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Eltern machen Schule Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Frühling 2018 / € 4,00


Im Jahresheft 2016/2017 der Rudolf SteinerSchule Mauer kann man online schmökern: http://www.waldorf-mauer.at/moment Mauer Lauf 10. S p Waldorf 2017 L

f | 10 km Lauf

Jahresheft ����/���� MoMent Sonderausgabe

Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Schulzeitung MoMent,

Herbst 2017

Mo

Ment

Zeitschrift von und für Eltern, FreundInnen, LehrerInnen, SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer Im 26. Jahr, Heft Nr.: 194

auf diese Ausgabe haben wir uns als Redaktionsteam schon lange

re Lehrerinnen und Lehrer setzten sich für einen eher grenz-

gefreut – da der Themenschwerpunkt „Eltern“ aus Aktualitätsgrün-

wertigen Lohn unermüdlich dafür ein, dass unsere Schule ist,

den von einer Ausgabe auf die nächste verschoben werden musste.

wie sie ist. Sie sind einfach großartig! Klammer zu.

Aber die Vorfreude ist ja ohnehin die Schönste – und wir hoffen, dass Ihr beim Schmökern nun Ähnliches empfindet. Unser Ziel war es, einmal umfassend aufzuzeigen, was an unserer

Jedes Mal, wenn in der sogenannten öffentlichen Bildungsdiskussion – in der es meist ja nur um Machtverhältnisse und Einflussbereiche geht, aber nicht um das, was in den Klassen

Schule von Elternseite alles geleistet wird. Und je länger wir an die-

geschieht – das Wort „Selbstverwaltung“ fällt, frage ich mich:

sem Schwerpunkt arbeiteten, wurde unsere Achtung und Dankbar-

Ja, wissen die denn, was „Selbstverwaltung“ eigentlich sein

keit umso größer!

kann oder sein sollte?

Der Einsatz unserer Eltern ist ein Herzstück der Selbstverwaltung

Dass das weit mehr ist, als nur die Lehrer und Direktoren

von Waldorfschulen. Sei es im Elternrat, der sich in den letzten Jahr-

autonom auszuwählen oder die Finanzmittel selbst zu verwal-

zehnten prächtig entwickelt hat, sei es in der Elternbeitragsgrup-

ten – das beweist unsere Schule jeden Tag.

pe, der Feedbackrunde, im Initiativkreis, bei Bazar und Frühlingsfest

Mit herzlichen Grüßen für das Redaktionsteam

oder im Vorstand und natürlich bei den vielen Klassenaufgaben und,

Roman David-Freihsl

und, und… Im Grunde ist es überwältigend! Ist das nicht ein wunderbares Gegenstück zu egozentrischen, stets auf den eigenen Vorteil bedachten Gesellschaftsentwicklun-

Impressum:

gen unserer Zeit? Wobei sich natürlich auch zeigt, dass das Ergebnis durchaus auch zu unserem Vorteil gereicht: Unsere Eltern gestalten

Medieninhaber, Verleger, Herausgeber:

ihre Schule mit – und damit auch ein besseres Schul-Umfeld für ihre

Verein zur Förderung der Waldorf-Gemeinschaft (VFWG),

Kinder und für sich selbst. Allerdings: Das alles tun sie nicht nur un-

Obmann Josef Prüller / DVR NR.: 7864 9742

entgeltlich – nein, sie zahlen sogar noch extra Schulgeld dafür!

Absender: moment@waldorf-mauer.at

Klammer auf: Nicht unerwähnt sollte dabei natürlich auch das zweite und wichtigste Standbein unserer Schule bleiben: Auch unse-

1230 Wien, Endresstraße 100 Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 13Z039641 M MitarbeiterInnen: Brigitte Födinger E: moment@waldorfmauer.at / Roman David-Freihsl E: roman.freihsl@gmx.at Karl Hruza E: karl.hruza@waldorf-mauer.at / Matthias Berke / Nadja Berke / Ursula Dotzler / Peter Gluchi / Margarete Goss /

Termine: Seite 21 Die Fotos in dieser Ausgabe stellten zur Verfügung:

Bettina Schwenk / Sabine Trierenberg / Susanne Wolf Kontoverbindung lautend auf: Redaktion Schulzeitung

J. Röhsler, A. Bodingbauer, B. Födinger, N. & M. Berke, K. Hruza,

IBAN: AT44 2011 1822 2175 1000 / BIC: GIBAATWWXXX

S. & L. Trierenberg, S. Habdank, P. Gluchi, G. Hiesböck,

Druck: Donau-Forum-Druck, 1230 Wien,

E. Myska, S. Wolf

aus umweltfreundlicher Druckproduktion

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„Fast noch wichtiger als für das Kind das Zeugnis wäre für den Lehrer das Gegenzeugnis“ U

ns muss es vor allem auf Gesinnung ankommen. Wir können nicht viel halten von Anweisungen im Einzelnen, dass die Lehrer sich so oder so zu den Eltern verhalten sollen und umgekehrt. Wir können uns von solchen Einzelanweisungen nicht sonderlich viel versprechen, aber sehr viel davon, wenn die Lehrerschaft und Elternschaft sich gegenüberstehen in den richtigen Gesinnungen. Denn wir wissen, wenn mit dem innersten Wesen des Menschen die Gesinnung zusammenhängt, dann wird Gesinnung zur Tat, gerade in den Einzelheiten des Lebens. Wenn Gesinnung im Großen den Menschen ergreift, werden seine einzelnen Taten zu Abbildern dessen, was die Gesinnung mit einem großen Zuge will. Daher handelt es sich für uns mehr darum, das Richtige in der richtigen Weise zu empfinden und zu verstehen, als einzelne Anweisungen zu geben und zu bekommen.

Rudolf Steiner weiter über die Bedeutung des täglichen Interesses in den Elternhäusern für das, was der Lehrer in der Schule tut:

Dadurch kann gerade am wirksamsten das bekämpft werden, was von heute hervorragenden Pädagogen ausgesprochen wird. Wenn diese untereinander sind, dann sprechen sie von dem „Krieg zwischen Eltern und Lehrer“. Dieser Krieg ist etwas, was so ein ge-

heimes Diskussionsthema bei vielen Pädagogen bildet. Dieser Krieg hat ja zu einem merkwürdigen Wort geführt, das schon bekannt ist, besonders jüngere Lehrer haben es ausgesprochen: Wir müssen die Erziehung bei den Eltern, insbesondere bei den Müttern anfangen. – Wir haben dazu weder den Ehrgeiz noch genügend utopistischen Sinn. Nicht weil wir glauben, die Eltern sind nicht erziehbar, oder wollen nicht erzogen werden, sondern wir wünschen, dass zwischen Elternschaft und Lehrerschaft ein wirklich inniges, freundschaftliches Verhältnis besteht, das auf der Sache begründet ist. Dazu kann viel getan werden durch das Interesse der Eltern der Schule gegenüber. Rudolf Steiner etwas später über das Verfassen von Zeugnissen durch Waldorflehrer

Eine große Erleichterung ist es ihm dabei, wenn er den Eltern gegenübergestanden hat … er sieht die Umgebung, und alles erscheint dann erst im rechten Lichte. Dabei hat man nicht nötig, in indiskreter Weise die Eltern selbst zu beurteilen, sondern er will eben in freundschaftlicher Weise sich den Eltern gegenüberstellen … Zweitens sollte der Lehrer eigentlich sicher sein, dass ein liebevolles Interesse im Elternhause ruhen würde auf solchen Zeugnissen, und ich glaube, wenn die Eltern fertigbrächten, eine kleine Antwort zu schreiben auf das, was der Lehrer im Zeugnis beschrieben hat, dass das ungeheuer helfen würde. Wird das als Regel eingeführt, so hat es keine Bedeutung; wird es Bedürfnis von den Eltern aus, so ist es pädagogisch ungeheuer wichtig. Solche Schriftstücke werden gewiss mit außerordentlicher Aufmerksamkeit in unserer Waldorfschule gelesen werden … Aus dem heraus, was in hingebungsvoller Weise Eltern dem Lehrer mitteilen könnten, würde starke Menschenerkenntnis fließen, und ich übertreibe gar nicht, wenn ich sage, fast noch wichtiger als für das Kind das Zeugnis wäre für den Lehrer das Gegenzeugnis. Aus: „Rudolf Steiner in der Waldorfschule“, Fragen von Schule und Haus – Ansprache am Elternabend, 22. Juni 1923 Ausgewählt von Roman David-Freihsl

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Erziehungspartnerschaft

- eine Betrachtung aus der Praxis Ursula Kaufmann Lehrerin und Tutorin in der Oberstufe; Mutter von drei Kindern

G

erade eben haben die Aufnahmen für die nächste erste Klasse

Sich-Bemühen, das Sich-hinterfragen-Lassen von uns Großen

stattgefunden: Während die Kinder mit erwartungsvollen Augen

war ihnen wertvoller Wegweiser, auch wenn sie davon explizit

in ihre allererste Schulstunde mitgehen, nehme ich die Eltern mit

oft gar nichts wussten. Denn ob wir wollen oder nicht: Alles, was

zu einem ersten Gespräch, und es findet eine Art Grundsteinlegung

wir denken, sprechen oder tun, wirkt.

statt, die mir nun, im 20. Jahr meiner Zugehörigkeit zur Schule –

Seit elf Jahren kenne ich die Partnerschaft auch von der an-

anfangs als Mama, seit geraumer Zeit auch als Oberstufenlehrerin

deren Seite und nehme sie nicht weniger ernst. Nehme wahr,

– immer deutlicher in ihrer Tragweite wird.

wie viel an Kommunikation es braucht, wie oft das für mich

Schon bei der Einschulung unserer Tochter bekamen wir die-

Alltägliche und Selbstverständliche für jemanden anderen un-

ses Bild mitgegeben: Auf der einen Seite gibt es uns Eltern, die das

durchsichtig wirkt. Wie immer wichtiger mir die Waldorfpäda-

Wertvollste, das sie haben, der Schule anvertrauen, und auf der an-

gogik wird, weil ich merke, welch ein wertvolles Umfeld sie für

deren Seite gibt es die Lehrpersonen, die dieses Kind in ihre Obhut

junge Menschen und letztendlich alle Menschen im Schulorga-

nehmen, es begleiten, fördern, ihm durch ihr Vorbild und ihr Enga-

nismus bietet. Und wie hoch das Ideal gesteckt ist, der sozialen

gement die Welt erschließen helfen. Auf diesen beiden Pfeilern ruht

Ordnung immer neue Kräfte erwachsen zu lassen, indem wir

der Bogen, unter dessen Schutz das Kind heranwachsen kann. Das

begleiten wollen, was in den jungen Menschen sich entwickeln

nennen wir Erziehungspartnerschaft.

will. Das bedarf eines vertrauensvollen und geweiteten Blickes,

Ich habe dieses Bild immer ernst genommen – habe die Lehre-

das bedarf eines offenen und von Verständnis und Verstehen-

rinnen und Lehrer unserer drei Kinder mit Anliegen konfrontiert,

wollen getragenen Miteinanders mit den Eltern dieser Kinder.

Erziehungsfragen mit ihnen geteilt, sie zum Teil in meine fallweisen

Gelingt das – was Gott sei Dank nicht häufig vorkommt – nicht,

Nöte oder Ängste oder Sorgen einbezogen. Wurde nicht nur einmal

ist ein gedeihliches Vorankommen der Kinder und Jugendlichen

in meiner Sichtweise korrigiert (und habe mich korrigieren lassen,

an unserer Schule eigentlich auch nicht mehr möglich. Wie

weil es einfach überzeugend war, was sie mir sagen konnten!), habe

auch, wenn die Pfeiler den Bogen nicht mehr tragen? Das geht

enorm viel über die Entwicklung von Kindern von ihnen gelernt,

sogar so weit, dass in unserer Vereinbarung zwischen Eltern

indem ich an den Elternabenden von ihnen über die Pädagogik hör-

und Schule das gegenseitige Vertrauen als notwendige Grund-

te. Darüber hinaus hat sich in den Klassen ein Beziehungsgeflecht

lage für das Bestehen der Zusammenarbeit festgehalten wird.

ergeben, das die anderen Eltern ebenfalls mit einbezog, die der

Das darf und soll von beiden Seiten ernst genommen werden.

Freunde des eigenen Kindes intensiver, andere nur punktuell, als Klassengemeinschaft aber dennoch prägend.

Wer sich mit der Schule verbunden und sie ein wenig kennengelernt hat, der trifft früher oder später auch auf die in Wege

So hat sich diese Erziehungspartnerschaft erweitert, denn das

zur Qualität beschriebenen zwölf Felder. Und das zwölfte Feld

gemeinsame Ringen um einen vernünftigen Umgang mit dem Han-

heißt – Schule als Schicksalsgemeinschaft. Arbeitsbegegnungen

dy (ja, auch vor fast zwanzig Jahren schon ein Thema!) oder der

werden ein Stück der Biographie jedes einzelnen. Daraus erwächst

Pünktlichkeitsmoral hat dazu beigetragen, dass sich um die Kinder

eine besondere Verantwortung für die anderen Mitbeteiligten.

eine Hülle von wohlwollenden, verständigen und sich verständi-

In diesem Sinne: Willkommen in dieser Gemeinschaft al-

genden Erwachsenen bildete, unter deren Führung sie sich ent-

len noch Unbekannten, schön, mit Euch den Weg zu gehen, Ihr

wickeln konnten. Und gerade da, wo wir nicht so schnell zu einem

schon Bekannten!

Konsens fanden, so behaupte ich aus meiner heutigen Erfahrung, haben die Kinder besonders viel profitiert. Denn das Suchen, das

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Schritte Holger Finke Oberstufenlehrer für Mathematik, Physik und Kunstgeschichte

Der Dichter Albrecht Goes (1908 - 2000) durchmisst das Menschenleben in wenigen Zeilen, zeigt, wie es durch Notwendigkeit geführt und durch Freiheit offen ist. Den Freiheitsmomenten, den Spielräumen verwebt er unser Wünschen und Hoffen und findet dann so prompt und

Z

stimmig wie Bach in seinen Kompositionen zu einem Ende, welches sich

u allen Zeiten waren Dichter außergewöhnliche Menschen,

als Ruhepunkt erweist und die Kraft hat, das ganze Gebäude zu tragen:

weil sie es vermögen, große Themen auf kleinen Raum zu ver-

einem Aufgehoben-Sein in der Ewigkeit.

dichten. Was dabei entsteht, sind Destillate, kleine reine Kristalle

Von der Ewigkeit hört man nicht alle Tage reden. Wir Modernen

des Menschseins. Bei Friedrich Hölderlin, dem wir manch klaren

übertönen sie durch Geräuschhaftigkeit und Tempo. Wir setzen auf

Edelstein verdanken und dem das Licht einer anderen Welt so hell

die fließende Zeit, treiben sie an und vergessen ihr Widerlager, die

schien, dass sich ihm diese Welt verdunkelte, finden wir den Vers:

ruhende Zeit, die als Ewigkeit eigentlich keine Zeit mehr ist. Angelus

Was bleibet aber, stiften die Dichter. Was bleibet aber, stiften die Dichter – so empfand er es und nahm es als Auftrag für sein Leben, oft im Zweifel, ob er ihm genügen würde. In der MoMent-Ausgabe vom Herbst 2017 begegneten uns auf Schritt und Tritt eingestreute kleine Fotos, auf denen man Füße in bunten Socken sah: Mal baumelten die Füße in der Luft her-

Silesius zum Beispiel hatte beide noch gleich stark im Bewusstsein. Die Doppelgesichtigkeit der Zeit als fließende und ruhende bildet eine der Achsen seiner Dichtung: Zwei Augen hat die Seel‘: Eins schauet in die Zeit, das andre richtet sich hin in die Ewigkeit. oder

um, meistens aber waren sie unterwegs. Es scheint also etwas

Man sagt, die Zeit ist schnell: Wer hat sie sehen fliegen?

auf sich zu haben mit den Füßen. Sie tragen uns zu den Orten,

Sie bleibt ja unverrückt im Weltbegriffe liegen!

an denen wir unsere Pläne umsetzen und unsere Handlungen begehen. Wenn es stimmt, dass Dichter Seismographen für das Wesentliche sind, dann müssen doch auch Dichter sich ihrer angenommen haben. Sie haben es. Und nicht nur das, zumindest einer hat auch das große Thema der Elternschaft, Leitmotiv dieser MoMent-Ausgabe, gleich mit zum Klingen gebracht: Die Schritte Klein ist, mein Kind, dein erster Schritt, Klein wird dein letzter sein. Den ersten gehen Vater und Mutter mit, Den letzten gehst du allein. Sei’s um ein Jahr, dann gehst du, Kind, Viel Schritte unbewacht, Wer weiß, was dann für Schritte sind Im Licht und in der Nacht?

Der Waldorfpädagogik, aus der Anthroposophie heraus geboren, ist es vertraut, das Leben des Menschen vor größeren Zeitläufen zu denken. Zwar türmt sich auch vor diesen die Ewigkeit noch himmelhoch auf, doch hat man immerhin gelernt, ein Menschenleben wie einen einzelnen Schritt zu deuten und noch nicht als ganzen Weg. Dieser, seine Richtung, sein Ziel, sein Sinn kann erst aus der Folge mehrerer Schritte entstehen. Das sorgt ein wenig für Beruhigung und Entschleunigung. Im Dezember 2017 trat Konstantin Wecker im Wiener Konzerthaus auf. Gleich zu Beginn des dreistündigen Programms erklärte der 70jährige Künstler dem Publikum, er sei nur deshalb Liedermacher geworden, um seine Gedichte, die als solche niemand lesen würde, als Lieder zu den Menschen zu bringen. Auch eine Reihe von Elternliedern trug er vor. Die Schritte von Albrecht Goes hätten dabei sein können, ohne dass die abweichende Autorenschaft aufgefallen wäre. Vielleicht sogar würde Konstantin Wecker selber staunen, dass das Gedicht nicht aus seiner Feder floss. Vielleicht ist Manchem das Gefühl nicht unbekannt:

Geh kühnen Schritt, tu tapfren Tritt,

Man liest etwas, dessen Inhalt man längst empfunden hat, und jetzt

Groß ist die Welt und dein.

steht es plötzlich da, materialisiert in Form von Farbpigmenten auf

Wir werden, mein Kind, nach dem letzten Schritt

Papier. Schritte, die man im Inneren gegangen ist, haben im Äußeren

Wieder beisammen sein.

einen Abdruck gefunden.

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„Den Weg zu den Eltern zu finden“ E

s war einer der interessantesten Elternabende gewesen, an dem wir einander in Kleingruppen über unsere unterschiedlichen Erziehungsstile berichtet hatten. Welche Vielfalt trat da in Erscheinung – und die Spanne zu den in der Waldorfschule praktizierten Erziehungsformen war teilweise sehr groß…Sich darüber auszutauschen, in welchen unterschiedlichen Erziehungs-Welten Kinder unter Umständen jeden Tag leben, welche Werte-Schwerpunkte sie bei gegenseitigen Besuchen erfahren schien Sinn zu machen und verlangte Offenheit, Interesse – und Toleranz. Möglich war dies nur, weil sich in regelmäßigen Elternabenden, gemeinsamen Eltern-Kinder-Ausflügen (auch über ein ganzes Wochenende) gegenseitige Achtung und letztlich Vertrauen entwickelt hat. Und es hatte sich auch gezeigt, wie schwer es für ein Kind wäre, seine Orientierung zu finden, wenn die „Entwicklungsräume“ Elternhaus und Schule im pädagogischen Widerspruch stünden… Die Bedeutung von Elternabenden hat Rudolf Steiner sehr hoch eingeschätzt: „Wir, als Vertreter des Waldorfschul-Gedankens, müssen in diesen Elternabenden etwas sehr Bedeutungsvolles sehen, denn diese Abende hängen doch zusammen mit den tiefsten Lebensbedingungen dessen, was wir mit der Waldorfschule wollen.“1) Und was das ist, wird so beschrieben: dem Kind eine ihm gemäße und nicht vom Staat vorgeschriebene Bildung (nach streng definierten Standards) zukommen zu lassen. Dieses Vorhaben ist niemals möglich ohne Verständnis derer, die dieser Lehrerschaft das Teuerste, was sie haben2), ihre Kinder, anvertrauen. Bei diesem eingangs genannten Elternabend ging es eigentlich um nichts anderes: um gegenseitiges Wahrnehmen und VerstehenWollen. LehrerInnen wie Eltern haben sich in der Regel ja sehr bewusst für eine Waldorfschule entschieden. Damit sind natürlich immer auch individuelle Erwartungen, Ziele, Wünsche verbunden – über die es sich auszutauschen zweifellos lohnt. Dass dies keine Einbahnstraße sein darf, ist selbstverständlich. Lehrer und Eltern stehen einander hier auf Augenhöhe gegenüber im Dialog darüber, was und wie die Kinder lernen bzw. den Unterricht erleben, welche pädagogisch hilfreichen Aktionen ohne gemeinsames Engagement nicht möglich sind, oder wo die Autonomie der Waldorfschule be1) R. Steiner, Elternabend am 22. Juni 1922, in: Rudolf Steiner in der Waldorfschule, GA298, S. 187, Dornach 1980 2) Ders, Elternabend am 9. Mai 1922, a.a.O., S. 138

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droht ist… Wobei es auch eine wichtige Voraussetzung eines solchen offenen Dialogs ist, anzuerkennen, wertzuschätzen, welche andere, erweiternde Perspektive, Erfahrung, Kenntnis die jeweils anderen einbringen können. Gerade bei einem Elternabend liegt ja der Fokus nicht so sehr auf dem einzelnen Kind, sondern auf der aus dem Zusammenspiel der Individualitäten entstehenden Gemeinschaft, und diese hat nun mal ihre Wurzeln in den Elternhäusern, was deutlich macht: LehrerInnen alleine können niemals das Sozialgefüge „Klasse“ bilden sie brauchen immer die Zusammenarbeit mit den Eltern. Und weil es in der Waldorfpädagogik auch darum geht, das Kind seine Aufgaben in der Gemeinschaft entdecken zu lassen, ist die zweite „Erprobungsgruppe“ (nach der Familie bzw. Lebensgemeinschaft) die eigene Klasse – bevor sich diese dann in der Oberstufe auch durch die Praktika und Auslandsaufenthalte ständig erweitert. Leicht ist all das bestimmt nicht; vielleicht auch deswegen nicht, weil zum Lehrersein ein gewisses „Berufsrisiko“ dazugehört: LehrerInnen sind gewohnt zu unterrichten – und manchmal sogar zu belehren, was beim Zusammenkommen mit Eltern genau nicht möglich ist. Das empfinden auch manche der KollegInnen – und fühlen sich verständlicherweise bei den Kindern und nicht bei den Eltern richtiger am Platz. Diese Wahrnehmung konnte Steiner bereits vor beinahe 95 Jahren machen und er formulierte positiv, was das „innerste Herzens-Bedürfnis“ der Waldorfpädagogik ist oder sein muss, nämlich „den Weg zu den Eltern zu finden“3) – um so gemeinsam Kindern einen Entwicklungsraum gestalten bzw. die Entwicklungsräume „Familie“ und „Schule“ gut verbinden zu können.

3) Ders. Der Verkehr des Lehrers mit dem Elternhause im Geiste der Waldorfschul-Pädagogik, A. a. O. S. 211


W

er in einer Institution schon längere Zeit eingebunden ist oder in einer Branche schon länger arbeitet, merkt oft gar nicht, dass für neu Dazukommende, für Menschen die noch nicht lange dabei sind oder für Außenstehende manche Begriffe und Schlagworte keinen Sinn ergeben oder ein kleines Rätsel darstellen können. Als Beispiel für einen solchen Begriff kann ich aus „meiner“ Branche, dem Film, den Begriff MOS anführen. „Die nächste Einstellung ist MOS.“ Jeder am Set weiß dann dass diese Einstellung „stumm“ gedreht wird, also ohne Ton. Jeder? Nun ja – fast. Immer wieder traut sich ein Praktikant, ein Komparse oder jemand der noch nicht so lange dabei ist, nachzufragen: „Was bedeutet denn MOS?“ Das Rätsel wird dann gelüftet und das Bewusstsein darüber, dass eben nicht ALLE wissen, was das bedeutet, kehrt ins Bewusstsein der „alten Hasen“ zurück.

Tatsächlich ist es sogar nicht hundertprozentig geklärt woher dieses Akronym stammt. Die Geschichte, die jedoch auf Nachfrage gerne erzählt wird, ist jene, dass Billy Wilder diesen Begriff prägte. In den 1930er Jahren nach Hollywood eingewandert, war sein Englisch noch nicht perfekt. Er sagte die Einstellungen, die ohne Ton aufgenommen werden sollten, also „mit ohne Sound“ an. Daher wurde die Abkürzung MOS auf die Klappe geschrieben. (Kurze Erläuterung: Bei Filmkameras wurde und wird kein Ton direkt aufs Filmmaterial aufgezeichnet. Der Ton muss über ein externes Tonaufnahmegerät aufgezeichnet werden. Dies macht eine Kennzeichnung auf einer Filmklappe (Synchronklappe) notwendig, um Tonaufnahmen entsprechend den Kameraeinstellungen zuordnen und danach Bild und Ton synchron wiedergeben zu können.)

Damit unsere Eltern nicht immer nachfragen müssen, bzw. ganz gezielt nachfragen können, was denn nun die umherschwirrenden Begriffe und Schlagworte bedeuten und wann wann sie relevant werden, hier ...

... das kleine 1x1 der MauRer WaldorfEltern Da unsere Schule selbstverwaltet ist, tragen die Eltern bei uns einen großen Beitrag zur gemeinsamen Schule für ihre Kinder bei. Das bedeutet, dass Eltern in unserer Schule mehr Energien und Ressourcen in die Schule der Kinder stecken als an anderen Schulen. Das kann auf der einen Seite sehr zeitaufwändig sein, bringt jedoch auf der anderen Seite ein Gefühl des Miteinander von SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen, das man an anderen Schulen nicht in dieser Intensität findet. Hier folgen nun die „Klassenaufgaben“ für Eltern und später auch SchülerInnen sowie die besonderen Ereignisse für die einzelnen Klassen im Jahreslauf:

Die 1. Klasse Der Lotsendienst Die Eltern der ersten Klasse übernehmen ab Oktober des ersten Schuljahres bis in den Oktober des zweiten Schuljahres den Lotsendienst über die Endresstraße. Das ist gleich zu Beginn der Schulzeit eine große organisatorische Herausforderung, die dadurch belohnt wird, dass man einander, die Kinder und zum Teil auch die Eltern der höheren Klassen kennenlernt. Am Beginn der zweiten Klasse wird diese Aufgabe an die Eltern der neuen ersten Klasse übergeben.

Basaraufgabe „Adventskränze binden“ Die Eltern der ersten Klasse binden für den Weihnachtsbasar die Adventskränze. Diese werden am Basar verkauft und der gesamte Erlös kommt der Schule zugute.

Das Erstklass-Wochenende In der ersten Klasse (fallweise auch erst in der zweiten) wird zum besseren Kennenlernen ein Klassenwochenende veranstaltet, an dem LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen teilnehmen.

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Die 2. Klasse Buffet

Basaraufgabe „Zwergenwerkstatt“

Die Eltern der zweiten Klasse organisieren und bestücken die Buffets verschiedener größerer Veranstaltungen innerhalb der Schulgemeinschaft.

Ab Anfang Oktober beginnen die Eltern der zweiten Klasse, für die Zwergenstube am Weihnachtsbasar Zwerge, Püppchen, Tiere und andere liebe Dinge zu filzen, zu stricken und zu basteln. Am ersten Basartag können diese von den BesucherInnen erworben werden. Am zweiten Tag findet die Zwergenwerkstatt statt, wo mit den Kindern gebastelt wird.

Die 3. Klasse Schulhof- und Schulgartenpflege im Schulhaus 113

Das Dreikönigspiel

Die Eltern der dritten Klasse treffen sich 3 x im Jahr (auch mit den Kindern), um den Schulhof auf 113 zu hegen und zu pflegen sowie notwendige Maßnahmen durchzuführen.

In der dritten Klasse erlernen die Kinder zu Beginn des neuen Kalenderjahres mit dem Klassenlehrer / der Klassenlehrerin das Dreikönigspiel. Dieses wird unter anderem am Tag der offenen Türe Ende Januar aufgeführt.

Basaraufgabe „Kinderstube“ Die Kinderstube ist für die SchülerInnen der Unterstufe einer der beliebtesten Räume des Weihnachtsbasars. Dort können Kinder mit von den Eltern gegen Geld eingetauschten Filzmünzen kleine schöne Dinge erwerben. Diese kleinen schönen Dinge müssen hergestellt werden! Der Kreativität sind keine Grenzen gesteckt. Eine der aufwändigsten, aber auch schönsten Basaraufgaben – strahlender Kinderaugen könnt Ihr Euch sicher sein!

Die Handwerker-Epochen In der dritten Klasse begleitet das Thema „Handwerk“ die SchülerInnen durch das ganze Schuljahr. Eltern, die Handwerker sind oder Kontakte zu HandwerkerInnen haben, können ihre Erfahrungen oder Kontakte einbringen.

Die 4. Klasse Hausbauepoche

Basaraufgabe „Keksebacken“

In der vierten Klasse wird gemeinsam ein „Haus“ gebaut. In welcher Form, wird zuvor gemeinsam besprochen und entschieden. Diese Epoche wird ganz besonders durch die Mitarbeit der Eltern geprägt.

Die vierte Klasse ist für den Keks-Stand am Basar verantwortlich. Eltern und Kinder backen Kekse und verkaufen diese.

Die 5. Klasse Die Olympischen Spiele in Schönau an der Triesting Seit nunmehr 20 Jahren nimmt jede fünfte Klasse unserer Schule an den Olympischen Spielen teil. Die klassischen griechischen Disziplinen sowie der Marathonlauf (natürlich stark verkürzt) werden zunächst im Turnunterricht trainiert, und im Frühling fährt die Klasse gemeinsam nach Schönau, wo jährlich mehr als 300 Kinder aus verschiedenen Waldorfschulen Österreichs und umliegender Länder im sportlichen Wettstreit aufeinandertreffen.

Basaraufgabe „Kerzenziehen“ Ein sehr stimmungsvolles Erlebnis für Klein und Groß am Weihnachtsbasar ist das Kerzenziehen. Musikalisch begleitet von SchülerInnen der fünften Klasse (und auch anderer), kann jede/r eine eigene Bienenwachskerze ziehen. Aufbau und Organisation übernehmen die Eltern der fünften Klasse.

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Die 6. Klasse Das Singspiel Die sechste Klasse bringt im Laufe desSchuljahres ein musikalisches, für dieses Alter bearbeitetes Werk zur Aufführung. Beispiele aus den letzten Jahren: Die Zauberflöte (Mozart), Der Sängerkrieg der Heidehasen (James Krüss, 1926-1997), Der arme Heinrich (Josef Gabriel Rheinberger, 1839-1901).

Die Radtour Die sechste Klasse fährt auf eine meist einwöchige Radtour. Begleitung stellen die LehrerInnen und vereinzelt auch Eltern.

Basaraufgabe „Russische Teestube“ Diese Aufgabe ist eine aufwändige mit hohem Lerneffekt! Man lernt dabei köstliche russische Rezepte kennen! Die Eltern zaubern die Speisen, und die Kinder besorgen den Service.

Die 7. Klasse MoMent verschicken

Küchenpraktikum

Die Eltern der siebenten Klasse übernehmen das Frankieren, Sortieren und Zur-Post-bringen der Schulzeitung MoMent (erscheint 4x im Jahr).

Für die SchülerInnen der siebenten Klasse findet ein Küchenpraktikum in der Schulküche statt.

Basaraufgabe Mandeln und Punsch

Meist Ende Februar / Anfang März findet ein einwöchiger Schikurs für die SchülerInnen statt. Es kommen immer auch ein paar Eltern als Begleiter (Kochen) mit.

Die Betreuung des Punschstandes und das Brennen der Mandeln sowie der Verkauf dieser Produkte sind Aufgaben in diesem Jahr.

Die 8. Klasse Die achte Klasse ist geprägt durch die Jahresarbeit. Jeder Schüler/jede Schülerin sucht sich ein Thema aus, das ihn / sie bewegt und erarbeitet über das Schuljahr hinweg eine schriftliche und im Idealfall eine praktische Arbeit dazu. Gegen Ende des Schuljahres hält er / sie über dieses Thema vor der Klassengemeinschaft und den Klassen-Eltern ein Referat. Weitere wichtige Ereignisse in diesem Schuljahr sind das

Der Schikurs

Klassenspiel (ein großes Theaterstück wird auf die Bühne gebracht) und die Klassenreise (eine mehrwöchige Reise – je nach Klasse sehr unterschiedlich; oftmals ins Ausland führend; wird in Begleitung der Lehrer unternommen). Basaraufgabe „Garderobe“ Endlich! Diese Aufgabe übernehmen die SchülerInnen OHNE die Eltern!

Die 9. Klasse Hauptschulabschluss Am Ende der neunten Schulstufe erhalten die SchülerInnen zusätzlich zur verbalen Beurteilung ein Notenzeugnis (Hauptschulabschluss = Ende der allgemeinen Schulpflicht).

Basaraufgabe „Kaffeehaus“ Die Eltern aller Klassen, in erster Linie aber jene der neunten und zehnten, sorgen dafür, dass ausreichend Kuchen, Torten, etc. für das Kaffeehaus am Weihnachtsbasar vorhanden sind.

Den Service und Küchendienst übernehmen die SchülerInnen der neunten und zehnten Klasse.

Landwirtschaftspraktikum In der neunten Klasse arbeiten die SchülerInnen (meist zu zweit) für zwei Wochen auf Bauernhöfen mit.

Arbeitspraktikum Dabei handelt es sich um 40 Arbeitsstunden in einem selbstgewählten Bereich, verteilt über einen selbstgewählten Zeitraum.

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Die 10. Klasse In der 10. Klasse gibt es gleich zwei Praktika:

Das Vermessungspraktikum... Ein Stück Landschaft wird kartographisch exakt erfasst. Details zur Methodik sind auf Seite 4 im Jahresheft 2015/2016 der Schule online nachzulesen: https://issuu.com/ waldorf-schule_wien-mauer/docs/mom_jahresheft_2015-16 und das Forstpraktikum Auf über 1500 Meter Seehöhe wird bei jedem Wetter und nun schon über viele Jahre unter fachmännischer Leitung Waldverjüngung betrieben. Ein Stück Pflege an der Natur! Auch hierzu ein Bericht, ebenfalls im Jahresheft 2015/2016 erschienen. (Link wie oben)

Kellertheater Dabei handelt es sich um die Aufführung meist mehrerer sketch­ artiger Stücke zeitgenössischer Autoren (ab dem 20. Jhd.) im Rahmen der Metrik-Poetik-Epoche. Den SchülerInnen bietet sich hier die Möglichkeit, in kürzester Zeit in einen Typus Mensch zu schlüpfen und diesen auf der Bühne lebendig werden zu lassen. Bisher fanden die Aufführungen im Schulkeller auf dem Grundstück Endresstraße 113 statt, woher auch der Name rührt.

In manchen Jahren wurde auch an anderen Orten gespielt, worauf die Alternativbezeichnung „Salontheater“ hinweist. Auch wenn der Aufführungsort in den kommenden Jahren wechseln muß, wird uns das „Kellertheater“ weiterhin begleiten.

Basaraufgabe „Kaffeehaus“ Siehe neunte Klasse

Die 11. Klasse Das Sozialpraktikum Lebenssituationen, die mit besonderen Bedürfnissen verbunden sind, zu erleben, das ist das Ziel dieses Praktikums. Die SchülerInnen arbeiten drei Wochen in verschiedensten Organisationen (Sozialtherapie, Altenheimen, Flüchtlingshilfe etc.) mit. Das Erfahrene wird an einem gemeinsamen Tag aufgearbeitet. Ein Erlebnisbericht dazu findet sich z.B. auf Seite 18 im MoMent Herbst 2014.

Die 12. Klasse Das Wirtschaftspraktikum Auch bei diesem Praktikum geht es um das Sammeln von „Lebenserfahrung“. Untergebracht in Wirtschaftsbetrieben aus verschiedenen Branchen, sind die SchülerInnen drei Wochen mit Lebensrealitäten aus der Arbeitswelt konfrontiert. Ein Erlebnisbericht dazu kann auf Seite 20 im MoMent Herbst 2014 nachgelesen werden. (Link wie oben)

Link: https://issuu.com/waldorf-schule_wien-mauer/docs/ moment_herbst_2014

Basaraufgabe: Unterstützung im Hintergrund Die SchülerInnen der elften Klasse sind für die im Hintergrund des Basargeschehens notwendige Arbeit wie etwa die Begrüßung und Verpflegung der Ausstellenden, Unterstützung beim Adventkranzbinden oder die Müllentsorgung verantwortlich.

dig. Weiters ist es ihre Aufgabe, für ausreichende Information der BasarbesucherInnen zu sorgen.

Basaraufgabe: „Antiquariat“ und Info

Die Jahresarbeit (auch Abschlussarbeit genannt) der zwölften Klasse bildet den Waldorfschulabschluss. Das über ein Jahr lang erarbeitete, im Idealfall schon in der elften Klasse gewählte Thema, welches aus einem praktisch-künstlerischen und einem theoretischen Teil besteht, wird am Ende des Schuljahres der Öffentlichkeit präsentiert.

Am Basar sind die SchülerInnen der zwölften Klasse mit Unterstützung von Eltern für die Betreuung des Antiquariates zustän-

Weitere Höhepunkte des letzten Schuljahres bilden das Klassenspiel sowie die Kunst-Klassenreise.

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Andere erwünschte Möglichkeiten für Eltern, sich am Schulganzen zu beteiligen: Gut zu wissen: Unterstützung bei den Klassenspielen im Bereich des Kulissenbaus, der Kostüme und Frisuren, als Begleitung bei Klassenreisen, Radtouren und Ausflügen, Führung der Klassenkassa, u.a.

4 x im Jahr ist samstags Schulpflicht. Das sind jene Tage, an denen die Schulfeiern und der „Tag der offenen Türe“ stattfinden. Diese vier Tage ermöglichen die Herbstferien.

Schulgremien, in denen Eltern vertreten sind: Elternrat (ER) Jede Klasse unserer Schule sollte im Elternrat (ER) durch zumindest zwei Delegierte vertreten sein, um ein repräsentatives Gremium gewährleisten zu können. Ziele der Elternratsarbeit sind die Pflege, Stärkung, Verbesserung und Weiterentwicklung der sozialen Gemeinschaft unserer Schule. Der ER sieht sich als Vermittler zwischen Elternschaft und Kollegium und greift Impulse aus der Elternschaft auf, die gemeinsam mit dem

Kollegium weiter behandelt werden. Die Teilnahme an ER-Treffen ist offen für alle Eltern (auch nicht erziehungsberechtigte, sofern der jeweils erziehungsberechtigte Elternteil damit einverstanden ist). Nach Rücksprache mit der ER-Leitung können alle Interessierten aus der Schulgemeinschaft an den monatlich stattfindenden Treffen teilnehmen. Die Elternräte werden von den Klasseneltern am Beginn des Schuljahres gewählt.

Elternbeitragsgruppe (EBG) Unsere Schule ist zur Schulerhaltung weitestgehend auf Elternbeiträge angewiesen. Mit jeder Familie wird daher im Rahmen des Aufnahmegespräches ein individueller Elternbeitrag vereinbart, dessen Höhe der Einkommenssituation der jeweiligen Familie entsprechen soll. Dieser Elternbeitrag wird jährlich im Rahmen eines im Frühjahr stattfindenden Finanzgespräches mit der Elternbeitragsgruppe neu festgelegt.

Der Elternbeitrag ist monatlich zu entrichten und fällt zwölf Mal jährlich an. Zusätzlich zum regulären Elternbeitrag werden von jeder Familie beim Eintritt eines Kindes in die Schule eine Einschreibgebühr sowie ein einmaliger Aufbaubeitrag eingehoben. Die PädagogInnen erfahren zu keinem Zeitpunkt, wie hoch die Beiträge der einzelnen Familien sind.

Vorstand Dem Vorstand obliegt es, das Schulgeschehen gemäß dem Schulleitbild zu ermöglichen, und er arbeitet dabei mit allen Gremien der Schule zusammen. Er erhält sein Mandat durch die Mitgliederversammlung des Schulvereins, in der jährlich Rückblick gehalten und

Rechenschaft abgelegt werden. Im Vorstand sind sowohl Eltern als auch LehrerInnen, KindergärtnerInnen sowie Personen aus der Administration vertreten.

Impulsgruppe und WzQ „Wege zur Qualität“ (WzQ) ist ein Qualitätssicherungsverfahren, dem sich unsere Schule angeschlossen hat und bei welchem Qualitätskriterien für den sozialen Prozess der Selbstverwaltung entwickelt werden. Es geht darum, Gestaltungsansätze und Methoden der Zusammenarbeit als lebendigen Prozess verstehen und damit umgehen zu lernen, um somit entwicklungs- und leistungsfähig zu bleiben. Ziel ist eine Auditierung und Zertifizierung durch eine Akkreditierungsstelle. Unsere Schule erhielt 2010 das Zertifikat. Es finden nun jährlich Zwischenaudits und alle drei Jahre ein Erneuerungsaudit statt. Die Impulsgruppe ist einerseits jene Gruppe an Menschen, die zu diesem Prozess beigetragen hat und ihn am Laufen hält; andererseits sind es jene Menschen, welche die Schulgemeinschaftstreffen zeitlich festlegen und neue Impulse innerhalb der Schulgemeinschaft zum Thema machen.

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MoMent Frühling 2018 _ 11


Konfliktbearbeitungs-Kreis (KBK ) Der Konfliktbearbeitungskreis möchte einen aktiven Beitrag zur Vertrauenskultur an der Schule und im Kindergarten leisten. Er schafft offene, neutrale Begegnungsräume, die im Falle eines Konfliktes von einem/einer oder allen Beteiligten in Anspruch genommen werden können und sollen. In solchen geschützten Vertrauensräumen sollen Konflikte einer Lösung zugeführt werden, wenn nötig unter Beiziehung externer Fachleute. Dieser Kreis hat sich aktuell neu formiert. Lesen Sie dazu mehr auf den Seiten 16 und 17 dieser MoMent-Ausgabe.

Weitere Betätigungsfelder für Eltern an unserer Schule: PR- und Veranstaltungskreis Konzeption, Koordination und Begleitung öffentlichkeitswirksamer Veranstaltungen zählen ebenso zu seinen Aufgaben wie Aufbau und Pflege eines unterstützenden Netzwerkes von Personen, Organisationen und Firmen sowie Fragen des Öffentlichkeitsauftritts (Corporate Identity und Design). Der Kreis verfolgt dabei im Wesentlichen drei übergeordnete Zielsetzungen: • die Schule als Ort lebendigen Kulturschaffens und als innovativen, sozialen Begegnungs-, Lebens- und Entwicklungsraum in

der Öffentlichkeit bekannter, zugänglicher und erlebbarer zu machen • die vielfältigen Beziehungen der Schule zu ihrem sozialen Umkreis zu pflegen, im Bewusstsein der unterschiedlichen Erwartungen, Einflüsse und Möglichkeiten der externer Partner und Stellen im Hinblick auf die Schule und deren Aufgabe • einen Kreis von Menschen und Einrichtungen aufzubauen, welcher die Schule ideell, aber auch finanziell unterstützt.

MoMent

Basarkreis

Unsere Schulzeitung – Sie lesen gerade darin

Die OrganisatorInnen des Weihnachtsbasars sind immer froh und dankbar für weitere Unterstützung!

VFWG (Verein zur Förderung der Waldorfgemeinschaft)

Rückmeldegruppe

Der Verein hat es sich zum Ziel gemacht die Waldorfgemeinschaft zu stützen. Momentan bedeutet das, für die Finanzierung der Schulzeitung MoMent zu sorgen. Ansonsten arbeitet der Verein eng mit dem Schulverein zusammen.

Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Eltern, die sich aus dem Elternrat heraus entwickelt hat und sich mit PädagogInnen gemeinsam um eine gesunde Rückmeldekultur innerhalb der Schulgemeinschaft bemüht.

Zusammengefasst von Nadja Berke, mit Ergänzungen v. K. Hruza, U. Kaufmann, J. Prüller, M. Goss

Für weitere Informationen und Begriffserklärungen steht Euch und Ihnen auf unserer Website das A-Z zu Verfügung!

https://www.waldorf-mauer.at/schule/organisatorisches/wegweiser-von-a-z Auch die genaueren Strukturen und Ansprechpersonen finden Sie auf dieser!

https://www.waldorf-mauer.at/schule/ansprechpartner Zu pädagogischen Fragen beantworten unsere LehrerInnen gerne Fragen, oder Sie finden Antworten auf der Website

https://www.waldorf-mauer.at/schule/paedagogik/schulprofil

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Gremien ohne Elternbeteiligung, die Konferenzen: SLKK (Schulleitungskreis-Kollegium) Er besteht aus Mitgliedern des Kollegiums, die mittels einer Kombination aus Nominierung, Eigeninitiative und Wahl bestellt werden. Seine Aufgabe ist, in Zusammenarbeit mit Vorstand und anderen Gremien sämtliche die Schule erhaltenden und entwickelnden Fragen zu bearbeiten und Maßnahmen zu ergreifen (Entscheidungskompetenz): • pädagogische Leitung der Schule • ideelle Grundlagen • Personalfragen

• Mentorenschaft • Stundenplan • Öffentlichkeitsarbeit etc. Im ersten Jahr der Mitarbeit an der Schule sind weder die Nominierung für noch die Wahl in den SLKKmöglich. Jedes Mitglied der Schulgemeinschaft kann jedoch auf eigenen Wunsch in den SLKK eingeladen werden.

Pädagogische Konferenz

Technische Konferenz

Sie ist das Herzstück der Kollegiumsarbeit. Sie dient der internen Weiterbildung in pädagogischer Hinsicht und ermöglicht stufenübergreifende Auseinandersetzung mit waldorfpädagogischen Grundlagen. Die regelmäßige Teilnahme aller KollegInnen an der wöchentlich stattfindenden Konferenz ist verpflichtend.

Die technische Konferenz ist der administrative Teil der wöchentlich stattfindenden Konferenz. In diesem Forum werden schulorganisatorische Fragen aller Art besprochen (Raumplan, Stundenplan, Koordination von Terminen, interne und öffentliche Veranstaltungen, Rückblick auf Schul- bzw. Klassenveranstaltungen und Projekte).

Unter-Mittelstufenkonferenz:

Oberstufenkonferenz:

Sie ist Teil der pädagogischen Konferenz, in der speziell Themen der Unter- und Mittelstufe besprochen werden. Mitglieder sind alle Klassen- und FachlehrerInnen der Unter- und Mittelstufe.

Dies ist der Teil der Konferenz, in welchem pädagogische und technisch-organisatorische Themen behandelt werden, die speziell die Oberstufe betreffen.

Die neue „Willkommensgruppe“ an unserer Schule

U

m den Informationsfluss gegenüber neu zur Schulgemeinschaft stoßenden Eltern sicherzustellen, wurde seitens des Elternrates das Projekt „Einführung neuer Eltern“ ins Leben gerufen, an dem mehrere Elternratsmitglieder beteiligt sind. Diese „Willkommensgruppe richtet sich an alle „neuen“ Eltern – sowohl jene der Erstklässler als auch jene der Quereinsteiger. Wir wollen damit den Eltern frühzeitig Informationen vor allem über folgende Bereiche geben: • Organisation und Struktur der Schule (Gremien, Ansprechpartner etc.) • Wichtigkeit der Elternmitarbeit, dadurch entstehende Verantwortung, aber auch Freude daran • bevorstehende klassenspezifische Aufgaben, speziell in den ersten Jahren • zu verteilende Aufgaben / Ämter der 1. Klasse beim ersten Elternabend • Gremien / Gruppen mit Elternbeteiligung und zukünftiges potenzielles Mitwirken Hierfür soll es neben der Anwesenheit und Vorstellung durch Mitglieder der „Willkommensgruppe“ bei ausgewählten Veranstaltungen (Informa-

An unserer Schule gibt es viel zu tun – und das führte oft zu Aha-Erlebnissen bei Eltern. Eine neue Initiative im Elternrat will nun rechtzeitig informieren.

tionsabend für die jeweils kommende erste Klasse im Frühjahr, Elternabend im Waldorfkindergarten) vor allem einen zentralen Termin im Sinne eines „Eltern für Eltern“-Informationstreffens geben, nämlich jeweils fix am zweiten Donnerstag im neuen Schuljahr (2018 ist das z.B. der 13.9.). So können wir sowohl Erstklasseltern als auch Quereinsteiger noch VOR ihrem ersten Elternabend erreichen. Die Information der Eltern über dieses Angebot und den entsprechenden Termin kann bereits frühzeitig im Rahmen der erwähnten Veranstaltungen durch die dort anwesenden Mitglieder der „Willkommensgruppe“ erfolgen. Wenn bedingt durch besondere Lebensumstände eine über die erwähnten Aktivitäten hinausgehende Informationsnotwendigkeit gegeben ist (wie es z.B. im Falle von geflüchteten Familien sein könnte), werden wir versuchen, dies individuell zu organisieren. Markus Seidl-Konzett Kontakt: Markus.Seidl-Konzett@khgh.at bzw. elternrat@waldorf-mauer.at MoMent Frühling 2018 _ 13


Elternarbeit an der Waldorfschule Text: Charlotte Goldmann

V

or Schuleintritt stellt sich für viele Eltern die Frage: „Was ist das Beste für mein Kind?“ Um Antworten zu finden, nützen einige den „Tag der Wiener Schulen“ oder den Tag der offenen Tür, um sich zu orientieren. Am vergangenen „Tag der Wiener Schulen“ im Oktober wurde ich gefragt, wer hier an unserer Schule der Direktor sei. „Alle und keiner“ war meine Antwort. Wir alle sind dafür verantwortlich, dass hier alles funktioniert, und niemand delegiert von oben nach unten. Großes Erstaunen war die Reaktion: „Und funktioniert das?“ …Ja, es funktioniert! Dank der Mitarbeit vieler Lehrer, Eltern und nicht zuletzt Schüler funktioniert es! An der Waldorfschule gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um mitzuwirken. Alle sind dazu aufgefordert, dabei zu sein und mitzugestalten. Schon mit der Aufgabe des „Lotsendienstes“ in der ersten Klasse ist deutlich zu erkennen, wie wichtig das Engagement der Eltern an der Schule ist. Die Dynamik des gemeinsamen Tuns wird beispielsweise bei den Vorbereitungen zum Adventbasar genützt, um eine gute Basis der Elterngemeinschaft herzustellen. Auf dieser Basis wird in den folgenden Jahren aufgebaut. So kann auch unter den Eltern das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Verantwortung füreinander entstehen. Einen ganz anderen Einblick in das Schulganze kann man durch die Arbeit im Elternrat gewinnen. Der klassenübergreifende Austausch ist informativ und hilfreich. Entwicklungsbedingt sind wir Eltern ständig mit neuen Themen und auch Problemen konfrontiert, für die möglicherweise in anderen Klassen schon Lösungen gefunden worden sind. Durch den engen Kontakt zu unseren Lehrern entstehen oft fast freundschaftliche Beziehungen, wo Sorgen geteilt und gemeinsam Lösungen gefunden werden können. Der Austausch ist auf Augenhöhe und das Wohl des Kindes im Vordergrund. Ich bin jetzt das fünfte Jahr im Elternrat und war drei Jahre in der Elternratsleitung. In dieser Zeit habe ich einen guten Einblick in das Schulgeschehen gewonnen. Durch den guten und regelmäßigen Kontakt zum Schulleitungskreis ist mir bewusst geworden, wie viel die Lehrer an unserer Schule für unsere Kinder leisten. Und wenn auch manchmal der Eindruck entsteht, so manche vorgebrachte Themen verschwänden in Schubladen, so weiß ich jetzt, dass unermüdlich und 14 _ MoMent Frühling 2018

verantwortungsvoll gearbeitet wird. Dafür möchte ich auch an dieser Stelle Danke sagen! Was aber ist nun das Beste für unsere Kinder? Ist es eine Schule, wo auch Eltern sich zu Hause fühlen können? Wo geputzt, für die Schule gekocht und gebacken wird, wo gebastelt wird, wo Feste gefeiert werden, wo geplaudert und gemeinsam gelacht wird? Ein Ort der Begegnung , wo Gemeinschaft und soziale Verantwortung groß geschrieben werden? Ich denke, für uns stellen sich diese Fragen nicht mehr! Durch die Mitarbeit der Eltern bekommt die Bedeutung der Schule einen anderen Stellenwert im täglichen Leben. Unsere Kinder sehen und erleben, dass auch wir Eltern in und für die Schule engagiert mitwirken. Wir tragen gemeinsam die Verantwortung, das Beste für unsere Kinder zu gestalten. Mit viel Freude, Engagement, Geduld, Zeit, Liebe und Zuversicht kann die Schulzeit nicht nur für unsere Kinder, sondern auch für uns Eltern ein positiv prägender und unvergesslicher Abschnitt in unserem Leben werden. Charlotte Goldmann ist Schülerinnenmutter (2. und 5. Klasse) und Mitglied des Elternrates.


Neuzugang im Elternrat

Christoph Schmid

stellt sich vor

Steckbrief: Geboren in Wien, verheiratet, Vater von drei Kindern (Gloria und Rosa besuchen die 5. bzw. 2. Klasse. Leopold kommt im Herbst in den Waldorf-Kindergarten.) Studium der Technischen Mathematik, der Technischen Physik und der Versicherungsmathematik Mehrjährige Lehrtätigkeit an der Technischen Universität Wien im Gebiet der Angewandten Mathematik sowie Mitwirkung an Forschungsprojekten. Nach der Universitätszeit knapp 10 Jahre als externer Berater für die BMW AG tätig Seit 2003 im internationalen IT-Vertrieb beschäftigt

I

n einer Waldorfschule bilden Eltern, Schüler und Lehrer eine Gemeinschaft mit dem Ziel, einen Lern- und Lebensraum zu bilden, in welchem die vorhandenen Anlagen der Schüler bestmöglich gefördert und entwickelt werden. Unsere Schule lebt von der Initiative, der Mitarbeit und der Mitverantwortung aller Beteiligten im Schulalltag. Den Eltern – insbesondere dem Elternrat – kommt hierbei ein besonderer Stellenwert zu. Ziele der Arbeit des Elternrates sind die Pflege, Stärkung, Verbesserung und Weiterentwicklung der sozialen Gemeinschaft unserer Schule. Der Elternrat ist hier Vermittler zwischen der Elternschaft und dem Kollegium, bringt die Stimme ersterer zum Ausdruck und greift Impulse aus der Elternschaft auf, die gemeinsam mit dem Kollegium umgesetzt werden. Im Vordergrund der Arbeit steht immer das Wohl der Schüler. Ich bin seit der 1. Klasse Elternrat und habe mit diesem Schuljahr auch dessen Leitung übernommen. Elternrat zu sein bedeutet nicht nur, Einblick in andere Klassen und Schulstufen zu bekommen und sich klassenübergreifend auszutauschen, sondern gemeinsam an Lösungen zu neuen Themen und täglichen Herausforderungen zu arbeiten. Vieles kann nicht von heute auf morgen gelöst werden, aber durch den kontinuierlichen, offenen Dialog und Austausch mit dem Kollegium erarbeiten wir im Geiste einer Erziehungspartnerschaft stets praktikable und nachhaltige Resultate zum Wohlergehen unserer Kinder – und das ist unser oberstes Ziel. Der Leitspruch des Elternrates „Heilsam ist nur, wenn im Spiegel der Menschenseele sich bildet die ganze Gemeinschaft und in der Gemeinschaft lebet der Einzelseele Kraft.“ bringt all diese Gedanken sehr gut zum Ausdruck. Ich freue mich sehr, dass ich meinen Kindern die Möglichkeit geben kann, die Rudolf Steiner-Schule in Mauer zu besuchen und aktiv mit einer Gruppe gleichgesinnter und höchst motivierter Eltern und Lehrer zur Weiterentwicklung dieser Schule beitragen darf.

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Der Wert der Elternarbeit aus Sicht der Schulärztin Text: Laetitia Lernpeiss

E

ngagement und Offenheit der Eltern sind gefragt, damit die Schullaufbahn unserer Kinder bestmöglich gelingen kann. Aus meiner Sicht als Schulärztin und auch als Schülermutter beginnt diese Elternarbeit bereits vor Schuleintritt des Kindes. Hierzu gehört zunächst vor allem die Auseinandersetzung mit der Waldorfpädagogik sowie im idealen Fall mit der Philosophie Rudolf Steiners – der Anthroposophie. Hierzu bietet die Schule auch Informationsabende und Gespräche an. Lebendiger Austausch darf stattfinden, wie es sich eindrucksvoll am ersten Schultag der 1. Klasse für Eltern und Kind zeigt: ein spannender und schöner Tag, an den sich doch (fast) alle Kinder zurückerinnern. Diesem Austausch dienen später auch zahlreiche Elternabende und Einzelgespräche, sodass dem Klassenlehrer und dem gesamten Kollegium gegenüber ein Vertrauen aufgebaut werden kann, welches eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine glückliche Schulzeit des Kindes darstellt. Für das leibliche Wohl des Menschen sind ausreichend Bewegung, Naturverbundenheit und eine gesunde Ernährung unabdingbar: Körperliche Bewegung verbessert körperliche Fitness, die Gesundheit, die Selbstheilung, wirkt salutogenetisch, ist gleichzeitig Prävention und Therapie bei Adipositas, Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen, reduziert Ängste und Suchterkrankungen, hebt die Stimmung (besonders wichtig bei Depression), verbessert die Konzentration, hilft bei Verhaltensauffälligkeiten, baut Stress ab usw usf. Gerade als Schulärztin möchte ich diese Vorteile ausführlich aufgezählt haben. Für uns als Eltern bedeutet dies, die Lehrerinnen und Lehrer zu unterstützen in ihrem Bestreben, viele Waldtage, Ausflüge, Besuche, Bauunternehmungen und dergleichen zu machen und gemeinsam mit den Kindern Felder zu bestellen… und sie alle zu begleiten – mit einer gesunden Jause im Rucksack. Dr. Laetitia Lernpeiss ist Schulärztin an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

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E wie E

s soll sie geben, die „perfekten“ Kinder. Ihre Eltern erzählen, dass sie gerne in die Schule gehen, alleine und gerne die Hausaufgaben machen, selbständig sind, nicht streiten oder raufen und ihre Habseligkeiten in Ordnung halten. Wenn Sie ein solches Kind zu Hause haben, brauchen Sie nicht weiterzulesen. Denn ich möchte von jenen unvollkommenen Kindern schreiben, die ihre Schwächen haben, so wie wir Eltern auch, oder wie doch die meisten von uns; es soll ja auch „perfekte“ Eltern geben. Genauso ist es übrigens mit den „Sieben Zwetschken“ der Kinder, auch Schulsachen genannt. Es gibt die perfekten, die sich dorthin legen, wo sie hingehören, sich einordnen, warten, bis sie drangenommen werden, nicht immer als unterste zuoberst wollen.


Engel oder Eltern Manchmal aber führen diese Dinge so ihr Eigenleben. Das Heft zum Beispiel – so es überhaupt in die Schultasche will – hat offenbar den Drang, sich mit seinen Ecken immer irgendwo abstützen zu müssen, oder es will überhaupt quer ausgestreckt diagonal in dieser Tasche liegen. Beim Herausnehmen wehrt es sich unerbittlich und kommt nur mit Blessuren ans Tageslicht. Oder das Turnsackerl, das, obwohl man es doch sicher schon eingesteckt hat, sich dann doch noch im Vorzimmer in einer Ecke versteckt, das Handarbeitszeug, das gerade heute unbedingt zu Hause ausschlafen will, obwohl Handarbeitsstunde ist, das Geodreieck, das launenhaft unter die Schreibtischunterlage schlüpft oder der Radiergummi, der sich verschämt auf den Boden flüchtet. Auch so manche Schultasche hat bisweilen den Drang, einmal alleine eine Reise unternehmen zu wollen – wenn schon nicht in die weite Welt, so doch zu einer Extrarunde mit der Straßenbahn oder dem Bus. Auch Jacken, Handschuhe, Mützen finden oft den Weg nicht nach Hause. Das Kind ist ratlos und fühlt sich recht verlassen; die Eltern aber wissen bald, wo die Wiener Linien solchen Ausreißern Zwischenherberge geben. Kinder, die mit solch eigenwilligen Habseligkeiten zu kämpfen haben, haben es nicht einfach. Immer wieder ist irgendetwas rund um sie nicht so, wie sie es brauchen oder Lehrer oder Eltern es verlangen. Es sind Kinder, die ansonsten begabt sind wie andere auch, manchmal sogar besonders, manche vielleicht ein bisschen verträumt, sanguinisch. In jedem Fall aber werden sie als chaotisch erlebt und kommen oft in einen Strudel von Durcheinander.

Text: Elisabeth Frank

Welche Chancen hat ein solches Kind, nicht immer wieder anzuecken? Gar nicht fruchtbar – und da werden mir Eltern, Kinder und ehemalige Kinder zustimmen – sind Vorwürfe und Ermahnungen, auch wenn sie wiederholt vorgetragen werden. Was also tun im verwirrenden und verwirrten Dreieck von Eltern – Kindern – Habseligkeiten? Ich glaube, dass nur ein Zusammenspiel verschiedener Ansatzpunkte für alle Beteiligten hilfreich ist: Einerseits ist das ein gemeinsames Tun, um Gewohnheiten langsam anzulegen: mit dem Kind gemeinsam den Stundenplan durchgehen, die Dinge zurechtlegen – weder es für das Kind tun noch es alleine ) lassen, sondern in Ruhe (ich weiß schon, was ich da vorschlage!   das nächst Anstehende durchgehen. Wenn wieder einmal etwas völlig durcheinandergeraten ist, ist es gut, mit dem Kind gemeinsam zu überlegen, was nun zu tun ist und es auch gemeinsam durchzuführen. Und wenn es ganz eng wird, dann können wir Eltern auch einmal ganz still Engel spielen und schnell noch das Vergessene in die Schultasche stecken, die Flöte nachbringen, die Schultasche aus der Remise befreien... Das Kind wird uns dankbar sein! Im Übrigen: Viele Genies sollen als Kind sehr chaotisch gewesen sein. Dr. Elisabeth Frank, ehemalige Schulärztin unserer Schule

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Ein fruchtbarer Dialog mit viel Vertrauensarbeit Seit 2014 erarbeitet die Rückmeldegruppe an unserer Schule Fragebögen für einen strukturierten Austausch zwischen Lehrern, Eltern und Schülern.

D

ie „Rückmeldegruppe“ nahm im Jahr 2014 ihre Arbeit an unserer Schule auf. Sie hatte sich gebildet, da im Elternrat ein Frustgefühl wahrgenommen wurde: denn wie so oft stehen meist ein paar Wenige im Vordergrund, die ihre Unzufriedenheit artikulieren und diskutieren – doch die große zufriedene Mehrheit wird dabei kaum oder gar nicht wahrgenommen. Wir standen daher vor den Fragen: Wie könnte ein strukturierter Dialog zwischen Eltern und Lehrern gefördert werden? Und: Wie könnte ein Werkzeug für Qualitätsentwicklung auf persönlicher und institutioneller Ebene entwickelt werden? Wir setzten uns daher das Ziel, die Offenheit unserer Schulinstitution den Eltern, Lehrerinnen und Lehrern sichtbar zu machen und uns dabei auf das Leitbild unserer Schule zu besinnen: „Nur durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten in einer vertrauensvollen und wertschätzenden Atmosphäre können Erziehung und Bildung im Dienste junger Menschen gelingen.“ Voraussetzung dafür ist allerdings ein großes Maß an gegenseitigem Vertrauen – und das erfordert viel Mut auf beiden Seiten. 2014 war die Rückmeldegruppe in ihrem ersten Tätigkeitsjahr noch fast ausschließlich damit beschäftigt, eine solide Vertrauensbasis aufzubauen, damit Offenheit entstehen konnte, um Rückmeldungen zu geben und anzunehmen. Im Schuljahr 2015/16 folgte vor allem inhaltliche Entwicklungsarbeit mit Delegierten des Elternrates, dem Unter- und Mittelstufenkollegium, dem Konfliktbearbeitungskreis und Mitgliedern des Schulvorstandes. Herzlichen Dank an Bardia Monshi vom Institut für Vitalpsychologie, der uns dabei fachlich unterstützte und auch die Fragebogenformatierung und Auswertung übernahm. In dieser Phase war die Zusammenarbeit allerdings auch noch von vielen Vorbehalten geprägt – obwohl an unserer Schule schon viele Jahre lang „Wege zur Qualität“ gelebt wird und allen klar sein müsste, wie wichtig Beobachtungsinstrumente sind, um Wirkungen wahrnehmbar, reflektierbar und beurteilbar zu machen. Trotzdem gab es in der Startphase noch vereinzelte Befürchtungen, bei den Rückmel-

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dungen könne es sich um eine „jährliche Lehrerbeurteilung mit Potenzial zu unberechtigtem diagnostischen Charakter“ handeln. Im Frühjahr 2016 konnte schließlich die Pilotphase mit freiwillig teilnehmenden Klassenlehrerinnen und -lehrern der Unter- und Mittelstufe starten. Die Fragebögen wurden als Dialogangebot bei Elternabenden ausgeteilt und ausgefüllt. Dabei wurde im Prinzip erhoben, zu welchen Themen Dialogbedarf besteht – und mit welcher Dringlichkeit. Die Ergebnisse wurden dann beim nächsten Elternabend präsentiert. Der Prozess wurde von den Eltern sehr gut angenommen. Vor allem stärkte dieser strukturierte Diskurs das gegenseitige Vertrauen. Gleichzeitig konnten die Eltern wahrnehmen, wo sie mit ihren Themen im Verhältnis zu den anderen Klasseneltern stehen. So wurde eine große Einigkeit sichtbar, und dies stärkte das Zusammengehörigkeitsgefühl. Auf dieser Basis konnte dieser strukturierte Dialog im Schuljahr 2016/17 ausgebaut werden. Die Zusammenarbeit in der Unter- und Mittelstufe war gut: Die Rückmeldungen konnten weiterentwickelt und auf alle Klassen dieser Schulstufen ausgeweitet werden. Auch wurden die Themenbereiche Fachunterricht und gesamte Schule einbezogen. Die Rückmeldegruppe konnte sich dabei bereits auf die Koordination und fachliche Unterstützung zurückziehen. Gleichzeitig entwickelte sich eine ausgesprochen fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Oberstufenkollegium, Elternrat, Tafelrunde und Vorstand: Hier richtet sich das Dialogangebot an alle Schülerinnen und Schüler der Oberstufe; es wurde ein Fragebogen entwickelt, der einmal pro Jahr ausgeteilt, ausgefüllt und ausgewertet wird. Themen sind hier die Tutorinnen und Tutoren, der Fachunterricht und der gesamte Schulorganismus. Auch hier unterstützte uns dankenswerterweise Bardia Monshi vom Institut für Vitalpsychologie bei der Fragebogenformatierung und dem Erstellen der Auswertungstabelle. Rückblickend kann gesagt werden: Das Oberstufenkollegium steht geschlossen hinter dem Projekt. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und habe ein Klima der Zusammenarbeit mit Lehrerinnen


„Reden bringt d‘Leit zamm!“ D

as ist nicht nur eine alte Binsenweisheit, sondern auch das Credo des Konfliktbearbeitungskreises (KBK).

Unsere Schule ist ein Ort, wo unterschiedliche Meinungen und Ansichten gerne gehört werden und ihren Platz finden: ein Potential für persönliches und kollektives Wachsen.

und Lehrern, geprägt von gegenseitigem Respekt, Vertrauen und Wertschätzung erlebt. Besonders habe ich mich über das offene, unvoreingenommene, umfassende Engagement der Tafelrunde gefreut. In diesem Schuljahr wurde zusätzlich noch ein kurzer, universeller Fragebogen für die Oberstufe erstellt, der nach jeder Epoche eingesetzt werden kann. Auch in der Unter- und Mittelstufe wird der Prozess abgerundet: Es gibt für jede Schulstufe (1.8.) einen Fragebogen, der die jeweiligen Fächer und Schwerpunkte berücksichtigt. Die Rückmeldebögen werden von Eltern einmal pro Jahr ausgefüllt. Geplant ist, die Bögen demnächst – noch im Frühjahr 2018 – zu verteilen. Die Startphase ist somit erfolgreich abgeschlossen. Bei den nächsten Schritten wird es nun darum gehen, diesen Prozess dauerhaft an der Schule zu verankern – und die Ergebnisse der Befragungen fruchtbar zu machen. An dieser Stelle auch einen großen Dank an alle, die die Rückmeldegruppe bisher mitgetragen haben!

Reibung und Konflikt sind Teil von Wachstum. Ob Unstimmigkeiten zwischen Eltern und Lehrern, Schülern und Lehrern oder Lehrern und Schülern untereinander... Ihre/Eure Kommunikationsmöglichkeiten sind ausgeschöpft? Wir vom KBK helfen gerne weiter. Einfach, schnell, unbürokratisch – Ihr/Dein Anliegen formulieren, sich gesehen, gehört und gut aufgehoben fühlen: Das wünschen wir uns doch alle! Wir vom KBK wünschen uns das auch und geben Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen zukünftig deshalb die Möglichkeit dazu, und zwar im Rahmen der KBK-Sprechstunden: ab 9. April 2018 jeden Montag* von 10 - 11 Uhr im Arztzimmer (1. Stock) *) an Schultagen Diese Sprechstunden sollen Erstanlaufstelle für Ihr/Eure Anliegen sein. Mit Klarheit, Kraft und Freude an der Kommunikation entwickeln wir gemeinsam Schritte in Richtung Lösung. Wir – das sind übrigens Karin Peterseil, Julia Röhsler und Birgit Scheiner. In der kommenden MoMent-Ausgabe werden wir uns näher vorstellen. Fürs Erste seien hier unsere Kontaktinformationen angeführt – auch auf diesem Weg sind wir gerne für Sie/Euch erreichbar: Mail: konflikt@waldorf-mauer.at Tel. Karin Peterseil: +43 676 430 00 96 Tel. Julia Röhsler: +43 664 990 02 20 Tel. Birgit Scheiner: +43 699 151 83 137 Für den Konfliktbearbeitungskreis Birgit Scheiner

Alexander Konas

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goldrichtig

Unser Beitragssystem ist: E

ben dies habe ich bei den gerade abgelaufenen Erstklassgesprächen wieder ganz deutlich (und mein Engagement belebend) erlebt.

Goldrichtig, weil im Leben halt „Gold“ die inhaltliche Sauberkeit und Stimmigkeit einer Tat oder eben auch eines Regelwerks ist. Unser Beitragssystem stimmt mit den zentralen Anliegen unserer Schule überein. Es ist persönlich, verlangt Beziehung und wir leisten diesen Beitrag in solidarischer Haltung der Schule gegenüber. Persönlich: In unserer Schule arbeiten wir den Kindern beim Werden zu Persönlichkeiten pädagogisch zu. Zentral dabei sind die Ehrfurcht vor dem Lebensauftrag dieser jungen Menschen und die Würdigung jener, die sich für sie zusammenfinden. In unserem Beitragssystem gehen wir auf die Eltern als Mitträger der Schule persönlich zu und finden im Beitragsgespräch miteinander den für „beide Seiten bestmöglichen Beitrag“. Wir haben kein „soziales Beitragssystem“ im Sinne von Vollbeitrag und gnädigen Nachlässen bei nachgewiesener Armut. Wir haben von

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jeder/jedem den persönlich angemessenen „Höchstbeitrag“ und das steckt sehr viel Würde und Würdigung in der Grundgeste. In Beziehung: Bei „Erziehung zur Freiheit“ geht es um Vorbild, Appell und ein immer neu gewecktes Interesse am vis-a-vis und der Welt und das lauft nur über Beziehung. D.h. auch, unsere Schule ist kein Dienstleister, von dem man passende Pädagogik kaufen kann. Distanziertheit, Normiertheit, den Standards Nachhecheln bringt’s nicht. Auch im Wirtschaftlichen sprechen wir jährlich neu die Bereitschaft der Eltern an, sich mit der Schule nicht als Kunden sondern als Mitträger in Beziehung zu setzen. Das ist der Ausgangspunkt des Gesprächs. Daher fragen wir in einem individuellen persönlichen Gespräch, wie es Kind und Eltern in der Schulgemeinschaft geht (Beitrag der Schule) und was an finanziellem Beitrag für diesen „Lebensraum Schule“ möglich ist. Und wie schon oben gesagt, wir begegnen uns sehr würdevoll und würdigend, in beiden Teilen des Gesprächs. Solidarisch: Wir leisten diesen Beitrag solidarisch. Im Sozialen und


blitzgescheit ertragreich Wirtschaftlichen leben wir tatsächlich ein Stück „Eine bessere Welt ist möglich!“ vorweg.Wir versuchen nicht nur, im pädagogischen, im Geistesleben, der „Freiheit“, die nötigen Räume zu öffnen. Wir mühen uns nicht nur im Rechtsleben um eine in der „Gleichheit“ verankerte Sauberkeit (siehe Eltern-Schule-Vertrag). Wir bleiben persönlich und solidarisch im Bereich des Wirtschaftlichen. Bei uns geht es nicht nach dem Motto „Beim Geld hört sich die Freundschaft auf!“

Ertragreich: Die immer wiederkehrende Kritik lautet: „Alles schön und gut, aber es kommt nicht genug zusammen!“ Na, ja, stimmt, stimmt nicht, stimmt, stimmt nicht…! Was könnten wir nicht alles tun, wenn …: Besser bezahlen, mehr LehrerInnen anstellen, bezahlt supplieren, „Ameisengruppe“ hatte entlastet, Mittelstufe intensivieren…Stimmt, vieles schnürt der Geldmangel ein und im laufenden Betrieb steckt eine immer wieder überfordernde Selbstausbeutung Blitzgescheit: Ein paar Blitzlichter dazu. der PädagogInnen. Ich kenne nur kein System, das mit Zwangsbeitrag oder Die Elternbeiträge purzeln nicht so einfach ins Gesamtbudget der was immer mehr bringt. Einen höheren Beitrag/Kopf ja. Volle Klassen nein, Schule. Wir dachten uns, was wollen die Eltern jedenfalls,wohl Defizit bleibt. Wir brauchen da gar nicht theoretisieren sondern nur unsere den Unterricht. Also ordneten wir die Elternbeiträge den AusgaSchulgeschichte anschauen. Der größte Finanzcrash war in einem Fixbeitragben für die pädagogischen MitarbeiterInnen zu. Die Elternbeiträ- System und das jetzige Regelwerk war eine der Antworten. Im Kindergarten ge füllrn diesen Ausgabentopf zu etwa 80%. Die Größenordnun- waren wir bei den kostendeckenden Beiträgen in einer Höhe angelangt, wo gen passen also auch budgetär gut zusammen. die Gruppen begannen nicht voll zu werden. Das Defizit wuchs weiter. Erst Im Beitragsgespräch bitten wir auch, die kollektivvertraglichen die von der Gemeine Wien geleistete Zahlung für das „kostenlose“ KinderAusgabensteigerungen durch entsprechende Beitragssteigerungartenjahr ermöglichte eine nachhaltige Sanierung und Entlastung der Elgen mitzutragen. Hält diese Ein-Aus-Relation nicht, können wir ternschaft. Also, ohne ernsthaften Beitrag der Republik zu unserem Beitrag, eine Jahresausgleichszahlung bis zu einem Monatsbeitrag einforSchülerInnen zu unterrichten, werden wir gut beraten sein, jährlich neu um dern. Alle darüber hinausgehende Nöte und Chancen müssen in die Bereitschaft der Eltern für einen viel Qualität gewährleistenden Beitrag eigenen Beziehungsprozessen (Deputatsgespräche, Allgemeine zu werben. Mit allen positiven Neben-Hauptsachen, wie schon vorgesungen. Elternabende etc.) geklärt werden. „Vurschrift“ passt nicht und Ab April sehen wir uns wieder für die nächste Begegnungsrunde. hilft nichts, vereinbaren schon. Aufwändig? Ja, schon, wie das Eine schöne Anstrengung! Eurer Jörg Schmiedbauer Leben eben.

  Termine 24.03.-08.04. Osterferien (frei)

25.05.

Schulgemeinschaftstreffen; 16-20 Uhr, Kl. Festsaal

06.-09.04.

Probenwochenende Schallmauer Orchester

Themen: Neubau auf 113 und

10.04. Orchesterkonzert

100 Jahre Waldorfpädagogik 2019

12.04.

Audit (WzQ)

25.-27.05.

1.Klasse Wochenende

13.-15.04.

2.Klasse Wochenende

31.05.-02.06. Olympische Spiele in Schönau

14.04.

WAM Jahreshauptversammlung u.

31.05.-03.06. Fronleichnam (frei)

Get-Together-Fest, Kl. Festsaal

08.06.

12. Klass-Spiel

20. & 21.04. Singabend 11. Klasse

10.06.

13-18 Uhr Einweihungsfest s.Seite 30

23.-27.04.

12.06.-26.06. 12. Klass-Reise

Referatswoche der 12. Klasse

28.04.-01.05. Staatsfeiertag (frei)

23.06.

Schulfeier- u. Sommerfest

28.04.-02.05. Kleine Kunstreise 11. Klasse

29.06.

Letzter Schultag 2017/2018

03.09.

Erster Schultag 2018/2019

05.05.

Ball der 12. Klasse

06.–19.05.

Vermessungspraktikum der 10. Klasse

10.-13.05.

Christi Himmelfahrt (frei)

Die nächste Ausgabe von MoMent erscheint voraussichtlich am

19.-22.05.

Pfingstferien (frei)

18.06., Redaktionsschluss ist der 23.05.

MoMent Frühling 2018 _ 21


Eltern „at their best“: Lieber Peter, du bist ja lange Jahre mit der Schule in Mauer aktiv verbunden. Wie bist du zur Waldorfschule gekommen? Peter: In die Waldorfschule bin ich durch meine älteste Tochter Nina gekommen, die im Jahre 1978 – wir haben damals in Leopoldau gewohnt – in die Volksschule in der Großfeldsiedlung eingeschult wurde. Das ging nicht so gut. Da fiel einiges vor. Entscheidend war aber – beim Tag der offenen Tür–, dass dort in der ersten Klasse bereits dieses „Frage- und Antwortspiel“ gespielt wurde, um den Eltern zu zeigen, was die Kleinen nicht schon alles können. Es sind 25 Hände in die Höhe gegangen, die Lehrerin nahm einen Buben dran, und der Bub sagte das Falsche. Da schnauzte sie den Buben vor der ganzen Klasse und der versammelten Elternschaft an: „Warum meldest Du Dich, wenn Du es nicht weißt?“ Das war der Anstoß, dass meine erste Frau Helga und ich beschlossen: Wir suchen eine andere Schule. Wir haben uns in der Umgebung umgeschaut, aber mir war klar: Wir kommen wieder ins gleiche System. Da kamen uns das Glück und der Zufall zu Hilfe: Unsere Nachbarn, mit denen wir über die Makrobiotik verbunden waren, nahmen uns ins Porrhaus am Karlsplatz zu einem Vortrag von einem Waldorflehrer mit. Der Mann – ein Schweizer, dessen Namen ich leider vergessen habe – war dermaßen gut und kompetent und hat uns eine Pädagogik vorgestellt, wo wir wussten: „In diese Schule soll unser Kind gehen“. Daraufhin sind wir an die Waldorfschule in Mauer herangetreten. Damals war Frau Sumser für die Aufnahme der Erstklasskinder zuständig. Sie hat mir klipp und klar gesagt: „Wir haben überhaupt keinen Platz; wir haben 38 Anmeldungen.“ Ich habe dann fast wöchentlich angerufen, ob es nicht doch die Möglichkeit gäbe und habe in der gleichen Zeit mit Frau Zahlingen vom Kindergarten gesprochen, ob Christoph, unser Sohn, in den Kindergarten kommen könne. Und Frau Zahlingen war die Einzige, die mir über diese Monate hindurch die Hoffnung irgendwie hat glimmen lassen: „Den Buben nehmen wir auf jeden Fall.“ Eine Woche vor den Ferien 1979 kam das Okay. „Nina kann kommen, aber sie muss in der ersten Klasse neu beginnen, weil in der zweiten eben 38 Kinder sind.“ Liebe Michaela, wie startete Dein „Waldorf-Weg“? Michaela: Für mich war das am Anfang nicht fix, dass unsere drei Kinder auf die Waldorfschule gehen sollten. Wir haben für Maximilian einen Kindergartenplatz gesucht. Wir haben beide gearbeitet. Ein Platz, der nur bis 12 Uhr zu Verfügung stand, war also für uns nicht möglich. Ich habe mir die Schule angesehen und festgestellt, dass ich gerne in diese Schule gegangen wäre. Vor allem das Handwerkliche hat mir sehr zugesagt. Dazu kam – und das war dann wirklich aus22 _ MoMent Frühling 2018

DIe Eberhart schlaggebend –, dass Christoph, Peters Sohn, sagte, er möchte, dass sein Bruder in den Waldorfkindergarten geht. Just in diesem Jahr wurde die Betreuungszeit im Kindergarten in der Marktgemeindegasse auf 14 Uhr ausgeweitet. Wir bekamen einen Platz in der Gruppe von Inge Oberneder. Somit hat sich der Weg in die Waldorfschule ganz natürlich ergeben. Wie kam es zu der intensiven Mitarbeit in der Schule von Euch beiden? Michaela: Wir haben beide viel in der Schule getan. Allerdings waren das eher getrennte Tätigkeiten, die wir übernommen haben. Das passierte automatisch und doch auch bewusst. Das Einzige, was wir gemeinsam gemacht haben, war das Klassenputzen am Jahresende oder am Jahresbeginn. Ich bin über die direkte Tätigkeit des Bastelns hineingewachsen. Begonnen hat es mit der Organisation der Kinderstube am Basar – und dort, am Weihnachtsbasar, bin ich immer noch gerne tätig. Mir ist es wichtig, den Kontakt zur Schule zu erhalten, auch jetzt, nachdem unsere Jüngste, Sonja, mit der Schule fertig ist. Daher bleibe ich im Basarkreis. Ich habe damals am Anfang „meiner“ Schulzeit mit Frau Merth und anderen gemeinsam die Organisation begonnen. Während früher mehr Lehrer bei der Organisation dabei waren, so sind es inzwischen immer mehr Eltern geworden, die da mit anpacken und helfen – und das muss man beim Basar schon: Zugreifen! Nur sagen, was man schön fände und wie man es sich vorstellt, ist zu wenig. Peter: Bei mir damals gab es am Anfang nichts anderes als das Kollegium und einen Vorstand nebst der Verwaltung. In dieser Zeit, wo ich von meiner ersten Familie schon getrennt war, habe ich mich ungemein stark hinterfragt, ob das, was ich arbeite – ich war in einem Straßenbauunternehmen mit


rters ca. 450 MitarbeiterInnen im kaufmännischen Bereich tätig –, eigentlich sinnvoll ist. Ich bin in dieser Firma dann doch 31 Jahre geblieben, habe aber damals aufgrund der Trennung von meiner ersten Frau Helga sehr viele Persönlichkeitsseminare besucht und nach Hintergründen gefragt. Ich habe begonnen, das erste berufsbegleitende Seminar in Mauer mitzumachen und überlegt, Waldorflehrer zu werden. In dieser Zeit habe ich auch ein Jahr lang die Rechnungsprüfung für die Schule erledigt. Das muss Anfang der 90er Jahre gewesen sein. Dabei habe ich Einblicke in die Gehaltsstrukturen der Schule bekommen. Ich habe gut verdient in der Baufirma und gesehen, auf welches Gehaltniveau ich als Lehrer herunterfallen würde und was ich meinen Kindern an Finanziellem wegnehmen müsste, damit ich selber leben kann. Da wäre nichts übriggeblieben, für niemanden. Und es war nicht nur dieser Punkt. Mir ist damals die Anthroposophie einfach nicht zugänglich gewesen. Mein Ansatz war: Ich muss es verstehen, und dann kann ich es authentisch „rüberbringen“. Inhalte nur angelesen und nicht in mir zu haben – so kann ich kein Lehrer sein. Das geht nicht. Also – es waren zwei ganz wichtige Komponenten, die mich davon abgehalten haben, und ich habe das Seminar abgebrochen. Ich bin dann im sogenannten Elternbeirat gewesen, und dieser Beirat hat sich jedes Jahr neu gegründet. Spätestens nach einem halben Jahr hat das Fragen begonnen: „Wofür stehen wir eigentlich? Was haben wir eigentlich zu tun?“ Vor 15 Jahren kam schließlich eine entscheidende Wende: Da ist es der Schule in Mauer finanziell ganz schlecht gegangen. Es hat auch „Unklarheiten“ in der Finanzgebarung gegeben… Fest steht: Es wurde ein neuer Vorstand gewählt, bei dem Engelbert Sperl die Geschäftsführung übernahm. Es wurden Gremien gebildet, wo aus meiner Sicht Eltern wirklich sinnvoll mitarbeiten konnten – unter anderem die Elternbeitragsgruppe. Ich hatte in meiner Firma im Finanzbereich gearbeitet, und so war es für mich stimmig, meine Kraft in diesem Gremium einzubringen. Wir haben uns zunächst in den verschiedenen Waldorfschulen in Österreich umgehört, wie die ihr Beitragssystem gestalten. Werner Mühlegger hatte gute Kontakte nach Graz, und die haben ein

prozentmäßiges Beitragssystem gehabt. Wir haben dieses Modell für unsere Schule adaptiert und beschlossen, jedes Jahr mit allen Eltern Beitragsgespräche zu führen. So konnten wir den Eltern die Erfordernisse der Schule näherbringen und gleichzeitig auf die Möglichkeiten der Eltern Bedacht nehmen. Damit war die Elternbeitragsgruppe das einzige Gremium an der Schule, das jedes Jahr mit allen Eltern vertrauliche Gespräche geführt hat. Ein nicht zu unterschätzender Faktor! Und damit haben wir ein neues Beitragssystem implementiert. Grundvoraussetzung war – und ist es ja noch immer –, dass alle Kinder hier in die Schule gehen können. Das war die Vorgabe von Vorstand und Kollegium. Schwierig wurde es 2008, weil es da finanziell für viele eng wurde. Das führte zu vielen Beitragsreduktionen, die durch die sonstigen 3bis 5-prozentigen Erhöhungen nicht wettgemacht werden konnten. Zuletzt habe ich 70 - 80 Prozent der Gespräche geführt. Weil ich in Pension war, hatte ich die Zeit. Euren Kindern ging es allen gut an unserer Schule? Peter: Unterschiedlich gut und in unterschiedlicher Kontinuität. Nina hat eine kurze Zeit an einer anderen Schule verbracht; Maximilian und Sebastian hatten einige Lehrerwechsel. Meine Enkel (Ninas Kinder) gehen jetzt nach Pötzleinsdorf. Im Großen und Ganzen ging es ihnen gut. Michaela: Das gesellschaftliche Umfeld war für Maximilian, Sebastian und Sonja immer so wichtig, dass sie nicht gewechselt hätten! Zwölf Jahre gemeinsam zu verbringen, ist etwas, dass keine andere Schule bieten kann. Diese soziale Erfahrung kannst Du nirgendwo anders in diesem Alter schon mit auf den Weg bekommen. Die schönsten und positivsten Seiten des Schullebens für Euch waren und sind... Peter: Es ist so, wie Herr Schneeweiß beim letzten Abschlussplenum beim Zwischenaudit von „Wege zur Qualität“ im letzten April gesagt hat: „Eure Schule ist was ganz Besonderes. Das gibt es so auch nicht in Deutschland. Ihr könnt feiern! Behaltet das. Das ist etwas ganz, ganz Wichtiges.“ Das merkt man einfach überall. Auf den Schulfeiern, in den Theateraufführungen, bei den Elftklass-Singabenden. Die Bude ist gerammelt voll. Es ist die gesamte Elternschaft da, die unmittelbar betroffen ist, und auch noch viele andere. Also – es ist wirklich etwas, das mich den ganzen Jahreslauf begleitet hat und mich auch weiter begleiten wird. Ich werde sicher weiterhin Schulfeiern besuchen, ich werde Zwölftklass-Referatswochen besuchen und natürlich den ElftklassSingabend… gar keine Frage.

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Eltern „at their best“: DIe Eberharters

Michaela: Für mich ist die Schule wie eine große Familie. Die Kinder, aber auch wir Eltern gehören dazu. Wir haben die Möglichkeit, am Schulleben teilzunehmen und dabei mitzuerleben, wie unsere Kinder, aber auch alle anderen Schüler heranwachsen, zwölf Jahre lang. Sie von Jahr zu Jahr bewusst wahrzunehmen, in den Schulfeiern und bei den Aufführungen. „Ihr Heranreifen begleiten zu dürfen“, die Möglichkeit, mitzuhelfen, zu gestalten, sich einzubringen, die Freude der Kinder zu erleben, wenn sie Aufgaben meistern. Bei Maximilians und Sebastians Schikurs bin ich mitgefahren und habe für die Klasse gekocht. Ein ganz besonderes Erlebnis! Dort durfte ich Kinder und Lehrer ganz anders, viel persönlicher kennen lernen! Ich habe das Gefühl, wir sind so viel näher an dieser so intensiven Lebensspanne unserer Kinder, als das an öffentlichen Schulen möglich ist. Die Möglichkeit, mich in der Schule einzubringen, zu lernen, was Gemeinschaft bewirken kann, wenn alle an einem Strang ziehen, ist immer noch ein wunderbares Erlebnis für mich.

Was, meint ihr, sind die Fähigkeiten, die wir in unserer Gesellschaft jetzt brauchen? Was trägt die Waldorfpädagogik dazu bei? Peter: Die wichtigste Fähigkeit ist dieses soziale Element, das wir den Kindern an der Schule mitgeben. Das in die Gesellschaft hineinzutragen und Empathie zu haben mit den uns umgebenden Menschen, egal, woher sie kommen. Gegenüber jenen, die die Errungenschaften des offenen Europa zunichtemachen und sich in diesem Europa diktatorisch gebärden, sind Menschen wie jene, die aus der Waldorfschule kommen, mit dem, was sie im Sozialen gelernt haben, einfach ganz wichtig. Michaela: Aus unserer Schule kommen junge Menschen, die fähig sind, sich ihre eigene Meinung zu bilden, unabhängig vom Massenbewusstsein. Sie werden angeleitet, nach- und mitzudenken, zu hinterfragen und selbstbewusst ihre Ansicht zu vertreten.

Familie Eberharter –

M

it dem Peter gemeinsam die Elternratsbank gedrückt und in der Impulsgruppe gewerkt: Damit war ich schon einmal „grund-Eberharter-isiert“. Der Maximilian hat mit seiner Klasse dann meinen Einstieg als Lehrerin zu einem Erlebnis werden lassen (unvergessen das Papagenogedicht, die Faustepoche und das Kellertheater und Pulkau und... und... und...). Der Sebastian wär’ mir ja fast durch die Lappen gegangen, hätt’ er nicht so eine tolle 12.Klass-Arbeit geschrieben und sich justament mich als Betreuerin ausgesucht. Das ist sich grad’ noch einmal ausgegangen am Ende! Und die Sonja – die war mir dann wieder alle vier Jahre sicher, inklusive Jahresarbeit! Grande Finale. Mit der Michaela seit Jahren über den Basar verbunden – wenn man das gemeinsam so oft erlebt, schweißt das zusammen über alle Christbaumwipfel. Und so sind aus Menschen in der Schule Freunde geworden, mit denen uns soviel mehr verbindet als die gemeinsame Zeit dort! Ursula Kaufmann (Lehrerin und Tutorin in der Oberstufe; Mutter von drei Kindern)

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K

ennengelernt habe ich Peter über die EBG-Gespräche. Er war für mich damals neben Jörg Schmidbauer deren „graue Eminenz“. Mit Herz und Verstand und doch mit Nachdruck, sodass jedem bewusst wurde, mitverantwortlich für das Funktionieren der Schule zu sein, hat er diese Gespräche geführt. Für mich hat Peter immer alles gewusst – Peter zu fragen war das Klügste, was man machen konnte. Faszinierend, jemanden zu erleben, der so essentiell in der Schulerhaltung wirkte: in der Impulsgruppe, im WzQ, in der EBG. Sein großer Impuls war, die Erkenntnisse der EBG-Gespräche als Feedback zusammenzufassen – auch wenn es länger gedauert hat, das durchzusetzen. Eine Vaterfigur für alle nachkommenden Eltern. Josef Prüller (Mitglied in der EBG, der Elternratsleitung und dem VFWG; Vater von zwei Kindern)


Was konntet ihr „abgeben“, „weitergeben“ an andere Eltern? Peter: Den Würstelstand am Basar! Es haben sich Nachfolger gefunden. Auch wenn ich letztes Mal noch die Bestellung in letzter Minute in die Hand nehmen musste, leben ab nun die „Waldorf-Extrawürstel“ weiter! Das freut mich sehr! Michaela: Ich wünschte, unser Frühlingsfest „Ein Fest für uns“ kann weiter bestehen! Jeder, der es erlebt hat, hat es wirklich genossen. Die Qualität dieses Festes ist es, dass nichts lukriert werden muss – obwohl, auch das hat es so nebenbei erfüllt. Es war einfach da, um es zu genießen. Es wäre schön, wenn es dieses Fest auch in Zukunft geben könnte. Wir (die bisherigen Organisatorinnen) stehen mit Rat und Tat zur Seite! Weitergeben kann man etwas nur, wenn Menschen da sind, denen man es weitergeben kann!

Was wünscht Ihr Euch für die Schule, aus ihrem Inneren heraus? Michaela: Ich wünsche mir von den Schülern, den Lehrern und den Eltern, dass der Gemeinschaftsgeist, der so viel an unserer Schule erst möglich macht, der immer vom persönlichen Einsatz geprägt ist, weitergelebt wird. Peter: Von Lehrerkollegium und Elternschaft: dass das Kollegium noch offener wird und andere Blickwinkel aus der Elternschaft zulässt und auch noch mehr einbringen lässt. Und dass diejenigen (egal ob Eltern oder Lehrer), die eh immer alles machen, sich etwas zurücknehmen und durchaus die anderen in die Pflicht nehmen – was wahrscheinlich dann gar nicht mehr notwendig wäre. Als ehemaliges EBG-Mitglied: dass Eltern, die es wirklich leicht hätten, großzügig zu sein, das auch sind. Und: dass „Wege zur Qualität“ den jüngeren Eltern gut weiterkommuniziert wird – das ist ganz wichtig für unsere Schule! Die Gespräche führten Peter Gluchi und Nadja Berke. Zusammengestellt von Nadja

allzeit bereit!

P

eter Eberharter war einer der ersten Väter, der mich sehr herzlich und freudestrahlend in unserer Schule begrüßte. Es war noch vor den Sommerferien – ich musste mir Unterlagen im Schulsekretariat abholen. Als ich mich dort mit Namen vorstellte, sauste ein Herr ins Sekretariat und fragte ganz aufgeregt: „Wie? Frau Bolleter? Dann sind Sie ja die zukünftige Klassenlehrerin meiner Tochter Sonja! Ich freue mich so sehr, dass Sie ihre Lehrerin werden! Herzlich willkommen in unserer Schule!“ (Damals wusste der gute Mann ja noch nicht, an wie vielen Abenden er von mir verzweifelte Anrufe erhalten würde, um [meist!] ganz kurzfristig einen Ausflug zu begleiten.) Bald lernte ich auch seine Frau Michaela kennen, und im Kindergarten besuchte ich das schon schulfreudige Töchterchen Sonja.

Und so offenbarte sich mir bereits in den ersten Begegnungen mit Familie Eberharter, was fortan währen sollte: Offenheit, Freude und den Entschluss, gemeinsam den Weg zu gehen! Noch viel könnte ich erzählen von Peter und von Michaela, die mich u.a. bei den Basteleien und Vorbereitungen für den Basar, den Muttertag, das Frühlingsfest usw. unterstützte, bis hin zu Sonja, die gerne in die Schule kam und viel durch ihr herzliches, äußerst soziales Wesen in die Klassengemeinschaft einbrachte. Was mir jedoch am wichtigsten erscheint, ist, mich bei genau diesem Mädchen zu bedanken, das nun mittlerweile eine junge Frau ist und kürzlich mit Bravour maturierte! Denn sie (und selbstverständlich auch alle anderen Kinder dieser Klasse) sind und waren der Anlass – manche nennen es auch Schicksal – dass sich Eltern und Lehrer zusammenfanden, um den Weg dieser Kinder vertrauensvoll zu begleiten. Christine Bolleter (Klassenlehrerin seit dem Jahr 2005)

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ELTERN Erkennen

Der Kindergarten baut auf allen auf – auf den Pädagoginnen, den Eltern, den Kindern und allen Helfern. Aus meiner Sicht machen all diese Menschen gemeinsam den Kindergarten zu dem, was er ist. Und wenn die Eltern sich immer wieder im Kindergarten engagieren, so bekommt auch das Kind einen anderen, noch persönlicheren Zugang zu diesem. K.D. Für meine Kinder und mich als Vater bedeutet der Kindergarten eine große Bereicherung. In der Elterngemeinschaft sehe ich mich sehr gut integriert. Es helfen alle zusammen, zum Beispiel im Garten, beim Sandschaufeln etc. Das ist wirklich toll. Auf die Pädagoginnen konnte ich schon oft mit Fragen zugehen; auch bei Elternabenden kann sich jeder einbringen. Mit drei Kindern ist das Einbringen etwas schwieriger. Ich denke aber, dass es mir ganz gut gelungen ist. Die Eingewöhnung der Kinder war etwas Besonderes. Der Kindergarten trägt durch seine Rituale, die sie – auch zusammen mit viel Sand – nach Hause mitnehmen, sehr zur Stabilität der Kinder bei. A.D. Ein besonders eindrucksvolles Erlebnis war für mich, als meine Tochter im Alter von drei Jahren mit der Großfamilie am Tisch saß und plötzlich begann, das gesamte Gebet „Vom Kopf bis zum Fuß“ aufzusagen und alle Anwesenden ganz still wurden vor Rührung. K.D. Für mich ist der Waldorfkindergarten ein Geschenk – für die Kinder und für uns als Eltern. Alles, was hier gemacht wird, hat SINN – jede Tätigkeit ist eingebunden in das, was die Natur gerade hergibt, z.B.: Lavendel wird geerntet, getrocknet, in selbstgenähte Säckchen gefüllt und zu Hause verwendet. Beeindruckend ist die Sinnerfülltheit um Abläufe und Zusammenhänge jedes Jahr in den Erntedankvorbereitungen zu sehen: Gemeinsam wird Getreide geschnitten, mit der Hand gedroschen und mit der Mühle gemahlen – und am Schluss wird gemeinsam das Brot daraus gebacken. Ein bewusster, wertschätzender Umgang von

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Tragen mit

Reflektieren

Leben mit Mensch zu Mensch / von Mensch zu Natur / von Mensch zu den Tieren lässt Verantwortungsbewusstsein wachsen, das durch die tatkräftige Mitarbeit und das Mittragen der Werte seitens der Eltern unbedingt ergänzt werden soll. Dazu gehört z.B. auch ein bewusster und eingeschränkter Umgang mit digitalen Medien. K.S. Die BASIS der Waldorfpädagogik ist noch immer das soziale Miteinander: „WAS braucht die Gemeinschaft – die WELT – und was kann ICH dazu beitragen?“ Wer solche Werte nicht so wichtig findet oder nichts von sich persönlich einbringen will und ein bequemes Kundendasein leben möchte, der ist meiner Meinung nach hier nicht richtig. Denn Gemeinschaft bedeutet auch Bereitschaft zum Investieren von Verantwortungsbewusstsein, meinen Fähigkeiten, meiner Zeit und das Aufgeben mancher kleiner Bequemlichkeit zugunsten des großen Ganzen. Durch unser aktives Vorleben geben wir unseren Kindern das Werkzeug der ACHTSAMKEIT in die Hand, um etwas zu verändern im Sinne von: „Mir geht’s auch gut, wenn es allen gut geht und wir aufeinander achten“. K.S. Mit der Entscheidung für den Kindergarten nach Rudolf Steiner war mir bewusst, dass mein Sohn mit dem Christentum in Berührung kommen würde und hatte Bedenken deswegen. Heute bin ich sehr dankbar für die Tür, die sich meinem Sohn und mir dadurch geöffnet hat. Die vielen Fragen an mich haben mir nämlich eines klar aufgezeigt, nämlich, dass ich in vielen Dingen selbst nicht weiß, woran ich glaube. Und so lasse ich mich wie in so vielen Bereichen unseres Zusammenlebens von meinem Kind und seinen so unschuldigen und oft überra-


Foto Sommerfest

Nehmen wahr schenden Vorstellungen inspirieren. Gemeinsam erforschen wir jetzt unseren Glauben. Wie so oft habe ich auch hier die Möglichkeit erhalten, ein Stück mit meinem Kind gemeinsam zu wachsen. B.S. Der Kindergarten hatte prägenden Einfluss auf unsere Meinungsbildung zum Thema Kinder und Medien. In einem anderen Kindergarten hätten wir vermutlich weniger über das Thema nachgedacht, sowohl was uns Eltern selbst angeht, als auch das Kind. Die Ruhe und der behutsame Umgang mit den Kindern wirken auch nach dem Kindergarten zu Hause nach. Wir haben gelernt, uns an das Tempo des Kindes anzupassen, und nicht umgekehrt dem Kind unsere Erwachsenen-Geschwindigkeit aufzuzwingen. K.D. Es ist dieses wunderschöne, zuversichtlich stimmende Gefühl, das sich eigentlich nur schwer in Worte fassen lässt und doch das wichtigste Gefühl ist, das mich täglich in den Waldorf-Kindergarten begleitet. Ich nenne es Vertrauen. Es ist dieses Gefühl, das mich meine geliebte Tochter ohne Zögern und Zweifel vom ersten Tag an den drei (bis dahin) unbekannten Pädagoginnen gerne anvertrauen ließ. Es ist dieses Gefühl der Sicherheit, dass sie bestmöglich begleitet wird bei ihren täglichen Wachstumsschritten und Erfahrungen im Zusam-

mensein mit den anderen Kindern. Es ist dieses Gefühl, das sich bereits in der Garderobe einstellt und einen Übergang in die Gruppe für uns beide, meine Tochter und mich, jeden Tag aufs Neue so einfach macht. Und wer könnte uns Gefühle besser spiegeln als unsere Kleinen selbst? Wie hatte ich mich doch gefreut, im Zuge der Eingewöhnung in der neuen, „großen“ Gruppe wieder ein paar Tage und Stunden im Gruppenraum verbringen zu dürfen. Doch manchmal kommt es anders, als man denkt. Freundlich, aber doch sehr klar waren die Worte meiner dreieinhalb Jahre alten Tochter, die mich am ersten Tag der Eingewöhnung bereits nach 15 Minuten hinaus in die Garderobe bat: „Mama ich möchte hier alleine sein.“ Vertrauensvoller kann ein Neustart wahrlich nicht ablaufen! P.P. Der Kindergarten ist besiegelter Bestandteil im Leben meiner Kinder. Es ist eine Selbstverständlichkeit, morgens dafür aufzustehen. Beide betreten den Raum ihrer Gruppe mit Vorfreude, starkem Willen und Verbundenheit. Vor allem dem Großen, unserem AlphaTierchen, kommt die klare Haltung der Waldorfpädagoginnen eindrucksvoll in seiner Entwicklung zugute. Ich liebe es, wenn mir meine Kinder am Nachmittag aus dem Nichts heraus ein Lied oder Reimchen aus dem Kindergarten vortragen und mit Händen und Füßen, Leib und Seele bei der Sache sind. N.J. Die Kindergarten-Tante – seltener auch der -Onkel – gehört für das Kind zur Familie. Sie verbringt mehr Zeit mit dem Kind als die Großeltern. Sie übernimmt für eine bestimmte Zeit und in Teilen die Rolle der Mutter. Jedes neue Stofftier, jede Puppe muss der Tante vorgestellt, jeder Schatz ihr gezeigt werden. Tante und Kind sowie Mutter und Kind erleben in ähnlicher Weise Alltag miteinander. Bei der Tante kann das Kind aber ein anderes Kind sein als bei der Mutter. Was die Mutter von der Tante über das Kindergartenkind erfährt, ist Gold wert und hilft, das Kind zuhause besser zu verstehen. Die beiden Seiten des Kindes zu begreifen, ist die Aufgabe, welche die Mutter

>> Foto Laternenfest

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Foto Kindergartenrat

mithilfe der Tante lösen kann. Wie oft hat sich die Mutter schon gefragt, wenn das Kind sie im Eifer einer sprudelnden Erzählung „Tante“ nannte, ob es nicht im Kindergarten auch manchmal vertrauensvoll die Tante als „Mama“ anspricht? I.P. Gerade in der schnelllebigen Zeit, in der wir heute leben, mit dem Übermaß an Eindrücken, die auf unsere Kinder wirken, war es uns ein besonderes Anliegen, dass unsere Tochter einen Kindergarten besucht, der einen Ausgleich zu diesen Entwicklungen unserer Gesellschaft, aber auch unseres eigenen Berufslebens darstellt. Als ehemaliges Waldorfkindergartenkind und auch Absolventin der Schule gab es für mich hierfür eigentlich keine Alternative. Sowohl die Räumlichkeiten des Kindergartens als auch alle Menschen, die darin wirken, strahlen Ruhe und Geborgenheit aus. Meine Beobachtungen beim Hinbringen und Abholen sowie bei der Teilnahme an Festen und Elternabenden lassen mich selbst innehalten, und sie helfen, uns die wesentlichen Bedürfnisse unserer Tochter bewusst zu machen.

Foto Elternabend

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Zu diesem Bewusstmachen trägt auch die Arbeit im Kindergartenrat bei. An diesen Abenden beschäftigen wir uns neben organisatorischen Dingen des Kindergartenalltags auch mit Schriften Rudolf Steiners und versuchen, die hierbei gewonnenen Erkenntnisse in Zusammenhang mit unseren eigenen Erfahrungen mit unseren Kindern zu bringen. Wir sind sehr glücklich in unserem Kindergarten! M.-Th. R.-R. DANKE für Euer Vertrauen und Euer Mitwirken im Kindergarten! Das Kindergartenkollegium


LesensWert! Rudolf Steiner gründete die Waldorfschule aus einem Sozialimpuls heraus, der im dynamisch-lebendigen Dreieck aus Schülern, Lehrern und Eltern besteht. Dabei geht es nicht um ein Kind, sondern um eine Klasse, alle Klassen, alle Eltern, Lehrer... kurz: um viele Teile eines Ganzen. Als Einstieg dazu empfiehlt sich das folgende Buch:

Waldorfschule heute Glöckler, Dietz, Kranich, Kiersch u.a. Euro 18,50 Dieses Buch gliedert sich in mehrere, von unterschiedlichen Autoren verfasste Abschnitte und gibt zunächst einen guten Überblick darüber, was die Waldorfschule ausmacht. Neben der heutigen Situation der Waldorfschulen werden auch deren Grundlagen und Quellen beschrieben. Es folgen Beiträge zu grundlegenden menschenkundlichen Aspekten, die den Verlauf der kindlichen Entwicklung beschreiben, und was von einer entsprechend altersgemäßen Pädagogik gefordert ist, damit die Entwicklung des ganzen Menschen sowie seine seelische und leibliche Gesundheit unterstützt werden. Auf das Kapitel zur Arbeit der Lehrer folgt eine prägnante Darstellung von K. M. Dietz zur Sozialgestalt der Waldorfschule. Sie beschreibt die Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern, die Selbstverwaltung und gibt Hilfestellungen für einen sinnvollen Umgang miteinander.

Eltern und Lehrer an der Waldorfschule Karl-Martin Dietz Euro 15,30 Karl-Martin Dietz weist in diesem schmalen Buch auf die Bedeutung hin, dass Eltern ein Verständnis dafür haben müssen, was die Pädagogik will. Nur so kann ein Zusammenwirken von Eltern und Lehrern sein: in Freiheit gewollt von allen Beteiligten. Eltern nehmen eine Doppelrolle ein: als Mitverantwortliche in der Erziehung ihrer Kinder und als Mitverantwortliche für das Schulganze im Zusammenwirken mit den Lehrern. Der erste Teil des Buches ist eine Zusammenstellung verschiedener Aussagen Rudolf Steiners, die zeigt, dass er eine vertrauensvolle geistige Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern anregen wollte. Er verstand diese Zusammenarbeit als echte Partnerschaft, die nicht im Wirtschaftsleben (Beiträge zahlen), nicht im Rechtsleben (Rechte und Pflichten haben), sondern im Geistesleben wurzelt. Der zweite Teil liefert eine Bestandsaufnahme und Kritik an heutigen Denkmodellen zur Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern. Im dritten Teil werden die Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern besprochen. Eltern wollen ihre Fähigkeiten gerne in sinnvoller Weise in den Schulorganismus einbringen. Sie wollen mitwirken und Verantwortung zugesprochen bekommen. Der Autor zeigt auf, welch große Anforderungen diese gemeinsame Verantwortung stellt und dass sie nur gelingt, wenn die grundlegenden sozialen Gesetzmäßigkeiten erkannt, beachtet und geübt werden, um im Sinne des ganzen Schulorganismus mitarbeiten zu können. Mit Hilfe weniger Stichworte entwirft der Autor einen „dialogischen Prozess“, der die Basis zur Kultur der Zusammenarbeit bildet. Dietz legt dabei nicht generell fest, welche Aufgaben von Eltern übernommen werden sollen, da es von den einzelnen Persönlichkeiten und den Gegebenheiten der betreffenden Schule abhängt, an die das Engagement der Eltern angepasst werden muss. Silvia Müller Bücherstube der Goetheanistischen Studienstätte Buchhandlung für Anthroposophie Speisingerstr. 258, 1230 Wien MoMent Frühling 2018 _ 29


Einzug ins Musikhaus

am Jesuitensteig

A

ls Als Magdalena Pokorny am ersten Unterrichtstag im neuen

geschraubt, Regale aufgebaut; Klaviere und andere Instrumente

Musikhaus zu Besuch kam, um die ersten SchülerInnen zu foto-

wurden angeliefert. Besonders dankbar sind wir für die vielen Mö-

grafieren, sagte sie zu mir: „Dieses Projekt ist ein wunderbares Bei-

belstücke, die wir als Leihgaben zum Einrichten des Hauses ver-

spiel für den Wandel im besten Sinne“.

wenden dürfen. Somit haben die Räume inzwischen schon ihren

Mit diesen Worten hat sie den Kern getroffen. Es gibt Momente im Leben, die sind Geburtsstunde für etwas Neues.

eigenen Stil bekommen und erhalten vielleicht bald zu ihren Nummern auch Namen.

Magdalena Pokorny, die in diesem Haus groß geworden ist, in

Inzwischen erklingt das Haus am Nachmittag in vielen Tö-

dem sich so viele Menschen ein und aus bewegt haben, wusste

nen. Alle Kinder finden schon alleine gut zu ihrem Unterrichtszim-

wohl am besten, wie der Geist dieses Ortes weiterleben könnte.

mer; die Kleinen genießen den Spielbereich in den Wartezonen. Es

Was aber ist eine Vision, ein Wunsch ohne den richtigen Bo-

herrscht eine gute Stimmung im Haus und die Lehrer finden, dass

den, der ihm die Kraft zur Verwirklichung gibt? Somit ist sie auf

man in den Unterrichtsräumen besonders konzentriert arbeiten

Menschen zugegangen, die das Geniale der Idee, ein eigenes

kann. In einzelnen Räumen werden wir noch akustische Maßnah-

Musikhaus zu schaffen, erkannt haben und für den Umbau die

men treffen. Immer wieder findet man sich in der Lehrerküche zu

nötige Unterstützung bieten wollten – die Gesellschaft AULOS

einem kleinen, feinen Gespräch mit einer guten Tasse Kaffee.

hat sich gegründet, welcher das Kollegium der Musikschule für die Umsetzung dieses Projektes zutiefst dankbar ist. Die Aufregung rund um den Einzug war in den letzten Wo-

Mit diesem Musikhaus haben die Architekten nicht nur ein Haus umgebaut, sondern einen neuen Ort erschaffen, der viele Menschen bereichert, und von dem es sicherlich noch vieles zu hören gibt!

chen groß. Bauverzögerungen haben den Beginn auf Februar verschoben. In den Semesterferien wurde das Musikhaus em-

Christine Trattner (Koordinatorin der Musikschule)

sig eingerichtet, zwei Küchen eingebaut, Stühle zusammen-

EINLADUNG Wir laden alle herz lich dazu ein, die Eröffnung des Mus ikhauses am Jesuitensteig 19 mit uns zu feiern. Das Einweihungsfe st findet am 10. Juni von 13.00 bis 18.00 Uhr statt.

30 _ MoMent Frühling 2018


Hänsel und Gretel Z

u Anfang des Jahres durften die beiden Kinderchöre der Freien Musikschule aus Wien-Mauer und Pötz-

leinsdorf eine besondere Aufführung miterleben: Nach fleißigem Proben standen sie gemeinsam mit SolistInnen und einer Pianistin der Wiener Universität für Musik und Darstellende Kunst auf der Bühne, um die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck aufzuführen. Die gemeinsame Zeit mit den StudentInnen sowie der beiden Chöre war für die Kinder ein ganz besonderes Erlebnis, und sie nahmen mit Begeisterung daran teil. Ein großes Dankeschön an die Freie Musikschule und an die Studierenden der Gesangsklasse Annamaria Rott, die dies unseren Kindern ermöglicht haben! Angelika Korab (SchülerInnenmutter 1. und 3. Klasse)

kunstraum.qxp_Layout 1 09.03.18 10:05 Seite 1

www.wir-bauen-auf-kunst.at Bis auf weiteres: Julian Khol, Karl Korab, Marija Mandic, TOMAK, Michael Wegerer

Foto: Elias Hartmann

Externes Klassenzimmer Maurer Lange Gasse Kontakt: Engelbert Sperl +43 676 521 82 12 Frühling 2018 _ 31 Besichtungen nachMoMent Vereinbarung


Max

und

Moritz Aber Wehe,Wehe,Wehe! Wenn ich Max und Moritz sehe, Muß ich kichern, muß ich lachen, Auf der Bühne lautes Krachen! Statt zuhause Torten essen, Kaffee trinken, Hab den Sonntag zu verbringen Zwischen Menschen aus der Schule, Bequem sitzend auf dem Stuhle. Voll der Festsaal ist geworden Dem Organisator ’nen Orden ! Alexa Hikade, SchülerInnenmutter in der 3. und 5. Klasse

LEBENS- UND SOZIALBERATUNG SUPERVISION 0676 453 50 03 | beratung@julia-roehsler.at


20.Jänner 2018

Tag der

offenen Tür

MoMent Frühling 2018 _ 33


13. und 24. Februar 2018

Fasching in der Schule


und Ăśffentliche

Schulfeier

MoMent FrĂźhling 2018 _ 35


DIE HANDYFREIE SCHULE Handlungs- und Spielräume schaffen – geschenkt werden sie nicht!

J

eder – Schüler, Eltern und Lehrer –, einfach jeder kennt Schule,

Stille und starrt wie gebannt auf das kleine Instrument, welches ihr

kennt es, wenn man durch die Gänge des Schulgebäudes wan-

gefühltes digitales Tor zur Welt ist – ihr Handy! Ein deutlich ausge-

delt, kennt die Gerüche, das Chaos übereinander hängender oder

sprochener Gruß von Lehrerseite wird sehr geflissentlich erwidert,

liegender Mäntel und Jacken an den Garderoben, kennt das Bild

um sich dann möglichst unauffällig wieder aus der Situation davon-

herumeilender Lehrergestalten, Lehrer in gedämpftem Gespräch

zustehlen und alle Aufmerksamkeit dem, was das Handy zu bieten

miteinander – oft mitten im Strom dahinschreitender, -eilender,

hat, zu widmen – um den Preis eines in weiten Teilen zum Erliegen

-sausender Schüler. Und jeder kennt natürlich auch die Geräusch-

gekommenen „normalen“ Pausengeschehens wie etwa sprudeln-

kulisse, die das bunte Schulleben und -treiben untermalt und be-

den Austauschs miteinander, Bewegung, Entspannung an der fri-

gleitet. Steht man als Aufsichtsperson auf dem Schulhof oder im

schen Luft, Essen u.v.m.

Park und schließt kurz die Augen, so brandet manch spitzer Schrei

Es stellt sich natürlich die Frage, inwieweit sich die veränder-

an das Ohr, aber auch ein lustiges, ausgelassenes Zurufen junger

ten Verhältnisse auf den Unterricht und im Weiteren wohl auch auf

Stimmen. Es ziehen Schülergruppen an einem vorüber, die sich in

das Leben der jungen Leute auswirken. Am auffälligsten sind in der

gedämpfter Lautstärke austauschen, um plötzlich laut in Geläch-

konkreten Unterrichtssituation in der Oberstufe vermehrte Müdig-

ter auszubrechen. „What A Beautiful Noise“ heißt ein Song von Neil

keit und Schwere, stark verkürzte Aufmerksamkeitsspannen und

Diamond, der die Geräuschkulisse der Großstadt liebevoll um-

teilweise extreme Konzentrationsschwäche. Hier mag der Umgang

schreibt… Warum gibt es noch kein „Liebeslied“ dieser Art für die

mit dem Handy während der Schulzeit verstärkend wirken. Man

Schule?

konnte in letzter Zeit immer öfter in den Medien Berichte von Un-

Doch auch die Stille gehört zum Schulleben dazu: die intensive

tersuchungen lesen, die ergeben hatten, dass die Aufmerksamkeit

Stille, die durch die geschlossene Klassenzimmertür einer Oberstu-

des Schülers alleine durch das Wissen beeinträchtigt werden kann,

fenklasse dringt, während drinnen ein Test geschrieben wird, eine

dass das Handy in greifbarer Nähe ist, es also in der Hosen- oder

Welle an Konzentration, die förmlich auf den Lauschenden vor der

Schultasche steckt.

Tür überspringen kann (dass mitunter eine Woge des Lärms durch die Klassentüre dringt, gehört natürlich ebenso zum Schulalltag). In den letzten Jahren hat sich ein neues Element im Schulalltag,

Handyfreie Zonen zu schaffen für die heranwachsenden Menschen – das ist ein zunehmend aktuelles Thema – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Vor kurzem wurde in

zunächst kaum bemerkt, doch dann immer mehr um sich greifend,

Frankreich die handyfreie Schule im Unter- und Mittelschulbereich

Platz verschafft: Es ist nichts Neues an sich, doch die Situation, in

per Gesetz beschlossen.

der es auftaucht, hat für mich als Kollegin der älteren Generation etwas Verstörendes: Stille in der Pause! In der Oberstufe bietet sich in letzter Zeit gehäuft folgendes

Doch wo sollte man in unserer Schule damit anfangen??? Die Tutorinnen der diesjährigen 9. Klasse haben die Gelegenheit ergriffen und mit deren Übergang in die Oberstufe den Sprung in die

Szenario: Man passiert in der Pause die Türen der oberen Klassen in

handyfreie Zone in unserer Schule gewagt. Ob es gelingen würde,

Erwartung von Gesprächen oder sonstigen Spuren akustisch wahr-

wie die Schüler reagieren würden, ob die Elternschaft uns Unter-

nehmbaren kommunikativen Gebarens, doch es kann vorkommen,

stützung geben würde, das war zu dem Zeitpunkt alles andere als

dass außer einem Huster hier, einem Nieser da und bestenfalls

klar.

noch Jausenpapiergeraschel nicht viel zu hören ist. Man denkt im

Wir wussten nur eines: Wir wollen für unsere Klasse die handyfreie

Vorbeigehen: Prima, wohlerzogene gedämpfte Bande! Die lieben

Zone – zunächst als Experiment – mit „open end“.

Schüler sind sicher größtenteils an der frischen Luft im Park, wie

Margret Loy, Tutorin der 9. Klasse

schön! Ein kurzer Blick durch den Türspalt lässt den an sich naheliegenden Gedanken dann mitunter zerplatzen: Da sitzt, liegt – oder was auch immer – ein Großteil der Schülerschar in regungsloser

36 _ MoMent Frühling 2018


Handyfreies Klassenzimmer – Realität! Handyfreie Schule – Utopie?

D

ie heurige neunte Klasse startete voller Neugierde und Tatendrang in das erste Jahr der Oberstufe an

Bald bekam auch der ORF Wind von unserem Projekt und kam zum Interview. Warum wir diesen Pilotversuch auch jetzt noch – erfolgreich im 2. Semester ge-

der Rudolf Steiner-Schule in Mauer. Dieser Klasse eilte

landet – weiterführen wollen?

der Ruf voraus, man könne mit den Schülern vernünf-

Dafür gibt es genug Gründe; die wichtigsten sollen hier aufgelistet werden:

tig reden, sie seien eine für Neues offene Klasse – und

• Soziales Miteinander in den Pausen anstatt individuellen Anstarrens von

wenn die Schüler sich für etwas entscheiden, dann tun sie das zu 120%. So wurden sie von ihren Tutorinnen zu Beginn des Schuljahres damit konfrontiert, als erste Klasse der Schule handyfrei zu werden. Die Elternschaft konnte leicht für dieses Projekt gewonnen werden; die Schüler waren teilweise er-

Bildschirmen • Konzentration auf den Unterricht statt Ablenkung („Könnte ich eine Nachricht am Handy in der Schultasche haben?“) • Disziplin beim Abgeben und Abholen der Telefone, Rücksicht aufeinander, Ehrlichkeit • Handyfreies Klassenzimmer färbt auf die Lehrer ab: In der 9.Klasse bleiben

freut, teilweise entsetzt. Aber allen war klar: Was nicht

auch die Telefone der Erwachsenen im Lehrerzimmer.

ausprobiert wird, das kann auch nicht als schlecht und

Wichtig für die Schüler der 9.Klasse ist bestimmt, dass es nicht nur bei einer

undurchführbar abgestempelt werden. Den perfek-

Vorbildwirkung bleibt, sondern dass der Gedanke, unsere Schule handyfrei wer-

ten Schliff erhielt das Projekt durch eine von einem

den zu lassen, von Eltern, Lehrern und Schülern aller Klassen gelebt, gestützt

Schüler selbstgemachte Holzkiste, in der jedes Handy

und ermöglicht wird. Wir sind stolz auf unsere Schüler, dass sie dieses Projekt

seinen täglichen „Schlafplatz“ für die Unterrichtszeit

zugelassen haben.

finden kann.

Angelika Kellner, Tutorin der 9. Klasse

Aus dem Alltag einer handyfreien Klasse Schüler der 9. Klasse berichten über ihre Erfahrungen Fast 6 Monate sind vergangen, seit wir unsere Schüler mit dieser Idee überrascht haben. Es hat in dieser Zeit in der Schülerschaft eine Vielfalt von Meinungen zu diesem Projekt gegeben; es wurde immer wieder diskutiert. Es gab Befürworter und Gegner, und es gab einfach immer wieder Anlass, das Projekt neu anzuschauen. An ehesten gefährdet war und ist das Unternehmen durch Schwierigkeiten bei der praktischen Durchführung, wie die Berichte der Schüler deutlich widerspiegeln. Alina: Am Anfang war ich gar nicht begeistert! Dass wir unsere Privatgegenstände „grundlos“ abgeben müssen, empfand ich als große Ungerechtigkeit, zumal unsere Klasse verhältnismäßig wenig am Handy war. Für mich klang das nach einer typischen Anti-Medien-Aktion von den Waldorfeltern und Waldorflehrern. Trotzdem war ich neugierig, und so geben wir unsere Handys jeden Morgen ab und bekommen sie am Ende des Schultages wieder.

>> MoMent Frühling 2018 _ 37


Mit der Zeit konnte ich mir eine Meinung bilden: Die Sache hat

Für die meisten Schü-

– wie alles – Vor- und Nachteile. Auffallend ist, wie viel lebendiger

ler ist es zu einer Gewohn-

und lauter es ist. Mit Hilfe von Russisch-Wörterbüchern als Netz

heit geworden, jeden Morgen

wurde aus einem normalen Holztisch ein Tischtennis-Tisch, mit

ihr Handy abzugeben und es

dem wir unsere Pausen verbringen. Generell gibt es mehr Gesprä-

nach der letzten Schulstun-

che und Diskussionen.

de wieder zu bekommen.

Doch es gibt natürlich auch Nachteile. Es gab viele Komplikatio-

Grundsätzlich finde ich diese Regelung gut und effektiv, aber an der

nen mit der Rückgabe der Handys, die wir in einer Holzkiste sam-

Umsetzung muss noch gefeilt werden. Ich bin gespannt, wie sich

meln. Im Grunde bin ich aber froh, dass wir es ausprobieren, und ich

dieses Projekt noch entwickeln wird und hoffe, dass wir die Durch-

bin gespannt, wie sich meine Meinung noch ändert und ob wir bald

führung perfektionieren und es so den nächsten Klassen erleich-

tatsächlich zu einer handyfreien Schule oder zumindest zu einer

tern können.

handyfreien Oberstufe werden. Noah:

Margret Loy, Tutorin der 9. Klasse: Ob das Projekt „Handyfreie Klasse“ an unserer Schule zum Kon-

Anfangs waren viele von uns eindeutig dafür. Nach einigen

zept „Handyfreie Schule“ wird, ob aus dem „Baby“ etwas „Ausge-

Monaten und um einige Erfahrungen reicher sind wir ehemalige

wachsenes“ wird, das hängt aber weniger an den unmittelbar Be-

VerfechterInnen des handyfreien Unterrichts jedoch zumindest

troffenen, den Schülern, als vielmehr an ihrem Umfeld, an uns Leh-

skeptischer.

rern und nicht zuletzt auch an uns allen in der Position als Eltern.

In der Tat beschäftigen wir uns viel mehr miteinander, spielen

Hierbei kann es nicht darum gehen, die digitale Welt aus der Sphäre

Tischtennis, plaudern... Leider gibt ein Teil von uns das Mobiltele-

der jungen Leute zu verbannen. In dem kürzlich in der Zeitschrift

fon aber nicht immer ab, was ich, ohne jemandem zu nahe treten

„Der Falter“ erschienenen Leitartikel mit dem schlagkräftigen Ti-

zu wollen, unsolidarisch der Klasse gegenüber finde. Wir wurden

tel auf der ersten Seite „Nehmt den Kindern die Handys weg!“ ist

aber auch von Seiten der Lehrer immer wieder enttäuscht: In drei

neben mancher Anregung zum Umgang mit dem Handy zu Hause

von fünf Fällen müssen wir nach Unterrichtsschluss einige Minuten

folgender Gedanke zu lesen:

warten, bis wir unsere Telefone erhalten, was mitunter dazu führt, dass wir unsere öffentlichen Verkehrsmittel verpassen.

„Wir werden darüber nachdenken müssen, wie man die analoge und die digitale Welt gut miteinander vernetzt. Die Dosis macht

Dennoch bin ich immer noch der Ansicht, dass die positiven

das Gift. Nur wissen wir noch nicht, was bei der Nutzung elektroni-

Aspekte überwiegen, und ich würde mir wünschen, dass die ganze

scher Medien das gesunde Maß ist...“ (Falter 7/18, Auszug aus Arti-

Schule unserem Beispiel folgt.

kel „Rettet die Kindheit!“, online: https://www.falter.at/archiv/wp/

Gregor: Ich finde den Versuch grundsätzlich gut, aber ich finde es schade, dass ich, wenn es nötig ist, in der Pause nichts googlen oder Nachrichten schreiben kann. Andererseits ist aber die ständige Verlockung nicht da. Ich glaube, es würde nicht gehen, wenn wir die Handys behalten dürften – dann würden die meisten Mitschüler es verwenden. So machen wir in der Pause viel mehr zusammen. Die Box ist sinnvoll. Es wäre besser, wenn wir nicht die Einzigen wären, die das machen. Maris: Als uns am Anfang des Schuljahres vorgeschlagen wurde, dass

rettet-die-kindheit) Wir Tutoren wünschen uns für die Schule, aber besonders für die Schüler unserer 9. Klasse, dass dieses so brandaktuelle Thema Einzug hält in die Elternabende und Gremien und dass wir als Gemeinschaft von Eltern, Lehrern und Schülern im Gespräch genügend Bewusstsein entwickeln, um handlungsfähig zu werden… ...handeln, um Spielräume zu schaffen – geschenkt werden sie nicht. Nachtrag der Redaktion: Auch die 8. Klasse hat sich dem Projekt „Handyfreie Schule“ mit Jänner 2018 angeschlossen. Nach Auskunft der Klassenlehrerin ist

wir für einige Wochen unsere Handys unter der Schulzeit abgeben

die Einführung der Handybox gut angelaufen, und die SchülerInnen

sollen, war mir nicht bewusst, dass die Smartphones das am meis-

zeigten sich sehr willig und verständnisvoll. Dennoch gäbe es viele

ten diskutierte Thema der nächsten Monate werden würden. Aus

Ausnahmetage, sodass momentan noch nicht von einer handyfrei-

meiner Sicht hat sich während der Pausen bei bestimmten Schüler-

en 8. Klasse gesprochen werden kann.

gruppen einiges geändert, bei anderen hingegen kaum etwas.

38 _ MoMent Frühling 2018


Glockenhell erklingt die erste Klasse B

egeistert von ihrem eigenen Weihnachtsspiel, wünschten sich die Kinder der ersten Klasse eine Aufführung für die

Eltern bei der gemeinsamen Weihnachtsfeier. Gesagt, getan! Welch ein Staunen und Raunen ging durch die Elternschar, als die Kinder ihren Text selbst sprachen und sogar alleine sangen! Maria und Josef würdig und ehrfürchtig, die Schäfchen und ihre Hirten unglaublich aufeinander bedacht und alle gemeinsam so stolz auf das große Ganze. Welch schöne Einstimmung auf die Weihnachtsfeiertage. Vielen Dank! Ursula Khol-Haidenthaler, SchülerInnenmutter in der 1., 4. und 5. Klasse

Kt kt kt – Der Specht, er hackt,… I

n der zweiten Schreibepoche der 2. Klasse nahmen wir uns der sprachlichen Tätigkeit und der Poesie als Themen an. Durch lebendige und fast

täglich neue Lautspiele im Rhythmischen Teil sollte die Freude am Sprechen vermittelt werden. Dadurch, dass verschiedene Kräfte (z.B. Blase-, Stoß- und Zitterlaute) angesprochen wurden, konnten viele Kinder etwas finden, woran sie besondere Freude hatten. (Auch können sich Schwächen – wie beispielsweise verwaschenes oder überhauchtes Sprechen – dadurch verbessern.) Die Sprüche wurden von Bewegungen / Gesten begleitet. Die Einschaltung des Bewegungsorganismus diente zur besseren Aufnahme der Sprache. Ein roter Faden in der 2. Klasse sind die Tiergeschichten. Daher waren Tiere auch in vielen Gedichten die Hauptprotagonisten. Durch die Wiederholung der Sprüche beim Schreiben im Hauptteil des Unterrichts begegneten die Kinder bekannten Wörtern aus dem Rhythmischen Teil wieder. So fanden sie schon von vornherein eine enge Verbindung zum Geschriebenen vor. Dennoch ist der Prozess des Schreiben- und Lesenlernens selbstverständlich noch lange nicht zu Ende. Jörg Wohlmacher, Klassenlehrer der 2. Klasse

MoMent Frühling 2018 _ 39


AuĂ&#x;erordentliche Musikstunden an der Maurer Orgel D

er 26. Februar war nicht nur mit Kälte und Sonnenschein bereichert, sondern fßr die dritte, vierte und fßnfte Klasse auch

mit Orgelmusik. Wir verbrachten jeweils eine Stunde auf der Empore der Maurer Pfarrkirche mit Herrn Mag. Istvån Måtyås (Pianist, Organist, Korrepetitor der Universität fßr Musik), der uns die Orgel präsen-

tierte und ihre Funktionsweise näherbrachte. FĂźr den Anfang – als kleines Konzert – spielte er fĂźr die Kinder das Präludium in G-Dur von Mendelssohn. Er erzählte dann Ăźber die Entstehung der Maurer Orgel, zeigte uns den Spieltisch, die Pedale, all die Register. Es war zu hĂśren, welche TĂśne, Klangfarben, Lautstärke aus dieser Orgel erklingen kĂśnnen. Herr MĂĄtyĂĄs Ăśffnete fĂźr die Kinder auch die Pfeifengehäuse; sogar alte Pfeifen waren vorbereitet. Die Kinder durften selbst die Orgel sowie das Harmonium ausprobieren und konnten ihre Fragen stellen. Zum Abschluss der auĂ&#x;erordentlichen Musikstunden spielte Herr MĂĄtyĂĄs fĂźr die Klassen das Choralvorspiel „Nun danket alle Gottâ€? von Sigfrid Karg-Elert, und ich sang „Allelujaâ€? von Mozart als Ăœberraschung. Es war ein schĂśnes Erlebnis, mich den eigenen SchĂźlerinnen und SchĂźlern auch als Sängerin zeigen zu dĂźrfen. Ich danke Herrn MĂĄtyĂĄs fĂźr seine Bereitschaft und Frau van Gijzen, Frau Trierenberg und Herrn Hofer fĂźr die liebe

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...daher sind wir um LĂśsungen bemĂźht


Juhu – wir waren eislaufen! Eindrücke vom gemeinsamen Eislaufen der 4. und 6. Klasse in Perchtoldsdorf, gesammelt von Christiane Dostal

Juhu, wir gehen mit der 4. Klasse eislaufen!! Auf dem Eis haben wir vie-

den ganzen Eislaufplatz für uns, später kam noch eine kleine

le Spiele gespielt, und ich habe einem Viertklässler das Eislaufen beige-

Gruppe Kindergartenkinder. Und mit ihnen war es dann auch

bracht, so gut ich es konnte.

sehr lustig – die Kleinen sind um aufgestellte Hütchen Slalom

Hoffentlich machen wir bald wieder einen Ausflug!

gefahren, und wir haben ständig umgefallene Hütchen wie-

S.L.

der aufgestellt. Auch wurde für sie ein Seil gespannt, unter

Ich gehe nur selten eislaufen und brauche daher immer erst ein bisschen Eingewöhnung. Und mit neuen Eislaufschuhen erst recht!! Auch die soziale Unterstützung von Freunden war sehr positiv – vielen Dank an Aaron! L.W. Als uns Frau Dostal nach den Ferien sagte, dass wir Ende des Monats gemeinsam eislaufen gehen werden, haben wir uns sehr gefreut! Und als wir dann dort waren, war ich der Erste auf dem Eis! Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit der 4. Klasse Fangen zu spielen! Später hat Fridolin dann vorgeschlagen, einen Kreis ins Eis einzukratzen, und so sind Johny, Fridolin, ein Bub aus der Vierten und ich so lange im Kreis gefahren, bis man den Kreis im Eis sehen konnte. Als ich zu Hause ankam, war meine Oma da, und ich wollte mit ihr und meinem kleinen Bruder gleich noch einmal aufs Eis... Und ja, sie hat es erlaubt, und so war ich an dem Tag zweimal auf dem Eislaufplatz!!

dem sie durchfahren sollten – da durften wir auch mitmachen: Oh, wir mussten uns ganz schön bücken, um unter ihrem Seil durchzukommen!!! Hoffentlich machen wir wieder einmal so einen lustigen Ausflug! E.A. Wir, die 6. Klasse, haben uns vor der Schule mit der 4. Klasse getroffen und sind gemeinsam zum Eislaufplatz gefahren. Manche Kinder, die in der Nähe wohnen, sind gleich direkt hingekommen. Am lustigsten fand ich es, dass wir alle gemeinsam Räuber und Gendarm gespielt haben! Es war cool, dass unsere Lehrer überhaupt so etwas mit uns machen… Ich würde nächstes Jahr gerne wieder gehen! Le.G. + L.T.

T.H. Am Dienstag vor den Semesterferien waren wir mit der 4. Klasse in Perchtoldsdorf Eislaufen. Das hat Spaß gemacht! Erst hatten wir

http://www.fzz-perchtoldsdorf.at/de/eisarena

MoMent Frühling 2018 _ 41


Der Skitag der 4. und 5. Klasse D

as war er also, der erste gemeinsame Ausflug der 4. und 5. Klasse. Wir waren in St. Corona am Wechsel und haben die letzten Wintertage zum Skifahren genützt. Lachende und freudige Gesichter, der Tag

war einfach schön! Vielen Dank den Eltern, die diesen Tag durch ihre Mithilfe bei der Vorarbeit und ihre tatkräftige Unterstützung am Skitag selbst mit ermöglicht haben. Vielen Dank nochmals besonders an Frau Muchna für die tadellose Organisation! Wir hoffen, noch öfter so schöne, gemeinsame Tage verbringen zu können. Christine Bolleter, Marion Giannelos, Krishna Hader

Erst sind wir mit dem Zauberteppich gefahren, dann mit dem

Wir sind mit dem Bus eine Stunde hingefahren, dann wurden wir in Grup-

Tellerlift. Dann haben wir Bogerlfahren gelernt und sind über

pen eingeteilt. Wir haben Rückwärtsfahren und Schanzenspringen ge-

eine Schanze gesprungen. Es war schön!

lernt. Es war sehr schön!

Senaid, 4. Klasse

Flora, 4. Klasse

Unser Skitag begann mit der Gruppeneinteilung. Ich fand es

Es gab vier verschiedene Gruppen. Die Anfänger, die mittleren Fortge-

toll, dass wir nicht nur Skifahren waren, sondern auch Ski-

schrittenen, die Fortgeschrittenen und die Snowboarder. Die Anfänger-

springen mal ausprobieren durften. Dann gab es noch ei-

gruppe begann mit dem Aufwärmen und am Ende des Tages konnte jeder

nen Parcours und einen Slalom. Am Ende gab es für die eine

von ihnen skifahren. Während die mittlere Gruppe sich mit Fußballspielen

Gruppe noch ein Rennen.

und lustigen Parcours abgab, bekam die dritte Gruppe einen ordentlichen

Zoe, 5. Klasse

Adrenalinschub. Sie sprangen über eine weite Schanze und es gab auch

Als wir da waren, wurden wir in Gruppen eingeteilt. Dann sind wir mit dem Zauberteppich und dann mit dem Tellerlift ganz hinauf gefahren. Aurel, 4. Klasse

einen kleinen Wettbewerb, wo es dann bei einem Parcours und bei der Schanze um Zeit ging. Ein anderer Teil lernte Pirouetten und rückwärts zu fahren. Die Snowboardgruppe hat auch mit dem Aufwärmen begonnen. Dann sind sie Tiefschnee und auch Slalom gefahren und sie haben auch Pirouetten mit dem

Wir haben auf der Piste sogar Handball und Fußball gespielt.

Snowboard gelernt. Es hat sehr viel Spaß gemacht!

Hannah, Gloria, Magdalena, 5. Klasse

Lauren und Mina, 5. Klasse

42 _ MoMent Frühling 2018


Jetzt ist schon wieder was passiert Damals ist auch schon was passiert

Die siebte Klasse lud vor den Semesterferien zum Oma-Opa-Referat. W

ir treffen uns im kleinen Festsaal – ein großer Kreis, bunt gemischt. Manche SchülerInnen sind alleine gekommen, andere mit ihren Eltern, Großmüttern

oder Großvätern. Nach einer kurzen Einführung von Frau Pazmandy entscheidet das Los die Reihenfolge. Von einem zum anderen kleinen Vortrag sind wir mehr beeindruckt. Da stehen sie, einzeln, in der Mitte des Festsaals, und erzählen von ihren Großeltern; Anekdoten, Berührendes, Lustiges, Erstaunliches – mal kürzer, mal länger, aber immer von anderen Zeiten. Geschichten eben. Geschichte eben. Dass sie dies tun, verdanken wir (auch) den Interviews, die sie zuvor mit ihren Omas und Opas geführt und niedergeschrieben haben. Es waren Fragen zu deren Schulzeit, zu Regeln und Verboten, Krieg und Nachkriegszeit, dem Verhältnis der Kinder (damals) zu ihren Eltern, Kleidung, Essen und Vorbildern. Raffiniert eingefädelt von Frau Pazmandy. Wir erfahren, dass im jetzigen Gösser-Schlössl früher ein Kino für Mauer und Umgebung geführt wurde und dass nach dem Krieg als „must have“ die für viele unerschwingliche Nylonstrumpfhose mit ihrer charakteristischen Naht auf so manches Bein nur aufgemalt wurde. So schön und spannend kann angewandte Geschichte sein. Interessant ist sie allemal, tauchen wir doch in die Geschichten der Anderen ein und erfahren so nebenher mehr über die Familien unserer Klasse. Dass damals „auch schon wieder was passierte“, ist allgegenwärtig an diesem Abend. Die Kinder erzählen es. Vergleichen sich, setzen sich in Beziehung zu dieser Vergangenheit, um gleich wieder nach vorne zu blicken. Kompliment! Das ist auf jeden Fall wiederholenswert! PS: Nun ist noch etwas passiert. Mir unterlief ein Irrtum, wie ich von einem Zeitzeugen aus der Redaktion erfuhr. Das Park-Kino Mauer wurde 1913 eröffnet und brannte 1966 ab – aber nicht im Gösser-Schlössl, sondern links daneben im Ölzelt-Park. Ist auch schade.

MoMent Frühling 2018 _ 43


Ball der besten 8. Klasse der Welt D

er Ball der 8. Klasse am Abend des Faschingsdienstags hatte alles, was man sich von einer solchen Veranstaltung erwarten darf:

Einen schönen Rahmen, schön gekleidete Menschen, ein großes Buffet, die kleine Panne, die sein muss, damit man weiß, was sein könnte, wenn… (die Musikzuspielung wollte nicht gleich klappen) und sehr stolze Eltern, die ihre Kinder und deren Mitschüler bestaunten, weil sie erstens beste Manieren zeigten, zweitens das Tanzbein durchaus gut schwangen und drittens uns mit einer Polonaise eine feine Balleröffnung boten. Sogar mittanzen durften wir Eltern ein paar Tänze lang, bis wir hinauskomplimentiert wurden, um uns dezent ins Gösserbräu zurückzuziehen, damit wir die Jugend später abholen konnten! Ein gelungener Ball, der alle zufrieden machte. Dank gebührt Frau Rumetshofer, dem Tanzlehrer Alexander Resch und auch Sabine Trierenberg, die es in den Tanzstunden davor wohl nicht immer so rund mit den feschen Debütantinnen und Debütanten hatten, wie es der von uns erlebte Ball vermuten lassen könnte. Unser Dank geht auch an Familie Födinger, die kleine Herren- und Damenspenden in Form von selbst gebackenen Cake-Pops mitbrachten.

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Nadja Berke


Der Tanzkurs hat mir sehr Spaß gemacht. Ich kam zwar erst später dazu, aber es war trotzdem lehrreich und sehr lustig für mich. Vor allem der eingeübte Polonaise-Tanz hat mir sehr gefallen. Aber ich denke, dass der Tanzkurs nicht nur mir Spaß gemacht hat, sondern auch allen anderen. Danke für alles, was Sie uns beigebracht haben. Wir haben viel dazugelernt und werden die Tänze bei Bällen bestimmt anwenden können. Vielen Dank, Jana Am Anfang wurde eine Polonaise getanzt, bei der die Eltern freudig zusahen, Fotos und Aufnahmen machten. Danach tanzten wir Walzer, Boogie und Cha Cha Cha, und die Eltern wurden herzlich einge-

Tanzkurs und Ball der 8. Klasse

laden mitzutanzen. Danach gingen die Eltern ins Gösser Bräu, und

Als uns gesagt wurde, dass wir einen Tanzkurs belegen würden,

wir legten erst richtig los. Wir hörten viele derzeit angesagte Lie-

wussten wir zuerst nicht, ob wir uns freuen oder ob wir weinen soll-

der, aber es waren auch Oldies dabei. Außerdem hatten uns unsere

ten. Als dann die erste Tanzstunde bevorstand und wir erfuhren,

Eltern ein super Buffet zur Verfügung gestellt. Gegen 22 Uhr neigte

wie alles ablaufen würde, waren wir unmotiviert, da wir dafür nach

sich unser Ball leider schon dem Ende zu, aber wir glauben, dass er

einem ohnehin schon langen Schultag extra am Abend noch einmal

allen Spaß gemacht hat.

kommen sollten. Die ersten Stunden waren sehr… naja… interes-

Anna, Amelie B.

sant. Doch als wir dann, nachdem wir die Lehrer fast in den Wahn-

Der Tanzkurs war toll, und es hat Spaß gemacht. Jakob

sinn getrieben hatten, begriffen, dass wir uns nun zusammenreißen müssten, damit der Tanzkurs weitergeführt werden würde, rissen wir uns auch zusammen. Dann machte der Tanzkurs auch um eini-

Die Klasse war am Anfang nicht so begeistert und murrte herum.

ges mehr Spaß. Es bemühten sich die meisten nun, die Tanzschritte

Wir mussten nämlich immer von 17 Uhr bis 18.30 Uhr noch einmal

wirklich zu lernen und aufzupassen.

in der Schule sein, da der Tanzkurs Schlupflicht war. Wir lernten an-

Als dann der Ball näher kam, waren alle aufgeregt, und viele glaub-

fangs „händchenhaltend“ die Grundschritte. Einige aus der Klasse

ten, dass wir es nicht schaffen würden. Wir bereiteten uns also vor;

und ich haben jetzt vor, weiter in eine Tanzschule zu gehen. Allge-

die Mädchen kauften Kleider und Schuhe, manche Jungs einen An-

mein gesehen, war der Tanzkurs schön und eine tolle Erfahrung.

zug. Auf jeden Fall waren alle sehr gespannt.

Philomena

Dann kam der Ball!!! Wir hatten natürlich schönes Gewand an,

Lieber Herr Resch! Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns das Tanzen beizubringen. Makhare

freuten uns und machten erst einmal sehr viel Wirbel um alles. Die Eltern waren auch dabei; sie machten Fotos, sahen zu und tanzten dann auch mit, nachdem unser Eröffnungstanz stattfand. Es lief alles super, alles war nett und lieblich. Dann gingen die Eltern; es

Der Tanzkurs fand immer montags und einmal pro Woche statt.

wurde dann richtig „aufgedreht“, und die meisten drehten komplett

Wir, die 8. Klasse, hatten den besten Tanzlehrer Wiens. Jedes Mal

durch. Als dann jedoch der Ball zu Ende ging und den Mädchen

kamen manche schön angezogen. Nach ungefähr sieben Minuten

schon die Füße schmerzten, war ich traurig, dass es vorbei war. Es

Tanzzeit wechselten wir jeweils die Tanzpartner. Der Tanzkurs hat

war sehr schön, diese Erfahrung gemacht zu haben und ich finde,

den meisten gut gefallen, auch mir.

dass es der Klasse sehr gut getan hat.

Mateusz

Lara MoMent Frühling 2018 _ 45


Schule einmal anders Susanne Wolf

neuen Umfeld gut eingelebt und bereits Freunde gefunden. Waldorfschulen wie die Rudolf Steiner-Schule in Wien-Mauer leben mit Erfolg ein Konzept vor, über das unsere Regierung seit Jahren streitet: die Gesamtschule. Die Waldorf-Pädagogik ist darauf

V

or über 30 Jahren lernte ich durch eine Freundin die Rudolf

ausgerichtet, die Entwicklung der in jedem Menschen veranlag-

Steiner-Schule in Wien-Mauer kennen: Die künstlerisch-kreative

ten Begabungen und Fähigkeiten zu unterstützen, die Entfaltung

Atmosphäre, der Hauch von Freiheit, der mich dort umwehte, hin-

der Persönlichkeit sowie die schöpferischen und sozialen Fähigkei-

terließen einen bleibenden Eindruck. Ich selbst besuchte ein klassi-

ten zu fördern. In den Waldorfschulen gibt es keine Noten und kein

sches Gymnasium; meine Eltern wären nie auf die Idee gekommen,

Sitzenbleiben; stattdessen wird verstärkt auf die Persönlichkeit der

mich in eine alternative Schule zu schicken. Und auch meine Kinder

Schüler eingegangen. „Wir holen das Kind da ab, wo es steht“, sagt

besuchten ein Wiener Gymnasium; mein Sohn schloss vor kurzem

ein Elternvertreter der Steiner-Schule. Entgegen weit verbreiteter

mit der Matura ab. Doch in den letzten Jahren hat sich ein Gedanke

Vorurteile sind Waldorfschüler in ihrem Wissen gleichauf mit ande-

in meinem Kopf festgesetzt: dass meine nun dreizehnjährige Toch-

ren Schülern. „Waldorfschüler werden für die externe Matura sehr

ter in einer Waldorfschule besser aufgehoben wäre.

gerne in AHS-Maturaklassen aufgenommen, weil sie meist reifer

Starres System

als andere Schüler ihres Alters sind“, erklärt Uschi Iragorri, ehema-

Ich habe genug vom klassischen Schulsystem gesehen, um sagen zu können, dass dieses kreative Mädchen, das unbedingt Schauspiele-

lige Waldorf-Schülerin und Mitglied des Elternrats in der Rudolf Steiner-Schule.

rin werden möchte, besser in ein alternatives Modell passt. Das hat

Menschenrecht auf Bildungsfreiheit

nichts mit ihren schulischen Leistungen am Gymnasium zu tun – sie

Freie Schulen wie die Waldorfschulen müssen das Geld für ihre

hat dort gute Noten geschrieben und tut sich im allgemeinen recht

Pädagogen selbst aufbringen, während Lehrer in konfessionel-

leicht in der Schule, doch ihre Talente und ihr Potential wurden nicht

len Privatschulen vom Staat finanziert werden. Viele freie Schulen

gefördert. Es ist ein starres System, das mehr Wert auf Noten legt

kämpfen ums Überleben; die Förderung durch den Staat ist mar-

als auf die Persönlichkeit des Kindes, das sich allzu oft auf negative

ginal. „Eltern sollen sich aussuchen können, welche Schule ihr Kind

Leistungen konzentriert statt auf die Förderung der Schüler. Dazu

besucht, unabhängig von Gehalt und sozialem Hintergrund“, fordert

kommt das politische Trauerspiel rund um sogenannte Bildungsre-

Momo Kreutz, Geschäftsführerin des Netzwerkes freier Schulen und

formen, bei denen weitreichende Neuerungen regelmäßig blockiert

stellvertretende Vorsitzende von EFFE – Österreich. Das „European

werden.

Forum for Freedom in Education“ setzt sich für das in der UNO-

Natürlich gibt es an öffentlichen Schulen engagierte Lehrer, die je-

Menschenrechtsdeklaration verankerte „Menschenrecht auf Bil-

doch oft gegen Windmühlen kämpfen. Und dann gibt es solche wie

dungsfreiheit“ ein und ist die Vetretung nichtkonfessioneller Schu-

den Klavierlehrer meiner Tochter, die den musikalischen Zweig eines

len in freier Trägerschaft.

Wiener Gymnasiums besuchte: Er meint, Klavierspielen müsse nicht unbedingt Spaß machen, sondern es ginge rein darum, die Technik zu erlernen. „Schaffen wir die richtigen Bedingungen in unseren Schulen, schätzen wir alle Lernenden für das, was sie sind, und zwar aufrichtig“, sagt der Bildungsexperte Sir Ken Robinson in Erwin Wagenhofers Film „Alphabet“. „Dann entsteht Wachstum.“

„Wir haben diese außergewöhnliche Vorstellungskraft. Jede Form menschlicher Kultur ist die Folge dieser einzigartigen Fähigkeit“, sagt Sir Ken Robinson. „Doch ich glaube, dass wir systematisch diese Fähigkeit in unseren Kindern zerstören.“ Waldorfschulen gehen einen anderen Weg: Die Schüler werden hingeführt zu ihren Begabungen und Interessen und finden so ihren ganz eigenen Weg.

„Das Kind da abholen, wo es steht“ Nach drei Jahren Gymnasium ist es nun soweit: Meine Tochter wur-

Susanne Wolf ist Journalistin und freie Autorin in Wien.

de in die 8. Klasse der Rudolf Steiner-Schule aufgenommen. Und ich

Dieser Text erschien zuerst am 18. Juni 2017 im Blog der Autorin unter

bin überzeugt davon, dass diese Schule für mein kluges, kreatives

https://susanne-wolf.com/2017/06/18/schule-einmal-anders und wur-

und quicklebendiges Mädchen genau die richtige ist. Sie hat sich im

de für das MoMent adaptiert.

46 _ MoMent Frühling 2018


„My Fair Lady“ Nadja Berke

W

enn dieses MoMent erscheint, ist das Stück schon gespielt, für das wir die Kulissen bauten:

„My Fair Lady“ – im Wien des Jahres 1912. Bei uns Kulissenbauern gab es: Die Bau-Partie, bestehend aus Ferdinand, Benjamin

und Matthias, die Malermeister Peder, John und Antonia, die Maler- und Anstreichermeisterin Catriona, die unentbehrlichen „Du, wir bräuchten noch...“- Wunscherfüller Nina und Daniel, die wunderbare Christine Rumetshofer, immer dabei bis zum Zusperren des Festsaals, die Bühnenbild-Skizziererin Nadja UND das unglaubliche Gute-Laune-Baby Tauno. Wenn wir dies hier lesen, werden wir alle miteinander auf unsere Kinder, Schüler, Enkel, Geschwister und uns selbst stolz gewesen sein. Da bin ich sicher! Die hergestellten Bretter haben dann bereits ihren Dienst getan und hoffentlich den jungen Künstlern der 8. Klasse eine kleine Welt bedeutet.

MoMent Frühling 2018 _ 47


Die Tafelrunde Alina, 9. Klasse

D

ie „Tafelrunde“ gibt es seit ungefähr drei Jahren, und sie wurde von der jetzigen Zwölften gegründet. Sie ist eine

NORMAL IST G E FÄ H R L I C H

Gruppe mit ein bis sieben Vertretern aus jeder Oberstufenklasse. Im Moment sind wir 17 Leute und versuchen, uns alle zwei Wochen zu treffen, um über Themen zu reden, die die Oberstufe betreffen. Wenn wir uns treffen, besprechen wir Dinge, die anstehen oder überlegen uns, was man vielleicht verbessern oder neu einführen könnte. Jeder kann seine Ideen einbringen und

STUDIERE AN DER NEW DESIGN UNIVERSITY

einer Schülerin Protokoll geführt über das, was angesprochen oder abgemacht wird. Jede Klasse erzählt ein bisschen über das, was so passiert ist, wie zum Beispiel Praktika, oder wie es

BACHELOR ■ ■ ■ ■ ■

selbst mitgestalten. Es wird immer von einem Schüler oder

der Klasse generell geht.

Grafik- & Informationsdesign Innenarchitektur & 3D Gestaltung Design, Handwerk & materielle Kultur Event Engineering Management by Design NEU

Außerdem vertritt die Tafelrunde die Oberstufe in der Lehrerkonferenz, wo dann auch Ideen der Tafelrunde besprochen werden. Ich bin in der Tafelrunde, weil mich sehr interessiert, was so passiert in unserer Schule. Ich finde die Atmosphäre sehr an-

MASTER

genehm, und überhaupt haben wir es immer sehr nett.

■ Raum- und Informationsdesign ■ Entrepreneurship & Innovation

wir in Zukunft so umsetzen werden!

Da wir viele Ideen und Pläne haben, bin ich gespannt, was

AKADEMISCHE LEHRGÄNGE ■ ■ ■ ■ ■

Buchgestaltung Digitale Unternehmenstransformation NEU Akustik & Design Light Engineering & Design Food Design NEU

OPEN HOUSE 13. + 14. APRIL

Die New Design University ist die Privatuniversität der Wirtschaftskammer NÖ und ihres WIFI


Einblicke ins Tischlern der 9. Klasse Gabriele Gössl-Hiesböck

G

ing es in der Mittelstufe vor allem darum, dass die Unterrichtsin-

sischen Holzverbindungen, bei denen sowohl Formgebung und

halte das Hineinwachsen des Kindes in die Welt unterstützten, so

Exaktheit der Werkstücke als auch die Holzeigentümlichkeiten

kommt es nun immer stärker darauf an, den Anforderungen der Welt zu genügen.

berücksichtigt werden. Aus diesem Stück Holz wird eine Buchstütze in Schwalben-

Neben dem Lehrer korrigieren und schulen, fordern und erziehen

schwanzverbindungstechnik hergestellt. Diese dient als Vor-

das Material, die Werkzeuge und die Aufgabenstellung den jungen

übung für das eigentliche Werkstück: ein selbst entworfenes

Menschen. Hier ist das Holz nicht fantasieanregendes Gestaltungsma-

Kästchen mit Rahmentüre.

terial, sondern eher technischer Werkstoff. Diese nüchterne Sachlichkeit kann Rahmen und Orientierung geben. Die Schüler üben hier auch

Materialerfahrung ist Welterfahrung und Selbsterfahrung!

die praktische Urteilsfähigkeit: Der Lehrer braucht hier oftmals gar nicht korrigieren, sondern das Werkstück selbst tut es! Als erstes wird ein Stück von einem Brett mit Waldkante händisch abgeschnitten und auf Maß gehobelt. Bereits hier sammelt so mancher die Erfahrung, dass es durch das verschiedenartige Wachstum des Holzes zu Verarbeitungsproblemen kommen kann. Diese in Einklang zu bringen und die Gesetzmäßigkeiten von Material und Arbeitstechniken kennen und anwenden zu lernen, ermöglichen die klas-

Anhand der verschiedenen notwendigen Arbeitsprozesse lernen und entwickeln die Jugendlichen: • Werkzeugkunde und -pflege • Bewusstes Wiederholen bestimmter Bearbeitungstechniken (Hobeln, Sägen…) stärkt die Willenskraft. • Sicherheit beim Anreißen, Sägen, Hobeln… • Verschiedene Holzarten und den Unterschied zwischen Hart- und Weichholz

Waldorf-Kindergruppe in 1140 Wien, Meiselstrasse 65 in Gründung. UnterstützerInnen gesucht! Die Kindergruppe wird Plätze für Kinder mit besonderem

Daher bitten wir hiermit um Unterstützung und Spenden; das können

Betreuungsbedarf („Inklusion“) anbieten. Die InitiatorInnen

Sachspenden sein – alles was zu einer Einrichtung gehört, vor allem fehlt

arbeiten derzeit intensiv auf eine Eröffnung im Herbst die-

derzeit noch die komplette Küche -, gerne auch finanzielle Spenden,

ses Jahres hin. Wertvolle Hilfe und Unterstützung durch

und sonstige tatkräftige Hilfe. Nicht zuletzt suchen wir auch noch einen

erfahrene Waldorf-PädagogInnen durften wir bereits er-

Menschen, der unsere PädagogInnen unterstützt und gerne das Kochen

fahren, müssen jedoch ohne finanzielle Aufbauhilfe der

übernehmen möchte. Kontakt:

Gemeinde Wien auskommen.

Ulrich Hofbauer 0664 44 184 17, email office@sozialkompetenz.at

MoMent Frühling 2018 _ 49


„Frei gesprochen“ Den 10. Klass-Kellertheater-Abend besuchte für das MoMent Peter Gluchi

D

ass die 10. eine schauspielaffine Klasse ist, wissen wir

ergaben die Stimmabgaben der ZuseherInnen an allen vier Abenden den

bereits seit ihren Aufführungen von „Kalif der Storch“,

Freispruch der Pilotin.

„Meuterei auf der Bounty“ und „Sommernachtstraum“. Nach

Uff. Das dramatisch Tragödische wäre hiermit abgearbeitet, und wir kön-

dem Kellertheaterabend ist nun klar: Durch die in den letz-

nen uns der komödiantischen Seite des Abends widmen. So bunt wie die

ten beiden Jahre hinzugekommenen SchülerInnen ist dies

Textvorlagen waren die abwechslungsreichen Kostüme, und so klar wie

noch verstärkt worden. Unbändige Spielfreude, bewegt, be-

die Sprache der MimInnen, so betörend kam die Verwandlungskunst der

wegende Vortragskunst und deutliche Artikulierung ließen

SchülerInnen beim Publikum an.

die dreistündige Darstellung der anspruchsvollen Vorlagen

Ob als „altes Muatterl“, als „leicht bekleidetes Menscherl“ oder als „resolu-

so bekannter Autoren wie Arthur Schnitzler, Loriot, Gustav

te Dame“ – in diesen Frauenrollen zogen in besonderer Weise die Burschen

Ernst, Peter Bond und Ferdinand von Schirach wie im Fluge

die Lacher auf sich. Aber auch alle anderen setzten die feine Ironie und

vergehen.

Nonchalance der Schnitzler-Charaktere, den trockenen Humor der Loriot-

Letzterer verfasste mit der Frage nach Eigenverantwort-

Figuren oder das „Menscheln“ in den NoName-Dialekt-Sketches beste-

lichkeit in einer Extremsituation das spannendste Stück des

chend typengerecht in Szene. Hut ab, liebe Leute!!!

Abends: „Ist es zulässig, 164 Menschen zu töten, um 40.000

Kostüme und Requisiten lagen in den bewährten Händen von Frau Alscher

zu retten?“

und Wolfgang Seyringer; das Licht bedienten Laurenz Staller und Gabriel

Eine Gerichtsverhandlung über diese brisante Frage war das

Eberharter. Die minutiöse Vorbereitung der Klasse auf dieses „Event“ ob-

rund einstündige Kernstück des Theaterabends der 10. Klas-

lag „Altregisseur“ Elmar Dick und Micha Schuster.

se. Unglaublich präsent und die Ernsthaftigkeit der Anklage

Dass sich die SchülerInnen als „alte RömerInnen“ über „Androcles and the

gegen eine Militärpilotin beklemmend intensiv wiederge-

Lion“ in englischer Sprache hermachen konnten, ist einerseits Peter Bond

bend, liefen die fünf Darstellerinnen zu Höchstform auf. Der

als Autor und andererseits insbesondere unserem neuen Englischlehrer

einzige Mann (Sekretär der Staatsanwältin) steuerte durch

Marc Peters zu verdanken. Herzlich willkommen im Club der unbändigen

geschickt gespielte Ungeschicklichkeiten gezielt gesetzte,

SchauspielerInnen der 10. Klasse!!

punktuelle „Aufatmer“ in das dichte Spiel rund um den Ab-

P.S.: An unseren Veranstaltungskreis und alle sonstigen Interessierten

schuss eines Flugzeuges mit 164 InsassInnen bei, das, von

noch der Hinweis, dass die Aufführungen unter dem marketingkonformen

terroristischen Entführern gelenkt, in ein mit 40.000 Men-

Namen „Kaufmannschaft Productions unlimited“ jederzeit gebucht wer-

schen gefülltes Stadion hätte rasen sollen.

den können (Achtung: „Scherzerl“ des Autors)

Das Spiel ließ niemanden im Saal kalt, und in der Pause wurde zudem die Klärung dieses Moraldilemmas von uns ZuseherInnen als „Laienrichter“ eingefordert. Wenn ich nicht irre,


Stimmen der SchülerInnen zum Theaterprojekt

Anfänglich versuchten wir, uns ein Bild von den Stücken zu machen

Ich persönlich bin ein klarer Befürworter des Kellers, weil er so ein

– wo spielt die Geschichte, wie agieren die Personen, wie sehen sie

gutes Feeling mit sich bringt. Trotzdem waren in meinen Augen die

aus, welche Requisiten könnten wir benötigen.

beiden anderen Aufführungen auch sehr gelungen. Wir haben es ge-

Es war anstrengend, zumindest die ersten paar Tage. Man muss-

schafft, auch die andere Bühne in eine gute Atmosphäre zu versetzen.

te in die Rollen kommen, gerade stehen, deutlich sprechen…

Natürlich haben wir auch die Requisiten besorgt. Einmal habe ich ein

Herr Albrecht zeigte uns viele Möglichkeiten, eine Rolle glaubhaft

Bier vergessen, und eine Kollegin hat mir stattdessen die Malerrolle

rüberzubringen.

in die Hand gedrückt. Das war eine sehr komische und peinliche, aber

Ich glaube, ich würde mich ein zweites Mal nicht für den Charakter

auch lustige Situation.

der Anni entscheiden, aber es war mit eine Erfahrung wert, mich so

Und plötzlich war der erste Spielabend da! Wir waren wahnsinnig

in so einen Menschen hineinversetzen zu dürfen.

nervös; der Keller war ausverkauft. Mit der „Straßenbahn“ wurde der

Ich war von mir selber erstaunt, dass so viele Zeilen in so kurzer

Abend eröffnet. Und das Publikum stieg gleich zu und lachte an den

Zeit überhaupt in meinem Merkvermögen untergebracht werden

richtigen Stellen.

konnten. In stundenlangen Spaziergängen mit meinem Hund, der

Mir hat das ganze Theaterprojekt von Anfang an sehr gut gefallen, und

es wahrscheinlich auch schon auswendig kann, habe ich den Text

ich war wirklich jede Sekunde voll motiviert und mit dabei. Leider sind

gelernt – am Abend, in der Früh, jeden freien Augenblick.

die Proben- und Aufführungstage viel zu schnell vorbeigegangen.

Das Proben war überraschenderweise nicht stressig (zumindest

Ich habe außerdem gelernt, dass es beim Theaterspielen nicht nur auf

nicht für mich) und machte mir eine große Freude. An meinen Tex-

die Schauspieler und die Stücke, sondern auch auf’s Publikum an-

ten musste ich oft arbeiten, vor allem an der wienerischen Aus-

kommt, wie gut uns lustig so ein Abend dann wirklich ist.

sprache. Das war eine Herausforderung für mich, hat aber mit der Zeit gut geklappt. Es war nicht immer leicht bei den Proben, denn einmal hat Frau Kaufmann gesagt, wir sollten es so probieren, dann wieder ganz anders. Die wenigen Sätze, die ich zu sagen hatte, musste ich in verschiedensten Betonungen üben… und üben… und üben.

Auch wenn sich im Nachhinein viele Verbesserungsmöglichkeiten zeigen, bin ich sehr stolz auf unsere Klasse. Vor allem darauf, dass in solchen Ausnahmesituationen irgendwie alle zusammenhalten.


andre/fotolia.de

A

lleine schon der Zeitpunkt ihres Erblühens macht Helleborus niger (Schwarze Nieswurz, Christrose, Schneerose), ein Hahnenfußge‐ wächs (der „Krokus“ der Ranunculaceae), zu einer ganz besonderen Pflanze. Kaum eine andere Pflanze schafft es, ganz zu Beginn des Jahres, wenn die Sonne am tiefs‐ ten steht und sich beinahe alle anderen Pflanzen in ihre Wurzeln oder Samen zurückgezogen haben, ihre Blüte zu entfalten und ein erstes Zeichen des Erwachens zu bringen. Die Schneerose erstrahlt von Weihnachten bis in den März hinein in weiß‐gelben Blüten. Früher wurde aus den Wurzeln Niespulver und Schnupftabak hergestellt, weshalb Helleborus niger auch „Schwarze Nieswurz“ genannt wird. Außerdem steht die schatten‐ und kalkliebende Christrose unter Naturschutz und kann ein stattliches Alter von bis zu 25 Jahren erreichen. Einige Inhaltsstoffe wie Protoanemonin, Steroidsapo‐ nine, herzwirksame Glycoside (Bufadienolide) und Ecdysone verleihen einen giftigen Charakter. Das schleimhautreizende Protoanemonin ist in den meisten Hahnenfußgewächsen enthalten, so auch im Scharfen Hahnenfuß, welchen jeder von uns als „die gelbe Blume“ kennt, die auf stark gedüngten Wiesen den Großteil der dort wachsenden Blumen ausmacht und von Weidetieren nicht gefressen wird. Durch Trocknung

APOTHEKE ZUR KAISERKRONE

oder Erhitzen wird das Protoanemonin in Anemonin umgewandelt, verliert dadurch seine Toxizität und wird in Form von Heu gerne gefressen. Helleborus niger wird sowohl in der Homöopathie als auch in der anthroposophischen Medizin verwendet, wobei die Herstellung grundlegend unterschiedlich ist: Während in der Homöopathie ein alkoholischer Auszug der oberirdischen Teile verwendet wird, wird für anthro‐ posophische Zubereitungen ein wässriger Auszug der gesamten Pflanze (ober‐ und unterirdische Teile) herge‐ stellt. Der Herstellungsprozess von der händischen Ernte bis zur fertigen Arznei dauert mehr als 6 Monate und beinhaltet auch rhythmische‐ und Wärmeprozesse sowie eine Veraschung des Abpressrückstandes. Geerntet wird entweder die gesamte Pflanze im Winter oder die Blüten und Stängel im Winter und die Wurzeln und Blätter im Sommer. Es stehen flüssige Zubereitun‐ gen zur Injektion D3‐D30, als auch Globuli D6, D12 zur Verfügung. Die Anwendungsgebiete sind zumeist schwerwie‐ gende Krankheitsbilder die auch ärztlichen Rats bedürfen: Bewusstseinsstörungen, Störungen des Flüssigkeitshaushalts, Demenzerkrankungen, Depres‐ sionen, Schlaganfall, Sauerstoffmangel bei Frühgebo‐ renen. Weiters hat Rudolf Steiner Helleborus niger neben der Mistel in die Krebstherapie eingeführt. Er hat auf die „kühlend‐aufklärend‐ordnende“ Wirkung der Schneerose hingewiesen, wodurch auch der Einsatz bei Demenz erklärt werden kann. Mittlerweile konnte auch in Zellexperimenten eine starke antitumorale Wirkung festgestellt werden, wes‐ halb Zubereitungen aus der Schneerose sowohl bei so‐ liden Tumoren, als auch bei Leukämien erfolgreich eingesetzt werden können. So wie es die Christrose schafft, sich gegen den Kräfte‐ rhythmus des Erdenjahres zu stemmen, so können Arz‐ neimittel daraus Menschen auch in widrigen äußeren oder inneren Zuständen wieder kräftigen und zum Auf‐ blühen bringen.

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„Das sind immer wieder ganz wunderbare Momente“ Lena Kameš im MoMent-Interview über ihren beruflichen Werdegang und ihre ersten Eindrücke als neue Hortleiterin an unserer Schule

MoMent: Herzlich willkommen! Wie war Dein Werdegang bis hin zur

und sich selbst etwas zum Spielen zu überlegen. Das war ich bisher

neuen Hortleiterin?

nicht gewohnt, und das möchte ich erhalten.

Lena Kameš: Ich besuchte selbst bereits den Waldorfkindergarten

MoMent: Und dann gibt es auch gestaltete Zeit?

und die Waldorfschule Wien-Pötzleinsdorf. Dort machte ich 2003 die

Lena Kameš: Natürlich. Ich möchte je nachdem, was gerade nötig

Matura und schloss dann 2009 das Germanistikstudium an der Uni

ist, etwas anbieten – oder die Kinder frei lassen. Das schöne dabei ist,

Wien 2009.

dass dann etwas von selbst entstehen kann. Die Kinder sollen einen

MoMent: Dann ging es erst ins Ausland?

Ort haben, wo sie ausatmen können, wo ihnen nicht die ganze Zeit

Lena Kameš: Wegen der Liebe übersiedelte ich zunächst nach Ham-

jemand vorschreibt, was sie tun sollen.

burg – Jakob Butschle, mein zukünftiger Mann, wollte ans Priester-

MoMent: Die Arbeit mit Kindern ist aber auch recht anstrengend?

seminar der Christengemeinschaft.

Lena Kameš: Es gibt anstrengende Tage – aber auch viele Momen-

MoMent: Wie kamst Du zur Arbeit mit Jugendlichen?

te, die einfach schön sind. Wenn ich mit zwei Kindern das Buch „Im

Lena Kameš: In Jugendgruppen und im Kinderzeltdorf der Christen-

Krankenhaus“ anschaue und sie ihre Erfahrungen dazu erzählen.

gemeinschaft hatte ich gemerkt, dass ich gerne mit Jugendlichen

Wenn ich einem Kind bei der Hausaufgabe helfe und merke, „jetzt

arbeite. Ich überlegte, wie man das mit Germanistik gut verbinden

hat’s den Dreh raus!“, wenn ich helfen kann, einen Streit zu schlich-

kann. Die Antwort war: Als Waldorflehrerin! Ich besuchte das Lehrer-

ten, wenn ein Kind über sich hinauswächst. Das sind ganz wunderba-

Seminar in Hamburg und schloss es mit den Fächern Deutsch und

re Momente.

Handarbeiten ab. Aber schon bald bemerkte ich in der Praxis, dass

MoMent: Es scheint, Du bist gut angekommen.

ich gerne mit Jugendlichen arbeite – aber nicht in der klassischen

Lena Kameš: Insgesamt habe ich das Gefühl, am richtigen Ort zu

Schüler-Lehrer-Beziehung.

sein, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Kindern,

MoMent: Doch dann wieder Wien?

den Eltern und den Lehrerinnen und Lehrern.

Lena Kameš: Das ergab sich 2014, da mein Mann als Priester in

MoMent: Herzlichen Dank für das Gespräch!

die Wiener Gemeinde entsandt wurde. Ich selbst begann bei der

Die Fragen stellte Roman David-FreihslMoMent: Die Arbeit mit Kin-

Volkshilfe Wien zu arbeiten: in einer WG für 7-14-jährige Kinder, die

dern ist aber auch recht anstrengend?

nicht mehr zu Hause leben konnten. Das war sehr herausfordernd,

Lena Kameš: Auch wenn es anstrengende Tage gibt – an jedem Tag

aber Ich konnte dort viel lernen.

gibt es viele Momente, die einfach schön sind. Zum Beispiel, wenn ich

MoMent: Warum hast Du dort aufgehört?

gemeinsam mit zwei Kindern das Buch „Im Krankenhaus“ anschaue

Lena Kameš: Wegen der Geburt meines Sohnes 2016. Nach 14 Mo-

und sie ihre eigenen Erfahrungen dazu erzählen. Oder wenn sie am

nate in Karenz wollte ich etwas, das familienkompatibler ist, mit re-

Tisch alle eifrig ihre Perlen auffädeln, wenn ich einem Kind bei der

gelmäßigen Arbeitszeiten. Da sah ich die Stellenanzeige der Steiner-

Hausaufgabe helfe und merke, „jetzt hat’s den Dreh raus!“, wenn ich

Schule– und das war genau das Richtige! Ich wollte immer schon im

helfen kann, einen Streit zu schlichten, wenn ein Kind über sich hin-

Hort arbeiten.

auswächst. Das sind immer wieder ganz wunderbare Momente.

MoMent: Wie waren Deine ersten Eindrücke?

MoMent: Es scheint, Du bist gut angekommen.

Lena Kameš: Der Hort ist ein Ort, an dem die meisten Kinder gerne

Lena Kameš: Insgesamt habe ich das Gefühl, am richtigen Ort zu

sind, wo sie sich frei bewegen können, Raum für künstlerische Tätig-

sein, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Kindern,

keit und freies Spiel haben. Sie zeichnen, spielen Schule, rangeln – sie

den Eltern und den Lehrerinnen und Lehrern. Ich freue mich jeden-

haben Freude und Freunde. Das ist auch mir wichtig: Ich möchte ei-

falls auch, wenn Eltern auf mich zukommen; ich bin offen für Anre-

nen Ort für die Kinder bieten, wo sie gerne sind.

gungen und Wünsche.

MoMent: Hat Dich etwas besonders beeindruckt?

MoMent: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Lena Kameš: Die Fähigkeit der Kinder, sich selbst zu beschäftigen

Die Fragen stellte Roman David-Freihsl

MoMent Frühling 2018 _ 53


„Unkraut“: Des Gärtners Last im Garten E

ndlich ist der Frühling da – und damit beginnt auch die neue Ge-

wöhnlich frage ich mich zu diesem Zeitpunkt, was ich mir drei Mo-

müsesaison! Im März sind die ersten Samen aufs Beet ausge-

nate zuvor eigentlich dabei gedacht habe… Aber bei dieser Pracht

bracht, und die Gemüsegärtner warten sehnsüchtig auf Radieschen,

gehen einem schnell die (Gegen)Argumente aus – müssen halt die

Salate und Erbsen. Die Zeit bis dahin zieht sich (ähnlich der Advent-

Fisolen nachbarschaftlich zusammenrücken.

zeit für Kinder) un-end-lich in die Lä-n-ge.

Diese innere Haltung finde ich richtig und möchte sie nicht än-

Bis dahin vertrödelt man Zeit vorwiegend damit, Keimlingen gut

dern, aber die Umstände machen es nicht immer leicht. Denn wie

zuzureden und den einen oder anderen ungebetenen Gast aus dem

die rote Königin zu Alice (im Wunderland) schon sagte: Man muss

Gemüsebeet zu komplimentieren. Nein, damit sind keine Schnecken

hier schon sehr schnell laufen, um am gleichen Fleck zu bleiben.

gemeint – die werden ja erst im Sommer zu Dauergästen. Gemeint

Jedes Frühjahr versuche ich, die Sache mit dem begrenzten Platz

sind die Wilden, die Unbändigen, die Anarchisten, die Guerillas im

auf den Beeten diplomatisch zu lösen – mit „…hier bitte nicht!“ oder

Pflanzenreich:

„da drüben wäre noch ein Plätzchen frei…“ ist zwar ein friedlicher

Die Unkräuter (als akustische Untermalung stelle man sich an

Anfang gemacht, aber die Ruhe hält nie lange vor. Deswegen habe

dieser Stelle ein unheilvolles *tamtammm* vor) – liebevoller auch

ich im Laufe der Jahre eine fast schon perfide Taktik entwickelt:

als Wild- oder Beikräuter bezeichnet. Ich mag den Begriff Unkraut,

Einige der Eindringlinge werden gesammelt und regelmäßig ver-

weil es in meiner Wahrnehmung für Universalkraut steht, was ihre

speist! Alles ohne moralisches Dilemma, denn wer am Gemüsebeet

Rolle als Generalisten im Pflanzenreich gut beschreibt. Unkräuter

wächst, muss früher oder später damit rechnen, im Kochtopf zu lan-

haben eines gemeinsam: ihre unerschütterliche Anpassungs- und

den. Zumindest die genießbaren Exemplare.Damit herrscht dann im

Regenerationsfähigkeit und ihren Überlebenswillen. Durchaus be-

Großen und Ganzen zwar noch immer keine strenge Ordnung, aber

merkenswerte Charaktereigenschaften, eigentlich. Sie strotzen vor

zumindest weitgehend Frieden im Garten.

Energie – was aber ein zweischneidiges Schwert sein kann! Nun ist es – wie so oft im Leben – eine Frage der inneren Haltung.

Das Gute an wilden Kräutern ist ihre Angewohnheit, überall zu wachsen – es ist für die Unkraut-Kulinarik also nicht einmal zwin-

Manch Gartelnder erklärt dem ungewollten Grün den Krieg, legt

gend notwendig, einen Gemüsegarten zu pflegen (obwohl die-

sich auf die Lauer und erstickt jede revolutionäre Regung im Keim.

ser besonders einladend wirkt). Jedes naturbelassene, geschützte

Deutlich erkennbar an den Beeten, die aussehen, als hätte man sie

Fleckchen Grün wird zur potentiellen Erntefläche.

auf dem Millimeterpapier entworfen. Ich habe großen Respekt vor

Wie bereits eingangs erwähnt, sprießen die ersten Wildkräuter in

dieser konsequenten und selbstdisziplinierten Haltung; für mich

Beeten, Wiesen und Rabatten, noch lange bevor mit der ersten Ge-

persönlich funktioniert sie aber nicht. Gar nicht!

müseernte gerechnet werden kann. Gerade im Frühjahr bietet jeder

Spätestens im Juni findet man mich schluchzend im Beet zwi-

noch so kleine Vorgarten ein reichhaltiges Sortiment an Unkräutern,

schen mannshoher Vegetation, die nur zum Teil aus angebautem

die in den ersten warmen Frühlingswochen den Speiseplan berei-

Gemüse besteht. Allerlei Flug-, Krabbel- und Kriechtier danken mir

chern können.

zwar für dieses wunderbare Habitat und benehmen sich auch ent-

Ein guter Einstieg in die Unkraut-Kulinarik ist die traditionelle

sprechend rücksichtsvoll, aber der Gärtnerstolz ist trotzdem immer

Gründonnerstagssuppe (heuer am 29.März) mit neun unterschied-

ein wenig angeknackst.

lichen Kräutern. Angeblich handelt es sich bei dieser Speise um eine

Dieses alljährliche Drama hat die einfache Ursache, dass meine Faszination für viele Unkräuter ebenso groß ist wie für das kultivierte Grün. Eine wilde Karde am Beet wird bestaunt und umhegt wie Gemüse – denn die blühende Pflanze im Hochsommer, umschwirrt von hunderten Bienen und Hummeln, ist einfach ein unbeschreiblich imposantes Erlebnis. Ungeachtet der Tatsache, dass sie spätestens ab Juni das halbe Beet in Anspruch nimmt – denn Karden werden im nährstoffreichen Gemüsebeet zu gigantischen Monstern. Für ge-

54 _ MoMent Frühling 2018

alte heidnische Tradition. Abgesehen von der Tradition waren Wild-


Lust am Teller kräuter in frühen Zeiten vermutlich rund ums Jahr ein wichtiger

Vogelmiere – überwältigender

Bestandteil der menschlichen Ernährung. Gerade am Jahresanfang

Geschmack! Manche sagen

waren die wichtigen Vitamine und Spurenelemente aber lebens-

junge Erbsen, andere Mais –

notwendig. Neun gilt als besonders glückbringende Zahl, doch wird

Kinder lieben sie! Ich auch.

einen vermutlich nicht das Unglück heimsuchen, wenn nur mal fünf oder sieben Kräutlein den Weg in den Topf finden – das muss dann jeder mit seinem eigenen Aberglauben ausmachen. Meine Favoriten habe ich hier aufgelistet – sie sind nahezu über-

Taubnessel – milder als die

all zu finden und leicht zu identifizieren. Ich teile diese Unkräuter

wehrhafte Schwester; Blü-

in zwei Gruppen ein: Substanzkräuter, die in größeren Mengen –

ten mit intensivem Honiga-

ähnlich Spinat – verwendet werden können und Würzkräuter, die

roma als geschmackliche

je nach Geschmack mehr oder weniger Eingang in den Kochtopf

Ergänzung

finden. Die Unkräuter sind in allen Teilen essbar. Blätter, Stängel, Wurzel, Blüte – das lässt Raum zum Experimentieren. Ähnlich wie

Gänseblümchen – eher mild,

beim Schwammerlbrocken gilt auch bei den Unkräutern: nur sam-

leicht bitter; besonders die

meln, was man eindeutig identifizieren kann! Bestimmungsbücher

Blüten(knospen) sind eine

oder Internet sind diesbezüglich zuverlässige Hilfen. Ich persön-

Delikatesse

lich vermeide Heilkräuter mit spezifischen Wirkungen – wie Frauenmantel, Beinwell u. dgl. – sondern bevorzuge die universellen Allerweltskerle. Melde – erlebt gerade ein

SUBSTANZKRÄUTER

Gartenrevival; milder, spi-

Brennnessel – das Un(iversal!)kraut:

natartiger Geschmack

junge Blätter ernten; alte schme-

Junge Birken- und Linden-

cken etwas schwefelig. Im Spät-

blätter – sehr mild und sanft

sommer sind geröstete Samen ein

im Geschmack

Geheimtipp. Knoblauchsrauke – knofelt, aber viel milder als Bärlauch Wegerich – der nächste Allerweltskerl: milder, leicht nussiger Geschmack; im Sommer auch junge Blütenstände; geröstete Samen im Herbst Dost (wilder Oregano) – blumig, frischer Geschmack Giersch – in den Rabatten ein Un-

Sonstige: Löwenzahn, Weg-

hold, im Topf ein Held! Erinnert ge-

warte – eher bitter-herb (wie

schmacklich an frische, milde Pe-

Zichorie); Pimpinelle, Tripma-

tersilie; hat roh einen markanten,

dam – säuerlich, frisch

pastinakenähnlichen Geruch MoMent Frühling 2018 _ 55


„Unkraut“: Des Gärtners Last im Garten Lust am Teller

WÜRZKRÄUTER mit intensivem Geschmack Gundelrebe (Gundermann) – herb-scharfer, intensiver Geschmack; Blüten

REZEPT TRADITIONELLE GRÜNDONNERSTAGSSUPPE (für 4 Personen) 9 Kräuter – Substanzkräuter je eine Hand voll, Würzkräuter nach Geschmack, Blüten zum Garnieren 1 Zwiebel

Bärlauch – im Wienerwald immer der Nase nach! intensives Knoblaucharoma; Tiere nutzen ihn zur Wurmkur; Blüten schmecken milder

1 Portion Suppengemüse (für Eilige 2 Suppenwürfel) 4 EL Öl 1 Liter Wasser Salz, Pfeffer, Muskatnuss nach Geschmack 1/2 Becher Sauerrahm oder Schlagobers (Mit einem kleingeschnittenen, mitgekochten Erdapfel oder 2 EL Einbrenn kann die Suppe etwas gehaltvoller gemacht

Schafgarbe – sehr markanter und intensiver Geschmack – sparsam einsetzen

werden.) Suppengemüse und Zwiebel klein schneiden in Öl anschwitzen. Mit Wasser aufgießen. Kräuter dazu, kurz aufkochen. Mit dem Pürierstab pürieren und/oder bei Bedarf durch ein Passiersieb/Flotte Lotte passieren - manche Kräuter haben unangenehme Fasern, die man so herausfiltert. Erneut aufkochen und mit Gewürzen und Rahm/Schlagobers

Rotklee / Wiesenklee – milder

abschmecken.

Geschmack, aber in Mengen

Neben dem guten Geschmack wirkt die Suppe belebend, ba-

genossen sehr verdauungs-

sisch und blutreinigend – auf jeden Fall liefert sie viele Vitamine

fördernd; honigsüße Blüten

und Nährstoffe. Genau das richtige im Frühjahr! Doch Unkräuter bloß an einem Tag im Jahr in der Küche zu verwenden wäre schade, denn eigentlich kann man sie nahezu überall dazu geben: Salate, Butterbrote, Smoothies, Kräuteraufstrich,

Sauerklee – wie der Name

Omelett, Knödel, deftige Palatschinken, Quiche, Polenta,… wenn

schon sagt, sauer (Vorsicht

man seine Favoriten erst einmal gefunden hat, sind Unkräuter vom

– Oxalsäure!)

Speiseplan kaum mehr wegzudenken. Und das Unkrautjäten im Garten macht dann auch Spaß!

Sonstige: Brunnenkresse, wilde Rauke, Beifuß, Saueramp-

Meint Evi Myska

fer, Minze, Melisse und alles aus dem Kräuterbeet (Pe-

Fotos:

tersilie, Liebstöckel, Lauch,

http://www.steinschalerwiki.at/

Kerbel, Salbei, Thymian,

11.03.2018, 8:54, CreativCommons Lizenz

Fenchel,…)

56 _ MoMent Frühling 2018


Ulrich Hofbauer dipl. psych. Spirituell erweiterte Psychologie Persönliche Entwicklungsbegleitung Krisen- und Konfliktarbeit Seminararbeit Gruppenarbeit

> das cafe > das geschäft

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Aktuelles von der Klage gegen die Republik Österreich O

ft werden wir gefragt, wie der Stand unserer „Klage gegen die Republik“ in Bezug auf die Gleichstellung unserer Schulen mit konfessionellen

Zuerst prüft der VWGH die negativen Bescheide und setzt sie in Beziehung zum Privatschulgesetz. Er prüft

Privatschulen ist. Hier der Versuch einer umfassenden Antwort in dieser

also, ob die Argumentation des zuständigen Ministeri-

komplizierten Materie:

ums korrekt ist. Nach der Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof

Befindet der VWGH, dass unsere Ansuchen korrekt

(VFGH) wegen Ungleichbehandlung unserer Schulen

abgewiesen wurden, so steht uns mit dieser Auskunft

im Privatschulgesetz, die im Herbst 2016 von rund

der neuerliche Weg zum Verfassungsgerichtshof (VFGH)

30 Schulen eingebracht wurde, gab es im Frühling

offen, da somit bestätigt wurde, dass wir laut Gesetz kei-

2017 eine formelle Zurückweisung durch den VFGH,

nen Anspruch auf Subventionen haben – was wir übri-

da angeblich kein gültiger negativer Bescheid eines

gens für verfassungswidrig halten, da eine solche Ent-

Subventionsantrages vorliegt und daher auch nicht

scheidung z.B. gegen den Gleichheitsgrundsatz und die

geklärt ist, ob wir laut Privatschulgesetz nicht ohne-

Religionsfreiheit verstößt.

dies Förderungen bekommen würden. Dies war also

Im schlechteren Fall befindet der VWGH, dass die Ar-

der einfachste Weg für den VFGH, die Materie schnell

gumentation seitens des Ministeriums unrichtig ist und

vom Tisch zu bekommen und uns hier vorerst im Kreis

die gewählte Begründung so nicht aus dem Privatschul-

zu schicken.

gesetz abgeleitet werden kann. In diesem Fall gehen die

Vor dem Sommer 2017 wurde also in abgestimm-

Ansuchen mit der Bitte um neuerliche Prüfung zurück an

ter Vorgehensweise von allen beteiligten Schulen ein

das Bildungsministerium. Dies würde zu einer weiteren

gleichlautender Antrag an das Bildungsministerium

Verzögerung führen – und aller Voraussicht nach NICHT

gestellt, in welchem um Subventionen im gleichen

zu der Erkenntnis, das uns eigentlich Subventionen zu-

Umfang, wie sie konfessionellen Schulen zustehen,

stehen. In diesem Fall hieße es, weitere Monate auf neue

angesucht wurde.

Bescheide zu warten...

Im November 2017 haben alle beteiligten Schulen

Jedoch: Alle beteiligten Schulen sind mit Engagement

eine abschlägige Antwort vom Ministerium erhalten.

dabei, und wir werden den Weg weiter gehen – egal, wie

Unserem Anwalt (Dr. Wolfram Proksch), der in dieser

lange es dauert!

Causa für alle Schulen die Vertretung übernommen hat, ist es hierbei gelungen, für alle beteiligten Schu-

Parallel dazu werden natürlich auch vom Waldorf-

len einen gleichlautenden Bescheid zu erwirken, der

bund Gespräche mit Vertretern aus dem Ministerium

außerdem für alle Beteiligten zum gleichen Datum

geführt und ein Termin mit dem neuen Bildungsminister

ausgestellt wurde. Dies ist als großer Erfolg zu wer-

angestrebt, um unseren Status zu verhandeln. Vielleicht

ten, da uns dadurch ermöglicht wurde, alle Beschei-

führt auch dieser Weg zu einem Ziel. In jedem Fall wird

de gemeinsam beim Verwaltungsgerichtshof (VWGH)

keine Option unversucht gelassen.

anzufechten, anstatt dies in 30 Einzelverfahren tun zu müssen. Im Jänner 2018 wurde die Beschwerde gegen die genannten Bescheide beim VWGH eingebracht… und nun warten wir auf Antwort.

Welche weiteren Schritte sind nun möglich?

58 _ MoMent Frühling 2018

Lothar Trierenberg und Engelbert Sperl


Wie geht es weiter mit unserem neuen Haus auf 113? E

s gibt leider zu diesem so wichtigen Thema nicht viel Neues zu

Größe des Neubaus technisch unmöglich, das alte Geschäft wäh-

berichten.

rend der Bauphase zu erhalten. Auch ein Ausweichquartier in un-

Die Einsprüche der Nachbarn liegen weiterhin beim Verwal-

mittelbarer Nähe konnte nicht gefunden werden – und es wäre es

tungsgericht Wien. Wir wissen zwar inzwischen, wer die für unseren

auch nahezu unmöglich gewesen, die gesamte Infrastruktur eines

Fall zuständige Richterin ist; es ist uns aber noch nicht gelungen,

Lebensmittelgeschäftes für nur eineinhalb Jahre an einen anderen

den direkten Kontakt herzustellen, um zu erfahren, wie ernst die

Ort zu transferieren.

Einsprüche gegen unser Projekt tatsächlich sind. Bisher wurden wir

An einer Übergangslösung für einige Lieferanten und zur Ver-

auch nicht zu einer Stellungnahme oder gar Verhandlung eingela-

sorgung der zahlreichen Stammkunden mit frischem Gemüse und

den, was zwei Gründe haben kann: Entweder wurde der Akt noch

anderen Bauernprodukten wird derzeit gearbeitet, und wir hoffen

gar nicht bearbeitet (eher unwahrscheinlich), oder es kommt zu

sehr, hier demnächst über gute Neuigkeiten berichten zu können.

keiner Verhandlung, da die Einsprüche als nicht relevant sofort abgewiesen werden… Darauf hoffen wir! Das Verwaltungsgericht hat insgesamt sechs Monate für eine Entscheidung Zeit. Wir sollten also spätestens im Mai einen neuerlichen Bescheid bekommen und hoffen, dass dieser positiv ausfallen wird. In diesem Fall wird der Baubeginn zu Ferienanfang im Juli 2018

Also: Wenn alles gut geht, beginnen die Bauarbeiten im Juli 2018. Die Fertigstellung unseres neuen Schulgebäudes sollte damit bis Februar 2020 erfolgen!! Die Ausweichquartiere sind reserviert – jetzt fehlt nur mehr der endgültig bestätigte Bescheid der Behörde, und alles beginnt zu laufen.

stattfinden. Dir Architekten arbeiten zur Zeit weiter an den Ausschreibungen; die Vergabeverhandlungen mit den bestbietenden

Übrigens:

Firmen beginnen dieser Tage. Es liegen uns schon sehr gute Ange-

Im kommenden Frühling sollen im Rahmen verschiedener Projekte

bote vor!

das alte Haus und der Garten dokumentiert und so für die Schul-

Die erste schmerzvolle Auswirkung des Neubaus ist leider bereits zu sehen und zu spüren: „Unser“ Bioladen – aus gutem grund – hat geschlossen!

chronik bewahrt werden. Sollte jemand hierzu und/oder zur Verabschiedung des alten Hauses Ideen haben, möge sie/er sich bitte einfach an Engelbert Sperl oder Lothar Trierenberg wenden.

Das Ende des Bioladens zum eigentlich geplanten Baubeginn im Februar 2018 konnte von Esche Schörghofer trotz Verzögerung des

Für den Vorstand Lothar Trierenberg

Baubeginns nicht mehr geändert werden. So wurde unser geliebter „guter grund“ also mit einem fulminanten Abschiedsfest am 27.01.2018 geschlossen. Dieser traurige Zustand soll aber nur ein vorübergehender sein, und es sei an dieser Stelle noch einmal gesagt, weil es dazu immer wieder Fragen gibt: Im neuen Haus ist natürlich ein neuer Bioladen eingeplant. Dieser soll zusammen mit der Schulküche geführt werden, mit einem ganz neuen Konzept unter neuer Führung das Schulleben bereichern und sowohl Kindern als auch Eltern die Beschäftigung mit dem so wichtigen Thema der gesunden Ernährung ermöglichen. Natürlich wäre ein direkter „Übergang“ vom alten zum neuen Geschäft wünschenswert gewesen, aber nicht zuletzt aufgrund der Auflagen des Denkmalschutzes (die Gebäudehülle bzw. 50% des Bestandes müssen erhalten bleiben) ist es in Kombination mit der

MoMent Frühling 2018 _ 59


Absender: R. Steiner-Schule Wien-Mauer, 1230 Wien, Endresstr. 100 Verlagspostamt, 1230 Wien, Zulassungsnummer: 13Z039641 M Impressum Seite 2

P.b.b.

Eine Abschieds-Gala für Esche und sein Team Der Bioladen „aus gutem grund“ hat zugesperrt – und wurde im Kleinen Festsaal noch einmal groß gefeiert.

Gesteckt voll war der Saal – Kunden, Freunde und Produzenten waren gekommen, um Abschied zu nehmen. Und konnten als Ab-

Es war ein großartiges Fest – wenn auch kein wirklich fröhliches.

schiedsgeschenk eine Festschrift zu Ehren dieses besonderen La-

Auch wenn es vieles zum Lachen und Schmunzeln gab. Insgesamt

dens erwerben. Auch diese hatte Anita Kux noch auf die Beine ge-

war es ein wunderschöner, ein berührender und rührender Abend

stellt, unter großer Mithilfe von Karl Hruza.

zu einem traurigen Anlass: „Unser“ Bioladen „aus gutem grund“ hat-

Zurück blieb eine Frage, die beim Fest auch öffentlich gestellt

te an diesem Tag, dem 27. Jänner 2018, seinen letzten Verkaufstag,

worden war: „Wie kann es sein, dass etwas derart Wertvolles, eine

aus gute m

und dann sperrte Esche Schörghofer das Türl endgültig zu. „Aus is“,

Institution mit derart viel Kenntnis und Wissen einfach zugesperrt

hatten er und sein Team angekündigt.

wird?“ Nach den Bauarbeiten soll im Neubau der Schule wieder ein

„Aus is“, weil auf dem Grundstück Endresstraße 113, auf dem die

Bioladen eröffnet werden. Doch die Lücke dazwischen ist groß. Dass

Unterstufe unterrichtet wird, ein Neubau entstehen soll. Der Baube-

die Entwicklung, die nun 40 Jahre an diesem Standort stattgefunden

ginn verzögert sich jetzt zwar – aber Esche hatte schon vor dem Zu-

hat, dann wieder in diesem Geist fortgesetzt werden kann, das ist die

sperren bereits innerlich abgeschlossen, und es blieb dabei.

große Hoffnung.

grund

Seit 40 Jahren gab es an diesem Standort ein „Demeterhaus“; 20

Eigentlich sollte schon vorher etwas getan werden, hieß es immer

Jahre lang führte es Esche unter dem Namen „aus gutem grund“: ein

wieder beim Fest. Auch darauf hatte Esche eine – ausgesprochen

Vollsortiment-Geschäft mit Schwerpunkt und großer Kompetenz für

emotionell vorgetragene – Antwort: „Nicht immer nur reden, reden,

Demeter-Waren. Darüber berichteten wir bereits in unserer jüngsten

reden. Tuts was!“ Und genau das ist der zweite Teil seiner Botschaft

MoMent-Ausgabe.

„Aus is“: „Tuts was!“

Nun aber das endgültige „Aus is“. Für den Nachmittag nach dem

Epilog: Ein paar Wochen nach dem Abschiedsfest treffe ich vor

Ladenschluss hatte Anita Kux – selbst langjährige Lehrerin an unse-

dem Bio-Supermarkt in Mauer eine langjährige Freundin vom Esche.

rer Schule und Stammkundin beim Esche – zu einem Fest im Kleinen

„Jetzt gehst auch hier einkaufen?“, fragt sie mich. „Was bleibt mir

Festsaal geladen. Man kann es nur eine Abschieds-Gala nennen,

übrig“, antworte ich. „Ja, ich muss jetzt auch hier einkaufen“, sagt sie.

was sie da mehr oder weniger im Alleingang organisiert und vor-

Und wir verabschieden uns mit: „Mein Beileid.“

bereitet hatte. Nicht nur Esche und seine Mitarbeiterinnen wurden

Und noch ein kleiner Geheimtipp: Esche selbst kauft jetzt übri-

gefeiert – auch Willi Rosen, der den Laden vor Esche geführt und

gens im Bio-Laden in der Perchtoldsdorfer Wiener Gasse 30 ein. Der

aufgebaut hatte. Lieder und Gedichte, eigens für diesen Anlass ge-

sei seinem Geschäft recht ähnlich, heißt es.

textet und komponiert, wurden vorgetragen. Sogar Meisterbäcker

Roman David-Freihsl

Kaschik hielt eine wunderbare Rede, obwohl dies so gar nicht sein Revier, sein „Brotberuf“ ist. zkp_az_moment_2018.qxp_Layout 1 13.02.18 09:18 Seite 1

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