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Unsere Schule im Umfeld 50 Jahre Mauer, 100 Jahre Waldorf Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Frühling 2019 / € 4,00


Mo

...

Ment

Zeitschrift von und für Eltern, FreundInnen, LehrerInnen und SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer im 27. Jahr, Heft Nr. 197

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Schulzeitung MoMent!

Liebe externe MoMent-AbonnentInnen Der Druck der Ihnen vorliegenden Ausgabe kostet

„Ein Umfeld für eine fruchtbare und gedeihliche Zusammen-

ca. € 2.650,- bzw. inkl. Versand € 3.120,-.

arbeit schaffen.“ Das ist eines der gemeinsamen Ziele unserer

Wenn Sie hinkünftig auf eine per Post zugeschickte

Schulgemeinschaft. Vieles wird aus dieser Zusammenarbeit her-

Druckversion verzichten und mit der Online-Version

vorgebracht: Ideen und deren Umsetzungen, singende Chöre,

(http://www.waldorf-mauer.at/moment) Vorlieb nehmen

klingende Orchester, Theateraufführungen, Benefizveranstaltun-

wollen, dann ersuchen wir um ein kurzes Email an:

gen und eine Zeitschrift, die über all das berichten darf! Groß ist

moment@waldorf-mauer.at.

die Freude darüber, dass es im MoMent niemals langweilig wird.

Gerne senden wir Ihnen weiterhin drei Mal im Jahr Ihr

Unsere Kinder und SchülerInnen schaut sie Euch an: Da marschie-

persönliches Exemplar zu und ersuchen Sie, die dafür an-

ren sie streikend für ihre Zukunft, da schreiben sie eifrig mit, bei der Postkarten-Aktion von Waldorf 100, da entwickeln sie ihre ei-

fallenden Kosten von € 12,-/Jahr auf das MoMent-Konto zu überweisen. Kontoverbindung: siehe Impressum

genen Ideen und lernen sie immer besser zu formulieren, da stehen sie auf der Bühne und schaffen gemeinsam, was einer alleine nicht vermag.

Impressum:

Was einer alleine nicht vermag, das schafft man gemeinsam – und so braucht auch unsere Schulgemeinschaft ein Umfeld, in dem sie steht und wirkt und mit dem sie in gegenseitiger Wahrnehmung und im gegenseitigen Austausch umgeht. Passend zum Erneuerungsaudit wurde dieses Umfeld zum Thema dieser Ausgabe. Die vielen Rückmeldungen unseres Umfelds, teilen wir sehr gerne

Medieninhaber, Verleger, Herausgeber: Verein zur Förderung der Waldorf-Gemeinschaft (VFWG), Obmann Josef Prüller / DVR NR.: 7864 9742 Absender: moment@waldorf-mauer.at 1230 Wien, Endresstraße 100

mit Euch und bitten um Verständnis, dass Teile unseres Umfeldes

Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 13Z039641 M

diesmal keinen Platz gefunden haben, auch wenn sie dazugehören

MitarbeiterInnen: B. Födinger E: moment@waldorf-

würden, wie der Waldorfbund, die anderen Waldorfschulen in Ös-

mauer.at / R. David-Freihsl E: roman.freihsl@gmx.at K. Hruza

terreich und viele mehr! Viel Freude beim Lesen!

E: karl.hruza@waldorf-mauer.at / M. Goss E: moment@waldorfmauer.at / St. Albrecht, N. Berke, U. Dotzler, Eltern 1. & 4. Klasse, Nadja Berke

H. Finke, P. Gluchi, B. Goldmann, M. Hildenbrand, U. Kaufmann, U. Khol-Haidenthaler, A. Kurz-Wagner, L. Lernpeiss, M. Loy, K. Reiner-Friedl, G. Rumetshofer, T. Richter, F. Samec, M. Schuster, SchülerInnen 6. Klasse, SchülerInnen Oberstufe,

Termine: Seite 25, Kleinanzeigen: Seite 56

N. Steinbach, V. Stürzenhofecker, J. Timmel-Freyborn,

Die Fotos in dieser Ausgabe stellten zur Verfügung:

Kontoverbindung lautend auf: Redaktion Schulzeitung

N. & M. Berke, Buchhandlung-Mauer, R. David-Freihsl, Eltern 1., 2., 4. & 10. Klasse, Eltern Kindergarten, H. Finke, B. Födinger, M. Giannelos, S.

L. & S. Trierenberg, L. Weiss, S. Wolf

IBAN: AT44 2011 1822 2175 1000 / BIC: GIBAATWWXXX

Habdank, M. Hildenbrand, K. Hruza, U. Khol-Haidenthaler, Freie Musik-

Druck: Donau-Forum-Druck, 1230 Wien,

schule, M. Peters, L. & S. Trierenberg, S. Wolf

aus umweltfreundlicher Druckproduktion

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Unsere Schule im Umfeld

„Welt muss in die Schule hineinragen“ Rudolf Steiner über die Bedeutung des sozialen Milieus der Kinder

„Da ist der Gedanke entstanden, man müsse hinaus aus der

Daher werden wir nicht versuchen, wenn wir auf dem Boden ei-

Stadt, aufs Land, um dort, abgesondert von der Stadt, eine

ner gesunden Pädagogik stehen, allerlei Arbeiten auszudenken,

Schar Kinder zu erziehen; nur dort könnten sie sich natürlich

die nur für die Kinder sein sollen. So sollen die Kinder zum Bei-

entwickeln und so weiter. Aber wie steht denn ein solcher Ge-

spiel flechten, sollen allerlei Zeuch ausführen, was ja doch nicht

danke in einer Gesamtweltauffassung drinnen? Doch eigentlich

im Leben drinnen steht, was man bloß für die Kinder aussinnt,

so, dass man seine eigene Ohnmacht erkennt. Denn es handelt

damit man sie beschäftigt. Das kann niemals in einer guten

sich nicht darum, etwas auszudenken, wie man fern von aller

Weise in die Entwickelung des Kindes eingreifen.

Welt eine Anzahl Kinder nach seinem Kopfe entwickeln kann,

Sondern was man in der Schule als Spiele treibt, muss ein un-

sondern wie man mitten drinnen im sozialen Milieu, wo man

mittelbares Abbild des Lebens heraus sein, nichts soll ausge-

steht, die Kinder Mensch sein lassen kann.

dacht sein.“

Man muss also die Stärke aufbringen, den Kindern dieses Leben nicht zu nehmen, wenn sie nun doch einmal in ihrem sozialen Milieu drinnen stehen. Diesen Mut muss man durchaus ha-

Aus: Rudolf Steiner, Die Welt der Pädagogik, Vortrag vom 22. Juli 1924 Ausgewählt von Roman David-Freihsl

ben. Das ist etwas, was mit der Weltbedeutung der Pädagogik zusammenhängt. Aber dann muss man tief davon überzeugt sein, dass Welt in die Schule hineinragen muss. Welt muss es sein, die in der Schule auf kindhafte Weise weiterlebt.

Unsere Schule im Umfeld 50 Jahre Mauer, 100 Jahre Waldorf

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Bildung braucht Umfeld! Ein Überblick zum Erneuerungsaudit unseres Qualitätsverfahrens „Wege zur Qualität“ von Gerhard Rumetshofer

M

itarbeitende in Rudolf Steiner- und Waldorf-Schulen achten ganz

Dieses betrachtet die Art und Weise, wie eine Einrichtung

besonders darauf, dass für die gesamte Schulgemeinschaft ein

ihre externen Beziehungen gestaltet, pflegt und reflek-

Umfeld für eine fruchtbare und gedeihliche Zusammenarbeit geschaf-

tiert. Dabei rücken somit erstmals die externen Partner

fen wird. Die Schulgemeinschaft umfasst Kinder und Jugendliche, Mit-

und Stellen in den Blick, beispielsweise: Angehörige, Aus-

arbeiterinnen und Mitarbeiter, Eltern, FreundInnen und Unterstützen-

bildungsstätten, andere Einrichtungen, Verbände, Behör-

de der Schule und der Pädagogik Rudolf Steiners.

den usw. (sog. „Stakeholder“). Dieses soziale Umfeld hat

Unsere Schule arbeitet seit 2004 nach dem Qualitätsverfahren „Wege

an der Tätigkeit der Einrichtung oft sehr unterschiedliche

zur Qualität“ und unterzieht sich seit 2010 jährlich einem Audit nach

Erwartungen und Interessen. Es wirkt auch verschieden

WzQ. Diese notwendigen und für die Schulgemeinschaft sehr hilf-

intensiv auf die Einrichtung und ihr Leistungsgeschehen

reichen Audits wurden und werden mit folgenden Schwerpunkten

ein. (©Confidentia)

durchgeführt: Erstaudit:

Das Erstaudit sowie die Erneuerungsaudits haben die

Ermittlung und charakterisierende Beurteilung der realen Struktu-

Verleihung bzw. Verlängerung eines Zertifikates zur

ren und Prozesse einer Einrichtung im Lichte ihrer konzeptionellen

Folge!

Grundlagen unter den Gesichtspunkten ihres Qualitätsmanagements Zwischenaudit 1: Rückblick im Mittelpunkt und eigenes Audithema

Weiterführende Informationen zu Audit und Zertifizierung: http://www.confidentia.info/index.php/de/

Zwischenaudit 2: Rechenschaft im Mittelpunkt und eigenes Audithema Erneuerungsaudit 1: Der Klient innerhalb der Organisation und eigenes Audithema Zwischenaudit 3: Rückblick im Mittelpunkt und eigenes Audithema Zwischenaudit 4: Rechenschaft im Mittelpunkt und eigenes Audithema Erneuerungsaudit 2: Auswirkungen der Organisation auf die fachliche Arbeit

Confidentia -

Zwischenaudit 5:

Gesellschaft zur Förderung Institutioneller

Rückblick im Mittelpunkt und eigenes Audithema Zwischenaudit 6:

Eigenverantwortung http://www.confidentia.info/index.php/de/

Rechenschaft im Mittelpunkt und eigenes Audithema Im Mai 2019 wird für uns das Erneuerungsaudit 3: Umkreisaudit stattfinden.

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Wege zur Qualität https://www.wegezurqualitaet.info/


Unsere Schule im Umfeld

WzQ teilt die Arbeit an Beziehungsdienstleistungen in 12 Gestaltungsfelder. Gestaltungsfelder: 1. Aufgabenstellung - 2. Eigenverantwortung - 3. Können - 4. Freiheit - 5. Vertrauen 6. Schutz - 7. Finanzieller Ausgleich Gestaltungsbewegungen: 8. Verantwortung aus Erkenntnis - 9. Individuelle Entwicklung 10. Gegenwartsgemäßes Handeln - 11. Individualität und Gemeinschaft - 12. Gemeinschaft als Schicksal

„Wege zur Qualität“ Der Mensch – mehr als ein Objekt allem für Einrichtungen mit solchen Aufgaben, bei deren

Mögliche Schlussfolgerungen zur Wirkung von WzQ:

Erfüllung sich die Handlungen zwischen den beteiligten

Die Beschäftigung mit und die Anwendung von „WzQ“ waren und

Menschen erst in der Begegnung entfalten und gestalten,

sind sowohl in der Schulgemeinschaft als auch für jede/n Einzelne/n

wie es beispielsweise im Bereich pädagogischer, heilpäda-

sehr hilfreich und in vielen Bereichen spürbar.

Das Qualitätsverfahren „Wege zur Qualität“ eignet sich vor

gogischer, sozialtherapeutischer oder medizinisch-therapeutischer Berufe der Fall ist. ©Wege zur Qualität - Das Verfahren

WzQ brachte und bringt Transparenz und Kommunikation in unsere Gemeinschaft. Es gibt Halt und Struktur, wo früher viele Fragen standen. Das Verfahren macht Abläufe und Prozesse einerseits

WzQ entstand auf anthroposophischer Grundlage und

sichtbar, andererseits einfacher, weil erarbeitete Leitfäden, gemein-

wurde ursprünglich für Einrichtungen im Bereich päd-

sam gestaltete Verträge, bewusst gemachte Mandats- und Gremi-

agogischer, heilpädagogischer, sozialtherapeutischer

enbeschreibungen etc. unser Bewusstsein und unsere Aufmerksam-

oder medizinisch-therapeutischer Berufe entwickelt.

keit sehr stark auf unser gemeinsames Anliegen, „die Ermöglichung

Das Verfahren „Wege zur Qualität“ führt zu einer regelmä-

von Schule“, gelenkt haben.

ßigen Beobachtung und Bearbeitung der wichtigsten Ein-

Natürlich haben die beschriebenen Abläufe und Prozesse und die

flussfaktoren auf die Leistungs- und Entwicklungsfähigkeit

Ausarbeitung der vielfältigen Unterlagen viel Zeit beansprucht.

einer Institution. Das Verfahren schreibt an sich keine be-

Der wertschätzende Umgang der beteiligten Personen miteinan-

stimmten Organisationsformen oder Vorgehensweisen vor,

der, die immer gefundenen gemeinsamen Lösungen und voran-

sondern stellt Gesichtspunkte und Kriterien zur Verfügung,

geführten Verbesserungen rechtfertigen diesen Zeitaufwand aus

aufgrund derer der Bedarf an Gestaltung innerhalb der

meiner Sicht vielfach!

eigenen Institution erkennbar und das Festlegen entspre-

Ein ständiges Arbeiten in den angeführten Gestaltungsfeldern von

chender Prioritäten möglich wird. © Wege zur Qualität

WzQ ist notwendig und hilfreich. Die erste Verfahrensschulung (2004 bis 2006) hat in unserer Schulgemeinschaft viele Impulse

Die Zertifizierung nach dem Qualitätsmanagementver-

gesetzt und die Zusammenarbeit und Kommunikation wesentlich

fahren „Wege zur Qualität“ wurde vom Bundesministe-

beeinflusst. Auf Grund der wechselnden Beteiligten am Schulge-

rium für Wissenschaft im Jahr 2005 als Qualitätssiche-

schehen ist eine regelmäßige Wiederholung der Verfahrensschu-

rungsverfahren für Schulen anerkannt.

lung sehr anzuraten.

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Gemeinsam am Bildungs-Weg Zentrum für Kultur und Pädagogik und Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer von Tobias Richter* und Leonhard Weiss*

O

hne Waldorfschulen bräuchte es keine Waldorflehreraus-

der Wiener Waldorfszene (Neues im alten Gehäuse) wie auch

bildungen. Das ist banal – und trotzdem für uns am Zent-

das Besondere dieser Schule: die Musik. – In ihrem würdigsten

rum für Kultur und Pädagogik, d.h. für unser Selbstverständ-

Vertreter, Stefan Albrecht, begegnete ihnen einer, der aus dem

nis als Lehrerbildungsinstitut ganz entscheidend. Daher ist es

Quell der praktisch geübten Kunst seine Pädagogik entfalten

uns ein großes Anliegen, in möglichst direktem Kontakt und

konnte. Und das nicht nur einmal im Jahr, sondern immer wie-

Austausch mit den Schulen zu sein. Welche Wünsche, welcher

der, wenn er an einzelnen Modulen mit den Studierenden des

Bedarf besteht seitens der Schulen im Aus- und Fortbildungs-

Zentrums musiziert.

bereich? Wie gelingen Hospitationen und Praktika zukünftiger

So selbstverständlich die Begegnung mit der Kunst am Anfang

Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen in möglichst für alle

des Studiums stattfand, so selbstverständlich ist es für viele der

Seiten fruchtbringender Weise? Welche Veränderungen, Wei-

zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer, so sie in Mauer hospitie-

terentwicklung im Bereich der Lehrerbildung sind sinnvoll und

ren und praktizieren können, dort auch an Konferenzen teilzu-

nötig?... Nur im gemeinsamen Gespräch sind diese Fragen zu

nehmen. Und sie erleben dabei, mit welcher Aufmerksamkeit

beantworten. Nur im Dialog ist Entwicklung möglich!

und welchem Einsatz eine Community daran arbeitet, die Wege

Mit der Maurer Schule gelingt dies aus unserer Sicht in beson-

zur Qualität (WZQ) als selbstgewähltes Ziel zu realisieren. So et-

ders guter Weise. Dies hat natürlich zum einen damit zu tun,

was macht Mut, den man braucht, um sich zu entschließen, in

dass nicht nur eine große Zahl (derzeitiger und ehemaliger)

einer selbstverwalteten Schule zu arbeiten…

Studierender des Zentrums in Mauer unterrichten (im heuri-

Und dann ist da noch der Campus Mauer, zu dem die Karl Schu-

gen Schuljahr sind dies 17 Kolleginnen und Kollegen), sondern

bert-Schule gehört. In einer solchen Nachbarschaft und vor

auch sechs Mitglieder unseres Ausbildungskollegiums in Mauer

allem in den Versuchen der Zusammenarbeit hinsichtlich eines

tätig sind bzw. waren; zum anderen aber ist es vor allem das für

echten Inklusionsmodells finden manche zukünftigen Pädago-

uns immer wieder spürbare Interesse der Maurer Schule auch

ginnen und Pädagogen ein Gesamtkonzept, das sie von Wal-

an Fragen der Lehrerbildung. Ob die mit der Einrichtung des

dorfpädagogik erwarten.

Masterstudiums Waldorfpädagogik an der Donau-Universität

Auch bei diesen Begegnungsfeldern der Studierenden am Zent-

Krems verbundene Akademisierung der Waldorflehrerausbil-

rum mit der Maurer Rudolf Steiner-Schule steht das Dialogmo-

dung, mögliche weitere Kooperationen mit anderen Hochschu-

tiv im Zentrum:

len oder Gespräche mit dem Bildungsministerium über zukünf-

Pädagogik und Kunst, gelebter Dialog in einer selbstverwalte-

tige Veränderungen im Bereich der freien Schulen und deren

ten Bildungseinrichtung und schließlich der notwendige Dialog,

Lehrerbildung – die Maurer Schulleitung hat uns immer wieder

die echte Begegnung mit jungen Menschen mit unterschied-

zum Gespräch über diese und andere Anliegen und Themen

lichsten Lern- und Arbeitsmöglichkeiten auf einem gemeinsa-

eingeladen. Ganz im Sinne des oben genannten Dialogs, der

men menschlichen Bildungsweg.

Grundlage von Entwicklung. Für viele unserer Studentinnen und Studenten ist die Rudolf Steiner-Schule im Maurer Schlössl die erste Waldorfschule, der

* Mitarbeiter am Zentrum für Kultur und Pädagogik in Wien

sie real begegnet sind, da ihr erstes Studienwochenende im

und Dozenten des Masterstudiums Waldorfpädagogik an der

Herbst – fast zur Tradition geworden – in Mauer stattgefunden

Donau-Universität Krems

hat. Und wir alle wissen, wie prägend solche Erstbegegnungen sind! Das, was sie dann bei diesem Startmodul „Die Kunst als Quelle der Pädagogik“ erlebten, war sowohl das Gemeinsame

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Schule – Musikschule: eine gelungene Beziehung Mit klingenden Grüßen Stefan Albrecht

I

m Herbst ist es soweit. Wir feiern gemeinsam den Abschluss von

menarbeit mit meinen tollen KollegInnen von der Musikschule

„100 Jahre Waldorf“ mit einem großen Chor/Orchesterwerk.

– allesamt super ausgebildete MusikpädagogInnen – wäre die

Sowohl SchülerInnen als auch Eltern, KollegInnen und FreundIn-

Orchesterarbeit, wie wir sie derzeit an unserer Schule bieten

nen der Schule proben schon seit Herbst 2018 regelmäßig. Schon

können, nicht denkbar. Ich kann das mit Sicherheit behaupten,

bald werden wir alle Teile der Friedensmesse von Karl Jenkins:

denn früher war ich völlig allein und folglich die Ergebnisse des

„The Armed Man“ kennengelernt haben. Bis zum Ende des Schul-

Schulorchesters im Vergleich zu den letzten Jahren doch sehr

jahres haben wir noch einige Proben. Ich bin sehr zuversichtlich,

bescheiden. Ich bin sehr glücklich darüber, dass unsere Zusam-

dass wir das alles gut meistern. Nach den Sommerferien üben wir

menarbeit geschätzt wird und aus privater Hand auch jedes

dann in den ersten beiden Schulwochen intensiv. Wir freuen uns

Jahr großzügige finanzielle Unterstützung erfährt.

jetzt schon auf die abschließenden Konzerte.

Die Aulos GmbH (das sind die beiden Trierenberg-Brüder Lothar

Dieses musikalische Großprojekt ist für mich nur als Kooperati-

und Stephan mit ihren Familien) hat durch den Umbau des ehe-

on denkbar. Ohne Freie Musikschule wäre diese Unternehmung

maligen „Kühne-Hauses“ in unserer Musikschule etwas ermög-

schlicht nicht möglich. Dass unsere Schule mit einem so starken

licht, wovon nicht nur ich immer wieder geträumt hatte. Ein Haus

musikalischen Partner seit vielen Jahren engstens zusammen-

nur für die Musik, am besten gleich um die Ecke. Und so kam es

arbeitet, ist ein Geschenk für den Musikunterricht an unserer

dann auch tatsächlich. Das Musikhaus am Jesuitensteig, einen

Schule. Die „Musikalisierung“ unserer SchülerInnen ist zu einem

Steinwurf entfernt, ist zu einer klingenden Oase voller kräfti-

großen Teil der Freien Musikschule zu verdanken. Die vielen

ger und feiner Töne geworden. Was da Tag für Tag wächst und

Instrumental- und GesangsschülerInnen heben das musikali-

gedeiht, ist unmittelbar spürbar für das Unterrichtsgeschehen

sche Niveau an unserer Schule enorm. Meist sind es jene Ju-

im Schlössl. Das war wirklich eine gewaltige Investition, für die

gendlichen, die nach wie vor regelmäßig am Instrument üben,

ich Aulos unendlich dankbar bin. So viele Kinder und Jugendli-

ihren Einzelunterricht besuchen, die Musikkunde in der Unter-

che finden dort einen wunderschönen Ort, wo sie in Einzel- und

und Mittelstufe absolvierten und möglicherweise auch noch im

Kleingruppenstunden (die sich die KollegInnen in der Endresstra-

SchallMauer-Orchester mitspielen, die die gesanglichen Stützen

ße oft wünschen würden) unter dem Aspekt des Schönen ihren

des Oberstufenchores bilden und so ein Projekt wie dieses erst

Willen spielend schulen, einfach so, ohne es zu merken.

realisierbar machen.

Diese Zeilen zu schreiben, macht mir gerade Freude, merke

Apropos Orchester: Unser SchallMauer - Jugendorchester ist

ich, denn oft sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

seit vielen Jahren ein erprobtes und wirklich gelungenes Koope-

Wenn ich tagtäglich mit den Kindern und Jugendlichen singe

rationsprojekt von Schule und Musikschule. Ohne die Zusam-

und musiziere, probe, Ziele anpeile und selber übe, dann vergesse ich mitunter, wie großartig meine Arbeitssituation und mein Arbeitsumfeld eigentlich sind. Es ist ja auch an unserer Schule wirklich viel Bereitschaft von Seiten der Eltern und KollegInnen da, der Musik nicht nur ihren physischen, sondern auch ihren zeitlichen Raum zu schenken. Das ist nicht selbstverständlich. Jetzt noch schnell den Kalender zücken und die nächsten musikalischen Highlights eintragen. Termine und Veranstaltungen siehe Termine Seite 25 weitere Termine im nächsten MoMent

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Die Karl Schubert-Schule von Markus Hildenbrand (Klassenlehrer der 9. Klasse)

D

ie Entstehungsgeschichte der Karl Schubert-Schule ist

als inklusiv verstand. Der ursprüngliche Gedanke war, Kindern

eng mit der Rudolf Steiner-Schule verzahnt. Anfang der

mit unterschiedlichsten Begabungen Unterricht in ihrem ei-

70er Jahre gaben ein paar Eltern, deren Kinder als „nicht be-

genen Tempo in der Gemeinschaft zu erteilen. Rudolf Steiner

schulbar“ galten, den Anstoß zur Gründung einer heilpädago-

erwähnt auch den gesunden Wettstreit zwischen Normal-

gischen Waldorfschule in Wien. Eine solche Einrichtung gab

klassen und Hilfsklasse (GA 307). Auch die erste Wiener Wal-

es damals in ganz Österreich noch nicht.

dorfschule (1927-1938) führte seelenpflegebedürftige Kinder

Prof. Kühne, der sich schon um die Wiedergründung der Ru-

in ihren Klassen!

dolf Steiner-Schule in Wien verdient gemacht hatte, gehörte

Schubert leitete die Hilfsklasse bis 1934; dann musste er aus

zu diesen Eltern. Seine Tochter Johanna war als Folge einer

der Schule ausscheiden, erhielt jedoch die Genehmigung,

Impfschädigung schwer entwicklungsverzögert. Ihre Biogra-

weiterhin Privatunterricht zu erteilen. Und nun geschieht et-

phie ist im Buch „Johanna. Das Leben eines besonderen Men-

was Rätselhaftes: Während in der NS-Zeit nach und nach alle

schen“ (Verlag Urachhaus, 2004) nachzulesen. Als Johanna

Waldorfschulen geschlossen wurden, „vergaßen“ die Nazis

schulpflichtig wurde, suchte die Familie daher gezielt im Um-

auf Schuberts Hilfsklasse, die in einer Privatwohnung trotz

feld der Rudolf Steiner-Schule, die 1967 das Maurer Schlössl

widrigster Umstände den ganzen Krieg über weitergeführt

bezogen hatte, ein neues Familienhaus.

werden konnte. Von guten Mächten wunderbar geleitet, ge-

Die Idee eines „inklusiven“ Schulversuches scheint damals

lang es Schubert, die Waldorfpädagogik – wie man sagt – „im

zumindest im Raum gestanden zu sein – wobei der Begriff in

Rucksack“ durch den Krieg zu tragen. Umso herber war seine

dieser Bedeutung selbstverständlich noch nicht gebräuchlich

Enttäuschung, als die Hilfsklasse nach dem Krieg nicht mehr

war. Die Zeit dürfte für ein solch zukunftsweisendes Projekt

in die neugegründete Stuttgarter Waldorfschule integriert

jedoch noch nicht reif gewesen sein, also bildete sich das Pro-

wurde. Diese passte offenbar nicht mehr ins Selbstverständ-

ponentenkomitee für den neu zu gründenden Verein „Karl

nis der Aufbauzeit...

Schubert-Schule für seelenpflege-bedürftige Kinder und Ju-

Heute tragen viele heilpädagogische Waldorfschulen den Na-

gendliche in Wien“.

men Karl Schuberts. – Und damit komme ich wieder auf „un-

Da der Namenspatron vielleicht nicht allen geläufig ist, möch-

sere“ Karl Schubert-Schule zurück, die im Schuljahr 1971/72

te ich mir einen Exkurs erlauben, vor allem auch deshalb, weil

als Schulversuch starten konnte. Der erste Unterricht fand

die Biographie Karl Schuberts ein eindrückliches Bild für das

noch im Erdgeschoß des Hauses der Familie Kühne am Je-

gewandelte Verhältnis der Öffentlichkeit im Allgemeinen und

suitensteig statt. Danach waren Karl Schubert-Schule und

der Waldorfbewegung im Besonderen zur Heilpädagogik lie-

Rudolf Steiner-Schule für lange Zeit fast direkte Nachbarn in

fert: Karl Schubert, geborener Wiener mit jüdischen Wurzeln,

der Endresstraße. Die alte Villa auf Nr. 99 wurde schließlich zu

gehörte dem ersten Kollegium der Waldorfschule in Stuttgart an. Er wurde von Rudolf Steiner mit der Betreuung lernschwacher bzw. heilpädagogischer Kinder beauftragt, die er als Hilfsklasse führte. Die Schülerinnen und Schüler verbrachten zwei Stunden pro Tag in einer stufenübergreifenden, sogenannten „Hilfsklasse“, danach wurden sie gemeinsam mit den anderen Kindern ihrer Altersstufen geführt. Es ist bemerkenswert, dass sich die Waldorfschule in ihrer Pionierzeit der 20er Jahre, offenbar ganz selbstverständlich,

8 _ MoMent Frühling 2019


Unsere Schule im Umfeld

klein; immerhin hatte die Karl Schubert-Schule mittlerweile

Gleichaltrige für ein paar Wochen in die Klasse kommen, und

einen Kindergarten und zwölf Jahrgangsklassen. Trotz allen

auch für das Team sind Praktikantinnen oder Praktikanten

unbestrittenen Charmes war das alte Haus aber vor allem ei-

stets eine wertvolle Unterstützung.

nes nicht: barrierefrei!

Neben wechselseitigen Einladungen zu Schulaufführungen

Schweren Herzens fiel also der Entschluss, das alte Gebäu-

und dergleichen gab und gibt es in unregelmäßigen Abstän-

de aufzugeben und einen Neubau zu errichten. Die Umsied-

den auch immer wieder schulübergreifende Projekte wie z. B.

lung in die Kanitzgasse erfolgte sukzessive, was die Nutzung

vor drei Jahren das gemeinsame Konzert der Oberstufenchö-

einiger Exposituren erforderlich machte. Seit dem Schuljahr

re sowie unserer Schulband in der Burg Perchtoldsdorf. Das

2010/11 sind – vom Kindergarten bis hin zur Werkoberstufe –

nächste dieser Gemeinschaftsprojekte wird ein inklusives Zir-

wieder alle unter einem Dach vereint. Von der Rudolf Steiner-

kusprojekt sein, an dem außer unseren beiden Schulen noch

Schule haben wir uns nur unwesentlich weiter entfernt. Doch

die Schulen in Pötzleinsdorf, Wien West sowie die Waldschu-

abgesehen von den aufgezeigten historischen Gründen für

le teilnehmen werden. Am 23. und 24. Mai heißt es dann im

unsere Nachbarschaft gibt es zwischen beiden Schulen zahl-

Festsaal der Rudolf Steiner-Schule Mauer: „Manege frei!“

reiche Beispiele gelebter Kooperation.

Es hängt sehr stark von der Einzelinitiative überdurchschnitt-

Wir orientieren uns am Waldorflehrplan, doch müssen

lich engagierter Menschen ab, ob solche Projekte zustande

Schwerpunkte gesetzt werden. Der Unterricht erfolgt stark

kommen. Neuerdings hat sich aber eine weitere, aus unserer

bildhaft, und das Unterrichtstempo ist aufgrund der Notwen-

Sicht sehr vielversprechende Art der Zusammenarbeit erge-

digkeit vieler Wiederholungen eher langsam. So kommt es

ben, die unsere beiden Schulen hoffentlich nicht nur räumlich

immer wieder vor, dass wir Kinder haben, für die es im Sinne

näher zusammenbringt: Wir beherbergen derzeit den Kinder-

einer optimalen Förderung geboten erscheint, sie epochen-

garten der Maurer Schule und, wenn „drüben“ einmal gebaut

weise für den Hauptunterricht oder auch in Fächern, die bei

wird, voraussichtlich auch eine Klasse der Oberstufe.

uns nicht angeboten werden (z.B. Fremdsprachen wie Rus-

Dass die Karl Schubert-Schule zur Zeit freie Räumlichkeiten

sisch), aus unseren Kleinklassen herauszunehmen. Dankens-

hat, liegt weniger an der fehlenden Nachfrage, sondern viel-

werterweise besteht hier die Möglichkeit, dass diese Schü-

mehr an den veränderten Rahmenbedingungen. Wir machen

lerinnen und Schüler versuchsweise und ohne bürokratische

derzeit nämlich die Erfahrung, dass wir als rein heilpädago-

Hürden den Unterricht in der Rudolf Steiner-Schule besuchen

gische Schule infolge der Inklusionsdebatte politisch nicht im

dürfen. Diese Besuche erfolgen meist in Begleitung und sind

Trend zu liegen scheinen. Das schlägt sich in der Ausdünnung

in sozialer Hinsicht oft eine ziemliche Herausforderung, da

öffentlicher Fördermittel und der für die Kapazität der Schule

die Gruppendynamik in einer Klasse von 30 oder mehr Schü-

nicht ausreichenden Vergabe von Kontingentplätzen nieder.

lerInnen naturgemäß völlig anders ist als in einer Kleinklas-

Eigentlich eine Ironie der Geschichte, denn Karl Schubert hät-

se der Karl Schubert-Schule. – Der Gegenbesuch ergibt sich

te seine Pädagogik der ursprünglichen Idee nach vermutlich

dafür quasi von selbst, nämlich durch die Möglichkeit, bei uns

sehr wohl als inklusiv bezeichnet... Wie auch immer: Wir sind

das Sozialpraktikum zu absolvieren. Unsere Kinder und Ju-

gerade dabei, uns neu zu positionieren und unser Angebot zu

gendlichen freuen sich immer sehr, wenn mehr oder weniger

erweitern. Die Begegnung der beiden Kindergartengruppen muss schon alleine unter diesem Aspekt uneingeschränkt als positiv bewertet werden. Es ist ganz offensichtlich, dass beide Gruppen vom täglichen Umgang und der selbstverständlichen Begegnung profitieren und aneinander lernen, mit Diversität umzugehen. Auch wenn dieses Projekt zeitlich begrenzt ist, werden hier und heute Beziehungen geknüpft, die auch längerfristig ein stärkeres Zusammenwachsen begünstigen werden.

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Gute Nachbarn – von Beginn an Die Waldorfschulen und die Christengemeinschaft sind seit ihrer Gründung eng verbunden von Roman David-Freihsl

E

s ist noch eine vergleichsweise sehr junge Nachbarschaft – und

dezidiert als christlich orientierte Schule definiert. Auch

gleichzeitig eine alte, traditionelle Verbindung, die nun schon

hatte er für jene Kinder, die keiner Religionsgemeinschaft

seit fast 100 Jahren besteht: jenes Band, das die Waldorfbewe-

angehörten, den „freichristlichen“ Religionsunterricht ge-

gung mit der Christengemeinschaft verbindet.

schaffen. „Das ist ein Unterricht für freie Christen – kein

Neu ist die räumliche Nähe: Vor wenig mehr als vier Jahren wurde

Unterricht frei vom Christentum“, lächelt Jakob Butschle.

die Johanneskirche in der Rudolf-Waisenhorn-Gasse eröffnet –

Und das ist auch gar nicht so weit vom Gründungsgedan-

und damit hatte die junge CG-Gemeinde im Süden Wiens nach

ken der Christengemeinschaft entfernt: Denn auch hier

einem „Gastspiel“ in der Studienstätte eine fixe Bleibe gefunden.

ist die Freiheit des Individuums ein wichtiges und zentra-

„Diese neue Heimat – und auch, dass ich mit meiner Familie nun

les Element: Sei es die Lehrfreiheit der Priester – oder die

auch im Gemeindehaus wohne, ist eine neue Chance und eröffnet

Glaubensfreiheit der Mitglieder. Und Mitglied wird man

wunderbare neue Möglichkeiten“, freut sich Jakob Butschle, der

in dieser Kirche auch nicht automatisch mit der Taufe,

als Pfarrer der Gemeinde Wien-Süd auch die Schülerinnen und

sondern erst als Erwachsener – wenn man sich frei dafür

Schüler an der Steiner-Schule unterrichtet.

entscheiden kann.

Ein wichtiges Bindeglied zwischen Schule und Christengemein-

Für die „freichristlichen“ Kinder hatte Rudolf Steiner auch

schaft war auch in den vergangenen Jahren schon das Kinder-

eine eigene Andachtsfeier geschaffen, die wöchentlich in

zeltdorf bei Seebenstein, das nach einem Jahr Pause auch heuer

der Schule abgehalten wurde – wie übrigens auch über

wieder durchgeführt wird. Da sind einerseits die schon jugendli-

lange Jahre hinweg an unserer Schule. Dieses „freichrist-

chen Helferinnen und Helfer, die mit viel Engagement und Be-

liche“ Ritual war dann nach der späteren Gründung der

geisterung dabei sind und sich das ganze Jahr über regelmäßig

Christengemeinschaft im Jahr 1922 ident mit der „Sonn-

gemeinsam darauf vorbereiten. Und andererseits sind es die

tagshandlung“, die hier gefeiert wird.

jüngeren Semester ab der 3. Klasse, die eine besondere Ferienzeit

An diese Tradition kann und möchte Jakob Butschle an-

im Zeltlager verbringen. „Für die haben wir noch ein paar Plätze

knüpfen und sie weiter ausbauen. Sei es im Religionsun-

frei“, wirbt Jakob Butschle.

terricht, wo er den Dialog und die Kooperation mit den

Die Basis ist freilich die „tägliche“ Arbeit mit Religionsunterricht

freichristlichen ReligionslehrerInnen, aber auch mit jenen

und die darauf aufbauende Jugendarbeit – die freilich auch in

anderer Konfessionen, als sehr gut und anregend be-

ganz besonderen Projekten münden kann. Wie beispielsweise

schreibt. Aber auch darüber hinaus – bei Besuchen der

einer Reise nach Südafrika, die in der Jugendgruppe über viele

Lehrerkonferenzen oder auch in Vertretungsstunden.

Monate hinweg zu einem Gutteil selbst angespart und finanziert

Schließlich hat er auch schon vor seiner Priesterweihe an

wurde.

der Schule unterrichtet – nicht nur Religion, sondern zum

Dazu kommen auch weitere Projekte im Schulalltag, wie bei-

Beispiel auch Englisch.

spielsweise die Hausbauepoche in der 3. Klasse, für die das Gelände der Christengemeinschaft in der Rudolf-Waisenhorn-Gasse einen willkommenen „Bauplatz“ bietet. Hier wurde bereits eine wunderbare Sandkiste errichtet – eine weitere Kooperation ist bereits in Planung. Eine derartige Verbindung hatte seit Beginn der Waldorfschulen bereits bestanden. Rudolf Steiner hatte bereits die erste Schule für die Arbeiterkinder der Waldorf-Astoria-Fabrik bewusst und

10 _ MoMent Frühling 2019


Unsere Schule im Umfeld

Pfarre Mauer Die Nachbarschaft der Rudolf Steiner-Schule wird seitens der Pfarre St. Erhard als freundlich und offen empfunden.

L

ange Zeit gab es nur vereinzelt direkte Berührungspunkte. Manche unserer Pfarrfamilien haben über die Jahre immer wieder gerne an

Veranstaltungen der Schule teilgenommen, sei es Kerzen ziehen beim Adventmarkt, Besuch von Konzerten, Bastelrunden für Mütter. Im Herbst 2015 rollte die Flüchtlingswelle nach Wien bzw. Österreich; eine außergewöhnliche Aufgabenstellung kam auf unsere Nachbarn und uns zu: Am Höhepunkt dieser Krise suchte die Caritas Wien nach Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlingsfamilien. Als Pfarre spürten wir diesbezüglich Verantwortung. Das Pfarrzentrum wurde kurzfristig adaptiert, Küche und Sanitärräume den Bedürfnissen angepasst. Bereits am Tag des Einzugs der beiden afghanischen Familien (4 Erwachsene und 7 Kinder) nahm sich die Schule aller sieben Kinder an: Schulplätze wurden geschaffen und deren Finanzierung sichergestellt. Auf beiden Seiten fanden rasch Teams zusammen, die sich gemeinsam um die Bewältigung des Alltags, das Lernen der deutschen Sprache, die

terstützung von Familien bis hin zu den Großeltern. Die-

Integration der Neuankömmlinge kümmerten. Kaum hatten wir die

ser gesellschaftliche Auftrag verbindet uns und hält uns

ersten Wochen gemeinsam bewältigt, hatte einer der beiden Väter ein

unermüdlich im Tun für das Allgemeinwohl. In diesem

Aneurysma, das er dank einer Notoperation in KH Hietzing wie durch

Sinn wertschätzen wir die gegenseitige Anerkennung

ein Wunder überlebte. Dann der schwere Badeunfall eines „unserer“

und das gute Gesprächsklima, das uns als Nachbarn er-

afghanischen Kinder… Für Familien und Betreuende eine traumatische

halten bleiben soll und wird. Wir danken für die Verbun-

Erfahrung. Die Verbundenheit von Schule und Pfarre ist in dieser Zeit

denheit im Alltag und bei speziellen Herausforderungen.

gewachsen und hat sich als tragfähig erwiesen. Der unerschütterliche

Ihre Pfarre Wien - Mauer

Zusammenhalt hat uns zusammengeschweißt, zum Wohle der geprüften Familie. Sowohl die Rudolf Steiner-Schule als auch die Pfarre fokussieren auf die positive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, auf die Un-

MoMent Frühling 2019 _ 11


Neue Brücken zur Matura Bald gibt es keine Alternative mehr zur Zentralmatura – die Vorbereitungen dafür laufen bereits von Margret Loy und Roman David-Freihsl

s ist der ganz große Schritt unserer Schülerinnen und

E

der Eintritt unserer SchülerInnen in eine Maturaklasse an sei-

Schüler hinaus in das „Umfeld“ unserer Schule: der Weg

ner Schule ablaufen könnte. Wir durften teilnehmen an einer

zur Matura. Ein Weg zur „Reife“, dessen Prüfungen von den

Besprechung, in der unerfahrene Kollegen des ORG von Direktor

AbsolventInnen unserer Schule in den vergangenen Jahren

Fleck eingewiesen wurden in den Ablauf bei der Betreuung der

meist ohne gröbere Komplikationen, gelegentlich auch bra-

Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA). Das war für uns maximal

vourös in kürzester Zeit absolviert wurden.

informativ. Im nachfolgenden Gesprächsteil zeigte sich Direktor

Doch jetzt ist mit der Zentralmatura auf einmal alles anders.

Fleck sehr offen für unsere Anliegen und hatte erste konstrukti-

Hatten unsere Ex-Waldis früher meist in einer der Partner-

ve Vorschläge parat bezüglich der Koppelung von Jahresarbeit

Schulen – wie dem ORG Anton-Krieger-Gasse – einfach die 8.

in der 12. Klasse mit der VWA.

Klasse besucht und abgeschlossen, so war seit der Einführung

Ein Folgegespräch hat inzwischen stattgefunden, und dazuge-

der Zentralmatura das Abendgymnasium in Floridsdorf die

kommen sind Vertreter der RSS Schönau und Pötzleinsdorf. Hier

erste Wahl. Denn dort konnten und können sie derzeit noch

wurden konkrete Modelle eines Ineinandergreifens von Jahres-

„normal“ und ohne „zentral“ maturieren.

arbeit und VWA entwickelt, die für beide Seiten interessant sind.

Doch diese letzte Ausweichroute wird schon bald geschlos-

Der Austausch ist jedenfalls sehr konstruktiv! Allerdings: Direk-

sen. Kann die jetzige 12. Klasse noch „normal“ im Abend-

tor Fleck hat auch ganz klar gesagt, dass er nur ein minima-

gymnasium maturieren, so wird es für die jetzige 11. Klasse

les Aufnahmevolumen von plus/minus 5 SchülerInnen pro Jahr

aus derzeitiger Sicht bereits eine Übergangsregelung geben:

haben wird. Und: Er wird sich die SchülerInnen, die an seiner

Wenn der 8.-Klass-Abschluss schnell geschafft wird, kann die

Schule maturieren wollen, anschauen und sie besonders auf ihre

eigentliche Matura auch noch nach herkömmlicher Art absol-

Kenntnisse in Mathematik prüfen. In diesem Fach erkennt er

viert werden. Im Falle von Verzögerungen beim 8.-Klass-Ab-

einen der Hauptstolpersteine beim Übergang von der Steiner-

schluss ist aber bereits die Matura zentral zu absolvieren.

Schule in die Maturaschule.

Für die jetzige 10. Klasse wird es allerdings keine Alternative mehr geben. Und bei Elternabenden zeigte sich sehr früh

Umstellung im Abendgymnasium

schon im vergangenen Schuljahr, wie groß die Sorgen und

Eine für uns sehr interessante Schulform ist die, die im Abend-

Ängste der Eltern bereits jetzt sind. Margret Loy reagierte als

gymnasium lebt: Hier können die SchülerInnen in Kursen über

eine der beiden Tutorinnen dieser Klasse prompt, erkundig-

mehrere Semester ihre Fachkenntnisse auf Matura-Level heben.

te sich und nahm Gespräche auf. Hier ist ihr Zwischenbericht

Die SchülerInnen werden zu Beginn des Jahres anhand ihres

vom Stand der Dinge:

Abgangs-Zeugnisses von der 12. Klasse

Während es in der Anton-Krieger-Gasse schon Erfahrungen gibt

und im Rahmen von Aufnahmegesprächen eingestuft. Dann

mit einzelnen SchülerInnen unserer Schule, die die Zentralmatu-

können sie in einzelnen Fächern jeweils am Semesterende den

ra „gewagt“ haben, betreten an der Abendschule alle Beteiligten

8.-Klass-Abschluss machen und auch gestaffelt zur Matura an-

– Waldorf-LehrerInnen, Abendschul-LehrerInnen und SchülerIn-

treten. Das bringt Entlastung!

nen – „neues Gelände“.

Derzeitiger Stand ist: Es haben sich VertreterInnen der Wiener Rudolf Steiner-Schulen, die SchülerInnen in die Abendschule

Konstruktive Vorgespräche mit dem ORG Anton-Krieger-Gasse

entlassen, getroffen, um ein gemeinsames Vorgehen im Hinblick

Direktor Fleck vom ORG Anton-Krieger-Gasse hatte schon bei

auf den Übergang von RSS zum Abendgymnasium auszuarbei-

den ersten Gesprächen mit uns – den von der Oberstufenkonfe-

ten. Fragen, die uns dabei bewegen, sind auch hier: Wie voll-

renz Delegierten – recht klare Vorstellungen davon, ob und wie

zieht sich die Einbettung der Vorwissenschaftlichen Arbeit in den

12 _ MoMent Frühling 2019


Unsere Schule im Umfeld Freie Kunstschule

Goetheanistische Studienstätte

von Peter Gluchi

Für das Erneuerungsaudit, sozusagen auf dem „Weg zur Qualität“,

Straße 258 das erste Mal betrete, sehe ich in Flur und Stiegen-

besuchte Peter Gluchi die Goetheanistische Studienstätte mit ihrer

haus eine Mischung aus mit Patina behafteten Türen und Bö-

Bücherstube und den vielen Werkstätten für kreatives Gestalten.

den, Wände, die nach frischer Farbe lechzen und eine Unzahl von Kunstwerken in anthroposophischer Formensprache. Und eines

Von 1983 an befand sich in den Räumen der Studienstätte die

fällt mir dabei gleich auf: Die Studienstätte hat Tradition und

Ausbildungsstätte für WaldorfpädagogInnen. In jener Zeit wur-

Charisma.

den während eines dreijährigen Vollzeitstudiums spätere Klas-

Den Leiter der Studienstätte treffe ich in seinem Büro an. Herr

senlehrerInnen für Waldorfschulen im Rahmen von sechs päda-

Reichert Senior führt mich nach unserem informativen Gespräch

gogischen Kursen ausgebildet. 2001 endete diese Form der Aus-

im Büro durch das Haus. Im ersten Obergeschoß fällt mir im gro-

bildung, da die Erwachsenenbildung in diesen Zeiten in Richtung

ßen Studierraum – wie auch überall sonst, wo geheizt wird, – zu-

Öffentlichkeitsrecht und staatliche Anerkennung (Bachelor, Mas-

erst der gusseiserne Dauerbrandofen auf. Aber auch die Schie-

terstudium für Waldorflehrer und Kunstpädagogik an Waldorf-

fertafeln sind dominierende Elemente in diesem Raum.

schulen) strebte und neue Normen für die Ausbildung forderte.

Nach 17 Jahren KlassenlehrerInnen-Ausbildung sitzen nun re-

Auch die Kunstpädagogen- und später auch die Kunstthera-

gelmäßig MitarbeiterInnen der österreichischen dm-drogerie

pieausbildung gab es hier. Von 1983 bis 2009 absolvierten die

markt GmbH hier. Eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit

Auszubildenden ihre vierjährigen Studien in den Räumen der

dem Wirtschaftsunternehmen besteht seit 1990. Während der

Studienstätte. Alle zwei Jahre kam ein neuer Kurs hinzu, sodass

Lehrlingsausbildung kommen dessen Lehrlinge in Epochen zur

während dieser Zeit zwölf Künstlerkurse beendet wurden. Auf-

künstlerischen Arbeit (Steinbildhauerei, Kochen, Theater) in die

bauend auf das vierjährige Kunstpädagogik-Studium dauerte die

Studienstätte. Regelmäßige Fort- und Weiterbildung für Mana-

berufsbegleitende Kunsttherapieausbildung ein Jahr.

ger und die Zusammenarbeit mit der internationalen Geschäftsweiter >

Als ich im Rahmen der Recherche das Haus in der Speisinger

Schulübergang, wie sind die SchülerInnen in den sogenannten

Wir bleiben dran – alle drei Schulen –, gemeinsam und einig.

„harten“ Fächern an das Anforderungsprofil der Zentralmatura

Im „eigenen Haus“ haben wir allerdings schon auf das, was auf

heranzuführen und vorzubereiten? Dies alles vor dem Hinter-

die SchülerInnen in Mathematik zukommt, reagiert: Es gibt für

grund, dass wir unserer Pädagogik maximal treu bleiben wollen,

die 10. Klasse und auch für die 11. Klasse seit Ende der Semes-

denn wir sind eine Waldorfschule!!!!

terferien eine zusätzliche Doppelstunde Mathematik pro Wo-

Die bisherige Kommunikation zwischen den VertreterInnen der

che, in der die SchülerInnen bekannt gemacht werden mit den

Abendschule und „uns“ verlief durchwegs konstruktiv – wir su-

Inhalten, die der Mathe-Unterricht des Waldorf-Lehrplans nicht

chen gemeinsam nach möglichen Formen. Das ist ein Prozess,

abdeckt, sowie mit der in der Zentralmatura vorausgesetzten

der voll im Gang ist und für die KollegInnen der Abendschule

Herangehensweise an mathematische Probleme.

sicher noch nicht zur Gänze überschaubar ist, da sie im Moment

Dies findet in einem zusätzlichen Angebot statt: zur guten Vor-

in der Umstellung auf die Zentralmatura stecken. Angelika Lüt-

bereitung der SchülerInnen einerseits, doch auch ebenso, damit

kenhorst von der RSS Schönau hat inzwischen Kontakt mit dem

weiterhin der waldorfinterne und pädagogisch sinnvolle Mathe-

Ministerium aufgenommen.

matik-Unterricht „ungestört“ stattfinden kann.

MoMent Frühling 2019 _ 13


Goetheanistische Studienstätte führergruppe von dm-drogerie markt in den Bereichen Kultur,

schnitztes, in Ton Modelliertes, in Metall Gegossenes von den

Kunst, Personal- und Organisationsentwicklung sind wesentliche

SchülerInnen der Friedrich Eymann-Waldorfschule (6., 7., 8. Klas-

Inhalte der Kooperation. Helen Kessler ist für Sprachgestaltung

se) gestaltet. Sie kommen wie auch die SchülerInnen der 9. bis 12.

zuständig.

Klasse des ORG Rudolf Steiner regelmäßig zum Epochenunter-

„Günter Bauer“, so erzählt Herr Reichert sen., „der Geschäftsfüh-

richt in die Studienstätte. Dieser künstlerisch-handwerkliche Un-

rer des österreichischen und osteuropäischen dm-Bereichs, wel-

terricht ist über das ganze Schuljahr verteilt. Jede Klasse kommt

cher mit Götz Werner in jungen Jahren um olympische Medaillen

von Montag bis Freitag für zwei Wochen in rhythmischen Ab-

im nautischen Sinn des Wortes gerudert hatte, hat eines Tages

ständen in die Werkstätten der Studienstätte. Zusätzlich gibt es

angefragt“.

eine regelmäßige Zusammenarbeit mit den LehrerInnen des ORG

Dann, im Raum für das „Studium Individuale“: Hier befinden sich

Rudolf Steiner und der Friedrich Eymann Schule.

unzählige künstlerische Arbeiten, gestaltet von Menschen in Bil-

Da das Zusammenwirken der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

dungskarenz, die auf dem bildnerischen Weg der Entspannung,

mit der Goetheanistischen Studienstätte immer mit Menschen

Fortbildung und Entschleunigung wandeln.

zu tun hat, gab es Zeiten intensiver Kooperation und Zusammen-

In den Räumen der Studienstätte ist auch das Waldorf-Kinder-

künfte, Zeiten mit weniger Zusammenarbeit, und zur Zeit kommt

gartenseminar beheimatet. Dies ist eine dreijährige berufsbe-

es selten zu Formen des Zusammenkommens.

gleitende Ausbildung zum Kleinkindpädagogen. Das Kollegium

Die direkteste Verbindung zur Maurer Schule ist durch Engelbert

des Kindergartenseminars sowie jenes der Studienstätte pflegen

Sperl (Geschäftsführer unserer Schule) gegeben; er ist Rech-

einen regelmäßigen Austausch. Zudem ist das Kindergartense-

nungsprüfer des Vereins der Studienstätte.

minar Mitglied im Verein der Studienstätte. Seit vielen Jahren gibt es in der Studienstätte die Bücherstube

P.S. Die SchülerInnen des ORG Rudolf Steiner können die Matura

als Fachbuchhandlung für Anthroposophie und Waldorfpädago-

im Rahmen ihrer Waldorfschule absolvieren. Die Schule ist aller-

gik. Sie führt auch ein großes Angebot an Kinder- und Jugend-

dings nicht im Waldorfbund Österreich integriert.

büchern. Eine Ergänzung zum reichhaltigen Buchangebot bildet der Bereich des Kinderspielzeugs. Silvia Müller und ihre Kollegin

Goetheanistische Studienstätte

Sabine Reichert bieten hier qualitativ hochwertiges Spielzeug der

Freie Kunstschule.

Firmen Ostheimer, Grimms, Decor und Kraul an. Handgefertigte

Speisingerstraße 258, 1230 Wien

Puppen aus Naturmaterialien runden das Sortiment ab.

Tel. 01/888 69 03

Seit Bestehen der Studienstätte gibt es den Karl Julius Schrö-

E-Mail: studienstaette@aon.at

er-Zweig. Regelmäßige gemeinsame anthroposophische Ar-

Bücherstube

beit sowie Vorträge bilden die Grundlage der Tätigkeit dieser

Anthroposophische Fachbuchhandlung in der Studienstätte.

Gemeinschaft.

Speisingerstraße 258, 1230 Wien

Seit einigen Jahren wird unter Anleitung von Herrn Reichert

Tel. 01/889 26 93

Junior und Herrn Pichler in der Schülerwerkstatt aus Holz Ge-

E-Mail buecherstube1230@gmx.at


Unsere Schule im Umfeld Unser Bezirksvorsteher: ein gern gesehener Gast bei unseren Veranstaltungen, offener Gesprächspartner, oftmaliger Unterstützer und „Ermöglicher“ in organisatorischen Fragen

Gerald Bischof im Mail-Interview

Lieber Herr Bischof, wie nehmen Sie die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer als einen Teil der Bildungslandschaft des Bezirkes Liesing wahr?

trag des Miteinanders im Bezirk dar. Beispielsweise hat mich der

Kinder sind unsere Zukunft, und jede Bildungseinrichtung

seit 2017 durchgeführte Maurer Waldorf Lauf oder der sehr stim-

trägt hier natürlich eine besondere Verantwortung. Die Ru-

mungsvolle Adventbazar, den ich schon öfter besuchen durfte,

dolf Steiner-Schule nimmt diese in sehr kreativer Art wahr

beeindruckt.

und bereichert dadurch unsere Liesinger Schullandschaft.

Abschließend gratuliere ich herzlich allen Lehrerinnen und Lehrern

Gibt es etwas, dass Ihnen an uns besonders positiv erwäh-

sowie natürlich auch allen Schülerinnen und Schülern zum hun-

nenswert erscheint?

dertjährigen Waldorf-Jubiläum und wünsche Ihnen für die zukünf-

Jedenfalls möchte ich hier das Konzept der Gesamtschule

tigen Aufgaben weiterhin viel Erfolg und Glück.

hervorheben. Kinder brauchen Zeit, zu selbstständigen jun-

Die Fragen stellte Nadja Berke.

gen Menschen heranzuwachsen. Dabei ist die Entwicklung nicht immer nur linear. Mit dem Angebot der Rudolf SteinerSchule wird hier eine Möglichkeit geboten, speziell auf die

Seit 20. September 2012 ist Gerald Bischof (SPÖ) Bezirksvorste-

Entwicklung und Entfaltung des einzelnen Kindes einzuge-

her von Liesing. „Bruno Kreisky war und ist mein Vorbild. Wegen

hen. Außerdem gefällt mir das soziale Engagement der Schu-

seines hohen sozialen Engagements, aber auch, weil er immer

le und damit die Möglichkeit auch für Kinder weniger finanz-

dort war, wo die Menschen ihn gebraucht haben“.

starker Familien, das besondere Angebot der Rudolf Steiner-

Quelle: www.wien.gv.at

Schule zu nutzen. Gibt es negative Eindrücke, die wir hinterlassen? Nein, keine – ich freue mich über dieses zusätzliche Schulangebot in Liesing. Können Sie uns noch ein persönliches Statement – abseits Ihrer offiziellen Funktion als Bezirksvorsteher – zu einem Erlebnis mit oder an unserer Schule geben? Insbesondere Ihre Großveranstaltungen sind hier vor den Vorhang zu heben. Sie stellen einen wesentlichen Bei-

MoMent Frühling 2019 _ 15


Designo – Das Café in Mauer Stimmungsbericht mit Interview

von Nadja Berke

Donnerstagabend, kurz vor 19:00. Die Gesslgasse liegt schon

Arbeitest Du mit Deiner Frau gemeinsam hier?

recht im Dunkeln. Der Abendverkehr rauscht vorbei. Ich öffne

Nein. Das hier ist meines. Aber sie unterstützt mich sehr. Meine

die Türe. Das Designo ist noch leer. Nur Werner Schmidmeier

Frau hat ihren Beruf: Sie ist Hausgeburtshebamme. Mit mir ist

steht hinter dem Tresen und bereitet das Abendgeschäft vor.

es schwer zu arbeiten – ich bin eine „Prinzessin“!

Gedimmtes Licht und Kerzenschein.

Sagt Dir die Rudolf Steiner-Schule im Maurer Schlössl etwas?

Wir haben uns zu einem kurzen Interview für das MoMent verabredet – so nebenbei, während Werners Arbeit. Ich nutze die Gunst des ruhigen Augenblicks und beginne nach einer kurzen Erklärung, was denn das MoMent ist und warum wir dieses Mal das Thema „Unser Umfeld“ gewählt haben, meine Fragen zu stellen. Seit wann gibt es das Designo hier in der Gesslgasse? Seit August 2017 Mauer als Stadtteil hat ja ein wenig „Dorf-Charakter“ – wie wird Dein Geschäft von diesem Umfeld wahrgenommen? Von den Gästen wird es sehr gut angenommen, was mich natürlich freut. Von einigen Geschäftsleuten in der unmittelbaren Umgebung wird es eher als Konkurrenz wahrgenommen, was mich ehrlich stört, weil ich sehr harmoniebedürftig bin. In diesem Umfeld suche ich auch nach Kooperativen, was z. B. die Lieferungen von Brot und anderen Lebensmitteln angeht. Nach welchen Kriterien stellst Du Dein Angebot zusammen? Für mich ist die Qualität wichtig! Das Schmecken, das Riechen, das Spüren! Ich probiere die Dinge, bevor ich sie für die Kunden verarbeite, aus. Wichtig ist mir Regionalität. Bio schmeckt man auch!

Ha, 90% meiner Gäste sind aus der Waldorfschule! Viele davon sind Frauen. Ich glaube, hauptsächlich Elternteile und Lehrerinnen. SchülerInnen sind da eher wenige dabei. Wobei in letzter Zeit verjüngt sich das Publikum nachmittags – was ich auch fein finde. Und? Wie ist diese Waldorf-Kundschaft so? Eigentlich alle gemütlich! Gemütlicher und chilliger als ich! Hattest Du davor schon einen Bezug zu Waldorf? Nein – überhaupt nicht. Ich stamme ursprünglich aus Krems, habe Tischler gelernt, aber nie in diesem Beruf wirklich gearbeitet. Ich habe verschiedenes gemacht, zuletzt bei Novomatic gearbeitet – das war nix für mich. Jetzt ist die Schule ein Thema bei mir – eigentlich im positiven Sinne. Ich höre oft – besonders bei jüngeren Müttern –: „Hoffentlich bekommen wir einen Platz im Kindergarten“ oder „Hoffentlich ist noch Platz für mein Kind in der oder jener Klasse“. Warst Du unsere Schule denn auch schon einmal besuchen? Ja, zum Basar im vergangenen Jahr. Aber da war es schon kurz vor sechs, und ich habe leider keine Würstel mehr bekommen. Sonst war für mich auch nix dabei – aber meine Frau hat ein paar Dinge gefunden!

Meine neueste Errungenschaft in punkto Geschmack ist der

Dann kommt doch das nächste Mal zu unserem Sommerfest! Das

„Mercedes unter den Patisserie-Lieferantinnen“! Das wird das

ist an einem Samstagnachmittag! Da sollte es sich dann inklusive

Nachmittagsgeschäft hoffentlich noch mehr beleben!

Würsteln ausgehen!


Unsere Schule im Umfeld

Während wir reden, kommen die ersten Abendgäste. Sofort wendet sich Werner sehr persönlich den BesucherInnen zu, nimmt – beratend und empfehlend – die Bestellungen auf und macht sich ans Werk. Summend bereitet er Toasts und Sacherwürstel zu. Unaufdringliche Musik, gedämpftes Licht, leises Geplauder; das Geschirr und Besteck klappert während Werners Zubereitung der Speisen... Das alles lässt den draußen vorbeirauschenden Abend-

Eindrücke aus der Bäckerei Szihn

verkehr angenehm weit weg erscheinen. Jetzt beginnt die „Quiet Night Work“ im Designo (ab jetzt jeden Donnerstagabend). Wieder öffnet sich die Türe – die nächsten Gäste. Ich ziehe mich zurück, obwohl ich mich im Sinne des Donnerstagsthemas eigentlich recht richtig am Platz fühle, und bekomme dankenswerterweise noch vier Toasts in Folie mit. Es ist dann doch schon 20:00, und ich bin heute nicht zum Einkaufen gekommen – zuhause warten die Kinder mit knurrendem Magen. Ich verlasse das Designo mit dem Gefühl, dass

Auf die Frage, wie sie uns als Schule wahrnehmen, teilten uns die Mitarbeiterinnen der Bäckerei Szihn in Mauer folgendes mit: Leider können sie nicht klar zwischen unseren SchülerInnen und den Kindern der Bendagasse unterscheiden. Fest steht aber für sie, dass es dort wie da höfliche und nette, aber leider auch sehr unhöfliche „Kunden“ gibt. Als unhöflich bewerten sie Kinder – und leider auch Erwachsene –, die mit Kopfhörern musikhörend, telefonierend oder in anderer Form vom Handy abgelenkt in die Bäckerei kommen und versuchen, eine Bestellung aufzugeben. Die überaus freundlichen Szihn-Mitarbeiterinnen würden sich hingegen sehr über eine ungestörte Kommunikation mit Blickkontakt und einem abschließenden Danke freuen. 

Sabine Trierenberg

es doch schön ist in unserem Umfeld und treffe am Heimweg Holger Finke (Tutor meines Sohnes Paul). Wir wünschen uns gegenseitig einen guten Abend. Dorf-Charakter eben. Im positivsten Sinne. www.designo-mauer.at ÖFFNUNGSZEITEN Di, Mi 8 - 14 & 15 - 18 Do 8 - 14 & 15 - 22 (Quiet Night Work) Fr 8 - 14 & 15 - 18 Sa 8 - 13 So / Mo & Feiertag geschlossen

Ich nehme die Waldorfschule als aktive und wertvolle Teilnehmerin am sozialen Leben in Mauer wahr. Neben den persönlichen Kontakten in unserer Praxis, wo ich die Schülerinnen und Schüler als aufgeweckte und kommunikative Menschen erlebe, sind es vor allem die Grätzlinitiativen der Waldorfschule, die Mauer beleben. Besonders gelungen ist die Freie Musikschule, die auch meine Tochter sehr gerne besucht. Das Haus ist ein neuer Treffpunkt für musikbegeisterte Menschen in Mauer. Ich selbst bin immer wieder gerne Teilnehmer am von der Rudolf Steiner-Schule organisierten „Mauer Waldorf Lauf“, der einmal im Jahr quer durch den Maurer Wald führt. Hier zeigt sich vor allem bei der liebevoll gestalteten Siegerehrung das Selbstverständnis der Waldorfschule als aktive und wertvolle Teilnehmerin am Leben in Mauer. Christoph Lauber, Therapie in Mauer

MoMent Frühling 2019 _ 17


Die genussbar in Wien-Mauer Brigitte Födinger im Gespräch mit der Inhaberin Birgit Hödl

I

n dem freundlich hellen, frühlingshaft anmutenden Ambiente

sucht, mussten dann aber wieder mangels Interesse fallen ge-

des Einraum-Lokales mit angrenzender kleiner Küche treffe ich

lassen werden, wie z.B. „grüne Smoothies“.

an einem Vormittag die Inhaberin der genussbar, Birgit Hödl.

An einen Standortwechsel denkt sie jedoch nicht, weil Frau Hödl in Mauer wohnt und nur wenige Minuten zu ihrem jetzigen

Seit 2011 führt Frau Hödl das kleine Geschäft; ursprünglich war

Geschäft hat. „Entweder hier oder gar nicht.“

es mit regionalen Produkten bestückt. 2014 wurde es zu einem

Mit der Rudolf Steiner-Schule hat sie kaum Berührungspunk-

Lokal mit acht Sitzplätzen umgewandelt. Sukzessive wurde

te und steht dieser in allen Belangen neutral gegenüber. Die

seither das Sortiment reduziert, dafür durch eine eigene, klei-

Schule selbst sieht Frau Hödl weder positiv noch negativ. „Ein

ne Manufakturlinie ersetzt, deren Produkte sich hervorragend

bisschen isoliert ist sie vielleicht.“ (Anm. der Red.: in Mauer).

für kleine Mitbringsel eignen. „Vorwiegend für Weihnachtsge-

Tatsächlich habe sie schon überlegt, mit einem eigenen Stand

schenke oder zu Ostern, dazwischen eben auch als Mitbringsel“,

beim Adventbasar der Schule vertreten zu sein. Gleichzeitig

sagt Frau Hödl.

bezweifelt sie, ob sie AbnehmerInnen finden würde, da ihr Sor-

„Abwechslungsreich und täglich frisch gekocht“, dafür stün-

timent nur teilweise, aber nicht ausschließlich auf biologischer

de sie. Vielfalt ist ihr wichtig, oft vegetarisch, aber nicht aus-

Basis basiert.

schließlich biologisch. Das könne sie preislich nicht vertreten.

Interessiert zeigt sich Frau Hödl an der neuen Lebensmittel-

Mauer sei preisbewusst, aber die Qualität müsse stimmen.

kooperative Dynamo Bio im Haus der Freien Musikschule, nur

Besonders beliebt seien ihre Currys und Hühnerrezepte, sagt

einen Katzensprung von ihr entfernt. Die Idee gefällt ihr, Verpa-

Fr. Hödl. „Da bin ich meistens ausverkauft.“ Es gibt immer eine

ckung zu sparen und mit eigenem Gebinde zu „Ab Hof“- Prei-

Wochensuppe, manchmal auch Fleisch, aber auch viel Veganes

sen qualitativ hochwertige Bioprodukte kaufen zu können. Hier

und Vegetarisches.

haben wir gerne den Kontakt weitergeleitet.

Wichtig ist für Birgit Hödl jedenfalls die ausgewogene Ernäh-

„Jetzt muss ich eh mit dem Kochen beginnen“, sagt Frau Hödl;

rung, der abwechslungsreiche „Schnabulier-Plan“, den sie wö-

gleichzeitig das Ende unseres netten Gespräches. Die Buddha

chentlich variiert und die qualitätvollen Ausgangsprodukte.

Bowl hat jedenfalls mein Interesse erregt!

Reste gäbe es kaum. Sollte dennoch etwas übrig bleiben, wird es eingefroren oder in der Familie verteilt. Weggeworfen wird

birgit.hoedl@gmx.at

nichts. Für Gesundheitsbewusste hat sich Frau Hödl vorerst nur für die

ps: essen ist ab ca. 12:00 fertig geköchelt; so lange der vorrat

Fastenzeit etwas Neues überlegt: BUDDHA BOWLS: „Eine aus-

reicht; alle speisen auch zum mitnehmen!

gewogene Kombination, die happy macht: immer glutenfrei,

reservierungen telefonisch unter: 01/347 0 863 oder per sms unter:

nahezu immer vegan, meistens laktosefrei, nur manchmal mit

0676/464 15 25.

Schafskäse. Der Preis ist etwas höher, weil die Zutaten ausschließlich biologisch sind.“ Hier ist sie gespannt, wie es angenommen wird, weil „Mauer ist schwierig mit neuen Sachen. Da bin ich zurückhaltend.“ Dank ihrer StammkundInnen hält sie sich tapfer über Wasser, denn Laufkundschaft gibt es wenig in Mauer, das sich zusehends zu einer „Schlafstadt“ entwickelt. Die jungen Leute fahren in die Stadt zum Arbeiten und nach Hause zum Schlafen. Ideen hätte sie schon viele gehabt; einige wurden auch ver-

18 _ MoMent Frühling 2019


Unsere Schule im Umfeld

„aus gutem grund“ zu Dynamo Bio Die neue Demeter-Lebensmittel-Kooperative setzt eine alte Schultradition fort von Roman David-Freihsl

D

ie Lebensmittel-Kooperative „Dynamo Bio“ wurde gerade

musste, da bereits dem geplanten Schul-Neubau auf 113 entge-

erst mal im vergangenen Herbst gegründet, startete offiziell

gengefiebert wurde.

im Jänner dieses Jahres – und dennoch ist sie untrennbar mit der

Dieser traurige Schlusspunkt war wiederum die Geburtsstunde

Geschichte der Rudolf Steiner-Schule in Mauer verbunden. Von

der neuen Lebensmittel-Kooperative „Dynamo Bio“. Viele waren

Beginn an. Der Dynamo Bio-Stützpunkt ist das Gartenhaus der

geradezu entsetzt, dass dieser bewusste und besondere Lebens-

Freien Musikschule am Jesuitensteig – und genau von hier aus

mittel-Bezugspunkt nun nicht mehr sein sollte und wollten etwas

wurde sozusagen die Schule gegründet, aber auch die biologisch-

Neues schaffen. Esche Schörghofer hingegen verweigerte sich

dynamischen Lebensmittel-Initiativen in Wien ins Leben gerufen.

zunächst – völlig zu Recht. „Wenn ihr etwas Neues wollt – dann

Um diese engen Bande zu verstehen, muss man wissen, dass das

tut etwas!“, war seine Botschaft. Initiative und Eigenverantwor-

nunmehrige Haus der Freien Musikschule vor gar nicht langer

tung waren gefordert.

Zeit das geradezu legendäre „Kühne-Haus“ war. Hier wohnten

Also fand sich schließlich eine Gruppe, die ein völlig neues Kon-

Agnes und Tobias Kühne mit ihrer Familie, die zu den Gründungs-

zept entwickelte – und damit letztlich zum Ursprung zurück-

eltern der Rudolf Steiner-Schule zählten. Gemeinsam initiierten

kehrte: eine gemeinnützige Gemeinschaft, die auf dem Gelände

diese Gründungseltern erst einen häuslichen Waldorf-Unterricht,

des alten Kühne-Hauses biologisch-dynamische Lebensmittel

dann organisierten sie eine erste, provisorische Waldorfschule in

anbietet. Jetzt werden wieder jeden Freitag Demeter-Gemüse,

Meidling – die dann schlussendlich ins Maurer Schlössl übersie-

-Getreide, -Obst, -Käse und auch -Honig angeliefert und ab-

deln konnte.

geholt. Es ist jedes Mal ein freudvolles, lustvolles Treiben, wo

Die Familie Kühne war es aber gleichzeitig auch, die in den 70er-

abgewogen, geplaudert und eingepackt wird. Aus den Einzelnen,

Jahren des verwichenen Jahrhunderts eine regelrechte Unter-

die dazumals ihre Milch im Keller abholten, ist eine fröhliche Ge-

grundbewegung ins Leben gerufen hatte. Wie auch andere Fami-

meinschaft geworden.

lien in Wien wollten sie eine gesunde, unverfälschte Milch be-

Gleichzeitig ist es den Initiatorinnen und Initiatoren von Dynamo

ziehen: Demeter-Rohmilch – so etwas gab es damals überhaupt

Bio bewusst, dass der logische Weg wieder zur Schule zurück-

nicht, schon allein wegen der Hygiene-Vorschriften. Einfach

führt. Ziel ist es, die Bewusstseinsbildung für unsere Ernährung

undenkbar. Die einzige Möglichkeit, dieses damals so exotische

und den Bezug zu besonderen und hochwertigen Lebensmitteln

Produkt weitergeben zu können, war eine gemeinnützige, nicht

auch wieder in der Schulgemeinschaft zu verankern.

gewinnorientierte Organisation. Also begann die Familie Kühne,

Dass das kein reines Hirnprodukt ist, beweist Esche Schörghofer,

im Keller ihrer Villa in Mauer unbehandelte, biologisch-dyna-

der seit der ersten Lieferung für Dynamo Bio gleich wieder mit

misch hergestellte Milch anzubieten.

dabei war. Hatte er erst abgewartet, ob sich Menschen finden,

Zig Familien pilgerten Woche für Woche zum Jesuitensteig, um

die Initiative ergreifen und anpacken – so hat er dann gleich ger-

die Milchflaschen mit Alu-Deckel abzuholen. Bald kamen auch

ne wieder mitgeholfen. Jetzt packt er wieder selbst regelmäßig

Demeter-Obst und -Gemüse im Angebot dazu, schließlich sogar

mit an – beim Verteilen, beim Abwiegen, beim Abrechnen und

Demeter-Orangen. Dann gelang der nächste Schritt, und auf

auch bei der Betreuung der Produzentinnen und Produzenten.

dem Gelände der von den Kühnes mitbegründeten Steiner-Schu-

Ganz einfach, weil die Frage, wie unsere „Lebens“-Mittel produ-

le wurde ein Bioladen eröffnet. Erst wurde das „Demeter-Haus“

ziert werden und welche wir kaufen, eine der wichtigsten The-

von Lehrerinnen und Lehrern geführt, dann wurde der Laden von

men unserer Zeit ist. Für die Schule, für ihr Umfeld – und letztlich

Willi Rosen betreut – und schließlich wurde es der Bioladen „aus

für unsere gesamte Gesellschaft.

gutem grund“ von Esche Schörghofer.

Wer Interesse an unserer Lebensmittelkooperative Dynamo Bio hat,

Es wurde eine Institution in Mauer – und auch unter den Biolä-

kann gerne Kontakt aufnehmen:

den in Wien… die aber leider vor mehr als einem Jahr zusperren

dynamobio@gmx.at

MoMent Frühling 2019 _ 19


„Für die Steiner-Schule“

Die Paracelsus Apotheke unterstützt unsere Schule schon seit Langem. von Brigitte Födinger

B

ei meinem Besuch in der Paracelsus Apotheke treffe ich auf

zutauschen. „Bei uns fangen die Kunden oft an, miteinander zu

einen gut gelaunten Apotheker. Mag. Martin Fölß, der Inhaber,

plaudern, gehen dann gemeinsam auf einen Kaffee oder setzen

erzählt mir bereitwillig von seinem Leben in Mauer, den vielen

sich gar hierher.“ Der Apotheker betont den dörflichen Charakter

Kundinnen und Kunden, die gerne zu einem Pläuschchen vorbei-

von Mauer: die Apotheke als Treffpunkt der hiesigen Bevölkerung.

kämen und nicht zuletzt auch von unserer Schule, die er alle Jah-

Sein guter Kontakt zur Waldorfschule besteht vor allem durch

re zum Adventbasar gerne besucht.

eine Mitarbeiterin, deren Kinder diese Schule besuchen bzw. be-

Seit seinem 1. Lebensjahr lebt Herr Fölß in Mauer. An seine Schul-

suchten. Seit rund 15 Jahren ist der jährliche Besuch des Advent-

zeit erinnert er sich besonders gerne, die er in der „Bendagasse“

basars ein Fixpunkt für Herrn Fölß, mittlerweile mit der eigenen

und später in „Kalksburg“ verbracht hatte. Für sein späteres Phar-

kleinen Familie. „Da ist es noch so, wie es sein soll, dieses gemein-

maziestudium sei ihm die strenge, aber faire Ausbildung in Kalks-

same Begleiten der Kinder beim Aufwachsen und auch mehr

burg sehr zugute gekommen. Im Studium selbst wäre Genauigkeit

Bezugnahme auf die Begabungen der Kinder. Da wird viel mehr

ein wichtiger Faktor gewesen. „Man wird hundertfach auf Exakt-

darauf eingegangen.“ Auch die Schulzeitung MoMent ist ihm

heit gedrillt“, sagt er und lacht. „Wir sind schon penible Leute.“ In-

geläufig.

formationen, die aus der Apotheke kommen, haben einen hohen

„Für die Steiner-Schule“ – KundInnen können ihren Treuebonus

Stellenwert bei seinen KundInnen, weiß Herr Fölß zu berichten,

der Steiner-Schule zugute kommen lassen; eine wichtige Unter-

der um guten Kontakt und Service am Kunden sehr bemüht ist.

stützung für diese. Akribisch wird in einem Buch jeder noch so

Schwerpunkt der Apotheke ist die Homöopathie. Seit rund zwei

kleine Betrag zuverlässig aufgeschrieben und in unregelmäßigen

Jahrzehnten werden homöopathische Arzneimittel auch im ei-

Abständen an die Schule überwiesen. – „Ich finde auch toll“, sagt

genen Haus erzeugt; streng nach Hahnemann. Die Homöopathie

Mag. Fölß, „(…) dass die Eltern so viel partizipieren. Viele stöhnen

ist für den Apotheker eine wunderbare Ergänzung zur klassischen

zwar, man sei ständig eingesetzt, aber es ist ein hoher Grad an In-

Medizin, die Anthroposophie ein weiterer Schwerpunkt.

formation und Kommunikation.“

„Hier hat die Frage: ‚Wie geht es Dir/ Ihnen?’ noch einen beson-

Mit einer gewissen Ergriffenheit erzählt Herr Fölß von einer Be-

deren Stellenwert“, sagt der Pharmazeut, „und wird von uns sehr

gebenheit, als es ihn zufällig mit einem Bekannten in die Räum-

ernst genommen. (...) Wir fragen das gerne. Es ist schön, wenn

lichkeiten der Goetheanistischen Studienstätte verschlagen hatte,

man teilhaben darf am Leben der KundInnen, und es ist ein hoher

deren Gesamtgebäude er beachtlich findet. Aus Interesse für

Vertrauensbeweis. Die Apotheke ist kein Arztersatz, niemals eine

Architektur wären sie reingegangen. Sofort wäre ihm das Fehlen

Konkurrenz, aber wir merken, dass so ein Gespräch nicht nur die

einer neumodischen Heizung aufgefallen, und dass alles mit Holz-

Wirkung eines Medikaments vertiefen kann, sondern dem see-

öfen beheizt wird. Eine angenehme Wärme, die ihn an frühere

lischen Wohlbefinden tut es gut. (…) Gerade in unserer schnell-

Zeiten erinnert habe und die er zuletzt bei seiner Großmutter im

lebigen Zeit ist das oft so ein Faktor, wenn man sich mitteilen kann. Manche nehmen einen langen Weg auf sich. Auch wenn sie umgezogen sind, bleiben sie der Apotheke treu. (…) Wir haben auch schon Strafzettel gezahlt für unsere Kunden“, sagt Herr Fölß lachend. Mauer selbst sieht er als selbständigen Ort in Wien, den Maurer Wald als Gebiet von hohem Naherholungswert. Viele seiner StammkundInnen kämen zu Fuß in die Apotheke, nicht ausschließlich, um Medikamente abzuholen, sondern, um sich aus-

20 _ MoMent Frühling 2019


Unsere Schule im Umfeld

„Best Empanadas in Town“ Empanadas Event-Catering - die argentinische Spezialität um die Ecke! von Brigitte Födinger

E

lisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez und ihr Mann Os-

Ob die Familie je die Waldorfschule für ihre Kin-

car betreiben gemeinsam das „Empanadas Event-Catering“

der überlegt habe?, frage ich. Den Waldorf-Kin-

in Wien-Mauer. „Jeder bringt das ein, was er gut kann“, sagt

dergarten in der Endresstaße habe man für die

Elisabeth: Oscar kocht und ist vor Ort, was von den KundInnen

Älteste angesehen; mangels Platz jedoch gin-

sehr geschätzt wird; Elisabeth betreut die Homepage, hält die

gen in der Folge alle drei Kinder in den Gemein-

Kontakte zu den Kunden und erledigt das Kaufmännische. „Ich

dekindergarten beim Ölzeltpark. Später waren

koche nie. Ich könnte den Empanadas-Teig auch nicht alleine

alle in der „Bendagasse“; nun gehen die Großen

machen. Keine Chance“, stellt sie fest.

in das ORG Anton Krieger-Gasse, wo man „ext-

Den Guatemalteken Oscar Garcia Marquez, früher Profifußballer,

rem zufrieden“ ist. Kein Schulgeld zu zahlen sei

jetzt bester Ehemann von allen und Koch dieser herrlichen Köst-

ein wichtiges Entscheidungskriterium der Fa-

lichkeiten, traf sie in Guatemala im Rahmen eines Forschungs-

milie für die öffentliche Schule gewesen.

projektes für ihre Dissertation. Ein halbes Jahr später kehrte

2017 und 2018 wurden Empanadas für den 12. Klass-Ball unse-

man gemeinsam nach Österreich zurück, und Oscar begann, das

rer Schule geliefert, zuletzt auch einige Gratis-Empanadas als

Catering-Unternehmen aufzubauen.

Sponsoring. „In Folge gab es weitere Kundenanfragen“, freut

Hauptprodukt sind Empanadas: gefüllte Teigtaschen nach ar-

sich Elisabeth. Auch für den Maurer Waldorflauf wurden bereits

gentinischem Rezept, ausschließlich von Oscar händisch in der

Empanadas-Gutscheine gespendet.

eigenen Küche zubereitet. Ab heuer bietet er auch an, vor Ort

Elisabeth zu den SchülerInnen unserer Schule: „(…) ich glaube,

für seine KundInnen Fleisch oder Gemüse im Garten zu grillen.

dass in der Schule Kreativität und Kunst, Handwerk so ganz im

Feste feiern ist eine „Spezialität“ der Familie. Die Tradition in

Vordergrund stehen. Ich denke mir dann immer, wow, die Leute,

Guatemala will etwa, dass der 15. Geburtstag eines Mädchens –

die da rauskommen, können ganz tolle Sachen (…), und das wird

„Los Quince Años“ – groß gefeiert wird: ein Anlass, der die Fami-

auch gefördert.“ Auch, dass Russisch gelehrt wird, beeindruckte

lie bei ihrer Suche nach einem ausreichend großen Lokal auch in

sie schon als Kind.

unserer Schule anfragen ließ. „Es war großartig. (…) Der Schul-

Das Bild von den gut situierten Familien (Schulgeld!) taucht im

wart war sowas von nett und entgegenkommend. Schon als wir

Gespräch auf. Wir stellen fest, dass es wichtiger sei, sich hier als

das anschauten, hat er uns alles gezeigt und gefragt, wie wir es

Eltern einzubringen, als zu wenig Geld.

bräuchten. Die Tische haben wir uns von der Pfarre Mauer und

Die Zeit verfliegt, und Elisabeth eilt zum „Netzwerk Kinderrechte

der Wotrubakirche geholt, weil unsere Tische in der Schubert-

Österreich“, das sie als Juristin koordiniert. www.empanadas.at

Schule bei Aktivitäten verliehen waren.“

alten Haus erlebt hatte: „und das ist schön. Man kommt rein, und

anderswo hin, beobachtet er. Ein Dorfleben könne aber nur dann

man fühlt sich sofort geborgen. Wir sind beide rein, mein Bekann-

entstehen, wenn man im Ort auch einkauft. – „Die Leute wol-

ter und ich, …und waren still, zwei Minuten still.“ Später habe sich

len immer eine Apotheke in der Nähe haben, die Information, die

noch ein sehr nettes und lockeres Gespräch im Stiegenhaus mit

Kompetenz.“ Wenn dann von der jungen Generation über Internet

den Leitern der Institution ergeben. – Auch das Sortiment der Bü-

Nahrungsergänzungsmittel eingekauft werden, verändern sich

cherstube, die er immer wieder besucht, begeistert ihn sehr.

aber langsam die Märkte, und auch ein Ortsbild wie Mauer verän-

Alles in allem sieht Herr Fölß einen großen Bedarf, Mauer als Ort

dert sich.

wiederzubeleben. Die junge Generation fährt zum Einkaufen gern

www.paracelsus-apotheke.wien

MoMent Frühling 2019 _ 21


Vier Bücher, in denen Nachbarschaft ein zentrales Thema ist. Vier Empfehlungen der Buchhandlung Mauer.

Ulrich Woelk, Der Sommer meiner Mutter

Alina Bronsky, Baba Dunjas letzte Liebe

Beck Verlag € 20,60

Kiepenheuer Verlag € 8,30

Sommer 1969. Der elfjährige Tobias fie-

Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heim-

bert am Stadtrand von Köln der ersten

kehrerin. Wo der Rest der Welt die

Mondlandung entgegen, während sich

strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut

seine eher konservativen Eltern mit den

sie mit Gleichgesinnten ein neues Le-

neuen, politisch engagierten und flip-

ben auf. Während der sterbenskranke

pigen Nachbarn anfreunden. Deren dreizehnjährige Tochter

Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Mel-

Rosa bringt Tobias nicht nur Popmusik und Literatur bei, und

kerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt,

zwischen den Ehepaaren entwickelt sich eine wechselseitige

schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter in Deutschland.

Anziehung. Aber die Liebe geht andere Wege, als vermutet.

Doch dann kommen Fremde ins Dorf, und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung.

Erika Pluhar, Gegenüber Insel Verlag € 12,40 Henriette Lauber blickt auf ein schöpferisches und erfülltes Leben zurück. Eines Tages macht sie zufällig die Bekanntschaft ihrer jüngeren Nachbarin Linda. Zwischen den beiden Frauen entsteht ein reger Kontakt. Während Linda Henriette im Alltag hilft, erzählt diese ihr von ihrer Vergangenheit. Für Linda eröffnen sich neuen Welten, und sie beginnt, ihr eigenes Leben zu hinterfragen…

Jocelyne Saucier Ein Leben mehr Insel Verlag €10,30 Drei Männer leben zurückgezogen in den Tiefen der kanadischen Wälder. Eines Tages aber ist es mit ihrer Freiheit vorbei: Zuerst stößt eine Fotografin zu ihnen, kurze Zeit später taucht Marie-Desneige auf, eine eigensinnige zierliche Dame von zweiundachtzig Jahren – und zwischen ihnen allen entsteht etwas, das niemand für möglich gehalten hätte…

22 _ MoMent Frühling 2019

MitarbeiterInnen der Buchhandlung Mauer Brigitte Wetter Guido Wetter

Julia Voska


Unsere Schule im Umfeld Schmökern und plaudern im verlängerten Wohnzimmer

Die Buchhandlung Mauer und ihre besondere Beziehung zur Rudolf Steiner-Schule von Roman David-Freihsl

E

s ist definitiv einer meiner ganz besonderen Lieblingsorte.

gingen – im Gegensatz zu seinen vielen Nichten und Neffen.

Ein kleines Geschäft, nicht nur zum Einkaufen – der samstäg-

Die neuerliche Annäherung fand dann mit der Etablierung des

liche Besuch wird nur ganz selten ausgelassen; dort schaue ich

Buchgeschäftes in direkter räumlicher Nähe statt. „Und natür-

vorbei, auch wenn ich gerade kein neues Buch brauche. Einfach

lich kommen viele Eltern, Lehrerinnen und Lehrer ins Geschäft,

nur schauen, stöbern – und vor allem: plaudern. So angenehm

das hat sich sehr oft von einer Kund- zu einer Freundschaft

und entspannt ist’s da drinnen, dass ein Besuch in der Buch-

entwickelt. Allein dadurch gibt es schon eine viel emotionalere

handlung Mauer schon fast ein halbes Thermenwochenende

Nähe als zu anderen Schulen in der Umgebung.“

ersetzen kann.

Umgekehrt erlebt Guido die Außenwirkung der Steiner-Schu-

Guido Wetter, der den Buchladen in der Gesslgasse gemeinsam

le jetzt auch vollkommen anders als zu seiner Schulzeit. „Als

mit seiner Frau Brigitte führt, ist wie immer gerne bereit für ein

Schüler hatte ich damals oft den Eindruck, dass mir von den

kleines Plauscherl. Und er lacht, als ich ihm die Frage stelle: was

Menschen im Umfeld scheele Blicke zugeworfen würden. Das

denn das Geheimnis sei, dass sein Laden eine derartige Wohl-

empfinde ich jetzt überhaupt nicht mehr so – die Schule ist in

fühl-Zone sei. Aber dann hat er auch, ohne zu zögern, gleich

der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

die Antwort parat: „Weil die Einrichtung nicht wie ein Geschäft,

Die Waldorfgemeinschaft sei aus seiner Sicht schon noch „ein

sondern wie ein Wohnzimmer konzipiert ist. Das war von An-

eigener Kreis für sich – aber längst nicht mehr so verschworen

fang an unsere Intention.“ Danach kommt allerdings noch eine

und abgekapselt wie früher. Das ist jetzt alles viel lebendiger

weitere, eher unerwartete Antwort: „Es liegt sicher auch dar-

und sympathischer, genauso, wie sich auch in der Waldorfpä-

an, dass ich mich mit den Menschen, die reinkommen, wohl-

dagogik selbst ja einiges aufgelockert hat. Zum meiner Zeit

fühle. Die bringen viel Gemütlichkeit mit, auch Offenheit und

war zum Beispiel noch das Fußballspielen absolut verpönt – wir

Neugierde.“

haben’s natürlich trotzdem gemacht. Aber davon sind sie in-

Dieses sehr persönliche Konzept würde in einer klassischen, in-

zwischen runtergestiegen, jetzt ist alles viel lockerer.“

nerstädtischen Einkaufsstraße auch nicht so gut funktionieren,

Dass die Waldorfgemeinschaft inzwischen als integrierter Be-

weiß Guido. Dort gäbe es viel mehr anonyme Laufkundschaft

standteil im Ort angekommen ist – das liege aber auch an dem,

– hier hingegen korrespondiert das Innere des Buchgeschäftes

was im direkten Umfeld entstanden ist: wie zum Beispiel die

auch mit seiner Umgebung, dem kleinstrukturierten, dörflichen

Studienstätte, vor allem aber auch Esches Bioladen, wo eben

Charakter von Mauer. Das macht alles gleich viel familiärer.

nicht nur die Schulgemeinschaft einkaufte, sondern auch Be-

Dass die Eröffnung des Geschäftes vor mehr als zehn Jahren

gegnungen mit außenstehender Kundschaft stattfanden.

für Guido Wetter auch eine Art nach-Hause-kommen war, hat

Wie auch früher Esches Bioladen, so hat auch diese Buchhand-

direkt mit der Rudolf Steiner-Schule zu tun – die er seinerzeit

lung eine Art Dorfbrunnenfunktion im dörflichen Grätzel. Wie-

selbst besuchte. Diese Schulzeit hat er als „positiv, lustvoll und

der einmal ist ein angenehmes, entspanntes Plauderstündchen

musisch in Erinnerung“. Seine Liebe zu Büchern, sein „Lesezu-

verflogen. Und wieder einmal verlasse ich die Buchhandlung

stand“ allerdings sei nicht direkt in der Schule geweckt worden

Mauer mit einem neuen Buch – von dem ich beim Hineingehen

– „das waren eher die Eltern“. Nur eine Deutsch-Gastepoche in

noch gar nicht wusste, dass ich es unbedingt brauchen würde.

der Oberstufe hat er noch in bester Erinnerung: „Das war ein älterer Lehrer aus Deutschland, der war wirklich super.“ Sein späteres Verhältnis zur Schule beschreibt Guido als „sehr verbunden – und gleichzeitig weit entfernt“. Das liege vor allem daran, dass seine eigenen Kinder nicht in die Steiner-Schule

MoMent Frühling 2019 _ 23


Umfeld Eltern

Der engste Kreis des

Mit einem gedanklichen Ausflug in die soziale Dreigliederung

B

von Nadja Berke

unt und vielfältig sind die Elternhäuser der SchülerIn-

In diesem Zusammenhang ist die soziale Dreigliederung nach Ru-

nen unserer Schule: aufgeräumt und chaotisch, bieder

dolf Steiner ein zusätzlicher spannender Aspekt. Dabei geht es um

und künstlerisch, laut und leise, voller Geschwisterkinder

die drei Bereiche der Gesellschaft, die sowohl in unserer Schule wie

und ohne, mit voll berufstätigen Eltern und zuhause arbei-

in den Lebensrealitäten der Elternhäuser zur Wirkung kommen.

tenden, gestresst und entspannt, Waldorf-erfahren und -unerfahren. Aus diesen unterschiedlichsten Alltagsrealitäten purzeln unsere Kinder und Jugendlichen täglich in die

Das Geistesleben, das Bildung, Wissenschaft, Religion und Kultur umfasst, sowie die Zusammenarbeit der Menschen.

Schule. Pünktlich, weniger pünktlich, mit oder ohne Früh-

Das Rechtsleben, das Gesetze, Regeln und Vereinbarungen der Ge-

stück im Bauch, im Auto gebracht, mit den Öffis gekommen,

sellschaft umfasst.

mit dem Fahrrad, dem Skatebord oder zu Fuß treffen sie ein und finden sich in ihrer Klasse wieder, wo sie, von den Päd-

Das Wirtschaftsleben, das die Produktion, den Handel und Konsum

agogInnen empfangen, in einer von Jahr zu Jahr vertrauter

von Waren und Dienstleistungen umfasst.

werdenden Gemeinschaft Schule erleben, Wissen erwerben

Sie werden als autonom und gleichrangig, aber unterschiedlich in

und Herzensbildung erfahren. Leicht ist es sicher nicht, auf so viele Individualitäten einzugehen. Doch genau das schaffen die PädagogInnen unserer Schule. Dafür können wir Eltern dankbar sein. Diese Dankbarkeit äußert sich im obligatorischen Kuchenbacken, der Unterstützung bei Klassenprogrammen inklusive Weihnachtsbasar, Klassenspielen, Reisen und anderem.

ihrem Wesen beschrieben. Jedem Hauptbereich wird ein Ideal der Französischen Revolution als leitendes Prinzip zugeordnet: die Freiheit dem Geistesleben, die Gleichheit dem Rechtsleben, die Brüderlichkeit dem Wirtschaftsleben. (Diesen Umstand MUSS ich als Mutter eines Sohnes in der achten Klasse anführen, da sowohl das 8.-Klass-Stück dieses Jahres wie auch der Geschichtsunterricht den Französischen Revo-

Was uns Eltern jedoch auch ausmacht, ist der Wille zu

lutionsgedanken zum Inhalt haben.)

MEHR! In den Gremien unserer Selbstverwaltung gestalten

Es ist nicht immer leicht, sich zu vergegenwärtigen, was wohin ge-

wir die Schule mit und machen sie möglich! Manches Mal

hört und welche Haltung demnach angebracht wäre. Beim Beispiel

sind wir anstrengend, weil wir genau das tun und auch ein-

Rechtsleben muss alles nachvollziehbar für alle gelten. Trotzdem

fordern. Doch genau das macht uns aus, macht diese Schule

kann es ab und an zu Ausnahmen in der Durchführung kommen.

zu dem, was sie ist.

Andere Vereinbarungen sind nicht beliebig auszulegen.

Das Dreieck von SchülerInnen, PädagogInnen und Eltern

Wie die Freiheit von uns Eltern, die Begleitung unserer Kinder ge-

bildet die Einheit, in der die SchülerInnen das Element sind,

stalten zu können, die freie Wahl einer Schule zu haben sowie den

um das es geht.

Umfang der Mitarbeit in der Schulgemeinschaft selbst zu bestim-

Die Elternschaft bildet das nächste Umfeld unserer Schule

men, so ist der Unterricht an der Schule in der Freiheit, dem Geis-

als ein Teil von ihr.

tesleben des/der LehrerIn angesiedelt. Dabei ist es nicht beliebig, was er/sie tut. Es muss verantwortungsvoll bedacht sein, was wie

Unter diesem Aspekt sollten wir einander noch mehr Ver-

ausgeführt wird. Dennoch ist der/die LehrerIn frei, zu entschei-

trauen schenken, miteinander agieren, miteinander reden,

den, auf welche Art, wann und welche Inhalte er/sie für die Klas-

einander zuhören, einander mit Offenheit begegnen, einan-

se am sinn- und wertvollsten hält. Rechtlich gebunden ist er/sie

der unterstützen und Unterstützung zulassen, ohne Ängste

dennoch durch allgemeine Richtlinien wie Lehrplan, Vorgaben zur

und falsche Ressentiments.

Sicherheit etc.

24 _ MoMent Frühling 2019


Unsere Schule im Umfeld

Miteinanders Am – in unseren Zeiten – scheinbar schwierigsten lässt sich die Dreigliederung im Element Wirtschaftsleben, der Brüderlichkeit und Solidarität, erfüllen. Nicht, wer quantitativ am meisten beiträgt, bestimmt, sondern jeder von uns gibt das, was ihm bestmöglich ist und trägt dabei bewusst andere mit. Die Brüderlichkeit umschließt in sich alle drei Begrifflichkeiten, da es in diesem GEBEN sowohl um wirtschaftliches Geben, finanzielles und organisatorisches Geben, Engagement des Einzelnen im Miteinander, wie auch um Geben und Teilen des Wissens und Potenziales jedes Einzelnen an und mit der Gemeinschaft geht.

Termine 8. Klass-Theater „Die Elenden“ nach Victor Hugo Do 04.04. bis So 07.04. Do 04. und Fr 05. Schülerauff. jeweils 10:20 Sa 06. öff. Auff. 19:00, So 07. 17:00 6. Klass Spiel „Peronnik“, Kinderoper von Heinz Bähler siehe Ankündigung Seite 40 Di 09.04. bis Do 11.04. Di 09. und Mi 10. Singspiel am Vormittag Mi 10. und Do 11. Singspiel am Abend

AUDIT NACH WZQ – Umfeld Di 14. bis Do 16.05. Singabend 11. Klasse Fr 17. und Sa 18.05., 19:30 ZIRKUS-WORKSHOP mit allen Wiener Waldorfschulen Do und Fr, 23. und 24.05. (Ort und Zeit siehe Anschlag in Schule) Gartenfest der Freien Musikschule Sa. 25.05.2019 von 15 bis 18 Uhr Im Musikhaus am Jesuitensteig 19 Do 30.05. bis So 02.06. (Christi Himmelfahrt) Schulfrei

Benefizkonzert der 9. Kl. unter Mitwirkung der 1. Kl. siehe Ankündigung Seite 40 Mi 10.04., 18:00

12. Klass-Klassenspiel Sa 07. bis 08.06. (abends)

Sa 13. bis So 28.04. Osterferien

Sa 08.06. bis Di 11.06. (Pfingsten) Schulfrei

Rhythmisches Bewegungstraining nach Dr. Blomberg siehe Ankündigung Seite 26 Mo 29.04., 19:30

SCHULFEIER UND SOMMERFEST Einladung an alle Ehemalige: 50 Jahre Schule und 100 Jahre Waldorfpädagogik! Sa 15.06., 9:00 bis open end

SchallMauer – Orchesterkonzert Di 30.04., 19.00 Frühlingsfest (auf 113, bei Schlechtwetter im kl. Festsaal) siehe Ankündigung Seite 27 Mi 01.05. 13:30 Uhr bis 18:00 Mi 01.05. (Staatsfeiertag) Schulfrei Abschluss-Referate der 12. Klasse Mo 06. bis Fr 10.05. (nachmittags)

Do 20. bis So 23.06. (Fronleichnam) Schulfrei Freitag 28.06.letzter Schultag, Schuljahr 2018/2019 Montag 02.09.erster Schultag, Schuljahr 2019/2020 Die nächste Ausgabe von MoMent erscheint voraussichtlich am 13.06. Redaktionsschluss ist der 08.05.

MoMent Frühling 2019 _ 25


Wir feiern wieder unser FRÜHLINGSFEST! Am 1. Mai 2019 von 13.30 – 18.00 Uhr im Hof auf 113* Es erwartet uns ein buntes Programm und manche Überraschungen! Kommt zahlreich und bringt gute Laune und vor allem Eure Kinder mit. Wir freuen uns auf Euch! Das Frühlingsfest wird heuer vom Förderkreis der Schule veranstaltet. *Bei schlechtem Wetter findet das Frühlingsfest im kleinen Festsaal, Endresstraße 100, statt.

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MoMent Frühling 2019 _ 27


100 ... 1000 ...... 10 000 ......... und kein Ende DER KINDERGARTEN und sein BEZIEHUNGSUMFELD von Ursula Dotzler

W

en betrifft der Kindergarten als Institution, wer ist daran beteiligt,

welche Beiträge, hinter denen konkrete Personen stehen, halten ihn in lebendiger Entwicklung? Abgesehen davon, dass sich aus dem Zusammenhang vielfältige Beziehungen ergeben, ist es auch interessant, einmal zu schätzen, wie VIELE Menschen das nähere und weitere Umfeld ausmachen. Den Kern des Kindergartens bilden derzeit 110 Kinder mit ihren Eltern und 25 dort tätige MitarbeiterInnen. Mit allen Personen, die mit der Versorgung, Belieferung, Instandhaltung, Verwaltung durch den Schulverein und im Rahmen der Behörden befasst sind, ergibt sich ein Kreis von rund 400 Menschen, die in unmittelbarem Kontakt zueinander stehen. Die Rudolf Steiner-Schule und die Karl Schubert-Schule als gesamte Institutio-

Zeichnung von Cosima Schubert

nen erweitern die Zahl auf 900; mit der den Kindergarten örtlich umgebenden und zu-

Kindergärten, zum Waldorfbund und zur Internationalen Assoziation der Waldorfkin-

mindest wahrgenommenen Nachbarschaft

dergärten IASWECE stehen – rein in Kinderzahlen ausgedrückt – 300 in ganz Wien, 1330

nähert sich die Zahl den 1000.

in Österreich und zehntausende Menschen weltweit, die alle wiederum ein eigenes Um-

Das Waldorfkindergartenseminar Wien

feld haben.

an der Goetheanistischen Studienstät-

Im Hinblick auf das 100-jährige Jubiläum der Waldorfbewegung darf uns einmal mehr

te hat rund 300 zum großen Teil in ganz

bewusst werden, dass wir in einem intensiven menschlichen Zusammenhang stehen,

Österreich aktive WaldorfpädagogInnen

der wachsende Kreise zieht.

hervorgebracht. Hinter den durch jeweilige VertreterInnen gepflegten Beziehungen zu allen Wiener

28 _ MoMent Frühling 2019


„Unser“ neues „Zuhause“

A

us allen uns bekannten Gründen mussten wir, die Kindergarten-

je nach Jahreszeit. Neu ist auch der offene, weniger verwinkelte

gruppe von Michael und Jessica, von unserem geliebten, heime-

Gruppenraum. Seine Einladung zum Wohlfühlen, Lachen und Krea-

ligen Dachgeschoß auf 113 (Anm. d. Red.: Endresstraße), ausziehen.

tivität ist aber gleich geblieben. Liebevoll gestaltet finden die Kin-

Wehmütig und gespannt auf Neues sind wir nach den Ferien in eine

der Bereiche zum Toben, zum Puppenspiel oder zum Bauen. Raum

für uns Erwachsene neue Kindergartenwelt gekommen. Hohe, helle

zum gemeinsamen Werken, Kochen und Essen findet sich um den

Räume, wunderschön und mit viel Liebe von Michael und Jessica

großen Tisch. Gleich an der Tür gibt er jenen, die möchten, Platz,

eingerichtet, haben uns erwartet. Die altbekannten Spielmaterialien

morgens bei der Zubereitung der Jause zu helfen. Das Mittagessen

wurden an neuen Stellen entdeckt und sofort wieder mit Phantasie

kommt frisch aus der Schulküche im Haus.

verwendet. Auch ein neuer Spielplatz im Schulgarten der Karl Schu-

Treu geblieben ist für die Sonnen- und Sternenkinder die gemein-

bert-Schule wurde sofort bespielt. Die Sorgen von uns Erwachsenen

same Gartennutzung mit den Größeren. Auch in der Kanitzgasse

haben sich sofort in Luft aufgelöst. Auch das Thema „Wie werden

teilen die Kindergartenkinder Schaukel, Spielhäuschen, Apfelbäu-

unsere Kinder auf die SchülerInnen der Karl Schubert-Schule reagie-

me und Holzbänke mit den SchülerInnen. Vom Spaß und Bewegen

ren?“, hat sich im ersten Monat fast von alleine erledigt.

an der frischen Luft erzählt nicht zuletzt die bunte Ansammlung

Ich glaube, jetzt sind wir alle, auch die, die gerne im alten Kinder-

an Matschhosen und Gummistiefeln in der Garderobe. Teilhabe am

garten geblieben wären, froh, so eine tolle neue Bleibe zu haben.

Tun der Schulkinder darf die Kindergartengruppe über die Garten-

Nina Steinbach, Mutter von Jaron, Sonnenkind und Natan, 9. Klasse

zeit hinaus bei den Besuchen von Theaterdarbietungen erleben. Zurück in die zumindest für die Älteren der Gruppe gewohnte Umgebung in der Endresstraße spazieren die Kinder an sonnigen Tagen, vorbei am Ententeich und auf ein Wiedersehen mit den älteren

Zwischen Ententeich und Apfelbäumen: Unser Kindergarten in der Kanitzgasse

M

Geschwistern in deren Pause. Hier wie dort, geblieben ist der Geist der Gruppe, der die „alten“ Kinder ebenso einschließt wie die neu hinzugekommenen, die El-

anches ist neu – anderem blieb man treu: Seit diesem Schul-

tern, PädagogInnen, der Rhythmus der Feste, das gelebte Mitein-

jahr befindet sich die Waldorfkindergartengruppe von Jessi-

ander und die Vielfalt an Sprüchen, Liedern, Spielen und handwerk-

ca und Michael in den Räumlichkeiten der Karl Schubert-Schule in

lichem Tun, die die Jüngsten dankbar aufnehmen. Geblieben sind

der Kanitzgasse. Mit Unterstützung vieler helfender Hände ist die

Kinder, deren Kindergartenzeit erfüllt ist von der täglichen Freude,

Gruppe vergangenen Sommer, in Erwartung des baldigen Baube-

wieder hier zu sein.

ginns, aus der Endresstraße hierher übersiedelt. Was ist neu? Die Stufen in den ersten Stock wurden zum ebenen Eingang, die Einfahrt zu einem kurzen Durchgang durch das Ge-

Alice Kurz-Wagner, Mutter von Susannah, Sternenkind und Simon, 1. Klasse

bäude. Auf den letzten Metern bis zur Türe begleitet der Blick auf den blüten-und obstbeladenen oder schneebedeckten Garten,

MoMent Frühling 2019 _ 29


Die Kinder und die Eltern der 1. Klasse sind gut in der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer angekommen. Als Gemeinschaft sind wir noch immer beim gegenseitigen Kennenlernen, und niemand von uns hat sich zugetraut, einen ganzen Artikel über uns für das MoMent zu schreiben. Daher haben wir uns für einzelne kleine Blitzlichter, Eindrücke und Momente entschieden:

„Blitzlichter“ der 1. Klasse Wenn mir meine Tochter von der Schule erzählt, stau-

Ich laufe mit ein paar Nachzüglern an der Mauer des Lainzer Tiergartens

ne ich, wie sie hier lernen darf, mit wieviel Ruhe, Sorg-

entlang, an der nach und nach die Planeten als Bilder erscheinen. Mit mir

falt und Liebe zum Detail. An den jungen Pflänzchen

sind Timo und Matthias. „VENUS“, liest Timo vor. Da geht über Matthias´ Ge-

wird nicht gezogen und gezerrt, sondern es wird ihnen

sicht ein Strahlen und er singt: „HeVENUS shalom alechem...“. „Ja klar“, nickt

zugestanden, erstmal klein zu sein. Mit guten Nähr-

Timo und freut sich auch. Und noch mehr freue ich mich über unsere tollen

stoffen versorgt, dürfen sie erst Wurzeln treiben und

Kinder :-)

dann ohne Eile wachsen, um mit der Zeit groß und kräftig zu werden. Ich bin sehr froh, dass wir diesen Weg für unser Kind gewählt haben. Verena Schima-Kometer Es ist wie ein Gefühls-Déjà-vu, wenn ich kurz vor 08:00 an die Tür gelehnt in den Raum der 1. Klasse schaue und den Kindern beim Ankommen zusehen kann. Ich freue mich sehr, dass es diese Schule gibt und dass mein Sohn sie besuchen kann.

Charlotte Zott

„Und manchmal gibt es im Hort Germknödel zum Mittagessen – die mag ich am liebsten!“ Anatol Zott

Marion Wilcken

„Jetzt bin ich schon ein halbes Jahr in der Schule und hatte dreimal Ferien. Es gefällt mir sehr gut in der Schule. Schnell habe ich viele Freundinnen kennen gelernt. Ich höre gerne die Geschichten, male gerne, schreibe gerne Zahlen und lese gerne. Im Wald ist es so schön, dass ich nicht mehr weg möchte. Auch wenn ich zuerst gar keine Lust hatte, hin zu gehen.“

Aliki Jacoby

Meine Tochter ist traurig, wenn sie krank ist und nicht in die Schule gehen darf: „Warum muss ich gerade heute krank sein? Das ist unfair! Religion und Russisch sind doch meine Lieblingsfächer!“ Wenn zu Hause etwas geübt oder nachgeholt werden muss, wird das freudig begrüßt – „Juhu, heute darf ich eine Hausübung machen!“ Die Flöte wurde lange freudig erwartet und ist nun im täglichen Gebrauch – nicht nur in der Schule! Die ganze Familie ist beeindruckt von den Werken, die im Hort entstehen – oft in Gemeinschaftsarbeit mit meh-

„Heute war ein Mann in der Klasse, der hat ganz viele

reren Kindern. Das ganze Kinderzimmer ist inzwischen dekoriert mit selbstge-

Blatt Papier zusammengerollt, richtig schnell, und

bastelten Dingen aus dem Hort. Die „Partnerklasse“ (9. Klasse) ist sehr beliebt.

dann hat er in der Luft geschnipselt und gefaltet.

Meine Tochter erkennt bereits alle Kinder der 9., und zu allen wird mit großem

Dann hat er es aufgemacht, und es war eine so lange

Respekt aufgesehen.

Girlande! Das war wirklich ein Kunststück! Das will ich auch können.“

Luisa Persoglio

Katharina Dehn

Ich freu‘ mich irrsinnig darüber, dass in dieser Schule die Kommunikation unter den Eltern relativ gut funktioniert. Und auch, dass jeder Elternteil die

„Mama, weisst du, was heute passiert ist? Carolina ist

übernommenen Pflichten eigentlich nach bestem Wissen und Gewissen er-

ausgezogen!“

füllt. Es stimmt mich positiv und gibt mir auch Hoffnung für die Zukunft mei-

Julius Melchinger

...für mich ein Zeichen dafür, dass Julius die Schule als sein Zuhause erlebt und anscheinend gut angekommen ist! Ein herzlicher Dank an alle Lehrerinnen und Lehrer! Jessica Melchinger

ner Kinder, vor allem in Zeiten, wo sich Vergangenheit zu wiederholen droht. Georg Schibranji


Die 2. Klass-Untersuchung

D

ie 2. Klass-Untersuchung wurde 1986 durch den niederländischen Schulbe-

die Koordination von Auge

gleitungsdienst für Waldorfschulen entwickelt. Sie ist als Wahrnehmungs-

und Hand), das Gleichge-

instrument im Sinne eines Screenings gedacht; ihr Ziel ist es, Lernschwierigkei-

wicht, die Dominanz (also

ten rechtzeitig zu erkennen und möglichst früh den Kindern pädagogische und

die Vorzugsseite bei Auge,

therapeutische Hilfestellungen zukommen zu lassen.

Ohr, Hand und Fuß) sowie

Bei dieser Untersuchung wird bei jedem Kind auf die Stärken und Schwächen

die Feinmotorik durch Fin-

im motorischen, visuellen und auditiven Bereich geschaut. Die wichtigste Lern-

gerspiel und Stifthaltung,

voraussetzung ist nämlich die Motorik, also die Bewegungsentwicklung. Wei-

wobei die feinste Motorik

tere Voraussetzungen sind die Hörfähigkeit und als drittes die Intelligenz, die in

die Augen haben.

diesem Rahmen aber nicht geprüft wird.

Die zweitwichtigste Lern-

Das Ziel ist, wahrzunehmen, wie das Kind seinen physischen Leib in Besitz ge-

voraussetzung ist die

nommen, durchformt hat („bis in die Finger- und Zehenspitzen“): Ist die Be-

Hörfähigkeit, die wir durch

wegungsentwicklung so gesund verlaufen, dass der Übergang von unwillkürli-

Lautdifferenzierung, audi-

chen Bewegungen zu bewussten, willkürlichen und geführten Bewegungen und

tive Synthese und Analyse

Handlungen stattgefunden hat? Wenn sie an einem gewissen Punkt stagniert

sowie Wiedergabe von Ge-

oder nicht gut verläuft, treten noch um das 7./8. Lebensjahr unwillkürliche Re-

hörtem, Verbinden von Hören und Sehen überprüfen.

aktionen auf, die vor allem bei schwierigen Bewegungsabläufen wahrzunehmen

Ist das Kind eher visuell oder auditiv veranlagt, um sich

sind, wie etwa ein starkes Mitbewegen von anderen Körperteilen (z. B.: Finger

in seinem Kurzzeitgedächtnis Reihenfolgen zu merken?

der linken Hand spreizen beim Fangen eines Balls mit der rechten Hand).

Dabei hilft uns eine kleine Schatzkiste mit Perlen von

Die motorische Entwicklung sollte nach dem ersten Jahrsiebt mit der Ge-

verschiedenen Größen, Farben und Formen.

burt des Ätherleibes abgeschlossen sein. Die Ätherkräfte (auch Lebens- oder

Die Orientierung in der Zeit sowie das Zahlenverständ-

Wachstumskräfte genannt) wirken innerhalb

nis runden unsere 2. Klass-Untersuchung ab, die ca.

der ersten sieben Jahre am Wachstum und der

eine Stunde in Anspruch nimmt. Das Kind hüpft danach

Entwicklung des physischen Leibes. Das blei-

frohen Mutes und gestärkt in seinem Wesensglieder-

bende Gebiss ist der letzte Teil des Körpers,

gefüge wieder zurück in seine Klasse.

der durch diese Kräfte geformt wird: Sobald der Zahnwechsel in Gang kommt und die blei-

Was passiert nach der Untersuchung?

benden Zähne in der Anlage vorhanden sind,

Die Ergebnisse der 2. Klass-Untersuchung werden

hat der Ätherleib seine formende Wirkung am

mit dem/der KlassenlehrerIn besprochen und daraus

Aufbau des Leibes vollendet. Die Wachstums-

auch pädagogische Hilfestellungen für den Unterricht

kräfte werden frei und wandeln sich in Denk-

mitgegeben.

kräfte um – das Kind kann nun unabhängig

Falls sich bei einem Kind auffällige Unreifen in seiner

von der eigenen Körperlichkeit und Bilderwelt

Motorik oder auch eine Wahrnehmungsverarbeitungs-

mit BEGRIFFEN umgehen.

schwäche im Hören zeigen, dann empfehlen wir Sensorische Integration bzw. Ergotherapie oder ein Hörver-

Wie sieht die 2. Klass-Untersuchung nun im Konkreten aus?

arbeitungstraining außerhalb der Schule.

Wir holen das Kind aus der 2. Klasse ab, las-

bewegungsorientierten Extrastunden, Förderunter-

sen es springen, rennen, Stufen steigen. Wir

richt, Heileurythmie und Kunsttherapie die Kinder in

überprüfen die Körperorientierung (Körper-

ihrer Motorik und den basalen Sinnen so stärkt, dass

geographie), die Grobmotorik mit Hüpfen,

Entwicklungsunreifen überwunden und gute Lernvor-

Seilspringen, Ballwerfen/Fangen (und damit

aussetzungen geschaffen werden können.

An der Schule selbst gibt es den Förderkreis, der mit

MoMent Frühling 2019 _ 31


Ein Lichtblick Als Großeltern hat man wenig Ahnung und selten Gelegenheiten, zu erleben, was täglich in der Klasse in stundenlangem Üben erarbeitet wird. Wir hatten einen solchen Lichtblick mit dem Dreikönigsspiel der 3. Klasse. Im kleinen Festsaal erklang Musik von Trompeten, Cello und Querflöte, von Schülern und Schülerinnen selbst gespielt, vom Klavier begleitet. Zu den feierlichen Tönen zogen die Kinder geordnet, aufrecht und singend ein. Sie sprachen deutlich hörbar ihren Text mit sicheren Gebärden. Herodes und seine Knechte traten kräftig dazwischen; die Könige und ihr Gefolge aber zogen weiter zu Maria und Josef. Gold, Weihrauch und Myrrhe wurden überreicht und mit Dank in Empfang genommen. Singend, mit ernsten Gesichtern und königlich schreitend, zog die Schar wieder hinaus. Ich glaube, sie haben sich dabei alle wie Könige gefühlt. Brigitte und Helmut Goldmann (Schülerinnen-Großeltern in der 3. und 6. Klasse)


Als wir gingen, haben wir ein Gemeinschaftsfoto

UNSER SCHITAG

gemacht. Bei der Rückfahrt waren wir sehr müde. Um 16:30 Uhr sind wir dann zurückgekommen.

Gemeinsamer Schitag der 4. und 5. Klasse in St. Corona am Wechsel

ES WAR EIN SCHÖNER TAG! Laurin Weingartner und Valentin Eichberger, 4. Klasse

Nach dem letztjährigen Schitag der 4. und 5. Klasse ist zusätzlich zur großen

Wir haben uns um 7:30 Uhr bei dem vereinbarten

Freude vor allem die Hoffnung geblieben, dieses wunderbare Ereignis heuer

Treffpunkt beim Friedhof versammelt, wo wir von

wiederholen zu können. Durch die perfekte Organisation der Eltern (allen vor-

einem Reisebus abgeholt wurden. Wir sind 2 Stun-

an Daniela Muchna und Tina Schwab!) fühlten wir uns bestens unterstützt und

den gefahren, sind um 10:00 Uhr angekommen,

wagten das große Abenteuer erneut! In St. Corona am Wechsel wurden wir

haben uns um- und angezogen und sind gleich

(im Gegensatz zum letzten Jahr) mit schönstem Wetter und warmen Tempe-

auf die Piste. Die fortgeschrittene Gruppe, in der

raturen belohnt. Auch heuer engagierten sich die SchilehrerInnen vor Ort zur

Ilvy war, ist gleich 2 Rennen gefahren, und das hat

Freude aller Kinder und Erwachsenen: Auch die Anfängergruppe schaffte es

auch 2 Stunden gedauert. Hannah und Aenea wa-

auf den großen Schlepplift! Hoffentlich haben auch die kommenden Klassen

ren in der mittleren Gruppe. Sie sind auch 2 Ren-

das Glück, einen solchen Schitag erleben zu dürfen!

nen gefahren, die auch 2 Stunden gedauert haben!

Christine Bolleter und Manfred Hofer

Sehr cool fanden wir, dass wir in einem Restaurant essen waren und danach eine Stunde alleine fah-

Hallo, wir erzählen euch jetzt von unserem schönen Schitag. Wir trafen uns

ren durften! Danach hieß es: alles einpacken, wir

mit der 5. Klasse beim Bus und fuhren nach St. Corona am Wechsel. Während

fahren! Und im Bus hatten wir wieder „jede Menge

der Busfahrt haben wir mit der 5. Klasse Werwolf gespielt. Als wir in St. Coro-

Spaß“!

na ankamen, gingen wir in eine Hütte. Dort zogen wir die Schischuhe an und

Liebe Grüße,

Eure Aenea, Hannah

wurden in Gruppen eingeteilt. Es gab drei Gruppen: Anfänger, Mittlere und

und Ilvy, 4. Klasse

Fortgeschrittene. Wir waren in der mittleren Gruppe. Dann wurden wir in noch zwei Gruppen eingeteilt. Wir sind einen Zauberteppich hinauf gefahren. Dann sind wir zu einem Teller-

Und noch einige Zurufe aus der 5. Klasse:

lift gefahren. Anschließend fuhren wir zu einem Riesentorlauf. Nach ein paar

Nach ca. einer Stunde Fahrt haben wir unsere Sa-

Abfahrten sind wir einen Paralleltorlauf gefahren. Dort haben wir einen Wett-

chen aus dem Bus genommen und die Schischuhe

kampf gemacht. Ich (Laurin) erreichte den 4. Platz, und ich (Valentin) erreichte

angezogen! Als alle in ihren Gruppen waren, be-

den 5. Platz. Dann gab es Essen. Danach durften wir frei fahren.

gann das Üben! Ich habe genauer schifahren gelernt! Toll, dass wir am Ende noch alleine fahren durften! Das Rodeln war lustig! Der Busfahrer war der gleiche wie letztes Jahr! Die Busfahrt war generell lustig! Ich habe endlich schifahren gelernt! Heuer gab es zwei neue Strecken: Parallelslalom und eine Abfahrt mit Zeitmessung! Alles war schön! Es war toll, dass wir überhaupt sowas (während eines normalen Schultages) machen durften!

MoMent Frühling 2019 _ 33


Die fünfte Klasse wiegt 1.107kg...

Mit Bus, Schnellbahn und Straßenbahn erreicht Frau Bolleter mit der fünften

…gewogen auf der Rinderwaage der Veterinärmedizinischen Universität: Tierkunde einmal anders von Ursula Khol-Haidenthaler (SchülerInnenmutter in der 2., 5. und 6. Klasse)

achtet und der Operationssaal samt Kippstand inspiziert.

Klasse die Veterinärmedizinische Universität und wird am Eingang schon von Dr. Lorenz Khol*, Fachtierarzt für Rindergesundheit, erwartet. In der Klinik der Wiederkäuer wird die Rinderwaage getestet, der Stall der „Patienten“ begutIm Frage-und-Antwort-Spiel erfahren die Kinder viel Wissenswertes über Paarhufer an sich, Rinder im Allgemeinen und Kälber im Besonderen. Die Herausforderungen einer Labmagenverdrehung, die Gewinnung von Pansenmikroben, die Mühen einer Blasenentzündung und die Tatsache, dass Rinder fast farbenblind sind – alles wird mit großem Interesse aufgenommen und so mancher Berufswunsch entsteht! Ein sehr lehrreicher Ausflug in die Welt von Fleckvieh und Schwarzbunten! *) Dr. Lorenz Khol ist ehemaliger Schüler der Rudolf Steiner-Schule WienMauer. Sein Klassenlehrer war Tobias Richter.

34 _ MoMent Frühling 2019


Auf Entdeckungsreise durch Europa Die 6. Klasse hat sich im Jänner auf eine spannende Erkundungstour quer durch Europa begeben und dabei viele schöne, interessante, lustige und erstaunliche Tatsachen über jedes Land erfahren. Ein paar besondere haben wir nun hier zusammengestellt. Wussten Sie schon, dass... ... im Rosental in Bulgarien das teuerste Öl hergestellt wird? (Gabriel) ... Italiener im Jahr pro Kopf 25 kg Nudeln essen? (Julius) ... es in Norwegen so viele Fjorde gibt? (Jasmin) ... es in Spanien ein Fest namens Tomatina gibt? (Zoe) ... San Marino das fünftkleinste Land in Europa ist? (Lauren) ... in Albanien mehrere Hauptspeisen am Tisch stehen und alle gemeinsam davon essen? (Annika) ... in Belgien das 102 m hohe Atomium steht? (Philip) ... in Bosnien und Herzegowina Pyramiden stehen, unter denen bis zu 3 km lange Gänge verlaufen? (Arthur) ... man in Mazedonien nicht zu festgesetzten Zeiten isst, sondern wann man will? (Philipp) ... Kroatien eine lange Küste und über tausend Inseln besitzt? (Alina) ... es in Estland ein Barockschloss gibt, das den Namen Katharinental trägt und Peter der Große es für seine Frau Katharina errichten hat lassen? (Magdalena) ... es in Andorra warme Quellen gibt, deren Wasser 70 Grad heiß ist? (Miriam) ... es in Malta keine Seen und Flüsse gibt, weil Malta hauptsächlich aus Kalk besteht? (Hannah) ... Polen bekannt ist für seine schönen Kirchen? (Mia) ... es in Irland doppelt so viele Schafe wie Menschen gibt? (Zina) ... es in Amsterdam, der Hauptstadt der Niederlande, mehr Fahrräder als Menschen gibt? (Marlen) ... in Ungarn Feste, wie das Fischsuppenfest, das Wurstfest, das Feenfest, das Weinfest oder das Paprikafest gefeiert werden? (Patricia) ... Otto Waalkes in Deutschland lebt? (Marie) ... man in Schweden, ohne zu fragen, überall eine Nacht campen darf? (Emil) ... es die älteste Grenze Europas in Portugal gibt? (Kilian) ... es in Island beheizte Gehsteige gibt? (Benedikt) ... Nyhavn als die längste Theke Dänemarks gilt? (Peter) ... es in Frankreich die ersten Hosen für Frauen gab? (Mina) ... die Kinder im Vereinten Königreich mit spätestens fünf Jahren in die Schule kommen? (Emilia) ... es in Finnland mehr als 400 verschiedene Vogelarten gibt? (Gloria-Katharina) ... es in Griechenland über 2000 Inseln gibt und die Akropolis einer der älteste Tempel ist? (Jakob) ... Monaco 2,02 km2 groß ist? (Flora)

MoMent Frühling 2019 _ 35


Musik Formerlebnis durch Bewegung Ein kleiner Ausflug der 7. Klasse in die Welt der Popmusik Die 7. Klasse hat die Struktur ihrer Lieblingssongs in Form von Tanzchoreografien sichtbar gemacht. Voller Begeisterung haben sie sich diesem Projekt vollkommen eigenständig gewidmet. Spannende und abwechslungsreiche Performances waren das Ergebnis.    Vivian Stürzenhofecker, Musik- und Bewegungspädagogin

36 _ MoMent Frühling 2019


Wie wir als Eltern zu Tanzlehrern der 8. Klasse wurden von Julia Timmel-Freyborn „Tanzen ist eine andere Art des Ausdrucks. Eine gefühlvolle Art. Eine Art, für

Natürlich galt es, die zu erwartende Gratwande-

die man keine Wörter braucht und die jeder versteht. Wenn ich tanze, fühle ich

rung zwischen Überforderung und Langeweile

mich frei“, sagte mir gerade unsere Tochter Ronja auf meine Frage hin, warum

halbwegs zu meistern. Und wir merkten: Je länger

sie eigentlich so gerne tanzt. Als sie immer wieder unglücklich mit der Nachricht

die Theaterproben fürs 8.-Klass-Stück wurden,

„Noch immer kein Tanzlehrer für unsere Klasse!“ von der Schule heimkam, kratz-

desto schwieriger wurde es, abends mit Worten

ten wir irgendwann unseren ganzen Mut, eine große Portion Zeit und Geduld

zu unseren TanzschülerInnen durchzudringen.

und unser Know-How zusammen. Gregor war früher Turniertänzer, beide leite-

Desto geringer wurden deren Kapazitäten.

ten wir jahrelang Jugendgruppen bei den Pfadfindern, schnell zapften wir noch

ABER: Sobald die Musik anging, tanzten sie! Alle!

Wissen und Erfahrung eines professionellen Tanzlehrers an.

Und wie!

Im Mittelpunkt stand dann klar unsere Freude: gemeinsam zu tanzen und die MitschülerInnen unserer Tochter ein bisschen besser kennen zu lernen.

Ich mag den Tanzkurs gern und gehe jede Woche

Anfangs traten ganz praktische Probleme auf: Wie können wir trotz entsetzli-

gerne hin, obwohl ich manchmal schon ganz schön

cher Akustik im Großen Festsaal gehört werden? Wer tanzt mit Vahide, wenn es

erschöpft bin vom Tag. Mir gefällt sehr, dass die

kein Bursche, kein Mann sein darf? Andere Mütter aus der Klasse wären sofort

Tanzpartner nach jedem Lied wechseln, weil man

bereit gewesen einzuspringen, nahmen dann aber doch Rücksicht auf ihre Tee-

so lernt, mit ganz unterschiedlichen Tanzpartnern

nies, die es wiederum völlig unpassend und uncool fanden, ihre Mutter in ihrem

zu tanzen. Ich persönlich mag die Herausforderung

Tanzkurs dabei zu haben. Schließlich aber haben wir eine Lösung gefunden, die

und die Abwechslung. Ich merke, wenn nichts Neu-

auch Vahide beim Tanzen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern vermochte.

es kommt, wird mir langweilig. Dass meine Eltern den Tanzkurs machen, damit habe ich kein Problem. Auch wenn es mal peinlich wird mit ihnen… schließlich sind das ja sie und nicht ich. Ronja Timmel WIr Eltern als Gäste des Balls haben diesen sehr genossen und voller Stolz unsere plötzlich so “erwachsenen” Kinder bein Tanzen bewundert! Vielen Dank an Julia und Gregor, die Tanzlehrer aus unseren Reihen!!! Die Eltern der 8. Klasse

MoMent Frühling 2019 _ 37


Pi und die Waldorfpädagogik Holger Finke, Tutor der 9. Klasse

π Groß ist die Frage nach dem Sinn des Lebens. Hören wir diese Frage,

so nehmen unsere Gedanken leicht eine bestimmte Richtung an: Wir

denken oder wünschen zumindest, im Leben läge ein versteckter Sinn, den es zu entdecken gilt. Wir sehnen uns nach Sinn. Daher hängt vom Finden des versteckten Sinns viel ab, zum Beispiel, ob wir unser Le-

ben als arm oder reich empfinden. Gedanken dieser Art, die hier dem Leben des einzelnen Menschen gelten, wurden oft umformatiert auf die Gesellschaft oder auf noch größere Gebilde: auf die Geschichte

etwa. Immer wieder begegnet man Theorien, wonach es einen Sinn

der Geschichte gibt, genauso wie man einen Sinn des Lebens annimmt. Vereinfacht gesagt, aber dennoch nicht ganz unzutreffend, verglei-

Die Bibel gibt Pi mit dem Wert von exakt 3 an *)

chen diese Theorien die Geschichte mit einem Bühnenwerk, welchem ein Drehbuch zugrunde liegt und somit ein Plan und ein Ziel, auf welches alles hinstrebt. Die Philosophie des 19. Jahrhunderts steht stark

im Zeichen dieser Denkart, auf die sich selbst so diametrale Persönlichkeiten wie Hegel oder Marx einpendelten. Freilich können sich die verschiedenen Autoren nicht auf ein Drehbuch einigen, vielmehr schwört

jeder auf ein anderes und gibt vor, es besser als die Kollegen zu wissen.

Die 9. Klasse gründete als Folge dieses Aktes der Sinnset-

Wenden wir jetzt den Blick von der Weltgeschichte auf etwas ganz

zung den Club of Pi. Der Club of Pi sammelt Geld, um Kinder

Konkretes und Überschaubares wie Pi. Der Sinn von Pi ist noch nicht

und Jugendliche in ärmeren Ländern zu unterstützen – in

einmal verborgen, sondern jedem Waldorfschüler ab der 9. Klasse und

der MoMent-Ausgabe vom Herbst 2018 wurde darüber be-

natürlich vielen Millionen anderen Menschen weltweit vertraut. Pi ist

richtet. Dem Einsatz der Finanz- und des IT-Experten der

das Verhältnis von Kreisumfang zu Kreisdurchmesser:

π = Kreisumfang = 3,141 592 653 589 793 238 ... Kreisdurchmesser

Blickt man auf Pi, so schaut man geradewegs in die Unendlichkeit, denn die Stellen nach dem Komma reißen nicht ab. Das ist es, was

Pi uns sagt! Was aber können wir Pi sagen? Ein Schüler der 9. Klasse prägte folgende Formel:

„Die Zahl Pi steht für die unendlichen guten Sachen, die man machen kann.“

Wer so spricht, bricht mit obigem Paradigma, welches sich darauf beschränkt, einen Sinn in den „Dingen“ vorauszusetzen, den es zu er-

kennen gilt. Ein bemerkenswerter Vorgang. Was ist geschehen? Jener

9. Klasse ist es zu verdanken, dass jetzt über die Erste Bank eine Crowdfunding-Plattform freigeschaltet wurde, die interessierten Menschen die Möglichkeit des Spendens gibt. Auf der Homepage des Club of Pi www.club-of-pi.org finden Sie den Link zum Crowdfunding. 30 % der gespendeten Gelder sind der Förderung von ausgewählten Schulprojekten (in ärmeren Ländern) gewidmet, 70 % unterstützen das Projekt Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners: www.freunde-waldorf.de/notfallpaedagogik

Schüler hat Pi einen Sinn gegeben! Eine ganz andere Denkart kommt

Die Notfallpädagogik hilft psycho-traumatisierten Kindern

hier zum Zuge, eine, die den Schwerpunkt verlagert von der Sinnfin-

und Jugendlichen in Kriegs- und Katastrophengebieten.

dung zur Sinnsetzung. Jener Schüler hat sich erst von Pi etwas sagen

Weiters gibt die 9. Klasse im Namen des Club of Pi zusam-

lassen und dann Pi etwas gesagt, nämlich, wofür es stehen soll. Der

men mit der 1. Klasse, ihrer Patenklasse, am 10. April 2019

Mensch erscheint nicht nur in der Rolle des homo sapiens, sondern er-

um 18 Uhr ein Benefizkonzert im großen Festsaal der Ru-

greift auch die des homo creator.

dolf Steiner-Schule Wien-Mauer.

38 _ MoMent Frühling 2019


π Vom Sinn des Lebens und der Ge-

Anlässlich des Jubiläumsjahres finden internationale

schichte schritten wir zu Pi. Kehren

Kongresse in Berlin, Stuttgart, Kassel, Dornach, Buenos

wir jetzt von Pi zurück zum Sinn des

Aires und Bangkok statt, um voneinander zu lernen und

Lebens und der Geschichte. Der in

die Waldorfpädagogik Grenzen übergreifend weiterzu-

Wien geborene Philosoph Karl Pop-

entwickeln. Im April 2019 werden im Zuge dieser Akti-

per (1902 - 1994) entwickelte 1961

vitäten thailändische Waldorflehrer die Rudolf Steiner-

in einem Vortrag den Gedanken,

Schule Wien-Mauer besuchen.

„dass der Sinn des Lebens nicht

Das alles sind konkrete Schritte einer Sinnschöpfung in

etwas Verborgenes ist, das wir im

der Gegenwart für die Zukunft, die wir im Rückblick als

Leben finden oder entdecken kön-

Geschichte bezeichnen. Für Operationen dieser Art hat

nen, sondern etwas, das wir selbst

sich die 9. Klasse, vom Großen ganz ins Kleine und Leist-

unserem Leben geben können. Wir

bare herunterformatiert, im Rahmen ihrer Möglichkeiten

können durch unser Tun und Lassen,

also, Pi als Symbol gewählt.

durch unsere Arbeit und unser Wir-

Auf dem Benefizkonzert führen Schülerinnen und Schü-

ken, durch unsere Einstellung zum Leben, zu anderen Menschen und zur Welt

ler durch den Abend. Das musikalische Programm wird

unser Leben sinnvoll machen. (...) Mit dem Ausdruck „der Sinn der Geschichte“

ergänzt um Informationen und kurze Präsentationen.

steht es ganz ähnlich. Hier hat man auch oft an einen geheimen, verborge-

Ein köstliches Buffet stellt den durch den Gesang junger

nen Sinn des Ablaufs der Weltgeschichte gedacht; oder an eine verborgene,

Stimmen gestifteten himmlischen Freuden die irdischen

der Geschichte innewohnende Entwicklungstendenz; (...) Anstatt nach einem

zur Seite. Unser Dank gilt Frau Bosch und Herrn Albrecht

verborgenen Sinn der Geschichte zu fragen, müssen wir der Geschichte einen

für die liebevolle Begleitung und kompetente Einstudie-

Sinn geben.“

rung der Werke.

Der Appell lautet: Wir als Gesellschaft mögen so handeln, dass die Ge-

schichte Sinn bekommt. Popper spricht sich für eine sogenannte offene

Gesellschaft aus. Eine offene Gesellschaft ist pluralistisch angelegt, das heißt,

*) nähere Auskunft beim Benefizkonzert, Einladung Seite 40

sie achtet die Freiheit und die Meinungen verschiedener Menschen mit

verschiedenen Zielen, sie verweigert sich jedem Dogma und betrachtet die

Zukunft als offene, plastische Größe. Durch ständige kritische Reflexion und Nachjustierung gilt es, die Lebensbedingungen aller ihrer Mitglieder auf ein Niveau zu bringen, das menschenwürdig ist und sich an den aktuellen Bedürfnissen orientiert.

Obwohl Rudolf Steiner (1861 - 1925) von seinen Lebensdaten her weit mehr

im 19. als im 20. Jahrhundert steht, dachte er ungewöhnlich „modern“. Wie

für Popper ist für ihn die Zukunft offen – offen nicht nur in dem Sinn, dass es kein verbindliches Drehbuch gibt, sondern auch in dem Sinn, dass sie offen ist für Sinngebungsprozesse durch den Menschen.

2019 ist das Jahr des 100-jährigen Bestehens der Waldorfschulbewegung.

Schnell wurde diese Bewegung international, was für ihre Pluralität spricht. Derzeit gibt es 1150 Schulen und 2000 Kindergärten in 80 Ländern. Oberstufenschüler haben die Möglichkeit, einige Monate im Ausland rund um

Thailändische Waldorfschüler

die Welt zu verbringen, um in andere Sprachen und Kulturen einzutauchen.

MoMent Frühling 2019 _ 39


Benefizkonzert der 9. Klasse unter Mitwirkung der 1. Klasse!

Mittwoch 10. April 2019 um 18 Uhr im großen Festsaal der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer Freuen Sie sich auf

π

Kleine Chorstücke Instrumentales / Vokales Präsentationen zum Club of Pi Gourmet-Buffet mit Tafelmusik

Der Club of Pi ist eine Initiative der 9. Klasse. Wir sammeln Geld, um Schulprojekte in ärmeren Ländern zu unterstützen und die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners zu fördern. Die Notfallpädagogik hilft Kindern und Jugendlichen in Kriegs- und Katastrophengebieten.

Mehr über uns auf www.club-of-pi.org

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40 _ MoMent Frühling 2019

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Wir sind... WALDORF, aber nicht nur auf der Bühne, nicht nur an zwei Abenden! Der kreative Weg zum „Poetry und Performances“-Abend der 10. Klasse Erzählen, Dichten, Darstellen: Das sind die literarischen Genres Epik, Lyrik und Dramatik, die wir zum hundertjährigen Jubiläum auf die Bretterbühne bringen. Neuerlich haben wir dem Keller(theater) abgeschworen, dessen Bestand nicht zuletzt in Erwartung von Bau und Baggern fraglich schien. Mit einem maßgeschneiderten Konzept für die 10. Klasse und mit Fokus auf den horizontalen, alle Unterrichtsgegenstände umfassenden Lehrplan starteten wir in den Schaffensprozess, der vor allem den Formaspekt, aber auch Gestaltungskraft und Sprachregister auslotet. So stehen die Aufführungen am 22. und am 23. Jänner 2019 am Ende eines kompakten kreativen Prozesses. Mögen die Theaterabende wohl anregen und unterhalten; so steht dennoch die Entwicklung, nicht das Ergebnis allein im Vordergrund. Theaterpädagogik vermag so vieles, das weit über den flüchtigen Moment der Vorstellung hinausgeht. Wir casten keine Schauspieler und Schauspielerinnen, wenn auch schon bekannte Größen aus der Schule im Maurer Schlössel hervorgegangen sein mögen: Jeder und jede soll die eigenen Fähigkeiten auf der Indoor-Pawlatschenbühne erproben können und sich selbst dabei ein wenig tiefer entdecken, den seelischen Innenraum entfalten. Die Schülerinnen und Schüler entschieden sich, nachdem sie im Brainstorming viele Aspekte eingebracht hatten, in einem Auswahlverfahren für die Themen „Digitale Überwachung“, „Vorurteile und Rassismus“ sowie „Drogen und Süchte.“ Sehr viele schöne und gelungene Texte wurden von den Jugendlichen in kürzester Zeit selbst verfasst; ergänzt wurde das Programm mit ausgewählten Gedichten und Sketches sowie Songs, die ihre Wahrnehmung der Welt wiedergeben. Eine gewisse Schwere und der – im Sinne Peter Pans nur notdürftig angenähte – Schatten sind in diesem Kontext Chiffren für den Gefühlshaushalt der Heranwachsenden... In der kurzen Probenzeit von einer Woche entstand eine dichte und produktive Atmosphäre, in der wir uns auch ein schlüssiges Raumkonzept erarbeiteten. Es wurde geprobt, gefilmt, geschrieben, kaum gestritten, gestaltet, gedichtet und gelacht. Auf dass die Metrik- und Poetikepoche kein Schattendasein mehr fristen möge; mit seinen Lyrics reüssierte schließlich auch Bob Dylan, und Poetry Slam ist in aller Munde: Auf die Bühne bringen wir unsere Kunst allemal! Es gibt noch viel zu sagen. Micha Schuster-Szabo, Oberstufenlehrerin für Deutsch, Geschichte und politische Bildung

MoMent Frühling 2019 _ 41


Schulfeier


hulfeier, 23. Februar 2019


Zu Jahresbeginn begaben sich die neunte, zehnte, elfte und zwölfte Klasse, eben die gesamte Oberstufe, zu einer Kinovorstellung in das Wiener Stadtkino, um sich den Film „Welcome to Sodom“ anzusehen. Es war

sites/56/2018/07/artwork_wts.jpg

Dokumentarfilm von Florian Weigensamer und Christian Krönes

http://www.welcome-to-sodom.de/wp-content/uploads/

„Welcome to Sodom – Dein Smartphone ist schon hier“

ein erschreckend realistischer und doch ästhetischer Film. Sodom wird dieser Ort in Afrika genannt, an dem 6.000 Frauen, Män-

Kommentar:

ner und Kinder ihren Lebensunterhalt verdienen. Er liegt in Agbogblos-

Die Schülerin beschreibt die gesundheitsgefährdenden Zustände

hie, nahe Ghanas Hauptstadt Accra. Millionen Tonnen von Elektro-

in Agbogbloshie, wo Elektronikschrott einfach verbrannt wird, um

schrott werden jährlich aus Europa gebracht, den die Menschen dort

die Metalle durch Schmelzen als Rohstoff wiederzugewinnen. Dabei

„recyceln“, um noch das letzte bisschen Geld rauszukriegen.

entstehen giftige Gase, die krebserregend sind. Wir können unse-

Wir sahen verschiedene Einzelschicksale, die meistens sehr traurig und

ren Beitrag dazu leisten, indem wir unsere Abfälle sauber trennen

berührend waren, aber wir sahen überraschenderweise auch die große

und vor allem den Elektronikschrott getrennt zu den Abfallsam-

Hoffnung, die diese Menschen trotz des grausamen Ortes hegen.

melzentren der Stadt Wien bringen. Damit wird der illegale Abfall-

Ich persönlich fand die Geschichte eines Homosexuellen am traurigs-

export, wie hier nach Afrika, verhindert und die Metalle und Kunst-

ten. Er hatte Medizin studiert, doch als man herausfand, dass er ho-

stoffe durch moderne Recyclingtechnologien zurückgewonnen, die

mosexuell ist, musste er fliehen. Jetzt arbeitet er in Agbogbloshie als

nicht die Umwelt oder Gesundheit anderer Menschen gefährden.

Altmetallsammler.

Manfred Födinger, Geschäftsführer des größten Eine Schülerin der Oberstufe

Metallrecyclingunternehmens Österreichs

Liebe Eltern! Es sind Fragen bezüglich der Klimademonstration aufgekommen, zu de-

lichen Haltung, die freie Meinungsäußerung, der achtsame, verant-

nen wir uns gerne klar äußern wollen:

wortliche und bedachte Umgang mit der Natur. Insofern erachten wir

Die Bildungsdirektion Wien unterstützt den Streik nicht und legt die

diese Gelegenheit als wertvoll, mit den SchülerInnen in sämtlichen

rechtlichen Rahmenbedingungen dar. Das lässt sich unter https://www.

Unterrichtsfächern das, was in unserer Welt uns umgibt und uns

vienna.at/teilnahme-an-klima-demo-kein-entschuldigungsgrund-fu-

fordert, auch aufzugreifen. So gesehen ist die Demonstration eine

er-wiener-schueler/6126750 nachlesen.

Möglichkeit des Unterrichts mitten im Leben, der selbstverständlich

Wir als Schule unterstützen die Initiative und das Engagement der jun-

mit all seinen Facetten besprochen und evaluiert werden muss.

gen Menschen dennoch, sich für den Schutz unseres Planeten einzu-

Jugendliche dürfen ab 16 Jahren wählen, insofern sollten sie spä-

setzen und die Verantwortlichen, die für die notwendigen Maßnahmen

testens ab diesem Alter auch selbst entscheiden können, was sie als

zuständig sind (sprich die VertreterInnen der Politik und Wirtschaft),

wichtiger erachten: die Pflicht, am Unterricht teilzunehmen, oder

aufzurütteln. Verantwortung ist leider nicht per se als Mainstreamphä-

ihre Willenskundgebung, was die Zukunft der Umwelt betrifft.

nomen gegeben.

Wir stellen es den Jugendlichen frei, zur Demonstration zu gehen

Diese Jugendbewegung ist eine weltweite, fern von parteipolitischer Zu-

(und begleiten sie zum Teil auch dorthin, um ihnen unsere Solidarität

ordnung, und stellt eines der grunddemokratischen Rechte, nämlich das

und Mitbetroffenheit zu zeigen); für diejenigen, die dies nicht wollen,

Recht, sich öffentlich und gemeinschaftlich zu einem sichtlich wichtigen

wird in der Schule ein Ersatzprogramm angeboten.

Thema zu äußern, in den Mittelpunkt.

Für SchülerInnen, die noch in den Pflichtschulbereich fallen, aber

In all den Grundlagen und Werten einer Waldorfschule finden sich diese

dennoch zur Demonstration gehen wollen, wurde mit den Eltern vor-

Themen wieder: die Erziehung zu einer mündigen und selbstverantwort-

ab eine Vereinbarung getroffen.

44 _ MoMent Frühling 2019


Streiken fürs Klima tote. Wenn weiterhin die Ernten ausfallen, ist die Ernährungssicherheit

Am 15. März gingen weltweit Millionen von SchülerInnen auf die Straße, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Die Oberstufe der Maurer Rudolf Steiner-Schule war in Wien mit dabei. von Susanne Wolf (Freie Journalistin und Autorin, Mutter von Amelie, 9. Klasse)

nicht mehr gegeben.“ Laute Pfiffe und Buh-Rufe sind zu hören. „Deshalb braucht es Menschen, die gegensteuern. Und die gibt es: Sie sind jung und formieren sich unter dem Namen FridaysForFuture.“ Jubel von allen Seiten. Auch andere RednerInnen sprechen, dazwischen werden Lieder gesungen. Das Wetter hält, trotz angekündigter Regenschauer. „Wir brauchen Taten statt Hoffnung“

Heldenplatz, 11.30: Der geschichtsträchtige Platz vor der Hofburg ist

Fridays for Future – das ist die weltweite Bewegung, die ihren Anfang

gefüllt mit SchülerInnen und StudentInnen, und immer noch strö-

vergangenes Jahr vor dem schwedischen Parlament in Stockholm

men von allen Seiten Menschen herbei. Die Stimmung ist zugleich

nahm: Woche für Woche steht dort ein sechzehnjä hriges Mächen mit

euphorisch und angriffslustig – alle hier Versammelten haben ein

einem Schild und den Worten „Schulstreik fürs Klima“. Greta Thunberg

Ziel: Sie wollen, dass die Regierung endlich Verantwortung für den

wurde ein Vorbild für Millionen von Jugendlichen, innerhalb weniger

Klimaschutz übernimmt. „There is no planet B“, „Wieso lernen ohne

Wochen wurde aus dem stillen Protest eine weltweite Bewegung. Die

Zukunft?“, „Das Klima ist uns nicht schnurz, Herr Kurz“ - die selbst-

Klimaaktivistin nimmt sich kein Blatt vor den Mund, wenn es darum

gebastelten Schilder der DemonstrantInnen sind so vielfältig wie die

geht, die Folgen unserer maßlosen Gier anzuprangern. Unermüdlich

Teilnehmenden selbst. Die VeranstalterInnen hatten mit höchstens

weist sie auf die Gefahren hin, die der Klimawandel für kommende Ge-

5000 gerechnet; jetzt sind es weit über 10.000 junge Menschen, die

nerationen darstellt. „Natürlich brauchen wir Hoffnung. Aber noch viel

sich am Heldenplatz versammeln. Katharina Rogenhofer, eine der

wichtiger sind Taten. Sobald wir Taten setzen, wächst auch die Hoff-

Organisatorinnen von Fridays for Future, den wöchentlichen Klimast-

nung.“ Mit Zitaten wie diesen gelingt es der Sechzehnjährigen wie

reiks, ergreift auf der Bühne vor dem Reiterdenkmal das Wort: „Im

keiner anderen, aufzurütteln. Seit Greta Thunberg auf der Weltklima-

letzten Sommer gab es in Österreich mehr Hitzetote als Verkehrs-

konferenz in Katowice und kurz darauf auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine Rede hielt, ist ihr Name in aller Munde. Kürzlich wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert. „What do we want? Climate Justice!“ 13 Uhr: Die Demonstrierenden marschieren Richtung Bundeskanzleramt und verlesen dort ihre Forderungen für eine radikale Umweltschutzpolitik in Übereinstimmung mit dem 1,5°C-Ziel und globale Klimagerechtigkeit. Dazu gehören eine klare Kommunikation mit der Bevölkerung zur Dringlichkeit der Lage der Klimakrise seitens der Regierung oder ein ambitionierter Plan zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Auch die Forderung nach einer öko-sozialen Steuerreform und das Aussetzen von Subventionen und Steuerbegünstigungen für alle fossilen Brennstoffe wird genannt. Dann geht es weiter über den Ring. Parolen wie „What do we want? Climate Justice!“ sind immer wieder zu hören, die SchülerInnen der 9. Klasse haben ihre Trommeln und Ratschen dabei und machen ordentlich Lärm (Bild!). Auch bei den Ministerien für Nachhaltigkeit und Verkehr stoppt der Demozug, um die Forderungen der Fridays for Future-

Wir hoffen, Ihnen damit ausreichend und klar genug

Bewegung zu verlesen.

Antwort zu geben auf möglicherweise aufkommende

Im Laufe des Tages kommen dann die Zahlen der weltweiten Klimast-

Unsicherheiten.

reiks: In über 100 Ländern gingen junge Menschen auf die Straße; bis Mit freundlichen Grüßen

zu 1, 5 Millionen TeilnehmerInnen wurden gezählt. Und die Organisato-

das Kollegium der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

rInnen wollen weiter streiken. Auch Greta Thunberg ist überzeugt: „Das ist erst der Anfang einer weltweiten Bewegung.“ https://fridaysforfuture.at

MoMent Frühling 2019 _ 45


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Ball, 24. Jänner 2019


113 – die Es ist auch anstrengend, immer das Gleiche zu schreiben, und das immer wieder mit neuen Worten... Ich hoffe, durch die regelmäßigen Berichte hier im MoMent und über den Schul-Newsletter ist Ihnen allen die Geschichte zu unserem Neubauprojekt, dem aktuellen Stillstand aufgrund der Einsprüche der Nachbarn und der negativen Entscheidung des Wiener Verwaltungsgerichts soweit bekannt. Ich möchte mich daher vielmehr auf die Fragen konzentrieren, die in die Zukunft gerichtet sind: Wie kann es weitergehen, wo liegen unsere Chancen, und welche Alternativen gibt es? Die Rückschläge der vergangenen Monate und vor allem die unheimlich langen Wartezeiten dazwischen haben uns immer wieder etwas mutlos gemacht. Der Glaube an dieses Projekt und die Energie, weiter daran zu arbeiten, wurde und wird für uns wirklich immer wieder auf die Probe gestellt. Aber wir haben den Mut noch nicht verloren und werden alles Erdenkliche dazu unternehmen, die Vision eines neuen Schulhauses zu verwirklichen. Konkret sind es im Moment drei Wege, die weiterverfolgt wurden und werden: Natürlich haben wir fristgerecht beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH) einen Revisionsantrag gestellt, um das Urteil der 2. Instanz – dem Verwaltungsgericht Wien – durch die dritte und letzte Instanz noch

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einmal prüfen zu lassen. Was gibt uns Hoffnung auf eine Revision dieses Urteils? Es gibt mehrere Punkte in der Begründung der Richterin, die nach Meinung unseres Anwaltes so nicht unbedingt halten können. So wurde in der Urteilsbegründung die Überschreitung der hinteren Baufluchtlinie derart berechnet, dass nur der Neubau als Grundlage herangezogen wurde und nicht die gesamte Baufläche. Dadurch ergibt sich natürlich ein wesentlich anderes Prozentverhältnis der Überschreitung – in der einen Darstellung über 65%, in der anderen Berechnung rund 25%. Hafnermeister Christoph Kurz 0664 39 15 116 info@kurzofen.at www.kurzofen.at Termine bitte telefonisch vereinbaren

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Auch die Argumentation der Richterin, unsere (zu lange) Turnhalle unterliefe die Intention


113te... des Flächenwidmungsplanes, wird von uns beanstandet, da der Flächenwidmungsplan (ca. 1975) explizit die Errichtung einer Turnhalle als Begründung für die Lage und Größe der Baufläche nennt. Da sich in den vergangenen 30 Jahren aber die Voraussetzungen für eine Norm-Turnhalle stark geändert haben, ist die Idee von damals auf dieser Fläche nicht mehr zu erfüllen. Vor allem – und das ist auch ein wesentlicher Punkt in unserer Gegendarstellung – wurde uns seitens der Denkmalschutz-Behörde, wie bekannt ist, vorgeschrieben, das

Gebäudes lässt sich im Grunde nur am geplanten Turnsaaltrakt etwas

alte Gebäude zumindest zu 50% zu erhalten und nach Möglichkeit

verändern. Eine Verkürzung des Turnsaales führt natürlich auch zu

nicht an die Nachbarhäuser anzuschließen, was lt. Bebauungsplan

einer neuen Struktur der darüber liegenden Klassenräume und des

hier vorgesehen wäre. Nicht zuletzt wegen dieser beiden Vorgaben

Hortes. Obwohl vorerst nur grobe Studien dazu ausgearbeitet wur-

ist es nicht möglich, innerhalb der aktuellen Baufläche zu bleiben.

den, hat sich gezeigt, dass bei Mehrfachnutzung einiger Räume tat-

Es gibt noch viele weitere Begründungen für unseren Einspruch,

sächlich die wichtigsten Dinge untergebracht werden könnten. Aber

die ich hier jetzt nicht im Detail wiedergeben kann. Wer sich ge-

– und das sind die zwei entscheidendsten Punkte – der Turnsaal wäre

nauer dafür interessiert, kann gerne Einblick nehmen.

dann nur in etwa so groß wie der große Festsaal, und es gäbe keine

Wir haben noch keine Informationen vom VwGH erhalten, ob die

Raumreserven für zukünftige Schulentwicklungen.

Revision angenommen wird: Dies kann wieder einige Monate dau-

Wir haben daher entschieden, eine Neuplanung vorerst ruhen zu las-

ern. Die Wahrscheinlichkeit steht hier nach Meinung verschiede-

sen und die beiden anderen Möglichkeiten auszuschöpfen!

ner Juristen 50:50, ob unser Baubescheid wieder Gültigkeit erlangt

Jetzt müssen wir aber auch Ideen finden, wie wir die Zeit bis zu ei-

oder endgültig verloren ist. Dazwischen gibt es natürlich auch

nem allfälligen Neubau gut überbrücken können. Wie geht es mit der

viele denkbare Varianten, die uns der VwGH auftragen kann: neue

Kindergartengruppe weiter? Wie kann das Haus vom Naturkostladen

Beurteilung durch die zuständigen Behörden, Änderungen an der

sinnvoll genutzt werden? Welche unumgänglichen Renovierungs-

Einreichung etc.

arbeiten müssen trotzdem im alten Gebäude durchgeführt werden,

Als zweiten wesentlichen Versuch, eine schnellstmögliche Lösung

und wie geht das mit möglichst geringen Kosten? Können die Lager-

zu finden, haben wir schon Vorgespräche mit den Bezirksbehörden

Räumlichkeiten auf Endresstrasse 96 weiter behalten werden?

geführt, ob es eine Möglichkeit gibt, den Flächenwidmungsplan so

Wir werden Sie weiter informieren und sind über Ideen und tatkräfti-

anzupassen, dass wir das erarbeitet Projekt ohne zusätzliche Aus-

ge Unterstützung in allen Richtungen immer erfreut!

nahme bauen können. Die ersten Gespräche mit den Zuständigen liefen sehr gut, und unser Ansinnen, auf diesem Weg die Umsetzung unseres Neubaus zu schaffen, wird sehr unterstützt. Trotzdem ist dieser Weg ein langer, da die Entscheidung über Flächenwidmungen immer durch den Wiener Gemeinderat gehen. Wir werden diesen Weg aber so lange weiter verfolgen, solange wir von Seiten des Höchstgerichtes noch keine positive Entscheidung haben. Der dritte Weg fällt uns natürlich am schwersten; wir haben ihn aber trotzdem begonnen: eine Neuplanung des Gebäudes unter Einhaltung aller Bau-Grenzen ohne Ausnahmebewilligung. Unsere Architekten haben sich schon zusammengesetzt, das ganze Konzept neu überdacht und die Möglichkeiten ausgelotet. Durch den vorgeschriebenen Erhalt von 50% des alten

Lothar Trierenberg lothar.trierenberg@waldorf-mauer.at


Waldorf 100. Ein Grund zu feiern – weltweit, in Österreich und an unserer Schule Ein Überblick von Nadja Berke

Am 7. September 1919 wurde die erste Waldorfschule in

Die Lange Nacht der Waldorfschulen

Stuttgart gegründet. Mit über 1.150 Waldorfschulen und rund

Österreichweit am selben Tag feiern wir am 19. September

2.000 Waldorfkindergärten, verteilt auf über 80 Länder auf

2019, dem Tag, an welchem auch in Berlin der Hauptevent

allen Kontinenten, ist die Waldorfpädagogik heute die welt-

stattfindet, das 100-jährige Bestehen der Waldorfschulen.

weit größte unabhängige Schulbewegung. Im Jubiläumsjahr

Jede Schule gestaltet diese Lange Nacht ab dem Nachmittag

sollen unter dem Motto „Learn to Change the World“ zahlrei-

bis in den späten Abend hinein auf individuelle Weise. Am Pro-

che Aktivitäten dazu beitragen, dass sich die internationale

gramm für unsere Schule wird bereits gearbeitet.

Waldorfgemeinschaft noch stärker gegenseitig wahrnimmt und vernetzt.

Der Staffellauf

Die österreichischen Waldorfschulen gehen sehr individuell

Von der Klagenfurter Schule aus wird für alle Schulen in Öster-

mit diesem Jubiläum um. Viele beteiligen sich an den interna-

reich, die sich daran beteiligen wollen, ein Staffellauf organi-

tionalen Projekten wie z. B. dem Postkartenprojekt (in un-

siert. Die Staffel wird laufend, radfahrend, in jedem Falle sport-

serer Schule im Foyer des großen Festsaales zu bewundern)

lich bewegt ihren Weg von einer Schule zur nächsten zurück-

und „Bees & Trees“. Wer näheres zu diesen internationalen

legen, bis sie am 19. September in der Klagenfurter Schule ihr

Projekten erfahren möchte, kann auf der Website des Öster-

Ziel finden wird. Unsere Schule wird versuchen, den Termin für

reichischen Waldorfbundes oder der Waldorf-100-Website

„unsere Etappe“ mit dem Zirkusprojekt, das gemeinsam mit der

nachlesen.

Karl Schubert-Schule stattfinden soll, dem Sommerfest oder

Abgesehen davon, dass dieses Jubiläum zum Anlass genom-

dem Mauer Waldorf Lauf zu kombinieren.

men wird, eine verstärkte Presse- und Lobbying-Arbeit* (siehe Kasten „Kein Grund zu feiern“) für unsere Schulen zu ermög-

Das Symposium „Aspekte der Waldorfpädagogik“

lichen, hat der PR-Kreis des Österreichischen Waldorfbundes

…wird am 17. und 18. Oktober vom Zentrum für Kultur und Päd-

gemeinsam mit dem Zentrum für Kultur und Pädagogik einige

agogik ausgerichtet. Vorträge und Seminare für PädagogInnen

gemeinsame Aktionen der österreichischen Schulen initiiert.

und Eltern werden angeboten.

50 _ MoMent Frühling 2019


Waldorf 100 an unserer Schule Das Jubiläum in den uns zu Verfügung stehenden Medien sichtbar machen!

in Vorbereitung, welches in der Vorbereitung einerseits SchülerIn-

Unsere Schule bietet im Laufe jedes Schuljahres viele Höhepunk-

nach außen hin – im wahrsten Sinne des Wortes – leuchtender Be-

te, Feste und Veranstaltungen. Also hat unser PR- und Veranstal-

standteil des Hauptevents am 19. September sein soll.

nen in Form eines Workshops miteinbeziehen wird, andererseits ein

tungskreis beschlossen, dass wir all diesen „UNSEREN“ Veranstaltungen eine Einleitung – eine pädagogische Randnotiz – anbei-

Kunstprojekt!

bzw. voranstellen wollen; immer mit der Frage, was Bildung mit

Die diesjährige 12. Klasse wird mit ihrem Tutor, Herrn Kohlhofer,

100 Jahren Waldorfpädagogik im Rücken braucht, sein und werden

eine Beton-Skulptur gießen – eingegossen werden Wünsche der

kann – mit dem Blick ins JETZT und in die ZUKUNFT gerichtet.

Schülerinnen und Schüler für die nächsten 100 Jahre!

Diese pädagogischen Randnotizen erscheinen laufend auf unserer Website und in der Themen-Ausgabe des MoMent.

Ein Höhepunkt der musikalischen Art! Dank der engen Zusammenarbeit unserer Schule mit der Freien

Installationen!

Musikschule Wien und dank des großen Engagements von Stefan

Karl Hruza, Engelbert Sperl und Matthias Berke arbeiten an der

Albrecht kann unsere Schule als einen Höhepunkt im Jubiläumsjahr

Idee einer „Waldorfwand“, die ab dem Sommerfest bis zur Schluss-

das große

veranstaltung am 19. September als temporäre Installation das Foyer unserer Schule bereichern soll. Die AbsolventInnen der 45 Jahr-

ORCHESTER- & CHORKONZERT „THE ARMED MAN: A MASS FOR PEACE” von Karl Jenkins bieten.

gänge, die bis Herbst 2019 unsere Schule verlassen haben werden,

Die Aufführungen werden im Odeon-Theater von 11. bis 13. Sep-

werden als Namenslisten und Bilderwand einen hoffentlich bunten

tember stattfinden.

und Interesse weckenden Eindruck auf uns und alle Gäste unserer Schule machen, die uns in dem Zeitraum zwischen Sommerfest

Die genaueren Daten, Programme und Veranstaltungsabläufe wer-

und Langer Nacht der Waldorf-Schulen besuchen.

den als Newsletter, auf unserer Website und im nächsten MoMent

Des Weiteren ist ein Projekt mit der Lichtkünstlerin Julia Zdarsky

veröffentlicht. www.waldorf-100.org | www.waldorf.at  www.waldorf-mauer.at/waldorf-100

Grund zu feiern:

*Kein Grund zu feiern:

Es gibt 19 Waldorfschulen und 38 Waldorfkindergärten im Ös-

-Subvention (BMBWF) pro SchülerIn/Jahr: 726,- (im Vergleich

terreichischen Waldorfbund, davon 1 Inklusionsschule und

Subvention pro SchülerIn staatl. Unterstufe/Jahr: 9.500,-) Zah-

2 heilpädagogische Schulen. Per 15. 10. 2018 besuchen 2722

len von 2017, Quellen: Bundesvoranschläge und Statistik Bund der

SchülerInnen in Österreich eine Waldorfschule. Rund 85% der

freien Waldorfschulen

AbgängerInnen absolvieren die Matura, rund 50% davon mit

-Ab dem Schuljahr 2019/20 keine 15a-Förderung mehr im Rah-

Auszeichnung bzw. mit gutem Erfolg. 1330 Kinder besuchen einen

men der schulischen Tagesbetreuung

Waldorfkindergarten.

MoMent Frühling 2019 _ 51


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D

ie Sonne lockt mit ihren sanften Strahlen in diesem Jahr schon besonders früh in die Natur. Kaum klettern die Temperaturen und lassen die Schneedecken weichen, beginnen auch die Knospen in voller Blüte zu erstrahlen. Doch nicht jeder kann dieses Erwachen in vollen Zügen genießen. Aller‐ gische Beschwerden gehen mit diesem zauberhaften Spektakel einher. Eine in Österreich wachsende Pflanze, die in diesen Tagen Linderung schaffen kann, ist der Augentrost (Euphrasia officinalis). Hauptsächlich beheimatet auf saftigen Weiden und in Höhenlagen bis zur Schneefallgrenze (ca. 2300m)findet man ihn auch an trockenen Ufern und im lichtdurchflu‐ teten Teil von Wäldern. Bewundern kann man seine wei‐ ßen Blüten mit violetten feinen Adern zwischen Juli und September. Bienen und Schwebfliegen nehmen bei einer sanften Berührung die herabrieselnden trockenen Pollen auf. Bei älteren Blüten ist auch eine Selbstbestäu‐ bung möglich. Im September und Oktober finden die reifen Früchte Verbreitung, sowohl über den Wind, als auch über Tierfelle. Ihr frisches wenn auch sehr un‐ scheinbares Erscheinungsbild verdankt der Halbschma‐ rotzer jedoch seinen Wiesennachbarn. Mit seinen Saugwurzeln entzieht er Wasser und Mineralien direkt aus ihrem saftreichen Gewebe und tankt pure Lebens‐ energie. In seinem natürlichen Umfeld wachsen die Grä‐ ser schlechter und verringern die Vielfalt der saftigen Wiesen des Weideviehs; daher verleiht ihm der Volks‐ mund auch den Namen Milchdieb.

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Für die heilsame Wirkung wird der oberirdische Teil der Pflanze verwendet. Das unscheinbare Pflänzchen strotzt nur so vor Energie: Aucubin, Euphrosid, Catalpol, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, und selbst mit ätherischen Ölen kann sie aufwarten. Damit birgt sie ein ganzes Portfolio an Wirksamkeiten: angefangen von ab‐ schwellend, antibakteriell, entzündungshemmend, schmerzlindernd und zusammenziehend ist sie auch appetitanregend und verdauungsfördernd. Vorrangig wird Herba Euphrasia eingesetzt um bei Leiden wie Bin‐ dehautentzündung, Gerstenkorn, Heuschnupfen und Lidrandentzündungen aber auch Schnupfen, Husten, Grippe, Verdauungsbeschwerden und Völlegefühl Lin‐ derung zu verschaffen. Einen frischen duftenden Tee zu genießen ist ebenso möglich wie die Verwendung von Augentropfen und Augensalbe. Ein Augenbad, Um‐ schläge oder Spülungen auf Basis eines Tees sind wegen der Schwebstoffe nicht zu empfehlen. Für seine heil‐ same Wirkung macht sich der Halbschmarotzer wie‐ derum seine natürliche Eigenschaft zu Nutze: Eindringlingen verwehrt er die Versorgung, laugt sie aus und gewinnt die Oberhand über die Entzündung. Unscheinbar auf den ersten Blick ist der Augentrost doch ein echter „Hingucker“ .

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Liebe Schülerinnen und liebe Schüler, liebe Eltern, ich leite nun seit einigen Jahren die Schulküche, und ich denke, es ist Zeit, via Schulzeitung ein paar klärende Worte zu schreiben. Wie Viele schon mitbekommen haben, ist ein Wandel im Gange: Das Angebot verändert sich, das Buffet wird kleiner, und das Zahlungssystem wurde umgestellt. Diese ganzen Punkte sind bedingt durch einen Umsatzrückgang von über 50 % im Vergleich zum Vorjahr. Ich versuchte, ein wenig zu recherchieren, wie es plötzlich zu dem Problem kam, nicht mehr in die Schulküche zu kommen. Herausgefunden habe ich ein paar grundlegende Sachen: Erstens ist es cooler, raus zu gehen und aus dem Vollen zu schöpfen; bei Spar, Anker, Kebab-Stand, Pizzeria und Co ist die Auswahl größer. Zweitens kann man dort auch meist mit Karte zahlen, was ja erheblich bequemer ist, und drittens kann sich kaum mehr jemand

und das es an keiner anderen Schule so gibt. Schon allein durch die Vor-

erinnern, wie es vor unserer Übernahme der Schulküche war und welche

gaben „100 % bio“, „täglich frisch gekocht“ und „genug für alle da“ ist es

Verbesserungen durch uns erst gekommen sind.

unmöglich zu wirtschaften. Hier hat die Schulküche ebenso recherchiert,

Ich dachte eigentlich immer, dass Ihr die Generation an Heranwach-

wie es an anderen Schulen so läuft: An allen befragten Schulen wird

senden seid, die uns Ältere fragen wird: „Warum habt ihr es nicht besser

angemeldet. Ob man an den angemeldeten Tagen dann essen kommt

gemacht?“, aber ob Ihr diese Generation seid oder nicht, müsst Ihr für

oder nicht, ist egal. 40 % Bioanteil sind schon viel, es gibt keinen Nach-

Euch selbst beurteilen. Wenn Ihr da draußen einkauft und dann teilweise

schlag, das Essen wird meist von einer externen Firma geliefert und in

beschämt an mir vorbeigeht, dann geht das nicht gegen mich, sondern

den Schulen lediglich aufgewärmt, und die Preise sind den unseren ähn-

gegen Euch selbst und Eure Mitmenschen, indem Ihr Systeme unter-

lich. Das heißt, man zahlt genauso viel für eine kleinere, minderwertige

stützt, welche die Ausbeutung eurer Mitwelt bewirken.

Portion, zu der man essen kommen muss. Als Gegenüberstellung: Unser

Wenn Ihr zum Anker geht: Habt Ihr Euch schon einmal gefragt, warum

beliebtester Tag ist der große Fleischtag; an dem wird meist so oft nach-

diese Nichtbio-Ware teurer ist als das Bio-Semmerl von uns? Ihr zahlt

geholt, dass die Portion Essen am Ende mehr kostet, als bezahlt wurde.

das Weckerl daneben gleich mit, damit es am Ende des Tages wegge-

Die Entscheidung, dass etwas verändert werden muss, lag nicht nur bei

worfen werden kann – nur, damit Ihr das Gefühl habt, aus dem Vollen

mir. Die Schulküche ist nicht auf Selbstständigkeit aufgebaut. Meine Kol-

schöpfen zu können. Dazu kommen natürlich noch die Bankomat-Ge-

legen und ich sind so wie Eure LehrerInnen Angestellte dieser Schule. Wir

bühren, die inkludiert sind, egal, ob Ihr mit Karte zahlt oder nicht.

alle sind abhängig von Eurem Kommen, und das ist der Punkt, an dem

Schon mal die günstigen Preise bei Spar und Co. überlegt, und wer da im

Ihr die Gesellschaft verändern könnt. Durch Euer Kaufverhalten setzt Ihr

Endeffekt draufzahlt? Kleines Beispiel: Ein österreichischer Bauer be-

ein Zeichen: ob Ihr das System unterstützt, dass wir weiter in einer Weg-

kommt für einen Kilo Äpfel drei Cent! Würdet Ihr da noch Äpfel pflücken

werfgesellschaft bleiben, welche die Kleinen ausbeutet, oder ob Ihr über

bei der Schinderei? Wenn Ihr Cola, Eistee und Co. kauft, macht Ihr ei-

den Tellerrand seht und das Geschenk Eurer Freiheit erkennt – denn die-

gentlich nur die Pharmaindustrie und den Boss von Nestlé glücklich.

se liegt im Hinterfragen und Wählen, wie Eure Zukunft aussehen soll. So,

Eure Eltern haben Euch in eine Schule geschickt, an der Ihr Euch frei ent-

wie Ihr schon durch eine einzige Unterschrift geschafft habt, dass unser

falten könnt und durch gesundes Essen unterstützt werdet. Doch diese

Abwäscher nicht abgeschoben wird, so geht es jetzt um noch viel mehr:

Freiheit bringt auch eine Verantwortung, die man Euch dabei übergibt.

Es geht um Eure Zukunft und Euren Weg, den Ihr einschlagen möchtet.

Sie bedeutet nicht, Toiletten zu ruinieren, in die Schulküche einzubrechen

Eine kleine Schwedin geht bereits voraus: Greta Thunberg. Haltet Euch

oder das Haus sonstwie zu verwüsten. Wie unser geschätzter Schulwart

an ihre Idee.

schon einmal sagte, bedeutet sie Respekt und Wertschätzung Euren Mit-

Ich mag naiv sein, dass ich an Veränderung und an Euch glaube, aber

menschen gegenüber.

jede Veränderung braucht eine Krise und dann den richtigen Zeitpunkt…

Ihr hattet auch bis jetzt die Freiheit, zu entscheiden, wann, was und wie

…und ich glaube, dieser Zeitpunkt ist JETZT.

viel Ihr essen wolltet. Ein System, das vor mir schon eingebürgert wurde

Fred Samec, Küchenleiter

MoMent Frühling 2019 _ 55


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