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Oliver W.

Schwarzmann

KOLUMNE Zwischenworte 2: Europa macht den Unterschied. Für die gemeinsame Sache. Hinter dem EURO steht eine politische Vision, hört und liest man überall. Doch die politische Vision eines vereinten Europa sollte nicht hinter dem EURO stehen, sondern vor ihm. Nicht die gemeinsame Währung macht eine Gemeinschaft, es verhält sich umgekehrt. Was aber macht eine Gemeinschaft? Freilich, eine Gemeinschaft hält zusammen, lebt für eine gemeinsame Sache. Sie nimmt aber auch Rücksicht, teilt statt nur zu verteilen. Eine Gemeinschaft ist mehr, als die Summe ihrer Mitglieder; sie entsteht in der Verbindung von Unterschieden, ihre Kraft liegt in der Vielfalt, in der Ergänzung vieler eigenständiger Stärken. Was eine Gemeinschaft ausmacht, ist eine gemeinschaftliche Identität. Eine Identität, die dem Gefühl entspringt, eigenständiger Teil einer besonderen Bewegung zu sein. Griechenland gehört zu dieser Gemeinschaft. Alleine schon seiner Geschichten wegen. Was wäre die Welt ohne die griechischen Heldensagen? Ohne die wunderbaren Philosophen und politischen Vordenker? Freilich, die Zeit antiker Helden, Denker und Redner ist vorbei. Heute geht es um die Fähigkeit des Kalküls und der Strategie. Man muss schnell organisieren, klug investieren und zum eigenen Vorteil rechnen können. Die modernen Wirtschaftshelden tragen keine Rüstung,


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KOLUMNE leben nicht in Fässern oder begeben sich gar auf wagemutige Irrfahrten. Nein, sie haben Maßanzüge, residieren in den obersten Stockwerken und besitzen Navigationssysteme. Die modernen Wirtschaftsdenker streiten sich auch nicht mehr über das Wesen des Sinns oder streben nach Idealen, sie kämpfen um niedrige Kosten und suchen effiziente Wege zum Profit. Odyseen gibt es trotzdem noch. Natürlich, niemand will wirklich in die Antike zurück, gleichwohl die Versuchung, das Vergangene zu wiederholen, für viele heute nicht größer sein könnte. Angesichts der aktuellen Probleme. Doch wer in der Wiederholung lebt, lebt nicht. Und neue Zeiten brauchen nicht nur neue Ideen. Neue Ideen machen auch neue Zeiten. Das gilt nicht ausschließlich für Griechenland. Die USA benötigen frische Wachstumsideen, Konsum und Immobilienbusiness tragen nicht mehr. China braucht eigene Produktideen, Plagiate und Billiglöhne hemmen die Entwicklung. Die Welt bedarf mutiger Ideen für eine ökologische und soziale Balance, an der Verschärfung der globalen Ungleichgewichte zerbrechen ansonsten Mensch und Planet. Und Europa muss zu gemeinschaftlichen Ideen finden. Gemeinschaftliche Ideen, die die Stärken der nationalen Unterschiede fördern. Und sie zugleich zusammenbringen, will Europa sich nicht in nationalem Eigenbrötlertum zerreiben.


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KOLUMNE Strukturelle Angleichung und Förderung der kulturellen und ökonomischen Vielfalt, muss die europäische Formel lauten. Eine Gemeinschaft ist nur stark, wenn auch ihre Mitglieder stark sind. Jedes auf seine Weise. Stärke ist eine Frage des Bewusstseins für eigene Möglichkeiten, nicht eine Frage des Angleichungsstrebens oder steht in Abhängigkeit von Transfers. Es ist auch nicht die zwanghafte Fusion, also das konstruierte Verschmelzen sämtlicher Differenziertheit, die zu Verbundenheit führt. Nein, die freie Symbiose, also das kreative Zusammenwirken von Kontrasten, ermöglicht Entwicklung. Gemeinsame Entwicklung. Was sagt uns das? Nun, eine Gemeinschaft braucht Gleichheit, nicht aber Gleichmachung. Die Verbindlichkeit europäischer Standards ist daher eine wesentliche Basis für Stabilität, der Schlüssel jedoch zur europäischen Verbindung, zu ihrer Entfaltung und Balance liegt im Reichtum gemeinsamer Unterschiede. Kulturelle und wirtschaftliche Homogenität ist kein Erfolgspfad für den Weg in eine Gemeinschaft. Viele Köche verderben dann den Brei, wenn alle Köche den gleichen Brei kochen wollen Oder müssen. Was aber eine Küche wirklich exzellent macht, ist das Zusammenspiel der verschiedensten Spezialisten, Zutaten und Geschmäcker.


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KOLUMNE Die Fragen für Europa könnten lauten: Welches Land hat welche Stärke? Wie kann es seine Einzigartigkeit in Europa einbringen? Was macht die europäische Gemeinschaft daraus? Welche Qualität hat die Symbiose des Differenzierten, das Zusammenspiel der Unterschiede? Die Zukunft von Europa hängt davon ab, ob es seine Pluralität als Vorteil statt als Nachteil zu bewerten vermag und die Verschiedenartigkeit produktiv zu verbinden weiß. Dann entstünde etwas Einzigartiges. Ein europäischer Superorganismus. Eine Hyper-Gesellschaft. Ein Vorbild für die globale Gemeinschaft. Die nächste Stufe wäre dann das totale ineinander Aufgehen, die Transformation zu etwas Höherem. Eine neue Zivilisationsform, die aufgrund ihrer erreichten Ganzheit keine Gemeinschaft mehr nötig hätte, wäre sie dann doch die vollendete Einheit. Ist das die ferne Zukunft von Europa? Womöglich die der gesamten Menschheit? Vielleicht. PS: Diese vollendete Einheit müsste allerdings schon etwas nie Dagewesenes sein, eine revolutionäre Lebens- und Bewusstseinsform, denn einer Welt ohne Unterschiede würde es nicht nur an Faszinationen fehlen. Sondern auch an Bedeutung.

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