Page 1

Monatsschrift fĂźr die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer September/Oktober 2010, â‚Ź 2,--


Liebe Leserin, lieber Leser,

„S

chaffen Sie sich eine neue, starkmutige Anschauung von Treue an; was die Menschen sonst Treue nennen, vergeht so schnell. Das aber machen Sie zu Ihrer Treue: An dem anderen Menschen werden Sie Augenblicke erleben – schnell dahingehende – da wird er Ihnen erscheinen wie erfüllt, wie durchleuchtet von dem Urbild seines Geistes. Und dann können, ja werden andere Augenblicke, lange andere Zeiten kommen, da verdüstern sich die Menschen. Sie aber sollen lernen, in solchen Zeiten zu sagen: ‚Der Geist macht mich stark. Ich denke an das Urbild, ich sah es doch einmal. Kein Trug, kein Schein raubt es mir.‘ Ringen Sie immer um dieses Bild, das Sie sahen. Dieses Ringen ist Treue. Und so nach Treue strebend, wird der Mensch dem Menschen wie mit Engel-Hüter-Kräfte nahe sein. Aus einem Brief Rudolf Steiners an einen Waldorflehrer Mit der Verlesung dieser Worte leitete Friedrich Platzer die alljährliche WzQArbeit in der Konferenzwoche vor Schulbeginn ein. Das Kollegium der Schule und des Kindergartens, Frau Peham und eine Handvoll Eltern waren zusammengekommen, um zwei Tage lang gemeinsam Schulentwicklungsthemen zu bewegen. Am ersten Tag ging es um die Frage, wie wir in Zukunft mit Konflikten umgehen wollen. Zunächst wurde Grundsätzliches erwogen: Was bedeutet Vertrauenswürdigkeit? Was ist ein Konflikt? Inwieweit unterscheidt sich ein Konflikt von einem Streit, einer Beschwerde oder einfach einer kritischen Äußerung? Soll es in Schule und/oder Kindergarten einen eigenen Kreis geben, der sich der Thematik annimmt? Das Diskutieren und Entwerfen ließ die zusammengesteckten Köpfe rauchen. Die Modelle, die dabei in unterschiedlichen Arbeitsgruppen entstanden, wiesen erstaun-

lich viel Ähnlichkeit miteinander auf. Es war wohltuend zu sehen, dass unsere Bedürfnisse auf einer Linie lagen. Daher wird es wohl in den nächsten Monaten gelingen, die Vorschläge weiterzuentwickeln und zu einem guten Abschluss zu führen – wir werden über das Endergebnis berichten! Am zweiten Tag stand das Thema „Schulführung“ im Mittelpunkt der Betrachtungen. Wieder begann der Tag mit grundlegenden Fragen. Je weiter die Arbeit voranschritt, desto konkreter wurden die Ideen und Vorschläge. Am Nachmittag trennten sich die Wege der bunt zusammengewürfelten Arbeitsgruppen – das Schulkollegium ging in Klausur, um für sich tragfähige Lösungen zu entwickeln. Auch dieser komplexe Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Sobald dies der Fall ist, erfahren Sie es natürlich an dieser Stelle. Noch ein kleiner, aber feiner Hinweis in Sachen Wege zur Qualität: In den vergangenen Wochen konnte der Zertifizierungsprozess erfolgreich abgeschlossen werden. Näheres dazu auf Seite 22. Beeindruckend auch die Lebendigkeit und Kreativität der neuen MoMentRedaktion! Über den Sommer wurde fleißig weitergearbeitet, und so liegt die erste, wieder sehr bunt gefüllte Ausgabe dieses Jahrgangs bereits jetzt vor. Danke an alle, die so freudig und energiegeladen in das gemeinsame Tun eingestiegen sind! Feedback und Anregungen nehmen wir jederzeit gerne entgegen – lassen Sie uns wissen, was Sie noch interessieren würde! Einen kraftvollen Schuljahresbeginn wünscht herzlich, Irene Bulasikis

MoMent Monatsschrift von und für Eltern, FreundInnen, Lehrer­Innen und SchülerInnen der R. Steiner-Schule Wien-Mauer, Freie Waldorfschule moment@waldorf-mauer.at im 19. Jahr

MoMent-Konto lautend auf: Redaktion Schulzeitung Kontonummer: 9681.059 P.S.K. Blz: 60000 BIC OPSK ATWW IBAN AT26 6000 0000 0968 1059

Leitung des Redaktionsteams: Irene Bulasikis, T. 01/867 20 90 irene@bulasikis.com

Anzeigen/Layout: Renate/Karl Hruza MitarbeiterInnen: Roman David-Freihsl roman.freihsl@aon.at Renate Hruza, T. 01/802 66 03 renate.hruza@silverserver.at Karl Hruza, T. 01/802 66 03 k.hruza@acrobat.at Jörg Schmiedbauer, T. 0676 530 28 29 joergschmiedbauer@acrobat.at

Freie MitarbeiterInnen: Waldtraut Fetscher, Christa Salcher, Lothar Trierenberg

Eigentümer, Verleger und Herausgeber (Medieninhaber): Waldorf-Wirtschafts-Gemeinschaft (WWG), DVR Nr.: 7864 9742

Absender: moment@waldorf-mauer.at

MoMent 1230 Wien, Endresstr. 100

Herstellungsort: DONAU-FORUM-DRUCK , 1230 Wien

Verlagspostamt: 1230 Wien; Zulassungsnummer: 02Z032325Z

2  |

MoMent  September/Oktober 2010


Das ist unsere neue 1. Klasse!

Fotos: L. Trierenberg

Auf der Erde steh‘ ich gern ... Elisabeth Baumann

2. Und im Wasser schwimm‘ ich gern in den Silberwellen, dass ich von den Fischlein lern: auf- und abzuschnellen. e ____ e ____

4. Auf zur Sonne schau‘ ich gern, schenkt sie lichte Strahlen, die mit Farben duftig hell bunte Blumen malen. a ____ a ____

3. Lustig spring‘ ich in die Luft, hätte gerne Flügel, flüge wie die Vöglein leicht bis zum fernsten Hügel. ü ____ ü ____

5. In mein Herzlein leg‘ ich froh eure Gaben nieder, Erde, Wasser, Luft und Licht, seid ja meine Brüder! ü ____ ü ____

September/Oktober 2010  MoMent

| 3


Schulfeier am Schuljahresende Ein Höhepunkt und spannender Jahresabschluss!

Fotos: K. Hruza

4  |

MoMent  September/Oktober 2010


Eine Klassenfamilie unter einem Dach Ein erstes gemeinsames Wochenende zum Kennenlernen

Fotos: L. Trierenberg

W

enn am Sonntagabend auf dem Heimweg im Auto von hinten eine Kinderstimme sagt: „Das waren meine schönsten Ferien im Leben“, dann kann nur ein geglücktes Wochenende hinter uns liegen. Die Eltern der ersten Klasse 2009/2010 hatten sich sehr rasch entschlossen, das gemeinsame Wochenende mit allen Geschwistern und Eltern gleich im ersten Jahr zu verwirklichen. So wurde schon im Herbst das Muttertagswochenende ausgewählt und mit Raabs an der Taya auch schnell ein geeigneter Ort gefunden. Für uns alle hat sich bestätigt, wie schön und wichtig diese Schultradition ist – steht sie doch am Beginn von acht gemeinsamen Jahren mit dieser Lehrerin und zwölf Jahren mit dieser Elterngemeinschaft.

September/Oktober 2010  MoMent

Unsere Kinder kannten einander ja schon einige Monate. Unsere Klassenlehrerin, Frau Platzer, legte in dieser Zeit zum Glück besonders viel Wert auf das soziale Lernen – das ist im ersten Jahr wohl das wesentlichste und anstrengendste Lernen, das in der Schule stattfindet. Sie gab ihnen hierfür sehr viel Zeit und Raum mit Spiel und AustauschMöglichkeiten und den wöchentlichen Ausflügen in den Wald. Jetzt war es endlich auch für uns Eltern möglich, einander näher kennen zu lernen und alle MitschülerInnen mit den passenden Eltern zu „verbinden“. In Raabs angekommen, zeigte sich rasch, dass vor allem für die Kinder ein paradiesisches Wochenende begann. Das Haus, in dem wir wohnten, bot nicht nur viele Spiel-, Turn- und Klettermöglichkeiten, sondern vor allem in jedem Zimmer eine Freundin oder einen Freund. Bei einer gemeinsamen Wanderung am Nachmittag durch das wunderschöne Thayatal konnten wir Frau Platzers große Gelassenheit und ihr Vertrauen in die Selbstregulation ihrer Klassengruppe kennen lernen. Es war schön für uns zu erleben, wie sie damit den Kindern den Freiraum, aber auch den Rahmen geben kann, Dinge selbständig zu erfahren. Auch die geistige Nahrung sollte nicht fehlen. So hatten wir Zeit, uns gemeinsam mit Themen aus der Waldorfpäda-

gogik zu beschäftigen. Zur Einstimmung gab es eine kleine Eurythmie-Übung mit Frau Bartel, die selbst eine Tochter in unserer Klasse hat. Schon hier war es für viele neue Waldorf-Eltern spannend, dieses sehr spezielle Fach an der Schule ein bisschen kennen zu lernen. Das führte zu sehr unterschiedlichen Reaktionen. Frau Welte – die uns dankenswerter Weise für einen Tag besuchte – und Frau Platzer gaben Ein- und Überblicke über das Geschehen der ersten vier Schuljahre und die Entwicklung des Kindes im Lichte der Menschenkunde Rudolf Steiners. Im Anschluss gab es spannende, ja teilweise kontroverse Diskussionen über Erziehung im Allgemeinen und Inhalte des Waldorf-Lehrplanes im Speziellen. Eine bereichernde Auseinandersetzung, die auch zum gegenseitigen Kennenlernen beitragen konnte und sicher in den kommenden Jahren weitergeführt werden kann. Und wenn dann am Muttertag die „Klassenmama“ umringt von Ihren Kindern – eines davon sogar auf ihrem Arm – ein Abschlusslied anstimmt, dann spüren wir: Die Schulzeit hat gut begonnen, und wir freuen uns auf die kommenden Jahre mit Frau Platzer und dieser Elterngemeinschaft. Lothar Trierenberg

| 5


Beeindruckendes Ergebnis D

ass die 3. Klasse ein Haus bauen wird, ahnten wir. Dass unsere 3. Klasse aber ein Lehmhaus bauen würde, erfuhren wir beim Elternabend im November 2009. Dabei wurden wir auch über die Entwicklung der physiologischen und psychologischen Fähigkeiten bei so einer Tätigkeit informiert. Als Abschluss des Elternabends und dem eigentlichen Beginn unseres Projektes bildeten wir eine Hausbau-Unterstützungsgruppe. Dann wurde es ruhig um unser Lehmhaus. Winter, Weihnachten, Jahreswechsel, Fasching und die vielen Projekte, die es in der Dritten gibt, lenkten uns ab und forderten unsere ganze Aufmerksamkeit. Als ich schon dachte, dass sich der Hausbau wohl nicht mehr ausgehen würde, wurden die Hausbaugruppe von Frau Willau nach Tattendorf zu Herrn Meingasts Lehm-Musterhaus gerufen. Im Gespräch mit Herrn Meingast erfuhren wir eine Menge Details für unser Lehmhaus. Skizzen wurden erstellt, Pläne gezeichnet, Materialien notiert, Gewichte und Masse eruiert, Volumina errechnet, Kosten geschätzt, Zeiten verschoben, Aufgaben zugeordnet und die ersten Aufträge erteilt. Zuversichtlich, alles Wichtige zu wissen und den Hausbau doch noch rechtzeitig und formschön bis zum Ende des Schuljahres schaffen zu können, fuhren wir wieder nach Hause. Dann wurden die ersten Detailpläne gezeichnet, die ersten Modelle erstellt, alles betrachtet und bestaunt, diskutiert, verworfen, weiterentwickelt und neu gemacht. Hier

leisteten Martin Brand und Moritz Schröder Pionierarbeit. Genaue sechs Monate nach dem ersten Eintauchen in das „Lehmhaus“, trafen wir uns zu einem letzten Koordinierungsgespräch, bevor es mit den Zuschneidearbeiten für das Holzfachwerk so richtig ernst wurde. Der Hausbau ging los, es gab kein Zurück mehr. In den folgenden zwei Wochen „beschlagnahmten“ wir das Haus von Moritz im Weinviertel als Dependance für Holzarbeiten wie Zuschneiden des Fachwerkes und der Bretter, Vorbohren der Holznagellöcher und der Schrauben, Stemmen der Nuten, Zapfen und Federn. Um sicherzustellen, dass auch wirklich alles passt, stellten wir vor dem Verladen das gesamte HolzTragwerk unseres Hauses zusammen. Noch einmal wurde es knapp mit der Zeit, denn die Arbeiten waren aufgrund unserer vielen „Fachleute“ umfangreicher als gedacht und geplant. Da kam uns aber unsere Lehrerin, Frau Willau mit all ihren Söhnen, zu Hilfe. Zu viert arbeiteten sie einen ganzen Samstag lang mit uns, und so blieben wir innerhalb des selbst gesteckten Zeithorizonts.

Am 24. Mai verluden wir unser Fachwerk auf einen Autoanhänger und brachten alles nach Wien. Im Garten des Kindergartens auf 113 wurde es am 28. Mai, einem Freitagnachmittag, plötzlich sehr geschäftig. Der erste Spatenstich erfolgte. Wir gruben die Fundamente aus, die unser Lehmhaus tragen sollten. Wir wogen das Niveau, machten eine „Altkübelbetonschalung“, setzten die Stahlbügel, die vorerst nur die Holzkonstruktion und später dann das ganze Haus tragen würden ein. Als Vorbereitung und um die Symbolik herauszustreichen, hatte jedes Kind einen „Grundstein“ mit in den Unterricht

Fotos: J. Prüller

6  |

MoMent  September/Oktober 2010


der Hausbauepoche gebracht. Das Einlegen dieser Steine in die fertige Schalung stellte ebenfalls einen besonderen Akt für die Kinder dar. Dann konnten wir die Schalung mit Beton füllen und das Trocknen der Grundfeste der Sonne überlassen. Am Abend präsentierten wir unser Fundament den zum Elternabend gekommenen Eltern. Beim diesem EA wurden die weiteren Abläufe besprochen. Wir bekamen Listen zum Eintragen, wer wann als Unterstützungs- bzw. als Aufsichtsperson Zeit und Energie aufbringen könnte. Dass wir dabei auch ganz schön an den Nerven gefordert werden würden, wussten wir noch nicht. Sehr viele Eltern fanden Zeit und Interesse, bei den weiteren Arbeiten mitzumachen. Hier zeigte sich, dass wir in den letzten drei Jahren eine gute Gemeinschaft geworden waren, denn wir brauchten für jeden „Arbeitstag“ vier

September/Oktober 2010  MoMent

bis fünf erwachsene Hilfskräfte. Es waren die richtigen Mischverhältnisse beim Lehmmörtel sicherzustellen, der Umgang mit dem Maurerwerkzeug zu beaufsichtigen, die Sicherheit beim Hantieren mit den Maschinen zu überwachen, der Transport der schweren Materialien aufzuteilen, manche kleinere Unstimmigkeiten zwischen den „Fachwerkern“ zu schlichten und die Gerechtigkeit bei der gemachten Lastenverteilung zu verteidigen. Am 31. Mai ging es für die Kinder richtig los! Frau Willau bildete vier Gruppen. Sie schleppten im Wechsel von jeweils sechs bis acht Personen Kanthölzer, Verstrebungen und Bretter, Wasser, Lehmmörtel, Lehmpulver, Strohballen und Mörtelkübel. Sie ölten das gesamte Holz und schnitten die Haselstaudenstangen zurecht. Sie setzten das Holzfachwerk zusammen, mischten den Lehmmörtel, formten mit ihren Händen die Wände und ließen so das Haus seine Gestalt annehmen. Wie bei Sterneköchen fand vor allem das Mischverhältnis für den Mörtel besondere Beachtung. Das Verhältnis von drei Kübeln LehmSand-Gemisch, zwei Kübeln fein gehäckseltes Stroh, vier Liter Lehmpulver und einem Kübel Wasser wurde penibel eingehalten. Auch das Schilfmatten-Dach wurde gemeinsam aufgesetzt. Zum Schluss reinigten die Kinder das Werkzeug und räumten die Baustelle auf. Bei all dem hatten alle Beteiligten noch die Unbill der Natur zu

MoMent Rückblicke ...

ertragen. Es war nämlich abwechselnd heiß und kühl, trocken und schwül, staubig uns nass und somit auch gehörig gatschig. Aber auch die Gelsen vergaßen nicht auf ihr Werk und stellten die jungen und alten Baufachleute auf die Probe. All das war am 24. Juni 2010 Geschichte, denn an diesem denkwürdigen Tag feierten wir ein großes, fulminantes Hausbaufest, zu dem fast alle Eltern und Kinder kamen. Die Übergabe des Hauses an den Kindergarten erfolgte später in einer eigenen Feier. Zum Abschluss darf ich mich im Namen der 3. Klasse der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer bei unseren Sponsoren auf das Herzlichste bedanken: Großzügige Rabatte bekamen wir von der Firma Andrea Toma-Biofaserlehm und dem Holzlieferanten von Moritz Schröder der Fa. Frey-Amon. Materialien zum Hausbau stellten die Familien Martines, Kaltenbrunner, Pfrimer/Fussy, Racketseder/Roche und Krieger/Prüller zur Verfügung. Viele Gratis-Kilometer mit dem Auto steuerten Moritz Schröder, Aladar PetkoSzandtner, Sabine Racketseder und noch viele andere bei. Baumeister Leutzendorff beriet uns auch kostenlos. Finanziell wurden wir besonders von der Raiffeisenkasse unterstützt. Aber auch einige Familien aus den eigenen Reihen haben Geld aufgetrieben, um die Klassenkasse wieder aufzufüllen. Josef Prüller

| 7


MoMent Rückblicke ...

D

ie letzte 4. Klasse hatte zum Abschluss des Schuljahres eine sehr interessante und erlebnisreiche Heimatkunde-Epoche. An drei aufeinanderfolgenden Freitagen und einem Mittwoch erkundete Herr Wohlmacher mit den Schülern und einigen begleitfreudigen Eltern das historische Wien. Bevor es jedoch in die Innenstadt ging, konnten die Kinder vom Kahlenberg auf die Stadt blicken. Am heißesten Tag des Schuljahres (das Thermometer zeigte 35°C) erklommen wir die steile „Nase“ des Leopoldsberges. Nach etlichen Kehren und einigen Trinkpausen gab es, oben angelangt, die erste große Rast: Wir jausneten im Schatten der alten Burgmauer, warfen einen ersten Blick auf Wien, und ein Brunnen brachte den Kindern Erfrischung und Abkühlung von innen und außen. Danach wanderten wir entlang blühender Frühsommerwiesen gemütlich weiter zum Kahlenberg, wo wir die Kirche besichtigten und wieder auf die Stadt hinabschauten. Diese lag zwar im Hitzedunst, sodass wir Einzelheiten kaum erkennen konnten, doch die Kinder konnten einen guten Eindruck von der Größe der Stadt gewinnen. Auch die Natur bot uns Aufregendes an diesem Tag: Auf dem Weg zur Jägerwiese, wo wir Mittagsrast halten wollten, entdeckten und bestaunten die Schüler zwei Schlangen, wahrscheinlich eine Äskulap- und eine Ringelnatter, worauf sich

8  |

Die 4. Klasse entdeckt ihre die Tierkundigen unter uns einigten. Nach einer ausgiebigen Essens-und Spielpause auf der schön gelegenen Wiese marschierten wir zum Cobenzl weiter, von wo uns Bus, U-Bahn und Straßenbahn wieder zur Schule brachten. Beim nächsten Ausflug überwog leider das nasse Element, es regnete von der Früh an. Am Ende des Vormittags kamen die Kinder ziemlich durchnässt zu Hause an. Zuvor lernten sie einen Teil der Ringstraße mit ihren Prachtbauten und wichtigen Gebäuden kennen. Zu Fuß ging Herr Wohlmacher mit den Schülern vom Schottentor bis zur Staatsoper und erklärte ihnen alle Sehenswürdigkeiten. Ideales Stadtbesichtigungswetter hatten

wir bei unserem dritten Ausflug. Mit Straßenbahn und U-Bahn fuhren wir zum Stephansplatz; dort teilte Herr Wohlmacher die Klasse in drei Gruppen, um den Kindern eine intensivere Begegnung mit dem Stephansdom zu ermöglichen. So machten wir einen Rundgang durch die Kirche, stiegen die 343 Stufen zum Südturm hinauf und die Schüler fertigten eine Zeichnung vom Dom an. Anschließend spazierten wir über den Graben, die Tuchlauben und den Hohen Markt zur U4 am Schwedenplatz; auf dem Weg dorthin lernten die Kinder den „Stock im Eisen“, die Pestsäule und die Ankeruhr kennen. „Eine Rätselrallye durch das alte Wien“

MoMent  September/Oktober 2010


Unser Weg zum Meer,

Stadt

9.Klasse – so lautete das Motto des letzten Ausflugs. In vier Gruppen geteilt, begleitet von je einem oder zwei Erwachsenen, marschierten die Kinder vom Schwedenplatz los. Bei über zwanzig Stationen war nun genaues Schauen, aufmerksames Suchen und das Erinnern an bereits in der Schule oder auf den Ausflügen Gehörtes gefragt. Wir Erwachsenen freuten uns darüber, wie eifrig die Kinder sich den Aufgaben widmeten, sodass selbst eine kurze Essenspause einiger erwachsener Überredungskunst bedurfte. Alle Fragen konnten beantwortet werden, keine Gruppe ging verloren, und zu Mittag fanden wir einander alle glücklich und zufrieden an unserem vereinbarten Treffpunkt wieder. Herrn Wohlmacher, herzlichen Dank für die schöne und sehr lebendige Epoche, in der die Kinder so viel Neues entdecken konnten … und wir Eltern so manch Vergessenes wiederentdeckten! Irene Mayer

September/Oktober 2010  MoMent

… und wir gehen wieder …. vom 6. bis 9. Oktober – weiter im Mürztal – wir suchen möglichst günstige Übernachtungsmöglichkeiten – selber dort kochen, das spart viel vom Budget – Interessantes besuchen – Wege, die nicht asphaltiert sind…und was Sie sonst noch für Tipps für uns haben –wir freuen uns über jede Anregung… Herta Hans

I

n diesem Schuljahr sind wir unserem Ziel, dem Meer, schon etwas näher gekommen. Ich schätze einmal ein Fünftel des Weges nach Triest ans Meer haben wir geschafft. Dieses Jahr gingen wir bei jedem Wetter, egal ob es in Strömen regnete oder die Sonne uns auf den Kopf schien. Der Weg führte uns heuer über BerndorfWöllersdorf (Steinabrückl), wo wir in einem Pfarrheim übernachteten, weiter über Bad Fischschau- Winzendorf- SaubersdorfMolram nach Neunkirchen. Von Neunkirchen fuhren wir mit dem Zug nach Wien. Eigentlich wollten wir bis nach Ternitz gehen. Jedoch regnete es so stark, dass wir in Neunkirchen aufgaben. Dadurch, dass die Anfahrt mit dem Zug nun immer länger dauert und auch mehr kostet, müssen wir nun mehrere Tage hintereinander gehen. So gingen wir letztes Mal drei Tage von Neunkirchen nach Schottwien, wo wir in einer Herberge übernachteten, in der wir uns am Abend selber bekochten. Frau Hans wollte aber auch ihren Unterrichtsstoff“ durchziehen“ und so hatten wir am Abend „Hauptunterricht“. Am nächsten Tag ging es weiter hinauf auf die Semmering Passhöhe. Die schnelle Gruppe ging über zwei Gipfel.

Die gemütliche und etwas langsamere Gruppe ging die Semmeringbergbahn entlang. Am Abend übernachteten wir dann im Turnsaal der Tourismusschule neben dem berühmten Hotel „Panhans“. Am dritten und letzen Tag gingen wir bei Regen nach Mürzzuschlag. Von dort aus fuhren wir dann mit dem Zug wieder zurück nachhause. Viele von Ihnen werden sich denken, wieso übernachten die Jugendlichen nicht in Pensionen/Hotels. Wir finanzieren uns dieses Projekt selbst, sprich wir arbeiten dafür, um uns „unseren Weg“ ermöglichen zu können. Vielleicht haben Sie schon bemerkt, dass wir nach einer Monatsfeier Kuchen und andere Artikel für den Alltag verkauft haben. Nicht nur durch den Erlös der von Ihnen gekauften und von uns produzierten Waren kann dieses Projekt stattfinden. Ich möchte mich an dieser Stelle recht herzlich bei allen Begleitpersonen bedanken, die sich Zeit nehmen und mit uns ein Stück des Weges gehen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns demnächst wieder mit dem Kauf eines Artikels unterstützen. Florian Schitz | 9


Delta Dunari

N

ach einer etwas längeren Anreise (1.400 km mit Zug und Bus) waren wir in Tulcea am Rand eines wunderschönen Naturschutzgebietes angekommen. 60 km² Natur – Schilf, Wasser, Bäume, viele Vögel und andere Tiere (z.B. Millionen von Gelsen) – lagen vor uns, und das Delta wollte mit dem Kajak durchfahren werden. Geplant war, nach einer Nacht und einem Tag Vorbereitung (Bootsaufbau und Einkauf) loszufahren. Aber verschiedene Umstände wie (z. B. Zugverspätung, etwas mehr Wasser als vorhersehbar) ließen die Vorbereitungsarbeiten länger dauern, und wir starteten erst einen Tag später. Als Entschädigung durften wir die erste Nacht in einer Pension verbringen, uns an das fremde Land gewöhnen und die Anreise verarbeiten. Auf Grund des hohen Wasserstandes waren viele der im Vorjahr besichtigten Lagerplätze nicht verwendbar, und wir mussten unsere Reiseroute umplanen. Das Donaudelta ist zwar sehr dünn besiedelt, trotzdem trafen wir immer wieder sehr hilfsbereite Menschen, die uns unterstützten, wo sie nur konnten. Tagesablauf eines Paddeltages: 7 Uhr – Aufstehen, Frühstück, Waschen, Packen, Zelte abbauen, Boote ins Wasser, alles in die Boote 11 Uhr – Abfahrt (oftmals auch später) Irgendwann am Nachmittag – Rast mit kleinem Imbiss 18 Uhr – Ankunft, Boote entladen, Boote aus dem Wasser, Zelte aufbauen, Kochen, Essen, etc. 20 Uhr – Aufnahme des Abwehrkampfes gegen die Gelsen 22 Uhr – ab ins Zelt, ein anstrengender Tag wartet!! Im Ablauf nicht erwähnt sind die viele Wartezeit und die Anstrengungen beim Be- und Entladen der Boote. Dies alles wurde von den 8.Klässlern mit großer Kraft, Ruhe und erstaunlicher Disziplin gemeistert. Ständige Belohnung für die beschriebenen Mühen waren wunderschöne Eindrücke von Tier- und Pflanzenwelt. Pelikan, Reiher, Ibis, 10  |

Kormoran und Eisvögel waren unsere Be2 von 3 gleiter. Riesige Seerosenfelder, viele Weiden und unendliches Schilf wollten bewundert werden. Nach fünf wunderschönen, aber auch sehr anstrengenden Paddeltagen kamen wir nach Sulina und damit an den Schwarzmeerstrand. Bis in den späten Abend wurden die 17 Faltboote wieder fein säuerlich gereinigt und verpackt. Auch musste das ganze Gepäck, alle Mitreisenden und auch die Boote an den Strand gebracht werden. Dabei konnten wir uns wieder auf die Hilfsbereitschaft der Rumänen verlassen. Zwei Entspannungstage am Strand taten uns allen sehr gut. Danach waren wir gerüstet, um alles wieder zum Hafen und weiter in das Tragflügelboot zu bringen. Die Reise zurück nach Tulcea dauerte nur wenige Stunden. Wir mussten uns nun vom Donaudelta und dem Leben in der Natur verabschieden. Wir

fuhren mit dem Bus nach Bukarest und verbrachten dort zwei Nächte in einer Jugendherberge. Stadtbesichtigung, Restaurantbesuch, Dusche, Fernseher und Internet bedeuteten Rückkehr in die Zivilisation. Trotz aller Anstrengungen und Mühen war immer gute Stimmung und die Stärke der Klassengemeinschaft spürbar. Die Reise war sicherlich für alle Mitreisenden und auch für die Daheimgebliebenen trotz der sehr guten Vorbereitung eine große Herausforderung. Und gerade deshalb ist für uns besonders erwähnenswert, mit welcher Unbekümmertheit, innerer Kraft und Selbstverständlichkeit schwierige, anstrengende und überraschende Situationen von den Jugendlichen angenommen und gemeistert wurden. Elisabeth, Werner und Gerhard (Eltern)

MoMent  September/Oktober 2010


- eine etwas andere Acht-Klass-Reise

MoMent Rückblicke ...

29.08.2010 12:49

Fotos: E. Heitger, W. Mühlegger, G. Rumetshofer

D

ie Reise war sehr abenteuerlich, man wusste z.B. nie genau, wo der nächste Schlafplatz ist – spannend, ein cooles Gefühl. Das Paddeln finde ich sehr schön, weil man so direkt am Wasser ist und viele Tiere sieht. Besonders lustig sind Frösche, die reglos unter der Wasseroberfläche „hängen“. Bukarest. Jugendherberge. Endlich wieder ein Bett!:) Viel zu früh werden wir aufgeweckt. Was soll ich anziehen?! Frühstück. Brot, Marmelade, Nutella, Tee und Kaffee (kein Gaskocher mehr!). Hilfe, was soll ich mit meinen Haaren machen?? Es beginnt zu regnen. Rock oder doch Hose? Regen. 10 Uhr Stadtbesichtigung mit Regen. Schuhge-

September/Oktober 2010  MoMent

schäftschaufenster ;). Kaffeehaus! Kakao mit Minzgeschmack :( Paläste, Kirchen, alte Häuser, ... Ende der Stadtbesichtigung. UBahnstation im Trockenen :). 16 Uhr Essen im Pizza-Hut, dann zurück in die Jugendherberge. An einem Tag konnten wir die wunderschöne Deltalandschaft erleben. Wir fuhren mit unseren Booten zuerst durch einen Naturkanal in der Art einer Baumallee. Später kamen wir in ein größeres Gewässer. Wir sahen dort hunderte riesige Pelikane, viele verschiedene Reiherarten, Eisvögel ... Umgeben von Schilf und Wasser konnten wir uns dort nur mit Hilfe eines GPS-Gerätes orien-

tieren. Das war, finde ich, der schönste Tag unserer 8-Klass-Reise. Am besten gefallen hat mir an der Reise, dass wir am ersten Tag gleich einmal falsch abgebogen sind. Dadurch konnten wir nicht den geplanten Arm des Deltas ins schwarze Meer hinunter fahren. Marilena, Leonie, Valentin, Jakob R. (SchülerInnen)

| 11


ARTiculating Values: Youngsters act in Bericht über ein interkulturelles Projekt der 11. Klasse

S

eit September 2008 nimmt die jetzige 11. Klasse am internationalen Schulprojekt EuroMed School Forum teil, das vom BMUKK (Abteilung für internationale Beziehungen) ins Leben gerufen wurde und vom Internationalen Zentrum in Wien koordiniert wird. Schulen aus acht verschiedenen Ländern des euro-mediterranen Raumes (Österreich, Ungarn, Niederlande, Dänemark, Israel, Jordanien, Libanon und Türkei) beteiligen sich an diesem Projekt, dessen Ziel die Pflege des interkulturellen und interreligiösen Dialogs und die Schaffung von Netzwerken zwischen diesen Schulen ist. Kommunikationssprache ist Englisch, die konkreten Aufgabenstellen bestanden unter anderem in der Präsentation von Heimatstadt, Schule und Klasse, der Ermittlung der wichtigsten Werte der teilnehmenden Klassen sowie Interviews mit Großeltern, um die Werte dieser Generation mit denen der Jugendlichen zu vergleichen. Dazu wurden Kurzgeschichten und Gedichte (haikus, acrostic poems…) geschrieben und Poster gestaltet, die alle im Internetforum des Projekts veröffentlicht wurden (www.articulatingvalues.net). Vom 25. bis 30. April 2010 fand dann im Europahaus Wien ein internationales Trainingsseminar statt, bei dem VertreterInnen aller teilnehmenden Schulen (je ein Lehrer und ein Jugendlicher pro Schule) zusammentrafen und sich im Rahmen eines mehrtägigen Theaterworkshops (nach den Methoden des Theaters der Unterdrückten von Augusto Boal) mit den Themenbereichen „Werte, Konflikte und Identitäten“ auseinander. Dabei sollten eigene Werte und mögliche Vorurteile gegenüber dem/ den „Anderen“ kritisch hinterfragt und künstlerisch dargestellt werden. So entstandenen Theaterszenen, die Themen wie Krieg, Gewalt in der Familie, Diskri-

12  |

minierung von Minderheiten in der Schule und am Arbeitsplatz behandelten. Am Abschlussabend wurden einige dieser Szenen öffentlich präsentiert, wobei das Publikum jederzeit eingreifen, eine Rolle übernehmen und so die Szene verwandeln und die Situation positiv verändern konnte. Die Folgeaktivität dieser Seminarwoche werden eintägige Theaterworkshops unter der Leitung eines erfahrenen Theaterpädagogen an allen teilnehmenden Schulen mit anschließender öffentlicher Aufführung sein.

An unserer Schule wird Ahmad Abu Kharma am Donnerstag, dem 21. Oktober 2010, einen solchen Workshop mit der 11. Klasse veranstalten und das Ergebnis am Abend (voraussichtlich 19.30 Uhr) im Großen Festsaal präsentieren. Dazu sind alle interessierten SchülerInnen, Eltern, Freunde … herzlich eingeladen. Wir freuen uns besonders auf das kreative Mitgestalten des Publikums!

Marlene Sadychow und die 11. Klasse

Das Interkulturelle Zentrum Wir engagieren uns seit mehr als 20 Jahren für die Begegnung und Kommunikation von Menschen aus verschiedenen Kulturen. Wir unterstützen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Schulen, die internationale Jugendarbeit sowie die interkulturelle Bildung und das Diversity Management in Österreich.

http://www.iz.or.at/ http://doku.cac.at/rudolf_steiner_schule_mauer_at.pdf

MoMent  September/Oktober 2010


MoMent Rückblicke ...

EuroMed I

m April nahm ich als Vertreterin meiner Klasse an der Seminar-Woche zum Projekt Articulating Values – EuroMed School Forum teil. Im Europahaus in Hütteldorf trafen jeweils ein Schüler und ein Lehrer der beteiligten Schulen zusammen. Die Teilnehmer kamen aus acht verschiedenen Ländern: Israel, Jordanien, Ungarn, Dänemark, Türkei, Libanon und Österreich. Es waren auch einige Jugend-Organisationen vertreten wie z.B. Contact aus Dänemark. Die ganze Woche sprachen alle Englisch miteinander, sodass jeder jeden verstehen konnte. In dieser Woche war es unser Ziel, einander kennenzulernen, durch Übungen des „theatre of the oppressed“ von Augusto Boal, und die anderen zu akzeptieren und auch zu verstehen, obwohl sie vielleicht eine andere Religion hatten oder einfach aus anderen Verhältnissen kamen. Am Anfang wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt – „adults“ und „students“. In diesen Gruppen arbeiteten wir die meiste Zeit

September/Oktober 2010  MoMent

in Kleingruppen. Jede Gruppe wurde von einem drama educator geleitet, wie Birgit Fritz aus Österreich oder Chen Alon aus Israel. In diesen Gruppen lernte man einander kennen und vertrauen, durch Übungen und Spiele. Es war auch wichtig, dass man immer mit jemandem Neuen sprach oder eine Übung machte. Wir teilten uns später in kleine Gruppen und suchten uns ein Thema, etwas, was wir an dieser Welt ändern wollten; wir besprachen es zuerst und gestalteten dann einige Szenen zu Themen wie z.B.: family conflicts, war, violence against women, cultural differences, mobbing… Diese gemeinsame Arbeit verband uns immer mehr miteinander. Man sprach über Themen, über die man vielleicht sonst nie gesprochen hätte. Zwischen uns Schülern entwickelten sich schnell Freundschaften, man konnte zu jedem hingehen und jeder freute sich, mit einem reden zu können. Am drittletzten Tag kamen die drama educators aus den acht teilnehmenden Ländern.

Mit ihnen erarbeiteten wir in den letzten zwei Tagen die Performance, welche dann der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Wir einigten uns auf folgende sechs Themen: „family conflicts“, „war and love“, „ignorance“, „respect“, „migration“, „cultural differences“. Nach der Performance gab es noch ein Abschiedsfest. Einiges wurde schon für die Zukunft geplant, sodass man sich nicht für immer verabschieden musste. Für mich war eines der schönsten Erlebnisse, so schnell in eine Gemeinschaft aufgenommen zu werden und über alles, was in dieser Welt vorgeht, sprechen zu können. Ich habe viele Freunde gefunden, zu denen ich jetzt noch Kontakt habe und die ich hoffentlich wiedersehen werde. Und soweit ich von den anderen weiß, war es auch für sie ein Erlebnis, das sie nicht missen wollten … Milena Wendt, 11. Klasse

| 13


V

Wenn Engel zu Menschen werden

or fünfzehn Jahren besuchte ich mit zwei Freunden ein Mysterienspiel in der Rudolf Steiner Schule Wien-Mauer. Gleich beim Eingang wehte uns eine durchgeistigte und eingeweihte Atmosphäre entgegen. Man konnte schwer ausmachen, ob unter den wallenden, meist violetten Kleidern einiger Frauen die Füße auch den Boden berührten. Die ganze Gesellschaft – Schauspieler und Publikum – erweckte in uns den Eindruck eines hermetisch geschlossenen Systems. Gleich vorweg – wir haben’s nur bis zur Pause geschafft. Schwer gezeichnet von den ständigen Bedrohungen durch Ahriman mussten wir uns in ein Cafe am Maurer Hauptplatz setzen und erst mal ein Bier trinken. Wir hatten uns im Vorfeld mit Rudolf Steiner beschäftigt, waren vor allem von seiner „Philosophie der Freiheit“ angetan. Aber – was war das denn nun?! Irgendwie schien

14  |

uns das alles nicht von dieser Welt zu sein, vermischt mit einer rückwärtsgewandten Sentimentalität. Ein Hauch von Morbidität und Jugendstil war zu spüren. Im Juni dieses Jahres wurde ich von der Tochter einer lieben Freundin zum Klassenspiel eingeladen. Auf dem Programm stand „Lamorte“. Mit einem leicht mulmigen Gefühl betrat ich den Eingang der Schule. Die Angst vor Ahriman saß mir irgendwie noch im Nacken. Es war noch eine halbe Stunde bis zum Beginn der Aufführung, weswegen ich mir Zeit nahm, einen Rundgang im Schulgebäude zu machen. Ich bemerkte eine gewisse Gelöstheit in den Schulgängen, der Theatersaal lud richtiggehend dazu ein, sich hinzusetzen und zu genießen. Wo waren die engelsgleichen Gestalten? Ich atmete auf.

Fotos: K. Hruza

MoMent Rückblicke ...

Das Spiel begann. Was sich dann im Zeitraum von zwei Stunden auf der Bühne entwickelte, war für mich eine berührende kurze Phase meines Lebens. Eine Klasse junger Menschen bildete eine soziale Skulptur. Niemand tat sich besonders hervor, keiner oder keine spielte da irgendwen an die Wand. Hier drückten Jugendliche Gemeinschaft aus, die Freude am Theater, die Lust am Handeln, die Achtsamkeit des Moments. Der Inhalt des Stückes war dann eigentlich nur noch Nebensache, wenngleich er doch dazu beitrug, die Fähigkeiten der einzelnen SpielerInnen zur Geltung zu bringen. Doch hier trat das „Wie“ in den Vordergrund. Eine wunderbare Sequenz war meines Erachtens, als die ProtagonistInnen eine Szene aus „Lysistrate“ zum Besten gaben. So viel Erotik, Lebensbejahung und Koketterie mochte ich bis dahin an diesem Ort gar nicht vermuten. Der „Anarchist“ Rudolf Steiner hätte sich hier wohl, ob der Freizügigkeit der Handelnden, sehr gefreut. Das Publikum lachte befreit auf. Szenenapplaus. Es gab auch etwas zu weinen. Am Ende des Stückes wurde die Gastgeberin von ihren FreundInnen mit einem Lied in den selbst gewählten Tod begleitet. Im Publikum wurden Taschentücher verteilt. Am Weg aus der Schule beobachtete ich noch einmal das Umfeld: Ja, es hat sich was getan in der Waldorf-Gemeinschaft. Die Blicke richten sich nach vorne, die Füße berühren die Erde. Meine Hochachtung galt auch den Lehrerinnen und Lehrern, die es vermochten, in jungen Menschen mittels eines Theaterstückes soziale Fähigkeiten zu entwickeln. Als ich in der Straßenbahn saß, fühlte ich mich durchdrungen von Leichtigkeit. Kein bedrohliches Geistwesen saß auf meinen Schultern. Ich war ganz im Hier und Jetzt. Diese Klasse hat mir an diesem Abend wieder anschaulich gezeigt, worauf es ankommt: Selbstvertrauen und Achtsamkeit. Es war ein Lehrstück, eine Erinnerung an das Wesentliche. Wir müssen keine Engel sein, die Vollkommenheit liegt im täglichen unperfekten Üben auf der Bühne des Lebens. Andreas Leszkovsky

MoMent  September/Oktober 2010


MoMent Rückblicke ...

12. Klass-Reise W

as kann man sich mehr wünschen als Abschluss der tollen zwölf Jahre in dieser Schule, als mit seiner Klasse fast zwei Wochen in Portugal zu verbringen? Meiner Meinung nach nichts. Die besichtigten Städte Porto, Lissabon und Sevilla (Spanien) waren ebenso wichtig und schön wie die Zeit, die wir an der Algarve verbracht haben. So sind auch Kultur und Freizeit in gutem Einklang zueinander gestanden.

Der krönende Abschluss unserer wunderschönen Reise war dann der letzte Abend: Noch einmal ist unsere gesamte Klasse zusammen gesessen und hat gemeinsam Abend gegessen. Es war das letzte Mal in dieser Form, was uns vielleicht hätte traurig stimmen können. Das war es aber nicht – es war ein lustiger und ausgelassener Abend, den wir so schnell nicht vergessen werden! Johanna Salcher

D

ie 12. Klass-Reise führte unsere Klasse nach Portugal und Spanien. Wir besichtigten Kathedralen und wunderschöne Kreuzgänge, machten Skizzen von verzierten Torbögen oder Türmen. Ganz besonders gefiel mir der Aufenthalt am Atlantik, wo wir ein paar Tage einfach das Meer genossen. Einige von uns machten eine unvergesslich schöne Bootsfahrt um die südlichste Küste Portugals. Ich werde diese Reise nie vergessen, und ich danke allen, die mir diese wunderschöne Reise ermöglicht haben.

Fotos: J. Dostal

Adinda Meijts

September/Oktober 2010  MoMent

| 15


MoMent Rückblicke ...

ERZIEHEN MIT HERZ UND HIRN „Es ist schwierig, 24 Stunden lang authentisch zu sein “ (Jesper Juul)

J

a, das stimmt und dennoch: Die Authentizität und Menschlichkeit zweier Persönlichkeiten kann sogar durch eine mediale Wiedergabe spürbar sein. Jesper Juul , Familientherapeut und Erziehungsexperte aus Dänemark, und Gerald Hüther, renommierter Neurobiologe mit Lehrstuhl in Göttingen im Gespräch miteinander zu sehen und zu hören, schafft Zugang zu einer Zukunft, die schon begonnen hat. Auf Initiative und Einladung des Elternrates stellte das FamilyLab, eine internationale Organisation für Familienfragen, einen Film zur Verfügung. Diese Aufzeichnung stammt von einer Podiumsveranstaltung in Deutschland. Aber, wie gesagt: Lebendigkeit kann im Glücksfall sogar virtuell übermittelt werden. Der kleine Festsaal der Maurer Schule war übervoll. Was ist eine persönliche Autorität? Und was eine gleichwürdige Beziehung? Warum müssen wir viel weniger „erziehen“ als wir denken? Was ist ein Angsthirn? Und warum ist es so gut, ein „Nein aus Liebe“ zu sagen? Was brauchen Kinder um sich zu entfalten? Das große Spektrum an indirekten Fragen, die hier behandelt wurde, berührt elementare Lebensthemen, mit denen wir täglich im Umgang mit uns und unseren Kindern konfrontiert sind. Es wurden Antworten gegeben, Antworten, die nicht einem Rezeptbuch entstammen, das heißt: Wie erziehe ich mein Kind?, sondern Antworten, die eine Geisteshaltung vermitteln, auf deren Basis Lösungen im Alltag gefunden werden können. Es geht nicht um kurzfristige Patentlösungen, nicht um Perfektion, es geht um eine Neupolung unserer Einstellungen, die dem Jetzt entspricht. Auch Erwachsene wissen nicht immer alles besser. Was sie tun können, ist Kinder empathisch zu begleiten – und eigene Rollenbilder zu vergessen. Unsere Gehirne sind durch Erziehung und kollektive Bilder so genormt worden, dass das eigene Wesen nicht voll sichtbar werden darf. Es ist Mut und Revidierung der übernommenen Konzepte nötig, um den Menschen der Zukunft tatsächlich neue Bedingungen zu schaffen.

16  |

Das menschliche Gehirn macht zwei grundlegende vorgeburtliche Erfahrungen. Diese Erfahrungen wollen ein Leben lang weitergeführt werden: Verbindung und Wachstum. (Gerald Hüther) Was Erziehung also bereitstellen muss, ist die Möglichkeit und die Ausdehnung von Verbindung und die Gelegenheit für tägliches Wachstum. Das sind Parameter, an denen sich Familien und Schulen messen mögen. In diesem Sinn will das unendliche bereitgestellte Hirnpotential nicht mit Wissen gefüllt werden, sondern Erfahrungen der Selbstwirksamkeit machen dürfen. Kinder lernen als Forscher, nicht als Schüler im herkömmlichen Sinn. Es geht darum, Kinder weniger nach unseren Vorstellungen zu erziehen, sonder Bedingungen zu erschaffen, die die Kreativität und Schöpferkraft der Kinder zur Entfaltung bringen. Für das Gehirn gilt: Alles, was nicht gebraucht wird, verkümmert. Und: Die Entwicklung des Gehirns hört nie auf, auch bei uns Erwachsenen nicht. Laut Gerald Hüther geht es in der Schule nicht um die bloße Vermittlung von Kulturfähigkeiten, sondern um die Entwicklung des Geistes, auf dessen Grundlage Kulturfähigkeiten erschaffen werden können. Was man mitgestaltet, verleiht Identität. Jesper Juul spricht von der grundlegenden Erfahrung, die jedes Kind machen sollte: Wertvoll zu sein, ein grundlegendes „Ja“ zum eigenen Sein zu erleben. Dann ist vieles andere nicht mehr so wichtig, und Fehler, auch in der Erziehung, dürfen gemacht werden, da sie ja soundso nicht vermeidbar sind. Wenn wir uns Fehler gestatten (auch das ist Authentizität), dann kann auch das für unsere Kinder Vorbild sein: Ich lerne aus Fehlern und wachse durch sie. In diesem Sinn ist es eben besser, ein klares Nein zu sagen und damit die Abgrenzung zu wahren (auch das hat Vorbildcharakter), als ein Ja mit schlechtem Gewissen zu sprechen oder die gezogene Grenze mit vorgeblichen Erziehungsargumenten zu

bemänteln. Kinder und Erwachsenen stehen in einer wechselseitigen Beziehung. Das Kind will als gleichwürdig wahrgenommen werden. Das, was ein Kind prägt, findet zumeist „zwischen den Zeilen“ statt und nicht dort, wo man meint, dass erzogen wird. Elementar sind daher das Vorbild, das vorgelebte Tun und die Haltung der Erwachsenen. Menschliches Lernen wird nicht nur durch Inhalte vermittelt, sondern steht immer und unleugbar im Zusammenhang mit dem empfundenen Gefühl in der jeweiligen Lern-oder Erfahrungssituation. Was kann unsere Kinder daher besser fördern, als dass wir uns als Eltern und Lehrende so klar wie möglich zeigen? Klare Gefühle, und diese müssen nicht immer dem Idealwert entsprechen, schaffen klare Gefühle beim Gegenüber. Die an die DVD-Wiedergabe angeschlossene „live“-Diskussion verlor sich in Detailfragen, die in dieser Form, an einem solchen Abend nicht sinnvoll oder im Sinne des eben Gehörten beantwortet werden konnten. Gerald Hüther und Jesper Juul hätten das Gespräch in eine andere Richtung und auf eine andere Ebene zu lenken vermocht.

DVD: „Erziehen mit Herz und Hirn. Was Eltern und Kinder brauchen.“ (Jesper Juul und Gerald Hüther) erhältlich über: http://www.familylab.at/ VERANSTALTUNGHINWEIS!! Samstag 6.11. 2010 Vortrag (live) von Jesper Juul (siehe Kasten rechts) Weiterführende Links: http://de.wikipedia.org/wiki/Jesper_Juul http://www.familienhandbuch.at/cmain/f_Aktuelles/a_ Erziehungsfragen/s_413.html http://www.familylab.at/

MoMent  September/Oktober 2010


Einsam Erziehen oder Gemeinsam Wachsen? LehrerInnen – Kinder – Eltern: ein lernendes Dreieck

Samstag, 6. November 2010, 19.00 Uhr Jesper Juul in der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer Vortrag Jesper Juul danach Dialog mit Tobias Richter Jesper Juul dänischer Familientherapeut. Er ist Gründer und Leiter des Kempler Institute of Scandinavia in Dänemark und des „familylab“. Jull hat die Gestalttherapie in Dänemark bekannt gemacht. In Kroatien und Bosnien leistete Juul therapeutische Familienarbeit in Flüchtlingslagern. Er ist Autor mehrerer Bücher zum Thema Familienbeziehungen und Erziehung: u. a. Das kompetente Kind – Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie. Nein aus Liebe – Klare Eltern – starke Kinder Pubertät – Wenn Erziehen nicht mehr geht. Vom Gehorsam zur Verantwortung – Für eine neue Erziehungskultur Tobias Richter von 1972 – 1991 Klassenlehrer, Fachlehrer für Musik, Puppenspiel, Kunstgeschichte und Geschichte. Mitbegründer der Goetheanistischen Studienstätte in Wien 1983 und dort bis 2000 vor allem in der Lehrerausbildung tätig. Lehrauftrag am Seminar für Waldorfpädagogik in Hamburg 1992 - 2000 und seit 1991 Mitverantwortlicher für die Waldorflehrerausbildung in Kroatien. Mitbegründer und Lehrbeauftragter des Zentrums für Kultur und Pädagogik Autor mehrerer Bücher: Segeln oder die Kunst des Unterrichtens Pädagogischer Auftrag und Unterrichtsziele - vom Lehrplan der Waldorfschule Der Auftrag der Schule heute: Wirklichkeit und Unwirklichkeit in der Erziehung (gemeinsam mit Neil Postman)

MoMent Vorblicke ...

Aktuelle Termine Veranstaltungen Details und Überblick Hortelternabend Mi 15.9. 19:30 Elternabend der 6. Klasse Fr 17.9. 20:00 Elternabend der11. Klasse Fr 21.9. 19:30 Vermessungs-, Sozial- und Wirtschaftspraktikum der 10., 11. und 12. Klasse ab Mo 27.9. (2-, resp. 3-wöchig) Elternabend der 9. Klasse Di 12.10. 20:00

Redaktionsschluss f.d. NovemberMoMent-Ausgabe Mi 13.10. 2. Tag der Wiener Schulen Tag der offenen Tür Fr 15.10. Interkulturelles Projekt der 11. Klasse Do 21.10. 19:30 (s.S.13) Vortrag Jesper Juul Sa 6.11. 19:00 (siehe Kasten links) Gleichbleibende Termine montags: Arbeitsgruppe mit Dr. Hitsch 19:30 Musikraum montags: Tanz-Abende (s.S. 30) Info: Ingrid Leitner 0699-19043893, kurtleitner@gmx.at dienstags: Puppennährunde Endresstr. 113, 20:00 Uhr

DVD-Video vom Cherubini-Projekt im ODEON in der Schule eingetroffen! Stück Euro 10,-im Sekretariat der Schule September/Oktober 2010  MoMent

| 17


t r e a n g r e d n i K Pauls Kindergartenjahre

3

Jahre alt war Paul, als er in den Kindergarten kam. Fast vier Jahre lang begleitete ihn Tante Christine Daniel durch die Jahreszeiten, die Monate und Tage. Am Anfang war er der Kleinste der Gruppe, zum Schluss der Größte. Diese Zeit war schön und verging sehr schnell. Es war spannend zu sehen, wer seine Freunde wurden, an wem er sich orientierte, wem er sein Herz schenkte. Die Räume mit ihren Holzböden, die Wolle, mit der gearbeitet wird, das Wachs, die Malfarbe, das einmal in der Woche selbst gebackene Brot, all das trägt zu einer Stimmung und einem Geruch bei, die man nur hier findet. Der Garten – mit seinen Kletterbäumen im Sommer, der Sandkiste im Herbst und dem Hügel zum Rodeln im Winter – ist ein wichtiges Zentrum. Die vielen liebevoll erdachten und ausgeführten Puppenspiele brachten uns viel Freude. Immer wieder durften wir auch zuhause den Puppenspielen unserer beiden kleinen Künstler zuschauen. Auch so manche „Aufführung“ der Zwerge im Berge standen uns ins Haus. Vieles wird unseren Kindern in diesem Kindergarten mitgegeben. Die KonsTanten waren Tante Christine Daniel, Tante Christine Zabranski und Tante Ursula Dotzler von der Nachmittagsgruppe sowie Tante Inge, die gute Seele des Kindergartens. Im letzten Kindergartenjahr führte sie die Sonnenkinder dem kommenden ersten Schuljahr entgegen. Paul war voller Stolz und Freude dabei. Wir durften zwei Aufführungen der Sonnenkindergruppe sehen. Einmal ein Marionetten-Spiel: Frau Holle, einmal eine gespielte Geschichte über die Raupe, die zum Schmetterling wird. Paul war die Raupe. Ich heulte. Theodor, Pauls kleiner Bruder, wird nun kommendes Kindergartenjahr ein Sonnenkind sein. Das ist für ihn genauso aufregend, wie für Paul das kommende erste Schuljahr. Und es ist genauso wichtig. Theodor kam bereits in die Kleinkindgruppe des Kindergartens, wo er in Tante Evas Gruppe ein wunderbares Jahr verbrachte. 18  |

Eva erklärte uns Eltern, warum hier im Waldorf Kindergarten die „Erzieherinnen“ sehr wohl mit Tante angesprochen werden wollen und sollen. Eine Tante sei die Schwester der Mutter oder des Vaters, also ein der Familie nahestehender Mensch. Die „Tante“ sei demzufolge eine Person des Vertrauens für Eltern und Kind. Eine überzeugende und liebenswerte Erklärung. Paul und Theodor sind „Nachmittagskinder“, sie schlafen oder ruhen nach dem Mittagessen und werden danach ganz behutsam und liebevoll von Tante Christine Zabranski und Tante Ursula in den Nachmittag begleitet. Immer dabei und mit ihrem unerschöpflichen Wesen ein Segen: Tante Inge. Wann immer es Probleme in der Früh gab – wir wissen ja alle, manchmal ist es nicht leicht, sich morgens voneinander zu trennen – war sie da. Wo alle anderen nicht mehr weiterwissen, gibt sie Halt und Sicherheit. An dieser Stelle ein großes Danke Dir, liebe Inge, viel Kraft und Freude weiterhin, und ich freue mich sehr, dass Theodor bei Dir Sonnenkind sein kann. Neben all dem Schönen und Positiven, die diese Zeit des Kindergartens mit sich brachte, liegt mir am Herzen, die paar Punkte zu erwähnen, die für mich in dieses sonst so runde Bild nicht hineinpassten. Eines Tages, Paul und Theodor waren schon beide in der „großen“ Gruppe, wurden wir zum Abschied von Tante Eva Fuchs eingeladen. Überraschend, für uns Eltern nicht nachvollziehbar, ohne Vorwarnung einer kommenden Ver-

änderung, verließ Tante Eva den Kindergarten und ließ vor allem die Kinder und Eltern jener Kinder verwirrt zurück, die noch ein Jahr Kleinkindgruppe vor sich hatten. Es gab nie eine offizielle Erklärung dafür – weder vom Kindergarten, noch vom Elternbeirat. Ein ähnliches Erlebnis hatten wir letztes Jahr mit Tante Imme. Eines Tages kamen Paul und Theo mit einem Briefchen in Händen heim, in dem Tante Imme sich verabschiedete. An keinem Elternabend zuvor wurde uns das Gefühl vermittelt, dass es Probleme gäbe. Für Paul und Theo war es nicht leicht, sich von Tante Imme zu trennen. Sie war ihnen ans Herz gewachsen. Mir ist klar, dass es immer wieder zu Situationen kommen kann, wo Zusammenarbeit schwierig ist, wo Differenzen kein fruchtbares Zusammenraufen mehr erlauben, sondern eine Trennung besser ist. Doch waren wir zwei Mal wirklich vor den Kopf gestoßen – kam die Trennung aus unserer Sicht aus „heiterem Himmel“, wo es doch lange schon Wolken gegeben haben muss, sodass wir uns fragten, muss das so sein? Mehr Offenheit und Transparenz - das würde ich mir für die Zukunft wünschen. Zuletzt muss hier aber ein großes Danke stehen. Ein Danke für all die Wärme, die unseren Kindern in den letzten Jahren hier entgegengebracht wurde. DANKE!

MoMent  September/Oktober 2010


nseiten

Who is Who

Paul kommt in die Schule

P

aul ist ein Septemberkind. Ja sogar ein Herbstbeginn-Kind. Am 23. September ist er geboren. Also war klar, er kommt mit knapp sieben in die Schule. Jetzt ist es soweit. Die Gliedmaßen werden immer länger, zwei neue Zähne werden mit Stolz gezeigt, zwei andere wackeln. Wir waren bei dem Informationsabend der ersten Klasse. Es war informativ und hinterließ einen sympathischen Eindruck. Wir sind zwei „Steiner-Eltern“. Mein Mann war in Dortmund in der Waldorf-Schule, ich hier in Wien-Mauer. Das System selbst ist uns vertraut. Doch die Schule hat sich verändert. Viele mir fremde Lehrergesichter sahen uns an. Das vertraute Gesicht von Elmar Dick tat mir gut – er hat sich nicht verändert. Der Abend war gut strukturiert. Die Unterstufe wurde vorgestellt, die Mittelstufe, die Oberstufe. Nur die Lehrerin, die meinen Sohn acht Jahre lang begleiten wird, wurde nicht vorgestellt. Das hinterließ ein unsicheres Gefühl. Auch Wochen später, bei den Aufnahmegesprächen, war noch nicht klar, wer die Klasse übernehmen wird.

Natürlich entscheiden sich Eltern für diese Art der Schule, weil sie von der Pädagogik überzeugt sind, weil sie kein gesellschaftstrainiertes Kind haben wollen, weil sie glauben, das Richtige zu tun mit der Entscheidung ihr Kind in eine Schule zu geben, wo es als individueller Mensch erkannt und als solcher gefördert wird. Doch gerade wenn man selbst diese Schule besucht hat, weiß man, wie wichtig die Persönlichkeit des Klassenlehrers ist. In letzter Minute zu erfahren, wem sein Kind über acht Jahre lang anvertraut wird, verunsichert. Es wäre gut, wenn die Schule es schaffen könnte, uns Eltern früher Sicherheit in diesem Punkt zu geben. Der erste Elternabend der kommenden ersten Klasse brachte große wie herzliche Erleichterung: Frau Rumetshofer. Sie war genauso aufgeregt wie wir Eltern – sehr sympathisch. Wir freuen uns nun auf den ersten Schultag, die Aufregung und den Anblick der Kinder, die nun, im besten Falle, 12 Jahre miteinander durch die Schulzeit gehen werden. Ich werde wieder heulen. Nadja Berke

in der Schule?

Ansprechpersonen für Organisatorisches wie Festsaalnutzung, Veranstaltungen, Termine, Krankmeldungen, erste Schulinfos, Termine mit LehrerInnen, etc. Schulbüro Frau Sonja Mlineritsch, Mo-Fr 8-12 Uhr Telefon: 888 12 75, Fax: 888 12 75-44 office@waldorf-mauer.at Hort Frau Christiane Dostal (0699/8117 1428) Frau Renate Hruza (0680/304 32 36) für Pädagogisches die KonferenzleiterInnen der jeweiligen Bereiche. Termine für Gespräche bitte über das Schulbüro! Schulführungskonferenz Koordination: Stefan Albrecht, Christine Bolleter, Ursula Kaufmann Oberstufenkonferenz Leitung: Holger Finke Unter-/Mittelstufenkonferenz Leitung: Tanja Hanna, Rita Welte Technischen Konferenz Leitung: Marlene Sadychow, Angelus Huber für Verwaltungstechnisches wie Schulgeld, Einkauf, Finanzielles, Kontakt zu Vorstandsmitgliedern, etc. Buchhaltung Frau Ulrike Nedved, Mo-Fr 8-12 Uhr Telefon: 888 12 75-21, Fax: 888 12 75-44 buchhaltung@waldorf-mauer.at Verwaltungsleitung Herr Mag. Herbert Colditz, Mo-Fr ab 9 Uhr Telefon: 888 12 75-31, Fax: 888 12 75-44 verwaltungsleitung@waldorf-mauer.at Gruppen und Arbeitskreise meist von Eltern besetzt, daher Erreichbarkeit nicht an Bürozeiten gebunden. Bitte erfragen Sie, falls erforderlich, Telefonnummern über das Schulbüro! Elternrat Frau Elisabeth MacNulty, Frau Karin Schadl elternrat@waldorf-mauer.at Elternbeitragsgruppe Herr Peter Eberharter, Herr Martin Kaufmann

September/Oktober 2010  MoMent

weitere Ansprechpersonen finden Sie auf unserer Schulhomepage: www.waldorf-mauer.at/schule?start=2 | 19


MoMent Rückblicke ...

Rückblick auf die Arbeit des Elternrat I

m Schuljahr 2009/2010 fanden zehn gut besuchte Elternratssitzungen statt. Wir waren 25 gewählte ElternrätInnen aus 12 Klassen – 16 Frauen, 9 Männer. Erfreulicherweise hatten wir heuer öfters Besuch von Eltern, die nicht ElternrätInnen sind – ich hoffe, dass sich dieser „Trend“ auch 2010/2011 fortsetzt; unsere Sitzungen sind offen für alle Eltern, alle Eltern sind herzlich willkommen (wenn bestimmte Themen bearbeitet werden sollen, bitte unter elternrat@waldorf-mauer.at anmelden, damit wir das Thema in die Tagesordnung aufnehmen können). In unserer Anfangsklausur im September 2009 setzten wir folgende Schwerpunkte: • Die weitere Auseinandersetzung mit dem Qualitätssicherungsverfahren „Wege zur Qualität (WzQ)“; die Fertigstellung unserer Gremienbeschreibung und Aufgabenbeschreibung für das Handbuch und die Einführung der neuen Elternräte in das Verfahren. Im März wurde der Elternrat auditiert – es war ein gutes und aufschlussreiches Gespräch mit den Auditoren! Selbstverständlich geht der Prozess weiter – es gibt eine Auflage zu bearbeiten, im Frühjahr 2011 ein Zwischenaudit und vieles anderes mehr zu tun.

• Das gemeinsame Lesen von „Eltern und Lehrer an der Waldorfschule; Grundzüge einer dialogischen Zusammenarbeit“ von Karl Martin Dietz; das Buch wurde im Laufe des Jahres in Form von Referaten in den ER-Sitzungen vorgestellt! • Wir haben zwei allgemeine Elternabende organisiert: zum Thema Medienkonsum -- Film- und Diskussionsabend: „Mit Herz und Hirn“: Jesper Juul und Gerald Hüther im Gespräch -- Die Elternabende waren beide sehr gut besucht, was uns gezeigt hat, dass der Bedarf an klassenübergreifenden Elternabenden groß ist! • In Zusammenarbeit mit der Elternschaft aller anderen Waldorfschulen Österreichs haben wir uns für die finanzielle Gleichstellung unserer Schulen mit staatlichen und konfessionellen Schulen eingesetzt – in Form von Briefen an die zuständigen PolitikerInnen – allen voran an Frau BM Schmied und Finanzminister Pröll. Auf Waldorfbund-Ebene wird intensiv an diesem Thema weitergearbeitet. • Zwei mir sehr wichtige Themen, die uns beschäftigt haben und uns weiter beschäftigen werden, sind: -- Wir brauchen „Nachwuchs“ für sämt-

Und wieder ist viel geschehen in den Sommerferien!

20  |

liche Gremien, in denen Eltern vertreten sind! Wie kann „Feuer entfacht werden“? Wie können Eltern „geöffnet“ und „aktiviert“ werden, in der Schule mehr mitzuarbeiten (über die Klassenaufgaben hinaus)? -- Konfliktmanagement: Im Herbst werden wir gemeinsam mit dem Kollegium und Herrn Platzer an diesem Thema arbeiten! • Die Einladung von PädagogInnen zu unseren Sitzungen, um mehr Einblick ins Schulleben zu bekommen: Frau Willau und Herr Albrecht waren als VertreterInnen der Untermittelstufenkonferenz und der pädagogischen Konferenz bei uns und haben uns Interessantes aus den Konferenzen erzählt. Vielen Dank nochmals! Wie in den letzten Jahren haben wir am ersten Schultag die Erstklasseltern und ErstklässlerInnen mit Getränken am Schulhof auf 113 begrüßt, haben bei Veranstaltungen wie dem „Tag der offenen Tür“, dem Frühlingsfest und dem Weihnachtsbasar mitgeholfen, das jährliche Küchentreffen hat stattgefunden, einige von uns haben am Waldorftag in Salzburg teilgenommen. Unsere BundeselternrätInnen haben maßgeblich an der Organisation des Waldorftages in Salzburg mitgearbeitet. Wir haben bei der Generalversammlung des Schulvereins von unserer Arbeit berichtet und waren mehrmals in der Schulführungskonferenz, um „brennende“ Themen anzusprechen und zu diskutieren. Fixe Themen in unseren Sitzungen waren auch heuer: Berichte aus den Klassen, Berichte vom Bundeselternrat, Terminbekanntgaben und die Besprechung, was bei den Elternabenden an die Elternschaft weitergegeben werden kann/soll. Die Arbeit im ER war heuer besonders intensiv! Wir haben viel bewegt, haben viel gearbeitet, und ich freue mich auf ein nächstes spannendes Jahr in unserer schönen Schule. Vielen herzlichen Dank an alle (mein besonderer Dank gilt Elisabeth Mac Nulty), die mit uns, mit mir, so intensiv und gut zusammengearbeitet haben! Es ist mir immer wieder eine Freude! Karin Schadl

MoMent  September/Oktober 2010


MoMent Rückblicke …

Küchengruppenbesprechung vom 26. Mai 2010 I

ch möchte meinen Bericht in drei Teile teilen. In einen persönlichen Teil, in den Sitzungsbericht und in Ausblicke bzw. Vorhaben sowie Anerkennung. Ich war schon sehr neugierig als mich Karin ansprach, ob ich den Elternrat in der Küchengruppenbesprechung vertreten möchte. Da ich ein regelmäßiger Essensgeher bin und meine beiden Kinder, Diana mit dem Hort und Raphael im Kindergarten, auch oft Essen gehen, war ich sofort mit Interesse dabei. Es war eine sehr interessante Diskussion, wo jeder jeder/m zuhörte, andere Meinungen respektiert wurden, sowie gemeinsam nach Auswegen und Lösungen gesucht wurde. So wurde, wie ich meine, ein ehrlicher Rückblick als Bestandsaufnahme geschafft und Vorhaben für die Zukunft definiert. Das Umsetzen und Weiterentwickeln bedarf aber unserer aller Wollen und Mitwirken.

Notizen vom Küchentreffens am 26. Mai: TeilnehmerInnen: Frau Graf, Frau Mac Nulty, Frau Schadl, Herr Prüller, Herr Peham, Frau Peham, Frau Fabian, Herr Swoboda, Herr Sperl, Frau Hans (Sitzungsmoderation) Rückmeldungen von Eltern und Kindern: Kindergarten: Die Gruppe auf 113 ist wunschlos glücklich! Aus der Marktgemeindegasse kommt eine Anfrage nach einem kleineren Container. Das Essen schmeckt den Kindern. Hortkinder: Sie gehen gerne in die Schulküche essen, und das meiste schmeckt auch ihnen, lediglich Polenta ist weniger beliebt. Unterstufe: Die Rückmeldungen sind überwiegend neutral bis sehr gut. Aus der Mittelstufe kommt mehr Kritik. Oberstufe: Die 12. Klasse geht gerne in die Schulküche essen, die 11. Klasse kommt auch wieder vermehrt. Eltern berichten, dass Kinder besonders den sozialen Aspekt des gemeinsamen Essens in der Küche genießen. Die Möglichkeit, sich etwas nachzuholen, besteht fast immer, und das wir auch sehr positiv gesehen. Sie heben besonders hervor, dass vorwiegend biologisch gekocht wird Das Küchenteam ergänzt hiezu, dass jedes Getreide nur einmal in der Woche auf dem

September/Oktober 2010  MoMent

Speiseplan vorkommt. Das Team ist aber je- Tag vorbereitet, gekocht und ausgegeben. Die Küche stößt damit an den Grenze ihderzeit für neue Rezepte offen. rer personellen Kapazitäten. Zukunft: Ausborgen von Geschirr für Schulinterne Ladetätigkeit vor Endresstr. 100: Der Elternrat wird gebeten, alle Eltern Veranstaltungen: Auf Anfrage des Elternrats erfahren wir, nochmals darauf aufmerksam zu madass bei rechtzeitiger Ankündigung (ge- chen, dass sie nicht auf dem Gehsteig vor wünscht ist mind. eine Woche) jederzeit Endresstr. 100 parken dürfen. Die hier Geschirr gegen einen Unkostenbeitrag (für geltende Sondergenehmigung für LadeReinigung) ausgeborgt werden kann. Es gibt tätigkeiten gilt nur für Einkäufe seitens derzeit noch keine fixe Preisliste, die Kosten der Küche, bzw. Essensabholung usw. hängen aber von Geschirrmenge und dem Besonders zur Mittagszeit wird der Parkplatz dringend von der Küche gebraucht. Reinigungsaufwand ab. Die Kosten für die Reinigung von Geschirr Einholung von SchülerInnenmeinunfür Buffets, deren Erlös der gesamten Schu- gen für zukünftige Treffen: le zugute kommt, wird in Zukunft der Schul- Auf Initiative des Elternrates wird für die verein übernehmen. nächste KüG-Besprechung die Teilnahme Die Reinigungskosten für Buffets, deren Er- von SchülervertreterInnen besprochen. lös an eine Klasse geht, trägt die Klasse. Als Folge wird der ER im nächsten SchulAls weitere Vereinfachung wird Frau Peham jahr, rechtzeitig vor dem Küchentreffen, einen Vordruck mit allen Geschirrvarianten Kontakt mit den jeweilige/n TutorInnen entwerfen. Dort soll eingetragen werden, der 9.–12. Klasse aufnehmen, um in Zuwas die jeweilige Klasse/Veranstalter für die sammenarbeit mit den Lehrern, SchülerVeranstaltung ausborgen will, wann es ge- vertreterInnen aus diesen Klassen finden, braucht wird, wann es abgeholt wird, wann die bei der jährlichen Besprechung die es zurückkommt, wer dafür zahlt, wer die Klassenerfahrungen mit der Küche spieAnsprechperson für evt. Fragen sein wird geln können. usw. Um die SchülervertreterInnen nicht über Der ausgefüllte Zettel mit Datum kann in Gebühr zu beanspruchen, wird eine Teilder Küche abgeben werden. Bei Fragen wird nahme an der gesamten Besprechung gebeten, das Küchenteam erst nach 14:15 dafür nicht notwendig sein. Uhr anzusprechen, da vorher die Aufmerksamkeit auf die Essensausgabe und die Rei- Besondere Erwähnung verdient noch der zum Teil weit über die mögliche Bezahnigung gelenkt ist. lung hinausreichende Zeit- und ArbeitsBenutzung Essraum: aufwand aller HelferInnen in und um die Der Elternrat fragt nach, ob der Essraum Küche. Sie leisten zusätzlich zur oft sehr auch außerhalb der Essenszeiten benutzt aufreibenden Küchenarbeit auch Erziewerden kann. Das Küchenteam erklärt, dass hungsarbeit und stehen dabei unter kries hier kein Problem sieht, wenn auf das In- tischer Beobachtung von SchülerInnen, ventar Rücksicht genommen wird und der Eltern und LehrerInnen. Raum immer im ordentlichen Zustand verWas mich zum Abschluss fröhlich und lassen wird. hoffnungsvoll stimmt und ich noch einFinanzen: mal hervorheben möchte, ist der bei allen Herr Sperl stellt noch einmal fest, dass die erkennbare Wille zur gemeinsamen WeiUmstellung des Buffets auf biologische Pro- terentwicklung. dukte dem Schulverein sehr wichtig war und Josef Prüller betont, dass die Kosten, die damit verbunden waren vom Schulverein getragen werden. Durchschnittlich werden über 160 Essen am

| 21


Wege zur Qualität Was will „Wege zur Qualität“

„W

ege zur Qualität“ ist ein ganzheitliches und prozessorientiertes Management- und Qualitätsentwicklungsverfahren. Es veranschaulicht und ordnet die auf eine Einrichtung einwirkenden Gestaltungskräfte. Aus diesem Verständnis heraus ergeben sich Anregungen zur Überarbeitung oder Neugestaltung bestehender Prozesse, Strukturen und Regelungen. Der bewusste Umgang mit den verfügbaren Gestaltungskräften schafft die sozialen Bedingungen für qualitative Leistungen und verwandelt gleichzeitig die Zusammenarbeit in einen Entwicklungsprozess der beteiligten Menschen.   „Wege zur Qualität“ wendet sich in erster Linie an Einrichtungen, in denen der Umgang mit Menschen selbst den Kern der Aufgabe bildet. Die zur Aufgabenerfüllung notwendigen Leistungen lassen sich daher nicht ausschließlich technisch planen und ausführen, sondern entfalten sich interaktiv in der Wechselbeziehung der beteiligten Menschen. Inhalt, Verlauf und Wirksamkeit werden dabei durch das Verhalten der Klienten mitbestimmt. Ziel ist die Ermöglichung

I

m März dieses Jahres fand das zweitägige Erstaudit statt. Danach verfassten unsere beiden Auditoren einen 70 Seiten starken Bericht über das, was sie in zwei Tagen voll mit Gesprächen über unsere Schulgemeinschaft erfahren hatten. Dieser Bericht kam noch einmal zurück zu uns in die Schule, um eventuelle Missverständnisse und „Hörfehler“ ausmerzen zu können. Über den Sommer ist der Bericht nun fertiggestellt und von der Zertifizierungsstelle in der Schweiz „abgesegnet“ worden. Wir freuen uns, Ihnen nachfolgend einen kurzen Auszug aus der Einleitung des Berichtes präsentieren zu dürfen. (Alle Mitglieder der Schulgemeinschaft können übrigens gerne den gesamten Bericht einsehen. Bei Interesse bitte an die Redaktion wenden!) Irene Bulasikis für die Impulsgruppe Wege zur Qualität

22  |

„D

einer weitgehenden Individualisierung des Leistungsgeschehens. Diese sog. Beziehungsdienstleistungen entziehen sich weitgehend einer Vorabregelung mittels einheitlicher Handlungsvorgaben. Nicht eine Standardisierung sondern eine weitgehende Individualisierung des Leistungsgeschehens ist hier das Ziel. Dieses Leistungsgeschehen verlangt von den Beteiligten eine fortdauernde schöpferische Begegnung und Betätigung. Die systematische Ermöglichung und Sicherung solcher kreativen Gestaltungsräume und Prozesse ist ein Kernanliegen von „Wege zur Qualität“   Das Qualitätsmanagement sachgemäß einführen und anwenden, ist die beste Vorbereitung auf ein Erstaudit und eine anschließende Zertifzierung. Beratung auf dem Weg der Einführung des Qualitätsmanagements zählt nicht zum Aufgabenkreis der Confidentia.   Weitere Informationen zu „Wege zur Qualität“ und zum Charakter der Beziehungsdienstleistung: www.wegezurqualitaet.info

Zielrichtung Der Wille, sich für die Ziele einer Aufgabengemeinschaft einzusetzen, wird bei den beteiligten Menschen auf die Dauer nur erhalten bleiben oder sogar wachsen, wenn zu dem Interesse an der Aufgabenstellung auch das wechselseitige Interesse an den anderen beteiligten Menschen hinzu entwickelt wird. Dies gilt im besonderen Masse für Beziehungsdienstleistungen, bei denen Menschen selbst Gegenstand der Handlungen sind. Bereits der hohe Anteil der Arbeitszeit an der Lebenszeit macht sichtbar, in welchem Umfang die Erfahrungen im Arbeitsleben die biographische Entwicklung und damit das Schicksal der beteiligten Menschen beeinflussen. Was für Mitarbeitende zutrifft, gilt verstärkt für diejenigen Menschen, die die Leistungen der Einrichtung suchen und entgegennehmen. Was sie in der und durch die Einrichtung erleben, macht während der Zeit ihrer Verbindung oft den wesentlichen Gehalt ihrer gesamten

Das Zertifikat ist da

as Erstaudit geht der Frage nach, inwieweit sich die Schule das selbst gewählte Managementverfahren so angeeignet und in ihren Strukturen und Prozessen verankert hat, dass es für die verantwortlich tätigen Menschen zu einer wirksamen methodischen Hilfe geworden ist, den sozialen Organismus ihrer Schule so zu pflegen und weiterzuentwickeln, dass eine individualisierte Pädagogik einen tragfähigen Boden in ihm findet und sich gesund und lebenskräftig entwickeln kann. Um ein möglichst aussagekräftiges Bild von den Entwicklungskräften, -problemen und -perspektiven der Schule zu schaffen, ist das Erstaudit bewusst breit angelegt. Es umfasste alle Bereiche (Kindergarten, Hort, Schule) und sämtliche wichtigen Organe (Konferenzen, Vorstand, Schulärztin, Elternrat) wie auch ausgewählte Mandatsgruppen und unterstützende Dienste; dar-

unter auch solche, die bislang nicht aktiv in die Arbeit mit „Wege zur Qualität“ eingebunden waren (Küche, Hausmeister, Buchhaltung und Sekretariat). Die Schule gibt es wegen der Schüler und Schülerinnen. Deren individuellen Bildungsund Entwicklungsgang soll die Schule gezielt fördern und unterstützen. Deshalb war es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass ein Schulaudit auch den Schülern Gelegenheit gibt, ihre Erfahrungen an und mit der Schule bewusst zu reflektieren, was die 8.- und 12.-Klässler gern und nuanciert getan haben. Die Schule hat das Audit zielstrebig und kompetent vorbereitet, durchgeführt und für sich ausgewertet. Wir hatten den Eindruck, dass das Audit für die Schule ein willkommener Anlass war, um bewusst Distanz zum Alltagsgeschehen herzustellen und die eigene

MoMent  September/Oktober 2010


12 . Gestaltungsfeld:

Gemeinschaft als Schicksal Lebensführung aus. Deshalb ist die Einrichtung nicht nur ein organisatorisches System sondern zugleich eine soziale Verantwortungsgemeinschaft. Nicht nur der Handlungsinhalt, das „Was“, ist bedeutsam, sondern auch das „Wer“ und „Wie“. In der Organisation der Einrichtung dürfen die beteiligten Menschen nicht untergehen. Anforderungen Die Einrichtung gestaltet die Arbeitsorganisation und die Arbeitsprozesse so, dass sich die entstehenden Beziehungen fruchtbar auf alle Beteiligten auswirken können • Neben das Kriterium der Sicherstellung der Aufgabenerfüllung tritt gleichberechtigt die Gestaltungsverantwortung für die dazu notwendigen Beziehungen zwischen den beteiligten Menschen.

 

 

• Die Einrichtung trifft Maßnahmen, durch die sich ein kontinuierliches Bewusstsein über die Situation der zu ihr gehörenden Menschen bilden kann. Die Einrichtung gibt sich Strukturen oder schafft Gelegenheiten, durch die sich die beteiligten Menschen als vollwertiges Mitglied einer Zusammenarbeitsgemeinschaft erleben und empfinden können. • Das Maß der gegenseitigen Mitverantwortung richtet sich nach der jeweils vereinbarten Beziehungstiefe der Mitarbeit. Für den Eintritt in die oder das Ausscheiden aus der Aufgabengemeinschaft werden entsprechend geeignete Verfahrensformen geschaffen. Die Behandlung abweichender Einzelfälle oder von Notfällen bedarf der gesonderten Regelung. Statistiken dürfen den Einzelfall nicht generell relativieren. • Durch periodische Entlastungsvorgänge wird die für Beteiligungsverhältnisse notwendige Verantwortungshaltung gebildet und gefördert.

Zur Bearbeitung grundsätzlicher und schwerwiegender Aufgaben, Fragen und Entscheidungen werden Gesichtspunkte aus allen zwölf Gestaltungsfeldern herangezogen • Die Einrichtung sorgt dafür, dass diese Gesichtspunkte allen Beteiligten zugänglich sind, damit sie als Basis für die Zusammenarbeit dienen können. Wirkungen und Nutzen – Zusammenarbeitskonflikte sind gegenwärtig der größte qualitätsmindernde Störfaktor aller Organisationen. Die Erweiterung der Fachkompetenz auf die Gestaltung des Zusammenarbeitens ist deshalb dringend notwendig. Dazu muss das gegenseitige Interesse im Handlungsalltag spürbar werden. – Das Gefühl gegenseitiger interessevoller Mitverantwortung ermöglicht neue Formen der Sozialgestaltung, die unter anderen Umständen für nicht machbar gehalten werden. – In diesem Sinne kann eine einzelne Einrichtung zum Träger sozialer Innovationen werden.

 ation einsetzt, ist von der Maurer Schule nicht nur verstanden, sondern auch zielstrebig genutzt worden. Beeindruckend war ferner, wie offen und ungeschminkt auch Schwierigkeiten zur Sprache kamen. Die engagierte, vertrauensvolle und umsichtige Art, wie dieser Auditprozess von der Schule veranlagt und durchgeführt worden ist, stellt der Schule ein gutes Zeugnis aus. Er ist ein Indikator dafür, wie die Schule auch sonst Prozesse methodisch bewusst und gezielt gestaltet und reflektiert. Wie aus den Eigenauswertungen deutlich wurde, haben die auditierten Gruppen sich vorgenommen, erkannte Mängel zu beheben und notwendige Entwicklungsschritte einzuleiten. Dieser Auditbericht enthält die Eindrücke, Auswertungen und Überlegungen, welche sich dem Auditteam aufgrund des durch­ geführten Audits ergeben haben. Die Aus-

Als erste Schule Österreichs sind wir WzQ zertifiziert Praxis aus der Metaebene und nach den Gesichtspunkten des eigenen Qualitätsmanagementverfahrens objektiv und selbstkritisch zu durchleuchten und zu hinterfragen. Nach dem erweiterten, entwicklungsorientierten Auditansatz der Confidentia ist das Audit weder eine Inspektion von außen, noch ein Konformitätsabgleich mit vorgegebenen Standards. Das Audit stellt vielmehr selber eine Beziehungsdienstleistung, das heißt ein interaktives Geschehen auf gleicher Augenhöhe, mit einer gemeinsamen Aufgabe im Zentrum und der auditierten Einrichtung als aktivem und eigenverantwortlichem Partner. Dieser erweiterte Auditansatz, der das institutionseigene Managementverfahren als Okular und Methode einer systematischen Evalu-

September/Oktober 2010  MoMent

sagen unserer Gesprächspartner sind nicht wörtlich wiedergegeben, sondern dem Sinn nach und in verdichteter Form. Das in den Fazits gezeichnete Bild entspricht vielleicht nicht in allen Teilen dem Bild, das die Schule von sich selber hat bzw. entwirft. Das ist durchaus möglich. Aufgabe des Audits ist ja gerade, den Entwicklungsgang der Schule von innen und außen systematisch zu beleuchten und die beiden unterschiedlichen Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen. „Wege zur Qualität“ bildet dabei jeweils die Referenzgrundlage. Dort, wo wir Entwicklungsbedarf festgestellt haben, wie beispielweise im Umgang mit Konflikten haben wir dies klar zum Ausdruck gebracht. Der Bericht enthält auch mehrere Empfehlungen und einige Auflagen, welche die Weiterarbeit am und mit dem Verfahren unterstützen und absichern sollen.“ Robert Zuegg und Johannes Sieweke

| 23


MoMent Thema ...

„Die Produzenten sind die allerletzten in der Kette“ Bei manchen Produkten, die Esche Schörghofer in seinem Geschäft „aus gutem grund“ anbietet, weiß Roman David-Freihsl etwas genauer, unter welchen Bedingungen sie produziert wurden: Er hat Fairtrade-Bauern in Costa Rica und in der Dominikanischen Republik besucht. Esche sorgt in seinem Laden aber auch noch auf ganz andere Weise für Verteilungs-Gerechtigkeit. Ein Erfahrungs- und Gedankenaustausch. Esche Schörghofer: Zuletzt warst du in der Dominikanischen Republik, oder?

und bei Kakao besteht das zusätzliche Problem, dass sie an der Börse gehandelt werden.

Esche Schörghofer: Was bekommen die Produzenten für ein Kilo Bananen?

RDF: Hier wird es ja vor allem problematisch, wenn es spekulativ wird. Wenn Produkte an der Börse gehandelt werden, die noch gar nicht produziert wurden. Das darf man bei Fairtrade übrigens nicht. Die Kooperative, die wir besuchten, handelt zwar ihren Kakao an der Börse – aber nur Produkte, die sie bereits geerntet haben.

eine einfache Fußgängerbrücke bauen. Als nächstes wollen sie das Zweitwichtigste für ihren Ort realisieren: elektriRoman David-Freihsl: Ja, wir haben Fairschen Strom. trade-Betriebe besucht. Bananen- und Kakao-Produzenten. Und haben geschaut, was ES: Aber das heißt letztendlich nichts anmit dem Geld, das wir hier ausgeben, dort deres, als dass der Handel grundsätzlich nicht fair ist, oder? drüben wirklich passiert.

Roman David-Freihsl: Einen Fixpreis, unter den es nie gehen kann. Ist der WeltmarktPreis hingegen höher, bekommen sie entsprechend mehr. Dazu kommt eine Sozialprämie, mit der sie Sozialprojekte oder wichtige Infrastruktur-Maßnahmen umsetzen können. ES: Bekommen diese Prämie auch Bio-Produzenten? RDF: Ja. Und eine Bio-Prämie extra. Das hat man gerade bei den Bananen-Produzenten stark gemerkt: Dass sie nur deshalb Bio produzieren, weil sie mehr Geld dafür bekommen. Bei den Kakao-Produzenten hingegen war deutlich, dass da schon mehr dahinter steckt, dass die ein höheres Bewusstsein für natürliche Abläufe und Zusammenhänge haben. Wobei in der Kakao-Produktion automatisch ein Mischwald vorhanden sein muss, weil die Kakao-Bäume höhere Bäume als Schattenspender brauchen. Banane ist einfach Mono-Kultur.

RDF: Der konventionelle? ES: Jeder. Der konventionelle Handel kann nicht fair sein, weil der Bauer auf Bio umsteigen muss, da er mit konventionellen Produkten nicht mehr überleben kann. Und im Lebensmittelhandel bestimmt grundsätzlich der Supermarkt die Preise und nicht der Produzent. Da haben Bananen-, Milch-, und Kaffeebauern die schlechtesten Karten, weil über diese Produkte der Kampf um die Kunden ausgetragen wird.

Was sind eigentlich für Dein Geschäft die wichtigsten Kriterien für die Produktauswahl?

ES: Generell versuchen wir, ein Vollsortiment anzubieten, von der Milch bis zum Waschmittel. Dazu kommt, dass es Bio sein muss. Und das dritte Kriterium ist, ob die Ware biologisch-dynamisch produziert wurde, also ob sie Demeter-Qualität hat. Das führt bei uns auch dazu, dass der Begriff der Regionalität RDF: Ein Unterschied ist: Bei heimischen etwas weiter gefasst ist. Grundsätzlich ist es Produkten, ob bio oder nicht, kann der in Wien sowieso extrem schwer, von RegiPreis entsprechend gedrückt werden. Bei onalität sprechen zu wollen. Weil es weder Fairtrade-Produkten kann der Preis ein eine Molkerei, noch einen Gemüsebetrieb bestimmtes Minimum nicht unterschrei- gibt, der Demeter-Qualität anbietet. Daher ten. haben wir auch einige Demeter-Produkte, die etwa aus Deutschland kommen, weil es ES: So wie man in Österreich den Milchsie in Österreich nicht gibt. preis festlegt. Es gibt ja fast keinen freien Markt im Lebensmittelbereich. Bei Kaffee RDF: Lautet das Prinzip: So nah wie möglich?

Und bei den Kakao-Bauern haben wir auch sehr gut gesehen, was das für ein gewaltiger Unterschied sein kann, ob es Fairtrade-Bezahlung gibt oder nicht. Da war ein ganzes Dorf in den Berghängen regelmäßig durch Hochwasser von der Umwelt abgeschnitten. Kranke konnten nicht zum Arzt, die KakaoErnte verkam, weil sie nicht binnen sechs Stunden zur Fermentierung gebracht werden konnte. Erst vor einem halben Jahr war ein Bewohner in den Fluten ertrunken. Mit der Fairtrade-Sozialprämie konnten sie nun 24  |

MoMent  September/Oktober 2010


ES: Die Qualität ist natürlich die Grundvoraussetzung. Nur weil Demeter drauf steht, heißt das noch lange nicht, dass wir das Produkt ins Sortiment aufnehmen. Da gibt es manchmal Konflikte mit Bauern, weil wir sagen: Es ist zwar Demeter, aber der Käse schmeckt uns nicht. Geschmacksqualität ist ein wesentliches Kriterium. RDF: Es gibt gelegentlich Tests, dass BioProdukte angeblich nicht so gut schmecken, wie konventionelle. ES: Natürlich kann man solche Test machen, aber ich halte sie eher für unsinnig. Der konventionelle Handel steckt wahnsinnig viel Geld in die Geschmackserforschung und konditioniert die Leute dermaßen, dass Kinder einer echten Himbeere nicht mehr glauben, dass sie eine ist. Die Aromastoffe manipulieren die Produkte und verfälschen sie letztendlich. Aber auch im Biobereich schmeckt etwa jeder Bergkäse anders. Und wenn man da keine gute Sorte hat, verkauft man ihn nicht. RDF: Da habe ich die Erfahrung einer Positiv-Konditionierung: Meine Kinder sind immer auf deinen Bergkäse abgefahren. Und nur einmal habe ich einen BioBergkäse im Supermarkt gekauft. Den hat mein damals zweijähriger Sohn sofort wieder aus dem Mund genommen, weggelegt und nicht mehr angeschaut.

dukt eingestellt sind, wollen sie nichts anderes. Wir hatten Kinder, die haben sieben Jahre nur den Holle-Baby-Brei gegessen und nichts anderes. Oder wenn ein Kind einmal auf Voelkel-Sirup konditioniert ist, will es keinen Sonnentor-Sirup mehr, weil der Voelkel einfach süßer ist. Bei Kindern ist das höchst komplex: Wenn ein Kind etwa ein Gemüse nicht mag, muss man ihm dieses Gemüse in regelmäßigen Abständen immer wieder anbieten. Denn das Geschmacksempfinden des Kindes verändert sich. Die Geschmacksempfindungen eines Siebenjährigen und eines 14-Jährigen ist sind komplett andere. Deshalb ist mir Rudolf Steiners Ernährungslehre sehr nahe – weil er viele Freiheiten lässt. Man kann nicht grundsätzlich sagen, Hirse ist gesund. Für den einen ist Hirse ein sinnvolles Produkt, weil es ihm in seiner ganzen Zusammensetzung fehlt – aber für jemand anderen ist das vielleicht überhaupt nicht so. Insofern glaube ich auch, dass es meistens einen Grund hat, warum Kinder etwas überhaupt nicht wollen. Und wir sind noch geprägt davon, dass wir essen mussten, was auf den Tisch gekommen ist. RDF: Eine Generation früher musste einfach essen, was da war.

besten Weg dorthin. Der Bezug zu einem Lebensmittel geht zunehmend verloren. Da hat der Handel auch eine wichtige Funktion. Wenn man das ganze Jahr über Erdbeeren anbietet, weiß keiner mehr, wann sie eigentlich reif sind. RDF: Inwieweit musst du bei saisonalen Produkten Kompromisse eingehen? Stichwort: Paradeiser. ES: Im tiefsten Winter, wenn auch die israelischen Paradeiser nicht mehr wirklich gut schmecken, haben wir eine Zeitlang nur Cherry-Tomaten. Ich gehe da grundsätzlich sehr wenige Kompromisse ein. Bananen muss man das ganze Jahr über anbieten, weil sie ohnehin das ganze Jahr über importiert werden. Bei den Trauben hingegen ist das nicht so. Wir kaufen keine südafrikanischen Trauben. Wir kaufen auch im Winter keine spanischen Erdbeeren. Da fangen wir erst Ende April bei den italienischen an, denn die schmecken schon recht gut. Dann gibt es acht Wochen lang Erdbeeren, und dann ist wieder Pause bis zum nächsten Mai. RDF: Wenn man nicht immer das komplette Angebot hat, ist das ja auch eine Geschmacksschulung.

ES: Natürlich. Insofern sind wir ja heute in einer unglaublich privilegierten Situation.

ES: Ja, eh. Ich habe es mir immer mehr angewöhnt, saisonabhängig zu essen. Im Mai RDF: Privilegiert und gefährdet gleichzeitig. viel Spargel und Erdbeeren, im Sommer vieDu kannst auch schnell in eine Situation le Schwammerln. Wobei wir auch da recht kommen, in der dir überhaupt nichts Natürli- streng sind. Es gibt zum Beispiel schon recht ES: Bei Kindern muss man natürlich ex- ches mehr schmeckt. früh russische Schwammerln – wir nehmen trem vorsichtig sein. Die sind Produkte sie nicht. Wir haben das Glück, dass wir eigewohnt. Wenn sie einmal auf ein Pro- ES: Das ist die Gefahr, und wir sind auf dem nen kleinen Waldviertler Lieferanten haben, von dem wir Schwammerln in guter Qualität bekommen. Oder auch Wildheidelbeeren, die es im Bio-Bereich sonst überhaupt nicht gibt. Ich kenne keinen Biosupermarkt, geschweige denn einen konventionellen, in dem man Wildheidelbeeren bekommt. Die Kultur-Heidelbeeren bekommt man hingegen inzwischen auch schon fast das ganze Jahr über. RDF: Inwieweit ist dir bei der Produktauswahl auch die soziale Nachhaltigkeit wichtig? ES: Ich hab ein kleines Geschäft mit rund 2.500 Produkten. Rund 70 Prozent unseres Fortsetzung >>

September/Oktober 2010  MoMent

| 25


„Die Produzenten sind die allerletzten in der Kette“ Ein Gespräch von Esche Schörghofer und Roman David-Freihsl Einkaufs decken wir über den Bio-Großhandel ab. Und bei jedem neuen Produkt muss ich mir überlegen: Was schmeiß ich stattdessen hinaus? Da habe ich eine relativ gute Ausgangsbasis. Wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt, schau ich mir zuerst einmal an: Wer produziert das? Das ist ja dank Internet relativ einfach geworden. Da sieht man recht schnell, wer dahinter steckt – sind das amerikanische Aktionäre, oder ist das ein konventioneller Großbetrieb, der nebenbei ein paar Prozent Bioprodukte produziert? Wir versuchen, unseren Produzenten die Treue zu halten, und ich sehe nicht ein, warum ich einen Produzenten wechseln soll, nur weil die Konkurrenz um 20 Cent billiger ist. Bei den direkten Bauern-Beziehungen, die wir haben, feilsche ich fast nie um den Preis. Manchmal ist es so, dass ich einem Bauern sagen muss, dass es, nach sieben Jahren an der Zeit wäre, mit dem Preis für die Erdäpfel ein wenig hinauf zu gehen.

ES: Ja, ein sehr gutes Beispiel. Das ist exorbitant teuer. Aber halt so praktisch (lacht). Eigentlich ist die Situation im Lebensmittelhandel eine Groteske. Es gibt keine andere Sparte, die so funktioniert. Kann ein Autohändler dem Autohersteller sagen: Ich geb’ dir so und so viel für dieses Auto? Im Lebensmittelhandel bietet der Einkäufer dem Produzenten einen bestimmten Preis an, und der muss zustimmen oder auf seiner Ernte sitzen bleiben.

meindezentrum oder eine Schule bauen – und im Gegensatz dazu die Produktion der Multis, die Bauern ihr Land abkaufen, sie als Arbeiter anstellen und sie dann ohne Schutzkleidung die ärgsten Chemikalien sprühen lassen. Wird jemand krank, wird er einfach gefeuert. Der einzige Arzt, der Schäden feststellen könnte, ist halt der Betriebsarzt.

ES: Alleine, dass die konventionellen Bauern die Möglichkeit bekommen, auf Bio RDF: Noch krasser ist es im Textil-Handel: umzusteigen, ist etwas ungeheuer PosiWenn man in einem dieser Billig-Läden ein tives. Denn solange es kein Bio gab, ist T-Shirt um zwei, drei Euro kauft – das kann ihnen eh nichts anderes übrig geblieben. sich für den Rohstoffproduzenten einfach Das gibt es ja erst seit vielleicht 50 Jahren, dass die Preise für Agrarprodukte derartig nicht ausgehen. ES: Deshalb hab ich ja eingangs gefragt: gefallen sind. Bio kann vielleicht helfen, diese Kluft ein wenig auszugleichen. Aber Wie fair kann Handel überhaupt sein? wenn die Bauern jetzt Fairtrade-Preise RDF: Es gibt halt sehr deutliche, graduelle bekommen, ist es trotzdem noch nicht Unterschiede. Bei dir im Geschäft habe ich fair. Weil die Entwicklungsmöglichkeieine Fairtrade-Bio-Ananas entdeckt, ge- ten in der Dominikanischen Republik viel RDF: Wie wirtschaftlich kann man so ein nau aus einer Kooperative, die wir einmal schlechtere sind. in Costa Rica besucht hatten. Und dort hat Geschäft eigentlich führen? man den Unterschied gesehen. Gewachsene RDF: Das ist natürlich ein Spannungsfeld, ES: Wir müssen einen gewissen Roh-Ertrag kleinbäuerliche Strukturen im Fairtrade-Be- das wir schon erlebt haben: Fairtrade erwirtschaften, damit wir uns unseren Be- reich, die sich mit der Sozialprämie ein Ge- konzentriert sich in erster Linie auf die trieb leisten können. Ich könnte wie der Supermarkt 30 Produkte im Angebot haben, die ich zum Einkaufspreis verkaufe, und dann schlag ich die Differenz auf andere Produkte aufschlagen. Das tun wir nicht, weil ich die Lockvogelstrategie ablehne. In der Regel halten wir uns weitgehend an die vorgegebenen Richtpreise und berechnen für die verschiedenen Warengruppen unterschiedliche Aufschläge. Um zu Fairtrade zurück zu kommen: Zum Teil legt der Fairtrade-Großhändler dem Laden nahe, für den Fairtrade-Kaffee oder die Schokolade einen geringeren Aufschlag zuzurechnen. Das ist eigentlich unfair den anderen Produzenten gegenüber, für die ich den gewöhnlichen Aufschlag berechnen soll. Das kann man auch hinterfragen. RDF: Fairtrade wird andererseits immer wieder vorgeworfen, dass die Produkte so teuer seien. Aber das ist ja absurd: Da geht es um ein paar Cent, vielleicht um einen Euro. Bei Nespresso wurde einmal der Kilo-Preis nachgerechnet: Der beträgt rund 60 Euro. Regt sich da jemand auf?

26  |

MoMent  September/Oktober 2010


Situation der Bauern. Deren Landarbeiter hingegen sind vor allem Haitianer, deren rechtliche Situation in der Dominikanischen Republik eine sehr schlechte ist. Fairtrade versucht hier Mindeststandards zu sichern. Etwa eine medizinische Versorgung oder eine Schulbildung der Kinder oder eine Legalisierung der Aufenthaltsrechte. So ist das bei Kleinbauern. Bei großen Fairtrade-Betrieben ist das hingegen alles Pflicht, das wird streng kontrolliert: legale Arbeitsverhältnisse, Krankenversicherung, Schulbildung. ES: Die Produzenten sind die allerletzten in der Kette. Auch in Österreich, bei den Bauern, trotz der vielen Subventionen. Natürlich kann man in großen Betrieben mit viel Land und halbindustrieller Produktionsweise viel Geld verdienen. Aber wie? Auch im Biobereich. Wer arbeitet letztendlich? Wer schneidet von Mitternacht bis drei in der Früh die Salatköpfe? Das sind schlecht bezahlte slowakische Arbeitskräfte. Da gibt es enorme Grauzonen. Das ist wie in der Fabrik. Auch im Biobereich gibt es vieles, das nicht diskutiert wird. Wenn man beispielsweise einen Betrieb mit Bioeiern machen will: Dazu braucht man rund 3.000 Hühner, die Eier legen. Und die tauscht man jedes Jahr aus. Die meisten landen beim Hipp – nur ein paar dürfen bei einem Kleinbauern weiter leben. Aber die meisten leben im zweiten Jahr schon nicht mehr. Das ist alles andere als ein glückliches Huhn.

Dabei ist das Ei eines der hochwertigsten Lebensmittel überhaupt. Ein Ei wiegt sieben Deka und kostet 38 Cent. Die billigste PutenExtra-Wurst kostet das Vierfache. Aber weil Eier für die Lebensmittelindustrie gebraucht werden, dürfen sie nichts kosten. RDF: Angesichts der EU-Regulierungen: Können kleine Produzenten überhaupt noch überleben?

alles auf eine Preisschiene gebracht werden? Das kann im Grunde nicht funktionieren. Und gefördert wird alles gleich, nach der Fläche – egal, wie hoch der Ertrag ist. RDF: Kann man das auflösen? Dieser Dinkel kostet einfach mehr, weil’s der Bauer schwieriger hat? ES: Bei mir funktioniert das im Grunde so. Ich hab einen Dinkel, der kostet 3,05 Euro. Aber der Bauer, der das produziert, ist erstens ein Demeter-Bauer, hat seit 30 Jahren sein eigenes Saatgut und hat eben nur einen Ertrag von 2.000 Kilo auf dem Hektar. Ich könnte auch einen normalen Bio-Dinkel verkaufen, der unter 2 Euro kostet, weil der andere Produzent eben 8.000 Kilo Ertrag hat. Oder die Demeter-Milch, die wir kaufen: Da bekommt der Produzent einen Euro für den Liter, das bekommt der Bauer direkt. Bei der Molkerei bekommt der Bauer, ob er Demeter oder Bio ist, um die 40 Cent pro Liter. Im Geschäft kostet bei uns die Rohmilch, die wir um einen Euro einkaufen, gleich viel, wie die Packerl-Milch, die wir aber um 20 Cent billiger einkaufen – wo der Bauer aber, auch wenn er ein Biobauer ist, im Grunde genommen zuwenig bekommt, bestenfalls 40 Cent. Das ist halt unsere Strategie, dass wir bei dem Produkt, das wir direkt beim Bauern einkaufen, weniger Spanne draufschlagen – und der Konsument muss sich nicht über den Preis für das Produkt entscheiden.

ES: Grundsätzlich bin ich für die EU – in politischer und vielen anderen Hinsichten. Als Wirtschaftsregulator ist die EU allerdings denkbar schlecht. Den Österreichern sind ja Reglementierungen in jeder Hinsicht vertraut. Aber der Regulierungswahn der EU richtet sich immer nur nach den Großen. Die ganzen Regulierungen, die die EU macht, sind für die industrielle Produktion von Lebensmitteln gedacht. Alles andere wollen sie nicht wirklich. Wenn du jemals mit der 9. Klasse ein Landwirtschaftspraktikum im Waldviertel mitmachen könntest! Die Kinder sind auf 15 Höfe aufgeteilt – und du siehst in diesem engen Umfeld mit einem Durchmesser von 100 Kilometern, wie unterschiedlich die Produktionsbedingungen sind. Der eine Bauer in der Horner Gegend hat relativ wenige Steine im Feld und guten Boden. Der erwirtschaftet beispielsweise 4.000 Kilo Dinkel auf einem Hektar. Nur 100 Kilometer weiter, in Friedreichs, ist ein vollkommen anderer Boden, vielleicht ein nicht so hochgezüchtetes Saatgut – und der Bauer erntet nur 2.000 RDF: Das heißt, wenn ich ein wacher KonKilo auf dem Hektar. Und im Laden soll das sument sein will, muss ich mich auch bei dir noch viel mehr erkundigen, was eigentlich hinter dem Produkt steckt.

ES: Natürlich. Es gehört zu unserer Haltung, im Rahmen unserer Möglichkeiten zu versuchen, Kundinnen und Kunden über die Produktionshintergründe zu informieren Ich habe das Geschäft ja nicht ausschließlich aus dem Grund, weil ich mir viele Mercedes kaufen will. Wir suchen den Kontakt zu wachen, kritischen Kundinnen und Kunden. Da würde ich mir auch im Biobereich noch mehr Bewusstsein wünschen. RDF: Ich glaube wir können sagen: Wir danken einander für unser Gespräch.

September/Oktober 2010  MoMent

| 27


Achtung! Neue Öffnungszeiten! Jetzt auch Spielzeug erhältlich!

BÜCHERSTUBE der Goetheanistischen Studienstätte

Buch & Spiel 1230 Wien, Speisinger Straße 258 Tel u. Fax: 01/ 889 26 93 email: buecherstube1230@gmx.at Bestellungen werden gerne jederzeit entgegengenommen Zustellung durch Postversand

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9:00 -­ 18:00

Körperpflege

Ein Fördermitglied der

MEINE BIOGRAFIE – SCHLÜSSEL ZU NEUEN UFERN EINFÜHRUNG IN DEN LERNKURS ZUR NEUORIENTIERUNG: „JETZT DIE SEGEL SETZEN“

Körperpflege- und Heilmittel im Einklang mit Mensch und Natur Möbel

Vortrag und Seminar mit Ulrich Hofbauer und Walter Waldherr

5./6./7. November 2010

Ein Fördermitglied der

Ich Ich unterstütze und berate Sie oder begleite Sie ein Stück des Weges“ Weges “ 

gehen-sitzen-liegen

    Ein Fördermitglied der

Der Schlüssel jedes Menschen zu sich selbst ist heute seine eigene Biografie. Die Biografie selbst beinhaltet die Antwort auf tiefe, verzweigte Fragen des Lebens und des Menschseins. Es geht allerdings zunächst darum, selbst die entscheidende Fragestellung zu finden damit die eigene Biografie sich deutlich und klar aussprechen kann. Unsere Biografien sind uns als Gestaltungsaufgaben der Gegenwart und als Zukunftskeimkräfte gegeben. Wir müssen sie verantwortungsvoll ergreifen lernen. Es gilt, jetzt die Segel zu setzen!



   

   

Diese Einführung möchte in angemessener Weise zum Thema „Biografiearbeit“ hinführen. Das Anschauungsmaterial entnehmen die TeilnehmerInnen ihren eigenen ARBEITSBIOGRAFIEN. Ferner sollen im praktischen Arbeiten und durch sinnvolle Übungen erste Erfahrungen vermittelt werden, wie mit biografischem Material gearbeitet werden kann. Es soll ein Ausblick auf die weiteren Arbeitsmöglichkeiten im Lernkurs gegeben werden.

Veranstaltungsort in der Goetheanistischen Studienstätte, 1230 Wien-Mauer, Speisingerstr. 258 Anmeldung bei Ulrich Hofbauer T: 01/ 78 648 30 0664/44 184 17 E: hofbauer@segelsetzen.com w w w . s e g e l s e t z e n . c o m

Beginn Freitag, 5.11. 19:00 Uhr Vortrag Samstag, 6.11. 9:00 – 18:30 Uhr Sonntag, 7.11. 9:00 – 12:00 Uhr Weitere Information

28  |

Investition € 80,Vortrag alleine € 12,-

MoMent  September/Oktober 2010


malerin keramikerin kunsttherapeutin lebens- und sozialberaterin 1230 wien, maurerlangegasse 52/1/1 platz@inode.at, www.beatemariaplatz.de

kurse und workshops herbst-winter 2010/2011 göttinnen machen dir geschenke : künstlerische selbsterfahrung für frauen > 12x dienstags 17:30-20:00 ab 5.10., 150 € göttinnen kommen zu besuch und machen dir geschenke. eine kreative spurensuche in diversen techniken. sieben antike göttinnen repräsentieren sieben archetypische frauenpersönlichkeiten, die auch uns heutigen frauen noch viel zu geben haben.

kinderatelier : malen und töpfern > 12x donnerstags ab 7.10. 15:00 kinder ab 6 j., 16:15 kinder ab 9 j., 100 € inkl. material und brand angeregt durch geschichten entstehen in jeder stunde bilder und gegenstände aus ton. die kinder steigen mühelos in einen schöpferischen strom ein und erleben staunend, was in ihren händen wächst.

... aus herbstlichen gärten : workshop aquarell > freitag 1.10. 18-21, samstag 2.10. 10-18, 95 € aus herbstlichen gärten sammeln wir farben, früchte und blüten für leuchtende und warme aquarelle in verschiedenen techniken. wir feiern den oktober in glühenden bildern, mit eurer hilfe auch kulinarisch.

licht gefäße : keramikworkshop > freitag 5.11. 18-21, samstag 6.11. 10-18, glasurtermin nach vereinbarung, 110 € aus ton - der jahreszeit entsprechend: was birgt licht? große und kleinere gefäße, skulpturen, weihnachtsgeschenke. formen - brennen - glasieren.

... aus engels flügeln : workshop > samstag 11.12. 10-18 60 € gleiten zauberhafte miniaturen und weihnachtsbillets. klein-collagen aus federn, seidenpapieren, blattgold, metallstäuben, mit pigmenten und kreiden.

... mal collage : überraschungs-workshop acryl > freitag 19.11. 18-21, samstag 20.11. 10-18, 95 € von fotos, zeitungsausschnitten, (kunst)postkarten und schmuckpapieren ausgehend entsteht ein bild. technik des eincollagierens von fremdmaterialien und integration in einen neuen bildzusammenhang - witzig und überraschend. kompositionsgesetze, verschiedene bildebenen.

winter zauber : workshop aquarell > freitag 14.1. 18-21, samstag 15.1. 10-18, 95 € nur wenige farben genügen, um ein winterbild entstehen zu lassen. wir lernen, weiße flächen in einem aquarell gezielt einzusetzen und die techniken der weißabdeckung.

gold und edel stein : workshop schiefer > freitag 28.1. 18-21, samstag 29.1. 10-18 110 € malen auf dunklen steinplatten - schiefertafeln und schindeln. blattgoldauflage veredelt das schon durch seine bewegte oberfläche 'sprechende' material, farbe verbindet die materialgegensätze. malen mit acryl, technik der blattgoldauflage.

kunsttherapie für kinder, jugendliche und erwachsene > termine nach vereinbarung in der kunsttherapie werden die im schöpferischen tun liegenden selbstheilungskräfte eingesetzt, um hilfe bei krankheiten, entwicklungsstörungen und lebensfragen zu geben. jede therapie wird thematisch und gestalterisch individuell entwickelt.

tel/fax/anrufbeantworter: 01/887 32 85 platz@inode.at, www.beatemariaplatz.de kursort für alle kurse: 1230 wien, maurerlangegasse 52/1/1

aktuelle ausstellungen: 'wasser' , alte schieberkammer, 1150 wien, meiselstraße 20, u3-station johnstraße, eröffnung 23.9. 19 uhr, musik: griechische lieder mit marios&julie geöffnet 24.9. 14-19, 25.9. 14-19, 26.9. 12-17 'schiefertafeln', evangelische akademie meißen, eröffnung 12.10. (bis 9.1.) 'stein leicht', gls-bank frankfurt bis märz 2011

September/Oktober 2010  MoMent

| 29


Tanzen Sie mit! Tänze aus verschiedenen Kulturen

27. September 2010 11. Oktober und 25. Oktober 8. und 22. November, 6. Dezember (Weihnachtsferien), 10. und 24. Januar 2011, 7. und 21. Februar, 7. und 21. März, 4. April (Osterferien), 2., 16. und 30. Mai im EURHYTHMIE-SAAL der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer, Endresstraße 100 Unkostenbeitrag: € 4,-- je Abend Ingrid Leitner, Tel. 0699.19043893 kurtleitner@gmx.at

Wie wirken die Kräfte der Planeten in der Gestalt im Wort

im Ich

mit

Annemarie Ehrlich, Den Haag Institut für Eurythmie im Arbeitsleben

22. - 23. Oktober 2010

Ein Seminar mit den Mitteln der Bewegung (Eurythmie). Es sind keine Vorkenntnisse nötig.

ORT:

Waldorfschule Wien-West, Seuttergasse 29, 1130 Wien Nähe U4-Station Hütteldorf

ZEITEN:

Freitag, 22.10. 1900 - 2100 Samstag, 23.10. 900 - 1300

KOSTEN:

1500 - 1830

80,- Euro

ANMELDUNG:

bei oder oder an

Uta Guist 803 71 55 Barbara Chaloupek 02773 - 43 875 uta.guist@aon.at

WORKSHOP

Tanzen macht Körper und Geist beweglich, gibt der Lust an Spiel und Spaß Raum, lässt den Körper neue Rhythmen erleben, schmeichelt den Ohren mit ungewohnten Melodien, macht mit Musik und Bewegungsformen der uns umgebenden Länder bekannt, … Keine Vorkenntnisse notwendig. Termine: Sept. 2010 bis Mai 2011 an Montagen von 18,30 - 21,00 Uhr 18,30 - 19,00 Üben für Anfänger 19,00 – 21,00 Tanzen für alle

bewegung - bewußt - sein . . . . . . . . . bewußtseinsbewegung

PLANETEN VOKALE TÖNE

Die Christengemeinschaft Bewegung für religiöse Erneuerung WIEN-SÜD Studienstätte - 1230, Speisingerstraße 253 Herbst 2010 Sonntagsgottesdienste: für die Kinder 9:45, für Erwachsene 10:30 (mit Kinderbetreuung); So. den 12. Sept. (Familiensonntag), 10.Okt., 07. November und 05. Dezember

Herzliche Einladung: Vortrag von Pfr. Gwendolyn Fischer, Graz am Freitag, den 8.10.2010 um 19:30 Thema: „Mein Schatten und ich. Mit dem Doppelgänger umgehen lernen.“

nur für die Kinder: Samstag, den 25. Sept., 23. Okt., 20. Nov. und 18. Dez.

Fragen und Anregungen bitte an: T. Maydanyuk, Tel 01 990 19 5, E-Mail: tatjanagarni@gmx.de M. Culda Tel. 01 923 38 36, E-Mail: monicaculda@hotmail.com

Vorbereitung auf die erste Sonntagshandlung für die Kinder der 1. Klasse am 10. Okt. um 9:45 – nach Absprache mit Frau Culda.

30  |

MoMent  September/Oktober 2010


ZUR MARIAHILF Mag. pharm. A. Mohsen Salem KG

Anthroposophische Heilmittel & Biologische Pflegeprodukte Perchtoldsdorferstr. 5 1230 Wien Nahe dem Liesinger-Platz ÜBER MITTAG GEÖFFNET

Dr. med. univ. Petra tra Orina Zizenbacher Naturheilzentrum Zizenbacher A-1230 Wien, Mackgasse 6, Tel+Fax: 01/403 73 81 homepage: www.zizenbacher.at, e-mail: zizenbacher@naturheilzentrum.at

Jahresausbildungen im Naturheilzentrum Zizenbacher

  Zivi‐Courage   bei Lebensart‐Sozialtherapie gesucht !  Wir bieten abwechslungsreiche Zivildienerplätze in den  Wohngruppen und Werkstätten  in Wien Mauer und in Wien  Lainz.  Hier kann man Erfahrungen sammeln, Vorurteile abbauen, Freunde  finden, in Berufswelten reinschnuppern… 

Heilpflanzen- Ausbildung in 6 Modulen: In dieser Ausbildung erlernen Sie den intuitiven Umgang mit Pflanzen. Sie lernen Pflanzen in unterschiedlichen Wuchsstadien kennen- und erkennen. Es werden einfache Hausmittel, wie Kräuteressig, Kräuteröl, Salben, Essenzen, Kohle, Asche und vieles mehr hergestellt. Profitieren Sie vom langjährig erprobten Wissensschatz anderer Heilpflanzenkundiger und erwerben Sie einen sicheren Umgang mit Heilpflanzen.

Körperwahrnehmungs- Ausbildung in 6 Modulen: Jeder ist sich selbst der beste Arzt. Um Beschwerden einschätzen und sich selbständig helfen zu können, hilft es, das Wunderwerk Körper zu verstehen. In dieser Jahresausbildung arbeite ich mit naturnahen Modellen der verschiedenen Körperteile. So hat man ein genaues Wissen über die Lage der Organe und ihre Funktionen. Das Wechselspiel zwischen den einzelnen Organfunktionen wird speziell erörtert und erklärt. Zu einigen Modulen lade ich Spezialisten ein, die ihre Erfahrungen weitergeben und so den Kurs mit ihrem Fachwissen bereichern. Ziel der Ausbildung ist es, dass Sie ein besseres Verständnis für den Körper entwickeln. Dadurch können Sie die eigene Befindlichkeit bzw. Störungen der Befindlichkeit einschätzen und beurteilen. Für die Erlangung der Abschlussurkunde ist neben der Absolvierung der 6 Module auch eine körperbezogene Abschlussarbeit vorgesehen. Näheres unter: www.zizenbacher.at Anmeldung per e- Mail unter zizenbacher@naturheilzentrum.at

Die Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen steht bei  uns im Mittelpunkt. Hierfür sind Hilfestellungen zu erbringen, wo die  Menschen mit Behinderung Unterstützung, Aufsicht und auch mal ein  ´gutes Wort` benötigen.  Dies erfordert Einfühlungsvermögen, Umsichtigkeit und Courage.  Wundern Sie sich nicht, wenn Sie beim Abschied nach neun Monaten  Zivildienst einen eigenen Fanclub haben.  Interesse?  Kontakt:   Lebensart Sozialtherapie  Hauptstr. 125‐127, 2391 Kaltenleutgeben  Tel. 02238/77931, verein@sozialtherapie.at  www.lebensart‐sozialtherapie.at   

September/Oktober 2010  MoMent

| 31


Absender: R. Steiner-Schule Wien-Mauer, 1230 Wien, Endresstr. 100 Verlagspostamt, 1230 Wien, Zulassungsnummer: 02Z032325M Impressum Seite 2

P.b.b.

Diese Ausgabe von MoMent wurde am Di den 21.09.2010 an die post.at zum Versand übergeben.

Kleinanzeigen Au-pair Stelle gesucht: Ich bin ein 17 Jahre altes Mädchen aus Deutschland und würde gerne ab März 2011 drei Monate als Aupair in Österreich verbringen. Erfahrungen mit Kindern habe ich durch meine beiden Schwestern. Kontakt: Claudia Mahner: c.mahner@t-online.de,

Alle Termine finden Sie auf Seite 17 Angebot für ein freiwilliges Jahr in Georgien: Eine deutsch-georgischen Familie sucht nach einer Begleitperson für ihren zehnjährigen Sohn auf seinem Lernweg ohne Schule. Dies ist vielleicht interessant für Lehrer im Freijahr oder in Rente, für Schulabgänger, die ein Jahr auswärts Erfahrungen sammeln möchten, für Studenten oder auch für jegliche andere interessierte Menschen. Es besteht unter anderem auch die Möglichkeit, Georgien intensiv kennenzulernen. Bei Interesse bitte E-Mail an: AngelusH@gmx.net

PSYCHOTHERAPIE für Erwachsene und Jugendliche. In Krisen, bei Burn-Out, Partnerschaftsproblemen, Schulschwierigkeiten, psychischen Erkrankungen oder wenn es Probleme gibt mit denen Sie alleine nicht mehr zurechtkommen, stehe ich Ihnen gerne hilfreich zur Seite. Dr. med. Simon Colins de Tarsienne-Dick, Psychotherapeut, in Triumvirat_195x165_PoWienSim 11.09.2007 11:41 Uhr Seite 1 Ausbildung unter Supervision, Tel:11.09.2007 0650 606 4411:41 92, simon.coTriumvirat_195x165_PoWienSim Uhr Seite 1 Suche günstiges Zimmer. E-Mailkontakt: angela.proell@gmx.at, Tel.: 0680-2307354 lins@gmx.at, Lindengasse 28/8, 1070 Wien SIMPLY SIMPLY CLEVER CLEVER

DREI DIE AUSGEZOGEN SIND, UM IHNEN DEN PREIS ZU BIETEN.

¬kodaOctavia ¬kodaOctavia Solo Solo ab ab 17.760,– 17.760,– Euro Euro

¬kodaOctavia ¬kodaOctavia Nicco Nicco ab ab 22.310,– 22.310,– Euro Euro

¬kodaOctavia ¬kodaOctavia Pacco Pacco ab ab 24.900,– 24.900,– Euro Euro

Die Die ¬koda ¬koda Octavia Octavia Sondermodelle Sondermodelle Solo, Solo, Nicco Nicco und und Pacco. Pacco. Drei Drei Modelle, Modelle, die die auf auf die die Frage Frage der der individuellen, individuellen, perfekten Ausstattung mit dem besten Preis antworten. Auf Wunsch auch als Allradversion perfekten Ausstattung mit dem besten Preis antworten. Auf Wunsch auch als Allradversion erhältlich. erhältlich. Unverb. nicht kart. Richtpreis inkl. NoVA und MwSt. Symbolfoto. Verbrauch: 5,1-8,4 l/100 km. CO2-Emission: 135-202 g/km. Unverb. nicht kart. Richtpreis inkl. NoVA und MwSt. Symbolfoto. Verbrauch: 5,1-8,4 l/100 km. CO2-Emission: 135-202 g/km.


MoMent September/Oktober 2010  

Monatsschrift f.d. R. Steiner-Schule Wien-Mauer

Advertisement
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you