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Illustration: Claus + Mutschler

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16. Plauen Erich-Ohser-Haus

17. Neustadt an der Weinstraße Hambacher Schloss

18. Heidelberg Reichspräsident-Friedrich-EbertGedenkstätte

Erich Kästner, Erich Knauf und Erich Ohser: Die drei Erichs glaubten an das Gute im Menschen – trotz Hitler und trotz alledem. Der Dichter, der Journalist und der Zeichner haben Sätze, Geschichten, Bücher und Bilder geprägt, die unvergesslich wurden. Erich Ohser lieferte die Zeichnungen zu Kästners Büchern. Erich Knauf gründete die Büchergilde Gutenberg und bewies, dass Qualität und Massenwirkung keine Gegensätze sein müssen. Als Karikaturist profilierte sich Ohser ab den späten 1920er-Jahren im „Vorwärts“. 1933 wurden seine und Kästners Bücher von den Nazis verbrannt. Beide gingen dennoch nicht ins Exil. Kästner überlebte, Ohser nicht. Obwohl er ab 1940 für das NS-Blatt „Das Reich“ zeichnete, blieb seine regimekritische Haltung nicht geheim. Er wurde denunziert und kam unter mysteriösen Umständen in der Gestapo-Haft um. Erich Knauf wurde, von Freislers „Volksgerichtshof“ verurteilt und hingerichtet. Im Vogtlandmuseum erinnert eine kleine, immer wieder neu akzentuierte Ausstellung an Ohser, der als e.o.plauen vor allem durch seine Zeichengeschichten über „Vater und Sohn“ immens populär wurde. Propagandaminister Goebbels hielt die Nachricht von Ohsers Verhaftung und Tod geheim. Hans Fallada schrieb in einem Nachruf: „Ich möchte wohl wissen, ob er gelacht hat, als er starb.“

Handwerker, Winzer und Bauern aus der Gegend, Studenten und Bürger auch von weither zogen am 27. Mai 1832 von Neustadt aus „hinauf, hinauf, zum Schloss“, geschmückt mit schwarz-rot-goldenen Fahnen und Kokarden. Rund 2000 Teilnehmer hatten die Veranstalter erwartet; Journalisten, die sich in Zeiten strenger Zensur für Pressefreiheit einsetzten. Gut 30 000 kamen: die erste Massendemonstration auf deutschem Boden. Teilnehmer und Obrigkeit verstanden: Die Tage des feudalen, ständischen Obrigkeitsstaates sind gezählt. Die Redner riefen nach Demokratie, nach Rechtsstaatlichkeit, nach Meinungs- und Pressefreiheit. Johann Georg August Wirth stand schon die Schaffung eines „conföderierten, republikanischen Europa“ vor Augen. Die Obrigkeit reagierte. Das Schloss wurde fürs Volk gesperrt. Prinz Max von Bayern begann damit, es sich als Fantasieburg auszubauen. Zur Zeit des Festes war es eine Ruine, von Soldaten König Ludwigs XIV. im 17. Jahrhundert zerstört. Die preußischen und bayerischen Behörden versuchten die Erinnerung an das Fest zu tilgen. Berichte darüber wurden zensiert, Redner verhaftet und eingesperrt. Statt einer europäischen Republik entstand 1871 zunächst ein preußisch-deutscher Nationalstaat. Heute erinnert die Dauerausstellung „Hinauf, hinauf zum Schloss!“ an die Ereignisse von 1832.

Wer die Gedenkstätte an den ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Friedrich Ebert (1871-1925), betritt, fühlt sich zurückversetzt in das 19. Jahrhundert. Seine Geburtswohnung in der Heidelberger Altstadt ist seit 1962 Teil einer Erinnerungsstätte an den verstorbenen Sozialdemokraten. In der 46 Quadratmeter kleinen Wohnung im ersten Stock des Hauses verbrachte Ebert zusammen mit seinen Eltern und fünf Geschwistern Kindheit und Jugend. Die 1986 per Bundesgesetz gegründete „Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte“ präsentiert hier neben der Geburtswohnung die Dauerausstellung „Vom Arbeiterführer zum Reichspräsidenten – Friedrich Ebert 1871-1925“. Sie gestattet einen Einblick in das Leben des gelernten Sattlers Ebert, eingebettet in die Geschichte seiner Zeit. Zudem bietet die Stiftung Wanderaus­ stellungen, Vorträge und Workshops zur historischen und politischen Bildung an. Dadurch ist das Ebert-Haus nicht nur Gedenkstätte, sondern auch Lernort deutscher Demokratiegeschichte.

Galerie e.o.plauen im Erich-Ohser-Haus Vogtlandmuseum Nobelstr. 7-13 08523 Plauen 03741 / 2912344 galerie-e.o.plauen@plauen.de www.e.o.plauen.de

Stiftung Hambacher Schloss 1832 67434 Neustadt a.d.Weinstraße 06321 / 926290 info@hambacher-schloss.de www.hambacher-schloss.de

Di-So 11-17 Uhr

April bis Oktober: 10-18 Uhr November bis März: 11-17 Uhr Eintritt: 4,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro

Anfahrt: Straßenbahn vom Oberen Bahnhof Richtung Altstadt; A 72, Abf. Plauen-Süd Pausentipp: Traditionsgaststätte Matsch Nobelstraße 1-5 08523 Plauen 03741 / 204807 www.matsch-plauen.com

Anfahrt: Hbf. Neustadt a. d. Weinstraße, Bus 502; A65 Abf. Neustadt-Süd (ausgeschildert) Pausentipp: Restaurant 1832 Hambacher Schloss 1832 67434 Neustadt a.d.Weinstraße 06321 / 9597880

Reichspräsident-Friedrich-EbertGedenkstätte Pfaffengasse 18 69117 Heidelberg 06221 / 91070 friedrich@ebert-gedenkstaette.de www.ebert-gedenkstaette.de Täglich außer Mo: 10-18 Uhr, Do: 10-20 Uhr. Eintritt frei Anfahrt: Das Friedrich-Ebert-Haus liegt in der Heidelberger Altstadt, nahe der Alten Brücke, dem Marktplatz und der Heiliggeist-Kirche. Öffentliche Verkehrsmittel: Vom Hauptbahnhof aus mit den Buslinien 32, 33 und 35, Haltestellen „Marstallstraße“, „Alte Brücke“. Pausentipp: Café Burkhardt – Café im Ebert-Haus Untere Straße 27 69117 Heidelberg

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150 Jahre Sozialdemokratie: Auf dem Weg zu einem besseren Leben

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