__MAIN_TEXT__
feature-image

Page 14

LAUTSTÄRKE / INTERVIEW WANDA

ganz anderen Kick vor. Durch die Wirren unserer Zeit wird uns aber auch viel Verantwortung genommen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir eine Generation sind, die man als durch und durch wach bezeichnen kann. Ich glaube, es gab Zeiten, in denen man viel früher erwachsen werden musste – durch Kriege zum Beispiel. Also spielt Verantwortung eine große Rolle? Ja, Verantwortung für sich und die Gesellschaft. Wir leben zwar im Neoliberalismus und dürfen sehr viel, aber dass man uns wirklich braucht, spüre ich nicht. Ich denke, ich habe diesen Beruf überhaupt nur ergriffen, damit ich irgendeine sinnvolle Aufgabe in dieser Gesellschaft erfülle. Die eines Dichters, der Menschen zusammenführt und sie so sein lässt, wie sie wollen.

„DASS MAN UNS WIRKLICH BRAUCHT, SPÜRE ICH NICHT.“ Was ist deine schönste Kindheitserinnerung in 0043? Mit dem Fahrrad im Waldviertel von einem Dorf ins nächste fahren, weil es dort ein Schwimmbad gibt – mit ein paar Freunden in einer Art Gang. (lacht) Ich war immer in Gruppen unterwegs, gar nicht als Anführer, eher als Vizechef, der eigentlich das Sagen hat und die Mutproben definiert. Da haben wir uns nackt in Brennnesseln gewälzt und so einen Blödsinn. (lacht) Die schönsten Erinnerungen sind aber an Menschen gebunden. Ich glaube, ich war wie ein Hund und habe immer die Nähe von anderen gebraucht. Wobei ich auch oft alleine im Wald gesessen bin und philosophiert habe. Mich hat schon mit acht Jahren die Endlichkeit beeindruckt und gleichzeitig geärgert. Stichwort Endlichkeit – was soll einmal auf deinem Grabstein stehen? Spannende Frage. Da zähle ich auf meine raffinierten, intelligenten Freunde, die das 12 volume.at

hoffentlich übernehmen. Es ist vielleicht schöner, wenn das von jemand anderem kommt und gar nicht von einem selbst. Würdest du dich über eine Textzeile aus einem deiner Songs freuen? Eher über eine von den Beatles – vielleicht „Try to see it my way“. Warum ist lieb sein eigentlich so schwer? Weil es die volle Kunst ist, oder? Für mich zumindest. Ich muss mich anstrengen, einfühlsam zu sein. Bist du ein lieber Mensch? Wahrscheinlich schon. Ich kann nicht wirklich beleidigend oder aggressiv sein –und wenn, dann ist das gesund und liegt an den italienischen Genen. (lacht) Nein, ich glaube, ich bin ganz nett. Ihr habt euch die letzten Jahre den Arsch abgespielt – ist man es irgendwann leid, auf die Bühne zu gehen? Nein, es ist immer eine Freude und das größte Gefühl von Freiheit, dass ich mir vorstellen kann. Es ist ärger als Liebe, ärger als Sex, ärger als alles. In der Stadthalle hast du dich mit den Worten: „Vielen Dank für die letzten zwei Jahre. Und danke für die nächsten 20. Oida!“ verabschiedet. Wo siehst du Wanda in 20 Jahren? Hoffentlich gesund, weil es doch ein sehr kräftezehrender Beruf ist, und mit derselben Lebenslust wie heute. Wenn uns die Leute wollen, bleiben wir sehr gerne noch 20 Jahre. Wir hätten niente dagegen und freuen uns auf eure nächste Tour durch 0043! WANDA LIVE: 07.04.2018 WIEN, STADTHALLE 14.04.2018 INNSBRUCK, DOGANA 18.05.2018 GRAZ, KASEMATTEN

AKTUELLES ALBUM: „NIENTE“ —–—> SEITE 26

Profile for VOLUME.at

VOLUME #65  

VOLUME #65 bietet wieder jede Menge Lautstärke zum Lesen mit Interviews von Camo & Krooked, Wanda und Beatsteaks.

VOLUME #65  

VOLUME #65 bietet wieder jede Menge Lautstärke zum Lesen mit Interviews von Camo & Krooked, Wanda und Beatsteaks.

Profile for volume.at
Advertisement

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded