und wir erreichten in aller Frühe unseren Campingplatz, wo wir die nächsten vier Nächte verbringen würden. Wir wurden mit italienischer Gastfreundschaft empfangen und durften anschließend in unsere Bungalows einziehen. Die meisten waren noch recht müde, doch die Verlockung nach dem Strand, der direkt an den Campingplatz grenzte, war zu groß. Nachdem wir einige Zeit damit verbracht hatten, die Umgebung zu erkunden, beschlossen wir, in die Stadt zu fahren. Doch dieser kleine Ausflug erwies sich als großer Aufwand. Da die Stadt Ravenna eine Stunde entfernt ist und in den Bus, der uns eigentlich zu einer weiteren Busstation führen sollte, nur acht Personen hinein passten, wurden wir von den dort lebenden Italienern, die wirklich sehr freundlich waren, mit mehreren Autos zu der nächsten Busstation gefahren. (Die war weit weg.) Von dort konnten wir gemütlich mit dem Bus in die bezaubernde Stadt Ravenna fahren. Drei Tage lang besichtigten wir Basiliken, schlenderten durch die alten Gassen der Stadt, schlürften dabei italienischen Kaffee und bewunderten die hübschen Häuser Ravennas. Die Abende ließen wir mit selbstgekochtem, italienischem Essen und Gesprächen über die 12.-Klass-Referate ausklingen. Der letzte Tag fiel uns allen sehr schwer. Schweren Herzens verließen wir die Bungalows, den Strand, das rauschende Meer, die netten Leute, die so schöne, alte Stadt und den extrem guten Kaffee. Widerstrebend stiegen wir in den Bus ein, der uns wieder nach Wien fahren sollte. Wir besichtigten am Rückweg noch eine weitere Basilika und fuhren dann endgültig in Richtung nach Hause. Die Tage vergingen schnell in Ravenna. Doch sie werden uns auf jeden Fall in Erinnerung bleiben: ein weiteres Erlebnis, das wir als Klasse gemeinsam erlebt haben, und an das wir in Zukunft noch oft denken werden. Hannah Dürrer

MoMent Sommer 2018 _ 41


Singabend der S

chon seit der Mittelstufe erwarteten wir den Singabend sehnsüchtig. Einige wussten sogar schon in der 8. Klasse, was sie singen würden. Als wir begannen, mit dem Herrn Albrecht die

ersten kleinen Schritte zu planen, konnten wir uns noch nicht vorstellen, alleine auf der Bühne zu stehen und zu singen. Langsam fingen wir an, die ersten Solostücke zu üben. Doch das intensive Proben begann erst zwei Monate vor unserer Aufführung. Diese Zeit erforderte viel Zusammenspiel und Geduld und verbesserte unsere Klassengemeinschaft. Ein Monat vor unserem Auftritt zitterten wir bereits und zweifelten an Band, einigen Solostücken und Bühnenbild. Aber diese Ängste brachten uns dazu,

42 _ MoMent Sommer 2018


11. Klasse hartnäckig und viel zu üben, um einen unvergesslichen Singabend zu präsentieren. Nur dank der Hilfe von Alfred Kohlhofer, Martin Bräger und vor allem Stefan Albrecht schafften wir es, in kürzester Zeit alles auf die Beine zu stellen. Als es dann endlich soweit war und der Saal sich füllte, stiegen die Nervosität und Vorfreude. Und dann ging es auch schon los. Bei jedem Lied fieberten wir mit unseren Mitschülern mit und freuten uns für sie. Alleine auf der Bühne zu stehen, ist im ersten Moment erschreckend doch zugleich eine unglaubliche Erfahrung. Der Applaus des Publikums nach jedem Lied zauberte uns Sängern ein breites Grinsen ins Gesicht, und wir wussten, dass es den ganzen Aufwand und Stress wert war. Nach unserem letzten Auftritt waren wir stolz, es geschafft zu haben, aber auch traurig, dass es vorbei war. Der 11.-Klassabend ist ein unvergessliches Ereignis, und wir wünschen allen kommenden Klassen, dass sie genauso daran wachsen und Spaß haben wie wir. Hannah & Valerie

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MoMent Sommer 2018 _ 43


Flower Power Mit dem Abschlussball der 12. Klasse ging eine Ära zu Ende Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich unsere Schule innerhalb eines Tages verwandelt… so auch von 4. auf 5. Mai dieses Jahres: die Verwandlung von einem Schulgebäude in eine 70er-Jahre-Location. Die 12. Klasse hat nach ihren Referaten innerhalb einer Woche mit vereinten Kräften einen 70er Jahre-Ball auf die Beine gestellt. Großartig. Das ist nur zu schaffen, wenn alle an einem Strang ziehen und zusammenhelfen! Überall 70er-Möbel, -Tücher, -Musik, -Fotos, -Bilder, -Teppiche, -Blumen usw. – ich war in meine Jugend zurückversetzt, und wahrscheinlich ging es vielen Eltern so; die Jugendlichen fühlten sich wie in einem Film. Die humorvolle, beeindruckende Eröffnung der 12. Klasse, die fulminante Mitternachtseinlage der 9. Klasse, die Tombola, die tollen Auftritte von

weitere Fotos unter: https://www.waldorf-mauer.at/ eindruecke/galerie-2017-2018


70er-Jahre David und Naomi, der schon traditionelle, coole Auftritt der Lehrerband, die stimmungsvolle Quadrille – ein Highlight nach dem anderen. Nicht zu vergessen: die Kostüme der Jugendlichen und Erwachsenen – farbenfroh, abwechslungsreich – zwischen Glamour Hippie und Flower Power. Die Stimmung war bis morgens um 4 Uhr und für manche noch länger ausgelassen, lustig und vergnügt. Vielen Dank, liebe 12. Klasse, für diesen schönen Abend. Ihr werdet uns fehlen! Karin Schadl, SchülerInnenmutter

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Theaterabend der 12.

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Klasse

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Familieninterview: Familie Rumetshofer Lieber Christine, lieber Gerhard, ihr seid beide aus Oberösterreich. Was

Christine, wie hast du deine acht Jahre Klassenlehrerzeit erlebt?

hat euch nach Wien, was an die Waldorfschule in Mauer gebracht?

Christine: Vorab möchte ich sagen, ich kenne die Situation in einer Wal-

Christine: Als Magdalena, unser erstes Kind, unterwegs war, zogen wir

dorffamilie sehr gut. Ich erinnere mich an den Stress in der Früh, um die

nach Wien, weil Gerhard in Wien arbeitete. Aus Oberösterreich kom-

Kinder rechtzeitig für die Schule fertig zu bekommen, an die versäum-

mend, kannte ich die Waldorfpädagogik nicht. Doch zu uns kam damals

ten Busse, die vereisten Autofenster, obwohl es eh schon so spät war,

manchmal der „Herr Magister Böhm“; so wurde er von meinem Vater

an die Staus in Kalksburg und eh schon fünf vor 8! Ich kenne Anrufe aus

ehrfürchtig genannt. Mein Vater, ein Tischler, schätzte Herrn Böhms

der Schule, ich kenne im Bett liegende Schüler, die nicht in die Schu-

künstlerische Arbeit mit Holz, und er bat ihn öfter zu uns nach Grein,

le gehen wollen und Bauchweh haben oder Kopfweh. Mir sind meine

wenn er sich eine besondere Holzbearbeitung vorstellte. Später ging

Worte noch im Ohr: „Gut, dann bleib da. Wir fahren ins Krankenhaus und

Valentin, unser Jüngster, mit Paul Böhm in die Klasse.

lassen dich untersuchen, am Abend wird ganz früh schlafen gegangen,

Wir hatten das Glück, dass unsere neue Nachbarin eine Eurythmistin in

und selbstverständlich gibt es kein Fußballtraining, wenn du heute nicht

der KSS (Karl Schubert-Schule; Anm.) war. Sie hatte vom Integrations-

in die Schule gehen kannst…“ Ich höre mich noch denken: Das ganze

kindergarten in der Kanitzgasse erzählt, und dort gingen dann die Älte-

Leben dreht sich nur um Schule, zum Kuckuck! Elternabend da, Referat

ren bei Helene Hrubicek in den Kindergarten.

hier, Buffet dort, Wochenenden verplant… Vieles habe ich damals nicht

Nach der schönen Kindergartenzeit wollten wir natürlich unsere Kinder

verstanden, was ich jetzt als Lehrerin gut verstehen kann.

in eine Waldorfschule gehen lassen. Manche Miteltern und Lehrer er-

Meine willensstarke Tochter hat in mir den Wunsch aufkommen lassen,

zählten mir viel später, dass sie sich noch gut an uns erinnern konnten:

die Waldorfpädagogik besser zu verstehen.

an das Stillen und Herumtragen an Elternabenden, an die Ausflüge mit

Magdalena: Meine ersten acht Jahre an der Schule waren sicher für alle

den vielen Rumi-Kindern… Daran erinnere ich mich kaum mehr.

eine Herausforderung. Ich wollte mich reiben und diskutieren – und das

Aber ich kann mich noch gut erinnern, dass ich zur Zwergenwerkstatt

habe ich bekommen und daran gelernt!

viel zu wenig gebastelt hatte und auch sonst nicht viel mithelfen konnte in den ersten Jahren mit vier kleinen Kindern zuhause. Ich war so dankbar, dass ich „mitgetragen“ wurde von den anderen Eltern; so empfand ich es zumindest. Später übernahm ich dann die Organisation der Adventkränze und half zum Beispiel beim Frühlingsfest mit… zumindest bis ich Lehrerin an der Schule wurde; da hörte die Mithilfe als Mutter wieder etwas auf.

Christine: Als der Jüngste ungefähr drei Jahre alt war, begann ich mit der Ausbildung. Nach Abschluss dieser vergingen fünf Jahre, und dann wurde ich gefragt, ob ich die neue erste Klasse übernehmen wolle. Gerhard: Wobei Christine schon davor zweimal gefragt worden war! Christine: Als ich mit der ersten Klasse anfing, war nichts so, wie es in der Ausbildung den Anschein gehabt hatte. Das „Staunen” der Erstklässler, von dem dort immer die Rede gewesen war, war nicht vor-

Hat euch das eigentlich irritiert oder gestört, dass eure Mutter Lehrerin

handen. Die Klasse brauchte vom ersten Tag an „Führung”. Wie man

wurde und jeden Tag ebenfalls in die selbe Schule ging wie ihr?

spielerisch die Kinder über die Phantasie interessiert, hat mir dann

Florian: Nein. Das war praktisch!

erst Margarete Appel beigebracht, die bei mir hospitiert hat. Zu einer

Jakob: …wir hatten sozusagen ein tägliches Taxi… und wenn wir Geld

Arbeitshaltung soll kein Kind von außen gedrängt werden. Autorität

gebraucht haben, war die Quelle auch nah.

soll nicht Angst erwecken, sondern

Florian: Als negativ hätte ich das nie empfunden!

kann auch sanft zum Lernen ani-

Magdalena: Aber es war schon eine Lebensumstellung für alle.

mieren, damit sich immer alle trau-

Gerhard: Christine war ja schon seit 2005 auch in der Impulsgruppe in

en, auch Fragen zu stellen!

der Schule tätig. Ich habe im Elternrat angefangen, als Magda in der 2. Klasse war und bin seit 2007 im Vorstand, als auch der Bundeselternrat gegründet wurde. Da ich einer bin, der immer wissen will, wie es läuft –gerade, wenn es um die eigenen Kinder geht – bleibt gar kein anderer Weg, als sich zu engagieren. Die allerschönsten Erlebnisse für mich an der Schule waren die Klassenreisen mit allen Kindern. Ich war immer dabei und fand es sensationell. Bei Christines Klasse war ich auch immer mit und werde auch die 8.-Klass-Reise begleiten. Somit komme ich auf 14 Klassenreisen! Das schafft kein Waldorfschüler!

48 _ MoMent Sommer 2018

Bei manchen Dingen habe ich wahrscheinlich als Lehrerin, rückblickend betrachtet, meinen Schülerinnen und Schülern gegenüber ein bisschen zu viel Verständnis gezeigt, weil ich die Familienseite so gut kannte… Das hat sich jetzt hoffentlich gut ausgeglichen. Jedes Jahr habe ich mich hinter-


fragt. Ist es das Richtige, die Klasse weiter zu begleiten? Bin ich die

ein Semester „Vergleichende Literaturwissenschaften“ abgeschlossen

richtige Lehrerin für sie? Bin ich das, was die Schüler brauchen?

hatte, war mir jedoch klar: Das ist es nicht! Ich wollte etwas „anpacken“

Nach der 5. Klasse spürte ich: Da muss ein neuer Zug hinein! Ich

und erleben, etwas „Sinnvolles“ tun!

gab Epochen ab. Nach der Physikepoche mit Herrn Bointner fühl-

Da mich die Art und Weise, wie kleine Kinder die Welt betrachten immer

te ich, dass es viel leichter ging. Nach der 6. Klasse bot ich an, die

schon faszinierte und ich auch, seit ich mich erinnern kann, immer schon

Klasse abzugeben. Gleichzeitig jedoch bekundete Holger Finke

recht geschickt im Umgang mit unseren jüngsten Mitmenschen war, zog

Interesse daran, in der Mittelstufe zu arbeiten. Außerdem fühlte

es mich in Richtung Kinderbetreuung. Zu meiner Freude durfte ich wert-

ich auch, dass es falsch wäre, jetzt aufzuhören! Den unsichereren

volle Erfahrungen im Waldorfkindergarten sammeln, und bald war dann

Schülern sollte das Umhüllende des Klassenlehrers bleiben!

die Entscheidung gefasst, dass ich gemeinsam mit meiner zukünftigen

Die Epochen Physik und Mathematik konnte ich an Holger Finke ab-

Schwägerin und meiner Schwiegermutter in Spe eine Kindergruppe er-

geben, Chemie an Frau Heller-Meixner. Das war ideal.

öffnen würde. Ich machte die Ausbildung zur Kindergruppenbetreuerin,

Dass Steiners Aussage, das Ringen um das Beste wirke sich am

und wir stürzten uns ins Abenteuer! Im Sommer 2015 heiratete ich im

meisten aus, stimmt, war immer meine Hoffnung!

Garten meiner Eltern, und etwas über ein Jahr später kam unsere Toch-

Magdalena, kannst du kurz beschreiben, wie sich dein Weg nach dem Abschluss der Schule gestaltet hat? Magdalena: Zuerst ließ ich es mir einen Sommer lang richtig gut gehen und genoss das Gefühl, etwas erfolgreich abgeschlossen zu haben und aus all den Jahren wunderbare Erinnerungen mitnehmen zu können. Ich spürte, dass ich das nötige „Werkzeug“ in die Hand gelegt bekommen hatte, um erreichen zu können, was auch immer ich mir vornehmen würde. Im Herbst startete ich in mein Maturajahr, und das „Handwerkszeug“ kam ordentlich zum Einsatz. Da ich zeitgleich auch noch von zuhause aus- und bei meinem Freund ein-

ter Emma zu uns auf die Welt – ich habe noch nie etwas so Besonderes erlebt! Jetzt, eineinhalb Jahre später, weiß ich, dass das Leben als Familie, zumindest in meinen Augen, wohl das größte Abenteuer bleibt! Momentan denke ich wieder viel ans Schreiben (ich vermisse die Deutschaufsätze) und Singen und werde somit wohl als Nächstes nach Wegen suchen, wie ich diese Sehnsucht in meinen Kindergruppen- und Familienalltag integrieren kann. Wer weiß, vielleicht studiere ich irgendwann Publizistik oder schreibe einfach ein Buch und gründe eine Band! Von meinem „Handwerkszeug“ ist so manches noch beinahe unbenützt. Ich bin also optimistisch!

zog, war das alles ein ziemlicher Lebenswandel. Ich werde nie den

Was möchtest du im Rückblick auf deine Schulzeit nicht missen?

Moment unmittelbar nach meiner bestandenen mündlichen Matura

Magdalena: Ich möchte das Zusammengehörigkeitsgefühl nicht missen,

vergessen: Die Welt liegt einem zu Füßen, all die Mathenachhilfe-

das sich einstellt, wenn man (mit den meisten Mitschülern) zwölf Jahre

stunden haben sich ausgezahlt, es ist geschafft – das war pure Frei-

lang durch Dick und Dünn geht. Wir hatten auch echt schwierige Pha-

heit! Dann folgten die wohl letzten Sommerferien meines Lebens

sen über all die Jahre, aber man wächst unglaublich zusammen. Meine

(was mir allerdings erst später klar wurde!).

engsten Freunde sind ehemalige Klassenkollegen!

Die Auswahl eines Studienfaches fiel mir nicht so leicht! Es gibt so

Doch im Endeffekt sind es meine Lehrer gewesen, die meine Schulzeit

viele Möglichkeiten – was ist das Richtige? Nachdem ich erfolgreich

für mich zu so einer Bereicherung gemacht haben. Es sind die sagenhaften One-Man-Shows im Geschichts- oder Philosophieunterricht (Elmar Dick; Anm.), die alte Sagen zum Leben erweckten und tiefgreifende Fragen aufbrachten. Es ist die Klassen-Mami (Ursula Kaufmann; Anm.), die nebenbei auch noch die weltbesten Deutschaufsatzthemen vergab. Die vor Energie flirrenden Musikstunden, in denen IMMER zumindest einer (Stefan Albrecht; Anm.) Vollgas gab (und der stand vorne – das steckte an!), werde ich auch nicht vergessen! Ein Riesen-Dankeschön an ALLE Lehrer, wenn wir schon dabei sind – ihr hattet es oft nicht leicht mit uns! Jakob, worauf bist du im Hinblick auf deine Schulzeit stolz? Jakob: Am meisten stolz bin ich eigentlich darauf, dass ich, wenn ich jetzt zurückblicke, behaupten kann, sehr gerne in diese Schule gegangen zu sein, und ich bin froh, dass mich meine Eltern in diese Schule

>

MoMent Sommer 2018 _ 49


Oxalis acetosella - Waldsauerklee Der im Schatten lebende Lichtbringer

I

durch die Säure Calciumionen aus den Zähnen herausgelöst werden. Eben diese Eigenschaft kann bei hohem Konsum oxalsäurehältiger Lebensmittel zur Bildung von Nieren- und Gallensteinen führen. Dementsprechend sollte Oxalis nur in kleinen Dosen verzehrt werden, auf Wanderungen ist er allerdings als kleine Erfrischung empfehlenswert. Der Sauerklee ist eine sehr sensible Pflanze: Durch übermäßiges Sonnenlicht, aber auch durch Berührung, durch Regen oder in der Nacht klappt er seine Blätter senkrecht nach unten, während sie im diffusen Licht waagrecht stehen. Diese hochempfindsame, fast schon tierisch anmutende Reaktion, wird auch therapeutisch genützt: Bei jeglicher Form von Schockerlebnis oder Kränkung wird Oxalis angewandt. Des weiteren findet Sauerklee zum Beispiel bei Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) oder Gicht, sowie beim Formenkreis der rheumatischen Erkrankungen Anwendung. Sehr beliebt ist Oxalis außerdem zur Behandlung von kolik-/krampfartigen Bauchschmerzen, wie sie zum Beispiel durch Nieren- oder Gallensteinen ausgelöst werden können. Er kann als Licht- und Wärmegeber bei sich anbahnenden grippalen Infekten wirken. Die Anwendungsformen des Sauerklees sind vielfältig: Als Globuli oder Tinktur, als Ampullen gespritzt oder äußerlich über die Haut: Als Salbeneinreibung oder feuchtwarmer Wickel auf dem Bauch. Anleitung dazu finden Sie unter http://www.pflege-vademecum.de/oxalis_ essenz_bauchwickel.php

fotolia.de

m Volksmund ist Oxalis acetosella besser bekannt als Sauerklee, den man häufig sieht. Dieser Name ist allerdings irreführend, da der Sauerklee kein Klee ist, sondern zur Familie der Oxalidaceae (Sauerkleegewächse) gehört. Er wächst in heimischen Wäldern, liebt Schatten und imponiert als saftig-flächiges Grün auf braunem Waldboden. Den meisten von uns sind die herzförmigen, dreizähligen Blätter des Sauerklees im Gedächtnis. In seltenen Fällen können auch 4 Blättchen ausgebildet werden und erfreuen den Finder dann als Glücksbringer. Die im Supermarkt erwerblichen 4-zähligen „Glückskleeblätter“ stammen von einer tropischen nahen Verwandten des Sauerklees. Zwischen April und Mai erscheinen die kleinen weißen, trichterförmigen Blüten, welche durch sehr feine, purpurfarbene Adern sehr unverwechselbar sind und mehr Aufmerksamkeit verdienen würden. Durch ihre langen, blätterlosen Stängel überragen sie die Blätter deutlich. Interessant ist außerdem, dass im Sommer und Herbst Blütenknospen ausgebildet werden, welche allerdings nie zur Entfaltung kommen, sondern lediglich der Fortpflanzung dienen. Bis in den Herbst reifen die Samen in den Früchten heran und werden dann durch beeindruckende Schleudermechanismen, ähnlich wie beim Rührmichnichtan (Impatiens noli-tangere) verbreitet. Dies kann mit einem Druck von 16 bar einhergehen, das entspricht dem achtfachen Druck in einem Autoreifen. Ein wesentliches Charakteristikum von Oxalis acetosella ist die Fähigkeit, Oxalsäure in seinen Geweben einzulagern. Oxalsäure bilden können alle Pflanzen, sie in sich speichern jedoch nur bestimmte, wie zum Beispiel Sauerklee, Rhabarber oder Sauerampfer. Diese Besonderheit kann jeder durch Kauen der Blätter sinnlich wahrnehmen. Zusätzlich zum sauren Geschmack fühlen sich die Zähen anschließend rau an, da

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>> Familieninterview: Familie Rumetshofer

gesteckt haben – auch wenn oft bei uns Schülern Fragen aufgekom-

Valentin, verspürst du ein bisschen Wehmut, in der letzten

men sind, warum wir Eurythmie überhaupt machen und warum wir

Klasse zu sein?

Kupfer treiben oder Körbe flechten. Meine Erklärung damals war:

Valentin: Schon ein bisschen! Es waren wundervolle 12 Jahre in dieser

„Vielleicht wollen sie nur, dass wir alles hinterfragen.“ Im Nachhinein

Schule mit dieser Klasse. Ich glaube, diese Gemeinschaft wird mir feh-

bin ich froh, all diese Dinge gemacht zu haben, weil es Sachen sind,

len! Besonders toll waren für mich die zahlreichen Praktika, die Reisen

bei denen ich niemals darauf gekommen wäre, sie von mir aus zu

und die Klassenspiele. Durch die gemeinsamen Erlebnisse dabei ist un-

tun. Ich war einer, der nur das Notwendigste gemacht hat. Jetzt im

sere Klasse mehr und mehr zusammengewachsen!

Nachhinein würde ich ja fast gerne noch einmal die Oberstufe machen, um alles bewußter zu machen. Stolz bin ich auf die Erinnerungen und Erfahrungen, die mir die Schule geboten hat, besonders natürlich verbunden mit den vielen Projekten und Praktika, Klassenspielen und Reisen. Während dieser Prozesse lernte man einander so richtig gut kennen und war oft erstaunt, was die anderen alles können. Florian, wie war und ist es bei dir? Florian: Nun, ich hatte unglaubliches Glück mit den Lehrern! Ich war ähnlich wie Jakob und habe immer auf den letzten Drücker das Notwendigste gemacht. Die Oberstufe habe ich genossen, die Gemeinschaft und die Beziehungen zu den Lehrern ebenso. Mathe hätte ich gerne mehr gehabt, denn an der Maturaschule wird nur wiederholt. Die handwerklichen Dinge nimmt man mit aus dieser Schule, die künstlerischen sicher auch, wenn sie einem liegen. Und die Musik. Die ist ein großer, wichtiger Teil! Auch bei uns zuhause! Die Matura habe ich; bei Gerhard mache ich gerade ein Praktikum, und nach dem Sommer beginnt der Zivildienst, und wie es dann weiter geht, weiß ich noch nicht.

Hast du schon eine Idee, in welche Richtung es dich nun ziehen wird? Valentin: Alles offen, mein Leben ist ein großes Fragezeichen! Ich habe Interessen in vielen Richtungen, aber es fällt mir schwer, über einen längeren Zeitraum an einem Thema dran zu bleiben. Da habe ich noch Entwicklungspotential. Gerhard, du bist so still. Gerhard: Eine Danksagung an die Schule möchte ich einbringen. Sie hat auch mir in den letzten Jahren ermöglicht, vieles zu lernen und mich zu entwickeln. UND: Ich bin sehr stolz, was auch die Schule aus meinen Kindern gemacht hat: kritische, denkende, selbstbewußte Menschen. Das Interview führte Nadja Berke. KlassenlehrerInnen / TutorInnen der Rumetshofers waren: Magdalena: Barbara Willau / Holger Finke Jakob: Barbara Pazmandy / Karl Hruza und Maria Leutzendorff Forian: Christine Bolleter / Marlene Sadychow Valentin: Jörg Wohlmacher / Stefan Albrecht

8 Jahre Klassenlehrerin, Schuljahr 2009/10 (1. Klasse), – Schuljahr 2017/18 (8. Klasse)

MoMent Sommer 2018 _ 51


Julia RĂśhsler

Die Mitglieder des neuen Konfliktbearbeitungskreises stellen sich vor: Liebe Julia, was war dein persĂśnlicher Beweggrund, dich fĂźr die Arbeit

wende ich systemische und existenzanalytische Methoden an. Das

im KBK zur VerfĂźgung zu stellen?

gibt mir die MĂśglichkeit, sowohl die einzelne Person als auch ihre

Ich habe mich gefragt, wo ich mich zusätzlich zu den herkÜmmlichen

unterschiedlichen Lebensfelder wahrzunehmen und zu begleiten.

Betätigungsfeldern an der Schule einbringen kann. Das Gespräch und

Bereits bei einem Erstgespräch kommt es oft zu einem Wechsel der

der persĂśnliche Kontakt zu anderen Menschen liegen mir. Auch auf-

Blickrichtung, und neue LÜsungsansätze tun sich auf. Darum bietet

grund meiner beruflichen Tätigkeit als Lebens- und Sozialberaterin bot

zum Beispiel unsere Sprechstunde eine unbĂźrokratische und ano-

sich der neue KBK an.

nyme MĂśglichkeit, einen ersten Schritt zu tun.

Meine Bedenken waren, dass es jemanden braucht, der mehr Waldorfwissen hat. Familiär gesehen hab’ ich das ja auch.* Aber: Ich bin nicht Waldorf-ausgebildet. Nach dem ersten Treffen war jedoch klar, dass das kein Hindernis darstellt. Nach meinen 12 Jahren an der Waldorfschule hier in Mauer habe ich in PĂśtzleinsdorf an der Waldorfschule maturiert. Danach ging ich auf die Pädak und wurde Volkschullehrerin. Die ersten Jahre meines Arbeitslebens arbeitete ich fĂźr den „Fonds Soziales Wien“ als Heimlehrerin. Als Pädagogin kam ich bald mit der Supervision in BerĂźhrung. Diese klare Sicht auf Arbeitsabläufe und Prozesse und die daraus resultierende MĂśglichkeit zur PersĂśnlichkeitsentwicklung faszinierten mich sehr. So machte ich die Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin. Meine beiden Leidenschaften – die Pädagogik und die Beratung – konnte ich dann wunderbar in einem Verein gegen Kindesmissbrauch umsetzen. In der Prävention und in der KlientInnenberatung und -begleitung war ich jahrelang tätig, bis mein Sohn Valentin auf die Welt kam. Nach Magdalenas Geburt stand fĂźr mich fest, dass ich sehr gerne bis zum Schuleintritt beider Kinder zuhause sein wollte. Zwischen den Einschulungsterminen meiner Kinder startete ich dann mit meiner eigenen Praxis. Was sind deine Herausforderungen bei deiner Arbeit im KBK? Eine groĂ&#x;e Herausforderung ist, dass ich sehr aktiv am Schulleben teilnehme und dadurch auch viel im Austausch mit anderen Eltern

Welche Visionen hast du fĂźr den KBK? Im Moment sind wir zu dritt. Das hat den Vorteil, dass wir uns rasch absprechen kĂśnnen, aber es wird sich auch zeigen, ob unsere Ressourcen fĂźr so eine groĂ&#x;e Schulgemeinschaft ausreichend sind. Es gibt eine Reihe von externen Experten, auf die wir bei Bedarf gerne zurĂźckgreifen. Diesen Pool wĂźrden wir gerne um Eltern aus unserer Schulgemeinschaft erweitern, die beruflich im Bereich der KonfliktlĂśsung Erfahrung haben. Eine weitere Idee, die wir uns genauer ansehen werden, ist die PeerMediation (https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/ba/ peer-mediation.html). Das bedeutet, dass einzelne interessierte OberstufenschĂźlerInnen zu MediatorInnen ausgebildet werden. In Folge kĂśnnen MitschĂźlerInnen bei Konflikten zuerst an diese herantreten. Die Hemmschwelle, Ăźber Probleme zu sprechen, kann dadurch viel niedriger werden. Demnächst wollen wir in die Tutorenstunden der Oberstufe gehen, uns dort vorstellen und sehen, ob es fĂźr so ein Projekt Interesse gäbe. Ich wĂźrde mir diese Bereicherung fĂźr unsere Schule und fĂźr unsere SchĂźlerInnen wĂźnschen, um die Herausforderungen des Lebens und des Heranwachsens besser meistern zu kĂśnnen. Das Gespräch fĂźhrte Nadja Berke.

erfahre. Da stellt sich mir die Frage, wann ist ein Gespräch noch ein

___________________________________________

freundschaftliches und ab wann ein professionelles. Diese Trennung

*Walter Schulz ist Julias GroĂ&#x;vater und einer der SchulgrĂźnder;

ist wichtig; darum kommuniziere ich sie meinem GegenĂźber auch

siehe https://www.waldorf-mauer.at/moment (Ausgabe vom Som-

entsprechend.

mer 2016, Seite 48)

Welches Handwerkszeug setzt du ein?

Sprechstunden KBK:

Mein Credo ist Offenheit und Klarheit. Ich glaube, dass nur so eine He-

jeden Montag* von 10 - 11 Uhr im Arztzimmer (1. Stock)

rangehensweise zu soliden LĂśsungen fĂźhrt. In meiner Beratungspraxis

*) an Schultagen

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52 _ MoMent Sommer 2018 785

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...daher sind wir um LĂśsungen bemĂźht


Respekt! Die positive Bedeutung dieses Ausrufes ist ein Kompliment. Ein Kom-

… lieber Wolfgang Seyringer, für Deine Tatkraft an allen Ecken

pliment an Menschen, die etwas schaffen, die etwas tun und anpacken.

und Enden

Also:

… liebe Jelena Milosevic und Nermina Sisic, für den Glanz in unserer alten Hütte

  „Respekt!“...

… liebe Susanne Genswein, für Dein Da-Sein und Deine ordnen-

… liebe 6. Klasse, für Eure Erarbeitung und Aufführung der Zauberflöte!

den Organisationkräfte!

... liebe 7. Klasse, für Eure Biografiereferate!

… lieber Engelbert! Respektvollen Dank! (Die Liste wäre zu lang!)

… liebe 8. Klasse, für Euer Achtklass-Spiel „My fair Lady“ und Eure beein-

… liebe Schulleitung und liebe Konferenzen, lieber Vorstand, lie-

druckenden Referate!

ber KBK, lieber Elternrat, liebe Eltern und vor allem liebe Leh-

… liebe Frau Rumetshofer, für acht Jahre liebevoller, umsichtiger, ge-

rerInnen und liebe SchülerInnen...

duldiger Klassenlehrerzeit mit der behutsamen Überleitung in die

  Respekt!!!!

Oberstufe Die zweite Bedeutung dieses Ausrufes ist eine Aufforderung:

… liebe 11. Klasse, für einen fulminanten Singabend! … liebe Frau Allerberger und lieber Herr Kohlhofer, für Euren wunderbaren Auftritt an diesem Singabend – Tränendrüsen-berst- Alarm!

  „Respekt!“

… liebe 12. Klasse, für Eure Referate und Jahresarbeiten und den Ball!

Wir alle zusammen sind diese Schule. Verletzen wir keinen ande-

… lieber Stefan „Daddy Cool“ Albrecht, für all Deine Energie, die Du nicht

ren, weder mit Worten noch mit Taten! Passen wir aufeinander

nur in Deine Klasse als Tutor gesteckt hast, sondern auch in jedes ein-

auf! Nehmen wir keinem anderen etwas weg! An diesen alten Ge-

zelne Kind im Musikunterricht, den Singabenden, Singspielen, Klas-

mäuern, in denen wir alle ein und aus gehen und die uns ein Dach

senspielen, das Orchester und die Musikschule!

über dem Kopfgebeb, seit 50 Jahren, wird ständig ausgebaut, renoviert, geputzt und gebaut – und zwar von uns selbst! Denn wir

… liebe Klassenlehrer und Tutoren unserer Schule, für die Hingabe und Zuwendung an unsere Kinder, für die Weitergabe Eures Wissens und

sind nicht nur das pulsierende Innenleben dieses Hauses, sondern

die Art, wie ihr das tut, für das Anhören der Sorgen, Bitten und Anre-

auch diejenigen, die es instand halten…

gungen der Eltern und den Versuch diese miteinfließen zu lassen

Also: Passen wir gefälligst auf, auf diese alten Gemäuer in Mauer

… liebe FachlehrerInnen, für das „Nicht-locker-lassen“, unseren Kindern

und auf deren Inhalte! Nadja Berke

Euer Wissen mitzugeben

„Sinnorientiert lernen - Zieloffen gestalten. Zum Leistungsverständnis der Waldorfpädagogik“ as ist Leistung? So besetzt der Leistungsbegriff in allgemein-

W

lo Willmann spricht die Bedeutung eines gemeinnützigen, christlichen

politischer Diskussion ist, so pragmatisch-essentiell müssen sich

Leistungsverständnisses als Leistung von und für andere an, und Holger

denn auch Eltern, Lehrende sowie Schülerinnen und Schüler spätes-

Finke betont die Definition der Leistung als nicht von außen induzierte,

tens in der 11. und 12. Klasse damit auseinandersetzen, gilt es doch

sondern ausschließlich aus dem Individuum kommende innerliche Leis-

dann, den weiteren Werdegang ins Auge zu fassen.

tung einer aufrichtigen Selbstvervollkommnung. Wie sich das im Beitrag

Mit dem zweiten Band der Reihe „Waldorfpädagogik: Positionen_Pra-

von Dirk Randoll und Jürgen Peters angeführte „Ausprobieren von Neu-

xis_Perspektiven“ widmen sich die darin versammelten 16 Beiträge in

em“ dann im Waldorfzeugnis „charakterisiert und nicht beurteilend be-

verschiedenen Zugängen dieser Thematik, die mit zum Kernbereich

schrieben“ werden kann, dem geht der Beitrag von Tobias Richter nach.

aktueller, zeitgenössischer Auseinandersetzung zu den Möglichkeiten

Ganz im Sinne der Annäherung von Leonhard Weiss, der das Leistungs-

unseres gesellschaftlichen Miteinanders zählt. Hier wird Grundsätz-

verständnis als „individuellen, ergebnisoffenen und weltbezogenen Ar-

liches behandelt; die pädagogischen Herausforderungen in unserer

beitsprozess“ versteht, wollen wir uns alle wohl eine umfassende Ausei-

Arbeits- und Leistungsgesellschaft werden auch fächerbezogen bear-

nandersetzung damit „leisten“.

beitet und spezifische Möglichkeiten zur Leistungsdokumentation und Beurteilung beleuchtet. So weist etwa Karl Garnitschnig auf die Förderlichkeit einer Beschrei-

Gerald Grestenberger, Waldorfpädagoge in Ausbildung (Details zum Buch auf Seite 5)

bung eines Lernprozesses beim Kind hin, die keine „Beurteilung“ des Kindes wäre, sondern dialogisch-diagnostische Funktion habe. Car-

MoMent Sommer 2018 _ 53


Wenn sich vier WaldorflehrerInnen auf den Weg machen, den Vienna City Marathon zu laufen

Eine Übung in Willenskraft

D

er Selbsterhaltungstrieb sagt einem, wenn man Dinge nicht tun soll. Trotzdem machen wir sie. Den VIC zu laufen, war eine Überwindung.

Eine schöne! Im Vorfeld zunächst: Bedenken! Es wird heiß sein, es sind 42 Kilometer, die Beine werden weh tun, das Herz wird pochen, der Atem soll gleichmäßig fließen und nicht hecheln und grunzen… Man kann sich ausmalen, was auf einen zukommt. Wie soll das bewältigt werden? Mit dem Willen! Der Wille, diese „Selbstmächtigkeit” ist es, welche die Triebfeder für den Lauf sein muss. Wir haben gelernt, einen Fuß vor den anderen zu setzen; wir wissen, wie es sich anfühlt zu laufen. Wir können uns physisch und psychisch darauf vorbereiten; wir haben die notwendige Ausrüstung. Theoretisch wis-

sen wir also, wie´s geht… Aber wenn der Wille fehlt, wird auch nicht gelaufen

der schöpferischen Gestaltung zu nutzen und damit den

werden.

Schlüssel zum Glück zu finden. Denn wer Willen hat, kann

Wir müssen uns zuerst selbst zum Laufen zwingen. Das beginnt schon bei

auch gute Ideen umsetzen… und der Rückfluss der Ener-

den Trainingsläufen: Ich muss meinem Körper einimpfen, dass jetzt gelau-

gie guter Ideen ist ein Garant für ein gelingendes Leben.

fen wird und dass er sich schon mal daran gewöhnen kann, dass das jetzt

In unserem Fall hat der Wille den 841. Platz von 2.500 an-

öfter so sein wird. Dann noch eine gesunde Portion Ehrgeiz dazu, und man

tretenden Teams im Staffelbewerb des VIC gebracht. Gut

kommt bereits über den ersten Berg. So kommen die Dinge sprichwörtlich

gelungen, oder!?

ins Laufen.

Habe ich schon erwähnt, dass mit jeder erfolgreich ge-

Eigentlich ist es nicht viel anders als in der Schule: Das Schulkind soll zum

meisterten Herausforderung die Willenskraft wächst?

Marathon antreten. Nur, dass dieser länger dauern wird als 42 Kilometer.

Wer’s nicht glaubt, kann sich gleich zum Maurer Lauf im

Mama und Papa melden zum Bewerb an, der/die LehrerIn coacht. Benötigt

Herbst anmelden – dann brauchen wir nicht diskutieren.

werden Theorie, Praxis, Ausrüstung – und eben der eigene Wille!

Challenge accepted!

nen. Um die Kunst der Überwindung und die damit einhergehenden Kräfte

Angelika Kellner, Franziska Heller-Meixner, Richard Wurm, Manfred Hofer

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In Wien entsteht derzeit eine der exklusivsten Garagen Europas. Einzigartiges Sicherheits- & Servicekonzept. Maßgeschneiderte Mietverträge. Modern & stylish. Club-Atmosphäre.

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Und wozu das Ganze? Um mehr als den Selbsterhaltungstrieb zu bedie-


Der Mauer Waldorf Lauf geht am 9. September 2018 in die zweite Runde! Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern, liebe Laufgemeinschaft! Unsere Vorbereitungen für den ZWEITEN Mauer Waldorf Lauf

Unser motiviertes und engagiertes Abgesandten-Team aus SchülerInnen

gehen bereits ins Finale.

der 11. Klasse ist ab jetzt unterwegs, um auch in den anderen Waldorf-

Die Behörden sind uns freundlich gesinnt und entgegenkom-

schulen und umliegenden Schulen die Menschen von unserem „Come

mend, da alle von der besonderen Stimmung, die unser Lauf hier

together“ im September zu begeistern!

in Mauer verbreitet hat, sehr begeistert waren. Sponsoren haben auch weiterhin ihre Unterstützung zugesagt: Die Maurer Winzer werden uns dieses Jahr schon nach dem Zieleinlauf am Maurer Hauptplatz bewirten; die Maurer Einkaufsgemeinschaft freut sich und wird dieses Jahr auch aktiv mitlaufen... Mit einem Wort: Unser Lauf bewegt viel J! Ich hoffe, ihr habt alle schon Großeltern, Freunde, Nachbarn, Verwandte, Groß und Klein eingeladen, am 9. September 2018 dabei zu sei! Damit unser Lauf auch so besonders bleibt, haben wir keine Kosten gescheut und auch Bio-T-Shirts für die Kleinsten in Produktion gegeben! Diese kommen von SEKEM, und wir freuen uns, auf diese Weise mit unserem Tun auch eine weitere großartige Institution unterstützen zu können. Zu unseren Pokalen bzw. Trophäen für die „Schnellsten“ unter

Der erste Trainingslauf mit unserem neuen Partner – Ed von Traildog –

uns wird bereits überlegt und gearbeitet.

hat am Pfingstwochenende erfolgreich stattgefunden. www.traildog. at ist wohl Wiens größter Anbieter von Trail-Laufschuhen und Schuhen für barefoot / natural running. In Zusammenarbeit mit dem LaufschuhAnbieter ON aus den Schweizer Alpen ;-) konnten wir alle Schuhe ausborgen, testen, und die motivierten Läuferinnen und Läufer sind zum Teil die Route des Waldorflaufes und darüber hinaus gelaufen. Diese Möglichkeit bietet uns ON nun auch zu unserem Waldorflauf im September an! Bis zu 30 Minuten vor dem Startschuss können die Schuhe an unserem Startplatz bei der Sternwarte getestet und ausgeborgt werden. Die Rückgabe ist im Zielbereich am Maurer Hauptplatz möglich, wo dann auch die eigenen Schuhe bereits brav warten J! Meldet Euch an, rührt die Werbetrommel und bringt über den Sommer viele neue Freunde aus aller Welt zu unserem Lauf mit. Mehr Info gibt es auf www.mauer-waldorflauf.at und www.facebook.com/ mauerwaldorflauf. All unser Tun und das aller helfenden Hände sind selbstverständlich ehrenamtlich! Die Einnahmen kommen zu 100 Prozent der Schule zugute! In Vorfreude Momo & Holger Kossdorff

MoMent Sommer 2018 _ 55


Bioladen reloaded In unmittelbarer Schulnähe könnte eine Food-Koop für Demeter-Produkte entstehen

A

ls „der Esche“ seinen Bioladen „aus gutem grund“ auf der Endres-

Produzenten zu ermöglichen, die das Herz des Angebotes im

straße 113 Anfang dieses Jahres zusperrte, war die Betroffenheit

„aus gutem grund“-Laden bildeten. Also beispielsweise das Ge-

außerordentlich groß. Sofort machte sich das Gefühl breit: „Da muss man

müse vom Klostergarten – oder die Demeter-Rohmilch. Ein gro-

doch etwas tun!“. Ein Impuls, den Esche Schörghofer beim Abschiedsfest

ßer Vorteil ist dabei, dass einer unserer Bioladen-AktivistInnen

impulsiv und wie immer ausgesprochen leidenschaftlich beantwortete:

bereits eine Food-Koop mitbegründet hat und daher über das

„Dann redets nicht ständig nur rum – tut’s doch endlich was!“

nötige Basis-Wissen verfügt sowie die rechtlichen Möglichkeiten

Recht hatte er – wieder einmal!

bzw. Herausforderungen kennt.

Und wie sich zeigte, ist man mit diesem Gefühl auch nicht alleine. Dass der Bioladen geradezu nach einer Fortsetzung schreit, finden einige – aber für einen oder eine alleine ist ein derartiges Projekt einfach nicht zu „derstemmen“. Da müsste man schon eine Persönlichkeit vom Format eines Esche sein…

Noch ist „nix fix“ – es laufen aber Gespräche über einen Standort für diese Demeter-inspirierte Food-Kooperative in unmittelbarer Schulnähe. Wir wollen vorerst auch die weitere Entwicklung offenlassen: Sei es eine „Zwischenlösung“ bis zum neuen Bioladen im Neubau auf 113 – oder eine Initiative, die wächst und gedeiht und fortgesetzt

Gemeinsam aber könnte es gelingen.

werden kann. Wir werden sehen, was daraus wird.

Inzwischen fand sich nämlich eine Gruppe, die eine Zwischenlösung für

Wer Interesse daran hat – als tatkräftige/r MithelferIn oder als

das „Interregnum“ zwischen Abriss und Neubau auf 113 ermöglichen

KonsumentIn – kann sich gerne an Roman David-Freihsl wen-

will. Nach ersten Gesprächen war schnell klar, dass auf die Schnelle kein

den, der diese Vorbereitungen koordiniert:

neuer Bioladen im umfassenden Sinn geschaffen werden kann. Dafür

roman.freihsl@gmx.at

fehlen nun einmal vor allem die rechtlichen Grundlagen. Die realistische Variante ist es hingegen, einen Direktverkauf für jene

Mit WAM hast ein Leiberl

Die neuen Initiativen des Ehemaligenvereines „Waldorf Alumni Mauer“ – WAM

W

ennst kein Glück hast, kannst auch gleich ein bisserl ein Pech ha-

ständen folgen. Wie beispielsweise eines mit Johanna Schwanberg,

ben. So liebevoll und aufwändig hatten wir das WAM-Fest des

der nunmehrigen Leiterin des Wiener Dom-Museums.

heurigen Jahres vorbereitet. Und dann war es ausgerechnet der erste

Auch haben wir noch einige andere Ideen wie zum Beispiel, WAM-

wirklich wunderbare, schöne Sonnentag nach langen, langen, kalten

Ausflüge zu Wirkungsstätten von ehemaligen SchülerInnen zu

Winterwochen. Da hat man natürlich anderes vor, als in den „Winter-

organisieren.

garten“ der Steiner-Schule zum WAM-Fest zu fahren.

Habt Ihr auch Wünsche, Ideen und Anregungen? Werdet einfach

Es war dann ein eher intimes Jahresfest, das wir nach unserer Jahres-

Mitglied unseres Ehemaligenvereins via

hauptversammlung gefeiert haben. Aber das, was wir uns vorgenom-

www.wam.wien

men hatten, gelang trotzdem. Unser Vorstand wurde für zwei weitere

und schickt uns eine Nachricht!

Jahre wiedergewählt. Und jene, die kamen, konnten einen wunderbaren Abend verbringen, sich vernetzen, alte Bekannte wiedertreffen – und auch neue Ehemalige kennenlernen. Unsere Aktivitäten gehen indes munter weiter: Beim großen Sommerfest der Steiner-Schule werden wir selbstverständlich wieder mit unserem WAM-Heurigen im Rosenhof dabei sein und ordentlich auftischen. Dort wollen wir auch erstmals unsere neuen WAM-T-Shirts anbieten. Auf unserer Homepage tut sich was: Wir bieten dort jetzt auch Interviews mit Ehemaligen an – als ersten haben wir Christof Stein in Wort und Bild gebracht. Weitere Porträts werden in (un)regelmäßigen Ab-

56 _ MoMent Sommer 2018

Roman David-Freihsl


Das „Kühne-Haus“ der unbegrenzten musikalischen Möglichkeiten

E

in Fest für Tobias Kühne im neuen Haus der Freien Musikschule am Jesuitensteig

Mehr als vier Jahrzehnte hatte er mit seiner Familie in diesem Haus am Jesuitensteig 19 gelebt und dieses belebt. Inzwischen wohnt er in einer anthroposophischen Einrichtung in Deutschland. Doch am 14. April kehrte Tobias Kühne noch einmal in „sein“ Haus in Wien-Mauer zurück, das nun nicht mehr seines ist – aber voll und ganz dem gewidmet ist, wofür er und die Seinen stets gelebt hatten: der Musik und anthroposophischen Einrichtungen. Denn jetzt ist das gute alte „Kühne-Haus“ die neue Heimstätte der Freien Musikschule Wien. Und das wurde an diesem Tag mit seinem Vorbesitzer, der dies ermöglicht hatte, würdig gefeiert. Dieses Gebäude war seit jeher nicht nur von seinen Räumlichkeiten her großzügig; es war immer schon geradezu ein Haus der unbegrenzten Möglichkeiten. So vieles war hier und von hier ermöglicht und verwirklicht worden: Tobias und seine Frau Agnes gehörten zu jenen Gründungseltern, welche die Wiener Waldorfschule in der 2. Republik wieder ins Leben riefen – unsere Rudolf-Steiner-Schule. Hier, im „Kühne-Haus“ war auch die Karl-SchubertSchule gegründet worden, und hier wurden auch in den ersten Jahren seelenpflege-bedürftige Kinder unterrichtet.

Kleinanzeigen

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Liebe Menschen, die Familie Mohammadi ist nun seit zweieinhalb

zige Wohnung in der Hermesstrasse verlassen.

Jahren in Österreich und hat noch zwei Kinder an

Daher suchen sie nun dringend eine Wohnung!

unserer Schule, die am besten Weg sind, und zwei

Falls Sie diesbezüglich helfen können, wenden Sie

Kinder, die an unserer Schule waren.

sich bitte an diese Email Adresse:

Herr und Frau Mohammadi und ihre vier Kinder

abetsabeh@yahoo.de

haben bis 2020 subsidiären Schutz zugesprochen

Wir bedanken uns herzlich im Voraus,

bekommen und müssen nun Ende August ihre jet-

Betsabeh Aghamiri vom Flüchtlingsforum

Rinderfamilie, Pferdchen und Hofhund suchen „Jungbäuerinnen oder Jungbauern“! Wir bringen auch eine Futterstelle und einen Brunnen mit! Die Tiere sind von einem Salzburger Holzschnitzer sehr detailgetreu aus Lindenholz geschnitzt und unversehrt. Lediglich der Hofhund hat an einem Bein eine kleine Blessur erlitten. Größe: max. 30cm (Bulle) bis min. 14cm (Hund); die Futterraufe ist 45cm lang. Preis: 70 EUR

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Für den kleinen „Bauernhof“ gibt es auch einen Traktor aus Holz, lackiert, mit Vorderradlenkung, inklusive Zubehör: Anhänger (Kipplader mit Klappe), Schneepflug, Egge und Walze, Maße Traktor: 25 cm lang; 14 cm hoch; 13cm breit, Maße Anhänger: 27 cm lang; 16,5 cm breit Traktor und Zubehör wurden in der „Spielzeugschachtel“ gekauft, einem Geschäft, das für hochwertiges und giftfreies Spielzeug bekannt ist. Preis: 30 EUR Bei Interesse an Tieren und/oder Traktor wenden Sie sich bitte an kusmik56@hotmail.com! MoMent Sommer 2018 _ 57


Das „Kühne-Haus“

Doch nicht nur das: In diesem Haus wurde auch der Keim für das De-

Freien Musikschule zur Verfügung. „Die Idee dazu hatten wir schon

meter-Haus – den späteren Bioladen „aus gutem grund“ – gepflanzt:

lange“, berichten Stefan und Lothar Trierenberg. Der erste Impuls

Hier im Keller verkaufte die Familie Kühne bereits Demeter-Milch und

war es seinerzeit, das frühere Haus der Karl-Schubert-Schule zwi-

später auch Demeter-Obst und -Gemüse, als im restlichen Österreich

schen dem Kühne-Haus und der Endresstraße für die Musikschule

der Begriff „Bio“ noch weitgehend unbekannt oder höchstens ausge-

zu sichern. Doch damals war die Zeit noch nicht reif.

sprochen exotisch war.

Erst jetzt, als die Familie Kühne auf sie zukam, hatte alles perfekt

Und: Es wurde immer hier musiziert. Denn das war immer die zweite

zusammengepasst. Auch diese beiden Brüder sind schließlich seit

große Passion von Tobias Kühne – an der damaligen Wiener Musik-

Jahrzehnten mit diesem Haus verbunden: Als junge Burschen hol-

hochschule als Cello-Professor und hier daheim aus Lust an der Freu-

ten sie bereits regelmäßig die Milch vom Kühne-Keller ab – und

de. „Ich kannte dieses Haus schon, bevor ich das erste Mal nach Wien

musizierten hier auch mit seinem Besitzer.

kam“, erinnert sich Angela Schindler, die vor exakt 25 Jahren die Freie

Am 14. April wurde dies alles also mit Tobias Kühne und seinen Kin-

Musikschule Wien gründete. „Eine gute Freundin in Bayern hatte mir

dern groß gefeiert; an all dies wurde erinnert und mit Geschenken

immer wieder von den tollen Cello-Festen im Kühne-Haus erzählt.“

bedankt. Und es wurde – wie auch anders – ausgiebig musiziert.

Nach dem Tod seiner Frau Agnes war es für Tobias Kühne schließlich

Am 10. Juni wurde das neue Haus der Freien Musikschule schließ-

Zeit, dieses traditionsreiche Haus freizugeben. Dank der Initiative und

lich offiziell eröffnet.

dem organisatorischen Einsatz seiner Tochter Magdalena Pokorny –

Doch schon seit der Übersiedlung im Februar herrscht bei den Pä-

selbst eine begnadete Geigerin und langjährige Violine-Lehrerin an der

dagoginnen und Pädagogen vor allem ein Gefühl vor, das beim Fest

Freien Musikschule – gelang es, dass dieser hier seit Jahrzehnten ver-

einer von ihnen stellvertretend für alle formulierte: „Es ist, als wür-

ankerte Geist auch weiterleben kann.

de ich in meinem Zuhause ankommen.“

Ermöglicht wurde dies durch die mehr als großzügige Unterstützung

Roman David-Freihsl

der Familie Trierenberg: Sie kaufte das Gebäude, ließ es von Grund auf

www.freiemusikschule.at

und umfassend sanieren und umbauen – und stellte es schließlich der

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SchallMauer - ein Orchester in Bewegung! as Orchester Schallmauer hier nochmals vorzustellen, erachte

D

vor dem Konzert hat sich in den letzten Jahren als ideale Vorbereitung

ich als überflüssig. Der Klangkörper ist bereits fixer Bestandteil

erwiesen. Leider konnten wir dieses Jahr nicht mehr unseren „altbe-

des Schullebens der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer, der frei-

währten“ und lieb gewonnen Retzhof bei Leibnitz bereisen, da das dor-

en Musikschule und über diese Grenzen hinweg bekannt. Mit dem

tige Raumangebot dem – vor allem durch das zusätzliche Schlagwerk-

musikalischen Beitrag bei der Feier zum 90jährigen Jubiläum der

Instrumentarium und deren Spieler – extrem gewachsenen SchallMau-

Waldorfpädagogik, welche Anfang Oktober 2017 im Museumsquar-

er-Orchester nicht mehr genug Platz bot. Wir haben mit dem Schloss

tier stattfand, konnten wir durch die Mitwirkung von „GastspielerIn-

Zeillern bei Amstetten aber einen adäquaten Ersatz-Probenort gefun-

nen“ aus den Waldorfschulen Pötzleinsdorf, Wien West und Schö-

den. Drei Tage lang wurde das gesamte Schloss Zeillern von uns be-

nau auch außerhalb unseres bekannten Wirkungsbereichs hinweg

spielt und besungen. Gezupfte, geblasene, gestrichene und geschlage-

Eindruck hinterlassen. Es war ein schönes Projekt und wunderbar zu

ne Töne von der Piccoloflöte bis zum Kontrabass, von der Pauke bis zur

sehen, wie integrativ Musik und vor allem das Musizieren im Or-

Geige schallten durch alle Gänge, Hallen und Ritzen des Schlosses. Dass

chester wirkt.

sich ausgiebige und intensive Proben hörbar und vor allem gut hörbar

Für uns ist vor allem die Repertoiregestaltung, d. h. die Stückaus-

machen, davon konnten sich die Besucher der zwei Konzerte in der Ru-

wahl für das große Saisonkonzert in der Schule ein wichtiger und

dolf Steiner-Schule Wien-Mauer überzeugen.

prägender Schritt für das ganze Schuljahr. Überlegungen wie „Passt

Wir können auf eine bewegte Orchester-Saison zurückblicken. Ein Or-

das Stück in die Altersstufe“, „Sind die MusikerInnen technisch und

chester, das sich weiter bewegt, ein Orchester, das Musik, deren Spiele-

musikalisch mit dem Stück über- oder unterfordert?“ oder „Können

rInnen und ZuhörerInnen bewegt – ein SchallMauer-Orchester!

sich die MusikerInnen mit dem Stück identifizieren?“ und viele Fra-

Jörg Dekan-Eixelsberger

gen mehr werden gestellt und abgewogen. Heuer haben wir uns für zwei Hauptwerke entschieden: „Die Abenteuer der gestohlenen Geige“ von Gerald Schwertberger für das Mittelstufenorchester und die „West Side Story – Selection für Orchester“ von Leonhard Berstein für das Orchester der Oberstufe und Erwachsenen. Das Programm rundeten noch Stücke der Strauss-Dynastie („An der schönen blauen Donau“, „Radetzkymarsch“ etc.), die von allen „SchallMaurerInnen“ gemeinsam musiziert wurden, ab. Doch bevor die Stücke zur Aufführung gelangen, muss natürlich eifrig geprobt werden. Es verlangt den MusikerInnen schon einiges an Disziplin und Durchhaltevermögen ab, über eine so lange Zeit ein Konzertprogramm zu erarbeiten, ohne das Ziel – DAS KONZERT – aus den Augen zu verlieren. Ein intensives Probenwochenende

MoMent Sommer 2018 _ 59


Absender: R. Steiner-Schule Wien-Mauer, 1230 Wien, Endresstr. 100 Verlagspostamt, 1230 Wien, Zulassungsnummer: 13Z039641 M Impressum Seite 2

P.b.b.

FERIEN Splitter

Auf einem Fest habe ich Kinder und Jugendliche gefragt, was sie mit Ferien verbinden, woran sie sich gerne erinnern und worauf sie sich freuen. Hier einige ihrer unterschiedlichen und zum Teil erstaunlichen Antworten, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

Viel Zeit mit den Eltern verbringen

Sandburgen bauen Muscheln sammeln

Im Sommerregen stehen und sich anregnen lassen

Wolken einteilen in Schäfchenwolken, Schlagoberswolken, Karfiolwolken

Almhütte mit Plumpsklo und Sommergewitter

Nach einem langen Hatscher eine Hütte erreichen

Frösche quaken hören und Schwammerl suchen

Das neue Kalb im Stall besuchen

Spät schlafen gehen dürfen Langeweile

Meer Ausschlafen Lagerfeuer

Sooo viel Zeit haben...

Auf dem Bauernhof ein Ei im Hühnerstall finden

Blaue Flecken und abheilende Abschürfungen auf Knien und Schienbeinen haben

Bei Freundinnen/ Freunden übernachten

Himbeeren pflücken

Zelten und Baden gehen

Lesen, Federball spielen und Flip Flops

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern schöne Ferien! Dr. Elisabeth Frank

Ulrich Hofbauer dipl. psych. Spirituell erweiterte Psychologie Persönliche Entwicklungsbegleitung Krisen- und Konfliktarbeit Seminararbeit Gruppenarbeit

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