a product message image
{' '} {' '}
Limited time offer
SAVE % on your upgrade

Page 1

Mo

M

ent

»GroSSe Bühne im Maurer Schlössl«

Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Sommer 2017 / € 4,00


Im Jahresheft 2016 der Rudolf Steiner-Schule Mauer kann man online schmökern: http://www.waldorf-mauer.at/moment

2 _ Editorial, Impressum

Jahresheft 2015/2016 MoMent Sonderausgabe

Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Schulzeitung MoMent,

die Entscheidung ist also gefallen: Das große Neubauprojekt

Herbst 2016

Mo

Ment

Zeitschrift von und für Eltern, FreundInnen, LehrerInnen, SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer Und zur Ehrfurcht kommt dann noch die Dankbarkeit: Dankbar sind

auf dem Schulgrundstück Endresstraße 113 soll ab Februar

wir als Redaktionsteam all den vielen Eltern, die sich so großzügig

des kommenden Jahres umgesetzt werden. Erste Vorberei-

und freigiebig bereit erklärt haben, jeden Monat einen Euro für das

tungen und Vorarbeiten starten aber schon diesen Sommer

Fortbestehen unserer Schulzeitung zu spenden. Für all diese Beiträ-

– wie etwa der Ausbau des letzten Dachbodenabschnittes im

ge empfinden wir eine sehr hohe Wertschätzung – wissen wir doch

Hauptgebäude gegenüber. Über die Details dazu berichtet

aus eigener Erfahrung, wie groß der finanzielle und auch der zeitliche

der Vorstand auf den Seiten 24 und 25.

Einsatz für jeden Einzelnen ohnehin schon ist, damit unsere Kinder eine Schule wie diese besuchen können.

Der Schwerpunkt dieser Ausgabe ist aber einem anderen

Jetzt liegt es an uns, der Schulgemeinschaft mit unserer Schulzei-

Prachtbau gewidmet, der Jahr für Jahr aufs Neue an unse-

tung etwas Angemessenes zurückzugeben. Wir hoffen, dass es uns

rer Schule errichtet wird: Es ist die Vielfalt von Aufführungen,

mit dieser MoMent-Ausgabe ein Stück weit gelungen ist.

öffentlichen Referaten und Konzerten, die auf ausgesprochen hohem Niveau seit vielen Jahren einstudiert, geübt und dem

In großer Dankbarkeit und mit herzlichsten Grüßen für das Redaktionsteam, Roman David-Freihsl

Publikum dargebracht werden. Die Bühne ist dabei sozusagen der Rohbau – der jedes Schuljahr neu eingerichtet und mit Leben erfüllt wird. Genau diese hohe Qualität ist es auch, die immer wieder von Menschen außerhalb unserer Waldorfkreise anerkannt und wertgeschätzt wird: Erst unlängst meinte ein Arbeitskol-

Impressum:

lege im Gespräch über unsere Aufführungen, Referate und Konzerte: „Genau das ist es, was sie einmal im Leben brau-

Medieninhaber, Verleger, Herausgeber:

chen werden.“ Nicht das Auswendiggelernte und bei Prüfun-

Verein zur Förderung der Waldorf-Gemeinschaft (VFWG),

gen Aufgesagte (und gleich danach schon wieder Vergesse-

Obmann Josef Prüller / DVR NR.: 7864 9742

ne) – sondern die Fähigkeit, sich öffentlich hinzustellen, etwas

Absender: moment@waldorf-mauer.at

darzubieten und etwas Verinnerlichtes zu vertreten.

1230 Wien, Endresstraße 100

Viel und oft ist in unserer heutigen Zeit auch von „Respekt“ die Rede. Aber ist es das, was in einem lebt, wenn man derartige Aufführungen sieht? Das eigene Auftreten – und das Wahrnehmen der Auftritte aller anderen in der Gruppe kann noch viel mehr auslösen und entwickeln, wie Elmar Dick am Rande einer Probe für das 12.-Klass-Stück betonte: „Respekt hat man vielleicht vor einem Offizier, vor einem Amtskappl. Viel wichtiger ist aber die Ehrfurcht vor dem anderen. Die Ehrfurcht ist es, die wir pflegen müssen!“ Elmar Dick, der das Theater-

Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 13Z039641 M MitarbeiterInnen: Brigitte Födinger E: moment@waldorfmauer.at / Roman David-Freihsl E: roman.freihsl@gmx.at Karl Hruza E: karl.hruza@waldorf-mauer.at / Lena Artaker Matthias Berke / Nadja Berke / Ursula Dotzler / Peter Floquet Peter Gluchi / Margarete Goss / Saskia Sautner / Sabine Trierenberg Kontoverbindung lautend auf: Redaktion Schulzeitung IBAN: AT44 2011 1822 2175 1000 /

leben an unserer Schule schon seit Jahrzehnten entwickelt,

BIC: GIBAATWWXXX

begleitet und mit Begeisterung erfüllt, ist ein eigener Beitrag

Druck: Donau-Forum-Druck, 1230 Wien,

in diesem Bühnen-Schwerpunkt gewidmet.

aus umweltfreundlicher Druckproduktion


„Schaut sie Euch auf den Bühnen an – im Chor, bei Schulfeiern, Theateraufführungen, im Kleinen Festsaal, im Großen Festsaal, im Keller, auswärts im Odeon, im Theater in Grein oder Open Air am Bahnhof – da, Große Bühne _ 3

und da vielleicht am eindrücklichsten ist an diesen jungen Menschen zu erkennen, was Waldorfpädagogik im besten Sinne vermag!“ Ursula Kaufmann

D

»

ann fordert das Kind den Gegenpol, das dramatische Element« Rudolf Steiner über die Bedeutung der Dramatik im Unterricht der Waldorfschule

(…) Und wir sehen, wie die Kinder diese Eurythmie aufnehmen so, wie schon das kleine Kind die Lautsprache aufnimmt: mit innerer Befriedigung. Und so liegt zugrunde allem Unterricht und aller Erziehung des Kindes, vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife, ein Künstlerisches. Auch dasjenige ist künstlerisch, was man ihm beibringen kann in Bezug auf die Kunst selbst. Es beginnt das Kind vor allen Dingen, indem es aufgenommen hat den plastischen Sinn, sich dann durch das Musikalische für die lyrische Kunst zu entwickeln. Diese Fähigkeiten müssen bei jeder kindlichen Individualität wiederum aus dem Wesen abgelesen werden in Bezug auf die Jahre, die ich erwähne. Etwas Episches tritt dann heran bei dem Kinde – bei einem früher, bei einem anderen später, man kann es beobachten in einem ganz bestimmten Moment, etwa um das zwölfte Lebensjahr herum. Wenn schon beginnt die Geschlechtsreife sich zu nähern, dann wird das Kind empfänglich für das Dramatische. Dann wird

jetzt den Julius Cäsar von Shakespeare gelesen, den wollen

die Forderung nach dem Dramatischen wach in dem Kinde, und

wir aufführen.

das zeigt sich, wenn man seine Entwickelung erschauen kann. Das schließt nicht aus, dass der Lehrer das dramatische Ele-

Indem wir darauf bedacht waren, die Intellektualität zu entwickeln, forderte die jugendliche Natur ganz aus dem Wesen

ment in sich selber hat; man kann nicht Eurythmie, Lyrik und Epik

des Kindes heraus selber die Dramatik, da man das Richtige in

pflegen, wenn man nicht dieses eigentümliche dramatische Ele-

der rechten Weise durch Erziehung und Unterricht an die Kin-

ment in seinem ganzen Wesen als Lehrer und Erzieher hat. Aber

der heranbringen konnte. Die Kinder sagten ganz natürlich,

in dem Lebensabschnitt, den ich angedeutet habe, fordert das

dass sie sich freuten, dass die Jungen den Julius Cäsar aufge-

Kind keine Dramatik.

führt haben, und es interessierte sie mehr als die Aufführung

Das ist die Zeit, wo wir noch keine Bedeutung legen auf das

im Theater.

Beibringen von Naturwissenschaft, von abstrakten Begriffen und

Und dass gerade im Shakespeare diese dramatische inne-

Intellektualismen. Wir verderben das ganze Leben des Menschen,

re Forderung bei unseren Buben in der Waldorfschule aufge-

wenn wir dem Kinde früher im Leben diese abstrakten Begrif-

fordert worden ist, das verwundert mich gar nicht aus dem

fe beibringen. Alles will auf Kunst, auf Rhythmus gebaut sein vor

Grunde, wenn eine solche Persönlichkeit wie Goethe das Dra-

diesem zwölften Lebensjahre.

matische lernen kann, das in Shakespeare liegt. Das drängt

Wenn wir dann übergehen zur Geschichte, insofern sie von Gesetzen beherrscht wird, und in gewisser Weise das Intellektu-

sich dann hinein in das kindliche Gemüt, das wird zu einer mächtigen Triebkraft des kindlichen Gemüts. (…)

alistische in den Schulunterricht einführen, dann fordert das Kind den Gegenpol, das dramatische Element. In der Waldorfschule in

Rudolf Steiner, Erziehung- und Unterrichtsmethoden auf

Stuttgart haben wir es erlebt, wie eines Tages Knaben kamen, die

anthroposophischer Grundlage, „Das Drama mit Bezug auf

etwa dreizehn, vierzehn Jahre alt waren, und sagten: Wir haben

die Erziehung“, GA 304.


4 _ Große Bühne

D

»

ie Probenzeit ist für mich immer ein Fest«

Ein nächtliches Gespräch mit Elmar Dick, der seit 34 Jahren an unserer Schule die 12.-Klass-Stücke betreut

Eine günstige Gelegenheit nach langer Zeit: Am Ende des

Roman David-Freihsl, Johannes Dick (Hexe

erläutert Elmar Dick. „Mich hat es immer schon verwundert, dass

Probentages für das 12.-Klass-Stück beschließen Elmar Dick

die meisten Burschen bei der Rollenauswahl Verbrecher sein wol-

und ich, uns noch auf ein Kaltgetränk zusammenzusetzen.

len – und die meisten Mädchen die Huren darstellen wollen. Das ist

Gleich beginnen wir, angeregt zu plaudern: Wie lange ist es

in den meisten Klassen gleich. Das heißt für mich, dass sie hier die

her, seit wir beide für meine Jahresarbeit tage- und buch-

Möglichkeit haben, eine andere Seite in sich akzeptieren und raus-

stäblich nächtelang zusammensaßen, arbeiteten, diskutier-

lassen zu können.“

ten, philosophierten und alle möglichen Aspekte von Hermann Hesses „Steppenwolf“ beleuchteten? Das war vor sage und schreibe 34 Jahren, rechnen wir nach. Damals, 1983, war es auch, dass Elmar Dick das erste Mal in unserer Schule ein 12.-Klass-Stück betreute und gemeinsam mit uns inszenierte. Die „Hexenjagd“ von Arthur Miller – so ein Werk hatte es bis dahin an unserer Schule nicht gegeben. Und

Oder, ein anderes Beispiel: „Wenn im Stück Waffen gebraucht werden, dann laufen die meisten Burschen während der Proben ständig mit diesen Waffen herum. Ich ja auch. Vielleicht ist das etwas, das sie hier ausleben oder verarbeiten können, was in unserer Gesellschaft sonst nicht mehr sein darf.“ Wie wichtig sind ihm Verinnerlichung und Authentizität bei dieser Arbeit?

erst heute erfahre ich, welchen Aufruhr diese Auswahl damals

„Mich hatte es immer interessiert, warum in anderen Schulen

in Teilen der Lehrer- und Elternschaft verursacht hatte. Doch

– auch in Deutschland – die Klassenstücke immer so hölzern wirk-

der Jubel nach den Aufführungen hatte dem jungen, enga-

ten. Sie hatten durchaus eine schöne, gestaltete Sprache – aber die

gierten Lehrer gemeinsam mit uns schließlich Recht gegeben.

Gesten und das Spiel waren so einstudiert, das hat nicht gelebt. Die

„Wir waren halt ganz schrecklich erfolgreich“, lächelt er.

Darsteller waren mit unnatürlichen Gesten und Gehabe geführt –

Seit damals hat er – mit einem Jahr Ausnahme – jede 12. Klasse bei der Arbeit an ihrem Abschluss-Schauspiel be-

das war nicht durchseelt, sondern einfach eingelernt.“ Ihm geht es bei der Probenarbeit hingegen vor allem darum,

gleitet. Und jedes Mal aufs Neue ging er mit neuem Elan,

eine gewisse Souveränität zu vermitteln: „Die Jugendlichen ler-

voll motiviert und inspiriert ans Werk. „Die Probenzeit in der

nen, gewisse Haltungen einzunehmen und souverän aufzutreten.

12. Klasse ist für mich immer ein Fest“, betont Elmar Dick. „Und

Wie trete ich beispielsweise als Dame oder als vornehmer Herr auf

für die Schülerinnen und Schüler soll es das auch sein.“ Denn:

– das kann ihnen dann später einmal helfen, in bestimmten Situati-

„Das wichtigste ist für mich nicht die gute Aufführung – sondern,

onen nicht hilflos zu sein.“

dass die Schülerinnen und Schüler davor möglichst viel lernen,

Das kann natürlich nicht funktionieren, wenn der Lehrer oder

dass sie selber draufkommen, wie sie aus dem Stück und über

die Lehrerin haarklein einfordert, wie eine Situation, eine Szene

das Schauspiel etwas entwickeln können.“

umzusetzen sei: „Am besten ist es natürlich, wenn es gelingt, dass

Daher geht es Dick bei der Probenarbeit vor allem um fol-

die Schülerinnen und Schüler das Stück selbständig entwickeln. Und

genden Aspekt: „Das Ziel an Waldorfschulen ist genau das glei-

wenn sie vehement einfordern, sie wollen etwas ganz anders – dann

che wie hier beim Schultheater: Selbstsicherheit, Selbständigkeit

ist es eben so. Nur so entsteht die Freude daran, etwas gemeinsam

und Kreativität aufblühen zu lassen. Und genau das lernen sie,

zu machen.“

wenn sie als Schauspieler authentisch sind.“ Auch wenn sie eine Persönlichkeit spielen, die sie selbst nicht sind? „Jeder von uns hat viele Möglichkeiten und Facetten in sich“,

Nein, das funktioniert nur, „wenn für mich jeder Schüler auf Augenhöhe ist“, betont Elmar Dick. „Dieses innere Aufrichten der Lehrer-Autorität, das ist für mich schon nicht mehr authentisch. Für mich dürfte das auch nie so sein. Nie.“


Große Bühne _ 5

enjagd 1983)

Roman David-Freihsl, Georg Dietrich, Neri Monaco, Andreas Schulz (Hexenjagd 1983)

Also ein antiautoritärer Zugang?

logischen Denken und neuen Kommunikationsformen bis

Mit antiautoritärer Erziehung hat dies für ihn überhaupt

hin zur Quantenphysik. Wie damals vor mehr als 30 Jahren

nichts zu tun. „Das angebliche Erziehen ohne Autorität der 68er-

diskutieren wir angeregt über Gott und die Welt. Bei einem

Generation – das war doch niemals so gemeint“, betont er. „Es

kurzen Kaltgetränk ist es natürlich längst nicht geblieben,

ging um flache Hierarchien, nie darum, einfach alles machen zu

und als mich Elmar schließlich nach Hause bringt, ist es

lassen, ganz sicher kein Laissez-faire. Die paar, die das damals

schon spät in der Nacht. Meine Frau hat dies nicht wirklich

nicht kapiert haben, die haben halt das Ganze dann in Verruf

überrascht. Sie wusste ja, dass ich mich nach langer Zeit

gebracht.“ Ein Thema übrigens, das wir schon damals, 1983, bei

wieder einmal mit meinem geliebten Lehrer, Mentor und

der Vorbereitung meiner Jahresarbeit ausführlich diskutiert

Freund treffe.

hatten – war doch Hesses „Steppenwolf“ eines der zentralen

Roman David-Freihsl

Werke der so genannten Flower-Power-Bewegung. In Wirklichkeit gehe es aber darum, „dass an die Stelle der Autorität der Angst die Autorität der Liebe tritt. Und in der Oberstufe dann die Autorität der Sache.“ Alles andere sei doch hingegen geradezu „eine Anmaßung der Autorität“. Aber aus dieser Tradition des autoritär maßregelnden Lehrers kommen wir – und das gilt es auch im Theaterspielen zu überwinden, dieses „das muss so sein, das wird so und so gespielt. Das ist aber zum Glück schon sehr viel weniger geworden“, betont Elmar Dick. Letztlich – und damit kommen wir zum Kern des Theaterspielens in der Abschlussklasse – geht es um die Menschenwürde. „Die Menschenwürde ist ein zentrales Thema unserer Zeit“, betont er. „Dass Pflicht und Gewissen zwei unterschiedliche Dinge sind, das hatte erstmals Martin Luther erkannt – aber tatsächlich ins Bewusstsein der Menschen ist es erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts gedrungen. Das Neue, was dann nach den Gräueln der Naziherrschaft dazu gekommen ist, das ist das Gefühl für die Würde des Menschen.“ Und das lebt natürlich auch immer stärker in den Schülerinnen und Schülern: Immer früher und vehementer wird ein achtsamer und respektvoller Umgang eingefordert – „das spürt man jetzt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt stärker bei den Kindern“, bestätigt Elmar Dick. Und genau dieses Wahrnehmen des anderen und der respektvolle Umgang „kommt beim Theaterspielen na-

Roman David-Freihsl, Johannes Radlingmayr (†), Irina Sordini, Andreas Hadamek,

türlich in einer ganz besonderen Weise zur Geltung.“

Christof Stein, Neri Monaco, Andrea Winkler, Nurith Decleva, Magdalena Kühne,

Unser Gespräch streift noch viele andere Themen – vom

Bettina Urban, Esther Krause (Hexenjagd 1983)


6 _ Große Bühne

„Ein Ort, wo die Kinder lernen, sich zu zeigen – ein perfektes Training für die Herausforderungen als Erwachsene.“ Christine Trattner

K

»

önnt ihr euch das selbst organisieren?«

»Graf Öderland« entsteht: Besuch einer Probe für das Abschluss-Theaterstück der 12. Klasse

Nur noch drei Probentage bis zur Generalprobe – der erste Durchlauf von „Graf Öderland“ nach Max Frisch, dem großen

hen: „Nicht so glücklich dreinschauen! Ihr seid gerade entsetzt! Spielt doch bitte!“

Abschlussspiel der heurigen 12. Klasse. Die Texte sitzen schon

In Summe ist bei diesem Abschluss nach zwölf Schuljahren

halbwegs – aber wie immer noch nicht bei allen. Jetzt gilt es,

aber nicht mehr entscheidend, was ihnen die Lehrer beibringen.

die Abläufe abzustimmen, den letzten Feinschliff anzulegen

„Die Referate ihrer Jahresarbeiten waren der große Abschluss,

und das Darstellen zum Schau-Spiel zu veredeln.

wo sie sich alleine vor einem großen Publikum behaupten müs-

Licht. Auftritt einer Gesellschaft mit Tellern und Gläsern

sen; wo sie als Individuum sich hinstellen und die Situation vor

in Händen. Maria Leutzendorff, die wie immer in den letz-

allen anderen meistern“, erläutert Maria Leutzendorff am Rande

ten Jahren, ja Jahrzehnten, gemeinsam mit Elmar Dick Regie

dieses Probentages. „Das 12.-Klass-Stück ist hingegen der große

führt, unterbricht sofort: „Bitte! Ihr marschiert herein wie ein

Abschluss, wo sie im Sozialen, gemeinsam in der Gruppe etwas

Dragoner-Regiment. Noch einmal: Ihr tröpfelt nach und nach

im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne bringen müssen.“

herein. Ihr seid entsetzt über die Detonation von vorhin. Und

Nach Abschluss einer Szene blickt sie etwas weiter nach oben:

ich höre nichts von der Gesellschaft im Hintergrund – lautlo-

„Ist der Vorhang dort oben eingehängt? Der Vorhang ist einge-

ses Wortspiel.“

hängt, das ist ja sensationell!“ Vieles ist aber noch zu erledigen in

Elmar Dick sitzt weiter hinten im Halbdunkel des großen

diesen letzten Tagen. Das Bühnenbild ist noch schwarz zu strei-

Festsaales, beobachtet und greift in dieser Phase nur noch

chen. Die Dekoration für die Abschlussszene fehlt noch. Viele,

gelegentlich ein, wenn etwas dramaturgisch unstimmig ist:

viele Requisiten müssen noch organisiert werden.

„Du stehst zu nahe da hinten, wenn die beiden vorne über Dich reden.“ Meist gilt es aber, die Jugendlichen zu animieren, ganz in ihre Rolle hineinzuschlüpfen – und mehr aus sich herauszuge-

„Ich will das jetzt nicht Punkt für Punkt durchgehen“, werden die Schülerinnen und Schüler in die Selbständigkeit geführt. „Könnt ihr euch das selbst organisieren?“ – Elmar Dick würde das gerne auf den Punkt bringen: „Bitte besprecht das doch gleich


_7

jetzt.“ Doch Maria Leutzendorff weiß, dass das heutzutage an-

nen und Darsteller allerdings sehr begrenzt. Sie improvisieren

ders funktioniert. „Da hat sich was geändert – die schreiben das

aber gekonnt. An einer anderen Stelle fragt ein Schüler noch:

jetzt ins App.“ Ein Schüler ergänzt grinsend: „Das hat etwas mit

„Soll ich hier aufstehen oder sitzen?“ – „Probier’s aus“, lässt

dem Internetz zu tun.“

ihn die Regie frei. „Soll ich nasaler reden?“ – „Das wär‘ fein.“

Über all die Jahre hinweg hat Maria Leutzendorff bei diesem

Aber in Summe heißt es nach der Durchlaufprobe: „Eigent-

Prozess etwas Verblüffendes beobachtet: „Immer wieder zeigt es

lich war’s gar nicht mal so schlecht.“ Und die Erfahrung zeigt:

sich: Je schwieriger eine Klassenbiografie war, desto besser sind

Bei der Aufführung in ein paar Tagen wird das (fast) alles sit-

sie in der Selbstorganisation.“ Wenn etwa eine Klasse bereits in

zen. Der eine oder andere Hacker trübt keinesfalls das Erleb-

der Unter- und Mittelstufe mehrfache Lehrerwechsel durchlebte,

nis eines faszinierenden 12-Klass-Theaters. Und schon gar

dann haben die Schülerinnen und Schüler schon sehr früh ge-

nicht die intensive Probenzeit davor.

in der Dachkammer – es soll nun doch nach draußen vor den gro-

ßen Vorhang. „Da sparen wir uns zwei riesige Umbauten“, über-

war sehr prägend.

legt Maria Leutzendorff. Jetzt ist der Platz für die Darstellerin-

Monika Bangert

lernt, sich ihre Sachen selbst zu checken. Diese 12. Klasse ist in dieser Hinsicht etwas kommod unterwegs. Die ganze Tonkulisse fehlt noch. In der Schlussszene sollen Maschinengewehr-Salven zu hören sein. „Wer erledigt das? Wer ist der Ton?“ Ein Schüler antwortet etwas lakonisch: „Wir sind alle Ton.“ Und die Umsetzung sei gar nicht so einfach, erklärt er. Aber bis Montag sollen die fehlenden Effekte da sein. Jetzt aber gilt es, noch eine ganze Szene umzustellen: Das Bett

Roman David-Freihsl

„LANGSAM UND DEUTLICH“ stand über dem Portal der Bühne im Kleinen Festsaal. Leider steht es dort nicht mehr;


8 _ Große Bühne

5

00 Stunden Eurythmie, 12 Jahre Waldorf Eröffnungsrede von Stephanie Doujak anlässlich der Eurythmie - Abschlussvorstellung der 12. Klasse

Um ehrlich zu sein, war mir Eurythmie

kelspannung und Umgebung eine Farbe.

Die achte Schulstufe – das ist die

immer ein Rätsel: Was tue ich da und war- Dieses Konzept ist aber nicht statisch und

erste einschneidende Abschlussklasse

um eigentlich?

überlegt: Es ist aus dem Bewegungsstrom

in der Waldorfschule, der Schritt in die

unseres Körpers, unserer Organe gegrif-

Oberstufe und gleichzeitig ein Spie-

immer deutlicher geworden – vor allem

Im Laufe dieses Schuljahres ist es mir

fen. So kann man für Gedichte, Lieder,

gel sowie Auftakt zu den großen Ab-

durch dieses Projekt und während des

aber auch Stille mit diesem Konzept spie-

schlüssen nach zwölf Schuljahren.

Entwickelns eigener Choreografien.

lerisch und gefühlvoll Choreografien ent-

Da sind zum einen die Referate zu

wickeln und den Körper in Verbindung mit

ihren Jahresarbeiten: Zum ersten Mal

dem Raum sprechen lassen.

stehen die Schülerinnen und Schüler

Fragt mich jetzt jemand, was ist eigentlich Eurythmie, und warum macht ihr das überhaupt?

Und das ist meiner Meinung nach ziem-

alleine vorne und tragen ihr vorberei-

Kann ich nicht mit Fakten und wissen-

lich cool! Ich hoffe, ihr entdeckt heute

tetes Thema nicht nur im Klassenver-

schaftlich beantworten. Aber ich kann

Abend nicht nur das Konzept hinter unse-

band vor… und müssen sich den Fra-

sagen, es ist eine Bewegungsform, eine

ren Bewegungen, sondern auch, dass es

gen des Publikums stellen. Noch nicht

Ausdrucksweise. Es bewegt innerlich und

uns Spaß macht. Seht ihr das nicht, ist die

vor der großen, offenen Schulgemein-

äußerlich, es befreit, es drückt aus, es

Freude nur hinter unserem konzentrierten

schaft im Großen Festsaal – aber vor

kann auch heilend wirken. Es lehrt, har-

Blick verborgen ;-)

ihren Mitschülern, Eltern, Verwandten

monisch mit Raum und Mitmensch um-

Für mich ist es unvorstellbar, dass in

zugehen. Und manchmal macht es auch

wenigen Minuten die letzte Stunde Eu-

einfach Spaß.

rythmie meines Lebens beginnt; es ist fast

sind durchwegs beeindruckende Ar-

traurig.

beiten, die präsentiert werden, und

Ich bin froh, dass ihr da seid und wir euch

manche referieren schon geradezu

Was ich so faszinierend finde, ist, dass ein Konzept dahinter steht:

und Freunden der Familie. Und sie schlagen sich wacker! Es

Es gibt bestimmte Bewegungen für Buch- zeigen können, was wir in 500 Stunden so

brillant – aber das ist hier noch gar

staben, Töne, aber auch einen Tier- und

nicht der wichtigste Aspekt. Das Be-

einen Planetenkreis.

getrieben haben. Lasst euch darauf ein.

sondere zeigt sich, wenn es dann doch

Es ist mehr als Waldörfler in „Walla-Wal-

einmal einen Aussetzer gibt. Ein Schü-

la-Seidentüchern“, die den Raum fühlen

ler steht vorne und kann einfach nicht

und ihren Namen tanzen. Jede Bewegung

beginnen. Nach ein paar Schreck-

hat einen bestimmten Blick, jede Mus-

momenten beginnen die Mitschüler,


Große Bühne _ 9

„Es macht mir Spaß, mit allen gemeinsam auf der Bühne zu stehen.“ Amelie, 8. Klasse

J

etzt stehen sie alleine vorne Ein bedeutender Schritt in Richtung Selbständigkeit: die Jahresarbeits-Referate und das Theaterstück der 8. Klasse

vorsichtig Fragen zu stellen. Die können

schüler ja schon regelmäßig seit der 2.

dann beantwortet werden. Nach und nach

Klasse. Aber nun stellen sie erstmals im

Erst rückblickend bemerkte man, dass

kommt der Vortragende in den Fluss, und

großen Stil alleine große Solo-Rollen dar.

es ja gar nicht so ohne ist, wenn die Einsät-

die Klassengemeinschaft trägt ihn gerade-

Gleichzeitig ist es aber ein Gemeinschafts-

ze auf der viergeteilten Bühne ständig von

zu durch sein Referat.

werk, das die Klasse als Gruppe bewältigt.

einer Wohnung zur nächsten und wieder

Dieses soziale Empfinden, Zusammen-

haft lachen konnte.

„Das Haus der Temperamente“ von Jo-

retour springen – so flüssig und im wahrs-

halten und gegenseitige Unterstützen, das

hann Nestroy hatten Elisabeth Platzer und

ten Sinne des Wortes spielerisch hatten sie

ist nicht, weil zufällig ein paar sensible und

Richard Bointner ausgewählt; ein Wiener

das hinbekommen.

liebe Kinder in der Klasse sind – das sind sie

Klassiker, der mit seinen melancholischen,

natürlich: aber das wurde auch über acht

cholerischen, sanguinischen und phlegma-

ter der Führung von Elisabeth Platzer und

Jahre hinweg gefördert, unterstützt und

tischen Rollen wie geschaffen ist für eine

Richard Bointner auf die Bühne gebracht.

begleitet. Ein Aspekt ist dabei sicher auch,

Gemeinschaft von Jugendlichen, die in den

Noch hatten viele Eltern am Entstehen

dass dieser Jahrgang durchaus als gelebte

unterschiedlichsten Phasen ihrer Pubertät

mitgeholfen. In vier Jahren gilt es, dass die

Inklusionsklasse beschrieben werden kann:

gerade dabei sind, ihre eigenen Gefühle und

Schülerinnen und Schüler ein Bühnenwerk

Diese Klasse hatte eine Partnerklasse in der

die Reaktionen ihrer Umwelt zu erkunden.

nur noch von der Regie begleitet und so

Karl Schubert Schule – unsere Klassenleh-

Ein Werk, das auch durch seine vierge-

selbständig wie möglich in Szene setzen.

rerin, Elisabeth Platzer, die aus der Heilpä-

teilte Bühne heute noch als theatertech-

dagogik kommt, hatte dies eingefädelt. So

nische und schauspielerische Herausfor-

besonderen Theaterabende Danke zu sa-

selbstverständlich waren diese wechselsei-

derung gilt. Eine Herausforderung, die von

gen – vor allem aber auch Elisabeth Platzer!

tigen Besuche, dass unsere Tochter da-

der Klasse in geradezu atemberaubender

Nämlich dafür, dass sie acht Jahre lang über

heim überhaupt nichts davon erzählt hatte.

Weise gemeistert wurde. Nicht nur, dass die

alle Höhen und Tiefen hinweg geholfen hat,

Ich bekam das erst mit, als eines Tages die

jungen Schauspieler das Auswendiglernen

sodass unsere Kinder nun so großartig da-

Mitteilung kam: „Wir werden kommende

und Aufsagen längst hinter sich gelassen

stehen: bei ihren Referaten, auf der Thea-

Woche mit unserer Partnerklasse eislaufen

hatten: Sie verkörperten die Charaktere

terbühne – und in ihrem jungen Leben.

gehen.“ Ein andermal wurde gemeinsam

derart bezaubernd und überzeugend, setz-

eine Mondfinsternis beobachtet.

ten die Pointen so punktgenau, dass das

Und da ist zum anderen das AbschlussStück. Auf der Bühne stehen die Waldorf-

Publikum die Aufführungen ohne Bangen und Augen-Zudrücken genießen und herz-

Dieses Stück hatten die 8.-Klässler un-

Jetzt heißt es, Richard Bointner für diese

Roman David-Freihsl


10 _ Große Bühne

E

in Abend – ein Geschenk Beim Elternabend zu Beginn des Schuljahres sprach Herr Albrecht, der Tutor der heurigen 11. Klasse, zu uns Eltern über Elftklässler im Allgemeinen und...

...darüber, dass in diesem Alter das Individuum aus der Grup-

Damit aber individuelle Kräfte in einer so optimalen Weise zu-

pe hervortrete, vieles im Alleingang passiere und oftmals,

sammenwirken können, braucht es einen Rahmen aus Vertrau-

wenn Probleme anstünden, die Jugendlichen nicht mehr als

en, Wohlwollen und Kompetenz, in den das gemeinsame Streben

Gruppe das Gespräch mit ihm suchten, sondern alleine vor dem

eingebettet ist. Nicht nur, dass Stefan Albrecht jedes Jahr un-

Lehrerzimmer stünden und ihr Anliegen vorbrächten.

endlich viel Zeit in dieses Projekt investiert. Er unterstützt jede/n

In diesem Kontext ist wohl auch der Singabend der 11. Klas-

Einzelne/n darin, mit diesem Auftritt eine Form zu finden, die den

se zu verstehen. Lange erwartet und für viele das Highlight

eigenen Fähigkeiten entspricht und mit der er/sie sich dann auf

der gesamten Schulzeit, wurden von den SchülerInnen in den

der Bühne wohl fühlen kann. Er überlässt die Bühne den jungen

letzten Wochen und Monaten Herz, Hirn und Kraft in dieses

KünstlerInnen, und in bewundernswerter Bescheidenheit bereitet

Projekt gesteckt. Wohl überlegt wurden Lieder ausgewählt,

er am Klavier das Sicherheitsnetz, das sie zu dem ein oder ande-

die nach Persönlichkeit eher ernste, lustige, poetische oder

ren kühnen Sprung ermutigt und über sich selbst hinauswachsen

romantische Nummern gesucht. Gemeinsam wurden Arran-

lässt.

gements entwickelt, viel ausprobiert und experimentiert.

Als Elternschaft begleitet man eine Klasse über viele Jahre;

Sehr selbständig entwarfen die SchülerInnen ein phantasti-

man lernt manche Kinder besser, andere nie so gut kennen. In

sches Bühnenbild aus Holzpaletten, die schließlich namens-

jedem Fall entwickelt man ein tief empfundenes Interesse für die

gebend für die große Show wurden. Licht, Ton und Modera-

heranwachsenden Menschen. Sie gegen Ende ihrer Schulzeit so

tion wurden großartig ausgeführt; eine Band erlernte ihre

schön, leidenschaftlich und selbstbewusst mit einem Lied, das für

Instrumente zum Teil eigens für diesen Event. Für jeden Be-

einen Moment Einblick in ihr Innerstes gewährt, zu erleben, ist

reich fanden sich Einzelne oder Mehrere, die Aufgaben über-

ein unfassbar großes Geschenk – danke dafür!

nahmen, sich mit Feuereifer auf dieses Feld stürzten und ihr

Stefanie Weingartner und die Elternschaft der 11. Klasse

Bestmögliches gaben.

Willst du eine sanfte, effiziente Behandlungsmethode erlernen? Für dich und deine Familie, dich beruflich erweitern oder umsteigen?

ORTHO-BIONOMY® „Homöopathie der Körperarbeit“ kann jede/r lernen!

Wir verwenden strukturelle, dynamische, energetische sowie viscerale und craniale Techniken Ausbildung nach europäischen Richtlinien mit Gewerbeberechtigung in Österreich Nächster Ausbildungsbeginn in Wien: 13. Oktober 2017 Interesse? Lerne Ortho-Bionomy bei einer Behandlung in meiner Praxis kennen, oder komm zum Infoabend am 12. September 2017 Mag. Christina Schwab 0699 11 960 733 Präsidentin Ortho-Bionomy®Österreich www.ortho-bionomy.at

LEBENS- UND SOZIALBERATUNG SUPERVISION An der Au 21/3/9 | 1230 Wien | 0676 453 50 03 beratung@julia-roehsler.at VERMIETE AUCH KURs- Und sEMInARRäUMlICHKEITEn


Große Bühne _ 11

R

ap beim Singabend der 11. Klasse Text: David Tirnanic

Refrain:

Part I:

Glück im Leben ist meist nur eine Seltenheit,

Glaub mir, wenn du an dem Punkt bist,

Leute lieben und hassen dich zur selben Zeit.

wo der schwere Weg Vernunft ist, der schlaue Weg zu dumm ist,

Ich bin die Zukunft, scheiß’ auf die Vergangenheit,

merkst du, du bist ganz unten.

Leute lieben und hassen dich zur selben Zeit.

Narben bleiben ewig, Zeit heilt keine Wunden,

Ich war jung und wollte mal ein Gangster sein,

der Schmerz bleibt, ich hab’ mich damit abgefunden.

Leute lieben und hassen dich zur selben Zeit.

Nutz’ die Zeit, solang der Zeiger sich dreht,

Jeder hat Probleme, ich hoffe euch geht’s nicht ähnlich,

denn wenn er stehen bleibt, ist es leider zu spät.

bleibe stehn’, und die Welt, sie dreht sich, sie dreht sich.

Ich merkte, es war ein Test, dieses graue Leben. Wieviel kann ein Mensch ertragen, ohne dabei aufzugeben? Hier rappt nicht Exkuse, sondern David Tirnanic, der nie wusste, was ’ne intakte Familie ist, der, den jeder immer auslacht, aber immer mitmacht und draufkackt. Zu viele Leute spielen zu oft Scharade, und zu viele Leute gucken nicht hinter die Fassade. Keiner will an Depressionen leiden. Setz’ dir deine Maske auf, du darfst hier keine Emotionen zeigen.

Part II: Ich wollt’ mich nicht in meinen Gedanken verlieren, packte mir mein Handy und hab’ einfach so die Texte geschrieben. Ich kann mich noch erinnern, als ob es gestern wäre, Laptop auf dem Wäscheständer, so startet meine Rapkarriere. Kann keine Technik seh’n, freshness seh’n, zeig’ mir egal, wen du willst, und ich zeig’ dir mit einem Flow, dass es sogar noch besser geht. Ich mach’ das hier nicht für ’nen Wagen oder dich, nein, ich mach’ das nur, damit man meinen Namen nicht vergisst. Die Platten sind nicht Gold, die Hallen sind voll. Egal, Ruhm vergeht; was bleibt, ist der Stolz. Das hätte ich vielen gern ins Gesicht gesagt, denn außer meiner Taten, nehm’ ich nichts mit ins Grab. Verlier ich alles und gehe hier mit nichts raus, kann ich mir immer noch ins Gesicht schauen.


2016- „Leonce und Lena“ mit Partnerin Shirina Granmayeh (c) barbara pálffy

12 _ Große Bühne

S

CHAUSPIEL! EINE LIEBESERKLÄRUNG Regie: Matti Melchinger, Theater Spielraum, Juni 2013. Brigitte Födinger im Gespräch mit Matti Melchinger

Matti Melchinger besuchte zehn Jahre (2003 – 2013) die Rudolf

Matti bis heute als Produzent und Schauspieler aktiv ist. Er grün-

Steiner-Schule in Wien-Mauer, ehe er sich voll und ganz auf seine

dete seine eigene Compagnie „Junges Theater Wien“ und verließ

Leidenschaft Theater einließ.

die Schule mit Ende der 10. Klasse.

Im Theater Spielraum, nach eigenen Worten seinem „künstler­ ischen Zuhause“ berichtet mir Matti, wie alles so gekommen ist.

Matti bekennt, ein denkbar schlechter Schüler gewesen zu sein, dessen Leidenschaft völlig dem Theater galt. Somit reifte in ihm der Entschluss, die Schule abzubrechen, da sich beides nicht mehr

Matti nennt es „Glück“, in eine Theaterfamilie hineingeboren

vereinbaren ließ: „Ab der 10. Klasse wird Schule zum Fulltime-Job;

zu sein: Urgroßvater Siegfried Melchinger war Theaterkritiker

auf den sollte man sich auch einlassen in diesem Alter. Gerade

und Mitherausgeber der Zeitschrift „Theater heute“, beide El-

wenn es Richtung Matura geht, ist es heutzutage noch schlim-

tern an der Oper tätig. Seiner Mutter verdankt er auch die erste

mer als früher, diese Lernerei.“ Jedoch: „Ich würde im Nachhinein

Begegnung mit der Opernwelt: „Ich hab‘, glaub‘ ich, mit 8 Jah-

niemandem empfehlen, die Schule abzubrechen. Ich weiß, was ich

ren meinen ersten „Wagner“ gesehen und dann im Wohnzim-

Negatives davongetragen habe, weil ich eine wichtige Zeit (…) ver-

mer teilweise nachgespielt. Als Kind konnte ich mir nicht vor-

passt habe, die meine Klassenkollegen erleben konnten – aber ich

stellen, wie ein Theaterstück ohne Ouvertüre anfangen solle.“

habe mich schlussendlich für das Theater entschieden, weil ich das

Eine von Gert Voss gehaltene szenische Lesung Thomas Bernhards „Elisabeth II“ im Off-Theater sieht Matti als erste Ini-

Gefühl hatte, es geht nicht anders.“ Der „Spielraum“ wurde ihm zur „zweiten Heimat“. Statt Englisch

tialzündung für seinen späteren Werdegang: Fortan betrachte-

und Mathematik lehrten ihn seine neuen „Theatereltern“, wie er

te er Bernhard als „Theatergott“ – und wusste schon als Elfjäh-

die Leitung herzlich nennt, wichtige Dinge des Lebens wie etwa

riger, dass ihn sein Lebensweg zum Theater führen würde und

das Tragen von Verantwortung oder die liebevolle, nicht-autoritäre

er auch selbst inszenieren wolle.

Führung von Menschen. In dieser Phase entwickelte Matti im Zuge

Erste Schauspielerfahrungen machte er im „Dschungel Wien“ unter der Regie von Corinne Eckenstein – für ihn eine weitere Initialzündung, „weil sie mich sofort erkannt hat. Ich war da-

seiner Arbeit mit Jugendlichen – meist seiner Altersklasse – seine eigene Jugendtheaterpädagogik. Rückblickend war dieses Jahr für ihn „extrem wichtig, weil sie

mals sehr, sehr schüchtern“. Der damalige Leiter des Dschungel

die Pubertät ein bisschen abgerundet hat (…) und ich mir auch

bot dem Dreizehnjährigen die Chance, selbst zu inszenieren –

klarer wurde, was ich tatsächlich will.“ Diese Arbeit verdeutlichte

„kühnerweise“ sollte es ein „Bernhard“ sein. Die Rechte dafür

ihm auch, wie unterstützend Theater gerade in diesem Lebensab-

blieben jedoch aus, und so inszenierte Matti kurzerhand ein

schnitt neben der Schule sein kann. Matti erinnert sich an unzäh-

selbst verfasstes Stück.

lige berührende Erlebnisse mit jungen Menschen, die „mit diesem

Die dritte Initialzündung begegnete Matti während des letz-

Leistungsgedanken aus der Schule gekommen waren und in dieser

ten Jahres seiner Waldorf-Zeit in der Person von Elmar Dick:

Stimmung Theater spielen wollten“. Ihm ging es jedoch nicht um

Beim Kellertheater in der 10. Klasse ging er „damals mit relativ

Leistung, sondern darum, jungen Menschen die Chance zu bie-

hoher Nase rein, weil ich dachte, ich hätte schon einiges ge-

ten, in andere Lebensbereiche hineinzuschnuppern: sich in einer

macht. (…) Elmar hat mir ziemlich schnell und klar gezeigt, dass

Sprache, einem Stück, einer Inszenierung entfalten und vielleicht

ich noch einiges lernen kann und vor allem von ihm. Der macht

damit Probleme des Schulalltages oder des Heranwachsens bes-

das mit einer derartigen Begeisterung und Liebe zum Thea-

ser bewältigen zu können. „Mir war es ein wichtiges Anliegen, am

ter und zu seinen Schülern. Ich werde da viele Situationen nie

Theater die Individualität zu fördern, keine Noten, keine Leistung

vergessen.“

zu bewerten, sondern zu sagen ‚Vertraut schlicht und einfach Eu-

Der Spielzeit im Dschungel folgte das Theater Spielraum, wo

ren Gefühlen.‘“


Große Bühne _ 13

2016- „Said und der Papst“ mit Assistenz Florian Eder bei den Proben. (c) bernhard mayr

Besonders wichtig erscheint Matti daher, den Jugendlichen Aufgaben zu stellen, die sie auch wollen und sie bei der Suche nach

gungen“ der Darstellenden durch das Publikum. Inzwischen hat Matti die Schauspielschule Krauss mit einer

Identität zu unterstützen. Es stimmt ihn traurig, auf die Frage nach

Dramatisierung von Christoph Schlingensiefs Krebs-Tagebuch

Zukunftsplänen oft nur zu hören: „Weiß ich nicht. Party. Keine Ah-

abgeschlossen („So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht

nung…“, und er nimmt hier auch das Bildungswesen in die Pflicht.

sein!“; Anm.d.Red.). Die Herausforderung dabei war „einen

Etwas Wehmut schwingt dabei in seinem Rückblick auf den

Text, der nicht auf eine Bühne gehört und der auch nicht für

Singabend der jetzigen 11. Klasse mit: „Bei diesem Elftklassabend

eine Bühne geschrieben ist, publikumstauglich zu machen.“

habe ich wieder gesehen, wozu diese Schule tatsächlich gut ist.

Für Matti ein ungesundes Vorhaben, doch nach drei „fürchter-

Unbeschreiblich und irrsinnig berührend, mit welchem Engage-

lichen Probenwochen“ wäre dann „alles raus und damit gut“

ment dieser großartige Stefan Albrecht das gemacht hat und mit

gewesen. An dieser Stelle gesteht er sich den eigenen Lernpro-

welchem Engagement für seine Schüler. Es ging nicht um Leistung,

zess ein, um Rollen mit der „Brecht’schen Distanz“ betrachten

sondern es ging darum, dass man das Individuelle, das in der Pu-

zu können.

bertät so ein bisschen verschüttet ist, den Zugang zu seiner Emoti-

Wir blicken auf Mattis Engagement am Theater in der Jo-

onswelt durch die Musik entfalten kann, und das war wunderschön

sefstadt ab September 2017, wo er bei der Bühnenfassung von

zu sehen. (…) Stefan Albrecht war auch einer der wirklich wichti-

„Shakespeare in Love“ als stotternder Schneider mitwirkt, der

gen Lehrer zu meiner Zeit.“ An späterer Stelle wird er den Elftklas-

im Stück „Romeo und Julia“ schließlich als Fürst besetzt wird.

sabend als „Beispiel für gelungene Waldorfpädagogik“ bezeichnen

Nach Mattis Einschätzung „sehr gutes Unterhaltungstheater

und bewundern, (…) wie angstfrei diese Schüler es genossen ha-

(…), viel Spektakel.“

ben, sich durch die Musik äußern zu können.“ Wir erinnern uns beide an Mattis „Thomas Bernhard-Collage“,

Das Engagement in der Josefstadt bedeutet für ihn existentielle Sicherheit für die nächste Zeit sowie einen möglichen

die er dereinst an der Rudolf Steiner-Schule als Solo-Abend zum

Karriereschritt. Dennoch möchte er mit seinem Verein „Junges

Besten gab, sowie an das Achtklassstück „Zu ebener Erde und im

Theater Wien“ in gewohnter Weise weiterarbeiten. Gleichzei-

ersten Stock“. Für Matti eine „unglaublich positive Erinnerung.

tig interessiert ihn „Afrika als Kulturstätte“, getreu seinem Idol

Nicht einmal wegen der Theaterarbeit, (…) vielmehr, weil da im

Schlingensief, der die Grundsteinlegung seiner großen Vision

Rückblick zum ersten Mal diese Klasse zusammengewachsen ist

vom „Operndorf Afrika“ in Burkina Faso noch erleben durfte.

und gemeinsam etwas wollte.“

Das „Operndorf“ ist für Matti ein schöner Anziehungspunkt:

Das Spielen vor Publikum betrachtet Matti als egoistischen Zu-

„Wenn ich ein Vorbild hätte, (…) dann wäre es Schlingensief ge-

gang: als die Suche nach Liebe, nach dem „Gesehen werden wol-

wesen, in seiner Liebe zu dem, was er tut. Deshalb ist das, was

len“ – dies aber nur innerhalb der Bühne. Nach wie vor sei er kein

ich am Theater immer wieder versuche, tatsächlich eine Lie-

Öffentlichkeitsmensch. „Ich bin kein Mensch, der sich in den Vor-

beserklärung an das Theater selbst.“

dergrund drängt. Ich kann es zwar auf der Bühne, aber da habe ich im Sinne der Rolle eine Botschaft mitzuteilen.“ Seinen Anspruch an das Theater sieht Matti in der Entschleuni-

Gedankenversunken verlasse ich Matti Melchinger. Wir Eltern haben für unsere Kinder vorrangig ein Ziel: sie gut durch

gung: „Wir wollen Theater machen, das berührt, das aufregt, das

die Schule zu bringen, ihnen so die Weichen für das Leben zu

zum Lachen bringt, das zum Weinen bringt, das möglicherweise

legen. Dafür haben wir uns die Rudolf Steiner-Schule ausge-

auch langweilt, wenn es sein muss.“ Irritiert zeigt er sich über „die-

sucht. Mattis Rückblick auf UNSERE Schule bestärkt mich ein-

se blauen Gesichter, die im Publikum immer wieder hochkommen“

mal mehr in unserer Entscheidung. Gleichzeitig hoffe ich dar-

und meint damit die Handys – für Matti „eine der größten Demüti-

auf, dass sie den Weg auch zu Ende gehen.


14 _ Große Bühne

E

s entsteht etwas… Gedanken zur Bühne

Text: Tobias Richter und Leonhard Weiss

Zum Einstieg… …zwei Ereignisse, die vor kurzem auf bzw. vor der Bühne unseres großen Festsaals stattfanden: „In meiner Heimat durfte ich nicht singen. Hier darf ich singen.“ Es ist ein spezieller Augenblick beim Singabend der

sie oftmals auch eine wirklichkeitsschaffende, „performative“ Dimension. Interessanterweise geht es bei performativen Aussagen nicht darum, ob diese „wahr“ sind, sondern ob sie „wirken“, ob also etwa die mit dem Satz „Hiermit erkläre ich Sie…“ Angesproche-

11. Klasse, als eine Schülerin aus dem Iran mit diesen Wor-

nen danach sowohl für andere als auch für sich selbst als verhei-

ten ihren Auftritt einleitet. Im Festsaal ist plötzlich eine ganz

ratet gelten oder nicht. Dies ist natürlich wiederum unter ande-

andere Stimmung zu spüren; das Gefühl, als Zuschauer an

rem davon abhängig, wer den Satz spricht, in welchem Zusam-

einem besonderen Geschehen teilzuhaben, teilhaben zu

menhang, zu wem usw…

dürfen. Eine andere Schülerin beginnt den Reigen der Referate der 12. Klasse mit der Schilderung einer Erfahrung während ihres Sozialpraktikums: beim Arbeiten im Garten einer CamphillEinrichtung in Irland habe sie das Gefühl von „Sinn“ und damit von „Glück“ erlebt. Die Schilderung des persönlichen Erlebnisses der Schülerin ist der Einstieg in die Auseinandersetzung mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ – und zugleich eine Aufforderung an die Zuhörer, sich selbst die Frage zu stellen, was

Performative Aussagen brauchen daher immer einen entsprechenden Rahmen. Auch die oben geschilderten Situationen können dies zeigen: Das andernorts verbotene Singen braucht den Raum, in welchem gesungen und zugehört wird. Ohne die „Institution“ der Jahresarbeitspräsentationen gäbe es weder das Referat, noch wären Zuhörer da. Erst der fast schon ritualisierte Rahmen ermöglicht die Entstehung des Neuen.

Die Bühne – ein Rahmen Bühnen sind materialisierte, gestaltete Rahmen. Sie geben

für jeden von uns ganz individuell „Glück“ ist. Aus Zu-Hörern

den Raum, der gebraucht wird, damit sich bestimmte Dinge er-

werden Mit-Denker...

eignen und neue Wirklichkeiten entstehen können. Denn das

Sätze, die wirken In vielen Kulturwissenschaften spielt seit einigen Jahren der Begriff „Performativität“ eine wichtige Rolle. Dabei geht es um jene menschlichen Handlungen, aber auch Aussagen, die offensichtlich eine neue Form von „Wirklichkeit“ entstehen lassen. Die Bildungswissenschaftler Christoph Wulf und Jörg Zirfas etwa beschreiben den „performativen Akt als auf die Erzeugung von Wirklichkeit abzielendes Vollzugsgeschehen“ (Wulf/Zirfas, 2007, S. 15). Ein typisches Beispiel hierfür

eigentlich Entscheidende etwa an einer Theateraufführung ist ja nicht, dass etwas (eine Situation, eine Person,...) „dargestellt“ wird, sondern was sich im Moment des Geschehens ereignet – und dafür ist vieles notwendig: das Stück, die Schauspieler, die Zuschauer, die Bühne, u.a.… Daher ist jede Aufführung, wie die Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte betont, „immer performativ“ (Fischer-Lichte, 2012, S. 53).

Theaterspiel – ein „machtvolles Bildungsmittel“ Und noch etwas gehört zum Gedanken der Performativität

wäre der Satz „Hiermit erkläre ich Sie zu Mann und Frau“. Der

dazu: Der „Auftretende“ lässt für die Zuseher eine neue Wirklich-

Standesbeamte schafft durch seine Aussage eine Wirklich-

keit entstehen und ermöglicht ihnen damit neue Erfahrungen –

keit, die ohne diese nicht existiert hätte.

er kann dabei aber auch sich selbst neu kennenlernen. Dies gilt

Doch was für die Aussage des Standesbeamten vielleicht besonders gilt, gilt auch für viele andere Sätze, die wir im Leben sprechen und hören sowie für Handlungen, die wir setzen: Neben der rein sachlichen Informationsebene haben

für Theateraufführungen ebenso wie etwa für die Präsentation von Jahresarbeiten. Im Theaterspielen wird unser Körper, so Jörg Zirfas, zur „Basis der Möglichkeit, andere Wirklichkeiten zu erfahren“ (Zirfas, 2005,


Große Bühne _ 15

„Es ist schön, mit anderen zu spielen. Theater funktioniert nur, wenn alle ihr Bestes geben.“ Catarina, 8. Klasse

S. 77): So, wie ich im Auftritt „erscheine“, so kann ich auch sein.

Zentrum für Kultur und Pädagogik angeboten wird, hat auf

Wer über Cäsar nicht nur liest, sondern diesen auf der Bühne

das vorzubereiten, was auf dieser inneren Bühne erscheinen

spielt, lernt also nicht nur den literarischen (und vielleicht auch

will. Es gilt also, sehen zu lernen und sehen zu üben – was

den historischen) Imperator besser kennen, sondern vor allem

gleichermaßen auch das Hören betrifft.

auch sich selbst. Auch deshalb bezeichnet etwa der Erziehungs-

Hierbei unterstützen vor allem Künste wie Gesang, Eu-

wissenschaftler Hartmut von Hentig das Theaterspiel als „eines

rythmie, Sprachgestaltung, Theaterspiel, Malerei, Zeichnen,

der machtvollsten Bildungsmittel“: „ein Mittel, die eigene Per-

Plastizieren oder Bildhauen. Indem sie geübt werden, immer

son zu überschreiten, ein Mittel der Erkundung von Menschen und

und immer wieder, können sie ein Kommunikationsmedium

Schicksalen und ein Mittel der Gestaltung der so gewonnenen Ein-

bilden, das darauf wartet, wirklich sehen und hören zu kön-

sicht“ (v. Hentig, 1996., S. 119).

nen, wirklich rufen und begrüßen zu können – auf dass Wirk-

„Ich sehe Dich!“

lichkeit werde!

Die Formulierung von Hentigs, „die eigene Person zu überschreiten“ mit dem Verweis auf die Erkundung des Menschen eröffnet verschiedene Befragungs-Ebenen – so auch die, die Peter Sloterdijk in seinem fulminanten Werk „Du musst dein Leben ändern“ (Sloterdijk, 2009) propagiert: Der Mensch ist sich immer selbst überlegen. Gemeint ist damit, dass in allem, was wir von und in einem Menschen sehen und was er zeigen kann und will,

Tobias Richter und Leonhard Weiss sind Mitarbeiter am Zentrum für Kultur und Pädagogik und Dozenten des Masterstudiums Waldorfpädagogik an der Donau-Universität Krems. www.waldorflehrerwerden.at

nach dem eigentlichen „Autor“, dem geheimnisvollen „Akteur“ oder nach dem „Trainer, der die Auswahl seiner Talente betreut… “ (a.a.O., S 515) gefragt werden darf. Davon zeugen Erfahrungen jener Schüler und Lehrer, welche etwas nicht nur im Rahmen einer Möglichkeit (wie z.B. Singabend oder Präsentation einer Jahresarbeit) bzw. eines Raumes zu gestalten suchen sondern auch jene besonderen Räume einbeziehen, die erst entstehen, weil etwas gesehen wird. Gleiches meint auch der Zulu-Gruß „Sawu bona”: Ich sehe Dich! Der Gesehene antwortet mit „Sikhona”, was so viel bedeutet wie: Weil Du mich siehst, bin ich da – dein Sehen lässt mich erscheinen. (Das ist solch ein oben beschriebener performativer Akt, der Wirklichkeit entstehen lässt.)

Eine Pädagogik des Gesehen-Werdens Waldorfpädagogik sucht nahezu unablässig nach Möglichkei-

Literatur: Fischer-Lichte, Erika: Performativität, Bielefeld, 2012 Hentig, Hartmut von: Bildung, München, 1996 Sloterdijk, Peter: Du musst dein Leben ändern, Frankfurt a. M., 2009 Wulf, Christoph/Zirfas, Jörg: Performative Pädagogik und performative Bildungstheorien. Ein neuer Fokus erziehungswissenschaftlicher Forschung, in: Wulf/Zirfas (Hg):: Pädagogik des Performativen. Theorien, Methoden, Perspektiven, Weinheim / Basel, 2007, S. 7-40 Zirfas, Jörg: Aisthesis. Ästhetische Bildung im theatralen Sinnenspiel, in: Liebau/Klepacki/Linck/Schröer/Zirfas: Grundris-

ten, dass sich das Gesehen-Werden ereignen kann. Es ist ein Ge-

se des Schultheaters. Pädagogische und ästhetische Grund-

schenk für beide „Akteure“, den Grüßenden und den Begrüßten.

legung des Darstellenden Spiels in der Schule, Weinheim /

Die Ausbildung zum Waldorflehrer, wie sie beispielsweise am

München, 2005, S. 69-87


Judith Stein, Elisabeth Krรถswang (Poremba), Ulrike Hammer (Alkestiade, 1987)

16 _

Thomas Swoboda, Martina Rosen (Alkestiade, 1987) Elmar Dick (Alkestiade, Hiberniaschule, Herne bei Bochum, 21. Juni 1987)

Christoph Kautzky (Der kรถnig u.d. Menschenfein


Waltraut Seidelberger, Saskia Sauter (Schwaiger), (Gesang im Feuerofen, 1989)

_ 17

Imme Winter (Moravansky) (Ghetto, Jahresarbeit, 1987)

Lothar Trierenberg (Ghetto, Jahresarbeit, 1987)

Christoph Rath (†), Anja Reisch, Ivo Wetter (Gesang im Feuerofen, 1989)

Lorna Fürst, Sunniva Aigner (Wetter), Angelika Rattay (Der Alpenkönig u.d. Menschenfeind 1988)

Alpennd 1988)

Iris Hill (Teichmann), (Der Alpenkönig u.d. Menschenfeind 1988)

Musikabend (11.Klasse 2004)

Musikabend (11. Klasse, 2005)

Jo (G


Spiele und andere AuffĂźhrungen __18 18

Bettina Porpaczy, Lukas Hitsch, Karin

ohannes Matthiesen (†) Gesang im Feuerofen, 1989)

Spiegel (Die Drei Groschen Oper, 1988) Sonja Mlineritsch (Gesang im Feuerofen, 1989)

Nadja Berke (Lang), Alexander Nemet (Die Dreigroschenoper, 1989) Martin Horvat, Jessica Melchinger (Die Dreigroschenoper, 1989)

Michael Mies, Agnes Schmiedbauer (Die Dreigroschenoper, 1989)

Musikabend (11. Klasse, 2009)

Musikabend (11. Klasse, 2006)

Musikabend (11. Klasse, 2007)

Musikabend (11. Klasse, 2008)


Motiv 1

Motiv 2

Motiv 3

Motiv 4

19 _

Eine Bühne besonderer Art

Ein zweites Gestaltungsmotiv

oder:

hing mit dem Altbau zusammen

Sehen, was geschieht…

– schließlich galt es auch diesen

Die Gestaltung des Festsaales durch Schüler, Eltern, Lehrer und Künstler 1982

ter oder Tor des Altbaues befindet sich eine Art Schlussstein.

zu würdigen: Über jedem FensEs scheint dieser ein Ausdrucksrest von einer ursprünglichen Bauempfindung zu sein, welche An-den-Schluss-Stellen ei-

Rudolf Steiner-Schule Mauer 1969 - 1982: Es gab keinen Saal,

nen besonderen Kraftpunkt sah. So wurde versucht, diese

in dem sich die ganze Schulgemeinschaft treffen und wahrneh-

Gestaltungsidee in verwandelter Form und organisch in den

men konnte! Die einzige Möglichkeit, dem Abhilfe zu schaffen,

Neubau aufzunehmen – heute ist sie beim Eingang in den

bestand in der Hofüberbauung des sog. Wirtschaftstraktes des

Saal und bei der Bühnenöffnung sichtbar. (…)

Schlössls (Nr. 98). Gleichzeitig sollten der Oberstufentrakt, Holzwerkstätten und ein Plastizierraum entstehen. In Zusammenarbeit mit Herrn M. Kobel als bauführendem Architekt wurden von dem Kunst- und Werklehrer Christian Hitsch Modelle entwickelt, die ein „stufenweises Sich-Hinein-

Als der Bau noch im Rohzustand war, schnitzten schon Schülerinnen und Schüler die Rahmen von acht Türen, welche zwar je nach Ort und Situation verschieden, jedoch aus ein und demselben Prinzip heraus gebildet worden waren. Wir stellten uns die Frage: Was können wir aus unserer Ar-

Fühlen in das Gegebene spiegeln. Während der Arbeit an den

beit mit den Schülern und mit Helfern (Eltern, Lehrern und

Modellen lebte, neben dem Gespräch mit dem Vorhandenen,

Freunden) selber leisten? Das schien aus der Not der Mittel

immer die Frage: Wie wirken die Formen, Proportionen auf

ebenso zu entspringen, wie aus dem Wollen, nicht einfach ei-

den Menschen? In unserem Falle ging es um den werdenden

nen „schlüsselfertigen Bau“ vollendet erstellen zu lassen (der

Menschen, welcher 12 Jahre in diesen Räumen leben, aus-

es einer Schule später schwermachen könnte, ihn auch inner-

und eingehen wird.

lich zu ergreifen). (…)


Motiv 5

Motiv 6

Motiv 7

Motiv 7

Motiv 6

Motiv 5

20 _

Mit jedem Stück wuchsen der Mut und die Zuversicht, auch jene größeren Arbeiten, die der Innenbau mit sich brachte, selber meistern zu wollen. Durch die Schüler und ihre unvoreingenommene Willenshaltung war es allein möglich, in dieses Wagnis ein-

laster der linken Wand zeigen, wie ein Oberes stufenweise auf-

zutreten und das Zusammenarbeiten von Fachleuten mit Laien,

genommen wird. Die der rechten Seite machen es umgekehrt; da

Eltern, Lehrern, Schülern und Freunden auf größere künstlerische

begegnet ein Unteres dem Oberen. Der Pfeiler in der Mitte der

Aufgaben auszuweiten. (…)

Rückwand bildet den Ausgangspunkt. Das Bühnenportal links

Die Freude am künstlerischen Tun war groß, als die Späne von

zeigt dann ein „Aufbrechen des Inneren“, um sich im 7. Motiv, das

dem aus 13 m Rüsternholz verleimten Bühnenportal unter em-

die beiden Seiten zusammenführt, wieder zu finden (Bühnenpor-

sigen Hammerschlägen flogen. In 9 Wochen täglichen Schnit-

tal, mittleres Motiv über der Bühne und unten am Bühnensockel).

zens konnte man die Formen herauswachsen sehen. Bald war

(…) So sind 12 Motive entstanden. Die 1. und 12. Form erschei-

das Modell vergessen und an Ort und Stelle die Gestalt gefun-

nen als Ausgangspunkt bzw. Endpunkt der Formverwandlungen,

den. Ein dazu passendes Rednerpult und ein Heizkörpervorsatz

deren es 2x7 gibt, da ja eins und sieben beiden Metamorphosen-

entstanden.

reihen angehört. (Es sei hier erwähnt, dass sich diese „Zahlenver-

3

Die Reliefformen der Pilaster und der Träger zwischen den

hältnisse“ erst im Nachhinein zeigten, sie sind ohne Absicht durch

Saaltüren begannen sich gleichsam zu bewegen, indem sie durch

die Arbeit entstanden. Erst als es notwendig wurde, zu erläu-

Betonmörtel aus den Wänden herausplastiziert wurden. Jetzt

tern, warum links und rechts so verschieden seien, traten sie ins

konnte man schon sehen, wie Formen, von jedem Mittelpfei-

Bewusstsein.)

ler ausgehend, links und rechts verschieden, an den Saalwänden

Da der Saal ein Mehrzweckraum sein muss und zudem in der

sich zum Bühnenportal vorarbeiteten, um in der Mitte desselben

Höhe, Breite und Länge vorgeschriebene Maße hat, so wur-

wieder zusammenzuwachsen. Immer dort, wo auf den Wänden

de versucht, wenigstens durch die Gliederung und die Drehung

ein Dachträger ruht, antwortet die Wand. (…) Die vier Relief-Pi-

der Dachflächen den Eindruck zu erwecken, dass der Raum sich


Motiv 4

Motiv 3

Motiv 2

Motiv 1

_ 21

nicht nur nach vorne, zur Bühne hin weitet, sondern auch höher erscheint.

Alle hatten erfahren: Wo künstlerisch gearbeitet wird, werden Hingabekräfte geweckt; sie führen uns in den Zustand,

Als im Herbst die vielen Helfer abreisen mussten, weil die

der uns auf der Suche nach der Freiheit wird begleiten müs-

Schule wieder begann und alle Arbeit nun dem Ziele der Eröff-

sen: Denn

nung zugewandt war, kamen die Schüler mit frischen Kräften aus

„Die Kunst ist die Frucht der freien Menschennatur. Man muss

den Ferien. In wenigen Wochen schälten sie (mit großen Eisen

die Kunst lieben, wenn man ihre Notwendigkeit für das vol-

und Hämmern) die Türformen des Saales aus dem massiven Holz

le Menschenwesen einsehen will. Zur Liebe zwingt das Leben

und ebenso den fahrbaren Bühnenvorsatz. Nicht weniger als

nicht. Es gedeiht aber nur in der Liebe. Es will sein Dasein in dem

30 m Oberfläche waren da fein schnitzend zu spannen und zum

zwanglosen Elemente.“ (Rudolf Steiner)

2

Leben zu erwecken.

Im Rückblick erscheint ganz gewiss, dass überall dort, wo der

(Christian Hitsch: Das Werden der Innenraumgestalt,

Versuch gewagt wurde, sich auf neuen Boden zu stellen, die Kräf-

Auszüge aus Wiener Dialoge. Der österreichische Weg der

te wie von selbst sich einstellten und organisierten. (...)

Waldorfpädagogik, Böhlau 2011. S. 171ff)

Klopfendes Herz auf der Bühne – Liedtext vergessen – lalala – improvisiert 1988 - Die Dreigroschenoper Klopfendes Herz im Publikum – meine Kinder auf der Bühne – Tränen der stolzen Rührung 2016/2017 - „Der Sängerkrieg“ und „Armer Heinrich“ Und immer ist MUSIK dabei!“ Nadja Berke


22 _ Kindergarten

S

chritt für Schritt kommt Leben auf die Bühne Text: Ursula Dotzler

Ein ganzes Dorf mit ursprünglichem Handwerk, lebendigem Rhythmus, Kultur und Festen. Ein jeder darf sich davon

Das Spiel kann beginnen Die Kinder erfassen alle diese Urbilder in ihrer Bewegung;

nehmen, was er braucht, findet seinen Platz und tut, soviel er

sie können selbsttätig in sie hineinschlüpfen und sich damit

kann. Wer an diesem Leben teilhaben will, der wird eingela-

verbinden. Im Vorschulalter besteht dabei kein Anspruch auf

den und ist willkommen. Nach einiger Zeit – wenn er alles gut

Mitsingen und Mitsprechen; der Impuls erwacht in den Kin-

kennt und überall mitgearbeitet, -gesungen und -gespielt hat

dern selbst aus der Nachahmung. Bewegung, Sprache und

– zieht er reich von dannen. Für das Abschiedsfest hat er sich

Gesang des Erwachsenen werden aufgenommen.

sein Gewand selbst ausgesucht.

Alle tun mit und sind in allen Rollen, auch wenn ein Dornröschen, ein Dummling oder zu Weihnachten Josef und Maria

Das pädagogische Dorf

in der Mitte des Kreises stehen. Die Kinder leben im gesam-

Im Kindergartenraum ist das Leben selbst die Bühne. Es

ten Spiel, nicht in Einzelrollen, auch wenn sie das Kleid einer

wird lebenspraktisch gearbeitet: Die Arbeit wird in den tägli-

bestimmten Gestalt tragen. Das Miteinander geht vor. Nicht

chen rhythmischen Spielen in Form von Gesten, Sprache und

umsonst sind die Figuren eines Märchens als Aspekte im See-

Gesang gestaltet und fließt aus der künstlerischen Form wie-

lenleben eines jeden Menschen aufzufassen.

der zurück ins Freispiel. Dazu fügen sich im Jahreslauf Märchenspiele und Spiele der Festeszeiten ein. Im „pädagogischen Dorf“ leben urbildlich alle Rollen, die im Leben Bedeutung haben: Vater, Mutter, Kind, Brüder und Schwestern, alle Handwerker, der Bauer, alle Tiere, alle Elementarwesen, Engel, Maria mit dem Kind, Josef, Hirten und

Es erfordert jedoch viel pädagogisches Gespür, welches Kleid einem Kind an einem Tag gerade angemessen ist und wie sich alle Gestalten in der Gruppe verteilen lassen. Die Kinder wiederholen das Spiel gerne, bringen es nach Hause oder ins Freispiel oder schaffen daraus ein Puppenspiel. Wenn die Spiele im Jahreslauf wiederkehren, haben sie in

Könige. Aus den Märchen kommen König und Königin, Prinz,

den Kindern geruht und werden selbstverständlich und ver-

Prinzessin, treue Diener, Drache, Ritter, Musikanten und viele

wandelt wieder aufgegriffen. Alles ist reifer geworden: Die

mehr hinzu.

Kinder schlüpfen erneut in das – mitgewachsene – Kleid, und


Kindergarten _ 23

die jüngeren und neuen Kinder werden mitgenommen. Die

nalen Überfrachtung. Ungestört können die Kinder in die Ge-

Wiederholungen im Jahresrhythmus haben eine kräftigende

schichte unmittelbar eintauchen und nachahmend damit um-

Wirkung auf das Kind, sowohl in seinem Willen, als auch in der

gehen. Sorgsam gepflegte und künstlerisch gestaltete Spra-

gemüthaften Bildung von Erinnerungskraft.

che und Bewegung rufen die Spielinitiative der Kinder hervor, wirken ordnend bis in die Tätigkeit der Gliedmaßen.

Entwicklung zum Selbstbewusstsein Gegen das letzte Kindergartenjahr nimmt die bewegungs-

Treten die Kinder später auf die Bühne, schöpfen sie letztendlich aus diesem Schatz. Das Hineinschlüpfen ins Leben

getragene Phantasiekraft ab. Die Kinder müssen sich Bilder

wird im Kindergarten in Reinkultur geübt, geliebt, gelernt und

ein Stück weit aus der Vorstellung holen und vereinbaren un-

leiblich verankert.

tereinander, wer oder was sie „im Spiel“ sein wollen. Mit wachsendem Selbstbewusstsein dürfen die Kinder

Als KindergartenpädagogInnen verfolgen wir sehr gerne, wer welche Rollen bei Schulfeiern und Klassenspielen an-

in den Sonnenkinderstunden ihre Rollen weitgehend selbst

nimmt. Sie „passen“ immer und sagen viel über die Entwick-

wählen und werden dabei von „ihrem“ Musikanten begleitet.

lung der heranwachsenden jungen Menschen aus.

So aufeinander aufmerksam zu sein, ist eine große Heraus-

Es kann nicht oft genug auf die Bedeutung wahrhaftiger

forderung, denn jede/r muss achtsam sein, wann er/sie in der

menschlicher Vorbilder im Kindesalter hingewiesen werden.

Geschichte „an der Reihe“ ist. Wer „träumt“, wird auch oft von

Durch ihre volle Anwesenheit und die von ihnen gepflegten

der Gruppe „aufgeweckt“ und an seinen Einsatz erinnert.

Tätigkeiten und Urbilder sowie deren künstlerische Gestaltung wird den Kindern lebenswichtige, substanzielle Nahrung

Lebenswichtige Nahrung Alle Spiele im Kindergarten leben rein durch Sprache, Bewegung und Melodie. Die Handlung folgt einem klar durch-

geboten, die letztendlich auch dem gesunden Aufbau der Leiblichkeit dient. Im Vergleich dazu sind über technische Medien erzeugte

schaubaren und tätig nachvollziehbaren Ablauf – es gibt kein

Abläufe und Bilder ihrer Substanz nach nicht einmal Nahrung

Drama im Sinne einer erdichteten Verwicklung oder emotio-

in Tablettenform.


24 _ Termine, Aktuelles

NEUBAU 113 –

O

bwohl es sich bestimmt schon herumgesprochen hat, wollen wir

winnen – dringend benötigte – Zeit: Zeit, um die Planung und Aus-

die Gelegenheit nützen, an dieser Stelle über die letzten Neuigkei-

schreibung des Projektes mit größtmöglicher Genauigkeit fertig-

ten von den Neubauplänen zu berichten. Das Wichtigste zuerst: Der Baubeginn wurde auf Februar 2018

stellen zu können und Zeit, um weiter auf Hochtouren nach Räumen für das Zwischenquartier zu suchen.

verschoben.

Leider hat uns die „Studienstätte“ für Klassenräume abgesagt, und

Warum? Dafür gibt es mehrere Gründe:

wir sind nach wie vor auf der Suche nach einem geeigneten Platz

Zum einen haben wir – obwohl die Bauverhandlung bereits am

für zwei bis drei Oberstufenklassen!

31. März 2017 stattfand – noch immer keinen Baubescheid erhalten.

In diesem Zusammenhang eine kleine Erklärung, warum es gera-

Einwände einiger Nachbarn, welche im Rahmen der Bauverhandlung

de die Oberstufe sein soll, die „ausziehen“ muss: Grund ist, dass

vorgebracht worden waren, wurden seitens der Behörden als nicht re-

der Unterricht aufgrund des beschränkten Platzangebotes öfter

levant für den Bescheid eingestuft. Dennoch besteht die Möglichkeit,

mit einem Ortswechsel für die SchülerInnen einhergehen wird.

dass diese Nachbarn nun versuchen, den Baubescheid anzufechten.

Diesen können die OberstufenschülerInnen bereits ohne Beglei-

Dies würde eine Verzögerung bedeuten.

tung bewältigen, während dies bei der Unter- oder Mittelstufe

Zum anderen wird die Bauzeit vermutlich etwas länger sein, als ur-

schon aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist. Es wäre aller-

sprünglich geplant, wodurch ein Einzug erst nach 1,5 Jahren möglich

dings schwierig, täglich für den Wechsel in Fachstunden, zum

sein dürfte. Ein Baubeginn im Sommer würde also einen Bezug des

Mittagessen oder in den Hort… eine entsprechende Begleitung für

neuen Gebäudes während der Wintermonate bedeuten. Dies wäre

die Kinder zu organisieren.

nicht nur ein ungünstiger Zeitpunkt für einen Einzug, sondern wür-

Der konkrete Plan für den Baubeginn ist derzeit:

de auch das Gestalten der Außenflächen im Vorfeld erschweren. Für

• In den Weihnachtsferien 2017/2018 wird der Hort übersiedelt.

letzteres ist der Frühling natürlich besser geeignet, zumal damit im

Der Container wird im Rosenhof aufgestellt; als zweiter Hor-

darauffolgenden September der Garten bereits voll in Betrieb ge-

traum wird der Physikraum adaptiert.

nommen werden könnte. Dieser kleine Aufschub bringt einen großen Vorteil mit sich: Wir ge-

Der Frühling wird bunt! 1230 Wien, Geßlgasse 1 Tel. +43 (1) 889 86 69 jagsch-papier@inode.at

• Die Klassen werden das alte Gebäude mit den Semesterferien 2018 verlassen; danach soll mit der umfangreichen Baustellen-


Mauer Waldorf Lauf

Termine, Aktuelles _ 25

– wie geht es weiter?

10. September 2017

einrichtung begonnen werden. • Parallel dazu wird das gesamte Gebäude geräumt (Dachboden, Keller, etc.); Hütten, Häuser und Spielgeräte im Garten werden gesichert beziehungsweise abgebaut und teilweise eingelagert. • Beginn der ersten Abbrucharbeiten wird voraussichtlich Ende Februar 2018 sein. Gesucht werden derzeit noch: • Räume, welche während der Bauzeit genützt werden können • Platz für die vorgeschriebenen Baum-Ersatzpflanzungen im

Kinder Lauf | 1,5 km Walk | 5 km Lauf | 10 km Lauf

Umkreis der Schule

ANMELDUNG bis 5.9.2017

• Kontakte zu Firmen, die uns beim Bau unterstützen können (Sponsoring von Arbeit und/oder Material) • Stiftungen und andere Institutionen sowie Menschen, die bei der Finanzierung helfen

unter: www.maxfunsports.com SPONSOREN

Wir freuen uns auf diesen großen Schritt! Für den Vorstand Lothar Trierenberg

Termine 24.06.2017 Schulfeier und Sommerfest 30.06.2017 Letzter Schultag SJ 2016/17 04.09.2017 Erster Schultag SJ 2017/18 14.10.2017 „90 Jahre Waldorfpädagogik in Österreich“, 10:00-18:00, MQ / Halle G, Veranstalter: Waldorfbund 26.10.-05.11.2017 Herbstferien

Die nächste Ausgabe von MoMent erscheint voraussichtlich am 25.11.2017, Redaktionsschluss ist der 29.10.2017 Ihre Ideen, Wünsche und vor allem Beiträge senden Sie bitte an die Redaktion: moment@waldorf-mauer.at Kleinanzeigen auf der letzten Seite

zkp_az_moment_2017.qxp_Layout 1 17.05.17 13:53 Seite 1

Zeit für neue Perspektiven. Info-Abend am 20. Sept. 2017, 19 Uhr Studienstart im Oktober 2017

www.waldorflehrerwerden.at


26 _ Rückblick (1. Klasse)

1.-Klass-Familienwochenende von 25. bis 26. März im Weinviertel Text: Bettina Schwenk

W

ir berieten über den Termin: Der sollte bereits

Wir verbrachten die Mittagspause in unserem Turnsaal-

im März sein, um dem unsicheren April auszu-

Festzelt und freuten uns auf den gemeinsamen Spaziergang

weichen und die Hochbetriebsmonate Mai und Juni

danach.

nicht mit zusätzlichen Terminen zu belasten.

Wir hörten von Tobias Richter das WieWasWarum des Wal-

Wir buchten ein Quartier: Dies stellte die größte Her-

dorf-Lehrplanes, machten mit Tanya Hanna fortgeschrit-

ausforderung des Wochenendes dar.

tene Eurythmie und verbrachten einen gemütlichen Abend

Wir reisten an: Das war vergleichsweise einfach. Be-

zusammen.

reits am Freitag kamen die, die konnten und wollten,

Wir durften einigermaßen ausschlafen und machten nun

im Weinviertler Jufa-Gästehaus an; die Kinder be-

bereits Oberstufen-Eurythmie mit Kamila Rudnicka, wurden

völkerten kurz darauf Spielplatz und Fußballfeld, die

verblüfft, erstaunt und hauptsächlich beobachtet.

Erwachsenen eher den Bereich, in dem Getränke ser-

Wir hörten mehr über den Waldorf-Lehrplan von Tobi-

viert wurden.

as Richter, reflektierten und besprachen das

Wir plauderten, packten aus, entspannten – und

Gehörte.

spannten darauf, was uns in den nächsten beiden Ta-

Wir wurden während der Vorträge von einem

gen widerfahren würde. Das Abendessen fand im für

fabelhaften Team der 12. Klasse unterstützt, wel-

unsere Großgruppe zum Speisesaal umfunktionierten

ches sich in der Zwischenzeit mit unseren Kin-

Turnsaal statt. Kein wahnsinnig anheimelndes Ambi-

dern beschäftigte, wenn diese nicht gerade in

ente, aber es kam fast sowas wie Festzeltstimmung

unterschiedlicher Besetzung eine Vorstellung des

auf – lautstärkemäßig auf jeden Fall.

russischen Märchens von der Rübe unter Regie

Wir brachten die Kinder zu Bett und rundeten den

von Olga Glazkova gaben.

Abend ab.

Und? Wozu das alles? Um sich untereinander

Wir frühstückten und steuerten einen ersten Höhe-

besser kennenzulernen? Um in die Waldorfpäda-

punkt an: Auf der Terrasse schien die Sonne (bei ja

gogik eingeführt zu werden? Um das Umfeld un-

noch märzlichen Temperaturen), und so empfingen

serer Kinder zu erfahren? Um miteinander aktiv

wir die am Samstagvormittag Nachkommenden mit

Zeit zu verbringen? Um ein gemeinsames Fun-

Sonnenbrillen und gen Süden ausgerichtet wohlig zu-

dament für die kommenden Jahre aufzubauen?

rückgelegten Köpfen.

Um den Zusammenhalt der

Wir zogen etwas widerwillig hinein in den Seminar-

Gemeinschaft zu stärken?

raum zu unserem ersten Vortrag von Tobias Rich-

Um Erfahrungen auszutau-

ter, der im Nu die äußeren klimatischen Bedingungen

schen und Erwartungshal-

ersetzte: Uns wurde warm, und wir strahlten. Tobias

tungen abzuklären?

Richter präsentierte die Grundlagen der Waldorfpäda-

Ja, das auch.

gogik – einfach und verständlich, aber tiefgehend und

Und es fühlt sich jetzt nach

berührend. Der Funke sprang über.

viel mehr an… dieses „WIR“.

Wir versuchten im Anschluss mit Tanya Hanna einige

Herzlichen Dank an unsere

Übungen der Unterstufen-Eurythmie. Auch wenn wir

Vortragenden und das

der Überzeugung waren, dass die Kinder das besser

Team der 12. Klasse!

machen: Der Wille war da.


Rückblick (3. Klasse) _ 27

Bei den Handwerkerinnen Wer ist Lehrling? Jedermann!

D

Wer Geselle? Der was kann!

Wer ist Meister? Der‘s ersann!

ie dritte Klasse widmete sich in diesem Schuljahr ganz dem Thema Handwerk. Ein Thema war dabei „Vom Brot zum Korn“, wobei die Kinder im Rahmen mehrerer Ausflüge nach Laab im Walde immer

wieder „ihre“ Felder besuchten und so auch über den Lebenszyklus der Pflanzen lernten. Und wer selbst einmal einen Pflug gezogen hat, weiß, wieviel Arbeit darin steckt, Getreide einmal nur zum Wachsen zu bringen. Die Klasse besuchte mehrere Handwerksbetriebe und hatte so die Möglichkeit, mittlerweile selten gewordene Arbeitsprozesse zu beobachten – der Besuch einer Köhlerei und die Besichtigung eines Schaubergwerks im Technischen Museum beeindruckte viele der Kinder ganz besonders. Auch die Eltern waren mit Begeisterung bei zahlreichen Ausflügen dabei – eine besondere Gelegenheit, die Kinder auch als Gruppe einen Vormittag lang zu erleben (wer ältere Kinder hat, weiß, dass diese Momente immer rarer werden!) Zuletzt stand im Mai/Juni noch die Hausbauepoche an, die sich auch für die Eltern als Herausforderung entpuppte: Der Schulgarten war ja im Vorjahr schon zu einem kleinen Häuser-Dorf angewachsen, und so wälzten wir Pläne über mobile Häuser, Partyzelte und Eisdielen, die ebenso rasch wieder verworfen wurden, bis die Christengemeinschaft den Wunsch nach einer Sandkiste in der Rudolf Waisenhorngasse an uns herantrug. Gut, dass die Kirche bereits fertig danebenstand! Denn die Sandkiste erforderte nicht nur die Kraft der Kinder, sondern auch das eher rudimentäre Bauherrengeschick der Eltern. Vom Ausheben der Grube bis zum Setzen des Fundamentes – aber auch das Projekt Sandkiste ist nun nahezu fertig abgeschlossen. Was bleibt von diesem Jahr: Viele gemeinsame Momente, eine fertige Sandkiste und eine Sammlung sehr kurzweiliger Erinnerungen der Kinder. Hier eine kleine Auswahl: Ackerbau Gestern waren wir in Laab im Walde ein Feld bestellen. Wir haben mit einem Pflug die Erde aufgelockert. Einer hat den Pflug geschoben, und fünfzehn Kinder haben ihn gezogen. Dabei mussten die Kinder und der Pflug immer in der Furche bleiben. Dann mussten wir mit der Egge die aufgeworfenen Erdschollen zerkleinern. Danach haben wir uns im Kreis aufgestellt und ein Lied gesungen und haben die Körner in unsere Schürzen bekommen. Diese haben wir mit Schwung ausgesät.

(Aurel)

Zuerst haben ein paar Kinder eine Linie in den Acker gemacht. Dann haben wir die Linie tiefer gemacht. Danach haben ich und ein paar andere die Kartoffeln abgezählt und abgewogen. Dann haben wir die Kartoffeln in die Furche gelegt. Und dann haben wir mit Hacken die Furche wieder zugemacht. Das war sehr schön!

(Simeon)

Gestern war fast die ganze Klasse beim Ackerbauen. Es war zum Teil sehr anstrengend, aber zum Schluss haben wir einen Spruch gesprochen, und der ging so: Bemesst den Schritt, bemesst den Schwung, die Erde bleibt noch lange jung. Dort fällt ein Korn, das stirbt und ruht, die Ruh ist süß, es hat es gut. Und dazu haben wir eben gesät.

(Julie)

>>


28 _ Rückblick (3. Klasse)

Bei den Handwerkerinnen Wir sind mit der Straßenbahn gefahren. Der Bus, mit dem wir fahren mussten, fährt nur jede Stunde. Leider haben wir den Bus verpasst, und weil wir nicht 1 Stunde warten wollten, sind wir eine halbe Stunde zu Fuß gegangen. Als wir angekommen sind, hat eine Gruppe Zwiebeln gepflegt, eine über das Korn geschrieben und eine hat Erdäpfel angesetzt, mir hat das alles sehr gefallen. Eigentlich waren wir zum Erdäpfelsetzen da.

(Jaina)

Technisches Museum Heute waren wir im Technischen Museum. Wir waren im Schaustollen. Wir haben Modell von Minen gesehen, über Tag und unter Tag. Die Führerin hat die Maschinen eingeschaltet. Es war sehr laut.

(Alex)

Wir waren im Technischen Museum. Wir sind mit der Straßenbahn hingefahren. Dort wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe

Der Köhler hat die ganze Zeit zu tun. Er muss den Kohlen-

ist mit Frau Bolleter das Museum anschauen gegangen, die anderen

meiler die ganze Zeit beobachten und Klappen aufma-

ins Bergwerk. Im Museum sahen wir: ein Laufrad, wie die Hamster es

chen, damit die Glut nicht brennt. Er besitzt sein eigenes

haben, nur eben in groß. Die Werkzeuge der Bergleute. Wie eine Eisen-

Haus neben dem Kohlenmeiler.

bahn mit Kohle fährt. Im Bergwerk bekamen wir jeder einen Helm. Wir

Der Köhler stellt Holzkohle her. Es ist sehr wichtig, dass kei-

sahen Schaufensterpuppen, die wie Bergleute verkleidet waren, ein

ne Luft hineinkommt. Deswegen wird der Kohlenmeiler mit

Pferd, Maschinen. Dann sind wir zurückgefahren.

Schichten überdeckt. Die erste Schicht ist das Gründach.

(Sophie)

Die zweite Schicht ist die Lösche. Die dritte Schicht ist das

Der Köhler Der Köhler macht Holzkohle. Der Kohlenmeiler besteht aus Erddach, Lösche, Gründach und Holz. In der Mitte steht der Quandel. Die Kohle

Erddach. Für seine Arbeit braucht es viel Holz. Hat dir meine Geschichte gefallen?

(Xavier)

braucht mindestens 2 bis 3 Monate. Wenn sie fertig ist, braucht sie

Im Maurer Wald

12 Stunden. Der Köhler erkennt am Rauch, ob genug Luft drinnen ist.

Wir waren auf der Himmelswiese und haben verschiedene

Wenn zu wenig Luft drinnen ist, dann muss er Löcher in den Meiler

Blumen angeschaut. Wir haben Bärlauchblätter geribbelt,

machen. Und oft ist daneben ein Bach. Der Köhler ist meistens sehr

das hat stark gerochen. Man darf den Bärlauch nicht mit

schwarz im Gesicht wegen der schwarzen Kohle. Wenn er das alles

den Herbstzeitloseblättern verwechseln, weil die so giftig

gemacht hat, ist die Kohle fertig.

sind! Jetzt sind wir jausnen gegangen und dann haben wir

(Violetta)

im Wald Krieg gespielt. Laurenz hat eine große Hummel gefangen.(Senaid) Wir haben gelernt, wie man Bärlauch und Herbstzeitlose unterscheiden kann: Bärlauch wächst im Wald und am Waldrand. Herbstzeitlose wächst auf der Wiese. Also, ich pflücke Bärlauch nur im Wald. Wir haben einen Zettel mit Bildern von Blumen und ihren Namen bekommen, dann haben wir die Blumen gezeigt und wir mussten das Bild auf dem Zettel suchen und den Namen sagen. Dann sind wir zum Trockenrasen gegangen und haben gejausnet. Dann haben wir uns Tiere angeschaut, zum Beispiel die Gottesanbeterin. Wir durften Tiere einfangen und sie unter der Becherlupe genauer anschauen.

(Fenja)


Rückblick (4. Klasse) _ 29

Die 4. Klasse auf Entdeckungstour in Wien Text: Barbara Dalik

I

n den vergangenen Wochen unternahm die 4. Klasse einige Ausflüge in die Wiener Innenstadt, um sich jene wichtigsten Sehenswür-

digkeiten genauer anzusehen, von denen im Unterricht im Rahmen der Wienepoche erzählt worden war. Ich wurde dazu von ihrem Klassenlehrer, Herrn Genswein, als Fremdenführerin eingeladen. Zu Beginn besuchten wir die Ausstellung „Wien von oben. Die Stadt auf einen Blick“ im Wien Museum Karlsplatz und besichtigten die unterschiedlichen Stadtpläne. Am besten gefiel den Kindern ein Plan von Wien, auf dem keine Straßen oder Häuser, sondern nur Kanaldeckel eingezeichnet sind. Wir waren auch in der Karlskirche und fuhren mit dem Lift in die Kuppel hinauf, um die Fresken aus der Nähe zu sehen. Die Kinder durften dann auch noch die Stufen in die Laterne erklimmen, um ganz oben zu sein. Bei der Umrundung des römischen Lagers konnten wir die Dimensionen des Militärlagers erspüren. In der Ruprechtskirche, der ältesten Kirche Wiens, gibt es kein elektrisches Läutwerk, und so durfte jedes Kind an den Seilen der Glocken ziehen. Für die SchülerInnen war es der Höhepunkt des Tages – für die Leute in der Umgebung wahrscheinlich nicht. Bei einem weiteren Besuch wurde ein Teil der Ringstraße erkundet und auch hier einige Sehenswürdigkeiten betrachtet. Anschließend waren wir im Parlament. Während der Führung durch die wichtigsten Räume kamen wir auch am Sitzungssaal des Nationalrates vorbei. Hier durften die Kinder ein Thema mit verschiedenen Meinungen diskutieren. Das Thema war rasch gefunden: „Abschaffung der Schule – ja oder nein?“ Bei unseren Wanderungen waren wir natürlich auch im Stephansdom, sind durch Hinterhöfe spaziert, haben das Römermuseum besucht, den Basilisken bestaunt und die Ankeruhr gesehen. Die Kinder waren grundsätzlich sehr interessiert und aufmerksame Zuhörer.


30 _ Rückblick (5. Klasse)

360 Sieger über sich selbst Zu den 19. Olympischen Spielen in Schönau waren die Fünf Waldorf-Klassen aus Österreich, Slowenien, der Slowakei, Italien und Kroatien angereist Text: Roman David-Freihsl

D

as lange, ausdauernde Laufen ist nicht so ganz seines. Clemens

Dann war es Ende Mai endlich da, das olympische Wochen-

hat vor allem Kraft und ist ein Sprinter. Der ganze Papa, könnte

ende. Die Klasse verabschiedete sich schon am Donnerstag,

man sagen. Also so, wie er früher einmal war, der Papa. Doch in der

um das „Trainingslager“ im „Olympischen Dorf“ zu beginnen.

5. Klasse, da ist ein ganz besonderer Dauerlauf angesagt: der Mara-

Als wir dann am 27. Mai schließlich nachkamen, erlebten wir

thon bei den Olympischen Spielen in der Waldorfschule Schönau.

gleich gespanntes, konzentriertes Treiben. Wie es unserem

Da war gründliche Vorbereitung angesagt. Regelmäßiges Laufen mit

Burschen die letzten Tage ergangen war? Keine Ahnung – die

der Klasse in der Schule – das reichte nicht. Um den Winter überbrü-

Olympioniken waren ja in einer geschützten Vorbereitungs-

cken und in Schönau bestehen zu können, musste daheim sogar ein

phase gewesen.

Laufband angeschafft werden. Doch das Schwierigste beim Trainie-

Bei der feierlichen Eröffnung zeigte sich dann, dass diese

ren war eigentlich: zu lernen, nicht gleich Vollgas zu geben, sondern

19. Olympischen Spiele in Schönau bereits einen Rekord aufge-

es langsamer anzugehen, nach und nach zu steigern.

stellt hatten: Noch nie zuvor waren so viele Teilnehmer ange-

moment_abcomputer_93x131.qxp_Layout 1 31.05.16 08:04 Seite 1

Gleich oberhalb des Maurer Hauptplatzes finden Sie den IT-Spezialisten AB Computer. AB Computer bietet IT-Lösungen so individuell wie Sie. Seit 24 Jahren ist AB Computer die erste Wahl, wenn es um die Anschaffung eines neuen Computers, Laptops oder Notebooks oder um Hilfe bei EDV-Problemen geht. Persönliche Beratung steht bei dem Wiener Familienunternehmen an oberster Stelle. Andreas Bauer und sein Team unterstützen Sie bei allen EDV-relevanten Angelegenheiten, wie Reparatur, Wartung, Programmierung oder Neuanschaffung und garantieren ein optimales Service für Privat- und Firmenkunden. IT-Servicepoint in Mauer: Öffnungszeiten: Mo – Do: 9.00 – 17.00 Uhr, Fr: 9.00 – 15.30 Uhr Telefon: 01/889 26 790 E-Mail: info@abcomputer.at 1230 Wien, Endresstraße 106

www.abcomputer.at


Rückblick (5. Klasse) _ 31

Der Interviewtermin mit unserem Olympioniken, rund eineinhalb Wochen nach den Spielen, verlief dann übrigens ähnlich wie bei dem einen oder anderen erfolgreichen, aber wortkargen Sportler: MoMent: Wie waren eigentlich die Olympischen Spiele? Clemens: Anstrengend. MoMent: Aber war es irgendwie cool? Clemens: Schon. In das Vokabular des großen Ernst Happel übersetzt, würden diese Antworten lauten: „Es war sensazi. Die Kondizi und die Mentalflak ham g’stimmt.“ reist – insgesamt 360 Athletinnen und Athleten stellten sich den

P.S.: Mindestens ebenso beeindruckend wie die Organisation und

Bewerben. Nicht nur die fünften Klassen aus Schönau und allen

der Ablauf der Olympischen Spiele ist übrigens auch die Liste der

drei Wiener Waldorfschulen traten an – sondern auch die fünften

Sponsoren, welche wie bei jedem sportlichen Großereignis ge-

Waldorfklassen aus Graz, zwei aus Ljubljana, aus Treviso, Maribor,

nannt werden wollen. Daher wollen wir sie unseren Lesern auch

Linz, Bratislava, Salzburg, Kosice, Naklo, Rijeka, Zagreb, Savinja und

nicht vorenthalten:

last but not least jene der Eisenstädter Sonnenlandschule. Sie alle marschierten in gemischten Gruppen auf der Wiesenarena ein – als

Die Sponsoren:

Vertreter von Sparta, Athen, Ephesos und so fort.

- Gemeinde Schönau (unterstützt uns stets in vielen Belangen)

Bei einem derart internationalen Großaufgebot kann man die orga-

- Dorferneuerungsverein Erde Nakula (stellte leihweise Heurigen-

nisatorische Präzision des Schönauer Teams gar nicht hoch genug preisen. Dass bei der Eröffnungsrede die Tonanlage kurze Aussetzer hatte, war auch schon die einzige Mini-Panne, die man überhaupt wahrnehmen konnte. Ansonsten lief alles sensationell wie am Schnürchen – von der Parkplatzeinweisung bis hin zur Verpflegung.

bänke zur Verfügung) - Lohmann & Rauscher (spendete die T-Shirts für die Olympioniken) - Autohaus Gramsel und Autohaus Nagy és Nagy (spendeten für das Bedrucken der T-Shirts und für die Medaillen)

Das olympische Lied, das Entzünden des olympischen Feuers –

- Fa. Killer (übernahm die Müllentsorgung)

und schon startete der erste Bewerb: der Marathon. Zweimal galt

- OBI Baumarkt (spendete Absperrbänder, Kalk und Müllsäcke)

es die Arena zu umrunden. Und unser Clemens mitten drinnen, als

- Sojarei und Wojnar (stellten Aufstriche zur Verfügung)

wäre überhaupt nichts dabei.

- Interspar Leobersdorf (stellte Joghurts und Milch bereit)

Dies war übrigens auch die einzige Disziplin, bei der man so et-

- Volksbank (organisierte den Samariterdienst)

was wie eine Siegerin oder einen Sieger hätte ausmachen kön-

- Bäckerei König (gewährte sehr günstige Konditionen fürs Brot)

nen. Alle anderen Sportarten verliefen ganz im wahren olympi-

- Landfleischerei Sunk (gewährte sehr günstige Konditionen für

schen Geist, wonach vor allem das Dabeisein zählt. Sei es Diskus- oder Speerwerfen, Ringen oder Wagenrennen: Jede und jeder bringt seine Leistung, lotet seine eigenen Grenzen aus und

Wurst) - Straßenmeisterei Pottenstein (stellte Verkehrsschilder zur Verfügung)

ist Sieger – jedenfalls über sich selbst.

- Obstgroßhandel Thurner (spendete 50 kg Äpfel)

Erfüllt, begeistert und in gehobener Stimmung reisten wir nach

Wir danken Herrn Dr. Thomas Cornides und seiner Frau herzlich

der stimmungsvollen Schlusszeremonie dieses Großereignisses

für die Bereitstellung des Olympiadegeländes!

wieder ab.


32 _ Rückblick (6. Klasse)

Hermann_Stubitz_191x65.qxp_Layout 1 02.06.16 10:23 Seite 2

1230 Wien, Geßlgasse 11 Telefon: 01 889 69 83 Fax: 01 889 69 83 30 E-Mail: hsj@elektro-stubits.at


Rückblick (6. Klasse) _ 33

E

ine mutige Klasse, eine selbstbewusste Klasse! Viele Solostimmen, ein toller Chor, vier freudvolle Aufführun-

gen! Beide Besetzungen großartig im Zusammenspiel. Bei einigen der DarstellerInnen war eine schier unglaubliche Entwicklung zu erkennen im Vergleich zu dem Eindruck, den sie noch vor zwei Jahren so machten. Da sieht man, was diese – unsere – Pädagogik zu leisten vermag. Das einzige, was die Freude trübt, ist, dass dies das letzte Singspiel unter der musikalischen Leitung von Angela Schindler, unserer wunderbaren Musiklehrerin, war. Liebe Angela, wir werden Dich vermissen!!!!!!!!! Nadja Berke

Der arme Heinrich


Foto: Weleda, Text: Eva Maria Cervenka

34 _

C

alendula officinalis, auch Ringelblume ge‐ nannt, gehört zur Pflanzenfamilie der Korb‐ blütler (Asteraceae). In Klostergärten wurde sie schon im frühen Mittelalter als Heilpflanze angebaut. Im 18. Jahrhundert gehörte sie zusammen mit Arnika zu den wichtigsten Heilpflanzen. Fässerweise hatten Apo‐ theker ihre Essenz bereitstehen. Kein Wunder, denn ihre entzündungshemmende und hautregenerierende Wir‐ kung war damals schon bekannt und begehrt. Ursprünglich beheimatet im Mittelmeerraum, findet sich Calendula heute fast weltweit. Angebaut wurde sie in früheren Jahrhunderten jedoch aus dubiosen Grün‐ den: Die anspruchslose, üppige Calendula ließ sich pro‐ blemlos unter teureren Safran mischen. Die Ringelblume hat viele Namen: Calendula vom rö‐ mischen calendae ‐ dem ersten Tag des Monats ‐ als Sinnbild für das Öffnen und Schließen der Blüte bei Son‐ nenauf‐ und ‐untergang. Die Pflanze strotzt vor Vitalität und wächst überall. Alle Pflanzenteile sind für medizinische und kosmeti‐ sche Zwecke nutzbar: Sie enthalten Flavonoide, Caro‐ tinoide, Polysaccharide, ätherisches Öl, Bitterstoffe, Saponine, Fermente und mehr.

APOTHEKE ZUR KAISERKRONE

Die heilsamen Kräfte der Calendula Als Heilpflanze ist Calendula ein anti‐infektiöses Wun‐ derwerk. Sie wirkt entzündungshemmend, abschwel‐ lend und hemmt das Wachstum von Bakterien, Viren und Pilzen. Verletzungen und Reizungen der Haut lin‐ dert sie durch ihre schützenden, aufbauenden Eigen‐ schaften. Die Calendula zeigt sich in polaren Kräften: Einerseits ist ihr üppiges und wucherndes Blattwerk Ausdruck ihrer starken Lebendigkeit, dem gegenüber steht die streng geordnete Blüte. Die Heilwirkung kann daraus abgelesen werden. Die Vitalität der Calendula trägt dazu bei, dass sich ein Wundgrund schneller schließt, die stark strukturbilden‐ den Kräfte ihrer Blüte helfen dem menschlichen Orga‐ nismus, an der Wunde wieder Ordnung, Struktur und somit Heilung, herzustellen. Gesunde Haut wird von der Ringelblume in ihrer Entwicklung unterstützt. Diese heilsamen Kräfte der Calendula finden Eingang zum Beispiel in Tinkturen, Ölauszügen und homöopa‐ thischen Potenzierungen. Daraus werden Arzneimittel, Wundsalben und Essenzen sowie Pflegeprodukte her‐ gestellt. Für Produkte der von Hebammen ausgezeich‐ neten Weleda Pflegelinie „Baby & Kind“ werden vorwiegend milde Ölauszüge verwendet. Zarte Baby‐ haut wird dadurch sanft gepflegt und erhält eine behut‐ same, spürbar wärmende Hülle. Weleda kultiviert Calendula im eigenen, biologisch‐dy‐ namische bewirtschafteten Heilpflanzengarten und ern‐ tet jährlich rund zwölf Tonnen Calendula. Geerntet wird in den frühen Morgenstunden. Die Calendula blüht ein‐ jährig, selten zweijährig, sät sich aber wieder und wieder neu aus. Wer einmal Ringelblumen im Garten hat, freut sich über ein von Jahr zu Jahr prächtiger werdendes Blütenmeer, das von Juni bis in den späten Herbst hinein austreibt und blüht.

Mariahilfer Straße 110 · A-1070 Wien

Tel. +43 (0) 1 526 26 46 · apo@kaiserkrone.at · www.kaiserkrone.at


Rückblick (7. Klasse) _ 35

Trommelprojekt der 7. Klasse

T

AKETINA, TAKETINA… So hallt es seit Wochen jeden Dienstag durch die 7. Klasse. Hubert Maria Siman, seines

Zeichens Rhythmuspädagoge, Rhythmustherapeut und Leiter des „Zentrums für Individual Musik und Therapie“ (ZiMT) in Tribuswinkel, trommelt mit den Schülerinnen und Schülern Bässe, Slaps und offene Schläge auf afrikanischen Djemben und südamerikanischen Congas. Die unterschiedlichen Schläge sind einfach zu spielen. Auch die Instrumente sind so gewählt, dass sie für alle spielbar sind. Die Kinder trommeln bereits in der ersten Stunde begeistert mit. Zum Kennenlernen findet ein rhythmisches Namensspiel statt, und man stellt fest, dass fast alle Namen aus zwei, drei oder vier Silben bestehen. Die Kinder erfahren, dass Rhythmus mit dem Körper, mit Puls, Herz und Atmung zu tun hat. Unterteilungen und Pausen kommen hinzu, wodurch längere Rhythmen entstehen. Meist spielen Hubert und die Schülerinnen und Schüler in der Urform des Lernens – Vorspielen und Nachspielen – und erweitern ihre Spiele durch rhythmische Sprache. Viel Bereitschaft wird gezeigt; viel wird gefragt. Diskussionen über Rhythmus und Schwingung entstehen. Die Klasse nimmt dieses rhythmische Projekt positiv an und beteiligt sich aktiv und mit zunehmendem Interesse. Mancher Schüler wird dabei im Laufe der Zeit mutiger und präsenter, sowohl in als auch vor der Klasse. Manch andere lernt auch, sich etwas zurückzunehmen ;-). Die Inhalte, welche den Schülerinnen und Schülern in spieleri-

Mit ihrer Stimme finden die Kinder den Ton; mit Trommeln und

scher, musikalischer Form vermittelt werden, sind:

Percussions entdecken sie den Rhythmus. Durch die Vernetzung

• Erleben von Rhythmus in seiner Vielfalt und Erfahren der

von Sprache und Rhythmus entwickeln sie Hören und Kreativität.

Grundschlagarten des Trommelns • Wiederholung, Ordnung und Freiraum als Grundelemente von Rhythmus und Musik • Körperlernen – ein anderes Zeitempfinden, Hören als Basis des Zusammenspiels, Trommelsprache als Lernhilfe

In einer Vielzahl von Spielen werden Worte, Silben, Zahlen und Laute mit dem rhythmischen Lernprozess gekoppelt und bilden so für manche eine teils starke Herausforderung. Das gemeinsame Musizieren lässt eigene Grenzen erfahren und den Widerspruch von Wollen (Vorstellung oder Idee) und Tun

• Rhythmus und Zahlen in Bezug auf Puls, Herz und Atmung

(Ausführung) erleben. So kann dieses Spiel durch mehrere Pro-

• Rhythmen der Planeten als Grundlage der harmonischen

zesse zum Aufbau von Selbstwertgefühlen, dem Entwickeln einer

Töne • Körperliche Wahrnehmungen und Veränderungen durch Pulsspiele

persönlichen Sicherheit in Ausdruck und Sozialverhalten sowie zum Abbau von Aggressionen führen. Musik gehört zum Menschsein dazu. Die Entstehung unserer Kul-

• Soziales Lernen durch Hören und Achten aufeinander

tur wäre ohne sie kaum denkbar. Musikmachen ist eine elemen-

• Persönlichkeitsbildung durch Stimmbildung

tare Fähigkeit, älter als die Sprache.


36 _

Die diesjährige Elftklassreise ging nach Berlin Text: F.W.A. Vauge

F

ast vollständig vom Elftklass-Singabend finanziert, machten

kam. Alles in allem wurden von uns die Rudolf Steiner-Schu-

wir uns am 21. Mai mit dem Nachtbus auf, um die nächsten

le in Kreuzberg, das SonyCenter (von außen), das Branden-

fünf Tage in Berlin und die Nächte in der dortigen Waldorfschule

burger Tor, das Holocaust-Denkmal, die Berliner Philharmo-

in Kreuzberg zu verbringen.

nie (inklusive Konzert in derselben), das jüdische Museum,

Die Reise war von einem Teil der Klasse fast zur Gänze selbst

Berlins renommiertester Döner(„Mustafa‘s Gemüse Kebap“),

organisiert worden, was dem Unternehmen einen ganz beson-

der Türkische Markt, die East Side Gallery, das Pergamon-

deren Charme und Einzigartigkeit verlieh. Zum Beispiel wurde

museum, die Hackeschen Höfe, die Synagoge, der Berliner

etwa eine Viertelstunde vor unserer Abfahrt in Wien bemerkt,

Dom, der jüdische Friedhof (von außen), die Gedenkstätte

dass wir uns in Kreuzberg möglicherweise, nur möglicherweise,

der Berliner Mauer, ein Secondhandladen, der alte Wasser-

vielleicht ein ganz kleines bisschen, für den falschen Monat an-

turm, das Museum Hamburger Bahnhof, das neue Museum,

gemeldet hatten.

der Fernsehturm, die Gedenkstätte der Bücherverbren-

Juni statt Mai.

nung am Bebelplatz, die Salvador Dalí-Dauerausstellung,

Zu unserem großen Glück ließ sich, als wir am Montagmorgen

die weltbeste Currywurst Berlins („Curry36“), das Techni-

zu dreißigst, völlig übernächtig und mit einem Berg an Gepäck

sche Museum Berlin, die Freiluftausstellung „Topographie

in der Schule auftauchten, doch noch eine Übernachtungsmög-

des Terrors“, der Tränenpalast, das KaDeWe (Kaufhaus des

lichkeit organisieren.

Westens) und diverses Anderes (Lokale, Supermärkte, etc.)

Als Entschädigung und Dank gaben wir den Schülern dort dann

besichtigt. (Man wird mir verzeihen, wenn ich hier auf nichts

aus unserem Repertoire des Elftklass-Abends zum Besten,

davon näher eingehe).

was es zum Besten hergab. Überhaupt wurden fast alle Stücke

Es waren fünf er- bis überfüllende Tage, die wir so gut wie

dieses Abends querbeet immer wieder angestimmt. Vor allem

möglich genossen haben. Und obwohl alles gut geklappt hat,

dann, wenn (man möge es uns Schülern verzeihen) allabendlich

möchte ich trotzdem der folgenden elften Klasse ans Herz

fleißig gefeiert wurde.

legen, die Organisation ihrer Reise so ernst wie eben mög-

Doch man darf nicht meinen, dass deswegen die Kultur zu kurz

lich zu nehmen.


_ 37

„Ein Sommer nachtstraum“ – der Ball der Abschlussklasse …

Text: Antje Weh

…ein Fest! Ein wahres Fest!

Großartige Balleröffnung der gesamten 12. Klasse mit einem wunderbaren Potpourri aus verschiedenen Musikstücken und den dazu passenden Tänzen – elegant und humorvoll – die das Stimmungsbarometer gleich zu Beginn ganz nach oben getrieben hat. Das ganze Schloss geschmückt und festlich beleuchtet, der große Festsaal von Musik und Schwung erfüllt, dazu reichlich Blumen, Wein und lauter Köstlichkeiten. Im kleinen Festsaal die Disco, super Musik überall! Im Wintergarten Sofas und Kerzenschein. Ein gemütliches Vintage-Chill-Zimmer, im Rosenhof Feuerschalen und legendärer Bratwürstelduft, in der Schulküche klassisches Ball-Gulasch-Essen. Eine schwungvolle Mitternachtsquadrille, von der 12. Klasse vorgetanzt; danach war der Saal fast zu klein für alle, die bei der Wiederholung auch noch mittanzen wollten! Beim „Joachim Palden Trio“ hat der Saal vibriert! Die Tombola mit großen und kleinen Preisen. Auftritte der Schülerband und zu später Stunde der Lehrerband! Draußen hat’s geschüttet, und drinnen war Sommer pur! Danke an alle für dieses wunderbare Fest! Allen voran Marlene Sadychow und der ganzen 12. Klasse! Ihr habt das toll gemacht! Wunderbar getanzt, alles so schön hergerichtet und organisiert, gekocht und gebacken, serviert und Euch um alles gekümmert! Danke auch an… …Sabine Trierenberg für das Einstudieren der Tänze …dem „Joachim Palden Trio“ for good Vibrations …die Schülerband …die Lehrerband …Michaela Eberharter für die Tombola und die Bowle-Bar …Peter Eberharter und seinem Team für die Grillerei …bellaflora und Hannes Rossios für die Blumenspenden (welche von Antje Weh mit den SchülerInnen für die Dekoration verarbeitet wurden) …„Lichterloh“ für die Vintage-Möbel

Herzlichen Dank an unsere Sponsoren! Allergosan | aus gutem grund | Bellaflora | Buchhandlung Mauer | daseis | das möbel | Eberharter M., Energiearbeit | Gösser Bräu | Kronbichler Erika | Hössl Karin-Maria, Energiearbeit | Lichterloh | Naturkostladen Kichererbse | Paracelsus-Apotheke | Parkhotel Schönbrunn | Renaissance Hotels | Restaurant Francesco | Restaurant-Bar Salud | Restaurant Wok’in | Rossios Gärtnerei | Rothe Ursula, Thaimassage | Schrack-Seconet | Dr. Steinacker Jutta | Sela Tours | Schulverein RSS Wien-Mauer | Szihn | Tiergarten Schönbrunn | Wolfsbräu


ser FRÜHLINGSFEST findet heuer 29. April von 13.30 – 18.00 Uhr statt.

h heuer wird es wieder ein buntes Programm 38 _ n und wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Neue Ideen! rbeit! ea Kr tive Mita

rühlingsfestkreis

Frühlingsfest 2017

ela Eberharter, Marianne Miklau, Hetty Grünberger, Susanne Genswein und ...

eresse haben, Sollten Sie Int Sie sich bitte n lde me nn da Genswein: e nn sa Su i be @live.at ein sw en sg

Das letzte dieser Art? Nein, das kann doch nicht sein!

Der neuralgische Punkt

Unsere Schule weist viele Besonderheiten auf, und eine davon ist sicherlich die intensive Arbeit am Qualitätsmanagement. Besonders neuralgische Punkte entstehen trotz aller lebendigen und durchdachten Strukturen und dem Bemühen aller Beteiligten, wenn ein Konflikt entsteht. Letzteres ist meist mit

Dieser kurze Rückblick der Organisatorinnen auf eine lieb geworde-

Ängsten und unangenehmen Gefühlen verbunden.

ne Tradition ist zugleich ein Abschied – vielleicht für immer, wenn sich

Eine besondere Errungenschaft unserer WzQ-Arbeit ist daher

nicht ein neuer Frühlingsfestkreis bildet…

der Konfliktbearbeitungskreis (KBK), der seit nunmehr sechs

Wir wollen ganz herzlich allen Helfern, die dieses schöne Fest er-

Jahren der Schulgemeinschaft mit Rat und Tat zur Seite steht,

möglicht und mitgestaltet haben, unseren Dank aussprechen!

wenn es wo hakt. Er wird jeweils für drei Jahre mandatiert,

Obwohl das Fest heuer witterungsbedingt im Kleinen Festsaal, dem

legt vor der Schulgemeinschaft Rückblick und Rechenschaft

Wintergarten und den angrenzenden Räumen gefeiert wurde, war

ab, erhält von dieser Resonanz und wird danach entlastet.

es wieder sehr schön und gelungen: ein buntes Treiben, bei dem

Heuer geschah dies am 27.4. im Rahmen einer erweiterten

Groß und Klein getanzt, geschmaust, gebastelt und gemütlich ge-

Konferenz, bei welcher auch Mitglieder des Elternrats und des

plaudert haben.

Vorstands anwesend waren.

Das Puppenspiel und die Mitmach-Zaubershow waren wieder die Highlights für die Kinder. Neben den Ständen und Bastelstationen haben der Flohmarkt, ein Waffelstand und das Kinderschminken unser Fest bereichert.

Jedoch sollen die Erkenntnisse und die Arbeit des KBK an alle Mitglieder der Schulgemeinschaft weitergegeben werden. Zum einen will gebührend gewürdigt werden, was dieser Kreis für das gedeihliche Zusammenleben an der Schule geleistet hat; zum anderen treten die bisherigen Mitglieder nun zurück.

Die Einnahmen wollen wir auch heuer wieder zur Gänze dem För-

Daher sind wir nunmehr auf der Suche nach Menschen, die

derkreis an unserer Schule zugutekommen lassen, da wir dessen

sich durch ihre Erfahrung und ihr Interesse befähigt sehen, in

Arbeit für die SchülerInnen als sehr wichtig erachten.

einem solchen Gremium zu arbeiten und sich einer Kandidatur

Zehn Jahre lang haben wir mit viel Freude und Engagement dieses

stellen zu wollen.

Frühlingsfest organisiert und sind nun, wie bereits angekündigt, als Organisatorinnen zurückgetreten. Unser Anliegen war es, den Zu-

Rückblick

sammenhalt der Schulgemeinschaft – abseits von Arbeit in und für

Das derzeit amtierende KBK-Team, bestehend aus Peyman

die Schule – zu fördern und dafür einen Rahmen zu schaffen.

Alaei, Gerda Edelmüller, Sepp Hackl, Regula Hetzel, Birgitta Mullan und Christine Zabransky, hat sich in den Jahren seiner

Herzlichen Dank an dieser Stelle auch dem Elternrat für die wun-

Tätigkeit (seit dem Schuljahr 2014/15) rund einmal pro Monat

derschönen Blumensträuße!

getroffen und besprochen; daneben gab es auch regen Mail-

Um die Tradition des Frühlingsfestes auch in Zukunft weiter zu pfle-

austausch und Koordinationsarbeit.

gen, bedarf es nun neuer OrganisatorInnen, die wir gerne, wenn

In dreizehn Fällen fanden Gespräche nur mit Eltern statt;

erwünscht, anfänglich unterstützen.

sechs Eltern/Lehrer-Konflikte wurden bearbeitet sowie drei

Für den Frühlingsfestkreis: Michaela Eberharter, Susanne Genswein, Hetty Grünberger, Marianne Miklau und Banza Tombe Kontakt: michaela.eberharter@chello.at und susanne.genswein@waldorf-mauer.at

Konflikte zwischen LehrerInnen. Darüber hinaus gab es Moderationen (auf Anfrage), Beiträge in Elternabenden zur Aufgabenbeschreibung des Kreises, Arbeit mit der Oberstufe zum Thema peergroup, das Audit 2016, einen Rückblick auf 2015 beim Schulgemeinschaftstreffen, die Teilnahme an der OSKO sowie an der TAFELRUNDE, das Erstellen des Schriftstückes


KonfliktBearbeitungsKreis - KBK _ 39

Die Mitglieder des Konfliktbearbeitungskreises (KBK) treten zurück – es wird ein neues Team gesucht!

durchaus dargestellt hätte. Die Wichtigkeit dieses Gremiums wurde einmal mehr deutlich und verstärkte den Wunsch, dass es den KBK weiter geben möge und das Gehörte in Zukunft fruchtbar angewendet werden soll. Als Wunsch nehmen wir mit, dass die Lebendigkeit und Offenheit noch wachsen sollten. Mit der Entlastung des KBK liegt nun die Verantwortung wieder auf

„Umgang mit Störungen“ sowie die Vorstellung der Masterarbeit

unser aller Schultern, wobei das aktuelle Team noch bis Oktober

„Konfliktmanagement“ von Sepp Hackl. Alle Mitglieder betonen

2017 seine Funktion wahrnehmen wird.

die gelungene und konstruktive Zusammenarbeit innerhalb des Kreises, die von hoher Kritikfähigkeit und gegenseitigem Lernen

Prozessgestaltung zur Neuwahl des Konfliktbearbeitungskreises

geprägt war.

Alle drei Jahre werden die Mitglieder des KBK nach folgendem Mo-

Am Anfang war es eine Herausforderung, das Aufgabenprofil des

dus nominiert und gewählt:

KBK zu erarbeiten und gleichzeitig schon Konflikte lösen zu müs-

Elternrat (ER), Kindergartenkollegium, Schulkollegium und Vor-

sen. Der Anspruch, trotz des Eingebunden-Seins als Einzelper-

stand nominieren potentielle und interessierte KandidatInnen.

son in die Schulgemeinschaft allparteilich zu sein, ist ein hoher

Diese Personen werden zu einem Gespräch in eine Gesamtkon-

und stellte fallweise große Anforderungen an jedes Mitglied des

ferenz eingeladen, um sich bei den mandatierenden Gremien

Kreises.

vorzustellen.

Generell wurde eine gewisse Konfliktscheue in unserer Schule

Aus den KandidatInnen wählen Elternrat (ER), Kindergartenkollegi-

wahrgenommen, und es wurde überlegt, ob der Name des Kreises

um, Schulkollegium und Vorstand die KBK-Mitglieder und delegie-

eventuell für viele abschreckend wirken könnte und wie der Zu-

ren diese für drei Jahre in den KBK.

gang zum KBK noch einfacher und niederschwelliger zu gestalten

Gewählt sind jene Personen, die in jedem dieser Gremien eine

wäre. Als besonders schwierig wurde erlebt, wenn es wahrnehm-

2/3-Zustimmung erreichen.

bare Störungen an der Schule gab, der KBK aber nicht einbezogen wurde. Neue Verknüpfungen mit dem Kollegium sollten nach Mei-

Die erforderlichen Qualifikationen für die Mitarbeit im KBK sind:

nung des nun scheidenden KBKs geschaffen werden.

• Verbundenheit mit der Schule bzw. dem Kindergarten

Nach erfolgter Arbeit an einem Konflikt wäre eine anschließende

• Sozialkompetenz

Rückmeldung der Beteiligten schön gewesen. Allerdings konnten

• Grundwissen über die Waldorfpädagogik

nicht alle Konflikte gelöst werden, und manche Themen wurden

• Fähigkeiten in Gesprächsführung und Konfliktbegleitung

aus Zeit- und Kapazitätsmangel nicht behandelt.

• Zeitressourcen

Von den bei oben angeführter Konferenz Anwesenden wurde der

Interessierte werden gebeten, sich an eines der oben genannten

KBK herzlich bedankt und seine Arbeit überaus wertgeschätzt,

Gremien zu wenden.

wiewohl auch Betroffenheit entstand, dass der KBK sich nicht so wahrgenommen fühlte, wie es sich aus Sicht der Anwesenden

Mit Fer nweh rein, s. e rau mit Vorfreud Ob lang ersehnt oder kurz entschlossen, Ihr nächster Traumurlaub beginnt bei den Reisespezialisten von COLUMBUS Mauer. 1230 Wien, Gesslgasse 10 Tel: 01/889 28 28-692 • mauer@columbus-reisen.at www.columbus-reisen.at Montag – Freitag von 09:00 – 18:00 Uhr

Nach einem Protokoll von Rita Welte


40 _ Portrait

Angelika Bßhler im Portrait Das Gespräch fßhrte Camillo Arbter (11. Klasse)

Angelika BĂźhler unterrichtet seit 2012 Englisch und FranzĂśsisch an der Rudolf Steiner - Schule in Mauer und wird gemeinsam mit Margret Loy die Tutorenschaft der kommenden 9. Klasse Ăźbernehmen. Bereits während ihres Studiums der internationalen Betriebswirtschaft absolvierte sie ein Austauschsemester an der Ecole Superieure de Commerce in Paris. Später war BĂźhler als Product Manager bei Ericsson Austria tätig – eine Aufgabe, die sie fĂźr einige Zeit auch in die Konzernheimat Schweden fĂźhrte. Weitere Stationen ihres Werdeganges waren der Wiener ForschungsfĂśrderungsfond sowie schlussendlich New York, wo sie sieben Jahre verbrachte. Das Schicksal brachte BĂźhler zurĂźck nach Wien; Interesse sowie ihre Liebe zu Fremdsprachen fĂźhrten die vierfache Mutter schlieĂ&#x;lich an die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer. Angelika BĂźhler ist Absolventin des Post Graduate Studiums Master Of Arts in Waldorfpädagogik an der Donau Universität Krems.

kĂśnnte mich da vielleicht mit meiner Erfahrung einbringen, mit all den Kinderliedern und Reimen, die ich intus hatte und habe dann in der Klasse meiner Tochter begonnen, Stunden zu Ăźbernehmen. Kurz darauf habe ich erfahren, dass diese Native Speaker Ăźber den

Camillo Arbter (CA): Was hat Sie dazu bewogen, Waldorfpädagogin zu werden? Angelika BĂźhler (AB): Die Schule hat mich gefunden. Ich war sieben Jahre lang in Amerika, und als ich zurĂźckgekommen bin, wollte ich mit der englischen Sprache weiterarbeiten und bin draufgekommen, dass an vielen Ăśsterreichischen Volksschulen „Native Speaker“ unterrichten. Bei meinen eigenen Kindern, die in die Volksschule Bendagasse gegangen sind, habe ich allerdings auch festgestellt, dass ihr Native Speaker nur einmal alle sieben Wochen gekommen ist. Da habe ich gedacht, ich

Stadtschulrat angestellt werden und mich daraufhin dort vorgestellt. Dieses Jobinterview hatte ich gemeinsam mit einer anderen Person, die mir erzählte, dass es hier an der Waldorfschule in Mauer Bedarf an Anglisten gibt. Die Schule kannte ich schon, weil ich eine echte Maurerin bin und dachte, ich schau’ mir das einmal an. Ich habe diese Stelle also nicht gesucht, sondern es hat sich durch Zufall so ergeben – und deswegen sag’ ich immer, die Schule hat

Der Klimawandel ist wirklich zum Heulen ... eigentlich mich gefunden.

CA: Hatten Sie davor andere Berufserfahrungen, -aussichten oder -wĂźnsche?

Der Klimawandel ist wirklich zum Heulen... Unser umfangreiches Druckangebot orientiert sich an den umweltschonendsten Standards und besticht durch Qualität und persĂśnliche Beratung. Ăœberzeugen Sie sich selbst – bei einem kĂśstlichen FrĂźhstĂźck in unserem Haus. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

(8(FRODEHO$7

785

PEFC/06-39-364/117 3()&

Donau Forum Druck Ges.m.b.H. Donau Forum Druck Ges.m.b.H. Walter-Jurmann-Gasse9,9,1230 1230Wien Wien Walter-Jurmann-Gasse Tel.:+43 +43(0)1 (0)1804 80452 5255, 55,office@dfd.co.at office@dfd.co.at Tel.: www.dfd.co.at www.dfd.co.at

...daher sind wir um LĂśsungen bemĂźht


Portrait _ 41

AB: Ich habe eigentlich internationale Betriebswirtschaft stu-

ist. Auch nehme ich wahr, dass einfach dieses „Sich langsamer ent-

diert. Danach war ich in der Privatwirtschaft tätig, habe für die

wickeln können“, Zeit für sich selbst, aber auch Zeit für die Schu-

Firma Ericsson im internationalen Verkauf gearbeitet und spä-

le zu haben – was zu diesem Zeitpunkt ja der Hauptberuf eines

ter in Wien beim Forschungsförderungsfond. Ich habe zwar in

Schülers ist – verloren gegangen ist. Es ist auch wahnsinnig schwer,

meiner Schulzeit selbst immer wieder mit dem Gedanken ge-

als Pädagoge darauf hinzuweisen, dass dies Probleme sind, weil da

spielt, Lehramt zu studieren, stehe aber dazu, dass ich damals

auch die Eltern oft einfach wegschauen und nicht mit uns Pädago-

beschlossen habe: „Ich mach was G’scheites.“

gen an einem Strang ziehen wollen.

CA: Wodurch finden Sie in ihrer Freizeit Entspannung… oder haben WaldorflehrerInnen wirklich keine Freizeit, wie man immer sagt?

CA: In welchen Fächern war die Schülerin Angelika Bühler besonders interessiert, in welchen eher weniger?

AB: Entspannung ist sicher notwendig. Ich sehe meinen Beruf aber wirklich als mein Hobby, komme sehr gerne zum Unterrichten, bekomm’ wahnsinnig viel von meinen Kollegen, aber ganz besonders von den Schülern an Energie und Kraft geschenkt und hoffe, dass ich dieses Geschenk auch den Schülern immer wieder zurückgeben kann. Nichtsdestotrotz habe ich natürlich schon Freizeit. Ich habe zwar vier Kinder, aber für mich sind Lesen, Natur, Sport und auch Musik – ich spiele Klavier – sehr wichtig, und das versuche ich doch auch irgendwo unterzubringen. CA: Gleich zu dem Thema: Was ist Ihr Lieblingsbuch? AB: „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry CA: Wären Sie heute Bildungsministerin, was würden Sie allgemein am österreichischen Schulsystem erneuern wollen? AB: Nachdem ich selbst in einer katholischen Privatschule war – ich war in Kalksburg Schülerin – und meine zwei großen Kinder auch dort ins Gymnasium gehen, kann ich ganz gut vergleichen, wie sich der Noten- und Leistungsdruck in dieser Schulrichtung im Vergleich zum Waldorfschulsystem ausdrückt. Ich würde als Bildungsministerin daher versuchen, die Wichtigkeit in den Vordergrund zu stellen, dass sich Schüler festigen, dass sie sich entwickeln können, dass ihre Fähigkeiten zur Geltung kommen können und dass nicht alles nur auf Leistungsorientierung und Notendruck ausgerichtet ist. CA: Mit welchen Herausforderungen haben PädagogInnen im Jahr 2017 Ihrer Meinung nach umzugehen? AB: Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich meine eigene Schulzeit mit dem Jetztzustand vergleiche und merke, dass alles viel schnelllebiger geworden ist: dass Schüler schwieriger zu motivieren sind, müde und überfordert in den Unterricht kommen und sehr leicht abgelenkt werden und, so glaube ich, auch Probleme haben, sich selbst zu strukturieren. Ich glaube, dass das auf die mediale Entwicklung wie Handys und Internet zurückzuführen

AB: Französisch war meine Herzensangelegenheit; ich hab’ dann auch in Frankreich ein Austauschsemester während meines Studiums gemacht. Biologie hat mich sehr interessiert und auch Musik. Mathematik, Latein, Chemie und Physik waren nicht so meine Stärken, und Englisch habe ich zwar gerne gehabt, aber mein Herz hat für Französisch geschlagen. Ich habe nach der Schule Wirtschaft studiert, wo ich Englisch und Französisch als Fachsprachen hatte, hab’ aber weder Englisch noch Französisch als Sprache an und für sich studiert. CA: Haben Sie etwas wie ein Lebensmotto? AB: Ja, ich habe drei Ansätze: „Das Glas ist immer halb voll“, „Carpe diem“ und dann noch „Dem Tag mehr Leben geben.“ CA: Welchen Ratschlag können Sie SchülerInnen mit auf den Lebensweg geben und welchen den angehenden LehrerInnen? AB: Schüler sollen nie aufgeben und nie verzweifeln und eben auch immer positiv in die Welt schauen. Sie sollten sich nicht von diesem Leistungsdruck falsche Zeichen setzten lassen, sondern sich auch erlauben, innezuhalten, sich zu fokussieren (Was will ich? Was kann ich? Was brauche ich?) und nach diesen Grundsätzen leben, anstatt die Erwartungen, die in einen gesetzt werden, um jeden Preis erfüllen zu wollen. Man muss im Leben sowieso zeigen, was man kann und nicht, ob man jetzt diese oder jene Note im Zeugnis gehabt hat. Man soll aus seinem Leben etwas machen. Ich glaube, hier ist es vor allem als Pädagoge wichtig, die Menschen in den Schülern zu sehen und diesen in jener Zeit, in der man sie begleitet, ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu vermitteln, sie zu lehren, wo sie sich Informationen holen können und deutlich zu machen, dass in jedem etwas drinnen steckt, das herauskommen möchte… und dass man mit viel Geduld und Empathie an Schüler herangehen soll. Das möchte ich – wobei ich selber noch nicht so lange unterrichte – auch gerne jungen Kollegen mitgeben. CA: Danke für das Gespräch.


42 _ International Students Conference 2017

Die Internationale Jugendtagung

in Dornach / Schweiz von 18. bis 22. April 2017 Als Schülervertreter im Waldorfbund fuhren Paul Böhm, Leon

es wunderschöne Tage für uns, und wir waren traurig, als wir

Schadl und Rachel Svoboda aus unserer 11. Klasse in den Oster-

wieder zurück in den Schulalltag mussten.

ferien zur Internationalen Jugendtagung. Diese fand von 18. bis

Leon Schadl und Paul Böhm

22. April im Goetheanum in Dornach statt und wurde von über 400 Waldorfschülern aus aller Welt besucht. Jeden Tag gab es

Wer sich selbst einen Eindruck von der Veranstaltung ver-

einen Vortrag in der Früh und Workshops am Nachmittag.

schaffen möchte, dem sei auf YouTube das berührende „Con-

Für uns drei „Maurer“ war die Tagung sehr beeindruckend!

ference movie ISC 2017“ wärmstens empfohlen!

Schon alleine der Bau des Goetheanums ist eine Wucht für sich.

https://www.youtube.com/watch?v=j8AUqg9Kxuk&t=70s

Wir waren uns zwar nicht immer sicher, ob es uns gut gefällt,

Die Redaktion

oder ob der Bau eher abschreckend wirkt; überwältigend war das Gebäude aber auf jeden Fall. Die Stimmung unter all den Schülern war durchwegs gut. Wir lernten Leute aus aller Welt kennen und hoffen sehr, dass wir diese einmal wiedersehen werden. Es war auch wirklich interessant zu sehen, was es an anderen Schulen an Praktika oder Reisen gibt. Außerdem waren die allabendlichen Aufführungen sehr inspirierend. Vor allem die brasilianische Eurythmie-Aufführung machte uns platt. Da herrschen in anderen Schulen ganz andere Standards als bei uns. Einen mächtigen Motivationsschub für die Organisation unserer „eigenen“ Tagung (der Waldorfschüler in Österreich) brachte der Umstand, dass diese Riesentagung in Dornach – fast – nur von SchülerInnen organisiert worden war. Alles in allem waren


WAM – in FREIHEIT entlassen _ 43

WAM-Feste und die Reiselust Der Ehemaligenverein WAM weiß zu feiern, organisiert Vorträge und unterstützt die Schule

Als wir im vergangenen Jahr unseren Ehemaligenverein „Wal-

Rudolf-Steiner-Schule einzuladen. Es wurde ein geselliger, ge-

dorf Alumni Mauer, WAM – In Freiheit entlassen“ gründeten

mütlicher Abend mit regem Austausch, der unser Mitglieder-

und bewarben, wurden wir gelegentlich gefragt: „Was macht

Konzept wiederspiegelte: Bei Buffet und Musik plauderten ehe-

Ihr eigentlich?“ Oder gar: „Wofür soll das gut sein?“ Auf diese

malige Schülerinnen und Schüler und ehemalige Eltern mit ehe-

Fragen sollen mit erstem Halbjahr 2017 drei Antworten gelie-

maligen Lehrerinnen und Lehrern.

fert sein.

Information und Unterhaltung: Für 2. Juni organisierte der Ehe-

Vernetzung: Am 29. März galt es, unsere Jahreshauptver-

maligenverein WAM einen Vortrag des ehemaligen Schülers

sammlung abzuhalten. Wir nützten diese Gelegenheit, im

Lukas Neugebauer – ebenfalls im kleinen Festsaal. „Jeder Tag ist

Anschluss daran zu einem WAM-Fest im kleinen Festsaal der

ein Abenteuer – quer durch Südamerika abseits der Trampelpfade“ lautete der an sich schon spannende und neugierig machende Titel des Abends. Von Filmsequenzen und Dias unterstützt, berichtete Lukas Neugebauer von Bergabenteuern in über 6.000 Metern Höhe, schrägen Bekanntschaften, einer Motorradtour zu historischen Stätten, Urwaldabenteuern und einer Flussfahrt, die so gar nichts mit einer touristischen Kreuzfahrt zu tun hatte. Fünf Monate komprimiert an einem kurzweiligen, anregenden Abend, der so richtig Lust auf eine andere Art von Reisen machte. Unterstützung der Schule: Am 24. Juni wird WAM wie schon im Vorjahr beim großen Sommerfest der Steiner-Schule in WienMauer mithelfen und den Heurigen im Rosenhof betreuen. Das hilft den Organisatoren – und bietet erneut eine Gelegenheit für Wiederbegegnungen, Austausch und Vernetzung. WAM findet Ihr auf facebook unter: https://www.facebook.com/infreiheitentlassen/ Genauere Informationen bietet unsere Homepage: www.wam.wien Hier kann auch das Beitrittsformular heruntergeladen werden. Mit herzlichen Grüßen für den WAM-Vorstand Roman David-Freihsl


44 _ Schulfinanzierung

In Glückes Schmiede Die Journalistin Saskia Sautner-Schwaiger ist der Rudolf Steiner-

Im Schulhof draußen ist es kalt, die Luft ist klar. Ein riesiger

Schule Wien-Mauer als ehemalige Schülerin und als Mutter zwei-

Garten öffnet sich nach hinten, mit alten Bäumen und einem

er Waldorfschüler verbunden. Ihre – ungekürzte – Spurensuche

Baumhaus; Kinder jagen durchs Unterholz, klettern, verste-

in Wiens ältester Waldorfschule erschien in der Wiener Stadtzei-

cken sich zwischen kleinen Holzhütten, balgen sich im nassen

tung „Falter“.

Kies. Abseits steht ein Mann; er scheint die zuständige Pausenaufsicht zu sein.

Der Faktencheck startet im Bioladen. Gemeinsam mit befreunde-

„Eh cool“, sagt meine Kindergartenfreundin Sabine, „i find, die

ten Kindergarteneltern fahre ich mit der Straßenbahn nach Wien-

Kinder miassn ausse“. Die Minimalforderung der Niederöster-

Mauer, um am Tag der offenen Türe die Schuloption Waldorf zu

reicherin: „Wenn die Schulzeit den Kindern das Lernen nicht

prüfen. Es folgt dieser Moment, in dem der Ladenbesitzer lang-

austreibt, das ist schon die halbe Miete.“ „Aber muss es eine

sam, sehr langsam den biodynamischen Käse herunterschneidet

Privatschule sein?“, zweifelt die andere Freundin. „Was ma-

und währenddessen mit der Ruhe eines tibetanischen Schäfers

chen die Kinder nach 12 Jahren Waldorf, wenn sie dann nicht

über Lieferprobleme der Demeter-Milch und der globalen Krise

einmal mit der Matura abschließen? Jahrelang heile Welt, Sin-

der Milchbauern erzählt, als ob Zeit keine Rolle spiele, während

gen und Eurythmie – wie sollen sie sich nachher zurechtfin-

fünf Kunden hinter mir warten.

den, wenn sie nichts Richtiges lernen?“

Ich atme durch. Der Geruch von saurer Milch. Vor 30 Jahren, als ich hier zur Schule ging, wurde die Rohmilch ungekühlt mit dem VW-Bus aus Kärnten transportiert, im Nachbarhaus in den Keller gestellt, bis meine Mutter, die immer vergaß, dass Donnerstag die Rohmilch kam, sie zwei Tage später holte, wenn sie bereits dick geworden in den Glasflaschen vor sich hin stank. Saure Milchsuppe und selbstgemachter Topfen am Wochenende, dicht gefolgt von gestrickten Pullundern und Gesundheitsschuhe heißen die Waldorf-Traumata meiner Kindheit. Meine Eltern damals: topmotivierte, systemkritische Achtundsechziger, die alles anders machen wollen als ihre spießigen Eltern. Die Schulkarriere meines Vaters am Land mit Internat, Bettnässen und Sitzenbleiben führte dazu, dass er letztlich Psychotherapeut wurde. Meine Mutter sollte eine leistungsgetrimmte Wirtschaftswissenschaftlerin werden; aus Protest wurde sie Handarbeitslehrerin. Beide dachten zunächst, Waldorf wäre so etwas wie Summerhill in England: antiautoritäre Erziehung, Kinderautonomie, Kommune und so weiter. Wir hatten ein Buch über Summerhill im Wohnzimmer stehen, da war ein glückliches, wildes Kind, das durchs Gras

Fast alle (rund 18 von 20) Absolventen der Rudolf-SteinerSchule schließen in öffentlichen Partnerschulen oder mittels Maturaschule mit Matura ab, ein Drittel davon mit ausgezeichnetem oder gutem Erfolg. Sie wechseln dafür in ein öffentliches Gymnasium, wo sie innerhalb von sechs Monaten bzw. innerhalb eines Jahres die Reifeprüfung absolvieren. Als neugierig, interessiert und unkonventionell beschreiben die Lehrer der Partnerschulen die Steinerschüler. Der Rest geht direkt in eine Berufsausbildung oder Lehre. Waldorfschulen sind in Österreich seit vielen Jahren PISA-getestet und liegen dort stabil im Mittelfeld. Zwei auffällige Ausreißer gibt es nach oben: In Naturwissenschaften und in Problemlösungskompetenz, da liegen die Waldorfschüler deutlich über dem OECD- und Österreich-Schnitt. Lange Zeit waren Waldorfschulen wenig erforscht, denn es schien unvergleichbar, was nach völlig anderen Regeln, nach einem ganz anderen System funktionierte. Seit dem Jahr 2000 werden auch sie von Pisa erfasst.

lief, verfilzte Haare, barfuß; das Buch stand neben den Bob Dylan-

Waldorf-Schulen arbeiten seit 100 Jahren nach einem Lehr-

Platten und den Räucherstäbchen.

plan, dessen Umrisse ihr geistiger Gründer, der Österreicher

Natürlich war Waldorf nicht Summerhill, auch vor 30 Jahren nicht.

Rudolf Steiner 1919 vorgelegt hat. Damals wurde er vom

Aber im Jahr 1977 war Waldorf die einzige Alternativschule in

Stuttgarter Großindustriellen Emil Molt, Chef der Zigaretten-

Wien. Es gab sie – und das Regelschulsystem.

fabrik Waldorf-Astoria (daher der Name) gebeten, für die Kin-


© Lukas Beck

Schulfinanzierung _ 45

Deutschlehrer und Theaterregisseur, konnte über einzelne Sätze stundenlang philosophieren, natürlich wurde da ein Grundstein für meinen Beruf gelegt.“ „Es war für alles Zeit: Freundschaften schließen, streiten und wieder versöhnen“, erzählt Florian Khol. Heute ist er erfolgreicher der der 1000 Arbeiter eine Schule aufzubauen, die allen sozialen Schichten und Konfessionen offenstehen sollte. Drei Dinge waren Steiner wichtig: Koedukation, zwei Fremdsprachen und im Zentrum die Idee der Dreigliederung, wonach Kinder auf allen Sinnesebenen – Körper, Seele, Geist – gleichermaßen ge-

Wirtschaftsanwalt, und sein Tag ist durchgetaktet bis spät in die Nacht. Was ihm geblieben ist aus der Schulzeit? „Ich profitiere enorm davon, dass Sprache in der Schule eine so wichtige Bedeutung hatte. Das freie Sprechen und öffentliche Präsentieren ist heute wichtiger denn je.“

fordert und gefördert werden sollten, um sich in ihrem Tempo

Verena Wetter, IT-Technikerin, erinnert sich an die vielen Berufs-

zu freien, selbstbestimmten Menschen entwickeln zu können.

praktika in der Oberstufe: Feldvermessen, Forstpraktikum, Indus-

Ein revolutionärer Gedanke, der von Deutschland nach Wien getragen wurde, wo in zwei zusammengelegten Bürgerwohnungen in Wien-Neubau dann auch für wenige Jahre eine Art Waldorfschule existierte. Schnitzen und Kupfertreiben am Gasherd war damals schon Programm. Diese erste Wiener Schule wurde 1939 von den Nazis geschlossen und erst in den 1960er Jahren wieder aufgebaut. Heute gibt es weltweit 1056 Waldorfschulen von Armenien bis Ungarn, von Australien und Ägypten bis in die USA. Auch in Japan und China gibt es Schulen, die meisten freilich in Deutschland (232), viele auch in den Niederlanden (89) oder in Finnland (26). In Österreich sind es gibt es mittlerweile 17 Schulen. Die älteste ist die Rudolf-Steiner-Schule Wien-Mauer, deren Gebäude seit 1969 um einen symbolischen Wert von der Stadt Wien mit der Auflage gepachtet wurde, die historische Bausubstanz zu erhalten.

triepraktikum – während dem sie drei Wochen lang täglich am Fließband stand, um Kugellager zu montieren, „da wusste ich, warum ich Matura machen will“. Auch das Sozialpraktikum, bei dem wir als Siebzehnjährige täglich acht Stunden lang todkranke Frauen füttern, waschen und wickeln mussten, war einprägsam und für manche berufsentscheidend. Wie aber passen dazu die PISA-Ergebnisse? Was hat all das mit den Schulfächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften zu tun? Waldorfschüler liegen bei Mathematik und Lesen im Durchschnitt, zeigen aber höhere „motivatorische“ Werte, sprich: Sie sind interessierter als Schüler in öffentlichen Schulen und sind freudiger und positiver gegenüber dem Lernen eingestellt. Wirklich stark sind die Ergebnisse beim „Erkennen naturwissenschaftlicher Fragestellungen“ und „Heranziehen naturwissenschaftlicher Beweise“, sodass die Pisa-Forscherinnen auf eine „vorbildliche Unterrichtspraxis“ schließen. „Wir machen viele Experimente in Chemie und Physik, die wir beschreiben müssen“, erzählt Daria Sturm, 16, aus dem Unterricht. Zuletzt haben wir uns einen Motor genau-

Im Inneren entfaltet das Maurer Schlössl die typische Waldor-

er angeschaut, das hab’ ich sehr spannend gefunden.“

fästhetik, über Jahrzehnte quasi konserviert: handgeschnitz-

Das alles ist Waldorf: Chemielabor, Gartenbau, Erdäpfel setzen,

te Stiegengeländer, warme, verschwimmende Farbgebung der Wände, viel Holz und Selbstgemaltes. Als ob ich gestern hier in den Sommerferien noch Wände gestrichen hätte, finde ich mich in den verwinkelten Gängen zurecht. Ebenso auf der holzverkleideten Bühne, auf der wir im Alter von zwölf Jahren Mozarts Zauberflöte gesungen und mit 18 Carl Zuckmayrs „Gesang im Feuerofen“ geprobt hatten. Schauspieler Manuel Rubey, der auf dieser Bühne im „Käth-

Tiere stricken, Wald aufforsten und gemeinsam Theaterstücke inszenieren. Der deutsche Neurobiologe Gerald Hüther bezeichnete die „angeborene Lust am Entdecken und am gemeinsamen Gestalten“ als wichtigste Voraussetzung fürs Lernen: „Eine der bemerkenswertesten Erkenntnisse aus der Hirnforschung ist, dass das Hirn nicht funktioniert wie ein Muskel, den man trainiert. Damit etwas langfristig im Hirn verankert werden kann, muss es unter die Haut gehen“, so Hüther.

chen von Heilbronn“ den Grafen vom Strahl schon in Zeiten

In Rudolf Steiners Theorie der sozialen Dreigliederung geht es genau

des Stimmbruchs spielte, erinnert sich: „Wir waren wochen-

darum – um das Erlebnis auf drei Ebenen: Körper, Seele, Geist.

lang gefühlte 23 Stunden täglich in der Schule. Elmar Dick, der

>>


46 _ Schulfinanzierung

© Lukas Beck

Der Unterricht selbst ist darauf abgestimmt: Kognitiven Unterrichtsteilen folgen praktische Elemente, 50-Minuten-Einheiten gibt es nicht. Im „Hauptunterricht“, der in der Unter- und Mittel-

sollen merken, dass dasselbe Ding, etwa „Baum“ auch gleich-

stufe von einem einzigen Lehrer täglich von 8 bis 10 Uhr gestaltet

zeitig „Tree“ oder „arbre“ sein kann“, erklärt Tobias Richter,

wird, wird epochenweise gearbeitet: einige Wochen Mathematik,

der ein 700-Seiten-Standardwerk über den Waldorf-Lehrplan

Formenzeichnen, Schreiben, aufbauend und wiederholend durch

verfasst hat.

das Schuljahr. Schulbücher gibt es nicht, Kinder gestalten ihr eige-

Waldorfschulen sind Gesamtschulen, und der Anspruch, nie-

nes Epochenheft, beginnend mit dicken Wachsmalblöcken, dann

manden am Weg zurückzulassen, führt zu einem großen Zu-

Buntstiften, über die Gänsefeder bis zur Füllfeder. Die Hefte sind

sammenhalt der Schul- und Klassengemeinschaft, oft auch

wie Werkstücke und das Ergebnis dessen, was sie durch das Jahr

über die Schulzeit hinaus. Viele Klassen sind feste Freundes-

erleben. Später finden sich in den Heften Geschichten und Reise-

kreise geblieben; viele kehren mit den eigenen Kindern an die

beschreibungen, Notizen, Aufsätze und Skizzen.

Schule zurück, die meisten in großer Loyalität.

In der dritten Klasse übt Klassenlehrerin Christine Bolleter gerade die Grundrechenarten. Sie fragt nicht: was ist 5 mal 5, sondern: „Was ist 25?“ „24 minus 1“ oder „20 plus 5“ oder „5x5“ – die Lösungen sind vielfältig. „Ich will, dass die Kinder merken, dass sie selbst etwas entdecken können, anstatt eine einzige Lösung abzufragen“, sagt sie. Der Unterrichtsstoff ist dafür nur Mittel zum Zweck. Noten gibt es keine. Dafür ein ausführliches schriftliches Zeugnis, das über mehrere Seiten die Entwicklung und den Schulfortschritt des Kindes beschreibt. „Wir haben den Anspruch, alle mitzunehmen, und es macht nichts, wenn einem Kind erst ein paar Monate später der Knopf aufgeht“, sagt Bolleter. Dass viele Kinder erst in der vierten Klasse flüssig lesen und richtig schreiben, ist für manche Eltern schwer auszuhalten.

Waldorfschulen bekommen kaum öffentliche Gelder; ihre Lehrer werden – im Gegensatz zu katholischen Privatschulen – nicht vom Staat finanziert. Eines bleibt bei all der Waldorfutopie nämlich meist unerwähnt: Alle ihre österreichischen Schulen leiden an chronischer Unterfinanzierung. Es bedarf des Engagements von Lehrern, die neben dem Unterricht auch Theaterstücke proben oder viele Gespräche führen und pädagogische Konferenzen abhalten – ganz ohne Zulagen oder Zeitausgleich. Auch die Eltern, die pro Kind – je nach Einkommen – 50 bis 500 Euro zahlen, Hort, Mittagessen oder Instrumentalunterricht noch nicht eingerechnet, sollten eine große Portion Enthusiasmus mitbringen. Die Rudolf-Steiner-Schule ist keine Schule der Reichen. Durch die sozial gestaffelten Schulgelder ist die Schule sozioökonomisch ziemlich breit aufgestellt; auch das Einzugs-

Ab der ersten Klasse werden zwei Fremdsprachen (in Wien Eng-

gebiet ist groß. Doch natürlich treffen hier Leute aufeinander,

lisch und Russisch) unterrichtet: Steiner war überzeugt, dass Kin-

die als „bildungsnah“ gelten – man muss schon ziemlich über-

der Fremdsprachen wie ihre Muttersprache lernen sollten, also

zeugt sein, um Elternabende, Keksebacken und Adventkranz-

hörend, sprechend, singend, noch völlig ohne Grammatik. „Kinder

binden viele Jahre hindurch zu überstehen.

Der überwiegende Teil unseres Solitaireprogramms wird in Handarbeit, individuell nach Ihren Vorgaben hergestellt. Hierfür verwenden wir ausschließlich konfliktfreie Diamanten, sowie Recyclinggold. Nutzen Sie auch unseren online Solitaire Konfigurator solitaire.juwelier-brunner.at

Abgebildet LadyKontiki Diver Automatic, 38h Gangreserve, 7 Diamanten am Zifferblatt, 200m WD € 1.800,-

Abgebildet Fassung Nr. 26/802 Weißgold 750, 0,50 Ct. G/SI ab € 3.986,-


Schulfinanzierung _ 47

https://www.bifie.at/system/files/dl/ PISA2015_Aufgabensammlung_Naturwissenschaft_0.pdf

Was ist PISA? PISA wurde im Jahr 2000 von der OECD ins Leben gerufen.

Deutlich über den Mittelwerten liegen die WaldorfschülerInnen

Der standardisierte Test wird in 72 Ländern durchgeführt (das

in Teilbereichen der Naturwissenschaften (Schwerpunktthema

sind die OECD-Mitgliedsstaaten und Partnerländer, darunter

2015) wie dem Faktenwissen oder dem Erklären von Phänome-

alle EU-Staaten). Zielgruppe sind 15- bis 16jährige SchülerIn-

nen. Freude und Interesse am Fach liegen signifikant über dem

nen (Ende der Pflichtschulzeit). Der Test erfasst alle drei Jahre

Österreich-Schnitt: Die WaldorfschülerInnen schätzen die Be-

die Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Mathematik und

deutung von Naturwissenschaften für ihre Zukunft höher ein als

Naturwissenschaften. Ziel ist, durch die Ergebnisse eine Ver-

ihre Alterskollegen und haben auch mehr Vertrauen in ihre eige-

gleichbarkeit der Bildungssysteme zu ermöglichen.

nen Fähigkeiten in diesem Bereich.

2015 fand die jüngste Erhebung zum Schwerpunkt Naturwissenschaften statt. Der Test wurde erstmals komplett am

An den Waldorfschulen gibt es sowohl weniger Risiko- als auch

Computer absolviert.

SpitzenschülerInnen: Als RisikoschülerInnen werden jene Ju-

Die österreichischen Waldorfschulen nahmen 2015 bereits

gendlichen bezeichnet, die in allen drei Bereichen (Lesen, Mathe-

zum zweiten Mal in einer „Vollerhebung“ teil, das heißt: An-

matik, Naturwissenschaften) nicht einmal die einfachsten Auf-

statt einer qualifizierten Stichprobe wurden alle Waldorf-

gaben lösen können – ihr Anteil beträgt im Österreich-Schnitt 31

schülerInnen dieser Altersgruppe getestet. Insgesamt nah-

Prozent; an den Waldorfschulen sind es nur 23 Prozent. Gleichzei-

men 149 WaldorfschülerInnen teil, demgegenüber standen

tig liefern österreichweit 15 Prozent besonders gute Ergebnisse

7.000 SchülerInnen aus Regelschulen.

in allen drei Kategorien; unter WaldorfschülerInnen sind es „nur“

Die Ergebnisse liegen nunmehr in einer Sonderauswertung

acht Prozent.

für den Waldorfbund vor: Demnach schneiden die österrei-

Resümee: WaldorfschülerInnen sind insgesamt in ihren Leistun-

chischen Waldorfschüler bei der PISA-Studie 2015 in Natur-

gen homogen stark im oberen Mittelfeld; sie sind stark in Le-

wissenschaften und Lesen signifikant besser ab als andere

sen und Naturwissenschaften; Aufholbedarf gibt´s offenbar in

15- bzw. 16-Jährige: Sie liegen um sieben Punkte über dem

Mathematik.

Österreich-Schnitt. In Lesen haben sie acht Punkte Vorsprung, in Mathematik liegen sie hingegen acht Punkte zurück.

Alles zu PISA unter: www.bifie.at


48 _ Wir bauen auf Kunst

„…dann würde ich wieder alle haben“ Grischka Voss über die Entscheidung, den literarischen Nachlass ihrer Eltern zu Gunsten der Schule zu versteigern

Wie im letzten MoMent bereits vermeldet, war der Voss-Bücherbenefiz-Versteigerungsabend am 17.11.2016 ein voller Erfolg und erbrachte insgesamt 15.360 €. Der gesamte Erlös und auch die weiteren Einnahmen aus den noch vorhandenen Büchern von Gert und Ursula Voss fließen in die Finanzierung des Neubaus der Rudolf Steiner-Schule in der Endresstraße 113. Heute stellt Peter Gluchi die edle Spenderin in den Mittelpunkt: GRISCHKA VOSS P.G.: Liebe Grischka, was sagst du zu dem tollen Erfolg? G.V.: Ich war schwer beeindruckt und überrascht, wie viel Geld da zusammengekommen ist: schon klar, für das Bauprojekt ein, zwei Fenster vielleicht, aber dennoch nachahmenswert. P.G.: Wie kamst Du eigentlich auf diese großartige Idee? G.V.: Mit dem Tod meiner Eltern musste ich in relativer kurzer Zeit das gesamte Haus alleine räumen. Meine Eltern hatten aber, wie ich dann feststellen musste, alles gesammelt und nichts weggeworfen. Ich war richtig erschlagen von der Menge. Dann habe ich mir gesagt, angenommen, es ist eine Naturkatastrophe und du kannst genau eine Sache retten? Und das waren für mich nur die Fotoalben meiner Kindheit, die mein Vater unglaublich liebevoll und lustig gestaltet hatte. P.G.: Und alles andere? G.V.: Für alles andere habe ich überlegt, im Zuge meines Räumens die Dinge nach Themenbereichen zu ordnen und dann zu recherchieren, wer könnte das brauchen – meine Eltern also in gewisser Weise „zu verstreuen“. P.G.: Wie war es mit den Büchern? G.V.: Was die Bücher angeht, ist mir eigentlich sofort die Schule eingefallen. Ich bin an Herrn Schmidbauer herangetreten, ob Interesse bestünde, dass sie sich da welche aussuchen und habe ihm auch meine Situation geschildert. Da hat er so gegrinst und zu mir gesagt: „Aber im Grunde würdest Du gerne alle loswerden, oder?“ Und er hatte Recht. Meine Eltern hatten gerne gelesen, und ich bin auch eine Leseratte geworden, die Bücher hortet. Es war mir klar: Wenn ich jetzt anfange, welche auszusuchen, dann würde ich wieder alle haben.

P.G.: Schon in diesem ersten Gespräch hattest Du die Idee, etwa beim Basar so eine Art Bücherflohmarkt zu veranstalten und den Erlös der Schule zu spenden. Es wurde daraus nach und nach ein größeres Projekt bis hin zum „Ankratzen an der Tür des Burgtheaters“. G.V.: Es hat mich dann total überrascht, dass Karin Bergmann (vielen Dank an sie) das im Kasino am Schwarzenbergplatz ermöglicht hat. Dadurch wurde es eine professionelle Versteigerung. Ich hab’s mir wesentlich simpler vorgestellt. P.G.: Hast Du erwartet, dass es so gut klappen würde? G.V.: Ich habe den Abend als Geschenk empfunden, weil von der Schule und vom Theater alles mit wahnsinnig viel Liebe gemacht war. Ich fand es wunderschön, dass die Hereinkommenden gleich von einem Chor empfangen wurden, also dass man viel von dem Zauber oder dem Besonderem der Schule, von dieser Atmosphäre mitnehmen konnte. Wie der Raum gestaltet war, das tolle Licht, wie alles aufgebaut war und auch dieses liebevolle Essen… Das hat einen ganz eigenen Charme gehabt. Ich glaube, das hat die NichtWaldorfmenschen schon beeindruckt. Ich hatte das Gefühl, dass sich alle Menschen wahnsinnig wohl gefühlt haben. Und für mich selber war es ein Anliegen, all den Menschen, die dort waren, so viel wie möglich zu geben oder zu schenken, indem ich halt ja auch eine Ansprache gehalten und einen Text vorgelesen habe.


Wir bauen auf Kunst _ 49

P.G.: Du bist auch Schauspielerin geworden, obwohl Dein Vater Dir davon abgeraten hatte. Gegen Ende des Textes hast Du auch einige persönliche Tipps Deines Vaters an Dich genannt. G.V.: Ich habe so Sachen zitiert wie: „Man muss im Leben eine Langstreckenläuferin sein“, also dass es darum geht, einen langen Atem für etwas zu haben. Das habe ich ganz stark verinnerlicht. Oder, dass es wahnsinnig wichtig ist, in keinster Weise eitel zu sein, dass es immer um die Sache geht und dass man selber sein eigener Fan und bester Freund sein muss. Und einen Satz, den er mir einmal mitgegeben hat, liebe ich besonders – ein Zitat (ich habe vergessen, von wem es stammt): „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“. Dann habe ich ja auch versucht, zu den Büchern jeweils noch persönliche Dinge zu erzählen, damit die Leute auch Lust haben, sie zu ersteigern, es ihnen persönlich zu übergeben und ihnen viel Freude damit zu wünschen. P.G.: Es war ein schöner, aber langer Abend. G.V.: Ja, ich hatte das unterschätzt. Ich war ja doch durchgehend drei Stunden auf der Bühne. Und wenn man dann noch versucht, etwas von sich zu geben… Ich war danach auch komplett fertig, und wie ich dann mit meinem Sohn zum Auto gekommen bin, habe ich einen Strafzettel an der Windschutzscheibe gehabt. Ich habe so lachen müssen. Super! Danke! P.G.: Dein Sohn geht jetzt in die 4. Klasse. Warst Du eigentlich auch Waldorfschülerin? G.V.: Ja, in Waldorfschulen in Deutschland. Ich habe, glaube ich, sechsmal die Schule gewechselt. In Stuttgart war ich mit einem Abstand von sechs Jahren dann noch einmal dort und kam wieder in dieselbe Klasse. Das war ganz schrecklich. Für mein Empfinden hatte die Klasse sich eigentlich gar nicht verändert, und ich war jemand anderes. Ich habe da überhaupt nicht mehr hineingepasst. Sie haben das, glaube ich, auch so empfunden. P.G.: Und wie war es dann in Wien in der Schule? G.V.: Ich sollte ursprünglich auch in die Waldorfschule kommen, aber da man in Österreich an der Waldorfschule nicht maturieren kann und ich durch meine vielen Schulwechsel zudem so ein Sprachen-Wirr-Warr gehabt hatte (Französisch, dann wieder Russisch, dann wieder Französisch), absolvierte ich die letzten zwei Jahre in Wien auf der American International School. Das war natürlich auch ein ziemlicher Schock – jedes Fach auf Englisch und Notendruck. Hatte ich ja gar nicht gehabt. Und… auch eine andere Welt, eine ganz andere Welt.

auch eine Privatschule, wo aber in erster Linie Diplomatenkinder hingingen, die großteils in gewisser Weise fast verwahrlost waren. Die Älteren waren oft wochenlang alleine; das heißt, ich wurde da in meinen Leben erstmals mit massivem Drogengebrauch konfrontiert. Da kam ich aus dem weichen, gemütlichen, grünen Zwergenwald in „Do you smoke dope“. Ja, das war schon ein ziemlicher Schock. P.G.: Liebe Grischka, danke für das Gespräch.

Fact 1 Die gute Nachricht zum Schluss: War der Höhepunkt der Versteigerung das elftletzte Paket „Photographie 2“ mit Büchern über Man Ray und einem Zuschlagspreis von 550 €, so sind die noch vorhandenen Bücher aus dem Nachlass von Gert Voss in der Schule zu Paketen von je 5 Büchern zum Auktionsdurchnittspreis von 230 € zu haben.

5

Kontakt: Engelbert Sperl 0676/521 82 12

Fact 2

Grischka Voss ist Schauspielerin, Regisseurin und Bühnenautorin. Sie hat 1997 in Wien zusammen mit Ernst Kurt Weigel das Bernhard-Ensemble gegründet, mit welchem sie in erster Linie selbstverfasste Stücke und Werke anderer zeitgenössischer Autoren in Szene setzt. Ihr neuestes Stück „INVIDIA“ lief im „OFF-THEATER“, 1070, Kirchengasse 41. Weitere Projekte unter:

P.G.: Weil es Wien war?

http://www.bernhard-ensemble.at/homepage.html

G.V.: Nein. Also, die Waldorfwelt ist schon eine eigene, relativ heile Welt, und da sind sehr besondere Menschen: Waldorfschüler, Eltern Lehrer. Nicht zu vergleichen mit so einer anderen Schule: zwar

Mehr Fotos: https://www.waldorf-mauer.at/eindruecke/galerie-2016-17


Freie Musikschule

50 _ SchallMauer | Freie Musikschule Wien

Einfach zum Niederknien! Vom intensiven Probewochenende und dem Konzert des SchallMauer-Orchesters zehren die Eltern musizierender Kinder den ganzen Rest des Jahres.

Auch Traditionen können jedes Mal aufs Neue begeistern. Und

lich überall mit dem Rollstuhl hin!“

das Orchesterkonzert der Freien Musikschule ist über fünf Jah-

Anreise ist am Freitag, und dann wird musiziert – „einfach je-

re hinweg bereits ein derart liebgewonnener, bewundernswerter,

den Tag, die ganze Zeit“. Am Samstag gibt es beispielsweise

mitreißender und umjubelter Fixpunkt im Jahreslauf an unserer

Stimm- und Orchesterproben von 9 bis 12 Uhr, von 14:30 bis

Schule geworden.

18 Uhr, und nach dem Abendessen wird dann auch noch eine

Hatte das SchallMauer-Orchester uns im Vorjahr mit Dvo-

Probe drangehängt. Am Sonntag geht es weiter – am Abend

rak buchstäblich die Lade runterhängen lassen, so war es heu-

dann schon die Hauptprobe und Montagvormittag die Gene-

er Smetanas „Moldau“, mit der sie das Publikum in ungläubiges

ralprobe. Keine Viertelstunde wird da verschwendet: „Man ist

Erstaunen und Begeisterung versetzten. Es gibt übrigens einen

einfach nur am Instrument. Und das bringt’s auch.“

untrüglichen Indikator für ganz besonders gelungenes Musizie-

Das können wir Eltern nur bestätigen – das Ergebnis ist ein-

ren – und die Anzeige schlug auch heuer wieder mehrfach aus: Es

fach zum Niederknien!

ist die Gänsehaut, die den Rücken hinunterrieselt.

Aber dazu kommt noch ein ganz entscheidender Punkt: Wir

Und dann auch noch als Umrahmung für das große Orchester-

Eltern können nicht nur das Konzert in vollen Zügen genießen

werk witzige, ergreifende, virtuose kleine Werke: The Typewriter,

– sondern vor allem auch den unglaublichen Motivations-

Musik aus Grease, Moon River, Joshua fit the Battle of Jerico, das

schub, den dieses Gesamterlebnis von Orchesterwochenen-

James Bond-Thema und The Locomotive Chase. Dass bei diesem

de und Konzert mit sich bringt. Die Kinder kommen jedes Mal

Konzert eine derartige Vielfalt geboten werden kann, ist inzwi-

wie ausgewechselt zurück, und dieser Glanzpunkt im Jahr

schen so selbstverständlich geworden – ist es aber in Wirklichkeit

hilft dann, auch den Rest des Jahres mit Üben und Unterricht

überhaupt nicht.

über die Runden zu kommen.

Vor allem, wenn ich mich daran erinnere, wie wir selbst damals

Für die Freie Musikschule, die Organisatoren, Betreuer und

im Schulorchester mit Ach und Krach und mehr schlecht als recht

Dirigenten des SchallMauer-Orchesters gibt es dafür nur ei-

gerade einmal die ersten 100 Takte eines langsamen Beetho-

nes: Standing Ovations!

ven-Satzes zur Aufführung brachten… Okay, es gab dann später schon noch viel lichtere Momente im Schulorchester vor über 30 Jahren, und es sprang dann auch einmal so richtig der Funken über (Ich war meiner späteren Frau näher gekommen) – aber auf musikalischer Ebene war das alles trotzdem nichts, was dem Niveau des SchallMauer-Ensembles auch nur nahegekommen wäre. Von nichts kommt nichts, und dahinter steckt natürlich kontinuierliche und kurz vor dem Konzert höchst intensive Arbeit. Auf die regelmäßigen wöchentlichen Orchesterproben folgt dann inzwischen ebenso traditionell am Wochenende vor dem großen SchallMauer-Auftritt das Orchesterwochenende. Auch heuer ging es dafür wieder in den steirischen Retzhof bei Leibnitz; ein historisches Vierkant-Schlössl mit Zu- und Neubauten und idealen Voraussetzungen für das Intensiv-Probewochenende unserer jungen Musiker. Was die Kinder aber am meisten am Retzhof beeindruckt, ist nicht nur die Musik-Tauglichkeit, sondern dass dort „alles rollstuhlfreundlich“ ist, wie sie berichten: „Man kann wirk-

Roman David-Freihsl


Wien

Freie Musikschule Wien | SchallMauer _ 51

Sägewerk und Blasebalg – Wo gehobelt wird, da fallen Späne Betritt man freitags nach der Schule den Hof der Rudolf

operation zwischen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer und

Steiner-Schule, wird man von einer kleinen Horde aufge-

der Freien Musikschule Wien. Drei Lehrer – Stefan Albrecht, Jörg

weckter Kinder empfangen: „Beginnt jetzt das Sägewerk und

und Anna Dekan-Eixelsberger – proben jeden Montag zunächst

der Blasebalg?“ „Spielen wir heute gemeinsam?“ „Proben wir

mit den MusikerInnen der Mittelstufe und überlappend mit jenen

heute Pommes mit Ketchup?“ Die Rede ist von den Musiker­

der Oberstufe sowie schulnahen und musikbegeisterten Erwach-

Innen des Sägewerks und Blasebalgs. Seit Februar 2017 wird

senen (an dieser Stelle eine herzliche Einladung an alle Interes-

jeden Freitag geprobt, und zwei Auftritte haben die jungen

sierten!). Am Wochenende nach dem Ostermontag begibt sich

Musiker­Innen bereits im Rahmen der großen SchallMauer-

das gesamte Orchester traditionell für vier Tage auf Probenwo-

Konzerte absolviert.

chenende, um am letzten Feinschliff für die beiden Konzerte in

Wem das Orchester SchallMauer noch kein Begriff ist: Schall-

der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer zu arbeiten.

Mauer besteht seit mittlerweile fünf Jahren und ist eine Ko-

Der Einstieg ins Orchester SchallMauer beginnt für viele mit dem Eintritt in die 5. Klasse. Für die meisten Kinder bedeutet dies, zum ersten Mal gemeinsam in einem großen Apparat zu musizieren. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass dieser Einstieg für viele Kinder eine große Herausforderung bedeutet. Man hört sich selbst beim Spielen wenig; man kann sich nicht nur auf sich selbst konzentrieren; selbst das Pausenzählen wird zu einer großen Hürde, und der fremde Klang irritiert. Einige Kinder kamen mit diesen Anforderungen nur schwer zurecht, und einige hörten leider auch schnell wieder auf. Aus diesem Grund entstand die Idee, ein Vorbereitungs-Orchester zu gründen, eingeteilt in zwei Instrumentengruppen – Streicher und Bläser – um zunächst einmal den eigenen Klang in der Gruppe erfahren zu können. Die Idee von Sägewerk und Blasebalg war geboren. Die beiden Vorbereitungs-Orchester mit Kindern der 1. bis 4. Klasse proben meistens geteilt: der Blasebalg mit dem Trompetenlehrer Roman Anzengruber, das Sägewerk mit der Geige- und Bratschenlehrerin Anna Dekan-Eixelsberger. Die Energie in den Proben ist dabei schier unbändig und die eigene Stimme nach der Probe etwas heiserer als zuvor. Aber wo gehobelt wird, da fallen Späne, und die Freude in den Gesichtern der Kinder, wenn sie gemeinsam auf der Bühne stehen, bestätigt, wie wichtig für Kinder das gemeinsame Tun – in diesem Fall das gemeinsame Musizieren – ist. Für viele Kinder ist dies auch oft der Hauptgrund, überhaupt ein Instrument zu lernen. Am Dienstag, den 20. Juni 2017 um 18:00 treten das Sägewerk und der Blasebalg im Rahmen des Schlusskonzertes der Freien Musikschule Wien noch einmal auf. Anna Dekan-Eixelsberger


52 _ Freie Musikschule Wien

Ein neues Haus für die Freie Musikschule Wien

E

in großer Traum geht für uns Lehrerinnen und Lehrer der

Ab Mai 1973 wurde im Keller des Hauses die erste biologisch-

Freien Musikschule in Erfüllung: Wir bekommen ein eigenes

dynamische Milch aus St. Ägyd am Neuwalde an Eltern und

Haus ganz in der Nähe der Rudolf Steiner-Schule in Wien-Mauer.

Interessierte vergeben; Demeter-Gemüse und Demeter-Zi-

Das ehemalige Bürgermeisterhaus am Jesuitensteig 19 war von

trusfrüchte aus Sizilien gab es hier ab 1975. So könnte man

1972 bis 2014 Wohnsitz der Familie Kühne. In dieser Zeit war das

sagen, dass am Jesuitensteig 19 einer der ersten „Bioläden“

Haus nicht nur stets mit Musik erfüllt, sondern auch durch das

Österreichs entstand.

soziale Engagement der Familie weit über die Grenzen Öster-

Als Professor Kühne im Jahr 2014 ins anthroposophische

reichs hinweg bekannt.

Seniorenheim „Haus Rengold“ an den Bodensee zog, wünsch-

Wie die meisten wahrscheinlich wissen, waren Professor Tobias

te er sich, dass das Haus als Musikschule weitergeführt wer-

Kühne und seine Frau Agnes an der Gründung der Rudolf Steiner-

den solle. Dieser Wunsch konnte schließlich mit Hilfe einer

Schule in Wien-Mauer maßgeblich beteiligt. Im Jahr 1972 – un-

gemeinnützigen Gesellschaft aus dem Umfeld der Familie Tri-

mittelbar nach Beziehen des Hauses – gab die Familie auch einen

erenberg realisiert werden.

wesentlichen Impuls zur Gründung der Karl Schubert-Schule.

Das Haus wird derzeit saniert, und die Arbeiten laufen auf

Deren Schülerinnen und Schüler wurden in den ersten Jahren im

Hochtouren. Voraussichtlich ab Herbst 2017 können die

unteren Stockwerk des Hauses am Jesuitensteig unterrichtet.

ersten Musikstunden dort stattfinden. Wir sind unbeschreiblich dankbar und glücklich, dass wir mit unseren Schülerinnen und Schülern nun die Möglichkeit bekommen, dieses Haus wieder mit Musik zu beleben. Besonders bedanken möchten wir uns auch bei der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer für die wunderbare Zusammenarbeit und freuen uns, dass wir auch in Zukunft in der Schule willkommen sind, denn die Freie Musikschule hat bereits mehr als 300 Schüler und über 25 Lehrer, und sie wächst und wächst jedes Jahr weiter... Thomas List Obmann des Vereins für Waldorfmusikerziehung

Haus Jesuitensteig - noch bewohnt, Anfang der 90er Jahre

kurz vor der Sanierung, Juni 2016 im Dornröschenschlaf


Ulrich Hofbauer dipl. psych. Spirituell erweiterte Psychologie Persönliche Entwicklungsbegleitung Krisen- und Konfliktarbeit Seminararbeit Gruppenarbeit

Praxis: 1140 Wien, Meiselstrasse 65/13 T: 0664 44 184 17 E office@sozialkompetenz.at Termine nach Absprache

> das cafe > das geschäft

www.dasmoebel.at

BÜCHERSTUBE der Goetheanistischen Studienstätte

Buch & Spiel 1230 Wien, Speisinger Straße 258 Tel u. Fax: 01/ 889 26 93 email: buecherstube1230@gmx.at Bestellungen werden gerne jederzeit entgegengenommen Zustellung durch Postversand

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9:00 -­ 18:00

Zivi‐Courage   bei Lebensart‐Sozialtherapie gesucht !  Wir bieten abwechslungsreiche Zivildienerplätze in den  Wohngruppen und Werkstätten  in Wien Mauer und in Wien  Lainz.  Hier kann man Erfahrungen sammeln, Vorurteile abbauen, Freunde  finden, in Berufswelten reinschnuppern…  Die Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen steht bei  uns im Mittelpunkt. Hierfür sind Hilfestellungen zu erbringen, wo die  Menschen mit Behinderung Unterstützung, Aufsicht und auch mal ein  ´gutes Wort` benötigen.  Dies erfordert Einfühlungsvermögen, Umsichtigkeit und Courage.  Wundern Sie sich nicht, wenn Sie beim Abschied nach neun Monaten  Zivildienst einen eigenen Fanclub haben.  Interesse?  Kontakt:   Lebensart Sozialtherapie  Hauptstr. 125‐127, 2391 Kaltenleutgeben  Tel. 02238/77931, verein@sozialtherapie.at  www.lebensart‐sozialtherapie.at    Gesslgasse 8 a, 1230 Wien, Tel. 01 / 887 26 74, buch@wetter.co.at Mo–Fr 9:00 bis 18:00 Uhr, Sa 9:00 bis 13:00 Uhr www.BuchhandlunginMauer.at

etter_Anzeige.indd 1

18.10.13 15:38


Absender: R. Steiner-Schule Wien-Mauer, 1230 Wien, Endresstr. 100 Verlagspostamt, 1230 Wien, Zulassungsnummer: 13Z039641 M Impressum Seite 2

P.b.b.

aus gutem grund Naturkostladen

Sommer-

Öffnungszeiten 03.Juli bis 02.September 2017

Montag geschlossen Dienstag 8.30 bis 13.00 16.00 bis 18.00 Mittwoch 8.30 bis 13.00 Donnerstag 8.30 bis 13.00 Freitag 8.30 bis 13.00 16.00 bis 18.00 Samstag 8.30 bis 13.00

Wir wünschen allen Kundinnen und Kunden einen erholsamen Sommer.

KLEINANZEIGEN Seminarreihe „Biodynamische Landwirtschaft“; berufsbegleitend

FagottlehrerIn für Schülerin (10 Jahre) der Rudolf

Der Lehrgang umfasst diverse Bereiche der biodynamischen Landwirt-

Steiner-Schule Wien-Mauer gesucht

schaft (u.a. Bodenlebendigkeit, Pflanzenbau, Präparate, Tierhaltung,

Wohnort: 1230 Wien

Weinbau) sowie der Anthroposophie in Theorie und Praxis.

Kontakt: Tel. 0664 / 534 53 82

Zeitraum: 6 Wochenend-Module von November 2017 bis Mai 2018 Veranstaltungsort: Kloster Laab im Walde Eine Kooperation der Universität für Bodenkunde in Wien (BOKU) mit der Lehr- und Forschungsgemeinschaft für biodynamische Lebensfelder (LFG) Nähere Informationen unter www.biodynamisch-lehren-forschen.at sowie bei Tena Mimica unter biodynamik.lehrgang@gmail.com bzw. +43 (0)660/188 17 54 Spezialangebot für der Rudolf Steiner-Schule Nahestehende! 1230 Wien, Mehlführergasse 9, Einfamilienhaus mit Vollkeller, ca 75m2 verbaut, Grundstück 617m2, Preisvorstellung € 522.000,Kontakt: Maklerbüro Mag. Helmuth Znojemsky; Tel.: 0664/3386668

Termine finden Sie auf Seite 25

Profile for Karl Hruza

MoMent Sommer 2017  

MoMent Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

MoMent Sommer 2017  

MoMent Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Advertisement