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Kapitel 1

Der Sturm im Garten

Es war Anfang April. Im Garten schauten die Schneeglöckchen mit ihren weiß grün gestreiften Blüten aus den letzten Schneeresten, die auf dem Gras um den großen, alten Baum herum lagen. Die Tulpen und Osterglocken, die am Rand der großen Wiese standen, reckten ihre Blütenkelche der Sonne entgegen. Kleine Blumenelfen flogen von Blüte zu Blüte um den süßen gelben Nektar zu naschen oder lagen in den Blütenkelchen und sonnten sich wohlig rekelnd in der warmen Frühlingssonne. Plötzlich zogen dunkle Sturmwolken am Himmel auf und verdeckten die Sonne. Wind wirbelte die Blätter, die auf dem Rasen lagen, hoch in die Lüfte und in der Ferne blitzte und donnerte es schon. Die kleinen Blumenelfen flitzten schnell zu ihren Blumen und schlossen die Blütenkelche über sich. Einige schafften es nicht mehr zu ihren Blumen zu kommen und versteckten sich zwischen den Büschen oder hielten sich an den Schneeglöckchen fest. Nur Lillibeth, die mal wieder träumend auf ihrem Blütenblatt lag, merkte nichts. Der Sturm knickte die Blüte, das Blatt brach ab und sie segelte und wirbelte im Sturmwind höher und höher und weiter und weiter von ihrem Garten weg. Lillibeth rieb sich verwundert den Schlaf aus den Augen, klammerte sich dann mit beiden Händen an das Blütenblatt und sah von hoch oben, dass der Wind sie weit weg von ihrem Garten trug, wo sie mit ihren Eltern und den Elfen und Feen wohnte. Nach einer Weile wurde der Wind schwächer, das Blütenblatt segelte langsam tiefer und tiefer und landete sanft auf einer großen Wiese. Lillibeth schaute sich um, sah einen großen Baum, der mitten auf der Wiese stand, flog hin und setzte sich auf einen Ast. Ihre Finger taten weh vom krampfhaften Festhalten an dem Blatt, -5-


sie wusste nicht wo sie war und wie sie nach Hause kommen sollte… ohh Mama …ohh Papa… wie soll ich euch denn finden…

jammerte sie und langsam tropfte eine Träne nach der anderen auf den Ast unter ihr. …Warum weinst Du kleine Elfe?....

Erstaunt sah sie sich um, wer da wohl spricht, konnte aber niemand sehen. Wer ist da?..., fragte sie. …du sitzt auf meinem Ast!

Lillibeth schaute unter den Ast und sah im Stamm das liebe Gesicht einer BaumDeva. (So nennt man die Naturgeister, die in den Bäumen leben, die die Bäume und den Wald beschützen und für Wachstum sorgen.) Lillibeth erzählte nun, wie sie vom Sturm durch die Luft gewirbelt und weit weg von zu Hause vom Wind getragen wurde und wie sie dann endlich hier auf der Wiese gelandet ist. …Sei nicht traurig, ich werde Dir helfen… sagte die Baum-Deva. …Schlaf ein wenig und morgen bei Sonnenaufgang fliegst Du nach Hause…

Lillibeth sagte …Danke… war froh dass sie nicht mehr alleine war, kuschelte sich auf ihrem Ast, legte ihre Flügel um sich und schlief sofort ein.


Brigitte Jahnz