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Oliver W.

Schwarzmann

KOLUMNE Die Quelle ist versiegt – vom Niedergang eines Versandhändlers Viele werden es der Krise zuschreiben. Nicht weniger suchen die Schuld bei der Führung. Und manch einer wird sich in seiner Befürchtung über den Verfall von Werten und Traditionen bestätigt fühlen. Zweifellos, ein traditionsreicher Name wird im Konsumkosmos nunmehr keine Rolle mehr spielen – das Fürther Versandhaus Quelle. Nun, der Niedergang eines Unternehmens kommt, trotz oft gegensätzlichem Anschein, nicht über Nacht; eine Pleite ist das Ergebnis vieler kleiner Krisen. An deren Stelle steht meist kein Kreditmangel, sondern ein Innovationsdefizit, auch bei Quelle: Neben allen anderen Problemen im gesamten Konzernkonstrukt, hat der Versandhändler wichtige Markttrends verschlafen, nicht zuletzt den Onlinehandel, den viele Konsummanager für einen Abenteuerspielplatz halten. Bis jetzt. Wer das Internet als Platz, an dem Märkte und Marken gemacht werden, nicht ernst nimmt, darf sich nicht das beliebte Etikett „Kundenorientierung“ um den Hals hängen. Ein Begriff, den ich, nebenbei gesagt, ohnehin als Kundenbeleidigung empfinde, denn Orientierung ist in diesem Zusammenhang zu vage, zu distanziert – und kein Zeichen einer engen, symbiotischen Beziehung. Ich habe auch nicht geheiratet, weil ich frauenorientiert bin. Freilich, ich plädiere dafür, dass Unternehmen nicht zu trendhörig werden, denn Trends sind mittlerweile spontane Phänomene, modische Blitzlichter, zu schnell für einen Unternehmenswandel. Deshalb rate ich, eigene Trends zu kreieren. Gerade der Versandhandel muss sich vom übrigen Basargetue abheben, eigene Sortimente entwickeln, Waren anbieten, die es sonst nirgendwo zu kaufen gibt. Eine exklusive Quelle, meine ich. Heißt es nicht auch – wer zur Quelle will, muss gegen Strom schwimmen? Ist das Quelle-Management gegen den Strom geschwommen? War es innovativ? Hatten wir es hier mit einem eigenständigen und außergewöhnlichen Trendsetter zu tun? Leider nein. Am Alten festhalten, ist kein Signum unabhängigen Trendsettertums. Bitte keine Missverständnisse: Man braucht das Traditionelle nicht verwerfen, muss es aber im Zeichen der Zeit gestalten. Und die Krise? Ja, die Krise deckt auf, verstärkt bereits in Gang gekommene Entwicklungen und zeigt, dass nicht nur die Zeit gieriger Geschäftemacher, sondern auch die von behäbigen und innovationsresistenten Managern endgültig vorbei ist. Also, schwimmen wir gegen den Strom. Auf dass wir zukunftsträchtige Quellen entdecken.

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