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Design und Bewusstein: Philip Rosenthal (1916–2001), „Dienstmann der SPD für Vermögensbildung“ der Arbeitnehmer, in seiner Fabrik in Selb 1982

Für jeden einen Anteil am Haben und Sagen Philip Rosenthal, Sozialdemokrat und Unternehmer, warb mit Erfolg für mehr Mitbestimmung

E

r wollte sich partout in kein Raster pressen lassen, der Chef der Rosenthal AG, einst Deutschlands größte Porzellanfabrik. Von 1969 bis 1982 saß Philip Rosenthal für die SPD im Bundestag. Sein großes Thema waren Mitbestimmung und finanzielle Teilhabe der Arbeitnehmer. Selbstironisch nannte er sich einmal den „Dienstmann der SPD für Vermögensbildung.“ Für Funktionäre war ein Typ wie er eher verwirrend: Erfolgreicher Unternehmer, Lebemann, Frauenheld, Sportler, Freund großer Künstler, ein Paradiesvogel eben, wie ihn auch seine langjährige Lebensgefährtin nannte. Aber gleichzeitig war der Mann ein bedingungsloser Kämp-

fer für Gerechtigkeit und Demokratie im Wirtschaftsleben. Und deshalb sprach er eben nicht nur auf Podien über Vermögensbildung und Mitbestimmung, sondern er lebte beides im eigenen Unternehmen vor.

Mehr Spaß am Kapitalismus Schon 1963 führte er als einer der ersten Unternehmer in der Bundesrepublik ein Beteiligungssystem für Arbeitnehmer ein. Durch den Erwerb von Aktien sollten sie Spaß am Kapitalismus bekommen und sich einmischen. „Haben und sagen“, das war sein Motto. Unternehmerkollegen forderte er auf, über die gefährliche Kluft zwischen Arm und Reich nachzudenken. Es wa-

ren erstaunliche Sätze in den Zeiten des Wirtschaftswunders: „Die Konzentration des Eigentums in Deutschland muss jeden, der nicht zukunftsblind ist, kalt ankommen.“ Wie würde er wohl die Obszönitäten in der Finanzwirtschaft von heute kommentieren? 1968 sorgte Rosenthal für Schlagzeilen, als er seinen Anteil am Unternehmen verschenkte und seine Kinder damit enterbte. Er gründete eine Stiftung zur Förderung der Ausbildung von Arbeiterkindern. Aus den Erträgen wurden Stipendien für Universitäten und Fachschulen gezahlt. Selbst in Zeiten der sozialdemokratischen Bildungsoffensive klang seine Begründung sensationell: „Unsere Industvorwärts

02|2013

Foto: ullstein bild / D. M. Marcovicz

Von Renate Faerber-Husemann

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vorwärts extra: 150 Jahre SPD  

150 Jahre Sozialdemokratie: Auf dem Weg zu einem besseren Leben

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