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Nach langem Kampf setzt sie das Frauenwahlrecht in Deutschland durch: Luise Zietz, 1919

»Der weibliche Bebel« Sie war eine begabte Rednerin und eine mutige Vorkämpferin für die Rechte der Frauen. In die Wiege gelegt war Luise Zietz das nicht Von Susanne Dohrn

Foto: bpk / Photothek Willy Römer

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s ist Freitag, der 27. Januar 1922. Ein eisiger Wintertag. Um 13:20 Uhr eröffnet der Sozialdemokrat und Reichtagspräsident Paul Löbe die Sitzung mit eine traurigen Nachricht: „Meine Damen und Herren! Auch zu Ihren Ohren ist wohl inzwischen die schmerzliche Kunde gekommen: (Der Reichstag erhebt sich) Frau Abgeordnete Zietz, die gestern an der Stätte ihrer Arbeit in eine schwere Ohnmacht fiel, ist von hier aus auf ihr Totenlager getragen worden. Ein Leben voll rastloser, voll unermüdlicher, voll zermürbender Arbeit ist damit erloschen.“ Die Sozialdemokratin hatte im Reichstag einen Herzinfarkt erlitten und war in der Nacht im Alter von 56 Jahren gestorben. Wohl kaum einer Politikerin hat die Frauenbewegung in Deutschland so viel zu verdanken wie Luise Zietz. 02|2013

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Strohhut, roter Bluse und schwarzem Rock. Hat gelblichen Teint und macht den Eindruck, als gehöre sie dem Arbeiterstande an“, berichtet ein Polizeispitzel 1906. Dank ihres rhetorischen Talents ist Luise Zietz inzwischen eine der erfolgreichsten sozialdemokratischen Agitatorinnen – und im Visier der Obrigkeit. Als 1908 Frauen endlich politischen Organisationen beitreten dürfen, wird sie Reichsfrauensekretärin und als erste Frau Mitglied des SPDParteivorstandes, zuständig für Frauenarbeit. August Bebel ist ihr Förderer. Luise Zietz schreibt und spricht darüber, wie die Industrialisierung das Leben der Frauen verändert. Sie sieht die „Hungerlöhne“ der Arbeiterinnen, ihre „Überbürdung“ durch die Doppelbelastung von Erwerbs- und Hausarbeit und fordert deshalb den 8-Stunden-Tag und Wöchnerinnenschutz. Aber sie sieht auch die positiven Seiten. Es sei „gerade die Erwerbsarbeit, die sie (die Frau) vorbereitet, die sie empfänglich macht, sie gewissermaßen prädestiniert für den politischen Kampf“, schreibt sie 1911.

»Können wir nicht wählen, so können wir doch wühlen!« Geboren 1865 als ältestes von vier Kindern eines Wollwebers im Dorf Bargteheide bei Hamburg muss sie schon als Kind in der Werkstatt ihres Vaters mitarbeiten und erlebt bittere Armut. 1890 heiratet sie den Hamburger Hafenarbeiter Carl Zietz, lernt über ihn die Sozialdemokratie kennen und wird 1892 Mitglied. Beim großen Streik der Hamburger Hafenarbeiter 1896/97 tritt Luise Zietz das erste Mal in Erscheinung. Auf Frauenversammlungen wirbt sie für den Streik. Sie ist eine so begabte Rednerin, dass sie fortan „der weibliche Bebel“ genannt wird, nach dem damaligen Parteivorsitzenden August Bebel.

Im Visier der Polizei Hamburg, Große Theaterstraße, Bezirksbüro der SPD. „Ehefrau Zietz aus Hamburg, ca. 44 Jahre alt, 165 cm groß. Trug das Haar gescheitelt. Bekleidet war sie mit einem kleinen, runden

Politischer Kampf, damit meint Luise Zietz vor allem das Frauenwahlrecht. Wählen gehen, gewählt werden ist im 19. Jahrhundert Männersache. Das sieht zunächst auch die Mehrheit der Sozialdemokraten so. Auf dem Arbeiterkongress in Gotha stellt August Bebel 1875 den Antrag, unter die dringlichsten Forderungen das Wahlrecht für Männer und Frauen aufzunehmen. Er unterliegt mit 55 zu 62 Stimmen. Die sozialdemokratischen Frauen lassen sich nicht entmutigen. Nach dem Motto: „Können wir nicht wählen, so können wir doch wühlen!“ beteiligen sich viele Frauen an den Wahlkämpfen sozialdemokratischer Landtags- und Reichstagsabgeordneter, so die Historikerin Gisela Notz. 1891 übernimmt die SPD die Forderung nach einem allgemeinen, gleichen, direkten Wahl- und Stimmrecht in Erfurt in ihr Programm, und Luise Zietz wirbt fort-

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150 Jahre Sozialdemokratie: Auf dem Weg zu einem besseren Leben

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