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10. Unkel Willy-Brandt-Forum

11. Eisenach Gedenkstätte »Goldener Löwe«

12. Gotha Tivoli

In Unkel, gerade einmal 15 Kilometer südlich von Bonn, hat Willy Brandt in der letzten Phase seines Lebens gewohnt: von 1979 bis 1992. Vor ihm hat schon Ferdinand ­Freiligrath, der große Dichter der Freiheitsbewegung, die Schönheit des hiesigen Rheintals zu schätzen gewusst – und besungen. Einer rührigen Bürgerinitiative ist es zu verdanken, dass am zentralen Platz Unkels heute die Lebens- und Wirkungsgeschichte Willy Brandts nacherlebbar ist. Eine kleine, aber klug zusammengestellte Ausstellung lebt von Originaldokumenten, Film- und Tonaufnahmen. Im Mittelpunkt steht neben Brandts Regierungsjahren sein Einsatz als SPD-Vorsitzender für globale Gerechtigkeit (Nord-Süd-Dialog). Die größte Attraktion ist Willy Brandts original erhaltenes privates Arbeitszimmer. Von Unkel ist es ein Katzensprung zum „Weg der Demokratie“ in Bonn mit der ehemaligen SPD-Zentrale, dem Erich-Ollenhauer-Haus, und der Stadthalle Bad Godesberg.

„Die Unterbrechung der Redner und der Lärm auf der einen Seite wurde öfters durch den Ruf ‚Ruhe!‘ auf der anderen Seite übertönt, so daß an eine irgendwie verständliche Berathung nicht zu denken war.“ So beschrieb das „Eisenacher Tageblatt“ den chaotischen Auftakt eines Treffens, das als Gründungsakt der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in die Geschichte eingehen sollte. Wilhelm Liebknecht (1826-1900) und vor allem der erst 29-jährige August Bebel (1840-1913) waren die Motoren des Treffens und wurden die führenden Köpfe der neuen Partei. Deren Ziel: „die Errichtung des freien Volksstaates“ und die „Abschaffung aller Klassenherrschaft“. Programm und Statuten passten damals auf vier DIN-A5-Seiten. Eisenach war keine Hochburg der ­Arbeiterbewegung, sondern lag günstig am Knotenpunkt des neuen Verkehrsmittels, der Eisenbahn. Man traf sich in Gaststätten wie dem „Goldenen Löwen“, welcher heute als Gründungsstätte der SDAP gilt. Die SED berief sich gern, wenn auch zu Unrecht, auf Liebknecht und Bebel. Zu DDR-Zeiten war der „Goldene Löwe“ deshalb Adresse für einen Pflichtbesuch. Das machte es für die 1994 gegründete August-Bebel-Gesellschaft nicht leicht, das Haus zu erhalten. Ab Mai 2013 wird eine neue, von der Friedrich-EbertStiftung finanzierte Ausstellung dem Haus neuen Glanz verleihen und die Geschichte zurechtrücken. Einstweilen sorgen Ehrenamtliche und Mitarbeiter von SPD-Abgeordneten dafür, dass die Gedenkstätte zugänglich ist.

In dem unscheinbaren Haus am Tivoli 3 in Gotha vereinten sich 1875 die zwei wichtigsten Strömungen der deutschen Arbeiterbewegung. Im „Kaltwasser‘schen Saal“ versammelten sich vom 22. bis zum 27. Mai die Delegierten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). Sie beschlossen die Fusion zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) und das wegweisende Gothaer Programm. In der DDR-Zeit instrumentalisierte die SED diesen Ort für ihre Zwecke und richtete 1956 eine „Nationale Gedenkstätte Tivoli“ ein. Auch die Kommunisten sahen sich in der Tradition der SAP, beriefen sich aber zugleich auf Karl Marx‘ Kritik am Gothaer Programm. Darin prangerte Marx an, dass sich die Partei innerhalb „des heutigen nationalen Staates“ bewegen wolle, statt auf eine „Diktatur des Proletariats“ hinzuarbeiten. Nach einer aufwändigen Sanierung wurde das Haus 2005 an den Förderverein Gothaer Tivoli übergeben. Der Verein hat dort eine kleine Dauerausstellung zur Geschichte der Sozialdemokratie und des Gebäudes zusammengestellt.

Willy-Brandt-Forum Willy-Brandt-Platz 5 53572 Unkel 02224 / 7799303 info@willy-brandt-forum.com www.willy-brandt-forum.com April bis Oktober: Di-Sa 10-18 Uhr, So 11-18 Uhr November bis März: Di-Sa 10-17 Uhr, So 11-17 Uhr Eintritt: 5 Euro, erm. 2-4 Euro

Illustration: Claus + Mutschler

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Anfahrt: Bhf. Unkel an der Strecke Köln-Koblenz (RE 8, RB 27); A3 Abf. Bad Honnef/Linz; A59, B42; Bootsanleger (KölnDüsseldorfer u.a.) Pausentipp: Rheinhotel Schulz Vogtsgasse 4-7 53572 Unkel 02224 / 901050

Gedenkstätte „Goldener Löwe“ Marienstraße 57 99817 Eisenach 03691 / 882723 info@august-bebel-gesellschaft.de www.august-bebel-gesellschaft.de Mo-Fr 10-16 Uhr und nach telefonischer Verabredung Anfahrt: vom Hbf. Eisenach ca. 15 Min. Fußweg; A4 Abf. Eisenach-Zentrum Pausentipp: Restaurants am Frauenplan

Tivoli Am Tivoli 3 99867 Gotha 03621 / 704127 info@tivoli-gotha.de www.tivoli-gotha.de Mai bis Oktober: Di bis Fr 10-17 Uhr November bis April: Di-Fr 10-16 Uhr Anfahrt: Vom Hbf. mit der Tram 1, 3 oder 4 bis „18. März-Straße“ Pausentipp: Ratskeller Hauptmarkt 3 99867 Gotha 03621 / 512594 www.ratskeller-gotha.de

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vorwärts extra: 150 Jahre SPD  

150 Jahre Sozialdemokratie: Auf dem Weg zu einem besseren Leben

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