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Monatsschrift fĂźr die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer Mai / Juni 2012, â‚Ź 2,50


Liebe Leserin, lieber Leser! MoMent im 20. Jahr

Ein großes Dankeschön MoMent

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er Schulschluss naht, die Zeit rinnt dahin wie Kreide an der frisch gewischten Tafel – so Vieles ist noch zu erledigen, fast täglich kommt noch etwas Neues dazu, das noch schnell erledigt werden muss. Die letzten Kräfte werden mobilisiert. Durchhalten ist angesagt – wenn auch mit viel Schnaufen. Aber was die MoMent-Redaktion betrifft: Die hat jetzt wirklich einen langen Atem. Den haben wir geschenkt bekommen von den bisherigen und neuen, bereits treuen Inserenten und großzügigen Spendern – zum Teil blieb uns buchstäblich der Atem weg, angesichts dieser überwältigenden Hilfsbereitschaft. Und das ist in Zeiten wie diesen wahrlich nichts Selbstverständliches. Der Fortbestand der gedruckten MoMent-Version ist also tatsächlich abgesichert und wir sagen dafür allen, die mitgeholfen haben, vielen, vielen, vielen herzlichen Dank!

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Wir freuen uns natürlich immer noch über weitere Spenden. Eine riesige Freude ist für uns natürlich auch die große Bereitschaft von so vielen an der Schule – seien es Lehrer oder Eltern –, unsere Schulzeitung mit Beiträgen zu füllen. Auch ihnen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön! Aber auch dies ist eine Freude, die immer noch gesteigert werden kann. Mit dem Fortbestand des MoMent wird es viele zu berichten geben. Gleich im September wollen wir mit der nächsten Ausgabe weitermachen – und möchten bis dahin in der Sommerhitze weitere Verbesserungen ausbrüten. Last but not least hat die Moment-Redaktion aber auch noch eine große Bitte: Wir würden so gerne noch weiterwachsen. Wer gerne in einer wirklich sehr netten Runde an diesem Projekt mitmachen will, ist herzlichst eingeladen. Es geht das Gerücht um, dass unsere Redaktionssitzungen zu den nettesten Zusammenkünften in der Schule zählen. Einen wunderbaren und erfüllten Sommer wünscht Roman David-Freihsl für das ganze dankbare MoMent-Team.

Monatsschrift von und für Eltern, FreundInnen, Lehrer­Innen und SchülerInnen der R. Steiner-Schule Wien-Mauer, Freie Waldorfschule moment@waldorf-mauer.at im 20. Jahr MoMent-Konto lautend auf: Redaktion Schulzeitung Kontonummer: 9681.059 P.S.K. Blz: 60000; BIC OPSK ATWW IBAN AT26 6000 0000 0968 1059 Leitung des Redaktionsteams: Roman David-Freihsl roman.freihsl@aon.at Anzeigen/Layout: Renate / Karl Hruza MitarbeiterInnen: Renate Hruza, T. 01/802 66 03 renate.hruza@silverserver.at Karl Hruza, T. 01/802 66 03 k.hruza@acrobat.at Jörg Schmiedbauer, T. 0676 530 28 29 joergschmiedbauer@acrobat.at Freie MitarbeiterInnen: Matti Melchinger, Christa Salcher, Karin Schadl, Lothar Trierenberg Eigentümer, Verleger und Herausgeber (Medieninhaber): Waldorf-Wirtschafts-Gemeinschaft (WWG), DVR Nr.: 7864 9742 Absender: moment@waldorf-mauer.at MoMent 1230 Wien, Endresstr. 100 Herstellungsort: DONAU-FORUM-DRUCK , 1230 Wien Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 02Z032325Z

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„Den verfluchten Stundenplan in den Schulen abschaffen“ Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft 1912-1923 Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft 28.12.1912: Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft in Köln mit ca. 3000 Mitgliedern. Im Vorstand: Marie von Sivers, Michael Bauer, Carl Unger. Rudolf Steiner übernimmt keine Ämter, sondern wirkt als Berater und Vortragender. Trennung von der Theosophischen Gesellschaft. Zu einer befriedigenden und gesunden Lebensgestaltung bedarf die Menschennatur der Erkenntnis und Pflege ihrer eigenen übersinnlichen Wesenheit und der übersinnlichen Wesenheit der aussermenschlichen Welt. …Wahre Geistesforschung und die aus ihr folgende Gesinnung soll der Gesellschaft ihren Charakter geben…: 1. Es können in der Gesellschaft alle diejenigen Menschen brüderlich zusammenwirken, welche als Grundlage eines liebevollen Zusammenwirkens ein Carl Unger (1878-1929) gemeinsames Geistiges in allen Menschenseelen betrachten, wie auch diese verschieden sein mögen in bezug auf Glauben, Nation, Stand, Geschlecht usw. 2. Es soll die Erforschung des in allem Sinnlichen verborgenen Übersinnlichen gefördert und der Verbreitung echter Geisteswissenschaft gedient werden. 3. Es soll die Erkenntnis des Wahrheitskernes in den verschiedenen Weltanschauungen der Völker und Zeiten gepflegt werden (Aus: Entwurf der Grundsätze einer Anthroposophischen Gesellschaft 1912)

„So haben wir nötig, dass, ohne dass der Bogen überspannt wird, nicht durch Anstrengung, sondern durch Ökonomie der Erziehung, Konzentration bei den Kindern erreicht werden soll. Dies können wir in der Weise, wie es der heutige Mensch braucht, nur erreichen, wenn wir etwas abschaffen, was heute noch sehr beliebt ist: Wenn wir den verfluchten Stundenplan in den Schulen abschaffen, dieses Mordmittel für eine wirkliche Entwickelung der menschlichen Kräfte. Man denke nur einmal nach, was es heißt: von 7 – 8 Rechnen, von 8 – 9 Sprachlehre, von 9 – 10 Geographie, von 10 – 11 Geschichte! Alles dasjenige, was von 7 – 8 die Seele durchwogt hat, wird ausgelöscht von 8 – 9 und so weiter. In diesen Dingen ist es heute notwendig, den Sachen auf den Grund zu gehen. Wir dürfen überhaupt nicht mehr daran denken, dass Lehrfächer da sind, damit „Lehrfächer“ gelehrt werden; sondern wir müssen uns klar sein: Im Menschen vom 7. bis 14. Jahre müssen entwickelt werden in der richtigen Weise Denken, Fühlen und Wollen. Geographie, Rechnen, alles muss so verwendet werden, dass in der richtigen Weise Denken, Fühlen, Wollen entwickelt werden. Viel spricht man in der heutigen Pädagogik davon, man soll die Individualitäten entwickeln, man soll der Natur ablauschen, welche Fähigkeiten man entwickeln soll. Alles Phrasen! – weil diese Dinge nur einen Sinn bekommen können, wenn man die Sache aus der Geisteswissenschaft heraus bespricht; sonst bleibt es Phrase. Es wird daher in der Zukunft notwendig sein, dass man sich sagt: Für ein bestimmtes Lebensalter ist zum Beispiel vor allen Dingen notwendig, etwas Rechnen beizubringen. Dazu muss man zwei, drei Monate verwenden, um an den Vormittagen Rechnen beizubringen. Nicht einen Stundenplan, der alles durcheinander enthält, sondern der Rechnen eine Zeitlang treibt – dann weitergehen. Und genau die Dinge so einstellen, dass sie eingestellt sind auf das, was die Menschennatur in einem bestimmten Zeitpunkt verlangt!“ Aus: Rudolf Steiner, „Die Erziehungsfrage als soziale Frage“, Zweiter Vortrag, Dornach, 10. August 1919.

http://www.goetheanum.org/ 31.3.2012, 9:30

Ausgewählt von Roman David-Freihsl

David Johannes Neugebauer 8. März 1990 - 17. April 2012

Fühle, wie wir liebend blicken In die Höhen, die dich jetzt Hin zu andrem Schaffen rufen, Reiche den verlassnen Freunden Deine Kraft aus Geistgebieten.

Höre unsrer Seelen Bitte, Im Vertrau‘n dir nachgesandt: Wir bedürfen zu dem Erdenwerk Starker Kraft aus Geistes-Landen, Die wir toten Freunden danken.

Eine Hoffnung, uns beglückend, Ein Verlust, der tief uns schmerzt: Laß uns hoffen, daß du ferne-nah, Unverloren unsrem Leben leuchtest, Als ein Seelenstern im Geistbereich. Rudolf Steiner

GA 157 – Menschenschicksale und Völkerschicksale, 7. Vortrag, Berlin, 22. Februar 1915

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MoMent Rückblick …

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„Ein Fest für uns“

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iebe Festvorbereiter, Tanzende und Ziehharmonikaspielende, Würstelgrillende, Holzarbeitende, Specksteinbohrende und Sägespäne-Stopfende, Essensverteiler und Kaffee-Kochende, Filzende, GarderobenAusräumende und fleißig Mithelfende, Her(und vor allem schweißtreibend und auch nervenaufreibend) Wegräumende, das Arbeitsende-Genießende und sich am gelungenen Fest Freuende! Wir alle haben trotz wechselnden Wetterund Windverhältnissen wieder ein wunderschönes „Fest für uns“ gefeiert. Mir hat es wieder große Freude bereitet, mit euch allen zusammen dieses Fest (diesmal mit sehr wenig Vorbereitungs-Aufwand) zu organisieren und zu feiern! Michaela Eberharter P.S.: Mit den Einnahmen von rund € 820,wurden 10 Heurigengarnituren für die Schule angeschafft, mit und an denen hoffentlich noch viele weitere schöne und fröhliche Feste gefeiert werden können! Dank an Monika Böhm, Irene Mayer, Angela Schindler und die Musikschule, Renate Hruza, Herta Hans, die 11. Klasse und all die Eltern, die tatkräftig mitgeholfen haben oder spontan noch Zelte zur Verfügung stellten.

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ährend sich anfangs nur einige Kinder mit der Laubsäge auseinandersetzten, saßen daneben fast immer acht Kinder, die an Steinen feilten und schliffen, ja, diese pulverisierten. Mehr und mehr verwandelte sich der Tisch in eine weiße Sandlandschaft. Erst mit der Zeit und Dank einiger Eltern, die die Hände der Kinder an der Säge führten, entstanden mehrere schöne und bunte Kreiselarenen. Währenddessen wurde köstliches Brot und Gebäck neben uns im Ofen gebacken. Später waren es dann Pizzen, die weggingen wie die warmen Semmeln. Und dann ging es noch auf das Spielfeld. Mit Leidenschaft spielten Klein und Groß trotz Nieselregen Fußball. Als ich in Dortmund zur Schule ging, wäre ein solches Spiel an einem solchen Tag undenkbar gewesen – das war ein Fest! Und ich war dabei! Matthias Berke

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eter Eberharters „Würstel“-Eindrücke: ... die Begeisterung der Kinder, sich so viel nehmen zu dürfen, wie sie wollten, ein paar wenige, die mehr als reichlich schmausten und viele andere kleine und etwas größere Knirpse, die diese Steckerlgrillerei nach Herzenslust genossen – mit all ihren Eigenwilligkeiten.

Fotos: Nadja Berke, Lothar Trierenberg

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Beim diesjährigen „Fest für uns“ am Samstag, den 12.5., herrschte schon Stunden vor der Aufführung des Kasperlspiels knisternde Spannung.

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ie Eltern brannten darauf, in den von ihnen gemalten Bühnenbildern endlich ihre Kinder mit den Puppen agieren zu sehen. Viele Geschwister und eine Menge andere kleine und große Kinder freuten sich auf ein zauberhaftes Puppenspiel-Erlebnis.

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euer hat uns (= die Organisatoren) „Ein Fest für uns“ auf die Probe gestellt, wie denn dieses Fest bei nicht so günstigen Wetterverhältnissen aussehen kann. Wir haben uns am Tag vorher schweren Herzens eingestanden, dass es „vielleicht doch regnen könnte“ und eine Schlechtwetter-Variante erarbeitet. Diese wurde durch den zu Beginn warmen und schönen Tag noch einmal variiert und letztlich ist die vorgefundene Veranstaltung daraus geworden – ein bisschen drinnen, ein bisschen draußen – und auch das Chaos in den Garderoben ist nicht ausgeblieben. Es wurden Jacken weggehängt und nach dem Fest wieder hingehängt ... aber wo sollten sie hin? Frau Platzer und Frau Rumetshofer hatten am Montag sicher eine interessante Beschäftigung ... herzlichen Dank den beiden für ihr geduldiges „Hinnehmen“. Neben vielen Angeboten hat uns heuer die 4. Klasse wieder ihr Kasperletheater vorgespielt – mit wunderbarer, selbst gemalter Kulisse – und einem Kasperl, der einen langen Weg bestreiten musste.

Punkt 16 Uhr 30 begann das Drängen in den Klassenraum der 4. Klasse, der wunderschön arrangiert war. Unter der Kasperlbühne stand in großen bunten Lettern der Titel des Stücks: „Die Zau}berfeder“, geschrieben von Frau Dragschitz, der Klassenlehrerin. Das Spiel war breit angelegt, und jedes Kind der Klasse hatte seine selbst gestaltete Puppenfigur im Einsatz. Cowboys und Indianer, Räuber und Polizisten, Magd, Gärtner und Koch, Schlafmütze und Meerjungfrau, Großmutter und Zigeunerin und noch eine Menge anderer halfen dem Kasperl, seinen Auftrag zu erfüllen. Die fröhliche Hauptfigur (ob seines langen Textes von vier Kindern gespielt) begegnete auf seiner Wanderung durch die zauberhafte Kulisse all den unterschiedlichen Mitstreitern. Dank seines Tauschgeschicks hatte der mittellose Kasperl die Zauberfeder erworben, konnte damit das erwünschte

Königreich gewinnen und somit die Bedingung des Königs geschickt erfüllen, die es ihm erlaubte, die Prinzessin zu heiraten. Es war ein Vergnügen, die Begeisterung der Puppenspieler bei der Aufführung zu spüren. Die Kinder begeisterten auch uns Zuseher. Neben der souveränen Textbewältigung und deutlichen Aussprache, waren mir die individuell gestalteten Auf- und Abtritte ihrer Figuren eine besondere Freude (winke, winke, hops und davon, hinaus und husch wieder herein in den Guckkasten und viele Varianten mehr). Ein leider etwas trübender Nebeneffekt war der unkoordinierte Einlass. Die immer wieder auf- und zugehende Eingangstüre quietschte so unangenehm, dass in den hinteren Reihen der Text oft nur schwer verstehbar war. Erst in der Mitte des Stücks nahm sich ein Vater das Herz, das dauernde Raus- und Reingehen zu unterbinden. Danach konnten wir alle das Stück wieder störungsfrei genießen, und beinahe alle hatten die Story dann doch noch verstanden. Um jedoch ganz sicher zu gehen und halbwegs verständlich berichten zu können, habe ich sie dennoch amüsiert nachgelesen. Ing. Peter Gluchi

Susanne Genswein

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chön, dass es nach wie vor so viel Freude, Kraft und Engagement in unserer Schule gibt. Sabine Trierenberg

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Die 3. Klasse baut ein Haus - und eine Bank W

o ist noch Platz für ein Haus? Wie jedes Jahr möchte auch unsere 3. Klasse ein echtes Haus bauen. Da im Schulhof und Garten schon genug kleinere und größere Häuser stehen, waren wir alle sehr froh dass im nahegelegenen Garten der Familie Baumgartner noch ein bisschen Platz war. So konnten die Schülerinnen und Schüler dort einen Fahrradschuppen zimmern und eine Gartenbank mauern - die Bank mit dem wohl sichersten Fundamenten in ganz Mauer. Über 3 Wochen lang marschierten die Kinder jeden Morgen gemeinsam zur Baustelle, es gab eine Baubesprechung und die Verteilung der Aufgaben. Vom Fundament ausheben, Balken zuschneiden, bohren, verzinken bis zum Streichen der Holzverkleidung gab es mehr als eine Woche lang viele Vorarbeiten zu erledigen.

Dann konnte der Grundstein mit Fingerabdrücken aller Kinder feierlich gesetzt werden. Danach wurde Beton gemischt und die Fundamente gegossen. Nach einem Wochenendeinsatz vieler Eltern um die Balken vorzubereiten, wurde dann auch bald die tragende Konstruktion für den Schuppen aufgestellt - ein Haus entsteht! Dann wieder an die Maurerarbeit - das Fundament ist ausgehärtet. Die zwei Sockel für die Bank werden mit klassischen Ziegeln gemauert, jedes Kind darf einen Ziegel fachgerecht legen - ein kleines, aber sehr feines Mauerwerk entsteht. Beim Schuppen wird indes geschraubt und genagelt - der Dachstuhl ist fertig, das Richtfest kann begangen werden!

Am Ende brauchen wir nur 3 Tage länger als geplant - und auch das Wetter hat fast immer mitgespielt - alle sind glücklich und zufrieden. Neben den vielen Handwerklichen Dingen die hier gelernt wurden - Frau Platzer war sehr „streng“ mit den Eltern, niemand durfte den Kindern die Arbeit „wegnehmen“ - haben die Kinder noch so manch anderes gelernt: „Was ich gut finde an der Hausbau-Epoche, ich habe gelernt ganz alleine das Bau-Tagebuch zu schreiben!“ Das Tagebuch war die begleitende Hausaufgabe, die oft in den Baupausen von den Kindern selbständig erledigt wurde. Ein großes Danke der ganzen Familie Baumgartner, die Ihren Garten mit 30 Kindern und vielen Eltern geteilt haben und Michael, der fast jeden Tag da war, geplant, koordiniert und gewerkt hat ohne Euch hätten wir kein Haus bauen können! Aber danke auch besonders an Sonja Fischbacher, sie hat für dieses Projekt keine Kosten und Mühen gescheut und den Hausbau von Anfang bis Ende begleitet! Und zum Glück haben wir über die ganzen 3 Wochen fast immer genügend Eltern gehabt, die sich Zeit genommen haben um die Arbeitsstationen zu betreuen und den Kindern vieles zu zeigen und zu lernen - Danke allen von uns! Lothar Trierenberg

Fotos: Lothar Trierenberg

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MoMent Rückblicke …

Parzival – ein besonderes Erlebnis der Fünften E

ine Geschichte, die sehr wahrscheinlich in vielen Elternhäusern ähnlich begann. Als Diana mit der frohen aufregenden Botschaft nach Hause kam: „Wir spielen ein Theater!“ War mein erster Gedanke, na typisch, schon wieder eine Extrawurst mit unserer 5. Klasse, ein Theat…. „Und ich spiele die Sigune!“, rief sie hinterher und strahlte mich aufgeregt an. Ich hörte sofort auf zu denken und freute mich mit. Ich spiele ja auch so gerne Theater und Auswendiglernen liebte ich meine ganze Schulzei… „Und ich habe urviel zum Lernen!“, holte mich Diana schon wieder aus meinen Träumen zurück. „Na, dann lies einmal vor!“ Ich hatte kaum ausgesprochen, hörte ich sie schon. Von Parzival hatte ich schon gehört, aber wer da dahinter und alles drinnen steckt hörte ich zum ersten Mal. Ich hörte von Jeschute, Orgellus, einem roten Ritter, Herzeloyde, König Artus, Schmied Trebucet, von Fragen, die leider nie gestellt wurden, von Versprechen und dem Schwert, dass beim ersten Schlag zerbricht (so ein Pfusch, dachte ich), dem Schmied, der schon sein ganzen Leben lang darauf wartet, es endlich reparieren zu können, damit er sein Lebenswerk abschließen kann, dem Jüngling, der in die Welt ziehen wollte, der unglücklichen Königin, den Turnieren, vielen gefährlichen Kämpfen, von Engeln, von Liebe und Schmerz und noch vielem mehr. Diana stürzte sich auch sofort in ein intensives Rollelernen und hatte nicht Ruhe, bevor sie ihren Teil konnte. Als die Zeit der Aufführung näher rückte, rezitierte sie fast das ganze Stück. Zu guter Letzt entwickelte sich, je näher die „Aufspielzeit“ kam, ein wenig Nervosität und Lampenfieber. Bevor ich von der Aufführung berichte, möchte ich noch ein paar Besonderheiten aus der Zeit der Proben und Vorbereitungen bringen. An jenem Samstag, als wir die Veranstaltung „Lebens-RaumSchule“ vorbereiteten und durchführten, hatte Frau Willau ihre Klasse zum freiwilligen Unterricht eingeladen. Ich war natürlich sehr neugierig, wie viele Kinder da kommen würden. Als ich am besagMai / Juni 2012  MoMent

ten Samstag nachsehen ging, fühlte ich eine unbändige Freude in den Kindern, als sie da so zeichneten, Farben mischten und malten, ja – und dazwischen sogar ein Liedchen anstimmten. Es waren mehr als die Hälfte der Kinder der 5. Klasse gekommen, um mit Unterstützung von Frau Ellermann, Frau Klein und Frau Willau die Kulissen herzustellen, die dann bei der Aufführung von uns bestaunt wurden. Aber auch das Schwert des Königs forderte, bevor es seiner Bestimmung nachgehen konnte, noch Aufmerksamkeit. Es wollte nämlich nicht so leicht zerspringen, wie es den Vorgaben des Texts und den Vorstellungen der Regie entsprach. Mit Schleifpapier und Feile ließ sich diese Unpässlichkeit des Schwertes bereinigen und seine tadellose Funktionalität herstellen. Etwas schwieriger war es da schon, dem Schwert zu helfen, als von unbekannter Hand der Schaft des Schwertes zerbrochen wurde. Wahrscheinlich geschah das bei geheimen Übungen edler Rittern. Wie nicht anders zu erwarten, wurde der Schaden genauso unbemerkt gerichtet, wie er entstanden war. Parzival würde nun mit sicherer Hand seine Schlachten schlagen können. Endlich war er da, der 28. März. Der Tag, an dem die 5. Klasse „die Bretter, die die Welt bedeuten“ vor großem Publikum betrat.

Unsere Kinder spielten einen Parzival, wo die Dramatik der sich überschlagenden Ereignisse, von Spannung kaum von anderen Stücken zu überbieten sein wird. Furcht, Angst und Verzweiflung standen beinahe greifbar im Raum. Erst langsam regte sich wieder Hoffnung auf ein gutes Ende. Nur der Glaube der Helden an die guten und edlen Rittereigenschaften konnte uns Zuseher mit dem schweren Schicksal der Herzogin versöhnen. Erst als sich herauskristallisierte, dass zu guter Letzt doch der Wahrheit zum Durchbruch gelangen würde, waren wir mit dem Stück wieder versöhnt. Alle Charaktere fanden sich im Enthusiasmus des Hineinwachsens und Herauslas>>

Fotos: Josef Brüller

Als wir eintrafen, waren die Sitzplätze schon fast alle besetzt. Bis zum Beginn der Aufführung waren dann alle Sitze mit Geschwister, Opas, Omas, Tanten, Onkeln, Lehrerinnen, Lehrern, Eltern sowie Adabeis bis zum letzten Platzerl belegt. Die Aufregung war den Kindern ins Gesicht geschrieben, als sie die große Bühne, der halbe Eurythmie Raum war Bühne, betraten. Sogleich fanden sich die Akteure ein und den jungen ungestümen Ritterssohn zog es auch sofort in die Welt hinaus. Aber ohne Segen und einige Verhaltensregeln von seiner Mutter durfte er doch nicht in die Fremde ziehen.

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Kein Zurück mehr …

Parzival – ein besonderes Erlebnis der Fünften

Radwoche der >> sens in den jeweiligen Traumrollen, die den Darstellern wie auf den Leib geschneidert schienen. Sie zeigten uns einige edle Tugenden und auch manche wahre Untugend der Herren Ritter und deren Damen. Eine lange Reihe von glänzenden Gesichtern und strahlenden Augen stand nach einer mitreißenden Aufführung vor uns auf der Bühne und nahm den wohlverdienten Applaus entgegen. Dass außer Hirn und Herz auch die physischen Teile der Menschen ihren Teil abbekamen, war dann Sache der Eltern. Wir hatten im Lehreraufenthaltsraum ein reichhaltiges Büffet vorbereitet. Bei Getränken, Kuchen, Knabbergebäck, Obst und Gemüsestückchen sowie angeregten Gesprächen in dichtem Gedränge klang wieder ein wundervoller Nachmittag aus. Dieser Theatertag wird den Akteurinnen und Akteuren, wie auch uns passiven Teilnehmern, sicher in Erinnerung bleiben. Mit Freude und Dankbarkeit möchte ich hier Frau Willau Bewunderung für dieses sehr gelungene weitere Zusammenschweißen der Klasse entgegenbringen. Bei manchen Besetzungen hatten wir das Gefühl, die Rolle wurde speziell für diese Darstellerin oder diesen Darsteller geschrieben. Großartig gelang auch die Regiearbeit. Die Auf- und Abtritte der Darsteller, die hinter dem Publikum die Seiten wechselten, das Ausnützen des gesamten Raumes für das Hineinwachsen in die Szenen und das Herausgehen aus dem Spiel funktionierte so sicher, also ob schon monatelang geprobt worden wäre. Bestätigt wurde das auch vom gesamten Publikum durch den großen Applaus. Sollte doch einmal ein Akteur Zweifel am Zeitpunkt seines Auftrittes gehabt haben, wies ihm die restliche Crew mit Kopf, Hand und Fuß unauffällig die richtige Richtung. Aus all diesen erwähnten Gründen und sicher noch einigen mehr, waren daher der tosende Applaus und die frenetischen Bravorufe am Spielende gerechtfertigt. Und die Vorfreude auf die Spiele in der Sechsten ist wahrlich berechtigt. Josef Prüller 8 |

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ls ehemaliger Schüler und jetziger Vater hat es mich besonders gefreut, mit unserer 6. Klasse auf Radwoche an den Ottensteiner Stausee ins Waldviertel fahren zu dürfen. Nach kurzer Rücksprache mit meiner Tochter, ob es für sie in Ordnung wäre, antwortete sie: „Papa, wenn du nicht peinlich bist!“ Die Räder wurden gecheckt und los ging es. Abfahrt: Montag, 10 Uhr. Es ging also recht gemütlich los. Nach einer entspannten Busfahrt kamen wir in Peygarten-Ottenstein an und bezogen unsere schön am Waldrand gelegene Unterkunft, streng nach Mädchen und Buben getrennt J.

Die Stimmung unserer Kinder war recht ausgelassen und voller Tatendrang, fast waren sie etwas enttäuscht, als sie erfuhren, dass wir am ersten Tag nicht mehr unser Rad besteigen würden. Wir schauten uns das EVN Kraftwerk Ottenstein an, mit mäßig interresantem Vortrag, aber umso beeindruckenderer Staumauer. Danach Rückkehr zur Herberge und wie sich die folgenden Tage herausstellte: regelmäßigem Lauftraining mit anschließender Gymnastikpyramide. Tut auch einem Papa mit Wohlstandsbäuchlein ganz gut.

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Sprung! 6. Klasse am Stausee Ottenstein, Waldviertel Die nächsten zwei Tage wurde endlich ausgiebig Radgefahren. Einmal entlang des Kampsees Dobra mit Besuch der Ruine Dobra und anschließend einer Greifvogelschau beim Schloss Waldreichs. Tags darauf nach Zwettl mit Besichtigung des dortigen Zisterzienserklosters. Die Radtouren waren für die meisten Kinder, dank der Vorbereitung des Turnlehrers, recht gut zu meistern, für manche war es ganz schön anstrengend, wahrscheinlich auch auf Grund des sehr schönen Wetters und der damit verbundenen warmen Temperaturen. Was will man mehr im Waldviertel?!

Der Donnerstag wurde dann etwas ruhiger, wir bereiteten einen Geschicklichkeitsparcour mit doch einigen Herausforderungen vor, welcher von allen Kindern meisterhaft bewältigt wurde. Nachmittags ging es dann endlich zum Tretbootfahren an den Stausee. Da doch einige von uns den Stausee kannten, wussten wir auch, wo es einen Felsen gibt, von dem man gefahrlos ins Wasser springen konnte, was einige von uns auch nach einiger Überwindung taten. Ich selbst schaute von oben ins Wasser und war mir nicht sicher: „Soll ich oder soll ich nicht, eher nicht!“ Doch es kam anders: Meine Tochter war das erste Mädchen, das sich zu springen traute. Ich war insgeheim schon stolz auf sie, nur jetzt gab es für mich kein Zurück mehr… Sprung!

Diesen schönen Tag ließen wir mit gemeinsamem Grillen und anschließendem Nachtspaziergang ausklingen. Nach der Erläuterung von ein paar Sternbildern trat die Sangesfreude der Kinder wieder hervor. Dann begaben wir uns weiter singend auf den Weg. Am letzten Tag meisterten wir vormittags noch alle den gut im Wald versteckten Fitnessparcour, bevor wir wieder den Bus bestiegen und heimwärts fuhren. Für mich war es eine wunderschöne, interessante Woche. Es war sehr schön zu sehen, was für eine tolle Klassengemeinschaft in der 6. Klasse herrscht. Unsere Kinder sind ausgesprochen hilfsbereit und fürsorglich miteinander. Auch wenn manchmal ein raues Wort fällt, kann sich jedes Kind auf das andere hundertprozentig verlassen, nie wurde ein Kind allein gelassen; wenn es ein Problem gab, waren alle zur Stelle. Allein dafür und die tolle Organisation ist Herrn Jörg Wohlmacher zu danken! Peter Gattinger

Fotos: Peter Gattinger, Jörg Wohlmacher

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MoMent Rückblick …

„Anatevka“ oder „Der Fiedler auf dem Dach“ Lina aus der 4. Klasse sagte: „ das war das beste Klassenspiel“. Alle aus der Klasse schlossen sich an und sangen im Musikunterricht noch Wochen danach mit Freude Mazeltov, Mazeltov.

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ls ich zum ersten Mal gehört habe, dass wir ein Musical aufführen, dachte ich mir schon, dass das viel Arbeit wird. Ausgewählt wurde Anatevka, weil es da viele Rollen gibt. Ich erhoffte mir eine Rolle, die zu mir passt, also tiefere Stimmlage und mit nicht zu viel Text. Und ich bekam zwei Rollen, die ziemlich gut zu mir passten. Während der Probezeit bekamen wir Gesangsunterricht von Studenten der Musikuniversität und probten unsere Szenen mit Herrn Dick. Die Proben waren anstrengend und lang, aber das war zu erwarten. Die Proben waren am Anfang sehr lustig, sie wurden aber immer anstrengender und stressiger. Es war oft sehr anstrengend wegen der langen Wartezeiten und Probezeiten. Wir mussten auch Text lernen und Sprachübungen machen.

Auszüge aus Aufsätzen der Schüler der 8. Klasse

Allerdings musste ich bei den Proben oft bis zum Schluss bleiben. Manchmal war die Stimmung gereizt, aber es gab auch viele schöne Momente.

Ich glaube, dass alle irgendwas aus dem Stück mitgenommen haben: eine wichtige Erfahrung oder nur eine schöne Erinnerung.

Dann kam die Kostümprobe und wir zogen uns verschiedene alte Sachen an, was sehr lustig war. Aber dann gab es ein Problem: dem einen war das zu kurz, dem anderen zu lang, dem nächsten gefiel es nicht. Ich glaube, wenn die bei den Kostümen helfenden Mütter nicht starke Nerven gehabt hätten, wären sie schon bei der ersten Probe ausgezuckt.

Sich auf die Bühne zu stellen und vor so vielen Leuten zu spielen und sogar zu singen war eine große Herausforderung, die wir aber alle gut bewältigt haben.

Wir alle waren bei den Aufführungen meist sehr aufgeregt, aber waren auch gut drauf, weil unsere Kostüme und Bärte echt lustig aussahen.

An alle, die das 8. Klass-Stück noch vor sich haben kann man es nur in so beschreiben:

Trotz allem Stress sind uns die Aufführungen sehr gut gelungen und ich hatte auch viel Spaß dabei. Gelernt habe ich, ganz aus mir hinaus zu gehen und mich in Rolle hinein zu versetzen.

Stressig! Lustig! Einfach cool! Viel Spaß! Ajuscha, Anna, Franziska, Jasmine, Judith, Magdalena, Marius, Markus

Fotos: Stephan Trierenberg

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Eine Lobeshymne Singabend der Elften Eigentlich fehlen mir ja die Worte, aber dieser Abend war so überwältigend, dass etwas gesagt werden muss. Die Kinder, die „gestern“ noch bei uns im Garten Indianer gespielt haben, stehen jetzt da vorne auf der Bühne und liefern uns eine Darbietung von so unglaublicher Intensität, dass unsere Herzen fast zerspringen vor Emotionen. Wenn man, wie wir Eltern, jedes Kind mit seiner Geschichte schon so lange kennt, ist es umso berührender. Aber jetzt sind sie keine Kinder mehr, sondern die Schulzeit hat aus ihnen fähige, kompetente junge Menschen gemacht, die selbstbewusst auf der Bühne stehen und ihr Können präsentieren. Unterstützt durch einen der fähigsten Pädagogen, die ich je kennengelernt habe, der es fertig bringt, diese jungen Menschen zu solchen Leistungen hinzuführen und dabei noch dazu den Spaß und die Freude am Tun vermittelt. Ein Geschenk des Himmels sind solche Lehrer! Und wir hier in Mauer haben eins bekommen, dafür sind wir unheimlich dankbar! Was die Jugendlichen an umfassenden Erfahrungen aus solchen Projekten ins Leben mitnehmen, genau das ist es, was uns immer wieder bewogen hat, unsere Kinder an dieser Schule zu lassen. Obwohl speziell in dieser Klasse die Lehrerprobleme oft so groß waren, dass ich mich manchmal eh frage, warum wir nicht alle davon gelaufen sind! An so einem Abend wissen wir es! Denn es ist ja so, dass sie alle nicht nur großartig gesungen haben, sondern sich auch noch selbst auf hervorragende Weise begleitet haben. Fünf tapfere Burschen haben viele extra Proben mitgemacht und sind zwei Abende lang fast durchgehend auf der Bühne gestanden und haben ihre Klassenkameraden in einer Weise als Begleiter durch das Lied getragen, die ihresgleichen sucht! Meine Hochachtung! Die derzeit modernen Gesangsshows im Fernsehen können wirklich einpacken! Die echten „Stars“ gab’s bei uns in Mauer zu hören! VIELEN DANK FÜR DIESEN GRANDIOSEN SINGABEND!

Fotos: Lothar Trierenberg, Karl Hruza

Imme Winter Mai / Juni 2012  MoMent

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IMMER, WENN DAS ROT GEBURTSTAG HAT Individuelles Malen im Kindergarten „Malen mit Aquarellfarben“ ist gedacht als ergänzendes Angebot für unsere Sonnenkinder (= Vorschulkinder). Es kommen aber auch jüngere Kinder, von denen wir wissen, dass es ihnen gut tut, öfter einmal für sich alleine in Ruhe malen zu können. Ein Viertelstündchen oder auch länger. Da kann der Pinsel dann besonders sorgfältig in die Farbe eintauchen, um die richtige Menge mitzunehmen, denn das Blatt ist ja schon nass. Und wie führt man ihn am besten, wenn darauf die Sonne leuchten oder das Gras wachsen soll? Die Kinder tauchen tief in das lösende Farbgeschehen ein, sie sind alle kleine Künstler – ganz spontan und aus dem Moment heraus kann sich ihr inneres Erleben ausbreiten: Da darf ein ganzes Blatt blau sein, hell und dun-

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kel. Ganz im Blau leben, wie gut das tut! Oder heute Rot – überall will es hin! Was für ein Erlebnis, selbst entdecken zu dürfen: Blau und Gelb treffen einander, eine neue Farbe entsteht! Man darf auch einfach einmal nur mischen. Wie viel da übereinander liegt! Oder vielleicht wollen einander die Farben heute gar nicht begegnen? Gelb will alleine strahlen! Rot ist heute besonders stark! Blau will in Ruhe schlafen! Die größeren Kinder wollen bereits öfter mehr in die Darstellung gehen. Ihnen erzähle ich – während das Blatt bereitet wird und die Farben gemischt werden – manchmal eine Farbgeschichte. Etwa, wenn das Rot Geburtstag hat – wen es sich da wohl zum Farbenfest einlädt? Oft schildere ich auch, dass zum Beispiel draußen gerade die Bäume blühen, die Vögel ihre Nester bauen, das Boot auf dem Wasser schaukelt. Oder dass die Handwerker ein Haus bauen. Die einen greifen es gerne auf, die anderen erzählen selbst eine Geschichte – immer findet sich etwas, das dem Kind entgegenkommt. Wie überall im Spiel ist es auch hier der Prozess, der zählt – das Ergebnis kann die unglaublichen Geschichten, die die Farben erzählt haben, nur andeutend wiedergeben. Manchmal begleite ich das Malen mit Musik und Singen. Einige Kinder steigen auch am Ende in eine kleine Malmusik ein. Auf jeden Fall bekommt das fertige Bild einen Ton geschenkt – und die Farben lachen und strahlen! Gertraud Walter

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Change „Die Kunst ist ewig, ihre Formen wandeln sich“ Eurythmieaufführung der 11. Klasse Mittwoch, 27. Juni, 19 Uhr im großen Festsaal der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Welt

Der Fernseher läuft Und das in die Stille hinein Während man leise das „Klick“ Der Fernsehtaste vernimmt Stille Nur mehr mein Atem Fern Musik Umgeben von Blumen Von Menschen! Geräusche Mord, Totschlag Der Fernseher ist aus So ist diese Welt Und nicht anders!

Jura Soyfers Bearbeitung eines Stückes von Kurt Tucholsky und Walter Hasenclever Wie wir wissen, wollte Christoph Kolumbus 1492 den Seeweg nach Indien finden und hat dabei Amerika entdeckt. Das ganze Unterfangen wird sofort zum Tummelplatz für Spekulanten und Verbrecher. Jeder möchte sich an der Entdeckung bereichern. Das Besondere an diesem sehr kabarettistischen Stück ist, dass seine Probleme – Globalisierung, Kapitalismus bzw. neoliberale Ausbeutung – verblüffend unsere Zeit charakterisieren.. Also, wer sehen möchte, wie die Entdeckung Amerikas „wirklich“ war, komme am Dienstag den 5. bzw. Mittwoch den 6. Juni, jeweils um 19:30 Uhr in den gr. Festsaal. Wir freuen uns sehr auf Ihren Besuch!

Die 12. Klasse © Matthias Köck

Geräusche Mord, Totschlag Der Fernseher läuft Ouvertüre zur Geschmacklosigkeit Menschenverachtend Sitzt man Und Liebt das Leben So wunderschön ist diese Grausamkeit Du bist Wunderschön Das was noch übrig bleibt Von mir soll Dein letztes Wasser in der Wüste sein Das ist ein Traum Während ich merke wie Mir langsam die Augen zufallen Geräusche Mord, Totschlag

Broadway-Melodie 1492

Matti Melchinger

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Matti Melchingers Schauspiel-Empfehlungen Gestrandet im Burgtheater

Schön, dass Sie sich für meine neue Moment-Rubrik interessieren! Hier möchte ich nicht mehr, wie früher, nur mit einem Gedicht, sondern mit einer ganzen Schauspiel-Empfehlung/Kritik auftreten.

Den Anfang macht NACH DANIEL DEFOE ROBINSON CRUSOE Projekt einer Insel mit Joachim Meyerhoff und Ignaz Kirchner am Burgtheater Wien. „Ein Schiff geht unter und mit ihm alle alten Möglichkeiten, weiterzumachen wie bisher. Ein Einziger überlebt die Katastrophe – Robinson Crusoe, der Mann, den seine Unzufriedenheit mit der sicheren Mittelmäßigkeit des Lebens immer wieder zu abenteuerlichen Unternehmungen trieb. Es heißt, von vorn zu beginnen, allein in der Wildnis zu überleben.“ Zitat Burgtheater. Dieses fast zweistündige Spektakel nimmt einen mit auf eine Insel. Eine Insel des Burgtheaters. Nicht nur vom Bühnenbild her, sondern auch von der schauspielerischen Leistung. Die Bühne ist nämlich in diesem Fall der Zuschauerraum. Bühnenbildner Stéphane Laimé ließ das Publikum einmal ausnahmsweise auf die Bühne. Ja, tatsächlich sitzt das Publikum auf der Bühne und gespielt wird im Zuschauerraum. Jan Bosse sorgte mit seiner Regie dafür, dass nicht nur die „Bühne“ den Anschein einer Insel vermittelt, sondern auch das Schauspiel. Jedoch fragt man sich, ob es wirklich Bosse war, der Regie führte und nicht eher die Schauspieler selbst, die durch ihre Sicherheit auf so einer ungewohnten Bühne dieses „Insel“ Bild vermitteln. Es ist anzunehmen, dass die beiden „Burg-Stars“ die Regie in die Hand genommen haben, denn es überwiegt die Improvisationskunst. Was aber keineswegs eine Kritik ist, denn was soll man denn groß Text üben, wenn man allein auf einer Insel landet. Ein großes Lob muss an die Technik ausgesprochen werden, denn Meyerhoff nützt die Bestuhlung als Requisit (der Überlebensangst) und zerstört somit den gesamten vorderen Zuschauerraum. Langsam schwindet all dieses feine, schöne Rot des Burgtheaters. Immer mehr wird es ein Dorf, rein aus Theater im Theater. Jedoch richtig interessant wird es erst, wenn der, nicht der englischen Sprache mächtige Kannibale Freitag (Kirchner) die Insel betritt. Crusoe muss ihm erst das Sprechen beibringen; und auf ge-

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schickt humorvolle Art schafft er es, Freitag in die Geheimnisse des Lebens einzuweihen. Crusoe macht Freitag zu seinem Knecht, sogar die Frau muss ihm Freitag ersetzen. So beifällig macht Freitag gegen Ende die Bemerkung, dass ein Schiff käme, was Crusoe ihm nicht glaubt, wieder auf sehr humorvolle Art und Weise merkt Crusoe, dass tatsächlich ein Schiff in der Nähe ist und bemerkt gar nicht, dass Freitag leise und traurig mit seinem Koffer von dannen geht. Es lässt einen philosophieren über die Einsamkeit, die das Leben so schrecklich oder wunderbar sein lässt. „Lasst uns nicht allein, dann lassen wir euch nicht allein, und dann wäre Einsamkeit auch gar nicht mehr nötig“, dies nur als Einwurf. Das Ende bleibt also offen, was aber bei einem so gewaltigen An-

fang nicht stört. Diesen möchte ich Ihnen jetzt aber auch nicht schildern, dazu müssen Sie schon selbst Nach Daniel Defoe Robinson Crusoe Projekt einer Insel im Burgtheater besuchen. Lassen Sie sich von solch gewaltigen Wellen des unglaublichen Schauspiels mitreißen!! Ihr Matti Melchinger

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MoMent Rückblick …

Aktuelle Termine, Veranstaltungen Di u. Mi 5. u. 6.6. jeweils 19:30 Uhr Broadway-Melodie 1492, Spiel der 12.Klasse s.S. 13 Do 7..6. bis So 10.6. schulfrei (Fronleichnam) Mi 13.6. 18 Uhr Schülerkonzert d. Freien Musikschule

„Stumpfsinn“

E

Ein Abend von und mit Matti Melchinger mit Texten von und über Thomas Bernhard

iner dieser Neuntklässler war es, dieser Matti Melchinger, längst bekannt für seine Theaterleidenschaft, die geradezu Passion genannt werden mag, in den vielfältigsten Ausformungen vom Darstellerischen über das Regieführen bis zurück zum Selberschreiben ganzer Stücke, die dann in Eigenregie dargestellt werden; dieser Matti Melchinger also war es, dieser Neuntklässler, der sich am Abend des 14. Mai auf die Bühne des Kleinen Festsaals stellte, um Selbstzusammengestelltes in Eigenregie gänzlich im Alleingang darzustellen; ganze eineinhalb Stunden lang eine Collage von Texten, die großteils ursprünglich der Feder Thomas Bernhards entstammten, diesem, man muss es sagen, genialischen Österreichhassers und Heimatbeschimpfers, der sein ganzes Leben lang im Grunde nichts anderes tat, als gegen den von ihm so abgrundtief verachteten Stumpfsinn schreiberisch anzurennen, dieses Thomas Bernhards Texte also hatte Matti Melchinger zusammengestellt, mit Lebensdaten moderierend verbunden, auswendig gelernt und dem Publikum dargeboten, sodass man sich letztlich fragen muss, ob solches nun in irgendeiner Weise lehrplankonform genannt werden kann und ob dieser Matti Melchinger denn nichts anderes auswendig zu lernen habe, dieser Besucher einer Bildungsanstalt, die doch eigentlich dem Auswendiglernen dienen soll, wo doch das Für-das-Leben-Lernen gemeinhin als nichts anderes verstanden wird, als mechanisches, geradezu stupides Auswendiglernen von Daten, Fakten und von Kommissionen auserkorenem Wissenswertem, mit dem sich die Jugend auf das, was Leben genannt

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wird, vorzubereiten habe und dabei doch nichts anderes tut, als vergessen zu lernen, dieses Vergessen und wieder Vergessen, um für das nächste Auswendigzulernende, dieses Abzuprüfende rasch Platz zu schaffen, denn nicht anders als Vergessenlernanstalten müssten sie genannt werden diese Einrichtungen – und da steht also dieser Matti Melchinger und gestaltet einen Abend mit Auswendiggelerntem, das er gänzlich unkommissioniert sich selbst zusammengestellt auf die Bühne bringt und lässt sich dabei nicht einmal von einem Stromausfall aus dem Konzept bringen und spielt, als gäbe es keinerlei Respektspersonen, deren Wissen er sich selbst einzutrichternd unterzuordnen habe. Danke, Matti Melchinger, für die Wiedererweckung einer Begeisterung für Thomas Bernhards Texte. Roman David-Freihsl

Do 14.6. 18 Uhr Schülerkonzert d. Freien Musikschule So 17.6. bis Di 26.6. Vermessungs praktikum der 10. Klasse M0 18.6. 18 Uhr Schülerkonzert d. Freien Musikschule Mo 18.6. Reise der 12. Klasse Do 21.6 18 Uhr Offene Konferenz Sa 23.6. 9:00 Schulfeier mit Modeschau d.9.Kl Mi 27.6. 19 Uhr Eurythmieaufführung der 11. Klasse s.S. 13 Fr 29.6. letzter Schultag Sa 30.6. bis So 2.9. Sommerferien 1. Schultag Mo 3.9.2012 Redaktionsschluss für die September Ausgabe von MoMent Mittwoch 15. August Sämtliche Artikel können aber ab sofort an die Redaktion gesendet werden.

Die Wiener Christengemeinschaft feiert am Sonntag, den 24. Juni ab 15 Uhr das bereits traditionelle

Sommerfest Im Garten des Christengemeinschafts-Grundtücks in der Rudolf Waisenhorngasse 41. Mit Spiel, Spaß, Laientheater, Plaudern, Büffet und Grillerei. Weitere Termine der Filialgemeinde Wien-Süd in der Studienstätte, Speisinger Straße 258: 3. Juni: Kindergottesdienst um 9:45 und Menschenweihehandlung um 10:30 Uhr 16. Juni: Kindergottesdienst um 9:45 Uhr Evangelienkreis – das Lukas-Evangelium: 11. Und 25. Juni jeweils um 8 Uhr in der Studienstätte. Lesekreis: Das fünfte Evangelium: Dienstag, den  12. und 26.Juni um 19:30h 1230, Rudolf-Waisenhorngasse 41

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Zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners war ein ganzer Reigen von Veranstaltungen und Diskussionen organisiert worden, der durchaus kontroversiell diskutiert wurde. Hier ein kleiner Ausriss aus der Diskussion rund um den runden Geburtstag des Autors von Werken wie der „Philosophie der Freiheit“. Sehr geehrte Redaktion! Ich möchte zu einer Äußerung Stephan Sibers im Moment Interview, in dem er den Beitrag des Philosophen Peter Sloterdijk als Krönung der Feierlichkeiten ansieht, weil dieser Steiner als den bedeutendsten mündlichen Philosophen des 20. Jahrhunderts ansieht, Stellung nehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Rudolf Steiner mit dieser Qualifikation seiner Person auch nur im Entferntesten zufrieden gewesen wäre. Stellt sich doch durch die Wahl der Begriffe, die Verwendung finden, eine unüberwindliche scheinende Mauer zwischen ihn und die Philosophen. Diese entnehmen ihre Begriffe aus der Sinneswelt, er jedoch der Geisteswelt, die von den Philosophen nicht anerkannt wird. Rudolf Steiner war ein Geistforscher. Und es ist sein Verdienst, dass er den Philosophen einen fixen Punkt nennen konnte, wo die Gedankengebäude ihre Verankerung in der Wirklichkeit finden können. Weiters betrachtete R. Steiner das Zeitalter der Philosophen als überwunden, denn wenn man die Wirklichkeit mit Hilfe der Geistesschau kennen kann, braucht man darüber nicht mehr zu philosophieren. R. Steiner wirkt durch sein Werk selbst und bedarf keiner Unterstützung durch ein Ehrenkomitee, dessen Mitglieder ihn wahrscheinlich nur vom Hörensagen kennen. Peter Gaisbauer Ja, eh! Na, geh! Aber es ist doch auch schön, dass man, seit Descartes „medidationes“, seit Kants „kategorischem Imperativ“ und seit Fichtes „Wissenschaftslehre“ bis zum Begründungsfundament „unmittelbare Evidenz“ durch Denken kommen kann, so als Trost für alle, die zu nebbich sind, den Stand der Einweihungs- und Offenbarungsgiganten erreicht zu haben. Tröstet mich manchmal, der ich mich sowohl beim Philosophieren wie beim Meditieren wie beim Versuch, letzte Zusammenhangsoffenbarungen zu erlauschen über so eine Mittelwurmerl-Existenz noch nicht hinausgekommen bin. Dafür brauch ich andere Erbärmlinge nicht so verachten und das lindert dann doch auch wieder den Schmerz über mein Eleven- oder vielleicht besser „Larvein“-Dasein in der Welt der Geistgemäßheiten. Ich fand das „Steiner-Jahr“ spannend und hilfreich, weil es viele Begegnungen und Berührungen ermöglichte. Dafür bin ich allen Organisatoren und Mitwirkenden dankbar! Jörg Schmiedbauer

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BVZ Oberpullendorf

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MoMent Thema zur aktuellen Bildungsdebatte Kinder sollten den Lehrstoff nicht präsentiert bekommen, sondern ihn sich selbst erarbeiten. Hirnforscher Gerald Hüther. über versaute Mathe-Karrieren – und was es braucht, dass Kinder nur ein Fünftel der Zeit in der Schule sein müssen. STANDARD: Sie sagen, um nachhaltig zu lernen, braucht das Hirn vor allem Begeisterung. Aber kann Lernen ohne Druck überhaupt funktionieren? Gerald Hüther: Die Hirnforschung kann inzwischen zeigen, dass sich im Hirn nur dann etwas ändert, wenn es unter die Haut geht. Das Hirn ist kein Muskel, den man trainieren kann, indem man viel übt. Im Hirn passiert immer erst dann etwas, wenn derjenige, der lernt, das für sich selbst als wichtig beurteilt. Denn nur dann lässt man sich davon berühren, dann gehen die emotionalen Zentren an. Und immer dann, wenn im Hirn diese emotionalen Zentren aktiviert werden, wird eine Art Dünger ausgeschüttet. Der düngt gewissermaßen das Dahinterliegende, was man im Zustand der Begeisterung an Netzwerken aktiviert hat. Und das führt dazu, dass man immer das, was man mit Begeisterung lernt, auch so gut behält. STANDARD: Warum lernen kleine Kinder so viel und leicht? Hüther: So ein kleiner Dreijähriger hat ja am Tag 50 bis 100 Begeisterungsstürme, wo dann jedes Mal diese Gießkanne der Begeisterung im Hirn angeht und wo das alles gedüngt wird. So, und dann schicken wir die Kinder in die Schule. Da stimmt doch irgendetwas nicht, wenn dann an dem Ort, wo eigentlich diese Begeisterung genutzt werden sollte, das Wichtigste verlorengeht, was die Verankerung dieser neuen Erfahrung im Hirn erst ermöglicht. Da sind wir mit unserem Schulsystem offenbar auf einem Irrweg gelandet. STANDARD: Wie kann Schule in Hinkunft denn gelingen? Hüther: Es gibt bereits einige dieser anderen Schulen. Schulen, wo den Schülern etwas geboten wird, was sie verzaubert. Und das findet eben nicht statt, wenn man anfängt, Kinder zu unterrichten und ihnen etwas beibringen zu wollen. Es ist ein großes Missverständnis zu denken, indem man dem anderen sagt,

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„Schule produziert lustlose Pflichterfüller“

wie er’s machen soll, könne man bei ihm im Hirn irgendeine Veränderung auslösen. So geht das nicht. Das geht nur, wenn der andere sich davon berühren lässt. Wenn er das toll findet. Dann will er’s wissen. Und wenn er’s wissen will, dann lernt er’s auch. Es würde auch reichen, wenn die Kinder nur ein Fünftel der Zeit zur Schule gingen, wenn in dieser Zeit wirklich etwas passieren würde. STANDARD: Was sagen denn Noten über einen Schüler aus? Hüther: Gute Noten haben diejenigen, die sich am besten an die Systemanforderungen anpassen können. Die machen die Matura mit 1,0, aber die haben das Entscheidende eigentlich verloren, nämlich die Leidenschaft. Die geht natürlich weg, wenn ich etwa in der fünften Klasse als Bub anfange, mich für Schmetterlinge zu interessieren, aber ich muss das in mir selbst unterdrücken, weil in der Zeit, in der ich mich mit den Schmetterlingen befasse, kann ich ja nicht Deutsch und Mathe machen. So produziert unser Schulsystem auch in den oberen Bereichen, wo die Besten scheinbar herausgelesen werden, junge Menschen, die zwar gut funktionieren, aber, böse gesagt: Das sind dann leidenschaftslos gewordene Pflichterfüller. Und die kann eine Wirtschaft in Österreich auch nicht mehr gebrauchen. STANDARD: Stattdessen braucht es Schulen als Orte der Potenzialentfaltung. Wie geht das? Hüther: Eine ganze Klasse müsste zu einem Team werden, das unbedingt wissen will, wie die Fotosynthese funktioniert. Oder warum Shakespeare Macbeth geschrieben hat. Und dann ahnen Sie schon, dass die Kinder ungefähr zwei Wochen brauchen werden, um das alles herauszufinden. Aber das hätten sie sich alles selbst erarbeitet. Und das würden sie dann auch nicht wieder vergessen. Von außen kann man das Wissen dann nicht einflößen, da ist es sogar fast störend, wenn einer kommt und die Fotosynthese oder Shakespeares Schreibmotive erläutert. Jede Erklärung, die man Kindern gibt, hindert sie daran, die Frage zu stellen und es selbst herauszufinden.

STANDARD: Es hängt an der Person des Lehrers? Hüther: Die Lehrer tun mir leid. Die sind ja einmal losgezogen und wollten Unterstützer werden von Kindern bei Lernprozessen. Wenn die das nur noch mit Mühe aushalten, dann liegt das eben auch daran, dass sie derzeit kaum eigene Gestaltungsspielräume haben. Im Grunde genommen geht es den Lehrern fast so wie den Schülern. Und dann kann es eben sehr leicht passieren, dass man als Lehrer aufgibt, dass man den Mut verliert. Dann ist man keiner mehr, der einlädt, dann ist man einer, der sich nur mehr selbst rettet und versucht, durchzuhalten, bis die Rente kommt. Das ist natürlich eine Katastrophe. Es hat ja noch gar keiner unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgerechnet, was das später einmal alles kostet, wenn ein einzelner, mutlos gewordener Mathematiklehrer es fertigbringt, jedes Jahr zwanzig Schülern die Lust an Mathe zu versauen. Denn dann haben die ja meistens nicht nur die Lust an Mathe verloren, sondern auch an den Naturwissenschaften. Das heißt, da ist auf einmal etwas kaputtgegangen, was möglicherweise die gesamte Karriere und Entwicklung eines Kindes belastet. Und wenn man diese Kosten alle zusammenrechnet, könnte herauskommen, dass es besser wäre, diesen betreffenden Lehrer bei vollen Bezügen nach Hause zu schicken, als ihn noch einen Tag länger diesen Schaden stiften zu lassen. (Karin Riss, DER STANDARD) GERALD HÜTHER (61) ist Professor für Neurobiologie an der Psychiatrischen Klinik der Universität in Göttingen. Ein Standard-Interview vom 15. April 2012 18:20

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