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VORWORT Zunächst möchte ich mich an dieser Stelle bei all denjenigen bedanken, die mich bei meinem Projekt unterstützt, begleitet und motiviert haben: Danke an meine Prüfer Professor Christian Mahler und Benjamin Dickmann, die mir über die gesamte Projektlaufzeit wertvolle Tipps und Denkanstöße gegeben und mich damit immer wieder auf den richtigen Weg zurückgebracht haben. Außerdem vielen Dank an Leon für sein Vertrauen und das Bereitstellen der Musik zu meinem Video. Darüber hinaus möchte ich mich bei all meinen Freunden bedanken, die mir über die vielen Wochen immer wieder wertvolles Feedback, Motivation und frische Impulse gegeben haben. Und zu guter Letzt gebührt meiner Familie ein besonderer Dank für ihre Geduld und dauerhafte Unterstützung in all meinen Vorhaben.


INHALT 1. SYNOPSIS............................................................................................09 2. MOTIVATION & ZIELSETZUNG..............................................................10 3. ERSTE SCHRITTE – VOM PROPOSAL ZUR THESIS..................................12 4. FOKUSSIERUNG...................................................................................16 5. PROZESS..............................................................................................20 6. REFLEXION..........................................................................................32 7. SELBSTSTÄNDIGKEITSERKLÄRUNG.......................................................35


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1. SYNOPSIS BEAUTY OF THE LOOP ist ein animiertes Musikvideo im isometrischen Stil, das sich ausschließlich aus Loops zusammensetzt. Das Projekt versucht die Grenzen und Möglichkeiten der Endlosschleife als eigenständiges Stilmittel auszuloten. Die Kombination aus knapp 25 Loops und der Struktur der Musik des Berliner Produzenten BLUESTAEB führt den Zuschauer auf eine Entdeckungsreise durch eine surreale geometrische Welt.


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2. MOTIVATION & ZIELSETZUNG „As a student I found that watching loops assisted the learning. I would learn a little more each time the loop ran through.“ – Neil Sanders

Dieses Zitat, das mir der australische Animator Neil Sanders in einer persönlichen E-Mail im Rahmen meiner Thesis geschickt hat, bringt ziemlich klar auf den Punkt, warum ich mich in meiner Bachelorarbeit mit dem Thema Loops auseinandergesetzt habe: Der Loop war als eine der ersten Fingerübungen der Ausgangspunkt meines Studiums im Fach Motion Design und hat mich seitdem immer beschäftigt und begleitet. Im Internet klicke ich mich fast täglich durch Blogs und Webseiten, die Loops auf einem Fleck versammeln. Wenn man sich drauf einlässt stellt man schnell fest, dass Loops zwar simpel, aber gleichzeitig auch sehr vielschichtig sein können. Ich persönlich konnte mir Endlosschleifen schon immer gut angucken – und zwar immer und immer wieder. Dabei langweilt mich ihre vermeintliche Eintönigkeit selten. Im Gegenteil: Loops inspirieren mich, ziehen mich in ihren Bann und ich versuche in jeder Schleife neue Nuancen in der Bewegung zu entdecken, die ich so vorher noch nicht bemerkt habe. Das ist im Sinne von Neil Sanders natürlich auch ein gutes Hilfsmittel zum Lernen von Bewegungsabläufen, in erster Linie macht es mir aber schlicht und einfach Spaß. Unter anderem aus diesen Gründen wollte ich den Umgang mit Endlosschleifen in meinem praktischen Projekt auf die Spitze treiben und ein Video produzieren, das sich ausnahmslos aus animierten Loops zusammensetzt. Die folgenden Seiten beschreiben den Entstehungsprozess von BEAUTY OF THE LOOP – von der ersten Idee bis zum fertigen Clip.


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/// Abb. 001: Hintergrund-Ebene der Welt von BEAUTY OF THE LOOP


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3. Erste Schritte Vom Proposal zur Thesis Um von vornherein unnötige Probleme zu vermeiden, habe ich mir bereits im Proposal zu BEAUTY OF THE LOOP klare Grenzen und Regeln für mein Projekt gesteckt. Ich wollte nur mit den gestalterischen Werkzeugen arbeiten, die ich auch beherrsche und mit denen ich mich sicher und wohl fühle. Konkret bedeutete das einen Verzicht auf alles, was mit Kameras und gefilmtem Material, sowie 3D-Software zu tun hat. Ich wollte mich im Umgang mit den Tools verbessern und weiterentwickeln, die mir am meisten liegen und mit denen ich am meisten Spaß habe. Darum ist BEAUTY OF THE LOOP ausschließlich in After Effects, Adobe Illustrator und Photoshop entstanden. Die Entscheidung, ein Musikvideo zu animieren, war ein weiterer logischer Schritt während der klaren Eingrenzung meiner Arbeit. Das Format Musikvideo gibt einen machbaren zeitlichen Rahmen vor und ersparte mir zudem die Gestaltung der Tonspur. Zu diesem Zeitpunkt dienten mir bekannte Loop-basierte Videos wie „Cirrus“ von Cyriak und „Tango“ von Zbigniew Rybczynski als Inspiration für eine mögliche Gestaltung bei der Arbeit mit Loops. Mein erstes Moodboard war außerdem noch angelehnt an den Collage-Stil von Mira Ruidos Musikvideo zum Song „Young“ (Abb. 002 - 004). Wegen der vorgegebenen Deadline lag das Hauptaugenmerk in den Anfangsmonaten meiner Bearbeitungszeit zunächst aber auf dem Schreiben der wissenschaftlichen Arbeit mit dem Titel „BEAUTY OF THE LOOP: Grenzen und Möglichkeiten der Endlosschleife als Stilmittel im animierten Musikvideo“. Im Detail werde ich auf den Inhalt des schriftlichen Teils hier nicht näher eingehen, aber auf meine Forschungsergebnisse komme ich zu einem späteren Zeitpunkt (Kapitel 5) noch einmal zu sprechen.

/// Abb. 002 - 004: Stills aus den Videos zu „Cirrus“ (vimeo.com/58115286), „Tango“ (vimeo.com/38580206) und „Young“ (vimeo.com/93965105)


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/// Abb. 005: beautyoftheloop.tumblr.com

Um zwischendurch immer wieder etwas Abstand zu meiner Thesis zu gewinnen, startete ich parallel ein tumblr-Blog zu meinem Projekt, wo ich in regelmäßigen Abständen kurze animierte Loops in Form von GIFs veröffentlichte. Damit wollte ich versuchen, mir schrittweise ein Publikum für mein Projekt aufzubauen, aber vor allem ging es darum, auf technischer Ebene beim Erstellen von Loops in After Effects eine gewisse Routine zu entwickeln und meinen Workflow zu optimieren. Ich testete in dieser Zeit viele verschiedene Plug-Ins, diverse Loop-Expressions und auch das bestmögliche Zusammenspiel zwischen Adobe Illustrator und After Effects. Insgesamt sind bis zum Projektende 44 freie Loops entstanden. Gestalterisch variierten die Loops anfangs noch stark und waren nie wirklich zielgerichtet, sondern eher als Sammlung zu verstehen.


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Erst einige Zeit später machte sich dann langsam ein gewisser Stil erkennbar, der sich schnell weit von meinem ersten Moodboard entfernte und der mich schließlich auch zum Look meines praktischen Projektes brachte (mehr dazu in Kapitel 4). Eine zweite Baustelle, der ich mich während des Schreibens der Thesis widmete, war die Tonspur für mein Musikvideo. Aus einem privaten Interesse an Hip-Hop-Beats heraus, kontaktierte ich über Facebook den Berliner Beat-Produzenten BLUESTAEB. Seine Musik hatte ich bis dahin schon öfter für kleinere Semesterprojekte verwendet. Jetzt wollte ich mein Bachelor-Projekt dafür nutzen, um direkt mit ihm zusammenzuarbeiten und exklusiv für BLUESTAEB ein Musikvideo zu produzieren. Glücklicherweise war der Musiker von Anfang an offen und interessiert an einer Kooperation und wir vereinbarten ziemlich schnell ein erstes Treffen, in dem ich ihm mein bis dahin noch unausgereiftes Projekt näher brachte. Bei unserem nächsten Termin besuchte ich ihn in seiner Berliner Wohngemeinschaft, wo er in seinem Home-Studio auch seine Musik produziert. Zwei Stunden lang hörten wir uns durch bisher unveröffentlichte und teilweise noch nicht fertige Songs durch, bis ich mich aus dem Bauch heraus für den Track mit dem Titel „Rodalquilar“ (damaliger Arbeitstitel „clap that shit boy booom 9 74 bpm.wav“) entschied.


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/// Abb. 006: รœbersicht aller Loops, die ich im Laufe des Projektes auf tumblr verรถffentlicht habe


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4. FOKUSSIERUNG Nach der Fertigstellung der wissenschaftlichen Arbeit ging es im nächsten Schritt darum, das gestalterische Konzept meiner Animation zu konkretisieren. Obwohl die Entscheidung auf das finale Musikstück schon getroffen war, entschied ich mich dazu, ein weiteres Treffen mit BLUESTAEB zu vereinbaren. Im Gespräch erläuterte mir der Musiker das Konzept hinter dem Song und dem damit verbundenen Album. Hiervon erhoffte ich mir Input für die Entwicklung eines angemessenen visuellen Stils. Wie bereits erwähnt lautet der Titel des Songs „Rodalquilar“. Er ist benannt nach einem kleinen Dorf in Andalusien. Dort verbringt BLUESTAEB seit seiner Kindheit regelmäßig die Sommermonate im Ferienhaus seiner Familie. Und hier sind die Lieder des Albums entstanden. Inmitten einer kargen Palmen- und Wüstenlandschaft, fernab vom lauten Großstadttreiben, ohne Internet und sonstige Ablenkungen. Diesen kontemplativen Charakter des Ortes in Verbindung mit einer Sammlung an Landschaftsfotografien aus Rodalquilar, nahm ich zunächst als Ausgangspunkt für die Entwicklung meines gestalterischen Konzepts mit nach Hause. Im nächsten Schritt wollte ich diese Landschaftsaufnahmen und den erdigen, organischen Charakter des Ortes irgendwie mit meinem bis hierhin auf meinem Blog etablierten Animationsstil kombinieren. Aber schon bald musste ich feststellen, dass das nicht funktionieren würde. Also verwarf ich nach Rücksprache mit meinen Prüfern diesen Ansatz und versuchte mich auf die Essenz meiner Loop-Experimente zu besinnen. Ich entschied mich für einen grafisch-geometrischen Animationsstil.


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/// Abb. 007 - 008: Landschaftsaufnahmen aus Rodalquilar (Fotos ŠBluestaeb)


/// Abb. 009 - 013: Notizen und Grafiken zur Projekt-Strukturierung


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Bevor ich diesen in die Tat umsetzte, ging ich jedoch nochmals einen Schritt zurück und widmete mich im Detail der Struktur des Songs. Ich unterteilte das Stück in neun Teile, notierte mir die Instrumente, die in diese Passagen zu hören sind, und überlegte mir, wo eventuell Schnitte, wechselnde Kameraeinstellungen oder Kamerafahrten im Video eingesetzt werden könnten. Außerdem zeichnete ich anhand der Wellenform der Audiodatei eine eigene Dynamikkurve. So bekam ich einen besseren Überblick und ein Gefühl für die Höhen und Tiefen, die der Song in knapp 2:30 Minuten durchläuft. Anschließend konzentrierte ich mich wieder auf die visuelle Gestaltung und schaute mir dazu noch ein letztes Mal alle Loops aus meinem Blog an. Nach einigem Überlegen wählte ich meinen Favoriten aus (Abb. 014 - 017) und legte meinen Animationsstil endgültig fest: Mein Musikvideo sollte im isometrischen Stil gestaltet werden. Mit geometrischen Körpern, die zwar dreidimensional wirken, sich aber im 2D-Raum animieren lassen.

/// Abb. 014 - 017: Mein erster isometrischer Loop, Ausgangspunkt für die Entwicklung des finalen Animationsstils


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5. PROZESS Im ersten Schritt der Animationsphase machte ich mich zunächst mit dem Thema Isometrie, insbesondere dem isometrischen Raster vertraut, das die Grundlage für alle zukünftigen Schritte sein würde. Ein isometrisches Raster besteht aus parallelen horizontalen und vertikalen Linien mit gleichem Abstand, die zusätzlich von parallelen diagonalen Linien im 30°-Winkel gekreuzt werden. So entstand das Grundraster, in dem ich mit wenigen Klicks in Illustrator kubische und andere geometrische Körper mit jeweils drei oder mehr Seiten zeichnen konnte. Anschließend erstellte ich über mehrere Tage in Handarbeit eine Art Werkzeugkasten aus isometrischen Würfeln, Quadern, Säulen, Pyramiden und anderen Körpern. Die 140 Einzelteile importierte ich anschließend in Adobe After Effects, um sie dort individuell animieren zu können. So erarbeitete ich in den folgenden Tagen diverse mehrsekündige Loops, die zunächst unabhängig voneinander funktionieren sollten. Diese ersten TestLoops fügte ich anschließend in freien Kompositionen zusammen, um ein erstes Gefühl für die möglichen Bewegungen und Kombinationen zu bekommen. Innerhalb dieser mehrtägigen „Sessions“ näherte ich mich langsam einer übergeordneten Video-Struktur und der generellen Farbgebung der Animation an. Nach etwa zwei Wochen präsentierte ich die ersten Ergebnisse meinem Erstgutachter Prof. Christian Mahler in einem Einzelgespräch. Die nächste Aufgabe war nun einen roten Faden und eine Erzählstruktur zu finden. An dieser Stelle kamen die Ergebnisse aus meiner Thesis das erste Mal zum Tragen: Musikvideos, die hauptsächlich oder ausschließlich aus Loops bestehen müssen nach meiner Analyse nicht zwangsläufig einer konkreten Narration folgen. Es bedarf keiner Charaktere oder Personen, die eine


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/// Abb. 018 - 022: Isometrisches Raster, Loop-Werkzeugkasten und erste „Sessions“ in der isometrischen Welt


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eindeutige Geschichte erzählen. Stattdessen kann es für ein positives Rezeptionserlebnis beim Betrachter schon ausreichen, wenn der hypnotisierenden, fesselnden und einnehmenden Qualität von Loops ausreichend Entfaltungsraum gegeben wird. Ich entschied mich also dafür, nicht etwa die Geschichte des Ortes Rodalquilar, oder die persönliche Verbindung des Musikers zum Ort erzählerisch aufzugreifen, sondern in meiner Animation eine Metapher für die Qualitäten des Ortes nachzuempfinden. Diese Qualitäten schilderte mir BLUESTAEB in einem unserer Gespräche als kontemplativ, abgeschieden, meditativ und prädestiniert für eine freie und entspannende geistige Entfaltung. Der Ort, um den sich das Musikstück dreht, ist also ein Ort, in den man mental abtauchen kann. Dieses Gefühl wollte ich von nun an mit meiner Animation erreichen.

„Werden Loops effektiv eingesetzt, so muss der Betrachter nicht verzweifelt [...] nach Erzählsträngen suchen, sondern kann sich stattdessen voll und ganz der Rolle des Entdeckers und aktiven Beobachters einer vielschichtigen Gestaltung hingeben.“ – Eigenes Zitat aus meiner Thesis


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In den erwähnten „Sessions“ ergab sich eher zufällig ein erster gestalterischer Ansatz einer Welt, die sich im Weltraum, beziehungsweise einem Raum mit großer Tiefe verankern lässt. Um über die Dauer von 2:30 Minuten jedoch nicht zu einheitlich zu bleiben, war hier schnell klar, dass ich diese Welt um mindestens einen zweiten Bereich erweitern muss. Über allem stand dabei die Überlegung, eine offene, freie und weite Umgebung zu generieren, die der Metapher für den Ort gerecht werden kann. An dieser Stelle entwickelte ich endgültig die Grundsstruktur des Videos: Ich wollte eine große (isometrische) Welt voller Loops erschaffen, in die der Betrachter immer tiefer hineingezogen werden soll und durch die er schrittweise begleitet wird. Auch hier bediente ich mich den Erkenntnissen aus meiner Thesis: Um die verschiedenen Bereiche der von mir kreierten Welt miteinander zu verbinden, sollte eine konstante Kamerafahrt als Vehikel dienen. Auf Schnitte wollte ich komplett verzichten, da ein Ergebnis meiner Analyse war, dass eine ruhige, lineare Kamerfahrt durch ein Musikvideo voller Loops eine angenehmere Rezeption des Videos ermöglicht und den oben erwähnten „Entdecker-Effekt“ am effektivsten beim Zuschauer erzeugen kann. Für den bestmöglichen Workflow entschied ich mich dazu, in After Effects eine große Unterkomposition zu erstellen, in der ich die gesamte Welt meiner Animation aufbauen würde. Dazu wählte ich schließlich eine Komposition von 7680 Pixeln in der Breite und 4320 Pixeln in der Höhe. Das entspricht insgesamt 16 Full HD-Kompositionen. Die Kamerafahrt durch diese Welt im Ausgabeformat von 1920*1080 Pixeln spielte sich dann in einer Überkomposition ab.


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In den kommenden vier Wochen arbeitete ich mich schrittweise vom Großen ins Kleine vorwärts. Fast täglich fügte ich neue Loops in meine Welt ein, die in ihrer Komplexität und Dauer variierten. Für viele Teile der Animation benutzte ich in After Effects diverse Plug-ins und Scripts, die meinen Workflow Schritt für Schritt flüssiger machten (siehe Seite 27). Außerdem griff ich bei Problemen oder Fragen immerwieder auf Software-Tutorials zurück. Die geplante Kamerafahrt durch die isometrische Welt konzipierte ich parallel dazu. Der Betrachter startet im schwarz-dunkelblauen Weltraum und wird sanft in die neue Umgebung eingeführt. Von hier bewegt sich die Kamera langsam senkrecht nach unten, durch den Himmel und einige Wolken auf die Erde der isometrischen Welt. Entlang der teilweise schwebenden Plattformen wird der Blick des Zuschauers jetzt in der Horizontalen von links nach rechts geleitet, bevor die Kamera wieder zurück nach oben in den Himmel schwenkt und die „Entdeckungsreise“ dort beendet, wo sie angefangen hat. Damit wollte ich den Grundgedanken des Loops auch auf dieser Ebene aufgreifen und sichtbar machen. Auch bei der Entwicklung der Farbwelt des Videos waren das Weltall und der Himmel ausschlaggebend. Um eine harmonische Welt zu erschaffen, entschied ich mich für den Komplementärkontrast zwischen satten Blautönen und orange-roten Farbverläufen.

/// Abb. 023: Screenshot des finalen After Effects-Projektes, struktureller Aufbau der Hauptkomposition


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Die ersten Loops, die ich gezielt im isometrischen Stil entwickelt hatte (siehe Übersicht auf Seite 15) gaben mir einen weiteren brauchbaren Denkanstoß während des Animationsprozesses: Der Song „Rodalquilar“ hat mit seinen vielen Synthesizern einen sehr technischen und elektronischen Grundtenor. Gleichzeitig ist er aber inspiriert von einem sehr natürlichen, organischen und „erdigen“ Ort. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein Widerspruch. Und auch meine Entscheidung, statt karger Wüstenlandschaften eine isometrische und grafische Welt zu entwickeln, verkörpert diese Diskrepanz. Dennoch ist es mir mit einigen Loops gelungen, mit geometrischen und kantigen Körpern organische Bewegungen zu erzeugen. Durch räumliche und zeitliche Versetzung von animierten Körpern entstanden wellenartige Bewegungen. Die fliegenden Objekte in der Animation sehen dabei beispielsweise aus wie Vögel, die in der surrealen Welt von BEAUTY OF THE LOOP leben könnten. So konnte ich in meiner Animation zumindest teilweise das natürliche Gefühl des Ortes Rodalquilar repräsentieren. Eine weitere Entscheidung, die ich an dieser Stelle noch explizit erläutern möchte, ist die über das Zusammenspiel von Animation und Tonspur. In meiner Thesis werfe ich beim Versuch eines Ausblicks auf das Potenzial von Loops in Musikvideos folgende Frage auf: „Michel Gondry ist dafür bekannt, dass Bild und Ton in seinen Werken [...] perfekt aufeinander abgestimmt sind und interagieren. Der Song ist in seinen Musikvideos immer die strukturgebende Einheit. Aber warum nicht [...] den Loop zur formgebenden Einheit machen?“ Daran habe ich mich nach einigen Versuchen schließlich auch für BEAUTY OF THE LOOP gehalten: Keiner der verwendeteten Loops ist direkt

* Synchrese beschreibt die men-

auf ein einzelnes Instrument oder Beat-Element animiert. Es gibt auf visueller

tale Fusion von Bild und Ton im

Ebene keine direkte Repräsentation eines bestimmten Klanges. Ich verlasse

Rezipienten

bei

mich komplett auf die Synchrese* und denke, dass dadurch der nun schon

Darbietung

eines

mehrfach zitierte „Entdecker-Effekt“ nochmals verstärkt wird.

und eines visuellen Reizes.

gleichzeitiger akustischen


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/// PLUG-INS & SCRIPTS

Knapp 23 Wochen hat es vom ersten Blog-Post, über die Thesis bis zum letzten Keyframe in After Effects gedauert. In dieser Zeit sind 44 animierte

Connect Layers

Loops für tumblr entstanden, ich habe 140 isometrische Körper in Adobe

Ease & Wizz

Illustrator gezeichnet, aus denen schließlich 24 Loops entstanden sind, die es

Layer Repeater

ins fertige Musikvideo zu BEAUTY OF THE LOOP geschafft haben.

Magic Bullet Looks Newton 2

In fünf Wochen effektiver Animations-Arbeit bei täglich sechs bis acht

Ouroboros

Stunden habe ich 82 GB an Vorschau-Clips und Pre-Render-Dateien ge-

Rift

neriert. Die Renderzeit für die große Komposition als Tiff-Sequenz (7680*

Trapcode Particular

4320 Pixel) betrug knapp 25 Stunden. Das finale Video in Full HD-Auf-

Trapcode Starglow

lösung und mit Farbkorrektur renderte für insgesamt vier Stunden. Auf den nächsten Seiten finden sich abschließend Stills von allen 25 Loops aus BEAUTY OF THE LOOP, sowie einige Stills aus dem finalen Video, das ab sofort in meinem Vimeo-Kanal unter folgendem Link verfügbar ist:

http://vimeo.com/137701896


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6. REFLEXION Ein übergeordnetes Ziel, das ich in all meinen Arbeiten immer wieder verfolge, ist die Optimierung meines Workflows. Das ist mir bei BEAUTY OF THE LOOP nach anfänglichen Unsicherheiten immer besser gelungen. Besonders bei der Suche nach dem bestmöglichen Aufbau meiner After Effects-Kompositionen habe ich nach einigen Problemen eine für meine Zwecke gute Lösung gefunden, auf die ich in zukünftigen Projekten aufbauen kann. Dazu kommen diverse neue Fähigkeiten im technischen Umgang mit After Effects und Adobe Illustrator, die mir auf lange Sicht zu Gute kommen werden. 23 Wochen sind eine lange Zeit für eine Animation von 2:30 Minuten Länge. Mir ist bewusst, dass ich in zukünftigen Projekten ziemlich wahrscheinlich keinen so großzügigen Zeitrahmen mehr geboten bekommen werde. Umso wichtiger ist für mich deshalb auch alles, was ich in puncto Projektplanung und Zeitmanagement gelernt habe. Die größte Schwierigkeit lag für mich in den letzten Wochen darin, die theoretische Grundlage meines Projektes nicht aus den Augen zu verlieren. Ich musste mich immer wieder daran erinnern, bei der praktischen Arbeit auch auf die gewonnenen Erkenntnisse aus meiner Thesis zurückzugreifen, um dem Themenkomplex gerecht zu werden. Wann immer ich zu verkopft nach einem Konzept und einer Struktur für meine Animation gesucht habe, haben mir außerdem Feedback und Denkanstöße von Freunden und Professoren sehr geholfen. Dabei habe ich gelernt, dass ich manchmal weniger denken und mehr machen muss. Nur so konnte ich in einer Phase der Blockade wieder zu sichtbaren Ergebnissen in der Animation kommen. Nach Beendigung des praktischen Projektes kann ich für mich konstatieren, dass der Loop als eigenständiges Stilmittel genau das Potenzial und die Quali-


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/// WEITERE LINKS Tumblr zum Projekt: beautyoftheloop.tumblr.com

Thesis als E-Book: bit.ly/1i6U9Gy

Musik von Bluestaeb: bluestaeb.bandcamp.com soundcloud.com/bluestaeb

täten besitzt, die ich ihm in meiner Thesis zugeteilt habe. Über allem steht für mich dabei der mehrfach zitierte „Entdecker-Effekt“. Ich hoffe, dass ich diesen in meinem Publikum wecken und den Rezipienten durch den Stil, den Aufbau und das Konzept meiner Animation meine Faszination für Loops näher bringen kann. So dass jeder, der sich BEAUTY OF THE LOOP anschaut, vielleicht nicht nur einmal, sondern mehrfach auf Play drückt und bei jedem Durchlauf nach immer neuen Facetten der gezeigten Loops sucht. Vielleicht sogar in einer Endlosschleife.


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Hiermit erkl채re ich, dass ich die vorliegende Dokumentation zu meinem praktischen

Bachelorprojekt

BEAUTY

OF

THE

LOOP

selbstst채ndig

und ohne fremde Hilfe verfasst habe. Alle verwendeten Bilder sind, sofern nicht anders gekennzeichnet. eigene Darstellungen und damit mein geistiges Eigentum.

Ort: Datum:

Unterschrift:


BEAUTY OF THE LOOP – Dokumentation  

Dokumentation zu meinem praktischen Bachelor-Projekt BEAUTY OF THE LOOP an der Berliner Technischen Kunsthochschule (btk), September 2015.

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