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Waldorf im MQ

Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Herbst 2017 / € 4,00


Alle MoMent-Ausgaben der letzten Jahre finden Sie online unter: 2 _ Editorial, Impressum

http://www.waldorf-mauer.at/moment

MoM

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»GroSSe Bühne im maurer SchlöSSl«

Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Mo

Ment

Sommer 2017 / € 4,00

Zeitschrift von und für Eltern, FreundInnen, LehrerInnen, SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Schulzeitung MoMent,

D

ie letzte Ausgabe des MoMent vor den Ferien war der Großen Bühne Wien-Mauer gewidmet. Die erste Ausgabe dieses Schuljahres führt uns wieder auf eine Bühne: die Bühne des

Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern, Gremien und Schu-

öffentlichen Raumes, das Museums-Quartier, die Halle G und deren Foyers. Dort präsentierten sich die Waldorfschulen und Waldorfkindergär-

ten Österreichs sowie die Freie Musikschule Wien einem breiteren Publikum. 90 Jahre Waldorfpädagogik in Österreich waren der Anlass dazu. Der Waldorfbund als Veranstalter organisierte in enger Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kultur und Pädagogik und unserer Schule eine Veranstaltung, die eine Möglichkeit bot, die Waldorfpädagogik vorzustellen, ohne die Menschen direkt an eine Schule zu holen. Damit ist ein Schritt gelungen, der gerade jetzt ein wichtiger und

len, Zentrum und Bund hat diese Veranstaltung erst entstehen lassen. Das macht mich, wie schon erwähnt, stolz und glücklich und nährt die Vorfreude auf die nächste Ausgabe des MoMent. Nadja Berke

In Zusammenarbeit mit: PS:

Fotos im Thementeil:

L. Trierenberg, S. Habdank-Wojewódzki, N. & M. Berke, K. Hruza

Zitate aus der Podiumsdiskussion findet Ihr im Thementeil in dieser Form vor.

notwendiger ist: Vor dem Sommer wurde ein Schulautonomiepaket beschlossen, das ausgerechnet unsere Schulen, die seit 50 Jahren Schulautonomie leben, eklatant benachteiligt. Weiters wurde der Antrag auf finanzielle Gleichstellung mit den konfessionellen

Impressum:

Privatschulen im März vom VfGH zurückgewiesen. Jetzt haben

Medieninhaber, Verleger, Herausgeber:

unsere Schulen Förderbescheide beantragt, um mit den zu erwar-

Verein zur Förderung der Waldorf-Gemeinschaft (VFWG),

tenden Negativbescheiden ein Bescheidprüfungsverfahren beim

Obmann Josef Prüller / DVR NR.: 7864 9742

Bundesverwaltungsgericht anzustreben.

Absender: moment@waldorf-mauer.at

Um gesehen zu werden, muss man sich ansehen lassen.

1230 Wien, Endresstraße 100

Als ehemalige Schülerin und Mutter zweier Kinder hier in Mauer

Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 13Z039641 M

bin ich naturgemäß sehr stolz und glücklich, zu sehen, dass unsere Schule hier in einem Maße und mit einer Qualität vertreten war, die mich in unserer Entscheidung für die Waldorfpädagogik und für unsere Schule wieder einmal mehr als sicher macht. Ursprünglich sollte das Thema dieser Ausgabe „Eltern“ lauten. Wie sind die Eltern in die Schule eingebunden? Was leisten Eltern in Zusammenarbeit mit den Pädagogen in den Gremien der Selbstverwaltung für unsere Schule? Wie wird die Zusammenarbeit mit den Lehrern erlebt? Das wären die Ausgangsfragen für den Themen-

MitarbeiterInnen: Brigitte Födinger E: moment@waldorfmauer.at / Roman David-Freihsl E: roman.freihsl@gmx.at Karl Hruza E: karl.hruza@waldorf-mauer.at / Matthias Berke Nadja Berke / Ursula Dotzler / Peter Floquet / Elisabeth Frank Peter Gluchi / Margarete Goss / Bettina Schwenk / Saskia Sautner Sabine Trierenberg / Susanne Wolf Kontoverbindung lautend auf: Redaktion Schulzeitung IBAN: AT44 2011 1822 2175 1000 /

schwerpunkt gewesen.

BIC: GIBAATWWXXX

Das „Eltern“-Thema wird aus titelgebendem Anlass auf die nächste

Druck: Donau-Forum-Druck, 1230 Wien,

Ausgabe verschoben – und doch muss hier erwähnt werden:

aus umweltfreundlicher Druckproduktion


Zum Thema «90 Jahre jung»

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as heute in der Welt fehlt, das ist der soziale Opfersinn» Rudolf Steiner über die Notwendigkeit der Ausbreitung der Waldorfschulen in der ganzen Welt Ausgewählt von Roman David-Freihsl

D

iese Schule, in der wir heute feierlich den Grundstein legen,

solche Schulen überall in der Welt gefüllt bekommen. Keine einzi-

hat noch ein anderes zu bedenken. Sie steht da als etwas,

ge dieser Schulen, die mit Mondgeld bezahlt würde, würde unbe-

was in gewisser Weise ein Musterbild darstellen möge, wie

sucht bleiben.

heute unterrichtet und erzogen werden soll. Aber sie kann als ein-

Aber dasjenige, was heute in der Welt fehlt, das ist der soziale Op-

zelne Schule nicht mehr sein als ein solches Musterbild. (…)

fersinn, der zwar überall solche Schulen gründen möchte, der aber

Nur das andere fehlt noch, die Einsicht in der weiten Welt, dass es

es nicht dazu bringt, aus der äußerlichen Anerkennung einer im

mit der einen Begründung der Musterschule nicht getan ist, wenn

eminentesten Sinne unserer Zeit notwendige Idee sich aufzuraffen

nicht über die ganze Welt sich verbreitet die Einsicht, dass sol-

bis zu dem Willen, der allein das wirken kann, was in dieser Zeit

che Schulgründungen überall notwendig sind, dass Hunderte und

notwendig ist. Und ehe dieser Impuls in der Welt sich nicht erfüllt,

Aberhunderte sich vereinigen im Weltschulverein, um überall sol-

eher kann der Waldorfschulgedanke in der Welt sich nicht erfüllen.

che Schulen zu begründen. Sonst kann nichts geschehen, als dass

Um diese Aufgabe zu erfüllen, sind viele Menschen notwendig, die

diese kleine Schülerschaft das hineinträgt in die Welt, was gepflegt

ihm verständnisvoll entgegenkommen. Und wenn es sein könn-

werden muss für die Menschheitsentwickelung.

te, dass wir am heutigen Tage – wir können es nur durch Gedan-

Dieses Zweite allerdings haben wir in der Welt noch nicht gefun-

ken –, wenn wir vermögend wären, nicht bloß äußerlich etwas

den. Wenn wir in der Lage wären, meine lieben Freunde, an vielen

zu begründen, sondern innerlich, durch diese tiefinnerliche Be-

Orten heute Schulen nach dem Muster der Waldorfschule zu be-

gründung mit dem Grundstein, den wir für diesen Schulbau in die

gründen mit Mitteln, die uns vom Monde herabfallen, wir würden

Erde versenken, wenn wir könnten in vieler Menschenherzen den

ner in er sein, Rudolf Stei „Wir sollten mutig retieren gen, auch zu interp unsere Zeit zu brin .“ und zu übersetzen erin ternehmensberat Verena Florian, Un

Grundstein legen, damit aus diesem erwachse dasjenige, was wir für notwendig halten für die Menschheitsentwickelung und das Menschenziel, dann wäre viel getan. Rudolf Steiner, Ansprache bei der Grundsteinlegung für das neue Haus der Waldorfschule am 16. Dezember 1921. Aus: Rudolf Steiner in der Waldorfschule


4 _ Zum Thema «90 Jahre jung»

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ippi und die Waldorfpädagogik»

Holger Finke, Oberstufenlehrer für Mathematik, Physik und Kunstgeschichte, Dozent am Zentrum für Kultur und Pädagogik Wien

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ippi Langstrumpf wurde während des Zweiten Weltkrie-

Gefahren richtig einzuschätzen, während die Tagespolitik bereits in

ges in Schweden geboren: geistig, versteht sich, im Kopf

wilde Exzesse und Turbulenzen ausartete. Unser Verstand war vom

ihrer Schöpferin.

Wunschdenken blockiert, nach dem Rezept, dass nicht sein kann,

Pippi ist Freigeist und Querdenkerin. Sie blickt anders auf

was nicht sein darf. Dieses Verhalten betraf nicht nur die Herrenhof-

die Dinge. Daher kann sie ihr eigenes Einmaleins erfinden.

Insassen (= die Stammgäste des Cafés Herrenhof in der Her-

Sie ist ein Mensch der Tat und des Mutes, und zwar des au-

rengasse, heute Hotel Steigenberger; Anm. des Autors), es

ßerordentlichen Mutes. Hierin gleicht sie Harry Potter, dem

war für die Intellektuellen in der ganzen demokratischen Welt cha-

jugendlichen Helden unserer Tage. Beide schauen nicht nur in

rakteristisch. (...)

die Welt, sondern handeln in der Welt, so wie es ihrer Über-

Was diese Literaten, Journalisten, Vaganten und Tagträumer positiv

zeugung und ihrem Gerechtigkeitsgefühl entspricht. Daher

miteinander verband, war die fast allen gemeinsame kosmopolitische

strömen ihnen Sympathie und Bewunderung zu. Hätten Pippi

Gesinnung. Ihre kritische Distanz zur Tagespolitik war mit Überheb-

oder Harry im Österreich jener düsteren Zeit gelebt, man hät-

lichkeit behaftet. Sie brach in sich zusammen und führte zu einem Zu-

te ihrem Dasein ebenso wie dem der Waldorfpädagogik ein

stand sprachloser Wehrlosigkeit, die in resignierende Ohnmacht mün-

Ende bereitet. Die Achtung aller Menschen, ein freier Blick und

dete, als dann die Katastrophe tatsächlich hereinbrach. Karl Kraus:

selbstbestimmte Handlungsbereitschaft waren unerwünscht.

„Mir fällt zu Hitler nichts ein.“

Immer wieder wurde gefragt, wie es geschehen konnte,

Diese Typen waren über die ganze zivilisierte Welt verbreitet, man traf

dass auf eine ungewöhnlich intensive Blütezeit der Künste

sie im „Romanischen Café“ oder im „Größenwahn“ in Berlin ebenso

und Wissenschaften, wie sie der Beginn des 20. Jahrhunderts

wie im Pariser „Dôme“ oder „Café Flore“, im Prager „Continental“

erlebte, auf einen Gipfelpunkt der Rationalität hin die Katast-

oder „Arco“, im Budapester „Abbazia“ oder im Züricher „Odeon“

rophe zweier Weltkriege folgen konnte. Nicht erst im Nachhin-

und im Café „Verbano“ in Ascona. Überall bewegte man sich in einer

ein, sondern bereits während der großen Verdunkelung be-

hochintellektuellen, aber wirklichkeitsfremden Gesellschaft.

schäftigten sich zwei Philosophen jüdischer Herkunft, Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, in ihrem amerikanischen Exil

Die Herren, von denen hier die Rede ist, waren blitzgescheit

mit dieser Frage. 1944, in dem gleichen Jahr, in welchem Ast-

und redegewandt. Mit ihren Gedanken schürften sie tief und flo-

rid Lindgren die Lichtfigur der Pippi vollendete, veröffentlich-

gen hoch, bauten Luftschlossarchitekturen, aber sie fanden den

ten sie ihre Dialektik der Aufklärung. Darin entwickeln sie eine

Link zum Tätigwerden nicht. Es war, als ob eine Art Lähmung

komplexe Theorie zu diesem ungemein schwierigen Thema.

vorliege. Pippi und Harry hätten weniger Worte verloren, dafür

Während Adornos und Horkheimers Arbeiten wie eine Weitwinkelaufnahme erscheinen, findet sich bei dem österreichischen Zeitzeugen und Publizisten Milan Dubrovic in Diagnose des Literaturcafés eine Studie in Nahaufnahme:

umso energischer gehandelt, und das beim ersten Auftreten verdächtiger Anzeichen. Gewiss gab es auch Intellektuelle anderen Zuschnitts, als Dubrovic sie porträtiert: Klaus Mann zum Beispiel, der bereits in den vorgerückten 20er Jahren die Bestialität der künftigen Macht-

Wir hatten unseren Verstand zwar in unzähligen Diskussionen

haber klar erkannte und 1930 in einem Vortrag vor dem Wiener

und Gesprächen geschult und geschärft – das Café war ein Ort,

Kulturbund deutlich Position gegen die NSDAP bezog. 1933, nach

um das Denkhandwerk zu erlernen –, aber dieser trainierte In-

der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, ging er in den aktiven

tellekt machte uns zugleich unfähig, die Realität zu sehen, die

Widerstand. Doch offenbar reichte die Anzahl solcher Geister


Zum Thema «90 Jahre jung» _ 5

die Pädagogik. Beide müssen frei sein, sollen sie zur Blüte kommen. Nicht ohne Grund sprach er von Erziehungskunst. Pippi ist ein Archetyp des freien Menschen. Daher wollen alle Kinder Pippi sein und nicht Tommy oder Annika. Pippi zum Erreichen der kritischen Masse nicht aus, die es zum Auslö-

singt: Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt. Darin mag

sen einer Kettenreaktion braucht. So wurde die erste Waldorf-

man Gefahren erblicken, was berechtigt ist, wenn man den

schule auf österreichischem Boden 1938 von den Nationalsozia-

Freiheitsbegriff zu eng fasst. Steiner erkannte aber, was Pippi,

listen geschlossen.

die das Herz am rechten Fleck hat, fühlt: nämlich, dass wirk-

Der Begründer der Waldorfpädagogik, Rudolf Steiner, war wie

liche Freiheit nur in Verbindung mit Verantwortung existiert.

Pippi ein Freigeist, ein Querdenker und ein Handelnder. In unzäh-

Eine Zunahme an Freiheit bedeutet immer auch eine Zunah-

ligen Vorträgen wies er immer wieder darauf hin, dass geistige

me an Verantwortung. Und tatsächlich setzt Pippi ihre enor-

Arbeit mit der Lebenswirklichkeit in Verbindung stehen und in

me Kraft – sie kann allein ein Pferd hochheben – ein, um an-

dieser fruchtbar werden müsse. Anderenfalls wirke sie auf Dauer

deren zu helfen, nicht um sich Machtzuwachs zu verschaffen.

aushöhlend bis zerstörerisch. Kurz und bündig, nichtsdestotrotz

Das unterscheidet sie von einer Despotin.

im feierlichen Ton der Weimarer Klassik, schreibt dazu Altmeister Goethe in „Wilhelm Meisters Wanderjahre“: Und dein Streben, sei‘s in Liebe, Und dein Leben sei die Tat.

Gegenwärtig stehen, was die politische Bühne betrifft, die Zeichen wieder einmal auf Abdunkelung. Diversität wird von Teilen der Bevölkerung und der Politiker nicht als evolutionäre Chance, sondern als Hindernis gesehen. Ausgrenzung und Abschottung werden als Antworten genannt. Es wird überse-

Übertragen auf unser Metier würden wir Nüchternen heute

hen, dass Wachstumsprozesse Pluralität zur Voraussetzung

eher sagen: Waldorfpädagogik möchte Menschen befähigen und

haben; anderenfalls leitet man Schrumpfungs- beziehungs-

ermutigen, aus der Quelle der Empathie heraus verantwortungs-

weise Verarmungsprozesse ein.

voll in der Welt tätig zu werden. Mit jugendlicher Frische dachte Steiner gegen den Strom sei-

Die Anerkennung freier Schulen und der Grad ihrer Förderung durch die öffentliche Hand sind ein wesentlicher Indi-

ner und selbst noch unserer Zeit. Ein Beispiel: Er sah die Aufga-

kator für den Entwicklungsstand eines Staatswesens. Unter-

be des Staates darin, Raum für Bildung zur Verfügung zu stellen,

dessen dürfen die Insassen – sprich Stammgäste – der freien

nicht aber Inhalte und Methoden vorzugeben. Dadurch wollte er

Schulen ihre Verpflichtung zur Wachsamkeit und Tätigkeit

das Heranziehen systemkonformer Menschen vermeiden. Viel-

nicht vergessen, wollen sie sich einerseits einer Pippi würdig

mehr vertraute er darauf, dass in Freiheit erzogene Menschen

erweisen und anderseits die nächsten 90 Jahre ohne unlieb-

sich das ihnen gemäße System selbst erschaffen. Diese Systeme

same Unterbrechungen erleben. Die Waldorfschule – Villa

hätten des Weiteren den Vorteil der permanenten Aktualisierung

Kunterbunt, die sie ist – hat in einer von geistiger Monochro-

durch die jeweils nachwachsende Generation.

mie und Verengung bedrohten Welt einen wichtigen Auftrag.

Ein Vergleich der Pädagogik mit der Kunst kann erhellend wirken: Der Staat soll Kunstausübung ermöglichen, nicht aber darf er beispielsweise einem Maler vorschreiben, was und wie er zu malen habe. Das Gleiche, was für die Kunst gilt, forderte Steiner auch für


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Waldorf live:

     

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edanken zur Entstehung des Projekts»

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m Zentrum für Kultur und Pädagogik in Wien finden im Abstand von ein bis zwei Jahren sogenannte Alumni-Treffen der Absolventinnen und Absolventen der dortigen Waldorf­

lehrerausbildung statt. Man erzählt einander, was man wo gerade so macht, welche pädagogischen Fragen die Lehrerinnen und Lehrer zurzeit beschäftigen, woran am Institut gerade gearbeitet wird, Ideen werden vorgestellt oder entstehen im gemeinsamen Gespräch… So auch bei unserem letzten Treffen dieser Art im Herbst des vergangenen Jahres. Eine Frage tauchte dabei auf: Wäre es nicht schön, in Österreich wieder einmal eine gemeinsame Initiative aller Waldorfschulen zu entwickeln, gemeinsam öffentlich präsent zu sein…? Die Idee eines „Waldorftages“ war geboren. Anlass könnte, nein, sollte das 2017 anstehende 90 JahrJubiläum der Gründung der ersten österreichischen Waldorfschule (1927 in Wien) sein. Im Jänner dieses Jahres wurde die Idee bei einem Treffen des Waldorfbundes vorgestellt und zu unserer Freude von den Vertretern der Schulen und Kindergärten positiv aufgenommen. Schließlich wurde entschieden, dass der Waldorfbund 2017 tatsächlich einen „Waldorftag“ veranstalten würde. Ein aus Schulvertretern, Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen, Lehrerausbildnern und Schülereltern gebildetes Organisationsteam begann mit der Planung und Vorbereitung der Festveranstaltung. Mehre Dinge waren uns dabei wichtig: Von Anfang an waren wir einig, dass die geplanten Feierlichkeiten nicht „zuhause“ – also an einer der Waldorfschulen – stattfinden sollten. Denn obwohl der Waldorftag natürlich als Jubiläumsund Festveranstaltung eine Gelegenheit zur Begegnung und gemeinsamen Freude der österreichischen Waldorfbewegung werden sollte (und dies ja, wie mir scheint, auch wirklich wurde!), so sollte er doch auch ein öffentliches Signal sein, sollte Waldorfpädagogik an einem anderen Ort und in einem neuen Rahmen präsent sein lassen! Schließlich fiel die Wahl auf die Halle G im Wiener Museumsquartier: auf einen Ort mitten in der Stadt, der für viele Menschen für Themen wie „Kultur“, „Moderne“, „Begegnung“ und „Vielfalt“ steht... Also, ein Ort für Waldorfpädagogik!


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Leonhard Weiss (Mitglied des Organisationsteams und arbeitet am Zentrum für Kultur und Pädagogik)

Dass es auch trotz dieses attraktiven Veranstaltungsortes nicht leicht werden würde, öffentliche und mediale Beachtung zu bekommen, war uns natürlich von Anfang an bewusst – und als mitten während unserer Vorbereitungen der Parteiobmann einer Regierungspartei zurücktrat, sein Nachfolger Neuwahlen forderte und diese genau für den Tag nach unserer Veranstaltung festgelegt wurden, da wurde dies nochmals schwieriger. Doch immerhin, einer der geladenen Politiker, Matthias Strolz, besuchte uns im Museumsquartier, und u.a. zwei österreichische Qualitätsmedien, Standard und Ö1, nahmen die Festveranstaltung zum Anlass, wieder einmal über Waldorfpädagogik zu berichten. Wichtig war für uns auch, dass im Mittelpunkt des Veranstaltungsprogrammes jene Menschen stehen sollten, für die es Waldorfschulen gibt: Schülerinnen und Schüler. Es sollte sichtbar sein, was und wie der Unterricht an Waldorfschulen getan, gelebt und geleistet wird. Eine Art gemeinsamer Schulfeier mehrerer Schulen – das sollte der Waldorftag sein und zugleich ein buntes Bild der österreichischen Waldorfpädagogik vermitteln. Schließlich gibt es ja nicht nur die Waldorfschule, sondern viele, unterschiedliche Schulen, an denen Lehrerinnen und Lehrer versuchen, eine Pädagogik zu verwirklichen, die „lediglich darauf Rücksicht nimmt, so zu erziehen und zu unterrichten, wie es der Mensch, wie es die menschliche Gesamtwesenheit erfordert“, wie es Rudolf Steiner im Vorfeld der allerersten Waldorfschulgründung 1919 formuliert hatte. Die Initiative „Waldorf live“ war ein Versuch. Wir hoffen, sie wird zum Beginn weiterer Initiativen und Veranstaltungen führen. Eine Fortsetzung bietet sich bereits an: In zwei Jahren feiern wir 100 Jahre Waldorfpädagogik! Wir hoffen, wir sehen einander wieder! Vielleicht wieder im Museumsquartier, vielleicht woanders. Auf jeden Fall bei einem Fest, bei dem die Vielfältigkeit der Waldorfpädagogik gemeinsam erlebt und erlebbar gemacht wird…

gik mit einer inzwischen „Waldorfpädagogik ist eine Pädago önes. Die Aufgabe der langen Tradition. Das ist etwas Sch stärkere Öffnung nach nächsten Jahre wird aber eine noch ‚außen‘ sein.“ Leonhard Weiss, Waldorfpädagoge


8 _ Zum Thema «90 Jahre jung»

entsprechende Ansätze dazu entwickelten. In besonderer Weise gilt das für Rudolf Steiner und die von ihm begründete Waldorfpä-

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dagogik. Nach mehrjährigen Vorträgen über Erziehung und Schulfragen gründete er 1919 auf die Bitte Emil Molts, des Direktors der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart, eine Betriebsschule

u felix Austria

für die Kinder der in dieser Fabrik arbeitenden Menschen; später

Dr. Elisabeth Frank

folgten andere Schulen in Deutschland nach. Die Waldorfpädagogik gründet sich auf das von Rudolf Steiner

Zu Recht können wir stolz und froh sein, dass in unserem Land

entwickelte Menschenbild, das dem Kind in seinen Entwicklungs-

vergleichsweise früh die Schulpflicht – besser Unterrichtspflicht

schritten eine zentrale Bedeutung gibt. Im Sinne der sozialen

– von Maria Theresia in allen unter Habsburgischer Herrschaft

Dreigliederung (Freiheit im Geistesleben, Gleichheit im Rechts-

stehenden Ländern eingeführt wurde; dies war im Jahr 1774 (im

leben und Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben) gibt Steiner einer

Vergleich dazu: Frankreich 1882, Deutschland 1919: Vereinheit-

kindgemäßen Erziehung den Vorzug vor einer an den Bedürfnis-

lichung der Schulpflicht durch die Weimarer Gesetze). Zuvor war

sen des Staates orientierten Bildung.

der Schulbesuch in kirchlichen Schulen vor allem privilegierten

Dieser Grundsatz ist dem Leitbild unserer Schule vorangestellt:

Schichten möglich gewesen. Nicht von allen Menschen wurde

„Nicht gefragt soll werden: Was braucht der Mensch zu wissen

diese neue Pflicht erfreut aufgenommen, wurden die Kinder doch

und zu können für die soziale Ordnung, die besteht, sondern: Was

– vor allem im bäuerlichen Milieu – unbedingt als Arbeitskräf-

ist im Menschen veranlagt und was kann in ihm entwickelt werden?

te gebraucht. Die Gemeinden mussten nun Schulen gründen und

Dann wird es möglich sein, der sozialen Ordnung immer neue Kräfte

dafür sorgen, dass die Kinder diese auch besuchten. Nach dem

aus der heranwachsenden Generation zuzuführen...“

neuen Gesetz sollte die Bildung der Bürger vor allem den Zwecken

(aus: Rudolf Steiner, Die Kernpunkte der sozialen Frage, GA 23)

des Staates dienen; dieser hatte erkannt, dass die „modernen Zeiten“ mehr gebildete Menschen brauchten; der Kirche wurde

Bereits 1927, also nur acht Jahre nach Gründung der ersten

die Schulaufsicht übertragen. Was das Kind brauchte, war in der

Waldorfschule in Stuttgart, wurde auch in Österreich eine Wal-

Schulpädagogik noch kein Thema.

dorfschule gegründet. Jetzt bestehen in Österreich bereits mehr

Auch wenn schon früher Gedanken zu einer kindgerechten Bil-

als 50 Waldorfeinrichtungen (Schulen, Kindergärten, heilpäda-

dung erwogen worden waren (Rousseau, Comenius, Pestalozzi...),

gogische Einrichtungen...), welche die Kinder auf ihrem Weg zu

waren es doch die sogenannten Reformpädagogen ab Ende des 19.

freien Menschen begleiten.

Jahrhunderts, die eine „Pädagogik vom Kind her“ forderten und

Tu felix Austria!

gsschu„Eigentlich sind wir eine Globalisierun alisierten le; nicht im Sinne der heutigen glob globaliWirtschaft, sondern im Sinne eines

sierten Menschseins.“ Lothar Trierenberg, Unternehmer

„Waldorfpädagogik ist eine Pädagogik, die versucht, mit den En twicklungsmöglichkeiten der Menschen, die im Zwischenmenschlichen freigelegt werden können, zu arbeiten.“ Nathalie Kux, Waldorfp ädagogin, Verein „Hebet el-Nil“


Zum Thema «90 Jahre jung» _ 9

K

napp zwei Wochen nach dem Waldorftag im MuseumsQuartier rief mich ein Freund an und hinterließ auf meiner Mailbox die Nachricht, er würde mich unterstützen, falls ich rechtliche Schritte gegenüber IKEA unternehmen sollte? Ich, warum? Ein Blick auf die Website des schwedischen Möbelkonzernes

brachte Klarheit. Ich dachte an den Möbeldesigner und -produzent Nils Holger Moormann, der gegen IKEA geklagt hatte. Gegenstand des Streites war eine von ihm entworfene Schuhlade, die das schwedische Unter-

nehmen kopiert hatte. David gegen Goliath. Der deutsche David aus dem Allgäu gewann. Hier und jetzt aber wird gefeiert, nicht geklagt. Dort 40 Jahre IKEA in Österreich, hier 90 Jahre Waldorfpädagogik in Österreich – zwei Jubiläen, ein Signet? Ja, eine gewisse Ähnlichkeit besteht. IKEA goes Waldorf? Matthias goes IKEA? Jedenfalls ein guter Einstieg in diesen Artikel und damit zurück zum Thema, denn...

... jetzt ist schon wieder was passiert.   Matthias Berke

90

Jahre Waldorfpädagogik in Österreich. Ein Tag Waldorf. Mitten in Wien.

Damit dies möglich wurde, traf sich seit geraumer Zeit ein Or-

achte Klasse mit Christine Rumetshofer, Jacqueline Auwaerter und

ganisationsteam, zu dem ich mich im Mai gesellte. Es sollte ein

Brigitte Födinger. Die Idee: Waldorf geht (immer!). Eine Pädago-

buntes und öffentliches Fest mitten in der Stadt werden. Das Mu-

gik in steter Bewegung. Inszeniert wurde dies von Welmoed mit

seums-Quartier war bereits gebucht, der griffige Titel WALDORF

Schülerinnen und Schülern in bunten Socken... wir drehten on lo-

LIVE noch nicht gefunden, das Budget knapp. Doch dank einiger

cation zwei Tage lang. Es gelang – vielfältig, bunt und ganz von den

weniger Sponsoren eröffnete sich Gestaltungsraum. An IKEA als

Socken. Inzwischen wurde der Trailer mit dem Sound von Micha-

Sponsor dachten wir damals nicht, eher an Seelenverwandtschaf-

el Schallmayer (Musiker, Komponist und Vater an unserer Schule;

ten wie dm oder Weleda… doch aufgrund der jüngsten visuellen

Anm.) mehr als 800x angesehen.

Annäherung und nach entdeckten Gemeinsamkeiten sowie ohne

Nach den Sommerferien ging die Planung der Infostände in eine

Berücksichtigung weiterer Befindlichkeiten erscheint es nunmehr

zweite Runde. Wir hatten seitens der Hallenleitung erfahren, dass

naheliegend, IKEA als Hauptsponsor für 100 Jahre Waldorfpäda-

wir aufgrund mehrerer Programmüberschneidungen mit der Halle

gogik zu gewinnen. Become a part of Waldorf.

E und der Kunsthalle nicht das gesamte Foyer würden bespielen

Für den Festtag war inhaltlich zweierlei geplant: ein Bühnenpro-

können. So mussten wir die ursprüngliche Planung der Infostände

gramm, quasi eine öffentliche Schulfeier, eingerahmt von einem

aufgeben und die Ausstellungsflächen stark reduzieren. Es blieb

Festprogramm, sowie im Foyer der Hallen E und G eine öffentliche

bei dem Rohmaterial 285 qm Dreischichtplatte und mehr als 350

Ausstellung der österreichischen Waldorfschulen und weiterer Ins-

Kulissenbänder. Daraus entstanden dank der Unterstützung durch

titutionen der Waldorfpädagogik.

die Firma Winter innerhalb von einer Woche drei Möbeltypen: Hin-

Zugleich begleiteten uns die Fragen, wie bekommen wir Öffent-

tersetzer, Faltwände und Infopulte. Gerade Schnitte, wenig Ver-

lichkeit? Wie bewerben wir diese Veranstaltung? Die finanziellen

schnitt, Kanten leicht gebrochen, unbehandelt. Nicht zu verges-

Mittel waren, ich wiederhole mich, knapp, die Liste der gewünsch-

sen die umfangreiche Folienbeschriftung, die sich als blauer Faden

ten Ehrengäste hingegen illuster. Doch dann die Kollision. Plötzlich

durch die Ausstellung zog, während sich darunter die Schulen und

konkurrierten wir mit der Nationalratswahl... uns blieb keine Wahl,

Aussteller mit ihren Themen bunt und individuell darstellen sollten.

nicht einmal eine Liste. Einer aus der Politik kam dann doch: Matthias Strolz, ein Vorarl-

Dann war es so weit: 12 Stunden Waldorf Live… und weil darüber hier andere ausführlich berichten, sind wir an dieser Stelle

berger und Nachbar von uns in Mauer. Und mit dem ihm eigenen

so schnell wie vor Ort auch schon wieder mit dem Abbau fertig.

Elan richtete er ein Grußwort an unsere Besucher und ja, ein wenig

Personell waren wir in allen Belangen bestens aufgestellt, und ge-

Wahlkampf für pinke Bildungspolitik war mit dabei.

meinsam mit dem Zentrum für Kunst und Pädagogik agierten wir

Aber nun komme ich zum Eigentlichen zurück. Wir taten und planten damals im Sommer weiter. Nächster Schritt: Ein Video musste her. Gesagt, und kurz vor den Sommerferien noch getan. Um unseren jungen Kameramann Benjamin Heindl gruppierten sich neben Welmoed Kollewijn und Miodrag Stojanovic (Mio) die

unter Leonhard Weiss’ Federführung fast schon wie eine Fullservice-Eventagentur! Waldorf 100 sei willkommen!


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aldorf live –

90 Jahre Waldorfpädagogik Österreich“» Ein Auszug der Eröffnungsansprache von Prof. Dr. Carlo Willmann

L

iebe Festgäste, sehr geehrte Damen und Herren!

der zuständige Hochschulrat diese Woche die Entscheidung ge-

Liebe Mitglieder des Vorstandes des Waldorfbundes Öster-

fällt, einen Studienschwerpunkt Waldorfpädagogik in die reguläre

reich, liebe Freunde der Waldorfpädagogik!

Lehrerausbildung zu integrieren, den das Zentrum für Kultur und Pädagogik durchführen soll. Dies ist eine einmalige Konstellation

Heute, etwas mehr als fünfzig Jahre nach der Neugründung

im deutschen Sprachraum, und europaweit gibt es eine Waldorf-

der Waldorfschule, ist Waldorfpädagogik aus der gegenwärtigen

lehrerausbildung in einer öffentlichen Hochschule meinem Wissen

österreichischen Bildungslandschaft nicht mehr wegzudenken.

nach nur in Holland. Diese Entwicklung bedeutet demnach eine

Es arbeiten 16 allgemeinbildende Rudolf Steiner- bzw. Freie Wal-

große Anerkennung für die Waldorfpädagogik in Österreich und

dorfschulen (14 davon im Waldorfbund zusammengeschlossen),

verschafft ihr die Chance, sich im Dialog mit anderen weiterzuent-

eine Integrationsschule und zwei Heilpädagogische Schulen in

wickeln und ihre Ausstrahlung zu erhöhen.

Österreich. Sie sind in allen Bundesländern vertreten, ebenso die

Jeder Waldorfkindergarten, jede Waldorfschule in Österreich

28 Kindergärten und zwei heilpädagogischen Kindergärten, die

ist eigentlich ein Wunder. Ein größeres oder kleineres, aber immer

auf Grundlage der Waldorfpädagogik Erziehungskunst zu leben

ein Wunder. Denn es braucht dazu Dinge, die es nicht überall und

suchen.

jederzeit so einfach gibt: Phantasie und Vorstellungskraft, Wage-

Aber Waldorfpädagogik ist nicht auf Schule und Kindergarten

mut und Einsatzwille, Energie und Durchhaltevermögen, Gemein-

beschränkt. Sie greift auch Platz in der Freizeitpädagogik, in For-

schaftssinn und – ich sage es ungern, aber doch – stellenweise

men der Erwachsenenbildung, verstärkt auch in sozialpädagogi-

auch Leidensbereitschaft. Was engagierte Eltern und Großeltern,

schen Zusammenhängen wie etwa in der Begleitung von Kindern

Lehrerinnen und Lehrer, Geschäftsführer und Hausmeister, Se-

und Jugendlichen zur Wiedereingliederung in Schulen oder Ar-

kretärinnen und Buchhalter alles auf sich nehmen, um eine solche

beitswelt, wie es beispielsweise Waldorf-FRAM (Förder Ring Arbeit

Schule zu gründen, zu erhalten und vor allem zu entwickeln, ist

und Motivation) oder ARBIT (Verband zur Förderung von Arbeits-

eine Seite des Wunders.

stätten, Bildung und Therapie) leisten. Es sind gar nicht alle Einrich-

Die zweite Seite ist: das Glück, die Freude, die Dankbarkeit, die

tungen und Initiativen, die mit Waldorfpädagogik arbeiten, beim

Liebe, das Vertrauen, die Schönheit, die entstehen können im ge-

Namen zu nennen, geschweige denn alle Möglichkeiten anzufüh-

meinsamen Tun mit den Kindern, in der gemeinsamen Arbeit mit

ren (ich denke etwa an medizinische und therapeutische Ansätze),

den Jugendlichen, unter Kollegen und Eltern. Egal, an welchem Ort

die mit ihr verbunden werden.

oder in welchem Zusammenhang auf der Welt: Wer einmal davon

Und auch auf dem Weiterbildungs- und Ausbildungssektor schreitet Waldorfpädagogik voran. Waldorfkindergärten brauchen

berührt wurde, der wird sich immer nach diesem Wunder strecken, das er doch nicht zu erzwingen vermag.

ausgebildete Fachkräfte, Waldorfschulen brauchen gut vorbereite-

Waldorfpädagogik scheint etwas zu besitzen, das diese beiden

te Lehrerinnen und Lehrer, und es ist eine anspruchsvolle Aufgabe,

Seiten des Wunders gleichsam anzuziehen scheint. Anders ist es

hierfür in angemessener Weise zu sorgen. Aber auch hier ist zu se-

nicht zu erklären, dass weltweit oft unter schwierigsten Bedingun-

hen, dass auf diesem Gebiet Waldorfpädagogik mehr und mehr in der Gesellschaft wahrgenommen und anerkannt wird. Selbst in der Lehrerbildung tätig, kann ich natürlich mehr oder weniger nur in eigener Sache reden, aber erlauben Sie mir bitte, dass ich das kurz erwähne, weil es so brandneu und auch sehr aufregend ist: Nach langen und intensiven Vorbereitungsgesprächen mit der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems hat


!

Zum Thema «90 Jahre jung» _ 11

Ein rundum gelungenes Fest: „90 Jahre Waldorfpädagogik in Österreich“ wurde dank der Initiative des Zentrums für Kultur und Pädagogik gebührend gefeiert und die Tradition unserer Schulfeier stand im Mittelpunkt: so viele lebendige Beiträge quer durch die Schulstufen! Herzlichen Dank dafür! Angelika Lütkenhorst, Waldorfbund Österreich

gen bald über 1100 Waldorfschulen in über 70 Ländern auf allen

abgedruckten kurzen Interview mit dem Profiler, da er sehr ver-

Kontinenten zu finden sind – in Megacities wie São Paulo oder

nünftige und auch kritische Positionen zur gegenwärtigen Schul-

Tokio genauso wie in kleinsten Bergdörfern in den Anden oder im

situation vorgebracht hatte, etwa, dass es ein großer Unsinn sei,

Himalaya, auf den Philippinischen Inseln oder in der arabischen

Kindern nach drei Schuljahren ihre Bildungslaufbahn festlegen zu

Wüste.

wollen. In seiner Tätigkeit wolle er dem schließlich bestmöglich

Es hat vielleicht etwas damit zu tun, dass Waldorfpädagogik

entgegenwirken. Aber da wurde mir wieder klar, was Waldorfpä-

das Leben zu lieben verhilft, indem sie das Werdende zu erken-

dagogik doch deutlich unterscheidet und auch auszeichnet von

nen und zu verstehen sucht und darin dem Leben selbst vertraut.

den üblichen Bildungsvorstellungen, und worin sie sich eben wird

Dem Werden des Kindes vertrauen heißt, es anzunehmen, wie es

beweisen müssen und wohl auch beweisen kann. Etwas verein-

ist, sich an seiner Gegenwart nicht genug freuen zu können und

facht dargestellt: Gegenwärtig gibt es in der Schullandschaft eben

unerschütterlich an seine Zukunft zu glauben. Und wenn wir das

diesen und jenen Schultypus, diese Schule ist so und so, jene bietet

können, können wir – als Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, wie auch

dieses und das Programm, und der Schüler, der muss eben in die

immer – uns selbst als Werdende erfahren und damit gleichsam

fertige Schule eingepasst werden. Waldorfpädagogik denkt genau

aus der Quelle des Lebendigen schöpfen.

anders herum: Es gibt das Kind, den jungen Menschen in seiner

Vielleicht hatte Rudolf Steiner dies im Blick, als er bei der Er-

Entwicklung, in seinem Wachsen und Werden. Und Schule hat sich

öffnung der ersten Waldorfschule 1919 davon sprach, dass alles

an diesem Werden des Kindes zu orientieren und dem Kind zu ge-

Lehren und Unterrichten wenig anderes sei als die Welt – Wissen-

ben, was es zu diesem Werden braucht. Und Schule selbst hat dar-

schaft, Kunst und Religion – für das Kind lebendig werden zu las-

um auch immer eine werdende Schule zu sein.

sen, weil das Kind ja selbst das allerlebendigste Wesen und eins mit seinem Werden wäre. Es kam mir diese Woche ein Zeitungsartikel zur Hand, in dem

Wäre eine solche pädagogische Lebensgeste die Grundlage unserer Bildung, so glaube ich, könnten wir in eine humanere, schönere, wahrere, ja gar neue Welt blicken. Wir können also gemein-

über einen „Schul-Profiler“ berichtet wurde. Dessen Aufgabe ist es,

sam sehr dankbar sein für 90 Jahre Waldorfpädagogik, aber wir

für Kinder die richtige Schule ausfindig zu machen, vor allem zum

wissen auch: Es gibt noch viel zu tun. Auch das sollten wir an die-

Ende der Volksschulzeit. Ich war sehr beeindruckt von dem dort

sem Tag feiern!


12 _ Zum Thema «90 Jahre jung»

D

er österreichische Weg der Waldorfpädagogik

  

Ein Beitrag zur Bildungserneuerung

Auszüge aus dem Festvortrag von Tobias Richter (Den kompletten Vortragstext finden Sie online: www.waldorf.jetzt)

Vorspiel Der Titel dieses Vortrags und das Sujet des Plakates, das zu dem 90-jährigen Jubiläum einlädt, hängen zusammen: Man sieht Füße, die

„Geh’ ma!“ Die ersten Wiener Schritte 1927 war es dann in Wien soweit: Dr. Gusti Bretter, eine

einen Weg beschreiten, Kinderfüße, Füße von Jugendlichen, alle in bun-

anthroposophische Ökonomin, begann zusammen mit der

ten Socken.

Eurythmistin Berti Elbogen eine kleine, einklassige Waldorf-

„Mach dich auf die Socken!“ – ein deutsch anmutender Initiativaufruf…

schule mit zwei Schulstufen zu führen: in der Buchfeldgasse

…auf Österreichisch: „Geh’ ma!“

4, zwischen Josefstädterstraße und dem Rathaus gelegen.

…oder kroatisch: „Idemo!“

Dieser initiative Akt vollzog sich unabhängig vom kurz zu-

Diese drei kategorischen Imperative sollen die nachfolgenden Aus-

vor gegründeten Rudolf Steiner-Schulverein. Ebenfalls im

führungen über den österreichischen Weg der Waldorfpädagogik glie-

Jahr 1927 wurden auch zwei Waldorfkindergärten eröffnet,

dern. Ich beginne mit einem Wandermotiv aus dem bekannten Märchen

und es mutet wie ein besonderes „Geburtstagsgeschenk“

„Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“:

an, dass zur gleichen Zeit in Locarno der große reformpäd-

Ein Glückskind nimmt den Weg unter die Füße, um eine schwere Auf-

agogische Kongress des „Weltbundes für Erziehung“ unter

gabe zu erfüllen und kommt auf seiner Wanderschaft durch zwei Städ-

dem programmatischen Thema „The Meaning of Freedom

te. In der ersten Stadt ist der Brunnen versiegt, der sonst Wein gegeben

in Education“ stattfand. Diesem Motiv konnte sich die Wie-

hatte und jetzt nicht einmal mehr Wasser spendet, und in der zweiten

ner Rudolf Steiner Schule verbunden fühlen. (…)

Stadt steht ein Baum, an dem einst goldene Äpfel reiften und dessen

Letztere war schon bald ins Zentrum Wiens übersiedelt:

Zweige jetzt nicht einmal mehr Blätter hervortreiben. Ob er helfen kön-

Direkt an der Ecke Graben / Habsburgergasse fand sie im

ne? „Wartet, bis ich zurückkomme“, antwortet der Knabe. Und tatsäch-

repräsentativen „Grabenhof“ in zwei zusammengelegten

lich: Später ist er bewandert und hat erfahren, warum der Brunnen nicht

Wohnungen im 3. Stock Quartier. Kurz vor dem endgültigen

mehr sprudelt und der Baum nicht mehr grünt: Am Untergrund liegt es

Ausbau der Schule – das kleine Wiener Kollegium hatte in-

– dort müssen die Wachstums- und Lebensbedingungen wieder herge-

zwischen kräftige Unterstützung durch erfahrene Waldor-

stellt werden.

flehrer aus Deutschland erhalten – wurde die Schule 1938

Auch darum soll es in diesen Ausführungen gehen: Wie zieht (wieder)

von den Nazis geschlossen.

Leben ein in etwas, aus dem es verschwunden war? Das war eine der großen Fragen zum Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in Bezug auf eine Pädagogik, welcher es an Lebendigkeit,

„Mach dich auf die Socken!“ Gehhilfen aus Berlin und Stuttgart

Entdeckerfreude oder Gestaltungsmöglichkeit mangelte und die oft nur

Ähnlich wie vor dem Krieg begann die zweite Gründung

noch Drillschulen hervorbrachte. Auch in Wien wurden diese Fragen von

der Schule: Einen Schulverein gab es bereits ab 1945 wieder,

der klassischen Reformpädagogik nachdrücklich gestellt.

ab 1955 sogar einen Waldorfkindergarten, der von der aus

(…) Als Emil Molt im April 1919 Steiner bat, für die Waldorf AstoriaBelegschaft über dessen Ideen zur Gesellschaftsreform zu sprechen, fragten im Anschluss daran einzelne Arbeiter nach einer neuen Schule

der Emigration zurückgekehrten Bronja Zahlingen geführt wurde – aber keine Schule. (…) 1962 wurde Tobias Kühne, früher Waldorfschüler in Berlin

für ihre Kinder, nach einer neuen Pädagogik, welche sich am Menschen

und Stuttgart, der seit zwei Jahren an der Wiener Musikaka-

und nicht an den Staatsbedürfnissen orientieren sollte. Dies führte in

demie eine Celloklasse leitete, in den Schulvereinsvorstand

einer ungeheuren Dynamik nach fünf Monaten zur Gründung der ersten

kooptiert. Für ihn und seine Frau – ebenfalls ehemalige Wal-

Waldorfschule mit 256 Schülern. (…)

dorfschülerin aus Stuttgart – war es klar, dass ihre Kinder in


Zum Thema «90 Jahre jung» _ 13

„Als Waldorfpädagogen gehen wir davon aus, da ss Lernen und Bildung nicht einfach genetisch oder sozial bestimmt sin d, sondern dass jeder Heranwachsende seinen ind ividuellen biographische n Impuls mitbringt und wir helfen wollen, diesen zu entwickeln.“ Leonhard Weiss, Waldo rfpädagoge

eine Waldorfschule gehen sollten. Und dem Ehepaar Kühne gelang

gen Jugoslawien und der Tschechoslowakei, aus Polen, Rumäni-

das! Mit Berliner Temperament „machten sie sich auf die Socken“

en und Ungarn. (…) In diesem Kontext stellte sich auch die Frage,

und fanden innerhalb eines Jahres für dieses Vorhaben einen pen-

ob es Erwartungen in Hinblick auf die Unterstützung bei Schul-

sionierten Waldorflehrer, Helmut Gurlitt, der vor dem Krieg an der

gründungen oder waldorfpädagogischen Ausbildungen gäbe.

Dresdener Waldorfschule unterrichtet hatte. (…) So konnte 1963

Und dem war so: Sowohl in der Waldorf-Erzieherinnen- als auch

tatsächlich eine kleine Waldorfklasse im häuslichen Unterricht mit

der Waldorflehrerausbildung entstanden Kooperationen mit den

drei Schülern in einer Privatwohnung beginnen.

oben angeführten Ländern. (…)

Im Schuljahr 1966/67 waren es bereits 33 Schüler in vier Klassen, mit denen die Rudolf Steiner-Schule Wien an die Öffentlichkeit trat – allerdings ohne eigenes Schulgebäude. In einer öffentlichen Schule im 5. Wiener Gemeindebezirk hatte man Gastrecht für drei Jahre erhalten. Schließlich, nach einem beispiellosen Arbeitseinsatz der Eltern und Schulvereinsmitglieder, um das recht verwahrloste und desolate „Maurer Schlössl“ als künftiges Schulgebäude herzurichten, konnte man dorthin übersiedeln – und bis auf den heutigen Tag mit inzwischen ca. 330 Schülern in zwölf Klassen bleiben. (…) Nach der Etablierung und dem Ausbau der Waldorfpädagogik im Maurer Schlössl dauerte es nicht mehr lange, bis sich auch im Rest Österreichs dieses Aufwachen zur Waldorfpädagogik vollzog: Von 1972 bis heute gab es 18 Schul- und 35 Kindergartengründungen in allen Bundesländern. Von großer Wichtigkeit war es, diese Schulen in einem gesetzlichen Rahmen zu verankern und sie aus der Isolation als „Privatschulen mit ausländischem Lehrplan“ zu befreien. Dem Juristen und Schulrechtsexperten Raoul Kneucker gelang dies: Die Waldorfschulen wurden zu Statutschulen mit Öffentlichkeitsrecht. (…)

„Idemo!“ Waldorf goes east (…) Nach der „Wende“ 1989 veranstaltete die Maurer Rudolf Steiner-Schule zusammen mit dem pädagogischen Seminar an der Goetheanistischen Studienstätte ein Ost-West-Symposium für Lehrer, Eltern, Künstler und Wissenschaftler aus dem damali-

Viele dieser Arbeits-Kontakte in den Osten bestehen bis heute und werden weiter entwickelt.

Zum Beschluss Der Genius Loci (…) Was Steiner 1884 in Wien an Otto Specht entdeckt und in der Rezension 1888 visionär formuliert hatte, findet man ab 1919 in der Waldorfschule als pädagogische Orientierung auf Grundlage der Entwicklungsdynamik: Nicht gefragt soll werden, was braucht der Mensch zu wissen und zu können für die soziale Ordnung, die besteht; sondern: Was ist in dem Menschen veranlagt, und was kann in ihm entwickelt werden? Dann wird es möglich sein, der sozialen Ordnung immer neue Kräfte aus der heranwachsenden Generation zuzuführen. Dann wird in dieser Ordnung immer das leben, was die in sie eintretenden Vollmenschen aus ihr machen; nicht aber wird aus der heranwachsenden Generation das gemacht werden, was die bestehende soziale Organisation aus ihr machen will.1 Es geht also um Selbstwerdung – um Selbstwerdung, die es ermöglicht, in einen Dialog mit den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft zu treten und diese mitzugestalten. Ein Wunsch für die nächsten 90 Jahre Waldorfpädagogik als Beitrag zur Bildungserneuerung könnte sein, genau diesen Dialog weiter zu suchen und zu pflegen... und dabei nicht zu verdorren und zu versauern, sondern neugierig und offen zu sein: die große – oder einzige – Chance, dass die eingangs erwähnten Bäume nicht absterben und die Brunnen nicht austrocknen. Dann wird es immer wieder gelingen, das Privileg zu feiern, lernen zu dürfen – wie die vielen Schülerbeiträge an diesem Festtag im MuseumsQuartier zeigen werden.

1

R. Steiner, Freie Schule und Dreigliederung, Sonderdruck aus GA 24,

S.8 f, Dornach, 1983.


14 _ Zum Thema «90 Jahre jung»

Kitty Wenckebach

S

«

  

eit 90 Jahren» Ursula Dotzler

D

ie Waldorfkindergartenbewegung in Österreich ist gleich alt wie die Schulbewegung; der erste Kindergarten wurde 1927 aus dem Kreis der ersten Anthroposophen in Wien im

7. Bezirk gegründet und von Ilse Bode geleitet. Ab 1932 wurde er von Bronja Hüttner (spätere Zahlingen) in den Räumen der ersten Schule im 1. Bezirk weitergeführt, bis er 1938 aus politischen Gründen geschlossen werden musste. Erst 1955 gelang eine Wiedergründung im 3. Bezirk durch Bronja Zahlingen, welche die Entwicklung der Waldorfkindergärten letztendlich über Jahrzehnte lang prägte und der ein großer Schatz an Grundlagen, Geschichten, Reimen und insbesondere Puppenspielen zu verdanken ist. Sie erreichte auch mit tatkräftiger Unterstützung von Eltern, dass 1972 in Wien-Mauer der Grundstein für den ersten Kindergartenneubau gelegt werden konnte. In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts erfolgte die größte Gründungswelle in ganz Österreich, bis die Waldorfpädagogik 2012 zuletzt im Burgenland Fuß fassen konnte. Aktuell gibt es in Österreich 36 Kindergärten mit meist mehreren Gruppen. Dazu sind 14 Kleinkindgruppen und 10 Spielgruppen vorwiegend an die bestehenden Kindergärten angeschlossen; weitere rund zehn „waldorfverwandte“ Einrichtungen tragen zum Gesamtbild bei. Die Kindergärten verteilen sich auf alle Bundesländer und zählen insgesamt 1300 Kinder. Die Nachfrage steigt vor allem im Kleinkindbereich und in der Ganztagsbetreuung. 1990 gründete Brigitte Goldmann in Wien das Waldorfkindergartenseminar, das bisher etwa 300 aktive Erzieher/innen hervorgebracht und gesamtösterreichisch die verbindende Grundlage geschaffen hat. Inge Oberneder als „die Kindergärtnerin“ und Gertraud Walter im Künstlerischen haben die Ausbildung von Anfang an mitgestaltet. Zahlreiche Impulse werden von Brigitte Goldmann bis heute auch in die ost- und südeuropäischen Nachbarländer getragen.

Bronja Zahlingen


Zum Thema «90 Jahre jung» _ 15

Seit 2002 bietet Waldorf Salzburg für angehende Waldorferzieher/innen und Lehrer/innen eine übergreifende Ausbildung an. Ein Lehrgang für Kleinkindpädagogik fand auf Initiative von Eva Fuchs zuletzt 2014/15 statt. Ein Jubiläum wie dieses ist eine gute Gelegenheit, ALLEN von Herzen zu danken, die den Waldorfimpuls aufgegriffen und sich das Werden und Wachsen der Kindergärten zur Aufgabe gemacht haben. Sie arbeiten intensiv an der Weiterentwicklung seiner Qualität, um Kindern in den ersten sieben Lebensjahren den ihnen gemäßen Raum und die Zeit zu geben, die sie in diesem entscheidenden Alter brauchen. Gleichwohl gilt der Dank den Kindern, die mit unendlich großem Vertrauen ein Stück Zukunft in die Kindergärten tragen, und ihren Eltern, die sie dabei begleiten. Es ist dieses Vertrauen, das uns mit Zuversicht nach vorne schauen lässt!

Ute Leser, Brigitte Goldmann

„Wir brauchen in der Zukunft Men schen, die bereit sind, Dinge in di e Hand zu nehm en , die nicht lange fragen, sondern sich auf den Weg machen.“ Lothar Trierenb erg, Unternehm er


16 _ Zum Thema «90 Jahre jung»

V

ielbewegte Jahre und     ein vielbewegter Tag

   

Welmoed Kollewijn

   

für das Organisationsteam

Susanne Genswein (Sekretariat) mit Welmoed Kollewijn

Vielversprechend waren schon die Treffen zur Organisation mit

Vielbesucht!

Vertretern des Zentrums für Kultur und Pädagogik und Schulen

Vielseitig waren die Beiträge auf der Bühne, vielgelobt die Schüler,

aus Wien und Umgebung.

die ihr Bestes gegeben haben.

Vielschichtig waren die Aufgaben, die bei der Vorbereitung auf

Vielgewollt ist ein nächstes Mal mit vielerlei Neuem.

uns zukamen.

Vielseitig ist unsere Waldorfpädagogik in Österreich, und wie viel

Vielbeschäftigt war jeder Einzelne, um diese so gut und schnell

mehr ist das wert, wenn wir es teilen!

als möglich zu erfüllen.

Vielen Dank an alle Kolleginnen und Kollegen, die sich mit ihren

Vielsagend waren auch die manchmal fragenden Blicke: Schaf-

Schülerinnen und Schülern für die vielfärbigen Stände und Bühnen-

fen wir das?

beiträge eingesetzt haben!

Vielbedeutend war dann der Tag selbst.

„Das Spannende de r Waldorfschule ist die Förderung des nicht-digitale n Denkens, das Di nge nicht zerstück und möglichst vere elt inzelt auf Punkt br ingt, sondern vernetzt und global ist . Lothar Trierenber g, Unternehmer


Zum Thema «90 Jahre jung» _ 17

T

Der

railer – Zwischenräume und Übergänge

    Medienpädagogik in der Waldorfschule

Mag. art. Miodrag Stojanovic, geb. 1968, Medientrainer u. Gestalter. Studium Medienkunst bei Peter Weibel, Univ. f. Angewandte Kunst Wien. Derzeit: Ausbildung zum Waldorf-Pädagogen im 3. Jahr am Zentrum für Kultur und Pädagogik in Wien und Spezialisierung zum pädagogisch-therapeutischen Medienberater (nach Buermann) am Waldorf-Seminar in Berlin.

A

nlässlich der 90-Jahr-Feier der Waldorfschulen in Öster-

weisen Umsetzung meines Medienpädagogik-Curriculums zu

reich wurde ich gebeten, gemeinsam mit SchülerInnen der

verbinden. Die Zusammenarbeit mit den SchülerInnen und der

7. Klasse einen Video-Trailer für die Festveranstaltung zu

Eurythmistin Welmoed Kollewijn war durch die schon bestehen-

produzieren. Die visuelle Umsetzung der Vorgaben entwickelte sich in meh-

den Eurythmie-Erfahrungen professionell, ergebnisorientiert und im Sinne einer bewegten Medienpädagogik positiv und sehr er-

reren Brainstorming-Terminen mit dem Produktionsteam (Mat-

lebnisreich. Schon bei den Einstiegsübungen zu Raumgefühl und

thias Berke, Benjamin Heindl, Welmoed Kollewijn). Schnell war

Kameraperspektive spürte ich die innere Begeisterung und Neu-

klar, dass das Motto „Gehen“ und alle Formen und Qualitäten der

gierde, die sich im aktiven Mitmachen aller zeigte. Die anfängli-

Bewegung als visuelle Metaphern für die Umsetzung der Aufga-

che Skepsis (und das Bedauern) der SchülerInnen gegenüber dem

benstellung dienen sollten. Diese Metaphern waren die Basis für

Konzept der „Füsse im Bild“ wich(en) jedoch bald dem Verständ-

zehn vorbereitende Unterrichtseinheiten innerhalb der Euryth-

nis über die Möglichkeiten der technischen und tänzerischen Raf-

miestunden und Übungen der SchülerInnen vor dem Drehtermin

finessen fürs Filmen. Die Präsenz der filmisch dargestellten Kör-

im MuseumsQuartier. In meiner Vorbereitung, also beim Einstieg

perbilder (Ganzkörperbild und sprechende Köpfe) konnte durch

in die Themen Trailer, Filmen und Agieren vor der Kamera, habe

gemeinsames Erforschen der Möglichkeiten zum Thema Gehen

ich die SchülerInnen als sehr interessiert und wissbegierig erlebt.

mit Metaphern und deren Darstellungsformen gut aufgelöst wer-

Die gesamte Klasse ist sehr bewegungsfreudig. Dies stand von

den. Durch das Fokussieren auf das reine „Gehen“, also durch die

Anfang an im Zentrum und hat auch mich in der gesamten Arbeit

Reduktion, konnten die SchülerInnen einen neuen, erweiterten

mit ihnen inspiriert und erfreut.

Blickraum entdecken.

Das Schöne an dieser Aufgabe war, die Herstellung eines konkreten „Produktes“ – des Trailers – mit der ersten, versuchs-

Die Zentralperspektive Der Einsatz der Videokamera im Zusammenspiel mit Eurythmie stellte sich als gute Kombination heraus. Natürlich waren für die zweitägigen Dreharbeiten und die vorangehenden Workshops konkrete Ziele festgelegt gewesen. Neben der Content-Produktion war auch die medienpädagogische Arbeit ein wesentlicher Bestandteil des Projektes. Das wichtigste Ziel war dabei, an das Thema Zentralperspektive, welche ja in dieser Schulstufe zentraler Inhalt im Zeichenunterricht ist, anzuknüpfen und – darauf aufbauend – dieses Thema auch in der Videoperspektive weiterzuführen. Der Blick beim Zeichnen, der Blick beim Gehen und der Blick beim Filmen eröffneten meiner Meinung nach auch für die Jugendlichen neue innere Blickmöglichkeiten sowie das Erkennen von deren Wirkung. Die Videokamera wurde zunächst als Medium zur Selbstreflexion und Selbstbeobachtung eingesetzt, bevor es an die konkreten Schritte für den Trailer ging. 

>>


18 _ Zum Thema «90 Jahre jung»

Es gab auch Übungen der verschiedenen Rollen im Produktionsprozess: Alle waren gleichermassen sowohl vor als auch hinter der Kamera tätig. Während der konkreten Aufnahmen für den Trailer wurden diese Rollen auch in den Arbeitsprozess integriert, was auch soziales Lernen mit einbezog. JedeR war auch einmal RegisseurIn mit dem Mandat, das Bild am Monitor und in der Realität zu prüfen und den Anderen Anweisungen zu geben. Alle hatten also die Möglichkeit, auf „beiden Seiten“ zu agieren. Dabei war es mir wichtig, innerhalb der Rahmenbedingungen sowohl Ernst als auch Spass zuzulassen. Darüber hinaus wurde auch der (verantwortungsbewusste) Umgang mit dem Rohmaterial in eigenen Arbeitssequenzen geübt und mit Themen wie Verantwortung, Entscheidungen und Prioritätensetzung bei Bildkomposition, Bewertung und Bildauswahl mittels gemeinsam entwickelter Kriterien gearbeitet.

Suchen und Finden Auch beim Anschauen der ungeschnittenen Filmsequenzen hatten wir viel Spass. Das „sich Suchen“, das „sich Finden“ und die „Zuordnung der Füsse“ zu

Waldorf-SchülerInnen durch ihren Schultyp die

einzelnen SchülerInnen boten neben dem Spass natürlich auch die Möglichkeit

idealen Voraussetzungen für eine kreative und

des Fokussierens auf Details einer Metaebene in der Perspektivenbetrachtung:

produktive Beschäftigung mit der digitalen Me-

einen neuen Blick auf sich und die Klasse zu entwickeln, und das alles in einem

dienwelt haben. Für mich war diese Einladung

kreativen Raum und Gruppensetting. Eine Schülerin fasste die Ergebnisse für

Anlass, ein eigenes Medienpädagogik-Curricu-

die Gruppe sehr schön zusammen: “Man lernt immer, wenn man was anschaut,

lum für die Mittel- und Oberstufe der Waldorf-

auch, dass du nicht mehr nur auf dich selbst achten solltest, sondern auch auf

schule zu entwickeln. Die Erfahrungen im Rah-

die anderen, die Gemeinschaft, wie es aussieht auch von der Perspektive her

men des Trailerprojektes konnte ich gemeinsam

zum Beispiel.“ Und ein Schulkollege sagte: „Ja, ich habe was gelernt, und ich hät-

mit den Antworten der SchülerInnen auf mei-

te nie erwartet, dass unsere Klasse sich so konzentrieren kann und wirklich leise

ne qualitative Befragung für meine Projektar-

sein kann. Das hätte ich mir nicht gedacht.“ Grosses, zustimmendes Gelächter

beit des zweiten Studienjahres wissenschaftlich

der gesamten Gruppe folgte nach diesen Worten, weil er etwas aussprach, was

bearbeiten.

alle ein bisschen gedacht hatten. Durch meine Erfahrung in der Erwachsenenbildung und die vorangegangene erlebnispädagogische Arbeit mit Jugendlichen kann ich feststellen, dass die

Danke an die SchülerInnen der 7. Klasse 2017 und allen Beteiligten für ihre Inspiration, Vertrauen und die schöne Zusammenarbeit.


Zum Thema «90 Jahre jung» _ 19

Einblick in ihre Jahresarbeit zum Thema POETRY SLAM gaben uns

D

ie sogenannten Kommunikationsgeräte

     von Daniela Copetti

So sitze ich vor meinem Laptop.

Wenn ich so dran denk’, bekomm’ ich fast schon Angst.

Und du? Du sitzt vor deinem.

Angst vor der Zukunft, vor dem, was da noch kommt, oder dem,

Wähle Schriftgröße 11 anstatt 12 – kann mich mal wieder nicht

was wir verlieren,

entscheiden.

denn Momente, die vergehen, können wir nicht wieder kreieren.

Alles ist am Laptop so viel einfacher, kann nebenbei noch online shoppen, auf Facebook posten und für’s Gewissen eine Tonne Urwald kaufen. Dabei merk’ ich gar nicht, ich hab’ mich in meinem eigenen Wald schon längst verlaufen.

Wir werden da sitzen, unsere Gedanken wie Nachrichten per „BrainMessage“ durch die Gegend schicken – von der NSA überwacht – und unseren Kindern erzählen: „Ach, als ich noch jung war, da mussten wir noch jeden einzelnen Buchstaben händisch eintippen, Kinder, wisst ihr, was das für eine Arbeit war! Das hat Zeit

Gleich neben dem Laptop hängen die iPhones an den

gebraucht!“

Steckdosen,

Doch vielleicht kommt es auch ganz anders, vielleicht wird’s gar

immer erreichbar, griffbereit, abrufbar – glauben, wir gehören

nicht so schlimm.

zu den Zwanglosen.

Nur weil George Orwell 1948 recht gehabt hat, muss das hier

Multitasking nennt Generation Z das heutzutage,

nicht gleich stimmen.

es heißt, wir können gar nicht mehr anders – auch irgendwie schade.

Noch sind wir jung, können unser Leben genießen, wir sind jung, atmen jedes Lufpartikel ein, das wir nur irgendwie

Die sogenannten Kommunikationsgeräte trennen mehr als sie

kriegen.

verbinden,

Wir können die Welt auf den Kopf stellen,

sie nehmen Zeit und Geld – lassen uns vergessen, wo wir uns

den Kopf auf die Welt stellen,

eigentlich befinden.

uns im Kreis drehen, bis uns schwindlig ist und alle nur noch

Wir messen Selbstbewusstsein an unseren Followern und

lachen.

Likes,

Dinge verändern oder beim Alten belassen,

und bist du nicht fame genug, poste lieber das Instagram-Bild

das einzige, was zählt, ist, dass wir es machen!

zur rechten Zeit. Am besten noch #nofilter, damit zeigst du, dass du real bist, und keiner merkt, dass das Bild, welches du postest, eigentlich „fake“ ist.

Fangt doch endlich an, euer Leben zu leben, anstatt es zu filmen, euer Essen zu essen, ohne Fotos zu schießen, mit Freunden zu lachen und das Leben zu genießen!

Du fühlst dich alleine? Das Handy hilft aus – egal ob an der Hal-

Denn wir haben so viel

testelle oder alleine zu Haus’.

und schätzen so wenig.

Ich habe es satt, dein Leben nur auf Facebook zu sehen,

Vorm Schlafengehen noch schnell die Nägel gecheckt,

ich will wissen, wie es dir wirklich geht, was du wirklich denkst,

nur um zu merken, da fehlt Nagellack im Eck.

und vor allem, wie die Dinge in deinem Leben wirklich so

Schlaf’ heut’ wohl wieder nicht früher.

stehen.

Das muss noch gerichtet werden!

Ich wünschte, du würdest mir das alles nicht nur schreiben,

Denn so ein nagellackloser Fleck würde mein Coffee-to-go Selfie

sondern wirklich erzählen -

morgen Früh wirklich

und nein, so eine Sprachnachricht zählt auch nicht als reden!

verderben.


20 _

Dass die im Museumsquartier zur Aufführung gebrachten Darbietungen der Schulen nicht einfach nur „Show“, sondern wie auch auf den Schulfeiern gelebte und gezeigte Pädagogik sind, kann man in folgendem Artikel zu den Beiträgen der 4. Klasse unserer Schule deutlich herauslesen.

V

om „Drunter und Drüber“ sowie „Krummen und Geraden“ –

    Fächerübergreifendes Arbeiten auf die Bühne gebracht    Sabine Trierenberg und Christine Bolleter

I

n der 4. Klasse sind Flechtmuster ein wichtiger Inhalt der

Wunderbar, dass die Schülerinnen im

Formenzeichen-Epochen, geht es in diesem Schuljahr doch

Hauptunterricht ihre geturnten und selbst

auch darum, zu lernen, eine Gedankenlinie zu verfolgen, die

bewegten Flechtmuster auf langen Stoff-

sich mit anderen Gedanken verwebt. Das Arbeiten an Flecht-

bahnen zeichnen durften: Gestreckte

mustern stärkt daher diese „jung erwachte“ Gedankenkraft

Fussspitzen eines geschlagenen Rades

des Kindes, was im Hauptunterricht sehr deutlich zum Aus-

wurden ebenso sichtbar wie Bocksprünge,

druck kam: vollste Konzentration, Freude an der Schönheit und

Doppelrollen und vieles mehr. Ein gelun-

am gegenseitigen Gelingen! Um diese Wirkung noch zu ver-

genes Miteinander zwischen dem Haupt-

stärken bzw. in den Kindern zu einer nachhaltigen Erfahrung

und Fachunterricht... und als Zugabe zu

zu bringen, haben wir uns die Frage gestellt, ob wir Flecht-

diesem fächerübergreifenden Projekt gab

muster auch im Turnunterricht umsetzen und in Bewegung

es noch einen bekannten Volkstanz. Bei

darstellenkönnen?

diesem Bändertanz sind es bunte Bänder, die durch die Raumwege der tanzenden

Eine schöne neue Aufgabe auch für mich als Turnlehrerin einer

Kinder um einen Baumstamm geflochten

4. Klasse. Viele Ideen wurden gemeinsam mit den Kindern ent-

werden.

wickelt und umgesetzt. Die Doppelrolle (auch als Sandwichrolle

Das „Drunter und Drüber“, von so man-

bekannt) und das altbewährte Bockspringen sind anschauli-

chem Kind noch leise mitgeflüstert, wird

che Bilder für ein einfaches Flechtmuster. Rollen und Flugrollen

als wunderschönes Flechtmuster am Baumstamm sichtbar. Jedes

über einen Mitschüler, ja sogar über zwei… wobei sich die „flie-

Kind hat seine Spur hinterlassen, stolze Gesichter, zu Recht!

genden Kinder“ rhythmisch abgewechselt haben.

Die gute und schöne Zusammenarbeit war nicht nur für uns, son-

Das ganze Unterfangen – ein großer Rhythmus, der dann hör-

dern auch für die Kinder sehr bereichernd.

bar wird, wenn es still ist im Raum. Hörbar nur der Atem, Hände,

Ein Thema fächerübergreifend zu bearbeiten, hat neue Ideen ge-

Rücken, Füsse auf den Matten und hin und wieder ein Lachen.

schaffen und Impulse gesetzt, die wir nicht erwartet hätten. Natür-

Ein Höhepunkt: das Rad über zwei liegende Kinder, die sich

lich braucht es dazu flexible Zeiten, gegenseitige Besuche im Un-

geradezu umarmt fühlen von dem radschlagenden Mitschüler

terricht und viel Offenheit für Neues. Nichts bringt die Viertkläss-

über ihnen; auch das wird abgewechselt, sodass ein „Flechten“

ler jedoch besser in den morgendlichen Schulalltag hinein, als bei

entsteht. Und was eignet sich am Ende besser als ein „leben-

schöner Musik gemeinsam das Flechtband am Baumstamm zu we-

diger Webstuhl“: turnende Kinder als „Schiffchen“ im großen

ben. Welch Freude und innere Genugtuung, wenn es gelang – egal

bewegten Ganzen.

ob beim ersten, zweiten oder dritten Mal – schön war es immer!


Zum Thema «90 Jahre jung» _ 21

V

on außen gesehen Diana Shopova

D

en Tag der Waldorfpädagogik im MQ hatten wir be-

und 13. Klasse der Freien Waldorfschule Wien-West: sehr inter-

reits mit großer Freude erwartet.

essante Berichte; die Schüler erzählten sehr offen und emotio-

Wir planen, dass unsere Kinder (beide 9 Jahre alt)

nal über ihre Erlebnisse.

nach der Volksschule in einer Waldorfschule ihren Schul-

„Wir spielen, singen und tanzen die Vielfalt“, aufgeführt von der

weg weitergehen. Deshalb waren wir sehr neugierig und

3. und 4. Klasse der Freien Waldorfschule Wien-West: sehr le-

gespannt auf die Auftritte, auch, weil unsere Kinder einen

bendige und fröhliche Auftritte. Erstaunlich präzise waren die

Freund haben, der auch auftreten sollte. Da wir aber auch

Schüler aufeinander abgestimmt; sie wirkten wie ein perfekt

andere Verpflichtungen an diesem Tag hatten, konnten wir

eingespieltes Team. Besonders gefiel uns das Mitmachen des

an den Workshops leider nicht teilnehmen und gingen gleich

Publikums.

in den großen Saal, wo gerade die Schulpräsentationen und

Selbstportraits aus dem plastisch-künstlerischen Unterricht der

die Schülerauftritte begonnen hatten. Reinzukommen war

12. Klasse der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer: Beeindru-

allerdings nicht so leicht; die Zählkarten waren heiß begehrt

ckend war nicht nur das Ergebnis, sondern der Weg des Selbst-

und leider schon aus. Wir gingen aber trotzdem zu den

betrachtens und Selbstkennenlernens, der zu dem Ergebnis

Saaltüren hin und entschlossen uns, zu warten. Wir hatten

führte und wie der Schüler ihn beschrieb.

Glück: Die Tickets dreier netter Personen, die hinausgingen,

Eurythmieaufführung „Only Human“ der 11. Klasse aus der Ru-

bekamen wir und gingen hinein.

dolf Steiner-Schule Wien-Mauer: Diesen Auftritt fanden die

Wir haben die folgenden Auftritte erlebt:

Kinder als einen der besten; ich fand ihn auch sehr eindrucks-

Bändertanz der 4. Klasse von der Rudolf Steiner-Schule Wien-

voll und energiegeladen.

Mauer: Die Kinder fanden den Tanz sehr schön, und ich bewun-

„Drunter und Drüber“ – Geflochtenes aus dem Turnunterricht,

derte die Schüler und Schülerinnen für das Ausführen der kom-

gezeigt von der 4. Klasse der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mau-

plexen Reihenfolge der Schritte.

er: Der Auftritt gefiel den Kindern sehr gut; mich beeindruckte

„Der Kater und die Maus“ – englische Sprachübungen sowie

besonders die Geschicklichkeit der Schüler.

„May the circle be open“ – englischer Kanon, beides gezeigt von

„Schwarze Augen“ – Russisches Lied, gesungen vom Oberstu-

der 3. Klasse der Rudolf Steiner-Schule Wien-Pötzleinsdorf: Wir

fenchor der Rudolf Steiner-Landschule Schönau: Ich fand den

alle waren erstaunt, dass die Kinder so einen langen Text aus-

Auftritt sehr emotional (da ich selber halbe Russin bin und das

wendig lernen konnten und ihn auch entsprechend darstellten.

Lied sehr gut kenne). Die Schüler gaben die Melancholie und

Berichte von Auslandsaufenthalten und Kunstreisen der 11., 12.

die Tiefe dieses sehr bekannten, aber durchaus schwierigen Liedes sehr gut weiter. Insgesamt sind wir sehr zufrieden, dass wir an dieser Veranstaltung teilgenommen haben. Wie wir die Schüler erlebten, hat nochmals unsere Überzeugung bekräftigt, dass dies der richtige Weg für unsere Kinder ist: der Weg der Freiheit, Erkennung und Selbstverwirklichung mit der Überzeugung, ein beitragender Teil unserer Gesellschaft zu sein.


22 _

K

langerlebnis 90 Jahre Waldorfpädagogik

  

Nadja Berke

N

B

ildung ist der Schlüssel zur Selbstermächtigung des Menschen. Wenn wir mündige Menschen wollen, brauchen wir mündige Schulen. Die Entfaltung der Talente

und Potenziale unserer Kinder und Jugendlichen fordert einen ganzheitlicheren Bildungsbegriff, als dies derzeit im Regelschulwesen gelebt wird. Umso wichtiger sind die reformpäda-

un wurden viele, wunderbare Worte zu dieser

gogischen Ansätze, wie sie seit 90 Jahren von der Waldorfpä-

Veranstaltung geschrieben. Ein Puzzle setzte

dagogik so beherzt gelebt werden.

sich zusammen aus all diesen Beiträgen, und

Die freien Schulen schicken damit verlässlich und unabläs-

es war eine große Freude, dieses zusammenzufügen

sig Innovationsimpulse in das gesamte Schulsystem. Für eure

und zu diesem Themenbild entstehen zu lassen! Was

großartige Arbeit weiterhin alles Gute!

sich hier nur schwer vermitteln lässt, ist das Hochgefühl, das bei den zu hörenden Klängen dieses Tages entstand. Stimmen junger Menschen meine ich auch – aber ganz im Speziellen möchte ich hier die Musikbeiträge hervorheben. Wer dabei war, kann es noch einmal in sich klingen, erklingen, nachklingen lassen, das Gehörte, das nicht nur den Intellekt, sondern auch anderes, mag man es Herz oder Seele oder beides nennen, anspricht. Danke dem großartigen Schallmauer-Orchester für den fulminanten Auftakt, danke den vielen Beiträgen musikalischer Art zwischendrin, und danke für den in jedem Sinne des Wortes stimmigen A-cappella-Ausklang der 12. Klasse!

Dr. Matthias Strolz, Vorsitzender & Klubobmann der NEOS

„Es gibt heute das Versprechen‚ digi talisierte Pädagogik ist individuelle Pädagogik‘, weil der Computer am besten berechnen kann, welchen Lernstand ein Kind hat, welche Auf gaben es braucht, um diesen Stand zu verbessern, usw. Die Waldorfpäd agogik formuliert dagegen einen großen Einspruch: ‚Das stimmt vielleich t teilweise fürs Lernen – aber das ist sicher nicht Bildung. Denn Bild ung ist immer ein Geschehen zwischen Menschen!‘“ Leonhard Weiss, Waldorfpädagoge, Zentrum für Kultur und Pädagogik. An-Institut der Alanus Hochschule


Termine, Aktuelles _ 23

Weihnachtsspiele

Mittwoch 20.12.2017 18 Paradeisspiel 19:30 Christgeburtsspiel Gr. Festsaal

Termine

Weitere schulfreie Tage:

20.12.2017 Weihnachtsspiele (siehe oben!) 23.12.2017 - 07.01.2018 Weihnachtsferien 08.01.2018 Freie Musikschule am Jesuitensteig eröffnet ihre Pforten 20.01.2018 Tag der Offenen Tür 20. + 21.01.2018 „Hänsel und Gretel“ von E. Humperdinck, 17 Uhr, Gr. Festsaal, mit Gesangsstudenten der Universität für Musik und darstellende Kunst und dem Kinderchor der Freien Musikschule Wien 24.01.2018 Infoabend kommende 1. Klasse 03. - 11.02.2018 Semesterferien 24.02.2018 Schulfeier 15. - 17.03.2018 8. Klass-Spiel 24.03. - 08.04.2018 Osterferien

Samstag 28.4. bis Dienstag 1.5.  Staatsfeiertag Donnerstag 10.5. bis Sonntag 13.5.  Christi Himmelfahrt Samstag 19.5. bis Dienstag 22.5.  Pfingstferien Donnerstag 31.5. bis Sonntag 3.6.  Fronleichnam Freitag 29.6.  Letzter Schultag, Ferien bis Montag, 3.9.2018

Die nächste Ausgabe von MoMent erscheint voraussichtlich am 22.03.2018, Redaktionsschluss ist der 26.02.2018 Ihre Ideen, Wünsche und vor allem Beiträge senden Sie bitte an die Redaktion: moment@waldorf-mauer.at Kleinanzeigen auf der letzten Seite


24 _

Der Mauer Waldorf Lauf war ein riesen Erfolg! Alle waren voll Freude dabei. Beginn des nächsten Jahres erscheint ein MoMent-Jahresheft, in dem wir uns diesem Thema ausführlich widmen werden! Es sei schon verraten… Fortsetzung folgt!

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_ 25

Schulfeier

E

inen bunten Bogen über den Unterricht aller Schulstufen so elegant zu schlagen, wie die 4. Klasse in ihrer Präsentation,

wirkt jedes Mal aufs Neue so leicht und unbeschwert, dass man ganz vergessen könnte, welch Arbeit da dahintersteckt. Danke allen Klassen und Pädagogen dafür, dass immer wieder neu, jedes Mal anders und immer spannend dafür Energie aufgebracht wird. Wenn dann auch noch freiwillige Eurythmiearbeit von Elftklass-­ Schülern geleistet wird, hüpft das Waldorfherz natürlich besonders!

Nadja Berke


26 _

Unsere 1. Klasse!

Ortho-Bionomy Kurs für Kinder

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Wenn ich groß bin,

_ 27

wenn ich groSS bin, so groSS wie die Welt… Ursula Khol-Haidenthaler

E

ine euphorische, lachende und schwer bepackte vierte

herum. So wird der Drache mit Gesang und einer bloßen Ges-

Klasse macht sich an einem strahlenden Herbstmontag-

te des Lichterschwertes besiegt.

morgen auf den Weg in den Wald. Kurze Zeit später versam-

Die erste Klasse macht sich durch den Wald zurück auf den

melt sich eine sehr erwartungsvolle und vorsichtig neugierige

Weg zum Jausenplatz. Es verwundert niemanden, als plötz-

erste Klasse im Innenhof der Schule. Mit goldenem Band um

lich die vierte Klasse aus dem Wald herauswandert, freund-

die Hüfte, in dem das selbstgeschnitzte Schwert mit goldener

lich grüßt und für jedes Kind einen Apfel zum Teilen bringt. Es

Lichtspitze steckt, geht’s los!

verwundert aber auch niemanden, als nach der Jause Kinder

Munter plappernd marschiert die erste Klasse die Gebirgs-

der ersten Klasse sich nochmals in das Dickicht wagen, um

gasse hinauf und bildet im Wald angekommen singend eine

nachzusehen, ob der Drache denn noch dort sei...

lange Schlange, die sich auf die Suche nach dem Drachen im

Die Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse sind gut an-

Dickicht des Waldes macht. Bald schon ist ein Brummen, ein

gekommen in der Klassen- und Schulgemeinschaft und bereit

Knurren, ein Zischen zu hören, und das Untier zeigt sich fast

für weitere Abenteuer und Herausforderungen.

tänzelnd windend zwischen den Bäumen. Während der Drache sich wie eine Schnecke zum Gesang der Kinder zusammenrollt, bildet die erste Klasse einen großen Kreis um ihn

...Jetzt bin ich ein Ritter, ein Ritter und Held!


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Wochenende der 2. Klasse

_ 29

in Prigglitz im Juni 2017                Lena Eichberger

D

ie Begeisterung war groß: „Stell dir vor, der Herr Hofer hat

doch die Schlafgelegenheiten bei den Eltern vorgezogen. Meine

die ganze Klasse zu sich nach Hause eingeladen!“ – So war es

Kinder kuschelten sich eng an mich, andere aus ihrer Klasse um sich

auch: Alle Kinder mit ihren Familien waren zu einem gemeinsa-

wissend, und waren selig.

men Wochenende auf dem Lande eingeladen.

Dem gemeinsamen Frühstück im Freien folgte eine sonntägliche

Und so organisierten wir Schlafsäcke, packten Rucksäcke, Bade-

Schulstunde Herrn Hofers mit allen Kindern, deren Höhepunkt der

sachen und Warmes für die Nacht am Matratzenlager auf dem

Vortrag eines Vatertagsgedichtes war.

Dachboden.

Es wurde am Bach gebaut, Tischtennis gespielt, und weitere Plä-

Bei der Hinfahrt und der unvermeidlichen Frage, wann wir denn

ne zum Schwimmen und Wandern wurden geschmiedet, sodass

jetzt endlich da seien, stellten die Kinder fest, dass der Herr Hofer

der Abschied schwerfiel.

aber schon einen weiten Schulweg hätte...

Danke, Herr Hofer, für die Einladung!

Als wir ankamen, war bereits reges Treiben im Gange. Alle entdeckten und erkundeten den schönen alten Vierkanthof, auf dem uns Herr Hofer mit seiner Familie herzlich willkommen hieß. Nachdem wir eine Wanderung gemacht hatten, gingen viele nachmittags ins Frei- und Naturbad Gloggnitz. Ins herrlich kalte Naturwasserbecken trauten sich allerdings nur wenige. Nach einem Abend, den die Kinder in intensivem Spiel miteinander verbrachten, während wir Erwachsene ums Feuer unterm Vollmond saßen, krochen wir in unsere Schlafsäcke auf dem Dachboden, andere verschwanden in ihren Zelten im Garten, im Wohnmobil oder einem nahe gelegenen Gasthof. Dem Heuboden im Nebengebäude – wo die Zweitklässler noch bei Tageslicht geplant hatten, die Nacht zu verbringen – wurden dann


30 _

Brieffreundschaften      Manfred Hofer

D

ie 3. Klasse freute sich sehr, als sie von der 5., 6. und 7. Klasse Briefe zugestellt bekam.

Ihre Patenklasse, die 11. Klasse, wird noch schreiben. All das führte dazu, dass die Kinder es kaum erwarten konnten, die Schreibschrift zu

Matteo (7. Kl) an Raphael S. (3.Kl.)

erlernen und sie umgehend für die Antwortbriefe anzuwenden. Nichts ist schöner und kräftiger, als die innere Triebfeder des Kindes, wenn es darum geht zu lernen, zu üben und zu schaffen. Also freut sich die 3. Klasse, wenn es wieder heißt: „Hurra, die Post ist da!“

Raphael (3. Kl.) an Zina (7.Kl.)

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_ 31

Verlier den goldnen Schlüssel nicht, er gibt dir Mut und Zuversicht... Ursula Khol-Haidenthaler

M

it diesen Worten und der tatsächlichen Übergabe eines goldenen Schlüssels wurde die jetzige fünfte Klasse am

ersten Schultag im September 2012 von Herrn Genswein will-

kommen geheißen und in die Schulgemeinschaft aufgenommen. Die Kinder hatten vier wundervolle Jahre, in denen sie neben Rechnenpass, Lesetest und wöchentlicher Diktate die Stille hören lernten, absoute Finsternis erfahren durften, barfuss den Schulhof ertasteten, zu regen Diskussionen aufgefordert wurden und vieles mehr! Als der Blick sich zunehmend auf die Mittelstufe richtete, gab Herr Genswein – wie immer wohlüberlegt und bestens geplant – die Klasse an Frau Giannelos ab. Ja, hat er denn nun selbst den goldenen Schlüssel verloren? Nein, hat er nicht. Er zieht sich zurück, weil es in der Klasse so richtig gut läuft und der Zeitpunkt für ihn der richtige ist. Er schaut nun mehr auf sich und seine Familie. An unserer Schule bleibt er nach wie vor als Lehrer für Werken und Physik aktiv. Unsere Hochachtung für diese mutige Entscheidung und unser Dank für vier tolle Jahre sind ihm gewiss. Trotz mancher Träne wird jedoch über die Nachfolgerin gejubelt. Frau Giannelos – oder auch „Frau Gianni“, wie sie von den Kindern liebevoll genannt wird – ist diesen bereits aus dem Englisch-Unterricht bekannt, wird von allen sehr geschätzt und gemocht. Ein Neustart, der aus heutiger Sicht sehr gut gelungen ist. Auf zu neuen Abenteuern!

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32 _ Unsere 1. Klasse

Unsere Fahrt nach Carnuntum An einem kalten Vormittag haben wir uns mitsamt allen Fahrrä-

meine Sachen ein und brachten meinen Rucksack zu Oliver, der

dern, Frau Dostal, Frau Trierenberg und Herrn Kvasnicka, und ein

das Begleitauto fahren wĂźrde. Doch Ăźber Nacht wurde ich richtig

paar Eltern im Schlepptau, getroffen. Alle dachten, es wäre eine

krank, und so konnte ich am nächsten Tag nicht starten – das war

super kurze Fahrt, aber dann war es doch ganz schĂśn lange (etwa

echt gemein!!! Mein Gepäck blieb allerdings im Auto, und so sind

54 km) – Puh, das war anstrengend!!

wenigstens meine Sachen nach Carnuntum spazieren gefahren!

In der RĂśmerstadt angekommen, ging es dann gleich noch weiter

J.F.

zum Amphitheater, wo viele alte Steine und ein sĂźĂ&#x;er Feldhase auf uns warteten!

Als wir uns am Praterstern trafen, war ich richtig aufgeregt! Dann

Der Klimawandel ist wirklich zum Heulen ...

J.A.

ging’s auch schon los, und nach 4 Stunden Fahrt taten uns die Beine und der Po ordentlich weh. Dann ging’s aber gleich noch

Einen Tag, bevor wir nach Carnuntum losfahren wollten, hatte ich

zum Amphitheater weiter, wo wir wunderbar spielen konnten.

in der Schule starkes Kopfweh. Am Nachmittag packten wir dann

Herr Kvasnicka hat das Lagerfeuer angezßndet, während Frau

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...daher sind wir um LĂśsungen bemĂźht


_ 33

Gesammelt von Christiane Dostal

Trierenberg und Frau Dostal das Essen in der Küche vorbereitet haben. Es gab dann gegrillte Würstel und jede Menge Kartoffel, und als Nachspeise durften wir Marshmallows über das Feuer halten. In der langsam hereinbrechenden Dunkelheit um das Lagerfeuer zu sitzen war sehr schön! E.S. + H.M. Am zweiten Tag waren wir noch einmal im Amphitheater und erAuf der Rückfahrt im Dunkeln vom Amphitheater zu unserem

lebten dort quasi einen Tag als Gladiator. Erst wurde trainiert: Wir

Schlafplatz sagte Frau Dostal zu Herrn Kvasnicka, er solle langsam

liefen uns warm. Dann versuchten wir mit Ringen einen Ziel-Stock

fahren und wir mussten ganz genau in einer Reihe bleiben. Leider

zu treffen. Anschließend übten wir mit Holzschwertern, erst ge-

hat Herr Kvasnicka diesen Hinweis allzu ernst genommen, und so

gen Holzpfähle, dann paarweise gegeneinander. Für die Gladiato-

krochen wir eher wie Schnecken als wie Entlein hintereinander her.

renspiele machten wir zuerst einen Umzug: Lovis wurde als Prie-

C.B.

ser verkleidet, dann gab es noch Kaiser und Kaiserin, Musikanten und Gladiatoren. Der Priester sprach den Einweihungsspruch und

Eigentlich sollten wir um 10 Uhr schlafen gehen, aber da ein Auf-

war dann auch Schiedsrichter.

seher irrtümlich den Sicherungskasten versperrt hatte, konnten

N.K. + L.W.

unsere Lehrer das Licht nicht abdrehen. Es dauerte etwa eine Stunde bis jemand kam und den Kasten wieder aufsperrte. Dann

Wir waren noch einmal im Amphitheater, um uns dort zu ver-

wurde es endlich dunkel. Kaum hatte unsere Lehrerin die Türe

kleiden und um Gladiatorenkämpfe zu veranstalten. Stellt euch

geschlossen, knipsten wir unsere Taschenlampen an und spielten

vor, ich wurde als Kaiser ausgesucht und meine Kaiserin war die

mit den Lichtpunkten fangen. Leider wurde diese Aktion bemerkt

Va­​lerie! Von einem hohen Podest aus beobachteten wir die

und unsere Lehrerin schimpfte ziemlich. Wir versuchten es den-

Kämpfe, und dann setzten wir den Siegern einen ziemlich sta-

noch ein zweites Mal mit den Taschenlampen, aber schließlich

cheligen Lorbeerkranz auf und überreichten ihnen einen Öl-

waren wir doch zu müde und schliefen ein.

zweig! Das hat Spaß gemacht!

J.v.A.

S.H.


34 _

Warum ich Schule gewechselt habe und jetzt wieder hier bin Luna Bangert

I

ch hab’ am Anfang der 5. Klasse von der

bzw. wie Mädchen und Buben zu sein ha-

Waldorfschule in eine öffentliche Schu-

ben. Es sah so aus: Buben spielen Fußball

N

ach vier Jahren Waldorfkindergarten und dem Wissen, dass unsere Tochter

le gewechselt. Der 1. Grund war damals,

und Mädchen schminken sich. Ich wollte

sehr ehrgeizig und doch auch recht kopf-

dass meine Klasse sehr laut war und ich

mich aber nicht schminken, sondern Fuß-

lastig ist, schien die Waldorfschule genau

das auf die Dauer nicht ausgehalten habe.

ball spielen. Das wirkte auf die Kinder dort

das Richtige für sie zu sein. Ein Ausgleich,

Der 2. Grund war, dass ich mal was an-

eigenartig, und die Mädchen ließen mich

eine Hilfe, den Ehrgeiz in gesunde Bah-

deres ausprobieren wollte. Zu der Zeit

das spüren. Dies ging allerdings nicht von

nen zu lenken. Zudem war ich selbst zwölf

wusste ich noch nicht, dass ich zwei Jahre

der Schule bzw. den Lehrern aus, sondern

Jahre lang glückliche Schülerin an dieser

später wieder in der Waldorfschule sit-

von den Kindern.

Schule.

zen würde und Lieder singe bzw. Socken

Ich hatte, wie es eigentlich, glaube ich, bei

Bereits nach einer Woche Schule eröffnete

stricke. Mir hat es am Anfang in der an-

jedem so ist, nette und blöde Lehrer. Mit

uns Luna, dass sie sich Schule ganz anders

deren Schule sehr gut gefallen, ich habe

meinem Klassenvorstand hatte ich sehr

vorgestellt hätte. Sie hätte gedacht, man

aber nie den Kontakt zu der Waldorfklasse

großes Glück, denn sie war mega nett und

sitzt dort und lernt. Dass sie über „Um-

abgebrochen.

hatte immer auch für die Kinder, denen

wege“ und ohne ihr „Wissen“ bereits jede

Doch so nach und nach hat mich auch

es nicht so gut ging, oder die „schlecht“

Menge gelernt habe, ließ sie nicht gelten.

die neue Schule nicht so begeistert. Ich

in der Schule waren, großes Verständnis

Die nächste Krise kam nach 3 Monaten

musste sehr viel lernen und hatte noch

und half auch gerne. Andere Lehrer haben

nach einem Bibliotheksbesuch, als sie fest-

mehr Hausaufgaben. Ein großer Unter-

immer nur das Negative in den Kindern

stellte, dass sie noch nicht so flüssig und

schied zur Waldorfschule war der Druck,

geweckt und an dem herumgehackt, statt

schnell lesen konnte wie die Erwachsenen

der in einer öffentlichen Schule deutlich

dass sie die Kinder motivierten und zeig-

(dass sie bereits sinnerfassend lesen konn-

zu merken ist. Ich hatte ständig irgend-

ten, wo ihre Stärken liegen.

te, war ihr nicht genug).

welche Tests, Schularbeiten, Lernzielkon-

Was ich erschreckend fand, war, dass sich

Hinzu kam, dass ihre Klasse eine sehr un-

trollen, etc. Für andere Aktivitäten blieb

keiner außer mir und drei, vier anderen für

ruhige Klasse war. Sie litt unter dem Lärm

fast keine Zeit, Lust, Kraft mehr. Auch der

die Natur und Umwelt interessierte bzw.

und der Unruhe, ärgerte sich, dass sie viel

Unterricht bzw. die Fächer waren ganz

auch nur annähernd irgendwie auskannte.

mehr lernen könnte, wenn nicht ständig

anders. Ich hatte ab der 1. Klasse Mittel-

Natürlich gibt es auch Vorteile in einer

darauf gewartet werden müsse, bis die

stufe Informatik, aber dafür hatte ich in

öffentlichen Schule: Z.B hatten wir drei

Klasse wieder ruhig genug war, um mit

der 2. Klasse kein Werken mehr. Als Tafeln

Stunden in der Woche Sport, oder dass

dem Unterricht fort zu fahren. Sie hat-

hatten wir Whiteboards inkl. Beamer. Der

zumindest in der 1. Klasse Mittelstufe die

te kein Verständnis dafür, dass es für die

Lehrer oder die Lehrerin saß am Com-

Klasse immer sehr ruhig war und man gut

Unruhestifter keine – oder ungenügend –

puter und tippte alles ein und die Kinder

und konzentriert lernen konnte.

haben alles nur von dem so genannten

Aber ich kann nur sagen, da ich

Aktivboard abgeschrieben. Die Pausen

jetzt beides kenne, bin ich mehr

waren auch sehr anders als in der Wal-

als froh, dass ich in so eine tolle

dorfschule. Wir durften nicht rausgehen,

Schule wie die Waldorfschule

obwohl die Schule einen sehr schönen

gehen darf. Denn erst jetzt ist es

Park hätte.

mir wirklich bewusst geworden,

Ein gewaltiger Unterschied zwischen

wie viel jeder einzelne Mensch

Waldorf und meiner neuen Klasse war die

für diese Schule und ihre Schü-

Trennung zwischen Buben und Mädchen

ler tut.


_ 35

In die Schule – aus der Schule – zurück in die Schule Monika Bangert

sicht- bzw. spürbare Konsequenzen gab.

lieren konnte, was ihr an ihrer Klasse und

scheidet: dass das Kind, das Werden des

Für uns als Eltern eine schwierige Situati-

Schule mißfiel und wie sich für sie die neue

Kindes, das was in jedem Einzelnen steckt,

on. Einerseits ist ja genau das auch einer

Schule anfühlte, entschieden wir uns, sie

Mittelpunkt des Interesses ist und nicht in

der wunderbaren Züge der Schule, dass

es versuchen zu lassen.

erster Linie die reine Wissensvermittlung.

Kinder, die nicht in alle Normen passen,

Der Umstieg war für sie zunächst wun-

Wir rieten ihr, auch diesmal die Entschei-

nicht gleich hinausgeworfen werden; an-

derbar. Sie ging gerne hin und hatte alles,

dung aus dem Bauch heraus zu treffen. Sie

dererseits wurde sichtbar, dass es Kin-

was sie vermisst hatte: eine ruhige, dis-

ist nun als überzeugteste Waldorfschülerin

der gibt, die wirklich darunter leiden. Wir

ziplinierte Klasse, eine durchorganisier-

zurück.

dachten auch lange, dass sie genau das

te Klassenlehrerin und fast ausschließ-

Sozusagen Ende gut, alles gut. Trotzdem

hier lernen könne – Toleranz üben, sich po-

lich Lernfächer. Sie freute sich täglich auf

denke ich, kann und sollte man daraus

sitiv einbringen. Aber sie konnte diese He-

die Schule. Für den Rest der Familie war

auch für die Schule etwas mitnehmen: Bei

rausforderung nicht in dieser Form anneh-

es schwierig. Das Pensum, das absolviert

aller Überzeugung, dass „schwierige“ Kin-

men. Sie wurde zunehmend unglücklicher.

werden musste, erforderte Hilfe beim Ler-

der mitgetragen werden sollen, würde ich

Als sie dann anfing, selbstständig nach

nen, bei den Hausaufgaben und musste

mir wünschen, dass wirklich gut überlegt

einer anderen Schule zu suchen, wussten

bei der Wochenendplanung mit berück-

wird, wie viele davon eine Klasse mittra-

wir, dass wir sie nun wirklich ernst nehmen

sichtigt werden. Wir haderten sehr damit,

gen kann bzw. in welcher Form. Die „Amei-

mussten. Schweren Herzens halfen wir ihr

aber Luna war glücklich und kam auch gut

sengruppe“ (eine jahrgangsübergreifende

also bei der Suche. Ihre Wahl fiel auf Santa

mit. Der Druck, den sie sich machte, kam

Kleinklasse, in welcher Kinder epochen-

Christiana in Rodaun und wir besuchten

definitiv von ihr und nicht von Seiten der

weise und bei Bedarf auch länger speziell

dort den Tag der offenen Tür. Luna war

Lehrer. Sie wollte unbedingt nur gute No-

unterstützt und gefördert wurden; Anm.

begeistert. Wir ließen uns auf die Wartelis-

ten haben und verbiss sich regelrecht da

d. Red.) war eine wunderbare Möglich-

te schreiben, und als ein Platz frei wurde,

hinein. Klappte es, war sie der glücklichste

keit, und ich würde mir für die Schule, für

ging sie schnuppern. Sie kam nach Hause

Mensch, klappte es mal nicht ganz so, flo-

zukünftige Klassen, für zukünftige „Lunas“

und sagte, diese Schule fühle sich einfach

gen die Fetzen und liefen Tränen.

wünschen, dass es solche oder ähnliche

so richtig und gut an.

Im zweiten Jahr ging es besser. Sie be-

Möglichkeiten wieder gibt.

Immer predigen wir, man soll seinem

nötigte unsere Hilfe immer weniger, und

Bauchgefühl folgen und dann ist das

gerade als wir anfingen, uns damit anzu-

Bauchgefühl der Tochter ganz konträr zum

freunden, dass sie anscheinend ihren Platz

eigenen. Nachdem sie jedoch so klar war

gefunden hatte, fing sie an, daran zu zwei-

und mit ihren 10 Jahren so genau formu-

feln. Sie war häufig krank und vermisste zunehmend ihre Freunde aus der Waldorfschule. Sie begann, Listen über die Vor- und Nachteile der beiden Schulen zu verfassen und fragte uns um Rat. Ich behaupte, es hat sich ihr unbewusst vermittelt, was Waldorfpädagogik unter anderem von anderen unter-


Michaeli-Feier


_ 37

Landwirtschaftspraktikum Alma Schadl

S

chon vor und während der Sommerferien begannen wir uns die ersten Gedanken, das Landwirtschaftsprak-

tikum betreffend, zu machen. Da zu jedem Hof zwei oder drei Kinder fahren dürfen, hatten wir uns schon überlegt, wer mit wem fahren könnte. Wir hatten spekuliert, auf welchen Hof wir nun kommen würden und waren sehr aufgeregt, als der Tag kam, an dem uns dies verkündet wurde. Die liebe Frau Alscher, die das Landwirtschaftspraktikum schon seit 15 Jahren begleitet und die liebe Frau Schuster, die seit letztem Jahr neu dabei ist, haben sich um die Organisation der Höfe und um alles drum herum gekümmert. Der Großteil der Höfe liegt im Waldviertel und lebt von Kartoffelanbau, Milchproduktion, Saftherstellung, Weinbau, Blumensetzung, Fleischproduktion usw. Wir wussten nun alle, auf welchen Hof wir kommen würden und waren sehr gespannt, was auf uns zukommen würde. An einem Samstag am frühen Nachmittag ging die Fahrt mit dem Bus los. Wir wurden paarweise in den verschiedenen Dörfern abgesetzt und von unseren Gastfamilien abgeholt. Wir SchülerInnen hatten in diesen zwei Wochen viel Kontakt untereinander und wussten immer, wie es den anderen ging und wer welche Arbeit zu tun hatte. Ich denke, jeder hat für sich sehr wichtige Erfahrungen gesammelt. Es war spannend, einmal ein ganz anderes Alltagsleben miterlebt haben zu dürfen. Die Tage vergingen eigentlich sehr schnell; wir freuten uns jedoch schon auf unsere Familien und unsere Klassenkameraden. Zwei Wochen nachdem wir wieder nach Hause gefahren waren, wurde ein Abend organisiert, wo jedes Paar, das gemeinsam an einem Hof war, von seiner Arbeit und seinen Erfahrungen erzählen konnte. Eltern, Lehrer und die Bauernfamilien wurden herzlichst zu diesem Präsentationsabend eingeladen. Es war ein sehr lustiger, gemütlicher Abend mit Buffet und mit viel Lachen. Im Nachhinein will ich mich noch einmal im Namen der Klasse ganz herzlich bei Frau Alscher, Frau Schuster und den Bauernfamilien bedanken!


38 _

Auf der documenta 14

D

onnerstag, 7.9., um halb zehn am Abend: Wir sind ungefähr zehn

Ganz unten in der Empfangshalle war ein riesengroßes, wunder-

Stunden mit dem Bus gefahren; die Nacht war sehr lang und

schönes, bewegliches Mandala. Im obersten Stockwerk sahen wir

hart, doch als wir endlich in Kassel ankamen, war es umso cooler.

zerschlagene Glasplatten mit dem Motiv der Flaggen Europas. Ein

Wir haben gefrühstückt und sind anschließend gleich losgefahren

guter Kontrast zu dem wunderschönen Mandala. Unten schön,

zu meinem absoluten Highlight, dem Büchertempel. Als ich den

beweglich, nicht anfassbar, oben hart, echt, kaputt, eher unschön.

Tempel das erste Mal sah, war das ein richtiger Wow-Effekt! Der

Im zweiten Stock war ein für mich sehr verstörendes „Kunstwerk“:

Riesen-Tempel von Marta Minujín, der dieselben Ausmaße wie der

eine Frau, die in der Mitte von einem Tischkreis stand, zuerst

Parthenon auf der Akropolis hatte, war mit um die 70.000 Bü-

hysterisch schrie und danach ihren Kopf mit Absicht gegen einen

chern behangen, Bücher, die irgendwo auf der Welt verboten sind

Tisch schlug.

oder waren. Da hingen Lieblingsbücher von mir, wo ich mir nicht

Danach machten wir uns auf den Weg zu den Glaspavillons. Ich

vorstellen könnte, sie nicht zu kennen, wie Momo, Das doppelte

war anfangs irgendwie enttäuscht, weil ich diese echt nicht schön

Lottchen, Der kleine Prinz, Winnetou, Märchen der Brüder Grimm,

fand und sie mir richtig cool vorgestellt hatte. Dafür fand ich Nas-

Harry Potter…

sibs Bäckerei umso interessanter.

Marta befestigte das letzte Buch am Tempel. Viele Journalisten

Die Portraits der Flüchtlinge wirkten so, als hätten sie unter-

und eine Menschenmenge verfolgten diesen letzten Akt. Als wir

schiedliche Künstler gemacht, sie waren aber von ein- und der-

„Marta“ riefen, schaute sie zu uns und winkte. Das war ein richtig

selben Künstlerin.

cooles Gefühl!

Wir schlenderten durch die „Currywurst-Allee“ hinunter zu ei-

Danach gingen die Mädchen ins Fridericianum, das anlässlich der

nem tollen Freiluft-Kunstwerk: Röhren, jede einzelne eingerich-

documenta die Aufschrift „Beingsafeisscary“ zierte, was sinnge-

tet nach einem anderen Thema. Mir persönlich gefiel am besten

mäß übersetzt „Welchen Preis bezahlen wir für unsere Sicher-

eine mit dunkelblauer Matratze und bienenwabenförmigen Re-

heit?“ bedeuten soll.

galen am Rand.


_ 39

in Kassel

Zusammenstellung aus den Portfoliotexten der Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse von Ursula Kaufmann

Am Abend sind wir vietnamesisch essen gegangen. Das Essen war

Zwei Kunstwerke bestanden aus Tierskelett-Schädeln. Das war

entgegen meiner Erwartung echt lecker.

etwas eklig…

Doch das für mich feinste Erlebnis an diesem Tag war, mit gefüll-

Die Torwache besteht aus zwei mit Kaffeesäcken behangenen

tem Magen und ohne Sorgen auf jenem Garagendach zu stehen.

Häusern, die von einer Straße getrennt sind. Es sah beeindruckend

Mit Blick über ganz Kassel. Das kühle Lüftchen um das Gesicht,

aus, von außen wie eine Ruine; innen ging es um den Zweiten

die atemberaubende Aussicht und nicht zuletzt das Wissen um

Weltkrieg. Es standen Miniaturen von Gefangenenlagern da.

unser langes Ausbleiben vom Schlafsaal (das nicht einmal verbo-

In der Neuen Galerie war Gut und Böse bzw. positiv und negativ

ten war!).

behaftete Kunst ausgestellt.

In der documenta-Halle wurden wir aufgeteilt und mussten etwas

Eine Künstlerin hatte keine Arme; sie malte mit den Beinen. Ein

über Kunstwerke herausfinden. Meine Gruppe hatte ein aufge-

riesiges Selbstportrait, bei dem man noch einzelne Fußabdrücke

hängtes Bootswrack zugeteilt bekommen; dieses Kunstwerk hat

erkennt, hängt da. Total beeindruckend!

mich sehr beeindruckt!

Der unterirdische Alte Hauptbahnhof war auf jeden Fall ein High-

In der Neuen Galerie im Hauptraum hing eine große Leinwand, auf

light für unsere Gruppe. In dem Zelt wurde als Film die Geschichte

die durch Lichtprojektion Gesichter abgebildet wurden. Die Kom-

des Künstlers gezeigt, der zu Fuß von Griechenland nach Kassel

bination von starren Holzmasken auf den alten Plakaten des Völ-

gegangen war und seine Eindrücke auf den Zeltwänden festge-

kerkundemuseums und den darübergelegten lebendigen Figuren,

halten hatte, die an den Wänden ausgestellt waren. Als letztes

dazu das Musikstück mit Zitaten von Hannah Arendt, hat einen

sahen wir am Bahnhof das griechische Wort XAIPETE (Willkom-

ein bisschen in Trance versetzt.

men) stehen, ganz anders, als kurz darauf auf einem AfD-Plakat

In einem Nebenraum fand ich einen weißen Klotz, einen Quader.

„Stoppt die Islamisierung“ stand. Wir stellten uns vor das Plakat

Ich weiß immer noch nicht, was es damit auf sich hat.

und brachten unsere Meinung zum Ausdruck. Abends waren wir dann indisch essen, was nicht so gut war. Aber es war eine Erfahrung, es zu kosten. Die Heimreise ging schnell vorüber (wir aßen zusammen über zwölf Überraschungseier).


40 _

Der Märchensommer war zu Gast in Mauer Maria Mangott

N

achdem der „Märchensommer NÖ“ in den letzten zwölf Jah-

So wurde die erste Märchensommer-Werkstatt ausgeschrie-

ren seines Bestehens viele große und kleine Fans gefunden

ben. Die Plätze waren schnell gefüllt. Als Austragungsort

hatte, beschloss Produktionsleiterin Maria Mangott, gemeinsam

wurde die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer gewählt, da

mit dem langjährigen Ensemblemitglied Daniel Ogris, nun auch

deren Klassenräume und der kleine Aufführungssaal perfekt

den ZuschauerInnen die Möglichkeit zu bieten, im Rahmen eines

dafür geeignet waren.

Schauspiel-, Tanz- und Gesangsworkshops selbst die Bühne zu

Die Märchensommer-Werkstatt wurde ein voller Erfolg. Am

erobern.

Sonntag, den 29. Oktober 2017, fand die Abschlussaufführung vor über 130 begeisterten ZuschauerInnen statt. Auch nächstes Jahr wird es wieder eine Märchensommer-Werkstatt geben. Mehr Informationen dazu gibt es ab März 2018 unter www.

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_ 41

FRAM Sommerhort – der ideale Start in die Ferien! Eugen, Ulrich und Isabel Salzer

A

m Anfang war Eugen etwas skeptisch: Obwohl er prinzipiell gerne den Schulhort besucht, hatte er doch etwas Be-

denken, ob es wohl Spaß machen würde, am Beginn der Sommerferien eine Woche lang gleich den ganzen Tag im Hort zu verbringen. Und ob! Mit strahlendem Gesicht kam uns Eugen beim Abholen am ersten Sommerhort-Tag entgegengelaufen und rief: „Es war so toll - ich möchte keinen einzigen Tag versäumen!“ Es waren 15 Kinder von der 1. bis zur 6. Klasse, die an dieser Sommerhortwoche teilnahmen und sich schnell zu einer harmonischen Gemeinschaft zusammenfanden. In der Früh wurde der Tag gemeinsam mit einer Geschichte begonnen, die über fünf Tage verteilt von den BetreuerInnen erzählt wurde. Der tolle Schulgarten mit dem Ballspielplatz, dem Baumhaus und der Kindersiedlung bot wie gewohnt abwechslungsreiche Möglichkeiten fürs freie Spielen der Kinder. Zusätzlich konnten sie sich auch immer zeichnerisch, malend oder handwerklich betätigen. Zwischendurch gab es immer wieder gemeinsame Aktivitäten wie das „Bannemann“-Spiel oder diverse Ballspiele sowie die Vormittags- bzw. Nachmittagsjause. Zur kulinarischen Verpflegung kamen ausschließlich hochwertige, biologische Lebensmittel zum Einsatz, die von „unserem“ Bioladen „aus gutem grund“ bezogen wurden, der den Hort dankenswerterweise großzügig unterstützte. Praktikanten aus der ehemaligen 12. Klasse bereiteten das Mittagessen frisch vor Ort zu, und dieses wurde im lauschigen Schatten der hohen Bäume eingenommen. Besonderen Spaß und Abwechslung brachten die ausgedehnten Ausflüge in den Maurer Wald und an den Liesingbach.

ihr großes Engagement und pädagogisches Geschick gelang

Spiele wie „Wer-springt-soweit-wie-ein-Hirsch“ (ein imaginä-

es, eine gute Balance aus freien Spielmöglichkeiten, Impulsen

rer Vergleichswettkampf mit dem Weitsprungchampion un-

zur individuellen kreativen Betätigung und lustigen Gemein-

serer Wälder), das Bauen einer Waldkugelbahn, das Planschen

schaftsspielen und -projekten zu finden. Beim Abholen fan-

im Wasser bzw. das Falten von Papierschifferln, die zu Wasser

den wir die Gruppe immer in einer harmonischen und heiter-

gelassen und auf Seetauglichkeit geprüft wurden sowie die

angeregten Stimmung vor – auch für uns war es eine große

selbstgemachten Riesenseifenblasen beeindruckten die Kin-

Herzensfreude, dies mitzuerleben!

der schwer und boten ihnen unzählige Sinnes- und Tasterleb-

Für Eugen vergingen jeder Horttag und die ganze Woche

nisse. Dies brachte den Kindern auch die Erfahrung, dass man

viel zu schnell – er freut sich schon auf den Sommerhort im

in den Wäldern und an den Bächen der unmittelbaren Umge-

nächsten Jahr. Auch wir können den FRAM Sommerhort

bung auch noch Vieles entdecken und Spaß haben kann. Das

2018, so er hoffentlich angeboten wird, als idealen Start in die

Abenteuer ist ganz nah vor unserer Haustür und liegt nicht

Ferien allen interessierten Eltern nur wärmstens empfehlen.

immer nur lange Auto- oder Flugreisen entfernt.

Wir möchten uns ganz herzlich für diese besondere Zeit

Ein besonderer Dank gebührt dem großartigen PädagogIn-

bedanken!

nen-Team: Christine Bolleter, Sabine Galli, Gerald Grestenberger, Dania Horky, Michael Kohl, und Martina Fritz. Durch

Ausführlicher Text nachzulesen unter: www.fram-waldorf.at


We proudly present

Julia Bayer

A

ufgewachsen bin ich im 8. Bezirk in einer musikalischen Familie. Wir haben oft gemeinsam gesungen, und ich

wollte immer verschiedene Instrumente lernen. Anfangs

Saskia van Gijzen

I

ch wurde am 12.04.1985 in Deutschland geboren und wuchs in der Nähe von Bielefeld in Nordrhein-Westfalen

auf. Meine Mutter stammt aus Australien und mein Vater

versuchte ich mich auf der Blockflöte, dann der Geige, am

aus den Niederlanden.

Klavier, der Gambe und als Jugendliche auf der Gitarre sowie

Ich habe selbst den Waldorfkindergarten und die Waldorf-

in vielen verschiedenen Chören. Geblieben sind vor allem die

schule in Detmold besucht.

Geige und das Chorsingen: Später entdeckte ich meine Liebe

Nach meinem Abitur zog ich zum Studieren nach Wien. Hier

zum klassischen Gesang.

studierte ich Translation (Übersetzen und Dolmetschen) mit

Meine ersten acht Schuljahre verbrachte ich in Alternativschu-

den Arbeitssprachen Deutsch, Englisch und Französisch.

len und maturierte an einem Musikgymnasium Wien. Nach der

Während meines Studiums gab ich Nachhilfe, und da-

Matura studierte ich Lehramt für Musikerziehung und Inst-

bei wurde mir erst richtig bewusst, was für eine schö-

rumentalmusikerziehung – mit kleinen Ausflügen in ein Ge-

ne Schulzeit ich im Gegensatz zu vielen anderen gehabt

schichte- und ein Geigenstudium.

hatte. Daraufhin beschloß ich, die Waldorflehrerausbil-

In meinem Studium hatte ich den Schwerpunkt Kinder- und Ju-

dung zu machen und arbeitete anschließend zwei Jahre

gendstimmbildung und arbeitete später mit großer Freude ei-

in der Friedrich-Eymann Waldorfschule als Klassen- und

nige Jahre bei der Kinderchorschule NANO sowie vergangenes

Englischlehrerin.

Jahr auch bei den Gumpoldskirchner Spatzen. Derzeit studiere

2015 kam dann mein Sohn Liam zur Welt. Seit Beginn die-

ich Gesangspädagogik an der Wiener Musikuniversität.

ses Schuljahres besucht er den Waldorfkindergarten in

Ich bin politisch interessiert, mache gerne lange Radreisen und

Wien-Mauer, und ich arbeite als Englischlehrerin für die 4.

gehe in viele Konzerte verschiedener Stilrichtungen.

und 5. Klasse hier an dieser Schule.

An dieser Schule bin ich, weil mich Alternativschulen interes-

An dieser Schule bin ich, weil die Waldorfschule Wien-

sieren. Bei meinen Besuchen im Vorjahr war ich vom hohen

Mauer eine sehr schöne Schule mit einer langen Geschich-

Niveau der musikalischen Arbeit in dieser Schule beeindruckt.

te ist und stets bemüht war, den Waldorfgedanken weiter

Daran wollte ich gerne mitarbeiten und bin nun eine der beiden

zu entwickeln. Ich habe mich von Anfang an sehr wohl an

neuen Musiklehrerinnen.

dieser Schule gefühlt.

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_ 43

Mark Peters

I

ch kam in Kalifornien als Sohn einer kanadischen Mutter und eines in Wien geborenen Vaters zur Welt und studierte nach Abschluß meiner Schulausbildung

Cello, Klavier sowie Germanistik in New York, Wien und Salzburg. Hier schloss

Teréz Illés

M

eine musikalische Grundausbildung, die Ausbildung als Kantor- und Messenorganist

sowie das Diplom für das Fach Musikerziehung

ich im Jahr 1985 das Konzertfach Cello mit einstimmiger Auszeichnung ab.

mit Schwerpunkt Solfeggio, Musikliteratur und

Nach Konzerttätigkeiten im In- und Ausland wirkte ich von 1992 bis 2008 als

Chorleitung erhielt ich zunächst in Ungarn. Darauf

Solocellist des Tenerife Symphonieorchesters und später als musikalischer Lei-

folgte das Studium IGP-Gesang mit Schwerpunkt

ter der von mir gegründeten “Camerata de Tenerife”. In diesem Rahmen brach-

Klavier an der Musikuniversität Wien. Während

te ich mehrmals Oratorien von Bach und Händel zur Aufführung und veröffent-

meines Auslandsjahres an der Musikhochschule in

lichte einige CDs.

Barcelona studierte ich Oper und machte mich mit

Von 2012 bis 2015 machte ich die Waldorflehrer-Ausbildung in Madrid und

der Technik des Flamencogesangs vertraut. Pa-

gründete gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin Martina Warecka einen Wal-

rallel dazu und auch nach dem Magisterstudium

dorfkindergarten auf Teneriffa.

bildete ich mich in einem breiten Spektrum des

Seit 2016 bin ich als freischaffender Musiker in Wien tätig.

Gesang- und Musikunterrichts weiter.

Meinen ersten Kontakt mit Rudolf Steiner hatte ich mit 17 Jahren – ein lieber

Seit 15 Jahren bin als Stimmbildnerin für Ein-

Freund drückte mir damals die Bücher Theosophie und Wie erlangt man Er-

zelpersonen und Gruppen tätig. Unter meinen

kenntnisse in die Hand und erweckte damit in mir ein Interesse, das mich fortan

Schülern befinden sich Kinder und Jugendliche,

begleiten sollte. Seither nagte in mir die Idee, Waldorflehrer zu werden – vor

passionierte Hobby- und Chorsänger, professio-

allem in jenen Momenten, in welchen musikalische Karriere zur Last wurde.

nell ausgebildete Sängerinnen, Schülerinnen mit

Als ich über die vakante Stelle eines Englischlehrers an der Rudolf Steiner-

Stimmstörungen oder Menschen mit starken,

Schule Wien-Mauer erfuhr, sah ich darin eine fesselnde Möglichkeit, mich auf

berufsbedingten Stimmbelastungen (z.B. Pädago-

sehr sinnvolle Art mit Sprache zu beschäftigen sowie meine Überzeugung von

gen, Sozialarbeiter). Mit Erfolg habe ich Schülerin-

der Unentbehrlichkeit des Waldorfprojektes wirkungsvoll auszudrücken. Vor

nen auf ihre Aufnahmeprüfungen vorbereitet.

allem aber würde es eine große Erfüllung sein, als Lehrer junge Menschen beim

Ich bin Mutter von zwei Kindern (Regina, 8

Erlernen der englischen Sprache zu begleiten.

und Kolos, 2) und lebe mit meiner Familie in

Schriften Rudolf Steiners zur Bedeutung des Fremdsprachenunterrichts be-

Oberdöbling.

stärkten mich in meinem Vorhaben: Das Wesentliche an derartigem Unterricht

Ich bin hier an unserer Schule, weil ich die einmali-

sei das Vermittleln von „sprachlichen valeurs”. Gemeint ist hier – soweit ich es

ge Möglichkeit, hier unterrichten zu dürfen, dafür

verstehe – das Eintauchen in eine Bedeutungswelt, die über das rein Begriffli-

nutzen möchte, die Waldorfpädagogik kennen-

che hinausgeht. Auch mich haben die „wandelnden Nuancen”, die in der Ver-

zulernen, meine musikalische Erfahrungen an die

schiedenartigkeit der Sprachen existieren, immer fasziniert – gerade darin nä-

Schüler und Kollegen weiterzugeben und mich

hert sich die Sprache der Musik.

selbst weiterzuentwickeln. Vor 15 Jahren habe ich

Aus diesem Grund fühle ich mich ermutigt, mich auf dieses neue Betätigungs-

meine erste Opernrolle als Hänsel in dieser Schule

feld einzulassen und bin überzeugt, etwas von diesen Nuancen den Schülern

gesungen – diesmal darf ich auf Seite der Schule

vermitteln zu können… Deshalb und auch, weil ich immer wieder erfahren

mitwirken.

durfte, dass fehlende Routine durchwegs als Bereicherung erlebt werden kann.

Singen ist für mich Leben, Kraft und

Mit frischem Entdeckungsgeist kann man die Sache neu beleben! Ich bin daher

Wohlbefinden.

sehr dankbar, diese Gelegenheit wahrnehmen zu dürfen, mit ähnlich gesinnten

Mein Motto: Ich bin mein Instrument.

Kollegen zusammenzuarbeiten und in diesem Sinne Lehrer zu WERDEN. Möge das Vorhaben gelingen!


B

is spät in den Herbst hinein werden in den Tinkturen‐Herstellungen der Anthroposophisch‐ pharmazeutischen Betriebe Frischpflanzen verarbei‐ tet. Nach den ersten Nachtfrösten werden – als letzte Ernte des Jahres ‐ die über den Sommer gereiften Früchte der Schlehe (Prunus spinosa) geerntet. Die Beeren schmecken durch die Frosteinwirkung etwas mil‐ der und süßer, da sie einen Teil der enthaltenen Gerbsäure verlieren. Die Schlehe wird treffenderweise auch als Schleh‐ dorn oder Schwarzdorn, aufgrund der stark ausgeprägten Dornen und der dunklen Farbe der Rinde und Früchte, be‐ zeichnet. Zurzeit noch etwas belaubt, findet man die kleinen Schle‐ henfrüchte an einem dornigen Busch. Sie sind nicht einmal halb so groß wie Kirschen und von einer weißlichen Wasser‐ schicht überzogen. Die reifen Früchte kann man auch in Form von selbst gemachtem Schlehenlikör oder ‐gelee ge‐ nießen. Die dornigen, laubfreien aber fruchttragenden Schlehenäste lassen sich z.B. mit Hagebuttenästen perfekt zu herbstlicher Dekoration kombinieren. Zur Charakteristik des Schlehdorns gehört der frühe und im‐ posante Start im Frühling und die Fruchtreife erst zu Jahres‐ ende. Schlehenbüsche entfalten noch vor allen anderen Obstgehölzen tausende kleine, strahlend weiße Blüten als Vorboten frühlingshaften Neubeginns. Die Schlehe nützt also die in unseren Breiten übliche Vegetationsperiode sehr gut aus. Die Schlehe ist ein Rosengewächs, so wie auch Apfel, Birne, Quitte, Kirsche, Aprikose und Nektarine. Im Vergleich zu die‐ sen Obstgehölzen fällt nicht nur ihre späte Fruchtreife son‐ dern auch ihr gedrungenes Wachstum auf. Während Apfel und Kirschbäume lange Seitenast‐Austriebe bilden, ist der seitliche Austrieb der Schlehe zum Dorn reduziert. Andere Obstgehölze ‚verschwenden‘ ihre Vitalität in duftende Blüten, fleischige Früchte und lange Triebe nach außen. Die Schlehe behält diese Vitalitätskräfte bei sich, richtet sie nach innen. Die kleinen schwarzblauen Früchte schmecken selbst zum Zeitpunkt ihrer Reife eigentlich unreif: sauer und ad‐ stringierend sind sie zunächst ein etwas herber Genuss. Bei der Likörherstellung oder Verarbeitung zur Arzneimitteltink‐ tur gehen vor allem die fruchtig‐aromatischen Inhaltstoffe sowie die intensiv weinroten Farbstoffe in den Alkohol über. Das zarte Bittermandelaroma kommt vom Inhaltsstoff Amygdalin, einem cyanogenen Glykosid, dass beim Zerfall Blausäure und Benzaldehyd, das typische Bittermandel‐

APOTHEKE ZUR KAISERKRONE

aroma, freisetzt. Das Amygdalin kommt allerdings nicht nur in den Früchten, sondern auch in den Blättern und Stängeln der Pflanze reichlich vor. Was man also erst mal nicht erwar‐ ten würde, kann man hier beobachten: Tinkturen aus den im Frühling geernteten Triebspitzen (Summitates) schmecken sehr ähnlich wie Tinkturen aus den herbstlichen Früchten. Als Heilpflanze fällt die Schlehe auf, da sie sich innerhalb der Obstgehölze aus der Familie der Rosengewächse unge‐ wöhnlich verhält: Früher und starker Blühbeginn noch vor dem Blattaustrieb, dorniges gedrungenes Wachstum über das Jahr hinweg, und gerbstoffreiche kleine Früchte, von denen kein verschwenderischer Duft ausgeht. Die eher nach innen hin gerichteten Kräfte der Schlehe regen den Stoffwechsel und die Blutbildung des Menschen an. Vor allem die aus Blüten und Triebspitzen hergestellten Tinkturen stärken die Lebenskräfte des durch den Winter gegangenen Organismus und lösen Verhärtungstendenzen „frühlingshaft" auf. Zubereitungen aus den Früchten sind ebenfalls Kräftigungsmittel, allerdings mehr auf der Ernäh‐ rungsseite. Die Schlehe ist ein schönes Beispiel dafür, wie eng Arznei‐ mittel, Diätetika und Kosmetik bei Weleda beieinander liegen. In allen Produktkategorien wird die Schlehe entspre‐ chend ihrer Charakteristik eingesetzt, aufbaufördernd und vitalisierend. Egal ob im kräftigenden Weleda Schlehen‐ elixier, im Calendula‐Kinderbad, in der Granatapfelserie und vielen weiteren Weleda Kosmetika oder zahlreichen Arznei‐ mittel ‐ sehr häufig verdanken wir die Qualität unserer Pro‐ dukte der Schlehe. Wir sehen, die Schlehe ist eine vielseitig genutzte Heil‐ pflanze, bei der wir aus unterschiedlichen Pflanzenteilen und zu unterschiedlichen Jahreszeiten mit Extraktionsmedien (Ethanol und Mandelöl) das Beste herausholen, um sinnvolle Produkte herzustellen: menschengemäße Arzneimittel und ganzheitliche Naturkosmetik.

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46 _

„Dass etwas schwer ist, muss ein Grund mehr sein, es zu tun.“ (Rainer Maria Rilke)

F

113 – Bitte warten…

ür diese Seite im MoMent gab es schon einen fertigen Artikel

rung in einem gewissen zeitlichen Rahmen bleiben, der uns hof-

mit allen Details zum Baubeginn auf 113.

fentlich nicht mehr als sechs Monate kostet.

Am 17. November erreichte uns aber leider die schlechte Nachricht:

Wir werden uns natürlich umgehend darum bemühen, über

Drei unserer Nachbarn haben gegen den Baubescheid Einspruch

unsere Kontakte zum Bezirksvorsteher in die Stadtregierung

erhoben und uns damit zumindest eine starke Verzögerung des

dieses Verfahren möglichst zu beschleunigen, aber die Müh-

Baubeginnes beschert.

len der Behörden und der Justiz gehen bekanntlich ihre eigene

Es ist ein bitterer Schlag für alle Beteiligten und eine große Enttäu-

Geschwindigkeit.

schung für die Schulgemeinschaft...

Trotz dieses Rückschlages gilt es nun, die positive Dynamik, die in

Aber der Reihe nach:

den letzten Monaten entstanden ist, weiterzutragen und uns noch

Viel später als erwartet und in Aussicht gestellt, haben wir am

besser auf alles vorzubereiten.

19.10.2017 einen positiven Baubescheid erhalten – mit einer Ein-

Mit der Planung sind die Architekten soweit fertig; es liegen auch

spruchsfrist von 30 Tagen.

schon Angebote von einigen Firmen vor. Nun haben wir mehr Zeit

Da die ersten Wochen ohne Einspruch vergangen sind, waren wir

für die Auftragsvergabe – was uns sicher bei Auswahl und den

zuversichtlich, im Februar tatsächlich mit dem Bau beginnen zu

Preisverhandlungen helfen kann... und natürlich auch bei der Su-

können. So wurde auch immer konkreter geplant, wie es mit den

che nach Firmen, die unser Projekt mit Sachleistungen unterstüt-

Zwischenquartieren funktionieren kann, wie die Übersiedlung von

zen können und wollen.

Schule und Hort organisiert wird, wer welche Aufgaben übernimmt

Auch die Planung der Zwischenquartiere kann jetzt verfeinert wer-

und auch die traurige Schließung des Bioladens – aus gutem grund

den, und es ergeben sich vielleicht aus diesem Zeitfenster noch

– geplant.

neue Optionen. Details dazu folgen zur rechten Zeit, weil nicht si-

Dann kam am 17. November der Anruf der Architekten, die von

cher ist, ob der jetzige Plan auch in einem halben Jahr noch Gültig-

der Baubehörde informiert worden waren, dass drei Nachbarn nun

keit hat. Wir versuchen jedenfalls, die Zeit kreativ zu nutzen und es

doch Einspruch gegen unser Bauprojekt eingebracht hätten. Da die

auch positiv zu sehen.

Einspruchsfrist erst am 19.11. endet, werden wir den Schriftsatz mit allen Details dazu erst nach Redaktionsschluss erhalten und erst dann wissen, worum es genau geht. Dieses Vorgehen unserer Nachbarn schmerzt besonders, da wir wiederholt versucht hatten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, um Bedenken auszuräumen oder mit ihnen gemeinsam Verbesserungen zu erarbeiten. Dieses Angebot wurde leider nicht angenommen und zum Teil sogar brüskiert zurückgewiesen.

FINANZIERUNG: aktueller Stand Es gibt gute Nachrichten: Durch eine Großspende wurden die noch erforderlichen Mittel reduziert. Das Finanzierungsmodell, wie es bisher gedacht war, wird gerade überarbeitet, da es neue Möglichkeiten gibt, das zu vereinfachen. So ist jetzt geplant, die noch benötigten Mittel durch ein (oder mehrere) langfristige Darlehen aufzubringen. Diese Darlehen sollen langfristig natürlich auch zurückgezahlt werden. Sofern die Schule in den nächsten Jahren die

Jetzt gilt es abzuwarten, ob gegen den Ablauf des Verfahrens oder

Gleichstellung mit konfessionellen Privatschulen erreicht, wird dies

gegen konkrete Punkte der Baugenehmigung Einspruch erhoben

auch möglich sein.

wurde. Die Baubehörde und der Bezirksausschuss hatten uns im

Wir können also aus heutiger Sicht die Finanzierung des gesamten

Vorfeld versichert, unseren Antrag penibel genau geprüft zu haben

Neubaus gut darstellen, sind aber trotzdem auf intensiver Suche

und alle kritischen Punkte – die sich schon bei der Bauverhandlung

nach weiterer Unterstützung. Durch weitere Spender kann die

mit den Nachbarn abgezeichnet hatten – mit weiteren Expertisen

Darlehenssumme reduziert werden, was die Rückzahlung erleich-

der jeweils zuständigen Behörden überprüft zu haben. So sollte

tern würde – weitere Darlehensgeber würden helfen, die Last auf

verhindert werden, dass etwaige Einsprüche eine Chance hätten.

mehre zu verteilen...

Wir hoffen, dass diese Umsicht der Behörde und des Bezirkes uns

Wir sind daher nach wie vor auf der Suche nach Menschen, Insti-

nun tatsächlich hilft und der Einspruch vom zuständigen Verwal-

tutionen und Unternehmen, die diesen Schulneubau unterstützen,

tungsgericht abgewiesen wird. In diesem Fall könnte die Verzöge-

und bitten – wie immer – um Ihre Beteiligung an dieser Suche!


_ 47

Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung:

Wir haben immer ein offenes Ohr:

• Spende oder Schenkung an die Schule – zum Beispiel zweck-

Engelbert Sperl: Tel. 0676/521 82 12;

gebunden für einen Bereich des Neubaus, den Garten,

engelbert.sperl@waldorf-mauer.at oder

die Lampen, die Sportgeräte etc.

Lothar Trierenberg: 0676/375 36 33;

• Leihgeld oder Darlehen

lothar.trierenberg@waldorf-mauer.at

• Materialsponsoring für die benötigen Materialien,

Es wird eine große Herausforderung, aber

Einrichtung oder Geräte etc.

wir freuen uns darauf!

Wenn Sie sich hier gerne beteiligen möchten oder hilfreiche Ideen haben:

Für den Vorstand Lothar Trierenberg und Engelbert Sperl

WIENER DIALOGE – Der österreichische Weg der Waldorfpädagogik Elisabeth Gergely, Tobias Richter (Hg.) All jenen, die sich ein Bild vom speziellen Weg der

es nach der Schließung durch die Nationalsozialis-

Waldorfpädagogik in Österreich machen wollen,

ten erst 1966 zur Wiedergründung kam. Die Dar-

sei dieser Sammelband ans Herz gelegt.

stellungen bleiben aber nicht in der Vergangenheit

Fast alle Texte sind aus der Perspektive der an die-

stecken: Sie führen weiter bis in die heutige Zeit,

sen Entwicklungsprozessen beteiligten Menschen

wo sich weitere Schulen in anderen Bundesländern

geschrieben. Anhand vieler Gespräche mit noch

bildeten.

lebenden sowie den biographischen Skizzen bereits

Sie finden dieses Buch in der Bücherstube der

verstorbener, wichtiger Gründerpersonen erfährt

Goetheanistischen Studienstätte bzw. am Advent-

Böhlau Verlag, € 24,90

man, wie die erste Schule eröffnet wurde und wie

basar der Schule im Raum der 12. Klasse.

72 s/w-Abb., 273 Seiten

GRISCHKA VOSS

Wer nicht kämpft, hat schon verloren Erinnerungen eines Gauklerkindes

Amalthea-Verlag € 25,- zahlr. Abb., 256 Seiten

Wer nicht kämpft, hat schon verloren Erinnerungen eines Gauklerkindes Grischka Voss Ungeschminkt: Die Tochter des Bühnengenies erzählt.

Wiener Theaterlandschaft ab 1974, rund um Persön-

Innerhalb von nur drei Jahren verlor Grischka Voss,

lichkeiten wie Claus Peymann, Peter Zadek, Luc Bondy,

Tochter des Bühnengiganten Gert Voss, ihre gesamte

George Tabori und Thomas Bernhard, blicken lässt.

Familie. Erst die Großmutter, dann im Abstand von vier

Um ihre Geschichten erzählen zu können – als Autorin,

Monaten Vater und Mutter, nach fast zwanzig Jahren

Schauspielerin und Regisseurin – musste sich Grisch-

ging ihre Ehe in die Brüche, und zu guter Letzt starb

ka Voss als Künstlerin erst einmal ihren Weg frei bo-

auch noch ihre Katze … Aber Grischka Voss kann im-

xen, auch gegen familiäre Widerstände. Sie hat sich

mer noch lachen.

dabei als besessene Optimistin erwiesen. Berührend

Ihre verrückte Kindheit in einer herrlich neurotischen

und schonungslos offen schreibt sie über das Abschied-

Künstlerfamilie schildert sie mit dem ihr eigenen ra-

nehmen von ihren Eltern und deren Sterben – und über

benschwarzen Humor. Ihr Buch ist ein spannendes Zeit-

ihren Aufbruch in ein neues Leben, mit ihrem Sohn an

dokument, das hinter die Kulissen der deutschen und

der Hand, voller Zuversicht in die Zukunft.

Die wundervolle Auktion des literarischen Nachlasses von Gert und Ursula Voss im Burgtheater im November vergangenen Jahres ist noch in guter Erinnerung. (Anm. d. Red.: Wir hatten in der Sommerausgabe 2017 ausführlich berichtet). Die noch vorhandenen Bücher aus dem Nachlass können in der Schule in Paketen von je 5 Büchern zum Auktionsdurchschnittspreis von 230.- € erworben werden. Kontakt: Engelbert Sperl 0676/521 82 12.


48 _

Erinnerungen an Luise Sumser (4. Juni 1933 – 10. Oktober 2017) Andrea Hitsch

L

uise Sumser, geboren im deutschen Freiburg im Breisgau, ging im

Erste Station Deutschland,

84. Lebensjahr in Wien über die Schwelle des Todes.

gefolgt von Frankreich, dann

Ihr Leben war gekennzeichnet von immerwährendem Interesse an

die Schweiz, Brasilien, Ös-

Mensch und Welt; erfüllt vom Nachempfinden anderer Schicksals-

terreich, Portugal. Wien

wege wie zum Beispiel jenem der Russin Alja Rachmanova, Robert

wurde ihre Heimat, ihr Zu-

Hamerlings oder Adalbert Stifters. Die Welt wurde für sie immer

hause! So war ihr äußerer

größer und erfahrbarer durch die Wege, die sie in verschiedens-

Schicksalsweg.

ten Ländern gesucht und gefunden hatte. Ihr Interesse wuchs und

Ihr erster Beruf war Kinder-

dehnte sich aus auf dem reichen Feld der Mineralogie, den verschie-

gärtnerin; dann lernte sie die

denen Kunstrichtungen, in Kunstgeschichte, Menschenkunde oder

Heilpädagogik kennen und in

Literatur.

der Schweiz Professor Lutz.

In unversiegbarer Treue war sie der Anthroposophie zugetan, der sie

Luises Liebe zu einem brasi-

durch ihren Lehrer E. A. Karl Stockmeyer in einem glücklichen Jahr

lianischen Künstler, der sie in

ihrer Kindheit in der Waldorfschule Freiburg begegnet war. Er war es

Paris malte und durch die-

auch, der Luise Sumser ihren Konfirmationsspruch zukommen ließ:

ses Gemälde Preise gewann,

„Wisset Ihr nicht, dass Ihr ein Tempel Gottes seid und der Gottesgeist

führte sie nach Brasilien. Je-

in Euch wohnet.“ (1. Kor.) Sie erzählte dieses Erlebnis am 3. Februar

doch, als sie endlich im Hafen

2016: ein Beispiel, wie tief und klar sie Wahrheit, Schönheit und Güte

von São Paulo ankam, und

erleben, treu hüten und bewahren konnte. Der Schluss des Gesprä-

er nicht dastand, sie nicht

ches mit ihr, welches die Schreiberin dieser Zeilen notierte, war:

erwartete, sie nicht mitnahm, musste sie das offensichtliche Ende

„Fürchte dich nicht vor der Schwäche.“

dieser Beziehung schwer enttäuscht hinnehmen.

Ja, die Schwäche ihrer Leiblichkeit suchte sie in den letzten Jahren

Ihr Schicksalsweg führte sie an der Auslage einer Buchhandlung mit

mehr und mehr zu verwandeln, zum Beispiel durch klare Gedan-

einem Buch von Rudolf Steiner darin vorbei; von dort wurde sie zur

kengänge, die sie trotz Schwäche versuchen konnte zu erzeugen.

Waldorfschule weitergeleitet. Sie vertiefte sich, unterstützt von der

In dieser Zeit wohnhaft im Pensionistenheim Atzgersdorf, war sie

erfahrenen Schulgründerin Brigitte Hamann, ins Studium der Wal-

mehr und mehr alleingelassen. Sie wurde zu einer im wahrsten Sinne

dorfpädagogik, unterrichtete und blieb für zehn Jahre.

des Wortes „im Schmerz sich Erhaltenden“, zu einer Überwinderin

Nach ihrer beider Entschluss zur Rückkehr nach Europa fanden Luise

dunkler Stimmungen und Hader sowie körperlichen Gebrechens…

Sumser und Brigitte Hamann in der Rudolf Steiner-Schule in Wien-

„Nicht-mehr-gebraucht-werden“.

Mauer neue Aufgaben: „Luise schwebte über dem Hort“, bis sie Klas-

In selten erlebter Treue konnte sie innerlich teilnehmen, wenn zum

senlehrerin wurde; Brigitte Hamann konnte ihren geliebten Lehrer-

Beispiel man eine Vortragsreise hatte, wusste genau, wo man mit

beruf nur für einige Jahre ausüben: Eine schwere Krankheit raffte sie

welchem Thema war, folgte den Wegen auf der Landkarte! Sie war

hinweg. Dr. Reinald Hitsch begleitete diesen ihren Abschiedsgang.

es, die mit mir höchst ortskundig alle Wohnungen Ferchers von

Nach dem Ableben Hamanns standen Luise Sumser einige Lehrer-

Steinwand in Wien und Umgebung aufsuchte. Sie begleitete mich

kolleginnen sowie Eltern unterstützend zur Seite. Durch eine not-

in alle Archive Wiens, und wir fanden die unveröffentlichten Briefe

wendige Herzoperation musste sie sich jedoch aus dem Schulzu-

Rudolf Steiners an Marie Eugenie Delle Grazie, entzifferten hunderte

sammenhang mehr und mehr zurückziehen.

Briefe von Elimar v. Oldenburg oder Fritz Lemmermayer und vielen

Luise spielte bei den Weihnachtsspielen Klavier, half in der Ordina-

anderen.

tion bei Dr. Reinald Hitsch als Sprechstundenhilfe und erwies sich


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Hier kann man Erfahrungen sammeln, Vorurteile abbauen, Freunde  finden, in Berufswelten reinschnuppern…  Die Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen steht bei  uns im Mittelpunkt. Hierfür sind Hilfestellungen zu erbringen, wo die  Menschen mit Behinderung Unterstützung, Aufsicht und auch mal ein  ´gutes Wort` benötigen. 

mitleid ihre Schicksalsfügungen voll Vertrauen anzunehmen

Dies erfordert Einfühlungsvermögen, Umsichtigkeit und Courage. 

wusste. Sie erlebte tiefe Freude an der Schöpfung der Welt und große Dankbarkeit für alles, was ihr an Zuneigung und

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie beim Abschied nach neun Monaten  Zivildienst einen eigenen Fanclub haben. 

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50 _

Ein Nachruf – aus gutem grund Der „Esche“ und sein Demeter-Laden in Wien-Mauer sind eine Institution – im Jänner 2018 sperrt er zu. Roman David-Freihsl

E

s begann mit einer sprichwörtlichen Untergrundbewegung, als

Viele davon gibt es nur im guten grund zu kaufen. Das gilt für

der Verkauf von Rohmilch – also von nicht pasteurisierter oder

griechisches und portugiesisches Olivenöl, das direkt importiert

homogenisierter Milch – noch schlichtweg undenkbar war. Und es

wird, vor allem aber für viele Produkte der 25 österreichischen

noch kaum Bewusstsein für den Wert von Bio-Lebensmittel gab.

Demeterhöfe, die man in anderen Geschäften meist vergeblich

Von 1960 bis 1978 versorgten Agnes und Tobias Kühne in ihrer

sucht: die Demeter-Rohmilch der Familie Hirsch, das Getreide-

Katakomben-Abhol-Stelle auf dem Jesuitensteig 120 Familien

und Erdäpfel-Angebot der Familie Hobiger oder die Lichtwurzel-

mit Demeter-Rohmilch und Produkten aus biologischem Anbau,

produkte von Iris Empl und Herbert Habeler, um drei Beispiele zu

die damals in keinem Geschäft zu bekommen waren. Als Grün-

nennen. Als vor einigen Jahren ein denn’s Biosupermarkt ums Eck

dungseltern unserer Schule, die selbst bereits die Waldorfschu-

eröffnete, begann im guten grund gerade ein neues Kooperati-

le in Stuttgart besucht hatten, waren sie hoch motiviert: Gute

onsprojekt: Demetergärtner Nikolaus Kramer startete im Klos-

Ernährung ergänze die Pädagogik, sagte Agnes Kühne, deshalb

tergarten in Laab ein Gemüseanbauprojekt. Höchste Qualität

gehöre in die Nähe der Waldorfschule ein Naturkostladen.

und unübertreffliche Regionalität. Dass es sich dabei auch um ein

Dieser Impuls der Kühnes regte Eltern und LehrerInnen der Wal-

Ausbildungsprogramm für Jugendliche handelt, wissen die Kun-

dorfschule Mauer an, ein kleines Ladengebäude auf dem Grund-

dInnen zu schätzen.

stück der Schule zu errichten. 1978 wurde das Demeterhaus in

Dazu kommt, dass Esche in seinem „Vorleben“ einer der bes-

der Endresstraße 113 eröffnet und anfangs von der Schule selbst

ten Kommunaljournalisten in Wien war – und das Recherchie-

geführt. Kitty Wenkebach (1899 bis 1988) hat das Demeterhaus

ren hat er nie verlernt: Sein Produkt-und Branchenwissen ist

großzügig unterstützt.

schlicht enorm. „Wenn der Esche etwas sagt, hören alle zu“, sagte

Vier Jahre später musste der Idealismus der Pioniere weiter pro-

Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann einmal am Rande eines

fessionalisiert werden, und Gerti und Willi Rosen übernahmen

Interviews. Was die Zuhörer dabei zu hören bekamen, war aller-

den Laden – den sie unter neuem Namen weiterführten: Aus gu-

dings auch nicht immer zu ihrer Freude: Denn Esche Schörghofer

ter Erde. 1998 übernahmen schließlich Hanna und Erwin Schörg-

war und ist ein schonungslos ehrlicher und kritischer Geist.

hofer, den alle nur als Esche kennen, das Geschäft – und seither

2018 wird die Waldorfschule in der Endresstraße 113 also neu ge-

hieß es: aus gutem grund.

baut; die Grundfläche des Demeterhauses wird als Baustellenzu-

Inzwischen sind der Bioladen und der Esche längst eine Instituti-

fahrt gebraucht. Deshalb wird der gute grund am 27. Jänner 2018

on, nicht nur in Mauer, sondern in der gesamten Bio-Szene. 2018

geschlossen.

feiert der Laden also sein 40-jähriges Bestehen und 20 Jahre

Der Neubau der Rudolf Steiner-Schule soll rund eineinhalb Jahre

Esche – und sperrt zu. Mit Frühjahr des nächsten Jahres soll auf

nach Baubeginn fertig sein. Einen Bioladen soll es dann auch wie-

dem Schulgrundstück ein ambitioniertes Neubauprojekt starten –

der geben. Das, was die anthroposophischen Pioniere Willi Rosen

und Esche wird sich in den Ruhestand zurückziehen.

und Esche Schörghofer über vier Jahrzehnte aufgebaut und ge-

Und das ist nicht nur für die treue Kundschaft ein mehr als her-

pflegt haben, wird dann hoffentlich seine Fortsetzung finden.

ber Verlust. Denn aus gutem grund war und ist weit mehr als ein Bioladen: Esche war es gelungen, auf kleinstem Raum ein Vollsor-

Abschiedsfest für Esche – aus gutem grund

timent von insgesamt 2500 Artikeln anzubieten. Nicht nur Bio-

Am letzten Geschäftstag des Bioladens in Mauer gibt es ein Ab-

lebensmittel, sondern auch Kosmetika und Reinigungsmittel aus

schiedsfest für das Demeterhaus – Aus guter Erde – aus gutem

biologischer Produktion. Und das ausgesprochen erfolgreich.

grund:

Entscheidend dabei war, dass die Linie des ursprünglichen Na-

Kleiner Festsaal der Rudolf Steiner Schule, Endresstraße 100

mens beibehalten wurde: Wo immer es ging, wurden und werden

27. Jänner, 16:00 Uhr

Lebensmittel in Demeterqualität angeboten. Im Sortiment finden sich rund 500 Produkte von mehr als 80 Demeterproduzenten.


Die langjährigen Betreiber des Bioladens: Willi Rosen und Esche Schörghofer Foto: aus gutem grund _ 51

EIN WUNDER! Anita Kux

A

ls ich, völlig uneingeweiht, 1977 zur Maurer Schule kam, stieß ich sofort und im Laufe der Zeit immer wie-

der auf viele rätselhafte Erscheinungen: • Was machen diese Menschen, die dienstags und freitags in den Keller des Hauses Kühne am Jesuitensteig hinuntergehen?

• Was wird denn neben der 4. Klasse gebaut, und wieso stapeln sich dort im Morgengrauen so viele Kisten voll Gemüse? • Wieso müssen sich die Schüler der 4. Klasse, die zum Eurythmieun-

DENN ja! Es handelt sich um ein Geschäft!

terricht auf Nr. 100 gehen, zwischen parkenden Autos einen Weg

Nicht irgendein Lebensmittelgeschäft! Nein!!

bahnen?

Um ein besonderes, einmaliges, wunderbares Geschäft!

• Wer sind die wunderbaren Bauern, welche tagtäglich hochqualitiative Produkte in die Endresstraße 113 liefern?

Wo? Welches? Wer? Seit wann? Warum? Wie? Das erfahren Sie, wenn Sie sich am Samstag, den 27. Jänner 2018

• Warum ist es an diesem Ort ein Vergnügen zu warten?

um 16:00 im Kleinen Festsaal der Rudolf Steiner-Schule in Wien-

• Wie kam es, dass das Landwirtschaftspraktikum nunmehr im Wald-

Mauer einfinden!

viertel stattfindet und nicht mehr, wie früher, in der Steiermark?

Ein Abschieds

fest

für einen der ersten Bioläden in Wien – zu-

• Wer erleichtert denn das Finden der Praktikumsplätze?

nächst als „Demeter Haus“ bekannt, später „Aus guter Erde“ und

• Wo findet man leibliche und seelische Nahrung zugleich?

jetzt „aus gutem grund“ – und seine Mitarbeiter wird gefeiert.

• Wer sorgt dafür, dass auch Personen, die nicht so mobil sind, in den

Wenn jemand mir bei der Gestaltung helfen möchte, wäre ich ihr

Genuss köstlicher, gesunder Lebensmittel kommen? • Welche unsichtbaren Hände haben jahrelang meinen Einkorfskorb gefüllt, während ich in der Schule war? • Wo begegnen einander ehemalige Schülerinnen, Lehrer, Kinder,

und ihm sehr dankbar!! Musikalische, poetische und humorvolle Beiträge sind willkommen! Anita Kux

Hausfrauen, Opas und Omas? • Welcher Künstler hat so eine Lust am Zeichnen von Gemüse oder Fischen, dass er immer wieder eine Tafel damit vor das Geschäft stellt?

Margaretenstrasse 38/2/22, 1040 Wien anita.kux@chello.at, +43 676 7806074


Absender: R. Steiner-Schule Wien-Mauer, 1230 Wien, Endresstr. 100 Verlagspostamt, 1230 Wien, Zulassungsnummer: 13Z039641 M Impressum Seite 2

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Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung bzw. der Auslagerung der Produktionsprozesse in Billiglohnländer wird es immer schwieriger, geeignete Praktikumsplätze zu finden. Außerdem versuchen wir auch – dort, wo es sinnvoll ist – den SchülerInnen nahezulegen, im Wirtschaftspraktikum Erfahrungen zu sammeln, die sie auch für ihre Jahresarbeitsthemen verwerten können: Ziel soll sein, das Praktikum in einem Betrieb zu machen, dessen Tätigkeitsbereich im weitesten Sinn in Verbindung mit dem Thema der Jahresarbeit steht. Das nächste Wirtschaftspraktikum wird im Herbst 2018 von der 4. bis zur 6. Schulwoche stattfinden. Wir wenden uns an Sie mit der Bitte, uns bei der Suche nach geeigneten Firmen zu unterstützen!

wollen (ein Garten ist auch dabei).

Carina Allerberger und Alfred Kohlhofer (Tutoren der 11. Klasse)

Termine auf Seite 23

Kontakt: Alfred Kohlhofer 0650 888 92 48, email: raum.form@gmail.com oder unser Schulbüro: office@waldorf-mauer.at

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MoMent Herbst 2017  
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