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Journaal voor vrijheid


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VOORVRIJHEID HEISST FÜR FREIHEIT DAS ERINNERUNGS-, GEDENK- UND VERANSTALTUNGSJAHR 2015 IM FOKUS VON DEUTSCHEN UND NIEDERLÄNDISCHEN INSTITUTIONEN, PROJEKTEN UND MENSCHEN.

Der Prozess war schon länger angestoßen. Ab dem Frühjahr 2015 wurden die Projekte und Aktionen im Rahmen von voorvrijheid/ für Freiheit sichtbar. Ende März fiel im Haus der Niederlande in Münster der inoffizielle Startschuss für die Aktivitäten rund um den 70. Jahrestag der Befreiung von der NS-Herrschaft. In den Niederlanden wird am 4. und 5. Mai daran erinnert. Zunächst wird der Toten gedacht, die in militärischen Konflikten umgekommen sind. Am 5. Mai rückt der Freiheitsbegriff in den Fokus und die Niederländer feiern die Befreiung von der Fremdherrschaft während des Zweiten Weltkriegs. So kombinieren die Niederländer Gedenken und Feiern, den Blick zurück und nach vorne. Erinnerungskultur ist bei ihnen nicht nur

ein angestaubter Begriff für Professoren und Akademiker. Die Thematik hinter dem Wort hilft, Geschichte und Menschen im kollektiven Gedächtnis zu bewahren. Und welcher Anlass kann das nicht besser verdeutlichen, als ein Befreiungstag. Freiheit wahren und Freiheit zelebrieren – das wird verstärkt durch die Rückbesinnung auf eine unfreie Zeit und bietet dennoch Generationen und Grenzen übergreifend auch stets Anlass zur Freude. Diese Freude wurde in dem Jubiläumsjahr geteilt – unterstützt durch zahlreiche Partner (u.v.m.):

Die Partner im Jubiläumsjahr „70 Jahre Befreiung“ Nationaal Comité 4 en 5 mei: www.4en5mei.nl Duitsland Instituut Amsterdam: duitslandinstituut.nl/themas Nieuws in de Klas: www.nieuwsindeklas.nl Universität Utrecht: vkc.library.uu.nl/vkc/IRPH/Pages/Default.aspx Westfälische Wilhelms-Universität: www.uni-muenster.de/HausDerNiederlande/ Landeszentrale für politische Bildung NRW: www.politische-bildung.nrw.de/ Stadt Münster (Villa ten Hompel): www.stadt-muenster.de/villa-ten-hompel Jugend debattiert: www.jugend-debattiert.de Staatskanzlei NRW, Deutschland-Niederland-Forum Pressenetzwerk für Jugendthemen: www.pressenetzwerk.de Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: www.bmfsfj.de

Impressum Herausgeber Adresse

Pressenetzwerk für Jugendthemen (PNJ) e.V. Pressenetzwerk für Jugendthemen Irmintrudisstraße. 1c, 53111 Bonn, Telefon: 0228 / 21 77 86, Fax: 0228 / 766 04 10, E-Mail: buero@pressenetzwerk.de

redaktionelle Mitarbeit

Wiebke Pittlik, Marja Verburg (beide Duitsland Instituut, Redaction Duitslandweb), Robert Filgner, Jörg Wild (beide Pressenetzwerk für Jugendthemen), Linus Weinitschke

Bildnachweis

Fotos, soweit nicht anders vermerkt: Pressenetzwerk für Jugendthemen

www.pressenetzwerk.de


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GEDENKEN: DER 4. MAI AUS DEUTSCHER PERSPEKTIVE Es ist toll, den Umgang der Niederländer mit der Geschichte auch von deutscher Seite aus zu betrachten – und vielleicht ein bisschen davon über die Grenze hinweg zu tragen. Am 4. und 5. Mai konnte sich ein deutscher Autor des Blogs selbst ein Bild von den Feierlichkeiten machen und seine Eindrücke darüber schildern:

Das nationale Komitee für die beiden Feierlichkeiten am 4. und 5. Mai macht einen hervorragenden Job. Soviel vorab. Wird den Deutschen stereotypisch der Drang zur Perfektion bei Planungen und Durchführungen zugeschrieben, stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Nationaal Comité 4en5 mei“ dem in nichts nach.

Am Montagmorgen beginnt eine kleine Reise durch Amsterdam. In der Innenstadt werden die Spuren der Nacht gereinigt, die die internationalen Gäste täglich mit sich bringen. Und ganz unauffällig beginnen die Aufbauarbeiten für eine Großveranstaltung – alles ohne Hektik und doch sehr akkurat. Sympathisch. Während eines Rundgangs durch die Stadt fallen zwei Dinge auf: Viele Häuser und Kirchen sind beflaggt. Die Flaggen hängen auf Halbmast. Und am Rande der „Skinny bridge“ (der „mageren Brücke“), direkt an der Nieuwe Prinsengracht, steht eine riesige Tribüne. Zum Nachmittag werden die Auswirkungen der Veranstaltung am Dam sichtbar. Mehrere Durchgänge und ein paar Straßen sind nun gesperrt. Ab 18 Uhr beginnt die zentrale Gedenkveranstaltung zum Dodenherendenking 2015 – ab 19 Uhr auch live im TV.

Ehrfurcht und Andacht an die Toten In der ehrwürdigen Nieuwe Kerk, der Krönungskirche der niederländischen Monarchen, haben die geladenen Gäste ihre Plätze eingenommen. Und nun beginnt etwas, dass ich aus der Presseloge mit Ehrfurcht und Respekt verfolgen darf. Ein niederländischer Kollege ist bereits vor dem Beginn der Veranstaltung bewegt: Als er zum ersten Mal an der Gedenkfeier teilnehmen durfte, saß er neben einem Deutschen. Genau wie heute. Das ist nicht nur ungewöhnlich, da ausländische Gäste eher selten am Gedenktag teilnehmen dürfen. Er hat jüdische Wurzeln und


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ist 70 Jahre nach dem Krieg von den Emotionen fast überwältigt. Und dennoch nimmt er sich Zeit und erklärt mir das Prozedere. „Dort musst du hinschauen, dort läuft gleich die Königsfamilie ein.“ Er spürt meine Dankbarkeit und seine Nervosität legt sich etwas. Die Gedenkveranstaltung hat unwahrscheinlich viel Stil. Mit einem hohen Maß an Würde und ohne Überfrachtung entführen der Chor und die beiden Redner die Anwesenden in eine Sphäre von Andacht, Rührung und Ehrfurcht. Auch in den Augen des Königs und der Königin spiegelt sich diese Stimmung wider. Es ist authentisch, was hier passiert. Nach einem weiteren Lied und einer Strophe der Nationalhymne steht die Gesellschaft auf und bewegt sich über den Vorplatz des Königspalastes zum Nationaal Monument. Hier beginnt gleich die Kranzniederlegung. Doch vorher: Punkt 20 Uhr wird es zwei Minuten lang still – im ganzen Land. Und auch hier fällt auf: Die Ruhe wird eingehalten. Alle machen mit. Das bewegt und verbindet – alle Anwesenden. Auch mich. Über Amsterdam fliegt kein Flugzeug, die Straßenbahnen halten an. Zwei Minuten Luft

holen und besinnen – auf die Opfer von Kriegen und Gewalt, auf die Toten, auf Schicksale und letztlich auch auf sich selbst. Mir bleibt Dankbarkeit in Erinnerung, an diesem Tag teilnehmen zu dürfen. Und zu sehen, wie einfach und dennoch tiefgreifend Erinnern und Gedenken sein kann.


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LERNEN UND FEIERN Im Mai begann der erste Teil des „Studienprogramms zum Zweiten Weltkrieg aus pluriformer Perspektive“, so der Arbeitstitel: Vom 2. bis 5. Mai erkundeten deutsche und niederländische Multiplikatoren von Museen in beiden Ländern Möglichkeiten der Geschichtsvermittlung in den Niederlanden. Sie nahmen am 4. und 5. Mai natürlich auch die Feierlichkeiten wahr – in Amsterdam und Den Haag.


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Am 5. Mai feiern die Niederländer die Freiheit – mit unzähligen Festivals im ganzen Land. Die Bilder hier geben einen Eindruck über ein jährliches Highlight der Feiern in Amsterdam: das große Abschlusskonzert zum 5. Mai an der Amstel. Das Nationale Jugendorchester (Nationaal Jeugd Orkest) begleitete die Musiker Claudia de Breij, Giovanca und Herman van Veen bis weit in den Abend. Die deutsch-niederländische Delegation des Studienprogramms hatte bereits am 4. Mai an den Feierlichkeiten in der Nieuw Kerk teilgenommen. Bei ihnen standen aber noch viele weitere Termine im Rahmen ihres Studienprogramms an, unter anderem im Museum Rotterdam ‚40-‘45 Nu. Am 5. Mai wohnten sie dem Befreiungsfestival in Den Haag bei.

Das Studienprogramm Als Teil der Aktivitäten rund um die Initiative „Voor Vrijheid – für Freiheit“ fand vom 2. bis 5. Mai der erste Teil eines Studienprogramms zum Zweiten Weltkrieg statt. Eine Gruppe aus deutschen und niederländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterschiedlicher Museen tauschte sich über bildungspädagogische Aspekte ihrer Arbeit aus. Neben Fragen zur Geschichtsvermittlung ohne Zeitzeugen stand der differenzierte Blick auf Erinnerungskultur in den beiden Ländern im Fokus. Das Programm bot Raum für erfahrene Redner aus niederländischen Institutionen und für Besuche interessanter Orte. Darunter fiel auch die Teilnahme an der nationalen Gedenkfeier zum Totengedenktag am 4. Mai in Amsterdam. „Andere Perspektiven sind gerade in Bezug auf das Ende des zweiten Weltkriegs wichtig“, sagte die Teilnehmerin Karin Grimme vom Mili-

tärhistorischen Museum der Bundeswehr in Berlin. „Über den Austausch während der Studienfahrt mit den niederländischen Kollegen kann ich viel lernen und sehe was andere machen.” Ziel des Studienprogramms, das im November seine Fortsetzung in Deutschland fand, ist unter anderem auch eine gemeinsame Ausstellung in einem der folgenden Jahre. „Eine wirklich spannende Aufgabe“, betonte Grimme, „gemeinsam Ideen für museumspädagogische Programme zu sammeln bringt authentische Einblick in die Arbeit unserer Nachbarn.“ Gert-Jan van Rijn, vom Museon in Den Haag (Museum voor Cultuur en Wetenschap) war von diesem Austausch ebenfalls angetan: „Es ist interessant, dass die wissenschaftliche Gründlichkeit wirklich bei den Deutschen stärker betont wird. Wir haben bereits bei einzelnen Definitionen interessante Diskussionen geführt.“ Doch auch er legte den Fokus auf den fruchtbaren Austausch. „Beide Seiten profitieren von diesem Projekt. So können unsere deutschen Kolleginnen und Kollegen von dem etwas kreativeren Umgang bei unseren niederländischen Museumskonzepten lernen.“

TEXT /// PRESSENETZWERK FÜR JUGENDTHEMEN


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70 JAHRE KRIEGSENDE IN DEUTSCHLAND Das „Frühstücksei“ des Duitsland Instituuts in den Niederlanden bringt aktuelle Themen aus Deutschland in den Unterricht an niederländsichen Schulen. Besonders um den 8. Mai, dem Ende des Zweiten Weltkriegs, fand dies besondere Beachtung. TEKST / TEXT /// DUITSLAND INSTITUUT

Mogen Duitsers, als nakomelingen van de daders van de nazi-dictatuur, het einde van de Tweede Wereldoorlog als bevrijding van het nazisme vieren? Daarover wordt in Duitsland gediscussieerd, maar ook op Nederlandse scholen. Het was één van de vragen van het ‘Frühstücksei‘, een actuele starter voor de Duitse les die het Duitsland Instituut wekelijks maakt.

Dürfen die Deutschen, als Nachkommen der Täter der Nazi-Diktatur, das Ende des Zweiten Weltkrieges als Befreiung vom Nazismus feiern? Darüber wird in Deutschland diskutiert, aber auch an niederländischen Schulen. Im wöchentlichen ‚Frühstücksei‘, einem Start für die Deutschstunde über ein aktuelles Thema, war dies eine der Fragen. Das Frühstücksei wird jede Woche vom Duitsland Instituut für Lehrer und ihre Schüler zusammengestellt.

Foto: Wikimedia/OTFW

Zwei unterschiedliche Geschichten Als Aufgabe für den Deutschunterricht hatte das Duitsland Instituut folgendes vorbereitet: „Im deutschen Bundestag gedachte man letzte Woche des Kriegsendes vor 70 Jahren mit einer Rede des Historikers Heinrich August Winkler. Seht euch den kurzen Film der zentralen Gedenkveranstaltung an und beantwortet die folgenden Fragen: Was ist für Winkler die Lehre aus der deutschen Geschichte? Was findet ihr? Hat Deutschland aufgrund seiner Geschichte auch heutzutage eine moralische Verpflichtung? Worin könnte diese Verpflichtung bestehen? Auch in Deutschland stellt man sich die Frage, ob der 8. Mai nicht auch als Befreiung aus der nationalsozialistischen Diktatur gefeiert werden kann. Diese Frage ist noch einstimmig nicht beantwortet. Dürfen die Deutschen als Nachkommen der „Täter“, an einem solchen Tag feiern? Und wäre das nicht respektlos den Opfern gegenüber?“ Weiteren Input zu diesen Fragen aus dem ‚Frühstücksei‘ lieferte das Duitslandweb, der Onlineauftritt des Duitsland Instituuts (siehe nächste Seite).


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DEELSTATEN WILLEN 8 MEI ALS BEVRIJDINGSDAG VIEREN Duitsland herdenkt op 8 mei het einde van de Tweede Wereldoorlog. In 1945 capituleerde op die dag de Wehrmacht. Politici in de deelstaten Berlijn en Thüringen willen de dag als bevrijding van het nationaal-socialisme vieren. Dat ligt in Duitsland gevoelig. Het is vrijdag 30 jaar geleden dat oud-president Richard von Weizsäcker tijdens zijn beroemd geworden rede in de Bondsdag voor het eerst uitsprak dat 8 mei ook voor Duitsland een dag van bevrijding is. Het maakte diepe indruk. Voor veel van Von Weizsäckers land- en tijdgenoten betekende 8 mei 1945 capitulatie, verlies en nederlaag. Dat benoemde de president ook. De 8e mei is voor Duitsers daarom ook geen dag om feest te vieren, zei hij. Nu, 30 jaar later, discussieren de deelstaatparlementen van Berlijn en Thüringen over de vraag of 8 mei niet toch een officiële herdenkingsdag moet worden waarop de bevrijding van het nationaal-socialisme wordt gevierd. In Mecklenburg-Voorpommeren wordt 8 mei al sinds 2002 als officiële dag van bevrijding gevierd, in Brandenburg is op 30 april besloten dat voortaan te doen.

Bevrijding van het nationaal-socialisme‘ In Berlijn hebben Die Linke en de Piratenpartei een voorstel ingediend om de dag van de capitulatie voortaan te vieren als “dag van de bevrijding van het nationaal-socialisme”. Ook burgemeester Michael Müller, zijn partij de SPD en die Die Grünen in de hoofdstad zijn daarvoor. Maar de CDU is tegen, bleek vanmiddag. De partij vindt de jaarlijkse herdenking van de bevrijding van Auschwitz op 27 januari en de talrijke gedenkplaatsen in de hoofdstad voldoende, schrijft Die Welt. Ook waren na de bevrijding niet alle mensen in Duitsland vrij, aldus CDU-politicus Andreas Gram. Hij wil de nazi-dictatuur niet met die van de DDR vergelijken, zei hij, “maar feit blijft dat alle mensen in Duitsland pas in 1989 met de val van de Muur vrij waren”. De discussie wordt de komende tijd verder gevoerd in verschillende parlementscommissies.

Thüringen In de Oost-Duitse deelstaat Thüringen willen de regeringspartijen Die Linke, de SPD en Die Grünen 8 mei een officiële herdenkingsdag maken. Daarmee krijgt de herdenking van het einde van de Tweede Wereldoorlog een andere status dan andere herdenkingsdagen. De partijen hebben daartoe vandaag een wetsvoorstel ingediend. Zo moet “de herinnering aan deze cruciale gebeurtenis van 70 jaar geleden in het publieke domein en voor toekomstige generaties behouden blijven”, staat in het voorstel. De oppositiepartijen CDU en AfD zijn tegen, maar die hebben geen meerderheid in het parlement. De Bondsdag en de Bondsraad herdenken de capitulatie vrijdag samen een uur voor het begin van de normale parlementaire zitting. De beroemde en gerenommeerde historicus Heinrich August Winkler houdt een toespraak.

Rusland Rusland herdenkt het einde van de Tweede Wereldoorlog op 9 mei. De capitulatie van de Wehrmacht in 1945 werd zo laat ‘s avonds van kracht, dat het in de Sovjet-Unie al 9 mei was. Kanselier Merkel heeft, gezien Ruslands rol in de Oekraïnecrisis, al in maart laten weten niet bij de grote militaire parade aanwezig te zijn die Rusland op 9 mei houdt. Ook de regeringsleiders van de VS, Groot-Britannië, Polen en de Baltische Staten hebben dit jaar afgezegd. Op 10 mei gaat Merkel wel naar Moskou, waar ze samen met Poetin het graf van de onbekende soldaat bezoekt. In 2010 was Merkel wel bij de militaire parade in Moskou. Vijf jaar eerder was haar voorganger Schröder voor het eerst voor de herdenking uitgenodigd. Dat werd als een mijlpaal in de betrekkingen tussen de voormalige vijanden gezien.


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DIE FRAGE NACH DER FREIHEIT … Prominent besetztes deutsch-niederländisches Podium diskutiert in Münster über ein hohes Gut, das nicht zur Selbstverständlichkeit werden darf.

TEXT /// LINUS WEINITSCHKE FOTOS /// WESTFÄLISCHE WILHELMS-UNIVERSITÄT MÜNSTER, ZENTRUM FÜR NIEDERLANDE-STUDIEN

Was ist Freiheit? So lautete die Kernfrage des in der Bibliothek des Hauses der Niederlande stattfindenden Diskussionsabends vom 16. Juni 2015, zu dem das Zentrum für Niederlande-Studien eingeladen hatte. In Zusammenarbeit mit der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen und dem deutsch-niederländischen Forum, das in Kooperation mit den Außenministerien beider Länder regelmäßig Tagungen zu aktuellen Themen organisiert, war es den Organisatoren möglich, u.a. die folgenden Redner und Mitdiskutanten für den Abend zu gewinnen: Dr. Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D., Prof. Dr. Jan Peter Balkenende, ehemaliger Minister-

präsident der Niederlande, und Hans Laroes, Vorstandsmitglied des Nationaal Comité 4 en 5 mei. Nach der Begrüßung und einer kurzen thematischen Einleitung durch den Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien, Prof. Dr. Friso Wielenga, der zugleich als Diskussionsleiter fungierte, sollte es in den Eingangsstatements der Podiumsdiskutanten sowie in der sich daran anschließenden Diskussion im Plenum vornehmlich um folgende Fragen gehen: Was bedeutet Freiheit heute? Wie reagieren wir auf aktuelle Bedrohungen? Gibt es unterschiedliche Akzente des Freiheitsverständnisses in Deutschland und den Niederlanden? In einem Punkt war man sich schnell einig: Die Frage nach der Freiheit kann nicht


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diskutiert, geschweidie gesellschaftliche ge denn beantwortet sowie politische Dewerden, wenn der Bebatte, und vor allem griff der Verantworauch die grenzübertung nicht mitgedacht schreitende Debatte. wird. So sprach AnVor dem Hintergrund gelica Schwall-Düren der an sich simplen beispielsweise von eiErkenntnis „Ja, es ner „verantworteten“ gibt das Anderssein Freiheit und betonte des anderen“, wie Rita neben der Tatsache, Süssmuth sich ausdass es zu freiheitlidrückte, müssen wir chem Handeln vor uns die Frage nach der allem auch soziale Freiheit immer wieder Voraussetzungen wie neu stellen. Und die etwa Bildung und Resfundamentale Relesourcen brauche, dass vanz dieses hohen GuFreiheit in erster Linie (v.l.n.r.): Prof. Dr. Friso Wielenga, Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien, begrüßte zur Diskussites ist dabei immer die „in Kooperation“, d.h. onsrunde: Dr. Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des entscheidende Komauch über Grenzen Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Jan Peter Balkenende, ehemaliger Ministerpräsident der Niederponente, ob wir nun hinweg praktiziert lande, Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D. und Hans Laroes, Vorstandsmitglied des über Religion oder werden müsse. Nur Nationaal Comité 4 en 5 mei. Demokratieverständso könne man dieser nis sprechen, über „verantworteten Freiheit gemeinsam gerecht Zuge dieses Kampfes immer Grundvoraus- Pressefreiheit oder die Rolle der Frau in der werden“, lautete ihr Fazit. setzung sei, den jeweils anderen in seinem Gesellschaft, oder davon, inwieweit es Aufvor allem „positiven“ Anderssein anzuneh- gabe des Staates ist, die Meinungsfreiheit zu men und ihm letztlich in gleichem Maße all begrenzen. Wer den Freiheitsbegriff nicht in Freiheit ist ein schwierig’ Ding diejenigen Freiheiten zu gewähren, die man seiner Dynamik und aus der MultiperspektiJan Peter Balkenende schloss sich dieser auch für sich selbst als Selbstverständlichkeit ve betrachtet, sondern, im Gegenteil, ihn zu Aussage an, indem er sogleich drei für ihn beansprucht. einer Art erstarrten Selbstverständlichkeit wesentliche Punkte ins Zentrum rückte und werden lässt, der wird ihm nicht mehr gebetonte, dass Freiheit grundsätzlich immer gemeinsam an Freiheit arbeiten recht. auch eine moralische Dimension habe, dass Lasst sie uns also weiterführen, die FreiFreiheit immer auch mit einer gewissen Ver- Auch Hans Laroes pflichtete dem bei. Er heitsdebatte. Vielleicht können wir dies ja antwortlichkeit einhergehe, und dass Frei- schloss sich seinen Vorrednern insofern an, sogar irgendwann einmal tun, nachdem der heitsdebatten immer unumstößlich mit Wer- als dass er betonte, dass es immer von größ- 8. Mai in Deutschland zu einem Feiertag getedebatten verbunden seien. („Was bedeutet ter Wichtigkeit sei, das Verhältnis zu sehen, worden ist. meine Freiheit für den anderen?“, „Kann in welchem die Freiheit eines einzelnen Bürmeine Freiheit auf Kosten der anderen ge- gers zu derjenigen eines anderen stehe. Auch hen?“, „Kann Freiheit unbegrenzt sein?“) brauche man nicht die gleiche Geschichte zu Mit dem Satz „Freiheit ist ein schwierig’ haben (siehe Deutschland und die NiederlanDing.“ schloss sich Rita Süssmuth in ihrem de), um „gemeinsam an einer gleichen FreiEingangsstatement an. Im „rechten Umgang heit arbeiten“ zu können. mit Freiheit“ stoße man stets auf AnstrenIn der sich anschließenden Diskussion gungen und Widerstände. Man müsse per- im Plenum gelangte man stets zu derselben manent für seine Freiheiten kämpfen – sei es Erkenntnis: Freiheit braucht den anderen; in Wissenschaft oder Politik –, wobei es im und Freiheit braucht das ständige Gespräch,


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DER INHALT DER FREIHEITSFORMEL

Foto: Thomas Pusch, CC-BY-SA-3.0

TEXT /// PRESSENETZWERK FÜR JUGENDTHEMEN

„Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so men. In einem tendenziösen Stil, wie es sich schlau als wie zuvor.“ Dieser Ausspruch von für das journalistische Stilmittel „Kolumne“ Goethes Faust beschreibt das Dilemma von gehört: „Zum Glück gibt es den BundespräWissen und Gewissen, von Wissen und dem sidenten, der uns als Nation und als Volk wahren Nutzen. Alles ist streitbar, alles ist immer wieder den Spiegel vorhält. Der uns im Wandel – das gilt auch für das, was hinter ins Gedächtnis ruft, dass Freiheit keine leere dem Freiheitsbegriff zu verstehen ist. Formel ist.“ In weiteren Passagen wird betont, Jüngstes Beispiel dafür liefert eine Bericht- wie sehr Freiheit die Gesellschaft zusammenerstattung über die Aussagen des deutschen halte, wie wenig selbstverständlich dieses Staatsoberhauptes, Bundespräsident Joachim hohe Gut ist und wie sehr es immer wieder Gauck. In einer Kolumne der Zeitung „Die aufs Neue verdient werden muss. Der Autor Zeit“ fasste am 13. Juli 2015 Martin Klingst versteht Gaucks Appelle aber eben auch so, die aktuelle Leistung des Bundespräsidenten „dass Freiheit letztlich Verantwortung bedeuunter der hochtrabenden Überschrift „Gauck tet: für sich und für andere.“ füllt die Freiheitsformel mit Inhalt“ zusam-


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Joachim Gauck liefert für viele Deutsche aktuell eine Form des „freiheitlichen Gewissens“. Er mahnte Europa zu mehr Solidarität und Veränderungsbereitschaft, nannte die Angriffe auf Asylunterkünfte „widerwärtig und „unerträglich“. Er findet gut gewählte Worte und bezieht häufig Stellung zu Themen, wo Politiker lieber „politisch korrekt“ schweigen, um nicht angreifbar zu sein. Der Autor betont: „Das Verbindende der Gauck-Interventionen ist dabei stets der Freiheitsbegriff, die Idee eines modernen, sozialen Liberalismus, der sowohl Partei ergreift für die Selbstbestimmung und die Freiheit des Individuums, als auch für Menschenwürde und Solidarität.“ Das stünde nicht im Widerspruch.

zulullen, wissen wir nun auch, das “Reform” veau die Menschenwürde und die Solidarität die Verschlechterung der Lebensumstände mit anderen auf der Strecke bleibt, ist nachvieler zwecks Mehrung des Reichtums weni- vollziehbar. Dass mehr staatliche Fürsorge ger bedeutet. Herzlichen Dank dafür!“ gefordert wird auch. Für solche Menschen hat Herr Gauck nichts übrig, die müssen sich Ein erstes Indiz für ein tatsächliches einfach mehr anstrengen. So einfach ist das. Problem, das ein anderer Kommentator we- Vom Tellerwäscher zum Millionär, das kann sentlich differenzierter beschreibt: „Das Ver- jeder schaffen, wenn er will.“ bindende der Gauck-Interventionen ist der

Schlau als wie zuvor

Ein Dilemma von “Freiheit” Und hier beginnt das eigentliche Dilemma dieses Beitrags: Innerhalb weniger Stunden nutzten mehr 140 Leser der Online-Ausgabe die Kommentare um diese „Kolumne“ auseinanderzunehmen. Kein einziges gutes Wort für den Autor, harte Äußerungen über den höchsten Mann im deutschen Staat und teilweise erschreckend freiheitsverachtende Polemik waren darin zu finden. Zum Beispiel: „Diese Art der Hofberichterstattung, die den meisten Bürgern ja nur wie reiner Hohn vorkommen kann, ist genau der Grund, warum Ihr Berufsstand momentan im Ansehen noch unter den Gebrauchtwagenhändlern an der Ecke und fahrenden Versicherungsvertretern rangiert. Nun ja, wenn ich schon Begriffe wie “verkrusteter Arbeitsmarkt” lese, dann weiss man ja auch schon, aus welcher Ecke der Wind weht. Millionen von Arbeitnehmern mit prekären und/oder befristeten Arbeitsverhältnissen werden Ihnen sicherlich genau so zustimmen wie die unzähligen Akademiker, die sich jetzt nach ihrem Studium mit Dauerpraktika durchschlagen dürfen. Früher mal durfte man bei dem Wort „Reform“ noch etwas erwarten, das der Mehrheit der Bevölkerung dient. Dank Leuten wie Ihnen, die uns mit Neusprech versuchen ein-

Screenshots der Kolumne „Fünf vor acht“ (Juli 2015) www.zeit.de/politik/deutschland/2015-07/fuenfvor-acht-gauck-freiheit-griechenland

Freiheitsbegriff der konservativen Eliten, die in der Lage sind, halbwegs selbstbestimmt zu leben. Ich verdiene viel Geld, kann mir leisten, nur 80% zu arbeiten und damit locker eine Familie zu ernähren. Kann mir Urlaube leisten etc. Aber bin ich frei? Ich weiss gar nicht, was das heisst. Für den einfachen Arbeiter oder Angestellten, der fremdbestimmt lebt, leben muss – gibt es nicht die Wahl „freier“ zu leben. Da geht es um die schiere Existenz. Die wollen und brauchen einfach mehr Geld. Dem entgegnet man pastoral, das Geld nicht glücklich macht und die Freiheit viel wichtiger ist. Was auch immer dann Freiheit heisst? Vermutlich meint er, die freie Wahl zwischen Pest oder Cholera. Aber immerhin kann man wählen. Dass bei Mehrfachjobs, Zeitarbeiter-Schicksal oder Hartz4 Lohnni-

Wo stehen wir nun? Freiheit wird tatsächlich auf unzähligen Ebenen gesehen und somit unterschiedlich verstanden. Oder muss es sogar so sein, dass die persönliche Freiheit von wirtschaftlichen Begriffen, die mit Freiheit zu tun haben, abhängt? Hier setzte der Blog verstärkt an. Denn eine zu schnelle und zu oberflächliche Verwischung von Freiheitsbegriffen führt stets zu Polemik, zu Verschwörungstheorien und spielt Meinungen in den Vordergrund, die sich selbst herausnehmen, alles zu verstehen und verstanden zu haben. Und das wiederum mündet dann in die zum Beispiel von Joachim Gauck geäußerte Selbstgefälligkeit, die der Autor der Kolumne anfangs beschrieb: „Als glaubten wir, fast alles richtig zu machen und anderen darum sagen zu können, wo es langgeht.“ Zu schnell wird das große Ganze kritisiert, individuelle Einschätzungen ganzer Gruppen stigmatisiert und somit ein Nährboden für Auseinandersetzung gesät. Der Freiheitsbegriff braucht kritische Betrachtungen – ohne Frage. Aber er braucht eben auch eine Stimme, die ihm Gehör verschafft. Und das erfüllen die Reden eines Joachim Gaucks zurzeit allemal. Der Blog „voorvrijheid.eu“ betrachtete den Freiheitsbegriff aus deutscher und niederländischer Perspektive. Doch das ist nicht abschließend. Unterschiedliche Perspektiven gibt es sowohl in Deutschland, unterschiedliche Perspektiven gibt es den Niederlande, unterschiedliche Perspektiven gibt es in Europa. Und vor allem sind es unterschiedliche Perspektiven auf „Dinge“, die manchmal helfen, diese auch zu verstehen.


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VIDEOS FÜR FREIHEIT Im Videoworkshop des Pressenetzwerks für Jugendthemen standen nicht nur Theorie und Praxis im Mittelpunkt. Die hochmotivierte Gruppe setzte sich intensiv mit dem Thema “Freiheit” auseinander und kam zu vielen Erkenntnissen. TEXT /// PRESSENETZWERK FÜR JUGENDTHEMEN

Um die Bedeutung von Freiheit in unserer heutigen Lebenswelt zu verstehen, muss man ihren Bestandteilen auf den Grund gehen. Freiheit ist so ein riesiger Begriff, dessen Bedeutung dem steten Wandel unterliegt. Und das erst recht im Blick zurück auf 1945 – aber auch innerhalb der vergangenen 70 Jahre.

VIMEO.COM/PRESSENETZWERK

„Wir denken europäisch.“ Wir, das sind junge niederländische und deutsche Menschen, die die alten Grenzen und Mauern im Kopf selbst kaum noch spüren, fühlen oder gar verstehen. Europa, Freiheit und Freisein sind für uns selbstverständlich. Vom 24. bis 26. Juli trafen sich in Köln junge Medieninteressierte aus Deutschland und den Niederlanden. Ihre gemeinsame Leidenschaft: Journalismus und Filme. Im Videoworkshop des Pressenetzwerks für Jugendthemen (PNJ) e.V. in Kooperation mit dem Duitsland Instituut erhielten sie die Möglichkeit noch mehr über das Filmemachen zu lernen, aber auch, sich direkt praktisch damit zu befassen. Auf Kölner Straßen gingen sie Fragen nach der Freiheit nach. Daraus entstehen nun erste Filme, die sich wie ein Puzzle zu einem Gesamtwerk zusammenfügen werden. Denn der Tenor der Workshop-Teilnehmenden war direkt nach dem Kennenlernen klar: Es gibt Freiheit. Wesentlich mehr als vor 70 Jahren. Für die einen ist das gut und sollte ausgebaut. Für andere birgt das Maß an Freiheit jedoch auch negative Seiten. Auf die Ergebnisse und filmische Umsetzung darf man gespannt sein. Niederländer und Deutsche von heute kennen beim Thema „Freiheit“ keine Unterschiede zwischen den beiden Ländern. Im Selbstverständnis gibt es kaum noch Vorurteile zwischen beiden Nationen. Man kennt sich, man mag sich, man begegnet sich – überall. Ein lebendiges Beispiel, wofür diese grenzenlose Welt eigentlich stehen soll: für eine Verständigung auf Augenhöhe, für Respekt – und eben gelebte Freiheit.

Wie komplex die Auseinandersetzung mit dem freiheitlichen Wertesystem unserer europäischen Gesellschaft ist – im positiven Sinne – zeigen unsere filmischen Ergebnisse der jungen Niederländer und Deutschen. Denn schon vor der eigentlichen Realisierung von Interviews, vor dem Schneiden und Bearbeiten mussten sich die Jugendlichen selbst darüber bewusst werden, welchen Aspekt von Freiheit sie eigentlich in den Mittelpunkt ihres kurzen Beitrags stellen wollen – eine Aufgabe, über die man dann plötzlich die komplette Bandbreite begreift – und die letztlich auch in der Umsetzung ihre Spuren hinterlässt… Die Filme sind die Ergebnisse des Videoworkshops in Köln im Rahmen der Aktivitäten der Deutsch-Niederländischen Kooperationen 2015 „voor vrijheid/für Freiheit“. Unter den Aspekten „Was bedeutet Freiheit heute und was vor 70 Jahren?“ fanden sich vom 24. bis 26. Juli deutsche und niederländische junge Menschen, um das Handwerk des Filmens und eben die Bedeutung von Freiheit näher zu betrachten.

Hoe complex het is je bezig te houden met begrippen als vrijheid en de waarden van onze Europese maatschappij – in positieve zin – laten de films zien die Nederlandse en Duitse jongeren samen hebben gemaakt. Voordat ze de films gingen maken, interviews hielden en beelden draaiden en bewerkten, moesten de jongeren zelf nadenken over wel aspect van de vrijheid ze in hun film centraal wilden stellen. Daardoor werd de complexiteit van het begrip vrijheid plotseling duidelijk. Dat zie je ook terug in hun films. Deze korte films zijn het resultaat van de videoworkshops in Keulen in het kader van het Nederlands-Duitse samenwerkingsproject Voorvrijheid/FürFreiheit. Met de vraag: ‚wat betekent vrijheid vandaag en wat betekende het 70 jaar geleden?‘ kwamen Duitse en Nederlandse jongeren van 24 tot en met 26 juli samen, leerden films maken en dachten na over vrijheid.


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„Freedom of Education“ – by Vera Huijberts and Patrick Karg

„Travel Freedom“ – by Amber Spek and Svenja Rennebaum

„Freedom of Choice“ – by Ariane Kleijwegt and Carmen Rivadeneira

„freedom of speech“ – by Daisy Koopmannschap and Robin Phoelich


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NICHT NUR EIN KLEINKRIEG ZWEIER ‚OUWE TAARTJES‘ (ALTER SCHACHTELN) Zum Auftakt des deutsch-niederländischen Festivals ‚Für Freiheit – Voor Vrijheid 1945-2015‘, das am 27. August 2015 in Münster stattfand, traf Prof. Dr. Friso Wielenga die niederländische Schriftstellerin Tessa de Loo zu einem Podiumsgespräch im Haus der Niederlande in Münster. Sie las am Vorabend aus ihrem Roman De tweeling – die Zwillinge und verdeutlichte, den Zwist zwischen Selbstverständnis und dem wirklichen Verstehen. Ein Problem, das zurzeit sehr aktuell erscheint.

TEXT /// LINUS WEINITSCHKE FOTOS /// WESTFÄLISCHE WILHELMS-UNIVERSITÄT MÜNSTER, ZENTRUM FÜR NIEDERLANDE-STUDIEN

In der bis auf den letzten Platz gefüllten Bibliothek des Krameramtshauses zu Münster sprach Prof. Dr. Friso Wielenga, Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien, am Abend des 26. August die Begrüßungsworte, gab einen kurzen Überblick über den Ablauf der Veranstaltung und führte die Gäste in Tessa de Loos wohl bekanntestes literarisches Werk ein, das an diesem Abend im Mittelpunkt stehen sollte: De tweeling (dt.: Die Zwillinge). Es war bereits das zweite Mal, dass die nunmehr seit 22 Jahren in Portugal lebende gebürtige Niederländerin zu Gast in Münster war. In De Loos Roman, der 1993 in den Niederlanden und zwei Jahre später in deutscher Übersetzung erschien, geht es um die beiden Zwillingsschwestern Anna und Lotte, die 1922 im Alter von 6 Jahren nach dem Tod ihrer Eltern unfreiwillig und grausam voneinander getrennt werden. Anna bleibt in Deutschland und wächst in einfachen Verhältnissen in katholisch-bäuerlicher Umgebung bei ihrem Großvater auf, während Lotte bei einem Onkel mit sozialistischen Sympathien, dessen Familie während des Zweiten Weltkrieges Juden versteckt, in der gebildeten Oberschicht in den Niederlanden aufwächst. Bei einer Kur in Spa treffen sich die

beiden Schwestern 1990 zufällig wieder und berichten über ihre grundverschiedenen Lebensgeschichten von 1922 bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Lotte, die nur sehr ungern an ihre deutsche Herkunft erinnert wird, repräsentiert im Roman die Perspektive einer ‚Niederländerin‘, die durchweg misstrauisch gegenüber ‚den Deutschen‘ ist und deren Beziehung zu ‚den Deutschen‘ – und somit auch zu Anna – aufgrund ihrer persönlichen Erlebnisse nachhaltig gestört ist. Ressentiments und Unverständnis herrschen vor. Anders ist es bei der deutschen Anna. Sie repräsentiert die Perspektive eines zutiefst verzweifelten, einfachen deutschen Volkes, das durch den Krieg genauso gelitten hat wie die vermeintlichen ‚Opfer‘ der Nazi-Verbrechen. Von bisweilen dramatischen Lebensumständen weiß sie ihrer Schwester zu berichten und hofft so, bei ihr auf Verständnis zu stoßen. Die Verwendung zweier konträrer Blickwinkel, die sich wie ein roter Faden durch den Roman ziehen, beugt immer wieder einem ‚Aus-einer-Perspektive-heraus-Argumentieren‘ und einer starren Schwarz-WeißSicht auf die Kriegsgeschehnisse von ’39 bis ’45 vor. Sie fesselt den Leser, bringt ihn nicht nur zum Nachdenken, sondern so manches Mal auch zum Umdenken.


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Versuche von Reflexion Dadurch, dass der Leser eine größere Sympathie für die deutsche Anna entwickelt, werde einem oftmals „arroganten niederländischen Volk“ der Spiegel vorgehalten, so Professor Wielenga mit der sich daran anschließenden Frage, ob De Loo sich im Buch nicht zu sehr mit der deutschen Seite identifiziert habe. Denn diesen ‚Vorwurf‘ hat man ihr in den unterschiedlichsten Kritiken immer wieder gemacht. Selbst als Landesverräterin hat man sie bezeichnet. Dabei sei De tweeling „gar kein populistisches Buch“, so die niederländische Schriftstellerin, „es wurde aber populär.“ Vom Publikum eher positiv aufgenommen, von den Rezensenten eher negativ, sei es wohl ein Buch, das zweifelsohne „starke Gefühle hervorruft“ und polarisiert, so De Loos Annahme. Deshalb auch das geteilte Echo in der Presse. Dem Leser von De tweeling wird eine andere Sicht auf die Dinge vermittelt – eine zusätzliche Sicht. Das Buch versucht die gängigen Denkschablonen, Ressentiments, Schuldzuweisungen, Voreingenommenheiten und Verallgemeinerungen, ein blindes Mitverantwortlich-Machen auf sowohl deut-

scher als auch auf niederländischer Seite aufzudecken und bedient sich dabei des äußerst gelungenen Motivs der durch den Krieg ‚entzweiten‘ Zwillinge. Sie wurden getrennt, um am Ende – wenn man so will – wieder zusammenzufinden.

Nachdem De tweeling bereits in mehr als 25 Sprachen übersetzt worden ist und es sich somit nach dem Tagebuch der Anne Frank um das zweitbekannteste niederländische Buch über die Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges handelt, geht dessen Stellenwert weit über die deutsch-niederländischen Beziehungen hinaus.

Stimmungsmache und Gehirnwäsche Zur Entstehungsgeschichte berichtete De Loo während des Abends, sie habe es sich als Kind nicht vorstellen können, dass ein gesamtes Volk als „teuflisches Volk“, als Volk mit einer „Kadaverdisziplin“ geboren werde. „Wie kann es sein, dass es so ein Volk gibt?“ fragte sie sich. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Leute ‚anders‘ geboren wurden, wie sie es aufgrund zahlreicher (schwarzweiß gefärbter) Geschichten, die ihr in ihrer Jugend erzählt wurden, und der allgemein anti-deutschen Stimmung nach dem Krieg zunächst annehmen musste. So begab sie sich auf die Suche nach dem Deutschland ohne das „schwarze Imago“ und versuchte ein ‚Verständnis‘ für die Propagandamaschinerie der 30er Jahre zu entwickeln. ‚Verständnis‘ für die Deutschen in der Nazizeit und ‚Verständnis‘ dafür, wie die Leute damals „gehirnspült“ wurden (nl.: hersenspoeling). Selbstverständlich habe sie – als geborene Niederländerin – aber auch ein Solidaritätsgefühl hinsichtlich der Geschichte der Holländer. Der sich daraus ergebende Konflikt („Was hätte ich in den 30er Jahren gemacht?“) bildete eines ihrer wichtigsten Motive zum Schreiben des Romans. So hatte sie die Idee der Zwillinge, von denen einer die deutsche und die andere die niederländische Seite repräsentiert, sowie die Idee einer ‚Wie-

derholung‘ des Krieges zwischen beiden Ländern „boven de taartjes“, sozusagen als ‚Wortgefecht en miniature‘, das über Törtchen und Gebäck am Tisch ausgetragen wird.

Vom Verständnis zum Selbstverständnis De Loo geht es darum, Verständnis (hier: für die Deutschen in der Nazizeit) zu entwickeln und ein blindes Aufrechterhalten bloßer Schuldzuweisungen zu bekämpfen. Der Mensch sei abhängig von der Zeit, in der er lebe und auch vom Milieu, in dem er lebe, so ihre Ansicht. Niemand könne heute sagen, wie er damals gehandelt hätte. Es geht ihr aber auch um Selbstverständnis (hier: des niederländischen Volkes), an welchem im Roman ja kräftig gerüttelt wird. So entwickelt die komplett ‚verniederländischte‘ Lotte, die während des Krieges jüdischen Untergetauchten hilft, zumindest ansatzweise Verständnis für die andere Seite, für ihre deutsche Schwester. Anfänglich ist sie noch sehr misstrauisch Anna gegenüber, wird aber durch Annas ergreifende Geschichten immer wieder mit dem Leid einfacher Deutscher in Kriegszeiten konfrontiert. Und dieses Leid gab es ja auch! Ein weiteres Motiv für das Schreiben des Romans seien insbesondere auch diese „kleinen bürgerlichen Geschichten“ gewesen, die De Loo selbst und somit auch ihren Roman geprägt haben, und die ja irgendwann auch „verschwinden, wenn die Leute nicht mehr da sind.“ Lotte kann Anna letztlich nicht vergeben, aber zumindest Verständnis hat sie bekommen. Dazu De Loo: „Vergeben ist auch etwas anderes, als anfangen zu verzeihen.“ Gesponsert wurde die Veranstaltung vom Nationaal Comité 4 en 5 mei und vom vfonds (Nationaal Fonds voor Vrede, Vrijheid en Veteranenzorg).


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LESEN FÜR

Freek Langeveld, Nederlandse krijgsgevangene in Duitsland NEDERLANDS ///

Freek Langeveld was 20 jaar toen hij in 1940 werd gemobiliseerd door het Nederlandse leger. Hij bracht het grootste deel van de oorlog door als krijgsgevangene van de Duitsers, in Magdeburg. In een dagboek beschreef hij de angstaanjagende bombardementen op die stad en zijn voettocht door het ineenstortende Derde Rijk. Mathijs Eskes is geschiedenisstudent. Zijn opa was bevriend met Freek Langeveld. Mathijs heeft de nu 94-jarige Freek Langeveld onlangs opgezocht in zijn woonplaats Vaassen om met hem over zijn belevenissen in de oorlog te praten. Freek Langeveld war 20 Jahre alt, als er 1940 von der niederländischen Armee mobilisiert wurde. Den Großteil des Krieges verbrachte er in deutscher Kriegsgefangenschaft in Magdeburg. In seinem Tagebuch beschreibt er die entsetzlichen Luftangriffe auf die Stadt und seinen Fußmarsch durch das Dritte Reich, das kurz vor seinem Zusammenbruch stand. Mathijs Eskes studiert Geschichte im niederländischen Groningen. Sein Opa war mit Freek Langeveld befreundet . Mathijs besuchte den inzwischen 94-jährigen Freek Langeveld in seinem Wohnort Vaassen, um mit ihm über seine Kriegserlebnisse zu sprechen.

Op basis van dit interview en het dagboek schreef Mathijs dit verhaal van een Nederlandse verbindingsofficier die een groot deel van de Tweede Wereldoorlog in Duitsland doorbracht, in een kamp voor krijgsgevangenen. Toen de Amerikanen naderden werden de krijgsgevangenen weggestuurd uit het kamp, ‘losgelaten’. Zo begon een zwerftocht door midden-Duitsland, een overlevingstocht te midden van de totale chaos. “Ondanks de trekwagens hadden we stuk voor stuk nog een hele vracht om te dragen. Eindelijk was het zover en zette de stoet zich in beweging. Ik hoorde bij de duwploeg van een der wagentjes. (…) Onderweg zagen we verschrikkelijke tonelen.” De naam Freek Langeveld is op verzoek gefingeerd, zijn echte naam is bij de redactie bekend. FREEK LANGEVELD NEDERLANDSE KRIJGSGEVANGENE IN DUITSLAND: VOORVRIJHEID.FILES.WORDPRESS.COM/ 2015/05/ARTIKEL-FREEK-LANGEVELD.PDF

DEUTSCH ///

Auf der Grundlage dieses Interviews und des Tagebuchs schrieb Mathijs diese Geschichte eines niederländischen Offiziers, der die meiste Zeit des Zweiten Weltkriegs in einem deutschen Kriegsgefangenenlager verbrachte. Mit dem Vormarsch der amerikanischen Truppen wurden die Kriegsgefangengen aus dem Lager weggeschickt, ‘losgelassen’. So begann für Langeveld ein Streifzug durch Mitteldeutschland, ein Überlebenskampf im Chaos des Kriegsendes. “Trotz der Leiterwägen mussten auch wir selbst noch schwere Frachten schleppen. Endlich war es so weit, und setzte der Zug sich in Bewegung. Ich gehörte zu einer Gruppe, die die schwer bepackten Leiterwägen anschieben musste. (…) Unterwegs sahen wir entsetzliche Szenen.” Der Name dieses Augenzeugen wurde auf seinen Wunsch hin geändert, sein echter Name ist der Redaktion bekannt.


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FREIHEIT Nederlands onderduikverhaal slaat aan bij Duitse scholieren Johanna Reiss uit Winterswijk moest in de oorlog als Joods meisje van 10 samen met haar zusje onderduiken bij een boerenfamilie in Usselo, in de buurt van Enschede. Haar verhaal, dat ze opschreef in het boek ‘De Schuilplaats’ (1978), wordt in Duitsland nog steeds veel gelezen en gebruikt in het onderwijs. Terwijl het boek in Nederland al jaren niet meer wordt bijgedrukt, is in Duitsland onlangs een nieuwe vertaling verschenen. De inmiddels 83-jarige Reiss emigreerde na de oorlog naar de Verenigde Staten. Ze toerde afgelopen maand door Duitsland om als Zeitzeuge over de onderduikperiode te vertellen. In augustus spreekt ze met scholieren in Keulen en in grensplaats Vreden, in september in Borken en in november treedt ze op in Hamburg. Volgens dagblad Tubantia komt Reiss dit najaar ook naar Nederland. De Twentse krant meldt dat het boek -dat in het Duits Und im Fenster der Himmel heet – in negentig Duitse steden op middelbare scholen wordt behandeld. De Duitse uitgeverij DTV maakte lesmateriaal bij de nieuwe uitgave en scholieren kunnen ook de plekken uit het boek opzoeken in Winterswijk. Het boek spreekt kinderen aan omdat het goed afloopt en omdat kinderen zich goed in het 10-jarige meisje kunnen verplaatsen, laat de uitgever tegenover Tubantia weten. Reiss schreef het boek voor haar dochters, maar heeft zich inmiddels tot doel gesteld zoveel mogelijk jonge mensen aan te sporen om mensen niet te beoordelen op geloof, kleur of afkomst maar op hun handelen.

Weggemoffeld! Levensverhalen van Duitse Arnhemveteranen Toen ik in 2004 aan een buurman vertelde dat ik op mijn oude dag, ik was toen 37, Duits ging studeren, reageerde hij met verbolgenheid in zijn stem: “Dat je op jouw leeftijd nog gaat studeren is prima, maar waarom in godsnaam Duits?”

Drs. Ingrid Maan (1966) studeerde Duitse Taal en Cultuur. Ze specialiseerde zich in sociaaleconomische thema’s en deed literatuuronderzoek naar het begrip ‘Heimat’. In het verleden werkte zij o.a. als docent Duits en opleidingskundige. Thans heeft zij een bureau voor interculturele communicatie tussen Nederland en Duitsland (Between Dutch & Deutsch). Sinds vijf jaar geeft Ingrid rondleidingen over het voormalig slagveld van Oosterbeek en Arnhem onder de naam: ‘Belevenistours Slag om Arnhem vanuit Duits perspectief’.


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VIEL BÜHNE UND GROSSE EHRE FÜR FREIHEIT

TEXT /// PRESSENETZWERK FÜR JUGENDTHEMEN

Die Projekte der deutsch-niederländischen Kooperationen im Rahmen von „Für Freiheit/ voor vrijheid“ haben am 27. August in Münster eine vorläufige würdige Ehrung erfahren. Erneut zeigten die niederländischen Organisatoren, wie man Freiheit feiert – und das nicht nur, weil sich der niederländische König Willem-Alexander ein eigenes Bild von den Aktivitäten vor Ort machen wollte. Mehr als 130 Schülerinnen und Schüler aus Nordrhein-Westfalen und den Niederlande waren ebenfalls angereist und wurden gut unterhalten. Nach den Workshops zur „Begrüßung“ und vor allem zur inhaltlichen Einstimmung genossen auch sie das Freiheitsfest. Unsere Kollege vom Pressenetzwerk und die Kolleginnen vom Duitsland Instituut hatten zuerst noch alle Hände voll zu tun, um den „bunten Haufen“ Jugendlicher ein paar Inhalte zu Freiheit und Medien im Medienworkshop zu vermitteln. Als ab 14 Uhr so langsam die Spannung im Kleinen Haus des Theaters Münster stieg, war das aber bereits vergessen. Mit dem gemeinsamen Auftritt der Konrad Koselleck Big Band, Vincent Bijlo und Ellen ten Damme war auch musikalisch klar: Jetzt wird gefeiert. Und zwar die Freiheit! Im straff durchgeplanten Ablauf kamen auch unsere beiden Kölner Videoworkshop-Teilnehmerinnen Svenja und Amber zu Wort. Nein mehr noch: In Anwesenheit des Königs nahmen sie Platz am

„Küchentisch“ von „About Freedom“, einem niederländischen Video-Format, das weltweit Menschen sammelt, die in eben der sehr privaten Küchenatmosphäre zum Thema Freiheit reden. Im Gespräch mit zwei Zeitzeugen, dem Niederländer Jan Bachman und der Münsteranerin Ruth Dölle-Oelmüller, repräsentierten sie nicht nur die junge Generation, sondern auch die Notwendigkeit, sich mit den „Alten“ auszutauschen. Und das machen die beiden gerade auch sehr intensiv – und zwar für ihren zweiten Film im Rahmen des Workshops.


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BRIEVEN GEVEN BIJZONDERE INKIJK IN OORLOGSTIJD JOODSE FAMILIE TEKST / TEXT /// DUITSLAND INSTITUUT

De Duitstalige joodse arts Felix Oestreicher en zijn vrouw, germaniste Gerda Laqueur, vluchten in 1938 voor de dreiging van de nazi-terreur met hun drie jonge dochtertjes vanuit het Tsjechische Karlsbad (Karlovy Vary) naar Nederland. Over de ontwikkeling van zijn dochters, Beate (1934) en de tweeling Helli (later Helly) en Maria (1936), schrijft hij regelmatig brieven aan zijn familie, die hij ‘Drillingsberichte’ noemt.

Der deutsch-jüdische Arzt Felix Oestreicher und seine Frau, Germanistin Gerda Laqueur, fliehen im Jahr 1938 vor der Bedrohung des Nazi-Terrors mit ihren drei kleinen Töchtern aus dem tschechischen Karlsbad / Karlovy Vary in die Niederlande. Felix Oestreicher (1894-1945) hält die engen Familienbande durch regelmäßigen Briefkontakt aufrecht. Ab dem Jahr 1937 berichtet er darin über das Wohlbefinden seiner Töchter Beate (*1934) und den Zwillingen Helli und Maria (*1936). Er nennt seine 160 vorhandenen Briefe „Drillingsberichte“


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De 160 berichten tonen Felix als een gevoelige waarnemer, met oog voor de karakters van de drie meisjes, die in feite afgesloten leven van de buitenwereld, maar die door hun ouders worden gevoed met kennis van cultuur en wetenschap. De ouders overleven de concentratiekampen niet. De brieven vormen een bijzondere nalatenschap, die een inkijk geven in het familieleven tijdens de oorlog. Professor Paul Sars van de Radboud Universiteit Nijmegen doet onderzoek naar de familie Oestreicher. Samen met studente Nederland-Duitsland-Studies Jorien Hollaar maakte hij een tentoonstelling en een website over de Drillingsberichte, om ze voor een breder publiek te ontsluiten. Scans van de hoofdzakelijk Duitstalige brieven zijn opgeslagen in het Stadsarchief Amsterdam. Op de Nijmeegse website komt, zo wordt aangekondigd, lesmateriaal beschikbaar voor Nederlandse en Duitse scholieren. “De brieven bevatten een schat aan informatie en bieden de mogelijkheid tot bestudering vanuit verschillende invalshoeken, met name historisch, maar bijvoorbeeld ook didactisch of taalwetenschappelijk”, schrijft Sars op de site. Ook zoekt hij nog vrijwilligers die willen helpen de hele verzameling te transcriberen. Brieven uit de oorlog vormen een rijke bron. Naast de brieven van Felix Oestreicher uit zijn familiearchief zijn er nog vele andere kleine en grote briefverzamelingen en dagboeknotities. De expositie over de Drillingsberichte in de Universiteitsbiliotheek in Nijmegen is 1 oktober geopend.

Aus den Drillingsberichten tritt eine sensible Wahrnehmung mit einem Auge für die Charaktere der drei Mädchen hervor, die von der Außenwelt größtenteils abgeschnitten leben. Auch während der Zeit der Unterdrückung werden sie mit Kenntnissen über Kultur und Wissenschaft ausgerüstet und sie entwickeln ihre Kreativität und Fantasie. Die Eltern überleben die Aufenthalte im Konzentrationslager nicht. Im Rahmen des Programms „Making of the War“ führt Paul Sars am Forschungsinstitut Historical, Literary and Cultural Studies (HLCS) der Radboud Universität Nijmegen ein Forschungsprojekt über die Familie Oestreicher durch. Jorien Hollaar, Teilnehmerin des Studiengangs Niederlande-Deutschland-Studien, untersuchte die „Drillingsberichte“, die sie über eine Website der Radboud Universität einem breiten Publikum zugänglich macht.

WEITERE INFOS /// WWW.RU.NL/DRILLINGSBERICHTE ARCHIEF.AMSTERDAM/INVENTARISSEN/INVENTARIS/30808.NL ZIE BIJVOORBEELD DIT ARTIKEL: WWW.GESCHIEDENISBELEVEN.NL/BRIEF-EN-DAGBOEKSCHRIJVERSUIT-WOII-AAN-HET-WOORD/


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DUITS-NEDERLANDS PERSPECTIEF BIJ ROTTERDAMSE EXPOSITIE DE AANVAL Museum Rotterdam heeft samen met het Duitse legermuseum in Berlijn een tentoonstelling gemaakt over het bombardement op Rotterdam in 1940. Dit jaar is de expositie te zien in Rotterdam, volgend jaar in Berlijn. Een spannend experiment. “In Berlijn kennen ze Rotterdam niet. Dat vraagt om een andere benadering om mensen naar het museum te trekken.” TEKST /// DUITSLAND INSTITUUT FOTO‘S /// MUSEUM ROTTERDAM


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Een tentoonstelling over het bombardement op Rotterdam maken samen met een Duits legermuseum; dat is een gewaagde onderneming. Je hebt dan niet alleen te maken met de gebruikelijke cultuurverschillen tussen Nederlanders en Duitsers. Je moet ook twee verschillende perspectieven samenbrengen: die van de slachtoffers en die van de daders. Het weerhield het Museum Rotterdam en het Militärhistorisches Museum der Bundeswehr in Berlijn er niet van het avontuur samen aan te gaan. “Ik kan me nu geen tentoonstelling over de Tweede Wereldoorlog meer voorstellen zonder Duits perspectief”, vertelt directeur van het Museum Rotterdam Paul van de Laar deze week op het symposium ‘Bommen op Rotterdam – twee perspectieven, één verhaal’. “Zo’n ander perspectief, daar leer je veel van”, vindt ook Liesbeth van der Zeeuw, die de tentoonstelling mede heeft samengesteld.

Daders De samenwerking vroeg van de betrokkenen nogal wat energie en flexibiliteit. Dat de Rotterdammers tijdens de voorbereidingen afweken van het concept en met nieuwe ideeën en inzichten op de proppen kwamen, was voor Karin Grimme en haar collega’s van het Bundeswehrmuseum flink wennen. “Wij werken echt heel anders, gestructureerder. Je hebt een concept en dat werk je uit”, zegt Grimme. De tentoonstelling gaat volgend jaar naar Berlijn. Aan de opzet en de teksten wordt niets veranderd, zegt Grimme. Die hebben de Berlijners en de Rotterdammers samen geschreven. Maar het bombardement op Rotterdam is op zichzelf niet genoeg om Duits publiek naar het museum te krijgen. “In Berlijn kennen ze Rotterdam niet. Bij ons komen mensen niet vanwege Rotterdam naar het museum, maar vanwege de nazitijd, de Tweede Wereldoorlog of de Luftwaffe.” Dat vraagt een andere benadering om mensen naar de tentoonstelling te trekken, zegt Grimme. “En we moeten ook

meer uitleggen over de geschiedenis van Nederland. Dat weten Duitsers niet.” Grimme vindt het belangrijk dat in Berlijn het perspectief van de daders goed naar voren komt. De geallieerde bombardementen op bijvoorbeeld Dresden en Hamburg maken daarom geen onderdeel uit van de expositie. Daar waren Duitsers slachtoffers. “Maar in eerste linie zijn ze daders. Dat wil ik laten zien, dat moet ons museum laten zien: het bombardement op Rotterdam ging van ons uit.”

Militaristisch De deelnemers aan het symposium, mensen uit het onderwijs, de museumwereld en medewerkers van de verschillende 4 en 5 comités in Nederland, bezoeken tijdens het symposium de expositie in de oude onderzeebootloods in het Rotterdamse havengebied. Het middelpunt vormt een enorm vliegtuig, precies zo een als waarmee Rotterdam in 1940 is gebombardeerd. In vitrines zijn veel militaire spullen te zien, uniformen, geweren, een bom, veel ander wapentuig. Op hele grote en kleinere schermen vertellen historici, legerdeskundigen en militairen die aan de strijd hebben meegedaan over de aanval op Rotterdam. Ook ‘gewone’, niet-militaire ooggetuigen komen aan het woord. De tentoonstelling is wel erg militaristisch, klinkt het van verschillende deelnemers aan het symposium. Er hadden wel wat meer verhalen van gewone Rotterdammers in gemogen. Tegelijkertijd werken de beelden op de grote schermen goed in de loods. Er is veel gebruik gemaakt van historisch filmmateriaal. Achterin zijn speciale installaties voor scholieren, die keuzes moeten maken tussen dilemma’s die ook nu actueel zijn. Zouden zij zich bijvoorbeeld ontfermen over asielzoe-

kers? Die dilemma’s hebben de Duitse en Nederlandse museummedewerkers ook samen gemaakt. “Met ‘De Aanval’ in de Onderzeebootloods hebben we onze nek uitgestoken. We hebben de eerste dagen van de Tweede Wereldoorlog ook vanuit het perspectief van ‘de agressor’ laten zien, aan de hand van persoonlijke verhalen. Daar was moed voor nodig, de moed om het klassieke vijanddenken los te laten”, aldus de Rotterdamse burgemeester Aboutaleb in een boodschap die Paul van de Laar overbracht aan de deelnemers van het symposium. Dat was niet vanzelfsprekend, vertelt Van de Laar. In eerste instantie, toen het museum met de burgemeester sprak over eventuele fianciële steun voor ‘De Aanval’ vroeg hij: ‘Waarom moet je Duitsland daar nou bij halen?’ Van de Laar: “Maar nu is hij blij dat de tentoonstelling er is.” Het symposium ‘Bommen op Rotterdam, twee perspectieven, één verhaal’ werd op 13 oktober 2015 gehouden op initiatief van het Nationaal Comité 4 en 5 mei en het Museum Rotterdam in het kader van het project ‘Voor Vrijheid/Für Freiheit – 70 jaar bevrijding’. Dit project is ontstaan na de 5 mei-lezing van de Duitse president Gauck in Breda in 2012, waarin hij Nederland en Duitsland opriep zich gezamenlijk in te zetten voor vrijheid en het begrip inhoud te geven. WEITERE INFOS /// MUSEUMROTTERDAM.NL/ WWW.MHMBUNDESWEHR.DE/

Grimme, Van de Laar, Van der Zeeuw. Afb.: Nat. Comité 4 en 5 mei/Marco de Swart


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DE SHOAH IN HET MUSEUM: ‘JE MOET LOKALE VERHALEN VERTELLEN’ TEKST /// DUITSLAND INSTITUUT

Kreutzmüller, Van der Laar en Cahen. Afb.: Nationaal Comité 4 en 5 mei/Marco de Swart


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Toen de latere Duitse historicus Christoph Kreutzmüller begin jaren negentig zijn vervangende dienstplicht in het Joods Historisch Museum (JHM) in Amsterdam deed, was hij geschokt hoe weinig aandacht daar aan de Holocaust werd besteed. Later begreep hij dat dat een goede reden had, vertelde hij deze week op het symposium ‘Bommen op Rotterdam – twee perpectieven, een verhaal’ in Rotterdam: het JHM wilde de geschiedenis van het joodse volk niet reduceren tot de Holocaust. Nu, 25 jaar later, werkt Joël Cahen, tot voor kort directeur van het JHM, aan een Nationaal Shoah Museum in Amsterdam. “We willen de Holocaust in Nederland van A tot Z laten zien in een Europees verband”, vertelt Cahen in Rotterdam. “Met de omstanders, de daders, de slachtoffers en de redders. De joodse vluchtelingen uit Oostenrijk en Duitsland, de vluchtroutes.” Het nieuwe museum moet in de Hollandsche Schouwburg komen, waarvandaan joden in Nederland op transport werden gesteld naar de concentratiekampen. Het oude theater maakt onderdeel uit van de joodse wijk in Amsterdam, legt Cahen uit, waar ook het JHM en de Portugese synagoge staan, “waar het joodse leven wordt gevierd”.

Tweede generatie oorlogsslachtoffers Dat de Holocaust slechts een kleine rol speelde in het JHM heeft mede te maken met het feit dat zijn generatie, de tweede generatie oorlogsslachtoffers, daar niet goed mee om kon gaan, vertelt Cahen. “Wij konden dat niet handelen”, zegt hij nu. “Ik kon ook niet goed met de kritiek omgaan van mensen die de Shoah in ons museum misten. Pas later heb ik me gerealiseerd dat het een schande is dat er geen Shoah museum is.” In het nieuwe museum moet ook aandacht komen voor antisemitisme voor en na

de Tweede Wereldoorlog. Een van de voorbeelden die Cahen voor zijn project noemt is het Unites States Holocaust Memorial Museum. “Zij gaan ook verder dan alleen de Shoah.” Er is bijvoorbeeld ook aandacht voor de genocide in Rwanda, vertelt hij, en als Obama speecht over mensenrechten, doet hij dat ook daar.

Lokale verhalen Waarom een nationáál Shoah Museum, is een van de vragen tijdens het symposium. Kun je de Holocaust niet beter vanuit Europees perspectief vertellen? Nee, zegt Cahen zonder aarzelen. Ook Christoph Kreutzmüller ziet dat niet voor zich. Hij werkt aan een tentoonstelling over de Holocaust voor het Jüdisches Museum Berlin. “Je moet lokale verhalen vertellen”, zegt hij. Zeker als je de Holocaust wil overbrengen aan de vierde generatie, die de verhalen niet meer uit eerste hand kent. “Dat lukt niet met een internationaal museum.” Lokale verhalen vertellen werkt wel, is Kreutzmüllers ervaring. Als je het huis kent waar een historische gebeurtenis zich heeft afgespeeld, helpt dat, zegt hij. Meer nog dan het feit dat je overgrootouders daar eventueel hebben gewoond. Het internationale aspect is bovendien sowieso onderdeel van tentoonstellingen of

musea over de Holocaust, zeggen Kreutzmüller en Cahen. Het Nationaal Shoah Museum – “of het volkerenmoord museum, we weten de titel nog niet” – vertelt het verhaal van de Nederlandse joden in Europees vergelijkend perspectief, zegt Cahen. Kreutzmüller: “De Shoah was een internationaal moordprogramma. Joden kwamen overal vandaan en kwamen overal terecht.” Bovendien komen de bezoekers van het Jüdisches Museum Berlin van over de hele wereld. “Die brengen ook hun perspectief mee. We moeten ook hun vragen beantwoorden.”

Holocaust en Shoah De begrippen Holocaust en Shoah worden gebruikt voor de moord op de joden tijdens de Tweede Wereldoorlog. Holocaust betekent ‘brandoffer’ en is sinds de jaren zeventig een gangbare term. Shoah betekent ‘uitroeiing’ en is het officiële Hebreeuwse begrip. Lees meer op de website van Yad Vashem

WWW.YADVASHEM.ORG/YV/EN/HOLOCAUST/RESOURCE_CENTER/THE_HOLOCAUST.ASP


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DE TOEKOMST VAN HERDENKEN Hoe kun je de Tweede Wereldoorlog en de bevrijding herdenken op een manier die voor jongeren interessant is? Over die vraag hebben een groep Nederlandse en een groep Duitse jongeren zich gebogen tijdens een workshop van het Pressenetzwerk für Jugendthemen. Van 5 t/m 8 november vonden de ‘Jugendmedientage’ plaats in Bonn. Deze dagen worden ieder jaar in een andere stad in Duitsland georganiseerd voor jong, Duits mediatalent. Het Pressenetzwerk für Jugendthemen verzorgde ook dit jaar een workshop, maar deze keer wel een heel bijzondere: In het kader van de Duits-Nederlandse samenwerking in het project Voor Vrijheid werden voor het eerst zo’n tien Nederlandse jongeren uitgenodigd om samen met een Duitse groep na te denken hoe je de herinnering aan de Tweede Wereldoorlog en de bevrijding vorm kunt geven door gebruik van nieuwe media. Hoe vertel je de geschiedenis zodat jongeren en ook toekomstige generaties betrokken blijven? Op vrijdagavond kwamen de deelnemers aan. Toen al kwam een overeenkomst tussen Nederland en Duitsland aan het licht: treinen met vertraging. In het Haus der Geschichte volgde de groep een workshop over de rol van buitenlandse media in Duitsland. Daarna volgde een cultureel programma dat de jongeren zelf vorm gaven met poetry-slam en live-muziek. Na een enerverende nacht in een sporthal in Bonn verscheen de hele groep op vrijdag ochtend weer in het Haus der Geschichte. De manager van Google in Berlijn vertelde over de samenwerking met media. Want storytelling is voor iedereen op elke plek op aarde weggelegd, maar hoe verifieer je feiten, hoe deel je statistieken en plattegronden? Google

liet zien welke mooie mogelijkheden het bedrijf hiervoor te bieden heeft. Maar gelukkig was er ook een kritisch geluid: hoe voorkomt Google misbruik van gegevens? Voor de Nederlandse deelnemers gaf de discussie die daarop volgde een mooie inkijk in de Duitse cultuur: Privacy wordt in Duitsland sterker bevochten dan in Nederland. En dat heeft zeker iets met de geschiedenis van Duitsland te maken… Daarna vertrok de groep naar het gebouw van de omroep Deutsche Welle. De jonge workshopleiders van het Pressenetzwerk, Michael en Luzia, beiden werkzaam in de journalistiek, deden in de ochtend nieuwe technologieën en mooie voorbeelden uit de doeken. Want nieuwe media bieden mogelijkheden om de geschiedenis te beleven en tegelijkertijd kennis over te brengen. Zo heeft de lokale krant Heilbronner Stimme in 2014 met whatsapp geëxperimenteerd. Twee jonge medewerkers hadden eerst handmatig 2500 mobiele nummers van Heilbronner burgers ingevoerd. Deze mensen ontvingen op de dag dat 70 jaar eerder in 1944 het bombardement op Heilbronn plaatsvond

berichten over achtergrond en verloop van deze verschrikkelijke gebeurtenis. Een methode om de geschiedenis wel heel dicht bij de mensen te brengen. Een andere manier is Action Bound, een programma waarmee iedereen makkelijk een speurtocht uit kan zetten, maar dat niet met houtsnippers maar met gebruik van gps data, QR-codes enz. In de middag gingen de jongeren zelf aan de slag, in Nederlands-Duitse groepjes. Dat ging prima. Zo ging één groep direct op onderzoek uit naar een gebouw in Bonn waar vluchtelingen zijn gehuisvest. Andere jongeren interviewden inwoners van Bonn over de lokale geschiedenis en twee groepen puzzelden met de nieuwste technieken van Action Bound om over de democratische symbolen van Bonn te reflecteren. Een mooie oefening voor iedereen. De deelnemers waren het erover


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eens dat de resultaten uit de workshop ervoor zorgen dat de geschiedenis actueel blijft. Sommige Nederlanders reisden op zaterdagavond al weer terug naar Nederland, maar ze hebben direct het inschrijfformulier meegenomen voor een nieuwe workshop in Duitsland… TEKST & FOTOS /// NATIONAAL COMITÉ 4EN5MEI


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BRIEVEN AAN EEN ZEITZEUGE Wat het betekent om in een dictatuur te leven is voor Nederlandse jongeren moeilijk voor te stellen. De gastlessen van Zeitzeugen van de DDR, die het Duitsland Instituut aanbiedt aan Nederlandse middelbare scholen, moeten die geschiedenis invoelbaar maken. Na afloop schreven de leerlingen een brief aan hun gast. Uit deze brieven heeft een jury twee brieven gekozen die bijzondere indruk maakten.

TEKST /// DUITSLAND INSTITUUT

Geldermalsen, 29-11-2015 Geachte mevrouw Abitzsch, Mijn naam is Marleen Doré, één van de leerlingen in de zesde klas van het vwo op ORS Lek en Linge, waar u vrijdag 13 november jongstleden een gastlezing heeft gegeven. Bij deze wil ik u bedanken voor de lezing over uw persoonlijke verhalen en herinneringen aan uw jeugd in de DDR. De lezing maakte mij, en met mij veel andere leerlingen, bewust dat de geschiedenis niet achter ons in de boeken ligt, maar nog dagelijks zijn invloedrijke sporen laat zien. Natuurlijk speelt het besef dat de verhalen in onze geschiedenisboeken niet heel lang geleden afspeelden al langer. We kunnen praten met onze opa’s en oma’s over de Tweede Wereldoorlog, en onze ouders kunnen ons ook vertellen over de protesten tegen de atoombommen waaraan zij deelnamen. Maar onze levens worden niet dagelijks beïnvloed door de oorlog die onze grootouders hebben meegemaakt, of de demonstraties waarbij onze vaders en moeders meeliepen. En uit uw lezing bleek dat de gebeurtenissen die nu in onze geschiedenisboeken staan, uw leven en het leven van uw ouders heeft gevormd. Voor u was de val van de muur geen verplichte leerstof, maar de realiteit. Dat wij, leerlingen van 6 vwo, dit niet doorhadden, bleek uit een vraag die werd gesteld. U vertelde ons over de tweede generatie en hoe deze generatie vaak onder de loep wordt genomen door wetenschappers en psyschologen. Een leerling vroeg u naar de derde generatie, en zij vroeg hoe deze groep keek naar de Duitse maatschappij, waarop u antwoordde dat uw zoontje nog maar net twee was. De derde generatie bestaat dus nog helemaal niet, en daar hadden we niet eens aan gedacht. Het feit dat deze geschiedenis nog onvoltooid is, werd hierdoor nog eens extra benadrukt.

Wat we allemaal nog niet wisten, was dat de dag dat u de lezing hield een dag werd die we nooit gaan vergeten. 13 november 2015 gaat de geschiedenisboeken in voor de volgende generaties. Het is moeilijk te beseffen dat hetgeen wij nu meemaken ook onze levens zal gaan vormen, op welke manier dan ook. De actualiteit wordt geschiedenis, maar alleen voor de mensen die het niet bewust hebben meegemaakt. Voor u zal de val van de muur en de gevolgen hiervan nooit een verhaal worden uit een geschiedenisboek, en voor ons zullen de verschrikkelijke aanslagen in Parijs op die dag ook nooit verplichte leerstof worden of simpelweg een anekdote. Nogmaals bedankt voor het delen van uw verhaal. Misschien sta ik, of een van mijn klasgenoten, over twintig jaar ook voor een klas met leerlingen die tot dat moment nog niet beseffen dat de gebeurtenissen om hen heen de geschiedenisboeken van de toekomstige generaties gaan vullen. Met vriendelijke groeten, Marleen Doré


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Delft, 19 november 2015 Geachte heer Planitzer, Maar wat is nou die heilstaat, als er muren omheen staan? Als je bang en voorzichtig met je mening moet omgaan? Met dit stukje Hollandse trots uit de jaren ’80 begon uw gastles. Ik denk dat ik voor heel mijn klas kan spreken als ik beken dat ik dacht: daar gaan we weer. In feite denk ik dat ik zelfs voor elke Nederlandse middelbare scholier spreek als ik zeg dat ik dit nummer niet meer aan kan horen. ‘Harrie Jekkers kan in een les over de Duitse deling niet meer ontbreken,’ zal de collectieve mening onder de geschiedenisleraren wel zijn. En dus luisteren we Over de muur, jaar in jaar uit, maar horen we door de Haagse molestatie van het lied heen wel echt waar de tekst over gaat? Het type collectieve mening in Oost-Duitsland toentertijd was namelijk wel andere koek dan de muzieksmaak van de Nederlandse leraren nu. Wat u vertelde over de censuur in Oost-Duitsland, en het constant op je woorden moeten letten trok mijn aandacht. Ik ben ontzettend geïnteresseerd in groepsdynamiek, vandaar dat ik voor mijn profielwerkstuk heb gekozen voor groepsdruk in christelijke sekten. Ik onderzoek in hoeverre een mening van de massa invloed kan hebben op de mening en gedachtegang van een individu, en de rol van sekteleiders hierin. Nooit had ik de link gelegd met Oost-Duitsland. Waarom zou ik? Wat heeft dat land te maken met het principe van indoctrinatie? Dit was wat ik dacht, totdat ik uw verhaal hoorde. De manier waarop u vertelde over de mening die alle Oost-Duitsers werd ingeboord, en hoe niemand eigenlijk recht heeft op een eigen mening is een opvallende overeenkomst met mijn onderzoek. Uiteraard wist ik wel het een en ander over het communisme, maar dat dit psychologische spelletje zo diep ging was nieuw voor mij. Kenmerkend in de wereld van sekten is het voor een deel afnemen van iemands identiteit. Dit is het streven van sekteleiders, want zeg nou zelf: is het niet veel makkelijker om een kudde makke schapen voort te leiden dan een groep waarvan de mensen stuk voor stuk persoonlijke eisen en eigen theorieën hebben? Hoe meer eenduidige meningen, hoe makkelijker het is om de orde te bewaren en op die manier macht te krijgen over mensen. Sommigen zullen dit een scheve vergelijking vinden, maar ook hierin zie ik een parallel: het afnemen van de denkwijze van individuen en het daarvoor in de plaats komen van een algemene denkwijze. Dit is exact wat er tijdens de deling aan de hand was in Oost-Duitsland.

Gedurende de lezing kwam ik erachter dat er nog veel meer dingen waren die ik niet wist over het leven in Oost-Duitsland. Armoede, kou, weinig westerse media en reclameborden van economische grootmachten zoals Coca Cola zijn nergens te bekennen; ik denk dat de meesten in mijn klas wel een dergelijk beeld hadden van hoe het daar was. Een kloppend, maar ontzettend stereotyperend beeld, en in alle eerlijkheid moet ik ook zeggen dat ik nooit de moeite heb genomen voorbij dit stereotype te denken. Dankzij u heb ik ontdekt dat er nog veel meer aan de hand was. Het feit dat iedereen – volgens het Oost-Duitse denken – iets ‘verschuldigd’ is aan de staat, bijvoorbeeld, is iets dat ik nooit heb geweten. Dat u drie jaar voor de Stasi heeft moeten werken voordat u aan uw studie kon beginnen, enkel en alleen omdat de staat dat van u wil, is iets wat ik moeilijk voor te stellen vind. En dat het vooruitzicht van studeren dan in één klap wordt weggenomen, alleen maar vanwege het schrijven van brieven naar het Westen, vind ik ronduit absurd. Te bedenken dat dit tijdperk pas zesentwintig jaar geleden tot een einde is gekomen vind ik al helemaal onvoorstelbaar. Zo kort geleden, en zoveel is er veranderd. Het heeft me zeker wel aan het denken gezet, voornamelijk over hoe het zou zijn als wij in Nederland nu in een situatie zouden zitten waarin we onze mening niet zomaar konden uiten. Zeker omdat we in Nederland de ultieme vorm van vrijheid gewend zijn – de vrijheid van meningsuiting. Ik weet niet wat ik zou doen als dat recht van mij afgenomen zou worden. Ik wil u hartelijk bedanken voor het delen van uw verhaal. Een verhaal horen van iemand die datgene daadwerkelijk zelf heeft meegemaakt brengt toch weer een nieuw perspectief aan de verhalen uit de boeken. We hebben misschien andere problemen in de hedendaagse samenleving, maar we hebben tenminste onze vrijheid nog, en uw verhaal heeft mij eraan herinnerd daar dankbaar voor te zijn. Groeten, Joëlle Bouwman


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CONFERENTIE ‚FREIHEIT UND DEMOKRATIE LERNEN‘ De tweedaagse conferentie ‘Freiheit und Demokratie lernen. Burgerschapsvorming und politische Bildung in Deutschland und den Niederlanden’ vond op 17 en 18 februari 2016 plaats in Düsseldorf en was georganiseerd door de Landeszentrale für politische Bildung in Noordrijn-Westfalen, het Nationaal Comité 4 en 5 mei, Pro Demos – Huis voor Democratie en Rechtstaat en het Duitsland Instituut Amsterdam. De conferentie vormde de afsluiting van het Duits-Nederlandse project ‘Voor vrijheid – für Freiheit’, dat in 2015, 70 jaar na het einde van de Tweede Wereldoorlog, was georganiseerd. TEKST & FOTO /// DUITSLAND INSTITUUT

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Hoe geef je les over burgerschap en democratie in een samenleving die door migratie en globalisering verandert? Aan mensen die de overheid en de media steeds vaker wantrouwen? Daarover spraken Duitse en Nederlandse docenten, wetenschappers en museummedewerkers twee dagen lang in Düsseldorf. Nederlandse scholen zijn sinds 2006 wettelijk verplicht aandacht te besteden aan burgerschapsonderwijs. Dat besluit nam de Tweede Kamer na de moorden op Pim Fortuyn en Theo van Gogh, bang voor fragmentatie van de samenleving, legde de Utrechtse hoogleraar pedagogiek Micha de Winter tijdens de conferentie ‘Freiheit und Demokratie lernen. Burgerschapsvorming

und politische Bildung in Deutschland und den Niederlanden’ uit. Duitsland besteedt al sinds het einde van de Tweede Wereldoorlog veel aandacht aan politische Bildung en Demokratieerziehung. Maar Nederlanders moeten daarom niet denken dat zij vooral van de Duitsers kunnen leren, zei de Duitse professor pedagogiek Hermann Josef Abs van de Universität Duisburg-Essen direct aan het begin van de conferentie. Duitsers maken ook gebruik van verfrissende Nederlandse ideeën. “De stemwijzer komt uit Nederland”, zei hij. Inmiddels is de Duitse versie, de Wahl-O-Mat, ook in Duitsland een populair informatiemiddel bij verkiezingen.

Spraakverwarring

Kaartje enstcirkel Anne Frank Stichting

Een aantal keer heerste er spraakverwarring tussen Nederlanders en Duitsers. Dat begon al met de titel van de conferentie: is burgerschapsvorming in Nederland eigenlijk wel hetzelfde als politische Bildung in Duitsland? Een aantal Duitse deelnemers had een probleem met het begrip ‘nation’, dat Nederlanders in hun vaak Engelstalige presentaties gebruikten. In het Duits heeft dat een minder neutrale betekenis. Konden ze daar niet beter ‘bevolking’, ‘the people’ van maken? Nederlandse deelnemers begrepen niet waar het teken * in woorden als ‘Politiker*Innen’ voor was. Met PolitikerInnen worden zowel mannen als vrouwen bedoeld – een samenvoeging van Politiker en Politikerinnen. Het * is toegevoegd voor mensen die zich noch vrouw, noch man voelen, legde een Duitse workshopleidster uit. Sommige Nederlandse deelnemers grinnikten over zoveel politieke correctheid. “Maar dat is toch niet grappig”, reageerde een Duitse verbaasd, “dat is juist heel belangrijk.” De begrippen vrijheid en democratie hebben in Nederland en Duitsland verschillende connotaties, legde Abs even later in een


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plenaire lezing uit. Die worden mede bepaald door de geschiedenis en politieke praktijk. In Nederland wordt vrijheid gezien als iets wat de bevolking heeft bevochten. In Duitsland is het de positieve consequentie van een fout verleden, aldus Abs. En waar in Nederland het verlies van vrijheid geldt als het grootste gevaar voor de samenleving, is dat in Duitsland het verlies van vrede. Dat brengt een ander perspectief op de democratie met zich mee.

Concentratiekamp Hoe verschillen in achtergrond invloed hebben op het perspectief van Nederlanders en Duitsers, bleek tijdens een workshop van de Anne Frank Stichting. Daarin werkten de conferentiedeelnemers met lesmateriaal voor (v)mbo-scholieren, waarmee ze leren hoe mechanismen van uitsluiting werken. De deelnemers moesten kaartjes met probleemsituaties op een ‘ernstcirkel’ moesten leggen, die was ingedeeld in vlakken van ‘heel ernstig’ naar ‘niet relevant’. Verschillende deelnemersgroepen bleven steken op een kaartje waarop een man tegen een lokale tv-zender zegt dat heel Palestina één groot concentratiekamp is. De Nederlandse deelnemers vonden de situatie van de Palestijnen erg. Maar de Duitsers vielen over het gebruik van het woord concentratiekamp – daarmee kun je Palestina echt niet vergelijken, zeiden ze. Toch hebben Nederland en Duitsland toch vooral ook veel gemeenschappelijk als het om burgerschapsvorming gaat. Beide landen worstelen met vragen als: hoe geef je burgerschapseducatie aan nieuwkomers, migranten? En hoe bereik je jongeren in achterstandswijken en mensen die de overheid en de media niet meer vertrouwen?

Globaler perspectief Bij burgerschapsonderwijs voor migranten moeten scholen en organisaties zich aanpassen aan de veranderingen in de samenleving, was een van de conclusies. Geschiedenislessen worden bijvoorbeeld vaak vanuit Duits of Nederlands perspectief gegeven, maar veel allochtone jongeren identificeren zich daar niet of nauwelijks mee. Maak het perspectief globaler en ga bijvoorbeeld in op het conflict in het Midden-Oosten, was het advies in een van de workshops. Een beetje meer culturele diversiteit onder de deelnemers had de conferentie overigens geen kwaad gedaan, concludeerden de deelnemers, grotendeels blanke veertigers en vijftigers, zelf na twee dagen ervaringen uitwisselen.

in de Duisburgse probleemwijk Marxloh zelf hadden bedacht in het onderwijsproject ‘Jugend für Politik gewinnen’. De branchevereniging voor ambachten in Noordrijn-Westfalen steunde het project 14Plus voor jongeren op vmbo-scholen in probleemwijken, waarin burgerschapsonderwijs werd gekoppeld aan lessen over beroepsoriëntatie. Voor beide vakken heb je dezelfde competenties nodig, was het idee: gevoel voor eigenwaarde en verantwoordelijkheid, je behoeftes leren uitspreken en die van anderen begrijpen. De jongeren deden ook snuffelstages bij verschillende bedrijven om uit te vinden waar ze goed in waren. Het leidde tot minder schoolverlaters en bijna 30 procent meer jongeren die in een leerwerktraject terecht kwamen.

Probleemjongeren Probleemjongeren in achterstandswijken kun je het best benaderen met onderwerpen uit hun directe leefomgeving, is de ervaring van zowel Nederlanders als Duitsers. De aanleg van een sportveld in de buurt of het tegengaan van vandalisme op het schoolplein waren voorbeelden van onderwerpen die jongeren

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WAS BLEIBT? EIN EUROPA UND ZWEI EUROPÄISCHE LÄNDER. EINE JUGEND UND ZWEI EUROPÄISCHE PERSPEKTIVEN. EINE ERINNERUNG UND ZWEI EUROPÄISCHE GEDENKEN. EIN GEMEINSAMES ZIEL: FREIHEIT!


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Journaal voor vrijheid / das Magazin für Freiheit  

Ergebnisse des deutsch-niederländischen Gedenk- und Erinnerungsjahres 70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg. „Voor Vrijheid – für Freiheit“ bracht...

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