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Mo

M

ent

In Freiheit entlassen!

ehemalige aus Wien-Mauer

Zeitschrift fĂźr die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Herbst 2016 / â‚Ź 4,00


Im neuen Jahresheft der Rudolf Steiner-Schule Mauer kann man online schmökern:

2 _ Editorial, Impressum

http://www.waldorf-mauer.at/moment

Jahresheft 2015/2016 MoMent Sonderausgabe

Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Schulzeitung MoMent, die Waldorfschule ist toll – aber was ist danach? Wie werden unsere Kinder dann „draußen“ im „richtigen Leben“ bestehen? Diese Frage stellen sich viele Eltern vor und nach dem Schulstart. Dazu muss man zunächst einmal zu

Herbst 2016

Mo

Ment

Zeitschrift von und für Eltern, FreundInnen, LehrerInnen, SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Liebe externe MoMent-AbonnentInnen Jeder Druck, der Ihnen vorliegenden Ausgabe, kostet

bedenken geben: Wenn „draußen“ das „richtige Leben“

ca. € 2.400,- inkl. Versand € 2.760,-.

wäre – ist dann unser Schulleben ein „falsches“? Und das

Wenn Sie hinkünftig auf eine per Post zugeschickte

muss man entschieden verneinen. Ganz im Gegenteil wird

Druckversion verzichten und mit der Online-Version

ja immer öfter beklagt, was in unserer Gesellschaft alles

(http://www.waldorf-mauer.at/moment) Vorlieb neh-

falsch läuft – und gerade unsere Schule kann man durchaus auch als Keimzelle eines gesellschaftlichen Gegenmodells erleben. Aber wie geht es jenen, die unsere Schule verlassen und

men wollen, dann ersuchen wir um ein kurzes Email an: moment@waldorf-mauer.at. Gerne senden wir Ihnen weiterhin drei Mal im Jahr Ihr

schon länger verlassen haben, wirklich? Erfahrungswerte

persönliches Exemplar zu und ersuchen Sie, die da-

gibt es ja mehr als genug. Über die Jahrzehnte hinweg sind

für anfallenden Kosten von € 12,-/Jahr auf das Mo-

hunderte Schülerinnen und Schüler in den neuen Lebens-

Ment Konto zu überweisen. Kontoverbindung: siehe

abschnitt übergetreten, lernen arbeiten, wachsen innerlich

Impressum

weiter. Haben sie ein gutes Rüstzeug für die Herausforderungen, die ihnen begegnen, erhalten? Deshalb haben wir uns entschlossen, den Schwerpunkt die-

Impressum:

ser MoMent-Ausgabe den Ehemaligen zu widmen und eine Auswahl der vielen Lebenserfahrungen einzusammeln. Vie-

Medieninhaber, Verleger, Herausgeber:

len Dank für die tollen Beiträge des ganzen Heftes!

Verein zur Förderung der Waldorf-Gemeinschaft (VFWG),

Ein ganz besonderes und herzliches Dankeschön gilt aber

Obmann Josef Prüller / DVR NR.: 7864 9742

den Eltern unserer Schule, die tatsächlich eine neue fi-

Absender: moment@waldorf-mauer.at

nanzielle Basis für unsere redaktionelle Arbeit ermöglicht

1230 Wien, Endresstraße 100

haben: Nachdem das Finanzierungsmodell über die Klas-

Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 13Z039641 M

senkassen-Beiträge vorgestellt worden war, erreichte uns eine frohe Botschaft nach der anderen: Ja, diese Klasse ist natürlich dabei – und auch die nächste – es ist die reine Freude! Jetzt ist es an uns, diese Freude von Ausgabe zu Ausgabe wieder zurückzugeben. Dass dies mit diesem MoMent gelang, ist allen voran Brigitte Födinger und Karl Hruza zu danken, die unter großer Belastung wirklich Gewaltiges

MitarbeiterInnen: Brigitte Födinger E: moment@waldorfmauer.at / Roman David-Freihsl E: roman.freihsl@gmx.at Karl Hruza E: karl.hruza@waldorf-mauer.at / Lena Artaker Matthias Berke / Nadja Berke / Ursula Dotzler / Peter Floquet Peter Gluchi / Margarete Goss / Saskia Sautner / Sabine Trierenberg Kontoverbindung lautend auf: Redaktion Schulzeitung IBAN: AT44 2011 1822 2175 1000 /

geleistet haben!

BIC: GIBAATWWXXX

Mit herzlichsten Grüßen für das Redaktionsteam,

Druck: Donau-Forum-Druck, 1230 Wien,

Roman David-Freihsl

aus umweltfreundlicher Druckproduktion


Die 12. Klasse 1981/82

_3

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ie Matura – ein Scheinriese

Text: Roman David-Freihsl

Meist sind es die noch weit entfernten, noch vage in der Zu-

Ja, es gab auch hin und wieder Einzelne, die Schwie-

kunft liegenden Dinge, die Sorge bereiten, ja sogar bedrohlich

rigkeiten hatten, die hängen blieben. Wie in jeder an-

wirken. Genau wie die wunderbare Gestalt des Scheinriesen,

deren Schule auch. Entweder sie bissen sich trotzdem

den Michael Ende in seine Jim Knopf-Bücher zauberte: Eine Ge-

durch – oder schlugen einen anderen Weg ein. Die Regel

stalt, die in der Ferne immer größer wird, sich aufplustert und

war aber: Durchbeißen, abhaken und fertig.

riesig erscheint. Und so sind es vor allem die Eltern der unteren Klassen an

Ein paar Jahre nach unserer geprüften Reife erschütterte der Maturaskandal das Wiener Schulwesen. Bei

unserer Schule, die die bange Frage stellen: Wie ist das mit der

einer – anderen – Maturaschule hatten sie die Prüfungs-

Matura? Schaffen sie das? Dann, wenn’s ernst wird, wenn der

fragen schon vorher besorgen können und das flog dann

Schulabschluss näher rückt, treten die Eltern und wohl auch die

halt auf. Ende der externen Prüfungskommission.

Schülerinnen und Schüler der Frage wohl noch mit Spannung – aber letztlich viel gelassener gegenüber. Thema war sie von Anfang an, die leidige Matura, gleich nach

Danach besuchten die „Ex-Waldis“ nach ihrem Schulabschluss meist eine 8. Gymnasiumklasse einer anderen Schule. Anton-Krieger-Gasse, Hegelgasse… Wie man

der Schulgründung. Werden die Schülerinnen und Schüler stu-

hört, sind die Steiner-Schüler dort meist recht beliebt:

dieren können? Was ist mit der Matura? Schaffen sie das? Es

Die machen engagiert mit, die stellen Fragen. Und auch

fand sich ein Weg.

hier immer wieder ein paar statistische Ausreißer: die

Viel hat sich über die Jahrzehnte verändert: Die Ausarbeitung eines eigenen Lehrplanes und immer wieder Lehrplanvergleiche mit jenen der öffentlichen Schulen. Mussten wir seinerzeit

das ganze Maturajahr mit lauter Einsern hinlegen. Schaffen die das? Aber hallo! Es gab auch Alternativen. Beispielsweise in der Wal-

– Ende der 1970-er Jahre noch in die benachbarte Mittelschule

dorfschule Pötzleinsdorf, die eine 13. Klasse mit Ma-

pilgern, um den Abschluss der Schulpflicht abprüfen zu lassen,

tura-Abschluss anbot. Aber in letzter Zeit wählen die

ist dies längst nicht mehr nötig.

meisten die Matura an der Abendschule. Der Grund

Aber die Matura? Die Reifeprüfung? Die gilt es immer noch „öffentlich“, außer Haus und staatlich anerkannt zu absolvieren.

dafür ist ein rein pragmatischer: Dort gibt es noch keine Zentralmatura.

Heute, wie damals. Unser Jahrgang – der 1983 die Rudolf Stei-

Aber hat sich etwas geändert? Im Gegenteil. Als ich

ner-Schule mit Jahresarbeit und 12.-Klass-Theaterstück abge-

eine junge Ehemalige traf und mit ihr plauderte, war das

schlossen hatte, musste damals noch die „Externisten-Matura“

ein regelrechtes Déjà-vu-Erlebnis: Nach nur einem hal-

abarbeiten: Zuerst einmal zwölf Vorprüfungen; jede davon mit

ben Jahr hatte sie das Pflichtprogramm an der Abend-

dem Unterrichtsstoff aller vier Oberstufenklassen. Und dann

schule abgespult. Und jetzt? „Man gönnt sich noch Ur-

erst die Zulassung zu den eigentlichen Maturaprüfungen.

laub“, lächelte sie.

Schaffen die das? – hieß damals wohl noch mehr als heu-

Heute wie damals ist die Matura eine gute Gelegen-

te. Natürlich haben wir es geschafft. Manche – wie auch ich –

heit, in das andere System einzutauchen: Lernen – ab-

mit einem Aha-Erlebnis zwischendurch (bei der wiederholten

prüfen – abgehakt und weiter geht’s. Wer aber erleben

Physik-Prüfung). Andere legten einen Durchmarsch hin, der die

möchte, ob unsere Schüler eine gewisse Reife erlangt

Bilanzen der Maturaschule, die wir besuchten, so richtig auf-

haben – der kann dies viel besser bei den Abschlussrefe-

gefettet hat. Alle Vorprüfungen und die Matura in nur einem

raten der 12. Klasse erspüren.

halben Jahr!


4 _ Ehemalige

P

» arty-Crashen« in Linz Waldorf Alumni Mauer besuchte die Auftaktveranstaltung des Ehemaligenvereines in Linz Text: Roman David-Freihsl In Linz beginnt’s – jetzt auch. Ein halbes Jahr nachdem sich

Dafür wurde den Besuchern auch einiges geboten: Eine

unser Ehemaligenverein Waldorf Alumni Mauer (WAM – in

kurzweilige Gesprächsrunde, ein schwer beeindruckender

Freiheit entlassen) formiert hatte, kamen auf einmal Einladun-

Poetry-Slam einer jungen Ex-Schülerin und natürlich ein Büf-

gen von der Freien Waldorfschule Linz: Auch hier bildet sich

fet zur Unterfütterung des angeregten Austausches. Und wir

eine Plattform für ehemalige Schülerinnen und Schüler – und

mussten durchaus anerkennen, dass auch die Linzer etwas

zum Auftakt luden sie gleich zu einer groß angelegten Veran-

vom Aufstrich-machen verstehen – und das obwohl unsere

staltung im Turnsaal.

WAM-Brötchen ja fast schon einen geradezu legendären Sta-

Da ist gleich einmal Vernetzen angesagt und so pilgerte am 21. Oktober eine Delegation von vier WAM-Vorstandsmitglie-

tus genießen. Im Zentrum stand aber – für uns – natürlich der Austausch

dern nach Linz: Obmann Paul Langfelder, Kassier Matthias

von Plänen und Erfahrungen. Wir erfuhren etwa, dass man

Köck, Simon Egger (Wiesbier) und meine schriftführende We-

den Mitgliedsbeitrag durchaus auch höher ansetzen kann

nigkeit. Ein willkommener Ausflug, denn so mussten wir uns

(nein, wir werden unsere niederschwelligen 12 Euro pro Jahr

nicht extra zu einem Treffen zusammentrommeln, sondern

trotzdem nicht erhöhen!) – wir brachten wiederum unser Mo-

konnten gleich auf der Hin- und Rückfahrt im Zug eigene Plä-

dell der gestaffelten Beiträge ein, das frischen Absolventinnen

ne schmieden. Doch davon ein andermal.

und Absolventen sehr entgegen kommt. Auch konnten wir die

Als wir „Party-Crasher“ (denn angekündigt hatten wir uns vorsorglich nicht) in der Freien Waldorfschule Linz eintrafen, wurden wir höchst verblüfft aber umso herzlicher begrüßt –

Linzer in ihrer Überlegung bestärken, gleich auch ehemalige Eltern und ehemalige Lehrer miteinzubeziehen. Und als wir dann darüber plauderten, dass auch in Salzburg

und standen plötzlich vor einem eigenen Ehemaligen aus dem

und Innsbruck Ehemalige dabei sind, sich zusammenzuschlie-

Maurer Schlössel: Unser noch immer schmerzlich vermisster

ßen, stand gleich die nächste Idee im Raum: Wie wäre es mit

Ex-Eurythmie-Lehrer ist gleichzeitig ehemaliger Schüler von

einem österreichweiten Treffen oder gar einer Tagung für Ex-

Linz. Er kam nicht ohne WAM-Beitrittsformular davon.

Waldis? Dieses Ei gilt es aber erst zu legen.

Wie sich herausstellte, handelte es sich bei der Veranstal-

Die Linzer Initiative ist bereits auf facebook aktiv unter:

tung um den großen Auftakt, der zur Vereinsgründung führen

FWSL Absolventen Alumni

soll – falls die Initiative auf entsprechendes Interesse stößt.

Unser Ehemaligenverein findet sich dort ebenso unter: WAM

Und daran kann angesichts des prall gefüllten Turnsaales nun

und natürlich auf unserer Homepage: www.wam.wien

eigentlich kein Zweifel mehr bestehen.


Ehemalige _ 5

E

» hemalige« als Lehrerinnen: »Leichtigkeit ist eine Erfahrung, die ich weitergeben möchte.« Text: Tobias Richter und Leonhard Weiss Wer Bäckerin werden will, steht an seinem ersten Tag als

mit Freude und Begeisterung ihren Beruf ausüben.“ (Hein-

Lehrling möglicherweise an einem Arbeitsplatz, den sie zu-

ritz, 2013, S. 114). Gerade angehende Lehrerinnen bräuch-

vor noch nie besucht hat. Beim Lehrerberuf ist das in der

ten, wie Heinritz auf eine entsprechende, empirische Unter-

Regel anders: Die meisten Berufsanfängerinnen bringen be-

suchung verweisend erläuterte, „biographische Ressourcen,

reits rund zwölf Jahre Erfahrung mit ihrem neuen Beruf mit.

die sich in Form von Selbstwirksamkeitserwartungen, Mut

Das „System Schule“ ist ihnen längst bekannt; das Handeln

und Offenheit manifestieren“. Von diesen Ressourcen hänge

von Lehrerinnen haben sie bereits ausführlich beobachten,

es ab, „ob ihnen [den Lehrerinnen] ein erfolgreicher Berufs-

erleben und auch beurteilen können (Dass es auch anders

einstieg gelingt oder nicht“ (ebd., S. 122). Wer also aufgrund

sein kann, beschreibt Tschingis Aitmatov in seiner Erzählung

früherer Lebenserfahrungen einen starken Glauben daran

„Der erste Lehrer“). Wie (neue) Lehrerinnen ihren Unterricht

entwickelt hat, selbst etwas bewirken und auch in schwie-

gestalten und wie sie ihre eigene Rolle verstehen, hat oft

rigen Situationen selbstständig handeln zu können, tut es

auch viel mit ihren eigenen Erfahrungen als Schülerinnen zu

sich als Pädagogin leichter.

1

tun. Manche Bildungsforscherinnen gehen sogar davon aus, dass diese Erfahrungen einflussreicher sind als eine absolvierte Lehrerinnenausbildung (vgl. Hascher, 2014, S. 542).

Ehemalige Waldorfschülerinnen werden oft Lehrerinnen Eines der Ergebnisse dieser bisher umfangreichsten Untersuchung der beruflichen und biographischen Entwicklun-

»Biographische Ressourcen« Einfluss haben eigene biographische Erfahrungen dabei

gen ehemaliger Waldorfschülerinnen (Barz/Randoll, 2007) ist dabei besonders bemerkenswert: Auffallend viele Ab-

nicht nur darauf, wie Lehrerinnen unterrichten, sondern vor

solventinnen von Waldorfschulen entscheiden sich für den

allem darauf, mit welcher Haltung sie dies tun. Denn, so be-

Beruf der Lehrerin. So ist unter ehemaligen Waldorfschüle-

tonte die Erziehungswissenschaftlerin Charlotte Heinritz vor

rinnen der Anteil an späteren Lehrkräften mehr als fünfmal

einigen Jahren in einem Aufsatz, neben äußeren Bedingun-

so hoch wie in der (deutschen) Gesamtbevölkerung. Bemer-

gen des Lehrerinnenberufes seien es „persönlich-biographi-

kenswert ist allerdings, dass laut genannter Studie zwar vie-

sche Faktoren“, die „mit entscheiden, ob die Arbeit sie unzu-

le ehemalige Waldorfschülerinnen später Lehrerin wurden

frieden und krank macht, oder ob sie auch noch nach Jahren

(rund 12%), allerdings nur wenige davon den Weg der Waldorf-Lehrerin einschlugen (ca. 1,5%). Die Frage, warum dies

Tobias Richter: ehem. Schüler der FWS Ulm (1955-68), seit 1972

so ist, beantwortet die Studie leider nicht. Möglicherweise

Waldorflehrer, Mitarbeiter am Zentrum für Kultur und Päda-

könnte dies damit zu tun haben, dass für die Studie vor-

gogik und Dozent des Masterstudiums Waldorfpädagogik an

wiegend Waldorf-Absolventinnen aus den 50er, 60er, 70er

der Donau-Universität Krems

und 80er-Jahren befragt wurden, aus einer Zeit also, in der

Leonhard Weiss: ehem. Schüler der RSS Wien-Mauer (19861997), seit 2010 Waldorflehrer, Mitarbeiter am Zentrum für Kultur und Pädagogik und Dozent des Masterstudiums Waldorfpädagogik an der Donau-Universität Krems

die Waldorfbewegung auch in Deutschland teilweise noch deutlich kleiner war und es daher auch nur wenige potentielle Arbeitsplätze für Waldorfpädagoginnen gab. Ob dieses Bild heute noch und auch für Österreich so gilt, wissen wir daher nicht. Fest steht jedenfalls, dass gerade an der Rudolf

1) Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben die Autoren

Steiner Schule Mauer einige sogenannte „Ehemalige“ inzwi-

dieses Textes ausschließlich die weibliche Sprachform gewählt.

schen Waldorflehrerin geworden sind.

Selbstverständlich sind damit beide Geschlechter gemeint.

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6 _ Ehemalige

Kollegium, etwa 1974

Erfahrungen, die prägen

dern „beglückende Erstaunensmomente zu schenken“ ist der

Wir haben uns daher die Frage gestellt, welche Schul- und

ehemaligen Waldorfschülerin ein tiefes Bedürfnis.

Bildungserfahrungen es waren, die in Waldorf-Schülerinnen den Wunsch entstehen ließen, später selbst pädagogisch zu arbeiten und wie weit diese Erfahrungen noch heute für sie

Positive und negative Erinnerungen an die eigenen Lehrer Zu den Merkmalen der Waldorfpädagogik gehört zweifellos

von Bedeutung sind. Explizite Antworten auf diese Fragen

die Stärke der persönlichen Beziehung zwischen Schülerinnen

finden sich in der oben erwähnten „Absolventen-Studie“ von

und Lehrerinnen. Wir haben daher in unserer kleinen, nicht-

Heiner Barz und Dirk Randoll nicht, dafür allerdings Aussa-

repräsentativen Umfrage auch gefragt, welche Rolle Erinne-

gen, welche im Hinblick auf die angesprochene Bedeutung

rungen an frühere Waldorflehrerinnen für heute tätige Lehre-

von „Selbstwirksamkeitserwartungen, Mut und Offenheit“ als

rinnen spielen. Für Marion Giannelos sind diese Erfahrungen

Grundlagen pädagogischer Arbeit interessant sind. Als Bei-

zwar „nicht mehr bewusst, aber sie waren mir eine Orientie-

spiel genannt sei etwa die Selbstbeschreibung eines Waldorf-

rung, als ich begonnen habe, zu unterrichten. Und das waren

lehrers der selbst Waldorfschüler gewesen ist: „Ich geh‘ an die

sowohl positive Erinnerungen, die ich in mein Tun integrie-

meisten Sachen relativ positiv ran, beziehungsweise, wenn

ren wollte, als auch negative, aus denen ich Lehren für mein

irgendwas nicht so gut läuft, dann schaff‘ ich das für mich halt

eigenes Handeln ziehen konnte.“ Nach Ansicht von Michael

relativ umzudefinieren“ (ebd., S. 244).

Stransky sind es sogar vor allem „die abschreckenden Negativbeispiele“, die ihm auch heute noch bewusst sind.

Man bewegt sich »auf bekanntem Terrain« Auf der Suche nach weiteren Antworten auf die Frage nach der Bedeutung der eigenen Schulerfahrungen für das Leh-

Verantwortlichkeit gegenüber der Schule Seinen Schülern ist es übrigens, so Michael Stransky,

rersein haben wir einige ehemalige Schülerinnen der Maurer

„ziemlich egal“, dass er selbst einmal Waldorfschüler war, den

Schule, die inzwischen Lehrerinnen geworden sind, dazu be-

Eltern und Kolleginnen allerdings „vielleicht schon weniger.

fragt. Naturgemäß ist ehemaligen Waldorfschülern vieles an

Denen gibt diese Tatsache ein gewisses beruhigendes Zu-

Waldorfschulen bekannt, das anderen Kolleginnen neu ist. So

gehörigkeitsgefühl“. Letztlich aber zähle natürlich „nicht die

stellt etwa Marion Giannelos2 fest, dass ihr dank ihrer eige-

schulische Vergangenheit, sondern meine aktuellen Beiträge

nen Schulzeit in dieser Schule „vieles am System vertraut und

zum Schulgeschehen“, so Stransky. Dass die eigene schuli-

selbstverständlich“ sei. Besonders etwa im Bereich der Kunst

sche Vergangenheit auch eine Form der Verpflichtung bein-

könne man als ehemaliger Waldorfschüler „an die eigenen Anstrengungen der Schulzeit anschließen“ und hätte das Gefühl,

2) Marion Giannelos: ehem. Schülerin der RSS Wien-Mauer

sich „auf bekanntem Terrain zu bewegen“, erläutert Micha-

(1988-2000), seit 2007 Waldorflehrerin (Fachlehrerin für Eng-

el Stransky3. Als Lehrerin anschließen an die eigene Schulzeit

lisch und Musik an der RSS Wien-Mauer)

kann auch Sabine Trierenberg , ist es doch ihr „Wissen über

3) Michael Stransky: ehem. Schüler der RSS Wien- Mauer (1966-

meine eigene, schöne Schulzeit“, welches sich „in meiner pä-

1975), seit 1989 Waldorflehrer (Klassenlehrer an der FWS Graz)

dagogischen Begeisterung immer wieder niederschlägt“. Für

4) Sabine Trierenberg: ehem. Schülerin der RSS Wien-Mauer

Marion Giannelos ist „Leichtigkeit“ eine „wesentliche Erfah-

(1975-1986), seit 2013 Waldorflehrerin (Fachlehrerin für Spiel-

rung, die ich aus meiner Schulzeit mitnehme und die ich auch

turnen, Turnen, Tanz, Bewegung und Rollenspiel an der RSS

weitergeben möchte“; die „Freude, in die Schule zu gehen und

Wien-Mauer)

im Unterricht auch lachen zu können“. In „menschlicher und

5) Sabine Galli: ehem. Schülerin der RSS Wien-Mauer (1967-

methodisch-didaktischer Form“ prägen die eigenen Schuler-

1978), seit 2004 Waldorflehrerin (Förderpädagogin bei FRAM:

fahrungen die Arbeit der Waldorfpädagogin Sabine Galli . Kin-

Förder-Ring Arbeit und Motivation)

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Ehemalige _ 7

Oberstufen-KollegInnen, etwa 1982

halten kann, macht Sabine Trierenberg deutlich, die sich als

Art entfalten und entwickeln können“ (Marion Giannelos),

ehemalige Schülerin „sehr verantwortlich der Schule gegen-

„der behutsame Umgang der meisten Lehrerinnen mit ihren

über“ empfindet und als Lehrerin versucht, „so gut wie mög-

SchülerInnen“ (Sabine Trierenberg) wurden hier unter ande-

lich der Waldorfpädagogik treu zu sein“.

rem genannt. Beziehungen erlebt zu haben, die Entwicklung ermöglichen – vielleicht ist es diese Erfahrung, die ehemalige

Veränderungen – wahrgenommen und gewünscht Die angesprochene „Treue“ gegenüber der Waldorfpäda­

Waldorfschülerinnen trägt und prägt, wenn sie selbst Lehrerinnen werden.

gogik bedeutet für die heute unterrichtenden ehemaligen Waldorfschülerinnen allerdings nicht, Veränderungen auszu-

PS: Übrigens geht es in der oben erwähnten Erzählung „Der

schließen. Im Gegenteil: Erhofft sich etwa Sabine Galli noch

erste Lehrer“ von Tschingis Aitmatov auch um genau diese

„mehr bewusste Bewegungsangebote“ und „handwerkliche

Beziehungen, wenn die inzwischen Hochschullehrerin gewor-

Tätigkeiten, auch schon in den ersten Klassen“, so wünscht

dene Altynai sich an ihren kaum des Schreibens und Lesens

sich Michael Stransky für die Zukunft der Waldorfschulen eine

kundigen ersten Lehrer Düischen erinnert und in Sibirien

„verstärkte Experimentier- und Spielfreude“ im Unterricht

einen ganzen Zug zum Stehen bringt, weil sie in einem Wei-

und auch in der kollegialen Zusammenarbeit, und Sabine Tri-

chensteller meint, diesen Lehrer wiedererkannt zu haben.

erenberg plädiert unter anderem für eine Stärkung der Zu-

Einst hatte er sie mit den anderen Kindern durch den Fluss

sammenarbeit zwischen Eltern und Lehrerinnen, einen „ehr-

zur Schule getragen und ihr zum Abschied gesagt: „Vielleicht

lichen, offenen Dialog ohne Vorbehalte, ohne Angst, Augen

wirst du mal eine richtige Lehrerin, dann wirst du dich an un-

und Mund zu öffnen“ und für ein Lehrerinnenkollegium, das

sere Schule erinnern und wohl lachen. Soll es so sein, soll es

„um Feedback bittet, um sich weiterzuentwickeln“. Gegenüber

so sein…“ (Aitmatow, S. 79)

ihrer eigenen Schulzeit nehmen die befragten Ehemaligen übrigens deutliche Veränderungen an Waldorfschulen wahr;

Literatur:

Veränderungen, die u.a. das Selbstverständnis der Waldorf-

Aitmatow, Tschingis: Der erste Lehrer,

pädagogik betreffen. „Waldorftraditionen“ dürften „nun schon

München: Verlag Antje Kunstmann, 1990

mehr hinterfragt werden“, so Michael Stransky, der damit an-

Barz, Heiner / Randoll, Dirk (Hgg.):

spricht, was sowohl Sabine Trierenberg als auch Sabine Gal-

Absolventen von Waldorfschulen.

li wichtig ist: Waldorfschulen seien „weltoffener, toleranter“

Eine empirische Studie zu Bildung und Lebensgestaltung,

geworden. Eine positive Entwicklung, die aber auch die Gefahr

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2007

inkludiere, zunehmend „angepasster“ (Sabine Galli) zu werden

Hascher, Tina: Forschung zur Wirksamkeit der Lehrerbildung,

oder sich zu einer „Waldorfschule light“ (Michael Stransky) zu

in: Terhart, Ewald / Bennewitz, Hedda / Rothland, Martin (Hgg.):

entwickeln.

Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf, Münster / New York: Waxmann, S. 542-571

Im Mittelpunkt steht die Begegnung Interessante Übereinstimmungen brachte unsere Frage,

Heinritz, Charlotte: Biographische Aspekte der Lehrerpersönlichkeit,

worin trotz aller, im Laufe der Jahrzehnte erlebten Verände-

in: Krautz, Jochen / Schieren, Jost (Hgg.):

rungen der Waldorfschulen, das Gemeinsame von „Damals“

Persönlichkeit und Beziehung als Grundlage der Pädagogik,

und „Heute“ liege: „Die menschliche Begegnung steht im

Weinheim / Basel: Beltz, 2013, S. 114-127

Mittelpunkt“ (Michael Stransky), das „permanente Bemühen, Kinder mit ihren Bedürfnissen wahrnehmen zu wollen und ihnen einen Raum zu geben, in dem sie sich auf ihre


8 _ Ehemalige

davon mit Auszeichnung

davon guter Erfolg

in 12. 2010/11

davon Matura

davon mit Auszeichnung

davon guter Erfolg

mulieren Sie in einem Satz, warum Sie Ihr Kind an eine Wal-

2011/2012

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3

Text: Ursula Kaufmann

Lassen Sie sich bitte kurz auf folgenden Versuch ein: For-

2010/2011 davon Matura

nterm Glassturz?

Matura-Jahrgang

in 12. 2009/10

U

Matura-Jahrgang

hen zueinander immer in einem Spannungsverhältnis. Dieser Ansatz ist zukunftsorientiert. Er zielt auf noch Un-

dorfschule schicken und dafür so manches auf sich nehmen.

gewisses ab, nimmt Gegebenes nur als Ausgangsbasis, ist

Dann schreiben Sie spontan Ihre größte Freude diesbezüglich

ergebnisoffen und fördert damit Eigenständigkeit, Kreativität,

auf und danach ebenso spontan Ihre größte Sorge. Und erst

Lebenssinn.

dann lesen Sie weiter!

Und all das kollidiert des Öfteren mit eigenen Zukunfts-

Ist es die eigene positive Erfahrung in diesem Schulsystem

ängsten. (Was steht auf Ihrem Zettel? Geben Sie doch diesen

oder das krasse Gegenteil im Regelschulsystem, und Ihr Kind

gern an Ihre Klassenlehrerin oder Ihren Klassenlehrer weiter;

soll es besser treffen? Ist es das Künstlerische, geringerer

daraus ergeben sich bestimmt interessante Gespräche!) Wird

Druck, mehr Zeit für persönliche Entwicklung oder dass indi-

mein Kind „in der Realität“ bestehen? Lernt es genug? Kann

vidueller auf Ihr Kind geblickt werden soll? Pflegen Sie grund-

es am Ende maturieren?

sätzlich einen alternativen Lebenszugang, in den die Schule

Je höher die Schulstufe, desto nervöser werden viele.

zu passen scheint? Oder ist Ihr Kind gar in anderen Systemen

Und dann existiert da seit Kurzem die Möglichkeit ei-

nach deren Kriterien bereits gescheitert, und hier liegt die

nes eigenen Waldorfabschlusses: SSC – das „Steiner School

vermeintlich einzige Chance?

Certificate“! Wohl vom anderen Ende der Welt und nur dank

Und nun die Frage: Hat Ihre Motivation mit dem Leitbild unserer Schule etwas gemein? Nicht gefragt soll werden: Was braucht der Mensch zu wissen und zu können für die soziale Ordnung, die besteht; sondern: Was ist im Menschen veranlagt und was kann in ihm

juristischer Winkelzüge anwendbar, wohl noch nicht erprobt, aber verlockend. Man könnte sich die Matura, das schreckliche Damoklesschwert, ersparen. Noch dazu gibt es ja jetzt die Zentralmatura. Noch sorgenvollere Blicke. Umso größer war die Enttäuschung, als das Oberstufenkol-

entwickelt werden? (...) Dann wird in der Ordnung immer das

legium nach einem Jahr des Erprobens beschloss, dieses SSC

leben, was die in sie eintretenden Menschen aus ihr machen;

nun wieder abzusetzen. Weil Zweifel und Einwände in päd-

nicht aber wird aus der heranwachsenden Generation das ge-

agogischer Sicht entstanden. Weil die Durchführung seitens

macht werden, was die bestehende soziale Ordnung aus ihr

der Organisation mehr als mangelhaft war. Weil für Pionierar-

machen will. (Aus: Die pädagogische Grundlage und Zielset-

beit diesbezüglich einfach zu wenige Ressourcen in unserem

zung der Waldorfschule; Rudolf Steiner)

Kollegium vorhanden sind.

Dieser Ansatz ist radikal. Er erfordert viel Vertrauen: in das

Es war klar und deutlich kommuniziert worden, dass wir

Kind selber, in die Lehrenden, dass sie achtsam erkennen, was

vorerst nur einen Probelauf wagen. Die Eltern und Jugendli-

sich in dem Kind entwickeln will und dass das Unterrichten

chen der betreffenden Klasse haben intensiv an dem Prozess

tatsächlich Unterrichtskunst ist (womit nicht gemeint ist, dass

teilgehabt, ihn zum Teil mit Herzblut unterstützt. Haben von

viel geflötet wird). Dass Waldorfpädagogik tatsächlich in die

Anfang an akzeptiert, dass die letztendliche Entscheidung

Lebensprozesse des Kindes heilsam hineinwirkt, die Entwick-

beim Kollegium liegt. Diese fiel nunmehr gegen das SSC aus.

lung des ganzen Menschen ermöglicht, unterstützt, fördert. Dieser Ansatz konterkariert. Denn er folgt der Erkenntnis,

Besonders herbe Kritik kam interessanterweise von Eltern jüngerer Kinder. Weil wir als Schule das bestehende System

dass individuelle Entwicklung eine soziale Notwendigkeit ist.

bitte ändern sollen. Weil es einen Waldorfabschluss geben

Dass jedes Kind sein ureigenstes Potential entfalten können

soll, der die gefürchtete Unfähigkeit unserer Absolventinnen

muss, soll unsere Welt ein besserer Ort werden. So etwas ver-

und Absolventen umgeht.

läuft nicht nach Schema. Individualität und Gesellschaft ste-

Dabei spricht die Erfahrung mittlerweile vieler Jahre eine


Matura-Erfolge in Wien-Mauer 2010 bis 2016

Matura-Jahrgang

Matura-Jahrgang

Matura-Jahrgang

Matura-Jahrgang

2012/2013

2013/2014

2014/2015

2015/2016

in 12. 2011/12

davon Matura

davon mit Auszeichnung

davon guter Erfolg

in 12. 2012/13

davon Matura

davon mit Auszeichnung

davon guter Erfolg

in 12. 2013/14

davon Matura

davon mit Auszeichnung

davon guter Erfolg

in 12. 2014/15

davon Matura

davon mit Auszeichnung

davon guter Erfolg

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Ehemalige _ 9

* Der Redaktion bei Drucklegung nicht bekannt

andere Sprache: So gut wie alle unserer Abgängerinnen und

ja nicht weltfremd). Denn ich bin passionierte Waldorfpäda-

Abgänger, die Matura machen wollen, schaffen das. Gut so-

gogin. Mit viel Vertrauen und mittlerweile auch schon eini-

gar. Sie sind geschätzt an anderen Schulen, weil sie Persön-

gem an Erfahrung. Auch ich wünsche mir einen anerkannten

lichkeit haben, gelernt haben, wie man lernt, weil sie selber

Waldorfabschluss, nämlich unser verbales Zeugnis. Das sagt

denken können. Ein erklecklicher Anteil davon maturiert in

nämlich bedeutend mehr über den Entwicklungsstand eines

kürzester Zeit (also in einem halben Jahr am Abendgymna-

jungen Menschen aus als Noten, als ein Punktesammelsys-

sium); viele erreichen eine Auszeichnung oder guten Erfolg.

tem à la SSC oder als eine punktuell erbrachte Leistung wie

Diejenigen, die in der Oberstufe mit ihrer Motivation und ih-

die Zentralmatura.

rem Einsatz zu kämpfen hatten, haben es mitunter danach

Und ich kenne kaum mehr einen weiterführenden Bil-

ebenso schwer (und andere starten dann einfach durch, weil

dungsweg, bei welchem nicht sowieso ein eigenes Zulas-

jetzt die Zeit dafür reif ist). Unsere Schule versteht sich als

sungskriterium zur Anwendung kommt – trotz Matura: Stu-

eine Gesamtschule bis in die 12. Klasse. Darauf sind wir stolz

diumseingangsphasen mit Durchfallsquoten von an die 70 %,

und legen darauf viel Wert – trotz der AHS-Zeugnisse, die wir

Aufnahmeverfahren, Eingangsprüfungen etc. Oder die men-

ausstellen dürfen und müssen. Insofern würden einige junge

schenfreundliche Einschätzung eines Verantwortlichen, der

Menschen, die bei uns aus gutem Grund bis in die 12. kom-

sich auf sein Gegenüber einstellt, seine Menschenkenntnis

men, in anderen Schulen längst „aussortiert“.

einsetzt und in einen Menschen Vertrauen setzt.

Fragen Sie mich ganz persönlich, so halte ich die Matura

Insofern lohnt es für uns alle, sich unser Leitbild immer wie-

für völlig überholt und unsinnig. Dennoch arbeite ich selbst-

der einmal ins Bewusstsein zu rufen und uns bei Bedarf neu

verständlich so mit meinen Klassen, dass sie bei dieser be-

danach auszurichten – denn wir bauen an nichts weniger als

stehen können, und sehr viel darüber hinaus (Waldorf heißt

an einer besseren Welt.

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10 _ Ehemalige

Eine Klasse startet bei der Matura durch: Fünf frischgebackene Ehemalige berichten, wie sie den Umstieg auf’s neue System erlebten – und die Prüfungs-Hürde nahmen.

Was wurde aus ... Pauline Prokschi?

Als das geschafft war, begann die Zeit des Notenschlusses, die ich als stressigste Zeit in Erinnerung habe. In einer

Text: Pauline Prokschi (gegenwärtig: Au-Pair in USA)

Woche hatten wir jeden Tag eine Schularbeit, oder Test, oder sogar zwei pro Tag. Lernen in der Früh, lernen in der

Nach der 12. Klasse und dem Abschied von der Waldorfschule

U-Bahn, lernen am Abend, lernen in der Nacht. Anders

ging es nach dem Sommer direkt in die Abendschule in der Brün-

ging es einfach nicht. Was mich wahnsinnig machte, war

ner Straße. Ein großer Teil unserer Klasse entschied sich für diese

das Auswendiglernen. Das war einfach nur unlustig und

Option, da es dort hieß, man könne uns mit einer eigenen Russi-

langfristig gesehen auch unnötig.

schklasse entgegenkommen. Meine persönliche Motivation, die Abendschule zu besuchen,

Die schriftliche Matura verlief noch vor Weihnachten für alle positiv. Für die mündliche Matura ist es, finde ich, sehr

war zum einen Russisch, zum anderen aber auch, weil sich meh-

wichtig, welche Lehrer und welchen Bezug man zu ih-

rere von uns dafür entschieden und ich den Gedanken schön

nen hat, sodass alles auf der persönlichen Ebene stimmt,

fand, als Klasse gemeinsam an einer anderen Schule zu matu-

weil dann liegt dem Lehrer auch etwas daran, den Schüler

rieren. Letztendlich fand ich mich unter jenen wieder, die es in

durchzubringen. Schlussendlich hatten es alle geschafft;

einem „Schnellmaturasemester“ probieren wollten und auch

fünf sogar mit ausgezeichnetem Erfolg.

schafften.

Ungläubig freuten wir uns darüber, dass es jetzt end-

Das System der Abendschule fuhr bei mir persönlich ein wie

gültig vorbei war mit der Schule. Ein halbes Jahr hatten

eine Bombe. Alles war anders; eigentlich ging alles online über

wir auf dieses große Ziel hingearbeitet und dann war es

die Bühne. Man hatte ein eigenes Forum für dies und eine eigene

geschafft. Zu Ende und nie wieder. Die Frage nach dem

Website für das und eine ganz andere Onlinegeschichte für das

Ziel machte schnell neuen Aktivitäten Platz. In meinem

Hochladen von Hausaufgaben und so weiter und so fort…

Fall begann ich zu arbeiten, machte den Führerschein, die

Man merkt dort vom allgemeinen Klima her, dass jeder nur ein Ziel hat, nämlich die Matura. Trotzdem hatten wir auch noch ein

Aufnahmeprüfung für die PH Wien und plante ab Sommer für ein Jahr Au-pair in Amerika zu machen.

anderes Ziel, und das schien fast noch viel weniger erreichbar: die

Wenn ich Tipps für die Matura geben darf, kann ich nur

Russischexternistenprüfung. Uns wurde nicht zu viel versprochen,

sagen: Durchbeißen, lernen und wieder lernen und daran

und es wurde eine Russischklasse eingerichtet mit einer sehr net-

denken, dass das Leben nach der Matura weitergeht und

ten Lehrerin, die uns lieb gewann und der wir nicht egal waren.

das dann doppelt so schön!

Ein Jahr des Umbruchs

essanter machen, als sechs Stunden lang irgendein Wissen in sich speichern zu müssen, und das jeden Tag, fünf

Text: Phillip Lang

Mal die Woche, ein ganzes Jahr lang. Ich erinnerte mich wieder, wieso ich dereinst in die Waldorfschule gewech-

Der Umstieg von der Waldorfschule in eine AHS war vom System her kein großes Problem. Es gab einen Stundenplan, dessen

selt hatte. Ich erkannte, dass es eine Welt gibt, in der mein leicht-

Stundenverteilung über die Woche und das ganze Jahr gleich

füßiger „Waldorf-Lebensstil“ nicht funktioniert. Leider,

blieb, es gab keine wechselnden Hauptunterrichte mehr, und die

denn mit diesem wäre die Schulzeit vielleicht weiter so

Lehrer schauten bloß noch auf Leistung, nicht auf die Person.

angenehm gewesen.

Prinzipiell also schaffbar; einzig die Benotung bereitete mir zum

Umso härter war der Aufprall in einem System, das

ersten Mal seit zwei Jahren wieder Sorgen.

mich zwang, neue Wege zu finden, um ans Ziel zu kom-

Außerdem fiel mir auf, dass eine philosophische Auseinander-

men, denn die alten Ansätze konnten die neuen Probleme

setzung mit Parzival oder Faust, ein Buch binden zu lernen, eine

nicht lösen.

Büste zu formen, Speckstein zu bearbeiten oder eine Stunde lang einfach mal nur zu singen den Schulalltag wesentlich inter-

Dieser Prozess ging zwar nicht ganz ohne anfänglicher Ignoranz gegenüber den Problemen vonstatten oder der


Ehemalige _ 11

12. Klasse, 2014/15

Danach

Es gibt tolle Lehrer an der Schule, und es war interessant, einmal ganz anders unterrichtet zu werden als früher. Den

Text: Nelly Platzer (gegenwärtig: Reise durch Südamerika)

Lehrern nicht bekannt zu sein, hatte seine Vor-und Nachteile. Es kam zu Fehleinschätzungen, was sehr frustrierend sein

Das Bundesrealgymnasium für Berufstätige (und Waldorfschüler, welche sich beim AMS arbeitssuchend gemeldet haben) ist groß, und das tat richtig gut. Ich schätzte es

konnte, aber auf der anderen Seite war es gut, eine gewisse Distanz zu ihnen zu haben. Da ich am besten mit etwas Zeitdruck lernen kann, waren

zwar sehr, dass man auf der Waldorfschule nach einer Zeit so

die Herbstferien meine intensivste Lernphase. Die Wochen

gut wie alle kennt, aber es hatte schon was, jeden Tag neue,

darauf galt es, alle Fächer abzuschließen, sprich über zwei

fremde Gesichter zu sehen.

Wochen täglich eine Prüfung zu schreiben. Das Gute an dieser Zeit war, so viel auf einmal zu wissen, ja sich sogar auf Russisch richtig unterhalten zu können. Ohne meine Mitstreiter hätte ich nicht halb so viel Motivation gehabt. Wir saßen oft stundenlang beisammen, um uns

Ablehnung des Umstands, mich ändern zu müssen,

den Stoff zu erarbeiten, und das half enorm! Zwischen Inte-

doch auch diesen Herausforderungen konnte ich mich

gral- und Wahrscheinlichkeitsrechnungen, der Inflation und

nach einiger Zeit erfolgreich stellen.

dem Bruttoinlandsprodukt, den Eigenschaften von Alkinen

Am Ende des Jahres bin ich froh, diese Entwicklung erlebt haben zu müssen.

und Alkanen wurde viel gelacht und geplaudert. Bei der mündlichen Matura herrschte eine sehr gute Stim-

Ich lernte neue Menschen kennen, konnte mich vom

mung, und danach erklärte uns der Direktor stolz, dass er

Unterschied der Waldorfschule zur AHS überzeugen

schon lange nicht mehr so einen erfolgreichen Maturatag

und habe einen bedeutenden Schritt für mein Leben

erlebt hatte.

gesetzt, schulisch und auch persönlich. Es war ein Jahr, das nicht nur eine Umstellung, sondern auch persönliches Wachstum und Reife mit sich brachte. Andererseits war es dann doch bloß ein Jahr, in dem es nur darum ging, endlich die Matura zu schaffen.

Es war ein anstrengendes, nervenzerreibendes halbes Jahr, aber es hat sich gelohnt, anzupacken, und im Nachhinein ist es unglaublich schnell vergangen. Alles in allem ist die Abendschule wärmstens zu empfehlen, ebenso wie die Methode, die Matura in einem halben Jahr durchzuziehen: kurz und schmerzlos.


12 _ Ehemalige

Also:

Matura in nur einem halben Jahr!

Text: Max Böhm

Von links nach rechts: Nelly Platzer, Paul Pfeifer, Anna Pospischil,

1) Wir sind auf die Idee mit der Abendschule gekommen,

Max Böhm, Pauline Prokschi,

weil bereits unsere „Vorgängerklasse“ dort größtenteils

Maximilian Schranz, Laura Deppe,

maturiert hat und es auch darum ging, die Zentralmatura

Lisa Lang, Karolin Hofbauer

auf dem letzten Wege zu umgehen. 2) Von unserer „Waldorfklasse“ sind alle bis auf drei Personen in das Abendgymnasium gegangen. Im Halbjahr war von diesen Leuten etwa die Hälfte fertig. 3) Es ging darum, möglichst schnell den „dummen Wisch“ zu kriegen und dann Tschüss, Baba! 4) Die Lernumstellung war machbar. Die Herausforderungen waren zu Beginn eher organisatorischer Natur: den Klassenraum finden, beim richtigen Lehrer zur richtigen Zeit mit den richtigen Kollegen (die wechseln nämlich in jedem Fach) sein etc. Intensive Schularbeiten-Zeit war Oktober/November

Von der Waldorfschule zum Abendgymnasium

(Schularbeiten in jedem Fach innerhalb von zwei Schulwo-

Text: Lisa M. Lang

chen. Also ein bis zwei Schularbeiten pro Tag). Diese soll-

(gegenwärtig: Studium der molekularen Biotechnologie

ten positiv abgeschlossen werden, um zur Matura antre-

an der FH Wien)

ten zu dürfen. Viel zu tun, aber alles machbar, besonders, wenn man in der Gruppe lernen kann und will!

Die ersten 12 Jahre bin ich in die Waldorfschule in Mau-

Später natürlich nochmals fokussiertes Lernen vor der

er gegangen. Dann musste ich die Schule wechseln, um

schriftlichen Matura im Dezember. Aber auch das ist ein

die Matura zu machen. Die Idee mit dem Abendgymna-

vertretbares Manöver gewesen (bequem war es nicht, das

sium war nicht neu; schon einige der vorigen 12. Klassen

meine ich bestimmt nicht, aber machbar!)

wählten diese Variante.

5) Mir persönlich gefiel es eigentlich ganz gut, beson-

Von der Waldorfschule zum Abendgymnasium – ein

ders als wir Ende Januar fertig waren, aber anstrengend

relativ großer Sprung und irgendwie doch nicht. Die Um-

war es allemal. Man muss halt in Kauf nehmen, dass man

stellung von Waldorfschule auf Abendgymnasium war für

ein halbes Jahr seine Freizeitbeschäftigungen und sonsti-

mich entgegen meiner Erwartungen nicht so schlimm,

gen Aktivitäten ab Ende September weitestgehend in den

denn das Umfeld, die Freunde blieben. Natürlich waren

Winterschlaf schicken kann (und sich gelegentlich fragt,

dort auch andere Schüler, doch ich lernte kaum welche

warum man sich den SCHWACHSINN da eigentlich geben

kennen. Das mag daran gelegen sein, dass wir als eigene

soll).

kleine Gemeinschaft dort waren. Bei mir lag es aber auch

6) Ziemlich genau der Hälfte von allen, die im September

daran, dass ich das Abendgymnasium nur als kurzen Zwi-

angefangen hatten, also neun SchülerInnen (siehe Foto),

schenstopp vor dem Ende der Schule betrachtete. Wäre

ist ein „Schnellsemester“ gelungen.

ich länger dort gewesen, hätte sich das vielleicht verän-

7) Jetzt ein Jahr FREI machen, arbeiten und reisen, dann

dert, aber in diesem halben Jahr war die Abendschule

weiter sehen, was es außer Schule noch so gibt auf der

nicht mehr als der Moment, bevor man ins kalte Wasser

Welt! (große Ziele gibt‘s genug, aber ich glaub‘, das führt

springt. Der Moment, in dem man sich davon überzeugt,

ein bisschen weiter weg vom Thema...)

dass es jetzt kein Zurück mehr gibt und es das Beste ist,

Liebe Grüße

wenn man sich zusammenreißt, bis zum Rand des Pools geht und zum Sprung ansetzt.


Ehemalige _ 13

Ich konnte diesen Sprung bereits im Januar dieses Jahres

men (auch einiges von dem am Abendgymnasium Gelernten),

wagen und kam auch erfolgreich wieder hoch. Insgesamt war

aber vor allem der menschliche Aspekt bei dem Gespräch war

die Matura natürlich anstrengend, aber mehr durch die damit

in meinen Augen vordergründig. Ich konnte wirklich merken,

einhergehende Nervosität und den selbstauferlegten Stress,

wie leicht es mir im Gegensatz zu manch anderen, doch recht

als durch die Schwierigkeit der Aufgaben. Bestanden oder

nervösen Personen, fiel, in diese Unterhaltung zu gehen (auch

etwa doch nicht?! Somit war die eigentlich härteste Zeit jene

in Jobinterviews danach). Ich war richtig erstaunt darüber, mit

vor Notenschluss. Die eine Woche, in der jeder Lehrer noch

welcher Selbstsicherheit ich mich präsentieren konnte.

einen Test wollte und die russische Externistenprüfung statt-

All die Möglichkeiten, die einem die Waldorfschule bie-

fand. Die eine Woche, für die man am besten schon das gan-

tet, um sich selbst zu entwickeln, sei es jetzt die Jahresar-

ze halbe Jahr hätte lernen sollen… hätte! Nun ja, irgendwie

beit, sämtliche Auftritte auf der Bühne oder auch der einfache

ging es doch, und dann war die Matura auch schon geschafft.

Umgang miteinander, kamen mir da plötzlich wichtig vor und

Zum einen ein sehr berauschender Moment, zum anderen

ich denke, dass ich das erst jetzt, wo ich das ganze hinter mir

auch nicht. Denn konnte ich die Matura zu irgendetwas ge-

habe und mehr denn je mit „Nicht-Waldorf-Systemen“ zu tun

brauchen? Nein. Man kann damit weder Autofahren noch kann

habe, besser erkennen kann.

man sie essen. Die erste Zeit nach der Matura war wirklich toll. Dann gab es aber auch die Tage, in denen ich merkte, dass die Schule ein ziemlicher Vollzeitjob gewesen war und ich plötzlich unheimlich viel Zeit hatte, die ich nicht immer sonderlich sinnvoll zu nutzen wusste. Da galt es dann für mich zu lernen, mich selbst zu organisieren, mir selbst Beschäftigungen zu suchen und nicht ganz faul zu werden. So habe ich dann den Führerschein gemacht und mich erfolgreich für den Bachelor-Studiengang der molekularen Biotechnologie an der Fachhochschule in Wien beworben. Die Bewerbung hierfür bestand zum einen aus einem Multiple-Choice Test und zum anderen aus einem Bewerbungsgespräch. Da habe ich gemerkt, welchen Einfluss die Waldorfschule auf mich gehabt hatte. Sowohl für den Wissenstest konnte ich einiges aus früheren Klassen hervorkra-


14 _ Ehemalige

Gut vorbereitet für »schwierige« Kunden

12 Jahre lang habe ich die Rudolf Steiner Schule besucht und im Jahr ben zählen neben Neuinstallationen in Gebäuden oder Stö2006 mit meiner Jahresarbeit abgeschlossen.

rungsbehebungen und dem Überprüfen elektrischer Anlagen

Da ich immer schon großes Interesse an praktisch-technischen Din-

auch die Installation spezieller EDV- oder „Smart Home“-Ver-

gen hatte, wollte ich nach der Schule als Beleuchtungstechniker ar-

kabelungen, Sprechanlagen und natürlich die Betreuung der

beiten. Mit diesem Berufsbild hatte ich mich schon im Rahmen mei-

Kunden.

ner Abschlussarbeit beschäftigt und außerdem erste Erfahrungen

Rückblickend kann ich sagen, dass mich meine Schulzeit an

damit innerhalb eines Praktikums beim ORF gesammelt.

der Rudolf Steiner Schule in sehr vielen Bereichen auf das Be-

Da der Beruf des Beleuchtungstechnikers viel Erfahrung und Kennt-

rufsleben gut vorbereitet hat: Schon damals konnte ich viel

nisse in verschiedensten Bereichen verlangt, entschloss ich mich zu- praktische Erfahrung sammeln. Die künstlerischen Fächer nächst, eine Lehre als Elektriker zu absolvieren. Bei der Firma Stubits haben mich kreativ gemacht, wodurch ich kniffligen Aufgaben mit fand ich einen Ausbildungsplatz und schloss die Lehre im Jahr 2009

guten Ideen begegnen kann. Auch der soziale Umgang mit meinen

erfolgreich ab. Später entschied ich, mich in meinem Fach weiterzu-

LehrerInnen und SchulkameradInnen hat mich geprägt und ist mir

bilden und begann im Jahr 2013 mit der Befähigungsprüfung für das

vor allem im Umgang mit „schwierigen“ Kunden oft eine gute Hilfe.

reglementierte Gewerbe Elektrotechnik. Die fachliche Prüfung habe

Gerne denke ich an die meist schönen Schuljahre zurück und pflege

ich 2013 und die Unternehmerprüfung 2015 bestanden. Dieser Aus-

bis heute regen Kontakt und Austausch mit meinen ehemaligen

bildungsstand entspricht einer Meisterprüfung.

LehrerInnen und SchulkollegInnen.

Bei der Firma Stubits arbeite ich heute als Elektriker, und die Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich und interessant. Zu meinen Aufga-

Sebastian Hager

„Meister Sebastian“ Sebastian Hager ist ein freundlicher und lustiger, junger Mann,

und bei unseren Kunden immer

der durch seine Genauigkeit und sein vorausschauendes Denken

gerne gesehen. Seit einigen Jah-

selten in die Verlegenheit kommt, etwas nicht so machen zu kön-

ren darf er sich auch stolz Meis-

nen, wie er es geplant hat.

ter nennen, denn auch dieses

Unser lieber Sebastian kam zu uns mit einer genauen Vorstellung,

Ziel hat er aus eigenem Antrieb

warum er den Beruf des Elektrikers erlernen wollte.

heraus erreicht.

Auch wenn anfangs vielleicht ein anderes Berufsziel hinter dem

Ich hoffe, unser Sebastian bleibt

Beginn seiner Ausbildung stand, so ist er nach Abschluss seiner

uns noch lange erhalten, denn

Lehre doch geblieben. Mit 18 Jahren, doch älter als die meisten

wir schätzen ihn sehr, und er ist

Lehranfänger, konnte er sich durch seinen Fleiß und seine Vor-

für uns wie ein Teil der Familie.

kenntnisse eine einjährige Lehrzeitverkürzung herausholen. Somit war Sebastian für uns sehr schnell ein wichtiges Teammitglied

Christina Stubits, Elektro Stubits

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Aus KFZ-Wirtschaft Heft 16-1

Ehemalige _ 15


16 _ Ehemalige

„ ... ein Geschenk für einen Chef,“ Zusammenfassung: Brigitte Födinger bezeichnet Andreas Stauder, Eigentümer und Geschäftsführer des Restaurants „Zum Weißen Rauchfangkehrer“ in der Wiener Innenstadt (Weihburggasse 4), seinen Kochlehrling Mathias Svoboda und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Mathias hatte im Sommer 2015 in der Rudolf SteinerSchule Wien-Mauer nach 12 Jahren Schulzeit abgeschlossen. Stauder spricht davon, wenn der Beruf zur Berufung wird. Er würde mittlerweile vier Absolventen der Rudolf SteinerSchulen beschäftigen (Anm. Mathias Svoboda, Moritz Debbe, Jonas Melchinger und Jonathan Meinharter). „Nicht alle sind

Von: Restaurant Zum weißen Rauchfangkehrer

einfach, Querdenker, selbstbewusst und sehr fordernd, aber

[mailto:info@weisser-rauchfangkehrer.at]

ein Geschenk für einen Chef.“ Und weiter: „Besonders zeich-

Gesendet: Mittwoch, 2. November 2016 13:11

net sie enorme soziale Kompetenz aus. Sie beruhigen ein

An: Brigitte Födinger

Team in schwierigen Zeiten und haben eine hohe Eigenmoti-

Betreff: Re: Mathias Svoboda, Absolvent R. Steiner Schule

vation; bilden sich selbst fort. Dabei sind sie noch humorvoll

...

ohne Ende. Wir haben viel Spaß.“

ein super lehrling einer der besten ever

Herr Stauder ist jederzeit bereit, Werbung zu machen für

bereits der 4. ihres hauses

die Rudolf Steiner-Schule (Anm. der Red. „besonders die in

und alle menschlich und fachlich top

Mauer“) und freute sich sehr, seiner Wertschätzung auf diese

lg

Weise Ausdruck verleihen zu können.

astauder

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Ehemalige _ 17

Schräger Schrage: ein Schulzeitungsgründer grüßte die Sonne Begegnung: Saskia Sautner-Schwaiger Über Götz Schrage zu schreiben ist in etwa so, wie wenn man Meerwasser in eine Flasche gießt: du schöpfst mit dem Löffel, während die Fluten an dir vorbeibrausen. Nach dem Treffen im Cafe Europa im 7. Bezirk, braust auch mein Kopf von dieser rasanten Zeitreise durch die Jahrzehnte, voll von verrückten Halbwelten, durch die mich der Mann gejagt hat. Wo anfangen? Wo aufhören? Was in aller Welt ist real, was ist Story? Und wie, um Himmels Willen, soll diese irre Lebensgeschichte voller Inszenierungen und unglaublicher Erlebnisse hier Waldorf-gerecht und jugendfrei in Druck gehen? Werden wir uns mit *f* und anderen Codierungen behelfen müssen? Kennengelernt habe ich Götz im Kurier-Haus im vergange-

hauen ist nach Wien. Sie spricht Arabisch. Sie ist allein mit

nen Jahr, nachdem er seine Hilfstätigkeiten im Flüchtlings-

dem Kind. Sie hat Gewalterfahrung und Angst, wir versuchen

Notquartier („Kurier-Haus“, Rotes Kreuz) und am Wiener

zu vermitteln.

Westbahnhof dicht und intensiv mit beeindruckenden Fotos

Götz mit dem großen Herzen – es scheint, als ob er schwie-

dokumentiert hat: seine Bilder und Alltags-Geschichten pos-

rige Fälle anzieht. Bei unserem zweiten Treffen telefoniert er

tet er regelmäßig in sozialen Netzwerken.

unaufhörlich mit verschiedenen Sozialstellen, um eine Irane-

Götz Schrage, der Fotograf, der Lebenskünstler, ist immer

rin, traumatisiert und neurotisch, aus einer organisierten Un-

mittendrin im Geschehen und bloggt nachts Einträge wie den

terkunft in eine Privatunterkunft zu bekommen. Komplizierte

Folgenden: „Das Kurierhaus erschließt mir neue Perspektiven.

Fälle, so scheint es, sind seine Spezialität. Gleichzeitig verfügt

Ich bin fast zwei Meter groß, bewege mich ungeschickt, mei-

er über ein riesiges Netz von Freunden und Bekannten, auf

ne Brille ist mir etwas zu weit und rutscht, außerdem fällt mir

deren Hilfe er zählen kann. „Du, kein Problem, da kenn ich je-

ständig irgendetwas auf den Boden. Die Kinder lachen, wenn

manden, noch aus meiner Zeit in der Werbung, der hat hinten

sie mich nur sehen. Manche scheppern richtig und halten sich

ein Studio frei, da kann eine ganze Familie wohnen.“

die Hände vor den Mund. Die armen Eltern fürchten wohl, ich

Das alles ist Götz Schrage: Götz, der Flüchtlingsmanager

würde mich kränken und ziehen ihre prustenden Kinder weg.

(vor allem seit Herbst 2015). Götz, der Fotograf (seit den frü-

Ganz im Gegenteil. Irgendwann wird es ein friedliches Syrien

hen 1980ern). Götz, der Journalist (Arbeiterzeitung, Wiener,

und einen friedlichen Irak geben, dann starte ich dort durch

diverse Online-Medien, Musikkritiker, Poker-Kolumnist, All-

im Kinderprogramm und werde reich und Fernsehstar.“ So

tagschronist mit Fachbereich Rotlichtmilieu), Götz, der er-

steht er vor mir, als wir einander das erste Mal sehen. Groß

folgreiche und gut verdienende Poker-König („das war frü-

und ungelenk mit einem freundlichen Grinsen, ein bisschen

her als ich noch gut war“), Götz der Casino-Manager, Götz,

schrullig, aber sehr gut organisiert und preußisch pünktlich.

der Berufsspieler, Götz, der Romanautor („Der Schwärmer“,

Alle im Kurierhaus kennen ihn: er kommt und organisiert pri-

2004). Götz, der Musiker. Das ist, zugegeben, schon sehr lan-

vate Wohnplätze, gibt Ratschläge, interveniert, wenn es Streit

ge her: er war Keyboarder der Formation „Blümchenblau“, die

gibt, umarmt und tröstet und hilft wo er kann.

1981 mit dem Hit „Flieger, grüß mir die Sonne“ in einer sehr

Es ist diese charmante Bescheidenheit, die Selbstironie und

punkigen Version des alten Hans Albers-Hadern die Neue

das unermesslich große Herz, die Götz auszeichnen. Götz ist

Deutsche Welle auch in Österreich ankommen ließ, woran ich

Bezirksrat der SPÖ und Mitarbeiter der Volkshilfe Neubau,

mich seltsamerweise sehr genau erinnere, obwohl ich erst

ehrenamtlich, selbstverständlich. Der Grund für unser erstes

Fünftklässlerin war. Götz, der Sohn des in den 1960er Jahren

Treffen ist ein „Sorgenkind“ von Götz - eine junge Mutter, ei-

zugewanderten deutschen Künstlers, Kunsttheoretikers und

gentlich vom Jugendamt im EU-Ausland betreut, die abge-

Grünen-Politikers Dieter Schrage, des Arena-Besetzers,


18 _ Ehemalige

Ausstellungskurators, Sargfabrik-Mitbegründers, der vor fünf

„Ich“, das uns vom Tier unterscheidet. „Ich habe schon da-

Jahren verstorben ist und die Kunstszene dieser Stadt maß-

mals die pathetische Schreibe gehabt“, resümiert er heute.

geblich geprägt hat.

Ein anderer Bericht beschäftigt sich kritisch mit der Schulkü-

Dass Götz Schrage auch Schüler an unserer Schule war, er-

che, auch hier zeigt sich schon der revolutionäre Kämpfer für

fuhr ich erst vor wenigen Wochen. Götz, der Waldorfschüler?

soziale Anliegen: Er fordert darin die „Spätesser-Rechte“ ein.

Götz, die schräge Untergrund-Figur und meine alte Waldorf-

„Wenn man erst um 13:45 aus hat, hat man dann kein Recht

schule Wien-Mauer, wie passt das zusammen?

mehr auf ein warmes Mittagessen?“

Götz ist Jahrgang 1960, sein Aufwachsen in Wien hat seine

Sogar seine Musikkarriere legt er in der Waldorfschule an:

ersten Jahre geprägt durch den üblen Mief der Nachkriegs-

am Faschingsdienstag tritt er mit seinen Freunden als „Tschick

zeit: er, der Piefke, der Nicht-Getaufte, wird vom Volks-

Magger und die Stolling Rones“ auf und rockt die Bühne des

schuldirektor als „Judenbub“ abgekanzelt, muss schon am

Kleines Festsaals. Sein Outfit: Schwarzer Anzug, weiß ge-

2. Schultag draußen stehen, während der Schulgottesdienst

schminkt, die Haare mit Zuckerlösung auffrisiert, sodass der

abgehalten wird. Er fügt sich in die Rolle des Außenseiters

Zucker wie Schnee im Schweinwerferlicht um ihn staubt. Das

und lernt früh, sich durch die richtigen Allianzen auf der Stra-

Repertoire der jungen Band war allerdings noch ausbaufähig:

ße zurechtzufinden, seine Freunde sind ein Serbe und ein Ro-

Sie spielten 30 Minuten „Shake, Baby, Shake“, um anschlie-

ma-Bub und er versteht: „Halte dich immer am Jugo fest.“ Im

ßend, nach wildem Applaus der hungrigen Fans, nochmal 20

Internat am Wilhelminenberg, das er nach der Scheidung der

Minuten „Shake, Baby, Shake“ als Zugabe anzuhängen.

Eltern kurzzeitig besucht, stehen Strafen wie Schlafentzug und Schläge auf der Tagesordnung. Ein schierer Alptraum. Als er mit zehn oder elf in die Wiener Rudolf Steiner-Schule

Für Götz war die Zeit an der Schule eine „wunderbare Zeit“, in der er aus dem Vollen schöpfen konnte. Er erzählt von einem alten Deutschlehrer, der in Kriegsgefangenschaft im

kommt, die gerade erst ins Maurer Schlössel übersiedelt ist,

ersten Weltkrieg gewesen war und die kalten Winternächte

betritt er eine neue Welt: „Der respektvolle, höfliche Umgang

mit Rezitieren von Möricke und Rilke überdauert hatte. Diese

mit den Kindern, ich habe gar nicht gewusst, dass es so etwas

beeindruckende Geschichte öffnete auch für Götz den unmit-

überhaupt gibt“, erzählt er.

telbaren Zugang zur Deutschen Lyrik. Vom Roten Kreuz, so

Götz wird ein guter, ein aktiver, ein engagierter Schüler, gründet mit anderen Kollegen aus der Oberstufe die „Resonanz“ (ca. 1974), eine kritische Schülerzeitung, die die Burschen sogar selbst auf einem „Terpentindrucker“ Seite für Seite 300 Mal ausdrucken. Sogar ein Foto war am Cover drauf, erzählt er nicht ohne Stolz. Die Zusammenarbeit mit der Lehrerschaft empfindet er als sehr produktiv und fördernd: „Es gab schon jemand aus dem Kollegium, der mit uns den Inhalt besprochen und die Artikel gelesen hat, aber im Grunde war

erzählte dieser besagte Lehrer weiter, hatten sie in der Gefangenschaft riesige Wollballen geliefert bekommen, keine fertige Kleidung. Sie stellten in ihrer Not aus Ästen Stricknadeln her und begannen, in einer behelfsmäßigen Manufaktur für die Kameraden Hauben, Pullover und Socken zu produzieren. Der junge Götz verstand sofort die Essenz des Strickens und wurde selbst Meister in der Waldorf-Wolltechnik. Zurückgekehrt an die Schule ist Götz als junger Vater in den 1990er Jahren, seine Kinder sind mittlerweile erwachsen.

es unsere eigene Zeitung, die

Doch er fand nicht so leicht Anschluss an die Elterngemein-

wir bei uns im Klassenzimmer

schaft, an die „neue, politisch korrekte Vätergeneration“, der

produziert haben.“ Götz scrib-

er sich so überhaupt nicht zugehörig fühlte. Was durchaus

belt auf meinem Block einen

auch an ihm selbst gelegen haben könnte: an seinem so ganz

genauen Plan, wo seine Klasse

anderen Leben, an seinem Auftreten, ja, vielleicht auch an

sich damals befand. Links die

seiner Goldkette und dem schwarzen Hugo Boss-Anzug, re-

Stiegen hinauf, dann rechts im

sümiert er jetzt mit einem Anflug von Ironie. Aber: „Ich würde

ersten Stock.

mich richtig freuen, ja ich hoffe es, dass meine Enkel einmal in

Sein erster Artikel war „Ferien vom ich.“ Darin kritisiert er

diese tolle Schule gehen.“ Wir werden es sehen. In drei Jahren wärs soweit.

die Campari-Werbung, die damals überall zu sehen ist und

Abbildung: Erste Ausgabe der Schülerzeitung „Resonanz“, die

philosophiert über das

Götz Schrage mit herausgegeben hat (1974)


Rückblicke

Termine

_ 19

Fr 25.11.2016 17 h Eröffnung Adventbasar Sa 26.11.2016 10-18 h Adventbasar Mi 21.12.2016 19/20 h Weihnachtsspiele 24.12.2016-6.1.2017

Weihnachtsferien

21.01.2017

Tag der offenen Tür

24.01.2017

20 h

Info-Abend 1.Klasse (Sj 2017/18)

29.01.2017

11 h Lehrer-Konzert

04.-12.02.2017

Semester-Ferien

26.02.2017 15 h Faschings-Konzert 28.02.2017

Ball der 8. Klasse

04.03.2017

Schulfeier

13.03.-17.03.2017

Kellertheater

30.03.-02.04.2017

8. Klass-Spiel

08.04.-23.04.2017 Osterferien 06.05.2017

Frühlingsfest

Die nächste Ausgabe von MoMent erscheint voraussichtlich am 31. März 2017, Redaktionsschluss ist der 10. März 2017 Ihre Ideen, Wünsche und vor allem Beiträge senden Sie bitte an die Redaktion: moment@waldorf-mauer.at Kleinanzeigen auf Seite 48

Ordination

Dr. Harald Siber Facharzt für Innere Medizin Arzt für Allgemeinmedizin ÖÄK-Diplome für Homöopathie und Anthroposophische Medizin

O R DI NATI O N S - ÜBE R S I E DL UN G Meine neue Wahlarzt-Ordination befindet sich in der Holochergasse 17/7 im 15. Bezirk, nur 1-2 Min. von der U3-Station Johnstraße bzw. Schweglerstraße entfernt.

Anmeldung: 01/888 61 94 ordination@doktor-siber.at | www.doktor-siber.at


20 _ Buchempfehlung

Gerald Hüther / Christoph Quarch: „Rettet das Spiel! Weil Leben mehr als Funktionieren ist“ (Hanser Verlag 2016)

„Wenn wir zu spielen aufhören, hören wir auf, das Leben in all seinen Möglichkeiten zu erkunden. Und damit verspielen wir die Potenziale, die in uns stecken. Wer dem Leben nicht spielerisch begegnet, den erstickt es mit seinem Ernst. Das Leben ist kein Spiel, aber wenn wir nicht mehr spielen können, dann können wir auch nicht mehr leben.“ Der Neurologe Gerald Hüther und der Philosoph Christoph Quarch haben sich für ihr nunmehr vorliegendes Buch mit dem Thema Spielen intensiv auseinandergesetzt und es aus geschichtlicher, philosophischer, neurobiologischer und nicht zuletzt sprachlicher Sicht betrachtet.

Wir übernehmen gerne sämtliche Reparaturen, Neuanfertigungen und Umarbeitungen von Gold-, Silber-, Perl- oder Steinschmuck.

Vor allem in der Arbeitswelt geht es heute um Durchsetzungsvermögen, Zielstrebigkeit, ergebnisorientiertes Arbeiten und Vielseitigkeit. Zu kurz kommt bereits in der

Ebenso entwerfen wir ihr Collier ganz nach Ihren Vorstellungen; Alle unsere Schmuck-/Edelsteinketten sind ausnahmslos Einzelstücke.

dahingehend orientierten Erziehung die Arbeit im Team. Dies ist einer der Hauptgründe, warum es gerade heute so wichtig ist zu spielen.

In unserem eigenen Goldschmiedeatelier reparieren wir nicht nur Ihre Kostbarkeiten sondern fertigen auch gerne Schmuckstücke nach Ihren persönlichen Wünschen. Der überwiegende Teil unseres Solitaireprogramms, wird entweder von uns oder in einer kleinen Manufaktur, größtenteils händisch, individuell nach Ihren Vorgaben hergestellt. Hierfür verwenden wir auschließlich konflikfreie Diamanten, sowie Recyclinggold. Ob Sie einen raschen Batteriewechsel oder umfangreichere Servicearbeiten an Ihrer Uhr wünschen, unser Uhrmachermeister ist gerne persönlich für Sie da.

Spielen bedeutet, sich Dinge auszudenken und so zu tun, als ob es keine Grenzen gäbe. Selten spielt einer allein. Jeder, der spielt, stellt sehr bald fest, dass man Spielregeln benötigt, um spielen zu können. Diejenigen, die sich nicht daran halten, werden nicht umsonst Spielverderber genannt. Natürlich könnte man sagen, dass Spielen ein Kapitel der Kindheit darstellt, welches im Erwachsenenalter nicht mehr benötigt wird. Aber allein im Sprachgebrauch wird man bald feststellen, dass „spielen“ sich durch unser ganzes Leben zieht: Wir spielen in Gedanken mögliche Szenarien durch, wenn wir nach einer optimalen Lösung suchen. Das Ausloten der Reaktion von Spiel- bzw. Geschäftspartnern hat man hoffentlich als Kind gelernt und kann es im Erwachsenenalter weiterverwenden. Nicht zuletzt ist Spielen dem Erlernen von Empathie zuträglich: Sie gelingt demjenigen besser, der im Spiel schon einmal in eine Rolle

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geschlüpft ist, sich also in eine andere Person hineinversetzt hat. In diesem Sinne: Rettet das Spiel! Julia Voska Buchhandlung in Mauer

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Bücherschatz-Versteigerung _ 21

Bücherschatz von Burgmime Gert Voss für Kinder und Jugendliche Foto: Peter Rigaud

Der Privatbibliothek-Nachlass des Kammerschauspielers wird einer der vielen Grundsteine für den Neubau unserer Rudolf-Steiner-Schule Wien-Mauer. Insgesamt 300 Werke wurden am 17. November ab 18 Uhr im Kasino am Schwarzenbergplatz zur Versteigerung angeboten. Bücher waren Teil des Lebens von Burgtheater-Ensemblemitglied und Kammerschauspieler Gert Voss. 300 Werke aus seiner privaten Bibliothek bilden nun einen Teil des Grundsteins für den künftigen Bildungsweg von unseren Kindern und Jugendlichen. Dank einer umfangreichen Schenkung durch Gert Voss Tochter Grischka Voss und in Kooperation mit dem Burgtheater Wien ging am 17. November ab 18 Uhr im Kasino am Schwarzenbergplatz eine Versteigerung des Bücherschatzes von Gert Voss zugunsten des Neubaus der Rudolf-Steiner-Schule in Wien-Mau-

Vom Kunstband bis zum Reclam mit

er über die Bühne. Als Auktionator fungierte in ebenso

handschriftlichen Notizen

routinierter wie launiger Manier Christof Stein, Mitei-

Gert Voss Tochter Grischka Voss erklärte sich auf Anfrage spon-

gentümer der Kunsthandelsgesellschaft „lichterloh“ und

tan bereit, die Bücher zur Verfügung zu stellen. Und das aus

Mitinitiator der Aktion „Sterntaler“ für die Rudolf-Steiner-

gleich mehreren Gründen: „Ich sehe diese Initiative als State-

Schule. Spendenfreudiges Publikum war in reichlicher Zahl

ment für den Gemeinschaftsgedanken und gegen die Ego-Kultur.

bei freiem Eintritt dabei.

Selbst einst Waldorf-Schülerin ist es mir wichtig, dass jungen Menschen andere Werte vermittelt werden und sie mit einem

Beispielhafte Privat-Initiative

entsprechenden Bewusstsein durch die Welt gehen. Nicht zu-

Für den dringend notwendigen Um- und Zubau der seit

letzt finde ich es schön, die Bücher meines Vaters gut und sinn-

50 Jahren bestehenden und somit ältesten Waldorfschu-

voll unter Menschen zu bringen und sie dort in liebevoller Umge-

le Österreichs gibt es keinerlei staatliche Subventionen.

bung weiterleben zu lassen.“ Grischka Voss hatte 300 Bücher für

In einer beispielhaften Initiative bauen Schülerinnen und

die Auktion ausgesucht. Darunter fanden sich prächtige Kunst-

Schüler, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer seit 2014

bildbände ebenso wie Weltliteratur, Handsigniertes oder frühe

privat auf Kunst. So sind mit den Kunstschaffenden TO-

Reclam-Büchlein, die Gert Voss mit zahlreichen Notizen für sein

MAK, Lies Maculan, Marija Mandic und zuletzt Michael

Rollenstudium verwendete.

Wegerer Bilder, Skulpturen und Siebdrucke entstanden, die in der Schulgalerie ausgestellt sind und deren Ver-

Reinerlös

kaufserlös der neuen Schule zugutekommt. Zusätzlich

Der gesamte Erlös (Eur 15.360,-) aus der Auktion kommt nun

spendeten Julian Kohl und Karl Korab Gemälde. „Ein be-

dem Bildungsprojekt Neubau Rudolf-Steiner-Schule Wien-Mauer

sonderer Höhepunkt: unsere „Sterntaler“-Aktion rückt

zugute. Das neue Haus in der Endresstraße 113 soll auch künftig

jetzt durch die Versteigerung der 300 Bücher aus dem

rund 200 Kindern und Jugendlichen einen freien, autonomen Bil-

Nachlass von Gert Voss ins öffentliche Rampenlicht“, freut

dungsweg ermöglichen.

sich Engelbert Sperl, Obmann des Rudolf-Steiner-Schulvereines Wien-Mauer.


22 _ Kindergarten

Vom STAUNEN über das AHNEN zum WISSEN Sankt Nikolaus im Kindergarten

Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Wissenschaft und Kunst steht.

Z

u Beginn der Adventzeit steht nach dem Adventgärtlein

Albert Einstein

das geheimnisvolle Bild des Sankt Nikolaus im Raum. Um

seine Gestalt ranken sich viele Legenden, gehört er doch zu den am meisten verehrten Heiligen. Er gilt als Helfer in Zeiten

und Lebkuchen. Erst viel später wird daran die Bedeutung von

des Hungers und als Schutzheiliger der Kinder, Seeleute und

Gedankenarbeit, Erkenntniskraft und die Verfeinerung des Er-

Reisenden, mehrerer Berufsgruppen und einiger slawischer

denbrotes gesehen werden. Dass solche Gaben oft in den ge-

Völker. Historisch ist bekannt, dass er zu Beginn des 4. Jahr-

putzten und bereitgestellten Schuhen und Stiefeln der Kinder

hundert in der Stadt Myra in Lykien als Bischof gewirkt und

zu finden sind, weist auf den zu gehenden Erdenweg hin und

als Sohn reicher Eltern sein Vermögen an die Armen verteilt

auf die hier notwendige leibliche und geistige Nahrung.

hat.

Vertrauen und Sicherheit

Wegweiser für das Weihnachtsfest

All dies wird von den Kindern ohne Erklärungen ehrfürchtig

Alljährlich an seinem Gedenktag am 6. Dezember begibt sich

staunend erlebt, und erst im letzten Kindergartenjahr begin-

Sankt Nikolaus auf die Erde nieder, und nur ganz besondere

nen manche zu ahnen, dass es hier – wie auch beim Christ-

Menschen dürfen seine Diener werden und ihm auch ihre Ge-

kind – um geheimnisvolle Zusammenhänge geht, die es zu

stalt und Stimme leihen.

hüten gilt.

Sein Erscheinen im Advent weist ihn als Wegbereiter des

Von großer Bedeutung ist für die Kinder dabei, die Sicher-

Weihnachtsfestes aus. Er erzählt den Kindern von seinem

heit der Erwachsenen zu spüren, sodass die frühe Kindheit

weiten Weg durch die Sternenwelt, vom Kommen des Christ-

jene Zeit ist, in welcher vertrauensvoll in diesen Wahrbildern

kinds und von seiner Begegnung mit der Mutter Maria, die die

gelebt werden kann. In der Schule erfahren diese Bilder eine

Liebe der Menschenherzen braucht, um das Hemd, das sie

seelische Vertiefung, bevor dieselben erst dem Jugendlichen

aus Sternenfäden für das Christkind webt, zusammenzuhal-

und dem Erwachsenen gedanklich auf ihren Gehalt hin be-

ten. Es kann nur Weihnachten werden, wenn die Liebe in den

wusst werden.

Menschen auf Erden wirksam ist.

Ehrfurcht empfinden

Der Himmel sieht alles

Es versteht sich von selbst, dass das kleine Kind nur einen,

Nikolaus kommt als Himmelsbote, der Einblick in Kosmos und

nämlich „den“ Nikolaus erleben soll und man mehrfachen,

Erde hat. In seinem goldenen Buch sind alle Taten, Worte und

verschiedenen Begegnungen möglichst ausweicht.

Gedanken der Menschen eingeschrieben. Daraus liest er auch

Im Kindergarten sind die Kinder auch überzeugt, den Nikolaus

von den Ereignissen im Leben der Kinder in aller Feinheit vor.

gesehen zu haben, wenn ER nur einmal klopft und den Sack

Er wendet sich an das Gute im Menschen, ist dabei aber nie

abstellt. Das Kommen des Nikolaus ist – vor allem natürlich,

eine Moralgestalt, die etwas beurteilt. Für die Kinder entsteht

wenn er wirklich erscheint – auch für die Erwachsenen mit

vielmehr das Bild, dass der Himmel auf sie niederschaut und

dem Erlebnis tiefer Ehrfurcht verbunden.

sich mit ihnen verbindet, und sie erleben daran, dass alles gesehen wird.

Was jedes Kind braucht Im Kindergarten bringt der Nikolaus jedem Kind SEIN Säckchen – das es selbst bestickt hat und das die Eltern fertiggenäht haben – gefüllt mit einer goldenen Nuss, einem Apfel


Kindergarten _ 23

KLEINE GESCHICHTE DER PUPPE

Z

u allen Zeiten wurden Puppen selbst gemacht – oft mit einfachsten Mitteln „nur“ als „Fetzenpuppe“ – aber

stets als Ebenbild des Menschen. Lange dienten sie kultischen Zwecken; als Spielzeug erlangten sie erst zu Beginn der Neuzeit Verbreitung und werden seither auch als solches hergestellt. Nach Naturmaterialien wie Holz, Ton, Knochen, Elfenbein und Wachs kamen später Porzellan sowie Weich- und Hartgummi zur Verwendung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertigte Käthe Kruse auch Puppen mit säckchenförmigen, mit Sand gefüllten Körpern an, die in alle Welt verkauft wurden. 1919 wurde die erste Waldorfschule in Stuttgart gegründet. Im dortigen Handarbeitsunterrricht entstanden Puppen neuer Machart: der Körper aus Stoff, mit Wolle gefüllt, das Gesicht mit lediglich angedeuteten Augen, (Nase) und Mund. Heute sind diese Puppen als „Waldorfpuppen“ bekannt. Ihre zurückhaltende Ausführung gibt der Phantasie Raum, und ihre Schmiegsamkeit unterstützt die Entwicklung der kindlichen Gefühlswelt: Die Kinder können sich selbst in IHRE Puppe hineinspielen.

PUPPENVERKAUF im Kindergarten in der Marktgemeindegasse

Donnerstag, 15. Dezember 2016 Freitag, 16. Dezember 2016 jeweils von 9.00 bis 15.00 Uhr


24 _ Interview

Ein kurzes Interview (Karin Schadl) mit unserem neuen Erstklasslehrer

Jörg Wohlmacher Karin Schadl (KS): Sie haben bereits eine Klasse acht Jahre

die sich später in der Welt zurechtfinden müssen und auch für den

lang als Klassenlehrer begleitet (die jetzige 11. Klasse; Anm.).

Umgang mit ihr Verantwortung tragen sollen.

Im Herbst haben Sie nach Ihrer Bildungskarenz die neue erste Klasse übernommen. Inwieweit unterscheiden sich die ersten Schulwochen im jetzigen Durchgang von den ersten Schulwochen vor zehn Jahren? Jörg Wohlmacher (JW): Im zweiten Durchgang weiß man eher, was auf einen zukommt (Elternabende, Feste…). Jedoch sind es ganz andere Menschen (Kinder und Eltern bzw. Verwandte), mit denen man als Lehrer zu tun hat. Darauf stellt man sich jedes Mal neu ein. KS: Wie erleben Sie Ihre jetzige Klasse im Vergleich zur vorherigen? JW: Die Klasse erlebe ich wieder als interessiert und lebhaft. Obwohl der Anteil der Buben vergleichbar ist, sind die Jungs nicht ganz so dominant.

KS: Was erwarten Sie sich von den Eltern Ihrer SchülerInnen? Wie sieht aus Ihrer Sicht die ideale Zusammenarbeit mit Eltern aus? JW: Ich erwarte mir, dass die Eltern offen für die Ideen der Waldorfpädagogik sind. Auch würde ich mir wünschen, dass man respektvoll miteinander umgeht und eventuelle Probleme direkt miteinander besprochen werden. Selbstverständlich bin ich dankbar, wenn die Eltern sich bei Aufgaben engagieren, die der Lehrer nicht allein bewältigen kann. Ein Informationsaustausch über die aktuelle Situation der SchülerInnen ist bei der Arbeit hilfreich. KS: Wie haben Sie Ihre eigene Schulzeit erlebt? JW: Leider nicht sehr positiv. Die Klassengemeinschaft war zersplittert in verschiedene Grüppchen; man half einander wenig. Die LehrerInnen fühlten sich nur für die Wissensvermittlung

KS: Was möchten Sie den Kindern mit auf ihren Weg geben?

zuständig, nicht für den sozialen Umgang in der Klassenge-

JW: Ich möchte, dass die Kinder im Laufe der Jahre es schaf-

meinschaft. Man lernte nur im Hinblick auf Schularbeiten, und

fen, immer selbständiger zu lernen und Bildung als etwas Sinn-

nachher war alles schnell wieder vergessen.

volles, Nützliches und Schönes begreifen. Sie sind die Menschen,

KS: Was hat Sie dazu bewogen, Waldorflehrer zu werden? JW: Ich möchte wenigstens ein paar Kindern eine freudigere und sinnvollere Schulzeit als die meinige ermöglichen. Es wäre schön, wenn sie lernen, sich gegenseitig mit Respekt zu begegnen und es schaffen, eine gute Klassengemeinschaft zu bilden. Außerdem bietet die Waldorfpädagogik so viele gute Ansätze, wie ich sie bei keiner anderen Alternativpädagogik kennengelernt habe. KS: Und wie war Ihr Weg bis zu dem Zeitpunkt vor 10 Jahren, als Sie Waldorflehrer bei uns an der Schule wurden? JW: Nach dem Zivildienst hatte ich Technische Betriebswirtschaftslehre studiert. Mit dem Marketing-Wissen stieg ich in eine Werbeagentur ein und war dort sechseinhalb Jahre tätig. Anschließend suchte ich nach einer neuen Aufgabe und fand sie schließlich als Waldorflehrer. KS: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Sie und Ihre Klasse! Ich freue mich sehr, dass Sie wieder bei uns an der Schule sind!


Rückblick auf Michaeli _ 25

... Dunkles besiege durch meine Liebe ...

Das Michaelifest der 1. Klasse

E

in strahlender Tag, die Aufregung groß: Werden wir einen Drachen

seinem weit geöffneten Drachenmaul.

im Wald antreffen?

Der mutige Herr Wohlmacher zückt als erster sein

Stimmt es, was die größeren Kinder sagen? Spielt den Drachen tatsäch-

Schwert, und alle gemeinsam singen das wunderschöne

lich die 4. Klasse, oder gibt es um die Michaelizeit nicht doch vielleicht

Michaelslied. „Himmlisch im Streite, Michael, bleib Du

einen „echten“ Drachen im Wald?

zur Seite meiner Seel‘...“

Von ihren Waldtagen bereits daran gewöhnt, wandert die 1. Klasse die

Natürlich darf dann auch mit Rittergebrüll auf den Dra-

ganze Maurer Lange Gasse hinauf. Herr Wohlmacher steigt in keinen

chen losgelaufen werden. Dennoch berührt ihn das

Bus – er sei so sportlich, meinen seine SchülerInnen.

Schwert nur sanft. Das ist wichtig und wurde vorher gut

Mit dabei haben sie alle ihr selbst-

geübt.

gebasteltes, zum Teil wunder-

Schnell, fast zu schnell ergibt sich der große Grüne und

schön verziertes Schwert.

sinkt zu Boden… Die lachenden Viertklass-Gesichter

Oben angekommen, trifft die

unter dem Kostüm sind dann doch eine schöne Überra-

Klasse auf Herrn Genswein. Die

schung für die MichaelsstreiterInnen.

4. Klasse, so meint er, sei in der

„...dass ich auf Erden tüchtig kann werden...“ singend,

Schule geblieben und säße im

zieht die 1. Klasse danach weiter in den Wald.

Klassenzimmer. Nur er sei hier,

Übrigens: In der darauffolgenden Woche – es war ein

um die DrachenstreiterInnen zu

sehr kühler Regentag – ist die 1. Klasse mit der Entde-

unterstützen.

ckung eines Feuersalamanders belohnt worden.

Schon kurz danach taucht er auf,

Zwar kein echter Drache, aber doch ein sehr seltenes

der große, lange, grüne Drache mit

Tier im Maurer Wald! Sabine Trierenberg


26 _ Rückblicke

Auch Apfelpressen will gelernt sein

I

m 3. Schuljahr, in welchem die Kinder in der Schule nicht

pädagoge und Leiter der Gärtnerei des AusbildungsZentrums)

nur über das Handwerk lernen, sondern viele Arbeiten auch

dann vorsichtig fester und fester drehte, bis der herrliche,

selbst ausprobieren, stehen diverse Arbeitsvormittage am

süße Saft unten durch das Röhrchen rann… Natürlich durfte

Programm: Nach dem herbstlichen Pressen von Äpfeln und

jedes Kind auch selbst von dieser Köstlichkeit probieren.

Trauben wird im darauffolgenden Frühjahr Getreide gesät.

In diesem Sinne herzlichen Dank an Nikolaus Kramer, der mit

Danach folgt die Hausbauepoche. Immer geht es dabei darum,

viel Geduld alles anschaulich erklärte und zum Abschied je-

die Arbeitsabläufe eines Jahres auch praktisch zu „begreifen“.

dem einzelnen Kind auch noch eine Flasche von diesem herrlichen Apfelsaft überreichte.

Es war ein schöner Herbsttag im September, als die dritte Klasse mit ihrer Klassenlehrerin, Frau Bolleter, also zu ihrem ersten Ausflug ausrückte: Apfelpressen! Im Klostergarten der Barmherzigen Schwestern, wo ein biologisch-dynamischer Gemüse- und Obstbaubetrieb ansonsten Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen ausbildet (AusbildungsZentrum Dorothea, Laab im Walde), liefen an diesem Morgen Mädchen und Buben zwischen den Apfelbäumen hin und her, um gutes und nicht mehr gutes Fallobst (natürlich getrennt!) einzusammeln und anschließend das gute Obst mit Scheibtruhen zur großen Handpresse zu transportieren. Erwachsene vergessen ja oft, wie viele Tätigkeiten sich daneben gleichzeitig ausgehen: Räuber und Gendarm spielen, Wespen beobachten, Rucksäcke verstecken, Klo suchen, Wurstbrote essen, Äpfel kosten… Letztlich fanden sich aber doch alle ein, um beim Waschen der Äpfel und beim Quetschen der Apfelmaische dabei zu sein. Und das war wirklich beeindruckend: Die zerkleinerten Äpfel kamen als brauner Matsch (=Maische) in die riesige Holzpresse, die Herr Kramer (Sozial-

Der Saft war unübertroffen – der Vormittag auch! Saskia Sautner


_ 27

Wir bauen eine Favela!

S

o lautete das Thema für die Hausbauepoche

Erster lehrreicher Ausflug der jungfräulichen Bauleiterin zum Horn-

der 3. Klasse. Es klang großartig, unkompliziert

bach. Aufklärung über die Notwendigkeit von „Stützschuhen“ (zum

und einfach, entpuppte sich aber bald als ziemliche

Einbetonieren und Fixieren von Pfosten) – bis dato hatte ich nur Stütz-

Herausforderung...

strümpfe gekannt.

Zuallererst mussten ein Plan gezeichnet, Sponsoren

Bei einem feierlichen Ritual legten die Kinder voll Freude den Grund-

für die Baumaterialien gesucht, die Baufläche geebnet

stein für ihre Kindersiedlung. Er ruht im Fundament der Ziegelmauern

und Fundamente für zwei Mauern ausgehoben werden.

und wurde sogleich in selbstgemischten Beton eingegossen.

Ein Bagger musste her. (Nochmals vielen Dank an Josef Albrechtsberger!) [In diesem Zusammenhang ein kleiner Tipp an die nächste 3. Klasse: Zum Abmessen besser ein Maßband verwenden – Schrittlängen können divergieren...]

Als nächstes experimentierten die Kinder mit der richtigen „Breikonsistenz“ für den Mörtel und bauten stolz die erste Ziegelmauer. Jedoch, oh Graus, sie hielt nicht stand. Man hätte die Ziegel vorher „wassern“ müssen – learning by doing. Alles wieder abgebrochen, Mörtel abgekratzt, Ziegel gewassert und dann in Windeseile – und erstaunlich gerade – erfolgreich zwei Ziegelmauern errichtet! Erkenntnis der Kinder: Nach dem Scheitern folgt der Triumph! Engagement und Hilfsbereitschaft der Eltern waren groß. Verzweifelt und orientierungslos irrten sie auf dem Schulhof herum, wenn es zu kurzen Baustopps wegen Materialmangels kam. 35 Bodenhülsen wurden von wackeren Vätern mit immer größeren Erdbohrern gesetzt. Die Kinder fixierten alle Pfosten mit Wasserwaage, Keilen und Schrauben. Unmengen an Holzbrettern mussten wetterfest und in Bio-Rot gestrichen werden. Die Außenzäune für die Kindersiedlung konnten aufgestellt und erste Bestellungen für die individuellen Fensterwünsche der Kinder entgegengenommen werden. Die Vorarbeit war getan; endlich war es so weit! An zwei Samstagen mit herrlichem Wetter bauten alle Kinder gemeinsam mit ihren Eltern die Häuser fertig. Mit unglaublichem Detailreichtum, unbändiger Freude und Hochstimmung bei Groß und Klein wurde in und an den elf Häusern gehämmert, gesägt, geschmirgelt, gemalt. Auch fanden wichtige Verhandlungen statt, da immer zwei bis vier Kinder und ihre Eltern zusammen an einem Haus bauen und sich einigen mussten. Anschließend wurde der jeweilige Arbeitstag mit gemütlichem Grillen gefeiert. Letzter Schritt: Kurz vor den Sommerferien fanden unter großem Jubel die Taufe und Eröffnung der Kindersiedlung statt. Möge sie allen Stürmen standhalten und noch Basis für viele weitere Hausbauprojekte bieten. PS: Persönliches Fazit der Bauleiterin: Auch mit völliger Inkompetenz kommt man ans Ziel! Grischka Voss


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28 _

3 Liter Erdöl

Freitag ist Suppentag – und dazwischen: ein Diktat!

3 Liter Erdöl werden durch den Einsatz einer Rebuilt Kartusche für Laserdrucker durchschnittlich eingespart! 6 von 7 Millionen in Österreich verkauften Tintenpatronen landen jährlich im Müll!

U

m den Gedanken der Achtsamkeit bei den Unterstufen-Klassen zu festigen, hatte Herr Genswein die Idee, anhand von „Suppentagen“ jeweils einer Klasse

der Unterstufe die Kindersiedlung „offiziell“ zu übergeben. An drei Freitag-Vormittagen im Oktober wurde unter der Anleitung von 2 „Haubenköchinnen“ (SchülerInnen Mütter) Gemüse gewaschen, geschält und zerkleinert, und der Hort zur Sup-

Um bis zu 90 % können Druckkosten mit wiederbefüllten Tintenpatronen reduziert werden! Patronen und Tonerkartuschen aus dem Qualitätssegment sind Originalprodukten im Druckergebnis ebenbürtig und ermöglichen teilweise eine um über 100 % höhere Druckleistung bei geringeren Einstandskosten.

penküche umfunktioniert. Das Gemüse wurde gartenfrisch vom Biobauern Nikolaus Kramer, Schülervater, angeliefert. Nachdem Tische und Bänke von der 4. Klasse bei der Kindersiedlung arrangiert wurden, traf man sich bei gutem Herbstwetter im Schulhof zum Reigen, um dann gemeinsam die Suppen (alternierend Brot-, Gemüse- und Kartoffelsuppe) zu genießen. Zwischen Gemüse schneiden und Suppe essen wurden an diesen Freitagen auch die ersten Diktate in der 4. Klasse geschrieben. (Red.) Herbstzeit ist Suppenzeit. Zahllose Rüben und Wurzelwerk bezeugten das in der klaren Gemüsebouillon, zu der die 4. Klasse in ihrer selbst errichteten Siedlung einlud.

Durch den Einsatz kompatibler Verbrauchsmaterialien werden Garantieansprüche nicht berührt. Für Ihre Fragen rund ums Drucken und auch zur Wahl eines Druckers in Hinblick auf geringe Druckkosten steht Ihnen das Refill ZENTRUM gerne unverbindlich zur Verfügung. Familien und Freunden der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer bieten wir Versand auf Rechnung an.

Gemeinsam starteten wir mit Kraut und Rüben. Allerdings weniger kulinarisch, als mit einem hausgemachten Missverständnis, was den Suppenruf betraf. Das konnte dem schlussendlichen netten Beisammensein und dem wohltuenden Genuss der heißen Köstlichkeit aber keinen Abbruch tun. Und wie heißt es so schön : Suppe gut, alles gut! Und genau so war´s. Danke an die 4. Klasse! Manfred Hofer Die Magensäfte durch den Suppengeruch aus dem Hortraum kommend angeregt, lud jeweils ein Kind aus der 4. Klasse ein 3. Klasskind in die Kindersiedlung ein, um mit ihm dort die Suppenjause einzunehmen. Ob im Spielehaus oder in der Kindersiedlung, die Brotsuppe schmeckte köstlich, wärmte unsere Hände, Mägen und Herzen

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und bewirkte einen netten Austausch zwischen den beiden Nachbarklassen. Herzlichen Dank für die gute Idee und Umsetzung! Christine Bolleter


Rückblicke _ 29

Musikwoche der Freien Musikschule Wien

„W

ie jedes schläfrige Jahr, kurz nach dem bunten Ferienbeginn, trafen wir uns im sockigen Edelhof zur abgefetz-

sen, gepfiffen, gezupft, geklopft, in die Tasten geschlagen und viel gelacht. Vom ungarischen Tanz von J. Brahms bis zum Kri-

ten Musikwoche. Besser gesagt, diesmal tanzten wir an, denn

minaltango, vom barocken Menuett, dem steirischen Schuh-

das angeberische Thema war ‚Let’s move around the world‘,

plattler bis zum Line Dance: Musik = Tanz = Bewegung

also feurig spanische Tanzmusik.

Das Angebot war wieder vielfältig und reichte von Chor, Kam-

Unsere regnerischen Lehrerinnen und Lehrer waren auch dies-

mermusik, Kleinem Orchester, Großem Orchester und Blasor-

mal bemüht, viele haarige Stücke zu finden.“ (entnommen dem

chester über Blockflötenensemble und Band bis hin zu den

Text des in Musikwochenkreisen berühmten Journalisten Olf-

Studios, in denen diesmal der Tanz im Vordergrund stand.

gang Wender)

Trotz der Länge des Abschlusskonzertes konnten bei diesem

Ja, es wurde getanzt, aber auch gestrichen, gesungen, gebla-

gar nicht alle von den über 80 TeilnehmerInnen erarbeiteten Musikstücke und Tänze zu Gehör gebracht bzw. gezeigt werden. Olfgang Wender drückte es (mit Unterstützung der TeilnehmerInnen) so aus: „Das Essen schmeckte wie jedes Jahr zaach und attraktiv. Das viele kratzige Musizieren und tanzige Tanzen hat uns sehr eingeheizt, einige bekamen Fieber, andere bekamen Lust auf phantastische nächtliche Abenteuer. Nun, wir wollen hier nicht alles Schlampige ausplaudern, nur so viel: Es ist sicher, dass nächstes Jahr wieder eine zwanzigjährige Musikwoche stattfinden wird, und wir freuen uns schon zickig.“ Angela Schindler


30 _ Radwoche

Radwoche Passau – Wien

Memories of the trip from Passau to Vienna.

Y

oung people have a lot of energy and can be pushed to

wrong or the last child got too tired. The role of the leader was

stretch their limits, but how does one find these limits?

to set the pace and follow the route. The adult in the rear also

How can one know how much energy and stamina young peop-

had the job of picking up the pace a bit if the head and the tail of

le have? How much endurance do they have, both physical and

the group got too far apart. Having two adults also meant that if

mental? Adolescence changes the body and gives it a lot of po-

there was a problem, one could deal with it, for instance by ta-

wer. A person can learn to direct this power, just as one can learn

king care of an injured child, while the other focused on the rest

to do anything in life. To learn and practice, however, we need a

of the group. In this way, the group was never left unsupervised.

goal, and the goal here was to expend all of one’s energy in phy-

On the first night we slept in a gym. The next day was the lon-

sical exercise in order to find one’s limits. Any challenging trip

gest ride of the trip and was very demanding. Thanks to the

can provide this opportunity, and for the sixth grade the choice

excellent weather, everyone reached our destination in good

was a bike tour of several hundred kilometres.

spirits. That day the adults were able to observe how the stu-

It’s a long ride from Passau to Vienna – over 300 km – and ma-

dents switched groups and the factors that influenced their

naging it in just 5 days is not easy. Will we make it to our goal?

decision to do so. I would suggest that the main factor was

Are the students old enough to pass this test of endurance and

the wish to be with friends and next most important was how

stamina? They will be sleeping away from home – not even in a

much energy they had left to keep riding. The first group es-

bed! – and they will not have their parents there to wake them

pecially rode quite fast, often averaging 20 km/h on a section.

up. They will have to eat on a strict schedule and keep on riding

I noticed that this group did not have in it only the biggest and

regardless of weather and road conditions. At the same time,

strongest boys – far from it! Instead, what the members of this

they will be motivated by the opportunity to ride as part of an

group had in common was very strong character and deter-

amazing group of classmates.

mination. Size, gender and strength had nothing to do with it.

The trip began at Mauer Friedhof on the sixth of June. The

Not even the size of the wheels on their bikes mattered. The

group loaded their bikes and found seats in the bus. I am ple-

key factor driving their decision to join the fastest group was

ased to say that all the bikes were in good condition for the

motivation and determination. The group always had a mix of

trip. And so it began: we were going to Passau! Our ride began

girls and boys, taller and shorter riders, and bigger bikes and

right where the Donau meets the Inn and our first destination

not so big ones. This group was like the locomotive pulling the

was Aschach. The weather on the first day was interesting – it

carriages of a train. It was nice to see that the students could

started out beautiful, but by the end of the day we were almost

assess the state of their bodies themselves and change to a

completely soaked.

different group if they saw that they had underestimated or

Each day’s route was split into sections, usually three. The class

overestimated their own capabilities.

was also divided into three groups: faster, medium and slower.

The next days were easy, hard and easy again. The class had a

At the end of each section, riders could switch to any group and

wonderful experience at the military barracks at Fliegerhorst

in this way adjust the speed to their abilities. This proved very

Brumowski – Langenlebarn. Everything there was different.

important, for a number of reasons. First, there were always at

The plan had been to sleep in tents but owing to the weather

least two “speed” groups, where those looking for a sporting

the students slept in a hangar instead. But the main point here

challenge could ride fast and reach the goal quickly. Others, me-

was discipline, Discipline and DISCIPLINE! The officer in charge

anwhile, could focus on enjoying the trip and chatting, in some

of us announced that we would have breakfast in the canteen

cases for the whole ride, with their classmates and friends. It was

at 7 o’clock. No one could be late or come to breakfast in pyja-

natural to have three groups, as there were seven adults. One

mas because we were eating with the soldiers and time for the

drove the car carrying the luggage and also served as the “am-

meal was limited because the cleaning squad would also be ar-

bulance” driver, which we quickly realized was very important.

riving punctually. The officer’s orders were executed without

The other six adults rode with the class, with two in each group:

discussion. Wow! Our young people were able to do this, they

one leading, and one bringing up the rear in case anything went

were able to act in a disciplined manner without questioning


Radwoche _ 31

orders. Impossible? Not only possible, but doable! The visit to a

class balanced in terms of temperaments. Some of the child-

hangar for Black Hawks was also managed with discipline. The

ren are more developed physically, while others are more de-

army spirit had such an effect on our children that it somehow

veloped emotionally. Some are silent and focused, while others

managed to bring out in them extraordinary behaviour, with

are loud and talkative but make things fun. I think that on this

no nonsense, pointless discussion or endless questioning of

trip those who wanted to find entertainment found it, and those

decisions and plans.

who wanted to test their own strength were able to do so. For

Here I would like to insert a philosophical reflection on free-

me, it was a special and of course challenging time for all of us.

dom. In the gym at the monastery in Melk, the students were

If anyone were to ask me to ride again, I would not hesitate to

not allowed to use any equipment, as it was simply forbidden,

say YES!

and we had no accidents there. Nothing out of the ordinary

Seweryn Habdank-Wojewodzki, Schülervater 3. und 7. Klasse

happened. In the other gym, however, nothing at all was forbidden and two children had accidents that meant they could

Technical details of the trip.

not complete the trip.

The trip was carefully planned by Gerhard and Christine Ru-

One might conclude that it is better to forbid everything, in or-

metshofer and Josef Prüller. Many thanks to them!

der to avoid accidents and any consequences. However, when

Passau bis Aschach - 68.1 km (Passau bis Jochenstein – Kraft-

everything is forbidden, no one learns how to use freedom or

werk, Jochenstein bis Schlögen, Schlögen bis Aschach, ÖTB

how to use sporting equipment. As a parent, I prefer to raise my

Turnhalle Aschach an der Donau)

children to be free. They need to learn to use the freedom they

von Aschach an der Donau bis Grein an der Donau - 85.9 km

are given and decide for themselves how to behave. So I would

(Aschach bis Ottensheim – Donaulände, Ottensheim – Donau-

say that it was great to have been in both places on our trip – the

lände bis Linz – Pleschinger See, Au an der Donau bis Grein an

one where everything was forbidden and nothing happened,

der Donau, ÖTB Turnhalle Grein)

and the other where everything was allowed. I hope the child-

Grein an der Donau bis Melk - 47.6 km (Grein bis Ybbs, Ybbs bis

ren learned to be responsible for the choices they made and the

Melk, Übernachtung in Stift Melk)

way they used their freedom.

Melk bis Langenlebarn - 84.4 km (Melk – Mitterarnsdorf,

Some other accidents happened while riding the bikes. The

Mitterarnsdorf bis Mautern – Römerhalle, Mautern bis AKW

children involved simply failed to obey established safety rules

Zwentendorf, AKW Zwentendorf – Langenlebarn, Übernach-

for riding bikes. Perhaps it was a somewhat brutal way to learn

tung in Fliegerhorst Brumowski – Langenlebarn)

how to behave on a bike, but even Mother Nature sometimes

Langenlebarn bis Wien - 27.6 km (Langenlebarn bis Kritzendorf

does not pamper us.

– GH am Silbersee, Kritzendorf bis Wien)

In any case, Ms Rumetshofer was always there when she was needed and took care of the entire group. She was engaged with heart and soul the entire time and had conversations with the children and read to them in the evenings. As for my personal feelings about the trip, as one of the adults who rode with the class, I thought it was a great trip. It was challenging and demanding for the children, but they coped with it well. I personally gained experience in how to support a group of young people. I was proud of them when they helped, cheered or supported their classmates whenever something bad happened, especially the accidents. Particularly the more sensitive and emphatic children helped their suffering classmates by offering heartfelt sympathy, warmth and kind words. I find this

weitere Fotos unter http://www.waldorf-mauer.at/eindruecke


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32 _

Jetzt ist schon wieder was passiert

– ein Klassiker mit Rad und Mehrwert

D

ie jetzige siebte Klasse fuhr im vergangenen Juni Rad. Und wie sie mit Christine Rumetshofer fuhren! Erst mit dem Bus samt Radanhänger nach Passau, eskor-

tiert von Gerhard Rumetshofer, der das Übergepäck mobilisierte. Die erste und wohl größte Herausforderung während der Busfahrt nach Passau war dabei die Wahl jener Pizza, die drei Tage später auf uns in Grein warten würde. Und in Passau angekommen, ging es dann gleich auf die Straße bzw. den Donauradwanderweg – immer vorneweg und für fünf Tage unser Sportlehrer Wilhelm „Sunny“ Kvasnicka – gefolgt von einem erstaunlich großen Mittelfeld und schließlich den Schlusslichtern, die sich auch gerne ziehen ließen. Die Radwoche an unserer Schule ist Tradition und gehört zur sechsten Klasse wie deren Teestube zum Basar. Was aber macht sie so besonders, was lässt sich berichten? Fakten sind es auf der einen Seite: fünf Tage Dauer, vier Nächte in Sport- oder sonstigen Hallen, gymnasial-geistlich bei den Benediktinern in Melk, profan auf nacktem Beton beim Bundesheer im Fliegerhorst Brumowski, mehr als 335 km Radstrecke, zwei Lehrer, vier Väter (Seweryn Habdank-Wojewódzki, Josef Prüller, Peter Floquet, Matthias Berke), 26 SchülerInnen, mehrere Stürze, davon drei mit kurzem Aufenthalt in der Unfallklinik, viel Sonne, kaum Regen, große und kleine Rekorde, Pannen, Gute Nacht- und auch Liebesgeschichten… Wirklich prägend aber war das Fortkommen. Stetig in Bewegung, in Gedanken, in

ES WARTET Auf Sie FRISCHE, TRENDIGE, ABER BEZAHLBARE MODE AUS ITALIEN!

Gesprächen fuhren wir dahin. Unser blauer Faden war die Donau. Erfahren haben wir mit Ausdauer und Miteinander ein Ziel. Dass dies gelang, hat uns im Zusammensein mit 26 SchülerInnen nachhaltig beeindruckt – mich so sehr, dass ich bereits im September die jetzige sechste Klasse von Frau Pázmándy auf ihrer dreitägigen Radtour von Wien aus und rund um den Neusiedlersee begleitete… Das aber ist eine andere

ÖFFNUNGSZEITEN:

Geschichte, die im Frühjahr mit einer mehrtägigen Wanderung am Hochschwab ihre Fortsetzung finden soll. Auch eine Klasse für sich.

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Matthias Berke


Porträt _ 33

Serie Familienporträts:

Eine Familie voller Musik

S

ie erinnern sich vielleicht: Im letzten „MoMent“ stellte

er dazu am Klavier von seiner Oma, Ingrid Faltynek, ihres Zeichens

Schülervater Stefan Haimel, Trompeter bei den Wiener

ehemalige Musiklehrerin an unserer Schule! Wer war hier wohl am

Philharmonikern, das Musikprojekt der 4. Klasse zum Thema

meisten aufgeregt? Nach seinem Auftritt setzte sich Tobias erleich-

„Bilder einer Ausstellung“ vor. Allerdings waren wir doch ein

tert zu uns, und wir hörten entspannt den Beiträgen der restlichen,

wenig enttäuscht, dass aus platztechnischen Gründen je-

allesamt wesentlich älteren Schüler zu. Den Abschluss bildete ein

nes Foto fehlte, welches Herrn Haimel und die Schüler beim

Trio von Oboe, Fagott und Cembalo.

gemeinsamen Trompetenspiel zeigte – war es doch eines der

Mit Freude durfte ich auch die Atmosphäre nach dem Konzert beob-

wichtigsten Bilder zu diesem Artikel.

achten: die Mutter, die Großeltern (Opa Herbert Faltynek spielt in di-

Beim Weiterblättern erinnerte ich mich jedoch an die Serie

versen Ensembles Klarinette), der Vater (per Telefon „zugeschaltet“,

„Familienportraits“– und schon wußte ich, wie besagtes Foto

da im Moment auf Tournee), die Oboen-Lehrerin, andere Schüler, der

doch noch ins MoMent gelangen könnte.

Leiter der Musikklasse... alle standen beisammen, kannten einander

Es war etwa Anfang Juni, als mich Frau Haimel (die ihrerseits

und unterhielten sich, ihr sichtlich großes Fachwissen austauschend

Querflöten-Lehrerin von Beruf ist) bat, ihrem Sohn Tobias für

– und Tobias inmitten der Erwachsenen fachsimpelte tüchtig und

einen Vormittag frei zu geben, da er zu einer Generalprobe

ohne jede Scheu mit.

müsse. Neugierig, wie Lehrerinnen manchmal sind, bat ich

Zu guter Letzt verriet mir Frau Haimel noch einen Wunsch: Max, der

um Details; das Wort „Generalprobe“ hat für mich einen wun-

zweite Sohn der Familie und derzeit etwa 3 Jahre alt, solle später

derbaren und spannenden Beigeschmack von vor sehr langer

einmal Fagott lernen. Eine erheiternde Vorstellung... denn im Mo-

Zeit, hatte ich doch als Kind das Glück, meinen Vater oft in die

ment ist der kleine Max wahrscheinlich noch nicht einmal so hoch

Oper zu Generalproben begleiten zu dürfen!

wie dieses Instrument.

Ich erfuhr, dass Tobias, der an der Universität für Musik und darstellende Kunst Oboe lernt, ebendort bei einem Klassenabend spielen solle und wurde auch gleich dazu eingeladen. So machte ich mich also an einem Sommernachmittag auf in den 3. Bezirk, wo ich durch glühend heiße Gassen zur Universität wanderte. Kaum hatte ich das Gebäude betreten, umfing mich angenehme und stille Kühle, da und dort untermalt von gedämpften Instrumentaltönen, die hinter verschlossenen Türen geprobt und geübt wurden. Auch der Innenhof, beschattet von alten Bäumen, war kühl und still. Bald fand ich Frau Haimel, die mich zu Tobias hinter die Bühne einlud, wo er sich in einem kleinen Garderoberaum einspielte. Auch jetzt verspürte ich wieder das angenehme Kribbeln aus meiner Kindheit, denn auch meinen Vater hatte ich immer wieder in die Künstlergarderoben begleitet... Und diesmal fand ich dort ein Kind aus meiner Klasse – elegant gekleidet in dunkler Hose und weißem Hemd, bestens vorbereitet für das Spiel. Welch eine Freude das für mich war! Schließlich wechselten wir in den Zuschauerraum, und gleich als Erster trug Tobias drei Oboenstücke vor. Begleitet wurde

Christiane Dostal


34 _ Michaeli

Erfahrungen von der Michaelifeier Michaeli hat dieses Jahr für uns eine besondere Herausforderung dargestellt, da wir, wie jede achte Klasse, die Stationen vorbereiteten und leiteten. Ich leitete eine Station mit dem Paul, deren Herausforderung darin bestand, zu würfeln und die gewürfelte Aufgabe zu erfüllen. Die Gruppen kamen zumeist freundlich auf uns zu und meisterten die Aufgaben sehr schnell. Es gab leider auch ein paar unmotivierte Gruppen, aber ich glaube, das ist jedes Jahr so. Es gab zwölf Gruppen zu je zwölf bis fünfzehn Kindern. Teilweise kamen nicht alle Kinder dran, da es zu wenig Zeit gab. Ich persönlich hatte fast nur Laufaufgaben betreut. Es waren immer zwei Kinder gleichzeitig dran, da der Paul ein Kind betreute und bei der Aufgabe half, und ich einem anderen. Das größte Problem war, dass die anderen immer Blödsinn

  Slackline

machten, während sie nicht dran waren. Theo

Am 30.9.16 war das Michaelifest auf der Himmelswiese. Es war ein sonniger Tag und es war auch angenehm warm. Als alles fertig war und man die Kinder schon gehört hat, war ich

Zuckerl-Schaukel

so ein bisschen nervös und wollte alles richtig machen. Als dann die erste Gruppe zu einem kam, musste man sie weiter motivieren, damit diese Motivation auch hält. Man merkte, dass die kleineren Kinder mehr Spaß hatten und eher die Buben sich getraut haben. Es gab einige Kinder, die nicht zugehört haben und man musste ihnen alles 14 Mal sagen, doch es gab auch Kinder, denen man nur Aufmerksamkeit schenken musste. Es gab nur eine Gruppe, wo nur ein bisschen weniger als die Hälfte sich getraut hat. Irgendwie war das komisch mit dem Stationenwechsel, ich habe den Pfiff nie gehört und manchmal hat ihn keiner in der Gruppe oder von meinen Klassenkameraden gehört und die nächste Gruppe kam einfach. Was ich schön und mutig fand, war Mortezas kleine Schwester; sie war das einzige Mädchen in ihrer Gruppe und eine der kleinsten, die sich getraut hat. Einige Kinder waren auch schon bei der nächsten Station. Anstatt noch anzufeuern. Am Ende war es noch ein bisschen unangenehm, in der Mitte zu sitzen und dass alle für einen singen. Julian


_ 35

  Aufgefangen

Slackline

  Dart

auf der Himmelwiese   verbundene Augen

Zusammen gebunden


36 _ Landwirtschafts-Praktikum

Landwirtschfts-Praktikum

der 9. Klasse

In der Zeit, die wir auf dem Bauernhof verbrachten, durften wir ganz ins Landleben eintauchen. Es war sehr interessant, auch mal aus unserem Alltag in eine ganz andere Rolle zu schlüpfen. Das täglich frühe Aufstehen und das bis spät am Abend Arbeiten gehörte einfach dazu. Wir möchten allen Bauernfamilien ein herzliches Dankeschön aussprechen! Linda und Miriam für die 9.Klasse Wir sind früh aufgestanden, um Blumen für den Markt zu sammeln. Also standen wir so um 7:30 Uhr am Feld und haben Blumen geschnitten. Heute sind wir schon um 4:30 Uhr aufgestanden, um pünktlich um 5:00 Uhr loszufahren. Wir waren sogar ziemlich pünktlich. Die Mimi ist zum Walter gefahren, um mit ihm Paprika-Chili-Verkaufsvorbereitungen zu treffen. Marie und ich sind mit der Margrit schon auf den Markt gefahren, um dort aufzubauen. Um ungefähr 6 Uhr waren wir dann fertig, obwohl der Markt erst um 7 Uhr begann. Es hat dann zu regnen und sogar zu schütten begonnen. Zum Marktbeginn hat es wieder aufgerissen. Walter hat die Chili- und Paprikaverkostung gemacht. Wir haben überall ein bisschen geholfen. J.H.


Landwirtschafts-Praktikum _ 37

Am Dienstag bin ich mit extrem starken Rückenschmerzen und Muskelkater aufgestanden. Nachdem die Kühe versorgt waren, hatten wir wieder ein echt gutes Frühstück. Danach mussten wir den ganzen Tag gute von schlechten Erdäpfeln trennen und sie in Säcke abfüllen. L.P.

In der Früh sind wir Kühe melken gegangen und haben dann gefrühstückt. Danach sind wir mit dem Traktor Erdäpfel ernten gefahren. Am Vormittag mussten wir eine Reihe mit der Hand ausgraben. Das war anstrengend. Nach dem Mittagessen sind wir wieder auf den Erdäpfelacker gefahren. Diesmal hat der Traktor die Erdäpfel herausgeholt, und wir mussten sie in Körbe einklauben. In der prallen Sonne war das sehr anstrengend. E.K.

Es war eine wunderschöne, lehrreiche und lustige Zeit. Wir haben viel gelernt, und ich bin an die Grenzen meiner Kräfte gegangen, denn es war natürlich auch sehr anstrengend. ... Wir haben uns so sehr an das Leben dort gewöhnt, dass wir gar nicht mehr weg wollten. Denn bei der Arbeit, die man dort macht, (eben nur mit den Händen), hat man echt das Gefühl, dass sie sinnvoll ist. Wir wollen dort in den Sommerferien wieder hin und mithelfen! L.K.


Das Som

38 _ Sommerfest

I

nnerhalb weniger Jahre wurde das Sommerfest an unserer Schule zu

einer Tradition. Eine Tradition, die auch Ehemalige nutzen, um sich zusammenzusetzen, sich wieder einmal zu sehen, zu tratschen und die Atmosphäre der alten Schule in der lauen Abendluft des Rosenhofes zu genießen. Der Höhepunkt des letzten Sommerfestes war für mich nach der Schulfeier der Ausflug auf den Grund des Schulgebäudes auf 113, wo wir alle mit Luftballonen bewaffnet und voll Zuversicht


mmerfest

Sommerfest  _ 39

den Wunsch nach einem neuen Schulgebäude gen Himmel steigen ließen. Sich jetzt im November, wo der Weihnachtsbasar vor der Tür steht, an das bunte, grünbelaubte, heiße Sommerfest zu erinnern, ist interessant. Hat man doch voll Vorfreude schon den weihnachtlichen Geruch in der Nase und das Klappern des Geschirrs beim Kaffeehaus im kleinen Festsaal im Ohr, wo wir wieder sitzen werden, wir Ehemaligen... Nadja Berke


40 _ Rückblick

Eindrücke vom Tag der Wiener Schulen

A

m 5. Oktober fand der heurige „Tag der Wiener Schulen“

meine Gäste, sondern auch mich nachhaltig beeindruckte. Es

statt. An unserer Schule übernahmen einige Elternräte

war spannend, in dieser Form festzustellen, welch sympathische

und Lehrer die Betreuung jener interessierter Menschen, wel-

und kompetente Oberstufenlehrer wir an unserer Schule haben!

che unsere Schule besuchten, um diese kennenzulernen.

Auffallend war, dass bei Paaren oft die eine Hälfte der Schul-

Insgesamt hatten unsere Besucher sowohl Fragen zur Unter-

form und dem ungewöhnlich anmutenden Lernsystem eher

als auch zur Mittel- und Oberstufe. Die von mir betreuten Gäs-

skeptisch gegenüberstand. Vor allem in diesen Situationen

te wollten sich vor allem über die nächste bzw. übernächste 1.

waren natürlich einige Fragen zu den Themen Schulabschluss

Klasse informieren. Deshalb besuchte ich mit diesen Menschen

und Matura zu klären. Einzelne Eltern zeigten sich auch be-

die jetzige 2. und 3. Klasse. Bei Herrn Hofer fand gerade eine

sorgt über die Enge der Klassenzimmer. Hier konnte ich auf

gemütliche, aber die Kinder dennoch fesselnde Erzählphase im

den geplanten Schulneubau verweisen.

„bewegten Klassenzimmer“ statt. Bei Frau Bolleter drehte sich

In Summe konnte ich feststellen, dass allein die beschriebe-

alles um das Thema Ackerbau, und die Kinder beschäftigten

nen, kurzen Einblicke in den Unterrichtsalltag, zusammen mit

sich mit Fragen zu Feldgeräten (Pflug etc.).

der Gestaltung der Räume und der dort herrschenden Stim-

Jene Besucher, die sich über die Mittel- oder Oberstufe infor-

mung unsere Besucher durchwegs positiv erstaunt entließen.

mieren wollten, begleitete ich unter anderem in die 10. Klasse, wo der Mathematikunterricht von Frau Allaberger nicht nur moment_abcomputer_93x131.qxp_Layout 1 14.06.16 16:12 Seite 1

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_ 41

Seweryns Rückblick auf die Schulfeier am 15. Oktober


42 _

(Quer-)Einsteiger Freude, Glück und Hoffnung

B

ereits nach dem ersten Tag ihrer Schnupperwoche in der

darüber. Wir spüren, dass es den Kindern sehr gut geht und

3. Klasse haben unsere Söhne Benedikt und Jakob äu-

dass an der Schule etwas ganz Besonderes in der Luft liegt.

ßerst motiviert verkündet: „In diese Schule gehen wir!“ Die

Es ist Seelenbalsam, dort zu sein und zu sehen, wie toll eine

Entscheidung war damit klar.

Schule sein kann. Das liegt vor allem an der schönen Gemein-

Und so hat sich das Ganze entwickelt: Wir sind wegen des

schaft von Lehrern, Eltern und Schülern, die uns als Quer-

Waldorfkindergartens und der -schule nach Liesing übersie-

einsteiger sofort sehr offen und äußerst warmherzig aufge-

delt. Im Kindergarten war dann aber leider kein Platz verfüg-

nommen hat. Die Kinder freuen sich jeden Tag auf die Schule

bar, obwohl wir die Buben quasi nach der Geburt angemeldet

und haben neue Freunde gefunden, ohne die bisherigen zu

hatten. Also sind wir zunächst in eine Waldorf-Kindergruppe

verlieren.

ausgewichen.

Für die Buben war zunächst vieles neu, vor allem Eurythmie,

Später sind wir nach Perchtoldsdorf gezogen. Die öffentliche

Formenzeichnen und Russisch, aber auch die Art des Unter-

Volksschule ist nur ein paar Gehminuten von unserem Haus

richtens und der viel geringere Leistungsdruck. Alles haben

entfernt. Unsere Zwillinge haben also dort ihre Schulkarrie-

sie sehr positiv aufgenommen und waren von Beginn an ganz

re begonnen. Bald war uns allerdings klar, dass etwas fehlte,

selbstverständlich dabei. Wir sind Herrn Genswein sehr dank-

vor allem, wenn ich neu Erlebtes mit den Erinnerungen an die

bar, dass er den Quereinstieg ermöglicht und so sehr unter-

eigene Kindheit und mit Waldorfschülern in unserer Fami-

stützt hat.

lie verglich. Also haben wir erneut gefragt, ob es Platz in der

Erst kürzlich waren Freude und Glück wieder besonders groß,

Waldorfschule Mauer gäbe. Leider war uns das Glück aber

als feststand, dass nun auch unsere Jüngste im Herbst die

auch diesmal nicht hold.

1. Klasse beginnen darf. Marie kann ihren Schulbeginn kaum

In der dritten Klasse hat´s dann zum Glück geklappt, und wir

erwarten. Sie brennt darauf, endlich auch mit ihren Brüdern in

alle, Kinder und Eltern, freuen uns seither jeden Tag aufs Neue

die tolle Schule nach Mauer gehen zu dürfen.

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_ 43

Auf die Frage an Benedikt und Jakob, was im vergangenen

Beruflich bin ich als Manager, Rechtsanwalt und Unternehmer

Schuljahr das Tollste für sie war, antworteten beide unab-

in einer Geschäftswelt tätig, die händeringend nach ganzheit-

hängig voneinander: „Das Hausbauen, aber eigentlich alles...“

lich guten Leuten sucht. Es ist nicht einfach, Menschen mit

Marie wiederum freut sich vor allem „auf das Lesen, Rechnen

ausgeprägten fachlichen und menschlichen Stärken, kom-

und die Pausen...“

biniert mit hoher Leistungsbereitschaft, zu finden. Im Eng-

Das inzwischen erhaltene, erste Jahreszeugnis bestätigt, dass

lischen werden in diesem Zusammenhang auch die Begriffe

unsere Kinder von den Lehrerinnen und Lehrern ganzheitlich

„passion“ und „dedication“ verwendet. Ich glaube, dass die

wahrgenommen und beschrieben werden. Die Stärken wer-

Waldorfschule für die Entwicklung der vorangeführten Eigen-

den betont, ohne die Schwächen auszublenden. Unsere Freu-

schaften einen ausgezeichneten Beitrag leisten kann, weil

de verbindet sich nun mit der Hoffnung, dass unsere Schule

Stärken unterstützt werden und Motivation sowie positives

auch maßgeblich dazu beitragen wird, Benedikt, Jakob und

Denken und Tun im Vordergrund stehen. Und weil Mensch-

Marie bestmöglich auf das Leben vorzubereiten. Es bestehen

lichkeit und Herzensbildung sicher nicht zu kurz kommen.

überhaupt keine Zweifel, dass dies in sehr vielen Bereichen

Wir freuen uns auf einen schönen, gemeinsamen Weg. Danke!

ganz wunderbar gelingen wird. Wie alle Eltern wünschen wir

Michael Tillian

uns, dass unsere Kinder zu „ganzen“ Menschen mit Herz, Hirn und Hand heranwachsen.

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44 _ Herbstliches

Gartenbaukolumne D

er Herbst ist da! Zwischen den letzten spätsommerli-

sie im Park gefunden, wo die großen Rasentraktoren gerade

chen Tagen hat er sich über Nacht ins Land geschlichen.

ihre Runden drehen – nicht nur um den Rasen zu mähen, son-

Der erste Raureif am Morgen kündigt den kommenden Win-

dern auch gleich die Laubschichten in Randbereichen zu ent-

ter an (der dieses Jahr übrigens laut einer zuverlässigen Quelle

fernen (wie praktisch!). Dort hat die Erdkröte wie viele andere

wieder einmal so richtig kalt werden soll!). Die Natur sammelt

Lebewesen tagsüber Schutz gesucht, während sie in den lauen

sich, legt Vorräte an, und wer nicht an Ort und Stelle verhar-

Nächten noch auf die Jagd geht. Wir bringen sie in einen ge-

ren muss, sucht sich einen behaglichen Platz. Irgendwie drehen

schützten Bereich im Garten und werden nächstes Jahr Aus-

sich unsere inneren Uhren plötzlich auch langsamer (sofern

schau nach einer dreibeinigen Kröte halten.

man es zulässt…). Innehalten und Abwarten lautet das Motto in dieser Jahreszeit.

Einige Tage später entdecke ich auf einer ruhigen Seitenstraße eine Blindschleiche – mitten am Tag windet sie sich auf der

Und alljährlich im Herbst beginnt reges Treiben in den Gärten

Fahrbahn. Irritiert von diesem Verhalten bleibe ich stehen und

– Rasentraktoren, Häcksler und Co. sind unermüdlich im Ein-

erkenne gleich die Ursache: Sie wurde von einem Auto über-

satz. Den Rasen ein letztes Mal mähen, Hecken und Stauden-

fahren, und der Reifen hat einen Teil ihres Körpers zermalmt.

beete schnell stutzen, Laub entsorgen, Gerümpel entfernen,

Ihre Überlebenschancen sind verschwindend gering; trotz-

das hinter der absterbenden Vegetation wieder zum Vorschein

dem bringe ich sie in Sicherheit. Ich fluche über rücksichtslo-

kommt. Sauber soll der Garten in den Winter gehen, nett und

se Autofahrer – mehr zum Stressabbau denn aus tatsächlicher

adrett aussehen. Von Innehalten und Abwarten kann hier keine

Verurteilung – als ich im Garten nebenan die Ursache erkenne:

Rede sein.

Einige Menschen haben sich lautstark daran gemacht, im Gar-

Als Garten-affiner Mensch habe ich durchaus Verständnis für diesen „Putzfimmel“ – auch ich gehe täglich meine gedank-

ten „sauber“ zu machen und dabei die Blindschleiche aus ihrem Versteck getrieben. Jetzt fluche ich über rücksichtslose Gärtner.

liche Liste durch, was noch dringend vor dem Winter erledigt

Ich will hier nicht den Moralapostel spielen – auch mir sind aus

werden muss. Als Biologin frage ich mich jedoch jedes Jahr, wie

Hektik oder Unbedachtheit schon Tiere (und Pflanzen) bei der

man ein zur Ruhe kommendes System dermaßen in Aufruhr

Gartenarbeit zum Opfer gefallen. Ich habe aber das Glück, mit

versetzen und sein persönliches Ordnungssystem überstül-

Kindern und Jugendlichen zu arbeiten – und die holen mich

pen kann, ohne dabei über die eigene Wahrnehmung hinaus zu

immer wieder aus meinem rücksichtslosen, erwachsenen Trott

„spüren“. Vor allem zwei Erlebnisse der jüngeren Vergangen-

heraus. Sie halten inne, überlegen und stellen das Leben stets

heit haben mir diesbezüglich zu denken gegeben:

über die Sache (meist nicht ganz in dieser Reihenfolge…). Man

Zwei Schüler kommen in den Schulgarten gelaufen, in der Hand

möchte es nicht glauben – selbst die 13jährigen retten beim

eine Erdkröte mit einem abgetrennten Hinterbein. Sie haben

Umgraben noch Regenwürmer und bringen sie in Sicherheit.


Herbstliches  _ 45

Herbst 2016 Auch wenn mich das manchmal als Gärtnerin nervt, so macht

Wer Feuer gefangen hat, kann sich an größere Projekte he-

es mich als Mensch sehr stolz.

ranwagen: Seien Sie kreativ und abenteuerlustig. Bringen

Und weil ich eine unverbesserliche Weltverbesserin bin, darf

Sie nachhaltigen Nutzen und Ihr ästhetisches Empfinden in

mein Abschlussplädoyer nicht fehlen:

Gleichklang.

Versuchen Sie, in Ihrem Garten die Natur zu schätzen und zu schützen! Wer naturnahe Bereiche als unordentlich anprangert und Sie der Faulheit bezichtigt, ist auf dem Holzweg, nicht Sie! Fangen Sie klein an. Lassen Sie das Herbstlaub unter Sträuchern und auf Beeten liegen. Halten Sie lediglich den Rasen (dem Gras zuliebe) und befestigte Flächen (dem Menschen zuliebe) vom Laub frei. Gerade in schneearmen Wintern ist eine

Pflegen – nein zelebrieren – Sie kleine Naturjuwele als Rückzugsorte für all die zu schützenden Naturwesen. Schaffen Sie kunstvolle Gebilde aus Steinen und Totholz. Holen Sie sich Kinder zu Hilfe – sie wissen intuitiv, was richtig ist und pfeifen auf pragmatische Phantasielosigkeit. Haben Sie als Kind Forts gebaut, und erinnern Sie sich an die damit verbundene Glückseligkeit? Gartenarbeit kann das auch!

schützende Bodendecke aus pflanzlichem Material so wichtig:

Noch ein Tipp zum Schluss: Heben Sie sich die guten Vorsätze

Sie reguliert Feuchtigkeit und Temperatur, bietet Nahrung und

bis zum Frühjahr auf! Zwischen Oktober und März hat unsere

Schutz. Über das vielerorts gefürchtete saure Laub von Ahorn,

Natur Ruhezeit! ;-)

Nuss oder Fichte freuen sich vor allem Beerensträucher, Rhododendron, Hortensie und Co. Das Schönste daran: Im Frühling ist das Laub weitgehend verschwunden – und die Sträucher sind gedüngt und gemulcht! Als weitere Maßnahme können Sie Stauden über den Winter stehen lassen. Die abgestorbenen Pflanzenteile ernähren den Wurzelstock und dienen Tieren als Schutz und Nahrung über den Winter. Wen der Anblick verdorrter und hängender Staudenrabatte frustriert, dem kann ich nur raten: Konfrontieren Sie sich, beobachten Sie, nehmen Sie wahr. Irgendwann kommt der zauberhafte Moment, in dem man auch dieses Stadium als Teil des natürlichen Kreislaufs und des Lebens erkennt und dessen Schönheit sieht. Nicht zu vergessen der wunderbare Bonus der Selbstaussaat!

Damit verabschiede ich mich in die Winterpause! Herzlichst, Evi Myska


Der neue Hort

46 _ Neues aus der Schule

B

ereits vor den Sommerferien konnten wir das neue Hort-

Ruhe zu kommen. Dabei sind uns die individuelle Wahrneh-

konzept präsentieren und durften uns schon zu diesem

mung jedes einzelnen Kindes und ein respektvoller Umgang

Zeitpunkt Ăźber zahlreiche positive RĂźckmeldungen freu-

miteinander besonders wichtig. Eine gute Zusammenarbeit

en. Doch wenn man sich etwas zunächst nur auf dem Papier

mit den Erziehungsberechtigten und anderen PädagogInnen

Ăźberlegt, ist es doch sehr spannend zu beobachten, wie sich

ist dafĂźr Voraussetzung.

diese Ideen später in der Praxis entwickeln.

Neben dem freien Spiel und der kÜrperlichen Betätigung im

Der Start ins neue Hortjahr zeigte uns, dass wir den richti-

Freien wird im Hort viel gemalt, gebastelt und gewerkt. Auch

gen Weg eingeschlagen hatten. Beide Hortgruppen sind jetzt

hier steht ein respektvoller und wertschätzender Umgang

wieder voll ausgelastet, und die neue 1. Klasse fĂźgte sich von

miteinander und auch mit den verfĂźgbaren Ressourcen stets

Anfang an gut in die Gemeinschaft ein.

im Vordergrund.

Das Hort-Team selbst hat sich nach einigen personellen Ă„n-

FĂźr Projekte konnte aufgrund diverser musikalischer Ver-

derungen nunmehr wie folgt zusammengefunden: Betsabeh

pflichtungen vieler Kinder (Musikkunde, Chor, Instrument)

Aghamiri, Sissy Dragschitz und Uschi Iragorri arbeiten als

leider noch kein idealer Tag gefunden werden. Einige Plä-

Kern-Team eng zusammen; unterstĂźtzend sind Gerald Gres-

ne sind jedoch bereits geschmiedet und werden in KĂźrze

tenberger und JĂśrg Wohlmacher tageweise im Hort.

konkretisiert.

Unser Ziel im Hort ist es, den Kindern die MĂśglichkeit zu bie-

Uschi Iragorri, Karin Schadl

ten, das am Vormittag Erlebte nachklingen zu lassen und zur

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BÜCHERSTUBE der Goetheanistischen Studienstätte

Buch & Spiel 1230 Wien, Speisinger Straße 258 Tel u. Fax: 01/ 889 26 93 email: buecherstube1230@gmx.at Bestellungen werden gerne jederzeit entgegengenommen Zustellung durch Postversand

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9:00 -­ 18:00

Zivi‐Courage   bei Lebensart‐Sozialtherapie gesucht !  Wir bieten abwechslungsreiche Zivildienerplätze in den  Wohngruppen und Werkstätten  in Wien Mauer und in Wien  Lainz.  Hier kann man Erfahrungen sammeln, Vorurteile abbauen, Freunde  finden, in Berufswelten reinschnuppern…  Die Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen steht bei  uns im Mittelpunkt. Hierfür sind Hilfestellungen zu erbringen, wo die  Menschen mit Behinderung Unterstützung, Aufsicht und auch mal ein  ´gutes Wort` benötigen.  Dies erfordert Einfühlungsvermögen, Umsichtigkeit und Courage.  Wundern Sie sich nicht, wenn Sie beim Abschied nach neun Monaten  Zivildienst einen eigenen Fanclub haben.  Interesse?  Kontakt:   Lebensart Sozialtherapie  Hauptstr. 125‐127, 2391 Kaltenleutgeben  Tel. 02238/77931, verein@sozialtherapie.at  www.lebensart‐sozialtherapie.at    Gesslgasse 8 a, 1230 Wien, Tel. 01 / 887 26 74, buch@wetter.co.at Mo–Fr 9:00 bis 18:00 Uhr, Sa 9:00 bis 13:00 Uhr www.BuchhandlunginMauer.at

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Sharing the Experience –

unsere Mission und unser Versprechen.

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MoMent Herbst 2016  

Zeitschrift von und für Eltern, FreundInnen, LehrerInnen, SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

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