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Wien-Premiere von Nick Payne aus dem Englischen von Corinna Brocher Regie Péter Sanyó in der Dunkelkammer Bühne DAINA KASPEROWITSCH Kostüm FRIEDERIKE WÖRNER Musik PC NACKT Dramaturgie ROMAN SENKL

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Marianne ist Quantenphysikerin. In ihrer Arbeit sucht sie nach Beweisen für parallele Universen. Roland ist Imker. Er blickt mit dem rational-bodenständigen Blick eines Biologen auf die Welt. Auf einer Grillparty gemeinsamer Freunde treffen und verlieben sie sich. Aber nochmals von vorn: Marianne ist Quantenphysikerin. Roland ist Imker. Auch die Grillparty gibt es, man* wechselt ein paar freundliche Sätze – doch diesmal funkt es nicht. Aber nochmals von vorn: KONSTELLATIONEN ist ein Stück für zwei Figuren und Dutzende alternative Schicksale. Anhand einer einzigen Beziehung und ihrer zahllosen möglichen Verläufe deutet der britische Dramatiker Nick Payne das menschliche Drama um Leben, Liebe und Schicksal immer wieder neu. Denn wenn Mariannes quantenphysikalische Forschungen über das Multiversum stimmen, dann existiert jede auch nur irgendwie denkbare Variation unserer Leben in einem gigantischen Ensemble paralleler Welten: Ja und Nein, tot und lebendig, Für und Wider – in der Quantenphysik ist beides gleichzeitig denkbar. So führt uns KONSTELLATIONEN durch den Garten der Pfade, die sich unendlich verzweigen: Mal schafft es die Beziehung von Marianne und Roland nicht mal bis zum ersten Kuss, mal ziehen die beiden direkt zusammen und planen die Hochzeit. Mal geht er fremd, mal sie. Mal trennen sie sich, mal bleiben sie sich treu. Eine metaphysische Paarkomödie, ein kubistisches Beziehungsdrama, eine Ode an all die verpassten Chancen und kleinen Glücks­momente: Mit Leichtigkeit, Humor und Raffinesse stellt das Stück, das 2012 in London zur Premiere gekommen ist, jahrhundertealte lineare Erzähltraditionen auf den Kopf. Ganz nebenbei rüttelt KONSTELLATIONEN an den großen Fragen: Wie sähe unser Leben aus, wenn wir nach entscheidenden Weggabelungen die Zeit hätten zurückdrehen können? Welches Glück ist uns entgangen, welches Unheil hat uns verschont, welche Alternativen hätten wir gehabt? Und was, wenn Zeit und Raum nicht bloß Hintergrundrauschen unseres Lebens sind – sondern aktive Mitspieler*innen?

SPIELZEIT 20/21

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