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Monatsschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer Februar/März 2011, € 2,--


Liebe Leserin, lieber Leser!

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eld ist abstrakt. Geld ist eine Konjugation der Zukunft. Es kann ein Abend in der Vorstadt, es kann Musik von Brahms sein; es kann ein Weltatlas oder ein Schachbrett oder eine Tasse Kaffee sein; es können die Worte des Epiktet sein, die uns lehren, das Gold zu verachten; Geld ist ein Proteus, und zwar vielgestaltiger als der von der Insel Pharos. Jorge Luis Borges Proteus wird in der Odyssee als ein weiser, alter, sehr wandlungsfähiger Meeresgott dargestellt, der als Robbenhüter auf Pharos lebt. Wollte man von ihm eine Weissagung, musste man ihn überlisten. Bei dem Versuch, sich dem Zugriff von Angreifern zu entziehen, die von ihm Auskünfte erpressen wollen, verwandelt sich Proteus in verschiedene Wesen: einen Löwen, eine Schlange, einen Leoparden, einen Eber, sogar in Wasser und in einen Baum. In unserer Schule kann sich Geld auch in Wasser oder einen Baum verwandeln. In Pellets für die Heizung. Oder ein repariertes Dach. Eine sanierte Fassade. Eine Förderstunde für ein Kind oder das Gehalt für eine Begleitlehrerin. „Gelderkenntnis ist immer auch ein Stück Selbsterkenntnis,“ schreibt Bernhard Steiner in dem lesenswerten Büchlein „Geld und Karma“ (Pforte Verlag, 2010). Geld ist daher auch immer eine Willenserklärung und ein Ausdruck unseres Bewusstseins. Sind unsere Entscheidungen, im Kleinen wie im Großen, von Bewusstsein durch-

drungen? Setzen wir unsere finanziellen Ressourcen so ein, dass dadurch eine Welt entsteht, die unseren Idealen entspricht? Oder regieren Gewohnheiten und scheinbare Zwänge den Griff in die Börse? Diese Schulzeitung möchte eigentlich faschings-feierlich sein. Der eine oder andere Artikel in dieser Ausgabe wird Sie auch gewiss schmunzeln lassen (Seite 6). Aber in dieser Ausgabe ist auch von großen Herausforderungen die Rede – vergangenen wie zukünftigen. In wenigen Tagen erscheint die erste umfassende Geschichte der Waldorfpädagogik in Österreich (ab Seite 23), die ja über weite Strecken die Geschichte unserer Schule ist. Wie einst in unserer Schulgemeinschaft riesige Herausforderungen gemeistert wurden, soll und darf uns Hoffnung für all das machen, was nun vor uns liegt. (Seite 17) Bringen Sie sich ein! Stellen Sie dem Schulganzen Ihr Wissen, Ihre Kreativität, Ihre Tatkraft, Ihr Bewusstsein zur Verfügung! Ein erster Schritt: Kommen Sie zum Allgemeinen Elternabend am 29. März 2011, 20 Uhr (siehe Seite 16)! Mit herzlichen Grüßen aus der Redaktion, Irene Bulasikis Noch ein kleines PS zum Thema Geld: Auch diese Zeitung kann es nur geben, wenn wir gemeinsam die Druckkosten aufbringen. Wir freuen uns daher auf Ihre Inserate und Ihre Spenden! Kontonummer nebenan – vielen Dank!

MoMent Monatsschrift von und für Eltern, FreundInnen, Lehrer­Innen und SchülerInnen der R. Steiner-Schule Wien-Mauer, Freie Waldorfschule moment@waldorf-mauer.at im 20. Jahr MoMent-Konto lautend auf: Redaktion Schulzeitung Kontonummer: 9681.059 P.S.K. Blz: 60000; BIC OPSK ATWW IBAN AT26 6000 0000 0968 1059 Leitung des Redaktionsteams: Irene Bulasikis, T. 01/8672090 irene@bulasikis.com Anzeigen/Layout: Renate/Karl Hruza MitarbeiterInnen: Roman David-Freihsl roman.freihsl@aon.at Renate Hruza, T. 01/802 66 03 renate.hruza@silverserver.at Karl Hruza, T. 01/802 66 03 k.hruza@acrobat.at Jörg Schmiedbauer, T. 0676 530 28 29 joergschmiedbauer@acrobat.at Freie MitarbeiterInnen: Matti Melchinger, Christa Salcher, Karin Schadl, Lothar Trierenberg Eigentümer, Verleger und Herausgeber (Medieninhaber): Waldorf-Wirtschafts-Gemeinschaft (WWG), DVR Nr.: 7864 9742 Absender: moment@waldorf-mauer.at MoMent 1230 Wien, Endresstr. 100 Herstellungsort: DONAU-FORUM-DRUCK , 1230 Wien Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 02Z032325Z

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MoMent  Februar/März 2011


„Man bekommt auch über das Toben eine andere Anschauung“ „Es gibt Leute, die sagen, in der Waldorfschule sei die Disziplin nicht so gut wie in anderen Schulen … Aber bedenken Sie, dass nicht nur in sozialen Dingen, sondern auch in den Kinderseelen die letzten Jahre viel geändert haben.

1879-83 Wien Studium an der Technischen Hochschule, zunächst mit dem Ziel des Realschullehramtes. Hauptfächer: Mathematik, Physik, Botanik, Zoologie, Chemie, daneben Literatur, Geschichte, Philosophie. 1882

Rudolf Steiner

Karl Julius Schröer

Rosa Mayreder

Auf Empfehlung des Literaturhistorikers und Goetheforschers Prof. Karl Julius Schröer Berufung als Herausgeber von Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften in Kürschners «Deutscher National-Literatur». Abhandlung «Einzig mögliche Kritik der atomistischen Begriffe». Steiner bezeichnet sie später als den «Grundnerv» seiner Forschungen. 1884-90 Hauslehrer in der Wiener Kaufmannsfamilie Ladislaus Specht. Dort auch Begegnungen mit dem Hausarzt der Familie, dem berühmten Wiener Internisten Josef Breuer, der als Wegbereiter der Psychoanalyse gilt. Der erste Band von Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften erscheint. Die Bände II–IV folgen zwischen 1887 und 1897. Freundschaft mit der Dichterin und späteren Frauenrechtlerin Rosa Mayreder (Kritik der Weiblichkeit) und Friedrich Eckstein (später Sekretär und Biograf Anton Bruckners). Briefwechsel mit dem Philosophen Eduard von Hartmann. Neben der Arbeit an der Goethe-Ausgabe zahlreiche Artikel für verschiedene Lexika (u.a. in Pierers Konversations-Lexikon) im Auftrag von Prof. Kürschner. 1886

Friedrich Eckstein

Erste Buchveröffentlichung «Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung». Anfrage des Weimarer Archivdirektors Erich Schmidt wegen Mitarbeit an der Sophien-Ausgabe von Goethes Werken. Abhandlung «Die Natur und unsere Ideale».

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ir können nicht die Maßstäbe unserer Jugend anlegen. Es ist eine tiefe Kluft zwischen den jetzigen jungen Generationen und den Älteren, und wenn es sich darum handelt, erzieherisch das Wesen des Kindes zu erfassen, so wird man mit der Furcht vor Strafen und der Hoffnung auf Zeugnisse schlecht erziehen, mit der Liebe aber gut. Mag noch so sehr das wilde Getümmel toben in den Klassen, wenn das richtige Verhältnis da ist zum Lehrer, wenn er so dasteht, dass das Kind dennoch in ihm das sieht, was es sehen soll, dann wird das Toben eine ganz andere Bedeutung haben als sonst. Vielleicht ist das paradox, aber es ist psychologisch richtig. Man bekommt auch über das Toben eine andere Anschauung; denn es tobt sich da manches heraus, was sich dann im späteren Leben nicht mehr heraustobt, und das ist entschieden besser als umgekehrt. Die späteren Lebensalter bauen sich ja auf dem auf, was wir in der Schule heranerziehen. Gerade wenn man davon tief durchdrungen ist, dass man für das ganze Leben, nicht für den Augenblick zu erziehen hat, dann weiß man auch, wie stark man die Eltern braucht, um mit dem Waldorfschul-Gedanken weiter zu kommen.“ Ansprache von Rudolf Steiner am Elternabend, 22. Juni 1923. Aus: „Rudolf Steiner in der Waldorfschule“. Ausgewählt von Roman David-Freihsl

1888 Redakteur bei der Wiener «Deutschen Wochenschrift». Zahlreiche Artikel und Kommentare zu politischen Ereignissen in Österreich-Ungarn. Vortrag im Wiener Goetheverein «Goethe als Vater einer neuen Ästhetik».

Eduard von Hartmann

Februar/März 2011  MoMent

(aus: http://www.goetheanum.org/439.html, 28.01.2011)

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Tag der offenen Tür 2011 A

m 22. Jänner 2011 lud unsere Schule zum „Tag der offenen Tür“ ein. Eltern, Verwandte und Freunde unserer Schülerinnen und Schüler sowie weitere Gäste hatten die Möglichkeit sich ein Bild des Unterrichts in den Klassen 2–12 zu machen. Die Schule war gut besucht – Kollegiumsmitglieder und Eltern vom Elternrat gaben fachkundig Auskunft und führten die vielen Interessierten durch die Schule. Die Stimmung war gut und einladend (im Gegensatz zum trüben, kalten Wetter draußen). Eurythmie, Rechnen, Dreikönigsspiel, Englisch, Musik, Geografie, Russisch, Handarbeiten, Klassenspiel, Zeichnen, Physik, Sport, Tanzkurs, Mathematik, Deutsch, Geometrisch Zeichnen, Kupfertreiben, Weben, Malen, Plastizieren und die Präsentation von Praktika gaben einen tollen Einblick in unser Schulleben und die Stunden- bzw. Epochengestaltung. Viele Kinder und Jugendlichen freuten sich in den mit Gästen gut gefüllten Klassen ihr Können und Wissen

Fotos: Lothar Trierenberg

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MoMent  Februar/März 2011


MoMent Rückblicke… zu zeigen. Abschließend wurde das „Leonardo-Projekt“ vorgestellt (siehe auch Artikel in dieser Ausgabe). Dank an alle Schülerinnen und Schüler, ans Kollegium, die Eltern und Gäste. Es war ein schöner Tag in unserer Schule. Leon und Karin Schadl P.S.: Nicht zu vergessen: das köstliche Buffet der 2. Klasse!

Februar/März 2011  MoMent

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MoMent Rückblicke…

Die gehüpfte Dreierreihe In der Rechenepoche der 2. Klasse kommt die Springschnur zum Einsatz

Fotos: Roman David-Freihsl

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enn’s höchste Zeit ist, schlafen zu gehen, ist den Kindern immer noch etwas eingefallen. „Ich muss noch was zeichnen!“ Oder: „Ich muss noch einen Karton ausschneiden und was drauf picken.“ Und auf jeden Fall mit dem Nachsatz: „Das ist Hausaufgabe!“ Catarina weiß, das ist ihr allerletzter Trumpf – wenn sie den Papa jetzt noch einmal rumkriegen kann, dann höchstens noch mit „Hausaufgabe“. Umso erstaunlicher war es, als Catarina kürzlich eines Abends auf die ultimative Aufforderung – „So, Kinders, auf geht’s. Jetzt!“ – plötzlich zu ihrer Springschnur wieselte und einfach nur erklärte: „Papa, ich hupf dir noch was vor.“ Erste, spontane Reaktion: „Sicher nicht!“ Doch sie insistiert: „Bitte, Papa. Nur ganz kurz. Bitte!“ Diesen Tonfall kenne ich. Das ist ihr jetzt wichtig. Und dann setzt sie auch noch ihren schelmischen Blick ein und lockt: „Sag eine Zahl von Eins bis Zehn. Aber nicht die Sechs und nicht die Sieben.“ Das macht mich stutzig – und neugierig. „Wirklich nur ganz kurz?“ – „Gaaaaaanz kurz. Ehrlich. Sag eine Zahl!“ – „Okay: Drei.“ Und schon wirbelt die Springschnur um Catarina herum, während sie bei jedem Bodenschnalzer aufzählt: „Drei, Sechs, Neun, Zwölf, Fünfzehn ...“ Ich bin baff, mit welcher Geschwindigkeit sie das runter rattert und 6 |

sich dabei kaum in der Schnur verheddert. In meine Bewunderung mischt sich allerdings auch schnell wieder ein wenig Ungeduld, als sie mir die Dreierreihe bis über Hundert vorhupft. „Die Betonung des Rhythmischen hilft beim Verinnerlichen des Gelernten“, erläutert mir Catarinas Klassenlehrerin Elisabeth Platzer am nächsten Morgen, kurz vor Schulbeginn, warum die zweite Klasse die Rechenepoche diesmal schnurspringend bestreitet. „Es verbindet sich das Rechnen (der Malreihen) auf spielerische Weise mit der Bewegung und mit der Leiblichkeit  (dem physischen Leib); bei wiederholtem Springen können die Malreihen wieder ins Bewusstsein gelangen, wie die Melodie eines Walzers bei den dazugehörigen Tanzschritten“, ergänzt Elisabeth Platzer. Dazu komme aber noch ein Zweites: „Gleichzeitig entsteht durch das Schnurspringen eine gewisse Leichtigkeit. Das tut ihnen einfach gut, nachdem die Kinder zum ersten

Mal so richtig auf der Erde angekommen sind, dass sie sich auch kurz wieder einmal loslösen und abheben können“, erklärt Elisabeth Platzer weiter. „Und wenn sie jetzt springen, ist das auch schon etwas ganz anderes, als noch vor einem Jahr. Damals war das Springen noch so richtig ein Kraftakt – inzwischen hat es aber eine unglaubliche Leichtigkeit bekommen, fast als würden sie schweben.“ Zu Hause gibt es den Kraftakt hingegen immer noch. Jeden Abend. Wenn es höchste Zeit ist, in’s Bett zu gehen. Roman David-Freihsl MoMent  Februar/März 2011


Leonardo da Vinci Mobilitätsprojekt der Österreichischen Waldorfschulen LEONARDO-Projekt und Sozialpraktikum, 11. Klasse

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as Leonardo da Vinci Programm ist ein Teil des Bildungsprogrammes der EU und fördert berufsbildende Praktika im Ausland. Seit 2009 nimmt unsere Schule an dem Leonardo da Vinci Mobilitätsprojekt des Waldorfschulvereins Kärnten teil. Etwa 100 Oberstufen-SchülerInnen der Waldorfschulen Schönau, Graz, Linz, Innsbruck, Klagenfurt, Wien Pötzleinsdorf und Wien-Mauer absolvierten bzw. absolvieren ihr Sozialoder Wirtschaftspraktikum im Rahmen dieses Projektes (2009-2011) in verschiedenen EU-Ländern und erhalten einen finanziellen Zuschuss, der die Reisekosten abdeckt und zu den Unterhaltskosten beiträgt. Die SchülerInnen dokumentieren ihre Erfahrungen und nehmen an einem schulübergreifenden Evaluierungsworkshop teil. Beim Tag der offenen Tür an unserer Schule haben SchülerInnen der Waldorfschulen Linz, Graz, Pötzleinsdorf und Mauer ihre Praktika präsentiert und von ihren Erfahrungen im Ausland ( Irland, England, Schottland, Belgien, Frankreich, Italien, Schweden, Norwegen und Estland) berichtet. Die Jugendlichen haben hauptsächlich in sozialen Foto: Lukas Strigl

Februar/März 2011  MoMent

Einrichtungen gearbeitet und wir hörten von ihren interessanten, spannenden und berührenden Erlebnissen mit Erwachsenen und Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Es war eindeutig eine Bereicherung für die SchülerInnen mit diesen Menschen ein Stück ihres Lebenswegs zu gehen und eine sehr positive Erfahrung arbeitend-lernend tätig zu sein. Viele berichteten auch von der herzlichen Aufnahme in ihren Gastfamilien und ihren Erfahrungen mit anderen Kulturen. Die Zielsetzung dieses Projektes SchülerInnen sowohl Erfahrungen in der Arbeitswelt als auch interkulturelles Lernen anzubieten ist eindeutig gut gelungen! Elisabeth Mac Nulty

Seit Herbst 2009 absolvierten insgesamt 15 Schüler/innen der Maurer Schule ihr Sozialpraktikum in verschiedenen europäischen Ländern, im Rahmen des LEONARDO da VINCI-Programms der EU: Dieses Programm ermöglicht den Arbeitseinsatz von Jugendlichen im Ausland durch finanzielle Unterstützung und fördert einerseits den Kontakt zu unseren europäischen Nachbarn, andererseits die Selbständigkeit der Jugendlichen, die sich Reise und Arbeitsplatz zum Teil selbst organisieren. Manche erwerben dabei auch neue Fremdsprachenkenntnisse oder können ihr Englisch, Französisch oder Italienisch im Alltag anwenden. Das aktuelle LEONARDO-Projekt der österreichischen Waldorfschulen wird von Klagenfurt aus administriert und läuft im Mai 2011 aus. Insgesamt nahmen 100 Schüler aus 6 Waldorfschulen daran teil, eben wird ein neuer Projekt-Antrag für die nächsten zwei Jahre gestellt. Ein weiterer wichtiger Aspekt des LEONARDO-Programms ist die gründliche Evaluierung und so trafen sich am 21. und 22. 01. im Maurer Schlössl 21 Schüler/innen aus Wien und Linz, um sich über ihre Praktikums-Erfahrungen in Irland, England, Schottland, Belgien, Frankreich, Italien, Schweden, Norwegen und Estland auszutauschen und diese zusammen mit ihren Portfolios am Tag der offenen Tür vor Publikum zu präsentieren. Lesen Sie im Anschluss den Bericht einer Schülerin über das LEONARDO-Wochenende und Auszüge aus zwei Prak­tikumsb­erichten. Marlene Sadychow (Tutorin der 11. Klasse)

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DAS LEONARDO-TREFFEN Nachgedacht…

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m Freitag, dem 21.Jänner 2011 trafen sich fünf SchülerInnen aus der Waldorfschule in Linz, drei aus der in Pötzleinsdorf und dreizehn aus der Rudolf Steiner-Schule WienMauer im Maurer Schlössl. Sie alle hatten ihr Sozialpraktikum im Rahmen des LEONARDO-Projektes im Ausland absolviert. Während dieses bei den Linzern und Pötzleinsdorfern in der zwölften Klasse stattfand, stand es bei den Maurern schon in der elften Klasse am Programm. Man stellte sich vor und erzählte sich in der Runde, wo, wann und wie lange man sein Praktikum verbracht hatte. Das Spektrum reichte von Behindertenbetreuung über Kinder- bis Altenpflege. Ebenso verschieden waren die Orte, in denen die Jugendlichen gearbeitet hatten. Ziel des Wochenendes war es, in Kleingruppen eine Präsentation für den Samstag vorzubereiten, dabei die anderen und ihre Tätigkeiten kennen zu lernen und einen Einblick für die Öffentlichkeit zu schaffen. Freitags teilten wir uns erst einmal in Gruppen, nach Ländern und Institutionen, auf und verschwanden in unterschiedliche Räume. Dort besprachen wir, wie wir unsere Arbeiten am liebsten darbieten wollten, schrieben es auf und entschieden, was noch benötigt wurde. Nach getaner Arbeit fuhren wir Elftklässler mit den Linzern in die Stadt und setzten uns mit ihnen in ein Lokal in der Innenstadt, wo wir sie noch näher kennen lernten.

Pünktlich um 23 Uhr trafen wir wieder in der Schule ein, wo schon einige aus unserer Klasse mit Musik auf uns warteten. Die ganze elfte Klasse hatte sich dazu bereit erklärt mit den Gästen in der Schule im großen Festsaal zu übernachten. Wir breiteten die Turnmatten aus, auf denen wir später schliefen und hatten bis dahin noch eine Menge Spaß. Samstagmorgen, 8 Uhr: Frau Sadychow weckte alle aus dem Schlaf und müde Gestalten taumelten in der Schule zu den Waschbecken und in die Lehrerküche. Nach Kaffee und Frühstück sammelten sich alle, um den Tagesplan zu besprechen. Wir gingen wieder in unsere Gruppen und feilten an unseren Präsentationen, die wir um 13 Uhr beim Tag der offenen Tür vorführen sollten. Pünktlich zu eben dieser Zeit standen alle LEONARDO-Leute vor der Bühne des kleinen Festsaals mit Stellwänden und Tischen und berichteten von ihren Praktika. Hinter uns hing eine Europa-Karte, auf der alle Praktikums-Orte abgesteckt waren. Ich fand das Wochenende einen guten Abschluss für das gesamte Projekt. Außerdem war es interessant einmal Waldorfschüler aus anderen Teilen Österreichs kennen zu lernen und mit ihnen einfach in Kontakt zu kommen. Mir hat dieses Workshop-Wochenende sehr gut gefallen und ich habe es sehr genossen, von den Erlebnissen anderer berichtet zu bekommen. Fiona

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as Camphill habe ich mir eigentlich ganz anders vorgestellt. Ich hatte schon ein Bild davon, bevor ich es überhaupt gesehen hatte. In meinen Vorstellungen lag es in einem Tal, es war aber dann in echt auf einem Berg mit kilometerweiter Aussicht. Gegen meine Erwartungen habe ich mich sehr schnell in Solborg eingelebt. Anfangs war es etwas schwer, herauszufinden, wer Coworker, Hausmutter oder Villager war und wie alle zueinander standen. Ich habe von dem ersten Tag an versucht mitzuarbeiten und mir wurde alles gezeigt. Nach ein paar Tagen war ich auch mit dem Tagesablauf vertraut und konnte schon einiges alleine übernehmen. Ich habe eigentlich erwartet, dass ich nicht wirklich so viel Verantwortung oder Arbeit bekomme, da ich ja nur eine 16-jährige Praktikantin für sechs Wochen bin, aber diese Erwartung war falsch. Ich habe auch versucht überall mitzumachen, ohne Vorurteile an Dinge ranzugehen. Da ich das erste Wochenende in Oslo war, konnte ich mich schon ein bisschen in das Norwegische hinein hören, ohne es anwenden zu müssen. In Solborg verständigte ich mich anfangs mit Englisch, (auch mit de>>

Beschreibung eines Mitbewohners (Auszug):

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ch habe in einem Camphill (Lebensgemeinschaft für behinderte Menschen) in AltSchönow bei Berlin meine Praktikumszeit verbracht. Wir hatten die Aufgabe, einen der Bewohner zu beschreiben. Hier ein kleiner Auszug: Uwe war der erste Bewohner, der mich begrüßte. Bei der ersten Begegnung reichte mir Uwe „nur“ die Hand. An den folgenden Tagen hielt Uwe immer einen großen Respektabstand zu mir ein, was sich durch knappe Antworten auf Fragen meinerseits äußerte. Etwas später hatten wir als Begrü 8 |

ßung ein beidhändiges „Gimme 5!“. Unsere Konversationen wurden auch viel besser. Mit der Zeit durfte ich ihn Knuffbär nennen. Seine große Liebe ruft ihn nämlich immer so. Als das Praktikum sich dem Ende zuneigte, umarmte mich Uwe bei der Begrüßung, oder er sagte mit einem nicht in Worten beschreibbaren Lächeln, dass er mich SEHR gern habe. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, zeigte mir Uwe an einem meiner letzten Tage sein Zimmer – mit all seinen tollen Spielzeugautos, seinen Autozeitschriften, seinen Autoschlüsseln etc.

… Das Zimmer zeigt er nur Menschen, denen er voll vertraut Während meines Praktikums habe ich jeden Menschen so ins Herz geschlossen, dass ich bei der Verabschiedung einen leichten Nieselregen in meinen Augen hatte. Die wunderbaren Erfahrungen beim Praktikum kann mir jetzt niemand mehr nehmen. Ich habe die ganze Zeit dort genossen. Ich weiß, ich werde wiederkommen. Patrick

MoMent  Februar/März 2011


Nachgedacht… Nachgedacht…

Nachgedacht…

nen, die deutsch konnten, weil ich oder sie nie wussten, welche Sprache der andere kann…) doch bald immer mehr in Norwegisch. Im Norwegisch-Sprachkurs habe ich gemerkt, dass ich schon einiges konnte, weil ich vor meiner Abreise schon selber norwegisch gelernt habe. Ich konnte teilweise sogar schon besser reden als andere Co-worker, die schon einen Monat in Norwegen waren. Außer Norwegisch und Englisch konnte ich auch manchmal meine Russisch- und Spanischkenntnisse anwenden. Ich habe eigentlich gedacht, dass ich nur norwegisch dort sprechen werde und vielleicht noch ein bisschen englisch mit den Co-workern, jedoch konnten fast alle Villagers dort deutsch, die meisten Co-worker kamen nämlich aus Deutschland, außerdem auch aus Norwegen, Schottland, Russland, Polen, Spanien, England, den Niederlanden, Amerika, Südafrika. und die meisten aus Deutschland. Ich habe, wie ich es mir zuvor gewünscht habe, auch noch mehr gesehen als nur das Camphill. Ich bin froh darüber, denn nun hab ich ein größeres Bild von Norwegen. Schön war es vor allem einmal länger an einem Ort zu bleiben, einen ganzen Tag lang, wie auf dem Markt in Oslo, denn da hatte ich die Gelegenheit, auch mit Menschen in Kontakt zu kommen und den Ort wirklich

Nachgedacht…

Camphill Solborg

kennenzulernen. In Norwegen gibt es auch jede Menge Loppemarkets, eine Art Flohmarkt, bei dem man um wenig Geld einen ganzen Sack voller Sachen vollpacken kann. Ein lustiges Geschäft konnte ich auch sehen. Es war ein Laden in Bergen, in dem Sachen angekauft und wieder verkauft werden. In diesem Geschäft konnte man sich kaum fortbewegen, weil die Waren schon auf die engen Wege überquollen… Ich habe in Solborg wertvolle Erfahrungen gemacht, mit anderen Menschen und auch mit mir selbst. Ich habe gemerkt, wo meine Grenzen liegen und auch wie viel ich eigentlich schaffen kann. Ich habe viel dort gegeben und habe auch einiges zurück mit nach Hause genommen und werde hoffentlich auch bald wieder dorthin fahren können. Das Camphill liegt in der Nähe von Oslo, in Jevnaker. Solborg bedeutet Sonnenburg und es ist auf einem kleinen Berg, von dem man einen weiten Blick über die Wälder und Berge Norwegens hat, auch auf das Norefjell, wo man ziemlich bald schon eine Schneespitze erkennen konnte. Zu Solborg gehört ein großes Stück Wald, welches direkt hinter den Wohnhäusern beginnt. Es gibt viele Äcker, Gärten und Weiden und auch ein Glashaus und ein Gemüsekeller gehören dazu. Es gibt einen Bauernhof mit Kühen, Schafen und Hühnern, eine Bäckerei, eine Weberei und eine Holzwerkstatt. In Solborg gibt es sieben Wohnhäuser:

Møller, Bjørneboe, Parman, Moe (Asbjørnsen), Kittelsen, Pegasus und Sollund. Insgesamt leben hier 17 Villager (Betreute), aufgeteilt auf die verschiedenen Häuser. In Sollund wohnen keine Betreuten, es ist ein Haus für den Gärtner und seine Familie. Sonst gibt es noch einen Festsaal, Olavsalen. In jedem Haus gibt es Hauseltern/Hausmütter, die verantwortlich für das Haus sind. Einige haben auch Familie noch dazu. In jedem Haus wohnen oder arbeiten auch noch Co-worker, die meistens ein freiwilliges soziales Jahr machen oder Zivildienst machen. So werden die Aufgaben in dem Haus unter Hauseltern und Co-workern aufgeteilt, sodass jeder auch einmal Freizeit hat. Von jedem Villager wird auch erwartet, dass er seine Workshops besucht, denn jeder arbeitet hier etwas. In Solborg wird jede Gelegenheit genutzt, etwas selber herzustellen. Von den Kühen gibt es Fleisch, Milch und in weiterer Folge Joghurt und Käse. Die Schafe werden geschoren und die Wolle wird versponnen zu Wollfäden, mit denen dann gestrickt wird. Die Ernte von Feldern und Gärten wird an die Häuser versendet und auch verarbeitet in der Syltetoygruppe und der Bäckerei. Die Bäckerei bäckt den gesamten Brotbedarf des Dorfes. Teppiche werden gewebt, Hauben, Fäustlinge und Socken gestrickt. Jeder trägt hier etwas für die Allgemeinheit bei. Milena

Musikabend der 11.Klasse 14., 15. April 2011, Details und Beginnzeit im April/Mai MoMent

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Russland in Wien

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ir, die 11. Klasse, haben im Rahmen einer Exkursion im November die russische Botschaft besucht. Zunächst durften wir uns durch die russisch-orthodoxe Kirche führen lassen. Hier war ich das erste Mal in meinem Leben auf russischem Territorium. Die Führung fand ich recht interessant, nur leider war unser Führer, ein Priester, nicht so besonders. Er konnte uns zwar einiges erläutern, wusste auch auf jede Frage eine verständliche Antwort, was mich aber sehr an ihm störte war, dass er mit seinen Bemerkungen immer wieder durchklingen ließ, wie schlecht eigentlich die anderen christlichen Konfessionen doch seien. Umso mehr war ich verwundert, als er uns (wohlgemerkt aus Entfernung) den hinteren Teil des Altars zeigte. Dort verbargen sich zum Beispiel der Kelch und andere interessante Dinge… Nach dieser Führung waren wir wieder kurz in Österreich und machten eine kurze Rast. Dann war es endlich soweit, wir durften die Botschaft betreten. Direkt beim Eingang war ein Metalldetektor, der uns kontrollierte. Wir wurden durch die verschiedenen Räumlichkeiten geführt. An einem gut gelegenen Platz beim Treppenaufgang machten wir ein Gruppenfoto, um zu beweisen, dass wir tatsächlich drinnen waren. Ich war erstaunt, wie schön alles hergerichtet war. In einem der oberen Räume standen zwei große gedeckte Tische mit verschiedenen russischen Spezialitäten. Hier begrüßte uns der Botschafter: ein echter Russe, wie man ihn sich bei uns so vorstellt. Seine lustige, freundliche Art war ein echtes Highlight. Als er uns erzählte, dass es im nächsten Jahr mal wieder nötig sei, eine Generalsanierung durchzuführen, hatte ich dies zuerst als Witz angesehen, nachdem für mich praktisch alles in der Botschaft „perfekt“ gewirkt hatte. Nach einer kurzen Einführung in die kulinarischen Herrlichkeiten eröffnete 10 |

Die 11. Klasse zu Besuch an der russischen Botschaft und eine Woche lang an der Schule der russischen Botschaft in Wien:

der Botschafter das Büffet. Ich trank beispielsweise einen Schwarztee aus edelstem Porzellan und mit einem Silberlöffel. Einmal fiel mir mein Löffel versehentlich aus der Hand und ehe ich mich versah, hatte ich einen neuen in der Hand. Ich könnte mich glatt an so ein Service gewöhnen. Nachdem wir die Botschaft verlassen hatten, machten wir uns auf den Weg in Richtung russische Schule. Diese ist in der Nähe des SMZ-Ost. In diese Schule gehen vorwiegend Kinder von russischen Diplomaten, auf jeden Fall nur Kinder russischer Staatsbürger. Hier konnten wir, in Gruppen aufgeteilt, verschiedenen Unterrichtsstunden beiwohnen. Ich saß mit ein paar anderen KollegInnen in Geschichte. Nach dem Unterricht versammelten sich unsere elfte Klasse und deren elfte Klasse (das elfte Jahr in russischen Schulen ist das Matura-Jahr) im Musikraum. Hier sollten wir uns gegenseitig über unsere Schulen etwas fragen. Wir erfuhren z.B. dass diese Schule Deutsch nicht als Pflichtfach anbieten muss, weil die meisten Schüler nur zwei bis drei Jahre mit ihren Eltern in Wien bleiben. Dieses Gespräch mündete letzten Endes in einem Dialog zwischen unseren und deren Lehrern. Wir Schüler unterhielten uns nach dem Unterricht miteinander. Ein sehr positives Ergebnis dieser Gespräche war, dass zwei bis drei Schüler aus unserer Klasse im Dezember dort eine Art Praktikumswoche absolvieren durften. Abschließend sei gesagt, dass diese Exkursion sehr interessant war und mir sofort klar war, dass ich in der besagten Woche einer der Freiwilligen sein wollte. Patrick

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ie ich es mir erhofft hatte, kam es dann auch. Elias, Milena und ich durften eine Woche (vom 6. – 10. Dezember) die russische Schule besuchen. Angefangen hat mein „Abenteuer“ ziemlich chaotisch. Ich hatte verschlafen und wir kamen dann deswegen zum Einstand gleich einmal zu spät. Was vielleicht lustig klingt, aber tatsächlich so ist: Wenn ausländische (also österreichische) Schüler in die Schule kommen wollen, müssen diese immer einen erwachsenen Begleiter bei sich haben, der mit ihnen die Schule betritt und die ganze Zeit ihres Aufenthalts dort für sie verantwortlich ist. Wir nannten diese Erwachsenen Bodyguards. Elias und ich waren am Anfang einmal sehr überrascht, wie kurz eigentlich ein Schultag in dieser Schule ist. Eine Unterrichtsstunde dauert zwischen 40 und 45 Minuten und man hat nur eine Pause von maximal 10 Minuten zwischen den Einheiten. Das kommt daher, weil der Bus, der die Schüler hinbringt und abholt, nur zu bestimmten, ganz genau ausgemachten Zeiten fährt. Der Sportunterricht ist hier somit sehr kurz, leider. Denn Sport war und ist der einzige Ausgleich zu LERNEN, LERNEN und nochmals LERNEN: Musik – Fehlanzeige, andere künstlerische Fächer – genauso Fehlanzeige. Elias und mir war schon während der ersten Stunde klar, dass unser Ziel nicht lauten sollte, alles nach dieser Woche zu verstehen, sondern Kontakt zu den Schülern aufzubauen, freier reden zu können und nützliche Vokabel aufzuschnappen. Ich denke, das ist uns beiden relativ gut gelungen… Spaß gemacht haben mir persönlich die Englisch Stunden. Denn hier konnte ich praktisch alles mitmachen und verstehen. Kompliziert wurde es, als die Lehrerin englische Vokabel sowie englische Grammatik auf Russisch erklärte. Genauso leicht verständlich fand ich Geschichte, denn der Lehrer integrierte uns immer wieder. Sport war der reinste Genuss, denn ich meine, dass MoMent  Februar/März 2011


Teamsport alle sprachlichen Barrieren verschwinden lässt. Russisch als Fach war dafür sehr anstrengend. Das Fach, das man versucht als Fremdsprache zu lernen, auf muttersprachlichem Matura-Niveau beigebracht zu bekommen, war doch noch zwei Schuhnummern zu groß für uns. Die Lehrerin fragte uns einmal, ob es überhaupt Sinn für uns machen würde, dass WIR russisch lernten. Genau so schwierig waren für uns Algebra, Mathe und Physik. Zum Unterricht in der russischen Schule sei noch erwähnt, dass die Schüler viel disziplinierter als bei uns sind. Eine Unterrichtseinheit ähnelt eher einem Monolog des Lehrers als einem Unterricht, wie wir ihn gewohnt sind. Die Schüler notieren das Wichtigste, während der Lehrer berichtet. Wir fragten einmal den Geschichtslehrer, warum er so schnell in seinem Unterricht spreche. Er meinte darauf, weil er sonst seinen Stoff in der vorgegebenen Zeit nicht durchbringen könnte. Sehr amüsant… Die richtigen Highlights waren aber ein Dialog zwischen mehreren russischen Schulen weltweit über Webcam zu dem Thema Rechtsdruck in Russland. Genauso interessant waren die Aufführungen aller Klassen am letzten Tag, an welchem die Schüler Lieder und Sprüche auf Deutsch oder Englisch sangen. Genial fand ich das Laternenlied auf Deutsch, weil die Schüler (5.-Klässler) „Rabimmel - Rabammel - Rabumm“ mit so einem köstlichen rollenden „RRRR“ sangen, dass ich es einfach zum Schreien komisch fand. Es klang echt genial Ich denke, dass ich seit dieser Woche tatsächlich freier russisch spreche. Diese Woche war eine große Erfahrung für mich. Ich kann so etwas jedem wärmstens empfehlen, der sich für die russische Sprache interessiert. Patrick PS: Ganz herzlichen Dank an den Elternrat, insbesondere an Herrn Prüller, der den Kontakt zur Botschaft hergestellt und somit diese Exkursion und den anschließenden Schulbesuch ermöglicht hat. Wir hoffen, dass in Zukunft noch viele andere Schüler und Klassen ähnliche Erfahrungen machen dürfen! Marlene Sadychow Februar/März 2011  MoMent

Vortrag von C. O. Haupt:

„Der dreifache Mensch in uns – die Zahndiagnose als Therapiehilfe.“ So wie schon seit über einem Jahrzehnt wird uns auch 2011 Herr C. O. Haupt, Zahnarzt auf anthroposophischer Grundlage aus München, seine Erkenntnisse der Zahnentwicklung in einem Vortrag zukommen lassen. Sowohl Zahnfehlstellungen als auch Zahnspangenbehandlungen waren bereits Themen seiner Abendausführungen. Am darauffolgenden Tag haben Sie die Möglichkeit, Zahndiagnosen stellen zu lassen. Besonders hilfreich haben sich diese Diagnosen für Kinder im Zahnwechsel erwiesen. Die entsprechenden therapeutischen Maßnahmen kann der begleitende Erwachsene dann mit Herrn Haupt persönlich besprechen. Termine: Vortrag, Do 17. Februar 2011, 20:00, Kleiner Festsaal Zahndiagnosen,Freitag,18.Februar2011,tagsüber:hauptsächlichfürKinder der 2. Klasse (Details zur Anmeldung werden noch bekannt gegeben)

malerin keramikerin kunsttherapeutin lebens- und sozialberaterin 1230 wien, maurerlangegasse 52/1/1 platz@inode.at, www.beatemariaplatz.de

kurse und workshops frühjahr - sommer 2011 eine kaiserin werden .. künstlerische selbsterfahrung wer möchte das nicht? welche ‚zutaten‘ braucht es? eine kreative entdeckungsreise inspiriert durch anregungen aus dem chinesischen kulturkreis. arbeit in verschiedenen materialien. 12x dienstags ab 1. märz 17:30-20:00 - 150 € kinderatelier : malen und töpfern angeregt durch geschichten entstehen in jeder stunde bilder und gegenstände aus ton. die kinder steigen mühelos in einen schöpferischen strom ein und erleben staunend, was durch ihre hände entsteht. 12x donnerstags ab 3. märz 15-16 für kinder 6-8 j./16:15-17:15 für kinder 9-11 j. 100 € inkl. material und brand göttinnen in mir!? : künstlerische selbsterfahrung sieben zentrale göttinnen der antike repräsentieren sieben weibliche weisen zu leben und zu lieben, die über kreative prozesse entdeckt und in bezug zur eigenen persönlichkeit gestellt werden. fr 27. mai 17-21, sa 28. mai 9-19, so 29 mai 9-13 - 150 € achtung: kursort rudolf steiner landschule 2525 schönau, kirchengasse 22 was den händen alles einfällt : workshop ton ein paar anregungen und schon geht's los. der workshop gibt raum für eigene ideen und überraschungen. formen - brennen - glasieren. fr 11. märz 18-21, sa 12. märz 10-18 + ein abend glasieren nach vereinb. - 110 € aquarell expressiv : workshop aquarell selbst angerührte aquarellfarben mit pigmenten und gummi arabicum kombiniert mit tusche lassen ausdrucksstarke aquarelle entstehen (gegenständlich und abstrakt). fr. 8. april 18-21, sa 9. april 10-18 - 95 € durch die blume : workshop acryl blumenstillleben, großzügig und expressiv, lassen uns kräftig in die farbe greifen. wir feiern den frühling mit einem farbjubel auf der leinwand. fr 6. mai 18-21, sa 7. mai 10-18 - 95 € schnell, schnell ... mal ein aquarell! technik des schnellen und luftigen aquarells, das einen eindruck knapp und reduziert wiedergibt. vorbereitung für reise-aquarelle und gute übung zum erfassen des wesentlichen. fr 17. juni 18-21, sa 18. juni 10-18 - 95 € kunsttherapie für kinder, jugendliche und erwachsene in der kunsttherapie werden die im schöpferischen tun liegenden selbstheilungskräfte eingesetzt, um hilfe bei krankheiten, entwicklungsstörungen und lebensfragen zu geben. jede therapie wird thematisch und gestalterisch individuell entwickelt. termine und kosten nach vereinbarung. tel/fax/anrufbeantworter: 01/887 32 85 platz@inode.at, www.beatemariaplatz.de kursort für alle kurse (wenn nicht anders angegeben): 1230 wien, maurerlangegasse 52/1/1 aquarellkurse in griechenland: zakynthos 5. juli bis 9. august, www.sommerakademie.at aktuelle ausstellung: 'stein leicht', gls-bank frankfurt bis april 2011

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Eurythmische & Musikalisch

Die Dreigro

Stimmen aus d Natürlich kann man das, wenn man’s kann. Aber was muss man da alles können? Vor allen Dingen die Kraft haben und den Spaß und die Ernsthaftigkeit und die Ausstrahlung, um eine ganz schräge Sache voll gelingen zu lassen. Schräg ist schon die Musik von Weill, das dauernde Spiel mit Eingängigkeit und Brechung in schwierigen Fast-Einfachheiten. Schräg ist Brechts Text changierend zwischen Agitation, berührender Menschlichkeit und distanziertem Vorführen. Schräg ist die gefundene Mischung aus Eurythmie und Revue, groß der Bogen zwischen DenkenAnfangen-Sollen und das Herz spüren. Diese ganze Spannung haben diese unglaublichen jungen Leute in höchster Qualität gehalten. Danke allen, die das vorbereitet, begleitet, entwickelt, unterstützt haben. Das Glück über das Geglückte war bei den Schülern zu merken und bei uns zu fühlen. Und Brecht hätte es sicher gefallen – ja, natürlich kann man das so machen, wenn man’s kann! Jörg Schmiedbauer Ich durfte Freitagabend der eigenwillig-mutigen und sehr spritzig inszenierten Aufführung der Dreigroschenoper beiwohnen. Die Darsteller haben mit großer Aufmerksamkeit, erstaunlicher Selbstsicherheit und viel Humor die Anforderungen dieses nicht einfachen Stoffes gemeistert. Ein großes BRAVO! Gregor P. König Gratulation an das Lehrer- und Schülerteam der 12.Klasse! Sehr beeindruckt durfte ich gestern das Spiel der Dreigroschenoper verfolgen. Der Liedgesang, die Darstellung mit selbst choreographierter Eurythmie: einfach toll! Noch heute wirkt die Aufführung in mir nach. Die Jugendlichen waren ohne Ausnahme mit Intensität und Freude dabei – man darf stolz auf sie sein! Jutta Bulasikis

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MoMent  Februar/März 2011


he Aufführung der 12. Klasse

oschenoper

dem Publikum Die gestrige Aufführung der „Dreigroschenoper“ hat mich, wieder einmal, sehr beeindruckt. Wie viel ist aus jungen Erwachsenen „herauszuholen“, wenn sie entsprechend neugierig gemacht und herausgefordert werden! Der reichliche Applaus des Publikums war der Beweis, dass sich die Vorbereitungs- und Probenzeit gelohnt hat. Ich bin voller Bewunderung für die äußerst klare und deutliche Artikulation des gesamten Chores, denn ich konnte jedes Wort verstehen (und das ist bei Operntexten eher selten). Jeder der 20 Mitwirkenden hat sich voll eingebracht und hat entweder stimmlich oder eurythmisch sein oder ihr Bestes gegeben. Ich denke gerne an ähnliche Veranstaltungen wie die „Carmina Burana“ oder „Wilhelm Tell“ und bedaure fast, dass die Schulzeit meines Großneffen zu Ende geht. Allen Mitwirkenden dieser Aufführung gratuliere ich herzlich und wünsche ihnen eine musisch geprägte Zukunft, Ingrid Pape

Februar/März 2011  MoMent

Fotos: Karl Hruza

Die Dreigroschenoper? In Verbindung mit Eurythmie? Selbst gesungen? Selbst choreographiert? Ich konnte mir das kaum vorstellen. Umso erstaunter war ich dann über das Ergebnis dieses Projekts. In der Vorbereitung hat es die Jugendlichen wohl ordentlich gefordert, aber sie sind wieder einmal auf erstaunliche Weise über sich hinausgewachsen. Was für eine Entwicklung seit dem (schon beeindruckenden) Elft-Klass-Abend vor nicht ganz einem Jahr! Welch stimmliche Sicherheit! Welch selbstsicheres, präsentes Auftreten, sogar in inhaltlich heiklen Szenen! Die Eurythmie leistete dabei Erstaunliches – der Bruch zwischen Musik und Text wurde nicht aufgehoben, auch nicht verstärkt, sondern „geheilt“. So entstand eine Verbindung, die für mich die Wirkung der Aufführung vertiefte, und sie insgesamt berührender machte – bis zur Gänsehaut. Irene Bulasikis

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r t a e g n r s e e d i t n e i K M

it Spannung erwarten die Kinder den Besuch der zwei Zwerge Wurzelfein und Brommelbart. Viel geliebt sind die beiden, denn zu jeder Eurythmiestunde bringen sie in ihrer Schatzkiste eine neue Überraschung mit. Das Geheimnis darf nur mit den Händen erforscht werden, und es ist nicht so leicht, es für sich zu behalten, bis alle Kinder dran waren. Ob Stein, Wurzel oder Kuscheltier: Es ist immer wieder spannend, das Verborgene schlussendlich auch mit den Augen betrachten zu dürfen. Sind die Hände wach, so geht es weiter mit unserem Einzugslied. Die Hände bauen, wie soll´s auch anders sein, zuerst ein ganz kleines Zwergenhäuschen, dann ein größeres und schließlich eins für den Riesen. Mit den Füßen öffnen wir Vorder-, Hinter- und Kellertür. Im Keller rascheln viele kleine Mäuse, und wir schleichen uns leise hinunter. Die Fingermäuslein kribbeln und krabbeln auf Kopf, Schultern, Nase, Ohren, Bauch und Knie, bis sie sich schließlich ein Stück Käse schnappen und im Mauseloch verschwinden.

Wichtig ist mir bei diesen, sich immer widerholenden Anfangsritualen, dass die Kinder langsam ankommen, sich und ihren Körper spüren, bevor es dann weiter hinaus in den Raum und zur Eurythmie geht. Mit kleinen, in sich stimmigen Geschichten, begleite ich die Gruppen eurythmisch durch das Jahr. Spannend und lustig soll es dabei zugehen. Ich möchte es den Kindern ermöglichen, über sehr konkrete, sinnliche Bilder, Laute und Sprache zu erleben. So hat das Mieze-Muzekätzchen samtweiche Tätzchen, aber auch Krallen, mit denen es fest kratzen kann. Mit einem ‚ch‘ streicht es sich über die langen Schnurrhaare. Beglückend zu erleben, wenn die Kinder mit einem großen Wwww mit dem Hans Stoffelchen durchs Haus wirkeln und werkeln! Da sind die Laute ganz elementar im Raum spürbar. Über die vielen Jahre, die ich nun schon Eurythmie im Kindergarten unterrichte, ist es immer wieder befriedigend zu beobachten, wie sich im Laufe der Zeit so etwas wie ein Gruppenbewusstsein für Laute, Rhythmus und Sprache entwickelt.

Besonders freue ich mich über die Fragen einzelner Kinder schon zu Jahresbeginn: Wann machen wir die Geschichte mit den Pferdchen? Wann zupfen wir wieder den Riesen? Beate Droppelmann

Nachrichten aus der Pensionistenecke

„E

ndlich im Ruhestand!“, ist wohl ein verbreiteter Gedanke im entsprechenden Alter. Ich bin seit über sechs Jahren im Ruhestand, und ich kann sagen: Neben Annehmlichkeiten hat er auch seine Tücken. Eine der Herausforderungen ist, dass man seine Tage ziemlich durchgehend selbstbestimmt und sinnvoll zu gestalten hat. Das kann zu Sinnkrisen führen! Eine solche hatte ich mal wieder – da bot sich mir ein interessantes, aber zeitaufwendiges Projekt an. Nun – ich hab´s gewagt und mache nun dreimal pro Woche Aufgabenbetreuung bei einer 13-jährigen Schülerin (kostenlos!). Ihre Mutter, alleinerziehend und voll berufstätig, ist damit verständlicherweise überfordert. Seit einigen Monaten 14 |

sind Moni und ich nun regelmäßig an der Arbeit und schauen gemeinsam, was gerade aktuell für die Schule erforderlich ist. Es zeigt sich – zugleich mit viel Freude über unsere Treffen – auch schon ein gewisser Erfolg. Nun sind Sinnkrisen kein Thema mehr für mich, und das Hirntraining bekommt mir. Ich veranschlage schon mal zwei Jahre für dieses Projekt. Ich denke, es mag mehr PensionistInnen geben, für die ein solches Projekt lohnend wäre und sicher auch etliche SchülerInnen, die genauso eine Unterstützung brauchen würden. Von besorgten und bemühten aktiven LehrerInnen bekommt man gelegentlich zu hören, dass Bedarf nach solcher Unterstützung besteht.

Sollten Sie, liebe LeserInnen, Lust und Interesse an einem solchen Projekt haben, wenden Sie sich bitte an Frau Barbara Binder (Förderlehrerin an unserer Schule), Tel. 0676/ 5730071. Ich kann Ihnen eine solche Aufgabe nur wärmstens empfehlen! Angela Korab MoMent  Februar/März 2011


Ein

„FEST FÜR UNS“

Inspirationen der Illustrationen

soll auch heuer wieder stattfinden. Wir laden Groß und Klein ein, mit uns das Frühlingsfest im Mai zu feiern. Der genaue Termin wird in der nächsten Momentausgabe bekanntgegeben.

Schnee Inspiration. Der Herbst zeigt sich an. Wenn im illustren Park, Wenn im illustren Park, Wenn im illustren Park. Es fängt an zu funkeln. Weil er wieder geht, Im illustren Park der Schnee. Und es umfasst mich Und es umfasste mich Geborgenheit? Nein dürre und Trockenheit trotz des Schnees Der gefallen war und wieder ging. Der Herbst zeigt sich an. Überall Schnee Inspiration Der Illustration. Die Zeit ist ein Wort das vergeht.

Der Frühlingsfestkreis M. Eberharter, T. Monti, M. Miklau, I. Mayer, J. Hammer, D. Brandstetter, S. Genswein

Klassenspielankündigung!

Die 8. Klasse spielt

Matti Melchinger

Zu ebener Erde und erster Stock

oder Die Launen des Glücks nach J. Nestroy

2.4.2011

(Details folgen)

Aktuelle Termine & Veranstaltungen Elternabend 10.Kl Mi 16.2. 20:00

Kellertheaterwoche d. 10.Kl. beginnt ab Di 22.3. 19:30 (s.Box li)

Elternabend 1.Kl Fr 18.2. 20:00

Mitgliederversammlung & Allg. Elternabend Di 29.3. 18:30 bzw. 20:00

Elternrat & Klausur So 20.2. 16:00

Klassenspiel 8. Klasse Sa 2.4. (s.Box li)

Aufnahme-Gespräche f.d. kommende 1.Klasse beginnen Mo 21.2. 14:00

April/Mai MoMent Mi 6.4. (voraussichtlich)

Besuch d.Herrn Bundespräsidenten Fr 25.2. 10:00 Buchpräsentation „Wiener Dialoge“ Sa 26.2. 19:30 (s.S.23) Öffentl. Schulfeier Sa 5.3. 9:00 Ball der 8.Klasse Mo 7.3. 18:00 Mandatsgruppentreffen Sa 12.3. 9:00

„Im Keller wird wieder gespielt“ 22. und 23.März, 25. und 26.März jeweils um 19:30

Februar/März 2011  MoMent

Elternratstreffen So 13.3. 19:00

Elternabend 6.Kl Fr 8.4. 20:00 Elternratstreffen So 10.4. 19:00 Musikabend d. 11. Klasse Do, Fr 14., 15.4. (s.S.9) Osterferien Sa 16.4. bis So. 1.5. Gleichbleibende Termine montags: Arbeitsgruppe mit Dr Hitsch 19:30 - 21:00 siehe Einladung Seite 19

Redaktionsschluss April/MaiAusgabe MoMent Mi 15.3.

montags: Tanz-Abende I. Leitner 069919043893 kurtleitner@gmx.at

Elternabend 4.Kl Fr 18.3. 20:00

dienstags: Puppennährunde Endresstr. 113, 20:00

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Wegweiser für die Qualitäts-Wege Ein Tag zum Thema „Wege zur Qualität“: Eine Einführung in das aktuelle soziale Leben unserer Schule

S

eit Jahren schon wird an der Rudolf Steiner-Schule in Wien-Mauer an der Entwicklung sozialer Systeme in der Selbstverwaltung gearbeitet, gefeilt, ja um diese gerungen. Im vergangenen Schuljahr ist dann ein großer Schritt gelungen: Die erste Zertifizierung unserer Schule im Rahmen des Prozesses „Wege zur Qualität“ – ein konkretes Ergebnis daraus ist beispielsweise die im Herbst entwickelte neue Schulführung und die Etablierung eines neuen Konfliktkreises an unserer Schule. Dennoch war es lediglich ein erster Schritt, der da gesetzt wurde – denn weitere Audits werden folgen; ist es doch ein wesentliches Element dieses anthroposophisch orientierten Qualitätsmanagementes, dass es nicht zu einem singulären abschließenden Ergebnis führt – sondern vielmehr einen stets lebendigen, sich immer weiter entwickelnden Prozess einleiten will. Umso wichtiger ist es, ein Angebot zu schaffen, dass neu zur Schule dazu gestoßene Eltern und Lehrer die Prinzipien und Grundzüge dieses Prozesses kennenlernen und quasi quer einsteigen können. Genau das war das Ziel des „WzQ“-Tages, der am 15. Jänner im Maurer Schlössl angeboten wurde: Eine intensive, aber umso anregendere Vertiefung, die eine wichtige Basis unseres aktuellen Schullebens vermittelte.

Die Mitglieder der WzQ-Impulsgruppe stellten im Wechselspiel die Grundzüge der „Zwölf Felder“ vor. Zwölf Aspekte, vor deren Hintergrund jeder Prozess an der Schule betrachtet und entwickelt werden kann. Die nackten Überschriften dieser zwölf Felder lauten: Aufgabenstellung, Eigenverantwortung, Können, Freiheit, Vertrauen, Schutz, finanzieller Ausgleich, Verantwortung aus Erkenntnis, Individuelle Entwicklung, gegenwartsgemäßes Handeln, Individualität und Gemeinschaft sowie Gemeinschaft als Schicksal. Zwölf Felder, die im WzQ-System einen Kreis bilden – und die jeweils mit ihrem Gegenüber korrespondieren. Diese zwölf Themen wurden nicht nur vorgestellt, sondern dann auch in Kleingruppen bearbeitet. Zu jedem Thema waren Fragen vorbereitet – die stichwortartigen Antworten aus den Kleingruppen können nun in den weiteren Prozess der Qualitätsentwicklung einfließen.

Ergänzend dazu wurde noch ein wichtiges Element der WzQ-Arbeit vorgestellt und bearbeitet – die „Dynamische Delegation“: Wie können Probleme oder Aufgaben in einem sozialen Organismus bearbeitet und an Einzelne delegiert werden – und später die Ergebnisse von der Allgemeinheit wieder mitgetragen werden. Der eurythmische Auftakt zu den Arbeitsblöcken am Vormittag und am Nachmittag durch Angelus Huber war nicht nur eine Einstimmung, sondern vielmehr eine Vertiefung in das Thema. Fazit vieler Teilnehmer des WzQ-Tages – unter ihnen auch ein guter Anteil aus der Elternschaft: Dieses Angebot sollte keinesfalls ein singuläres Ereignis gewesen sein. Roman David-Freihsl

Einladung zum

Allgemeinen Elternabend und zur

Mitgliederversammlung des R. Steiner-Schulvereins 29. März 2011 Mitgliederversammlung 18:30 Allgemeiner Elternabend 20:00 dazwischen Buffet R. Steiner-Schule Wien-Mauer Endresstr. 100, 1230 Wien kl. Festsaal

Foto: Irene Bulasikis

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MoMent  Februar/März 2011


Einladung zum Allgemeinen Elternabend zur Finanzlage der Schule Zur finanziellen Situation der Schule:

Jörg Schmiedbauer im Gespräch mit Engelbert Sperl

J.S: Engelbert, du bist Vorstandsvorsitzender des Rudolf Steiner Schulvereins Wien Mauer. Dieser Verein ist Träger unserer Schule, mit besonderer Verantwortung für alle Rechtsfragen und die wirtschaftliche Absicherung des Schulbetriebes. Es gibt dringenden Handlungsbedarf bezüglich der finanziellen Gewährleistung des Schulbetriebes in diesem Jahr. Es gilt, ernste finanzielle Probleme zu lösen. Was ist geplant? E.S: Das Hauptziel unseres Schulvereins ist das Ermöglichen guten Unterrichts. Dazu gehört auch, für die nötigen Räumlichkeiten zu sorgen. Außerdem gilt es, Mittel für die Weiterentwicklung unserer Schule bereitzustellen, denn uns erwartet eine Zukunft voll neuer Aufgaben und Ansprüche. Wir laden daher die gesamte Elternschaft zu einem Allgemeinen Elternabend ein. Wir brauchen eine wache und klare Schulgemeinschaft. Diese braucht wiederum Informationen, damit wir zu Maßnahmen gelangen können, die von allen getragen sind. J.S: Was sind die Grundprobleme? E.S: Wir stehen vor drei schwierigen Aufgaben. Einerseits ist jetzt eine Finanzierungslücke für dieses Schuljahr zu schließen. Die staatlichen Subventionen wurden nicht wie angekündigt erhöht. Wir haben daher im laufenden Schulbetrieb dieses Schuljahres ein Defizit. Dieses Defizit muss bereinigt werden, und der Schulbetrieb muss mittelfristig finanziell abgesichert sein. Die zweite Aufgabe ist die Generalsanierung des Hauptgebäudes. Die dritte Herausforderung ist jene, der Schule längerfristige räumliche Entwicklungsmöglichkeiten zu eröfnnen. Wir denken dabei in Richtung Neubau auf dem Grundstück von 113. Das reicht weit über jene Sanierungsmaßnahmen hinaus, die aktuell notwendig sind. Das Wesentliche ist allerdings zunächst, den laufenden Schulbetrieb so finanzieren, dass Schule in einer Qualität möglich bleibt, wie wir sie schätzen. J.S: Du hast die zu erwartenden Subventionen angesprochen. Das „Versprechen“, dass uns die Republik Österreich nach und Februar/März 2011  MoMent

nach immer größere Teile der Kosten für einen Schulplatz ersetzen wird, ist nicht eingehalten worden. Wir stehen vielmehr vor dem mittelfristen Einfrieren der Subventionen auf derzeitiger Höhe. E.S: Es gibt ja auch eine Subvention der Gemeinde Wien, allerdings immer schon ein kleiner Betrag. Doch auch dieser wurde geringer. Aber im Wesentlichen geht es um die Subvention von Seiten des Bundes. Die Kosten für eine/n SchülerIn im öffentlichen Schulsystem werden auf über 6.000 Euro jährlich geschätzt. Uns war versichert worden, dass die Subventionen von jetzt knapp 1000 Euro pro Schüler auf zumindest 2000 Euro erhöht und dann langsam weiter steigen würden, bis etwa zwei Drittel der geschätzten Pro Kopf-Kosten des öffentlichen Schulsystems. Schon die erste Erhöhung ist nun nicht realisiert worden. Es sieht eher danach aus, dass auch die nächsten zwei bis drei Jahre keine Erhöhung bringen werden. Wir sind also wieder darauf angewiesen, die finanzielle Situation innerhalb unserer Schulgemeinschaft zu klären. Wir, Eltern und Lehrer, müssen also nun dringend gemeinsame Sanierungsschritte machen. J.S: Wieso decken sich Ausgaben und Einnahmen nicht mehr? E.S: Die Personalkosten machen rund 80 Prozent unseres Schulbudgets aus. Das sind die Kosten für den Unterricht, ein kaum beeinflussbarer Betrag. Gemäß dem Kollektivvertrag haben wir moderat steigende Gehälter, selbst diese Steigerung ist aber größer als die fast nicht steigenden Elternbeiträge. Hier öffnete sich mehr und mehr eine bedenkliche Schere. Die Differenz war erst noch ausfinanzierbar, doch in diesem Schuljahr werden wir 60.000 bis 70.000 Euro Defizit haben. Natürlich müssen wir – und das ist hoffentlich ein von allen mitgetragenes Anliegen – den Unterricht in seinem Umfang und seiner Qualität im Wesentlichen erhalten. In der Lehrerschaft haben wir außerdem einen Generationswechsel zu verkraften, der ebenfalls finanzielle Konsequenzen hat, wie etwa bei Abfertigungen oder der Verteilung der Deputate. Wir möchten uns daher mit der Eltern-

schaft besprechen, wie gemeinsame Lösungsvorschläge aussehen könnten. J.S: Dazu soll es also am Dienstag, den 29. März 2011, 20 Uhr, einen Allgemeinen Elternabend mit dem Titel „Die finanzielle Situation der Schule – Information und mögliche Maßnahmen“ geben. E.S: Dieses Thema betrifft natürlich alle, die unsere Schule generell haben wollen. Wir möchten so viele Menschen wie möglich ansprechen. Es soll nicht nur ein Weckruf sein. Wir wollen zwar nachdrücklich über unsere finanzielle Lage sprechen, aber es sollte uns auch wieder gelingen, aktive Menschen als Gegenüber für Bund und Gemeinde Wien zu gewinnen. Die Schule hatte früher Gesprächsmöglichkeiten mit Politikern, die sich aus glücklichen persönlichen Konstellationen ergaben. Das fehlt uns momentan. Wir brauchen Lobbyarbeit und Netzwerke, um Ähnliches wieder aufzubauen. Wir sind überzeugt, dass uns viele Eltern, die in den unterschiedlichsten Berufen aktiv sind, helfen könnten, wieder so ein Netz zu knüpfen. Auch das ist ein Anliegen dieses Elternabends. Das geht nicht nur in Richtung Politik, sondern auch in Richtung „Neues Mäzenatentum“. Die Schule hatte immer wieder Mäzene, die Teile ihres Vermögens zur Verfügung stellten. Diesen großbürgerlichen Hintergrund gibt es kaum noch. Wir müssen daher Türen zu einem Netzwerk neuer Formen des Mäzenatentums finden, insbesondere Kontakte zu Stiftungen. Wir haben ja nicht nur das diesjährige Defizit auszugleichen. Die Sanierung des Hauptgebäudes oder gar die Entwicklung von 113 ergibt einen Finanzierungsbedarf, der über die Schulbeiträge der Eltern weit hinausreicht. Dennoch ist die mittelfristige Umsetzung dieser Vorhaben notwendig. Dazu brauchen wir Unterstützung beim Aufbau von Kontakten. Bis jetzt konnte unsere Schule immer wieder bedrängende Situationen aus der Kraft der Gemeinschaft meistern, allen zweiflerischen Prognosen zum Trotz. Dieser Elternabend ist sehr wichtig, um diese Herzkraft wieder anzuwärmen. J.S: Danke für diese warmherzige Einladung zu unserem Allgemeinen Elternabend!

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Gespräch 1

Zur Person Karl Hruza:

„Man kann (fast) alles und in jedem Alter lernen“ C.S.: Christa Salcher – K.H.: Karl Hruza C.S.: Karli Hruza, du bist ja an unserer Schule ein nicht oder kaum wegzudenkender Mensch. Ich sage jetzt einmal, was ich weiß: Du unterrichtest Physik und Informatik an der Oberstufe, leitest seit vielen Jahren das alljährliche Feldmesspraktikum der zehnten Klasse, bist unentbehrlich für technische Belange bei schulischen Veranstaltungen, finalisierst jede MOMENT-Ausgabe durch das Layout, hast den Überblick und die Aufsicht über bauliche Arbeiten bzw. Renovierungen an den Schulgebäuden. Habe ich etwas vergessen? K.H.: Ja, beim Unterrichten, da kommt noch ein bisschen etwas dazu: Tischlern in der neunten Klasse, Kupfertreiben in der Zehnten, Geometrie in der Neunten, Zehnten und manchmal in der Elften, früher auch in der Zwölften. Und beim Forstpraktikum (ebenfalls zehnte Klasse) bin ich immer wieder „Beiwagerl“ gewesen, zumindest mit Gottfried Pühringer. Als doch noch einiges… Nicht zu vergessen die Tutorenschaft, gemeinsam mit Maria Leutzendorff in der jetzigen neunten Klasse. C.S.: Das ist nicht die erste – wie oft warst du schon Tutor? K.H.: Das ist jetzt das dritte Mal. C.S.: Der Katalog war nicht ganz vollständig… Das ist ja wirklich ein riesiges Spektrum, das du abdeckst. K.H.: Das ist im Laufe der Jahre entstanden. C.S.: Entspricht dieses breite Spektrum deiner Person, deinen vielfältigen Begabungen und Fähigkeiten? K.H.: Es hängt wahrscheinlich mit meiner schulischen Ausbildung und beruflichen Erfahrung zusammen. Ich habe ja die HTLMödling (Höhere Technische Lehranstalt) besucht, Fachrichtung Elektrotechnik, und war dann viele Jahre, bis 1982 in der Privatwirtschaft tätig. Da war meine Tätigkeit beim Bau von der Uno-City bis zum ORFZentrum und auf anderen Großbaustellen die Kabelfernsehanlagen einzubauen, als Bauleiter mit Subfirmen. Daher ergibt sich 18 |

die Schiene zum Bau, die du aufgezeigt hast. Die anderen Bereiche, zum Beispiel Geometrie, waren bei uns an der HTL ganz selbstverständliche Schwerpunkte. Dieses Fach habe ich sehr geliebt. Elektrotechnik, weil ich eben aus dieser Sparte komme. Was das Handwerkliche betrifft, dieser Bereich hat mich immer interessiert. Das Tischlern habe ich mir selbst angeeignet – bin da aber auch erblich belastet, alle Vorfahren waren Tischler oder in der Holzbranche tätig, in meiner Generation auch ein Cousin. Da fällt mir noch ein Tätigkeitsbereich ein, den wir noch nicht erwähnt haben: Die Erarbeitung des Stundenplanes. Da gibt es immer wieder neue konzeptionelle Überlegungen, beispielsweise das Zweitepochensystem. Da beschäftigen mich dann Fragen wie: Was bedeutet diese oder jene Veränderung, welche Konsequenzen ergeben sich daraus? C.S.: Hast du schon jemals deine wöchentliche Arbeitsstundenanzahl zusammengerechnet? Ist das überhaupt möglich? K.H.: Das kann man gar nicht, das bringt auch nichts… Manchmal kommt schon Ärger auf, nicht über die Tatsache des Arbeitseinsatzes an sich, sondern, wenn vom Gegenüber, den Kollegen, manchmal mit einem „Drüberfahren“ alle Überlegungen mit einem Strich weggewischt werden, sie da nicht bedenken, was die Vorarbeit bedeutet. Das heißt, es wird nicht bedacht, was steckt da an Überlegung, an gedanklicher Arbeit dahinter, sondern es wird nur das äußere Ergebnis gesehen. Das schmerzt dann. C.S.: Glaubst du, dass, wenn man so engagiert ist wie du, dies von vielen Menschen als eine Selbstverständlichkeit gesehen und nicht genügend wertgeschätzt wird?

Zusammenstellung aller Tätigkeiten gemacht, deren Umfang etc. Es obliegt ja nicht mir, einen Nachfolger zu bestimmen, das ist Aufgabe des Schulleitungskreises. Aber ich möchte alle Bereiche systematisch übergeben und will daher rechtzeitig damit beginnen. C.S.: Du beginnst also langsam, Aufgaben abzugeben? K.H.: Ab kommendem Schuljahr werde ich manches abgeben oder zumindest jemanden einschulen. Bei manchen Dingen wird es wahrscheinlich heißen, lassen wir das, das ist nicht mehr leistbar. Jedenfalls denke ich, dass dieses langsame Übergeben besser ist als ein abrupter Abbruch. C.S.: Du baust also schon ein bisschen vor, dass du irgendwann in Pension gehst, das könnte zum Beispiel am Ende der Tutorenschaft sein? K.H.: Das wäre theoretisch genau der Zeitpunkt, an dem ich in Pension gehen könnte. Es wird allerdings sicher nicht so sein, dass ich von einem Tag auf den anderen gar nicht mehr da sein werde. Das Bauliche beispielsweise, wird mir sicher bleiben. Ich bin ja im Bauausschuss. Falls auf 113 bauliche Änderungen entstehen sollten, wird das noch einige Jahre dauern. C.S.: Kannst du dir gut vorstellen, weniger zu tun? Ist es für dich ein schönes Zukunftsszenario, weiter tätig zu sein, aber nicht mehr rund um die Uhr eingesetzt zu sein?

C.S.: Es wird spannend werden, wenn du es eines Tages nicht mehr machst… Und dieser Tag wird unweigerlich kommen.

K.H.: Das Gefühl, weiter gebraucht und gewollt zu werden, ist sicher etwas Schönes. Um die Zeiten, die ich jetzt immer wieder erlebe, wo alles binnen kürzester Zeit kulminiert – bis zu 27 Stunden vor den SchülerInnen und dazu befristete Termine, wie zum Beispiel den „Tag der offenen Tür“ vor der Tür – und du weißt genau, was das bedeutet, die Übersichtsplakate, Wegweiser etc. – darum wird es mir nicht leid tun!

K.H.: Ich habe gerade die letzten Tage eine

C.S.: Gibt es Wünsche in deinem Leben,

K.H.: Ja, doch, ein Beispiel für diese Selbstverständlichkeit ist der von mir erstellte Jahreskalender. Da wird dann gefragt: Wo ist er denn, der Kalender? Nicht, könntest du bitte einen erstellen?

MoMent  Februar/März 2011


MoMent–LehrerInnenimGespräch

Schule tätig? Wie bist du auf die Waldorfbewegung aufmerksam geworden?

die bis jetzt zu kurz gekommen sind, die du dir dann, wenn du nicht mehr rund um die Uhr an der Schule sein wirst, erfüllen willst?

K.H.: Unsere drei ältesten Buben, altersmäßig jeweils nur ein Jahr auseinander, sind quasi im Pulk in den Kindergarten in der Marktgemeindegasse gegangen. Ich war in dieser Zeit berufsbedingt, viel unterwegs, die ganze Woche auf Montage, nur am Wochenende daheim in Wien. Wir waren mit der Situation sehr unzufrieden. Ausschlaggebend für eine Veränderung war dann ein Heiliger Abend: Ich im tiefsten Burgenland, und Renate alleine mit den Kindern in Wien. Da war mir dann klar, so geht es nicht weiter, das ist ungesund. Dazu kam noch, dass ich, der zu Hause nicht einmal einen Fernseher hatte, genau deswegen keine Zeit für meine Familie hatte, weil ich am 24. Dezember für irgendjemanden deutsche Fernsehprogramme durchschaltete! – irgendwie absurd.

K.H.: Sicher mehr Bewegung. Das kommt derzeit zu kurz. Und auf jeden Fall viel reisen. Es gibt da einige Ziele, die gar nicht so weit weg sind: Das ganze Baltikum reizt mich zum Beispiel. Generell eher der Norden.

Da habe ich mich entschlossen, das berufsbegleitende Seminar, damals die einzige Möglichkeit eine Ausbildung zum Waldorflehrer in Wien, zu machen. Auch diese Situation war schwierig, neben dem Beruf dienstagabends und am Wochenende im Seminar.

C.S.: Also Bewegung im Kleinen und im Großen.

C.S.: Wie lange hat das gedauert?

Foto: Lothar Trierenberg

K.H.: Genau. Das schwebt uns beiden, mir und meiner Frau Renate vor. Renate, die ja seit diesem Schuljahr im Hort tätig ist, wird vermutlich genau zur selben Zeit wie ich in Pension gehen. C.S.: Da könnt Ihr dann gemeinsam ins Baltikum reisen. K.H.: Und die Kinder öfters besuchen, die teilweise im Ausland, der Älteste in Schweden und der Zweitälteste in Italien, leben. C.S.: Und die anderen Kinder, Ihr habt ja insgesamt fünf, wo leben die? K.H.: Die Jüngste – Kerstin – studiert in Innsbruck, Dominik lebt in Wien, und Julian auch, ist allerdings derzeit für drei Monate in Indonesien. C.S.: Zurück zu den Waldorfanfängen. Seit 1982, hast du gesagt, bist du an der Februar/März 2011  MoMent

K.H.: Zweieinhalb Jahre. Dann hat sich ergeben, dass in der Schule der Posten des Schulwarts frei wurde. So war mein Start an der Schule die Aufgabe des Hausmeisters. Und das blieb ich einige Jahre. Allerdings fuhr ich sehr bald das erste Mal auf das Vermessungspraktikum mit. Ich hatte keine Ahnung von der Materie, musste mir alles erst aneignen. Ich bin der Ansicht, dass man mit einem gewissen Grundwissen alles erlernen kann, in jedem Alter. Das ist für mich eine Sache des Hausverstandes, wenn man von höherer Mathematik einmal absieht.

jetzt zum Teil leiden. Das Dach verrottet zum Beispiel, wir haben immer wieder Wasser in den Räumen. Kurz am Rande: Ich habe eine besondere Beziehung zu diesem Haus – ich bin hier schon in die öffentliche Volksschule gegangen. Unsere Frau Direktor hat im jetzigen kleinen Festsaal gethront, da stand ihr barocker Schreibtisch vorm Kamin. Einmal musste ich zu ihr gehen, aus welchem Anlass weiß ich nicht mehr. C.S.: Wie bist du zu Waldorf überhaupt gekommen? K.H.: Via Tobias Richter. Der kam als Lehrer immer wegen Schwierigkeiten mit einem pubertären Mädchens ins Hotel meines Schwiegervaters in Mauer, wo die Familie wohnte und auch meine Frau und ich vorübergehend wohnten. Wir wussten nur, das Mädchen geht in irgendeine Schule in Mauer… Der Lehrer war sehr engagiert, das ist uns als ungewöhnlich aufgefallen, kam immer wieder und eines Tages saß er bei uns in der Küche und, ja,… Das war Tobias Richter und unsere erste Begegnung mit Waldorf. C.S.: Das ist eine lustige Geschichte. K.H.: Ja, das war der Einstieg. C.S.: Dann können wir im Gespräch jetzt zu einem Ende kommen. Ich danke dir.

C.S.: Von den Aufgaben aus der Hausmeisterzeit, sind dir da einige geblieben? K.H.: Sicher der Bereich des Baulichen. Ich bin ja damals gerade in die Endphase des Ausbaus des Oberstufentraktes geraten. Da sind damals aus Kostenspargründen Bausünden entstanden, an deren Folgen wir

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Gespräch 2

Gemeinsamkeiten und Unterschiede – zum Ergebnis des

Christa Salcher im Gespräch mit Karl Hruza C.S.: Wie kam es zum Lehrplanvergleich? Im vergangenen Jahr wurden die Lehrpläne des öffentlichen Schulsystems mit jenem der Waldorfschulen auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede angesehen? K. H.: 1992 gab es den letzten Lehrplanvergleich, und zwar Waldorfschule-AHS, wobei damals wie jetzt der Lehrplan des musischpädagogischen Zweiges herangezogen wurde. Der Vergleich bezieht sich immer auf die Unterrichtsinhalte und das Stundenausmaß. Ein Anlass für die jetzige Erneuerung war, dass von öffentlicher Seite der Lehrplan alle fünf bis zehn Jahre überarbeitet wird. Der letzte Stand bezieht sich hier auf 2008, als die neuen EU-Richtlinien berücksichtigt wurden. Wesentlicher Inhalt dieser Erneuerung: Die Ausrichtung des Lehrplanes solle eher in Richtung Kompetenzen statt auf reine Wissensvermittlung zielen. C.S.: Wie werden im herkömmlichen Bildungssystem Kompetenzen überprüft? K. H.: Das ist ein eigenes, schwieriges Kapitel. Tatsache ist, dass der Lehrplaninhalt jetzt so ausgelegt ist. Als Grundgerüst für unseren Waldorflehrplan lagen uns drei bestehende Lehrpläne aus Deutschland, Norwegen und Dänemark vor, die bereits nach den EU-Richtlinien der Kompetenzsicht erarbeitet worden waren. Die Auflage des Ministeriums war nun, den alten Lehrplanvergleich, der ja als Grundlage für die Externistenmatura dient, bis spätestens Mai 2010 zu erneuern. Wir hätten auch unseren alten Lehrplan mit den neuen AHSLehrplänen vergleichen können, was sich aber rasch als wenig sinnvoll herausgestellt hatte. Es hatte sich nämlich über die Jahre doch viel an unseren Schulen verändert. Neues wurde eingeführt, was damals noch nicht berücksichtigt werden konnte, z.B. der Fachbereich Psychologie/Philosophie. In Bezug auf das Öffentlichkeitsrecht unserer Schulen war es also an der Zeit, Praxis und Grundlage wieder einmal zusammenzuführen. Der neue deutsche Waldorflehrplan erwies sich zudem als fundierte Auseinandersetzung zwischen dem Kompetenzansatz europäischer Lehrpläne und dem der Wal 20 |

dorfpädagogik zugrunde liegendem Entwicklungsgedanken. Es wurde deutlich, dass wir auf dieser Grundlage mit dem neuen österreichischen Waldorflehrplan einen sehr modern konzipierten Lehrplan vorlegen können, der die Kernanliegen der Waldorfpädagogik (und damit die des alten Lehrplans aus dem Jahr 1992) aus einer anderen Perspektive betrachten würde. C.S.: Der Lehrplanvergleich hatte also zwei Ziele – einerseits das Öffentlichkeitsrecht zu sichern und andererseits die Anerkennung des Waldorfabschlusses in den einzelnen Fächern? K. H.: Das Öffentlichkeitsrecht abzusichern war natürlich das Hauptziel! Schon beim ersten Lehrplanvergleich 1992 war die Devise: Wir schreiben auf, was wir machen. Damals diente als Basis der Unterricht an der Maurer Schule, ergänzt durch Zusätze aus anderen österreichischen Waldorfschulen. Diesmal wurden die Unterrichtsinhalte pro Jahrgang und pro Fach ALLER österreichischen Waldorfschulen einbezogen. Und wir sahen uns an, wie wir diese Inhalte auf die geforderten Kriterien der Kompetenzebene übertragen können. Organisatorisch gesehen wurden die einzelnen Papiere unterschiedlich erarbeitet – zum Teil waren es eine einzelne Personen, zum Teil fand die Arbeit in Gruppen statt. Im Waldorfbund wurden wir uns einig, für den Vorspann, in dem alle menschenkundlichen Aspekte berücksichtigt werden, den sogenannten horizontalen, deutschen Lehrplan, der etwa 140 Seiten umfasst, aus dem Jahr 2009 als Grundlage zu verwenden. Österreichische Spezifika wurden ergänzt. Im Sommer 2009 arbeiteten viele Lehrer an diesem Papier. C.S.: War das Öffentlichkeitsrecht eigentlich schon vor dem ersten offiziellen Lehrplanvergleich 1992 gegeben? K. H.: Ja, bis 1992 hieß es im Statut allerdings: „mit ausländischem Lehrplan“. Öffentlichkeitsrecht bedeutet ja volle Anerkennung, also dass keine jährlichen Prüfungen von öffentlicher Seite abgenommen werden mussten. Damals wurde auf die Matura gar nicht eingegangen, da handelte es sich um

einen reinen Waldorflehrplan. C.S.: Deine Aufgabe beim aktuellen Papier war jene der Koordination? K. H.: Es war mühsam, die einlangenden Daten von acht Schulen zu sichten (in der ersten Erhebungsrunde wurden nur die Schulen eingeladen, die eine vollständige Oberstufe führen). Es ging, wie gesagt, sowohl um Zahlen, die die Unterrichtstunden betreffende, aber auch um Inhaltliches. Meine Hauptaufgabe war, eine ordnende Struktur in Form von Tabellen für die Bearbeitung zu erstellen. Bei einzelnen Fächern habe ich auch im inhaltlichen Bereich mitgearbeitet. C.S.: Gab es von ministerieller Seite ein persönliches Gegenüber? K. H.: Auf Waldorfseite gab es drei Koordinatoren: Angelika Lütkenhorst vom Waldorfbund und aus Schönau, Frank Rothe aus Salzburg und ich. Im Ministerium war unser Gegenüber die äußerst zuvorkommende und kooperationswillige Mag. Kasparovsky. Diese Zusammenarbeit fand in einem sehr positiven Arbeitsklima statt. Der Wille von öffentlicher Seite war, diese Angelegenheit klar zu regeln. Also nicht: „Ihr müsst das tun!“, sondern „ Wir sind daran interessiert!“ Der Rechtsexperte, Dr. Rumpler, war ebenso kooperativ. Seine Unterschrift macht den Erlass rechtskräftig. Der Schriftverkehr umfasste hunderte Mails mit Fragen, Gegenfragen – unvorstellbar! C.S.: Wie sieht dieses Papier nun aus? K. H.: Der ganze Lehrplan wurde in drei unterschiedlichen Schriftbildern abgefasst, sodass auf einen Blick erkennbar ist, was aus dem deutschen Waldorflehrplan stammt, was aus österreichischer Sicht ergänzt wurde und was aus dem öffentlichen Lehrplan hineingenommen wurde. Was ein Problem darstellte, war, dass wir davon ausgegangen waren, dass nur die 9. bis 12.Schulstufe in diesem Vergleich erfasst werden müsste. Auf einMoMent  Februar/März 2011


Lehrplanvergleichs zwischen Öffentlichem Schulsystem und Waldorfschule mal hieß es – alle Schulstufen! Das erhöhte den schon früher erwähnten Zeitdruck um ein Vielfaches. In manchen Schulen wurde das Thema sehr ernst genommen. C.S.: Wie siehst du persönlich diesen offiziellen Vergleich: Ist er nur eine gesetzliche Formalität oder bedeutet er mehr aus Waldorfschulsicht? K. H.: Nachdem wir das niedergeschrieben haben, was wir wollten, im Einklang mit unseren Überzeugungen und den Fakten, ist es eigentlich ein Status-quo-Bericht. Damit ist der Vorteil gegeben, dass der Status-quo anerkannt wird. Wir standen nie unter irgendeinem inhaltlichen Druck, wurden voll akzeptiert. Dort, wo es noch Differenzen von Seiten der Lehrinhalte gab, wurde das einfach sachlich festgestellt und so gelassen. C.S.: Also eine selbstbewusste Positionierung von Waldorfseite? K. H.: Ja, wir sind in unserer Individualität voll anerkannt. Mag. Kasparovsky fand bei den Sitzungen immer wieder anerkennende Worte für unsere pädagogischen Ansätze, meinte auch, in einigen Bereichen hätte die öffentliche Seite Impulse von uns übernommen. Die ganze Zeit herrschte das Gefühl, wir sind tatsächlich Partner.

C.S.: Da hat sich ja viel getan! K. H.: Ja, es hat sich viel getan. Wir sind eben eine sehr große Gruppe, von den freien Schulen eindeutig die größte. Da wird man ernst genommen. C.S.: Wie sieht das nun mit der Anerkennung des Waldorfabschlusses aus? Ist Russisch ein Spezialfall? K. H.: Der Erlass ist im Internet nachlesbar (siehe Kasten nebenan). Da steht für jedes Fach genau, was anerkannt ist oder eben nicht. Es gibt etwa in den naturwissenschaftlichen Fächern ein paar Bereiche und einen minimalen Teilbereich in Mathematik, die bei uns nicht unterrichtet werden. In diesem Fall muss für eine externe Matura eine kleine Vorprüfung abgelegt werden. Der Erlass bezieht sich generell auf den Fall der Ablegung der Matura vor einer externen Maturakommission. Alle Hauptfächer, auch die Sprachen, sind voll anerkannt. Das war 1992 noch nicht so. Insofern ist Russisch keine Ausnahme. Wir haben auch eine Regelung für die dritte Sprache, die bei uns in Mauer freiwillig gelernt werden kann: Wenn diese vier Jahre lang unterrichtet wurde und eine gewisse Stundenanzahl erreicht, kann auch diese als Maturafach gewählt werden. C.S.: Theoretisch könnten unsere Schüler jetzt also direkt nach der Zwölften ein paar kleine

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Vorprüfungen machen und dann zur externen Maturaprüfung antreten? Sie könnten sich also das dreizehnte Jahr ersparen? K.H.: Theoretisch, ja. Interessant vor allem für Schulen, die das dreizehnte Jahr anbieten, das ja auch kostenpflichtig ist. (Folgende Schulen österreichweit bieten ein dreizehntes Jahr mit Matura an der Waldorfschule an: Linz, Salzburg, Pötzleinsdorf und Klagenfurt, wobei die in diesem Jahrgang unterrichtenden Lehrer die Matura abnehmen. Anm. C.S.) Aus den anderen Schulen österreichweit wie auch aus Mauer gehen die Ex-Waldorfschüler in eine achte Klasse ORG und schließen dann mit Matura ab. C.S.: Da könnten sich aber vielleicht neue Entwicklungen ergeben. K.H.: Was Russisch betrifft, mussten die Schüler bisher bis zur Matura weiter Unterricht haben, was in den Fällen schwierig war, wo in der betreffenden AHS-Klasse kein Russisch unterrichtet wurde. Das ist nun nicht mehr nötig, da der Abschluss anerkannt ist. Insgesamt ist es jetzt so, als ob man die zwölfte Schulstufe wiederholen würde! C.S.: Abschließend kann man also sagen, gesetzlich ist alles klar für den Fall der Externistenmatura geregelt, in der Praxis wird man sehen, ob die bisher beschrittenen Wege weitergegangen oder sich neue Formen zur Matura abzeichnen werden. Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Das Buch „Wiener Dialoge“ dokumentiert erstmals umfassend die historische Entwicklung der Waldorfbewegung in Österreich – ab 20. Februar 2011 im Handel und in der Schule erhältlich! Das Buch ist komponiert wie ein Musikstück – und ist doch gleichzeitig ein Opus, das zu einem Standardwerk der Waldorfpädagogik werden könnte: „Wiener Dialoge“ erscheint in diesem Jahr zum 150. Geburtstag von Rudolf Steiner im BöhlauVerlag und beschreibt erstmals umfassend den österreichischen Weg der Waldorfbewegung – von der Gründung der ersten Steiner-Schule in Wien im Jahr 1927 über die Schließung nach dem „Anschluss“ im Jahr 1938 und der weiteren Entwicklung nach dem mühevollen Neubeginn im Jahr 1966. Der Faden durch all diese Initiativen, Anstrengungen und Umbrüche wird über ein Gespräch von Tobias Richter und der 2009 verstorbenen überragenden Persönlichkeit der Wiener Waldorfbewegung, Elisabeth Gergely, verknüpft – ein Dialog der beiden Herausgeber, der sich über das ganze Buch erstreckt und die einzelnen Beiträge verbindet und weiterführt. Dazwischen ein Fülle von historischen Materialien und vor allem auch Lebensbilder von Menschen, ohne deren Einsatz diese Entwicklung kaum vorstellbar gewesen wäre. Etwa vom „guten Doktor Wantschura“ in der Zwischenkriegszeit, über Kitty Wenkebach, Bronja Zahlingen, Eleonore Zimmermann bis hin zur Gründerfamilie Kühne. Ein Buch, das wiederholt an den Pioniergeist erinnert – nicht zuletzt etwa beim Umbau und der Adaption der Maurer Schlössels. Oder den Kulturimpuls etwa durch die Konzertreihen bedeutender Musiker in der Schule dokumentiert.

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Eines der erstaunlichsten Kapitel ist wohl der Beitrag von Karl Stretenovic, der als Landesschulinspektor die Steiner-Schule in Mauer über Jahre begleitete und beriet – „kontrollierte“ wäre hier wohl das unpassendste Wort. Allein ein Zitat über die Personen, die hier tätig waren, zeigt, mit welchem tiefgehenden Verständnis er die Schule wahrnahm: „Als praktizierende Anthroposophen bewähren sie sich täglich in der Hinwendung zum Kind, zum jungen Menschen. Wo solche Eigenschaften vorherrschen, kann und soll sich bürokratisches Denken nicht entwickeln.“ Der Bogen, den diese „Wiener Dialoge“ spannen, ist jedenfalls ein unglaublich großer – von der Beziehung Rudolf Steiners zu Wien, auch vom West-Ost-Kongress, den Steiner 1922 in Wien initiierte – bis hin zur aktuellen, intensiven Arbeit an der Weiterentwicklung des sozialen Schulorganismus im Rahmen des „Wege zur Qualität“-Impulses. Ein Überblick über die weiteren Waldorfschul-Entwicklungen in Österreich rundet das Bild schließlich ab. Das Buch „Wiener Dialoge“ wird am 26- Februar um 19.30 Uhr in der Rudolf Steiner-Schule im Maurer Schlössl vorgestellt. Die offizielle Präsentation der Wiener Dialoge findet dann tags darauf, exakt zu Rudolf Steiners 150. Geburtstag am 27. Februar, im kleinen Kreis in der Wiener Nationalbibliothek statt – bei der offiziellen Eröffnung des Rudolf Steiner-Jahres 2011. Roman David-Freihsl

MoMent  Februar/März 2011


„Die Existenz war binnen Kürze von mehreren Seiten bedroht“ Samstag, 26. Februar 2011, 19.30h, Rudolf Steiner-Schule, Großer Festsaal Vorpremiere der Buchpräsentation WIENER DIALOGE – DER ÖSTERREICHISCHE WEG DER WALDORFPÄDAGOGIK, HG: E. Gergely / T. Richter

Die Rudolf Steiner Schule Wien-Mauer spielte bei der Entwicklung der Waldorfpädagogik in Österreich als Wegbereiterin eine besondere Rolle. Und auch die durch Elisabeth Gergely intendierten „Dialoge in Wien“ hatten dort ihren Ursprung. Dies wird nun in diesem neuen Buch gewürdigt. Darüber, und was es bedeutet, dass Rudolf Steiner als Österreicher eine neue Pädagogik intendierte die mit 90 Jahren noch erstaunlich vital ist, soll an diesem Abend mit gesprochen werden. Verschiedene Autoren der Publikation lesen aus ihren Beiträgen. Für die festlich-musikalische Gestaltung sind verantwortlich: Stefan Albrecht mit einem SchülerInnenchor der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer, sowie Stefan Gergely (Klavier) und Tobias Kühne (Cello). Außerdem: Am Sonntag, 27. Februar 2011, 20 Uhr, Haus der Anthroposophie, Tilgnerstr. 3, 1040 Wien, im „Kultur.Zeit.Raum“: Ein Runder Tisch anlässlich der Buchpräsentation WIENER DIALOGE – DER ÖSTERREICHISCHE WEG DER WALDORFPÄDAGOGIK, HG: E. Gergely / T. Richter zum Thema: Rudolf Steiner und der Dialog mit Prof. K. Garnitschnig, Mag. W. Tomaschitz, T. Richter, Prof. C. Willmann Februar/März 2011  MoMent

Die Recherchen von Gerhard Volz für das Buch „Wiener Dialoge“ brachten neue Erkenntnisse über die Schließung der ersten Wiener Rudolf Steiner-Schule im Jahr 1938 ans Tageslicht. Moment: Im Buch „Wiener Dialoge“ hast du einen Beitrag über die Schließung der ersten Wiener Waldorfschule kurz nach der Okkupation Österreichs im Jahr 1938 geschrieben. Welche neuen Erkenntnisse hast du im Zuge deiner Recherchen gewonnen? Gerhard Volz: Zunächst war es schwierig, überhaupt herauszufinden, was an Material vorhanden ist. Zu Beginn erhielt ich die Auskunft, dass es nicht allzu viel gibt. Ein paar mündliche Geschichten vielleicht – dass aber noch niemand die entscheidenden Dokumente ausgegraben hat. Über etwas verschlungene Wege bin ich dann schließlich im Staatsarchiv auf die Unterlagen aus dem damaligen Unterrichtsministerium gestoßen. Dort fanden sich Akten über österreichische Privatschulen aus der Zeit 1933 bis 1938. Eine zweite Dokumentenlinie, die ich fand, ist das Material aus der Geschichte des österreichischen Vereinswesens. Das betraf eine Institution der Nationalsozialisten, die es in dieser Form eigentlich nur in Österreich gab – den sogenannten Stillhaltekommissar, der die Aufgabe hatte, das österreichische Vereinswesen nach dem Anschluss 1938 zu regulieren und in Wirklichkeit zu eliminieren. Moment: Und welches Bild ergab sich bei der Durchsicht der Dokumente? Gerhard Volz: Man weiß ja recht viel über die „deutsche Gründlichkeit“. Was mich aber wirklich überrascht hat: Mit welcher Akribie und mit welcher Geschwindigkeit innerhalb der ersten Tage nach dem „Anschluss“ Entscheidungen getroffen und die wesentlichen Schreiben, Erlässe und Verbote ausgeschickt worden sind. An die Vereine, dass sie sich zu melden haben, an die Schule, dass Beamte nur noch zu beschäftigen sind, wenn sie gewissen Kriterien entsprechen und nicht jüdisch sind. Die Existenz der Schule war daher binnen Kürze von mehreren Seiten her bedroht. Moment: Wie war die Situation vor 1938? Gerhard Volz: Das war für mich auch interessant – dass diese Schule im Zeitraum ab 1933 eigentlich trotz aller sehr strikten behördlichen Auflagen sehr wohl gut geduldet und im Grunde wohlwollend behandelt wurde. Man findet immer wieder Bescheide und Erlässe, wo über weite Strecken aus dem Waldorf-Lehrplan zitiert wird. Ich habe den Eindruck, dass trotz der Auflagen – dass etwa jährlich neu angesucht und jede Lehrkraft gesondert genehmigt werden musste – der gesamte Schriftwechsel einen wohlwollenden Charakter gehabt hat. Moment: Also auch noch im Ständestaat? Gerhard Volz: Ja. Ich habe nicht den Eindruck, dass es da irgendeinen Abbruch gab. Der Einschnitt kam erst mit dem „Anschluss“, und er kam meiner Erkenntnis nach auch dann nicht direkt aus dem Unterrichtsministerium. Das massive Betreiben, dass die Schule jetzt und sofort zu schließen sei, die kam vom Stadtschulrat. Aus dem Ministerium, das damals schon nicht mehr das österreichische Ministerium, sondern eine Abteilung des Reichserziehungsministeriums war, kamen immer noch durchaus sachliche Repliken auf die Schreiben, die etwa aus dem Stadtschulrat kamen. >>

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Recherchen von Gerhard Volz für das Buch „Wiener Dialoge“ Moment: Die Vorstöße aus dem Stadtschulrat kamen nach einem schnellen Personalwechsel nach dem „Anschluss“? Gerhard Volz: Es deutet einiges darauf hin. Aber ich habe keinen Beleg dafür gefunden. Behandeln wir es als Vermutung, dass dort, wie an vielen strategisch wichtigen Positionen, möglicherweise Personen hingesetzt wurden, die aus dem „Altreich“, wie es damals hieß, kamen. Das war beispielsweise bei dem sogenannten „Stillhaltekommissar“ für Vereine und Verbände so, für den ein paar Tage nach dem „Anschluss“ ein damals erst 30-jähriger Deutscher eingesetzt wurde. Österreich war ja bereits ein Land der Vereine – es gab rund 70.000 –, die binnen eineinhalb Jahren großteils enteignet und aufgelöst worden sind. Moment: Die letzte Entscheidung, die zur Schließung der Wiener Waldorfschule geführt hat, kam aber aus Berlin? Gerhard Volz: Die letzte formale Entscheidung kam aus Berlin und war dann von den hiesigen Behörden zu vollziehen. Zuerst ist die Entscheidungsfindung ein wenig im Kreis gegangen. Ausgangspunkt war der Versuch, die Wiener Waldorfschule als Versuchsschule weiter zu führen. Moment: Was war das? Gerhard Volz: Die Vorgeschichte dazu war die, dass es in Deutschland ab 1937 den Versuch gab, zumindest zwei Waldorfschulen als so genannte staatliche Versuchsschulen weiter zu führen, die meisten anderen deutschen Waldorfschulen waren damals schon geschlossen. Als der Antrag für die Wiener Schule kam, sie als Versuchsschule weiter zu führen, wussten die Wiener offenbar nicht wirklich, was sie tun sollten, weil sie die deutsche Vorgeschichte nicht kannten. Es hat dazu noch Gespräche im Ministerium gegeben. Das Ministerium hat dann diese Unterlagen sehr sachlich geprüft. Ohne Wertungen oder Bewertungen. Der einzige Ausschließungsgrund, den das Ministerium eigentlich sah, war ein formaler: Dass das Reichsvolksschulgesetz, auf dessen Basis die Schule geführt wurde, zum damaligen Zeitpunkt keine Gültigkeit mehr hatte und dass es im Grunde um eine neue Genehmigung der Schule gehe und dass das schwierig sein 24 |

könnte. Dann traute sich das Wiener Ministerium offenbar doch nicht alleine zu entscheiden und schickte im Juni 1938 ein Ersuchen an das Reichsministerium in Berlin, mit der Bitte um Weisung, wie sie vorzugehen hätten. Moment. Die Antwort war dann wohl eindeutig? Gerhard Volz: Was dann passierte ist interessant. Es kam zunächst ein Schreiben aus dem Wiener Stadtschulrat: Ein leitender Beamter plädierte dafür, den Antrag auf Weiterführung der Schule abzuweisen, da es sich, so wörtlich, „in diesem Falle um Anthroposophen und Rosenkreuzer handelt, die beide dem Freimaurerbunde angehören“. Das Unterrichtsministerium war aber offenbar immer noch nicht gewillt, einen Bescheid zur Schließung auszustellen, sondern der zuständige Ministerialdirektor meinte, es wolle mitgeteilt werden, aufgrund welcher Daten denn diese Feststellungen des Stadtschulrates getroffen worden seien. Und dann kann ein weiteres Schreiben vom Stadtschulrat, in dem erklärt wird, dass Dr. Rudolf Steiner der Begründer der anthroposophischen Lehre sei und Anthroposophen und Rosenkreuzer stünden in einem innigen Zusammenhang. Der Verfasser des Schreibens legte noch nach und ergänzte, dass die Rudolf Steiner-Schule eine „Ansammlung von Judenkindern“ sei, die „weit über das übliche Maß der Entartung dieser Rasse hinaus ragten“. Die Schule zeige „jene wüste Disziplinlosigkeit, die mit allen freimaurerischen Erziehungssystemen verbunden ist“. Die endgültige Antwort aus Berlin kam dann erst im September. Da wurde dann nach Wien geschrieben, dass ehebaldigst Maßnahmen zu treffen seien, die Schule zu schließen. Moment: Gab es auch Unterlagen aus der Schule? Gerhard Volz: Das Problem war, dass es scheinbar eine ganze Mappe von Dokumenten im Nachlass von Frau Dr. Gergely gegeben hat – die aber nicht aufgetaucht sind. Es gibt Schriftstücke von der Schule ans Ministerium, eine Lehrerliste ist dabei, Auszüge aus dem Lehrplan, Abschriften aus Schreiben aus der deutschen Geschichte der Waldorfbewegung. Aber aus der Schule selbst gibt es in den Akten relativ wenig.

Moment: Weiß man etwas über das weitere Schicksal der jüdischen Schüler und Lehrer der Steiner-Schule? Gerhard Volz: Ich habe nichts gefunden. Das sehe ich aber auch als den großen Teil der Arbeit, den ich gerne fortgesetzt hätte. Moment: Hat sich durch diese Arbeit dein Bild zur Schule verändert? Gerhard Volz: Für mich war das Bild der Steiner-Schule bisher immer von den Geschichten geprägt, die uns aus den 60er Jahren erzählt wurden, als die Wiener Schule dann wieder begründet wurde. Ich persönlich habe viel gelernt durch die Arbeit an meinem Beitrag zu den „Wiener Dialogen“ – es ist für mich dadurch so etwas wie eine zweite Schulbiographie sichtbar geworden. Moment: Wann hast du eigentlich in der Steiner-Schule abgeschlossen? Gerhard Volz: 1987 habe ich die Schule abgeschlossen. Moment: Ziemlich genau 50 Jahre nach der Schließung der ersten Schule. Gerhard Volz: Ja, stimmt. Moment: Und was war deine Abschlussarbeit in der 12. Klasse? Gerhard Volz: Ich habe mich mit Rechtsextremismus und Minderheiten in Österreich beschäftigt. Moment: Herzlichen Dank für das Gespräch! Das Gespräch führte Roman David-Freihsl MoMent  Februar/März 2011


Rudolf Steiner und die Waldorfschulen im Standard

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um Auftakt des Rudolf Steiner-Jahres 2011 widmete der Standard zwei Seiten der Beilage Album dem Begründer der Waldorf-Schulen. Roman David-Freihsl berichtete als ehemaliger Schüler der Mauerer SteinerSchule und derzeitiger Schülervater über die Wahrnehmung Rudolf Steiners und die aktuelle Diskussion zu seinem 150. Geburtstag. Im Folgenden Auszüge aus dem Artikel – die Vollversion finden Sie im Internet unter http://derstandard.at/1293370714873/ Anthroposophie-Steiner-entsteinern

„Der Doktor hat gesaaagt! Der Doktor hat gesaaagt“, gackerten wir Waldorfschüler seinerzeit gelegentlich wie die Hühner. Unser Spott galt jenen „Super“Anthroposophen, die verbissen die Lehre des „Doktor Steiner“ auf Punkt und Komma umzusetzen trachteten und all jene, die auch nur einen Millimeter davon abwichen, tadelnd zurechtwiesen. Dass wir mit unserem rebellischen Geblödel einen zentralen Punkt im Umgang mit dem Werk Rudolf Steiners tra-

fen, konnten wir damals nicht einmal erahnen. Wussten wir doch nicht annähernd, was „der Doktor“ in seinen insgesamt 6511 Vorträgen tatsächlich gesagt hatte - und in Summe umfasst sein Gesamtwerk immerhin rund 90.000 Druckseiten … … Während die Vorbereitungen zum Steiner-Jahr liefen, ist der Autor dieses Beitrags übrigens nach einem guten Vierteljahrhundert der Absenz zu „seiner“ Rudolf-Steiner-Schule in Wien-Mauer zurückgekehrt - als Schülervater. Und erstaunlicherweise ist inzwischen vom alten „Der Doktor hat gesaaagt“-Geist deutlich weniger zu spüren. Die 1927 eröffnete erste Waldorfschule in Österreich stand gerade unmittelbar vor der Zertifizierung eines Prozesses unter dem Titel Wege zur Qualität - ein anthroposophisch orientiertes Qualitätsverfahren zur gemeinschaftlichen Entwicklung von Gestaltungs-, Verwaltungs- und Kommunikationsprozessen. Dieser Paradigmenwechsel, der sich an immer mehr „Anthro“-Orten manifestiert, dokumentiert beispielhaft eine Anekdote, die Karl-Martin Dietz, der Gründer des Friedrich- von-Hardenberg-Instituts für Kulturwissenschaften in Heidelberg, beim jüngsten Waldorftag in Salzburg erzählte: Als junger Waldorf-Vater habe er einmal begonnen nachzufragen, warum denn alle selbstgestrickten Mützen der Schüler immer dieselbe Farbe hätten. Seine Söhne fanden die Hauben nämlich an sich okay - aber die Farbe unerträglich. „Als ich den Handarbeitslehrer fragte, warum das so sei, antwortete der mir: Das hat Steiner so angeordnet. Ich fragte, wo das denn stehe - bekam darauf aber keine Antwort.“ Dietz weiter: „Ich kenne aber ein anderes Zitat von Steiner, von dem ich ganz genau weiß, wo das steht: Es sei der Beginn eines großen Unfugs, wenn man jemandem zumutet zu sagen, etwas müsse so oder so getan werden.“ Ein Hinweis: Ö1 bringt am 23. Februar 2011, 21.01 Uhr, die Sendung „Ein Weltensammler des Geistes – zum 150. Geburtstag von Rudolf Steiner“ von Johannes Kaup – und am 26. Februar um 17.05 Uhr ein Ö1-„Diagonal“: „Zur Person Rudolf Steiner – ,alles nur aus zweiter Hand‘?“ mit Michael Schrott.

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MoMENT Im GESPRÄCH mit ehemaligen WaldorfschülerInnen Teil II: Geburtsjahrgänge 1970 bis 1979; Schulzeit von 1976 bis 1997

„Aus diesem geschützten

C. S.: Christa Salcher (MoMent) • E.: Elisabeth • B.: Bernhard • V.: Veronika C. S.: Ich freue mich, dass ihr drei Geschwister Zeit für dieses Interview gefunden habt. Außer den oben genannten Personen sind auch noch zwei Sprößsslinge der nächsten Generation mit dabei: die beiden bislang jüngsten Familienmitglieder, Oskar und Elina. Ich stelle euch dem Alter nach vor: Elisabeth, Bernhard und Veronika. Alle drei habt ihr die gesamte Schulzeit in Wien-Mauer verbracht. Wie kam bei euch die Frage nach einem Interview mit dem Fokus „Exschülerdasein“ an und für wie sinnvoll haltet ihr ein solches? B.: Sinnvoll weiß ich nicht, ich weiß nur, dass ich die Interviews mit Ex-SchülerInnen im MoMENT immer gerne gelesen habe. Ich fand es immer interessant und amüsant zu erfahren, was aus ihnen geworden ist. E.: Ich glaube, dass diese Interviews sehr sinnvoll sind, vor allem für neue Eltern – zu erfahren, wie es den ehemaligen Schülern nun geht und warum sie diese Schullaufbahn gemacht haben. C. S.: Für wie wichtig erachtet ihr jetzt, wo Ihr schon eine Zeit lang darauf zurückblicken könnt, wo und wie eine Schulzeit stattgefunden hat, für die Biografie eines Menschen?

vollkommen fremd. Für mich war Schule eigentlich Spaß. E.: Ich glaube auch, dass Schule absolut prägend ist. Du hast dort deine sozialen Kontakte, die Lehrer, die Mitschüler. Das Umfeld macht sehr viel aus. V.: Man verbringt ja eigentlich unglaublich viel Zeit in der Schule. Und da ist es natürlich wichtig, wo und mit wem man da zusammen ist. C. S.: Eure Eltern haben ja die Entscheidung für die Schule getroffen: War das ein Geschenk an euch? V.: Also für mich absolut. E.: Für mich auch. Ich bin sehr gerne hingegangen. Ich habe mich immer wohl gefühlt. Es gibt sicher andere, die das nicht so empfunden haben. B.: Ich denke, dass in unserem Falle das Dreiergespann Schule, Eltern, Kinder sehr gut funktioniert hat. Wenn in manchen Fällen einer der drei Faktoren nicht so gut hineinpasst, dann schaut das natürlich anders aus. C. S.: Du hältst also die Harmonie des Dreieckes für entscheidend. Also hat sich für euch nie die Frage gestellt, die Schule zu wechseln?

V.: Für sehr wichtig. Für mein Gefühl kann die Schulzeit sehr vieles beeinflussen. Für meine Biografie hat die Schulzeit sicher durch den Fokus auf Soziales einen Grundstein gelegt. Die Zufriedenheit in der Schule kann auch eine schöne Kindheit bewirken.

B.: Nein.

B.: Um ehrlich zu sein, fällt es mir immer schwer, diese Frage zu beantworten, weil mir der Vergleich fehlt. Ich kann einfach nicht sagen, ob ich ein unglückliches Kind gewesen wäre an einer öffentlichen Schule. Ich kann mich jedenfalls in diesen zwölf Jahren an keinen Tag erinnern, wo ich Angst vor der Schule hatte oder ungern dorthin gegangen bin. Natürlich hätte ich manchmal Lust gehabt, etwas anderes zu tun … Ich habe Freunde, die in öffentlichen Schulen waren und die von Bauchkrämpfen und Schweißausbrüchen bei Schularbeiten berichtet haben, so etwas war mir zum Glück

B.: Mit Frau Kratky, die wir allerdings erst nach einer Weile, nach Schwierigkeiten mit der ersten Lehrerin, als Klassenlehrerin hatten, ging es fast allen SchülerInnen meiner Klasse gut. Und auch mit Frau Hans als Tutorin bin ich gut zurechtgekommen.

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C. S.: Das ist ja doch eine Ausnahme, dass in einer ganzen Familie diese Frage nie auftaucht. Ihr seid also nicht nur mit der Schule an sich, sondern auch mit den Personen, den Lehrern zufrieden gewesen?

V.: Bei uns war es ähnlich, nach Anfangsschwierigkeiten und zwei Lehrerwechseln in den ersten Klassen, hat es dann mit Frau Kux als Klassenlehrerin gut gepasst. C. S.: Das wirkt so, als ob sich bei euch beiden das Gefüge Lehrerin-Klasse erst einpendeln musste…

V.: Das Schwierige ist sicher, dass, wenn ein Kind mit einer Lehrerin oder die Eltern mit ihr nicht so gut „können“, acht Jahre eine sehr lange Zeit sind. Zum Glück war das bei mir nicht so. E.: Bei mir hat sich auch nie die Frage eines Schulwechsels gestellt. Worauf ich mich immer schon im Vorfeld gefreut hatte, waren die Projekte in der Oberstufe, die Praktika und die Kunstreisen. Wir hatten Herrn Matthiessen als Tutor, der sicher eine Ausnahmeerscheinung als Lehrerpersönlichkeit war. C. S.: Mein Eindruck ist, dass eine gewisse Solidarität zur Schule, das bedeutet auch, alle zwölf Jahre zu machen, früher stärker war. Obwohl sich vieles an Qualität verbessert hat, zum Beispiel im Sprachunterricht, verlassen seit etwa zehn Jahren doch einige Schüler VOR der zwölften Kasse die Schule, um sich beispielsweise ein Jahr zu ersparen“. E.: Wirklich? Das hätten wir nicht gemacht! B.: Wieso haben es die plötzlich so eilig? C.S.: Eine gute Frage! Ich weiß keine konkrete Antwort. E.: Wahrscheinlich, weil es leichter ist. Früher hast du den Abschluss der zwölften Klasse gebraucht. Du konntest nicht so leicht in eine AHS wechseln wie jetzt. C. S.: Da hast du wahrscheinlich recht. Es ist ja jetzt üblich, ganz glatt in eine achte Klasse AHS zu gehen, und da ist dann die Möglichkeit zu Tage getreten: Ach ja, da können wir das ja auch schon früher tun! Eigentlich ist es aber schade, weil damit die Sache nicht ganz rund ist. Wie seht Ihr das? B.: Ich finde, gerade die Zwölfte hat so viel zu bieten! E.: Ich habe mich die ganze Zeit auf die zwölfte Klasse gefreut! Auf das freut man sich doch lange… B.: Die ganzen ersten elf Jahre! (alle lachen) MoMent  Februar/März 2011


Ein Gespräch mit den drei Geschwistern der Familie Fleischmann

Gefüge kommen erstaunlich realistische Menschen hervor“ viert, etwas zu erarbeiten, genauer auf die Dinge hinzusehen. E.: Zu hinterfragen. Die Lehrer an der Abendschule haben immer gesagt: So lästige Schüler – die wollen immer wissen, warum … V.: Wir waren auch an Diskussionen in der Klasse gewöhnt, das gab es an der öffentlichen Schule weitaus weniger. Allerdings muss ich sagen, meine Klasse in Mauer war sehr motiviert und engagiert, das trifft vielleicht auch nicht auf jede zu. B.: Was mir in unserem Gespräch und generell auffällt: Es darf keine kritischen Bemerkungen zu unserer Schule geben. Wenn immer jemand etwas Kritisches vermerkt, nimmt er es gleich wieder zurück, das soll nicht geschrieben werden. Es wird versucht, die Schule zu schützen. V.: Sie ist schon ein Höhepunkt: Das Theaterstück,… sich so ausführlich mit einem Thema für die Jahresarbeit zu beschäftigen, ist etwas Besonderes. C. S.: Könntet Ihr zusammenfassend ein paar Charakteristika der Rudolf Steinerschule nennen? E.: Ein Gefühl von „Zu-Hause-Sein“: Wenn ich zum Beispiel am Weihnachtsbasar durch die Schule gelaufen bin – das war MEINE Schule, MEIN Zuhause; eine extrem glückliche Zeit, geprägt von sehr viel erleben dürfen – die Reisen, die Theaterstücke, die Praktika. Von all dem habe ich immer wieder gezehrt! B: Glückliche Zeit auch für mich. Beim Basar war für mich wichtig. Wo sind die anderen? Das Zuhause-Gefühl war bei mir über die Freunde definiert. Später kam dann mehr, in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen, die das übliche Schulsystem durchlaufen hatten, das Rüstzeug der Solidarität mit „meiner Schule“ dazu, um sie vor Angriffen zu schützen, um Fragen zu begegnen wie „Warum habt Ihr keine Noten?“ etc. Erst da stellte ich mir die Frage: Warum hat es mir dort so gut gefallen? Unbeschwert, zum Glück. Ich habe mir zum Glück überall, sowohl in der Schule, Februar/März 2011  MoMent

als auch am Abendgymnasium und dann an der Universität, leicht mit dem Lernen getan. Das ist vermutlich ein persönliches Glück. V.: Unbeschwert trifft es sehr gut. Spannend und lustig auch. Eine schöne Zeit. Für mich stechen heraus die Praktika, die Theaterstücke und das „Selbständig-etwas-auf-dieBeine-Stellen“. Eine geschützte Zeit – das wurde mir erst im Nachhinein bewusst. In der Hegelgasse waren wir seine sehr durchmischte Klasse, sozial gesehen und was die Herkunftsländer betrifft. Das hat mir gut gefallen und ist mir dann eben im Nachhinein als Nachteil der Steiner-Schule erschienen – das allzu Elitäre einer Privatschule. Die einzige Durchmischung an der Steiner-Schule sind die Austauschschüler, was schön ist, aber dennoch wieder einen exklusiven Charakter hat. Es ist eigentlich verwunderlich, dass aus diesem geschützten Gefüge so viele realistische Menschen hervorgehen. C. S.: Das spricht eigentlich dafür, dass es nicht das Schlechteste ist, behütet und beschützt zu werden. V.: Die Erfahrung an der Hegelgasse, eine andere soziale Zusammensetzung von Menschen zu erleben, mit Migrationshintergrund zum Beispiel, möchte ich nicht missen. Etwas fällt mir noch als Charakteristikum zur Steiner-Schule ein: Wir wurden sehr moti-

C. S.: Warum ist das so? B.: Das Ganze ist wie ein gehüteter Schatz, auch ein Edelstein hat schmutzige Seiten… nach außen hin zeigt man lieber die glänzende Seite weil es eben doch ein Edelstein ist. Ich will auch noch etwas zu den Praktika sagen: Die waren für mich schon sehr wichtig, wenn ich zum Beispiel an das Landwirtschaftspraktikum denke, das war hart. Da waren Berge an schimmligem Geschirr… Dinge, die ich noch nie gesehen hatte! C. S.: Das war ja auch Konfrontation mit der wirklichen Welt draußen… V.: Auch einen Betrieb von innen, wie beim Industriepraktikum (jetzt Wirtschaftspraktikum, Anm. C. S.) kennenzulernen, ist eine Erfahrung, die nicht alle Menschen machen. E.: Was mir oft gefehlt hat – und das konnte ich erst später, aus der Distanz so sehen – war mehr Herausforderung, ein An-Grenzen-heran-geführt-Werden. Wenn man gut war in der Schule, so wie ich, dann war das immer genug. Ich hätte mehr Forderung vertragen. In meiner Freizeit habe ich diese im Sport gefunden, in der Leichtathletik. Man könnte sagen, mehr Differenzierung Leistungen betreffend, da die Steiner-Schule ja eine Gesamtschule ist, wäre gut. >>

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Ein Gespräch mit den drei Geschwistern der Familie Fleischmann B.: Das halte ich aber für schwierig, das trennt dann doch irgendwie.

C. S.: Das klingt ganz so, als ob du mit deinem Leben sehr zufrieden bist…

V.: Ich finde, dass man einem Schüler Möglichkeit bieten sollte, seine ganzen Ressourcen auszuschöpfen.

B.: Der Wunsch nach Musikschaffen war immer da, woher weiß ich nicht. In der Schulzeit hatten wir diverse Bands im Keller meines Elternhauses, da spielte ich Schlagzeug. Es ist natürlich schön, dass es sich ausgeht, tatsächlich von dem, was man so gerne macht, zu leben. Das hätte ich nicht gedacht … Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich diese Karriere nie forciert habe, sondern ich tue Dinge und schaue einfach, ob es funktioniert. Ich bin glücklich, wenn es klappt, bin aber niemand, für den die Welt zusammenbricht, wenn es nicht funktioniert.

C. S.: Kommen wir nun zu eurem Werdegang seit der Schulzeit. B.: Ich habe nach der Steinerschule die Matura am Abendgymnasium für Berufstätige am Henriettenplatz gemacht. Danach habe ich Germanistik und Publizistik studiert, das Studium auch abgeschlossen. Während des Studiums habe ich vier Jahre lang nebenbei als Kellner gearbeitet. Nach dem Studium habe ich mich aber entschieden zu versuchen, als freischaffender Musiker zu leben. Schon während der Schulzeit (praktische Jahresarbeit in der zwölften Klasse) und des Studiums habe ich immer Musik gemacht. Und bin nun tatsächlich seit 2000 freischaffender Musiker. C. S.: Welche Art von Musik machst du? B.: Elektronische Musik. Sehr melodiös, bisschen abstrakt, zumindest für manche Zuhörer gewöhnungsbedürftig. Es ist schon passiert, dass meine Großmutter oder meine Mutter mir eine CD zurückgegeben haben mit der Bemerkung, die sei ja kaputt! (Alle lachen) Also: Ich veröffentliche Musik auf CDs, gebe Konzerte, habe das Glück, mit meiner Musik durch die Welt fahren zu können, und ich mache auch Musik für Theater und Film. C. S.: Und du kannst tatsächlich davon leben? B.: Ja. Einmal in der Woche arbeite ich zusätzlich in einer Buchhandlung, auch schon seit zehn Jahren. Das ist ein guter Ausgleich zur Musik, eine Pause. Ich genieße die Zeit in der Buchhandlung, die Umgebung der Bücher. Ich bin mittlerweile auch gelernter Buchhändler. C. S.: Noch einmal zur Musik: Ich kenne mich mit elektronischer Musik nicht so gut aus. Agierst du da als One-man-Band? B.: Im Hauptprojekt, ja. Es gibt aber vier weitere Projekte, wo wir zu zweit, zu dritt, zu viert spielen. (siehe untenstehenden Verweis auf die Website von Bernhard) 28 |

E.: Ich habe auch die Matura an der Schule für Berufstätige gemacht, habe dann Lebensmittel- und Biotechnologie an der BOKU studiert, das Studium 1996 abgeschlossen. Dann habe ich am AKH in der Brustkrebsforschung gearbeitet. Diese Arbeit habe ich sehr gerne gemacht! Nach der Geburt meiner ersten Tochter Leena 1999 war ich für eineinhalb Jahre zu Hause, dann nahm ich die Arbeit wieder auf, allerdings nur einen Tag pro Woche. Mein Doktorat machte ich ebenfalls während dieser Zeit. 2002 wurde Paula geboren, auch nach dem zweiten Kind habe ich den einen Tag pro Woche am AKH gearbeitet. Da hat es aber keinen Spaß mehr gemacht, weil Forschung aus meiner Sicht nicht mit Familie zu vereinbaren ist. Da gibt es kein richtiges Weiterkommen. 2004 ist Mia auf die Welt gekommen und 2007 Julius. Da war dann lange Zeit gar keine Arbeit außer Haus möglich. Vor einiger Zeit wurde mir ein Job im Büro des Waldorfkindergartens Mödling, wo meine Kinder hingehen bzw. hingegangen sind, angeboten. Dort bin ich nun seit April 2010 zwei Vormittage in der Woche tätig. Das macht Spaß! C. S.: Also eine recht dichte Biografie bei euch beiden. Und bei dir, Veronika, kommt auch schon eine Menge zusammen? V.: Ich habe, wie gesagt, an der Hegelgasse maturiert. Danach habe ich eine Zeit lang gekellnert, um Geld für eine siebenmonatige Weltreise zu verdienen. Zurück in Österreich habe ich begonnen, Pädagogik, Sonder- und Heilpädagogik zu studieren. Während des

Studiums lernte ich im Zuge eines Praktikums die Arbeit im Integrationshaus kennen, war dort dann zunächst geringfügig beschäftigt. Dann habe ich eine Stelle im Projekt „Caravan“ bekommen. Das ist ein Projekt für minderjährige Flüchtlinge. Nach Beendigung des Studiums habe ich begonnen, bei der Caritas zu arbeiten, in einem Mutter-Kind-Heim. Dort war ich vier Jahre bis zur Geburt meiner Tochter Elina im Sommer 2010. C. S.: Ihr habt ja alle drei schon selbst Kinder (noch nicht erwähnt: Bernhards Tochter Josefine, dreieinhalb Jahre, und sein Sohn Oskar, eineinhalb), da stellt sich die Frage, welchen Weg ihr in Bezug auf das Kindergarten- und Schulsystem mit euren Kindern geht? E.: Wir wohnen in Mödling, und da es dort einen Waldorfkindergarten gibt, haben wir ihn uns angesehen, er hat uns gut gefallen. Alle vier Kinder gingen oder gehen noch in diesen Kindergarten. Wir haben uns in Mödling verschiedene Schulen angeschaut, haben uns aber dann doch für die Steiner-Schule in Mauer entschieden – aufgrund meiner eigenen positiven Erfahrungen. Ich wollte diese Möglichkeit auch für meine Kinder schaffen. C. S.: Wie war diese Entscheidung für deinen Partner? E.: Er kommt nicht aus diesem Bereich, aber für ihn passt es auch. Er war sogar viele Jahre Obmann des Mödlinger Waldorfkindergartens, also sehr engagiert und konnte alles Neue oder Andere gut annehmen. B.: Josefine geht schon in den Kindergarten, und Oskar wird demnächst mit der Krippe beginnen. Der Waldorfkindergarten ist aufgrund großer räumlicher Entfernung kein Thema. Und was die Schule betrifft – eher auch nicht. Vielleicht gibt es da noch eine Veränderung. Allerdings haben wir uns schon Schulen angeschaut – recht früh! – und da ist mir ein wesentlicher Punkt aufgefallen, den ich noch nicht erwähnt habe: Eine davon hatte eine so kalte Ausstrahlung, ungemütlich, dagegen war die Wirkung MoMent  Februar/März 2011


in der Waldorfschule - wir waren heuer wieder einmal am Basar - alleine von den Farben und vom Gebäude her wie ein Nest… Ich glaube, man sollte das sagen: Die Gestaltung der Räume bewirkt Wohlgefühl und Sicherheit. Trotzdem sehe ich für unsere zwei Kinder die Steiner-Schule im Moment nicht. Ich denke, dass sich im öffentlichen Schulbereich doch auch viel tut V.: Was den Kindergarten betrifft, ist es für uns ähnlich wie für Bernhard, da ist uns der Weg einfach zu weit. Und Schule – da ist eigentlich noch viel Zeit, ist aber ein Thema, worüber Roberto und ich im Gespräch sind. C. S.: Wünscht ihr „eurer“ Schule etwas? B.: Ich wünsche ihr gute, starke Lehrer und Lehrerinnen, die das umsetzen können, was mein Idealbild von der Schule ist. V.: Ich habe im Moment etwas zu wenig Einblick in Entwicklungen der letzten Zeit. Bezogen auf meine eigene Schulzeit, würde ich ihr mehr Weltoffenheit wünschen. Und weiterhin so engagierte Lehrer! Qualifizierte Lehrer, die ihre Arbeit mit Liebe tun. E.: Dass die Schule das weiterleben kann, was sie sich vorgestellt hat. Dass unsere Kinder erleben dürfen, was wir erlebt haben. Die Freude, die Begleitung, die ich erleben durfte. Mit Lehrern, die ganz auf der Seite der Schüler stehen und sie trotzdem führen können. Die mit Begeisterung agieren. C.S.: Vielen Dank für die Bereitschaft zum Gespräch und für die reichhaltigen Antworten! Bernhards Internetseite: www.bfleischmann.com

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Vorträge mit Marcus Schneider Marcus Schneider, geb. 1954 in Basel Leiter der Akademie für anthroposophische Pädagogik AFAP Dornach Präsident der Medienstelle Anthrop. Schweiz, Pianist und Autor rege Vortragstätigkeit im In- und Ausland

Die geistige Lage der Gegenwart Fr, 25. März 2011 20:00 Der Mayakalender 2012 – ein Symptom – Sa, 26. März 2011 09:30 Die gute Seite des Chaos – ein Phänomen – 11:00 Karmische Gemeinschaften heute – und Schicksale früherer Bruderschaften Ort: Goetheanistische Studienstätte, 1230 Wien, Speisingerstr. 258

Ich bin der Welt noch einen Tannhäuser schuldig Vortrag mit Klavier zu einem misshandelten Werk So, 27. März 2011 10:00 Ort: Österr. Gesellschaft für Musik, 1010 Wien, Hanuschgasse 3 € 10,Preis pro Vortrag: Information: Vera Gassler Tel./Fax: (01) 581 23 27

Die Christengemeinschaft Bewegung für religiöse Erneuerung WIEN-SÜD Studienstätte - 1230, Speisingerstraße 253 Gottesdienste und Veranstaltungen bis Ostern 2011 Sonntagshandlungen: Sonntag, 20. Februar und 20.März 2011 Sonntag, 25. April (Ostermontag) für die Kinder – 9:45, für Erwachsene – 10:30 (mit Kinderbetreuung) Sonntagshandlung für Kinder – am Samstag: Samstag, 5. Februar und Samstag, 5. März 2011 jeweils um 9:45 Im April ist vorerst keine extra Sonntagshandlung vorgesehen, da am 10. April in Wien-Mitte das Ostergras-Säen stattfindet. Fragen und Anregungen bitte an: M. Culda Tel. 01 923 38 36, E-Mail: monicaculda@hotmail.com

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Märchenbühne Der Apfelbaum Post: Burggasse 28-32/2, 1070 Wien Büro: Kirchengasse 41, 1070 Wien Theater: Kirchengasse 41, 1070 Wien T: +43 1 523 17 29-20 F: +43 1 523 17 29-21 mailto:apfelbaum@maerchenbuehne.at http://www.maerchenbuehne.at GOLDENE GANS, Ein Märchen der Gebr. Grimm Ein Mann hat drei Söhne. Der Jüngste, Dummling genannt, wird verachtet und verspottet. Alle drei Söhne gehen in den Wald Holz hauen, aber nur der Jüngste teilt Speis und Trank mit einem grauen Männlein, das am Wegrand sitzt und hungert. Es beginnt eine lange Geschichte, die in einem Königsschloss endet. Sa 19.02., Sa/So 26./27.02., Fr 04.03. anschl. Tanz, Sa 05.03. jeweils um 16:00

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FRAU HOLLE, Ein Märchen der Gebr. Grimm Eine Witwe hat zwei Töchter, davon ist die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul. Beide machen sich auf den Weg zur Frau Holle… Bevor es Morgen wird und der Hahn kräht, stehen drei Türme auf der Bühne und verraten nichts von dem, was sich im Laufe des Spiels entfaltet, entwickelt, öffnet und verwandelt. Erst am Ende, wenn sich alles wieder schließt, weiß man, was sich in diesem Turm verbirgt. Sa 12. / So 13.03., Fr 18.03. anschl. Tanz, Sa 19.03., Sa 26. / So 27.03., Fr 01.04. anschl. Tanz, Sa 02.04. jeweils 16:00 ZU GAST IN DER MÄRCHENBÜHNE - MUSIK - PUPPENSPIEL - TANZ Der Musikklassiker KARNEVAL DER TIERE nach Camille Saint-Saens. Eine Kooperation der Märchenbühne Der Apfelbaum mit dem Ensemble Allegria So, 20.02., So 06.03. und So 20. 03.jeAnzeige.qxd:MOEB_visit0701 29.01.2011 11:14 weils um 11:00 und 14:00

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Hier kann man Erfahrungen sammeln, Vorurteile abbauen, Freunde  finden, in Berufswelten reinschnuppern…  Die Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen steht bei  uns im Mittelpunkt. Hierfür sind Hilfestellungen zu erbringen, wo die  Menschen mit Behinderung Unterstützung, Aufsicht und auch mal ein  ´gutes Wort` benötigen.  Dies erfordert Einfühlungsvermögen, Umsichtigkeit und Courage.  Wundern Sie sich nicht, wenn Sie beim Abschied nach neun Monaten  Zivildienst einen eigenen Fanclub haben.  Interesse?  Kontakt:   Lebensart Sozialtherapie  Hauptstr. 125‐127, 2391 Kaltenleutgeben  Tel. 02238/77931, verein@sozialtherapie.at  www.lebensart‐sozialtherapie.at   

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