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FRÜHLING 2014

E. Zimmermann, T. Kühne, B. Zahlingen, K. Wenkebach (24.06.1980)

Grundsteinlegung – Gr. Festsaal und Oberstufentrakt

MoMent

themenheft

50 Jahre Waldorf in Österreich Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer Frühling 2014, € 2,50


Ein Geschenk zum Fünfziger Liebe Freundinnen und Freunde unserer Schulzeitung MoMent, es ist diesmal eine besonders vielfältige und bunte Ausgabe unserer Schulzeitung, die uns geschenkt worden ist. Denn es ist ja nicht so, dass wir diese Zeitung „machen“ – es sind viele Beteiligte, die uns großzügig und uneigennützig mit ihren Beiträgen eine derartige Ausgabe ermöglichen. Euch allen ein großes und herzliches Dankeschön. Mit Hilfe dieser Großzügigkeit ist übrigens nicht nur das Entstehen unserer Schulzeitung möglich – es ist letztlich die Grundlage für unser Schulsystem abseits der Norm. Nur wenn sich Menschen nicht an persönlichen Vorteilen und Karrieren orientieren – sondern einfach schenken: Dann ist Derartiges möglich. Wenn also nicht der erste Gedanke ist: Was habe ich davon? Sondern: Was kann ich beitragen? Wenn

dieser Impuls, gemeinsam ein Ideal Wirklichkeit werden zu lassen, lebt - dann wird das zusammengetragen, was unsere Schule heute ist. Die Rudolf Steiner-Schule in Mauer und gleichzeitig die gesamte Waldorfpädagogik in Österreich wurde von Anfang an – seit 50 Jahren schon – von Menschen aufgebaut und getragen, denen es um eine Idee, um Substantielles und Zukunftsweisendes ging. Ihnen und der Entwicklung über ein halbes Jahrhundert hinweg ist diese Schwerpunktausgabe gewidmet. Viel Spaß und viele Anregungen und beim Lesen wünscht für das Redaktionsteam Roman David-Freihsl

MoMent im 23. Jahr

Monatsschrift von und für Eltern, FreundInnen, Lehrer­Innen und SchülerInnen der R. Steiner-Schule Wien-Mauer, Freie Waldorfschule moment@waldorf-mauer.at MoMent-Konto lautend auf: Redaktion Schulzeitung Kontonummer: 82221751000 ErsteBank Blz: 20111; BIC: GIBAATWWXXX IBAN: AT44 20111822 21751000 Leitung des Redaktionsteams: Roman David-Freihsl roman.freihsl@aon.at Anzeigen/Layout: Renate / Karl Hruza MitarbeiterInnen: Renate Hruza, T. 01/802 66 03 renate.hruza@silverserver.at Karl Hruza, T. 0699 111 95 7 95 karl.hruza@waldorf-mauer.at Jörg Schmiedbauer, T. 0676 530 28 29 joergschmiedbauer@acrobat.at Saskia Sautner saskia.sautner@hotmail.com Karin Schadl luis.schadl@utanet.at Lothar Trierenberg lothar.trierenberg@dasmoebel.at Eigentümer, Verleger und Herausgeber (Medieninhaber): Verein zur Förderung der Waldorf-Gemeinschaft (VFWG), DVR Nr.: 7864 9742 Absender: moment@waldorf-mauer.at MoMent 1230 Wien, Endresstr. 100 Herstellungsort: DONAU-FORUM-DRUCK, 1230 Wien aus umweltfreundlicher Druckproduktion Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 02Z032325Z

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Erinnerungen an

Olga Merth

11. Mai 1945 – 11.April 2014 (beides Freitage)

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ebensfreude, Begeisterungsfähigkeit, Genießen-Können, Positives-Denken und voller Einsatz für den Weihnachtsbazar und „ihre“ Handarbeits-Schüler, das waren wohl die markantesten Charaktereigenschaften von Frau Olga Merth.

mer noch einmal nach Sardinien reisen könnten, diese Insel hat ihr vor zwei Jahren so gut gefallen. Ja, wir hatten es noch einmal vor. Aber plötzlich kam es anders; ihre Kräfte schwanden zunehmend und von einer Reise konnte nicht mehr die Rede sein.

Aufgewachsen im 10. Wiener Bezirk machte sie nach der Schule eine Schneider-Lehre und anschließend eine Kürschner-Lehre. Nach der Heirat und der Geburt von Alexandra und Philipp führte sie ihr Interesse an Pädagogik zu Rudolf Steiner. Die Tochter kam in die Maurer-Schule, der Sohn in den Kindergarten: sie selber besuchte ein 3 jähriges Pädagogisches Abendseminar an der Goetheanistischen Studienstätte. Als dann eine Handarbeitslehrerin für die Schneiderepoche der 9. Klasse fehlte, sagte sie mit großem „Knieschlottern“ zu. Bald wurde sie die von allen geschätzte Handarbeitslehrerin. Das Fach Handarbeit war für Olga nicht nur ein Nebenfach, sondern ein sehr wichtiger Bestandteil einer Pädagogik, welche die Entwicklung des Kindes voll berücksichtigt. Sie wusste genau, warum die Kinder in der 1.Klasse mit Stricken beginnen und nicht mit Häkeln, warum Socken und Mützen gestrickt wurden und was diese Arbeiten im menschlichen Gehirn bewirken. Später, als sie die Kostümkammer-Betreuung übernahm und viele, sehr viele Klassenspiele einkleidete, gab es nicht nur irgendwelche Kostüme, sondern sie mussten farblich zueinander passen und auch den Charakteren der Personen entsprechen. Ihr Farbempfinden und ihre künstlerische „Ader“ kamen dann auch bei der Gesamtorganisation des Weihnachtsbasars voll zur Entfaltung. Es war ihr immer wichtig den Basar schön zu gestalten, mit dem Hausschmuck eine weihnachtliche Stimmung zu erzeugen, das „GeldEinnehmen“ kam an zweiter Stelle. Mit unglaublicher Geduld, Liebenswürdigkeit und einer absoluten Übersicht war sie die „Grande-Dame“ des Basars, ohne sich je damit hervorzutun. Daneben machte sie noch mit Frau Apel Fensterbilder für die Adventszeit, half bei den Weihnachtsspielen, war Konferenzleiterin, und vieles, vieles mehr... nicht zu vergessen sind ihre Auftritte als Frau Merthlinger bei den Modeshows der 9. Klassen. Ihr Beruf wurde zur Berufung, die Schule zur Heimat.

Ich hatte das Glück Olga Merth seit September in ihrer Krankheit begleiten zu dürfen, es war eine intensive, wunderbare Zeit, die ich nicht missen möchte.

Sie reiste aber auch sehr gerne. Wir haben viele wunderschöne Reisen zusammen gemacht, ihr Interesse und ihre Begeisterung an anderen Kulturen, Sprachen, Landschaften nahm kein Ende. Die Reise in das Land ihrer Schwiegertochter, Nicaragua, war ihr sehr wichtig, oft sagte sie: Ich muss dies tun, solange ich noch kann. Drei Wochen vor ihrem Tod fragte sie mich noch, ob wir im Som-

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Liebe Olga ich danke Dir ganz herzlich für all die schönen, heiteren und wertvollen Stunden, die ich mit Dir verbringen durfte, und ich denke, dass viele Deiner SchülerInnen und Deiner FreundInnen sich diesem Dank anschließen. Elisabeth Jordi

ADIEU und MERCI, liebe Frau Merth ! Mitte der 90er Jahre hat mich Frau Merth in der Schule willkommen geheißen, wurde meine Mentorin und später auch meine Freundin. Es waren nicht wenige, die so von ihr lernen konnten – die Techniken und Methoden der Handarbeit und den Umgang mit SchülerInnen, der immer klug, respekt-und liebevoll war. Vielen SchülerInnen war es ein großes Anliegen in ihrer Handarbeitsgruppe zu sein. Hilfreich begleitete sie Ausflüge, Wanderungen und Klassenreisen, ermunterte und tröstete mitfühlend und humorvoll die erschöpften Mädchen und Buben. Sie war so vielseitig begabt, handwerklich und pädagogisch, mit sicherem Geschmack und Stilgefühl, künstlerisch – beim Zeichnen und Malen, als „Frau Merthlinger“ im komischen Fach, war eine begeisterte Tänzerin, eine begnadete Gärtnerin und eine kluge liebevolle Mutter. Einige dieser Fähigkeiten konnte sie im Ruhestand zur Blüte bringen, sprang aber auch immer wieder in der Schule ein, wenn sie gebraucht wurde. Nie hat sie sich in den Vordergrund gedrängt oder wichtig gemacht. Ansteckend wirkten ihre Freude und Begeisterung für´s Reisen, für Schönheit in der Kunst und Natur, für Großes aber auch unscheinbar Kleines. Immer wird sie einen hellen, sonnigen Platz in unseren Herzen haben! Angela Korab

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Mit Schwung in einen neuen Lebensabschnitt

Der Tanzkurs der achten Klasse D

er Schritt von der Kindheit ins Erwachsenenalter ist mitunter nicht ganz leicht und wird begleitet von einer Vielzahl an Unsicherheiten und Verwirrungen. Er erfordert eine neue Begegnung mit sich selbst und natürlich mit dem anderen Geschlecht. Wie schön, wenn dieser Begegnung eine Richtung gegeben wird, eine Form, die es möglich macht, einander zu berühren, sich aufeinander einzuschwingen und dann aber doch auch wieder mit einer Leichtigkeit weitergehen zu können und in freudigem Taumel an anderer Stelle weiterzukreisen. Mit viel Freude und Offenheit haben sich die SchülerInnen der achten Klasse auf das Abenteuer Tanzkurs eingelassen, jeder Mittwoch war erfüllt von quirliger Vorfreude auf den Abend und das Einschlafen nach dem Tanzkurs oft nicht gleich möglich, weil der doch wieder so bewegt und bewegend war.

Und der Ball: eine kurze Vorschau auf zukünftige Zeiten... Die Mädchen – junge Damen, in wunderschönen, eleganten Ballkleidern, so berührend in ihrer jugendlichen Schönheit. Und die Buben – junge Männer – fesch und mit vor Schalk und Witz sprühenden Augen, die sich eben die Anleitungen für ihre Krawattenknoten im Internet gecheckt hatten. Man sah an diesem Abend eine neue Generation junger Erwachsener aufblitzen, die mit Mut und Selbstvertrauen ihrer Zukunft entgegentanzen. Ein herzlicher Dank an Herrn Bointner und Frau Platzer für die Organisation und Durchführung! Stefanie Weingartner Fotos: A. Lernpreis

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Der Diener zweier Herren von Carlo Goldoni

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ie jungen Damen und die jungen Herren – man wagt nicht mehr „die Jungen“ und „die Mädels“ zu sagen, so groß und erwachsen wirken die 13-14jährigen Achtklässlerinnen und Achtklässler der Waldorf Schule Wien-Mauer – zeigten Goldonis Klassiker mit Schwung und Eleganz. Der Diener Truffaldino, die doppelt verwickelten Verliebten Beatrice und Florindo, die Herrschaften und die Dienerschaften genossen das Spielen auf der Bühne erstaunlich routiniert. So wie die Eltern und Freunde dies im Publikum auch doppelt genossen: Waren es doch vielfach ihre Sprösslinge, die als Schauspielerinnen und Schauspieler das Publikum beeindruckten. Alle Achtung auch vor den Sprechleistungen – man hatte kein Souflieren bemerkt, ja vielleicht gar nicht gebraucht. Das Thema der liebenden Verwirrung oder der Verwirrung der Liebenden – überdauert „spielend“ die Jahrhunderte: Liebe und Hunger regieren die Welt. Und das Schöne an der Komödie: Sie geht gut aus und das Suchspiel unterhält alle. Die Begeisterung auf der Bühne wirkt ansteckend. Das Publikum spendete jede Menge Beifall, – und besonders gelungene Szenen wurde „mitten drin“ sofort belohnt. Theater macht Schule – oder: Schule macht Theater! Ein dankbarer Besucher sendet viele Glückwünsche für weitere „Aufführungen“ Herbert Rauch

Fotos: W. Füreder http://www.waldorf-mauer.at/eindruecke/galerie-2013-14

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Das erste Jahr in der Oberstufe Ein Jahr Oberstufe. Ein Jahr sind wir jetzt schon die Jüngsten der Ältesten an der Schule. Was sich verändert hat? Der Anfang dieses Schuljahres, kommt mir vor, ist schon so lang her und doch noch so nah. Neu in der Oberstufe erscheinen mir die folgenden vier Punkte:

Viele neue Gesichter Die vielen Gesichter in den Schulgängen haben nun Namen bekommen. Anfang des Schuljahres haben wir viele neue Lehrer kennengelernt. Allen voran unsere Tutorin Frau Sadychow und, wenn man sich in der Klasse umhört, sind alle sehr froh darüber. Es ist mir ein Rätsel, wie sich immer die richtige TutorIn findet, dass man sich dann denkt, wie gut sie doch zur jeweiligen Klasse passt. Ob sich Klasse an TutorIn oder TutorIn an Klasse anpasst, ich weiß es nicht, aber ich finde es toll. Für alle, deren Kinder noch die Unter- oder Mittelstufe besuchen, ab der neunten Klasse wird der Klassenlehrer von einem Tutor abgelöst. Dieser trifft sich einmal pro Woche mit seiner Klasse, um Anstehendes wie Reisen und Ausflüge zu besprechen. Er ist auch sozusagen das Sprachrohr zwischen Klasse und Konferenz. Zusätzlich unterrichtet er sein Fach, also zum Beispiel Englisch oder Deutsch. Dieses Fach unterrichtet er meist in der ganzen Oberstufe. Wir hatten jetzt beinahe bei allen neuen Lehrern eine Epoche und jede war auf ihre Art interessant. Da wir jetzt mit allen neuen Lehrern bekannt sind, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass gar nicht die Fakten so wichtig sind, sondern vielmehr die Persönlichkeit des Lehrers. Die Fakten und Jahreszahlen werden sich nur die wenigsten merken, aber die Art, wie an etwas heran gegangen wird, der Umgang mit dem Inhalt, scheint mir wichtiger. Natürlich brauchen wir ein bestimmtes Basiswissen, aber heutzutage kommt man so schnell an jede beliebige Information, dass der Umgang damit in den Vordergrund rückt. Auch die Fähigkeit, den Inhalt interessant dazustellen, finde ich sehr wichtig, da sonst nur für den Abschlusstest gelernt wird und danach ist alles vergessen. Sobald der Bezug zur Gegenwart vorhanden ist, also zum Beispiel in Geschichte zum heutigen Weltgeschehen oder in Biologie zum eigenen Kör

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per, bleibt etwas hängen und wir denken manchmal noch darüber nach. Wir haben glücklicherweise in der Oberstufe sehr verschiedene Lehrerpersönlichkeiten, von denen wir die verschiedensten Arten zu denken und lernen, zu lernen.

Stundenplan Von der Mittelstufe zur Oberstufe stellt sich der Stundenplan ein wenig um. Wir haben, wie gehabt, Hauptunterrichts-Epochen, aber mit verschiedenen Lehrern, statt dem Klassenlehrer. Das hat meiner Meinung nach den Vorteil, dass man, wie oben erwähnt, verschiedenste Sichtweisen und Menschen kennenlernt. Wir haben die sogenannte Zweitepoche, in der blockweise vier Stunden die Woche Mathematik, Geometrie, Russisch und Musik unterrichtet wird. Eine Sprachenund Eurythmie-Zweitepoche wurde nun auch schon erfolgreich in der Mittelstufe eingeführt. Wir traten dem Oberstufenchor bei. Unser erstes Projekt mit dem Oberstufenchor – eine Schubert Messe in der Otto Wagner Kirche – haben wir schon erfolgreich hinter uns. Ganz neu ist in der Oberstufe auch die Praktisch-Künstlerische-Epochen, kurz PKE. Wir haben vier Tage die Woche 1 ½ Stunden blockweise Zeichnen, Schneidern, Tischlern, Informatik und Korbflechten. Bei uns gab es schon eine Diskussion, ob man daraus nicht Wahlfächer machen könnte, da einer mit dem einen nichts anfangen kann, während der andere es liebend gern tut. Wir werden sehen, wie es weiter geht, in unserer sich gerade wandelnden Schule. Auch die umstrittene halbe Stunde, die wir ab diesem Jahr später in die Schule kommen durften, war natürlich neu. Unsere Klasse teilt sich laut Fragebogen halb-halb: Viele sind dagegen, weil sie wegen des weiten Schulweges und der Geschwister sowieso schon um acht da sind. Andere beschwe-

ren sich über den späten Schulschluss und die eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten. Ich habe aber noch keinen gehört, der gesagt hat, ich würd´ doch so gern wieder früher aufstehen und in die Schule gehen. Ich glaube, es hapert da ziemlich an der Umsetzung. Ich persönlich finde die 20 Minuten mehr Zeit in der Früh sehr angenehm. Mein Klassenkollege Moritz und ich waren beide sehr überrascht, wie negativ sich viele bei dem Schulgemeinschaftstreffen geäußert haben. Wahrscheinlich ist es einfach leichter dagegen zu sein als innovative Ideen zu liefern.

Ausflüge Für unsere Klasse waren dieses Jahr auch die vielen Ausflüge, bzw. Theaterbesuche neu. Wir waren schon bei vielen interessanten Aufführungen und in Museen. Meist geht fast die ganze Klasse mit und wir freuen uns, jetzt öfter miteinander etwas zu unternehmen. Auch das Landwirtsschafts-Praktikum findet im ersten Oberstufenjahr statt (mehr dazu finden Sie in meinem Artikel Kartoffeln, Kühe & Co der MoMent Herbstausgabe). Unsere Reise wird dieses Jahr nach Bratislava gehen und wir sind gespannt, was uns dort erwartet.

Selbstständigkeit In der Oberstufe hat man die Möglichkeit, viel mehr selbstständig zu handeln. Wir sind für uns selbst verantwortlich und es wird uns nicht mehr alles nach getragen. Eigeninitiative ist gefragt. Es hat Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite können wir mitreden und selbst organisieren, auf der anderen müssen wir selbst organisieren und, wenn wir es nicht tun, findet nun mal nichts statt. Wir werden jetzt nach unserer Meinung gefragt. Zum Beispiel wurden wir Anfang des Schuljahres gefragt, ob wir unsere Klasse gestalten wollen. So haben CosiMoMent  Frühling 2014


Es liegt vor uns –

wir lernen sehen, dass wir es nicht sehen! Ein kleiner Bericht zur Theaterarbeit mit den Schülern der 10.Klasse von Ernst Kurt Weigel (Theatermacher)

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ls mich Hannah Jordis, auf Vermittlung einer Schülermutter, fragte, ob ich Lust hätte mit den Schülern der 10. Klasse ein kurzes Stück eines österreichischen Autors zu inszenieren, fiel meine Wahl sofort auf Jura Soyfers „Weltuntergang“. Erstens hatten die Schüler bereits unmittelbaren Bezug, weil sie erst kürzlich seinen Gedenkstein in Buchenwald besuchten, andererseits finde ich, dass Soyfer - oft als „schwarzer Nestroy“ bezeichnet – sehr bittere zeitgeschichtliche Themen der 20er und 30er Jahre mit himmelschreiender Ironie beschrieb, wie das vielleicht noch Karl Kraus unmittelbar vor ihm und eben Nestroy konnte. Schwere Themen, die aber durch ihre komischtragische Dramatisierung nicht abschrecken, sondern „zu nehmen“ sind. Auch der zeitgeschichtliche Hintergrund unmittelbar vor der europäischen Katastrophe und die wissenschaftlichen Anklänge an Vorgänge im Sonnensystem, also die Verletzbarkeit unserer geistigen und physischen Welt und der allzu menschliche Umgang mit dieser Situation, sind Themen, die allezeit wichtig für uns bleiben werden. Natürlich mussten wir viele Passagen von diesem abendfüllenden Stück streichen, vor allem die musikalischen Parts, was mir sehr leid tat, aber dazu reichte die kurze Probenzeit nicht, hätte ich aber gerne gemacht, und wäre eine schöne Ergänzung mit den musikalischen Lehrern gewesen... vielleicht ein anderes Mal. Viele Textstellen und erwähnte reale Personen mussten/wollten wir aktualisieren. Das ergab natürlich nicht nur besonders witzige Szenen, sondern es hat sich sofort gezeigt, wie aktuell der Stoff

damals wie heute ist. Es war mir wichtig zu zeigen, dass man alte Dramen mit wenigen Kniffen aus einem historischen Kontext nehmen kann, und aus der Asche der vergangenen Tage die fatalen Fehler der Gegenwart und deren katastrophalen Folgen ablesen und verdeutlichen kann. Finanzkrise, Massenarbeitslosigkeit, Politikverdrossenheit, erstarkender Nationalismus, Verblendung der Menschen durch moderne Konsumgüter, etc. Trotzdem machen die Menschen immer so weiter, als ob alles gut wäre, während ein unheilvoller Komet auf die Erde zurast. „Dann gemma halt ein bisserl unter ...“ schreibt und singt das junge Genie Soyfer. Es liegt vor uns – wir sehen es nicht! Dass man das sehen kann, wollte ich vermitteln! Was mir bei der allerersten Probe mit den Schülern der 10. Klasse sofort aufgefallen ist, dass sie rhythmisch, musikalisch und körweiterlesen >>

mo und ich die Organisation übernommen und dann eine demokratische Umfrage gestartet, was die Klasse gerne hätte. Wir haben eine engagierte Gruppe von Mädchen gefunden, die unsere Klasse ausgemalt hat und die Hälfte der Klasse hat im Werkunterricht praktische Kästchen für jeden von uns gebaut. Auch ein Sofa haben wir von einer Schülerin bekommen und Frau Sadychow hat ein paar Kalender und Poster beigesteuert. Wir haben Klassensprecherwahlen veranstaltet und die Klasse hat sich auf Moritz und mich geeinigt. Bis auf den Besuch des Schulgemeinschaftstreffens haben Frühling 2014  MoMent

wir allerdings noch nicht viele Aufgaben gefunden. In der neunten Klasse findet das Arbeitswelt Praktikum statt, welches wir uns selbstständig organisieren. Es handelt sich um 40 Stunden und viele sind noch auf der Suche. Also, wenn Sie einen geeigneten Betrieb kennen in dem so ein Praktikum absolviert werden kann, wären viele SchülerInnen bestimmt sehr froh, darüber informiert zu werden. Im Moment sind wir mit der Organisation der Modenschau beschäftigt und würden uns freuen, Sie dort, bei der letzten Schulfeier begrüßen zu dürfen.

Ich finde es super, dass unsere Schule jetzt auf der Suche nach Innovation ist und nicht mehr, wie früher, an alten Regeln klammert. Es passt meiner Meinung nach zu dem Konzept Waldorf, welches doch so offen für Anderes ist, nun auch offen für Neues zu sein. So verändert sich nicht nur der Schulalltag von Mittelstufe zu Oberstufe, sondern Jahr für Jahr treten Besserungen ein, laufen sie auch anfangs nicht glatt. Der Weg ist das Ziel, denn ohne Weg kein Ziel. Stephanie Doujak

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perlich extrem begabt, geschult und schnell in der Umsetzung waren. Eigenschaften, die bei gut ausgebildeten und professionellen Schauspielern oft, und vor allem unmittelbar nach deren Ausbildung zu finden sind, ehe sie wieder mit den Jahren des Berufes versanden, weil selten gebraucht und daher auch wenig kultiviert werden. Das Spiel beginnt wieder zurück in den Kopf zu wandern, der Körper „hinkt“ immer mehr hinterher. Doch gerade diese Durchlässigkeit der geistigen Inhalte durch den gesamten Organismus ist das schönste Gut, der „magische“ Grund, warum man einem Spieler gerne zuschaut, warum man sich mit ihm identifizieren möchte, auch wenn er vordergründig einen Bösewicht oder einen Dummkopf darstellt; weil im besten Falle sein Seelenleid, also sein Weg zu dem, was ihn letztlich ausmacht, plötzlich durch den Spieler spürbar, wenn auch unentschuldbar, aber nachvollziehbar wird. Der Schauspieler wird ganzheitlich von seiner Rolle erfasst, er beginnt sie zu verkörpern. Wenn Menschen, wie meine Schülergruppe, von sich aus diese Offenheit mitbringen, die Angst vor anderen zu bestehen in eine produktive Spannung umzusetzen gelernt haben, ist ihnen die Aufmerksamkeit anderer sicher. Sind sie bereit und bestens gerüstet, ein künstlerisches und inhaltliches Anliegen zu vermitteln. Das ist das wertvollste Gut in unserem Beruf als Schauspieler, macht unser Talent aus, macht uns authentisch, letztlich auch als Mensch. In diesem Sinn habe ich die wirklich kurze Probenarbeit mit den Schülern extrem genossen, auch wenn sie natürlich alle Mätzchen beinhaltet hat, wie ich es von Menschen die sich unmittelbar vor oder mitten in einem wichtigen Lebensabschnitt befinden, erwartet habe. Aber das war nicht schlimm! Jeder Probentag war eine unendliche Bereicherung und hat mir so viel Energie gegeben, dass ich gerne um 8.30 Uhr (normalerweise eine Horroruhrzeit für uns Nachtarbeiter) ins Kellertheater ging, um zuzusehen, wie verschlafene Schüler im Nu auf der Bühne lebendige Menschen einfach so hinwerfen, und ohne Zweifel an sich, mich Staunen machten. Jeder für sich ein Unikat, eine Persönlichkeit, ein Mensch im Leben, wie auf der Bühne! Danke 10. Klasse, Ihr wart Klasse! Fotos: K. Hruza weitere Fotos unter http://www.waldorf-mauer.at/eindruecke/galerie-2013-14

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Welchem Stern folgen wir? N

ein, es ist keine verspätete Rückschau auf Epiphanie und die Sterndeuter, wiewohl es mir im Moment des Schreibens gerade auffällt, dass es vielleicht spannend wäre, diese Reise auch einmal miteinzubeziehen. Es geht um die Parzivalepoche, eine der spannendsten Begegnungs-möglichkeiten im Fach Deutsch. Mit meiner 11.Klasse wollte ich heuer neue Wege ausprobieren, um die Gelegenheit zu schaffen, dieses Werk wirklich innerlich miterleben zu können, und zwar lebensgemäß. Das Interesse ist ja bei einem derart „alten Schinken“ nicht automatisch gegeben, das Hinterfragen, was das Ritterepos aus dem Mittelalter mit uns zu tun hat, nachvollziehbar. Rudolf Steiner hat „Parzival“ auch nur als Anregung gesehen, nicht als fixen Bestandteil des Lehrplans. Als Lehrerin bin ich immer aufgefordert zu ergründen, was mir ein Stoff selbst sagt, welche Leitmotive ich darin finde, und ob und wie ich diese mit den Schülerinnen und Schülern und deren Entwicklung in Verbindung setzen kann. Ist es das, was sie jetzt brauchen? Das ist eine der Kardinalfragen. Und jedes Mal, wenn ich sie unterrichte, fühle ich mich bestätigt, dass die Parzivalepoche inhaltlich wie zeitlich goldrichtig in der 11. Klasse sitzt, bin glücklich darüber, was sich daran an Gesprächen, Texten, Erkenntnissen und Erlebnissen entwickelt. Künstlerische Momente lassen sich nicht leicht einfangen, aber ein kleiner Eindruck davon ist, so hoffe ich, möglich.

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egonnen haben wir am Pappelteich, im Wald, mit der Geburt Parzivals, der Erziehung durch Herzeloyde, seiner Sehnsucht, wenn er den Vögeln nachsieht, seinem Wunsch, Ritter zu werden und wie er loszieht, in Narrenkleidern. Mucksmäuschenstill der Moment, als wir von der Lichtung aus Max, mit goldenem Helm auf seinem Fahrrad, nachsahen, der Parzival gleich davonfuhr, zwischen den Bäumen verschwand, froh und unbedarft in die Welt, und Herzeloyde tot zusammenbrach. Viele Überlegungen zur Erziehung, der eigenen und der Parzivals, im Zusammenklang mit Kalil Gibrans Text „Zu den Kindern“ folgten. Einer der Fragenschwerpunkte: „Was brauchen wir, um in der Welt bestehen zu können, und wie erlangen wir dies? Was prägt uns, was macht uns zu unserem Ich?“ weiterlesen >>

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Fotos: U. Kaufmann

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Nach diesem Einstieg und täglichen Erzählungen machten wir uns genau dort, wo Parzival auf die Gralsburg kommt und die entscheidende Frage nicht stellt, ja nicht einmal noch ahnt, was er da verabsäumt, auf den Weg und fuhren nach Kirchschlag und wanderten den steilen Weg hinauf zur Burgruine. Dort begleiteten wir Parzival durch seine erste Gralsbegegnung, die, wo alles schiefgeht, wo er meint, völlig richtig Gurnemans’ Lehren umzusetzen und dennoch scheitert. Da, wo er die Fähigkeit gewinnt, seine Taten zu reflektieren, die Janusfähigkeit, nach vorne und nach hinten zu blicken. Da, wo er einen kurzen Blick auf das werfen kann, was seine Bestimmung ist. Die Schülerinnen und Schüler zeichneten, lauschten und waren gefordert, die Frage, die sich ihnen auftat, niederzuschreiben. Von da an waren wir gemeinsam auf der Gralssuche, mit Parzival und jeder für sich. Angeregt durch ergänzende Texte entstanden wunderbare Arbeiten, die von den Schülerinnen und Schülern gegenseitig gelesen und kommentiert wurden, meine Korrekturen waren nur ein zweiter Bogen, um die Schreibrichtigkeit zu gewährleisten. In der Abschlussarbeit gingen wir auch neue Wege, sie wurde in der Schule begonnen und konnte zu Hause fertiggestellt werden, im eigenen Tempo und Rhythmus. Im Vordergrund stand die Qualität der Texte, weniger als Herzblut wollte ich nicht sehen, dafür war der Rahmen weit gesteckt. Pünktlich waren die Arbeiten am Montag da, die Dichte und Qualität überzeugend, es war deutlich, dass Raum zum Experimentieren auch genutzt wurde. Noch in unterschiedlicher Geschicklichkeit, aber genau das ist ja auch eines der Themen dieser Epoche. Ursula Kaufmann

Hier ein paar den Themen zur Seite gestellte Texte sowie einige Auszüge aus Arbeiten: Von der tumbheit über den zwîvel zur Erkenntnis, wir alle müssen mehr oder weniger diesen Weg gehen. Doch finde ich, dass ihm diese Krise auch eine Chance gibt und ihm erstmals die Augen für etwas öffnet, das er bis dahin unwissend suchte. Denn erst nach diesem Fehler hat er für mich sein Lebensziel vor Augen und beginnt nun, nach der Erfüllung zu suchen. Letzten Endes stellt sich dieser Fehler wohl als die größte Chance in seinem Leben dar, auch wenn er dieses Gesicht erst spät zu erkennen gibt.

Das Fundament Sei wahr und wirf ihn weit zurück Den Schleier über Deinem Blick Und sie Dich wie einen Andren an Und benenn es alles was du getan! Die Wahrheit ist ein scharfes Schwert Das mitten durch die Seele fährt. Der Zauber weicht, es flieht der Schein, Die Luftgebäude stürzen ein Und wenn der Staub verronnen ist, So nimm Dich selber, wie Du bist. Und baue wieder und bau zu End Auf dieses bescheidene Fundament. Conrad Ferdinand Meyer

Parzival hat seine Fehler akzeptiert und baut nun wieder. Er hat in gewisser Weise zu sich selbst zurückgefunden und will sich sein Leben nun wieder aufbauen. Er widmet sich zwar immer noch dem Gral, so unermüdlich wie eh und je, doch trotzdem nicht ganz so unbedacht. Und vielleicht wählt ihn der Gral gerade deswegen wieder aus.

Die Trübung durch das Suchen ist vergangen – übrig bleibt Parzival als Mensch, welcher es gewagt hat, impulsiv zu sein, nach seinen Gefühlen zu handeln, sie zu reflektieren und seinem Glauben zu folgen. Doch schlussendlich als Mensch, der sich selbst erkannt hat.

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Man gab mir einen Körper

Kurzes Gebet

Man gab mir einen Körper – wer Sagt mir, wozu? Er ist nur mein, nur er.

Herr, laß mich werden, der ich bin In jedem Augenblick. Und gib, daß ich von Anbeginn Mich schick in mein Geschick.

Die stille Freude: atmen dürfen, leben. Wem sei der Dank dafür gegeben? Ich soll der Gärtner, soll die Blume sein. Im Kerker Welt, da bin ich nicht allein. Das Glas der Ewigkeit - behaucht: Mein Atem, meine Wärme drauf. Die Zeichnung auf dem Glas, die Schrift: Du liest sie nicht, erkennst sie nicht.

Ich spür, daß eine Hand mich hält Und führt, – bin ich auch nur Auf schwarzem oder weißem Feld Die stumme Schachfigur. Mascha Kaleko

Die Trübung, mag sie bald vergehn. Es bleibt die zarte Zeichnung stehn. Ossip Mandelstam: Hufeisenfinder. Gedichte. Leipzig 1993

Er kennt nun die Theorie, das Sollen, Müssen, Würden, Wären, Können, doch das „BIN“, darum geht es, es zu entdecken. Erneut wird er durch Kundry zur Gralsburg geholt. Er stellt die entscheidende Frage, wo er alles, was er gelernt hat, zurücklässt. Er stellt sie als „BIN“: „Oheim, was wirret dir?“

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Probenwochenende des Jugendorchesters „SchallMauer“

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ährend am Wochenende vom 14.-16. März in Wien der Sturm tobte, verbrachten bei warmer Luft und Frühlingssonne 38 musikbegeisterte Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren ein musikintensives, vergnügliches Probenwochenende. Im Bildungshaus Schloß Retzhof bei Leitring in der Südsteiermark wurden die Kinder mit gutem Essen, akustisch hervorragenden Proberäumen und gemütlichen Hotelzimmern verwöhnt. Das Jugendorchester „SchallMauer“ ist eine Kooperation der Freien Musikschule Wien und der Rudolf Steiner Schule Wien-Mauer. Stefan Albrecht, Jörg und Anna Dekan-Eixelsberger, musikalische Leitung und Ursula Bosch, Pianistin und Spieleabendemanagerin, konnten in diesen zwei Tagen ein musikalisch optimales Probenergebnis erzielen. In einer kleinen Abschluss-Matinee am Sonntag wurde dieses dem Küchenpersonal zum Besten gegeben. Am Mi. 28. 5. 2014 um 18.00 wird das „SchallMauer“ Orchester im großen Saal der Rudolf Steiner Schule in Wien-Mauer konzertieren. Besonders herzlicher Dank gilt unserem Sponsor, der diese drei Tage für alle finanziell erschwinglich werden ließ! Herzlichen Dank an alle Eltern, die wunderbar unterstützend das Orchester mittragen. Und natürlich vielen Dank an alle jungen Musiker des „SchallMauer“-Orchesters! Es war ein Vergnügen mit Euch an diesem einzigartigen Wochenende in Retzhof! Für Management und Betreuung Magdalena Pokorny

„Schnipsel“ zum Orchesterprobenwochenende Das Orchesterwochenende war nur cool und das Hotel auch!! Vor allem weil ich mit meiner BF im gleichen Zimmer war... Frida, 6. Klasse Das Orchesterwochenende war echt ein cooles Wochenende, es war einfach alles toll, also: Die Zimmer waren schön, der große Park war so groß und schön, dass wir uns in den Pausen richtig austoben konnten. Das Üben hat echt Spaß gemacht, auch wenn es manchmal anstrengend war, auch das Essen war super lecker und die Bedienung war total nett. Emelie, 6. Klasse Es war sehr lustig. Und die Zimmer waren schön. Paula, 6. Klasse Es war sehr schön und lustig. Ich hab nicht nur die Stücke besser spielen gelernt, sondern auch Federball spielen. Flora, 7. Klasse Wir fanden das Orchesterprobenwochenende sehr schön und freuen uns schon auf nächstes Jahr, wo es sicher wieder so lustig und schön wird. Leena, Aurelia und Rachel, 8. Klasse

weitere Termine: Samstag, 10. Mai, 11 Uhr, Kleiner Festsaal Blockflötenmatinee Es spielen SchülerInnen von A. Bösch und Th. List Mittwoch 14. 5., Donnerstag 15.5., 18 Uhr, Kleiner Festsaal „Das Zauberwort“, Singspiel von J. Rheinberger Aufgeführt von der 6. Klasse Freitag, 23. 5., 17 Uhr, Kleiner Festsaal Freie Musikschule Wien „Die Werkstatt der Schmetterlinge“ Konzert der Jüngsten

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KONZERT IN DER OTTO WAGNER KIRCHE Am STEINHOF W

elch ein äußerst respektables Niveau unser Oberstufenchor erreichen kann, hat sich am Mittwoch, dem 10.4.2014 in der Otto Wagner Kirche am Steinhof gezeigt. Schuberts Messe in G-Dur, vom Komponisten 18-jährig, in weniger als einer Woche geschrieben, forderte die jungen ChoristInnen mehr als bisher sonst. Umso erfreuter zeigte sich das zahlreich anwesende Publikum wie bravourös die jungen SängerInnen diese freudvolle Aufgabe meisterten. Gefördert von den bewährten Kräften unserer Musik-Lehrerschaft (vielen Dank an Frau Schindler und Herrn Albrecht) und unterstützt durch externe Solisten, waren sich die Zuhörinnen einig: das war eine Sternstunde des Chores. Leona Siber – vor sechs Jahren noch SchülerIn in Mauer und mittlerweile an der Musikhochschule in Linz Dirigat studierend – gab Chor, Orchester und den SolistInnen mit harmonisch-runden Bewegungen exakte Anweisungen, die beeindruckend schön anzusehen waren. In den Soloparts begeisterte der Sopran von Elisabeth Sturm, ob ihrer kristallklaren, extrem warmen Stimme. Ein besonderes Glück, so eine Könnerin gerade auch für unseren Unterstufenchor als Chorlehrerin zu haben. Auch Fernando Diaz, Musiklehrer der Karl Schubertschule als Tenor und der Bassist Alexander Tarko füllten den akustisch doch etwas schwierigen Kirchenraum mit professioneller Stimmführung aus. Gemeinsam mit Elisabeth Sturm gaben sie zudem den einzelnen Stimmlagen zusätzlichen Halt, weil sie nach ihren jeweiligen Solis auch im Chor mitsangen. Das war nicht nur bei den vielen doch sehr hohen Tönen in der Sopranlage - so eine junge Sängerin des Chores - eine willkommene Stütze. Das Jugendorchester „Schallmauer“ mit Gästen harmonierte mit dem Chor hervorragend, indem es „die Grazie (der Tonart), auf deren Blick ein Zug Schwermuth ruht“ (Charpentier 1690, die G-Dur beschreibend) in einer gelungene Mischung aus Jubilierendem und Getragenem vermittelte, umhüllt von erdnaher Basseswärme.

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Foto: K. Hruza

Wäre nicht Waldorf, wenn so eine schöne Messe nicht noch eine Bereicherung erführe. Der liturgische Inhalt von Kyrie (Sopran solo, Chor - G-Dur), Gloria (Sopran u. Bass solo, Chor - D-Dur, Credo: Chor - G-Dur), Sanctus (Chor - D-Dur), Benedictus: (Sopran, Tenor u. Bass solo, Chor - GDur moduliert nach D-Dur) sowie Agnus Dei (Sopran u. Bass solo, Chor - e-Moll moduliert nach G-Dur) wurde mit zusätzlichen, literarischen Beispielen dem Publikum näher gebracht. Zwischen den Teilen trugen Schülerinnen Gedichte und Gedanken vor, z.B. von R.M. Rilke oder Thomas Bernhard. Besonderen Dank der einen Vortragenden, die inmitten ihres Rezitats scheinbar irritiert die Bühne verließ, bei vielen von uns besorgte Gesten auslöste, dann seelenruhig wiederkehrte und nun mit dem in der Garderobe unerklärlicherweise liegen gebliebenen Blatt in Händen, den tollen Text zu Ende deklamierte. Insgesamt eine beglückende Aufführung, die in einen fulminanten Schlussapplaus mündete, weil Nervenstärke, gemeinsam geübte Orchester- und Gesangeskunst und familiär zu nennende Aufführungspraxis wieder einmal einen gelungenen Abend bescherte, den wir im positivsten Sinne als „typisch Waldorf“ wahrnehmen durften. Peter Gluchi

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Ostern

(von Bronja Zahlingen)

Es war einmal ein Brüderchen und ein Schwesterchen, die lebten in einem kleinen Dorf hoch oben in den Bergen. Dort dauerte der Winter sehr lange und der Schnee reichte oft bis an die Fenster. Wenn sie aus dem Haus wollten, musste der Vater erst einen Weg frei schaufeln, ehe sie sich draußen mit Ski oder Schlitten tummeln konnten. Im Häuschen brannte ein warmes Feuer und am Abend saß die Mutter da, strickte oder spann. Der Vater schnitzte oft ein Spielzeug für die Kinder und die Großmutter erzählte ihnen Geschichten.

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Manchmal, wenn sie gar nicht hinaus konnten, kratzte der Vater einen Teil des Fensters vom Eis frei, sodass sie gerade Platz hatten für die Nasenspitze und ein Guckloch für die Augen. Da sahen sie oft die langen Eiszapfen vom Dach herunterhängen. „Wenn ist der Winter endlich vorbei?“, fragten die Kinder. „Wird es denn nicht bald Frühling und wann wird denn Ostern sein?“ - „Wenn das erste Schneeglöckchen läutet.“, sagte die Mutter, „Das ruft den Frühling herbei.“ - „Wenn Silber und Gold zusammenkommen, dann wird´s Ostern.“, sagte die Großmutter.

Eines Morgens schien die Sonne freundlich und als die Kinder nach einigen Tagen wieder aus dem Fenster guckten, fiel schon der erste Tropfen von dem Eiszapfen und bald begannen auch die anderen zu schmelzen. Tropf, tropf, tropf – fiel es in den Schnee, der auch von Tag zu Tag weicher wurde. Bald rannen viele Bächlein ins Tal hinab. Die Kinder liefen mit festen Stiefeln im Freien umher und eines Tages fand das Schwesterlein wirklich das erste Schneeglöckchen. „Der Frühling kommt, ich höre ihn schon!“, rief sie voller Freude.

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Frühling im Kindergarten Am Sonntag darauf, als sie wieder ein Stückchen weiter lief, jubelte sie laut: „Ich sehe das Silber, ich sehe das Silber, hier, schaut her!“ Die Weidenkätzchen waren aufgewacht und ihre Silberpelzchen erglänzten im Sonnenschein. Der Vater kam, er schnitt ein paar Zweige ab und sie gingen damit zur Kirche; dort wurden sie geweiht. Am Ostersonntag wollten ja die Kinder mit den Palmzweiglein von Haus zu Haus gehen und ihr vertrautes Lied singen: „Palm, Palm Pause Ist die Frau zu Hause, wenn die Frau zu Hause ist, dass sie nicht das Ei vergisst, Osterei, Osterei, Osterei.“ (Volkstümlich)

Dann würde ihnen die Bauersfrau jedem ein Ei ins Körbchen legen. „Aber wo ist das Gold?“, fragte das Schwesterchen, „dass Ostern wirklich kommt?“ Eine Woche später war es soweit, der Haselbusch auf der anderen Seite des Hauses blühte und leuchtete, als hätte man ihn mit Gold behangen! „Silber und Gold, Silber und Gold, jetzt ist Ostern schon ganz nahe!“, rief das Schwesterchen. Der Vater sagte: „Ich weiß ein Rätsel von Silber und Gold, aber das ist schwer und erst für große Kinder: Wo findest du Gold und Silber zugleich, eine goldene Kugel im Silberteich?“ „Ich weiß, ich weiß!“, rief das Brüderchen, das schon zur Schule ging: „Im Ei!“ „Das ist wahr, du hast es erraten“, sagte das Schwesterchen. „Ich habe es selbst gesehen, wenn Mutter einen Kuchen bäckt.“ Großmutter nickte und sprach: „Ja, ja, der Silbermond und die goldene Sonne haben sich auch etwas Besonderes zu erzählen zu Ostern, wenn nämlich unser Herrgott die ganze Welt wieder zu neuem Leben erweckt.“

Bronja Zahlingen

Die Mutter aber rief: „Kommt Kinder, mir scheint, ich hätte da im Garten etwas vorbeihüpfen gesehen!“ „Der Osterhase!“, kam es von den Kindern. Sie eilten in den Garten und fanden unter den Büschen, bei den ersten Primeln und Veilchen und sogar in einem schattigen Schneeloch die schönsten Eier – gelbe rote, blaue und bunte. Es war Ostersonntag.

Ankündigung: Fotos: M. Svoboda

PUPPENSPIEL im Kindergarten

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„Das Waldhaus“ Donnerstag, 15.Mai 15.30, 16.30 Ein Gastspiel des Kindergartens Schönau

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50 Jahre Waldorf WENN EINS ZUM ANDEREN KOMMT… … dann geht es miteinander voran! Ein halbes Jahrhundert Waldorfunterricht ist ein Anlass, auch in der Geschichte des Kindergartens zu blättern, denkbar ist diese nur als Geschichte des Zusammenwirkens von Eltern und PädagogInnen.

Bauimpuls und Grundstein

Erweiterung

Ein Grundstück ohne Baurechtsgenehmigung, eine beachtliche Anzahl von Architekten in der Elternschaft der Schule und ein kleines Gemälde von Pieter Breughel: es war Bronja Zahlingen (1912 - 2000), die eins zum anderen brachte und entschlossen war, einen Kindergarten in Schulnähe aufzubauen. Manfred Kobel, Architekt und Schülervater, vertiefte sich besonders in die Bauformen und erreichte die Baugenehmigung für ein Gebäude mit einem zentralen Festraum und zwei symmetrisch daran anschließende Gruppenräume. Die Erstfinanzierung sicherte das von Kitty Wenckebach gespendete und um 500.000 Schilling verkaufte Gemälde und so konnte am 6. Mai 1972 die Grundsteinlegung in der Marktgemeindegasse 42 stattfinden. Die Wurzeln des Kindergartens reichen jedoch bereits zurück in das Jahr 1927 und sind verzweigt an mehreren früheren Standorten in der Innenstadt, bis er dann 1972 in Wien-Mauer seine endgültige Heimat findet und seitdem auch räumlich in enger Verbindung mit der Schule in Mauer steht.

War die Pionierzeit geprägt von Aufbauenthusiasmus, zu dem alle Beteiligten ihre besten Kräfte wie selbstverständlich einbrachten, so folgten darauf Jahrzehnte der Erweiterung und Konsolidierung. Zu den zwei ursprünglichen Gruppen kamen eine autonome Nachmittagsgruppe und eine 3-Tagesgruppe, die später auch zu einer Fünftagesgruppe wird. Ab 1997 beginnt die Umstellung auf Ganztagesbetrieb und 1998 wird eine Gruppe in der Endresstraße eröffnet. 2000 erfolgt ein groß angelegter Ausbau durch Aufsetzen eines Stockwerks für eine Kleinkindgruppe und eine alterserweiterte Gruppe, die nunmehr ebenfalls jüngeren Kindern vorbehalten bleibt. Derzeit bietet der Kindergarten Platz für 110 Kinder in sechs Gruppen. Er hat so seine anfängliche Kinderzahl mehr als verdoppelt und mit dieser Größe auch eine Grenze erreicht.

Entstandenes pflegen und weiterentwickeln Nun gilt es die entstandene Bausubstanz zu erhalten und ein reiches pädagogisches Erbe will gepflegt und weiterentwickelt werden. Eine solide Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Pädagoginnen erfordert immer intensiveren Austausch und ein sensibleres Aufeinander-Zugehen in beständigen kleinen Schritten, zumal die Kinder in zunehmend jüngerem Alter in den Kindergarten kommen und auch mehr Ganztagsbetreuung gebraucht wird.

Krise als neuer Impuls Eine Finanzkrise führt 2008 zur Gründung eines Elterngremiums – damals ein Novum im Kindergarten. 2009 bringt eine Ausweitung der öffentlichen Förderung große finanzielle Erleichterungen für Eltern und auch eine Lösung der Krise.

Der KINDERGARTENRAT als adäquates Gremium und weiterer Begegnungsort Das entstandene Elterngremium verlangt nach einer Weiterführung. Dabei wird von Elternseite zum Ausdruck gebracht, dass aufgrund der relativ kurzen Verweildauer im Kindergarten und der Tatsache, dass vielen Eltern die Grundzüge der Waldorf-

Kindergartenrat

Helga Freihsl

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in Österreich

pädagogik und der Selbstverwaltung noch nicht vertraut sind, eine Unterstützung durch das Kollegium gewünscht wird. Somit entwickelt sich ein paritätisch besetztes Gremium aus Eltern- und KollegiumsvertreterInnen, das unter der Bezeichnung Kindergartenrat als Kommunikationsbindeglied, als Beratungs-, Informations- und Organisationsorgan ein gemeinsames Arbeitsfeld findet. Ein wesentliches Element ist dabei die dort stattfindende vertiefende Grundlagenarbeit zu Texten und Themen der Waldorfpädagogik.

Inneres Wachstum durch „Wege zur Qualität“ Die stetige Arbeit an der Qualitätsentwicklung ist aus allen Bereichen der Selbstverwaltung nicht mehr wegzudenken und unterstützt auch die Bewältigung des – zum Teil von der öffentlichen Hand geforderten – vermehrten Verwaltungsaufwands und des erhöhten Kommunikationsbedarfs. Durch wachsendes Bewusstsein in den strukturellen und sozialen Prozessen kann der Kindergarten insbesondere nach innen weiterwachsen – wenn alle Beteiligten zusammenwirken und weiter dafür sorgen, dass eins zum anderen kommt. Ursula Dotzler

Bronja Zahlingen, Brigitte Goldmann

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Schwerpunkt 50 Jahre Waldorf: Im MoMent und in der Schule  M

an kann dem rückblickend eigentlich gar nicht genug Respekt und Hochachtung entgegenbringen: Drei Familien, die sich vor einem halben Jahrhundert zusammentaten, um etwas entstehen und über Jahrzehnte wachsen zu lassen: Eine neue Schule – eine ganze Bewegung. Markus Kühne, Johannes Steinbach und Martina Schirmer waren die Kinder, für die vor 50 Jahren in Wien-Meidling der erste häusliche Waldorf-Unterricht begann. Bald schon kamen die weiteren Pionierfamilien dazu: Familie Aigner, Hauser, Mikolasch, Stracke und Wilfan – und immer mehr, die eine andere und genau diese Pädagogik wollten. „Ich spürte Geistigkeit hinter jedem Wort“, erinnert sich beispielsweise Annette Dietrich an ihre erste Begegnung mit Elisabeth Zimmermann. 

Aus diesem Keim ist nach und nach die gesamte Waldorfbewegung der Zweiten Republik entstanden. Der häusliche Unterricht entwickelte sich direkt weiter zur Rudolf Steiner-Schule in Mauer; nach und nach fanden sich wieder weitere Familien, die weitere Keime setzten: In Wien, in Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck – zwölf Waldorfschulen sowie drei Integrations- und Heilpädagogische Schulen sind beim Waldorfbund Österreich derzeit aufgelistet. Einige dieser Schulen sind gerade jetzt in der Pionierphase – andere sind bereits mitten in der Weiterentwicklung und Reformarbeit. Wie unsere „UrSchule“ in Mauer. 

Diesem Impuls und Prozess widmen wir nicht nur hier im MoMent den folgenden Schwerpunkt zum Thema „50 Jahre Waldorf in Österreich“.   Am Freitag, 16. Mai um 17 Uhr, findet in unserer Schule eine Podiumsdiskussion zum Thema „50 Jahre Waldorf in Österreich – 50 Jahre gelebte Schulautonomie“ statt. Vertreter der politischen Parteien werden mit Vertretern der Waldorfbewegung diskutieren, moderiert wird diese Veranstaltung von Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid.  Und am Samstag, 14. Juni, wird den ganzen Tag lang der „Fünfziger“ gefeiert: Bei der Schulfeier am Vormittag, bei einem Festakt zur Mittagsstunde – und beim anschließenden Sommerfest: Mit Sportfest, Tombola, Kulinarischem, Musikalischem, Literarischem, Physikalischem und, und, und...  Roman David-Freihsl 

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Fotoreise durch die Schulgeschichte!


50 Jahre Waldorf in Ă–sterreich

Vor 50 Jahren begann in Wien in der MĂźhlfeld


dgasse 3 der h채usliche Unterricht,


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ehe die Schule 1969 ins renovierte Maurer ScHlĂśssl


mit 7 Klassen einzogen.


Vor 80 Jahren: die erste Waldorfschule in Wien 1927-1938 Das 50 Jahre Jubiläum der Rudolf Steiner-Schule in Mauer erlaubt auch einen Blick zurück auf die erste Waldorfschule in Wien von 1927-1938. Mitte der 20er Jahre war in Wien ein reges anthroposophisches Leben. Es war die Zeit nach dem Tod Rudolf Steiners und aus dem Enthusiasmus für Anthroposophie und die Neugestaltung der Erziehungskunst entstanden ein Kindergarten in der Siebensterngasse und eine erste Schule. 1927 wurde eine 1. und 2. Schulstufe mit gemeinsamem Unterricht in der Buchfeldgasse / 8. Bezirk begonnen. Nach einem Jahr ist die Schule 1928 in die Habsburgergasse übersiedelt. Die älteste Klasse bestand nur bis zur 4. Schulstufe und musste dann aufgelöst werden. Die folgende Klasse wurde durchgehend von der 1. bis zur 10. Klasse hochgeführt. Es folgten dann die weiteren Jahrgänge mit durchschnittlich 15 Schülern. Mit Schulschluss 1938 (die letzten Zeugnisse sind mit 2. Juli 1938 unterschrieben) wurde die Schule geschlossen. Mit der Schließung von Seiten der Schule wollte man einem Verbot durch die nationalsozialistische Partei vorweg greifen. Die Schüler der ältesten Klasse mussten jedes Schuljahr in der öffentlichen Schule Prüfungen ablegen, dadurch war das Öffentlichkeitsrecht für diese Klassenstufe erworben und allen weiteren Schülern blieb eine Prüfung erspart. Die Schule war in der Habsburgergasse, Ecke Graben („Raspers Haus“) untergebracht. Im ersten Stock waren zwei Wohnungen zusammen gelegt. Die Räume konnte man durch zwei breite Stiegenhäuser (Habsburgergasse und Bräunerstrasse) erreichen. Die Fenster waren vergittert. Mit der Türklingel wurde auch das Pausenzeichen gegeben. Die Klassenzimmer waren genügend groß. Weiters gab es eine Küche für den Kochunterricht, eine Werkstatt (die zweite ehemalige Küche) zum Modellieren, für Metallarbeit (Kupfer wurde am Gasherd geglüht) und als Holzwerkstatt, sowie einen Eurythmieraum und einen Musikraum. Es gab Elternabende, Feste (Faschingsfest, Rudolf Steiners Geburtsund Todestag) und einen Bazar zu Weihnachten. Abends wurde die Schule von der Eurythmieschule für deren Ausbildung genutzt.

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Aus Festschrift: 40 Jahre Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer (2007) Eurythmieaufführungen, Schultheateraufführungen (wie Wilhelm Tell, Iphigenie Baldurs Tod) Lesungen, Monatsfeiern, Konzerte fanden im so genannten „Blauen Saal“ in der Mariahilferstrasse 22, dem Raum der Anthroposophischen Gesellschaft statt. Die Gründungslehrer waren Gusti Bretter und Bertl Elbogen. Weitere Lehrerpersönlichkeiten waren Grittli Eckinger, Ilse Metaxa, Hermine Schmidt, Trude Thetter, Leopoldine Weisz, Helmut Alscher, Joseph Dworschak, Dr. H.E. Lauer, Wilhelm Mrazek, Dr. Ernst Zawischa, Friedrich Strasser. 1937/38 sind Lehrer aus deutschen Waldorfschulen nach deren Schließungen nach Wien gekommen. Dadurch hatte die Wiener Schule ein sehr hohes Niveau erhalten. (Dr. Friedrich Hiebel, Georg Unger, Dr. Ernst Blümel, Werner Lamerdin) Die Schule litt unter Geldnöten. Es gab wenige Familien, die das Budget großzügig getragen haben und Patenschaften für andere Kinder übernehmen konnten (zwei Namen sind noch gegenwärtig: Else Weisheit, Dr. F. Wantschura). Das Schulgeld war 30 Schilling (das entsprach dem Monatslohn eines Dienstmädchens, 1 Schilling war der Preis für 10 Eier). Es gab Kinder deren Eltern kein Schulgeld zahlen konnten. Eine Anzahl von Kindern kam aus anderen Ländern, deren Eltern beruflich in Wien waren. Auch seelenpflegebedürftige Kinder wurden in Klassen geführt. Der Einsatz der Lehrerpersönlichkeiten war groß, die Schwierigkeiten aber waren auch durch die zugespitzte politische Situation „übermenschlich“ und haben immer neue Auswege erfordert. Ein geordneter Schuljahresabschluss 1938 für die 150 Schüler war ihnen ein unbedingtes Anliegen. Nach der Schließung sind Lehrer und Schüler durch die politischen Ereignisse in alle Welt zerstoben. Es gab sorgfältige Bemühungen belastendes Material zu beseitigen, und so hatte die Mitarbeit an der Schule für niemanden direkte negative Folge. Aber so sind auch kaum Dokumente mehr vorhanden, die Zeugnis ablegen. In Wien und Niederösterreich leben vier Menschen: ehemalige Schüler und aus deren Erinnerung konnte dieser Bericht zusammengestellt werden. Es gibt aber über die Welt verstreut noch weitere „Ehemalige“ und in manchen „Lebenserinnerungen“ wird auch diese Schule erwähnt. Dr. Ruth Stiglechner-Haller

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Reformen auf dem Prüfstand Bericht vom

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s waren doch einige tiefgreifende Neuerungen, die mit Beginn dieses Schuljahres in unserer Schule eingeführt wurden: Vom längeren Hauptunterricht in der Unter- und Mittelstufe bis hin zum späteren Unterrichtsbeginn in der Oberstufe und der Neuausrichtung der Pausenzeiten. Ziel war und ist es, den Unterricht zu entschleunigen und in einen besseren Rhythmus zu bringen. Beim jüngsten Schulgemeinschaftstreffen am 22. März wurden die Maßnahmen wie vorgesehen reflektiert und die Evaluierung begonnen. Ein entscheidender Punkt dabei war: Es gibt derzeit noch keine Antworten für das kommende Schuljahr, sondern vorerst nur Wahrnehmungen – das Thema wird die Schulgemeinschaft noch weiter beschäftigen, wie Ursula Kaufmann feststellte. Anschließend berichtete Claudia Dragschitz von der Auswertung der Fragebögen, mit deren Hilfe die Sicht der Eltern in der Unter- und Mittelstufe erhoben worden war. Die Frage, ob das Kind in die Schulküche essen gehe, wurde von 98 Eltern mit „Ja“ und von 26 Eltern mit „Nein“ beantwortet. Im Schnitt wird die Schulküche zwei- bis dreimal pro Woche besucht. Je 43 Antworten gaben an, dass die Schulküche nun häufiger bzw. gleich häufig wie früher besucht wird – 19 Eltern erklärten, das Kind gehe nun weniger oft essen. Veränderungen der Nachmittagsaktivitäten waren von 49 Eltern bemerkt – und von 68 Elternteilen nicht bemerkt worden. Und dann die Gretchenfrage nach der Zufriedenheit: Unter den Fragebogen-Antworten sind 20 Eltern sehr zufrieden, 41 zufrieden, 25 antworteten neutral, 24 sind nicht zufrieden, fünf sehr unzufrieden – und acht antworteten mit „weiß nicht“. Die Antworten der Eltern zur Frage, was an Neuerungen bemerkt wurde: 39 Befragte gaben den späteren Schulschluss an und

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dass sie nun weniger Zeit für diverse andere Tätigkeiten hätten. 22 sehen keine Auswirkungen. Für 13 sind die Pausen zu lang. Neun finden, dass der längere Hauptunterricht gut sei, sieben Befragte finden die längeren Pausen gut. Sechs gaben an, die Kinder kämen nun entspannter nach Hause. Bei fünf Befragten kommt die Zweit-Epoche (nach der 10-Uhr-Pause) gut an. Fünf gaben an, dass es keine gleichmäßigen Endzeiten gebe und fünf weitere erklärten, es sei mehr Pausenaufsicht nötig. In einem weiteren Schritt wurden auch die Schülerinnen und Schüler direkt in den Klassen befragt. Die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe sind überwiegend vom längeren Hauptunterricht sehr angetan – vor allem jene der 5. und 6. Klasse. Die längeren Pausen sind manchen zu lange – und manchen zu kurz. Die 10-Uhr-Pause kommt überwiegend gut an – die längere Mittagspause hingegen eher weniger gut; für die meisten ist sie schlicht zu lange. Die Zweitepoche wird sehr gut angenommen. Und die Trennung von Mädchen und Buben in den Unterrichtsfächern Eurythmie und Russisch wird unterschiedlich wahrgenommen: In der 5. Klasse kommt die Maßnahme beispielsweise gut an – die Kinder der 6. und 7. Klasse hingegen sind davon weniger angetan. Im Lehrerkollegium kommt der verlängerte Hauptunterricht ebenfalls überwiegend gut an – wie auch die Zweitepoche nach der großen Vormittagspause. Aber auch hier wird die Mittagspause größtenteils als zu lange wahrgenommen. Anschließend berichtete Hannah Jordis über die Auswirkungen der Neuerungen in der Oberstufe. Im Lehrerkollegium wurde festgestellt, dass die erhoffte bessere Wachheit der Schülerinnen und Schüler durch den späteren Unterrichtsbeginn um 8:30 Uhr nicht wirklich wahrzunehmen sei – die SchülerInnen kommen vielmehr vermehrt zu spät. Das Zuspätkom-

men sei sogar noch extremer als im vergangenen Schuljahr. Auch hier wird die Mittagspause als tendenziell zu lange beschrieben. Bei einer Befragung der OberstufenSchülerInnen sprach sich eine Mehrheit für die Beibehaltung des späteren Schulbeginns aus. Schwierig sei auch der Turnunterricht ab 16 Uhr – weil dann Sportplätze außerhalb unserer Schule bereits von Vereinen besetzt sind. Und der Große Festsaal reicht für die Schule nicht aus. Schwierig sei es auch, kognitive Fächer am späteren Nachmittag zu unterrichten – bei einem derart späten Unterricht sei nur mehr ein geringer Lerneffekt möglich. Musikschule Wie Jörg Eixelsberger berichtete, werden seitens der Musikschule die Veränderungen negativ empfunden – weil die Stunden des Instrumentalunterrichts dadurch erst später beginnen können und die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler dann bereits deutlich reduziert ist. Durch das spätere Nachhausekommen ist auch das Üben beeinträchtigt. Es wird betont, wie wichtig es ist, ein Instrument zu lernen und dass dafür Zeit sein muss – gerade im Rahmen einer Waldorfschule. Diese Beobachtungen wurden durch Musikschülerinnen und Musikschüler unserer Freien Musikschule getroffen – die Problematik betrifft aber auch alle anderen Kinder, die außerhalb in anderen Musikschulen oder bei PrivatlehrerInnen ein Instrument lernen. Parallelen zu anderen Freizeitgestaltungen wie Sport und Ähnliches lägen nahe. Zusammenfassung: • Entschleunigung war und ist ein großes Thema und wurde vom Kollegium eher positiv wahrgenommen.

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Schulgemeinschaftstreffen am 22. März • Die Pausengestaltung muss noch weiter entwickelt werden. • Die Endzeiten sind unrhythmisch: Dies wird auch von manchen Fachlehrerinnen und Fachlehrern als schwierig empfunden. • In der Mittagspause gibt es kaum Gestaltungsmöglichkeiten. Falls es bei der Länge bleibt, soll überlegt werden, wie die Zeit noch besser genützt werden könnte – das Essen selbst dauert meist nur maximal zehn Minuten. Wie es nächstes Jahr weitergehen wird, soll der Elternschaft wahrscheinlich in schriftlicher Form mitgeteilt werden. Bei dringenden Angelegenheiten kann gerne auch jederzeit mit dem Lehrerkollegium Kontakt aufgenommen werden. Konfliktbearbeitungskreis Der Konfliktbearbeitungskreis möchte ab der nächsten Mandatierung von Vorstand, Elternrat, Kollegium und Kindergartenkollegium mandatiert werden – an diese Gremien wollen sie im Rahmen eines Schulgemeinschaftstreffens auch Rückblick und Rechenschaft geben und Entlastung bekommen. Derzeit werden im Konfliktbearbeitungskreis vor allem konkrete Konflikte bearbeitet - präventives Arbeiten sei nur bedingt möglich. Die Mitglieder wollen aber demnächst auch Klassenelternabende besuchen, um den Kreis bekannter zu machen. Veranstaltungs- und PR-Kreis Der Veranstaltungs- und PR-Kreis hat im vergangenen Jahr viele Veranstaltungen betreut und die Arbeit läuft nach eigener Wahrnehmung gut. Da gab es etwa das neue, große Sommerfest, den Nestroyabend, einen Beethovenabend, die Unterstützung beim Ball der 12. Klasse, Farbenfänger und vieles mehr.

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Eine Reihe von weiteren Veranstaltungen sind in Planung: Etwa eine Podiumsdiskussion mit Parlamentssprechern der Parteien am 16. Mai oder die Schulfeier und das anschließende Sommerfest am Samstag, den 14. Juni. In Vorbereitung ist eine professionelle Pressearbeit für den Bund der Waldorfschulen, von der auch unsere Schule profitieren wird. Allgemeiner Elternabend zum Thema Finanzen Um die kollektivvertraglich festgelegten Personalkosten unserer Schule im laufenden Schuljahr abdecken zu können, muss ein Drittel des monatlichen Elternbeitrages als Ausgleichszahlung eingeholt werden. Unter Berücksichtigung der Ausgleichszahlung könnte nach aktueller Vorschau das Defizit der Schule von 65.000.– Euro auf 31.000.– Euro im laufenden Jahr reduziert werden. Für das nächste Schuljahr ist eine Erhöhung der Elternbeiträge um 5 Prozent das Ziel. Zur Frage, ob der Staat die Kosten für die Gehälter der Lehrerinnen und Lehrer übernimmt, laufen seit langem intensive Gespräche zwischen allen Schulen freier Trägerschaft und der Politik. Das Jahr 2014 ist nun entscheidend, ob Lehrergehälter tatsächlich übernommen werden könnten. Dieser Schritt würde dem Staat 20 Millionen Euro mehr für alle Schulen in freier Trägerschaft kosten. Derzeit bekommen alle freien Schulen insgesamt ca. fünf Millionen Euro.

Cafeteria usf. Der Abriss des alten Gebäudes könnte möglich sein, da es nicht unter Denkmalschutz, sondern „nur“ unter Ensembleschutz steht. Eine Entscheidung darüber ist allerdings erst möglich, wenn ein fertiges Projekt vorliegt und eingereicht wird. Sollte es weitere Vorschläge von Elternseite zum Neubau geben, können diese bitte an die Elternräte der Klassen oder an den Baukreis geschickt werden. Die nächsten Schritte: Es werden ca. 20 bis 30 Architekten angeschrieben und eine Schuljury sucht dann aus den interessierten Architekten fünf aus. Diese fünf werden eingeladen, an einer Ausschreibung teilzunehmen. Wer diese Schuljury sein wird, ist derzeit noch unklar. Die dafür nötigen Finanzen aufzutreiben, ist eine Teilaufgabe der Baugruppe: Es sind durchaus auch öffentliche Unterstützungen möglich – diese sind gekoppelt an einen Ausbau zur Ganztagesschule. Es gibt Gespräche auch mit Stiftungen. Sollten die Lehrergehälter von Staat übernommen werden, könnten auch Teile der Elternbeiträge für den Neubau verwendet werden – bei gleichzeitiger Entlastung der Elternbeiträge. Als Baubeginn wird 2016/2017 angestrebt. Karin Schadl, Roman David-Freihsl

Neubau 113 Es wurden erste Vorschläge von Kollegium und Baukreis präsentiert. Geplant ist es, auf dem Gelände einen neuen, integrierten Schulbau zu errichten, in dem die Unterstufe Platz findet, aber auch weitere Nutzungen möglich sind. Wie etwa ein Turnsaal, Schulrestaurant, Bioladen und

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MARKUS KÜHNE im Gespräch Die österreichische Waldorfschule betreffend waren Sie Pionierkind. Wie war das damals für Sie? „Heute empfinde ich es als besonderes Geschenk. die Fähigkeit, neue Ufer anzustreben, neue Wege zu suchen und zu bahnen, neue Dinge und Produkte zu entwickeln, so ausgiebig gelernt zu haben.“ Was bedeutet es für Sie heute Waldorfschüler gewesen zu sein? „In Anbetracht des aktuellen Schulsystems in Deutschland und vor allem in Bayern bin ich meinen und den anderen beteiligten Eltern von Herzen dankbar, dass sie diese Anstrengung für mich, meine Kollegen und alle nachfolgenden Schüler unternommen haben.“ Fühlten sich die ehemaligen SchülerInnen als etwas Besonderes? Wenn ja, woran lag das? „Das vermag ich so nicht zu beantworten, das Gefühl ein Außenseiter zu sein hatte ich öfters, wie ich heute sehen darf, ist das für „Pioniere“ ein gängiges Lebensgefühl, denn, wie schon Konfuzius richtig sagt: nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!“ Welche Elemente der Anthroposophie haben Sie aus dem Schulalltag mitbekommen; was kam von der Familie dazu? „Das ist eine Frage, die ich so nicht zu beantworten vermag, denn dazu war mein Leben ein zu kontinuierlicher Lernprozess als dass ich das jetzt etikettieren könnte. Am prägnantesten hat sich mir das Leitmotiv der Waldorfschule eingeprägt: „Erziehung zur Freiheit - Erziehung zur Verantwortung!“ Wie haben Sie nach dieser Prägung Ihr eigenes gefunden? „Gemäß des obenstehenden Mottos ganz natürlich auf meinem Lebensweg“ Was war für Ihre weitere Lebensgestaltung förderlich und wichtig? Gab es auch etwas das hinderlich war? „Auch diese Frage kann ich heute so nicht beantworten, denn die Hindernisse meines Lebensweges waren zum Lernen da und die fördernden Dinge halfen voranzukommen. Explizit wichtig ist mir, meinem/unserem ersten Lehrer, Helmuth Gurlitt und meinem/ unserem Musiklehrer Gustav Gundersen zu 28 |

danken, ohne sie wäre manches in meinem jetzigen Beruf deutlich nicht so leicht gegangen. Vor allem hat mich Gundersens Enthusiasmus für das Leben und für die Kunst tief geprägt.“ Wie war Ihr weiterer Lebensweg? Was ist Ihre jetzige Tätigkeit? „Ein dorniger, spannender, vielfältiger, erlebnisreicher, niemals langweiliger Weg. Heute bin ich Sprecher, Sänger und Schauspieler.“ Wenn Sie z.B. das ehemalige Schulgebäude betreten, welche Veränderungen fallen Ihnen da auf? „Dass ich mich immer weniger daran erinnere, wie es früher war, aber das es ein sehr schönes Schulhaus ist.“ Existieren noch lebendige Kontakte zu ehemaligen MitschülerInnen oder Pädagoginnen? „Zu den Mitschülern eher erratisch und meistens nur bei Klassentreffen, von denen wir bisher eines hatten, zu den Lehrern eigentlich gar nicht mehr. Möglicherweise deswegen, weil die prägendsten Lehrer nicht mehr am Leben sind.“ Was würden Sie einer Waldorfschule heute auf den Weg mitgeben? „Sich auf ihr Kerngeschäft zu besinnen! Eine hochqualifizierte Eliteschule zu sein mit entsprechend gut ausgebildeten Lehrern. Betreuung sozial auffälliger Kinder kann nur begrenzt das Ziel der Schule sein, denn die Gesellschaft braucht gut ausgebildete, kompetente, fähige und begeisterte junge Menschen. Ich sage bewusst: die Gesellschaft, nicht die Wirtschaft! Die Waldorfpädagogik ist einzigartig und ein wirkliches Geschenk an die moderne Zivilisation. Sie zu erhalten, zu pflegen und vor allem weiter zu entwickeln, ist eine große Aufgabe, in der das Ziel die Kräfte einen sollte. Fast hundert Jahre nach dem Tode Rudolf Steiners ist es schwieriger den je geworden, auf der Basis des literarischen Werkes Steiners eine lebendige Arbeit und Entwicklung zu pflegen. Ich habe keine Ahnung, wohin diese Reise gehen wird, ich hoffe aber inständig, dass noch viele Generationen zu dieser aufbrechen werden.

gen Elementen der jetzigen Schuldebatte (Pisa-Test, Ganztagsschule, Lern- und Freizeit-Verschränkung)? „Ich verfolge die Debatte nicht! Der Drusch leeren Strohs ist nicht interessant!“ Würden Sie wieder in eine Waldorfschule gehen wollen? „Auf jeden Fall!“ Warum würden Sie empfehlen bzw. abraten, Kinder einer Waldorfschule anzuvertrauen? „Die Frage kann ich wieder nicht beantworten, denn jeder muss prüfen, was für sein Kind richtig ist. Dass die Waldorfschule ein ausgezeichnetes Angebot für einen erfolgreichen Start ins Leben sein kann, steht außer jedem Zweifel!“ Dürfen wir Sie bei einer der Festereignisse in Wien begrüßen (11. KlasseSingabend & Podiums-Diskussion mit den Bildungssprechern der österreichischen Parlamentsparteien am 16.5.2014 oder Schulfeier & Festakt, Sommerfest am 14.6.2014)? „Das hängt primär von meinen Aufträgen und Engagements ab. Wenn ich es richten kann, werde ich gerne dabei sein.“ Vielen Dank im Voraus für die freundliche Beantwortung der Fragen. Jörg Schmidbauer, ehemaliges Vorstandsmitglied Peter Gluchi,  Elternrat der 6. Klasse

Welche Position haben Sie zu den wichtiMoMent  Frühling 2014


50 Jahre Waldorf in Österreich Peter Gluchi im Gespräch mit Stephan Siber Anlässlich 50 Jahre Waldorfschule in Österreich nehmen wir vom „Moment“ Kontakt zu ehemaligen SchülerInnen aus unterschiedlichen Zeitabschnitten auf. Du warst in den 80iger Jahren Schüler und bist quasi „klassisch“ – nämlich aus dem Waldorfkindergarten kommend - eingestiegen?

musikalischer Umrahmung einer Monatsfeier auf der Geige etwas vorgespielt hatte, Herr Richter immer der Erste war, der gratulieren gekommen ist. Er war damals der Lehrer meines älteren Bruders, ein Lehrer, bei dem ich mir öfters gedacht habe, den hätte ich auch gerne als meinen Hauptunterrichtslehrer gehabt.“

„Ja, an die Kindergartenzeit – ich bin damals in der Gruppe von Brigitte Goldmann gewesen – habe ich eine sehr schöne Erinnerung ... Im Anschluss bin ich dann in die Maurer Schule gekommen.“

Warum hat es nicht geklappt?

Du kamst in die Schule, als Dein Bruder schon dort war. Deine anderen drei Geschwister kamen später dazu. Gab es eine Zeit, in der Ihr alle fünf an der Maurer Schule gewesen seid? „Nein, und zwar deshalb, weil ich nur relativ kurz an der Schule war. Ich war ja nur bis zur 5. Klasse in Mauer.“ Wie kam es dazu? „Die tatsächlichen Gründe habe ich eigentlich nie lückenlos herausfinden können. Ich bin jedenfalls nach Abschluss der 5. Klasse von der Schule „gegangen worden“. War das für Dich ein stimmiger Vorgang? „Dass ich die Schule verlassen musste, war gar nicht stimmig. Es gab seinerzeit vor allem Differenzen mit meinem damaligen Hauptunterrichtslehrer. Aber es war nun einmal so. Zu einigen LehrerInnen habe ich eine gute Beziehung gehabt, z. B. zu meiner Englischlehrerin Elisabeth Jordi, oder zu Frau Kogan, meiner Russischlehrerin. Ansonsten hatte ich auch herzliche Beziehungen zu anderen Unterrichtenden, wie etwa zu der damals als Musiklehrerin an der Maurer Schule tätigen Joanne Leekam oder zu Tobias Richter, mit dem ich auch heute noch in Kontakt stehe. Ich kann mich z.B. sehr gut erinnern, dass, wenn ich etwa zwecks Frühling 2014  MoMent

Das kann ich Dir nicht so genau sagen. Es gab wie schon erwähnt gravierende Diskrepanzen zwischen mir und meinem damaligen Hauptunterrichtslehrer. Man hatte mir vorgeworfen, dass ich vorlaut und schwierig gewesen wäre und den Unterricht laufend gestört hätte. Großteils Bezichtigungen, die ich auch rückblickend als reichlich ungerechtfertigt und unverhältnismäßig einstufen würde. Ich glaube, meine Eltern haben das damals auch ähnlich wahrgenommen. Ich hatte jedenfalls keine schlimmen Sachen angestellt, keine der üblichen Schülerstreiche gespielt, wie etwa in Kakao getränkte Tafelschwämme auf der Heizung gegrillt oder so ähnlich. Ich glaube, ich habe einfach durch meine Anwesenheit gewisse Lehrer, v.a. eben meinen damaligen Hauptunterrichtslehrer, irritiert; und damit konnte dieser offensichtlich nicht so gut umgehen. Womit denn nicht? Warst Du „Störfaktor“ in der Klasse? Das wurde zumindest behauptet, weshalb mein damaliger Lehrer es dann auch vorzog, mich als vermeintliche Ursache der pädagogischen Mangelerscheinungen seines Unterrichtes ausfindig zu machen und folglich als nicht länger zu duldenden Störfaktor zu eliminieren. Ich glaube jedoch, dass das – also, dass ich ein unüberwindbarer Störfaktor gewesen wäre – keineswegs der Fall war. Da müsste man jetzt meine ehemaligen Klassenkameraden fragen, wie die das gesehen haben. Ich erinnere mich auch an andere eher fragwürdige Gestalten, die teilweise jedoch nur ein, zwei Jahre als Lehrer an der Schule tätig waren und dann weiter gezogen sind. Es gab darunter vereinzelt Fälle, deren pä-

dagogisches Fehlverhalten heute zu einer sofortigen Suspendierung führen würde. Aber gut, das war auch eine andere Zeit. Es waren Mitte der 1980er Jahre generell – also völlig unabhängig von der Waldorfschule – sicherlich noch mehr Relikte „schwarzer Pädagogik“ vorhanden, als das Gott sei Dank heute der Fall ist. Und dein Umstieg in die Regelschule, wie war der dann? Der Umstieg war schon einigermaßen aufregend, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Ich habe in das Realgymnasium auf der „Schmelz“ gewechselt und dafür einiges nachlernen müssen, v.a. Mathematik, im Urlaub in Kroatien, zusammen mit meinem Vater. Der Umstieg ist mir dann aber einigermaßen leicht gefallen. Was hast Du aus der Waldorfschule mitgenommen? Was war hilfreich für deine weitere Schulzeit, bei dem Sprung ins andere Schulsystem? Ja, was habe ich mitgenommen? Ich habe ja relativ früh - im Alter von acht oder neun Jahren - begonnen, Geige zu spielen. Das war sicherlich etwas, was in der Waldorfschule gefördert wurde. Es haben ja viele hier begonnen, ein Instrument zu lernen, auch alle meine Geschwister. Später habe ich dann an der Musikuniversiweiterlesen >>

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tät Konzertfach Violine studiert. Auf der „Schmelz“ war ich damit gewissermaßen ein Exot. Alle haben gewusst, ich komme aus der Waldorfschule, bin ohne Fernseher aufgewachsen, habe kein Radio gehört, Popmusik schon gar nicht, nur klassische Musik, und spiele noch dazu Geige, also irgendwie … ich hatte folglich immer einen gewissen Sonderstatus … … als Außenseiter? … Ja, allerdings kein Außenseiter im herkömmlichen Sinn. Ich habe z.B. in der Pause manchmal kleine Konzerte in der Garderobe unseres Klassenzimmers gegeben und in anderen Klassen – aufgrund meiner Waldorfvergangenheit, die sich herumgesprochen hatte – Kurzreferate über Waldorfpädagogik gehalten. Ich hatte in vielerlei Hinsicht einen schwer definierbaren Sonderstatus! Du wurdest nicht gemieden, konntest soziale Kontakte sehr schnell wieder erlangen? Ja natürlich. Diesbezüglich gab‘s nie Probleme. Die fünf Jahre in Mauer: wie war das für Dich? Warst Du ein guter Schüler? Ich glaube, dass ich ein guter Schüler war. Ich hatte vielmehr das Gefühl, dass ich unterfordert war in dieser Zeit. Ich wollte tendenziell immer mehr lernen, mehr wissen, als vermittelt wurde. Es gab aber auch Lehrer, die mich sehr gefördert haben. Frau Kogan zum Beispiel, meine Russischlehrerin. Woran erinnerst Du Dich aus Deiner Maurer Schulkarriere noch? Eine besonders starke Erinnerung ist olfaktorischer Natur. Ich kann mich noch sehr gut an den Geruch der AURO-Naturfarben und Holzverkleidungslasuren erinnern, der als konstante Duftwolke durch die Gänge schwebte, und an den schönen Schulgarten, in dem wir sehr gerne Fangen, Verstecken und Versteinern gespielt haben. Auch einige Exkursionen in und rund um Wien sowie etliche Wandertage haben bleibende Erinnerungen hinterlassen. Ich erinnere mich auch gerne an meine liebe Handarbeitslehrerin Frau Trierenberg, mit der ich in den letzten Jahren auch wieder Kontakt hatte. Unter Anleitung von Frau Trieren-

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berg habe ich damals sogar ein Paar grüner Wollsocken gestrickt (wobei diesem Erstlingswerk bis heute keine weiteren eigenständigen Strickerzeugnisse gefolgt sind). Hast du gerne gestrickt? Ja, ich hab das damals wirklich gerne gemacht, was sicher an meiner bereits erwähnten Handarbeitslehrerin gelegen ist. Als wir dann später eine andere Lehrerin bekamen, stagnierte mein Interesse am Unterrichtsfach Handarbeit allerdings zusehends. Wie ist das nun im Rückblick: Ist Waldorf eine gute Option? Waldorf ist auf jeden Fall eine gute Option. Ich habe insbesondere ein wesentlich positiveres Bild von der Waldorfschule, als ich es eigentlich haben müsste, wenn ich lediglich meine eigenen – teilweise eben nicht ganz so guten – Erfahrungen meiner Schulzeit als Bewertungsgrundlage heranziehen und nicht mit einschließen würde, dass meine vier Geschwister, die ebenfalls alle in die Waldorfschule gingen, zum Großteil wesentlich bessere Erfahrungen gemacht haben als ich. Ich möchte hier auch noch anfügen, dass ich meine eigenen schwierigen Erfahrungen in der Waldorfschule rückblickend vorwiegend positiv beurteilen würde, und zwar vielleicht gerade auch deshalb, weil ich zwar gewisse Konfliktlagen und Dissonanzen erlebt habe, aus diesen Spannungen aber später gewisse soziale Erkenntnisse ableiten konnte, zu denen ich ohne diese Krisensituation möglicherweise nicht gelangt wäre. D.h. auch wenn diese Zeit schwierig war und ich mich ungerecht behandelt gefüllt habe, kann ich selbst dieser Situation etwas abgewinnen und dankbar sein, weil ja nur aus der Erfahrung von Problemen ein Problemlösungsbewusstsein entstehen kann, aus welchem sich wiederum neue Fähigkeiten entwickeln können, die man vorher noch nicht hatte. Insofern bereue ich es auf keinen Fall, in der Waldorfschule gewesen zu sein. Auch heute bin ich regelmäßig mit Waldorfschulen und -schülern, Waldorflehrern und Lehrerbildnern in Kontakt, beruflich wie privat. Ich bin z.B. damals voller Begeisterung in die vielen Theateraufführungen der Oberstufenklassen gegangen und habe mir immer gewünscht, auch an solchen Aufführungen teil-

nehmen zu können. Deswegen ist es mir u.a. auch besonders schwer gefallen, die Schule frühzeitig verlassen zu müssen. Ja, Waldorf ist auf jeden Fall eine gute Option. Natürlich hängt es immer davon ab, welche Lehrer jeweils zur Verfügung stehen. Also: wie gut sind sie ausgebildet, wie gern machen sie ihren Job? Aber auch: wie ist eine Klassenkonstellation, wie gut passt das jeweilige Kind in den gegebenen Kontext? All das würde ich mir, wenn ich ein Kind hätte und vor der Entscheidung einer Schulwahl stünde, vorab natürlich ganz genau anschauen. ... ist aber keine Garantie ... Selbst aus einer umfassenden Berücksichtigung der oben genannten Faktoren lässt sich natürlich keine Garantie für die richtige Schulwahl im konkreten Fall ableiten, diese Aussage gilt aber in gleicher Weise auch für Nicht-Waldorfschulen. Jedenfalls gibt es aus meiner Sicht sehr viel, was dafür spricht, dass ich mein Kind in eine Waldorfschule geben würde. Welche Elemente sind da für Dich ausschlaggebend? Ich würde einmal sagen, der Lehrplan mit dem Menschenbild, das dahinter steht. Dieses grundlegende Prinzip, dass es in der Waldorfschule nicht darum gehen soll, dass alle Kinder in einem Jahrgang in allen Fächern gleich gut sein müssen; dass der Lehrer vielmehr die Aufgabe hat, jedes Kind genau anzuschauen, und bestmöglich zu erkennen, welche besonderen Fähigkeitspotenziale in jedem einzelnen Kind vorhanden sind, was das Kind aus sich selbst heraus eigentlich entwickeln will. Das fordert natürlich unglaublich viel von den Lehrern. Es ist eigentlich eine fast nicht bewältig bare Aufgabe. Aber wenn diese Motivation, dieses Grundverständnis von Seiten des Lehrers vorhanden ist, dann ist das für mich die einzige Alternative, wie Erziehung heute aussehen soll. Du bist ohne Fernseher aufgewachsen und nun bist Du mit elektronischen Medien beruflich auf Du und Du. Wie kam‘s dazu?

MoMent  Frühling 2014


Das hat sich so ergeben, dass ich irgendwann - noch während der Schulzeit - begonnen habe, Aufgaben zu übernehmen, die nur auf einem Computer gemacht werden konnten. Zunächst war das reine Textverarbeitung bzw. Datenbank-Eingabe, dann habe ich aber relativ schnell gelernt, ziemlich gut mit dem Computer umzugehen und vor allem Computerprobleme beheben zu können. Nach der Matura hab ich mir meinen ersten eigenen Computer gekauft, aber vorher musste ich noch meinen Präsenzdienst beim Bundesheer ableisten. Hier bin ich zur Gardemusik gegangen ….

Arbeit im Zusammenhang mit der Idee der sozialen Plastik, eine Arbeit, deren Fokus auf die Persönlichkeit und das Werk des im Jahr 1880 in Wien verstorbenen Philosophen und Pädagogen Heinrich Marianus Deinhardt gerichtet ist, der – wie gerade erst wissenschaftlich nachgewiesen wird – der eigentliche Begründer der Heilpädagogik ist und dessen Texte auch Steiner in seiner frühen Wiener Zeit gelesen hatte – vor allem jene über Schillers ästhetische Erziehung des Menschen. Ich mache das noch die nächsten vier Jahre, berufsbegleitend. Ich pendle also derzeit hin und her und nebenbei muss ich mein Studium durch verschiedene Aufträge finanzieren.

… bist du groß genug gewesen ...

Eine Hinwendung bzw. Rückkehr zur Anthroposophie?

Ja, 177-einhalb, das ging gerade noch, und in Wien gibt es sogar ein GardeOrchester, sodass ich also auch als Geiger den Dienst antreten konnte. Nach dem Bundesheer habe ich begonnen, bei Apple als freier Systemberater zu arbeiten. Mittlerweile bin ich seit rund 15 Jahren in der IT-Branche tätig. In der Funktion eines Systemberaters sorge ich etwa dafür, dass Computer-Netzwerke funktionieren, in den Bereichen IT-Projektmanagement und Prozessberatung sehe ich mir hingegen Prozesse in einem Unternehmen an und überlege dann z.B., welche Arbeitsschritte effizienter auf IT-Ebene abgebildet werden könnten. Damit verdienst Du Dein Geld? Genau. Unter anderem. Womit noch? Ja, ich habe sehr viel gemacht im Lauf der letzten 15 Jahre: Webdesign, Grafik-Design, Systemberatung, Trainertätigkeit in der Erwachsenenbildung am WIFI, aber auch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: von 2009-2011/12 habe ich ja für das Rudolf Steiner-Jubiläumsjahr das Projektmanagement gemacht und … Jetzt aktuell beginnst Du einen neuen Zweig mit der Ausbildung in Oxford. Ja, jetzt promoviere ich gerade in Oxford am Social Sculpture Research Unit an der School of Arts der Oxford Brookes University. Ich schreibe dort eine

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Damals hatte ich mich überhaupt nicht mit Anthroposophie beschäftigt. Nachdem ich nach der Waldorfschule einen anderen Weg gegangen war, hatte ich zunächst eigentlich einen weiten Bogen um die Anthroposophie gemacht. Eine entsprechende „Hinwendung“ kam erst viel später, ich glaube das war ab dem Jahr 2006. Ich hatte damals gerade ein stark neoliberal ausgerichtetes Wirtschaftsinformatik-Studium abgeschlossen und kann mich erinnern, dass ich das Gefühl hatte, dass vieles von dem, was ich da zu lernen hatte, mir innerlich vollumfänglich widerspricht, meinen Werten, meiner Einstellung zum Leben, zur Welt, zu den Menschen. Und ich habe mir dann gedacht: Das kann nicht wirklich alles sein, was uns an Lösungsansätzen für die Zukunft zur Verfügung steht. Etwa zu dieser Zeit hatte dann das öffentliche Auftreten von Götz Werner im Zusammenhang mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens mein Interesse erweckt, der sich ja bekanntlich stark auf Ideen Steiners bezieht … Wer ist Götz Werner? Götz Werner ist der Begründer vom dm Drogeriemarkt und er hatte damals eben in diversen Interviews und Zeitungsartikeln Aussagen von Steiner zu sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhängen zitiert, die mein Interesse erweckten. Ich kann mich erinnern, dass der erste Vortragszy-

klus, den ich von Steiner damals gelesen hatte, den Titel „Soziale Zukunft“ trug. Der zugrundeliegende Anlass für mein Interesse an Steiner war sicherlich ein sukzessives Bewusstwerden der flächendeckenden Krisenlandschaft, in die wir kollektiv hineingeraten sind und in der wir uns aktuell nach wie vor befinden – wirtschaftlich, sozial, ökologisch. Das hat mir sicher etwas die Augen geöffnet und mich dazu geführt, einmal bei Steiner nachzuschlagen und in Erfahrung zu bringen, was da etwa schon vor 100 Jahren an Lösungsansätzen erarbeitet wurde, die man heute vielleicht wieder aufgreifen könnte und sollte. Ein würdiges Schlusswort. Danke für das Gespräch, lieber Stephan. Ja, abschließend kann ich nur gratulieren zu der unermüdlichen Arbeit, die bisher geleistet wurde in den vergangenen 50 Jahren und ich wünsche natürlich alles Gute für die Zukunft. Ich habe ja auch noch einige der Gründungspersönlichkeiten der Maurer Waldorfschule kennenlernen dürfen, etwa Elisabeth Gergely, zu der ich in den zwei Jahren vor Ihrem Tod noch regen Kontakt hatte; – die mich damals auch bekräftigt hatte, die seinerzeit anstehenden Aufgaben hinsichtlich des Rudolf SteinerJubiläumsjahres 2011 zu übernehmen. Mir bleibt nur mehr, Dich einzuladen zum Sommerfest am 14. Juni und vorher zur Diskussion der Bildungssprecher der politischen Parteien am 16. Mai. Ich hoffe, dass es - gerade in Hinblick auf die prekäre Bezahlungssituation der Lehrer an Waldorfschulen - bald gelingt, nachhaltige bildungspolitische Fortschritte zu erzielen. Zwar hab ich heute noch keine Kinder, aber wenn ich in Zukunft welche haben und weiterhin in Wien wohnen sollte, werde ich sicherlich in Betracht ziehen, sie in die Maurer Rudolf Steiner-Schule zu schicken. Vielleicht schaffen sie es ja dann länger als fünf Jahre (lacht). Ich danke Dir für das Gespräch. Das Gespräch führte Peter Gluchi.

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Schulautonomie I Was hat Schulautonomie in Österreich mit Waldorfschule zu tun? Das ist ganz klar – wir sind Schulen in freier Trägerschaft, das heißt autonome Schulen. Wir haben einen eigenen Lehrplan, haben eigene Qualitätsentwicklungsverfahren (oder arbeiten daran), arbeiten mit unserer Pädagogik nach Rudolf Steiner. Wir sind Statut-Schulen, die mit Öffentlichkeitsrecht ausgestattet sind, vom Staat genehmigt. Der Schulverwaltungsbereich wird selbst organisiert. Die große Qualität liegt hier in der Zusammenarbeit. Beziehungsdienstleistung, in erster Linie den Kindern gegenüber, danach allen gegenüber, die in dieser Schule und an

Angelika Lütkenhorst beantwortet zwei Fragen gestellt und zusammengefasst von Nadja Berke

dieser Schule arbeiten, steht an erster Stelle. Wir sind in einem ständigen Weiterentwickelungsprozess, was man an den verschiedenen Schulen und deren Organigrammen gut erkennen kann. Jede unserer Schulen geht diesen Prozess sehr unterschiedlich, eben autonom, an. Von Anfang an war Autonomie für die Gestaltung einer Waldorfschule Bedingung. Die Einladung zur Mitarbeit ist als Geste in jeder unserer Schulen vorhanden. Autonomie heißt, dass die Verantwortung bei jedem Einzelnen liegt. Also eine enorm hohe Anforderung an jeden Einzelnen. Autonomie hat viel mit Gestaltung am Ort zu tun,

Ein oft gehörtes Vorurteil gegenüber Waldorfschulen ist jenes, dass hier nur Kinder wohlhabender Eltern hingehen. Dieses Argument kommt immer wieder, egal wie oft man auf den Ursprung hindeutet, dass diese Schulen ja aus einem ganz anderen Impuls heraus gegründet, und auch aus ganz anderen Impulsen heraus weitergeführt und weiter entwickelt werden. Warum dringen wir da mit dem was wirklich war und ist nicht durch?

rascht, wie viele unserer Schüler die Beihilfe ab der 10. Schulstufe oder den Zuschuss zur Unterstützung für Schulveranstaltungen (Kulturreisen, Skiwochen, etc.) genehmigt bekommen – da entpuppt sich dann die Realität. Denn wenn diese Schüler diese Zuschüsse bekommen, bedeutet das, dass die Eltern am Existenzminimum leben und es bedeutet auch, dass sie von dem Wenigen einen Teil der Schule geben, damit diese weiter bestehen kann.)

Weil ein Körnchen Wahrheit darinnen steckt.

Warum das so ist, ist leider ungerecht. Der Bund, so muss man sarkastisch sagen, hat es geschafft, uns doch immer wieder so viel zu fördern, dass wir gerade noch überleben können. Subventionen vom Bund an die Schulen in freier Trägerschaft sind Ermessensausgaben. Schulen in der Größe der Waldorfschulen sind angewiesen auf die Gelder des Bundes.

Wenn Schulgeld gebraucht wird, ist das so. Wenn Eltern es auf sich nehmen, neben den Steuern, die sie für das öffentliche Schulsystem mit bezahlen, auch noch Schulgeld für eine Schule ihrer Wahl zu geben, dann ist das eine Art von Wohlstand. Hier geht es um Menschen, die ihr Leben bewusst gestalten wollen. Menschen, die bereit sind ihre Mittel – auch wenn es wenige Mittel sind – in die Entwicklung ihrer Kinder zu stecken. Da sich die Waldorfschulen zu 80% selbst tragen müssen, bedeutet das, dass es Elternbeiträge geben muss. Unsere Schulen leben, kann man so sagen, vom Konsumverzicht. Geld wird statt in Reisen, neue Autos oder den einen oder anderen kleinen Luxus in die Schule gesteckt. (Ich bin dann doch immer wieder über 32 32 | |

Der Waldorfbund Österreich kämpft mit „EFFE“ seit vielen Jahren um eine Gleichstellung ALLER Schulen in freier Trägerschaft. EFFE Österreich ist der Dachverband der Schulen in freier Trägerschaft mit Öffentlichkeitsrecht (oder die dieses anstreben, bzw. häuslich organisiertem Unterricht), in denen die Verbände: Netzwerk Freier Schulen, Österreichische Montessori Gesellschaft, Kuratorium für heilende und künstlerische Pädagogik und der Waldorfbund Österreich Mitglieder sind. Mit anderen Verbänden von

mit Teambildung, mit der Fähigkeit zur Zusammenarbeit. PädagogInnen und Eltern sind gemeinsam an der Trägerschaft unserer Schulen beteiligt. Als Gesamtschule in freier Trägerschaft bis zur 12. Schulstufe sind die Waldorfschulen einzigartig in Österreich und sind die ältesten Schulen in freier Trägerschaft in diesem Land. Zahlenmäßig bilden die rund 2.500 Schüler der österreichischen Waldorfschulen fast die Hälfte der rund 5.500 Schüler aller Schulen in freier Trägerschaft.

Schulen in freier Trägerschaft besteht eine gute Zusammenarbeit. Derzeit werden vom Unterrichtsministerium rund 1.000,- Euro pro Jahr und SchülerIn als Subvention an die Schulverbände zur Weiterleitung an die Schulen überwiesen. Die Unterstützung durch die Länder und Gemeinden ist sehr unterschiedlich und willkürlich, deckt aber in keinem Fall den Bedarf. Laut OECD Bericht 2009 (Erfassungszeitraum 2006) betragen die öffentlichen Ausgaben pro SchülerIn/Jahr in der Volksschule 4.935,- Euro, für die Hauptschule 6.884,- Euro, für die AHS 7.249,- Euro. Man könnte also sagen: Die Waldorfschulen sind „Weltmeister im Verwalten des Mangels“ – wahrscheinlich auch deshalb haben unsere Schüler bei PISA so gut in den Problemlösungskompetenzen abgeschnitten. Apropos PISA – insgesamt liegen wir zwischen berufsbildenden Schulen und AHS (8. und 9. Klasse). Deutliche höhere Kompetenzen als der Österreich-Durchschnitt haben unsere Schüler in Motivation, Problemlösungskompetenz und in den Naturwissenschaften im Bezug auf Eigenbeteiligung. Auch die Beziehungsqualität zwischen Lehrern und Schülern ist deutlich höher. MoMent  Frühling 2014


50 Jahre Waldorf in Österreich Schulautonomie II „ ... Die bestbezahlten Beamten der Zukunft werden die Lehrer sein. Die Aufgabe die Kinder zu wahren Menschen zu erziehen, ist die höchste und schwerste Aufgabe. Das Ziel der echten Erziehung soll heißen: Es gibt keine Trägheit des Herzens mehr!“ Wie gesagt, das unterschrieben alle Staatshäupter ...“ Das ist der letzte von 5 Punkten des Vertrages, der am Ende von Erich Kästners Buch „Die Konferenz der Tiere“ von den menschlichen Staatsoberhäuptern unterzeichnet wird und somit ein frohes Ende einer langen Geschichte bezeichnet. Erschienen ist das Buch 1949. Seither hat sich Erich Kästners Traum im Allgemeinen (von dem er wohl wusste, wie utopisch er ist – lest mal die Punkte 1-4!) nicht erfüllt. Wir schreiben das Jahr 2014, Waldorfschule Wien-Mauer: Im Speziellen sind wir in unserer Utopie bescheiden geworden. Wir wollen ja gar nicht davon sprechen, dass unsere Lehrer die Bestverdiener dieser Breitengrade sein sollen. Wir wollen eigentlich nur, dass sie genauso gut oder schlecht bezahlt werden wie alle anderen Lehrer in diesen Breiten. Dass Waldorfschulen in Österreich seit 50 Jahren existieren, ist mehr als erstaunlich, denn Waldorfschulen finanzieren sich größtenteils über Elternbeiträge. Vor allem die Lehrergehälter finanzieren sich über diese Beiträge.

Dass das wiederum möglich ist, kann keiner so trefflich formulieren wie Matthias Maurer in der „Erziehungskunst“ im Herbst 2003: „Eltern, die ihre Kinder einer Waldorfschule anvertrauen, leben im Überfluss: Sie haben überflüssiges Geld, um – neben ihren Steuerabgaben, die das staatliche Bildungssystem finanzieren – das Schulgeld bezahlen zu können; sie haben neben ihrer Berufstätigkeit und privaten Haushaltsführung – überflüssige Zeit und Energie, um sich an einer Waldorfschule zum Beispiel als Vereinsvorstand oder beim Kerzenziehen für den Adventsbasar zu engagieren; und sie verfügen über ein überschüssiges geistiges Interesse, um sich auf eine ungewöhnliche Weltanschauung einzulassen, die dieser Pädagogik zu Grunde liegt.“ Dass unsere Lehrer trotz der Weniger-Bezahlung bleiben, weiter arbeiten, sich den Kindern und der Pädagogik weiterhin verschreiben, kann nur damit zu tun haben, was uns allen so wichtig erscheint: mit der Neugier gegenüber einer seit langer Zeit funktionierenden Pädagogik, die das einzelne Kind und dessen individuelle Entwicklung in einer sich ständig ändernden Welt in den Mittelpunkt stellt, an dem aktiven Bestreben zur Weiterentwicklung dieser Pädagogik, der Bereitschaft zur Mitarbeit an der autonomen Struktur, die dazu von Nöten ist – und mit einem regen Herzen. Reformpädagogische Ansätze und Umsetzungen in Verbindung mit Schulautonomie gibt es überall rund um uns. Wenn man sich mit der Thematik der Schulautonomie in Österreich auseinandersetzt, stößt man aller-

Angelika Lütkenhorst, geboren 1954 und aufgewachsen in Duisburg. Nach dem Studium der Sonderpädagogik und Geburt der beiden Kinder Jonathan und Karolin Übersiedlung nach Wien im Jahr 1984. Ab 1985 ehrenamtliche Mitarbeit bei amnesty international, dort u.a. Leitung der Koordinationsgruppe Bulgarien und Leitung des Mitgliederreferats. Ab 1988 Mitarbeit an der Gründung einer Waldorfschule in Mödling (heute: Rudolf Steiner Landschule Schönau). Ausbildung zur Waldorflehrerin an der Goetheanistischen Studienstätte in Wien-Mauer von 1992-1995. Seit 1995 Lehrerin und geschäftsführende Mitarbeiterin des Vorstands an der Rudolf Steiner Landschule Schönau. Langjährige Mitarbeit im Bund der Freien Waldorfschulen in Österreich.

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orts auf viele verschiedene spannende Modelle. Dass unsere Waldorfschulen schon seit langem eine Möglichkeit der Schulautonomie vorleben, ist eine Tatsache. Ich fand als Grußwort zur Festschrift unserer Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer zur 40-Jahr-Feier von 2007 folgende Zeilen der amtsführenden Präsidentin des Stadtschulrats für Wien, Frau Dr. Susanne Brandsteidl: „...Auf Grund der Tatsache, dass der pädagogische Ansatz heute nicht mehr lautet „Wie bringe ich den SchülerInnen möglichst viel bei, um sie aufs Leben vorzubereiten?“, sondern „Wie kann ich die SchülerInnen dabei unterstützen, ihre Fähigkeiten und Talente bestmöglich zu entfalten und sie zu einem eigenverantwortlichen lebenslangen Lernen befähigen?“ haben in den letzten Jahren die reformpädagogischen Ansätze in der Schule immer mehr an Bedeutung gewonnen... ...Ich möchte das 40-jährige Bestehen der Wiener Waldorfschulen nun zum Anlass nehmen und mich bei der Waldorfschulbewegung bedanken, da sie mit ihrem „Tun und Handeln“ einer der Wegbereiter war, damit die Reformpädagogik in der „Schule von Heute“ diesen wichtigen und anerkannten Stellenwert einnehmen konnte...“ Wir werden also gesehen und geschätzt. Niederschlag in Form einer finanziellen Gleichstellung mit öffentlichen Schulen hat das aber leider noch nicht gefunden. Gerade in Zeiten der Einsparungen im Bildungssystem sollte das Vorbild unserer gelebten Schulautonomie auch im Verwaltungsbereich endlich honoriert werden. Das Europäische Forum für Freiheit im Bildungswesen, EFFE, kämpft seit Jahren, auch im Namen des Waldorfbunds Österreich, für eine faire finanzielle Behandlung unserer SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen. Diese finanzielle Gleichbehandlung ist die Grundlage für die freie Schulwahl, da kein Kind aus wirtschaftlichen Gründen davon ausgeschlossen sein darf. EFFE fordert vom Bund die Summe des Geldes für jeden Schüler und jede weiterlesen >>

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Schulautonomie II Schülerin, die in den öffentlichen und konfessionellen Schulen für pädagogisches Personal (also die LehrerInnen) zur Verfügung gestellt wird. Dies sollte durch vertragliche oder gesetzliche Lösungen gesichert werden. Hier eröffnet sich sehr deutlich unser soziales Dilemma, das Dilemma der Waldorfschulen in Österreich. Ganz speziell das Dilemma an unserer Schule, der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer. Schulautonomie hat für uns einen hohen Preis. Wir versuchen nach besten Möglichkeiten die Schule für ALLE Kinder offen zu halten, völlig gleichgültig welcher – im speziellen Thema wirtschaftlichen – Herkunft sie sind. Einkommensabhängig ist daher unser System der Berechnung in Kombination mit persönlichen Gesprächen und gemeinsam

festgelegten Beiträgen, in der Hoffnung, damit für ALLE die Möglichkeit zu eröffnen, ihr Kind an unsere Schule geben zu können. So kann es eben sein, dass es nur allzu oft finanzielle Engpässe gibt, die unsere Pädagogen zu spüren bekommen, bzw. unsere Eltern, die in Form von Ausgleichszahlungen (damit ein qualitätsvoller Unterricht weiterhin ermöglicht werden kann) noch einmal zur Kassa gebeten werden. Denn das Kind soll davon unberührt bleiben. In ein solches System immer noch und immer wieder Pädagogen zu bekommen, die das trotz dieser Umstände auf sich nehmen, zusätzliche Ausbildungen absolvieren, aus Überzeugung für eine Pädagogik nach Rudolf Steiner, spricht für sich – spricht für diese Pädagogen und für diese Pädagogik. Ich freue mich auf den Tag, an dem wir den

Vertrag unterzeichnen werden und unsere Namen unter die Kästner´sche Zeile „Es gibt keine Trägheit des Herzens mehr!“ setzen können. Nadja Berke Weiterlesen: Die Konferenz der Tiere, Roman von Erich Kästner Weblinks: http://www.effe.at http://www.erziehungskunst.de https://www.bifie.at/buch/1024

Schulautonomie III Autonomie der Schulen In den Niederlanden werden ca. 75% der Schulen von Lehrer- und Elterninitiativen selbst geführt. Das bedeutet, dass der Staat nur dort Schulen führt, wo es keine solchen Initiativen gibt. Warum ist das wohl so? Weil die Niederländer sozial und demokratiepolitisch sehr liberal denken und handeln. Zudem ist dies auch kostensparender. Wenn es z.B. verantwortungsvolle Initiativen (Waldorf, Freinet, Montessori, Dalton, Jena Plan etc.) gibt, die ein entsprechendes Schulkonzept vorlegen, dann ist die Aufgabe des „Staates“, diese Konzepte zu prüfen, die Geldmittel zur Verfügung zu stellen und darauf zu achten, dass Sinn, Zweck und Ziel auch wirklich erreicht werden. Grundsätzlich sind in Holland freie Schulinitiativen erwünscht und darum erhalten sie auch die gleichen Finanzmittel wie die staatlich geführten Schulen. Überall dort, wo es keine Initiativen gibt, sieht der Staat es als seine Pflicht, die Rechte der Kinder zu wah 34 34 | |

ren, indem er für sie die Schulen führt – finanzieren muss er sie im Interesse des Allgemeinwohles immer. In Österreich ist diese Sache seit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht „absolutistisch“ geregelt. Damals – zur Zeit des aufgeklärten Absolutismus – übernahm der Staat die Verantwortung für das Schulwesen und hielt sich aus den geistlich geführten Schulen heraus. Daraus resultiert, dass gegenwärtig nur konfessionelle Schule finanziell gleichbehandelt werden, freie Schulen jedoch nicht. Dies ist eine Ungleichbehandlung und stellt eine soziale Ungerechtigkeit dar.

Gleichbehandlung würde die österreichische Bildungslandschaft ganz sicher positiv beleben und dem Geiste eines weltoffenen Europas entgegenkommen. Edgar Hernegger Bundeselternsprecher der österr. Schulen in freier Trägerschaft Weblink: http://freieschulwahl.at/

Wir leben heute nicht mehr im Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus, sondern in einer europäischen Demokratie. Die Frage ist: Ob Eltern als Steuerzahler in Österreich endlich die Freiheit erhalten, ihre Kinder in selbstgewählte Schulen zu schicken ohne dafür finanziell bestraft zu werden? Die Befreiung der Eltern vom „Schulgeld“ durch eine MoMent  Frühling 2014


MÄRCHENBÜHNE DER APFELBAUM

Figurentheater für Kinder ab dem 4. Lebensjahr Eintritt: € 8,00

MÄRCHENBÜHNE DER APFELBAUM / DAS OFF THEATER, Kirchengasse 41, 1070 Wien Kartenreservierung: 01/523 17 29-20, Sa/So 13:00-15:00 0676/5700820, apfelbaum@maerchenbuehne.at , www.maerchenbuehne.at

ROTKÄPPCHEN 4+ Ein Märchen der Gebrüder Grimm Ein kleines Mädchen bekommt von seiner Großmutter ein rotes Samtkäppchen, und da es dieses nicht mehr missen möchte, wird es von allen, das Rotkäppchen genannt. Als eines Tages die Großmutter erkrankt, und das Kind ihr Kuchen und Wein bringen soll, da begegnet ihm im Wald der Wolf. Rotkäppchen zeigt so klar und überzeugend wie kein anderes Märchen die Überwindung des Bösen und der Angst. Wir setzen diese Geschichte in eine humorvolle Rahmenhandlung. Ein Vergnügen für Jung und Alt! SA/SO 17./18.5., FR 23.5. (anschl. Tanz), SA 24.5. jeweils 16:00

MÄRCHENTHEATERTAG   3+ Ein Nachmittag mit drei unserer schönsten Märchen aus dem Wandertheater. Lassen Sie sich mit köstlichen Mehlspeisen in unserem Kaffeehaus verwöhnen, währenddessen können Ihre Kinder basteln und malen. SA  31.5.: 15:00 Das Waldhaus, 16:00 Die Bremer Stadtmusikanten, 17:00 Spindel, Weberschiffchen und Nadel MUSIK – PUPPENSPIEL – TANZ  3+ Eine Kooperation der Märchenbühne Der Apfelbaum mit dem Ensemble Allegria: DAS KLEINE ICH BIN ICH nach Mira Lobe „Auf der bunten Blumenwiese geht ein buntes Tier spazieren.“ Ein kleines Wesen auf der Suche nach seiner Identität. SO 1.6. um 11:00 und 15:00, SO 15.6.  um 11:00 und 15:00 

Der Konfliktbearbeitungskreis (KBK)  braucht neue Mitglieder Wir laden alle herzlichst ein, für die dringend notwendige Nachbesetzung des KonfliktBearbeitungsKreises bis Ende Mai Personen zu nennen (nach Rücksprache mit diesen), die bereit sind, diesen mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit zu unterstützen. Folgende Qualifikationen sind dafür nötig:  • Verbundenheit mit der Schule bzw. dem Kindergarten  • Sozialkompetenz  • Grundwissen über die Waldorfpädagogik  • Fähigkeiten in der Gesprächsführung und Konfliktbegleitung • und die Bereitschaft, sich in diesen Bereichen weiterzubilden.

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Meldungen nach Möglichkeit schriftlich an: elternrat@waldorf-mauer.at  oder vorstand@waldorf-mauer.at oder persönlich an jedes der unterzeichneten Gremien. Die einlangenden Meldungen müssen durch Kindergartenkollegium, Schulkollegium, Elternrat und Vorstand bestätigt werden. Wir erwarten Ihre Nominierungen!  Elternrat, Kindergartenkollegium, Schulkollegium, Vorstand

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Der Bioladen als Dorfbrunnen von Der Bioladen „aus gutem grund“ hat Konkurrenz bekommen. Eine gute Gelegenheit, wieder einmal nachzufragen, welche guten Gründe Esche Schörghofers Laden auszeichnen. In der letzten Ausgabe von MoMent (Seite 22 ff) erschien der 1. Teil des Interviews. MoMent: Gelegentlich entsteht der Eindruck, dass heutzutage Bio gekauft wird, weil es eben gesund ist. Aber der Bioladen „aus gutem grund“ steht doch für weit mehr. Was waren eigentlich Deine Motive, dieses Gschäft zu übernehmen? Esche Schörghofer: Was meine Motive betrifft, muss ich noch einmal einen kurzen Abstecher in die Geschichte des Demeterhauses machen. Den Gründerinnen und Gründern war bekannt, dass Rudolf Steiner auf die Frage, warum die anthroposophische Bewegung sich so schleppend entwickle, geantwortet hat: „Das ist eine Frage der Ernährung.“ Ich halte Steiner je grundsätzlich für einen der bedeutendsten Visionäre auf dem Gebiet der Landwirtschaft und der Ernährung. MoMent: Könntest Du konkrete Beispiele nennen? Esche: In den 1920er Jahren hat Steiner den Rinderwahnsinn vorausgesehen, wenn das Vieh mit fleischlicher Nahrung gefüttert wird. Steiner hat vor 90 Jahren gesagt, dass die Bienen in 80 Jahren aussterben werden, wenn die damals noch relativ neue Art der Bienenhaltung fortgesetzt würde. Interessanterweise hat Steiner das mögliche Aussterben der Bienen nicht mit schädlichen Umwelteinflüssen begründet, sondern sprach von der Art der Haltung. Seiner Meinung nach seien drei Grundsätze der Bienenhaltung unabdingbar, um das Überleben der Bienen sicherzustellen: Völkervermehrung im Naturschwarm, Naturwabenbau und Verzicht auf künstliche Königinnenzucht. Als weiteres Beispiel möchte ich die Lichtwurzel anführen, die Steiner als wesentliche Pflanze der Zukunft bezeichnet hat. 90 Jahre später sind wir übrigens das einzige Geschäft in Wien, in dem man nicht nur Lichtwurzelpulver, sondern die Pflanze selbst kaufen kann.

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MoMent: Im ersten Teil dieses Interviews wolltest Du das Bio-Angebot noch reduzieren, um die Qualität zu steigern. Esche: Ich hatte gesagt, dass die Anzahl verfügbarer Bioprodukte rasant gestiegen ist. Gleichzeitig muss ich aber bei meinen Großhändlern immer noch fast wöchentlich darum kämpfen, ja, kämpfen, bestimmte Produkte in biologisch-dynamischer Qualität überhaupt zu bekommen. Demeter-Waren zu erhalten, ist auch nach 90 Jahren biologisch-dynamischer Landwirtschaft keine Selbstverständlichkeit. Das Bewusstsein über die einzigartige Qualität dieser Produkte fehlt. Was macht die Besonderheit der biologisch-dynamischen Produkte aus, warum liegen sie Dir derart am Herzen? Esche: Dafür gibt es zahlreiche Gründe, ich nenne hier nur 3. Zum 1.: Biologisch-dynamische Landwirtschaft lässt die bearbeiteten Böden besser, mit einem reicheren Bodenleben und reicherem Mineraliengehalt zurück, als sie der Landwirt ursprünglich vorgefunden hat. Das eindrücklichste Beispiel ist das Projekt Sekem in Ägypten, wo es mit bio-dynamischer Landwirtschaft gelingt, sogar Wüstenboden in Agrarland umzuwandeln. Vielleicht begeistert mich das so, weil es sich mit einem meiner Lebensziele deckt: Ich möchte den Platz, an dem ich lebe, ein bisschen besser zurücklassen, als ich ihn vorgefunden habe. Zum 2.: Die Frage des Saatgutes, die für das Überleben der zukünftigen Erdbevölkerung zentral ist. Die bio-dynamische Landwirtschaft setzt als einzige (!!) Landwirtschaftsbewegung konsequent auf samenfeste Sorten. Was sind samenfeste Sorten? Das sind Sorten, die, beginnend mit der Wildsorte, in einem Kontinuum tausender Jahre stehen. Der jeweilige Züchter lenkt die Sorte in eine von ihm gewünschte Richtung, damit die Sorte sich an den jeweiligen Standort anpassen kann. Diese Arbeit erfordert liebevolle Zuwendung, profundes Wissen und hohe Aufmerksamkeit des Züchters. Die Sorten sind das Geistesgut eines Züchters, sagt der Demetergärtner Nikolaus Kramer aus Laab.

MoMent: Der globale Trend geht aber in eine ganz andere Richtung. Esche: Der größte Teil der Forschungsgelder, die weltweit für Pflanzenzüchtung aufgewendet werden, fließt in die Züchtung von Hybridsorten, die auch in der Bio-Landwirtschaft gang und gäbe sind. Wenige multinationale Konzerne teilen sich den globalen Hybrid-Saatgutmarkt. Die kleinen Betriebe, die sich um samenfeste Sorten kümmern, in Österreich ist das etwa die Firma Reinsaat oder die Arche Noah, kämpfen ums Überleben und produzieren unter schwierigsten Bedingungen. MoMent: Was sind die wichtigsten Argumente gegen Hybrid-Saatgut – neben der weltweiten Gleichschaltung und Monopolisierung durch Agrarkonzerne? Esche: Hybridsorten entstehen, vereinfacht gesagt, aus der Kreuzung zweier Kümmerlinge. Diese Kreuzung entwickelt einen Kraftschub, der die Sorte an jedem Standort überleben und jede Pflanze gleich aussehen lässt. Dieser Kraftschub ist aber nur oberflächlich. Die Pflanze ist in Wirklichkeit denaturiert, des Lebendigen beraubt, der ätherischen Struktur beraubt, die notwendig ist, damit der Lebensprozess des menschlichen Organismus aufrecht bleibt. Wenn man vor zwei Krautfeldern steht, kann man mit freiem Auge erkennen, welches die Hybridsorte und welches die samenfeste Sorte ist. Auf der Hybridseite sieht man ein gleichsam militärisch geordnetes, aggressiv wirkendes Feld, jeder Krautkopf schaut genau gleich aus wie sein Nachbar. Auf der Seite der samenfesten Sorte zeigen sich Individuen. Wie jede Schneeflocke so ist hier

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Mauer jeder Krautkopf einzigartig, ausgestattet mit feinen Nuancen, die ihn vom Nachbarn unterscheiden. Manchmal ärgern sich Kunden, wenn österreichische Karotten in meinem Angebot fehlen. Natürlich ist mir Regionalität wichtig, aber wenn es um die Frage der Qualität geht, und ich samenfeste Rodelikas nur aus Deutschland bekomme, werde ich mich immer für die Rodelika entscheiden. MoMent: Der dritte Punkt, der für die biologisch-dynamische Landwirtschaft spricht, ist übrigens noch offen. Esche: Mein drittes Argument für die Demeter-Landwirtschaft ist sehr einfach: Produkte aus bio-dynamischer Produktion schmecken besser. MoMent: Einkauf wird mehr und mehr eine Frage des Bewusstseins. Wie steht es um dieses Bewusstsein in unserem direkten Umfeld? Esche: Ich bin mir nicht sicher, ob den heutigen Verantwortlichen in der Schule, den LehrerInnen und Eltern die Bedeutung der bio-dynamischen Ernährung noch derart bewusst ist, wie den GründerInnen des Demeterhauses. Gegen das Vorhandensein dieses Bewusstseins spricht die Tatsache, dass das Verschwinden der einzigen bio-dynamischen Bäckerei in Wien innerhalb der anthroposophischen Bewegung ziemlich sang- und klanglos hingenommen wurde. Ich habe von keiner Initiative gehört, die sich darum bemüht, ein Nachfolgeprojekt für die unschätzbar wertvolle Arbeit von Franz Kaschik auf die Beine zu stellen. Der in Wien schon länger um sich greifende Brot-Hype, mit vielen neuen schicken Brotläden in der ganzen Stadt, scheint das Bewusstsein für Brot-

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qualität eher zu trüben. Ich behaupte, dass keines dieser neuen schicken Brote auch nur annähernd die Qualität hat, welche die Kaschik-Brote auszeichnete. Mit dem Ende der Bäckerei Kaschik geht reichstes Erfahrungswissen unwiederbringlich verloren. Ich hoffe immer noch darauf, dass sich bald einmal ein Waldorf-Schüler oder eine Waldorf-Schülerin findet, die Franz Kaschiks Wissen über Getreide und die Broterzeugung in einer Jahresarbeit für die Nachwelt bewahrt. Wichtiger wäre es allerdings, dass sich in Wien wieder eine Person findet, die eine Bäckerei auf biologisch-dynamischer Grundlage aufbaut. MoMent: Ein derartiges Bewusstsein muss man sich in unserer gegenwärtigen Gesellschaft erst wieder erarbeiten. Über weite Strecken hinweg wird ja nur nebenbei, eigentlich passiv konsumiert. Esche: Ich sehe auch nicht, dass im Schulunterricht das Thema Ernährung wirklich tiefgreifend vorkommt, und das Thema brennt doch buchstäblich unter der Haut: die Zahl derer steigt, die unter Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten leiden, ebenso steigt die Zahl der Zucker-, Magersucht- oder BulimieErkrankungen. Mit dem wachsenden Warenangebot wächst die Orientierungslosigkeit der Konsumentinnen und Konsumenten. Die Kücheneinrichtungen werden luxuriöser, die Kochshows zahlreicher, die Rezeptvorschläge

im Internet unübersehbar, und viele wissen nicht mehr, wie man eine Suppe kocht. MoMent: Was ist Deiner Meinung nach die Folge? Esche: Gerade Jugendliche drücken ihr Leiden an einer materiell reichen und geistig armen Umgebung durch Ernährungsrebellion aus. Ernährung dient längst nicht mehr nur dazu, Lebensprozesse aufrecht zu erhalten oder Lifestyle zu demonstrieren, Ernährung wird nun auch als Mittel verwendet, die innere Not auszudrücken. Biologisch-dynamische Ernährung halte ich für eine Möglichkeit, in dieser von Extremen gekennzeichneten Situation zu einer Ausgeglichenheit zurückzufinden. MoMent: Wie könnte das Bewusstsein für diese verloren gegangenen Qualitäten wieder geschärft werden? Esche: Heuer wird die biologisch-dynamische Landwirtschaft 90 Jahre alt. Dieser Geburtstag wäre eine gute Gelegenheit für die eine oder andere Veranstaltung in der WaldorfSchule über biologisch-dynamische Ernährung. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema könnte das Bewusstsein der LehrerInnen und Eltern für bio-dynamische Lebensmittel wieder stärken und dabei helfen, die Frage zu beantworten, warum die Schule auf weiterlesen >>

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„Zabalaza“ – ein Ausdruck aus der Sprache der Bewohner Kapstadts – bedeutet um etwas kämpfen. Genau dies ist es, was die Jugendlichen aus dem Entwicklungsprojekt Vulamasango in einem Armenviertel in Kapstadt tun. Verarmt, verwaist, missbraucht, und vernachlässigt, kämpfen sie für eine gerechtere Welt in der sie geliebt und geschätzt werden, in der sie als stolze und würdevolle Menschen aufwachsen, in der sie Bildung erhalten und einer hoffnungsvolleren Zukunft entgegen blicken dürfen. Das Projekt Vulamasango gibt ihnen wieder diese Hoffnung und einen Ort der Zuflucht.

Zabalaza kommt wieder

Mi 4.juni 2014 Festsaal der Karl Schubert Schule Kanitzgasse 1–3 1230 Wien

Geleitet von den Schwestern Xolisa Majambe und Bongiwe Majambe, dem Chorleiter Lusanda Bali und dem deutschen Sozialarbeiter Florian Krämer treten Jugendliche aus dem Projekt seit 2007 alle zwei Jahre unter dem Namen Zabalaza europaweit auf, mit überwältigendem Erfolg. Volle Säle, Standing Ovations und zu tränen gerührte Zuschauer sind an der Tagesordnung. Mit ihrer überragenden Bühnendarstellung singen, tanzen und trommeln sich die Kinder von Zabalaza mit Gospelsongs, Apartheidsliedern und alten, afrikanischen Volksliedern in die Herzen der Menschen. Da die Kinder meist schwere Schicksale hinter sich haben, ist es umso erstaunlicher, mit welcher Kraft und Energie sie auf der Bühne stehen, um durch Musik und Tanz beinahe therapeutische Arbeit an sich selbst zu leisten und zu beweisen, dass auch die schlimmsten Erlebnisse überwältigt und in etwas positives verwandelt werden können.

Der Bioladen als Dorfbrunnen von Mauer ihrem Gelände diesen Bioladen hat. Ich bin der Ansicht, dass die Schule sich der Bedeutung bio-dynamischer Landwirtschaft und Ernährung bewusst werden und sich in diesem Bewusstsein für den Laden neu entscheiden muss, damit er die Kraft hat, in die Zukunft zu wirken. Es geht nicht um die Frage, ob ich als Esche Schörghofer dieses Geschäft weiter führe oder nicht. Aus meiner Sicht ist ein Generationswechsel in unserem Geschäft ohnehin langsam aber sicher absehbar. Gemeinsam mit meinem Team sind wir inzwischen 356 Jahre alt. Wir werden über kurz oder lang gehen, bleiben aber muss das bio-dynamische Lebensmittelangebot an genau diesem Standort. Ob die jüngeren Generationen das auch so sehen, werden sie entscheiden. Vielleicht trägt dieser Artikel dazu bei, dass dem einen oder anderen Jugendlichen klar wird, dass hier direkt vor der Schultür ein mögliches Betätigungsfeld liegt, für einen Einzelnen oder für ein ganzes Team. MoMent: In welche Richtungen kann die Reise gehen? Esche: Wenn ich versuche, von der Zukunft her auf die Gegenwart zu blicken, stellen sich für mich, für die Schule und für unsere Kundinnen und Kunden zwei grundsätzliche Fragen: Wie wollen wir uns in 20 Jahren ernähren und wo wollen wir unsere Lebensmittel einkaufen? Derzeit gibt es mindestens vier Modelle: Den Bioladen, Supermärkte, die Internetshops und Hauszustellungen von Bio-Kisteln. Das fünfte Modell wird gerade entwickelt: Ein italienischer Lebensmittelkonzern arbeitet gemeinsam mit einem niederländischen Institut an einem 3-D-Drucker für Nudeln. Demnächst wird dieses Pro 38 |

dukt auf den Markt kommen, sicher scheint mir aber, dass bio-dynamische Lebensmittel mit 3-D-Druckern nicht hergestellt werden können. MoMent: Wenn der Kunde König ist – wie wird seine Regentschaft im Bioladen aussehen? Esche: Das ist eine Frage, die unsere Kundinnen und Kunden beantworten werden. Ist ihnen bewusst, welche Bedeutung ihr Einkauf für das Fortbestehen der bio-dynamischen Landwirtschaft und damit für die Qualität des Ackerlands hat? Ist ihnen die Bedeutung samenfester Sorten klar und wissen sie, dass diese Sorten nur in Geschäften wie dem unseren bewusst gefördert werden? Schätzen sie ein ehrliches Warenangebot? Sind sie bereit, faire Preise zu zahlen, weil Ihnen bewusst ist, welche Qualität sie dafür bekommen und welche sozialen Strukturen sie damit fördern? Wollen Sie dort einkaufen, wo es aussieht wie überall – oder bevorzugen sie individuell gestaltete Einkaufsorte? Ich lasse mich von der Antwort unserer Kundinnen und Kunden überraschen. Der Widerhall, den die jüngsten Besucher des Geschäfts unserer Arbeit schenken, lässt uns mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Sagte doch kürzlich ein Bub: „Jetzt bin ich drei, bald werde ich vier, dann fünf und dann geh ich zum Esche in die Schule.“ Dieser Bub hat den engen Zusammenhang zwischen Waldorf-Schule und dem Naturkostladen aus gutem grund intuitiv begriffen, wir müssen uns dieses Bewusstsein stets von neuem erarbeiten. Moment: Herzlichsten Dank für dieses Gespräch. Die Fragen stellte Roman David-Freihsl MoMent  Frühling 2014


Ich Ich unterstütze und berate Sie oder begleite Sie ein Stück des Weges“ Weges “

Die Christengemeinschaft Bewegung für religiöse Erneuerung

WIEN-SÜD

Studienstätte - 1230, Speisingerstraße 253

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Termine der Christengemeinschaft Wien-Süd:

Gottesdienst –Termine bis Sommer 2014: 9:45 für die Kinder

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Pfingstmontag, 9. Juni

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10:30 für Erwachsene (Kinderbetreuung)

Sonntag, 11. Mai (Muttertag) und Samstag, 31. Mai

Sonntag 22. Juni und am Nachmittag Baustellenfest

auf dem Grundstück der Christengemeinschaft,

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Rudolf Waisenhorngasse 41.

Achtung! Neue Öffnungszeiten! Jetzt auch Spielzeug erhältlich!

Heuer wird beim traditionellen Sommerfest auch die Errichtung der Johanneskapelle gefeiert. Baustart ist Mitte Mai!

BÜCHERSTUBE

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der Goetheanistischen Studienstätte

2. Juni, ab 19:30 Uhr im Haus der Christengemeinschaft, Rudolf Waisenhorngassse 41

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Absender: R. Steiner-Schule Wien-Mauer, 1230 Wien, Endresstr. 100 13Z039641M Verlagspostamt, 1230 Wien, Zulassungsnummer: 02Z032325M Impressum Seite 2

P.b.b.

Diese Ausgabe v. MoMent wird voraussichtlich am 14.05.2014 an die post.at übergeben.

Wir begrüßen im Vorgarten aus gutem grund Astiboides tabularis Tafelblatt Bergenia cordifolia Eroica Herzblättrige Wickelwurzen Bergenia cordifolia

Herzblättrige Wickelwurzen

Vergiss mein nicht

Epimedium perralchicum Frohnleiten

Traubensilberkerze Elfenblume

Geranium magnificum Rosemoor Storchschnabel

Bergwald Storchschnabel

Straussenfarn Filigranfarn

Polystichum aculeatum

Blaublatt Funkie

Knotiger Hosta

Hosta nigrescens Krossa Regal

Jelängerjelieber Schildfarn

Pulmonaria dacica Blue Ensign

Waldmeister

Geranium nodosum rosa

Gelbrand Funki

Lonicera henryi

Waldrebe

Clematis

Gallium odoratum

Hosta sieboldiana Elegans

sieboldiana Francess Williams

Graublaue Funkie

September Silberkerze

Cimicifuga ramosa Atropurpurea

Cimicifuga racemosa var. cordufolia

Kaukasus

Brunnera macrophhylla

Matteuccia struthiopteris

Polystichum setiferum Dahlem

Lungenkraut

Rodgersia aesculifolia

Kastanienblättriges Schaublatt Tiarella cordifolia Schaumblüte

und wir danken Johann Rossios

Termine

Kleinanzeigen

Mi 14.5. & Do 15.5. 18h Singspiel der 6. Kl „Das Zauberwort“ Fr 16.5. 50 Jahre Waldorf in Österreich, Podiumsdiskussion 17.00 Gr. Festsaal Details s.S.21 Mo 12.5. EA 12. Kl 19.30 Fr 16. / Sa 17.5. Musikabend d. 11. Klasse 19.30 s.S.17 Mo 19.5 Vermessungspraktikum der 10. Kl bis 28.5. Fr 23.5. Konzert der Jüngsten „Werkstatt der Schmetterlinge“ Mi 28.5. 2. Orchesterkonzert „Schallmauer“ s.S.12 Do 5. / Fr 6.6. Abschluss-Spiel d. 12. Klasse Di 10.6. Kunstreise 12. Klasse bis 24.6. Sa 14.6. Schulfeier 9.00, ab 12.00 Festakt, Festreden und ein buntes Sommerfest

Korfu: Ferienhaus für 4 Personen zu vermieten, 1 Woche/4 Personen Euro 360,-- Anfragen nur über die Handynummer: 0664 5621481 möglich. Wer hat Arbeit für meine serbische Schwiegertochter? Sie hat in Serbien die Friseur-Kosmetikschule besucht (keine komplette Berufsausbildung) und hat Erfahrung als Küchenhilfe. Sie ist eine sehr ordnungsliebende, saubere Hausfrau mit einem tiptop Haushalt. Sie spricht schon recht gut Deutsch und perfekt Englisch und hat eine Arbeitsbewilligung. Sie würde sich freuen über eine Arbeit als Küchenhilfe oder als Hilfskraft bei einem Friseur. Arbeitet aber auch gerne als Haushaltshilfe/ Reinigungskraft. Wenn sie einen Job für sie haben oder wissen, rufen sie mich bitte an. Maria Schmid 0699/17181076 Wir sind Eltern der Rudolf Steiner-Schule in Avignon (Südfrankreich) und wir vermieten unser Haus mit Pool während der Sommerferien. Für 4 oder 5 Personen ist es ein idealer Ort um die Provence kennenzulernen. Der Preis ist € 680,- pro Woche. http://maisonenprovence.eklablog. com Wir haben auch ein Wohnmobil für € 380,- / Woche. http://mobilhomeenprovence.eklablog.com Kontakt: Bruno und Sylvie Hildesheim 00.33. (0)4.90.51.97.17 / 00.33. (0)6.68.40.50.01 / duchateau.bruno@wanadoo.fr . Wir sprechen Französisch, English und Italian.“


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