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http://www.wvbits.com/

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Medienkompetenz

Zeitschrift fĂźr die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Sommer 2016 / â‚Ź 2,50


2 _ Editorial, Impressum

Mo

Ment

Zeitschrift von und für Eltern, FreundInnen, LehrerInnen, SchülerInnen

Liebe Freunde unserer Schulzeitung MoMent,

der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

diesmal gilt es, ein mehrfaches und ganz, ganz großes Dankeschön zu

Alltagsgeschehen deutlich abheben und sich grundsätzlichen pädago-

sagen!

gischen Themen widmen beziehungsweise Besonderheiten aus unse-

Denn einerseits ist unsere Botschaft um finanzielle Unterstützung nicht nur angekommen – sondern hat auch eine geradezu erstaun-

rem anthroposophisch orientiertem Schulgeschehens beschreiben. Diese Texte sollen nun im Herbst erscheinen: Denn angesichts die-

liche Bereitschaft zu helfen ausgelöst! Daher können wir nun freu-

ses Angebotes haben wir uns entschlossen, tatsächlich ein eigenes

dig bilanzieren, dass mit Hilfe Eurer Beiträge jedenfalls zwei Ausga-

Jahres­heft für unsere Schule zu gestalten. In dem dann auch Chroni-

ben unserer Schulzeitung finanziell abgesichert sind. Einen derartigen

kales zum heurigen Schuljahr abgebildet werden soll.

Polster hatten wir schon lange nicht mehr! Zwei Ausgaben sind allerdings auch recht schnell erschienen. Und

Für diese MoMent-Ausgabe bleibt uns aber nur noch eines zu sagen: Ein dreifaches Danke! Danke! Danke!

auch wenn man sich angesichts dieser Großzügigkeit kaum noch ge-

Für das MoMent-Team herzlichst,

traut – so wollen wir doch noch einmal daran erinnern: Einen noch

Roman David-Freihsl

besseren Polster hätten wir, wenn für den Bezug des MoMent noch mehr Daueraufträge eingerichtet würden. Auch kleinere, aber regelmäßige Beträge helfen schon sehr! Gleichzeitig – und das ist das zweite große Danke – ist es diesmal auch gelungen, doch eine schöne Palette an Inserate zu gewinnen. Allen Inserenten sagen wir ein herzliches Willkommen in diesem, unserem Umfeld! Beides trägt dazu bei, dass wir uns mit ungeteilter Aufmerksamkeit der redaktionellen Arbeit widmen können. Und welche Freude berei-

Impressum:

tet uns diese! denn die Bereitschaft, uns mit Artikeln zu beschenken, ist geradezu unglaublich! Seien es SchülerInnen, LehrerInnen oder

Medieninhaber, Verleger, Herausgeber: Verein zur Förderung der

Eltern – auf allen Ebenen waren viele Menschen ohne zu Zögern be-

Waldorf-Gemeinschaft (VFWG),

reit, zu schreiben, zu dokumentieren oder auch einfach ihrer Begeiste-

Obmann Josef PrüllerDVR NR.: 7864 9742

rung Ausdruck zu verleihen. Und dafür gab es in unserer Schule in der

Absender: moment@waldorf-mauer.at

jüngsten Zeit ja tatsächlich einige tolle Anlässe.

1230 Wien, Endresstraße 100

Gleich zu Beginn diesmal ein Schwerpunkt über neue Medien – An-

Verlagspostamt: 1230 Wien / Zulassungsnummer: 13Z039641 M

lass war dafür eine Vortragsreihe von Uwe Buermann für SchülerIn-

MitarbeiterInnen: Brigitte Födinger E: moment@waldorf-mauer.at /

nen und Eltern, die für eine rege Diskussion und auch die eine oder

Roman David-Freihsl E: roman.freihsl@gmx.at / Karl Hruza

andere Initiative sorgte. Doch auch die anschließenden Beiträge über

E: karl.hruza@waldorf-mauer.at / Lena Artaker / Nadja Berke /

Aktuelles in Schule und Kindergarten waren derartig reichhaltig und

Ursula Dotzler / Peter Floquet / Peter Gluchi / Saskia Sautner /

vielfältig, dass sie den Umfang dieser MoMent-Ausgabe buchstäblich

Sabine Trierenberg

sprengten! Angesichts dieser reichhaltigen Fülle haben wir uns daher dazu ent-

Druck: Donau-Forum-Druck, 1230 Wien,

schlossen, ein paar Artikel aus dieser Ausgabe herauszunehmen. Aber

aus umweltfreundlicher Druckproduktion

dies sind keinesfalls Beiträge, zu denen man sagen müsste, sie seien

Kontoverbindung lautend auf: Redaktion Schulzeitung /

nicht so toll geraten – ganz im Gegenteil! Es sind Texte, die sich vom

IBAN: AT44 2011 1822 2175 1000 / BIC: GIBAATWWXXX


http://www.waldorf-cottbus.de/media/1554/buermann.jpg

Medien _ 3

E

rst das reale Leben aufnehmen

Vortrag „Medienkompetenz“ von Uwe Buermann in der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer Gemeinschafts-Text: Lena Eichberger, Ines Kanka, Christina Schwab, SchülerInnenmütter 1. Klasse

Am 14. März 2016 fand im großen Festsaal ein Vortrag von Uwe

Schutzmechanismus. Zu erzählten Geschichten entstehen vor dem

Buermann zum Thema „Umgang mit Medien“ für die Eltern der

inneren Auge eines jeden Kindes eigene Bilder – abhängig vom je-

1. bis 4. Klasse statt.

weiligen Entwicklungsstadium. Daher ist es lt. Buermann auch in

Herr Buermann legte in sehr kurzweiliger, humoristischer Weise und anhand vieler Beispiele aus seinen persönlichen Erfahrungen

Ordnung, wenn jüngere Kinder die Geschichten älterer Geschwister mithören.

dar, warum der Medienkonsum für Kinder bis zum 10. Lebensjahr im Idealfall gar nicht stattfinden sollte (Bücher und Sprache ausgenommen) und warum unser eigener Medienkonsum von vor 30, 40

Reale Welt und virtuelle Welt Die Medien haben sich im Vergleich zu unserer Kindheit in vie-

Jahren überhaupt nicht mit dem heutigen Angebot vergleichbar ist,

lerlei Hinsicht drastisch geändert. Wir wuchsen weitestgehend

weshalb wir nicht von unserer erinnerten Kindheit auf die Situation

„analog“ auf. Das Medienangebot war begrenzt und als Fiktion er-

unserer Kinder schließen sollten.

kennbar. Die Informationen von Nachrichten beispielsweise waren möglichst sachlich gehalten, da sie rein auf sprachliche Informati-

Bilder, Musik und Worte in der kindlichen Entwicklung Zunächst wies Herr Buermann auf einige entwicklungspsychologische Gegebenheiten hin, die es zu berücksichtigen gilt, wie beispielsweise die Tatsache, dass alle Menschen eine „optische Bio-

on beschränkt waren. Vor allem jedoch waren Kinder vor 30 bis 40 Jahren noch nicht Zielgruppe des Medienmarktes. Heute richtet sich der Markt auch bzw. vor allem an junges Publikum: War viele Jahre lang das „Sandmännchen“ die einzige Serie,

grafie“ bilden, in der alle jemals gesehenen Bilder abgespeichert

welche sich an Vorschulkinder richtete, so existieren seit 1997 Seri-

werden. Daneben besteht so etwas wie ein „kollektives Unterbe-

en wie „Teletubbies” für Kleinkinder ab dem Sitzalter sowie BabyTV

wusstsein“, auf das jeder Mensch zugreift. So haben Kinder z.B.

für Säuglinge. Aktuell besitzen in Deutschland 46% der Kinder zwi-

recht bald einen Begriff von einem „Räuber“, ohne meist jedoch

schen 6 und 13 Jahren einen eigenen Fernseher.

selbst eine konkrete Erfahrung damit zu verbinden. Der Zugriff auf

Der Aufnahme virtueller Bilder muß das analoge Erleben der Welt

das kollektive Unterbewusstsein weicht allerdings mit zunehmen-

vorausgehen, da erst durch dieses Erleben die Fähigkeit zur Unter-

dem Alter den individuell angesammelten Seherfahrungen.

scheidung zwischen Realität und Fiktion entwickelt wird: Erst die

Auch ist es lt. Buermann Kindern bis zum 10. Lebensjahr (im Gegensatz zu uns Erwachsenen) unmöglich, bildhafte Eindrücke ihrer Umgebung auszublenden. Sie nehmen ausnahmslos alle Bilder

Fähigkeit, zu erkennen, was nicht echt sondern Film oder Spiel ist, bedeutet Medienkompetenz. Diese Kompetenz ist auch der Schlüssel dazu, nicht in eine Me-

wahr, die ihnen begegnen. Erst ab dem 10. Lebensjahr wird die Fä-

dienabhängigkeit zu geraten: Sämtlichen Mediensüchten ist ge-

higkeit, Unwichtiges oder Ungewolltes auszublenden, entwickelt.

meinsam, dass das virtuelle Leben für Betroffene wichtiger wird

Auch Musik (der wichtigste Emotionsträger in Filmen und bei Hör-

als das reale und die tatsächliche Existenz oft nicht mehr bewäl-

spielen) zwingt bestimmte Empfindungen auf. Bilder und die dazu-

tigbar scheint. Zuerst müssen Kinder daher das reale Leben ken-

gehörige Musik erzeugen in den Kindern Emotionen, die sie unge-

nenlernen. Erst wenn sie wirklich gesehen, gehört oder gerochen

schützt aufnehmen und sofort ungefiltert im Gehirn abspeichern.

haben, wie ein Ritter auf dem Ritterfest in seiner Rüstung schnauft

Durch die emotionstragende Musik werden also jegliche Bilder – so

und schwitzt, können sie erkennen, dass der im Kampf lässig Saltos

harmlos sie auch sein mögen – an die transportierten Emotionen

schlagende, stets wie aus dem Ei gepellt aussehende und ohne Er-

gekoppelt.

müdung stundenlang kämpfende Filmheld nicht echt sein kann und

Anders bei der reinen Sprache: Solange sie im Erzählmodus oder in emotionsneutralem Tonfall gehalten ist, haben die Kinder einen

dessen Leistungen nicht der Maßstab für die Realität sind. Mit der Idee „Ich lasse mein Kind nur Tier-Dokumentationen an-


4 _ Medien

http://bilder.4ever.eu/

sehen“ brachte Herr Buermann ein weiteres, sehr anschauliches

der analogen Welt, wie das noch auf uns zutraf, oder in der virtuel-

Beispiel zum Thema: Kinder, die ihre ersten Natureindrücke über

len Welt, die – oft unbemerkt – schon in unzählige Lebensbereiche

den Fernseher machen „dürfen“, sind bei Ausflügen in den Wald

Einzug gehalten hat und uns das alltägliche Leben immer komfor-

und über Wiesen oftmals sehr enttäuscht. Die Ursache hierfür ist

tabler, dadurch aber sinnlichkeitsentrückt erfahren lässt.

einfach erklärt: In einem Dokumentarfilm sehen wir innerhalb von z.B. 50 Minuten die Zusammenschnitte jahrelanger, geduldiger

Medienkompetenz als Erziehungsziel

Filmaufnahmen von Tierbeobachtungen (zum Beispiel Geburt und

Auf den Punkt gebracht, bedeutet Medienkompetenz, frei von

erste Lebenswochen junger Füchse). Der Wald erscheint in diesen

jedem zwanghaften Drang zum Medienkonsum zu sein, die Menge

Filmen also voller Tiere, die in jeder Lebenslage gut zu beobachten

und den Zeitpunkt des Konsums entscheiden zu können sowie auch

sind. Gehen wir allerdings mit unseren Kinder in den Wald, entde-

immer zwischen Realität und Fiktion unterscheiden zu können.

cken wir zwar vielleicht wirklich einen Fuchsbau, nur tollt leider Fa-

In diesem Sinne sei Medienkompetenz nicht zu verwechseln mit

milie Fuchs nicht davor herum. Auch warten nicht in jedem kleinen

einer simplen “Wisch-Kompetenz”, welche Kinder heute nach nur

Teich Ringelnattern darauf, dass wir mit unseren Kindern vorbei-

wenigen Lebensmonaten aufweisen, oder das Beherrschen anderer

kommen, und Steinböcke lassen sich bei Bergwanderungen nur

technischer Fertigkeiten, um sich in diversen virtuellen Welten zu

selten blicken.

bewegen. Das zu frühe Heranführen der Kinder an die mediale Welt führte

Herr Buermann empfiehlt daher, unseren Kindern die Möglichkeit

bisher weniger zu einem souveränen Umgang mit der Materie son-

zu geben, das reizvolle, reale Leben als Primärerfahrung aufneh-

dern viel mehr zu weit verbreiteten Abhängigkeiten in der Genera-

men zu dürfen, anstatt komprimiertes Filmmaterial von 10 Jahren

tion der Heranwachsenden. Genausowenig führen allerdings eine

als reales Leben und Treiben im Wald vorzuzeigen und bringt sich

„Bewahr-Tendenz“ oder strikte Verbote zu einem kompetenten

selbst als Beispiel ein:

Medienumgang, warnte Buermann. Aus seiner Sicht stellt vor allem in den ersten zehn Lebensjahren eine weitgehende Medienabsti-

Bevor Buermann seiner Tochter das Ansehen von Tierdokumen-

nenz (Radio, CD, Fernsehen, PC-Spiele, Internet und Fotoapparat…)

tationen über den Wald gestattete, verbrachte er mit ihr 3 Tage

die Basis dar, um einen gesunden, entspannten Umgang mit der

hintereinander für jeweils einige Stunden auf einem Hochstand.

Medienwelt zu entwickeln.

Alles, was sie in diesen vielen Stunden beobachten durften, waren

Weiters bedürfe es auch eines verantwortungsvollen Umgangs

ein paar Vöglein und als Höhepunkt am letzten Tag ein Mäuslein,

der Erwachsenen mit ihren eigenen medialen Geräten, die bewusst

das sich über die Brotkrümel unter dem Hochstand hermachte und

als „Arbeitsinstrumente“ gehandhabt und ein souveräner Umgang

damit einen kleinen Einblick in ein Mäuseleben gestattete.

damit gepflegt werden sollte, um für die Kinder eine bestimmte

Als die Tochter dann die Dokumentation über den Wald ansah,

Haltung erlebbar zu machen.

stellte sie sehr rasch fest, dass sich diese Aufnahmen nicht tatsächlich so zugetragen haben konnten, wie sie im Fernseher zu sehen waren. Die Fähigkeit, zwischen Realität und Fiktion unterscheiden zu können, war damit in ihr angelegt.

Mediale Welt als Sog und der damit einhergehende soziale Druck Zum Abschluss wies uns Herr Buermann auf das Phänomen hin, dass seiner Erfahrung nach ungefähr ab der 4. Klasse der Besitz von Smartphones etc. (und neuer, zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht

Als Fazit gab Herr Buermann uns Folgendes mit auf den Weg: Entscheidend ist, wo die Kinder ihre Primärerfahrungen machen: in

bekannter Medienprodukte) in einer Klassengemeinschaft aktuell würde und dadurch ein enormer sozialer Druck entstünde. Aus sei-


Medien _ 5

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in Sog, der ins Leere führt

Was neue Medien mit unseren Kindern machen Text: Elisabeth Platzer

ner Sicht sei es empfehlenswert, sich als Elternschaft

Vor Jahren durfte ich eine Reihe von Erstklässlern unterrichten, die so erfüllt

Gedanken über eine schriftliche Einigung zu machen,

waren von dem, was sie in der Schule erlebt hatten, dass sie, kaum zuhause

in welcher der Verzicht auf die Verwendung dieser

angekommen, „Schule“ spielten, begeistert Hausübungen machten oder Ge-

Produkte durch die Kinder im schulischen Kontext

genstände suchten, die sie, passend zum Gelernten, am nächsten Tag mitbrin-

(also Schulweg und Zeit in der Schule) bis zur 8. Klas-

gen konnten.

se vereinbart wird. Auch könnte vereinbart werden,

Ja, hier hatte ein entscheidender neuer und oft sehnlich erwarteter Lebens-

dass bei gegenseitigen Besuchen der Kinder kein Me-

abschnitt begonnen: Durch den Schuleintritt verändert sich ein Kinderleben gra-

dienkonsum stattfinden solle, es sei denn, die Eltern

vierend, und das muss erst einmal verdaut und integriert werden. Auf der ande-

treffen bilateral abweichende Vereinbarungen. Durch

ren Seite wird in einer ersten Klasse intensiv gelebt und das Tun genossen, und

einen solchen Schulterschluss sei man als Elternschaft

dieses genussvolle Tun wird in den weiteren Tag hineingetragen. Mit dem Eintritt

am ehesten gegen die enorme Sogwirkung dieser me-

in die Medienwelt verändert sich das Leben ebenfalls in drastischer Weise.

dialen Geräte und Welten auf unsere Kinder gewapp-

In beiden Fällen betreten die Kinder eine neue Welt; in beiden Fällen bekom-

net – und damit gegen den ansteigenden sozialen

men sie Zugang zu einem Raum, der Unendliches zu bergen scheint: unendli-

Druck auf die Kinder („Alle außer mir haben schon ein

ches Wissen, unendliche Möglichkeiten – eine Art „Universum“.

Smartphone…!”)

Im Fall der Schule stehen an der Schwelle des Universums die Lehrer, die jeweils einen Teil dieses Wissens und Könnens verwahren und hüten und den ihnen

Soweit Herrn Buermanns Empfehlungen – sofern

Anvertrauten in dem Maße eröffnen, in dem es ihnen zuträglich oder „zumut-

es uns ein echtes Anliegen ist, unsere Kinder in ei-

bar“ ist, in dem es ihrer Entwicklung förderlich ist.

ner sinnlich-realen Welt entwickeln zu lassen, um sich

Diese Wächter an der Schwelle sind Menschen… Menschen mit einem lieben-

später von diesem Fundament aus mit der medial-vir-

den Blick auf diejenigen, die da wissbegierig hereinströmen. Lebendige Men-

tuellen Welt ins Verhältnis setzen zu können und kom-

schen, die, so gut sie es eben vermögen, den Kindern den Wissensraum zu-

petent zu reifen.

gänglich machen, sie lehren, unterstützen und anregen. Gibt es ein Thema, das über die Kompetenz des einen hinausgeht, können innerhalb des lebendigen Netzwerkes „Lehrerschaft“ andere diese Aufgabe übernehmen.

Angeregt durch den Besuch von Herrn Buermann

An der Schwelle zum „Medienuniversum“ steht, ist es einmal zugänglich ge-

hat an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer, in der

worden, niemand! Keiner, der darauf achtet, dass die Inhalte in einer schritt-

Unter- und Mittelstufe, ein intensiver Austausch mit

weise erlebbaren, nachvollziehbaren und zuletzt verstehbaren Reihenfolge an

den Eltern begonnen. Tendenziell will man sich ge-

den Besucher herankommen. Der Raum hinter dieser Schwelle ist unvermittelt,

meinsam schriftlich ausmachen, die Kinder zu schüt-

schrankenlos und grenzenlos; er zieht das Kind wie ein Vakuum mit Macht in

zen, indem auf den Kauf eines eigenen Smartphones

seine Tiefen und lockt durch mannigfaltige kleine und große Sensationen im-

bis zu einer bestimmten Klassenstufe, im Idealfall 6.-8.

mer weiter in sich hinein.

Klasse, verzichtet wird. – Dazu ist noch anzumerken,

Dieser „Sog“ ist ein deutliches Merkmal, das ich an Kindern wahrnehmen

dass die Schule generell eine handyfreie Zone ist und

kann – in deutlichem Gegensatz zu dem beglückenden „Drang“, Erlebtes zu

es mit einer solchen Vereinbarung vor allem darum

verarbeiten.

geht, die Kinder auf ihren Schulwegen vor einem frei-

Der Sog zieht das Kind ins Leere. Die Freude hingegen, die am begleiteten ei-

en Zugang ins Internet zu schützen.

genen Tun entstehen kann, ermöglicht letztendlich schöpferische Selbstentfal-

Christine Bolleter

tung.


6 _ Medien

K

idz, lernz endlich Medien ;-) <3·<3 <3

Lasst Jugendliche mit den Ungeheuern im Datenmeer nicht allein! Sie brauchen Medienkunde in der Schule Der Autor BENEDIKT NARODOSLAWSKY leitet das Medienressort im Falter (aus Falter 7/16)

Als Kind las ich das Micky Maus-Magazin, es gab da diese drei

werden Außenseiterkinder in der Gruppe medial hingerichtet. Por-

kleinen Enten – Tick, Trick un4‘ Track. Die Drillinge waren Pfadfin-

noseiten wie Youporn prägen das Sexualverständnis von Puber-

der, wenn sie etwas nicht wussten, nahmen sie ihr „Schlaues Buch“

tierenden. Manche Verliebte senden auf Drängen ihres Verehrten

aus dem Rucksack und schlugen darin nach. Das Buch hatte auf

Nacktvideos, die später auf eben diesen Pornoseiten landen. Cy-

jede Frage eine Antwort. Wie hoch ist der Eifelturm? Wie lange

berbulling und Cybermobbing sind längst keine neuen Schlagworte

kocht man ein weiches Ei? Wie knüpft: man einen Seemannskno-

mehr. Seit Beginn dieses Jahres wird Cybermobbing auch gesetz-

ten? Selbst als Kind war mir klar: So etwas wie das „Schlaue Buch“

lich geahndet. Und im Lehrplan? Deutsch, Mathe, Biologie – alles so

wird es im echten Leben nie geben. Ein Lexikon, das alles weiß, hät-

wie immer. Medienethik, Medientechnik, Mediennutzung? Fehlan-

te Millionen Seiten und wäre so schwer, dass Tick, Trick und Track

zeige. jugendliche lernen komplizierte Formeln für Wahrscheinlich-

es nicht einmal gemeinsam tragen könnten. Das war Anfang der

keitsrechnungen, aber nicht, wie wahrscheinlich es ist, dass sie im

1990er-Jahre.

Internet zum Opfer werden.

Im Jahr 2001 wurde das Onlinelexikon Wikipedia gegründet, 2007 kam das erste iPhone auf den Markt. Ein Smartphone weiß nicht nur, wie hoch der Eifelturm ist, man kann mit Google Maps auch eine virtuelle Tour dorthin unternehmen und auf Booking.com eine

Wie sollen Kinder künftig seriöse Nachrichten von falschen unterscheiden können?

Unterkunft in der Nähe des Turms buchen. Ein Smartphone ist wesentlich leichter als das „Schlaue Buch“ und kann viel mehr. Inner-

Gerade in Zeiten wie diesen ist das Versäumnis der Bildungspo-

halb einer halben Generation ist die Utopie von damals übertroffen

litik völlig unverständlich. Lügen gegen Minderheiten verbreiten

worden. Bei weitem.

sich rasend schnell über die sozialen Netzwerke, Gerüchte werden

Das Internet hat unsere Gesellschaft: stärker umgeackert als Jo-

zu Geschichten und Geschichten zu geglaubten Wahrheiten. Ein

hannes Gutenbergs Druckerpresse jene des 15. Jahrhunderts. Der

Teil der Gesellschaft informiert sich schon heute nur noch auf Ver-

Dienst Uber stellt das Taxlergewerbe auf den Kopf, die Plattform

schwörungsseiten, die eine Parallelnachrichtenwelt hervorgebracht

Airbnb das Hotelgeschäft infrage, Amazon macht Buchläden über-

haben. Facebook. der Milliardenkonzern aus dem Silicon Valley,

flüssig. Vieles hat sich dramatisch verändert. Aber die Schule ist

zeigt seinen Nutzern nur, was sie sehen wollen. Die Filterblase wird

noch immer so wie damals.

immer undurchlässige, die Gesellschaft polarisiert sich immer mehr.

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es Internet in Österreich;

Wie sollen Kinder künftig seriöse von falschen Nachrichten un-

man kann sich nur darüber wundem, dass es im Lehrplan trotz

terscheiden können. wenn es heute nicht einmal die Erwachsenen

des unübersehbaren und rasant fortschreitenden Wandels noch

schaffen? Wie sollen sie zu weltoffenen Menschen heranwachsen,

immer kein Pflichtfach Medienkunde gibt. Schließlich wird keine

die ohne Hass diskutieren und auch andere Meinungen zulassen?

·Generation stärker von Medien durchdrungen als jene, die eben

Wer macht sie auf die Problematik von Internetsucht und Daten­

heranwächst.

missbrauch aufmerksam? Wer schützt sie vor Mobbern, Netzbe-

Kinder pflegen ihre Freundschaften auf Whatsapp, lernen mit Wikipedia und stellen sich auf Instagram und Youtube zur Schau. Wie gefährlich das Netz sein kann, lernen sie nicht. Sie werden vollkommen alleine gelassen. Ein paar Ungeheuer aus den Tiefen des Datenmeeres: Die Online-Propagandamaschine des Islamischen Staats verführt junge Menschen vor dem Bildschirm zum Extremismus. Über Whatsapp

trügern und pädophilen Chattern? Wer verrät ihnen, dass sie nicht alles glauben dürfen, was sie lesen. Klar, es gibt engagierte Lehrer, die die Zeichen der Zeit erkannt ha­ben und die Vermittlung von Medienkompetenz forcieren. Es gibt Initiativen wie Saferinternet.at, die Lehrern, Eltern und Schülern jenes Rüstzeug bereitstellen, das sie im Netz brauchen, um

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Medien _ 7

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apa, Du musst das sofort löschen!

Was digitale Aufklärung in der Schule daheim bewirken kann Text: Roman David-Freihsl

Dieser Tage berichtete eine Schülerinnen-Mutter wieder ein-

Und dann eines Tages der verblüffende Moment: Die Kinder

mal von einer ordentlichen Girlie-Übernachtungsparty: Zehn Kids

kommen von der Schule nach Hause und fordern leidenschaftlich:

waren zu Besuch; von denen hatten vier ihre Smartphones mit. Die

„Papa, Du musst WhatsApp sofort löschen!“ Und Google geht auch

sechs „Phonefreien“ ließen es so richtig krachen und feierten, was

nicht mehr. Aber gar nicht. Weil „die saugen alles ab, da musst du

das Zeug hielt – die vier „Besmartphonten“ hingegen verkrochen

echt aufpassen!“

sich unter einer Decke und spielten, was der Akku hergab. Die Mut-

Nach dem Besuch von Uwe Buermann in der Schule sind sie es,

ter einer dieser vier Digitalisierten bekam das daheim auch live mit

die auf einmal zur Vorsicht mahnen und alternative Systeme ein-

– via WhatsApp. Ab Mitternacht klingelte eine Nachricht nach der

fordern. Das Schweizer Nachrichten-System Threema zum Bei-

anderen herein. Und in der Früh – gleich wieder dasselbe Spiel: Die

spiel, wo persönliche Daten deutlich zurückhaltender behandelt

sechs Mädchen in der „realen Welt“ haben Party – die anderen vier

und Messages nur direkt von Sender zu Empfänger verschlüsselt

bleiben in ihrer Digitalwelt und bekommen sonst nichts weiter mit.

unterwegs sind. Oder die „Duck Duck go“-Suchmaschine, die Infor-

Es ist das tägliche Ringen, das so viele von uns nur allzu gut

mationen aus Abfragen nicht automatisch weiter verwertet.

kennen: Die Omnipräsenz der digitalen Geräte – seien es Smart-

Die tatsächliche Umsetzung erweist sich dann natürlich als gar

phones, Pads oder Computer. Wie die jungen Menschen regelrecht

nicht so einfach: Denn bei vielen würde ein WhatsApp-Ausstieg

eingesaugt werden, ihre Mitwelt und die Zeit vergessen, wenn sie

die direkte Kommunikation abrupt abreißen lassen – wenn nicht

„nur ganz kurz“ etwas erledigen wollen und auf jede Ansprache

alle bereit sind umzusteigen. Und der eine oder andere Web-Affine

immer und immer wieder nur mit einem monotonen „gleich“ re-

skeptisch erklärt: „Das ist doch alles nur Voodoo!“

agieren. Stundenlang.

Doch es geht noch weiter: Vor ein paar Wochen kommt der

Und das in einer Lebensphase, in der es angesagt wäre, die Welt

Jüngste heim und fordert vehement von den Eltern: „Ihr müsst die

zu entdecken, die eigenen Interessen und Fähigkeiten zu entwi-

Vereinbarung unbedingt noch unterschreiben!“ Denn die meisten

ckeln! In den Hintern könnte man sich beißen: Warum nur ha-

anderen Eltern in der Klasse haben inzwischen schon zugestimmt:

ben wir nachgegeben und doch viel zu früh das „Touch-Handy“

Jener freiwilligen Vereinbarung nämlich, die dazu führen wird, dass

überlassen?

der Jüngste selbst ein eigenes Smartphone erst deutlich später in die Hände bekommen wird. Da ist schon eine eigene Dynamik entstanden. Das ist nicht mehr der Gruppendruck, anschaffen zu müssen, weil es „die anderen alle

>>

schon haben“. Jetzt geht die Bewegung auf einmal in die andere

Gefahren zu begegnen. Es gibt die Demokratiewerkstatt des

Richtung.

Parlaments, die Schüler gegen Propaganda wappnen will und

Auch wenn das tägliche Ringen mit den älteren Semestern wei-

ihnen zeigt, wie leicht man Information manipulieren kann. Und

ter geht. Der Sog ins Kastl hinein ist immer noch da. Und doch

es gibt die Sexualpädagoginnen, die im „Lovetour-Bus“ Schulen

hatte es diesen einen wichtigen Schritt in Richtung Bewusstseins-

besuchen und Pubertierenden erklären, dass menschenverach-

bildung gegeben. Würden die Eltern das gleiche predigen, würde

tende Hardcorepornos nichts mit liebevollem Geschlechtsver-

das nur abprallen. Wenn‘s aber von außen – in diesem Falle von der

kehr zu tun haben.

Schule – kommt, wird es immer noch leichter aufgenommen und

All diese Initiativen sind wichtig. Aber sie genügen nicht.

akzeptiert.

Wollen wir unsere Kinder schützen und zu mündigen Bürgern erziehen, werden wir in den Schulen um das verpflichtende Unterrichtsfach „Medienkunde“ nicht herumkommen.

Und was gibt es Schöneres, als wenn die Kids den Eltern zeigen, wo’s lang geht?


8 _ Medien

http://www.amusingplanet.com/2012/10/inside-googles-data-centers.html

W

Links:

ie Apps persönliche Daten absaugen – es gibt Alternativen

Watchlist Internet (https://www.watchlist-internet.at/)

Einen guten Überblick über den Umgang von Apps mit persönlichen

WhatsApp (https://www.whatsapp.com/faq/de/

Daten stellte kürzlich die help-Redaktion auf ORF.at zusammen:

iphone/28041111)

Text: Paul Urban Blaha, help.ORF.at

Threema (https://threema.ch/de/)

Kamera, Kontakte, Internetverlauf – der Datenhunger vieler

me machen“, so Behrens. „Die Rechte dazu hätte WhatsApp. Ob die

Smartphone-Apps ist schier unstillbar. Manche Programme, wie

Firma das auch tut oder nicht, weiß man nicht.“ Eine entsprechende

etwa WhatsApp, haben sogar die Möglichkeit, Handys fernzusteu-

Anfrage von help.ORF.at bei WhatsApp blieb unbeantwortet.

ern. Datenschutzbedenken haben allerdings nur wenige Nutzer. Das

Der Popularität des Instant-Messenger-Dienstes scheint der

Verlangen nach Bequemlichkeit schlägt oftmals das Bedürfnis nach

Datenhunger allerdings keinen Abbruch zu tun. Für zusätzlichen

Privatsphäre.

Komfort würden die Nutzer nur zu gerne auf den Schutz ihrer Da-

Immer mehr Menschen sind dazu bereit, für ein wenig mehr Bequemlichkeit fast gänzlich auf ihre Privatsphäre zu verzichten. Der Sofortnachrichtendienst WhatsApp mit über 800 Millionen Nutzern weltweit (eine Million davon in Österreich) bietet diesen Komfort und hat für viele E-Mail, SMS und MMS als bevorzugtes Kommunikationsmedium abgelöst. Dafür nimmt sich das Programm eine Unmenge an Zugriffsrechten, denen die Nutzer bereits zustimmen, wenn sie die App installieren, so Thorsten Behrens, Projektleiter der Watchlist-Internet beim Österreichischen Institut für angewandte Kommunikation. „Auf ziemlich alles Zugriff, was es auf Handy gibt“ „WhatsApp kann direkt auf die Kontakte zugreifen, um zu sehen, wer das Programm sonst noch verwendet. Da man auch Sprach-

ten verzichten, so der Internetexperte. Datenschutzbestimmungen würden zudem ohnehin nicht gelesen. Schweizer App Threema als sichere Alternative Doch es gibt auch Alternativen. Die von einem Schweizer Unternehmen entwickelte Messenger-App Threema (für Android und iOS) etwa bietet auf mobilen Geräten, bis auf die Telefonie, alle Funktionen von WhatsApp – auf einem höheren Datenschutzniveau. Threema bietet mehr Privatsphäre und verschickt unter anderem alle Nachrichten ausschließlich verschlüsselt. Bisher wird die kostenpflichtige App (zwei bis 2,50 Euro) von vier Millionen Anwendern genutzt; 85 Prozent der Nutzer kommen aus dem deutschsprachigen Raum. Mit der Chat-App Signal (iOS und Android) können nicht nur

nachrichten versenden kann, hat das Unternehmen Zugriff auf das

Textnachrichten verschickt, sondern auch verschlüsselte Telefon-

Telefon. Man kann direkt Videos mit WhatsApp aufnehmen und

gespräche geführt werden. Ins Rampenlicht rückte die App, als Ed-

diese versenden. Daher hat das Unternehmen Zugriff auf die Kame-

ward Snowden im Herbst 2015 auf Twitter erklärte, er nutze Signal

ra. Da man Bilder versenden kann, benötigt WhatsApp Zugriff auf

„jeden Tag“.

den Datenspeicher. Somit hat WhatsApp auf so ziemlich alle Funktionen Zugriff, die es auf einem Smartphone gibt,“ so Behrens. Das Europäische Verbraucherzentrum sieht die Tatsache, dass WhatsApp die Kontaktdaten des Anwenders bereits bei der Installation auf die Server des Unternehmens kopiert, besonders kritisch. Auf diese Weise gelangt WhatsApp auch an Adressen und Telefonnummern von Personen, welche die Applikation weder nutzen, noch einer Weitergabe ihrer Daten zugestimmt haben. Selbst Kontrolle über Smartphone möglich

Berechtigungen vor Installation prüfen Internetexperte Behrens rät, vor der Installation einer App zu überprüfen, welche Zugriffsreche sich diese nimmt. Im Zweifelsfall sollte man sich auch die Sinnfrage stellen. „Ist es mir das wert, dass ich für eine Gratis-App mit meinen persönlichen Daten bezahle, oder ist es mir das nicht wert?“, so Behrens. So etwa im Falle einer Taschenlampen-App, die Zugriff auf Kontakte und Bilder möchte, diese aber für die Funktion des Leuchtens gar nicht braucht. Der Grundsatz, dass der Kunde bei Gratis-Apps mit seinen Daten

WhatsApp könnte laut Behrens sogar die Smartphones seiner

bezahle, während kostenpflichtige Apps die Privatsphäre respek-

Nutzer fernsteuern. „WhatsApp kann jederzeit auf das Mikrofon

tieren, stimme so nicht. „Das kann nur ein erster Hinweis sein. Ich

und die Kamera zugreifen. Das Unternehmen könnte daher theore-

rate grundsätzlich immer dazu, sich die Berechtigungen genau an-

tisch bei Gesprächen zuhören oder auch ungefragt Fotos oder Fil-

zuschauen, bevor man irgendetwas installiert“, so Behrens.


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http://www.gruenderszene.de/

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Zitat aus: „Kinder stark für den Umgang mit Medien machen“ „Echte Medienkompetenz, die wir uns alle von Herzen wünschen, beginnt

acebook klaut alle Daten!

mit Medienabstinenz – nicht im Sinne der Bewahrpädagogik, nein, im Sin-

Eindringliche Warnungen von Uwe Buermann bei seinem Vortrag

ne der Fähigkeitsbildung, die es braucht, um Medien sinnvoll zu nutzen.“

für die Mittelstufen-SchülerInnen

http://ww w.zeit-fragen.ch/index.php?id=2163 (12.06.2016)

Uwe Buermann ging nicht gerade zimperlich um mit den Schüle-

„WhatsApp ist die schlimmste App weltweit“, so Buermann zu den

rinnen und Schülern der Mittelstufe unserer Schule, für die er einen

MittelstufenschülerInnen. „Denn alles wird mitgelesen und abgehört

eigenen Vortrag am 15. März 2016 hielt. Schnell machte er eine Be-

– schon beim Schreiben.“ Bei Mobbing-Fällen beantragen Richter in-

standsaufnahme: „Wer verwendet Instagram, SnapShot, Telegram,

zwischen bei WhatsApp alle Protokolle, die sie bekommen können.

Threema?“ – Vereinzelt wurde aufgezeigt. Buermann machte den Jugendlichen klar, dass hinter allen Apps,

„Facebook verwendet u. verkauft sämtliche Daten weltweit.“ – Anhand mehrere plakativer Beispiele versuchte Uwe Buermann

auch wenn sie kostenlos seien, reine Geschäftemacherei stün-

den Jugendlichen klarzumachen, dass jedes Posting gut überlegt

de, denn „außer von höchst guten Freunden kriegen wir nichts

sein müsse, um sich nicht später auf einem Werbeplakat oder ei-

geschenkt“, so Buermann. „Programmierer wollen auch etwas

nem Sonnenmilchprodukt wiederzufinden. Und dagegen könne

verdienen.“

man nichts tun, wurde den Klassen verkündet. Facebook greift auch

Für die Bezahlung der Spiele gebe es vier Möglichkeiten:

1. In-App Käufe. Kostenloser Download der Spiele. Um sie vor-

anzutreiben, bedarf es zusätzlicher Käufe 2. Permanente Werbung, 3. Bezahlung mit persönlichen Daten, 4. Einmalige Bezahlung einer App ermöglicht Offline-Spiel. Uwe Buermann warnte, dass alle Daten „geklaut“ werden könnten. Beim Download jeder App seien vorher die Rechte zu akzeptieren. Das „Datenklau-Prinzip“ übersetzte er folgendermaßen: „Du, ich brauch‘ Deinen Wohnungsschlüssel, damit ich Dir etwas klauen kann. OK? Von allen Informationen würde eine Kopie gezogen werden, doch der User merke es nicht, „denn die Daten sind ja immer noch da.“

auf Kalender und Notizen zu. Beispielsweise könne der Eintrag einer Englisch-Nachhilfe bewirken, dass man plötzlich Werbung für Sprachreisen erhält. Auch Instagram könne auf die persönliche Galerie der User zurückgreifen. Alle Fotos würden direkt an Facebook übermittelt werden. „SKYPE gehört Microsoft. Jedes Gespräch wird mitgehört. Bei Bildtelefonie wird bei jedem Gespräch ein Standfoto gemacht“, bekamen die Schüler und Schülerinnen zu hören. „You Tube gehört Google und sammelt auch alle Daten.“ Übrigens könne GPS bei Smartphones nicht mehr deaktiviert werden. IPhone, Galaxy S4 und Sony benutzen bipolares GPS. Das System arbeitet bei gutem Wetter sehr präzise, bei schlechtem Wetter bis zu 10 Meter ungenau.

Buermann sagt es mehr als deutlich:

Facebook - ab 14 Jahren. Ab diesem Alter wird man strafmündig

Der Medienexperte forderte abschließend von den Jugendlichen, Instagram und WhatsApp unmittelbar nach der Schule zu löschen.

und könne Verträge unterschreiben. Eltern dürften es vorher nicht

Alternativen sieht er in SnapShot, Telegram (Schweizer Firma, kos-

erlauben und haften für alle Einträge.

tenlose App, von der Schweizer Industrie gesponsert), Time Chat

(jeder Chat ist verschlüsselt), THREEMA (Schweizer Firma, „läuft auf

WhatsApp - ab 16 Jahren. Ein Smartphone mit WhatsApp müs-

se bei Personen über 16 Jahre angemeldet sein. „Eltern haben einen

allen Plattformen“, ab 12 Jahren, alle Daten werden auf dem Server

kollektiven Dachschaden“, erklärt Buermann, „wenn sie eine SIM-

nach 3 Monaten gelöscht, kostet einmalig: 2,49 Euro).

Card auf sich registrieren, um ihrem Sprössling schon früher den Zugang zu WhatsApp zu ermöglichen. Juristisch wird alles im Namen der Eltern geschrieben.“ – Eltern hätten ein Recht, die Postings ihrer

„Ich mach‘ hier nicht mehr mit!“ – Doch was tun, wenn alle anderen dabei bleiben?

Sprösslinge zu kontrollieren, bekamen die Jugendlichen zu hören. Zum Lachen brachte Herr Buermann die Klasse, als er meinte, dass

Dieser Vortrag wurde von Brigitte Födinger mitgeschrieben und

Geheimnisse von Mund zu Ohr erzählt werden sollten: „Wenn Ihr

gibt die Meinung des Vortragenden wieder.

nicht mehr wisst, wie es geht, dann fragt Eure Oma.“


10 _ Medien

O

nline – an der Leine?

Die Technik hat nicht nur unser Verhalten geändert, sondern auch uns Text: Dana Filipic

Sandor u. Dana Filipic von Gernot Filipic

Tag und Nacht begleiten uns unsere modernen Kommunikationsgeräte. Wir

sen zu sein und… die eingeschränkte Wahlmöglichkeit beim

stehen mit dem Smartphone auf und gehen mit ihm ins Bett. Während einer

Musikhören (Radio).

Busfahrt sind wir nicht mehr auf die Umgebung konzentriert sondern nur auf

den Glasbildschirm, über den wir ständig wischen.

che durchzuhalten. Vor allem mein Smartphone fehlte mir.

Was heißt es für uns, wenn wir mit unserem Smartphone ins Bett gehen? Und

Es war ganz und gar nicht leicht für mich, die erste Wo-

In den Schulpausen saßen immer viele meiner Mitschüler

morgens durch das Smartphone aufwachen? Was passiert, wenn eine Whats-

mit ihren Handys auf der Couch und beschäftigten sich mit

App-Nachricht eine Umarmung ersetzt? Wie konnte es dazu kommen?

den neuersten Dingen im Internet. Jedoch wurde es mit der

Die Technik hat nicht nur unser Verhalten geändert, sondern auch uns. Zu

Zeit immer leichter. Ich lernte, mir die Langeweile mit ande-

jeder Zeit und überall wird gepostet und getextet. Während einer Schulstunde,

ren Dingen zu vertreiben. Ich habe sehr viel mehr gelesen,

beim Essen und bei Verabredungen. Es fühlt sich so an, als wäre man zusam-

mein Zimmer öfters aufgeräumt, und im Bus habe ich im-

men, ist es in Wirklichkeit aber nicht. Wer sein Smartphone für fast seine ge-

mer wieder Kontakt zu alten Kindergartenfreunden aufge-

samte Kommunikation benutzt, kann Probleme damit bekommen, eine echte

nommen, mit denen ich geschätzte zehn Jahre nichts mehr

Unterhaltung zu führen. Denn das Problem bei einer echten Unterhaltung ist,

zu tun - geschweige denn geredet – hatte.

dass sie in Echtzeit stattfindet und nicht alles kontrollierbar ist.

Wir gestalten heute unser Privatleben so effizient wie möglich: Alles, was wir

Die letzten Wochen waren für mich dann gar nicht mehr

schlimm, denn ich hatte mich daran gewöhnt, kein Smart-

virtuell tun, gibt uns die Möglichkeit, unser Selbstbild so zu präsentieren, wie

phone zu verwenden. Natürlich vermisste ich es immer

wir es möchten. Instagram-Fotos bzw. Videos, WhatsApp-Nachrichten und

noch, aber ich war nicht mehr nervös, ohne Smartphone aus

Postings in sozialen Netzwerken können wir gezielt auswählen, immer wieder

dem Haus zu gehen.

bearbeiten und löschen, wie es uns passt. Wir können uns so präsentieren, wie

wir gerne sein möchten und erbauen uns damit unser perfektes Ich.

ich mein Smartphone wiederbekam. Nachdem ich es ange-

Dann, endlich, nach 42 Tagen kam der Abend, an dem

Im Herbst 2015 habe ich im Zuge meiner Jahresarbeit (Abhängigkeit und

schaltet und mir ein paar Neuigkeiten von meinen Freunden

Schädigung durch Internettechnik) sechs Wochen lang auf jegliche Geräte mit

angesehen hatte, stellte ich fest, dass mein Smartphone ei-

Internetzugang verzichtet. Mein Smartphone, meinen Laptop und meinen Mu-

gentlich unnötig für mich geworden war.

sikplayer habe ich beiseite gelegt und

42 Tage lang nur in Telefonzellen und

Zeit später verbrachte ich schon wieder genau so viel Zeit

mit dem heimatlichen Festnetztelefon

mit meinem Smartphone wie vor meiner praktischen Erfah-

telefoniert.

rung. Ich dachte zwar immer wieder daran, das Smartphone

Ich bin von einem Extrem ins andere

einfach einmal wegzulegen, jedoch funktionierte dies meist

gegangen. Von immer verfügbar auf

nicht. Erst durch ein Schlüsselerlebnis, welches ich ein paar

gefühlt kaum zu erreichen.

Wochen vor meiner Jahresarbeitspräsentation hatte, än-

Mein Verhalten hat sich geändert und

derte sich mein Smartphone-Konsum wieder. Ich hatte das

das Verhalten meiner Mitmenschen

Gerät zuhause vergessen und war dadurch den ganzen Tag

Dieses Gefühl hielt allerdings nicht lange an, denn kurze

notgedrungen teilweise auch. Die größ- nervös. Das gab mir wieder zu denken, und nun benutze ich ten Veränderungen in diesen sechs Wochen waren für mich: unterwegs

es meistens nicht mehr als zwei Stunden pro Tag. Durch meine Beschäftigung mit diesem Thema bin ich

nicht erreichbar zu sein, von Neuigkei-

sicherlich sensibilisiert und werde es vermutlich auch mein

ten im Internet großteils ausgeschlos-

ganzes Leben bleiben.


Medien _ 11

D

igitale Welten in der Schule

Von „digital natives“ und „digital immigrants“

Text: Ulrike Wöhlert, Medienpädagogin, Lehrerin an der Waldorfschule Klagenfurt mit den Fächern Informatikdidaktik und Deutsch, Mutter von zwei Töchtern (15 und 18 Jahre alt)

Bei der Nutzung der digitalen Angebote um uns herum schwanken wir in unserer Bewertung zwischen „digitaler Demenz“ und

Ort oder zuhause und damit in der Nähe eines Telefons aufhielten, so sind wir heute ständig und überall ansprechbar.

„digitaler Bildungsrevolution“. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und hat vor allem viel mit digitaler Kompetenz zu tun. Unsere Schülerinnen und Schüler wachsen als digital natives

In welchen virtuellen Netzwerken sind unsere Schülerinnen und Schüler nun „online“? facebook – das noch vor wenigen Jahren stark von ihnen frequentiert wurde – ist inzwischen unattraktiv. Der

der 2. Generation auf. Für sie ist die Nutzung des Internet und des

Grund ist einfach: Auf facebook sind wir – die Eltern, die Lehrerin-

Smartphones eine Selbstverständlichkeit. Kommuniziert wird über

nen und Lehrer. Die Schülerinnen und Schüler hingegen finden wir

kleine digitale Geräte; das gesamte – vermeintliche – Wissen wird

aktuell auf Plattformen wie Instagram oder Snapchat, auf Youtube

auf virtuellen Plattformen wie Wikipedia in der Hosentasche her-

und in virtuellen Spielen, manchmal auch bei Twitter oder Skype.

umgetragen, und „Leo“ übersetzt in Lichtgeschwindigkeit Vokabel

Die Kommunikationsplattform der Wahl ist WhatsApp, und das so-

aus dem Französischen, Englischen oder Spanischen.

gar generationenübergreifend.

Die meisten von uns Lehrerinnen und Lehrern hingegen sind kei-

Wie sich die digitalen Welten weiterentwickeln, können wir kaum

ne digital natives. Manche der jüngeren unter uns zählen sich viel-

vorhersagen. Was wir aber wissen, ist, dass wir alle einen reflektier-

leicht dazu, aber in Wirklichkeit sind wir digital immigrants. Wir sind

ten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien brau-

mit Münztelefonen, Nachrichtenzetteln auf dem Küchentisch und

chen und wollen. Ideen, Konzepte und erste Umsetzungen dafür in

Briefen im Postkasten aufgewachsen. Genau deshalb fällt es uns oft

Waldorfschulen gibt es schon; sie brauchen aber noch Raum und

nicht so leicht, zu verstehen, wie unsere Schülerinnen und Schü-

Unterstützung.

ler oder unsere Kinder kommunizieren, worauf sie Wert legen, was

Was können wir konkret tun? Auf jeden Fall ist es wichtig, als

ihnen wichtig ist oder weshalb das Smartphone in der Hosentasche

Eltern und Lehrer Interesse zu zeigen an dem, was unsere Kinder,

die Lösung sein soll.

unsere Schülerinnen und Schüler in der digitalen Welt erleben. Über

Treffend zusammengefasst wurde dieses Dilemma bereits 1996

Gefahren und den Umgang mit unseren Daten ist es nötig aufzu-

von John Perry Barlow: „You are terrified of your children, since they

klären. Klare Regeln zur Nutzung des Smartphones und des Com-

are natives in a world where you will always be immigrants.”

puters geben Orientierung und helfen beiden Seiten. Pausen von

Unsere Kinder wachsen anders auf als wir es dereinst taten. Für

der digitalen Welt bedeuten oftmals Erholung und Krafttanken. Der

sie bedeutet, „online“ zu sein, Teil der sozialen Gruppe und auf dem

Zeitpunkt für den Wunsch nach einem eigenen Smartphone hängt

neuesten Stand zu sein. Besonders deutlich wird das in den als „So-

stark von der Gruppe ab, in der sich das einzelne Kind bewegt.

cial Media“ bezeichneten virtuellen Netzwerken sowie in vernetz-

Meist sind im Alter von etwa 12 Jahren das Interesse und der Druck

ten Online-Spielen. Was aber erhoffen sich Menschen von virtuellen

der Peergroup bereits ausreichend groß, dass die ersten begleite-

sozialen Netzwerken? Zunächst bedienen sie wohl das Bedürfnis,

ten Schritte auf WhatsApp oder Quizduell passieren. Der Zugang

„dabei“ zu sein; es können unterschiedliche Rollen ausprobiert wer-

zur Computernutzung kann in kleinen Dosen schon vorher erfolgen,

den. Auf verschiedenen Plattformen finden wir Ideen für interes-

vorausgesetzt, wir begleiten unsere Kinder dabei. Dafür gibt es eine

sante Lebensentwürfe oder können uns – in Ausschnitten – selbst

Vielzahl von Lernspielen oder kindersicheren Internetplattformen.

präsentieren… ganz so, wie wir möchten.

Was wir auf jeden Fall kritisch hinterfragen sollten, ist unse-

Die ständige Erreichbarkeit hat allerdings auch Nachteile. Oft-

re eigene Nutzung der digitalen Medien. Was nützt es schließ-

mals vergessen wir, dass wir Pausen brauchen. Wir haben nicht nur

lich, unsere Kinder „erziehen“ zu wollen, wenn sie uns doch alles

die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag online zu sein – wir nützen sie

nachmachen?

auch. Waren wir in unserer Jugend nur erreichbar, wenn wir uns vor


12 _ Medien

L

Tobias Richter und Leonhard Weiss sind Mitarbeiter am Zentrum

ehrer-Sein im Medienzeitalter oder: LehrerInnen – wer braucht sie noch?

für Kultur und Pädagogik in Wien und Dozenten des Masterstu-

Text: Tobias Richter & Leonhard Weiss

klingender „Stimme“ intonieren (sprechen kann er ja nicht): „Pro-

Moderne Medien prägen und verändern unser Leben. Das zeigt

bier‘ es nochmals! Denk‘ nochmals nach! Du schaffst das!“ – gedul-

sich gerade für PädagogInnen in besonderer und mehrfacher Weise.

dig ist er trotzdem nicht, denn er muss sich, anders als vielleicht eine

diums Waldorfpädagogik an der Donau-Universität Krems.

menschliche Lehrerin in der gleichen Situation, nicht darum bemüJede(r) Jugendliche kann heute mittels Internetzugangs auf eine

hen, nicht ungeduldig zu werden.

Menge an Informationen zugreifen, welche weit über das hinausgeht,

Wollen wir unseren Kindern nicht die Möglichkeit geben, echte

was die/der LehrerIn in der Oberstufe an Fachwissen anzubieten hat.

Geduld zu erleben und zu erlernen? Und sollen sie nicht die Chance

Wer als KlassenlehrerIn heute etwa SchülerInnen ein Bild davon ge-

haben, zu erfahren, wie wertvoll es sein kann, sich gemeinsam mit

ben möchte, was einen Löwen ausmacht, ist dank der Reaktionen der

einem Menschen, den man schätzt, mit einer Sache wirklich intensiv

Kinder nur allzu bald mit der Wirkung jener sensationellen und ein-

zu beschäftigen? Etwa über mehrere Tage zusammen an einem Haus

drucksstarken Bilder konfrontiert, welche TV-Naturdokus jederzeit in

zu bauen? Wollen wir nicht, dass Heranwachsende erleben, wie schön

brillanter Qualität ins Wohn- und Kinderzimmer liefern.

die Arbeit mit anderen Menschen sein kann, und wie wichtig es ist,

Sind wir also als LehrerInnen in Zukunft überhaupt noch vonnöten? Ist es nicht vielmehr so, wie der Literatur- und Kognitionswissen-

jemanden neben sich zu haben, der weiß, was zu tun ist und einem hilft, es auch zu lernen?

schafter Fritz Breithaupt vor einigen Monaten in einem Gastbeitrag

Wenn wir das wollen, dann brauchen wir menschliche LehrerInnen

in der „ZEIT“ erklärte, dass „selbst der beste Klassenlehrer“ nicht „so

– gerade in einer Zeit zunehmender Digitalisierung, Virtualisierung

individuell fördern“ kann wie ein Computer 1? Und wenn zukünftig, so

– und Miniaturisierung. LehrerInnen, die sich den Fragen und päda-

Breithaupts These, Computerprogramme ganz „individuell“ für jede

gogischen Aufgaben der Zeit stellen und ihren Unterricht entspre-

SchülerIn die „passenden“ Aufgaben zusammen- und den „Lerner-

chend gestalten, etwa indem sie wider die Tendenz einer schwinden-

folg“ feststellen – und natürlich erhöhen – können, wer braucht dann

den Materialität vor allem sinnliche und sinnhafte Primärerfahrun-

noch LehrerInnen?

gen ermöglichen und dadurch SchülerInnen zu einem Bewusstsein dazu verhelfen, was Technologie mit Menschen macht: Urteilsfähig

Waldorfschulen brauchen sie! Warum?

zu werden war immer schon ein Ziel der Waldorfpädagogik. Grundla-

Weil Waldorfpädagogik davon überzeugt ist, dass menschliche

gen für die Entwicklung der Urteilsfähigkeit sind z. B. in Epochen des

Lehrkräfte Fähigkeiten und Aufgaben haben, welche kein Compu-

3. Schuljahres wie „Vom Korn zum Brot“ oder „Hausbau“ zu suchen, in

terprogramm, keine „Lern-App“, kein Roboterlehrer jemals erfüllen

welchen haptische Erlebnisse sowohl die basalen Sinne als auch den

können. (Aus genau diesem Grund – so schreibt die New York Times

planenden Verstand anregen und herausfordern.

im Oktober 2011 2 – schicken die Top-Manager von Google, Apple, Yahoo und Hewlett-Packard in Silicon Valley ihre Kinder auf eine Waldorfschule…) Menschen können einander etwa Aufmerksamkeit,

Gerade die Entwicklung der modernen Medien zeigt, was nicht das Wesentliche einer menschlichen Pädagogik sein kann: Informations-

Geduld und Anerkennung schenken – Fähigkeiten, die keine Maschi-

weitergabe und Wissenserwerb um ihrer/seiner selbst willen. Für diesen

ne besitzt. Mag der Lerncomputer auch nach dem zwanzigsten Feh-

Zweck wäre die Maschine tatsächlich besser geeignet.

ler bei der Geometrieaufgabe noch immer mit (sogenannt) freundlich

Für die Waldorfpädagogik war schon mit ihrer Gründung klar, dass nicht Unterrichtsinhalte Ziel des pädagogischen Prozesses sind. Entscheidend ist vielmehr, was anhand dieser Inhalte gelernt wer-

1 Fritz Breithaupt: Ein Lehrer für mich allein [http://www.zeit.

den kann, welche Fähigkeiten in der Arbeit an und mit ihnen erwor-

de/2016/05/schule-computer-lernen-unterricht-digitalisierung/kom-

ben werden können. In diesem Prozess wollen WaldorflehrerInnen

plettansicht; 11.04.2016]

ihre SchülerInnen unterstützen. Indem sie sich selbst einen persön-

2 The New York Times: A Silicon Valley School That Doesn’t Compute.

lichen Zugang zu Themen und Fragen erarbeiten, ermöglichen sie

[http://www.nytimes.com/2011/10/23/technology/at-waldorf-school-

auch ihren SchülerInnen einen solchen. Übrigens, wie Rudolf Steiner

in-silicon-valley-technology-can-wait.html?_r=0; 11.04.2016]

ausdrücklich betonte, nicht dadurch, dass LehrerInnen ein „künstli-


Medien _ 13

D

igital reduzierte Realität

Wie Medienkonsum zur Suchtdynamik führen kann ches Interesse“ wecken, etwa indem sie

Text: Gottfried Bures; Schülerinnenvater 3. und 5. Klasse; dipl. Lebens- und Sozialberater

auf „Sensationen“ im Unterricht setzen, sondern dadurch, dass sie sich um „eine

Wir alle sind ständig von diversen Varianten der Informationstechnik umgeben: Es gibt

innere Verbindung zu den Kindern“ be-

Fernseher, Computer, Laptops, Tablets, Handys, Smartphones… in den verschiedensten Grö-

mühen und „selbst von den Dingen er-

ßen und Ausstattungen.

griffen“ sind 3. Waldorfunterricht möch-

Wir werden dazu animiert, diese Produkte zu kaufen und – selbstverständlich ausschließ-

te also nicht „sensationell“, sondern von

lich zu unserem Vorteil – zu nutzen. Diese Techniken verändern jedoch viele unserer Lebens-

echtem persönlichem Interesse getra-

bereiche wie Arbeit, Kommunikation, unsere Beziehungen und auch den Bildungsbereich.

gen sein. Ein Hinweis, der gerade ange-

Die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem verschwimmen zunehmend, und vieles wird

sichts „medialer Konkurrenz“ wichtig ist:

einfach schneller.

„Sensationen“ werden von Medien versprochen, nicht von LehrerInnen!

Wie passen diese Segnungen nun mit dem Begriff Sucht bzw. Abhängigkeit zusammen? Inwiefern können diese Geräte und Anwendungen ein mögliches Suchtverhalten fördern? Sind es die vielen bunten, schrillen Angebote in Form von „Apps“ für Smartphones wie

Damit verbunden ist zweifellos auch

WhatsApp, Facebook, Twitter usw., die uns mit teils emotionalen Versprechungen in die virtu-

die Anforderung, sich als LehrerIn nicht

elle Welt locken? Könnte es Neugier sein, gepaart mit einem Überraschungseffekt, dem unser

selbst in den Mittelpunkt zu stellen –

Gehirn anscheinend schutzlos ausgeliefert ist? Vielleicht ist es auch einfach nur spannend, in

und dies, obwohl oder gerade weil die

eine andere Identität zu schlüpfen und „nicht gelebtes Leben“ in einer Scheinwelt auszuleben.

Waldorfpädagogik stark auf die persönliche Wirkung der Lehrkraft setzt: Auch

Was bedeutet nun Suchtverhalten in Zusammenhang mit Informationstechnik? Beobachten wir unsere Kinder, so sehen wir sie Fußball spielen, sie treffen sich mit Freun-

sie sollte keine „Sensation“ sein son-

den, sprechen manchmal mit uns Eltern, sie basteln etwas, hören Musik, lesen ein Buch, sie

dern schlicht ein sich um Entwicklung

schreiben Tagebuch, fahren mit dem Rad und… sie spielen am Computer und am Smartpho-

bemühender Mensch. Bescheidenheit,

ne. Es gibt also eine große Bandbreite an Möglichkeiten, wie Kinder ihre Freizeit verbringen

Zurückhaltung und Selbstreflexivität

können. Stellen wir jedoch fest, dass sich die Beschäftigungsmöglichkeiten stetig reduzie-

sind daher entscheidende pädagogische

ren, bis zuletzt beispielsweise nur mehr der Computer als einziges Interesse bestehenbleibt,

Tugenden.

während rundherum alles andere an Bedeutungslosigkeit gewinnt, so spricht man von einer

WaldorfpädagogInnen bemühen sich also nicht um Wissensanhäufung und

Suchtdynamik bzw. Sucht. Aus dieser Position heraus betrachtet, stellen nicht die Medienangebote selbst das Problem

auch nicht um „sensationelle“ Erlebnis-

dar, sondern eher die Verhaltensweisen und Bewältigungsstrategien, die unsere Kinder entwi-

se, sondern um pädagogische Bezie-

ckeln, um sich den Aufgaben des Lebens zu stellen.

hungsräume, in denen sich Kinder und

Wir kennen die verschiedensten Ausprägungen von Süchten als Gesellschaft, leben damit

Jugendliche den eigenen Vorausset-

und haben Strategien entwickelt, wie wir damit umgehen und den Betroffenen und Ange-

zungen entsprechend entwickeln kön-

hörigen Hilfe anbieten. Manche Süchte spielen sich eher am Rande der Gesellschaft ab, wie

nen. Dies ist letztendlich eine Form von

z.B. die Drogenabhängigkeit. Andere Suchtformen hingegen können auch positive Wert-

echter individueller Pädagogik, wie sie

schätzung erfahren: Ein arbeitssüchtiger Mensch kann in seinem Umfeld durchaus viel An-

nur Menschen, aber keine technischen

erkennung für sein Engagement erfahren.

Medien ermöglichen.

Die „Neuen Medien“ sind ein relativ junges Produkt, und das mit ihnen in Zusammenhang stehende Suchtverhalten weist für uns noch ein fremdartiges Gesicht auf. Wir wissen schlichtweg noch nicht, wie Tablets & Co. uns als Personen sowie unser Miteinander langfristig verändern. Aktuell scheint es, als ob wir den Nutzen der Medientechnologien zwar

3 Vgl. Rudolf Steiner: Erziehungskunst.

schon erkannt haben, uns bezüglich deren Nebenwirkungen allerdings noch nicht ganz si-

Methodisch-Didaktisches, GA 294, S. 21.

cher sind.


14 _ Rezensionen

Buchempfehlungen von der Bücherstube der Goetheanistischen Studienstätte; Speisingerstrasse 258, 1230 Wien

Manfred Spitzer Cyberkrank!

Edwin Hübner Medien und Pädagogik

Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert. Die Digitalisierung unseres Alltags

Schule muss Kinder dabei unterstützen,

schreitet immer weiter voran - mit

die Fähigkeiten auszubilden, welche sie

fatalen Auswirkungen. Anhand neu-

benötigen, um die technisch-mediale

er wissenschaftlicher Studien zeigt

Welt des 21. Jahrhunderts aktiv mitge-

der renommierte Gehirnforscher

stalten zu können. Was kann die Wal-

Manfred Spitzer, in welchem Aus-

dorfpädagogik zu dieser wichtigen Auf-

maß diese Entwicklung unsere Ge-

gabe beitragen?

sundheit bedroht. Wir werden cyberkrank, wenn wir den di-

Grundlegend für die Waldorfpädagogik sind ihre Menschenkunde und die

gitalen Medien die Kontrolle aller Lebensbereiche überant-

Orientierung an der Entwicklung des Kindes. Das gilt auch für die Entwick-

worten, stundenlang Online-Games spielen und in virtuellen

lung der Medienkompetenz. Das Ziel dieses Buches ist daher die men-

sozialen Netzwerken unterwegs sind. Stress, Empathiever-

schenkundliche Begründung der Medienpädagogik. Ausgehend von einer

lust, Depressionen sowie Schlaf- und Aufmerksamkeitsstö-

Bestandsaufnahme der gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderun-

rungen sind die Folgen. Kinder werden in ihrer Motorik und

gen einer hochtechnisierten Kultur sowie einer Untersuchung des Ver-

Wahrnehmungsfähigkeit geschädigt. Computersucht, Inter-

hältnisses zwischen Mensch und Medien wird gezeigt, dass Waldorfpäda-

netkriminalität und Mobbing verbreiten sich immer mehr.

gogik sehr viele Elemente besitzt, die zu einer wahren Medienkompetenz

Manfred Spitzer informiert über alarmierende Krankheits-

führen. Es wird herausgearbeitet, wie diese Elemente vertieft und ausge-

muster, warnt vor den Gesundheitsgefahren der digitalen

baut werden müssen. Die konkrete Beschreibung eines Lehrplans für das

Technik und erklärt, wie wir uns schützen können.

Gestaltungsfeld Medien rundet die Darstellung ab.

432 Seiten, Droemer/Knaur 2015, Geb. 23,70 €

496 Seiten, edition waldorf 2015, 36,00 €

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Ankündigungen, Termine _ 15

Termine (Demnächst!)

Sa 25.06.2016 10 h

Schulfeier

13.30 h Orchesterkonzert „SchallMauer“ A. Dvořák: „Sinfonie aus der neuen Welt“ und andere Werke 14.30 h Sommerfest mit

Spiel, Sport und Spaß

Fr 01.07.2016 Letzter Schultag

(im Schuljahr 2016/17) Mo 05.09.2016 Erster Schultag

Sa 01. und So 02.10.2016

„Tag der offenen Tür“ am Burgtheater: Versteigerung des Büchernachlass von Gert Voss zugunsten unserer Schule

Mi 05.10.2016 8 – 12 h Tag der offenen Tür

(Tag der Wiener Schulen)

Sa 22.10. bis Di 01.11.2016 Herbstferien Sa 05.11.2016 Generalversammlung Waldorfbund

So 06.11.2016 11.30 h Blockflötenensemble-Matinee mit Schülern der Musikschule Jette (Brüssel) und der Freien Musikschule Wien

Fr 25.11.2016 17 h

Eröffnung Adventbasar

Sa 26.11.2016 10 – 18 h Adventbasar Die nächste Ausgabe von MoMent erscheint voraussichtlich zum Adventbasar. Redaktionsschluss: 04.11.2016 Ihre Ideen, Wünsche und vor allem Beiträge senden Sie bitte an die Redaktion: moment@waldorf-mauer.at


16 _ Rückblicke

Die Freundschaft im Wald Famoses Spiel für die Unterstufe – das russische Theater „TIK-NIK“ zu Gast in der Rudolf Steiner-Schule Text: Manfred Hofer

Im Wald lebt ein guter Geist in der Gestalt einer Fee. Sie schenkt

russische Theater, das bei uns in der Schule zu Besuch war, be-

dem Wolf Gelassenheit, Friede und das Vergnügen, knackige Karot-

klatschte. Den Kindern wurde das Märchen vorab von ihrer lieben

ten essen zu wollen.

Russischlehrerin, Frau Glazkova, erzählt. So gab es keine Probleme,

Gut für den Hasen, denn das kecke, schlaue Füchslein ist hinter

dem Handlungsstrang zu folgen und voll und ganz in die Geschichte

ihm her, genauso wie die Eule, aber der Wolf nimmt seinen Karot-

einzutauchen.

ten knabbernden Freund unter seine Fittiche. Trotzdem braucht es

Die Bühne war liebevoll aufgebaut, die Charaktere wunderbar ge-

noch den Hund, der in der Uniform eines Polizisten für Recht und

schminkt und kostümiert, sodass jedes Tier ganz und gar zu erken-

Ordnung sorgt, wenn es im Wald zwischen Bäumen und Blumen,

nen war. Einzig das stellenweise eingesetzte Playback der Stimmen

Gräsern und Sträuchern zu einem wilden Durcheinander kommt.

bei den Liedern sollte an Aufführungsort und Raumgröße ange-

Deswegen sorgen die Lieder, die von den einzelnen Tiercharakteren

passt werden. Es geht doch nichts über echte, klangvolle Stimmen.

gesungen werden, immer wieder für stimmungsvolle, schunkelnde

Aber das sollte der Begeisterung der Kinder nicht im Wege ste-

Momente, um zwischendrin Luft zu holen.

hen, die erstere durch eine Vielzahl an schön gemalten Bildern am

Dass all das in russischer Sprache passierte, tat dem Staunen kei-

nächsten Tag zum Ausdruck brachten.

nen Abbruch und konnte auch die vor Begeisterung offenstehen-

Insgesamt war es eine nette und gelungene Aufführung, die den

den Münder der Kinder in den vorderen Reihen nicht schließen. So

Russischunterricht zusätzlich belebte und die russische Kultur in ih-

gesehen in den Gesichtern der 1. Klasse, die mit großem Beifall das

rer Märchentradition zeigte.

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Rückblicke _ 17

Singend und tanzend in den Frühling Text: Bardia Monshi, SchülerInnenvater 3. Klasse Fotos: Lothar Trierenberg

Zur Eröffnung des diesjährigen Frühlingsfestes gab wieder der fröhliche SchülerInnenchor unter der Leitung der engagierten Elisabeth Sturm bekannte und auch seltene Frühlingslieder zum Besten. Weiter ging es mit erquicklichen Tänzen, die – von Sabine Trierenberg mit den Kindern einstudiert – von der dritten und vierten Klasse dargeboten wurden und zum Mitttanzen einluden, netterweise begleitet von Herrn Fürst auf dem Akkordeon. Ein Buffet, ein Flohmarkt, Bastelstationen, Kinderschminken und diverse Verkaufsstände umrahmten in bewährter Weise das Fest für Groß und Klein. Einen der Höhepunkte stellte auch in diesem Jahr das Würstelgrillen am offenen Feuer dar; es sättigte die von Spiel und Spaß bereits hungrigen Gäste. Als weiterer Höhepunkt konnte das von Stefan Libardi überaus professionell inszenierte und ebenso gespielte Theaterstück begeistern. Zu guter Letzt wurde das wunderbare Zusammenspiel der Schulgemeinschaft mit viel Sonnenschein beschenkt.

Hinter diesem so engagierten Frühlingsfestkreis, bestehend aus Michaela Eberharter, Susanne Genswein, Marianne Miklau, Hetty Grünberger oder Banza Tombe stehen auch wichtige Helferinnen wie Monika Böhm, Irene Mayer, Hanni Kovacs, Anita Küng und Susanne Chiu (die jedes Jahr ein Puppenspiel für die Jüngsten anbietet) sowie Reinhard Amann und Peter Eberharter. Erwähnen wollen wir zudem noch die große Unterstützung durch Matthias Berke und den wie immer großen Einsatz von Karl Hruza. Bedanken möchten wir uns hiermit ganz herzlich bei allen Beteiligten! Die Einnahmen des diesjährigen Frühlingsfestes werden dem Förderkreis zur Verfügung gestellt. (red)


18 _ Rückblicke

„Was die schon alles können...“ Die Schulfeier vom 5. März 2015 Fotos: Nadja Berke

Frau Bolleter erinnerte uns in ihrer Ansprache an die Fastenzeit, an das viele Gute, in welches eingebettet wir leben dürfen und vielleicht auch einmal auf das eine oder andere verzichten könnten. Sie gab uns das Bild der einzelnen Schubladen, in die wir während der Schulfeier blicken dürfen. Jede Klasse zeigte und gab Einblick in ihr momentanes Tun. So war die erste Schublade gefüllt mit feinster Leiermusik und einem Feuerwerk an Rechensprüngen. Das Staunen in der Mittelstufe war groß: „Was die schon alles können...“ Die 6. Klasse zeigte fröhliche Volkstänze aus ihrem Geografieunterricht, begleitet an der Fidel von Stefan Albrecht. Bewegt ging es weiter mit der 4. Klasse, die den Bühnenboden in ein Trommelfell verwandelte und diesen mit bunten Bällen und verschiedensten Rhythmen zum Klingen brachte. Dass auch Purzelbäume, Flugrollen, Doppelrollen, Handstände und Räder klingen können, hörten und sahen wir im Anschluss; eine mutige Klasse, die sich da mit ihrem Können zeigte.

Die 3. Klasse nahm uns mit auf die Reise der dampfenden Lokomoti-

ve; kraftvoll und fröhlich bewegte sich die Klasse mit diesem besonderen Sprachrhythmus über die Bühne: „So ist es, so ist es!“

Mit einer gelungenen Humoreske gaben zwei Zwölftklässlerinnen Ein-

blick in den Eurythmieunterricht. Noch humorvoller ging es dann mit einem Gedicht weiter, das die 12. Klasse zu ihrer letzten Schulfeier erdacht hatte. Viel zu lachen gab es da, als die einzelnen LehrerInnen sich auf der Bühne in den verkleideten SchülerInnen wieder fanden.

Eine große Überraschungslade wurde von der 8. Klasse geöffnet. Wer

wusste schon, wie schön Herr Vallen, der neue Russischlehrer an unserer Schule, mit seinen SchülerInnen singen kann?... und russische Lieder gehen schnell einmal ins Herz.

Den fulminanten Abschluss dieser schönen Schulfeier bot die 5. Klas-

se mit einem sehr anspruchsvollen Klatschrhythmus auf ihren Tischen. Zu zweit, im Kanon, mit der ganzen Klasse, fehlerlos, in rasendem Tempo. Wirklich beeindruckend, toll! (red)


Rückblicke _ 19

Ein Abschiedsgruß der 12. Klasse Die Klasse schickt Frau Jordis aus, soll Tests zur Schule bringen.

Die vorletzte Schulfeier dieses Schuljahres war bereits die letzte, an der die

Die gute Frau macht sich nichts draus

diesjährige 12. Klasse auftrat – denn

und verliert sie alle z’haus.

bei der nächsten sind sie bereits auf Klassenreise. Also nahmen sie auf ihre

Da schickt die Klass’ Frau Bühler aus, soll Jordis kontrollieren.

Weise Abschied und präsentierten über unser Schulleben. (red)

Frau Bühler klopft an Jordis’ Haus, nun gehen sie zusammen aus, und Jordis verliert die Tests zuhaus’. Da schickt die Klass’ den Sunny aus,

Da schickt die Klass’ Frau Kaufmann aus,

soll Bühlers Ohren langziehen.

soll Sperli zieh’n aus seinem Haus.

Doch Sunny macht ’nen Staffellauf,

Doch Kaufmann sich ’nen Haxen bricht

Jordis, Bühler gehen aus,

und darauf sagt: „Das mach’ ich nicht“.

und Jordis verliert die Tests zuhaus’.

Der Sperl sich im Büro verkriecht,

Da schickt die Klass’ Herrn Dick hinaus,

der Dick findet kein Ende nicht,

der Wolfgang eine Fuge dicht’, soll stoppen Sunnys Staffellauf.

der Sunny macht ’ne Staffelpflicht,

Doch Dick erzählt ’ne unendlich G’schicht’

Jordis, Bühler gehen aus,

und find’t dabei kein Ende nicht.

und Jordis verliert die Tests zuhaus’.

Sunny macht ’nen Staffellauf, Jordis, Bühler gehen aus,

Da setzt die Klass’ Herrn Hruza an,

und Jordis verliert die Tests zuhaus’.

soll Uschi holen aus ihrem Wahn.

Da schickt die Klass’ Herrn Nierensee,

und ruhig zwei Meter Holz vermisst.

soll Dick erinnern an die Grundidee.

Die Kaufmann sagt: „Das mach’ ich nicht“,

Doch Wolfgang eine Stelle find’t,

der Sperl sich im Büro verkriecht,

Doch er der Klasse Wunsch vergisst

wo Wasser aus der Fuge rinnt,

der Wolfgang eine Fuge dicht’,

er dieses Leiden unterbind’t,

der Sunny macht ’ne Staffelpflicht,

darauf die ganze Schule schwimmt.

Jordis, Bühler gehen aus,

Der Dick findet kein Ende nicht,

und Jordis verliert die Tests zuhaus’.

der Sunny macht ’ne Staffelpflicht, Jordis, Bühler gehen aus, und Jordis verliert die Tests zuhaus’.

Da geht die Klass’ nun selbst hinaus, baut aus Hruzas Holz ein Haus, heilt Uschis Bruch im Schnelldurchlauf,

Da schickt die Klass’ Herrn Sperl hinaus,

dem Sperli einen Schwimmreif kauft,

soll Rettungsschwimmer spielen.

lässt Wolfgangs kleines Schwimmbad aus,

Doch Sperl kann leider schwimmen nicht,

löst Elmar Dicks Geschichte auf,

drum er sich im Büro verkriecht.

bremst Sunnys doofen Staffellauf,

Wolfgang eine Fuge dicht’,

hält Jordis, Bühler beim Tanzen auf,

der Dick findet kein Ende nicht,

bricht in Frau Jordis Wohnung ein,

Sunny macht ’nen Staffellauf,

und jeder nimmt den Test dann heim.

Jordis, Bühler gehen aus,

Die Moral aus der Geschicht’?

und Jordis verliert die Tests zuhaus’.

Alles kann ein Lehrer nicht!


20 _ Rückblicke

Jahresrückblick und Ausblick aus dem Hort Fotos: Uschi Iragori

Ein wunderbares und ereignisreiches Hortjahr geht zu Ende. Jetzt ist es an der Zeit, Rückschau zu halten auf das, was war, was uns bewegt hat und die vielen aufregenden Stunden, die wir erleben durften. Auch einen kurzen Blick nach vorne wollen wir werfen. Was erwartet uns im neuen Schuljahr, und welche Änderungen wird es geben?

Neu war in diesem Jahr ein Kunstkurs, zusätzlich angeboten zum

Kunsthaus am Nachmittag, in dem die Kinder werken und schaffen konnten und die Kreativität keine Grenzen kannte. Das, was im Innersten verborgen war, konnte sich dort nach außen kehren. Zu Beginn war die Gruppe klein. Im Laufe des Jahres wuchs sie jedoch an, weshalb Betsabeh ab kommenden Herbst zwei Gruppen für den Kunstkurs plant, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Bei den monatlichen Projekttagen wurde mit der Waldpädagogin

Veronika Kittel der Breitenfurter Wald erforscht. Wir bauten Kugelbahnen, begaben uns auf Spurensuche und machten Feuer. Die Herbst- und Wintertage verbrachten wir im Technischen und Naturhistorischen Museum und erlebten die Kaiserfamilie in Schönbrunn. Die Projekte werden im nächsten Jahr sicher fortgesetzt.

Der Hortalltag war geprägt vom gemeinsamen Schaffen und

Sein in den Gruppenräumen und – dank des milden Herbstes und Winters – vor allem im Freien. Die Kinder verbrachten wirklich jede Minute beim Häuserbauen, Sandspielen und Rutschen im Garten. Mit Frühlingsbeginn wurden Ballspiele am Sportplatz besonders beliebt, was alle Klassen verband.

In welcher Form, Intensität und an welchen Tagen die einzel-

nen Zusatzangebote stattfinden werden, können wir erst im Herbst festlegen, wenn der Stundenplan fixiert ist und wir einen ungefähren Überblick darüber haben, wann wie viele Kinder anwesend sein werden. Wir bitten um Verständnis!

Das neue Jahr bringt auch einige Neuerungen mit sich. Renate

Hruza wird mit Ende des Schuljahres 2015/16 in den verdienten Ruhestand gehen. Vielen Dank an dieser Stelle für die vielen Jahre unermüdlichen Schaffens im Hort und in vielen anderen Bereichen der Schule!

cken und die Kinder während der Lernzeit betreuen.

Wir blicken dankbar auf ein tolles Jahr zurück und freuen uns auf

Im neuen/alten Team freuen sich ab September Betsabeh Agha-

miri, Sissy Dragschitz und Uschi Iragorri auf Ihre Kinder! Weiters

einen guten Start im Herbst!

dürfen wir Manfred Hofer (Klassenlehrer der 2. Klasse) und Jörg

Alles Liebe

Wohlmacher (Klassenlehrer der 1. Klasse) in unserem Team begrü-

Betsabeh Aghamiri, Sissy Dragschitz, Renate Hruza

ßen! Sie werden die Ausbildungszeiten von Uschi Iragorri überbrü-

und Uschi Iragorri


Rückblicke _ 21

Die erste große Reise Ausflug der 2. Klasse nach Pötzleinsdorf Text und Fotos: Ursula Khol-Haidenthaler, Schülerinnenmutter 2. und 3. Klasse

Die Aufregung ist groß: Die zweite Klasse geht auf ihre erste große Reise. Sie nimmt die Einladung der zweiten Klasse der Waldorfschule Pötzleinsdorf an, gemeinsam das Stück „Der Farbenfänger“ zu erleben. Zunächst geht es mit der Straßenbahnlinie 60 nach Hietzing, dann weiter mit U4 und U6 und zuletzt mit dem 41er – noch eine Straßenbahn – bis zur Endstation. Die Zweierreihe in jeder Hinsicht verinnerlicht habend, marschiert die plappernde Truppe los und genießt gemeinsam die große Welt. Unbeeindruckt von der Wegstrecke, baulichen Hindernissen und gesperrten Stationen folgen sie Frau Bolleter ans Ziel. Gemeinsam wird dort gejausnet, gesungen und im Garten gespielt. Nach dem beeindruckenden interaktiven Theaterstück geht’s wieder nach Mauer. Der Rückweg scheint wesentlich länger zu sein, und die Klasse kehrt vollzählig, sehr stolz und müde zurück.

„Ein ziemlich cooles Detail im schönen Schulhaus“ Der Wiener Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky und die Longboard-Garage Die von Andy Warhol versprochenen fünfzehn Minuten Ruhm für jeden Menschen wurden kürzlich unserem Schulwart Wolfgang Seyringer zuteil. Und das vollkommen zu Recht!

Der Wiener Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky hat-

te am 8. Juni unsere Schule besucht – und gleich danach postete er auf facebook, was ihm dabei am besten gefallen hatte: „Gerade in der Rudolf Steiner-Schule in Liesing gesehen: ein ziemlich coo-

sen“ – „Ein mitdenkender, kreativer Schulwart! Toll!“ – „Eine hüb-

les Detail im schönen Schulhaus, vom Schulwart selbst gebaut. Das

sche Facette, die tatsächlich bildhaft darstellt, dass ein guter Schul-

bräuchten wir auch zuhause.“

wart für ein angenehmes Zusammenleben in der Schulumgebung

notwendig ist! Danke für die Initiative! Weiter so!“

Der Beitrag hatte bereits am nächsten Tag mehr als 280 Likes,

und vor allem fand sich darunter eine ganze Reihe begeisterter

Kommentare der facebook-Freunde von Jürgen Czernohorszky.

an unserem Schulwart haben! Daher an dieser Stelle auch einmal

Wie zum Beispiel: „Super Teil und super Schulwart! Auch bei uns

von uns ein riesengroßes Dankeschön an Wolfgang Seyringer – und

wäre so ein Teil angebracht“ – „coole Idee“ – „Einführen … als fixer

zwar längst nicht nur für seine geniale Longboard-Garage!

Bestandteil von Schulgebäuden … zugleich mit longboarding-Kur-

Roman David-Freihsl

Also besser hätten wir selbst nicht beschreiben können, was wir


22 _ Rückblicke

Von Ackerbau und alter Handwerkskunst – und einer unermüdlichen 3. Klasse Text: Brigitte Födinger, Schülerinnenmutter 3. u. 6. Klasse Fotos: Brigitte Födinger, Marie Lesigang In diesem Schuljahr unternahm die dritte Klasse mit ihrem Klassen-

ist) durften die Kinder selbst Kohlen schaufeln und auch jeweils

lehrer zahlreiche Ausflüge, bei denen sie vieles lernten und sahen,

ein Säckchen Kohle mitnehmen. Bei der anschließenden Grillerei

was es in ihrem Schulalltag normalerweise nicht zu sehen gibt. Die

konnten wir uns davon überzeugen, dass es mit handgemachter

Begeisterung und Neugierde waren daher groß. Das Besondere

Holzkohle, die hier nach altem Köhlereiwissen erzeugt wird, unver-

daran: Es gab immer was zum Ausprobieren, Mithelfen, Verkos-

gleichlich besser schmeckt als mit „Grillkohle“ aus dem Bau- oder

ten, Mit-nach-Hause-nehmen und Herzeigen. Die Ausflüge wurden

Supermarkt.

vom Klassenlehrer Heinz Genswein minutiös vorbereitet und von

engagierten Eltern unterstützt.

Hause stolz ein selbst gehämmerter Nagel hergezeigt. Ein selbst

gehobeltes Stück Holz wurde vom Tischlerbesuch mitgebracht.

Alles begann im Rahmen der Landbauepoche mit dem „Apfel-

Im Frühling ging es schließlich zum Schmied. Danach wurde zu

saftausflug“. In Laab im Walde wurden Äpfel geklaubt und dar-

In Atzgersdorf wurde die Buchbinderwerkstatt von Ira Laber, einer

aus Apfelsaft gepresst. Jedes Kind durfte schließlich eine Flasche

Kindergartenpädagogin, Buchbindermeisterin und Mutter von drei

Apfelsaft abfüllen und mit nach Hause nehmen. Herrlich! Beim

Töchtern, besucht. Ihren Beruf hätte sie aus dem Bestreben he-

„Ackerbauausflug“ bearbeiteten die Kinder mit einer richtigen Egge

raus gefunden, „etwas mit den eigenen Händen zu produzieren“.

und Pflug einen Acker und säten dann aus ihren Schürzen das Korn

Wir ließen uns durch die kleine Werkstatt führen, die „alte Hand-

(welches im kommenden August gedroschen werden soll). „In der

werkskunst ausstrahlt“ („Die Presse“, 29.11.2015). Spezielle Scheren,

Schürze, die die Kinder mit der linken Hand nach oben halten, wird

Buchbindegeräte, Prägemaschinen, Pressen und viel Papier überall.

das Korn gehalten, das die Kinder mit der rechten Hand säen, wenn

Beeindruckt bewunderten wir eine 300 Jahre alte, riesige Deckel-

wir über das Feld gehen“, hieß es in der Ankündigung von Herrn

schere aus Gusseisen, welche das Herzstück der Werkstatt darstellt.

Genswein.

Nach dieser eindrucksvollen Besichtigung teilten wir uns in zwei

Gruppen auf. Während die eine Gruppe im Kunstgarten mit größter

Unmittelbar vor den Herbstferien ging es im Konvoi zur Köhle-

rei Hochecker in Michelbach (Kleindurlas). Hier trafen wir auf Resi

Vorsicht Fußball spielte bzw. Jause hielt, durfte die andere eigene

Hochecker, welche uns die einzelnen Schritte zur Herstellung der

Bücher binden, für welche zuvor individuelle Einbände ausgesucht

Holzkohle aus dem Rohstoff Holz genau erklärte. Bei einem „akti-

worden waren. Dann wurde gewechselt. Zum Abschluß durfte jedes

ven“ Meiler (in Kürze: In mehreren Etagen wird Holz aufgeschichtet,

Kind sein selbstgebundenes Buch mit vielen leeren Seiten, die nun

Glut in ein Rohr hineingeworfen und immer wieder nachgeheizt, bis

darauf warten, beschrieben zu werden, mit nach Hause nehmen.

es unter Luftabschluss innerhalb von ca. 3 Wochen „durchgekohlt“


Rückblicke _ 23

„Das alte Schloss“ – im Maurer Schlössel Eine wunderbare Erfahrung mit meinen Musiker-Kollegen aus der 4. Klasse Text: Stefan Haimel, Schülervater 4. Klasse

Die 4. Klasse hatte im vorigen Schuljahr als eine ihrer Epochen das

Gedächtnisausstellung gesehen hatte. Das Werk entstand auf An-

Thema „Berufe“, und ich hatte die schöne Aufgabe, den Schülern

regung eines gemeinsamen Freundes, des Kunstkritikers Wladimir

den Beruf „Orchester-Musiker“ nahe zu bringen.

Stassow. Er war auch an der Namensgebung der Stücke beteiligt,

und ihm wurde der Zyklus gewidmet. Der Reichtum der Klangfar-

An einem Tag stellte ich mein Instrument – die Trompete – vor...

was allerdings, wie ich mit großer Freude vernahm, in dieser Klas-

ben regte schon früh andere Komponisten an, das Werk auch für

se nun wirklich kein „exotisches“ Instrument war, denn einige der

Orchester und andere Instrumentalbesetzungen zu bearbeiten. Die

Schüler sind bereits begnadete Trompeter!!! Dann wollte ich we-

bekannteste Bearbeitung ist die von Maurice Ravel.

nigstens mit einem der bekanntesten Trompetenkonzerte auf-

trumpfen, aber auch darüber wussten sie alle Bescheid. Grandios!

men, suchten wir die 4. Klasse zunächst in ihrem Klassenzimmer...

Bevor ich die Klasse ein zweites Mal besuchte (diesmal gemeinsam

doch die Schüler erwarteten uns im Musikraum, und zwar in Or-

mit Frau Hanne Muthspiel, die in vielen Schulen Wiens den Schü-

chester-Aufstellung samt Instrumenten und Notenpulten, perfekt

lern „klassische“ Musik auf spannende und praxisorientierte Weise

vorbereitet und top motiviert, mit uns gemeinsam sämtliche „Bil-

näher bringt) hatte die 4. Klasse die Aufgabe, sich mit dem Werk

der“ musikalisch durchzuarbeiten und auch zu spielen!

„Bilder einer Ausstellung“ vertraut zu machen.

ihrer Karriere noch nie eine so eifrige (Volks-)Schulklasse erlebt, in

Der Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung - Erinnerun-

Als Frau Muthspiel und ich also an jenem Tag in die Schule ka-

Wie mir Frau Muthspiel im Nachhinein verriet, hatte sie im Laufe

gen an Viktor Hartmann“ (russisch „Картинки с выставки“ –

der noch dazu JEDES Kind ein Instrument beherrscht!!!

Воспоминание о Викторе Гартмане, transkribiert Kartinkis wys-

Als mir zum Schluss die Ehre zuteil wurde, mit allen gemeinsam

tawki – wospominanije o Wiktore Gartmane) ist eine Komposition

„Das alte Schloss“ zu spielen, konnte ich richtig merken, wie alle

von Modest Mussorgskij aus dem Jahr 1874, die allgemein als ein

Kinder über sich hinaus wuchsen – ganz besonders meine jungen

Musterbeispiel für Programmmusik gesehen wird. Die einzelnen

Trompeter-Kollegen!

Sätze beschreiben Gemälde und Zeichnungen seines im Jahr zuvor

gestorbenen Freundes Viktor Hartmann, die Mussorgskij auf einer

Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, wo die Kinder einer Pro-

Krönender Abschluss dieses Projektes war dann der Besuch im be der Wiener Philharmoniker lauschen durften! Ich muss gestehen... ich war sehr aufgeregt!!! Saßen doch 30 junge Kritiker und Kritikerinnen im Zuhörerraum, die peinlichst genau Bescheid wussten über die Töne, die ich da oben auf der Bühne spielte ;-) Ich danke der 4. Klasse, Frau Dostal und Frau Schindler für diese wunderbare Erfahrung mit den SchülerInnen und freue mich schon jetzt, wenn vielleicht die eine oder der andere bald wieder einmal mit mir gemeinsam musiziert. PS: Als Klassenlehrerin möchte ich diesen Dank gerne zurückgeben: Es war ein ganz besonderer Tag im Schulleben der vierten Klasse, mit einem „echten“ Philharmoniker gemeinsam zu musizieren! Danke, lieber Herr Haimel, dass Sie sich die Zeit für dieses Projekt genommen haben; und vielen Dank auch an unsere Musiklehrerin Frau Schindler, die schon einige Wochen vor diesem Tag intensiv mit der Klasse gearbeitet bzw. geprobt hat! Christiane Dostal


24 _ Kindergarten

„Dabei sein ist alles“ Unsere 5. Klasse war bei den Olympischen Spielen in Schönau Text, Fotos: Nadja Berke

Müde sind sie jetzt, unsere Olympioniken. Durchgehalten haben sie bis zum Schluss, voll Freude und auch Ehrgeiz. Am Donnerstag ging es um 8:00 Uhr von der Schule auf den Rädern los. 6 Erwachsene, 30 Kinder. Bis Vösendorf brauchten sie 3 Stunden. Viele Räder waren nicht wirklich zu 100% fahrtauglich. Dank des professionellen „Elternpersonals“ wurden alle Probleme beseitigt, und um 15:00 Uhr kamen alle heil in Schönau an. Die Zeltstadt wurde errichtet, und die Vorbereitungen vor Ort liefen an.

Nach erfolgreichem Trainingstag am Freitag waren heute

alle nach dem Grundsatz „Dabei sein ist alles“ voll bei der Sache. Trotzdem muss erwähnt werden: Den Marathon der Mädchen gewann eine von uns! Bravo, Marie Elisabeth!

Danke, schönes Wetter! Danke, Ihr tollen Organisatoren

und Betreuer! Danke, Ihr lieben Begleiter unserer Klasse! Danke, Frau Pazmandy, Frau Rolfsmeier und Frau Reichtomann! Danke, Ihr Olympioniken!

Schlafen werden wir alle gut!


Kindergarten _ 25

Der Sängerkrieg der Heidehasen – Singspiel der 6. Klasse Text: Angela Schindler, Veronika Skerjanz, Schülermutter 6. Klasse Fotos: Nadja Berke, Seweryn Habdank-Wojewódzki

Wie es dazu kam:

In meiner Kindheit gab es zu Hause eine Schallplatte, die ich mit

Hingabe und Spaß immer wieder hörte. Das auf dieser Schallplatte befindliche Hörspiel (Text: James Krüss) mit der eingängigen Musik und den witzigen Liedern von Rolf Wilhelm begeisterte mich so, dass ich den Wunsch hatte, es als Theaterstück nachzuspielen. Als ich später ins Gymnasium kam, nahm eine Lehrerin den Vorschlag an. Allerdings wurde nicht „live“ gesungen und gesprochen, sondern die Schallplatte lieferte den Ton. Als es schließlich zur Aufführung kam, meldete sich mein Blinddarm, und ich lag unendlich traurig im Spital.

Seit dieser Zeit wollte ich dieses Stück noch einmal auf die Büh-

ne bringen, natürlich ohne das Hilfsmittel Schallplatte… und ich habe genau auf diese 6. Klasse gewartet, die die besten, lustigsten, sangesfreudigsten Heidehasen waren! Vielen Dank an Euch.

Ein wirklich fantastisches, gelungenes, lustiges, von den Kindern mit Begeisterung aufgeführtes, Singspiel. Es wirkte alles so leicht und selbstverständlich; ich konnte keine große Nervosität ausmachen. Ich war sehr angetan von den schauspielerischen Fähigkeiten einzelner Kinder. Man konnte den guten Zusammenhalt der Klasse spüren, gab es doch manchmal Situationen, wo man auf die Hilfe seiner KlassenkameradInnen angewiesen war. Ein großes Lob an die sechste Klasse und an alle, die daran beteiligt waren. Es war sehr amüsant!


26 _ Rückblicke

Eine Klasse auf Schikurs ... eine durch und durch bewegte Zeit! Text: Elisabeth Platzer

Eine Woche lang ein laufendes Auseinander- und Wiederzusammenwogen…

In den Zimmern, den Skigruppen, bei den täglichen „Diensten“,

am Lift, beim Essen, vor den Duschen:

Bewegung, wohin man schaut – bergauf, bergab, treppauf,

treppab, heraus aus den Zimmern, hinein in die Zimmer...

Grüppchen und Gruppen hier und dort, selten Vereinzelung…

Ein ständiges Zueinanderhin und Voneinanderweg, manchmal reibungslos, manchmal doch mit Reibung…

Ein stetes Kumulieren der vielfältigsten Eindrücke.

Eine Klasse auf Skikurs ist ein beinahe eigenständiger Organismus, der zwar bestimmte Rahmenbedingungen braucht – keine Frage! – für deren Einhaltung er sich allerdings nicht zuständig erachtet, aber innerhalb derer, wenn sie denn liebevoll und verständnisvoll ein wenig aus der Ferne im Auge behalten und eingefordert werden, er sich in wunderbarer Weise darstellt, entfaltet und entwickelt.

Eine Klasse auf Skikurs kommt anders zurück, als sie auszog, um

sich und das Leben kennenzulernen: gesättigt von Erfahrungen mit Freundschaft und Auseinandersetzung, Heimweh, Küchendienst, Sehnen und Erfüllung, Erschöpfung und Überwachsein, nächtlichen Gesprächen, Trost, Frust und Erfolg, gesund, gestärkt und mit neuen Fähigkeiten ausgestattet.


Rückblicke _ 27

Erste Tanzschritte beim Après Ski Schikurs der 7. Klasse im Salzburgerland Text von Alina Giannelos und Alma Schadl aus der 7. Klasse

Dieses Jahr sind wir, die 7. Klasse, wie jede 7. Klasse, nach Salzburg zum Schikurs gefahren. In der Früh haben wir uns am Maurer Friedhof getroffen, um mit dem Bus wegzufahren. Wir haben unser Gepäck eingeladen, und dann ging‘s auch schon los. Die Fahrt war ziemlich anstrengend, weil sie 5 Stunden dauerte. Es war aber trotzdem lustig. Wir durften Radio hören, und alle haben gegessen. Als wir ankamen, waren wir ein wenig über die Größe der Zimmer erschrocken. Als wir alles ausgepackt und die Betten überzogen hatten, war es dann aber gemütlich.

Am ersten Abend haben wir eine kleine Wanderung in der Ge-

gend gemacht, um den Ort zu erkunden. Am nächsten Morgen ging‘s mit dem Schifahren los! Am Anfang wurden wir in drei Schigruppen und eine Snowboardgruppe aufgeteilt. Im ganzen Schigebiet gab es nur Schlepplifte. Wir hatten beim Schifahren insgesamt sehr viel Spaß. Am 4. Tag waren wir im Bergbauernmuseum im Dorf. Danach sind wir noch 2 Tage Schi gefahren. Am letzten Abend war der Tanzabend. Wir gingen alle gemeinsam in ein anderes Haus und haben von Herrn Bointner erste Tanzschritte gelernt. Nach einer Weile Üben hatte es jeder verstanden, und es machte wirklich Spaß. In der Tanzpause bekamen wir alle ein langersehntes, zuckerhaltiges Getränk, und nachdem wir noch ein wenig getanzt haben, gingen wir zurück nach Hause und legten uns schlafen.

Am nächsten Tag erwartete uns die 5-stündige Heimfahrt, die

wieder sehr lustig war. Wir freuten uns natürlich alle schon auf zu Hause. Als wir in Wien ankamen, erwarteten uns schon unsere Familien. Insgesamt war der Schikurs wirklich cool und eine tolle Erfahrung, die uns als Klasse auch sehr zusammengeschweißt hat. Checkliste für die nächste 7. Klasse: 1) Essen - viiiel Essen mitnehmen! 2) Werwolf (das Spiel)! 3) ganz viel Spaß!


28 _ Rückblicke

Ein Sommernachtstraum Eine zauberhafte Aufführung der 8. Klasse Text: Andreas Amann, Schülerinnenvater der 8. Klasse Fotos: Karl Hruza weitere Fotos http://www.waldorf-mauer.at/eindruecke Gibt es ein besseres Stück für die 8. Klasse als Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“? Welcher Lebendige, Sinnbegabte erinnert sich nicht mehr an diese Zeit, in der es scheint, als wisse jeder, wem sein Herz gehört und man sich doch so unversehens in Aufregungen wie­derfindet, die man bald nicht mehr verstehen mag, geschweige denn, darauf angesprochen zu werden. Wo irgendein hinterlistiger Troll im Auftrag seines noch verschlageneren Herrn einem die Augen beträufelt, sodass man aus einem Esel einen Brad Pitt macht mit schönem Ohrenpaar oder – noch schlimmer – die Verliebtheit einem plötzlich wie ein Regenschirm abhanden kommt.

Es war einfach zauberhaft, wie die 8. Klasse zusammen mit Clau-

dia Dragschitz, Marion Giannelos und vielen anderen Mithelfenden diesem Stück Leben eingehaucht hat. Man ahnte, welchen Weg diese Klasse schon miteinander gegangen ist. Die Freude, Lebendigkeit und sprachliche Präzision, mit der sie alle zusammen ihren wilden Traum einer Nacht geträumt haben, die Spiellust, mit der sie zwischendurch, fast nebenbei, noch Musik machten und sangen, war umwerfend. Ich wette, genau so hatte es sich der alte Zettel-Oberon Shakespeare gedacht.

Ein Traum auf der Grenze zwischen leichtem Schwips und wilder Ent-

schlossenheit, den die Hermias und Lysanders, die Helenas, Demetrii, die Titanias und Oberons und wie sie alle heißen unter Pucks Führung zwischen Lachen und Schmerz, zwischen Staunen und Frechheit so leicht gestalteten. Waren das noch Kinder oder schon jungen Frauen und Männer, die da auf der Bühne standen?

Und wen würde es nicht ganz eigentümlich, fast wehmütig anwehen,

wenn man seine kleine Tochter plötzlich, erwartbar und doch so unerwartet, als prächtige Königin der Elfen auf der Bühne mit klarer Stimme wiederfindet? Ich war platt, und um es etwas frei mit dem Augsburger Shakespeare zu sagen: „Da saß ich nun besoffen: der Vorhang zu und alle Fragen offen“.


Rückblicke _ 29


30 _ Rückblicke

Die Rückkehr in den Keller Eindrücke vom Kellertheater der 10. Klasse Fotos: Karl Hruza, weitere Fotos http://www.waldorf-mauer.at/eindruecke

Im Februar fand traditionell das „Kellertheater“ der 10. Klasse statt. Heuer wie-

der – auf vielfachen und sehr vehementen Wunsch der Kinder – im Keller der Endresstraße 113 (im Vorjahr war die damalige 10. Klasse wegen der Feuchtigkeit des Kellers in den kleinen Festsaal übersiedelt). Unsere Zehntklässlerinnen und Zehntklässler wollten nicht auf die besondere Atmosphäre des Kellers verzichten. Etwas stickig, feucht, eng, dunkel – also genau richtig ;-)

An vier Abenden wurden Stücke von Grischka Voss, Loriot, Teuschl, Beckett,

Siegl, Ernst, Mitterer, Lernpeiss und Merz/Qualtinger gespielt. Lustiges und Ernstes. Das Publikum war begeistert, berührt, glücklich. Die Schauspielerinnen und Schauspieler auch! Ein paar Eindrücke von Klasseneltern:

Lustig, ernst, professionell, Wahnsinn, was unsere Kinder und vor allem die tol-

len Menschen, die mit ihnen gearbeitet haben, in so kurzer Zeit zustande gebracht haben! (Karin Mäutner / Mutter von Ines) „Wir sind in den Keller lachen gegangen – und haben unseren Kindern beim Erwachsen zugestaunt.“ (Mike Gross / Vater von Rebecca)

Mich hat die 10. Klasse wieder einmal sehr beeindruckt: die z.T. selbst geschrie-

benen Stücke und die großartigen schauspielerischen Darbietungen machten den Abend zu einem kurzweiligen und eindrucksvollen Erlebnis. (Andreas Lernpeiss / Vater von Lea)

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“

Dieses Zitat ist entweder von Goethe oder von Khalil Gibran; jedenfalls nicht von mir ;-) , doch es gibt wieder, was ich gespürt habe, als ich „unsere Kinder“ auf der Bühne des Kellertheaters auf 113 gesehen, gehört und erlebt habe. Wurzeln und Flügel haben wir ihnen gegeben; jetzt ist es schön, ihnen bei ihren Flugversuchen zuzusehen. (Peter Gattinger / Vater von Sophie)

Wir waren begeistert von der Vielfalt der Stücke und den Schauspielleistungen

der SchülerInnen. Vielen Dank an alle, die die Proben begleitet haben. (Elisabeth Mac Nulty & Peyman Alaei / Eltern von Kiyan)

Der Enthusiasmus und der Mut, mit dem unsere Kinder an diese Herausforde-

rung herangegangen sind, begleitet von Regisseuren/Regisseurinnen, die ihnen vertraut und so viel zugetraut haben – das war beeindruckend. Dieses Vertrauen, das in unsere Schüler und Schülerinnen gesetzt wird, macht unsere Schule aus und lässt unsere Kinder wachsen! Vielen Dank für das und für die tollen vier Abende! (Karin Schadl / Mutter von Leon)

Zum Staunen, zum Lachen, zum Nachdenken, zum Glücklichsein… dass diese

Kinder solche LehrerInnen, RegisseurInnen und MentorInnen haben, in so einem Umfeld lernen und sich entwickeln dürfen… und dass die SchülerInnen so mutig sind. Als „Quereinsteiger-Mutter“ bin ich immer wieder aufs Neue sehr positiv berührt und beglückt. Auch drei Besuche waren nicht zu viel! So viel Engagement mitzubekommen macht mich in Hinblick auf Vieles zuversichtlich. (Clara Arbter-Rosenmayr / Mutter von Camillo)


Rückblicke _ 31

Adrenalin – Ruhe – Spaß am Spielen Bericht von Leon Schadl vom Kellertheater der 10.Klasse

Das Kellertheater ist eines der vielen Dinge (Aufführungen, Praktika, Reisen) an unserer

Schule, von welchem man als Unter- und Mittelstufenschüler eigentlich nur weiß, dass es sie gibt, vielleicht schon die eine oder andere Aufführung gesehen hat, aber keine Ahnung hat, wie es genau abläuft. Mir ging es genauso, bis das Kellertheater einfach da war.

Das einzige, was wir schon seit Jahresbeginn wussten, war, dass wir das Kellertheater unbe-

dingt auch im Keller veranstalten wollten. Ohne viel Vorwissen begannen wir Ende Jänner Texte von verschiedensten Autoren und den verschiedensten Stilrichtungen, welche aus der Sicht unserer Regisseure für eine Aufführung geeignet waren, zu lesen. Einige Stücke gefielen uns gut, manche eher nicht so. Nach einer Woche – jeweils eine Stunde pro Tag Stücke lesen – hatten wir am Ende der Woche schon einiges beisammen und überlegten natürlich schon, wer was spielen könnte. Dann waren aber erst einmal für eine Woche Semesterferien, in denen wir die Stücke, die uns gefallen hatten, nochmals studieren konnten. Nach dieser Zeit begann die intensive Arbeit. Die Stückauswahl war schnell erledigt. Alle zur Auswahl stehenden Stücke wurden auf die Tafel geschrieben, und wir Schüler konnten kundtun, bei welchem Stück wir mitwirken wollten.

Ohne Streitereien um irgendwelche Rollen hatten wir schlussendlich 13 Stücke ausgewählt,

was für ein Kellertheater wirklich viel ist. Die Stücke wurden auf unsere fünf Betreuer Stefan Albrecht, Elmar Dick, Maria Leutzendorff, Sabine Trierenberg und Grischka Voss aufgeteilt, und wir begannen im Grunde sofort mit den Proben. Der Text wurde zusammen mit dem Schauspiel gelernt. So arbeiteten wir zwei Wochen an den Stücken. Es wurde gelesen, getüftelt, gelacht, umgeschrieben, (selten aber doch) gestritten, natürlich geschauspielert, und so manches Stück wurde nach einer Woche des Probens auch gut und gerne einmal komplett über den Haufen geworfen und neu interpretiert. Nicht zu vergessen ist die Neugestaltung des Kellers – um diesen wieder theatertauglich zu machen, brauchte es einiges an Zeit. Wir säuberten den Keller gründlich, strichen die Bühnenwände neu an, mussten Ton und Licht neu einstellen und sorgten mit Lichterketten, Bildern und Sofas für ein angenehmes Ambiente.

Genau so schnell wie das Kellertheater gekommen war, kam auch plötzlich die Woche der

vier Aufführungen: Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag. Bei der Generalprobe am Montag wurde den Stücken noch der letzte Schliff verpasst, und dann ging es auch schon los. Ich weiß nicht, wie es für meine Klassenkameraden war, aber ich war an den Aufführungstagen immer voller Adrenalin und gut aufgelegt. Das Lampenfieber und die Lust, endlich vor Publikum zu spielen, mischten sich in mir. Bis auf die letzten fünf Minuten vor meinem Auftritt: Ich war plötzlich völlig ruhig, fast wie in Trance. Wenn ich dann endlich auf die Bühne durfte, war ich gleich wieder voller Euphorie und hatte unglaublich Spaß am Spielen. Vor allem die Lacher des Publikums trieben an; die intensiven Wochen des Probens hatten sich gelohnt. Von Aufführung zu Aufführung machte es mehr Spaß; man kam immer besser ins Spielen. Umso schwerer war es dann, als alles vorbei war. Drei Wochen hatten wir uns nur um das Kellertheater gekümmert. Jetzt mussten wir wieder in den im Vergleich dazu doch recht öden Schulalltag finden.

Das Kellertheater ist eines der vielen Dinge, die unsere Schule so toll machen. Die Gemein-

schaft wächst zusammen, und jeder Schüler kann trotzdem seine Individualität ausspielen und bewahren. Ich weiß nun zwar ungefähr, wie das Kellertheater abläuft, aber wie wir es geschafft haben, in so kurzer Zeit so viele einzigartige Stücke auf die Beine zu stellen, weiß ich immer noch nicht.


32 _ Rückblicke

The sound in our stars Singabend der 11. Klasse Text: Antje Weh, Schülerinnenmutter 11. Klasse Fotos: Karl Hruza weitere Fotos http://www.waldorf-mauer.at/eindruecke Der Horizont hat sich geweitet, und das ganze Firmament war von Musik erfüllt!

All die klingenden Sternstunden: ein großes Dankeschön an alle Ju-

gendlichen, die so mutig waren, ihren eigenen Horizont so großartig zu erweitern. Ihr habt es alle wunderbar gemacht! Den Raum gefüllt mit euren Stimmen, euren Liedern, euren Texten; begleitet von immer wechselnden, vielfältigen Instrumentalisten! Klavier und Schlagzeug, E-Gitarre, Kontrabass, Xylophon, Geige, Percussion, Ukulele, Cello...

Chorauftritte in ihrer ganzen Fülle, auf Russisch, Englisch und

Deutsch, darunter sogar ein brasilianischer Song! Herrlich, die Burschen ganz in Weiß, Matrosen ahoi von der feschen Sorte, die leicht die Muskeln spielen lassen oder kess das russische Tanzbein schwingen, zentriert von einer ganz besonderen Babuschka.

Die Mädchen singen „I will follow him“, zunächst scheinbar fromm,

aber dann…. und „Let it be“ – ja, let it be two of the most beautiful evenings of your schooldays! Es waren helle Sterne, klingende Sterne – so viele, dass sie hier nicht alle genannt werden können.

Vielen Dank an Stefan Albrecht, der mit jedem einzelnen Jugend-

lichen den passenden Song in der richtigen Tonlage mit den dazugehörigen Begleitungen gesucht, gefunden und vor allem geprobt hat! Großen Dank an Darlene Schubert, die viele Stunden mit den Damen geprobt hat und natürlich an alle MusiklehrerInnen, die im Hintergrund an Stimmen, Stimmungen und Instrumenten gefeilt haben! Danke an Sabine Trierenberg für die groovigen Moves und die Tanzschritte sowie Michael Schallmayer für das Licht und den Sound unserer Stars! Zu guter Letzt natürlich vielen Dank an Ekatarina Chebova für das fließende, klangvolle Russisch und Marlene Sadychow für die horizonterweiternde Begleitung der Beteiligten in allen seelischen und praktischen Belangen eines solchen Projektes.


Rückblicke _ 33

Blitzlichter vom Singabend Am 22. und 23. April 2016 haben wir, die 11. Klasse, unseren Singabend unter dem Motto „The Sound in our Stars“ an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer aufgeführt. Wir hatten schon sehr früh angefangen zu planen, wie unser Musikabend über die Bühne gehen sollte; manche Chorstücke wurden schon seit Anfang des Schuljahres geprobt. Doch erst ungefähr zwei Wochen vor der Aufführung wurde begonnen, intensiver zu proben und auch die Solos und Duette vor der Klasse zu singen. Bei den Proben hatten wir Unterstützung von Stefan Albrecht und Darlene Schubert, welche die Lieder mit uns einstudierten.

Die beiden Aufführungen haben uns allen viel Spaß gemacht, auch wenn die Ner-

vosität bei allen sehr hoch war. Insgesamt war unser Singabend eine tolle Erfahrung, die wir auf keinen Fall missen möchten! Katarina von der Emde Hier noch einige Eindrücke von Schülerinnen und Schülern aus der 11. Klasse:

Es war eine große Überwindung, sich das erste Mal vor die Klasse zu stellen, um ein

Solo zu singen.

Ich habe auf meinen Auftritt hingefiebert und gedacht, ich würde bestimmt nervös

sein. Doch als ich auf der Bühne stand, war die Atmosphäre so beeindruckend, dass ich gar nicht aufgeregt war!

Am Anfang des Schuljahres dachte ich mir, dass ich nie alleine auf einer so großen

Bühne singen kann. Bis der Singabend die ganze Klasse ergriffen hat, hat es einige Zeit gedauert.

Die Begleitung am Schlagzeug war für mich aufregender als das Singen selbst. Ich hat-

te Angst, einen Fehler bei den Liedern der anderen zu machen.

Ich war erstaunt, festzustellen, wie Singen körperlich und persönlich auf einen wirkt.

Ich hatte die Aufregung total unterschätzt!

Liebe 11. Klasse, ich möchte Euch auf diesem Weg von ganzem Herzen zu Eurem gelungenen 11.-Klass-Musikabend gratulieren. Euch auf der Bühne zu sehen, freut mich natürlich ganz besonders. Eure Lieder, ob alleine, im Chor oder im Duett vorgetragen, haben mich sehr berührt. Ein Geschenk für eine Lehrerin, die Euch acht Jahre begleiten durfte und Euch so ganz neu erlebt hat. Dank an Euch und an die Menschen, die Euch so gut unterstützt haben. Eure Christine Bolleter


34 _ Rückblicke

Eurythmiedarbietung der 12. Klasse am 14. Jänner Fotos: Karl Hruza weitere Fotos http://www.waldorf-mauer.at/eindruecke


Rückblicke _ 35

Theateraufführung der 12. Klasse Lamorte, 10. und 11. Juni Fotos: Karl Hruza weitere Fotos http://www.waldorf-mauer.at/eindruecke


36 _ Rückblicke

Klingende Inklusion Ein gemeinsamer Konzertabend der Rudolf Steiner-Schule und der Karl Schubert-Schule

Am 19. Mai fanden im neuen Burgsaal der Burg Perchtoldsdorf

über das gelungene Konzert und mächtig stolz auf ihre Leistungen.

zwei Konzerte statt: Zuerst spielte die Karl Schubert Bande Pop- und

Rockklassiker sowie moderne Hits; danach gab es die Aufführung des

für das nächste Schuljahr geplant (eines davon auf einem Festival),

Gloria von Vivaldi mit den Oberstufenchören der Rudolf Steiner-Schu-

und wir hoffen auf ein weiteres, langes Zusammenspiel der beiden

le und unserer Karl Schubert-Schule zu sehen. Es war der Höhepunkt

Schulen!

Zwei Auftritte sind noch für den kommenden Juni und weitere

unserer diesjährigen Zielsetzung, mehr Begegnung beider Schulen zu ermöglichen. Dazu bot sich vor allem der musikalische Bereich an. So

wurde bereits in den Sommerferien 2015 ein gemeinsames Chorpro-

hat, kann gerne in den Büros beider Schulen eine DVD für 10 Euro

jekt geplant; zunächst in Kombination mit einem schulübergreifen-

erstehen.

Wer das Konzert noch einmal erleben möchte oder es gar verpasst

den Theaterstück, das aus Zeitgründen jedoch leider nicht stattfinden

Horst und Ines Berg, Karl Schubert Bande

konnte; später mit der Karl Schubert Bande.

Zuschauerkommentare:

Unsere Karl Schubert Bande, die bald in ihr 15. Jahr kommt, hat-

te gerade ihre Frontsängerin Tamara Pointner verloren und war auf ihrer Suche nach Ersatz in der 9. Klasse der Rudolf Steiner-Schule

_ Menschliche Atmosphäre – nicht so steif, sondern natürlich _ Inklusion – das gemeinsame Auftreten, die behinderten Kinder mitten im Chor zu haben, sie als Teil des Ganzen zu integrieren

Mauer fündig geworden: Als Sängerinnen fungieren nunmehr Roxana

_ die beeindruckende Musik

Ahmad, Pia Jedlička und Livia Hrastnik.

_ die positive Stimmung, die positive Energie, die Freude der Kinder,

Natürlich war die erste Begegnung für die jungen Mädchen recht

spannend, aber sie wurden herzlich aufgenommen, und alles lief sehr unkompliziert ab. Mittlerweile, so bestätigen alle drei übereinstimmend, sei der Umgang mit Menschen, die eine körperliche und geistige Behinderung haben, viel selbstverständlicher geworden. Ihre Scheu vor diesen doch „irgendwie andersartigen“ Menschen konnten die drei bald ablegen, was ein großer Gewinn an persönlicher Kom-

die angesteckt hat _ die tolle Organisation, mit einem tollen Pausenbuffet – richtig professionell!! _ die persönliche Begegnungen mit einer der Gründerinnen der Karl Schubert-Schule _ die Größe des Chors! Die beeindruckende Leistung des Dirigenten und der Sopranistinnen

petenz war. Sie hätten von dieser Zusammenarbeit sehr profitiert

_ das WIR-Gefühl und das Gefühl, unter positiven Menschen zu sein

und ihr Bild von Behinderung wäre nun differenzierter. Diese Men-

_ der beeindruckende Veranstaltungsort

schen seien sehr herzlich, direkt und offen – etwas, das uns im Alltag

_ die Gastauftritte Michaela, Paul und Norbert Mayer

mit „Normalen“ oft fehle. Außerdem hätten sie gestaunt, wie gut die meisten der „Behinderten“ ihr Instrument beherrschten – besser als viele aus ihrer eigenen Schule. Eigentlich hätten sie bald kaum noch

_ Das Konzert in der Perchtoldsdorf Burg – ein Event, das noch lange

bemerkt, dass sie es mit besonderen Menschen zu tun hatten, so gut

in Erinnerung sein wird – denn es war inklusiv und exklusiv; inklusiv,

lief die Arbeit miteinander.

weil erstmals SchülerInnen der heilpädagogischen Karl Schubert-

Für die drei als unerfahrene Sängerinnen war es ein niederschwel-

Schule und der Rudolf Steiner-Schule gemeinsam auf einer Bühne

liger Einstieg in die Bandarbeit, und sie machten ihre Erfahrungen bei

gestanden, gesungen und musiziert haben; exklusiv, weil das Pro-

mehreren Auftritten, bis hin zu diesem Konzert vor größerem Publi-

gramm einen weiten Bogen von der Klassik – das Gloria von Vivaldi

kum in Perchtoldsdorf. Für die „alte“ Band war der Neuzuwachs eine

– bis zur zeitgenössischen Musik gespannt hat. Besonders berüh-

große Bereicherung. Sie kannte die Zusammenarbeit mit anderen

rend und eindrucksvoll der Abschluss: der gemeinsame Auftritt

Personen durch die häufige Arbeit mit professionellen Musikern und

des Oberstufenchores und der Karl Schubert Bande....

freute sich sehr über die Unterstützung. Die MusikerInnen staunten

Den mitwirkenden SchülerInnen und LehrerInnen gilt ein besonde-

über die schönen Stimmen der drei Mädchen und vermissten jede

rer Dank !

einzelne, die einmal nicht kommen konnte. Alle waren sehr glücklich

Veronica und Martin Paulovics


Rückblicke _ 37

Klingende Inklusion – 2. Teil

Montag, 8:15 Uhr: Um diese Zeit probt

für das „Gloria“ von Antonio Vivaldi. Wir

der Oberstufenchor seit Jahren, wenn nicht

hatten uns damit kein einfaches Stück aus-

Dymfna Meijts und Melina Wendt in den

seit Jahrzehnten. Jedes Jahr bestreitet die-

gesucht, doch Schritt für Schritt, Note für

Arien zu erleben. Beide waren dereinst

ser Chor ein Konzert: entweder im Rahmen

Note, Seite für Seite erarbeiteten wir uns die

Schülerinnen unserer Schule.

Als grandiose Solistinnen waren

der Schule oder auch außerhalb des Schul-

Chorsätze.

gebäudes, wie z.B. in der Kirche am Steinhof

Die große Anzahl an Musizierenden

ler Menschen mit den unterschiedlichsten

oder im Odeon-Theater. Auch gab es schon

verlangte für die Aufführung nach einem

Fähigkeiten. Antonio Vivaldi ließ mit seiner

gemeinsame Projekte mit einem Elternchor.

größeren Saal als in den Jahren zuvor. So

strahlenden Musik alle Unterschiede ver-

Im heurigen Schuljahr schickte die Karl

Es war ein herrliches Miteinander vie-

standen letztendlich im Neuen Burgsaal der

schwinden: klingende Inklusion.

Schubert-Schule Verstärkung, und so waren

Burg zu Perchtoldsdorf knapp 130 Sänge-

Ein Dank geht an alle Mitwirkenden und

im Rahmen des Inklusionsprojektes deren

rinnen und Sänger auf der Bühne. Dazu kam

Helfer.

Oberstufenschülerinnen und -schüler jeden

ein Kammerorchester, das sich aus Schülern

Für uns war es ein großes Erlebnis!

Montag mit ihren Lehrern zur Probe in un-

unserer Schule (Orchester SchallMauer),

serer Schule zu Gast. Die Rollstühle wurden

ehemaligen Schülern und Gästen zusam-

von unseren Schülern die Treppe hinaufge-

mensetzte. Diese Gäste zeigten sich später

tragen, und nach einem fröhlichen Einsin-

überwältigt von der besonderen Stimmung,

gen begannen die teilweise harten Proben

die bei der Aufführung entstand.

Angela Schindler (Orgel) und Stefan Albrecht (Gesamtleitung)


38 _ Rückblicke

Proben – üben – Pause – Essen – proben Beim SchallMauer-Orchesterwochenende wurde Dvoraks Symphonie „Aus der Neuen Welt“ erarbeitet

Zum dritten Mal sind wir – das Orchester SchallMauer – mit dem Bus zum Retzhof gefahren, um dort ein Wochenende lang intensiv zu proben. Der Retzhof ist ein Seminarhotel in der Nähe von Graz. Das überaus freundliche Personal serviert mittags und abends jeweils köstliches, biologisches Essen. Die Busfahrt am 1. April war lustig, und der/die ein(e) oder andere wurde in den April geschickt. Als wir am Retzhof ankamen, verkündete Herr Albrecht durch den Lautsprecher, wir müssten noch eine Stunde im Bus warten, da ihm auf die Schnelle anscheinend nichts Besseres eingefallen war. Wir durchschauten ihn sofort. Nachdem alle ausgepackt und zu Mittag gegessen hatten, ging es ans Proben: Tutti- und Stimmproben, dazwischen kurze Pausen, Abendessen, nochmal kurz proben, und dann Freizeit. Es gab Schlafenszeiten für die jeweiligen Altersgruppen, die von Frau Bosch konsequent überwacht wurden. Auch in der Früh weckte uns Frau Bosch, konnte aber trotz viel Engagement nicht alle Langschläfer überzeugen, dass die Ferien vorbei seien. Der Samstag war ein anstrengender Tag, denn es wurde den ganzen Tag geprobt. Der Sonntag begann auch mit Proben. Dafür stand am Nachmittag ein Ausflug auf dem Stundenplan, dessen eindeutiger Höhepunkt die großzügige Einladung auf ein Rieseneis war. Wieder am Retzhof angekommen, mussten wir eine Stunde selbstständig in den Zimmern üben, und nach dem Abendessen war nochmal eine kurze Tuttiprobe. Am Montag mussten wir vor dem Frühstück einpacken; danach war Generalprobe für das Konzert, das dieses Jahr schon am folgenden Tag stattfand. Als alle Koffer im Bus und die Instrumente vorsichtig verstaut waren, ging es wieder nach Wien zur Schule, wo die Eltern schon sehnsüchtig? auf uns warteten. Livia Machowetz-Müllner, Schülerin der 7. Klasse


Rückblicke _ 39

„Es ging! Und wie!“ Eindrücke vom SchallMauer-Konzert Ein riesengroßes Dankeschön, eine tiefe Verbeugung und einen tosenden Applaus für alle „SchallMaurer“, die dieses atemberaubende Konzert auf die Beine gestellt haben! An alle Orchestermitglieder, vor allem aber an Stefan Albrecht, Anna und Jörg Dekan-Eixelsberger! Ihr habt uns einen unvergesslich schönen Abend geschenkt, von dem wir noch lange zehren werden. Es war ein Erlebnis, das Seinesgleichen sucht: ergreifend, berührend und erfrischend! DANKE!  Iris Hill, Schülerinnenmutter 4. und 6. Klasse   

SchallMauer und die Neunte von Dvorak (!)... wie soll das gehen?    Es ging! Und wie! Es war grandios!  Dass Schüler sich freiwillig, freudig einem Taktstock beugen, jeder einzelne in der Verantwortung für das Gelingen des Ganzen, grenzt heutzutage schon an ein Wunder.  Als Großmutter habe ich während der Probenzeit öfter einmal „Das kann ich nie“ gehört; nach dem Konzert war das Gegenteil bewiesen, und es gab strahlende Gesichter. Besonderen Dank hinter die Kulissen fürs Umschreiben und Spielbarmachen der Stimmen! Eine Arbeit, die man nur wahrnimmt, wenn sie nicht gemacht wurde...  Das Konzert war für mich pure Freude: beim Zuhören, beim Zuschauen und beim Staunen im Nachklang  Angelika Teichmann 


40 _ Kindergarten

IM EINKLANG MIT DER EIGENEN ZEIT „Entschleunigung – Einfachheit – Nachhaltigkeit“ Zur Waldorf-Kindergartentagung vom 15. – 17. April 2016 in Wien-Mauer Wie können sich Kinder in unserer schnelllebigen Zeit gesund entwickeln? Kindergesundheit heute

gen zeugen jedoch gerade von mangelndem

Wir sind heute mehr denn je gefordert, be-

Wir wissen heute sehr viel über Gesund-

Vertrauen.

sonders im Sinne des Vorbilds den Bezug zu

heit und gesunde Lebensführung. In seinem

unserem inneren Menschen – unserem hö-

Vortrag „Neue Kindergesundheit“ führte Dr.

Sie finden sich zunehmend in einen straf-

Christoph Meinecke, Facharzt für Kinder-

fen Zeitplan eingebunden, der sich kaum

und Jugendmedizin (Familienforum Havel-

an ihren Bedürfnissen orientiert, ihre Le-

In Übung bleiben

höhe, Berlin) aus, dass es um die Gesundheit

benskräfte schwächt statt stärkt und ihren

Innehalten können im Alltag, um Wesentli-

von Kindern heute schlechter bestellt sei als

Impulsen wenig Raum lässt. Eine gesun-

ches von Unwesentlichem zu unterscheiden,

noch in der Generation vor ihnen.

de Entwicklung von Lebenssinn, Tastsinn,

sodass echte Hingabe möglich bleibt – dazu

Was beunruhigt unsere Kinder?

heren Wesensanteil – bewusst zu pflegen.

Gleichgewichtssinn und Bewegungssinn

braucht es mittlerweile vermehrt Übung.

schiedenen Erscheinungsformen zu: Au-

verkümmert dabei zugunsten einer Übersti-

Dieses Thema wurde in den Arbeitsgruppen

toimmunerkrankungen, Haltungsschwä-

mulation von Hören und Sehen.

auf unterschiedliche Weise bewegt.

Die Krankheitshäufigkeit nimmt in ver-

chen, Zuckerkrankheit, Krebs, Stresssymp-

In der Gesprächsgruppe zum Vortrag

Vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen

wurden das Erleben von Beschleunigung

Ängste, Burn-out (auch bei Kindern!), Begleiterscheinungen wie etwa früher und

Um vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen

gen dazu im Umgang mit Kindern, Eltern

zunehmender Förderbedarf, Schulverdruss

zu gelangen, braucht das Kind auf der Erde

und sich selbst thematisiert: Brotbacken

inbegriffen.

den Bezug zur geistigen Welt, will seine in-

als eigengesetzlichen Prozess zu begrei-

Vielen Kindern fehlt heute ein grundle-

neren Bilder wieder finden, sich innerlich be-

fen, sich selbst beim Malen und Plastizieren

gendes, ihre Entwicklung unterstützendes

teiligen können. Wenn zu schnell und zu früh

vom Ergebnisdruck zu emanzipieren, in der

Wohlbefinden. Dabei sollen sie sich ja mög-

zu viel gewollt wird, geht das Urvertrauen

Eurythmie dem Nachklang Raum geben, in

lichst „optimal“ entwickeln können. Eltern

auch zu früh verloren.

der sensorischen Integration bei sich selbst

sehen sich dazu mit unterschiedlichsten An-

den richtig genährten Sinn empfinden, bei

geboten konfrontiert, die das Kind möglichst

Wir gestalten den Kindergartenalltag in

der Herstellung von beweglichen Bildern

frühzeitig im Hinblick auf seine Zukunft för-

möglichst kohärenten, also durchschauba-

aufmerksam werden auf das Spiel zwischen

dern sollen.

ren, sinnvollen und für das Kind handhabba-

Bewegung und Ruhe, im Tanzen die Verbin-

ren Prozessen. Dabei müssen wir uns heu-

dung von Erde und Kosmos wahrnehmen,

Die drei Heimaten des Kindes

te jedoch fragen: Entspricht unsere eigene

einer möglichst nachhaltigen Entwicklung

Was aber braucht das Kind, das seinem We-

Gesamtgestimmtheit innerer Seelenruhe

der Sinne unter dem heutigen Beschleuni-

sen nach ganz in der Gegenwart lebt, be-

in dem Sinne, dass wir ganz anwesend sind

gungssog auf den Grund gehen.

sonders in seinen ersten Lebensjahren? Vor

und das Kind uns auch möglichst ohne Ein-

allem SEINE ZEIT, um in Prozesse einzutau-

schränkung nachahmen kann?

tome, Depressionen, Regulationsstörungen,

Wie kann die Pädagogik hier wirken?

und Entschleunigung sowie eigene Fra-

„Selbstlosigkeit“ Im zweiten Vortrag „Selber tun“ wurden

chen und Eindrücke zu verinnerlichen. Es muss seinen Leib ergreifen, seinen Umraum

Sich als Vorbild weiterentwickeln

unter anderem auch Aspekte der Selbster-

erobern und seinen Platz im sozialen Um-

Die äußeren Erfordernisse holen uns oft ge-

ziehung angesprochen: Erwachsene müssen

feld finden, kurz: in seinen „drei Heimaten“

nug ein; Verwaltung und vielfältige Aufga-

ihre Bedürfnisse kennen und – unabhängig

ankommen.

ben „müssen“ wahrgenommen werden. Das

vom Kind – gut für ihr eigenes Wohlbefinden

Tempo wird dabei durch die digitale Technik

sorgen, um Kinder begleiten zu können.

soll sich zu gesundem Selbstvertrauen ent-

bestimmt, die Erwartungen aneinander stei-

wickeln können. Zunehmende Schlafstörun-

gen und somit auch die innere Zerrissenheit.

ihnen vorleben, dass sie sich selbst in ihrem

Das im Mutterleib erfahrene Urvertrauen

Kinder brauchen auch Erwachsene, die


Kindergarten _ 41

inneren Wesen so vertrauen, dass sie „selbstlos“ – dem Kind gegenüber absichtslos – „zuhören“ und es in seinen Impulsen respektieren, auch wenn diese sich vorerst beispielsweise als besondere Empfindlichkeiten äußern.

Ungeteilte Anwesenheit Es gab an diesem Wochenende Momente, wo die ungeteilte Anwesenheit jedes Einzelnen erlebbar war – zuletzt bei der Überlegung „Was nehme ich mir vor?“ – und diese Momente führten zu einer wachsenden Stimmung der gemeinsamen „Entschleunigung“.

Gemeinschaftsbildung Eine Tagung ist immer ein gemeinschaftliches Zusammenwirken: die Rudolf Steiner-Schule und die Karl Schubert Schule, die den Raum stellten, mit viel Freude geführte Arbeitsgruppen, die wunderbare Mitwirkung von Eltern bei der Pausenversorgung und beim musikalisch/literarischen „Elternabend“, der schmackhafte Einsatz der Schulküche. Dafür ein großes DANKESCHÖN an die Lehrerinnen der Schule, an Wolfgang Seyringer, an Fred & Co, unsere Kindergarteneltern und das Kollegium des Kindergartens Wien-Zentrum für die Mithilfe.

Ein besonderes Dankeschön gilt auch allen

Vortragenden und den über 150 TeilnehmerInnen für die intensiv spürbare Resonanz und besonders allen Kindern, die letztendlich mit ihren Impulsen den Anlass für solche Bemühungen geben. Es ist schön zu erleben, wie ein gemeinschaftsbildendes Vorhaben gelingt. Dieses gelang den Rückmeldungen nach mit „Wiener Leichtigkeit“ – was immer das im Einzelnen bedeuten mag!

Text: Ursula Dotzler Fotos: Gertraud Walter


42 _ Finanzen, Begegnung

Das fehlende Geld hat ein Mascherl In Summe stagnierende Elternbeiträge und sinkende Unterstützung durch die öffentliche Hand führen zu einer angespannten Finanzsituation der Schule

Zahl der Schulen in Freier Trägerschaft inzwischen deutlich höher geworden ist, der Fördertopf jedoch nicht angepasst wurde, sind de facto die Beiträge gesunken – und liegen derzeit bei nur noch rund 750 Euro pro SchülerIn.

Heuer wird es richtig eng: War es im vergangenen Schuljahr

Auch gab es in der vergangenen Zeit immer wieder großzügi-

ge Spenden, die zu einer Entspannung der Budgetsituation beitru-

noch gelungen, mit einem halbwegs ausgeglichenen Budget ab-

gen. Der Schulvorstand bemüht sich auch weiter, derartige Spenden

zuschließen, so ist heuer leider ein Minus von rund 80.000 Euro zu

zu lukrieren – doch es wird immer schwieriger, große Spenden zu

erwarten, wie Martin Kaufmann seitens des Schulvorstandes beim

bekommen.

Finanzelternabend, auf der Generalversammlung und auch im El-

Angesichts dieser Situation hat der Vorstand des Schul-Träger-

ternrat warnte.

vereines beschlossen, dass sich die Höhe der jährlichen Ausgleichs-

zahlung heuer auf einen ganzen Monatsbeitrag belaufen muss. Doch

Der Hintergrund: Auf der einen Seite gab es eine Erhöhung des

Lehrer-Kollektivvertrages, die selbstverständlich umzusetzen war.

auch diese Maßnahme wird die Lage nicht wirklich entschärfen kön-

Gleichzeitig war es auf der anderen Seite nicht gelungen, die El-

nen – da unter anderem auch im nächsten Schuljahr mit einer weite-

ternbeiträge in Summe zu erhöhen.

ren Erhöhung des Kollektivvertrages gerechnet werden muss.

Zwar wurden die Beiträge von vielen Eltern dankenswerterweise

teils auch großzügig erhöht, und der Elternbeitragsgruppe ist auch

bewusst, dass viele damit an ihre Grenzen gingen. Doch es gab

Vorstand gerne zur Verfügung: vorstand@waldorf-mauer.at

auch die einen oder anderen – angesichts der aktuellen wirtschaft-

Die Bankverbindung unserer Schule lautet:

lichen Situation – durchaus verständlichen Ausfälle, von denen die

UniCredit Bank Austria AG

Für Fragen, Anregungen und natürlich Hilfsangebote steht der

Mehreinnahmen gleich wieder „aufgesaugt“ wurden.

Konto-Nr. 638 053 900

BLZ 12000

Dazu kommt, dass die Elternbeiträge rund 60 Prozent der ge-

samten Schulausgaben abdecken, während die restlichen Einnah-

IBAN: AT 19 1200 0006 3805 3900

men durch die öffentliche Hand hingegen Schritt für Schritt immer

BIC: BKAUATWW

geringer ausfallen. Ursprünglich war für die Schulen in Freier Trä-

Mit herzlichem Dank im Voraus für jegliche Hilfe und Unterstützung,

gerschaft seitens der Bundesregierung ein Fördertopf mit 1000

Roman David-Freihsl

Euro pro SchülerIn und Schuljahr eingerichtet worden. Nur: Da die

Unsere Schule ist eine ganz besondere Schule – das wissen wir alle! Aufruf zur Unterstützung des Förderkreises

Das Besondere, ich möchte sagen, das Kostbare an unserer

Diesen Fördertopf gilt es zu unterstützen!

Schule ist unter anderem, dass es einen Förderkreis gibt. Dieser

Deshalb gehen die Einnahmen des heurigen Frühlingsfestes an den

blickt mit Aufmerksamkeit und Achtsamkeit auf jeden Schüler und

Förderkreis.

jede Schülerin, egal in welcher Schulstufe.

bitte ich all die Eltern und Mitglieder unserer Schulgemeinschaft,

Es wird Zeit und Raum geschaffen, nicht nur auf Lernförderung,

sondern auch auf Bedürfnisse und Nöte zu achten.

Da dies jedoch nur ein kleiner Tropfen auf einem heißen Stein ist,

denen es möglich ist, den Förderkreis finanziell zu unterstützen.

Das Problem ist, dass in der heutigen Zeit viel zu wenig Geld für

Michaela Eberharter für den Frühlingsfestkreis

diesen so wichtigen Förderkreis vorhanden ist, um all jenen Schü-

Spenden erbeten an den:

lerinnen und Schülern, die Unterstützung brauchen, diese auch

Rudolf Steiner Schulverein Wien

zukommen lassen zu können. Einen geringen Teil der Finanzierung

IBAN: AT19 1200 0006 3805 3900

übernimmt die Schule. Alles andere muss aus einem Fördertopf, der

BIC: BKAUATWW

von Spenden abhängig ist, finanziert werden.

Verwendungszweck: Spende Förderkreis


Begegnung, Finanzen _ 43

Reden wir miteinander Gedanken zur offenen Begegnungskultur in der Unter- und Mittelstufe

langwierigsten sind, um Themen, die mit der Entscheidung für Waldorfpädagogik eigentlich nicht in diesem Maße entstehen sollten: Warum kann mein Kind in der 4. Klasse noch nicht rechtschreiben?

Warum gibt es keine klaren, harten Konsequenzen für Kinder, die

den Unterricht stören bzw. warum werden diese Konsequenzen nicht an alle kommuniziert? Warum kümmert sich die Schule nicht um die

Der Elternrat bemüht sich im laufenden schulischen Betrieb und

Aufklärung unserer Kinder (ab der 3. Klasse hört man diesen Ruf)?

– als eines seiner Hauptthemen – auch im Audit-Prozess sehr darum,

die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern zu stärken. Dennoch

ernsthaften Auseinandersetzung mit Waldorfpädagogik. Befindet sich

müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass wir damit vor allem in der Un-

die Schule diesbezüglich wirklich in einer Bringschuld? Oder sollten

ter- und Mittelstufe immer wieder scheitern und die offene Kommu-

wir Eltern nicht viel eher mehr Zeit und Hinwendung einer Pädagogik

nikation mit dem Klassenlehrer, der Klassenlehrerin, nicht hinreichend

entgegenbringen, die wir selbst aus freien Stücken für unsere Kinder

gut gelingt.

gewählt haben?

Folgendes möge ein Versuch sein, dem Scheitern auf die Spur

zu kommen, um Veränderung, Entwicklung, Verbesserung zu

regte Gespräche in Fluren und am Schulhof zwischen Eltern geführt

ermöglichen.

werden, daran zu erinnern, dass der direkte Weg zum Lehrer/zur Leh-

rerin führen sollte, um mit ihm oder ihr ein Gespräch zu führen. Dies

Viele Eltern haben keinen wirklichen Einblick in die Waldorfpäd-

Es fehlt vielen Eltern an Vertrauen. Es fehlt ihnen auch an einer

Wir Mitglieder des Elternrats versuchen immer wieder, wenn er-

agogik und streben diesen auch nicht an. Das staatliche System ist

ist aus unserer Sicht der erste und zugleich wichtigste Schritt, um zu

nicht das, was man sich für sein Kind wünscht. Soweit – so klar. Als

einem Ergebnis zu kommen, Antwort zu erhalten, eine Lösung zu fin-

Alternative bietet sich unsere Schule an. Der Schulvertrag nach „Wege

den, etwas zu klären.

zur Qualität“ (kurz: WzQ) ist unterschrieben – ob er wirklich gelesen

wird oder wurde, sei dahingestellt. Die Erwartungen sind hoch: Wir

Einzelne unrund läuft. Auch dann ist der Rat derselbe: Bitte sucht das

zahlen Schulgeld, backen Kuchen, nähen und basteln und sehen uns

Gespräch mit den zuständigen Lehrerinnen und Lehrern, direkt und

gerne die Schulfeiern an, die Klassenspiele und Singabende – da ernten

ohne Umwege. Erst wenn dieser Versuch wirklich scheitert, kann auf

wir und sind uns wieder sicher. Dazwischen aber – im Schulalltag –

anderen Ebenen Hilfe gestellt werden. Dann gibt es viele Möglichkei-

kommt immer wieder die Unzufriedenheit hoch und treibt Blüten.

ten, andernorts offene Ohren und Unterstützung zu bekommen (El-

ternrat, Konfliktbearbeitungskreis, Schulleitung, Vorstand).

An vielen Elternabenden geht es in jenen Diskussionen, die am

Oftmals hören wir den Ruf nach dem Elternrat, wenn etwas für

In einer Zeit des Überangebotes an Kommunikation verwundert es

nicht weiter, dass wir alle mitunter übersehen, das Einfachste zu tun, nämlich das direkte Gespräch zu suchen. Dieses allerdings würde sehr oft helfen!

Wir haben so viele umsichtige, gute Lehrer an unserer Schule. Be-

gegnen wir ihnen offen. Offenbaren wir ihnen unsere Sorgen ohne Publikum. Dann entsteht eine ganz andere Dynamik, nämlich eine Dynamik der Zusammenarbeit, des Vertrauens und der gemeinsamen Erziehungsarbeit und -kunst für unsere Kinder.

Umgekehrt sollte das genauso gelten. Liebe Lehrer und Lehrerin-

nen, kommt auf uns zu, gleich, wenn es Anlass gibt! Sprecht mit uns Eltern, damit wir von zuhause aus, auf unsere Art auf unsere Kinder einwirken können. Auch vielen Lehrern fehlt es mittlerweile an Ver-

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trauen uns Eltern gegenüber.

Lasst uns alle gemeinsam mehr Vertrauen ineinander fassen. Wir

Eltern lieben unsere Kinder. Wir wollen das Beste für sie. Unsere Lehrer und Lehrerinnen wollen auch das Beste, das ist ganz sicher so, sonst würden sie nicht an einer Waldorfschule unterrichten. Darauf vertraue ich. Nadja Berke


44 _ Finanzen, Begegnung

Was kann ich beitragen? Bei den Beitragsgesprächen an unserer Schule geht es nicht nur um Finanzielles

Seit mehr als 15 Jahren wird an unserer Schule der Schulbeitrag

meldung an die Schule: Wie geht es meinem Kind, wie geht es mir?

anhand der finanziellen Situation jeder Familie in einem persönli-

Welche Punkte sind für mich und meine Familie wichtig und was

chen Gespräch mit einem Mitglied der Elternbeitragsgruppe ge-

kann oder sollte meiner Meinung nach verändert werden? Ein Teil

führt. Diese Gespräche beginnen mit dem Anmeldetermin für die

des Gespräches muss dann natürlich auch die Vereinbarung eines

1. Klasse des kommenden Schuljahres beziehungsweise mit einem

neuen Schulbeitrags sein.

Quereinsteigergespräch und werden jährlich wiederholt. Jedes Jahr

führt die Elternbeitragsgruppe so um die 250 Gespräche, hört 250

heit. Bis jetzt wurden die Termine telefonisch vereinbart. Unzählige

persönliche Geschichten und macht 250 Schulbeiträge aus. Die Vor-

Telefonate, Nachrichten auf Anrufbeantwortern und Textnachrich-

gaben dazu – die benötigte prozentuale Erhöhung des Beitrages,

ten auf Mobiltelefone waren nötig, um alle Schüler-Eltern zu er-

Jahresausgleichszahlungen und ähnliches – kommen vom Vorstand,

reichen. Glücklicherweise gibt es in den Weiten des Internets auch

von welchem die Elternbeitragsgruppe (EBG) auch delegiert ist.

Online-Tools, die diese Arbeit übernehmen können, und so konnten

wir dieses Jahr erstmals die Terminvereinbarung in die Hände der

Mit den Jahren haben sich diese Gespräche weiterentwickelt,

Beitragsgespräche zu führen, ist eine zeitintensive Angelegen-

und so geht es heute nicht nur um das Finanzielle, es geht um den

Eltern legen. Über die Buchungsseite der EBG konnte sich jede/r

Elternbeitrag im Gesamten. Ein Beitrag auch im Sinne von Rückmoment_abcomputer_93x131.qxp_Layout 1 14.06.16 16:12 Seite 1

seinen/ihren Wunschtermin und Wunschgesprächspartner/in aus-

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Gedanken _ 45

Jetzt ist schon wieder was passiert – Vom Umgang mit den Dingen

suchen, und dank eines Erinnerungsmails wurden auch keine

Termine mehr vergessen. Was für eine Arbeitserleichterung!

ich war vorlaut und schrieb, ich würde schreiben. Na wunderbar. Könn-

te ich Bilder malen jetzt. Oder einfach nur Musik hören. Jetzt aber muss

Vielen Dank an dieser Stelle für das Vertrauen der Eltern

Ich hätte es nicht sagen sollen. Und schon gar nicht schreiben… doch

und auch des Vorstandes und Kollegiums, das der Eltern-

ich schreiben – eine halbe Seite noch dazu.

beitragsgruppe entgegengebracht wird. Es war nicht immer

leicht, dieses Vertrauen zu bekommen. Umso wichtiger ist es

besser gesagt über Dinge, die ich noch immer nicht so recht verstehen

jetzt, mit einer positiven und bejahenden Haltung aller Be-

will. Und es kommt noch schlimmer: Ich schrieb in den Kreis der Mo-

teiligten in diese Gespräche zu gehen.

Ment-Redaktion, ich wolle das als Kolumne anlegen. Also lieber wieder

zurück und zu den Dingen, die passieren.

Danke auch dafür, dass die Terminvereinbarung so wun-

Worüber? Nun: vom Umgang mit den Dingen. Oder eigentlich und

derbar geklappt und sich jede/r diese 45 Minuten Zeit

genommen hat, um mit uns ein ergebnisorientiertes, re-

bin, gelingt es dem befreundeten Klassenvater, mich in ein Gespräch

Es ist eine Stegreif-Einführung im Flur der Schule. Obwohl ich in Eile

spektvolles und wertschätzendes Gespräch zu führen. So

über den baulichen Zustand der Endresstraße 100 zu verwickeln. Ge-

anstrengend es manchmal war, so bereichernd und kraft-

spräch? Da ich mich scheinbar verständnisvoll für seine Ausführungen

spendend war es auch. In den direkten Austausch zu kom-

zeige, zieht er mich im Gespräch fort und durch die Schule. Er zeigt mir

men, ist sehr fruchtbar, egal ob die Rückmeldungen positiv

von innen nach außen die Sanierungs- und Instandsetzungarbeiten der

oder kritisch sind, egal wie das finanzielle Ergebnis am Ende

letzten Jahre.

aussieht.

Fast das meiste sei davon unbemerkt und in den Ferien geschehen,

Wie alle Arbeitskreise und -gruppen wandelt sich auch

teils von Lehrern und Schülern der Oberstufe, überwiegend aber von

die Elternbeitragsgruppe im Laufe der Jahre, und es wer-

Professionisten. Zusehends jedoch gerät mein Begleiter ins Stocken.

den immer „Nachwuchs“ und Unterstützung gesucht. Mit

Sprachlos öffnen wir die Türen in die neuen WC-Anlagen, verfolgen

Ende der Beitragsgespräche für das Schuljahr 2016/17 ver-

Schleif-, Kratz- und Malspuren entlang frisch gestrichener Wände und

lässt Martin Kaufmann, EBG-Mitglied der ersten Stunde

stoppen schließlich viele Eindrücke später im kleinen Festsaal. Mein

und Vorstandsmitglied die Beitragsgruppe. So schmerzhaft

Begleiter erzählt mir von den aufwendigen Instandsetzungsarbeiten

dieser Verlust für uns ist, so wichtig ist es jetzt, diese Stelle

vor drei (oder ist es doch erst zwei Jahre her?) Jahren…

und nach Möglichkeit noch mindestens zwei weitere neu zu

besetzen! Danke Martin für die vielen hundert Gespräche,

da ja nicht alle hier im Haus acht- und gedankenlos mit den Dingen

die vielen Stunden des Informationen-Zusammenschreibens

umgehen und weiß zum Glück von einer Malerarbeit zu berichten, die

und deinen Enthusiasmus, ein soziales Beitragssystem für

selbst nach einem Jahr noch unberührt über mehr als 100 qm „strahlt“

diese Schule zu entwickeln und am Leben zu halten!

– er aber weiß nicht wo. Weiß es jemand von Euch?

(Antworten bzw. Vermutungen bitte an moment@waldorf-mauer.at)

Was ist gefragt? Kommunikationsbereitschaft, Interesse

Spätestens jetzt fange ich an, ihn zu ermutigen, widerspreche ihm,

an der finanziellen Situation der Schule, etwas Zeit und Spaß

an dieser verantwortungsvollen, ehrenamtlichen Aufgabe.

passieren. Das Tun, Erhalten und Erneuern in unserer Schule muss auf

die Bühne. Und ich denke dabei nicht an feierliche WC-Einweihungs-

Wir freuen uns über zahlreiche Kontaktaufnahmen, ent-

Und in diesen Augenblicken entscheide ich für mich, es muss etwas

weder persönlich mit einem Mitglied der Gruppe oder per

partys, sondern eigentlich nur ans MoMent – jetzt ist schon wieder was

mail an elternbeitrag@waldorf-mauer.at

passiert.

Schließlich will ich noch erwähnen, dass es ja nicht nur ums Sanieren

Die Elternbeitragsgruppe:

gehen muss, sondern auch um das Aufbauen. Ein wenig mehr dazu auf

Uschi Iragorri, Kathi Jedlicka, Martin Kaufmann,

www.wirbauenaufkunst.at

Christian May, Josef Prüller und Jörg Schmiedbauer

Matthias Berke


Was gibt es Neues auf „113“? Das Neubauprojekt – Zwischenbericht zum Stand der Dinge Wir übernehmen gerne sämtliche Reparaturen, Neuanfertigungen und Umarbeitungen von Gold-, Silber-, Perl- oder Steinschmuck.

Bald 50 Jahre ist unsere Schule nunmehr in der Maurer Endres-

straße beheimatet - im „Schlössl“ auf Nummer 100 und 98. Seit über 40 Jahren wird auch das Grundstück mit der Nummer 113 von

Ebenso entwerfen wir ihr Collier ganz nach Ihren Vorstellungen; Alle unsere Schmuck-/Edelsteinketten sind ausnahmslos Einzelstücke.

unserer Schule genutzt. Jetzt steht – passend zu diesem Jubiläum

In unserem eigenen Goldschmiedeatelier reparieren wir nicht nur Ihre Kostbarkeiten sondern fertigen auch gerne Schmuckstücke nach Ihren persönlichen Wünschen.

stellt. Vieles ist seither passiert und an unterschiedlichen Stellen

Der überwiegende Teil unseres Solitaireprogramms, wird entweder von uns oder in einer kleinen Manufaktur, größtenteils händisch, individuell nach Ihren Vorgaben hergestellt. Hierfür verwenden wir auschließlich konflikfreie Diamanten, sowie Recyclinggold.

Stand der Dinge gegeben werden.

– das für die Schule größte Projekt an: ein Neubau auf 113.

Vor mehr als einem Jahr wurde der Entwurf zu diesem Jahr-

hundertprojekt als Sieger eines Architektenwettbewerbes vorgeberichtet und präsentiert worden, aber noch nichts dergleichen in der Schulzeitung MoMent. Daher soll hier ein kurzer Einblick in den

Im Frühling letzten Jahres wurden mit den Architekten – der

Arbeitsgemeinschaft Breuss und Dietrich/Untertrifaller – und den zuständigen Behörden der Stadt Wien intensive Gespräche geführt. Dabei zeigte sich, dass sich der Entwurf nicht wie geplant umset-

Ob Sie einen raschen Batteriewechsel oder umfangreichere Servicearbeiten an Ihrer Uhr wünschen, unser Uhrmachermeister ist gerne persönlich für Sie da.

zen lässt, da die Schutzzone im Bereich des Grundstückes Nr. 113 nicht zu umgehen ist. Das historische Gebäude gilt deshalb trotz seiner schlechten Bausubstanz und mehrmaligen Veränderungen als schützenswert, weshalb es zu mindestens 50% erhalten bleiben muss.

Der Leiter der Denkmalschutzbehörde meinte beim letzten Ge-

spräch, so wie er diese Architekten kenne, würden sie eine gute und wahrscheinlich sogar bessere Lösung als ursprünglich geplant für uns finden – auch unter Einhaltung der genannten Auflage. Juwelier BRUNNER Geßlgasse 9a | 1230 Wien | T&F 01/8891228 mail: service@juwelier-brunner.at Öffnungszeiten: az_nagelstudio_korr.qxp_Layout 05.05.16 20:58 1 - 13:00 Mo-Fr: 08:30 - 12:00 sowie114:30 - 18:00, SA:Seite 09:00

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Über den Sommer wurde also intensiv an einer neuen Idee gear-

beitet, und tatsächlich: Das Ergebnis ist in vielen Punkten noch besser geworden und in seiner Gesamtheit jedenfalls besser zu unserer Schule passend, als es der ursprüngliche Plan mit einem gänzlich

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Bau 113 _ 47

neuen Gebäude war. Natürlich musste an einigen Stellen die Nutzfläche etwas reduziert werden, was aber auch einen Vorteil für die Kosten (vor allem Betriebskosten) mit sich brächte – aber auch das entspricht unseren Möglichkeiten und der Außenwirkung sehr gut. Nach einigen Überarbeitungsschritten in Absprache mit den zukünftigen Nutzergruppen wurde der neue Entwurf wiederum mit den Behörden besprochen. Hierbei war vor allem wichtig, eine Freigabe seitens des Denkmalschutzes sowie eine Bestätigung der Baupolizei über den leicht veränderten Flächennutzungsplan zu erwirken.

In schwierigen Situationen wird seitens der Behörden der Ge-

staltungsbeirat zugezogen, um den Behörden eine Entscheidungsrichtung zu empfehlen, die zwar nicht bindend ist, aber in den meisten Fällen angenommen wird. Auch in unserem Fall ist dies geschehen, und der Beirat hat das neue Konzept im Herbst für gut befunden und seinerseits den Um- und Neubau positiv beurteilt.

und wir mit Jahreswechsel mit einer Baugenehmigung rechnen

Nachdem also ein realisierbares Projekt fixiert war, wurde die

können. Die mit diesem Schritt verbundenen Kosten werden von ei-

Frage nach der konkreten Finanzierung angegangen. Hierfür wur-

nem Sponsor übernommen und belasten unser Budget daher nicht.

de eine kleine Broschüre erstellt, in welcher das Projekt vorgestellt

Wir arbeiten also mit Hochdruck an der weiteren Finanzierung,

und die verschiedenen Möglichkeiten der Unterstützung darlegt

damit wir den Prozess nicht stoppen müssen und im Sommer 2017

werden. Damit konnten Gespräche mit größeren Sponsoren und

den Spatenstich vornehmen können.

Banken geführt werden, die uns bis zum jetzigen Zeitpunkt sehr

hoffnungsvoll stimmen, dieses Jahrhundertvorhaben tatsächlich

dann ist jetzt die Gelegenheit, diese an uns heranzutragen!

realisieren zu können!

ten bis Sommer einfließen, damit sie gegebenenfalls im Einreich-

Natürlich stellen sich bei einem solchen Vorhaben auch auf der

Sollten Sie Ideen, Fragen oder Wünsche zum Neubau haben, Vor allem Fragen und Wünsche in Hinblick auf die Planung soll-

Seite des Geldes viele Fragen, und es werden derzeit unterschied-

plan berücksichtigt werden können.

liche Möglichkeiten einer vernünftigen Struktur diskutiert und

Kontakt: engelbert.sperl@waldorf-mauer.at oder

geprüft. Hierbei sind verschiedene Gesichtspunkte zu berücksich-

lothar.trierenberg@waldorf-mauer.at

tigen: Zum einen geht es darum, den wirtschaftlichen Betrieb der Schule nicht durch hohe Zinsbelastungen oder zwingende Rück-

Die Architekten:

zahlungen zu gefährden. Zum anderen ist sicherzustellen, dass im

Aus dem Ideenwettbewerb wurde die Arbeitsgemeinschaft Andreas

Falle einer Änderung der Subventionen – die in den nächsten 20-40

Breuss mit Dietrich/Untertrifaller Architekten ausgewählt. Beide

Jahren vielleicht doch noch kommt – eine Rückzahlung möglich

Büros sind auf das Bauen mit Holz und anderen natürlichen Bau-

ist, sodass potentielle Geldgeber in einem solchen Fall auch wieder

stoffen spezialisiert. Auch die große Erfahrung im Schulbau erleich-

etwas zurückbekommen. Außerdem müssen natürlich alle steuer-

tert viele Planungsschritte.

und rechtlichen Aspekte bedacht werden.

Ganz aktuell:

Andreas Breuss hat soeben eine Auszeichnung beim Niederöster-

Kurz gesagt, es ist alles in Bewegung, aber noch nicht soweit

gediehen, dass es möglich wäre, konkreter zu berichten. Wir sind

reichischen Holzbaupreis 2016 erhalten.

jedoch zuversichtlich, in absehbarer Zeit eine Lösung präsentieren

Im vergangenen Jahr waren sowohl Andreas Breuss als auch

zu können.

Dietrich/Untertrifaller Preisträger des Wiener Holzbaupreises 2015.

Im Mai 2016 haben wir daher die weiteren Planungsschritte der

Architekten – die Einreichplanung – in Auftrag gegeben. Der Zeit-

www.andibreuss.at

plan sieht vor, dass noch in diesem Sommer die Einreichung erfolgt

www.dietrich.untertrifaller.com


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„Eigentlich finde ich es lustig, dass die Omi hier auch ein Kind war“ FAMILIE SCHULZ / SCHÄR / RÖHSLER Teil 2 unserer Familienporträtserie. Zusammengetragen von Nadja Berke. Waldorf-Steckbriefe: Charlotte und Walter Schulz Schulgründer Berufe: Kindergärtnerin, Schlosser Michaela und Beat Schär Klassenlehrer: Frau Ammeter / Tutor: Herr Reisser Jahresarbeitsthema 12. Klasse von Michaela: Goethes Farbenlehre Michaelas Leben danach: Büro- und Verwaltungsschule, Massageausbildung. Beruf: Büroangestellte, freie Masseurin Jahresarbeitsthema 12. Klasse von Beat: „Alles rund ums Skifahren“. Fürs Praktikum war Beat bei einer Klasse als Skilehrer dabei. Beats Leben danach: Schlosserlehre beim Schwiegervater. Heute noch ist er Geschäftsführer in dieser Firma. Julia und Max Röhsler Klassenlehrer: Stefan Lorenz / Tutor: Marion Platzer, Karl Hruza Jahresarbeitsthema 12. Klasse von Julia: „Gelernt zu lernen?! Unsere Schule und das Leben danach“ Julias Leben danach: Matura, kurz Lehramtsstudium Russisch/Englisch, Pädak. Beruf: Volksschullehrerin, Lebens- und Sozialberaterin Jahresarbeitsthema 12. Klasse von Max: Wettkampf

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Max’ Leben danach: Matura, Studium der Volkswirtschaft. Nach dem ersten Studienabschnitt Schwerpunkt Betriebswirtschaft Valentin Röhsler Klassenlehrer: Manfred Hofer Berufswunsch: „Geschäftsführer, wie mein Papi. Aber ich habe noch Zeit; ich kann

ÖFFNUNGSZEITEN: MONTAGS BIS FREITAGS 09:30 – 18:00 Uhr SAMSTAGS 09:30 – 13:00 Uhr

mich noch umentscheiden.“

Familieninterview Liebe Julia, Du hast mich im Elternrat auf ein Familieninterview angesprochen – hast Dich sozusagen freiwillig dafür angemeldet. Was hat Dich dazu bewegt? Ich glaube, so ein Generationen-Interview ist eine feine Sache. Meine Großeltern, im Speziellen mein Großvater, Walter Schulz, war im Gründungsteam der Schule. Meine Mutter kam dann auch als Schülerin in die damals erste

Maurer Lange Gasse 64 1230 Wien

1. Klasse. Mein Vater kam dann in der 4. Klasse aus der Schweiz in die Klasse meiner Mutter. Nach einem Jahr musste er eine Klasse überspringen; die Freundschaft zwischen den beiden hielt. Meine Eltern sind heute verheiratet. Zu Ende ihrer Schulzeit kam dann ich zur Welt.

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Ich glaube, es stand außer Frage, in welche Schule meine Geschwister und ich gehen sollten. Auch ich war mit meinem Mann 12 bzw. 13 Jahre in einer Klasse! Valentin, mein Sohn, kam im vergangenen Herbst in die Schule.


Portrait _ 49

ihnen herunter. Dr. Knierim hatte mich auch beobachtet, und er lud mich ein, führte mich durch das Haus, welches sich als Schule für Menschen mit Behinderungen herausstellte, und spielte Klavier. Wir sangen miteinander, und ich sollte ab nun beim Chorsingen jeden Donnerstag dabei sein. Meine Großeltern besuchen jeden Dienstag ihren Urenkel in der

In diesem „Michaelshof“ gab es eine Bibliothek, in der mich ein

Schule. Das ist der Tag, an dem sie im Bioladen ihren Wochenein-

Buch förmlich anzog, auf dessen Rücken das Wort „Sozial“ zu le-

kauf absolvieren. Immer machen sie einen Abstecher in den Schul-

sen war. „Zur Dreigliederung des sozialen Organismus“. Eigentlich

hof, um Valentin zu sehen!

war ich zu jung für diese Lektüre, doch ein Absatz über die Schule

Wir sind also eine Familie, die über vier Generationen mit der Schule

hat mein Interesse geweckt. Für mich kristallisierte sich da heraus:

verbunden ist.

Egal, wo ich sein werde, wenn die Frage auftaucht, ob ich mithelfen

Manchmal fordern Traditionen es ja heraus, mit ihnen zu brechen.

kann, werde ich es tun.

Dein Sohn geht jetzt in die erste Klasse unserer Schule. Gab es da je

Nun, mein Lebensweg führte mich nach Wien, um Musik zu studie-

Zweifel?

ren. Hier lernte ich meine Frau Charlotte kennen. Für uns war klar:

Nein. Sobald ich schwanger war, war für uns klar: Waldorf. Einmal

Wenn wir Kinder bekommen, sollen diese auf eine Rudolf Steiner-

hatten wir eine richtige Krise, weil Valentin keinen Platz im Wal-

Schule gehen.

dorfkindergarten bekommen hatte. Ich habe ja immer noch meinen

In Wien hatte Dr. Wanschura gleich nach dem Krieg eine Schule

Großvater unter Verdacht, dass er da dem ein oder anderen zuge-

angemeldet und einen Verein gegründet. Jetzt galt es, eine Schu-

redet hat, dass wir uns um den Schulplatz keine Sorgen machen

le zu gründen! Unser erstes Kind kam, und wir zitterten, ob wir es

müssen. Zum Glück haben wir dann einen ganz großartigen Platz in

rechtzeitig schaffen würden, eine Rudolf Steiner-Schule für unsere

der Waldorfgruppe von Eva Fuchs bekommen!

Tochter zu haben. Gemeinsam mit Menschen, die in der Waldorf-

Also konnten wir beruhigt der Familien-Tradition folgen. Und auch

pädagogik eine zeitgemäße Notwendigkeit sahen, ist es gelungen,

Valentin, der sich natürlich sehr auf die Schule gefreut hat, spürte die-

die Waldorfschule öffentlich sichtbar zu machen. Unsere Michaela

se Tradition. Recht knapp vor Schulbeginn meinte er: „Ich gehe jetzt

ging in die erste Rudolf Steiner-Schule nach dem 2. Weltkrieg in der

dann in die Schule und suche mir eine Frau – so wie Papi und Opa!“

Karl-Löwe-Gasse im 12. Bezirk. 1967 wurde das Maurer Schlössl für uns entdeckt und mit erstaunlicher Aktivität losgelegt! Alle halfen

Lieber Walter Schulz, wie kommt man dazu, Mitbegründer einer

zusammen. Die Mutes-Kräfte und die Begeisterung waren groß. Die

Schule zu sein?

des Einzelnen und die der Gemeinschaft.

Ich bin in Muschau, in Süd-Mähren, geboren und bin dort in der

Seit 1962 betreibt meine Familie einen Betrieb mit Werkstatt für

Vorkriegs- und Kriegszeit aufgewachsen. Die Schulerfahrung war

Metallbearbeitung, und so war es mir möglich, vieles, was not-

eine spontan andere als davor. „Guten Morgen“ und „Grüß Gott“

wendig war, beizusteuern, wie zum Beispiel die Kupfertafel und die

waren ab 1939 keine Grußformeln mehr, die in der Schule er-

geschmiedeten Lampen am Eingangstor der Schule! Im Laufe der

wünscht waren. „Heil Hitler“ war der erwünschte Gruß, der als

Jahre habe ich sehr viele Pentagon-Dodekaeder-Grundsteine an-

einziger galt. 1945 wurden wir von dort vertrieben. Im April 1946

gefertigt. Unter anderem für unsere Schule und dem Kindergarten,

wurde meine Familie mit vielen anderen in Viehwaggons „verladen“

für Pötzleinsdorf und für die Karl Schubert-Schule. (In diesen drei

und nach Deutschland gebracht. Es war ein langer Zug, der wäh-

genannten Schulen war Herr Schulz als Gründungs- und Vorstands-

rend der Fahrt immer kürzer wurde, weil wir auf deutsche Orte auf-

mitglied tätig! In der Karl Schubert-Schule ist er immer noch ak-

geteilt wurden. Für unseren Waggon war in Hepsisau im Schwaben-

tiv.) Der Grundstein für das neue Schulgebäude auf 113 ist übrigens

land Endstation. Wir waren fremd und auch nicht wirklich gewollt.

schon fertig und wartet auf seinen Einsatz!

Ich fühlte mich isoliert – so müssen sich die Flüchtlinge heute bei uns oft fühlen. Aus dieser Einsamkeit heraus „erwanderte“ ich mir

Liebe Frau Schär, Sie waren in der allerersten Klasse unserer Schu-

die neue Umgebung. Bei einer dieser Wanderungen entdeckte ich

le. Haben Sie das als etwas Besonderes wahrgenommen?

vom Waldrand aus ein Haus, das meine Neugierde weckte. Ich sah

Wir waren eher Außenseiter, da wir in einer normalen Volksschule

Kinder und Erwachsene in einem liebevollen Miteinander, wie ich

untergebracht waren. Nach dem Umzug nach Mauer und in unsere

es nicht kannte – eine Oase des Friedens. Das faszinierte mich.

Schule entstand eine Gemeinschaft.

Eines Tages winkte mich einer der Erwachsenen vom Waldrand zu

Meine Schulzeit war sehr unbeschwert.

>>


50 _ Portrait

Inwieweit war das Thema Schule in Ihrem Zuhause auch ständig begleitendes Thema? Durch meinen Vater war das Thema ständig präsent. Allerdings waren das eher verwaltungs- und organisatorische Themen als pädagogische. Es wurde wenig an Ausbildung gedacht; eher ging es um die Gemeinschaft. Wenn Sie zurückblicken auf die eigene Schulzeit, auf die Schulzeit Ihrer Kinder und dann auf das Jetzt sehen: Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung der Schule?

ersten Schultag in den Festsaal stelle und das Lied „Wieder einmal

JA. Es ist kein Vergleich zu meiner Schulzeit. Wir haben uns teilwei-

ausgeflogen“ von der ganzen Schule gesungen wird, dann ist das

se noch geschämt, in diese Schule zu gehen; unsere Kinder waren

ein unbeschreiblich schönes Gefühl für mich!

stolz darauf.

Ich glaube, es geht überhaupt sehr viel um das Genießen. Für mich

Herr Schulz, aus welchen Motivationen haben die Eltern damals ihre Kinder auf eine neue Schule geschickt und sind dieses Wagnis eingegangen? Die Motivationen waren sicher eigene schlechte Schulerfahrungen, Gutes von der Schule gehört, keine Entscheidung nach den ersten vier Schuljahren und im zarten Alter von 10 Jahren für eine weiterführende Schule, die dann die weitere Entwicklungsrichtung bestimmend angibt, 12 Jahre Zeit für das Kind, den jungen Menschen,

war Schule immer etwas Geniales. Wenn ich mich an die Vorfreude erinnere, meinen Lehrer gleich wieder zu sehen, zum Beispiel. Oder: letzter Schultag, das Zeugnis, Zeugnissprüche, Ausflüge, wie wir die Dinge gelernt haben, oft ohne es zu merken. Das alles sind Dinge, die unsere Schule so besonders machen. Ich finde so manche Entwicklungen und Veränderungen in den letzten 30 Jahren unglaublich wichtig und gut. Trotzdem sehe ich gerne auch Dinge, die sich über Jahrzehnte bewahren!

„den Knopf aufgehen zu lassen“, durch die Pionierzeit die Möglich-

Lieber Valentin, Du gehst ja an dieselbe Schule wie schon Deine El-

keit des intensiven Austauschs (es wurden auch viele gut besuchte

tern und Großeltern. Ist das für Dich etwas Besonderes?

Vorträge angeboten).

Für mich ist das normal. Eigentlich finde ich es lustig, dass die Omi

Lieber Max, wie war das eine Eltern-Generation später: Wie bist Du

hier auch ein Kind war.

auf die Schule gekommen?

Julia, welche Frage würdest Du gerne in einem MoMent-Interview

Mein Vater war an einem Oberlehrer gescheitert. Das wollte er

gestellt bekommen? Und wie lautet die Antwort?

seinen Kindern ersparen. Sein Arbeitsweg führte ihn täglich durch

„Was wünschst Du Dir für die Schule?“

Mauer, und er kam an mehreren Schulen vorbei, auch am Schlössl.

Ich würde mir für die Schule wünschen, dass sie alte Traditionen

Er meinte nur: „Wenn man die Kinder aus den verschiedenen Schu-

modernisiert und trotzdem bewahrt. Ich glaube zum Bespiel, diese

len kommen sieht, weiß man, wo man seine hingeben sollte“.

Feedbacksache, die der Elternrat entwickelt hat, ist ganz großartig.

Julia, was hast Du an unserer Schule besonders genossen? Ich glaube, vor allem die Gemeinschaft. Wenn ich mich heute am

Ich hoffe, dass die Schule lernt, mit solchen Mitteln umzugehen und auch etwas daraus macht. Wenn man damit arbeitet, müssen nicht zwangsläufig Traditionen gebrochen werden, aber vielleicht das ein oder andere Mal doch. Ich wünsche meinen Kindern eine so erfüllte Schulzeit, wie wir sie hatten. Mit jeder Generation, die in unsere Schule ging und geht, wächst die Sicherheit, dass es eine richtige Entscheidung war und ist, sich für unsere Schule entschieden zu haben. Vielleicht kommen ja meine Enkelkinder dann auch wieder an diese Schule! Herr Schulz, was würden sie auf diese Frage von Julia antworten? Mehr von den Mutes-Kräften der Pioniere, mehr „Gemeinschaft leben“ auch zwischen den Waldorfschulen – immer mit Augenmerk auf die soziale Fragen gerichtet: Wie gehen die Menschen miteinander um? Wie müssen Kinder HEUTE gebildet und ausgebildet werden, damit sie in Zukunft ihren eigenen Weg finden können?


Hinweise

Ich Ich unterstütze und berate Sie oder begleite Sie ein Stück des Weges“ Weges “ 

   

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Termine und Ankündigungen finden Sie auf Seite 15

Carsten Schroers * 30.06.1969   † 13.05.2016 Carsten war von 1975 bis 1985 Schüler an unserer Schule

Profile for Karl Hruza

MoMent Sommer 2016  

MoMent Sommer 2016  

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