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I r is Be r be n Schauspielerin »150 Jahre Sozialdemokratie und 150 Jahre im Einsatz für Frieden, Freiheit und Solidarität – Werte, die heute aktueller sind denn je. Aus diesem Grund wünsche ich der Deutschen Sozialdemokratie alles, alles Gute und weiterhin viel Kraft im Einsatz für eine friedliche Welt, ein starkes Europa und soziale Gerechtigkeit.«

Fotos: Dirk Bleicker, dpa / Henning Kaiser, Arne Dedert

rie braucht jeden, der zur Führung taugt, und ich glaube nicht, dass es unter den Söhnen von Arbeitern weniger Begabte geben soll als unter den Sprösslingen von Generaldirektoren und Großaktionären.“ Dem „Spiegel“ erzählte er damals, wen er für förderungswürdig hielt: „Weder Machtmenschen noch Anpassungskünstler“, sondern nur jene, die „neben überdurchschnittlichem Verstand Charakter- und Willensstärke sowie soziale Skrupel besitzen“.

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Mehr Gerechtigkeit im Wirtschaftsleben, Aufstieg für die Unterprivilegierten, das waren auch innerhalb der SPD und im Bundestag die Themen des Seiteneinsteigers. Zweimal gewann er den Wahlkreis Goslar-Wolfenbüttel direkt, danach kam er bis 1983 über die bayerische Landesliste ins Parlament. Schon nach einem Jahr im Bundestag wurde er zum Parlamentarischen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Karl Schillers ernannt. Nach einem Jahr warf der ungeduldige Rosenthal das Handtuch, weil ihm alles zu langsam ging mit der Umsetzung der Arbeitnehmerbeteiligung am Produktivvermögen. Natürlich war nicht jedermann – das galt auch für die SPD – begeistert von dem eleganten, langen Schlacks mit seiner Neigung zu Ironie und Selbstironie. Er war nicht angewiesen auf die Partei, er war ein Nonkonformist, der Spaß am Leben hatte, mit einer Biografie, die für mehrere Abenteuerbücher gereicht hätte. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er mit der Familie 1934 nach England emigrieren. Er studierte in Oxford, ging nach Kriegsausbruch zur Fremdenlegion, floh von dort, brachte sich als Schweinehirt, als Bäckerlehrling, als Rugby- und Sprachenlehrer durch, arbeitete als Journalist und Bergarbeiter, bis die Familie ihre An-

Ausgezeichneter Arbeitgeber heute: Atilla Karka erhielt 2010 den Innovationspreis der Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen in der SPD. Der Chef eines Reinigungsunternehmens beschäftigt Mitarbeiter aus über 100 Nationen. Ihnen bezahlt er Deutsch-Sprachkurse und Weiterbildungen.

02|2013

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teile an der von den Nazis arisierten Porzellanfabrik zurückbekam. Dieses bunte Leben machte ihn immun gegen jede Art von Dünkel und sensibel für soziale Ungerechtigkeiten. Vielleicht war er lebensgierig – geldgierig war er nie. n Renate Färber-Husemann (geboren 1946) ist freie Autorin und lebt in Bonn.

Di e t e r Gr aum a n n Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland »Für mich steht die SPD mit ihrer langen Geschichte wie keine andere Partei für die Freiheit und für die Menschlichkeit. Dazu nur zwei Beispiele: Am 23. März 1933 stimmten die 94 SPD-Abgeordneten, und nur diese, im Reichstag gegen das „Ermächtigungsgesetz“, das der Nazi-Regierung freie Hand gab, Gesetze des Grauens zu erlassen. Otto Wels hielt eine flammende Rede gegen diese Selbstentmachtung des Parlaments: ,Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.‘ Diese Worte haben Geschichte geschrieben. In meiner persönlichen Erinnerung nimmt der berühmte Kniefall von Willy Brandt am Warschauer-Ghetto-Mahnmal einen besonderen Platz ein. Diese Geste von menschlichem Anstand hat mich damals, als junger Mann, tief ­berührt. Ich wünsche mir daher, dass die SPD an diese großartige Tradition weiterhin anknüpft und immer wieder Politiker hervorbringt, die nicht nur nach den Mehrheiten des Tages schielen, sondern die für die Sache der Menschlichkeit zu kämpfen bereit sind.«

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vorwärts extra: 150 Jahre SPD  

150 Jahre Sozialdemokratie: Auf dem Weg zu einem besseren Leben

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