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Kauft im Konsumverein Die Genossenschaft: Fast vergessen, erlebt sie heute ein großes Comeback Von Susanne Dohrn im Kampf um die soziale Hebung der Arbeiterklasse“, schrieb der „Vorwärts“ 1909. Soviel Erfolg weckte Widerstand. Der Einzelhandel fühlte sich bedroht und übte Druck auf die Großhändler aus, nicht an Konsumgenossenschaften zu liefern. Die gründeten deshalb 1894 eine eigene Großhandelsorganisation, die „Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Consumvereine mbH“ (GEG). Ab 1903 betrieb sie zunehmend eigene Produktionsstätten für die Güter des

Arbeiterfrauen kaufen in ihrer Konsumgenossenschaft: Zeichnung von Heinrich Zille

Ehem. Präsident der EG-Kommission Die Idee jedoch lebte weiter. SPD-Gründer Ferdinand Lassalle forderte 1863, dass „sich der Arbeiterstand durch freiwillige Assoziationen als sein eigener Unternehmer organisiert“. Das „Eisenacher Programm“ verlangte 1869 die „Abschaffung der jetzigen Produktionsweise (Lohnsystem) durch genossenschaftliche Arbeit“. Und: „den vollen Arbeitsertrag für jeden Arbeiter“. Der große Aufschwung des sozialdemokratischen Genossenschaftswesens begann jedoch erst nach dem Ende der Sozialistengesetze.

Der Erfolg weckte Widerstand Um die Wende zum 20. Jahrhundert waren Konsumgenossenschaften zum „dritten Pfeiler der Arbeiterbewegung“ geworden, so der Historiker Franklin Kopitzsch. „Der Mann in die Gewerkschaft, die Ehefrau in die Konsumgenossenschaft! So ergänzen sich beide

»Zur Feier des 150. Jahrestags der Sozialdemokratie in Deutschland möchte ich vor allem betonen, wie viel ich dieser Bewegung zu verdanken habe. Dabei beziehe ich mich insbesondere auf das Godesberger Programm, mit dem der Weg geöffnet wurde für einen Sozialismus, der die Brücke schlägt zwischen den Anforderungen der Demokratie und dem Bestreben, eine Gesellschaft aufzubauen, die allen offensteht. Und ich denke dabei auch an das kreative Wirken ihrer herausragenden Führungspersönlichkeiten, die es verstanden haben, eine Politik zu führen, die Verantwortung und Solidarität als Grundwerte des Sozialismus und die Anpassung an neue europäische und globale Gegebenheiten miteinander in Einklang bringt. Ja, die Sozialdemokratie hat eine Zukunft!«

vorwärts

02|2013

Foto: Villa Grisebach / Karen Bartsch, DPA / Wiktor Dabkowski

D

as Mehl mit Gips gestreckt, das Fleisch gefärbt, damit es frisch aussah – 1850 hatten die Handwerker und Kattunarbeiter im sächsischen Eilenburg es satt, ihre sauer verdienten Groschen für schlechte und überteuerte Waren auszugeben. Sie gründeten eine „Association für Lebensmittel“ und damit die erste Genossenschaft auf deutschem Boden. Die Idee kam aus England und war so einfach wie genial: Der Verein kaufte Lebensmittel zu Großhandelspreisen und verkaufte sie ohne Preisaufschlag an die Mitglieder. Die „Association“ begann mit 50 Familien, 1851 waren es schon 400. Ein langes Leben war der Urzelle der Konsumgenossenschaften nicht beschert. Druck der Kleinhändler, die sich um ihre Gewinne betrogen fühlten, Steuerforderungen des Staates und interne Querelen führten dazu, dass die Association 1853 Pleite ging.

Jacqu e s De l or s

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vorwärts extra: 150 Jahre SPD  

150 Jahre Sozialdemokratie: Auf dem Weg zu einem besseren Leben

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