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KAY VOGES


KAY VOGES KÜNSTLERISCHER DIREKTOR


→  S.10 SZENISCHES GEDICHT FÜR BELEUCHTER UND TONTECHNIKER von Ernst Jandl Regie Kay Voges

Wien-Premiere von Regie

→  S. 20 von Regie

Gerhart Hauptmann Jan Friedrich, Kay Voges und Ensemble

eine abschaffung der sparten nach Regie

→  S. 30

Samuel Beckett Kay Voges

→  S.26

Ernst Jandl Claudia Bauer

→  S. 14 →  S.32 Österreichische Erstaufführung von Wolfram Lotz Regie Kay Voges

→  S.16

von

→  S.28

→  S.22 nach Regie

Fjodor M. Dostojewski Sascha Hawemann

Eine Künstlerkomödie Wien-Premiere von Thomas Bernhard Regie Kay Voges

oder L.O.L.I.T.A.D.Z.I.O. (Zardoz fliegt wieder!) oder L.O.L.I.T.A. DE LARGE (Das 3. Baby) oder DIE BARBARENLOLITAS (Kampf um Kunst) oder DR. ERZLOLITA DE L.O.L.I.T.A. (ZARDOZ LEBT) oder DIE ZARDOZLOLITAS (Keine Angst)

Wien-Premiere von nach Regie

→  S.39

Universums-Uraufführung Regie, Bühne, Kostüm Jonathan Meese

→  

→  S.18

Regie

Elfriede Jelinek// Fiston Mwanza Mujila Claudia Bossard

EINE STAATSAKTION, S.24 EIN NICHTS, EIN VOLKSTHEATER Uraufführung von Rainald Grebe und Ensemble Regie Rainald Grebe

Susanne Kennedy Anton Tschechow Susanne Kennedy

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Uraufführung nach Regie

Ödön von Horváth Kelly Copper und Pavol Liška//Nature Theater of Oklahoma


_Sp ezia l

FESTIVAL

→  S. 40

Film und Rauminstallation von Samuel Beckett Einrichtung Kay Voges

→  S. 78

→  S. 74

→  S. 48

DER MENSCH, DIE NATUR UND DAS LEBEN IN ZEITEN (NACH) DER PANDEMIE Kuratiert von Christoph Gurk und Matthias Seier

EIN STÜCK ÜBER VERSCHWINDEN UND VERLUST Wien-Premiere//Gastspiel von Helgard Haug//Rimini Protokoll Regie Helgard Haug

→  S. 79

Wien-Premiere ein Theaterstück von Ragnar Kjartansson mit einer Komposition von Kjartan Sveinsson aufgeführt durch die Wiener Symphoniker und Company of Music

→  S. 76

PHANTOMTHEATER FÜR 1 PERSON von Stefan Kaegi// Rimini Protokoll

→  S. 80 – EINE POLYPHONIE von Robert Musil Das gesamte Ensemble liest den Roman im ganzen Haus

→  S. 42

DER WÜRGEENGEL Frei nach dem gleichnamigen Film von Luis Buñuel Regie Sebastian Baumgarten

COMPOSITION FOR TEN BODIES AND A CAR S. 44 Wien-Premiere//Gastspiel von Florentina Holzinger Regie Florentina Holzinger

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Das Finale aus Mozarts DIE HOCHZEIT DES FIGARO als zwölfstündige Oper Screening des HD-Mitschnittes aus Los Angeles Wien-Premiere//Gastspiel von Ragnar Kjartansson Regie Ragnar Kjartansson


F ühr erz immer

Wien-Premiere von

→  S.98

Susanne Kennedy und Markus Selg in Kollaboration mit Rodrik Biersteker

Wien-Premiere von Regie S.105

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Nick Payne Péter Sanyó

→  S.99 EINE PERFORMATIVE VR-INSTALLATION Wien-Premiere//Gastspiel von Philip Gröning

→  S.106 →  S.103 →  S.102 Uraufführung von Regie

Lydia Haider Kay Voges

Wien-Premiere//Gastspiel von Thomas Melle und Stefan Kaegi// Rimini Protokoll Regie Stefan Kaegi

Lesung von Umsetzung ÜBER DAS ENDE UND DAS DANACH Uraufführung von Regie

→  S. 104 Uraufführung von Regie

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Lydia Haider Claudia Bossard

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→  S.107 Calle Fuhr Calle Fuhr

Lydia Haider Lydia Haider, Uwe Rohbeck und Jennifer Weiss


Uraufführung von Regie

EINE INTERKATIVE AUTOPSIE MENSCHLICHER GEWALT #1 – #6 S.90 Uraufführung von Fronte Vacuo:// Marco Donnarumma

→  S.84

→  S. 112 Calle Fuhr Calle Fuhr

→  S.85

→  

EIN STÜCK TRUE CRIME Uraufführung vom Institut für Medien, Politik S. 114 und Theater Regie Felix Hafner

→  S.94 →  

→  S.92

Uraufführung Wien-Premiere Musiktheater nach Georges Bizet von Paul-Georg Dittrich, Hasti Molavian, Christopher Scheuer und Tobias Schwencke Musikalische Leitung Tobias Schwencke Regie Paul-Georg Dittrich

EINE OPERETTE Uraufführung von Marius Schötz, Marthe Meinhold und Ensemble Regie und Komposition Marius Schötz

→  S.85

Uraufführung von Calle Fuhr Frei nach Motiven von Alexandre Dumas Regie Calle Fuhr S. 116

→  S.86

→  

→  S.86 Uraufführung von Regie

→  S.118

Karen Breece Karen Breece

→  S.87

→  S.87 9

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1 zuschauerraum hell bühne hell 2 zuschauerraum weniger und weniger hell bühne heller und heller

SZENISCHES GEDICHT FÜR BELEUCHTER UND TONTECHNIKER von Regie

Ernst Jandl Kay Voges

im Volkstheater Lightdesign PAUL GRILJ Sounddesign MICHAEL STURM Director of Photography VOXI BÄRENKLAU Video MARVIN KANAS MAURITIUS LUCZYNSKI Ausstattung MICHAEL SIEBEROCK-SERAFIMOWITSCH Dramaturgie HENNING NASS

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3 zuschauerraum total dunkel (bleibt) bühne hellstens 4 keine veränderung … So beginnt Ernst Jandls Ode auf den Theaterraum und seine Technik. Etwa 130 Jahre nach seiner ersten Eröffnung für die Öffentlichkeit erstrahlt das Volkstheater im neuen Glanz. Der erste Abend unter neuer Leitung setzt den durch und durch sanierten Raum ins Zentrum der Betrachtung. Jandls kurzes Stück wird gleich mehrfach hintereinander gespielt. Das Publikum hat so die Möglichkeit, sich der Schönheit der Architektur, des Lichts, des Klangs, der Farben auszusetzen – bevor sich alles im Verlauf der kommenden Monate und Jahre mit Inhalten und Spieler*innen füllt.

Prolog

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Er gilt nicht umsonst als eine der aufregendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsdramatik. Die Texte von Wolfram Lotz stimulieren Hirn und Herz, stellen die Wirklichkeit auf den Kopf, verweben existenzielle Sinnsuche mit Lebensbanalitäten, durchforsten klug und kühn das Menschensein – und halten das Theater auf Trab. „Wolfram Lotz bedient das Theater nicht, er fordert es heraus“, so Wolfgang Kralicek 2014 anlässlich der Wiener Uraufführung von DIE LÄCHERLICHE FINSTERNIS am Akademietheater, „nicht, weil er dem Medium misstraut, im Gegenteil: Er traut dem Theater alles zu.“ So ist es sicher nicht verwunderlich, dass auch das neue Werk von Wolfram Lotz lustvoll und virtuos alle möglichen bekannten Rahmen unterläuft. DIE POLITIKER ist eine Kaskade aus Worten, die den Kreislauf anschmeißt. Blut reinpumpt in eine festgefahrene politisch-gesellschaftliche Debatte, in verhärtete Fronten zwischen Resignation und Kampfansage. Alleine der Stücktitel: DIE POLITIKER – ein einfaches Ausrufezeichen hinzugedacht, und schon ist man* mitten im zeitgenössischen Sprachsoundtrack. Lotz nimmt den Gegenwartskrach und lässt eine poetische Flut los: Gedanken, Gefühle, Vermutungen, Beobachtungen – über die, die gewählt werden, und die, die wählen, über die, die nicht zuhören, während sie anderen vorwerfen, ihnen nicht zuzuhören, über Einsamkeit, über Erwartungshaltungen, über Politik und Privates, über Katzen, Elementarteilchen, Risse in der Welt und das Nichts, über das Können, Müssen, Dürfen, Wollen, Sollen. Ein komponierter Chor der Jetztzeit, die Menschheitsgeschichte im Rücken. Nochmal neu, alles auf Anfang? Herbst 2021. 13 Schauspieler*innen und zwei Live-Musiker*innen. Und los.

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Österreichische Erstaufführung von Regie

Wolfram Lotz Kay Voges

im Volkstheater Bühne

MICHAEL SIEBEROCKSERAFIMOWITSCH Kostüm MONA ULRICH Musik PAUL WALLFISCH Director of Photography VOXI BÄRENKLAU Video MAX HAMMEL MARVIN KANAS Dramaturgie ANNE-KATHRIN SCHULZ


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Wien-Premiere Eine Künstlerkomödie von Thomas Bernhard Regie Kay Voges im Volkstheater Bühne DANIEL ROSKAMP Kostüm MONA ULRICH Musik FINCK VON FINCKENSTEIN Video Art MARIO SIMON Dramaturgie MICHAEL EICKHOFF MATTHIAS SEIER

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Der heruntergekommene Gasthof inmitten des verschlafenen Dörfchens Utzbach: Ausgerechnet hier macht Bruscon, der legendäre und gerühmte Staatsschauspieler, während seiner Theatertournee Station! Bruscon, der sich neuerdings auch zum Dramatiker und Regisseur berufen fühlt, will hier mit der Aufführung seiner so epochalen wie verwirrenden Menschheitskomödie DAS RAD DER GESCHICHTE triumphieren. Kierkegaard, Cäsar, Metternich, Hitler – selbstredend spielt Bruscon alle Hauptrollen, auf und hinter der Bühne wird er von seiner Gattin sowie den Kindern Sarah und Ferrucio unterstützt. Und doch spricht alles hier in Utzbach von der ersten Sekunde an gegen ihn: Der Bühnenboden ist laut Bruscon zu morsch, die Luft zu schwül, der Gastwirt zu faul, das Landpublikum zu blöd, die Kinder zu unfähig und die Ehefrau zu hypochondrisch. Die größte Katastrophe wäre es aber, wenn die Utzbacher Feuerwehr darauf bestünde, das Notlicht im Saal auch am Ende des Stücks brennen zu lassen – denn dann wäre seine Inszenierung endgültig vernichtet! DER THEATERMACHER von Thomas Bernhard, längst ein moderner Klassiker, ist genau genommen ein wunderbares Paradoxon: ein endloser Hassmonolog auf das Theater von einem, der nur für und von Theater lebt. Im tiefsten Innern ist es eine große Liebeserklärung an die Bühne, an all diese lächerlich verzweifelten Theatermenschen – und an ihren unbeirrbaren Glauben an die Notwendigkeit der Kunst. Denn egal wie aussichtslos die Lage ist: Der Vorhang muss hoch, DAS RAD DER GESCHICHTE sich weiterdrehen. Wäre gute Kunst ohne echten Größenwahn über­ haupt denkbar? Bruscon ist ein Paradebeispiel des Bernhardschen Figurenkabinetts: am Rande des Wahnsinns, unwiderstehlich missgelaunt und rechthaberisch, und dabei ungebremst in der Sinnlichkeit seiner Sprache. 36 Jahre nach der Uraufführung bei den Salzburger Festspielen haben sich die Echoräume des Stücktexts spürbar verschärft: Die letztgültigen Meinungen des Kunsttyrannen Bruscon platzen mitten hinein in gegenwärtige und notwendige Debatten um Kunstfreiheit und Machtmissbrauch. Gleichzeitig erleben wir im Netz immer wieder jene Rants und rückkoppelnden Empörungsschleifen, die Bruscon so sehr auszeichnen. Online kann mittlerweile jede*r zum ganz eigenen Bruscon im ganz eigenen Utzbach werden – Empörung für alle, bis auf Facebook die Weltkugel glüht! Kay Voges’ Neuinszenierung von DER THEATERMACHER (u. a. Longlist zum Berliner Theatertreffen 2019, Einladung NRW Theatertreffen 2019) lädt ein zum großen Showdown: Wird all die Entrüstung in Utzbach, auf der Straße und im Netz zum unkontrollierbaren Sprengsatz – oder verpufft sie im Nichts? Ist es vielleicht mit Bruscons grenzenloser Hybris möglich, die unfreiwillige Komik der pausenlosen EmpörungsLoops zu bemerken?

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Die drei Schwestern Masja, Olga und Irina träumen sich von der russischen Provinz in ein aufregenderes Leben: „Nach Moskau!“ Während sich die Gesellschaft im Umbruch befindet, verharren sie in der Angst vor der eigenen Endlichkeit und in der Furcht, dass sich ihr Leben nicht ändern wird. Zukunft bleibt für sie das große Versprechen. Niemand weiß, was sie bringen wird. Seit 1901 wird der Klassiker DREI SCHWESTERN von Anton Tschechow inszeniert und oft als Zeugnis der Dekadenz der vorrevolutionären bürgerlichen Gesellschaft interpretiert. Immer wieder werden die Protagonistinnen auf die Bühne gerufen, um zu sehen, wie sie sich sehnen, ihrer Gegenwart entfliehen zu können. „Is this now? – It’s a story that happened yesterday, but I know it’s tomorrow.“ Susanne Kennedy will die Schwestern von ihrer unerfüllten Sehnsucht befreien und schlägt einen Perspektivenwechsel vor: Was, wenn die Zeit ein Kreis ist und wir jeden einzelnen Augenblick unseres Lebens immer wieder leben werden? Für Nietzsche bedeutete die Idee der ewigen Wiederkehr, ständig bereit zu sein – die absolute Bejahung. Vielleicht sind Menschen grundsätzlich nicht die Produzent*innen ihres Schicksals. Vielleicht sind ganz andere Kräfte im Spiel. Wenn wir, Nietzsche folgend, so lebten, als müssten wir das Leben endlos wiederholen, würden wir dann andere Entscheidungen treffen? Weniger beeinflusst von dem Wunsch nach Kontrolle der Zukunft als vielmehr dem Wunsch nach Befreiung? Unter den Bedingungen der Pandemie hat Kennedys Sicht auf die DREI SCHWESTERN und ihr Eingesperrtsein in der Wiederholung sogar noch an Brisanz gewonnen. Ohne dass dieser Bedeutungshorizont bei der Entstehung dieser Inszenierung schon mitbedacht gewesen wäre. Nach erfolgreichen Vorstellungen an den Münchner Kammerspielen geht DREI SCHWESTERN ins Repertoire des Volkstheaters über. Ihre trickreiche geschichtsphilosophische Umdeutung dieses klassischen Stoffs – in einer von den Kritiker*innen der Fachzeitschrift Theater heute ausgezeichneten Szenographie von Lena Newton – ist damit erstmals in Wien zu sehen. Als Auftakt einer längerfristigen Zusammenarbeit mit Susanne Kennedy.

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Wien-Premiere von nach Regie

Susanne Kennedy Anton Tschechow Susanne Kennedy

im Volkstheater Bühne LENA NEWTON Kostüm TERESA VERGHO Sounddesign RICHARD JANSSEN Lightdesign RAINER CASPER Video RODRIK BIERSTEKER Künstlerische Mitarbeit RODRIK BIERSTEKER RICHARD JANSSEN Dramaturgie HELENA ECKERT


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von Regie

Gerhart Hauptmann Jan Friedrich, Kay Voges und Ensemble

im Volkstheater Kostüm Musik Dramaturgie

VANESSA RUST FELIX RÖSCH MATTHIAS SEIER JENNIFER WEISS

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Erst 27 Jahre alt ist der spätere Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann, als er sein Drama EINSAME MENSCHEN schreibt. In einer Zeit voller gesellschaftlicher Umbrüche schildert er den Kampf von Individuen, die neue Formen der Gemeinschaft suchen und dabei doch nicht zueinander finden. Vier Menschen endlos daheim, die aus ihren Abhängigkeiten nicht mehr herausfinden: Der junge Akademiker Johannes Vockerat führt mit seiner Ehefrau Käthe ein zurückgezogenes Leben. Mit ihnen im angemieteten Landhaus lebt der langjährige Freund Braun, der seine Schaffenskrise als Künstler zu überwinden versucht, sowie Johannes’ fromme, aber nach außen hin joviale Mutter. Johannes und Käthe sind seit kurzem Eltern, und schon kriselt die Beziehung: Sie findet nicht wie vorgeschrieben die Erfüllung im Muttersein, er reproduziert trotz all seiner Aufgeklärtheit patriarchale Strukturen und erstickt an der vermeintlich heilen Welt um ihn herum. Die häusliche Vereinsamung wird plötzlich unterbrochen, als die Studentin Anna Mahr aus Zürich bei der Familie auftaucht. Sie will Braun, ihren alten Freund aus Studienzeiten, wiedersehen, Gespräche führen, vielleicht auch alte Rechnungen begleichen. Johannes aber ist von Annas Auftreten unverzüglich euphorisiert: unangepasst, weltgewandt, und auch noch voller Begeisterung für seine philosophischen Manuskripte! Auch Käthe ist von ihrer emanzipierten Schlagfertigkeit fasziniert. Und doch ist das Glück nur von kurzer Dauer. Hauptmanns Drama kreist um das Dilemma der Freiheit, das Festhalten an Traditionen, die Suche nach neuen Beziehungsmodellen – und um das persönliche Glück, das sich zwischen all diesen Positionen einen Weg schlagen muss. Dabei stellt es auch heute noch gültige Fragen an unsere Art zusammen zu leben: Zu wieviel Aufopferung bin ich bereit, wie stark poche ich auf meine Selbstverwirklichung? Wie kann ich mich frei fühlen, ohne dabei anderen ihre Freiheit zu nehmen? Und wie können wir uns von den Dogmen früherer Generationen lösen, ohne deren Dynamiken unbewusst zu wiederholen?

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Zunächst blitzt die Möglichkeit eines Glücks auf: Natascha liebt Aljoscha, Aljoscha liebt Natascha. Sie wollen heiraten, die Väter sind dagegen. Aljoschas Vater, Fürst Walkowski, will seinen Sohn mit der reichen Erbin Katja verheiraten, um an deren Millionen zu kommen. Katja will mit ihrem Geld Gutes tun, doch der Fürst hat Erfahrungen damit, junge Frauen auszunehmen. Wie die Mutter des Mädchens Nelly, dessen wohlbehütete Kindheit zerstört wurde, bevor es überhaupt geboren war. Und das immer weiter zerstört wird. „Splittermenschen“ nennt Regisseur Sascha Hawemann diese Bewohner*innen des in ERNIEDRIGTE UND BELEIDIGTE entfalteten Kosmos, „angepasst und zusammengerissen, an und für sich, das ewige, gottgewollte, unabänderliche Ausbeuten. Menschbleiben letzter Auftrag der verpassten Revolution.“ Gier und Menschenverachtung als zentrale Krankheiten einer Gesellschaft ohne Utopien. Mittendrin Wanja, ein Autor, der überlebt, während er aufschreibt, was passiert: Wie der Machtmensch Fürst Walkowski die Puppen tanzen lässt. Wie der eigene Körper wieder und wieder zu Boden fällt, in schier endlosen Zuckungen des Nicht-Ertragen-Könnens. Denn in ERNIEDRIGTE UND BELEIDIGTE schimmert auch immer wieder Dostojewskis eigene Geschichte durch. Die eines Schriftstellers, der nach acht Jahren in der sibirischen Verbannung endlich nach St. Petersburg zurückkehren darf. Dostojewskis dritter Roman erscheint 1861, zunächst in Fortsetzungen, in der von ihm und seinem Bruder gegründeten Zeitschrift Wremja – der Autor getrieben von Geldnot und dem Wissen, die ersten Kapitel einer Geschichte veröffentlichen zu müssen, ohne das Ende zu kennen. Eine Geschichte gleich einem Fiebertraum, verfasst von einem Schriftsteller, der sich mit ihr ins Leben zurückschreibt. Eine Geschichte voll Seinsdruck, Liebesdruck, Habensdruck, die vom Gestern durchs Heute auf Morgen blickt, in der sich Grausamkeiten von Menschen gegen Menschen über Generationen wiederholen – in einer Stadt, die alles frisst.

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nach dem gleichnamigen Roman von Fjodor M. Dostojewski Sascha Hawemann Regie im Volkstheater Bühne WOLF GUTJAHR Kostüm HILDEGARD ALTMEYER Musik XELL. Dramaturgie ANNE-KATHRIN SCHULZ


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EINE STAATSAKTION, EIN NICHTS, EIN VOLKSTHEATER Uraufführung von Regie

Rainald Grebe und Ensemble Rainald Grebe

im Volkstheater Bühne JÜRGEN LIER Kostüm KRISTINA BÖCHER Musik JENS-KARSTEN STOLL Dramaturgie ULF FRÖTZSCHNER

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Was ist Sisi? Wo ist Sissi? Wer ist Sisi? Sissi ist ein Heimatfilm. Sisi ist Romy Schneider, Sissis Gesicht ist das Gesicht von Romy Schneider, Sisi ist Habsburg und Habsburg ist Geschichte, aber die Hälfte der Österreicher*innen sind Royalist*innen. Sisi ist ein Porzellanservice, Sisi ist österreichisches Wahrzeichen wie Sachertorte und der Opernball. Sisi ist Sissi. Also das Original war ja ganz anders, die wahre Elisabeth hat mit Sissi nichts zu tun. Sisi hat sich als Lyrikerin überschätzt und ihrem Meister Heinrich Heine auf Korfu ein Denkmal gebaut. Waren Sie schon mal auf Korfu? Sisi war bescheiden wie Ludwig 2, Sisi war Österreich, war Ungarn, Sisi war, Sisi war war, nie war Sisi so aktuell wie heute blabla. Sisi war Influencerin, Sisi war Feministin, Sisis Taille war eine Wespe, Sisi war auf der Flucht. Und Sisi hat sich Koteletts aufs Gesicht gelegt. Für ihren Teint. Sisi hat ihr Ding gemacht, Sisis Ding war nicht Wien. Sisi war Antiroyalistin, und ermordet wurde sie von einem Anarchisten, Sisi war Anarchistin und wurde von einem Antiroyalisten ermordet, Sisi starb im selben Hotel wie Uwe Barschel – das ist für Piefkes eine Meldung wert! Sisi war Bayerin, also Südpiefkin. Sisi war ein Korsett, eine Totenmaske, Sisi war Modellathletin. Und sie ist ein Parfum, ein Kartenspiel, eine Praline, ein Fächer, ein Kühlschrankmagnet, eine Aufziehpuppe und eine Adelige – und der Adel gehört aufgehängt. Sisi ist ein Wahrzeichen, ein Mythos, ein Silbertablett. Sisi lässt sich nicht auf die Bühne bringen, weil jede und jeder sie besser kennt. Sisi ist auserzählt, Sisi langweilt. Sisi is bissi fad. Ja, was denn nun! Wir machen Sisi! In Wien! 2021 am Volkstheater! Sisi: Das sind neunundneunzig Szenen, neunundneunzig Miniaturen, Gesten, Wimpernschläge, ein Vexierspiel über ein Phantom, neunundneunzig Funkenflüge, Ascheflocken, Schnappschüsse über Elisabeth, die Kaiserin von Österreich-Ungarn. Und Regie führt ein Piefke. Rainald Grebe ist Comedian, ist Autor, Regisseur und Schauspieler, Komponist und Liedersänger. Und Obstbauer. Und natürlich Puppenspieler. Er liebt echten Indianerschmuck und er liebt falsche Bärte. Und er ist einer der „multitalentiertesten Kleinkünstler“, sagt der Spiegel. 2017 klagt er gegen Toilettengebühren auf Autobahnraststätten. Mit anderen Worten: Er kann alles. Sogar verlieren – die Notdurft an Autobahnen kostet immer noch Geld. Rainald Grebe möchte gern nicht immer auf das eine Lied reduziert werden – „Brandenburg!“ –, wie Romy Schneider auf ihre Rolle als „Sissi“.

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„deutschen sprach sein ein kulturensprach / sein ein alt alt kulturensprach. deutschen literaturen sein ein kulturenliteraturen / ein ganz groß kulturenliteraturen.“ Ein hochdekorierter Geschichtsprofessor und ein Künstler von internationalem Renommee begegnen und verbrüdern sich: Sie lobpreisen die deutsch-österreichische Kulturgeschichte, beweihräuchern gegenseitig ihr Wissen, und sind sich einig, dass sie bestens das Geistesleben repräsentieren – schließlich haben sie ja beide bereits einen Nobelpreis erhalten. Auch das Auftauchen einer schwangeren Frau in einer Notsituation lenkt allenfalls kurz ab: Zu wichtig sind der Geltungsdrang und die Freude am elitären Urteil. Doch je länger die Hymnen auf Mitmenschlichkeit, Tradition und Kunsthandwerk fortdauern, desto bedrohlicher beginnt ihr Elfenbeinturm zu schwanken … Ernst Jandls Einakter DIE HUMANISTEN (1976 in Graz uraufgeführt) ist typisch für sein Werk: Hochmusikalisch und bitterböse rechnet es mit gesellschaftlichen Altlasten ab, dabei voller Klarheit, Hintersinn und Witz. Und natürlich spielen wie bei wohl allen Jandl-Texten die Sprache und das Sprechen selbst die Hauptrolle: Sprache wird zum lebendigen Akteur, durch ihre Verfremdung und Verstümmelung ermöglicht sie neue Wirklichkeiten. Ob nun in seinen verstreuten dramatischen Texten oder in seinem ausufernden lyrischen Werk – in den auseinanderstrebenden, frei flottierenden Sprachgebäuden Jandls kann die Welt endlich so dargestellt werden, wie man* selbst ihr immer wieder begegnet: als expressive Aneinanderreihung von Sinneseindrücken, als fragmentarisches Erleben von Gesellschaft, als trügerisches Wandeln zwischen Melancholie und Komik. Die mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladene Regisseurin Claudia Bauer inszeniert in ihrer allerersten Wiener Arbeit ebendiese Sprache von Ernst Jandl. Bauer, bekannt für ihre bildstarken Theaterabende, macht aus ihr kraftvolles Musiktheater, irgendwo zwischen verwilderter Sprechoper und Jacques Tati-Groteske – mit einer für die Inszenierung entstandenen Komposition von Peer Baierlein, die dem unverwechselbaren JandlSound neue Dimensionen verleiht.

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eine abschaffung der sparten nach Regie

Ernst Jandl Claudia Bauer

im Volkstheater Bühne PATRICIA TALACKO Kostüm ANDREAS AUERBACH Komposition und Musikalische Leitung PEER BAIERLEIN Dramaturgie MATTHIAS SEIER


Jonathan Meese zeigt sein neues Theaterprojekt in Wien. Es wurde 2020 für das Schauspiel Dortmund entwickelt und konnte in den Zeiten von Corona nur ein einziges Mal aufgeführt werden. Für das Volkstheater wird die Produktion des bildenden Künstlers und Performers überarbeitet und in kleiner, exklusiver Serie aufgeführt. Basierend auf dem gleichnamigen und umstrittenen wie weltberühmten Roman des russischen Autors Vladimir Nabokov, stellt Meese den Mythos Lolita ins Zentrum seiner Kunst und überführt die Romanvorlage in seinen eigenen mythologischen Kosmos: Lolita als die einzige Alternative zu allem, Lolita als Utopie und als Idealbild der Frau, die perfekte Verkörperung einer zu errichtenden neuen Ordnung. Lolita wird angestarrt und rückhaltlos bewundert und verehrt. Sie löst bei Betrachter*innen die Revolution aus. „Lo-li-ta: Die Zungenspitze unternimmt eine Reise von drei Schritten den Gaumen herunter, um beim dritten an die Zähne zu stoßen ...“ (Nabokov) Lo. Li. Ta. Das ist das ideale, bloße Bild einer Sache, die reine Waffe, die kein Mensch mehr ist, sondern ein Zustand, wie – für Meese – Marquis de Sade, Oscar Wilde, Scarlett Johansson, Adolf Hitler oder auch die Kaiserin Sissi. Alle Darsteller*innen sind alle Figuren des Romans gleichzeitig: Jede*r ist eine Lolita oder eine Dolly oder eine Dolores oder einfach nur eine Lo. Natürlich sind sie auch Lolitas Mutter, Dolores Haze oder Hauptprotagonist Humbert Humbert sowie sein Konkurrent Clare Quilty, als auch Zardoz, Captain Spock, Robespierre und SS Obersturmbandführer Tanz … Ohne feste Absprachen oder Spielanleitungen entsteht an jedem Abend – mit Gästen wie Lilith Stangenberg, Bernhard Schütz, Maximilian Brauer und natürlich Jonathan Meese selbst auf der Bühne – eine neue Erzählung. Die so entstehenden Bilderwelten verbinden sich mit Wörtern oder kurzen Texten zu einem dichten Netz von Informationen und verleihen diesen speziellen Abenden emblematischen Charakter. Es gilt das Prinzip der Sporttasche: Pack ein, was du zum Spielen brauchst!

oder L.O.L.I.T.A. DE LARGE (Das 3. Baby) oder DIE BARBARENLOLITAS (Kampf um Kunst) oder DR. ERZLOLITA DE L.O.L.I.T.A. (ZARDOZ LEBT) oder DIE ZARDOZLOLITAS (Keine Angst) Universums-Uraufführung Regie, Bühne, Kostüm

Jonathan Meese

im Volkstheater Bühnenbildmitarbeit Kostümmitarbeit Dramaturgie, Soundtrack

LOUISA ROBIN NANE THOMAS MONA ULRICH HENNING NASS

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Wien-Premiere von Deutsch von Regie

Samuel Beckett Elmar Tophoven Kay Voges

im Volkstheater Bühne

MICHAEL SIEBEROCKSERAFIMOWITSCH Kostüm MONA ULRICH Sounddesign MARIO SIMON Dramaturgie DIRK BAUMANN THORSTEN BIHEGUE ANNE-KATHRIN SCHULZ

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Befinden wir uns am Ende der Zeit – oder kurz vor Beginn eines erneuten Anfangs? Eine menschenleere Landschaft mit unendlichem grauen Meer. Und ein Zimmer. Darin ein clowneskes Duo, das feststeckt: Hamm, mit gelähmten Beinen und blind, kommandiert seinen Diener Clov herum. Der kann laufen. Aber eben nicht fliehen. Auch wenn er es wieder und wieder versucht. Runde für Runde findet Clov die Türklinke, Runde für Runde droht er den endgültigen Abschied an, ist kurz davor, durch den Türrahmen zu treten – um dann doch zu bleiben. Draußen hat irgendeine finale Katastrophe stattgefunden, drinnen nehmen sich die zwei Übriggebliebenen wieder und wieder aufs Korn: geistreich, intelligent, mit Ernst und Unernst, ohne Ende oder Anfang zu kennen, fassungslos ob der offenbaren Ausweglosigkeit – und der Sinnlosigkeit ihres Daseins. Zwischen 1954 und 1956, kurz nach dem großen Erfolg mit WARTEN AUF GODOT, schrieb der spätere Literaturnobel­ preisträger Samuel Beckett (1906–1989) in Paris sein grandioses ENDSPIEL. Ein Jahr später wurde der Einakter am Londoner Royal Court Theatre uraufgeführt, begann seinen Siegeszug durch die Länder und Jahrzehnte dieser Welt und gilt heute als Klassiker des Absurden Theaters. Die grotesk-tragische Geschichte einer Welt ohne Anfang und Ende verfestigte Becketts Ruf als Pionier der lustvollen Erforschung von Ritual, Wiederholung und Kreislauf. Inhaltlich geht es dabei um nichts weniger als die Unfassbarkeit der menschlichen Existenz – jenes absurden Zustands, leben zu sollen in dem Bewusstsein, dass man* verfällt, dass es jederzeit vorbei sein kann, dass es irgendwann vorbei sein wird, dass das Nichts bereits wartet, immer schon gewartet hat. Immer weiter warten wird. Die ENDSPIEL-Inszenierung von Kay Voges untersucht die messer­ scharfe Poetik der Beckettschen Wiederholungen in einem Raum der Gegenspannungen: das Laute und das Leise, Helligkeit und Dunkelheit, darinnen zwei Menschen, die ge­ meinsam-einsam gegen ihr Schicksal anrennen. Das Ich zwischen Unendlichkeit und Endlichkeit, gefangen in einem ewigen Kreislauf: Gibt es überhaupt irgendetwas zu verstehen – oder nur viel zu erleben?

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Das Kapruner Bergbahnunglück bleibt eine der größten Katastrophen, die sich in jüngerer Vergangenheit in diesem Land ereignet haben. Niemand wurde bis heute zur Rechenschaft gezogen: die Schuld wurde dem kleinen Heizlüfter der Firma Fakir zugeschoben und damit war der Fall abgeschlossen. Ähnliche Leugnung von Haftung und Verantwortung fand unlängst in der Causa Ischgl statt, die im Frühjahr 2020 entscheidend zur Ausbreitung des Coronavirus in Europa beigetragen hat. Ausgehend von den tragischen Ereignissen des 11. November 2000 zeichnet Elfriede Jelinek in ihrem kurz darauf entstandenen Stück IN DEN ALPEN ein Panorama der alpenländischen Frühgeschichte hin zur Maschinerie des Massentourismus. Sportfanatismus, nationalistische Heimatideologie und die technische Zähmung der Natur werden durch Stimmen der 155 Todesopfer angeklagt, die mit ihren Plastik-Skianzügen verschmolzen und verbrannt sind. An einer geisterhaften Talstation treffen Figuren aus unterschiedlichen Zeiten aufeinander. Der Berg tritt als Sinnbild menschlichen Größenwahns hervor, alles zu besteigen und zu besiegen, als Aneignung von Landschaften, die mit Seilbahnen und Gondeln bestückt werden. Die Schweizer Regisseurin Claudia Bossard hat sich bereits für das Kosmos Theater im Jänner 2020 an einem Teil der Alpentrilogie von Elfriede Jelinek, DAS WERK, präzise und humorvoll abgearbeitet. Am Volkstheater führt sie diese Arbeit fort – mit einer zeitgenössischen Umsetzung von IN DEN ALPEN in Kombination mit der Uraufführung eines exklusiv für diese Produktion verfassten Stückes, APRÈS LES ALPES, von Fiston Mwanza Mujila. Der in Graz lebende Autor und Dramatiker schaut auf die koloniale Herkunftsgeschichte des österreichischen Alpenkosmos und geht in einer grotesken Fiktion der Frage nach, was im post-alpinen Zeitalter passieren könnte: Gletscherschmelze und nie mehr Après-Ski? Oder was passiert, wenn plötzlich Rohstoffe im Untergrund der Alpen entdeckt werden? Werden diese dann in ein großes Minenunternehmen umgewandelt und der Westen schürft für den Globalen Süden? Vom Jelinekschen Prozess gehen die Figuren bei Mujila über in ein globales Tribunal. Die zwei politisch brisanten und sprachlich virtuosen Stücke IN DEN ALPEN und APRÈS LES ALPES werden als ungewöhnlicher Doppelabend präsentiert.

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von Regie

Elfriede Jelinek// Fiston Mwanza Mujila Claudia Bossard

im Volkstheater Bühne ELISABETH WEIß Kostüm MONA ULRICH Video und Sound ANNALENA FRÖHLICH Dramaturgie JENNIFER WEISS


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IM GESPRÄCH: NATURE THEATER OF OKLAHOMA mit CHRISTOPH GURK, CLAUS PHILIPP und JENNIFER WEISS

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Nature Theater of Oklahoma sind zurück. Für das Volkstheater arbeiten die Pioniere der „Live Art“ an einem Stück fürs Repertoire – und an einem gleichzeitig entstehenden Film. In beiden Produktionen suchen sie nach geheimen Verbindungslinien zwischen Ödön von Horváths Klassiker KASIMIR UND KAROLINE und OUT1, dem monumentalen Meilenstein der Nouvelle Vage von Jacques Rivette. Was das mit dem Nachdenken über den Wert des Theatermachens, die Corona-Krise und die Entstehung von Verschwörungstheorien in Zeiten grundlegender gesellschaftlicher Umbrüche zu tun hat – das erklärten uns Pavol Liška und Kelly Copper in einer digitalen Konferenzschaltung zwischen New York, Wien und Berlin.

CHRISTOPH GURK: In Eurem Konzeptpapier zu unserem gemeinsamen Vorhaben schreibt Ihr, dass es in eurer Arbeit immer auch darum geht, Ziele zu formulieren, welche die Unmöglichkeit ihrer Realisierbarkeit in sich tragen. Das betrifft nunmehr vielleicht sogar schon die simple Tatsache, dass ihr als in New York lebende Theatergruppe nach Wien kommen wollt, um am Volkstheater und im Stadtraum zu inszenieren. Hat sich eure Perspektive auf Eure Arbeit unter den Bedingungen von COVID-19 grundlegend geändert? PAVOL LIŠKA: Eine Grundvoraussetzung, schon vor 20 Jahren, als wir begannen, in New York zu spielen und nach und nach mit unseren Produktionen um die Welt zu reisen, war immer die Begegnung mit Menschen. Diese Idee scheint nun vollkommen veraltet zu sein. Physischer Kontakt der Menschheit mit sich selbst, die Voraussetzung von Unterhaltung oder individueller Erleuchtung, das ist nun ein geradezu archaisches Konzept. Theater, das ist momentan die am wenigsten erwünschte 35

Kunstform. Strenggenommen ist es falsch, amoralisch, gefährlich, rücksichtslos, in einen geschlossenen Raum einzuladen, und sei es nur, um proben zu können. KELLY COPPER: Für mich hat die Pandemie alle Aspekte von Theater zum Vorschein gebracht, die normalerweise verleugnet und unterdrückt werden – es ist eine schmutzige Kunstform. Wenn wir mit unseren Schauspieler*innen sprechen, geht es immer auch um die Möglichkeit, das Publikum zu infizieren. Was wir machen, soll eine physische Wirkung haben, um durchlässige Beziehungen ermöglichen zu können. Als wir mit den Theatern in Kontakt waren, die unsere neue Produktion zeigen wollten, bekamen wir fünf Seiten lange Dokumente mit Sicherheitsmaßnahmen und Unterweisungen zum Infektionsschutz. Das allein zeigt schon, wie unhygienisch die Welt ist, in der wir uns künstlerisch bewegen. Theater ist eben ganz einfach die am meisten verschwitzte und insofern auch die intimste Disziplin im Kulturbetrieb. Genau das habe ich immer daran geliebt, und das ist es, was ich gerade so sehr vermisse. SPIELZEIT 21/22

JENNIFER WEISS: Wollen wir nach der Krise weitermachen, wie bisher? Oder lässt sich das auch als Chance verstehen, die Art und Weise, in der Theaterstücke und Inszenierungen hergestellt werden, zu überdenken? Neue Formen entstehen zu lassen? LIŠKA: Absolut! Wir haben nichts zu verlieren. Es kann nur besser werden. Das Theater ist faktisch nicht mehr existent. Es muss von einem Punkt Null her wieder neu erfunden werden. Die Strukturen, die momentan am Werk sind, funktionieren nicht mehr. Aber wir verhalten uns gerade so, als hätten wir es mit einer vorübergehenden Krankheit zu tun, die sich heilen lässt. Natürlich können wir versuchen, zum alten Normalzustand zurückzukehren. Nur gibt es längst eine „Neue Normalität“. Erinnern wir uns an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Widerstreit zwischen zwei Systemen entstand – zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Die Leute brauchten Zeit, darüber nachzudenken, was dieser neue Zustand bedeutet. Als die österreichisch-ungarische Monarchie auseinanderbrach,


war natürlich auch das ein tiefer historischer Einschnitt. Die Menschen haben die Tendenz, sich an dem Alten festzuklammern.

die niemand mehr sprechen will – wo sich doch die Welt immer noch in der gleichen Krise befindet. LIŠKA: Genau, in Rivettes Filmprojekt, OUT 1, beginnen die Akteur*innen mit der Arbeit an griechischen Stoffen, und sie haben immer mehr mit dem Problem zu kämpfen, welches Ziel sie eigentlich verfolgen. Vor diesem Horizont wollen auch wir herausfinden, als Handlung des Stücks, an dem wir schreiben – warum Horváth? Wir können die Frage nicht mit einem Satz beantworten. Es wäre zu kurz gegriffen, wenn wir die Relevanz von Horváths Stück nur in der Tatsache lokalisieren würden, dass arme Menschen darin vorkommen und wir so die Gelegenheit bekämen, soziale Ungleichheit in der Gegenwart zu adressieren. Wir wollen herausfinden, warum wir uns für KASIMIR UND KAROLINE entschieden haben. Ob das relevant ist, wenn die Schauspieler*innen ihre Zeit sinnvoller einsetzen könnten, indem sie vielleicht über ihre Erfahrungen in der pandemischen Situation sprechen? Ich stamme aus der Tschechoslowakei. Zur Zeit der Revolution, im Jahr 1989, stellten die Theater ihren Spielbetrieb ein und verwandelten sich in Orte des Austauschs, in Orte für öffentliche Town-Hall-Events. Da traten keine Politiker*innen auf. Die Schauspieler*innen unterhielten sich mit dem Publikum. Das gab dem Theater eine Bedeutung und eine Wichtigkeit, die es vorher gar nicht hatte. Ich habe meinen Beruf nicht gewählt, weil ich irgendwann einmal die Aufführung eines Stücks von Molière erlebt und mir dann gesagt habe, das will ich auch machen. Nein, ich wurde ins Theaterleben hineingezogen, als ich sah, dass es eine relevante Kraft sein kann, mit der eine Gesellschaft zu rechnen hat.

GURK: Als ich mir KASIMIR UND KAROLINE neulich noch einmal vornahm, sind mir im Stoff selbst viele Bezüge zu Themen eingefallen, die Euch gerade beschäftigen. In dem Stück gehen Menschen, die einander nicht einmal kennen, immer wieder neue Beziehungen und Zweckgemeinschaften ein, die sich schon fünf Minuten später wieder auflösen. Stabilität gibt es nur bis zum nächsten Bier. Diesen in jeder Hinsicht existentiell bedrohlichen zeitgeschichtlichen Horizont finden wir, wenn auch auf unterschiedliche Weise, in unserer Gegenwart mit ihren Ungewissheiten wieder. COPPER: Ja, in dem Stück von Horváth wird immer wieder der Wert von Gegenständen und von Menschen verhandelt. Von Drinks und Beziehungen. Was kann man* für sich herausholen, wenn man* sich mit dieser oder jener Person verbindet? LIŠKA: Der soziale Wert der Menschen, die im Zeppelin über das Oktoberfestgelände hinwegfliegen, und derer, die von unten hinaufschauen. Da gibt es Leute wie Rauch und Speer, die genügend Geld haben, um Getränke spendieren und Menschen kaufen zu können. Männer mit und ohne Arbeit. Ganz unten sind Frauen angesiedelt. Noch weiter drunter – Freaks und Schausteller*innen. Weit oben, im Himmel, schweben Leute, die schon so viel verdient haben, dass sie gar kein Einkommen mehr erzielen müssen. CLAUS PHILIPP: Für Horváth habt Ihr Euch entschieden, nachdem Ihr vorher schon ein Setting festgelegt hattet, zu dem Euch der in jeder Hinsicht monströse Filmklassiker OUT 1 von Jacques Rivette angeregt hat. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Probenarbeit von Theaterschaffenden, die sich fragen müssen, wie sie weiterarbeiten und leben können, nach den Ereignissen von 1968, über

PHILIPP: Theater ist Teil des öffentlichen Raums, daher Teil einer Krise des öffentlichen Raums und insofern auch der politischen und der sozialen Sphäre. In diesem Zusammenhang geht es in der gegenwärtigen Lage, mehr noch als sonst, 36

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um Fragen der Gesundheit und des Wohlstands. Was müssen oder wollen wir riskieren – und was gibt es dabei zu gewinnen? Solche Fragen haben sich in dieser existentiellen Zuspitzung vor der Pandemie nicht gestellt – und vielleicht hat das damals in der Kunst zu einer Selbstgefälligkeit geführt, die wir uns heute nicht mehr leisten können? COPPER: Ich denke manchmal an unsere Anfänge zurück, als wir eine Show hatten, in der Schauspieler*innen schwitzend ins Publikum rannten und sich das Hemd vom Leib rissen. Das waren noch sehr einfach zu habende Gesten, die mit keinem existentiellen Einsatz verbunden waren. Jetzt wäre das ganz anders. Es würde mehr bedeuten. LIŠKA: Ich erinnere mich an die Zeit, als es in New York die große AIDS-Krise gab. Die Menschen hatten Angst, sich zu infizieren, wenn sie nebeneinandersitzen. Wir gingen zu einer Aufführung von Ron Athey, einem an AIDS erkrankten Künstler. Auf der Bühne fügte er seinem Körper Schnittwunden zu. Papiertücher saugten sein Blut auf. Die hängte er über den Köpfen des Publikums auf. Heute reicht es schon, einfach nur Luft einzuatmen. Die Performance war wirklich stark und eindringlich. Was da auf der Bühne geschah, war nicht bequem und auch nicht gesund. Die beste Kunst ist krank. Sie soll das sein, was die Nazis entartet nannten. Falsch, gegen den Gral der Normalität gerichtet. Wir alle haben gelernt zu gehorchen. Damit meine ich nicht, dass wir versuchen sollten, die Menschen absichtlich krank werden zu lassen. Aber an einem gewissen Punkt, muss man* ein gewisses Risiko eingehen. Ich möchte hier nicht wie Trump-Anhänger*innen klingen, die sagen: „Es gibt keine Pandemie, es ist nicht gefährlich!“ Das sage ich nicht. Es geht mir mehr darum, einen Umgang mit der Situation zu finden. Künstlerische, nicht nur administrative Regeln aufzustellen. Im Moment haben Leute das Sagen, die keine Ahnung von Theater haben. Sie behandeln die Bühne und das Auditorium, als wäre es eine


Bushaltestelle, an der sich Menschen physisch begegnen, weil sie keine andere Wahl haben. Wenn wir nur beten und hoffen, dass sich die Dinge wieder normalisieren, kommen wir nirgendwo hin. Dann machst du deinen Molière und betest und hoffst, dass du das Bühnenbild wieder aus dem Lager nehmen kannst. Gerade so, als würden wir Kekse machen, sie in den Gefrierschrank stellen – und hoffen, dass wir sie eines Tages auftauen und essen können. GURK: Die Krise der Öffentlichkeit hat natürlich bereits vor der Krise eingesetzt. COVID-19 hat diese Prozesse enorm beschleunigt. Das gilt auch für die Entstehung von Verschwörungstheorien, wie sie durch den steigenden Einfluss sozialer Netzwerke befördert werden. In dem Film von Rivette, mit dem ihr arbeiten wollt, versinken die Proben in düsteren Spekulationen über verborgene und unsichtbare Kräfte, die das Zeitgeschehen bestimmen. Ist das aus Eurer Sicht eine Matrix, auf der sich die aktuell in den USA kursierenden Verschwörungstheorien thematisieren lassen? LIŠKA: Ja, es gibt eine Fiktion, welche die Realität ersetzt. In unserer Arbeit sprechen wir mit den Schauspieler*innen immer so, als wären wir Verschwörer*innen, als wollten wir eine Art von Veränderung bewirken. Unsere letzte Show haben wir in der Wohnung geprobt. Das war nicht erlaubt. Also war es eine Konspiration, so wie es auch außerhalb unserer Gruppe ein Netz von Verschwörungen gibt, dessen Effektivität beim Sturm auf das Kapitol deutlich sichtbar geworden ist. Was heißt das für uns? Es ist die Krise der Wahrheit. Wer keine Antworten hat und nur Fragen, legt sich eine eigene Wirklichkeit zurecht. Die Fantasie setzt sich in ihr Recht, wenn Fakten nicht verfügbar sind. Das gehört zur menschlichen Natur. COPPER: Der Grund für Verschwörungen ist, dass wir alle versuchen, rätselhaften Vorgängen eine Erklärung zu geben. Die verrücktesten Theorien sind oft 37

ein Reflex auf unglaubliche gesellschaftliche Veränderungen, die Menschen erst verarbeiten müssen. So eine Zumutung war der weltweite wirtschaftliche Zusammenbruch in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Da hieß es dann eben, es müssen die Juden sein. Unsere Gehirne sind Maschinen, die auf fast perverse Weise ständig damit beschäftigt sind, Sinn zu stiften. Wie in OUT 1. Colin bekommt diese rätselhaften Nachrichten. Er unterstreicht den ersten Buchstaben jeder geschriebenen Zeile. Aber das alles ergibt einfach keinen Sinn. In einer meiner Lieblingsstellen sagt er: „Wenn das alles nur ein Witz ist, dann habe ich meine gesamte Existenz auf einer Fiktion aufgebaut. Das ist einfach nicht möglich“. Das zeigt, wie schwierig es ist, Menschen zu deprogrammieren. Sie haben einfach zu viel investiert, in das, woran sie glauben. LIŠKA: Wenn sie die Fiktionen von QAnon verwerfen, verlieren sie alles, was sie haben. COPPER: So funktionieren Kulte, und das macht ihren Erfolg aus. WEISS: Die Frage „Was ist die Wirklichkeit“ wird immer dringender, weil die Realität selber eine Konstruktion ist, auf die wir uns nicht mehr verlassen SPIELZEIT 21/22

können. Es gibt einen Zusammenbruch der Herstellung von Sinn. Die Menschen fangen an, sich und die Welt neu zu erfinden. Wie ändert sich unser Verständnis vom Theater, wenn es im analogen Raum keine Öffentlichkeit mehr gibt, kein Produkt gezeigt werden kann? Aus diesen Gründen mag ich die Beziehung zwischen Kino und Theater, die ihr in Eurem kommenden Projekt herstellen wollt, über die gleichzeitige Bezugnahme auf Horváth und Rivette. Hinzu kommt, dass nicht nur ein Repertoirestück entstehen soll, das sich Abend für Abend spielen lässt, sondern auch ein Film, in den auch nicht verwendetes Material aus dem Probenprozess eingehen soll – es geht also um zwei Produktionsformen, an denen wir arbeiten wollen. LIŠKA: In dem Film von Rivette ist es so, dass die Schauspieler*innen immer noch zusammenkommen, um Übungen zu machen, obwohl sie ihr Projekt längst aufgegeben haben. Das Theater wird so zu einer Übung fürs Leben selbst, zur Metapher oder zum Labor für eine Alltagspraxis, in der verschiedene Existenzmodelle erforscht und erprobt werden. So betrachtet, wird Kunst auf einmal wieder nützlich. Kann das zu einer Veränderung


unseres Sehens und Handels führen? Die Beschäftigung mit der Kunst beginnt, auf die Realität selbst einzuwirken. Die Theatergruppe versucht, über das Sichtbare und das Physische hinauszugehen. Was sie findet, ist nicht nur eine Verschwörungstheorie: Es ist eine spirituelle Erfahrung. COPPER: Ich denke, bei Rivette geht es um Religion und Kunst, um Glaube und Hingabe. Eine Probe, die keinem Zweck mehr folgt, das ist Hingabe – eine zweckbefreite Investition von Zeit in einen künstlerischen Vorgang. Der Glaube, das ist die Verschwörung einer kleinen Gruppe von Menschen, die sich gemeinsam zum Theaterspielen verabredet.

den Kopfhörer eingespielt wird, bedeutet das auch, dass wir die Geschwindigkeit steuern können. Die Schauspieler*innen sind dann nicht mehr in der Lage, den Sätzen, die sie sprechen sollen, gedanklich voraus zu sein. Was immer sie vorher geplant hatten, das Ergebnis wird verzerrt sein. LIŠKA: Es ist wichtig, mit der natürlichen Angst von Darsteller*innen zu arbeiten. Kein*e Schauspieler*in fühlt sich beim Performen wirklich wohl – und wenn doch, dann landen sie normalerweise nicht in einer unserer Aufführungen. Erst die Krise lässt diese Fehler und Risse in der Virtuosität entstehen. Nur so sind Wunder möglich, mit denen niemand gerechnet hat. Das geht natürlich auch durch den Einsatz von Amateur*innen, die nicht darin geübt sind, auf einer Bühne zu stehen.

PHILIPP: Ich werde nie vergessen, wie wir für den steirischen herbst an DIE KINDER DER TOTEN gearbeitet haben. Vor drei, vier Jahren hatten wir dieses Treffen mit Elfriede Jelinek in München. An einem Punkt stand Pavol auf und sagte: „Jetzt muss das Projekt unsere Leben retten.“ Das ist ein interessantes Konzept, wenn man* es literarisch betrachtet. COPPER: Als wir mit den Beteiligten die Prinzipien dieser Produktion besprachen, haben wir nie gesagt: „Kannst du diese Rolle spielen?“ Sondern: „Warum willst du das tun?“ Oder: „Worin besteht die Notwendigkeit?“

GURK: In Eurem Konzeptpapier schreibt Ihr, dass es in einer Zeit, in der sich die Welt radikal verändert, völlig unklar oder offen bleibt, ob die Relevanz von Kunst zunimmt. Ihr scheint eher davon auszugehen, dass ihre Bedeutung abnimmt. Warum? LIŠKA: Kunst ist einfach schwer zu rechtfertigen. Es ist ein großes philosophisches Problem, ob du der Welt helfen willst und deshalb lieber aufhören sollst, Theater zu machen. Wir werden nicht aufhören, diese Fragen zu stellen, und versuchen, die Antwort offen zu halten. Im Grunde sind sie in jedem Moment der Aufführung präsent: Ist das relevant? Hilft das den Menschen? Ist das Arbeit? Es ist ein kontinuierlicher Zyklus von Fragen. Wenn es nicht selbstverständlich ist, dass Kunst wichtig ist, dann wird es Teil dieser unendlichen Rückkopplungsbewegung. Die amerikanischen Schauspieler*innen denken immer: „Eigentlich ist es nicht möglich, dass uns jemand dafür bezahlt, wenn wir uns in Unterwäsche in einer Wohnung aufhalten, um zu proben, und viel Spaß haben, dass wir Geld aus Europa auf unser amerikanisches Bankkonto überweisen. Das ist verrückt.“ Es ist also fast

WEISS: Wie verhält sich der in Eurer Arbeit verfolgte Ansatz der absichtlichen Herbeiführung von Krisen zu der Tatsache, dass Ihr, im Unterschied zu Rivette, auf Improvisation vollständig verzichtet? Wie lassen sich Routinen, Erwartungshaltungen und feststehende Genres brechen, ohne auf diese Technik zurückzugreifen? Wie kommt das Unerwartete dann auf die Bühne? COPPER: Indem wir die Schauspieler*innen starken Belastungen aussetzen, so dass sie nicht in der Lage sind, jeden Aspekt des Geschehens zu beherrschen. Das geht durch Überlastung und ein Übermaß an Kontrolle von unserer Seite. Wenn der Text über

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so, als wäre Herstellung von Kunst so etwas wie ein Betrug. Wenn wir mit dem Burgtheater oder dem Volkstheater arbeiten, dann können sich die Darstellenden relativ sicher sein, dass das, was sie tun, wichtig ist. Weil es sich um etablierte Institutionen handelt, die von der Regierung gefördert werden. Wir müssen trotzdem weiter versuchen, mit dem Zweifel zu arbeiten. Ob wir nicht lieber Medizin studieren sollten. Wenn wir die Welt verändern und den Menschen helfen wollen, wäre es dann nicht wirklich besser, Häuser für Obdachlose zu bauen? COPPER: Der Zweifel ist universeller als früher. Ich finde es einfach lustig, dass wir jetzt den Begriff der Systemrelevanz haben. Als wir vor einigen Monaten für eine Produktion nach Frankfurt gingen, schickten sie uns einen Brief, in dem sie feststellten, dass wir wichtige Arbeitende sind, damit wir überhaupt ins Flugzeug steigen können, weil Touristenreisen nicht erlaubt sind. Das einzige Mal, dass wir Probleme mit diesem Brief hatten, war in New York, als wir ihn den Lufthansa-Mitarbeiter*innen übergaben. Sie sagten: „Ja, aber das ist nur Theater“. Und schließlich sagte jemand: „Ja, aber es ist wichtig.” LIŠKA: Was wir tun, kann gleichzeitig das Unwichtigste und das Wichtigste auf der Welt sein. Das Theater muss zwischen diesen beiden Extremen existieren. Wenn es nur wichtig ist, dann siehst du es als Selbstverständlichkeit an. Du fühlst dich ihm überlegen. Dann wieder, wenn es überhaupt nicht wichtig zu sein scheint und du nicht daran glaubst, gibst du der sozialen Meinung nach. Dann ist es dir egal, und es wird irrelevant. Es gibt viel bessere Möglichkeiten, Geld zu verdienen oder zu reisen, als Theater zu spielen. Das alles bedeutet so viel Drama. Aber wir machen es – eben, weil es das Wichtigste und gleichzeitig das Unwichtigste ist. Durchschnittliches interessiert uns nicht. Also versuchen wir, alles in die emotionalsten oder philosophischsten Extremen zu nehmen. Um dann mit der Lücke umzugehen.


Uraufführung nach Regie

Ödön von Horváth Kelly Copper und Pavol Liška// Nature Theater of Oklahoma

im Volkstheater Dramaturgie

CLAUS PHILIPP JENNIFER WEISS

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„Was falsch ist, wird verkommen / Obwohl es heut regiert. / Was echt ist, das soll kommen – / Obwohl es heut krepiert.“ Wien, 2022. Eine kleine Truppe von Schauspieler*innen, begleitet und dokumentiert von einem Filmteam, probt und spielt dann am Volkstheater Ödön von Horváths „Volksstück“ KASIMIR UND KAROLINE. Man* recherchiert dazu im Nachlass des Dichters und findet unter anderem ein autobiographisches Romanfragment mit dem Titel ADIEU, EUROPA! Darin skizziert Horváth: Emigration in kleinen Schritten – vielleicht wollte er nach Hollywood -; einen opportunistischen Theater- und Literaturbetrieb, der den bei den Nazis verfemten Autor quasi in Quarantäne stellt; oder: ein Irrenhaus, wo immerhin eine gewisse Freiheit mit der Göttin der Kunst lockt. Dieses sind nur einige Spuren, auf denen sich die Theatergruppe – ähnlich wie in Jacques Rivettes dreizehnstündigem Filmepos OUT 1: NOLI ME TANGERE – bei den Proben immer mehr verliert und in Verschwörungstheorien abdriftet. Ein großer Dreh als Konspiration der Fakten und Fiktionen: Expert*innen stellen auf und hinter der Bühne Fragen nach dem tatsächlichen Hergang von Horváths tödlichem Unfall, der laut offiziellen Angaben 1938 in Paris durch einen vom Blitz getroffenen Ast passierte. Während sich die Theatermenschen über derartigen Themen wie unter einem Glassturz bewegen, erhebt sich ein seltsames Gewisper in den Logen. In Literaturarchiven werden angeblich neue Details und Handschriften zutage gefördert. Im Prater kommt es zu konspirativen Treffen. Schleichend wird die ganze Stadt zur Bühne mysteriöser Manöver und Winkelzüge. Nach den Lockdowns der vergangenen Monate stellt sich im Volkstheater-Debüt des US-amerikanischen Nature Theater of Oklahoma (Kelly Copper und Pavol Liška) einmal mehr die Frage: Wieviel müssen Kunst und Kultur riskieren, um eine kritische Öffentlichkeit zu erreichen, wenn nicht gar zu kreieren? Wie zuletzt bei ihrem Film- und Performanceprojekt DIE KINDER DER TOTEN (steirischer herbst 2017) verkehren sie Filmdrehs in LivePerformances, in denen der Aufzeichnungsapparat selbst zum Bühnenhelden wird.

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Ein überromantischer, theatralischer, dramatischer, minimalistischer, musikalischer Abend, auf der Suche nach einer vergangenen toten Welt, um etwas Neues zu finden. Und so wie es der Titel nahelegt, ist dies vor allem eine musikalische Produktion, eine Symphonie mit tableaux vivants. Ausgehend von dem Roman WELTLICHT des isländischen Nobelpreisträgers Halldór Laxness begibt sich der isländische Künstler Ragnar Kjartansson auf eine Reise in die Vergangenheit des Theaters. Im Zentrum von Laxness‘ Roman steht ein armer Poet auf der Suche nach künstlerischer Erfüllung und einer vielleicht unmöglich zu findenden, absoluten Schönheit. Kjartan Sveinsson, Gründungsmitglied der berühmten isländischen Postrock-Legende Sigur Rós, schrieb exklusiv eine Komposition für ein großes Orchester und einen Chor. Die Produktion steht in Tradition der Pictorial Music Plays, die Sir Hubert von Herkomer, ein britisch-deutscher Maler, Musiker und Theatermacher, Ende des 19. Jahrhunderts erfand. Er hatte die Vision, das Theater vom Drama zu lösen. Der Stücktext wurde ersetzt durch die Zeremonie und das gesprochene Wort durch das Lied. Nur die Essenz: ein Gefühl. Courtesy of the Artist // Luhring Augustine Gallery, New York // i8Gallery, Reykjavík

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Wien-Premiere ein Theaterstück von Ragnar Kjartansson mit einer Komposition von Kjartan Sveinsson aufgeführt durch die Wiener Symphoniker und Company of Music im Volkstheater Bühne RAGNAR KJARTANSSON Mitarbeit Bühne AXEL HALLKELL JOHANNESSON Dramaturgie HENNING NASS


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DER WÜRGEENGEL Frei nach dem gleichnamigen Film von Luis Buñuel Regie Sebastian Baumgarten im Volkstheater Bühne Kostüm Video Musik Dramaturgie

TOBIAS REHBERGER CHRISTINA SCHMITT PHILIPP HAUPT ROBERT LIPPOK HENNING NASS

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Der Würgeengel ist alttestamentarisch der von Gott zum Töten ausgesandte Engel, soviel vorab. Eine feine Gesellschaft feiert in einem Stadtpalais eine Party, während die Bediensteten allmählich und aus seltsamen Gründen ihre Posten verlassen. Es wird spät, man* beschließt, über Nacht zu bleiben, doch am nächsten Morgen stellen alle fest, dass sie den Raum, in dem sie sich befinden, nicht mehr verlassen können, obwohl Türen und Fenster offen stehen. Eine unsichtbare Gewalt scheint sie zurückzuhalten, und mit jeder Minute in dieser unerklärlichen Gefangenschaft spitzt sich die Situation zu: Nerven reißen, Anstand und Moral gehen im Kampf ums Überleben verloren, ein Paar wählt den Selbstmord. Draußen versammeln sich derweil aufgeregte Bürger*innen, doch auch sie können nicht ins Haus hinein. Schließlich gelingt es der Gruppe, in einer letzten gemeinsamen Willensanstrengung aus der unfreiwilligen Lage auszubrechen. Selbstbefreiung durch plötzliche Erkenntnis. Das ist die Handlung in Buñuels irrationalem Film aus dem Jahr 1962. Der Regisseur Sebastian Baumgarten inszeniert in einem Bühnenbild des deutschen Künstlers Tobias Rehberger, bekannt für seine raumgreifenden Installationen, häufig in öffentlichen Räumen, für die er beispielsweise 2009 mit dem Goldenen Löwen der Biennale in Venedig ausgezeichnet wurde. Eine Gesellschaft in einer Ausnahmesituation: Wer sind die Eingeschlossenen? Welcher Ort lässt sich als das Äußere verorten, und wie grenzt sich das genau voneinander ab? Erinnert das Eingeschlossensein, jenseits der Erfahrungen des letzten Jahres, nicht noch an ganz andere Situationen? An Gesellschaften, die sich verriegeln, schützen, ein Eindringen von außen nicht mehr zulassen. Die Abschottung gegen das Andere und die Beschränkung auf das Eigene sind politisch wirkungsmächtig geworden und lassen moderne, aufgeklärte Gesellschaften sich selbst zerstören, verrohen – schleichend und allmählich. Was ist die Kraft, die uns angesichts etlicher Probleme und Notlagen „in einen Zauberkreis unveränderlicher Tabus, Gesetze, Sitten“ verfallen lässt, „die als ebenso unvermeidlich empfunden werden wie der Aufgang der Sonne, der Kreislauf der Jahreszeiten“, wie der Philosoph Karl Popper einst schrieb? Was ist die Freiheit, die man* verteidigt – oder die man* meint wiedergewonnen zu haben?

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Eine Etüde ist ein Übungsstück, das helfen soll, eine technische Schwierigkeit auf einem Instrument zu beherrschen. Was könnte das heißen, wenn dieses Format auf das Theater übertragen wird? Kann ein*e Schauspieler*in, ein*e Performer*in durch Wiederholung erlernen, die vielleicht schwierigste aller Aufgaben zu meistern – das Sterben auf der Bühne? Für Handlungen, die Ungeübten im schlechtesten Fall die Gesundheit oder das Leben kosten könnten, gibt es in Film und Fernsehen eine darauf spezialisierte Berufsgruppe. Stuntwomen und Stuntmen vollbringen ungewöhnliche und schwierige körperliche Akte. Was Stunts in Actionfilmen sind, kann in der Oper die Arie sein. Mit einer gemischten Besetzung aus Stuntfrauen, Opernsängerinnen und Performerinnen kreiert Holzinger eine musikalische Studie für zehn Körper und ein Auto. Für die Gefühlsindustrie hergestellte Bilder werden mit anatomischer Präzision seziert und allein auf ihre technischen Aspekte heruntergebrochen – bis nichts als der klangproduzierende Körper übrig bleibt. Florentina Holzinger zieht und zerrt mit voller Absicht an den Grenzen zwischen Hochkultur und „bloßer“ Unterhaltung. Es entstehen brutale Parodien sensationsheischender Momente, die aus Film, Theater und Oper oder aus dem Internet bekannt sind. In einer Reihe gemeinsamer opernhafter Rituale und orchestrierten Crashtests lernen die Performerinnen, ihre Körper und Stimmen zu beherrschen und bereiten sich für den „Emergency“ vor. Für welchen Notfall? In Wien waren Florentina Holzinger und ihr Ensemble zuletzt mit TANZ zu sehen. ÉTUDE FOR AN EMERGENCY. COMPOSITION FOR TEN BODIES AND A CAR ist an den Münchner Kammerspielen entstanden und ihre erste Arbeit für ein Stadttheater. Infolge des Lockdowns kam die Produktion dort nur zweimal zur Aufführung. Für das Volkstheater entwickelt die Choreographin nun eine adaptierte Version. Erneut lenkt sie den Blick auf den Körper als Spektakel – und auf seine Disziplinierung. Eine Produktion der Münchner Kammerspiele Internationale Distribution: Something Great

Florentina Holzinger

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COMPOSITION FOR TEN BODIES AND A CAR Wien-Premiere//Gastspiel von Regie

Florentina Holzinger Florentina Holzinger

im Volkstheater Bühne und Kostüm NIKOLA KNEŽEVIĆ Künstlerische Mitarbeit Bühne NICOLE MARIANNA WYTYCZAK Musik STEFAN SCHNEIDER Musikcoach SIBYLLE FISCHER Licht MAX KRAUSSMÜLLER Stunt-Coordinator MARC SIEGER PETR DVORAK Dramaturgie RENÉE CORPAIJ HELENA ECKERT


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Vier namenlose, verhüllte Figuren vollziehen ein unerbittliches Drama. Sie betreten eine quadratische Fläche und sind dazu verdammt, die Linien des Quadrats auf ewig synchron abzulaufen. Dies ist die Situation im Kurzfilm QUADRAT II, den Samuel Beckett 1981 für das deutsche Fernsehen produzierte. Er ist charakteristisch für sein Spätwerk: Handlung oder Sprache sind auf ein absolutes Minimum reduziert, und dabei doch horizonterweiternd in ihrer Ausdruckskraft. Kay Voges und das Ensemble haben den Kurzfilm werkgetreu auf der Bühne nachinszeniert. Er scheint als Erfahrung perfekt in diese pandemische Zeit hineinzupassen: das Perspektivlose, das Festgefahrene, das Raumgebundene – aber eben auch das Meditative, das Hypnotische, das Konzentrierte. Ab sofort ist unsere Version von QUADRAT II als Video- und Rauminstallation im Weißen Salon des Volkstheaters zu erleben: still, andächtig, endlos.

Film und Rauminstallation von Samuel Beckett Einrichtung Kay Voges im Weißen Salon Raum MICHAEL SIEBEROCK-SERAFIMOWITSCH Kostüm MONA ULRICH Director of Photography VOXI BÄRENKLAU Schnitt MAX HAMMEL Dramaturgie HENNING NASS MATTHIAS SEIER

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ANDREAS BECK


FRANK GENSER


ANKE ZILLICH


BETTINA LIEDER


ANNA RIESER


UWE SCHMIEDER


GITTE REPPIN


CHRISTOPH SCHÜCHNER


EVI KEHRSTEPHAN


UWE ROHBECK


FRIEDERIKE TIEFENBACHER


LAVINIA NOWAK


CLAUDIO GATZKE


GÜNTHER WIEDERSCHWINGER


HASE


HASTI MOLAVIAN


SAMOUIL STOYANOV


CLAUDIA SABITZER


ELIAS EILINGHOFF


STEFAN SUSKE


JULIA FRANZ RICHTER


YETI MÜLLER


NICK ROMEO REIMANN


NEBEL


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FESTIVAL

KURATIERT von CHRISTOPH GURK und MATTHIAS SEIER

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Unsere Welt ist eine andere. Das machen schon die in Zahlen quantifizierbaren Auswirkungen der fortdauernden COVID-19-Pandemie deutlich. Bei Redaktionsschluss hat die Zahl der Infizierten die Marke von 135 Millionen überschritten. Weltweit sind drei Millionen Menschen nach Kontakt mit dem Virus gestorben. Gleichzeitig hat auch die Klimakrise nichts an Relevanz eingebüßt, auch wenn sie sich – verglichen mit der Pandemie – noch deutlich langsamer abzuspielen scheint: 23 Prozent aller Säugetiere, zwölf Prozent aller Nadelbäume, 31 Prozent aller Amphibien sind akut bedroht. Das Gesamtgewicht der Nutztiere überwiegt jenes der wild lebenden Tiere um ein Zwanzigfaches. Wälder brennen. Bienenvölker sterben. Permafrostböden tauen. Ozeane vermüllen. Willkommen im Zeitalter der Hyperobjekte. Sie haben Zeit und Raum, schreibt der Philosoph 75

Timothy Morton, so sehr durchdrungen, dass sie unser Fassungsvermögen übersteigen. Gemeint sind komplexe Zusammenhänge, nicht eine einzige Entität, die sich mit einer isolierten Gegenmaßnahme in den Griff bekommen ließe. Die Klimakrise – das ist sowohl das Schmelzen der Polkappen wie auch die schwindende Biodiversität, die Auslöschung ganzer Ökosysteme, die Überfischung, die globale Erwärmung, das Korallenriffsterben, die Dürrewellen, die Flugscham, die Fridays-For-FutureDemos, das Plastiksackerlverbot, die Mobilitätsdebatte. Je länger die Pandemie andauert, desto mehr wird auch sie zu einem mit den Sinnen und dem Verstand nicht mehr fassbaren Geschehen. Klar dürfte sein, dass sie unser Verständnis der Natur und der Welt nicht nur grundlegend verändern wird. Es scheint sogar sehr wahrscheinlich zu sein, dass beide Entwicklungen, die Pandemie und der Klimawandel, als Effekte einer von Menschen herbeigeführten, von den Gesetzen der Profitmaximierung angetriebenen und von ihren Verusacher*innen nicht mehr zu kontrollierenden Abwärtsschlaufe, ursächlich eng miteinander verknüpft sind. Umso wichtiger wird es sein, nun den Blick zu weiten und nicht tatenlos zu erstarren. Tiere, Pflanzen, Viren, Objekte, Algorithmen und Wetterphänomene: Sie alle interagieren mit uns. Wir sind mit unzähligen Organismen und Kreisläufen verschränkt. Leben, das ist die Anerkennung unserer Bedingtheit durch nicht-humane Entitäten im weitesten Sinne. So beunruhiSPIELZEIT 21/22

gend in diesem Lichte der faustische Pakt mit Technologie auch scheinen mag – es muss klar sein, dass wir gleichzeitig auf sie angewiesen sind, wenn wir einen Weg aus den Krisen der Gegenwart finden wollen. Im Rahmen des – ursprünglich für den Mai vorgesehenen und nun für Oktober 2021 geplanten – Festivals THE NEW NORMAL werden wir versuchen, diesen Fragen näher zu kommen. Was bedeutet die Pandemie für unser Nachdenken über das Anthropozän? Welchen Einfluss haben Digitalität und Technologie auf Naturereignisse? Was lehren uns die Erfahrungen der vergangenen 18 Monate über die der Menschheit zur Verfügung stehenden Systeme der Bewältigung existenzieller Krisen? Welche neue Normalität wird unsere Leben in den Zeiten „nach“ der Pandemie bestimmen? Welche Perspektiven ergeben sich daraus für den Aktivismus und für die Kunst?


Die Handlung beginnt an einem Tag im August des Jahres 1913, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der dann schnell zum Zweiten Weltkrieg führte, das Ende der Monarchie in Österreich bedeutete, die Welt bis in die Gegenwart hinein prägt. Der Ort: Kakanien. Dahinter verbirgt sich die „Kaiserlich und Königliche Kaiserlich-Königliche Österreichische und Ungarische Österreichisch-Ungarische Doppelmonarchie“ – schon dieses Wortmonster ist so lang und verworren wie das Buch und das Leben selbst. Damals wie heute: Eine Weltordnung scheint zusammenzu­ brechen, Dinge, die geordnet zu sein scheinen, geraten in Bewegung, Normen und Überzeugungen verlieren an Festigkeit, alles kommt aus dem Gleichgewicht. Robert Musils Hauptwerk DER MANN OHNE EIGENSCHAFTEN ist wohl Österreichs wichtigster Beitrag zur Weltliteratur. Doch so berühmt der Roman auch ist, so wenig Leser*innen dürften ihn jemals komplett gelesen haben. Dieses Projekt war ein einziges Schreib­experiment. Es beschäftigte Musil zwanzig Jahre seines Lebens. Geldmangel, Krankheit, die politischen Umstände und das Scheitern an den eigenen Ansprüchen hatten zur Folge, dass das Mammutwerk unvollendet blieb. So hinterließ Musil ein einfluss­ reiches und brillantes, aber eben auch fragmentarisches Werk, das an Ideenfülle kaum zu überbieten ist. So wie sich Ulrich, der Hauptprotagonist in diesem Buch, ein Jahr Urlaub nimmt, in einen fiktiven Modus eintaucht, um zu begreifen, in welcher Zeit und unter welchen Umständen er lebt, können sich die Zuschauer*innen einen Abend lang in Musils Welt begeben, um dann die Welt und damit sich selbst schärfer zu sehen. Mit vereinten Kräften bringt das Ensemble des Volks­ theaters den ersten Teil von Musils Werk zu Gehör. Vorträge von Literaturhistoriker*innen, Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Musiker*innen zeigen, wie aktuell und amüsant der Roman für uns heute noch ist. Das gesamte Theatergebäude, auch an den unzugänglichsten Winkeln, wird zum Ort der Begegnung mit einem ungeheuren Roman und einem neuen Ensemble. Die Zeit läuft ...

Das gesamte Ensemble liest den Roman im ganzen Haus von

im Volkstheater Einrichtung

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Robert Musil

HENNING NASS


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Das Theater ist der Ort der Vergegenwärtigung und Präsenz. Alles ist live. Alive. Die Körper auf der Bühne sind für mich da, ihre Stimmen sprechen zu mir – jetzt und hier, in dieser Sekunde in diesem Raum. Doch was geschieht mit dem Theater, wenn für eine Aufführung diese so selbstverständliche menschliche Präsenz verschwindet? Was bleibt dann übrig? Am 8. März 2014 startet der internationale Passagier-Linienflug MH370 der Malaysia Airlines am Flughafen Kuala Lumpur mit Zielort Peking. Um 01:20 Uhr Ortszeit verlässt der Kapitän den malaysischen Luftraum. „Good Night, Malaysia Three Seven Zero“, waren seine letzten aufgezeichneten Worte. Danach verschwand das Flugzeug vom Radarschirm – und das vielleicht größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte nahm seinen Lauf. Trotz millionenschwerer Suchkampagne mit Seeaufklärern und Flugzeugen, trotz Involvierung internationaler Geheimdienste, trotz Analysen zahlloser Wissenschaftler*innen, trotz Tauchrobotern und Ultraschallgeräten in 4000 Metern Tiefe, trotz hier und da angeschwemmter Wrackteile: Was geschah, bleibt völlig unklar. Keine Spur von MH370 und den 239 Menschen an Bord. Menschen verschwinden jeden Tag. Allein in Österreich gibt es täglich 30 Vermisstenmeldungen. 98 % davon werden innerhalb eines Jahres aufgeklärt. Doch zwei Prozent bleiben verschwunden, für immer. Und: Menschen verschwinden in die Demenz, gehen verloren und sind doch körperlich anwesend. Knapp 130.000 Menschen sind in Österreich daran erkrankt. Im Sommer 2014 wird der Sohn der Autorin Helgard Haug zehn Jahre alt. Von seinem Großvater erhält er vier Glückwunschbriefe. Der Inhalt fast identisch; jeder Umschlag mit Sondermarke frankiert. Ein Jahr später kam gar keine Karte, der Geburtstag war wohl vergessen worden, und irgendwann bekommt diese Vergesslichkeit einen Namen und wird zur Krankheit: Demenz. Der Name des Enkels gerät in Vergessenheit, dann die Tatsache, dass es einen gibt und schließlich die Gewissheit über die eigene Person. 370 NOT FOUND ist das Protokoll dieses unumkehrbaren Prozesses. Helgard Haug und ihre Kollaborateur*innen überprüfen nach ihrem letzten großen Erfolg CHINCHILLA ARSCHLOCH, WASWAS (2019), auch mit 370 NOT FOUND den Theaterapparat auf Herz und Nieren. Wie sieht ein Theater aus, das auf das Verschwinden statt auf das Erscheinen setzt? Denn in unserer voll überwachten Welt ist das Unvorstellbare immer noch möglich – der plötzliche und nicht aufzuklärende Verlust. Die Geschichte des Flugunglücks bildet den Startpunkt eines Musiktheater-Essays, für den die Elektropop-Künstlerin Barbara Morgenstern erstmals für ein klassisches Orchester komponiert. Es wird eine weitgreifende Reise zu all jenen ambigious losses (uneindeutigen Verluste), wie es die US-Psychologin Pauline Boss benennt: von der fieberhaften Suche nach MH370 bis hin zum allmählichen Verlust des eigenen Gedächtnisses. Eine Produktion von Rimini Apparat. In Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Volkstheater Wien, Künstlerhaus Mousonturm, The Factory Manchester, PACT Essen Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds sowie durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa

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EIN STÜCK ÜBER VERSCHWINDEN UND VERLUST Wien-Premiere//Gastspiel von Regie

Helgard Haug // Rimini Protokoll Helgard Haug

im Volkstheater Konzept und Text HELGARD HAUG // RIMINI PROTOKOLL Bühne EVI BAUER Komposition BARBARA MORGENSTERN Dirigent PREMIL PETROVIC // NO BORDERS ORCHESTRA Arrangeur DAVOR BRANIMIR VINCZE // NO BORDERS ORCHESTRA Video MARC JUNGREITHMEIER


PHANTOMTHEATER FÜR 1 PERSON von

Stefan Kaegi// Rimini Protokoll

im Volkstheater Konzept, Skript und Inszenierung STEFAN KAEGI // RIMINI PROTOKOLL Sounddesign NIKOLAS NEECKE Künstlerische Produktionsleitung EVA LUZIA PREINDL Dramaturgie ALJOSCHA BEGRICH CHRISTOPH GURK

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Für mehr als 18 Monate standen die Theater leer. Aufführungen vor gefüllten Sälen waren bis auf Weiteres verboten – Ausstellungsbesuche durch Einzelpersonen dagegen erlaubt. Folgerichtig wurde das Black-Box-Theater zum White-Cube-Museum. Es stellte sich selbst aus: das Phänomen, dass hier Menschen zusammenkamen, um Kunst zu sehen. In den leeren Räumen hallte nach, was die Menschen hier verband – Gefühlsstürme, Lacher, Tränen und Applaus. Was bleibt von einer flüchtigen Theateraufführung zurück? Aufzeichnungen, Kritiken und selbst Regiebücher bilden nur einen Teil der Aufführung ab. Hormone, Gerüche, Textur haben andere Spuren hinterlassen. In ihrer Leere entwickeln Zuschauer*innenräume, Bühne, Garderoben und Lichtbrücken den Charme von Ruinen: Post-Spektakel. Die Bühne und ihre Umgebung als temporäre Hinterlassenschaften einer rituellen Versammlungsstätte. Eine Archäologie der Repräsentation von Gesellschaft. Schicht für Schicht abgetragen, gibt das Gebäude den Blick frei auf das, was Theater war, ist, sein kann. Wieviel davon ist technisch simulierbar, reproduzierbar, synchronisierbar? Was ist, wenn sich die Weltsimulationsmaschine Theater von selbst in Bewegung setzt und das Publikum ins Zentrum des Geschehens rutscht? BLACK BOX macht das Unmögliche möglich. Was sich sonst kein Schauspielhaus erlauben könnte: Ein ganzes Haus spielt für eine Person. Wie in Andrei Tarkowskis Film STALKER geht alle fünf Minuten die Besucher*in allein und vorsichtig durch die Flure. Mit Kopfhörern und Handschuhen treten sie durch die leeren Reihen im Zuschauer*innenraum auf die Unterbühne und betreten das Labyrinth der Fiktionsmaschine. Die Black Box öffnet sich den rekonstruierenden Forscher*innen und stellt die Frage: Wo sind die anderen? In Zeiten von sozialer Distanz und Isolation gilt es hier zu entdecken, was Gemeinschaft bedeutet. Stefan Kaegi von Rimini Protokoll hat Expert*innen für politische Gemeinschaft, Simulation und Erinnerung aufgenommen. Menschen, deren Leben mit diesen Räumen und der Idee von Theater verbunden sind: Maskenbildner*innen und Souffleur*innen, Ensemblemitglieder und Philosoph*innen. Zwischen ihren binaural im Raum inszenierten Stimmen und ortsspezifischen Klängen entsteht eine Fährte durch den Körper des Theaters, die en passant zu einem Gang ins Unterbewusste der Gesellschaft werden könnte. Für das Volkstheater, das nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch für eine Generalsanierung ein ganzes Jahr geschlossen war, hat Stefan Kaegi den Ansatz seines Stücks BLACK BOX weiterentwickelt. Die ursprüngliche Idee entstand im Théâtre Vidy in Lausanne, dessen Räumlichkeiten kurz darauf abgerissen wurden und Platz für ein neues Gebäude machten, wurde danach im Staatsschauspiel Stuttgart fortgeführt, einem Haus, das den Spielbetrieb über Monate hinweg vollständig einstellen musste. Auch nach dem Ende der Pandemie führt das Volkstheater die Aufführungen von BLACK BOX fort. Das Stück reflektiert das Erwachen des Volkstheaters aus dem Dornröschenschlaf. Es führt das Publikum – als Audiowalk – durch die in neuem Glanz erstrahlenden Räumlichkeiten und stellt die Frage, welche Spuren seiner wechselhaften Geschichte getilgt und welche noch wahrnehmbar sind. Die auch in der kommenden Spielzeit nicht ganz vorhersehbaren Bedingungen drängen dem Stück eine forensisch-archäologische Perspektive auf: Theater, was es einmal war – und was es, wenn wir diese dunkle Zeit hinter uns gebracht haben, in Zukunft wieder sein könnte.

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Wien-Premiere//Gastspiel Das Finale aus Mozarts DIE HOCHZEIT DES FIGARO als zwölfstündige Oper Screening des HD-Mitschnittes aus Los Angeles von und mit Ragnar Kjartansson Regie Ragnar Kjartansson im Volkstheater Bühne

Kostüm Dirigent Orchester

CHRISTOPH FISCHER CAMILLA HÄGEBARTH JULIA KRAWCZYNSKI ANDA SKREJANE EMMA KINGSBURY CHRISTOPHER ROUNTREE WILD UP ENSEMBLE

Von Mittag bis Mitternacht fünf der bewegendsten Minuten der Musik Mozarts, zwölf unendliche Stunden lang ... BLISS ist eine zwölfstündige Oper. Das delirierende Finale aus DIE HOCHZEIT DES FIGARO – eines der schönsten Stücke Musik, das Mozart je komponierte – wird ohne Unterbrechung endlos wiederholt; kleinere Ab­weich­ungen ergeben sich nur dann, wenn die Aufführenden Erfrischungen benötigen. Durch die scheinbar endlose Dehnung des knapp fünf­minütigen musikalischen, erzählerischen und visuellen Höhepunkts nähern sich die Zuschauer*innen, genauso wie die Künstler*innen, einem euphorischen Zustand, der den letzten emotionalen Zustand der Protagonist*innen in Mozarts Werk bei Weitem übertrifft. Die Aufführung imitiert den Stil der Verschwendung in traditionellen Opern, mit einem kompletten Orchester, einer aufwendigen Rokoko-Kulisse, einem großen Ensemble (dem auch Kjartansson selbst angehört) und dem berühmten isländischen Tenor Kristján Jóhannesson, den Kjartansson kennen und bewundern lernte, als er als Teenager hinter der Bühne des isländischen National­ theaters arbeitete. Für die Live-Aufführung seiner Performance BLISS erhielt Ragnar Kjartansson 2011 den renommierten Performa Award in New York. Das Volkstheater präsentiert nun den aufwendig produzierten HD-Mitschnitt einer Live-Aufführung im Redcat Los Angeles, 2019. So kehrt die Oper zurück nach Wien, in die Stadt, in der sie 1786 uraufgeführt wurde. Die Zuschauer*innen können zwölf Stunden dauernd entspannen oder auch nicht – ein permanenter Ein- und Ausstieg aus dem Delirium ist möglich. Courtesy of i8, Reykjavik / Luhring Augustine, New York

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Die Rote Bar ist nicht nur mit ihrer Wandfarbe das exakte Gegenstück zur Dunkelkammer. Mit ihren Kronleuchtern, Textiltapeten, Seidenvorhängen und Marmor­böden atmet sie das Flair eines Salons des frühen 20. Jahrhunderts. So nimmt der Pausenbereich des Volkstheaters seit Jahren einen festen Platz im Wiener Kulturleben ein. Als ikonischer Ort, an dem Literatur und Diskurs, Musik und Partykultur miteinander in Kontakt treten. Wir haben nicht vor, das zu ändern. Nur die plüschige Atmosphäre wurde im Zuge der Generalsanierung behutsam versachlicht. Das Team um Kay Voges wird in der Programmgestaltung die Rote Bar auch für subkulturelle Strömungen öffnen. Mit gleicher Hingabe arbeiten wir an einer signifikanten Erweiterung der Cocktailkarte. Hereinspaziert – und am frühen Morgen wieder herausgestolpert.

Lecture Performance – ist das nicht eine Tautologie? Wie kann es möglich sein, einen Vortrag zu halten, ohne dass Mimik, Gestik, Sprachstil, Selbstinszenierung, also vieles, was auch Schauspie­ ler*innen und eigentlich alle Darsteller*innen auszeichnet, auch im Alltag, eine entscheidende Rolle spielen? Das Volkstheater möchte an diesem Begriff festhalten und ins Zentrum einer Reihe stellen. Er bezeichnet ein Genre, das in den vergangenen Jahren eine beispiellose Blüte erlebt hat. Das nicht ganz unschuldige Wort „Performance“ zeigt an, welche Be­ deutung die künstlerischen Gestaltungsmittel in dieser Form der Produktion und Vermittlung von Wissen haben. So sehr, dass sie inzwischen mit Recht als eigenständige Disziplin gelten kann. Der Erfolg der Lecture Performance hängt sicherlich damit zusammen, dass sie sich mit relativ einfachen Mitteln und da­ her relativ überschaubarem finanziellen Aufwand realisieren lässt. Dies ist sicher auch der Grund, warum sie sich sowohl in der Freien Szene als auch unter Künstler*innen im Mittleren Osten, in Asien und im „Globalen Süden“ zu einer favorisierten Ausdrucksform entwickelt hat. Unter dem Titel ENJOY COMPLEXITY laden wir regelmäßig Künstler*innen und Protagonist*innen aus den unabhängigen, nicht institutionell gebundenen Darstellenden Künsten aus der ganzen Welt ein. Wir nutzen die „Performance Lecture“ als ein „schnelles Medium“, das es erlaubt, zeitnah und ohne langwierige Produktionsvorläufe auf Themen und Fragestellungen zu reagie­ ren, die in der Luft liegen – oder auf die wir, in unseren vielfältigen professionellen Deformationen, von selbst vielleicht nicht gekom­ men wären. Soziale Netzwerke und populistische Regierungen verdanken ihren wachsenden Einfluss der Tatsache, dass sie einem immer unüberschaubarer und schwerer zu verstehenden Weltgefüge mit einer Reduktion von Komplexität begegnen. Sie bieten Narrative an, die Menschen in falsche Sicherheiten wiegen. ENJOY COMPLEXITY – wie das Volkstheater überhaupt – macht genau das Gegenteil. Es kann Spaß machen, aufs Detail einer Problemlage zu schauen, widersprüchliche Beschreibungen der Wirklichkeit auszuhalten und sie vor allem für das eigene Tun und Handeln produktiv zu machen. Diese Veranstaltungsreihe wird da­ her keinen festen Ort haben, sondern sich immer da niederlassen, wo es jeweils sinnvoll erscheint. In der Roten Bar, in der Dunkel­ kammer, im Weißen Salon – und sogar im Großen Theatersaal.

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Lecture Performances zu Themen der Zeit


Late Nights zwischen 20 und 20.000 Hertz mit Paul Wallfisch und special guests

„Sowohl in der Musik als auch der Prosa ist das Wesentliche der Rhythmus. Dein Stil muss einen guten, natürlichen, regelmäßigen Rhythmus haben, sonst lesen die Leute nicht weiter. Die Bedeutsamkeit des Rhythmus hat mir die Musik beigebracht – hauptsächlich der Jazz. Als nächstes folgt die Melodie – bezogen auf Literatur also das zum Rhythmus passende Arrangement von Worten. Wenn das Zusammenspiel von Worten und Rhythmus leicht und wunderbar gelingt – mehr kann man* sich nicht wünschen. Dann folgt die Harmonie, der innere mentale Klang, der die Worte stützt. Und dann der Teil, den ich am liebsten mag: freie Improvisation. Durch irgendeinen seltsamen Kanal beginnt dann eine Geschichte, frei von innen nach außen zu quellen. Und alles, was ich machen muss, ist mitzuschwimmen.“ (Haruki Murakami)

Ob Murakami, Patti Smith, Sexton, Beckett, Shange, Hughes, Pico, Puccini, Punkrock, Gamelan, Grime, Drill, Techno, Kpop oder Kesselpauke – der New Yorker Paul Wallfisch, neuer Musikalischer Leiter des Volkstheaters, lädt in seiner ersten Late-Night-Reihe zu anarchischen Remixen aus Musik und Literatur. Der Frequenzbereich beträgt 20 bis 20.000 Schwingungen pro Sekunde. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen Autor*innen, die schreiben, während sie hören: Was waren ihre Playlists? Was die ihrer Figuren? Oder – was könnten sie sein? Für jede Folge wählen Paul Wallfisch und seine Gäste aus Schauspiel und Musik eine*n Autor*in aus und legen los. Es entstehen Late Nights mit Songs und Texten, immer live, jenseits von Epochen und Kontinenten, auf der Suche nach ungewöhnlichen Soundtracks für die Gegenwart! Im Herbst 2021 steht im Zentrum u. a. der anstehende 100. Geburtstag der vielfach ausgezeichneten österreichischen Literatin Ilse Aichinger: Die Schweizer Schauspielerin, Chansonsängerin und Rezitatorin Anne Bennent bringt Texte der Autorin mit, für die Musik ist an diesem Abend die amerikanische Theremin-Virtuosin und Wahlwienerin Pamelia Stickney bei Paul Wallfisch zu Gast! Peter Cat’s Wide World of Sound – immer anders, immer einmal pro Monat, immer in der Roten Bar!

Die Kultreihe ist zurück! Das Institut für Medien, Politik und Theater widmet sich weiterhin der Frage: Wie funktioniert das System „Wolfgang Fellner“? Das Kollektiv aus Theatermacher*innen und Journalist*innen hat die Methoden des Medienmoguls analysiert und so einen Einblick in die Strategien und Techniken des österreichischen Boulevards gewonnen. In einem Verschnitt aus Originalmaterialien von Wolfgang Fellner und Interviews mit Medienexpert*innen entsteht so ein Abend zwischen harter Medienanalyse und politischer Satire.

Anleitung zum Fellnerismus von Felix Hafner, Emily Richards und Anna Wielander (Institut für Medien, Politik und Theater) 85

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Einmal im Monat kleschen die Worte, Klänge und Spritzer in der Roten Bar zusammen. Das Publikum ist herzlich eingeladen: zum Zuhören, Diskutieren, Tschechern, Tanzen. Das Volkstheater hostet die schreibende Szene – Autor*innen, Dramatiker*innen und Wissenschaftler*innen, Verlage und Magazine. Sie alle präsentieren sich mit ihren aktuellen Werken und Texten. Spezial­ausgaben und relevante Diskurse, österreichische Neuerscheinungen und internationale Entdeckungen finden in dieser Reihe ihren Stammplatz. So begrüßen wir unter anderem Mitglieder des Autorinnenkollektivs Wiener Grippe/KW 77, darunter unsere Hausautorin Lydia Haider, die gemeinsam mit DJ Therese Terror den Auftakt gibt. Ausklingen können die Gespräche mit Musik. Wechselnde Ensemblemitglieder, Profi-DJs und Musiker*innen aus Wien legen auf, manchmal auch die Lesenden selbst. Im monatlichem Loop wird die Rote Bar so zum Raum für wildes Probieren und Assoziieren mit Sprache und Musik.

von 600 Highwaymen aus dem Englischen von Matthias Seier und Anne-Kathrin Schulz

Text, Musik, Alkohol, spät ausgeschenkt

Greifen Sie zum Telefon. Eine weitere Person ist in der Leitung. Dies ist eine Einladung. Werden Sie teilnehmen? In einem einfachen Telefonanruf begegnen Sie einer Ihnen fremden, namenlosen Person. Beide von Ihnen folgen unter der Leitung einer dritten Stimme einer Reihe von Anweisungen. Man* beantwortet Fragen aus dem eigenen Leben, kommt hier und da ins Gespräch, ist der fremden Person ungewohnt nah. So hat sich das also angefühlt vor der Pandemie – die unverhoffte Zufallsbekanntschaft, das Herzklopfen vor einer Begegnung, das Sich-Drauf-Einlassen. Unsicheres Terrain, radikale Offenheit, geteilte Präsenz. Die amerikanischen Theatermacher*innen 600 Highwaymen (Abigail Browde und Michael Silverstone) sind bekannt für ihre grenzensprengenden Produktionen, die stets von derselben Neugier angefeuert werden: Was entsteht in der Live-Begegnung zwischen Menschen? Mit TAUSEND WEGE – Ein Telefonat, das am Volkstheater seine Deutschsprachige Erstaufführung erlebt hat, haben 600 Highwaymen eine so leise wie wirkungsvolle Antwort auf diese neue pandemische Welt geschaffen.

Die Redakteur*innen von Dossier geben einen exklusiven Einblick in die Welt des Investigativ-Journalismus. Sie erzählen von ihren Recherchen, bitten Politiker*innen und Künstler*innen zu öffentlichen Vier-Augen-Gesprä­chen und diskutieren mit ihnen die Lage der Nation. Die Rote Bar wird so zum Hinterzimmer für politische Aufklärungsarbeit.

Ein Blick hinter die Kulissen des Investigativ-Journalismus 86

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Film-Lektionen zu zwielichtigen Welten

mit Jörg Buttgereit und Christian Fuchs

Wenn die Angstlust zu Fleisch wird! Menschen, Monster, Invasionen: Arthouse-Horrorfilmregisseur Jörg Buttgereit, unter anderem berühmt-berüchtigt für den Super-AchtStreifen NEKROMANTIK, und Filmjournalist und FM4Radiomacher Christian Fuchs, Autor des Bandes KINO KILLER: MÖRDER IM FILM, laden zu einer neuen Gesprächsreihe in die Rote Bar. Cineastisch-diskursive Kurztrips in Bild und Ton. Mainstream trifft Trivialkultur. Mitten rein ins Unbehagen, das jenseits der Vernunft lauert! Ob ANGRY PLANETS, ASIATISCHE KAMPFKUNSTIKONEN, TODESSTRAHLEN AUS DEM WELTALL oder UNGEHEUER VON NAH UND FERN: Was ist diese Finsternis jenseits von Wissenschaft und Logik, die menschliche Angst-Synapsen zum Schwingen bringt? Nur für Erwachsene! Jörg Buttgereit ist Regisseur und Autor diverser Arthouse-Horror­filme (NEKROMANTIK, DER TODESKING, SCHRAMM, FINAL GIRL, SCHWEINCHEN), Hörspiele, TV-Dokumentationen und Theaterstücke. Er lebt in Berlin. Christian Fuchs ist als Film- und Musikexperte Radio­ macher bei FM4 (u. a. FILMPODCAST, HOUSE OF PAIN) sowie Musiker (u. a. Bunny Lake, Black Palms Orchestra, Die Buben im Pelz). Er lebt in Wien.

Tierkunde für eine beschädigte Welt von und mit Fahim Amir Singvögel im Park, die sich anhand des Östrogengehalts im Abwasser dopen. Termiten, die anhand alter kolonialer Handelsrouten in europäische Hafenstädte einfallen und ganze Regalmeter von Akten wegknuspern. Stadttauben, die nach der Französischen Revolution aus ihren Taubenschlägen befreit wurden und nun auf das Karl Lueger-Denkmal defäkieren. In seiner neuen Reihe eröffnet der Wiener Philosoph und artistic researcher Fahim Amir (SCHWEIN UND ZEIT) neue Zugänge zur Fauna unserer Städte und weit darüber hinaus: Anstatt Tiere wie sonst zu bloßen Opfern und kapitalistischer Ressource zu erklären oder romantischen Vorstellungen einer unberührten Natur anzuhängen, wird bei Fahim Amir die Tierwelt zum Schauplatz der Renitenz und Revolte. Es gilt, unser Verhältnis zu Tieren zu entstauben und sie als politische Artgenoss*innen und widerspenstige Gefährt*innen in den Blick zu nehmen. In einer losen Folge von Lecture Performances in der Roten Bar zeigt Fahim Amir die komplexen Verstrickungen von Tier und Mensch in einer beschädigten Welt – und gestaltet so ein neues Bestiarium für unsere verwilderte Gegenwart. 87

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#1 – #6 Uraufführung Eine interaktive Autopsie menschlicher Gewalt von und mit Fronte Vacuo:// Marco Donnarumma im Volx Regie, Choreographie, KI-Musiksystem MARCO DONNARUMMA Choreographie, Symbionten MARGHERITA PEVERE Interaktives Licht- und Videodesign, Technische Leitung ANDREA FAMILARI KI und Machine Learning Research BAPTISTE CARAMIAUX KI-Engineering MEREDITH THOMAS Skulptur ANA RAJCEVIC Bühne und Kostüm ANNA CINGI Audiovisuelle Dramaturgie KI-PERFORMER*IN <dmb> Produktion OLGA WIEDEMANN RENÉ DOMBROWSKI Dramaturgische Beratung ANNE-KATHRIN SCHULZ With special participation of 4RUDE

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Ist es Tanz, Dauerperformance, Theater, biologischtechnische Installation oder ein kollektives Experiment? Vermutlich alles zusammen. Die Künstler*innengruppe Fronte Vacuo (Marco Donnarumma, Margherita Pevere, Andrea Familari) blickt in ihrer neuesten Produktion HUMANE METHODS [∑xhale] in sechs Folgen auf Menschen, Maschinen und Algorithmen – in einer Welt, in der systemische Intoleranz, Umweltzerstörung und unethische Technologieentwicklung eine alles durchdringende Gewaltstruktur gebildet haben. Diese Gewaltstruktur ist sichtbar und unsichtbar zugleich. Und sie betrifft sowohl Akteur*innen auf Kohlenstoffbasis (wie Menschen, Tiere, Pilze und Pflanzen) als auch Akteur*innen auf Siliziumbasis (wie künstliche-intelligente Algorithmen). Menschen geben Anweisungen, Algorithmen wiederholen, Lebendiges leidet, Kapital vermehrt sich. Und nochmal: Menschen geben Anweisungen, Algorithmen wiederholen, Lebendiges leidet, Kapital vermehrt sich. Es ist ein komplexes Beziehungsgeflecht oder eine Endlosschleife von Handlungen und Konsequenzen, in der jede*r Verantwortung trägt. Die neue Performance von Fronte Vacuo greift dieses Prinzip der Endlosschleife und der Vernetzung auf und platziert die Performance-Besucher*innen inmitten eines sie umströmenden Ökosystems. Doch Achtung – in diesem sind Menschen nicht die einzigen Akteur*innen: Keimlinge, Pilze und die eigens geschaffene KI namens <dmb> sind die Mit-Erschaffer*innen dieser Welt. <dmb> orchestriert Rhythmus, Musik und Licht – eine KI-Performer*in, die auf die Handlungen der anderen Performer*innen antwortet. Wie ein Wind wirbelt <dmb> alles und alle auf der Bühne auf und wird gleichzeitig durch sie in Schwung gebracht. Durch unendliche Schleifen wird aus dieser Mensch-NaturMaschine-Verflechtung ein kathartisches Ritual, einer Symbiogenese. Wieder und wieder, jeden Abend aufs Neue, lassen die Menschen, nicht-menschlichen Lebewesen und Maschinen in [∑xhale] immer neue Wirklichkeiten entstehen. In diesem Multiversum an Möglichkeiten läuft die Narration jedes Mal auf einen anderen Endpunkt zu: Wie kann der Kreislauf der Gewalt durchbrochen werden? Wenn jede Handlung eine Konsequenz hat, was tun? Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien der Bundesrepublik Deutschland sowie durch den Kofinanzierungsfonds der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Eine Produktion der Fronte Vacuo GbR in Koproduktion mit dem Volkstheater Wien, dem tanzhaus nrw, dem CTM Festival Berlin, der Akademie für Theater und Digitalität sowie La Diagonale, Paris und dem französischen Centre National de Recherche en Scientifique (CNRS), verbunden mit dem Laboratoire de Recherche en Informatique (LRI) der Universität Paris-Saclay.

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Selten scheiden sich über eine Kunstform so sehr die Geister, wie es bei der Operette der stete Fall. In den letzten hundert Jahren pendelt sie zwischen den Polen des skandalträchtigen, glamourösen und bedingungslos modernen Musiktheaters und der leichten, unpolitischen und verlässlich spaßigen Abendunterhaltung. Und es scheint, als wäre durch diese wechselvolle Vergangenheit heute alles möglich. Um in diesem so offenen Genre auf die Suche zu gehen, in einer Stückentwicklung sich von seiner radikalen Uneingeschränktheit leiten zu lassen, denkt sich kein besserer Ort auf der Welt als Wien mit seiner über hundertfünfzigjährigen, ganz eigenen Operettentradition. Und wir können es kaum erwarten. Aber bis das alles fertig ist, dauert es halt noch ewig. Bis dahin könne wir das Folgende schon mal irgendwie singen: Der Frühling kam und ich hab‘s gespürt, / dann wollt‘ ich was singen, nur du hast gefehlt / oder so irgendwas, / ach herrje, ganz allein, / möcht ich nicht sein, / fühl ich mich klein, / da haut man dann so rauf. // „Kann man da parken?“, / kann ich nicht singen, nur vor deinem Fenster schrein, / kann nur noch schrein: // (Refrain:) Ich hab irgendwie das Gefühl, ich kann keine lustigen Lieder singen ohne dich, / denn zusamm‘, da singt‘s sich am schönsten, / da ist die Liebe am größten, / beim Singen, / nur du und ich. / Wirklich komplett / fühl ich mich nur mit dir im Duett. (Und wenn du nicht mitsingen willst, dann musst du das auch nicht, das macht unsere Runde umso schöner, weil unsere Kommunikation funktioniert doch nur mit der Differenz. Aber schön wäre es schon, wenn wir vielleicht irgendwann mal alle zusammen singen, für die Ewigkeit, immer so wie heut, wenn wir morgen noch dran denken.)

EINE OPERETTE Uraufführung von Marius Schötz, Marthe Meinhold und Ensemble Regie und Komposition Marius Schötz im Volx Bühne Kostüm Dramaturgie

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ROBIN METZER FLORIAN KIEHL ULF FRÖTZSCHNER


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Eine Siebenjährige, die jeden Mittwoch auf dem Weg zum Geigenunterricht den Teheraner Azadi Platz überquert – in der Hand einen blauen Müllsack, in dem ihr Geigenkasten versteckt ist, um keinen Ärger mit der Sittenpolizei zu bekommen, die Saiten der Geige durch ein Handtuch gedämpft. Mit elf beginnt sie zu singen, in einem Chor, und auch hier muss Klang getarnt werden: der ihrer Stimme – bei ihren Solos bewegt der Rest des Chors synchron die Lippen. Mit siebzehn verlässt Hasti Molavian dann ihre iranische Heimat, um ihren Traum leben zu können: Opernsängerin zu werden. „Leben ist Selbstbestimmung, und niemand soll mir mehr vorschreiben dürfen, wie ich zu leben habe, noch, was Musik ist.“ Hasti Molavian, in Deutschland ausgebildete Mezzosopranistin, steht im Zentrum eines interkulturellen iranisch-europäischen Musiktheaterprojekts. Es verbindet assoziativ Molavians autobiographische Erlebnisstränge mit Themen, Motiven und Figuren aus Bizets weltberühmter Opern CARMEN: Träume, Ängste einer vernarbten Vergangenheit – und einen immensen Freiheits- und Selbstbestimmungsdrang. Hasti Molavian, seit 2020 festes Ensemblemitglied am Volkstheater, Regisseur Paul-Georg Dittrich und das Komponistenduo Scheuer/Schwencke befragen in ICH BIN CARMEN UND DAS IST KEIN LIEBESLIED die Narrative zweier Welten nach Gesellschaftsund Geschlechterbildern. Sie entwerfen mittels neuartiger BildKlang-Kompositionen eine utopische Gegenwelt: zwischen Bizet und persischem Sprechgesang (Naghali), zwischen Teheraner Originalschauplätzen und einem poetischen Erinnerungsraum. Gefördert durch die Kunststiftung NRW. Entstanden in Kooperation zwischen dem Theater Bielefeld und dem Theater Bremen. Koordiniert von 2eleven music film.

Uraufführung Wien-Premiere Musiktheater nach Georges Bizet von Paul-Georg Dittrich, Hasti Molavian, Christopher Scheuer und Tobias Schwencke Musikalische Leitung Tobias Schwencke Regie Paul-Georg Dittrich im Volx Arrangement, Klavier TOBIAS SCHWENCKE Live-Elektronik, Sensortechnik CHRISTOPHER SCHEUER Ausstattung PIA DEDERICHS Video KAI WIDO MEYER Dramaturgie ISABELLE BECKER

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Das Volkstheater hat eine neue Spielstätte! Wie alles in diesem Haus hat auch dieser Raum eine lange und wechselvolle Geschichte. Unter dem Dach im vierten Stock gelegen, war er für längere Zeit unter dem Namen Plafond und Schwarzer Salon für Publikum geöffnet. Nun verwandelt er sich in die Dunkelkammer: den Raum für analoge und digitale Experimente. Eine Brutstätte, in der Ideen für die Zukunft entstehen.

Mit dem Projekt I AM (VR) erforschen Susanne Kennedy und Markus Selg in Kollaboration mit dem Videokünstler Rodrik Biersteker neue Dimensionen des immersiven Theaters. Sie ermöglichen dem Publikum die Kommunikation mit einer Künstlichen Intelligenz (englisch: Artificial Intelligence), die als Orakel in Erscheinung tritt. Sie gibt in Echtzeit generierte Antworten auf menschliche Fragen. Wie bereits im antiken Griechenland verrät, was wir vom Orakel wissen wollen, womöglich mehr über uns selbst als jede Antwort, die es uns gibt. Kann eine Künstliche Intelligenz, die gezielt an theologischen und philosophischen, an psychoanalytischen und spirituellen Reflexionen der Literaturgeschichte geschult wird, zu einem übermenschlichen Ratgeber werden? Durch die Verwendung von VR-Headsets werden die Zuschauer*innen zu Teilnehmer*innen. Sie bewegen sich durch eine Welt, in der archaische Zeichen und futuristisches Design sich wechselseitig durchdringen. Die digitalen Innenräume und Akteur*innen entstammen Susanne Kennedys Theaterinszenierung ORACLE, die an den Münchner Kammerspielen entstanden ist. In einer durch und durch virtuellen Welt begegnen wir nunmehr den digitalen Avataren der Performer*innen. Sie führen uns durch mehrere Stadien einer spirituellen Entwicklung – bis jede*r Einzelne bereit ist, vor das Orakel zu treten und eine Frage zu formulieren. Individuelle Entscheidungen der Teilnehmer*innen beeinflussen die Chronologie des Geschehens. Das Orakel erscheint als allwissendes Auge. Es ist eine mit den Informationsströmen des Internets verknüpfte Künstliche Intelligenz, die mit einer Vielzahl unterschiedlicher Texte gefüttert wurde. Sie stammen von Orakeln der älteren und jüngeren Geschichte – von Buddha und Jesus Christus über Jiddu Krishnamurti bis hin zu Techno-Propheten wie Elon Musk oder Ray Kurzweil. Das ist der Humus, auf dem die Antworten der lernenden Maschine keimen können.

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Susanne Kennedy und Markus Selg in Kollaboration mit Rodrik Biersteker Game-Design

Programming

SUSANNE KENNEDY MARKUS SELG RODRIK BIERSTEKER

RODRIK BIERSTEKER MARKUS SELG RODRIK BIERSTEKER Sound-Design & Composition RICHARD JANSSEN Dramaturgie TOBIAS STAAB Visual-Design


Wien-Premiere//Gastspiel Eine performative VR-Installation von Philip Gröning in der Dunkelkammer

Das Oktoberfest in München ist das bekannteste Volksfest der Welt. Schon zum zweiten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg findet es auch dieses Jahr coronabedingt nicht statt. Dies war der gedankliche Ausgangspunkt für die neueste Arbeit des Filmemachers und eigenwilligen Künstlers Philip Gröning, dessen Filme wie DIE GROSSE STILLE oder MEIN BRUDER HEISST ROBERT UND IST EIN IDIOT weltweit Preise gewinnen und das Publikum verstören. Für OKTOBERFEST PHANTOM recherchiert eine KI (Künstliche Intelligenz) die exakten Räumlichkeiten der Oktoberfestzelte und versucht diese zu rekonstruieren. Da dies aus Tausenden von Selfies und kurzen Clips aus allen weltweiten Social-Media Kanälen geschieht, bildet sich hier einerseits ab, was die Menschen als Erinnerung mit anderen teilen wollten. Andererseits werden durch dieses Verfahren große Teile der Zelte unsichtbar, weil niemand sie für der Erinnerung wert hielt. Deshalb scheitert die KI an der Aufgabe, die Eindeutigkeit der Räumlichkeiten vollständig abzubilden. Dieses Scheitern ist ästhetisches Mittel: Es entsteht eine ruinöse Struktur der Orte, der Aufmerksamkeit und der kollektiven Erinnerung. Und damit nicht genug: Die KI rechnet Menschen – da sie nicht ortskonstant sind – teils aus der Masse der Bilder heraus, teils verschmelzen sie zu organisch erscheinenden Gebilden. Der Mensch ist hier der Fehler. In einer performativen Rauminstallation erhält jede*r Zuschauer*in eine VR-Brille mit Kopfhörer und betritt ein Festzelt der Erinnerung, einen Raum zweiter Ordnung. Ein bunter Sternennebel, in dem die Abwesenheit des Oktoberfestes sichtbar und vor allem fühlbar wird. Und auch der Phantomschmerz darüber, dass aus der massenhaften Bestätigung der eigenen Präsenz durch Selfies ein Ort der Abwesenheit jeden Individuums entsteht. Erinnerung konstituiert das Individuum. Aber hier zeigt sich die Begegnung der zahllosen individuellen Erinnerungen mit der Glättung der Statistik. Auskristallisiert durch den Zufall von Corona. Bild unserer Epoche. Zusammenarbeit mit TANK Shanghai und dem Museum VILLA STUCK

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TEXT von

LYDIA HAIDER

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Bleibt doch der Schnee länger auf den Steinen im Felde, wenn‘s vom Berg herab schneit, und das Schmelzwasser verschießt nicht so bald, wie mein Volk vergisst, wer es ist, denn mein Drecksvolk vergisst das ab und an, vor allem das am Lande dort wo die Gräben sehr tief kommt selten des Lichts hin zur Schmelze nun das braucht dich nicht zu wundern, das kommt von den Spritzmitteln, denen alles dort ausgesetzt, an denen sie seit ihrer Geburt schnuppern, wo sie mit diesen Spritzmitteln ja aufwachsen und ihnen schon in die Wiegen reingelegt fix aus den Silos geradewegs bringen sie solches auf die Äcker und der Schnee schmilzt von daher nicht desgleichen schnell versetzt damit ganz tief, da braucht dich echt nichts zu wundern, dass es dort so aussieht im Außen und in den Innen und also zu ihnen gesprochen, Stecke deine Hand in deinen Busen, und der steckt seine Hand in seinen Busen und zieht sie wieder heraus, siehe, da ist die aussätzig wie dieser Schnee, was das Wesen des Volkes gewohnt ist es längst an seine Aussatz, denn wenn ich zu ihnen sage, Wir treffen uns jetzt dann beim Seppenjet, nächste Abfahrt treffen wir uns beim Seppenjet, ja dann treffen wir uns natürlich nicht dort, weil diese vielen von Aussatz nur mehr so Zerfressenen weiterfahren und vergessen, dass wir uns beim Seppenjet treffen, und dann fahren sie fröhlich weiter

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und vergessen sich und vergessen alles und fahren zum nächsten Skilift, obwohl es ganz klar geheißen hat, wir treffen uns beim Seppenjet, fahren die vorbei, nicht einmal dazu fähig, sich das zu merken und zu verinnerlichen, dass wir uns immer nach der Abfahrt beim Seppenjet treffen, die fahren weiter und wissen dann nicht, wo sie sind, und wenn wir ausmachen, wir fahren links, dann fahren die einfach rechts, und wenn es heißt, dort beim Wald abbiegen, dann biegen die nicht ab diese durch und durch Durchsetzten von ihren Spritzmitteln und den immer gleich kaputten Busen, an denen sie liegen, obwohl alle den Seppenjet kennen und wissen, dass zum Heiligen Josef dort alle, wie sie Josef heißen, eine Freifahrt bekommen, daher heißen wir alle Josef und treffen uns beim Seppenjet an diesem Tag, aber nein, sie fahren einfach weiter und fahren jedwohin und bleiben dann verwundert flurverloren stehen und schauen um sich und kennen sich nicht mehr aus und mancher schreit, ringt die Händ’ gen Himmel, and’re weinen off’ner Gosche, denn wo sie sind, das wissen sie nicht mehr, obwohl es gesprochen ward, sich nach der Abfahrt beim Seppenjet zu treffen, das ist doch nicht so schwer, nun wird es dem Drecksvolke nicht länger mehr verziehen, dass es nicht weiß, wovon die Rede ist und war und was die Abmachung und in welchen Plänen wir uns darlegen gemeinsam und immer dargelegt haben, in solchen auch nie zu werken beginnend, denn was sollte da werken in diesen losen Leibern, es beginnt kein Werk mit Beginnen hat halt alles vielmehr auch ein Arschloch, wo reinzukriechen verlanget zu sehen, was das Sehen muss dazuhierest in dieser hierigen, hinigen Zeit an diesem Ort und Örtchen, obwohl beim Seppenjet ein Kloshäusl wär so lang und längstens und schon halb aufgemacht wirst jetzt nicht mehr rangelassen, dass dir das Zipferl aus dem Loche rausstehe bereits breitest und breit zu werfen deinen Shit erneut auf und in einen Erdboden, der nicht mehr dein Abort ist ab diesem dir zu zeigen Zeitpunkte nie mehr wirfst du deine Ausscheidungen da her, sintemal in Rot-weiß-rot-bis-in-den-Tod tue ich da nicht mehr deine Dixihütte spielen, denn ich bin dein Geburtserdboden und lasse mir nicht mehr länger auf den Kopf scheißen von dir, auf meine hohe Stirn, auf meinen schönen Mund da bin ich zu gute mir ab nun, abzuwenden Schande und Schmach von meinen Seppenjet entledigen dich Schänder, dich anbiedernden Bingobongomenschen in deinem Bingobongomorast hinhurend mit deiner feist dummdämlichen Frotzelei den Erdboden verunreinigend sicher nicht mehr länger meine Statt ja da wo ich wohne, wohnst du ab jetzt nicht und nie mehr, da ich dich falschen Einheimischen ausheimisch mache, so du längst ausheimisch gemacht gehörst, ich senke mich in die Senkgrube des ganzen Landstriches rein in dessen Aftergefielde und all der afterierenden Aftergebilde da in die Tiefen in tiefste Geschichte und meine Geschichte ist nicht mehr länger deine, wenn du dir nicht einmal merken kannst, dass wir uns beim Seppenjet treffen du Koffer, da ich sie dir nehme, dir Vergesser, dir ausgewaschenem Schädel, du hast ab jetzt keine Geschichte mehr sollst geschichtslos herumirren in der Schneewüste 40 der Jahre und mehr und wirst dort erfrieren und krepieren und verlieren in einem Land, das ich dir nehme, ich spreche dir die Geburt hier ab, ich spreche dir ab, dass ein wahrhaft menschlicher Unterleib dir das Leben hier gegeben, ich spreche dir dies alles und dich selbst spreche ich dir ab und nehme dir, was zu Unrecht dir gegeben hier von einem Erdboden, dessen du nicht würdig und dessen du nie würdig wirst und daher wird dir nun deine Staatsbürgerschaft aberkannt, dir unwürdiger Missgeburt, die sich Österreicher nennt, wirst jetzt rausgehaut aus deinem Gewand samt deiner Wiege und all der Weiden dazu in hohem Bogen nackt ganz weit hinaus wurscht wohin und puh da bleiben nicht mehr viele übrig mit einer Bürgerschaft da herinnen im Staate Österreich, die sich merken können, wo wir uns treffen und was wir uns ausgemacht haben. SPIELZEIT 21/22


Haben Sie nicht auch manchmal daran gedacht, irgendjemandem, von dem Sie so richtig entnervt waren, einfach mal die Fresse zu polieren, oder einen Spritzer ins Gesicht zu schütten, oder halt schlicht, wie es in diesem Stück gewünscht wird, das Kreuz zu brechen? André Heller, Andreas Gabalier, Jesus Christus, Thomas Bernhard, Philipp Hochmair, der Bierkavalier, Dietrich Mateschitz und noch viele, viele mehr werden – vielleicht als Stellvertreter – gekreuzigt, gevierteilt, mit Scheiße bedeckt und vernichtet. Nach einem wundervollen Theaterabend gehen Sie nach Hause und schlachten sich selbst … harte Zeiten! Was, wenn wir nicht mehr wissen, wer jetzt die Guten und die Bösen sind, oder die Schützenswerten, oder die, die zu vernichten sind? In diesem Stück ist es so. Was passiert hier? Ist es Willkür? Darf man* das? Lydia Haider, Hausautorin am Volkstheater, ist eine radikale und sprachgewaltige Stimme der österreichischen Literatur. Sie nimmt eine literarische Extrem­position ein, die selten geworden ist. In ihren Erzählungen, die keine sind, bleibt oft nur Sprache. Die Leser*innen pendeln von de Sade zu Genet, von Mallarmé zu Artaud, doch am ehesten grüßt der große Pierre Guyotat: Es ist ein unendlicher, emotionaler, obszöner Strom der Wörter, in dem wir wie gefangen sind. In der Inszenierung dieses ersten Teils ihres mehrteiligen Werks ZERTRETUNG trifft Roger Corman im Grand Guignol auf die TWO THOUSAND MANIACS von Hershell Gordon Lewis. Fortunas Rad des Lebens, das Schicksalsrad, dreht sich, es fährt dahin und walzt und vernichtet einfach alle. Erbarmen gibt es nicht. Darum wird aber auch gar nicht erst gebeten. Vielleicht wollen sie ja auch sterben? Wer sagt denn, dass es nicht so ist? Es wird unerhörtes Theater: Dornen, Kreuze, Schweiß, Blut, Speichel, Exkremente in einem goldenen Raum der endlos veränderlichen, wandelbaren Dinge und Körper.

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Uraufführung von Regie

Lydia Haider Kay Voges

in der Dunkelkammer Bühne

MICHAEL SIEBEROCKSERAFIMOWITSCH Kostüm MONA ULRICH Musik PAUL WALLFISCH Video-Art MAX HAMMEL Game-Design MARVIN KANAS Dramaturgie HENNING NASS


von Lydia Haider Lesung im Führerzimmer Umsetzung

LYDIA HAIDER UWE ROHBECK JENNIFER WEISS

Ein Gesang, eine Volksbeschimpfung, eine Hasspredigt, eine Grabesrede, eine Wutmalerei, die sich in einem einzigen Satz vollzieht. Und zwar aus dem Munde eines Mannes, dessen Wut sich in misogynen und faschistoiden Sprachabfall wandelt, welcher auf den Zuhörenden abgeworfen wird. Nichts für schwache Ohren!

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Als zweiten großen Teil des Romans ZERTRETUNG wird dieses neue Stück der Hausautorin Lydia Haider in der Dunkelkammer als die ultimative Abrechnung mit allem, mit jedem und der Sprache selbst zu sehen sein. In 14 Runden und 14 Sätzen ist dieses epische, brachiale Stück geschrieben, in Anlehnung an die 14 Kreuzwegstationen Christi. Doch was wird gekreuzigt? Gott, die „arme Drecksfut Metzger“, das „philosophische Gesindel“, die Liebe? Oder gar die Sprache selbst? Doch wie bringt man* die Sprache um die Ecke? Wie das gehen soll, das mit dem „Heimzudrehen die Sprache in der Sache der Sprache“, zeigt sich in einem Duell, geschrieben „für zwei stark geniale Schauspielerinnen oder für mehrere, falls sich zwei den Text nicht dermerken“. Es gilt herauszufinden, ob es wirklich zu einem Duell zwischen zwei Spielerinnen kommt oder ob diese sich dann im Rausch der Sprache, in welchem die Sprache mit den eigenen Mitteln bekämpft wird, verlieren. Oder duelliert sich die Autorin selbst, bis ihr beinahe die Hand beim Schreiben zerbröselt? Jedenfalls fordert sie mit diesem Stück die Regie heraus, diesen Text mit der folgenden Anweisung zu inszenieren: „Text zu schreien, kreischen, brüllen so nachdrücklich und gewiss, ihn speiben, aus sich auszulassen wie Fett, den Text herausdrücken wie ein Kind, den Text hineinscheißen, hinwerfen, aus sich herausreißen wie ein Organ, ihn ausschwitzen, ausdünsten und auskratzen aus sich aus jeder Pore, das Inwendige auswendig kehren in einem Prozess, der natürlich ist und das Publikum fürchten lehrt, weil er so natürlich ist, so es der Moment im Tod ist genauso. Bussi.“

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Uraufführung von Regie

Lydia Haider Claudia Bossard

in der Dunkelkammer Dramaturgie

ULF FRÖTZSCHNER


Wien-Premiere von Nick Payne aus dem Englischen von Corinna Brocher Regie Péter Sanyó in der Dunkelkammer Bühne DAINA KASPEROWITSCH Kostüm FRIEDERIKE WÖRNER Musik PC NACKT Dramaturgie ROMAN SENKL MATTHIAS SEIER

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Marianne ist Quantenphysikerin. In ihrer Arbeit sucht sie nach Beweisen für parallele Universen. Roland ist Imker. Er blickt mit dem rational-bodenständigen Blick eines Biologen auf die Welt. Auf einer Grillparty gemeinsamer Freunde treffen und verlieben sie sich. Aber nochmals von vorn: Marianne ist Quantenphysikerin. Roland ist Imker. Auch die Grillparty gibt es, man* wechselt ein paar freundliche Sätze – doch diesmal funkt es nicht. Aber nochmals von vorn: KONSTELLATIONEN ist ein Stück für zwei Figuren und Dutzende alternative Schicksale. Anhand einer einzigen Beziehung und ihrer zahllosen möglichen Verläufe deutet der britische Dramatiker Nick Payne das menschliche Drama um Leben, Liebe und Schicksal immer wieder neu. Denn wenn Mariannes quantenphysikalische Forschungen über das Multiversum stimmen, dann existiert jede auch nur irgendwie denkbare Variation unserer Leben in einem gigantischen Ensemble paralleler Welten: Ja und Nein, tot und lebendig, Für und Wider – in der Quantenphysik ist beides gleichzeitig denkbar. So führt uns KONSTELLATIONEN durch den Garten der Pfade, die sich unendlich verzweigen: Mal schafft es die Beziehung von Marianne und Roland nicht mal bis zum ersten Kuss, mal ziehen die beiden direkt zusammen und planen die Hochzeit. Mal geht er fremd, mal sie. Mal trennen sie sich, mal bleiben sie sich treu. Eine metaphysische Paarkomödie, ein kubistisches Beziehungsdrama, eine Ode an all die verpassten Chancen und kleinen Glücks­ momente: Mit Leichtigkeit, Humor und Raffinesse stellt das Stück, das 2012 in London zur Premiere gekommen ist, jahrhundertealte lineare Erzähltraditionen auf den Kopf. Ganz nebenbei rüttelt KONSTELLATIONEN an den großen Fragen: Wie sähe unser Leben aus, wenn wir nach entscheidenden Weggabelungen die Zeit hätten zurückdrehen können? Welches Glück ist uns entgangen, welches Unheil hat uns verschont, welche Alternativen hätten wir gehabt? Und was, wenn Zeit und Raum nicht bloß Hintergrundrauschen unseres Lebens sind – sondern aktive Mitspieler*innen?

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Wir kennen Roboter vor allem als Arbeitsmaschinen, als effiziente und präzise Vollstrecker. In der deutschen Industrie sehen sie Menschen kaum ähnlich. Emotionale Verstrickungen sind so ausgeschlossen. In Asien hingegen werden schon länger humanoide Roboter entwickelt, etwa für die Alten­pflege oder als Sexpartner*innen. Die äußerliche Ähnlichkeit zu Menschen – von japanischen Roboterforscher*innen „Uncanny Valley“ genannt – soll die Akzeptanz der Maschine erleichtern. Das Unheimliche daran liegt in einer visuellen Täuschung, die den Unterschied zwischen Mensch und Maschine mehr und mehr auflöst. Für die Produktion UNHEIMLICHES TAL haben Rimini Protokoll vom Schriftsteller und Stückeschreiber Thomas Melle (DIE WELT IM RÜCKEN) ein animatronisches Double erstellt. Dieser Humanoide tritt an der Stelle des Autors als Soloperformer in Erscheinung und wirft Fragen auf: Stehen Kopie und Original in einem Konkurrenzverhältnis zueinander? Oder helfen sie sich gegenseitig? Kommt sich das Original durch sein Double näher? Wer spricht, und was ist sein Programm? Thomas Melle beobachtet, und Stefan Kaegi dokumentiert in einer auf der Bühne zugeschalteten Videoprojektion, wie Ingenieur*innen aus Servomotoren und Silikon seinen Körper neu zusammensetzen und so programmieren, dass die Motoren sein Bewegungsrepertoire übernehmen. Durch Feinmechanik, Maske und Kostüm wird dieser Roboter zu einem Darsteller, dessen Mimik, Gestik und Sprache womöglich Empathie auslösen könnte – doch Empathie mit wem? Mit Melle selbst, der ja nicht mehr da ist? Oder doch schon mit dem Roboter? Wer spricht im unheimlichen Tal? Auf diese Weise wird die Maschine zur Projektionsfläche für eine Zukunft, in der das menschliche Original irgendwann nicht mehr auszumachen ist. Ein solcher Humanoide ist kein*e industrielle*r Arbeiter*in, sondern eine Bezugsperson, wie wir ihr womöglich selbst bald im Altersheim begegnen. Der Autor Thomas Melle wird bei Rimini Protokoll zum Schöpfer seines Ebenbildes. Er gibt die Kontrolle an einen Doppelgänger ab, der ihn verdrängt und über das wechselseitige Verhältnis reflektiert. Dieses Nachdenken – als vielfach gespaltener Vorgang – wird so Abend für Abend wiederholbar gemacht. Diese Rimini Protokoll Produktion ist ein Gastspiel der Münchner Kammerspiele. Entstanden in Koproduktion mit  Berliner Festspiele – Immersion, donaufestival (Krems),  Feodor Elutine (Moscow), FOG Triennale Milano Performing Arts (Milano),  Temporada Alta –  Festival de Tador  de Catalunya (Girona), SPRING Utrecht

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Wien-Premiere//Gastspiel von Thomas Melle und Stefan Kaegi// Rimini Protokoll Regie und Konzept Stefan Kaegi in der Dunkelkammer Text, Körper, Stimme THOMAS MELLE

Ausstattung EVI BAUER Animatronik CHISCREATURES FILMEFFECTS GMBH Herstellung und Art Finish des Silikonkopfes, Koloration und Haare TOMMY OPATZ Musik NICOLAS NEECKE Licht Design, Touring ROBERT LÄSSIG MARTIN SCHWEMIN LISA ESSWEIN Video Design MIKKO GAESTEL Sound- und Video Design, Touring JAROMIR ZEZULA, NIKOLAS NEECKE Produktionsleitung Rimini Protokoll, Touring EPONA HAMDAN Dramaturgie MARTIN VALDÉS-STAUBER


ÜBER DAS ENDE UND DAS DANACH Uraufführung von Regie

Calle Fuhr Calle Fuhr

in der Dunkelkammer Dramaturgie

MATTHIAS SEIER

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Nach dem Ende einer Vorstellung kommt der Applaus. Eh klar. Mit etwas Glück ruft jemand danach „Zugabe“. Dieses kleine Wort veranlasst die Darstellenden auf der Bühne, noch einmal eine ganz besondere Perle des gerade Vorgetragenen wiederzugeben. Meistens etwas mit Musik. Eigentlich immer Musik. Die Zugabe ist der seltsame Kippmoment bereits nach dem Ende der Vorstellung und noch vor dem Weg nach draußen – und fast immer ist sie das heimliche Highlight des Abends. Über die letzten anderthalb Jahre war immer wieder ein Ende in Sicht. Es wurde von vielen Enden gesprochen – dem Ende der Normalität, dem Ende der Pandemie, dem Ende von Kapazitäten, dem Ende eines Lebens. Und obwohl anscheinend soviel zu Ende gegangen ist und weiterhin zu Ende gehen wird, fühlt es sich doch nicht so an, als wäre etwas radikal Neues in unser Leben getreten. Stattdessen macht die Pandemie eine Zugabe, obwohl keine*r danach verlangt hat. Die Gegenwart dehnt sich bis in ein fernes Irgendwann aus. Wochentage verschwimmen, alles wird SisyphosArbeit, man* fährt auf Sicht. Die Einladung zum Zoom-Call lässt auf sich warten, Netflix ist längst leergeschaut, im ORF läuft die Regierungsansprache. Wir sind nach wie vor gefangen in diesem Dazwischen, in der Zugabe von der Zugabe der Zugabe. ENCORE ist ein Abend, der sich genau auf dieser Schwelle befindet: ein Verzeichnis einiger Verluste, eine prickelnde Feier des „Schau ma mal“, ein Abend ohne Mute-Funktion. Es ist ein Versuch, diesem Chaos in uns und um uns herum zu begegnen. Basierend auf den Texten der Web-Serie von Calle Fuhr versuchen wir uns an einem Panorama der letzten achtzehn Monate. Es ist eine Vorstellung ohne Anfang, ohne Mitte und ohne Ende, sondern eine reine Zugabe – für alle. Denn wenn wir alle auf der vierten Welle surfen müssen, dann ist ENCORE wenigstens die dazugehörige Beachparty am Strand.

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CALLE FUHR KÜNSTLERISCHER PRODUKTIONSLEITER


Was behalten wir im Gedächtnis, was nicht? Wir sind, was wir sind, weil wir uns erinnern. Eigentlich hat Theresa Frieden geschlossen. Mit sich, mit ihrer lieblosen Kindheit in der österreichischen Provinz, mit dem frühen Tod des Bruders, Pepi. Der wollte Skiläufer werden, wie Toni Sailer, der österreichische MehrfachOlympia­sieger und Mehrfach-Weltmeister, der auch jenseits der Pisten die Menschen verzauberte. Denn Sailer konnte nicht nur Slalom, Abfahrt und Kombination, sondern machte auch hocherfolgreich Karriere als Sänger und Schauspieler. Sein Film DER SCHWARZE BLITZ aus dem Jahre 1958 steht im Zentrum der wichtigsten – weil schönsten – Erinnerungen Theresas. Immer, wenn die Familie in gewisser Harmonie zusammenkam, dann, um Sailer dabei zuzuschauen, wie er als Kunsttischler Michael auf Skiern die Damenwelt verzauberte und alpinen Konkurrenten schwungvoll lächelnd davonfuhr. Toni Sailer, Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, das Vorbild für Generationen, der Nationalheld, der sich Zeit seines Lebens im Skisport engagierte – und Theresas lebenslanges Idol. Wer aber will sich wirklich erinnern? Das erfordert eine bewusste Entscheidung. Denn vieles ändert sich, als 2018 Vergewaltigungsvorwürfe aus dem Jahre 1974 gegen Sailer neu aufgerollt werden. Theresa muss sich der Frage stellen, auf wessen Kosten sie ihre glücklichen Erinnerungen aufrechterhält – und gerät in einen Kampf zwischen sich und ihrem eigenen Gedächtnis. Erfundene Biografie trifft Realgeschichte,Theater trifft Journalismus: Autor und Regisseur Calle Fuhr blickt in seinem neuesten Monolog auf unsere Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen, nach Vorbildern, nach den Großen im Ganzen. Und darauf, wie deren Leben mit der eigenen Biographie verknüpft ist – in guten wie in schlechten Zeiten. Was bedeutet es für uns selbst, für unsere innere Sicherheit, wenn unsere Held*innen demaskiert werden?

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Uraufführung von Regie

Calle Fuhr Calle Fuhr

auf Bezirke-Tournee Bühne CALLE FUHR Kostüm FRIEDERIKE WÖRNER Video MAX HAMMEL Dramaturgie MATTHIAS SEIER


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Im Jahr 2006 verschwindet die 16-jährige Niederösterreicherin Julia Kührer spurlos. Nach sechs Jahren erfolgloser Suche werden ihre verbrannten Leichenreste im Erdkeller des Videothekbesitzers Michael K. gefunden. Nach einem siebentägigen, medial breit diskutierten Prozess wird der „DVD-Michi“ von einem Geschworenengericht zu lebenslanger Haft verurteilt – und ganz Österreich sieht zu. Doch viele sind von der Unschuld Michael K.s überzeugt, denn der Fall wirft zahlreiche Fragen und Leerstellen auf: widersprüchliche Zeug*innenaussagen, mögliche andere Täter und unterschiedliche Mordtheorien. Zudem kommt der Verdacht einer politischen Einflussnahme: Wurde Julias Ex-Freund Thomas S. von seiner Familie in Schutz genommen, die sich in hohen politischen Kreisen bewegt? Könnte es sein, dass Michael K. voreilig als der „perfekte Täter“ schuldlos verurteilt wurde? Oder handelt es sich dabei um eine wüste Verschwörungstheorie? Das Institut für Medien, Politik und Theater, das bereits mit seinem Format DIE FELLNER-LESUNG für Furore sorgte, recherchiert seit über einem Jahr zu dem Fall Julia K. und hat exklusiven Einblick in den gesamten Akt erhalten. Das Kollektiv aus Journalist*innen und Theaterschaffenden begibt sich auf eine Spurensuche in die Tiefen der niederösterreichischen Weinkeller und Archive, wühlt sich durch unzählige Indizien und versucht die verschiedenen Puzzleteile zusammenzufügen, indem eine imaginierte Wiederaufnahme des Prozesses auf die Bühne gebracht wird. Ein Spiel mit wahren Begebenheiten, eine theatrale Ermittlung, ein Stück True Crime.

EIN STÜCK TRUE CRIME Uraufführung vom Institut für Medien, Politik und Theater Regie Felix Hafner auf Bezirke-Tournee Bühne und Kostüm CAMILLA HÄGEBARTH Musik CLEMENS WENGER Recherche und Dramaturgie EMILY RICHARDS JENNIFER WEISS ANNA WIELANDER Spezieller Dank für die Rechtsexpertise an JAKOB PFLÜGL

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Uraufführung von Calle Fuhr Frei nach Motiven von Alexandre Dumas Regie Calle Fuhr auf Bezirke-Tournee Kostüm FRIEDERIKE WÖRNER Musik FINCK VON FINCKENSTEIN Dramaturgie MATTHIAS SEIER

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„Und jetzt, Freunde“, sagte d’Artagnan, ohne sich die Mühe zu machen, Porthos sein Verhalten zu erklären, „einer für alle, alle für einen! Das soll unser Wahlspruch sein, einverstanden?“ „Einer für alle und alle für einen“ – der Slogan, mit dem Alexandre Dumas 1844 seine Musketiere unsterblich werden ließ. Es ist zum weltberühmten Credo für grenzenlose Solidarität geworden, beseelt von Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn, von geteilten Zielen und fairem Miteinander. Zum Zeitpunkt unserer Premiere wird der Beginn der Pandemie knapp zwei Jahre her sein. Ein Miteinander galt seitdem als gesundheitliches Risiko, das Zusammensein ist zur unsichtbaren Gefahr avanciert. Social Distancing war stattdessen die Ansage – Kontaktreduzierung, Mindestabstand, Verzicht auf Berührung. Und gleichzeitig war gesellschaftlicher Zusammenhalt so häufig wie selten zuvor ein Thema: Corona – so hieß es – forderte uns dazu auf, füreinander einzutreten, aufeinander Acht zu geben und gemeinsam etwas zu ermöglichen. Doch haben sich die hehren Versprechen in der Realität eingelöst? In der Uraufführung MUSKETIERE von Calle Fuhr erzählen uns die legendären D’Artagnan, Athos, Aramis und Porthos ihre Geschichten. Diese Expert*innen der Solidarität aus dem Reich der Fiktion berichten uns, was sie zusammenschweißt und wie für sie Teamgeist aussehen kann – gerade jetzt. Denn wie ist in der postpandemischen Welt überhaupt ein Zusammenkommen wieder möglich? Wie wappnen wir uns für eine solidarische und inklusive Arbeit an den großen Herausforderungen der Zukunft? Kann „Build Back Better!“ mehr sein als bloß ein griffiger Wahlslogan? MUSKETIERE begreift dabei den 600-seitigen Fortsetzungsroman von Dumas weniger als Erzählvorlage, sondern als Brennglas: Wie sieht ein ideales solidarisches Miteinander aus, wo unterscheiden sich die Vorstellungen? Und welche Menschen könnten wir vielleicht als die Musketiere von heute bezeichnen? Gemeinsam mit der Musik von Finck von Finckenstein setzt sich ein Panorama in Gang: fiktive und nicht-fiktive Geschichten über Gemeinschaft und Loyalität, Berichte und Fantasien über konkrete Utopien und Rückschläge verwandeln sich in eine Feier auf das Zusammenleben – mit möglichst wenig Social Distancing.

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An der Gesundheit des Menschen klebt ein Preisschild: Durch die Krankenkassenfusion unter der Schwarz-Blauen Regierung sind die Verwaltungskosten in die Höhe geschossen, und durch die steigende Arbeitslosigkeit sinken staatliche Einnahmen, während die Kosten für Medikamente weiter ansteigen. Obwohl bereits über drei Milliarden Euro im Gesundheitssystem fehlen, werden heuer noch einmal 130 Millionen Euro bei der Versorgung der Spitäler von der Bundesregierung eingespart. Doch was passiert, wenn diese Rechnung nicht mehr aufgeht? Was geschieht mit Menschen, die aufgrund einer chronischen Krankheit durch alle wirtschaftlichen Raster fallen und sich ihre Behandlung finanziell einfach nicht lohnt? Wie sehr wird sich diese Situation verschärfen, wenn die Zahl der Long-Covid-Patient*innen weiter steigt? Das Gesundheitssystem ist erkrankt. Es scheint so, als würden Profit und Kostendruck unsere gesundheitliche Versorgung maßgeblich beeinflussen. In Zukunft werden immer weniger Menschen die Möglichkeit auf eine gerechte und bezahlbare Behandlung haben. Wollen wir, dass das so weitergeht? Oder könnten die Auswirkungen der Pandemie bewirken, dass wir den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Umsatz hinterfragen? Kriegen wir das Preisschild wieder abgerissen? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen seziert die Regisseurin und Autorin Karen Breece das österreichische Gesundheitssystem. In ihren aufwendigen Recherchen sammelt sie Geschichten von den Vergessenen und Verlassenen der sich ausbreitenden Zwei-Klassen-Medizin und führt Gespräche mit Patient*innen sowie Expert*innen aus Medizin, Forschung und Politik, um die Symptome des erkrankten Gesundheitssystems zu diagnostizieren. Gemeinsam mit Alltagsexpert*innen und Schauspieler*innen gibt sie diesen Geschichten eine Bühne und eröffnet einen künstlerischen Dialog. In ihren Inszenierungen schafft es Karen Breece, auf unvergleichliche Weise hochkomplexe Themen zugänglich zu machen und große Fragen über persönliche Geschichten zu stellen. Nach Arbeiten unter anderem am Berliner Ensemble und an den Münchner Kammerspielen ist WIEN’S ANATOMY ihre erste Produktion in Österreich.

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Uraufführung von Regie

Karen Breece Karen Breece

auf Bezirke-Tournee Bühne EVA VERONICA BORN Kostüm TERESA VERGHO Dramaturgie CALLE FUHR


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DAS VOLKSTHEATER IST FÜR ALLE DA! Nicht nur als theatraler Begegnungsort für das Volk, sondern auch als Ort der Partizipation, des Zusammenkommens und des Austausches mit den Menschen der Stadt. Mit diesen Worten haben wir unseren FANSEKTOR vorgestellt und sie sind aktueller denn je! Wir hätten uns sehr gefreut, alle Menschen, die hier leben oder auch nur kurzfristig verweilen, zu begrüßen und gemeinsam auf, unter, hinter und neben die Bühne zu schauen. Das Versprechen bleibt das gleiche: Nehmen Sie an den zahlreichen geplanten patrizipativen Projekten in unserem FANSEKTOR teil! Von Führungen durch das generalsanierte Theaterhaus bis hin zu Vor- und Nachgesprächen zu unseren Theaterproduktionen, Probenbesuchen, Diskussionsveranstaltungen und einem monatlichen Stammtisch in unserem neuen Café – informieren Sie sich über unser Community Angebot auf unserer Website, online oder über das Schwarze Brett im Haus. Oder kontaktieren Sie uns über fan@volkstheater.at Werden Sie Fan vom Volkstheater! Möchten Sie diese Zugehörigkeit auch zeigen? Dann kaufen Sie unseren Volkstheater Merch im Kartenservice des Volkstheaters oder online!

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EUROPA IM ABO: VOLKSTHEATER IN DER EUROPEAN THEATRE CONVENTION Das Volkstheater ist mit Beginn der Spielzeit 20/21 vollständiges Mitglied in der ETC, der European Theatre Convention.

ist, nicht nur die Theater- und Kunstschaffenden, sondern auch die Zuschauer*innen aus den unterschiedlichsten Ländern miteinander zu verbinden.

Das ETC wurde 1988 gegründet und ist mittlerweile mit mehr als 40 Mitgliedstheatern in über 20 Ländern das größte europäische Theaternetzwerk. Es unterstützt und initiiert zahlreiche Projekte, spiegelt die Diversität der europäischen Theaterlandschaft und bietet eine lebendige Plattform für den demokratischen Austausch und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen. Die Idee hinter dem Projekt

Als Abonnent*in des Volkstheaters genießen Sie freien oder ermäßigten Eintritt in allen Bühnen, die sich dem Netzwerk angeschlossen haben. Es reicht von Berlin bis Prag, von Amsterdam nach Tel Aviv, von Tiflis und Oslo bis nach Lissabon. Die Kartenreservierung erfolgt über das Ticketzentrum des ETC. Die vollständige Liste der Mitgliedstheater finden Sie unter:

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www.etc-cte.org


DIE BIZARRE SCHÖNHEIT DER REALITÄT THEATERNETZWERK. DIGITAL Fünfzehn Theater im deutschsprachigen Raum haben das theaternetzwerk. digital gegründet. Wir freuen uns dabei zu sein! Dabei geht es uns nicht darum, das klassische Theater hinter uns zu lassen – dazu lieben wir es in all seinen Formen viel zu sehr. Wir sind neugierig darauf, das Menschsein in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft weiter zu erforschen – und für das Theater mit frischem Blick analoge und digitale Bühnenräume zu erkunden, in denen im Hier und Jetzt Herzen und Hirne von Schauspieler*innen und Zuschauer*innen gemeinsam ins Schwingen kommen.

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Der Hamburger Fotograf Marcel Urlaub und die Grafikerin des Volkstheaters, Tina Knoll, haben sich an die Ränder Wiens begeben. Sie haben die Stadtgrenzen nicht verlassen und doch die Welt gesehen. Eine Welt aus Formen und Farben, Resten und Anfängen – und seltsamen Mysterien. Marcel Urlaub hat das ins Bild gesetzt, was wir im Alltag oft übersehen: die Geschichten, die schon da sind. Wenn pandemiebedingt die Möglichkeiten weniger werden, lauert die Fantasie in den Köpfen und die bizarre Schönheit der Realität verlangt uns Perspektivenwechsel ab. Wien ist auch Hafen, ist Friedhof, Fluss, Markt, ist unendliches Grün und harter Beton. Wien ist rau und wunderschön. Es ist uralt und hochmodern, es ist eng und wieder ganz weit. Die Stadt flüstert, Marcel Urlaub hat zugehört. Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft sind immer da und schimmern vor der Linse seiner Kamera. Es ist bereits die zweite Zusammenarbeit von Marcel Urlaub und dem Volkstheater. So zeichnete er auch für die Fotos im ersten Spielzeitheft der Direktion Voges verantwortlich. Seine Portraits des Ensembles sind im Haus zu sehen. Mit Kay Voges arbeitete Urlaub schon am Schauspiel Dortmund und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

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V T/ /Volksth eater

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Preisgruppe

Preise I 1)

Preise II

I

Cercle Tribüne Balkon-Logen

1.–4. Reihe 1.–3. Reihe

58,–

52,–

II

Tribüne Rang-Logen

4.–7. Reihe

52,–

47,–

III

Tribüne

8.–10. Reihe

46,–

41,–

IV

Tribüne Balkon

11.–12. Reihe 1. Reihe

40,–

34,–

V

Balkon

2.–3. Reihe

34,–

29,–

VI

Balkon

4.–5. Reihe

31,–

26,–

VII

Balkon Rang

6.–8. Reihe 1.–3. Reihe

21,–

15,–

VIII

Säulenplätze Sitze mit Sichteinschränkung

Balkon Rang

10,–

Sitze mit Sichteinschränkung

Balkon

18,–

13,–

X

Rang Blocksitze

4.–8. Reihe

15,–

11,–

XI

Stehplätze 2)

6,– 5,–

XII

Rollstuhlstellplätze

9,–

IX

9,–

7,–

Alle Preise in Euro, inkl. Garderobe, inkl. gesetzlicher MwSt  Die Kategorie-Einteilung entspricht dem Saalplan. Die Preise für die Nebenspielstätten entnehmen Sie bitte dem Monatsspielplan bzw. der Website www.volkstheater.at Änderungen vorbehalten Preise I gelten bei Premieren und Sonderveranstaltungen. Geltende Preise entnehmen Sie der Webseite www.volkstheater.at oder unserem Monatsspielplan. 2) Je nach geltenden Sicherheitsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus können Stehplätze eventuell nicht verkauft werden. 1)

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On line

Vorverkauf

Karten schnell und einfach online kaufen unter www.volkstheater.at

Am 10. eines Monats beginnt der Vorverkauf für alle Vorstellungen des Folgemonats, für Abonnent*innen am 5. des Monats (fällt der 10. bzw. 5. auf einen Samstag, Sonn- oder Feiertag, beginnt der Vorverkauf am darauffolgenden Werktag).

Online gekaufte Karten können Sie mit print@home bequem zuhause ausdrucken oder mit der Auswahl „Ab­holung an der Abendkassa“ direkt vor der Vorstellung abholen.

Kartenservice Arthur-Schnitzler-Platz 1, 1070 Wien Tel +43 1 52 111-400 kartenservice@volkstheater.at

Öffnungszeiten Tageskassa Montag bis Samstag von 10:00 bis 18:00 Uhr (ausgenommen Sonn- und Feiertage, Karfreitag und Heiliger Abend). Bei laufendem Spielbetrieb ist die Tageskassa Montag bis Samstag von 12:00 bis 19:30 Uhr geöffnet.

Öffnungszeiten Abendkassa Im Haupthaus und im Volks­­theater in den Bezirken öffnet die Abendkassa eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Vorgezogene Vorverkaufsdaten entnehmen Sie bitte der Webseite unter www.volkstheater.at oder dem Monatsspielplan.

Karten kaufen und reservieren Ab Vorverkaufsstart erhalten Sie Karten an der Tageskassa und online für alle Spielstätten des Volkstheaters. Während der Öffnungszeiten haben Sie auch die Möglichkeit, telefonisch zu reservieren oder mit Kreditkarte zu kaufen. Reservierte Karten müssen bis zwei Werktage vor dem Termin abgeholt werden (Sonderveranstaltungen vorgezogener Abholtermin). Abholung von Gruppenreservierun­gen gesammelt bis sieben Werk­tage vor dem Termin. Am Vorstellungstag selbst werden keine Reservierungen mehr angenommen. Bei telefonischer Buchung mit Kreditkarte können Sie Ihre Karten während der Öffnungszeiten oder direkt vor der Vorstellung an der Abendkassa abholen. Bitte beachten Sie, dass online nicht alle Ermäßigungen verfügbar sind, nehmen Sie dazu bitte Kontakt mit dem Kartenservice auf.

Für Dunkelkammer, Rote Bar, Weißen Salon und Volx öffnet die Abendkassa eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn.

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Ermäßigungen an der Tageskassa

Weitere Ermäßigungen nur an der Abendkassa

• 45 % auf Einzelkarten mit Ö1 Intro-Card1) • 30 % Gruppen ab 30 Personen 2) • 20 % Gruppen ab 20 Personen2), Abonnent*innen des Volkstheaters und des Volkstheaters in den Bezirken, Dossier-Mitglieder1) • 10 % Gruppen ab 10 Personen 2), Mitglieder von Club Ö1 (nach einmaliger Registrierung an der Tageskassa auch online einlösbar!) und ClubWien.at, aktive Lehrer*innen1) • EUR 10,– für alle Besucher*innen unter 27; Arbeitssuchende, Zivil- und Präsenzdiener1)

Aktion Hunger auf Kunst und Kultur Kulturpassinhaber*innen1) erhalten pro Person eine Freikarte nach Verfügbarkeit – an der jeweiligen Abendkassa. Arbeitssuchende (ohne Kulturpass); Zivil- und Präsenzdiener1) erhalten im Haupthaus Restkarten um nur EUR 7,– an der Abendkassa.

U27 F ür Schulklassen Es gibt vergünstigte Eintrittskarten zu EUR 10,– (ab Kategorie II) pro Schüler*in. Je Schulklasse ab 10 Schüler*innen ist eine Lehrer*innenkarte gratis. Eine zweite Begleitperson erhält den Gruppenpreis, jede weitere Begleitung 10 % Ermäßigung auf den regulären Kartenpreis. Buch- und bezahlbar sind die Karten ab dem 10. des Vormonats bis eine Woche vor dem Vorstellungstermin.

Alle Besucher*innen unter 27 Jahren1), erhalten im Haupthaus Restkarten um nur EUR 7,– an der Abendkassa. In der Dunkelkammer, der Roten Bar und im Volx gilt für alle Besucher*innen unter 27 Jahren1) ein ermäßigter Eintrittspreis von EUR 7,–. Erhältlich sowohl im Vorverkauf an der Tageskassa des Volkstheaters als auch an der Abendkassa der jeweiligen Spielstätte.

Senior*innenbonus Jeden Sonntag 25 % für Senior*innen ab dem 60. Lebensjahr1)

Menschen mit besonderen Bedürfnis sen Menschen mit besonderen Bedürfnissen1) erhalten an der Tages- und Abendkassa -50% in allen Spielstätten des Volkstheaters.

Weitere Ermäßigungen und Angebote entnehmen Sie der Webseite www.volkstheater.at oder unserem Monatsspielplan.

Ermässigungen gelten nicht für Premieren, Gastspiele und Sonderveranstaltungen.

1) 2)

Die Vorlage eines gültigen Ausweises ist erforderlich. Bei Gruppenermäßigungen: Abholung der Karten bis 18.00 Uhr an der Tageskassa

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Abopreise neu

10erAbo

U27

Ersparnis ca.

25 %

60 %

10

10

Nachkauf

Wahlabonnement 21/22

4erAbo

Ein Wahlabonnement beinhaltet entweder zehn oder vier Wahlabo-Schecks. Sie haben volle Flexibilität und können die Schecks für alle Volkstheater-Vorstellungen einlösen (ausgenommen Premieren, Gastspiele und Sonderveranstaltungen). Die Schecks können an der Tageskassa sowie am Vorstellungstag auch an der Abendkassa gegen Karten eingetauscht werden, je nach Verfügbarkeit in der gewählten Preiskategorie.

25% 15%

Schecks

2

4

Kat I 390,– 195,– 78,– 177,–

Kat II 353,– 176,– 71,– 160,–

Kat III 308,– 154,– 62,– 139,–

Kat IV 255,– 128,– 51,– 116,–

Kat V 218,– 109,– 44,– 99,–

Für alle unter 27 Jahren 1) gibt es das U27-Abo mit ca. 60  % Ermäßigung auf den Einzelkarten-Preis. Zehn Wahlabo-Schecks ab nur EUR 56,–! 10er-Wahlabonnement

Kat VI 195,– 98,– 39,– 88,–

• ca. 25 % Ersparnis gegenüber dem Einzelkartenpreis • Nachkauf von Wahlabo-Schecks mit 25 % Ermäßigung in Zweier Einheiten möglich (gleiche Kategorie) • Sonderkonditionen bei allen Partner-Theatern der European Theatre Convention (beispielsweise Landestheater Linz, Schauspielhaus Graz oder Deutsches Theater Berlin) • Vorkaufsrecht ab dem 5. des Monats für den gesamten Folgemonat • Ein Gratisabonnement der Zeitschrift Bühne

Kat VII 113,– 56,– 23,– 51,– Rollstuhl 70,– 70,– 14,– 28,–

Alle Preise in Euro, inkl. Garderobe, inkl. gesetzliche MwSt., KEINE Verwaltungsgebühr. Die Kategorie-Einteilung entspricht dem Saalplan auf Seite 124. Änderungen vorbehalten

4er-Wahlabonnement • ca. 15 % Ersparnis gegenüber dem Einzelkartenpreis • Sonderkonditionen bei allen Partner-Theatern der European Theatre Convention (beispielsweise Landestheater Linz, Schauspielhaus Graz oder Deutsches Theater Berlin) • Vorkaufsrecht ab dem 5. des Monats für den gesamten Folgemonat • Ein Gratisabonnement der Zeitschrift Bühne

1)

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Die Vorlage eines gültigen Ausweises ist erforderlich.

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V°T//Volkstheater

Audiodeskription

Arthur-Schnitzler-Platz 1, 1070 Wien Die Abendkassa des Volkstheaters ist eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.

An ausgewählten Spieltagen bietet das Volks­theater in Kooperation mit der Hilfsgemeinschaft der Blinden und dem Audio2Team eine Audiodeskription an. www.theater4all.at

V°T//Bezirke 18 Spielstätten in 14 Wiener Bezirken – weitere Informationen zum Abonnement des Volkstheaters in den Bezirken finden Sie auf Seite 130. Die Abendkassa des Volkstheaters in den Bezirken ist eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.

V°T//Rote Bar Zugang über den Haupteingang des Volkstheaters oder Seiteneingang Burggasse. Die Abendkassa in der Roten Bar ist eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn geöffnet.

Barrierefreier Zugang Das Volkstheater verfügt über bis zu acht Rollstuhlstellplätzen im Erdgeschoss. Voranmeldung bitte bis eine Woche vor dem jeweiligen Termin unter Tel +43 1 52 111-400. Die Rampe auf der Seite der Neustiftgasse ermöglicht den barrierefreien Zugang in den Theatersaal. Zwei Behindertenparkplätze befinden sich gegenüber dem Bühneneingang Neustiftgasse (08:00–22:00 Uhr). Die Rote Bar und der Weiße Salon sind barrierefrei durch einen Aufzug erreichbar.

V°T//Weißer Salon

Induktionsschleife

Zugang über den Haupteingang des Volkstheaters.

Das Volkstheater hat eine Induktionsschleife im Haupthaus, die auch Personen mit induktionsfähiger Hörhilfe einen barrierefreien Theaterbesuch ermöglicht.

V°T//Dunkelkammer Zugang über den Dunkelkammereingang (Seiteneingang Neustiftgasse). Die Abendkassa in der Dunkelkammer ist eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.

Die Plätze können über den Kartenservice gebucht werden, mehr Informationen erhalten Sie ebendort oder online auf www.volkstheater.at

V°T//Volx Margaretenstraße 166, 1050 Wien Die Abendkassa im Volx ist eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.

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Werden Sie Bezirke-Abonnent*in und besuchen Sie die Vorstellungen bei Ihnen ums Eck! • 4 Vorstellungen des Volkstheaters in Ihrem Bezirk • 1 Zusatzkarte für eine weitere Produktion im Volkstheater1) • 20 % Rabatt auf Vorstellungen im Volkstheater, der Roten Bar, der Dunkelkammer und im Volx1) • Vorkaufsrecht für Vorstellungen im Volkstheater ab dem 5. des Monats für den gesamten Folgemonat • Sonderkonditionen bei allen Partner-Theatern der European Theatre Convention (beispielsweise Landestheater Linz, Schauspielhaus Graz oder Deutsches Theater Berlin) • Herbst-Special: eine Vorstellung zum Vorteils­preis von EUR 12,– für Vorstellungen1) gültig ab Saisonbeginn 22/23. Einlösbar für Vorstellungen bis 31. Oktober 2022. • Ein Gratisabonnement der Zeitschrift Bühne

Ermäßigungen V°T//Bezirke • 50 % für Menschen mit besonderen Bedürfnissen2) • 20 % für Volkstheater-Abonnent*innen, Dossier Mitglieder2) • 10 % Mitglieder von Club Ö12) (2 Karten pro Mitglied), aktive Lehrer*innen2) • EUR 10,– Schulgruppen (ausgenommen Institutionen der Erwachsenenbildung); alle Besucher*innen unter 27; Arbeitssuchende, Zivil- und Präsenzdiener2) • EUR 7,– Restkarten für alle unter 27 Jahren2) an der Abendkassa Kategorie Abo-Preis Einzelkarte

Abo-Bestellung und Beratung Arthur-Schnitzler-Platz 1, 1070 Wien Tel +43 1 52 111-400, kartenservice@volkstheater.at Montag bis Samstag von 10:00 bis 18:00 Uhr (ausgenommen Sonn- und Feiertage, Karfreitag und Heiliger Abend). Bei laufendem Spielbetrieb ist die Tageskassa Montag bis Samstag von 12:00 bis 19:30 Uhr geöffnet.

1) 2)

… sind für Kurzentschlossene an der Abendkassa der jeweiligen Spielstätte beziehungsweise an der Tageskassa des Volkstheaters erhältlich.

A

91,– 28,–

B

77,– 24,–

C

59,– 19,–

D

38,– 14,–

Alle Preise in Euro inkl. gesetzliche MwSt., KEINE Verwaltungsgebühr.

Gilt nicht für Premieren, Gastspiele und Sonderveranstaltungen. Die Vorlage eines gültigen Ausweises ist erforderlich.

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Künstlerische/ Kaufmännische Direktion Künstlerischer Direktor KAY VOGES Kaufmännischer Direktor CAY STEFAN URBANEK

Künstlerische Leitung/ Dramaturgie Stellvertreterin des Künstlerischen Direktors MIRJAM BECK Referentin der Künstlerischen Direktion LISA KERLIN Dramaturg*innen ULF FRÖTZSCHNER HENNING NASS ANNE-KATHRIN SCHULZ MATTHIAS SEIER JENNIFER WEISS Dramaturgie/Gäste SUSANNE ABBREDERIS ALJOSCHA BEGRICH CHRISTOPH GURK MARTHE MEINHOLD CLAUS PHILIPP EMILY RICHARDS ANNA WIELANDER

Künstlerisches Betriebsbüro Künstlerischer Betriebsdirektor ALBERT HELD Chefdisponentin DANIELA NEUBAUER Mitarbeit Künstlerisches Betriebsbüro ALENKA BREITFUSS-SCHIFFER

V°T//Bezirke

Künstlerischer Produktionsleiter CALLE FUHR Assistenz SOPHIA FISCHER Regie-Assistenz BIRGIT ALLESCH

Ausstattung

MAX BRAUER MARCO DONNARUMMA GERTI DRASSL MARIE GROOTHOF HIKARU INAGAWA MACO INAGAWA ALEXANDER JAGSCH EVA LÖBAU WILLIAN LOPES TILLA KRATOCHWIL JONATHAN MEESE MARGHERTIA PEVERE BENJAMIN RADJAIPOUR BERNHARD SCHÜTZ LILITH STANGENBERG ANNA MARIA STURM LOUISA STROUX DORIS WEINER STEFFI WIESER

Ausstattungsleitung MICHAEL SIEBEROCKSERAFIMOWITSCH Leitung Kostümbild MONA ULRICH Mitarbeit Bühne PATRICK LOIBL JANE ZANDONAI Mitarbeit Kostüm ELEONORE CARRIÈRE FRIEDERIKE WÖRNER

Kooperation mit der Schauspielschule Graz CLARA-LUISA BAUER REBEKKA BIENER MARTÍN PEÑALOZA CECCONI

Ensemble ANDREAS BECK ELIAS EILINGHOFF CLAUDIO GATZKE FRANK GENSER EVI KEHRSTEPHAN BETTINA LIEDER HASTI MOLAVIAN LAVINIA NOWAK NICK ROMEO REIMANN GITTE REPPIN JULIA FRANZ RICHTER ANNA RIESER UWE ROHBECK CLAUDIA SABITZER UWE SCHMIEDER CHRISTOPH SCHÜCHNER SAMOUIL STOYANOV STEFAN SUSKE FRIEDERIKE TIEFENBACHER GÜNTHER WIEDERSCHWINGER ANKE ZILLICH

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Gäste

Presse und Öffentlichkeitsarbeit Leitung PATRIZIA BÜCHELE ENNA ZAGORAC Mitarbeit SOPHIE BACKHAUSEN Online-Kommunikation ULRIKE SCHILD Mitarbeit Community Building CORINNA GOLLMAYR Grafik TINA KNOLL Grafik/Gast MARKUS GÖBL Fotografie/Gäste BIRGIT HUPFELD NIKOLAUS OSTERMANN MARCEL URLAUB

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Regie 600 HIGHWAYMEN (ABIGAIL BROWDE, MICHAEL SILVERSTONE) CLAUDIA BAUER SEBASTIAN BAUMGARTEN CLAUDIA BOSSARD KAREN BREECE PAUL-GEORG DITTRICH MARCO DONNARUMMA JAN FRIEDRICH CALLE FUHR RAINALD GREBE PHILIP GRÖNING FELIX HAFNER HELGARD HAUG // RIMINI PROTOKOLL ANDY HALLWAXX SASCHA HAWEMANN FLORENTINA HOLZINGER STEFAN KAEGI // RIMINI PROTOKOLL SUSANNE KENNEDY RAGNAR KJARTANSSON JONATHAN MEESE NATURE THEATER OF OKLAHOMA (KELLY COPPER, PAVOL LIŠKA) PÉTER SANYÓ MARIUS SCHÖTZ SAMOUIL STOYANOV KAY VOGES


Bühne EVA VERONICA BORN ANNA CINGI PIA DEDERICHS CALLE FUHR WOLF GUTJAHR CAMILLA HÄGEBARTH DAINA KASPEROWITSCH HANS KUDLICH JÜRGEN LIER JONATHAN MEESE ROBIN METZER LENA NEWTON ANA RAJCEVIC TOBIAS REHBERGER DANIEL ROSKAMP MICHAEL SIEBEROCKSERAFIMOWITSCH PATRICIA TALACKO ELISABETH WEIß

Kostüm HILDEGARD ALTMEYER ANDREAS AUERBACH KRISTINA BÖCHER ANNA CINGI PIA DEDERICHS CAMILLA HÄGEBARTH FLORIAN KIEHL JONATHAN MEESE TINA PRICHENFRIED VANESSA RUST CHRISTINA SCHMITT MONA ULRICH TERESA VERGHO FRIEDERIKE WÖRNER

Musik Musikalische Leitung PAUL WALLFISCH Musiker*innen PEER BAIERLEIN COMPANY OF MUSIC MARCO DONNARUMMA FINCK VON FINCKENSTEIN ANNALENA FRÖHLICH RICHARD JANSSEN ROBERT LIPPOK PC NACKT NICOLAS NEECKE FELIX RÖSCH DANA SCHECHTER

MARIUS SCHÖTZ TOBIAS SCHWENCKE MARIO SIMON JENS-KARSTEN STOLL MICHAEL STURM KJARTAN SVEINSSON CLEMENS WENGER WIENER SYMPHONIKER XELL.

Lightdesign VOXI BÄRENKLAU RAINER CASPER ANDREA FAMILARI PAUL GRILJ

Video RODRIK BIERSTEKER ANNALENA FRÖHLICH MARVIN KANAS MAX HAMMEL MAURITIUS LUCZYNSKI PHILIPP HAUPT KAI WIDO MEYER MARIO SIMON JAN ISAAK VOGES

Coding und Engineering RODRIK BIERSTEKER BAPTISTE CARAMIAUX MARCO DONNARUMMA ANDREA FAMILARI MARVIN KANAS SUSANNE KENNEDY MARGHERITA PEVERE ANA RAJCEVIC CHRISTOPHER SCHEUER MARKUS SELG MARIO SIMON MEREDITH THOMAS

Choreographie MARCO DONNARUMMA MARGHERITA PEVERE ROSITA STEINHAUSER

Szenischer Dienst Regie-Assistenz LISA ANETSMANN JOHANNA MITULLA BARBARA SEIDL Regie-Assistenz/Gast MARTIN KNUHR Künstlerische Produktionsleitung EVA LUZIA PREINDL Inspizienz SIGMAR KUSDAS MARIO SCHOBER Soufflage INGRID HEDBAVNY JÜRGEN M. WEISERT

Technische Abteilungen Technischer Direktor MICHAEL MAYERHOFER Assistent des technischen Direktors HANNES LEITER Leitung Einkauf für Dekorationsbau JÜRGEN POGATS Bühnentechnik Bühnenmeister HAMIT ERBAY PHILIPP GAFLER MARC MESSUTAT Vorarbeiter Bühnentechnik THOMAS FITZL THOMAS FISCHER MANFRED GANSER ALEXANDER HÄUSLER CHRISTIAN MESSINGER CHRISTOPH TAITS Bühnentechnik MARTIN DELTL ZORAN DOKMANOVIC RUDOLF HERZER ROLAND JANU SASCHA KNISCH MANUEL KROTENDORF STEFANO MACHALEK PHILLIP SCHMID MARKUS SCHWAIGLER HARALD SEEBACHER ANDREAS STORCH

Leitung Schlosserei und Maschinisten KARL BIRKENAU Vorarbeiter GERHARD MIKITZ Schlosser und Maschinisten MARKUS RASPOTNIG MAHMUT SAKIZCI CIHAN SEMIZ JAKOB WURNIG Licht Leitung PAUL GRILJ Stellvertretende Leitung JENNIFER KUNIS JULIAN PAGET Mitarbeit PAUL EISEMANN MARKUS HIRSCHER FRANZ JAKUBEC FERDINAND KROTTENDORFER MARTIN SCHWAB MICHAEL WURMITZER Ton Leitung MICHAEL STURM Stellvertretung SEBASTIAN HARTL Mitarbeit STEFAN FEHEREGHYAZY ROMAN FISCHER GIORGIO MAZZI Video Künstlerische Leitung MAX HAMMEL Technische Leitung MAURITIUS LUCZYNSKI Künstlerische Mitarbeit MARVIN KANAS


Technik V°T//Bezirke+Volx Leitung HANS KUDLICH Tourneeleitung, Beleuchtung BERNHARD FÜRNKRANZ Ton, Technik CHRISTOF SEIDL Technik WOLFGANG CHRISTL FLORIAN FRECH MATTHIAS GFÖHLER LLUIS LIPP ANDREAS SEIDL ANDREAS STOCKINGER NICOLAS TWERDY ALEXANDER ÜBLACKER

Maske Leitung SABINE PIES Stellvertreterin JUDITH WIESER Maskenbildnerinnen MARTA EIDLER BIANCA FITZL KATHARINA GUEGUEN MARINA JURIC KERSTIN SCHROTTER HANNAH WOLF

Kostümwesen Leitung TINA PRICHENFRIED Assistentin KATIA BOTTEGAL (Karenzvertretung) ANNA SCHELMBERGER (Karenz) Werkstattleitung SUSANNE PRÖGLHÖF Damengewandmeisterinnen BRIGITTE SPIELAUER ANDREA PAUSCHITZ Herrengewandmeisterin THERESIA SCHMALFUSS Schneider*innen KLAUDIA FRITTUM PINA-XAVER GUMPOLTSBERGER CHRISTIAN HELLER MARIA KOHOUTEK TATJANA KOSIĆ Fundusverwaltung (Damen) BRIGITTE SPIELAUER Fundusverwaltung (Herren) THERESIA SCHMALFUSS Ankleiderinnen HEIDEMARIE GLASER EDITH GRATZ RENATE HOFMANN NATHALIE URAM

Requisite Leitung LUKAS GEIHSLER Stellvertreter CHRISTOPH KROJER Requisiteur*innen MANUEL PRANDL MARIA WIEBERSINSKY

Maske V°T//Bezirke VIKTORIA SCHÄFER ISABELLA GAJCIC

Leitung ANDREA GELDNER Stellvertreterin GABRIELA SATTLER Mitarbeit EVA MITTERMANN LAURA SCHILLER BARBARA VEITSCHEGGER BETTINA WISSER Hauptkassa UWE OITZINGER

Hausverwaltung

Verwaltung Assistentin des Kaufmännischen Direktors ASTRID KAULICH Projektleitung der Kaufmännischen Direktion MICHAELA SEEBÖCK Controlling CHRISTA HUBER Leitung Personalbüro MARTINA MERIL Mitarbeit Personalbüro GABRIELE ECKSTEIN SILVIA MAYER Leitung Buchhaltung MARIANNE ROHRINGER Mitarbeit Buchhaltung EDITH RUTHNER Botin FRIEDERIKE BRAUMANN Archiv GREGOR DRAGOSTINOFF

133

Kartenservice

Leitung und Leitung der EDV ROBERT LEITHNER Stellvertretung Hausverwaltung MICHAELA LOTZ Haustechnik ROBERT JOVANOVIC Hausarbeit/Brandschutz BIRGIT KAPPEL LORENZ KUGLER RICHARD PANZER MANFRED ROTTER BERNHARD RUTHE MICHAEL SCHÖLL BARIS ÜNAL ANDREAS URBANEK Vorarbeiterin Reinigung DRAGICA DZIJAN Reinigung ZORICA DJORDJEVIC ADRIANA VELEA BRANKA VIDOVIC SONJA WEISSHÄUPL MONIKA YILMAZ

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Theaterärztin DDR. EMILIA NAGY Sicherheitsfachkraft WILHELM RANITS HEALTH CONSULT Rechtsbeistand PLOIL KREPP BOESCH

Betriebsrat Künstler*innen und Verwaltung GÜNTHER WIEDERSCHWINGER STEFAN SUSKE CLAUDIA SABITZER BETTINA WISSER

Betriebsrat Technik ROBERT LEITHNER MANFRED GANSER HEIDEMARIE GLASER LORENZ KUGLER

Hausautorin LYDIA HAIDER

Ehrenmitglieder KSCH. HEINZ PETTERS (†) KSCH. PROF. DR. HILDE SOCHOR (†) EMMY WERNER DR. RAINER MORITZ


Haltungsübung Nr. 99

Nach vorne schauen. Eine Haltungsübung für stürmische Zeiten: Nach vorne schauen. Und zwar so oft es geht. Dann spüren Sie nämlich nicht nur den Gegenwind, sondern sehen vielleicht auch die Chancen und Möglichkeiten, die auf Sie zukommen. derStandard.at

Der Haltung gewidmet.


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ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja naja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja Für alle, die lieber Skepsis walten lassen. Unbequemer Journalismus. Jede Woche.

Hol mich hier raus, FALTER!


nachhaltig

JUNGBLEIBEN


»Die Kammern für Arbeiter und Angestellte und die Bundeskammer für Arbeiter und Angestellte sind berufen, die sozialen, wirtschaftlichen, beruflichen und kulturellen Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zu vertreten und zu fördern.« ARBEITER KAMMER GESETZ

kultur.arbeiterkammer.at


KULTUR IST, WENN MAN KEINE GRENZEN SETZT. Die Wiener Städtische fördert künstlerische Vielfalt und den kulturellen Dialog mit KünstlerInnen, KundInnen und Unternehmen. wienerstaedtische.at

Wir unterstützen das.


IMPRESSUM VERLEGER, HERAUSGEBER Volkstheater Ges.m.b.H. Arthur-Schnitzler-Platz 1, 1070 Wien info@volkstheater.at, Tel +43 1 52 111-0 Künstlerische Direktion KAY VOGES Kaufmännische Direktion CAY STEFAN URBANEK Redaktion KAY VOGES, CALLE FUHR, CHRISTOPH GURK, ULF FRÖTZSCHNER, HENNING NASS, ANNE-KATHRIN SCHULZ, MATTHIAS SEIER, JENNIFER WEISS Chef vom Dienst LISA KERLIN Fotos Umschläge und Ensemble, Calle Fuhr & Kay Voges (S.49-72) MARCEL URLAUB, marcelurlaub.com Wien-Fotos MARCEL URLAUB, marcelurlaub.com (S. 6–9, 12–15, 17, 18, 20, 22, 24–27, 32, 34–39, 41, 42, 46–47, 73–77, 82–83, 92–97, 100–101, 106–123) Inszenierungs-Fotos NIKOLAUS OSTERMANN, nikolausostermann.com (S. 10–11, 16, 19, 21, 23, 31, 33, 78–79, 90–91) BIRGIT HUPFELD, hupfeld.org (S.31) Illustration S. 28 von JONATHAN MEESE Illustration S. 40 von RAGNAR KJARTANSSON Étude for an Emergency S. 45 NICOLE MARIANNA WYTYCZAK Stills aus den Videos von MARVIN KANAS und MAX HAMMEL (S. 48, 102–105) Bilder aus dem Film von RAGNAR KJARTANSSON (S.80) Fotos im Volkstheater ULRIKE SCHILD (S. 86) Nackt & Mutiert Shutterstock (S. 87) Rendering S. 99 von PHILIP GRÖNING Portraits Jonathan Meese RENE PÄPKE (S. 29) Florentina Holzinger APOLLONIA THERESA BITZAN (S. 44) Paul Wallfisch PHILIP LETHEN (S. 85) Fahim Amir JAKOB GSÖLLPOINTNER (S. 87) Grafik MARKUS GÖBL, TINA KNOLL Druck WALLA DRUCK Stand 1. Auflage, 14.05.2021 Druck- und Satzfehler sowie Änderungen vorbehalten

MIT BESONDEREM DANK AN DAS HAUS DES MEERES! Wir kommen gerne wieder.

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