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Foto: Bea Marquardt, Michael Schroeren

niert war. Aber im Ernst: Die SPD ist schon lange kein „Männerverein“ mehr: Hannelore Kraft und Malu Dreyer sind SPD-Frauen an der Spitze zweier Bundesländer. In der engeren Parteiführung der SPD gibt es zum ersten Mal mehr Frauen als Männer, dort steht es 5 zu 4 für die Frauen! BK: Vielleicht haben Frauen sich in der SPD zu oft auf Spielwiesen abdrängen lassen. Das ist heute anders. SG: Der SPD fehlen heute nicht nur Frauen, sondern es fehlen ihr viele Berufs- und Altersgruppen. Die SPD hat als soziale Bewegung begonnen, aber sie wird seit langem als Teil des Staates wahrgenommen. Damit hat sich auch die Mitgliederstruktur der Partei geändert. Die Krankenschwester, der Handwerksmeister, die findet man in der Sozialdemokratie seit den 1970ern seltener. Deshalb ist die Öffnung der SPD, die wir ja seit zwei Jahren beraten und vorantreiben, so enorm wichtig. Wir brauchen wieder mehr Menschen im berufsaktiven Alter in der SPD. Mütter und Väter, Betriebs- und Personalräte, Selbstständige, Facharbeiter/innen, Ingenieure, Kranken- und Altenpfleger/innen, Erzieher/innen, Angestellte von Aldi. Die wissen am meisten über das Leben. Und nichts ist für die SPD wichtiger, als zu wissen, wie das Leben ist. Wir brauchen auch Organisationen wie die AWO: Sie haben Nervenenden in die Gesellschaft. Bis 1933 war die Sozialdemokratie ja so etwas wie eine Gegenwelt. Diese Gegenwelt ist nach 1945 nicht wieder erstanden. Gäbe es heute die Chance, neue „Nervenenden“ wachsen zu lassen? BK: Absolut. Was muss man tun? Zunächst dafür sorgen, dass Menschen sich kennenlernen. Viele SPD-Mitglieder sind aktiv in der AWO, dennoch weiß man oft wenig voneinander. Außerdem: Es gibt heute neue soziale Bewegungen – zum Beispiel Attac, – aber auch kleine Initiativen in Stadtteilen. Die SPD ist nicht immer beteiligt. Da müssen wir uns stärker öffnen. SG: Unsere Leute sind dann irgendwann im Stadtrat und im Landtag oder 02|2013

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»Ein Genosse hat mir gesagt: ‘Bei allem, was die SPD hier und da falsch gemacht hat, die eine Rede von Otto Wels ist es wert, dass man immer wieder beitritt’.« Barbara König

im Bundestag. Die sind dort enorm wichtig, aber wir brauchen auch Menschen, die in den Stadtquartieren unterwegs sind. Obama hat seinen Wahlkampf gewonnen über Leute, die von Tür zu Tür gegangen sind und gefragt haben, wo die Menschen der Schuh drückt. BK: Zeltlager, Jugendreisen haben an Attraktivität nichts verloren, wir müssen nur darauf achten: Wen nehmen wir mit? Und was kostet es? Mir hat noch vor ein paar Wochen eine Kita-Erzieherin gesagt: Ihr macht SuperReisen, aber es ist mir zu teuer. SG: Ich plädiere sehr dafür, dass die Sozialdemokratie sich darauf besinnt, für wen sie da ist. Wir müssen natürlich eine Volkspartei bleiben. Aber für uns muss auch klar sein: Wir sind vor allem für Arbeitnehmer da, auch für Selbstständige und Handwerksmeister. Die Geschichte der SPD ist gut dokumentiert. Wie bekommt man dieses Wissen aus den Regalen in die Köpfe? SG: Nicht anders als vor 150 Jahren, als Lassalle in Leipzig begonnen hat. Man muss sich um Menschen und ihren Alltag kümmern. Die Menschen

strömen nicht von selbst in unsere Versammlungen. Wir werden auch zu ihnen hingehen müssen. Dort, wo wir das tun, sind wir außerordentlich erfolgreich. Deshalb stellen wir wieder in fast allen Großstädten den Oberbürgermeister. Das sind alles Kümmerer. Und bei der Bundestagswahl 2013 geht es um die Alternative „Kümmerer-Partei“ oder „Tu-nixKoalition“, denn CDU/CSU und FDP wollen die Realität in Deutschland und Europa ja gar nicht zur Kenntnis nehmen. BK: Wir alle können in unseren Familien, in der Nachbarschaft, im Betrieb deutlich sagen, dass man zur SPD gehört, und darüber reden, was wir durchgesetzt haben. Zum Beispiel Arbeitszeitverkürzung. Schon 1875 haben wir in Gotha gesagt: Wir wollen einen Normalarbeitstag, der den gesellschaftlichen Bedürfnissen entspricht. Das ist immer noch hoch aktuell. SG: Wir müssen den Mut haben, Menschen wieder Hoffnung zu machen. Wenn Menschen nicht mehr daran glauben, dass sich Engagement lohnt: Das wäre das Ende der Sozialdemokratie. Ich glaube sogar, das Ende der Demokratie. n Barbara König ist Sozialwissenschaftlerin. Sie leitet als Geschäftsführerin das „Zukunftsforum Familie e.V.“ der AWO in Berlin Sigmar Gabriel ist seit 2009 SPD-Parteivorsitzender.

Politik für die Menschen: Sigmar Gabriel mit US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus

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vorwärts extra: 150 Jahre SPD  

150 Jahre Sozialdemokratie: Auf dem Weg zu einem besseren Leben

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